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		<title>Archiv</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/</link><description>Der RSS Feed der Universität Tübingen</description><language>en-EN</language><copyright>Universität Tübingen</copyright><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 22:46:29 +0100</pubDate><lastBuildDate>Mon, 16 Mar 2026 22:46:29 +0100</lastBuildDate><item><guid isPermaLink="false">news-128259</guid><pubDate>Tue, 10 Feb 2026 14:07:25 +0100</pubDate><title>Seltene Vornamen erzählen mehr</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/seltene-vornamen-erzaehlen-mehr/</link><description>Forscherteam unter Leitung der Universität Tübingen entdeckt Parallelen in Informationsstruktur von Namenssystemen verschiedener Kulturen – Folgen für Menschen ostasiatischer Gesellschaften </description><content:encoded><![CDATA[<p>Vornamen in westlichen Ländern sind heutzutage vielfältiger als vor dem Entstehen moderner Staaten. Dieser Unterschied kam im 17. Jahrhundert in weiten Teilen Europas und dem englischsprachigen Raum in Folge eines Wandels im Namenssystem auf. Die Entwicklung führte weg von zugeschriebenen Nachnamen aufgrund des Berufs oder Äußerlichkeiten, wie Hans (der) Kleine, hin zum vererbten Nachnamen. Diese Fixierung des Nachnamens bedeutete einen Informationsverlust im Namenssystem, der ausgeglichen werden musste – weshalb der erste Teil des Namens, der Vorname, heute immer mehr Informationen vermitteln muss. Das haben Forschende der Universität Tübingen, des <span lang="en" dir="ltr">Massachusetts Institute of Technology (MIT)</span>, der <span lang="en" dir="ltr">University of California at Irvine</span> und de<span lang="en" dir="ltr">r University of Texas, Austin</span> herausgefunden. Ihre Studie ist nun in <i>Nature Communications</i> erschienen.</p><p>Die Forschenden nutzten einen Ansatz basierend auf der Informationstheorie, mit der sich der Informationsgehalt in Wörtern mathematisch messen lässt. „Wir messen den Informationsgehalt daran, inwieweit jeder Teil eines Namens dazu beiträgt, Ungewissheiten mit Blick auf die Identität einer bestimmten Person auszuräumen“, sagte Michael Ramscar von der Universität Tübingen und Erstautor der Studie. Ein gängiger Name, den viele Personen tragen, wie Johannes, ist weniger geeignet einzelne Personen zu identifizieren, führt aber dazu, dass weniger Namen im System kursieren und das Gedächtnis nicht überfordert wird. Dasselbe gilt umgekehrt für ungewöhnliche Namen. „Gängige, vorhersagbare Vornamen wie Johannes beinhalten weniger Informationen, während unübliche und somit unvorhersagbare Vornamen wie Bartholomäus mehr Informationen vermitteln“, sagte Richard Futrell von der<span lang="en" dir="ltr"> University of California at Irvine.</span></p><p>Weltweit, früher wie heute, haben Namenssysteme aus Sicht der Forschenden zwei wichtige Einschränkungen: Zum ersten müssen Namenssysteme eine gesonderte Identifikation einer Vielzahl an Menschen erlauben, während sie die Menge an Wörtern überschaubar halten müssen. Dafür entwickelten Gesellschaften weltweit Vornamen aus einer kleinen Menge an Wörtern wie Hans oder Karl in Kombination mit Alltagswörtern wie Müller, Schmied oder Klein. Indem Vornamen und Nachname kombiniert werden, lässt sich Informationen auf beide Namen verteilen. Das ermöglicht viele Namenskombinationen, um eine Person identifizieren zu können, ohne neue Wörter entwickeln zu müssen. Bevor vererbte Nachnamen aufkamen, konnte derselbe Hans – je nach Kontext – Hans (der) Schmid oder Hans (der) Kleine sein. Historisch betrachtet hatten Vornamen deshalb einen geringen Informationsgehalt und waren zugleich über Kulturgrenzen hinweg das vorrangige Mittel, um auf Personen zu verweisen.