Uni-Tübingen

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19.09.2017

Wie stehen Parteien zur Wissenschaftspolitik?

Tübinger Doktorand an deutschlandweiter Befragung vor der Wahl beteiligt

Teilnehmer des 1. Treffens des Forums der Doktorandenkonvente Baden-Württemberg in Tübingen 2015, Kevin Körner in der unteren Reihe, 2. von rechts. Foto: privat

Acht deutsche Promovierenden-Netzwerke haben vor der Bundestagswahl Parteien zu ihrer Haltung in Sachen Wissenschaftspolitik befragt. Beteiligt war auch der Tübinger Doktorand Kevin Körner, der dem Doktorandenkonvent der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät vorsteht. Die aufwendig erhobenen Ergebnisse wurden im Internet veröffentlicht und sind unter http://doktoranden.mnf.uni-tuebingen.de/ abrufbar.

In der Umfrage wurden die Parteien CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, FDP und AfD befragt, wie sie Wissenschaftspolitik in den kommenden vier Jahren ausrichten wollen. Hierfür wurden Fragen zu den Themenfeldern I) Wissenschaft in Gesellschaft und Politik, II) Promotion und Karriere in der Wissenschaft, III) Rahmenbedingungen der Promotion und IV) Wissenschaftlicher Austausch vorgelegt. Die Antworten sollen Doktorandinnen und Doktoranden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie allen interessierten Wählerinnen und Wählern eine Entscheidungshilfe für die Bundestags-Wahl am 24. September an die Hand geben.

Bereits Ende 2016 hatten erste Gespräche zwischen der Vorsitzenden des Verbunds Thesis e.V., Anna Tschaut, und dem Tübinger Kevin Körner stattgefunden, der die Arbeitsgruppe „Vernetzung des Forums der Doktorandenkonvente Baden-Württemberg“ leitet. Man war sich schnell einig, dass die Beteiligung an der Umfrage eine Chance für die noch sehr jungen Doktorandenkonvente des Landes sei und ihre Sichtbarkeit erhöhe.

Im Frühjahr 2017 wurden in einem zeitintensiven Prozess Fragebögen erarbeitet: Alle Beteiligten hatten die Möglichkeit, Fragen an die Parteien in einem eigens angelegten Online-Dokument zu hinterlegen. „Dabei erwies sich als Vorteil, dass genau in diesem Zeitraum ein landesweites Treffen der Konvente in Stuttgart stattfand, so dass wir im direkten Gespräch Fragen diskutieren konnten“, erzählt Körner. Danach sei der Fragenkatalog in nahezu wöchentlich stattfindenden Telefonkonferenzen auf die wichtigsten reduziert worden. Die Befragung der Parteien erfolgte im Mai 2017 per E-Mail. „Auch das war komplex“, sagt der Doktorand. „Beispielsweise hatten manche Parteien zu dieser Zeit ihr Wahlprogramm noch nicht verabschiedet, andere waren nur nach mehrfacher Nachfrage erreichbar – am Ende haben aber alle fristgerecht geantwortet.“

Das Dokument mit allen Antworten wurde im August im Internet veröffentlicht und an Medien wie auch wissenschaftsnahe Institutionen verteilt. „Wir haben uns darauf geeinigt, die Ergebnisse ohne Wertung zu veröffentlichen, um Unentschlossene nicht in ihrer Wahlentscheidung zu beeinflussen“, sagt Kevin Körner. Er sieht in dem Dokument eine solide Grundlage, um die Positionen der Parteien bezüglich Wissenschaft im Allgemeinen und Promotion im Speziellen zu überprüfen und dann eine eigene Wahlentscheidung zu treffen.

An der Parteienbefragung nahmen folgende bundesweit Netzwerke teil: DR.FSU – Rat der Doktorandinnen und Doktoranden der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Forum der Doktorandenkonvente Baden-Württemberg; Helmholtz Juniors; Leibniz PhD Network; Max Planck PhDnet; Promovierenden-Initiative; ProRat Leipzig – Promovierendenrat der Universität Leipzig; THESIS e. V. – Interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte.

Doktorandenkonvente der Universität Tübingen

Doktorandenkonvente sind noch sehr junge Netzwerke: Erst 2014 verankerte Baden-Württemberg diese Hochschulorgane im Landeshochschulgesetz. Eingeführt, um den bisher nur unzureichend in den Hochschulgremien vertretenen Promovierenden eine gemeinsame beratende Stimme zu geben, erlaubt das LHG die Bildung der Konvente auf Hochschul- oder auf Fakultätsebene. Laut Gesetzestext sollen Konvente Hochschulen in Fragen zu Promotionsordnungen beraten. Darüber hinaus arbeiten sie in Fragen, die Promovierende betreffen, intensiv mit den Hochschulen sowie der Landesregierung zusammen und haben sich im Forum der Doktorandenkonvente Baden-Württemberg landesweit vernetzt.

Beispielsweise wurden an der Universität Tübingen die Konvente in die Ausarbeitung der „Richtlinien für die Befristung von Arbeitsverhältnissen“ sowie die „Human Resource Strategies for Researchers“ einbezogen und arbeiten eng mit der Graduiertenakademie zusammen. Auf Landesebene sind die Konvente zurzeit bezüglich der Thematik „Eigene Statutsgruppe für Doktorand*Innen“ intensiv mit dem Wissenschaftsministerium in Kontakt. Darüber hinaus bieten viele Konvente Social Events an um die Doktorandeninnen und Doktoranden untereinander zu vernetzen, beispielsweise durch Stammtische und Thesis-Schreibtreffs.

Konvente sind an der Universität Tübingen auf Fakultätsebene angesiedelt und bereits Anfang 2015 fand an nahezu allen Fakultäten (bis auf die Juristische Fakultät) die konstituierende Sitzung statt. „Alle Promovierenden der Universität Tübingen sind eingeladen, sich aktiv an den Konventen zu beteiligen“, sagt Kevin Körner. Weitere Informationen und Kontakt unter www.uni-tuebingen.de/forschung/graduiertenakademie/vernetzung/doktorandenkonvente.html


Kevin Körner

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