Uni-Tübingen

Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2026: Leute

Neu berufen an die Universität Tübingen


Professor Dr. Maximilian Benz

W3-Professur für Deutsche Philologie/Mediävistik (Philosophische Fakultät)

Im Oktober 2025 hat Maximilian Benz die Professur für Deutsche Philologie in der Mediävistik angetreten. Er studierte Klassische und Deutsche Philologie sowie Erziehungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Humboldt-Universität Berlin. 2012 wurde er mit einer Arbeit zum Thema „Gesicht und Schrift. Die Erzählung von Jenseitsreisen in Antike und Mittelalter“ an der Humboldt-Universität promoviert. In seinem Promotionsprojekt setzt er sich mit dem Sujet der Jenseitsreise auseinander, bei der die seelisch oder körperlich Reisenden von einem Engel geführt werden und Räume der Strafe und des Heils erleben. Diese Texte, so Benz, präge ein Erzählverfahren, das aus frühjüdischen Texten stamme und noch wesentlicher Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses des Mittelalters sei. 2019 folgte die Habilitation mit der Monographie „Arbeit an der Tradition. Studien zur literarhistorischen Stellung und zur poetischen Struktur der Werke Rudolfs von Ems“. Von 2020 bis 2025 hatte Benz eine DFG-Heisenbergprofessur an der Universität Bielefeld inne, bevor er den Ruf an die Universität Tübingen annahm. 2022 wurde er zudem als Fellow an das Wissenschaftskolleg zu Berlin berufen.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der geistlichen Literatur des Spätmittelalters, der höfischen Kultur und der Sozialgeschichte der Literatur. In seinem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt sich Maximilian Benz unter dem Titel „Schemen des Selbst“ mit den Veränderungen in der Konzeption des Selbst an der Schwelle zur Neuzeit und lotet Handlungsfreiräume für den Einzelnen innerhalb des christlichen Zusammenhangs aus. Auf die Frage nach seinem Fokus in der Lehre antwortet er: „Bei mir wird viel geliebt und viel gestorben.“ So trägt seine aktuelle Vorlesung in Tübingen den einschlägigen Titel: „Ungeliebtsein. Literatur über die Verlassenen und Verhöhnten“. 

Franziska Hammer


Professorin Dr. Christina Brauner

W3-Professur für Globalgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (Philosophische Fakultät)

Christina Brauner hat zum Juni 2025 die Professur für Globalgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit übernommen. Sie studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Münster. Anschließend war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme“ der Universität Münster tätig und wurde 2014 mit der Arbeit „Kompanien, Könige und caboceers. Interkulturelle Diplomatie an Gold- und Sklavenküste, 17.–18. Jahrhundert“ promoviert. Im Zentrum der Studie stehen die europäisch-afrikanischen Beziehungen und Verflechtungsprozesse an der Gold- und Sklavenküste dieser Zeit. Von 2014 bis 2018 war sie an der Universität Bielefeld als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Akademische Rätin a.Z. beschäftigt. Weitere Stationen führten sie an die Princeton University, das University College London und die Humboldt-Universität zu Berlin, bevor sie 2019 auf die Tenure-Track-Juniorprofessur für Globalgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit nach Tübingen berufen wurde.

In ihrer Forschung beschäftigt sich Christina Brauner mit Global- und Verflechtungsgeschichte, Wirtschafts- und Handelsgeschichte, Religionsgeschichte, der Geschichte (West)Afrikas und der Atlantischen Welt vor 1850 sowie der Geschichte der Außenbeziehungen und des Völkerrechts. Für ihr zweites Buch hat sie Praktiken der Werbung zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert untersucht und rekonstruiert, wie Dinge bewertet, beworben und verkauft wurden, und nimmt so Märkte als soziale Handlungsräume in den Blick. Auf diese Weise lassen sich gängige Gegenüberstellungen von „moderner“ und „vormoderner“ Ökonomie hinterfragen, die bis heute unser Denken über Märkte und mögliche Alternativen bestimmen. Sie hat verschiedene Beiträge zu Theorien und Methodik in der Globalgeschichte vorgelegt und sich mit Fragen von Zeitlichkeit und Epochenkonstruktionen sowie dem Verhältnis von Global- und Regionalgeschichte auseinandergesetzt. Darüber hinaus arbeitet sie zu globalen Christentümern, u.a. gemeinsam mit Johannes Gradel in einem DFG-Forschungsprojekt zur Kapuzinermission im Königreich Kongo im Zeitraum 1645–1715.