</p><h3>In Südkorea teilt sich die Hälfte der Bevölkerung sechs Vornamen</h3><p>Zwar mag es aus westlicher Perspektive seltsam erscheinen, dass heute 50 Prozent der südkoreanischen Bevölkerung sechs Wörter für den „Vornamen“ nutzen. Wobei es sich nur im Wortsinn um den „Vornamen“ handelt, denn im ostasiatischen Kulturraum stellt der erste Teil des Namens mit seinem geringen Informationsgehalt den vererbten, fixierten Teil dar. Im Gegensatz dazu wurde in westlichen Ländern der Nachname vererbt und damit fixiert. Die Studie zeigt, dass die historische Verteilung von Vornamen mit geringem Informationsgehalt in westlichen Ländern und die heutige Verteilung von „Vornamen“ mit geringem Informationsgehalt im ostasiatischen Kulturraum gesehen weitaus ähnlicher waren als heute. Historische Daten aus England zwischen 1550 und 1880 belegen das in Abständen von 50 Jahren. Die Hälfte der männlichen Bevölkerung erhielten Vornamen wie „<span lang="en" dir="ltr">John</span>“, „<span lang="en" dir="ltr">William</span>“, „<span lang="en" dir="ltr">Thomas</span>“, die Hälfte der weiblichen „<span lang="en" dir="ltr">Ann</span>“, „<span lang="en" dir="ltr">Mary</span>“ und „<span lang="en" dir="ltr">Elizabeth</span>“. Auch die historische Verteilung der restlichen Vornamen im England entsprach derer im heutigen Südkorea.</p><p>Als im Westen die Bevölkerung wuchs und sich staatliche Strukturen entwickelten, entstand die rechtliche Notwendigkeit, Menschen über vererbte Nachnamen zu identifizieren, weshalb sich flexible in fixierte Nachnamen wandelten. Deshalb mussten Vornamen mehr Informationen vermitteln als zuvor. Diese Entwicklung konnten die Forschenden anhand eines Datensatzes finnischer Kirchenbücher zwischen 1600 und 1900 und fünf Millionen Geburtsdaten nachvollziehen, die in dem Land asymmetrisch verlief. „Sie nahm im Osten ihren Anfang und ging dann in den Westen über“, wie <span lang="en" dir="ltr">Kyle </span>Mahowald von der Universität <span lang="en" dir="ltr">of Texas (Austin)</span> erklärt. „Die heutige Vielfalt an Vornamen in der westlichen Welt ist also weniger Ausdruck von Individualität, sondern eher Folge des begrenzten Informationsgehalts im vererbten Nachnamen“, sagte Michael Ramscar.</p><h3>Charles Darwin und Charles Dickens müssten als Charles D. publizieren</h3><p>Werden Namen von ostasiatischen Forschenden an westliche Namenssysteme angepasst, untergräbt das deren Kommunikationsfunktion. Im ostasiatischen Raum wird der erste Teil des Namens vererbt, der weniger Informationen vermittelt als der vergebene Nachname. Das Problem: Die Reihenfolge der Namen von Forschenden aus dem ostasiatischen Raum wird aufgrund des Augenmerks auf vererbte westliche Namen für die Publikationen umgekehrt. Bei asiatischen Forschenden wird der Teil, der mehr Informationen transportiert, initialisiert; der Teil, der weniger Informationen transportiert, wird ausgeschrieben, also voll wiedergegeben. „Für Forschende aus China ist es also heute so, als hätten Charles Darwin, Charles Dickens und Charles <span lang="en" dir="ltr">Dodgson </span>alle ihre Werke erzwungenermaßen unter dem Namen Charles D. veröffentlichen müssen“, sagte Sihan Chen vom MIT. Die Studie zeigt: Wird die eigentliche Reihenfolge gemäß kulturellen Gegebenheiten jedoch beibehalten, vermitteln ostasiatische und westliche Namen dieselbe Menge an Informationen.</p><p>„Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen eindrucksvoll die Bedeutung und die Komplexität von Namenssystemen weltweit. Zugleich zeigen uns die Forschenden eine Problematik auf, die von uns allen mehr Sensibilität für kulturelle Entwicklungen verlangt und uns veranlassen muss, Gepflogenheiten zu überdenken“, sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128094</guid><pubDate>Tue, 03 Feb 2026 12:51:25 +0100</pubDate><title>Ahnenbild kehrt nach 250 Jahren zu den Māori zurück</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ahnenbild-kehrt-nach-250-jahren-zu-den-maori-zurueck/</link><description>Universität Tübingen gibt kunstvoll geschnitztes Ahnenbild an Māori-Gemeinschaft in Neuseeland zurück - Britischer Seefahrer James Cook hatte Pou der Hinematioro vor 250 Jahren nach Europa gebracht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das „Pou der Hinematioro“ genannte Ahnenbild verkörpert die lebendige Präsenz der Herrscherin Hinematioro. Sie lebte vor gut 250 Jahren, zur Zeit von James Cook erster Landung, in Neuseeland und galt als charismatische Führungsfigur. Der britische Seefahrer und seine Crew brachten das „Pou der Hinematioro“ 1771 nach London. Von dort gelangte es über Umwege in die Ethnologische Sammlung der Universität Tübingen. Die Universität Tübingen gibt es vermutlich im März an die Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti zurück.</p><h3>Das Pou ermöglicht eine spirituelle Verbindung zu den Ahnen</h3><p>Das Pou ist einen Meter hoch und 33 Zentimeter breit und wurde aus rotem Tatara-Holz mit Steinwerkzeugen geschnitzt. Es zeigt eine stehende Figur, Ornamente und kunstvoll geriffelte Muster umspielen Zunge, Gesicht und Körper. Ein Pou hat bei den Māori seinen Platz im heiligen Versammlungshaus wharenui und ermöglicht eine spirituelle Verbindung zu den Ahnen. Die gute Erhaltung des Pou der Hinematioro und die Verbindung der Gemeinschaft zu der Skulptur über Kontinente und Jahrhunderte hinweg machen die Skulptur einzigartig.</p><h3>Historische Verantwortung</h3><p>Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin <strong>Petra Olschowski</strong> sagte: „Nicht nur in unseren Museen, sondern auch in unseren Universitätssammlungen befinden sich noch zahlreiche Kulturgüter aus kolonialen Kontexten, die in heute nicht mehr vertretbarer unethischer Weise erworben wurden. Ich bin froh, dass sich die Gremien der Universität ihrer historischen Verantwortung bewusst sind und eine Rückgabe der Skulptur beschlossen haben. Damit werden zugleich die Voraussetzungen dafür geschaffen, den partnerschaftlichen Dialog mit der <span lang="en" dir="ltr">Community </span>und Partnern in Neuseeland weiterzuführen.“</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) <strong>Karla Pollmann</strong>, sagte: „Das Pou und seine Geschichte hat zu einer langjährigen Beziehung zwischen der Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti und der Universität Tübingen geführt. Diese Beziehung wollen wir auch in die Zukunft hinein pflegen und einen positiven Beitrag zur Rückgabe von Museumsstücken in Länder mit Kolonialgeschichte leisten.“</p><p><strong>Victor Walker</strong>, der Sprecher der Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti, sagte: „Das Pou repräsentiert unsere Herrscherin Hinematioro und die Reihe ihrer Ahnen bis zum Beginn unserer Zeit als Gemeinschaft. Das Pou verbreitet Lebenskraft mauri. Wenn wir es berühren oder in seiner Nähe sind, spüren wir den Atem und die Präsenz unserer Ahnen und fühlen uns lebendig.“ Die Gemeinschaft ist in Ūawa an der Ostküste der Nordinsel zuhause und verfügt wie jede Māori-Gemeinschaft über mehrere Pous in ihrem Versammlungshaus.