Franziska Hammer


Juniorprofessorin Dr. Elisabeth Kraus

W1-Juniorprofessur für Methoden der Empirischen Bildungsforschung (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)

Seit März 2025 verstärkt Juniorprofessorin Dr. Elisabeth Kraus das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen als Juniorprofessorin für Methoden der Empirischen Bildungsforschung. Ihr Studium der Psychologie an der Universität Freiburg schloss Kraus 2015 mit dem Bachelor of Science ab. Es folgte ein Masterstudium in Psychologie mit Schwerpunkt Learning Sciences an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das sie 2017 abschloss. Von 2018 bis 2022 promovierte sie in Psychologie an der LMU München und war parallel als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Educational Data Science an der Universität Regensburg tätig. Zusätzlich erwarb sie 2023 einen Master of Science in Statistik an der LMU München. Vor ihrer Berufung nach Tübingen arbeitete Kraus als Postdoktorandin im Bereich Computational Modelling in Psychology an der LMU München.

Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung und Anwendung quantitativer Methoden in der Bildungsforschung. Forschungsschwerpunkte von Elisabeth Kraus sind Psychometrie, der Einsatz von maschinellem Lernen in der Bildungsforschung sowie die Nutzung von Evaluationsdaten für individuelle Trainingsempfehlungen. 

„Mich fasziniert es, tieferliegende Strukturen zu erkennen, wiederkehrende Muster und Zusammenhänge in Daten sichtbar zu machen und die gewonnenen Erkenntnisse dabei immer wieder auf die Probe zu stellen“, sagt Kraus. Vor Kurzem erschien ihr Lehrbuch Machine Learning: Eine Einführung für Psychologie, Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Buch bietet unter anderem eine Einführung in Grundideen und Anwendungsfelder maschinellen Lernens und richtet sich an alle, die die Potenziale für wissenschaftliche Fragestellungen und innovative Ansätze nutzen möchten. 

Philipp Sigle


Juniorprofessor Blake Scott

W1-Juniorprofessur für Allgemeine Rhetorik (Philosophische Fakultät)

Seit September 2025 hat Blake Scott die Juniorprofessur für Allgemeine Rhetorik inne. Er studierte Philosophie an der University of Windsor in Kanada und nahm nach seinem Masterabschluss ein Promotionsstudium an der KU Leuven in Belgien auf. 2023 wurde er mit seiner Arbeit „The Rhetoricity of Philosophy: Audience in Perelman and Ricoeur after the Badiou-Cassin Debate“ promoviert. Darin widmet er sich dem komplexen Verhältnis von Philosophie und Rhetorik. Wo bisher häufig die Uneinigkeit beider Disziplinen gesehen wurde, nimmt Blake Scott eine Gemeinsamkeit in den Blick: Sowohl Philosophie als auch Rhetorik richten sich an ein Publikum. Aus dieser Perspektive kann Philosophie auch als eine rhetorische Praxis betrachtet werden. 

Die Forschungsschwerpunkte von Blake Scott liegen an der Schnittstelle zwischen Rhetorik, Philosophie und Sozialwissenschaften: Er befasst sich mit der Theorie und Praxis der Argumentation und ihren sozialen Bedingungen. Unter dem Stichwort „Philosophie der Stadt“ widmet er sich darüber hinaus raumphilosophischen Fragen. Sein besonderer Fokus liegt auf dem Projekt der Neuen Rhetorik, deren Vordenker:in Chaïm Perelman und Lucie Olbrechts-Tyteca sind. Beide argumentieren für eine Neubewertung der Rhetorik und analysieren dazu die Ursprünge der Rhetorik, um demokratische Gesellschaften durch rhetorisches Bewusstsein vor Territorialismus und Krieg zu bewahren. In seiner Lehre führt Blake Scott die Studierenden in die Argumentationstheorie ein.