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128058</guid><pubDate>Mon, 02 Feb 2026 15:42:07 +0100</pubDate><title>Auszeichnung für Erforschung des steinzeitlichen Lebens in der Vogelherdhöhle</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auszeichnung-fuer-erforschung-des-steinzeitlichen-lebens-in-der-vogelherdhoehle/</link><description>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht an Benjamin Schürch – Erkenntnisse aus dem Zeitraum der frühen Ausbreitung moderner Menschen über Zentraleuropa</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie wird in diesem Jahr an den Ur- und Frühgeschichtswissenschaftler Dr. Benjamin Schürch von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verliehen. Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen wird dem Wissenschaftler für seine Dissertation zuerkannt. Darin untersuchte er bereits früher erforschte bis zu 120.000 Jahre alte Funde aus der Zeit der Neandertaler sowie erster moderner Menschen aus der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der Schwäbischen Alb erneut mithilfe zahlreicher innovativer Methoden. So konnte er spannende neue Einblicke zu Einzelheiten des menschlichen Lebens aus der Kulturstufe des Aurignaciens rekonstruieren. Dieses bezeichnet den Zeitraum vor rund 42.000 bis 35.000 Jahren, als sich nach dem Verschwinden der späten Neandertaler die anatomisch modernen Menschen in Zentraleuropa ausbreiteten und lebten – und Menschen erstmals gegenständliche Kunst und Musikinstrumente schufen.</p><p>Die Vogelherdhöhle gilt als eine der bedeutendsten altsteinzeitlichen Fundstellen Europas. „Fast hundert Jahre nach der Entdeckung der Höhle im Jahr 1931 gelang es Benjamin Schürch in eindrucksvoller Weise, der Fundstelle durch den vielseitigen Einsatz verschiedener Techniken noch neue Geheimnisse zu entlocken“, sagt Professor Harald Floss vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, der die Laudatio auf den Preisträger hält.</p><p>Schürch habe Funde wie unter anderem Steinwerkzeuge einer Neubewertung unterzogen und mithilfe moderner Analysemethoden nachgewiesen, dass die damaligen Menschen Gesteinsrohmaterialien und für Schmuck verwendete Weichtierschalen aus größeren Entfernungen in die Höhle gebracht haben müssen. „Außerdem konnte er erstmals Belege für die menschliche Besiedlung der Vogelherdhöhle in der Kulturstufe des Gravettien, der auf das Aurignacien folgenden Kulturstufe, wie auch der späteren Mittelsteinzeit feststellen. Seine nun preisgekrönte Arbeit ist eine wichtige Bereicherung für das Verständnis der altsteinzeitlichen Besiedlungsgeschichte der Schwäbischen Alb“, sagt Floss.</p><p>Benjamin Schürch ist Alumnus der Universität Tübingen. Er studierte hier von 2012 bis 2018 Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie und wurde hier auch 2024 in dem Fach promoviert. „Wegen seines persönlichen Engagements erbrachte er bedeutende Leistungen in der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie“, sagt Floss. Forschungsaufenthalte führten ihn an die <span lang="en" dir="ltr">University of Connecticut, USA</span>, sowie an die belgische Universität Liège. Als Kustos und Wissenschaftlicher Mitarbeiter war Schürch im Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen und in der Sammlung der Älteren Urgeschichte an der Universität Tübingen für verschiedene Sammlungen und Ausstellungen zuständig. Seit Oktober 2025 ist er Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.</p><p>„Der an junge Forscherinnen und Forscher weltweit vergebene Preis hat bereits eine lange Tradition. Er hebt die Bedeutung dieses großen und erfolgreichen Tübinger Forschungsgebiets in besonderer Weise hervor“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><p>Der mit 7.500 Euro dotierte Tübinger Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie wird von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und in diesem Jahr zum 28. Mal vergeben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-127728</guid><pubDate>Mon, 26 Jan 2026 21:00:00 +0100</pubDate><title>Frühester Nachweis von Menschenhand genutzter Holzwerkzeuge</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehester-nachweis-von-menschenhand-genutzter-holzwerkzeuge/</link><description>Internationales Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Reading sowie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung entdeckt rund 430.000 Jahre alte Belege in griechischer Fundstätte</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die bisher frühesten bekannten Holzwerkzeuge, die Menschen herstellten und mit ihrer Hände Arbeit nutzten, stammen aus der Fundstätte Marathousa 1 in der Region Megalopolis im zentralen Peloponnes in Griechenland. Der Datierung zufolge sind sie rund 430.000 Jahre alt. Die Funde beschreibt ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, Großbritannien und Griechenland unter der gemeinsamen Leitung von Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Dr. Annemieke Milks von der Universität Reading in einer Studie, die nun in der Fachzeitschrift <i>PNAS</i> veröffentlicht wurde.</p><p>Das Forschungsteam entdeckte zwei von Menschen hergestellte und gebrauchte Werkzeuge aus Erlenholz beziehungsweise Weiden- oder Pappelholz aus dem Mittelpleistozän bei der systematischen Untersuchung von hölzernen Fundstücken aus Marathousa 1. Diese Objekte sind die ältesten jemals gefundenen Holzwerkzeuge, die den Nachweis des Werkzeuggebrauchs dieses Typs um mindestens 40.000 Jahre weiter in die Vergangenheit zurückschieben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-127461</guid><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 09:30:00 +0100</pubDate><title>Der letzte Stachelbilch Europas</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-letzte-stachelbilch-europas/</link><description>Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen findet 11,6 Millionen Jahre alten Nachweis des Nagetiers in der Fundstelle Hammerschmiede</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nur wenige kennen sie oder haben sie gar in ihrer natürlichen Umgebung zu Gesicht bekommen: die Stachelbilche, deren einzige heute lebende Art in Südindien vorkommt. Die evolutionsgeschichtlich ältesten Stachelbilche, die zur Familie der Nagetiere gehören, wurden in 17,5 bis 13,3 Millionen Jahre alten Sedimenten Europas gefunden. Nun haben Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment </span>an der Universität Tübingen und Dr. Jérôme Prieto von der Ludwig-Maximilians-Universität München mit ihrem Team den mit 11,6 Millionen Jahren jüngsten europäischen Nachweis eines Stachelbilchs entdeckt: Der Fund, ein oberer Backenzahn, stammt aus der Fundstelle Hammerschmiede im Allgäu, die durch die Entdeckung von zwei Menschenaffenarten, dem aufrecht gehenden<i> Danuvius guggenmosi</i> und dem kleinsten bekannten Menschenaffen <i>Buronius manfredschmidi</i>, weltweit bekannt wurde. Der Fund des letzten bekannten Stachelbilchs Europas wurde im Fachjournal <i>Fossil Imprint</i> veröffentlicht.