Franziska Hammer


Professorin Dr. Sabine Valenta

W3-Professur für Pflegewissenschaft (Medizinische Fakultät)

Sabine Valenta hat zum 1. Januar 2026 die W3-Professur für Pflegewissenschaft mit dem Schwerpunkt Versorgungsforschung an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsklinikum Tübingen angetreten.

Professorin Valenta studierte Pflegewissenschaft an der Universität Basel (CH), wo sie 2012 den Bachelor of Science in Nursing und 2015 den Master of Science in Nursing (MScN) erwarb. Im Jahr 2020 schloss sie ihre Promotion in Pflegewissenschaft (Dr. sc. med.) mit Auszeichnung ab. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Unterstützung von Krebspatientinnen und -patienten sowie deren Angehörigen bei der Schmerzselbstmanagement-Schulung und evaluierte dabei Lernprozesse und Symptombelastungen. Nach ihrer Promotion setzte sie ihre wissenschaftliche Laufbahn als Postdoctoral Research Fellow am Institut für Pflegewissenschaft (INS) der Universität Basel fort und war parallel als Advanced Practice Nurse (APN) in der Hämatologie des Universitätsspitals Basel tätig. Seit 2023 ist sie dort zudem als klinische Pflegewissenschaftlerin in der Abteilung Praxisentwicklung und Forschung der Medizinischen Direktion tätig. Ergänzend absolviert sie den Certificate of Advanced Studies (CAS) „Leadership in Healthcare“ an der Universität Basel und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

In ihrer Forschung konzentriert sich Sabine Valenta auf die Implementierungswissenschaft, die Entwicklung und Evaluation von Advanced Practice Nursing (APN)-Rollen sowie auf innovative Versorgungsmodelle, insbesondere im Bereich der Hämatologie und Onkologie. Sie ist Co-Principal Investigator mehrerer geförderter Forschungsprojekte, darunter das international anerkannte SMILe-Projekt, in dessen Rahmen sie als Teil eines interdisziplinären und international vernetzten Forschungs- und Klinikteams ein eHealth-gestütztes, integriertes Versorgungsmodell für Patientinnen und Patienten nach allogener Stammzelltransplantation an das Schweizer Versorgungssystem adaptiert, implementiert und evaluiert hat.

Ihre wissenschaftlichen Arbeiten wurden durch verschiedene nationale Förderinstitutionen – darunter die Werner und Hedy Berger-Janser Stiftung sowie die Stiftung Pflegewissenschaft Schweiz – unterstützt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit Ehrungen der Schweizerischen Gesellschaft für Onkologische Pflege sowie dem Preis für das beste eingereichte pflegerische Abstract der Nurses Group an der Jahrestagung der European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) im Jahr 2019. Darüber hinaus engagiert sich Sabine Valenta aktiv in der wissenschaftlichen Gemeinschaft: Sie ist Mitglied des Forschungskomitees der Nurses Group der European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) sowie weiterer nationaler und internationaler Fachgesellschaften. Zudem wirkt sie als Gutachterin für zahlreiche wissenschaftliche Fachzeitschriften und ist regelmäßig als Dozentin und Expertin in den Bereichen Implementierungsforschung, digitale Gesundheit und Pflegeinnovation tätig.

Im Zentrum ihrer künftigen Tätigkeit in Tübingen steht der Ausbau der Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft in der Pflege, mit einem besonderen Fokus auf interprofessionelle, evidenzbasierte und technologiegestützte Modelle der Gesundheitsversorgung. Ziel ihrer Arbeit ist es, wissenschaftlich fundierte Strategien zu entwickeln, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Patientinnen- und Patientenversorgung, insbesondere bei komplexen chronischen Erkrankungen, beitragen.

Steven Pohl