</p><p>Der deutsche Name Stachelbilche dieser Nagetierfamilie (<i>Platacanthomyidae</i>) bezieht sich auf die einzige noch lebende Art, den Südindischen Stachelbilch (<i>Platacanthomys lasiurus</i>), dessen buschiger Schwanz stachelig aussieht. „Das seltene Vorkommen der Stachelbilche erklärt sich aus ihrem Lebensraum und ihrer ungewöhnlichen Lebensweise. Der Südindische Stachelbilch sowie die zweite noch lebende Gruppe dieser Familie, die ostasiatischen Blindmäuse (<i>Typhlomys</i>), leben vergraben in Laubstreu oder springend auf Bäumen in schwer zugänglichen Gebirgswäldern bis in Höhen von mehr als 3.000 Meter“, berichtet Madelaine Böhme. Sie seien zudem nachtaktiv. „Die Blindmäuse Chinas und Vietnams sind neben den Fledermäusen die einzigen Landsäugetiere der Welt, die zur Orientierung die Echoortung nutzen“, setzt sie hinzu.</p><h3>Seltenes Vorkommen</h3><p>Auch in der Hammerschmiede seien Stachelbilche sehr selten, sagt Böhme. Denn der entdeckte Zahn stehe weiteren rund 5.000 Zähnen anderer Nagetiere aus der Tongrube gegenüber. „Das in der Hammerschmiede überlieferte Habitat, eine Niederungslandschaft mit mäandrierenden Flüssen, war für die Stachelbilche sicher nicht optimal“, schlussfolgert die Forscherin. „Denn europäische Stachelbilche der Gattung <i>Neocometes</i> wurden in größerer Zahl bisher nur in Ablagerungen felsiger oder gebirgiger Habitate gefunden, wie etwa in der Fränkischen Alb oder an den Hängen des größten mitteleuropäischen Schichtvulkans, dem Vogelsberg.“</p><p>Durch den Nachweis des Stachelbilchs erhöht sich die Zahl der aus der Hammerschmiede bekannten Wirbeltierarten auf 158. Unter den 90 Säugetierarten sind die Nagetiere mit 27 nachgewiesenen Arten fast so divers wie die 30 Arten zählenden Raubtiere. Die Ursachen dieser außergewöhnlich hohen Biodiversität sind derzeit noch nicht bekannt. Diese Frage soll jedoch im Rahmen des 2026 gestarteten Tübinger Exzellenzclusters TERRA (Wechselwirkungen zwischen Geo- und Biosphäre in einer Welt im Wandel) detailliert erforscht werden.</p><h3>Die Hammerschmiede</h3><p>In der Grube bei Pforzen im Allgäu führen die Universität Tübingen und das Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment </span>seit 2011 wissenschaftliche Grabungen unter der Leitung von Professorin Madelaine Böhme durch. Seit 2017 finden diese auch als Bürgergrabungen in einem <span lang="en" dir="ltr">Citizen-Science</span>-Projekt statt und werden seit 2020 finanziell vom Freistaat Bayern unterstützt. Rund 40.000 Fossilien von 158 Wirbeltierarten konnten bisher geborgen werden, darunter die beiden Menschenaffen <i>Danuvius guggenmosi</i> und <i>Buronius manfredschmidi</i>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-127200</guid><pubDate>Tue, 13 Jan 2026 09:30:00 +0100</pubDate><title>Künstliche Intelligenz hilft bei Gefahrenbeurteilung von Chemikalien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kuenstliche-intelligenz-hilft-bei-gefahrenbeurteilung-von-chemikalien/</link><description>Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen entdeckt systematische Schwachstelle bei Tests zur Substanzanreicherung in Fischen – Neu entwickeltes KI-Tool soll Verfahren verbessern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zur Einschätzung, wie sich Chemikalien in der Umwelt anreichern, wird standardmäßig der sogenannte Biokonzentrationsfaktor herangezogen, der die Substanzkonzentration in Fischen gegenüber dem umgebenden Wasser wiedergibt. Bisher hatte man angenommen, dass dieser Faktor, abgekürzt als BCF, für jede Substanz konstant sei. Nun entdeckte ein interdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung von Professor Heinz Köhler vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen, dass dies nicht der Fall ist und der BCF je nach der im Test eingesetzten Substanzkonzentration variiert. Die Konzentrationsabhängigkeit des BCF stellt für mehr als die Hälfte der potenziell in Fischen akkumulierenden Chemikalien die für Zulassungsverfahren der EU verwendeten Anreicherungsdaten in Frage. Daher hat das Forschungsteam ein Instrument der künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt, mit dem sich die bioakkumulierenden Eigenschaften von Substanzen mit sehr hoher Sicherheit einschätzen lassen. Es wird frei zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung gestellt. Seine Ergebnisse veröffentlichte das Team in der Fachzeitschrift <i>Journal of Hazardous Materials.</i></p><p>Die Anreicherung von Substanzen in Nahrungsketten wird als problematisch erachtet, zumal sie auch den Menschen betrifft. „Im menschlichen Körper kann sich die Anreicherung vervielfachen. Ob ein Stoff schädlich wirkt, erweist sich oftmals erst nach längeren Zeiträumen“, sagt Heinz Köhler.</p><p>Der Biokonzentrationsfaktor in Fischen wird weltweit als wichtiger Indikator zur Gefahreneinstufung von Chemikalien eingesetzt, um normierte Angaben zu deren Anreicherung in Lebewesen zu machen. „Anders als bisher gedacht – und praktiziert – handelt es sich bei dem Faktor nicht um ein jeweils für die Chemikalie spezifisches Kriterium“, berichtet Köhler. „Setzt man im Umgebungswasser der Fische eine hohe Stoffkonzentration ein, ergibt sich in fast allen Fällen ein niedriger BCF, umgekehrt ist es bei einer niedrigen Stoffkonzentration. Das konnten wir in unserem Team mathematisch belegen und physiologisch erklären.“ Dieser Effekt sei bisher nicht aufgefallen – zumindest sei er bisher weltweit in Regelwerken zur Gefahreneinstufung von Chemikalien nicht berücksichtigt worden, so der Forscher. Zu den Erkenntnissen gelangte das Team der Universität Tübingen um Heinz Köhler und Professorin Rita Triebskorn, ebenfalls Co-Autorin der Studie, gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern vom Umweltbundesamt und den Universitäten Yale und Athen bei der Evaluierung Tausender von Studien zu Chemikalientests, in denen der Biokonzentrationsfaktor erhoben wurde.</p><h3>Komplexe Informationen effizient verarbeiten</h3><p>Im nächsten Schritt entwickelte das Team mithilfe von <span lang="en" dir="ltr">Deep Learning</span>, einer KI-Methode des maschinellen Lernens, ein Programm, das experimentelle Daten zum Biokonzentrationsfaktor mit 90-prozentiger Sicherheit vorhersagen kann. Beim <span lang="en" dir="ltr">Deep Learning</span> werden künstliche Netze – ähnlich den vernetzten Neuronen in einem Gehirn – verwendet, um komplexe Datenbestände zu verarbeiten und die interessierenden Muster und Merkmale aus den Daten herauszuziehen. Die Methode wird eingesetzt, um komplexe Informationen effizient zu verarbeiten. „Mit unserem Tool können wir auch besonders kritische Werte der Chemikalien mit <span lang="en" dir="ltr">Worst-Case</span>-Szenarien beschreiben, also das Eintreten des schlimmsten anzunehmenden Falls, in denen die Chemikalien sich besonders stark anreichern würden“, sagt Köhler.</p><p>Bei Stoffen, die in der EU bereits als bioakkumulierend eingestuft sind, sei das Team mit seinem Tool in ca. 90 Prozent der Fälle zum selben Ergebnis gekommen wie mit der alten Methodik. „Als wir unser Tool jedoch zur Überprüfung von Chemikalien einsetzten, die sich nach bisheriger Einstufung nicht auf gefährliche Weise in Lebewesen anreichern, kamen wir zu einem alarmierenden Ergebnis: Mehr als 60 Prozent der Substanzen, die als bioakkumulierend hätten erkannt werden müssen, wurden mit der etablierten Methodik nicht als bioakkumulierend eingeordnet.“ Dort seien die Testbedingungen so gewählt worden, dass das Ergebnis einen für <span lang="en" dir="ltr">Worst-Case-</span>Bedingungen zu niedrigen Biokonzentrationsfaktor widerspiegelte. „Unsere Metastudie hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Chemikalientests zum Biokonzentrationsfaktor in Fischen unter für die Umwelt relevanten Bedingungen durchzuführen. Nur so können wir realistische Werte zur Gefahrenbeurteilung erhalten“, sagt der Forscher. Um zu einer einheitlichen und verlässlichen Chemikalieneinstufung zu gelangen, stellt das Forscherteam das neue KI-Tool, genannt BCFpro, der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung.</p><p>Da BCFpro auch die Anreicherung künftig neu entwickelter Chemikalien sehr verlässlich voraussagen kann, besitzt diese computergestützte Methode ein großes Potenzial zur Einsparung von Tierversuchen. „Die Forschung muss sich auch an der Praxis orientieren, diese hinterfragen und überprüfen. Das wird in dieser Studie getan. So helfen die Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen, ökotoxikologische Verfahren zu verbessern und hiermit sowohl den Umweltschutz als auch den Tierschutz voranzubringen“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-127023</guid><pubDate>Wed, 07 Jan 2026 13:44:52 +0100</pubDate><title>Gegen Verschwörungstheorien gibt es kein weltweit einheitliches Rezept</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gegen-verschwoerungstheorien-gibt-es-kein-weltweit-einheitliches-rezept/</link><description>Universität Tübingen beteiligt an europäischem Forschungsprojekt zum Einfluss der Digitalisierung auf Verschwörungstheorien – Sechs Millionen Posts in den sozialen Medien untersucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>In den sozialen Medien verbreitete Verschwörungstheorien im deutschsprachigen Raum entstehen häufig lokal und bilden zusammen mit alternativen Nachrichtenwebseiten, Teilen des politischen Diskurses und Printpublikationen ein komplexes Ökosystem. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des im Oktober 2025 abgeschlossenen Projekts REDACT („<span lang="en" dir="ltr">Researching Europe, Digitalisation and Conspiracy Theories“</span> – Erforschung von Digitalisierung und Verschwörungstheorien in Europa), in dem Form, Inhalte und Folgen von Verschwörungstheorien im digitalen Raum in einer Auswahl europäischer Länder untersucht wurden. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz lag die Studienleitung bei Professor Michael Butter vom Englischen Seminar der Universität Tübingen. Die Gesamtkoordination des dreijährigen Projekts mit Regionalteams in Großbritannien, aus dem Baltikum, Balkan und Zentraleuropa hatte das <span lang="en" dir="ltr">King’s College </span>London.</p><p>Nicht alle Verschwörungstheorien beurteilt das Tübinger Forschungsteam als gleichermaßen gefährlich. „Der deutschsprachige Diskurs über Verschwörungstheorien ist jedoch häufig alarmistisch und einseitig, was sich bisweilen negativ auf die zahlreichen Projekte zur Bekämpfung von Verschwörungstheorien auswirkt, die wir ebenfalls untersucht haben“, sagt Michael Butter.</p><h3>Abgrenzung von Desinformation und <span lang="en" dir="ltr">Fake News</span></h3><p>Als Verschwörungstheorie bezeichnet man den Erklärungsversuch eines Tatsachenbestands oder Geschehens durch eine Verschwörung, das heißt die Aktionen einer Person oder Gruppe, die ganz eigene, dem Interesse der Allgemeinheit entgegenstehende Ziele oder Ansichten verfolgt. Im deutschsprachigen Raum haben Verschwörungstheorien eine lange Geschichte. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts hin wurden sie allerdings an den Rand der Gesellschaft gedrängt, von wo aus sie erst durch das Internet wieder mehr Sichtbarkeit erlangten. Eine der heutzutage weitverbreitetsten Theorien, die des „Großen Austauschs“, der zufolge die bestehende Bevölkerung durch massenhafte Zuwanderung aus anderen Ländern ersetzt werden soll, hat REDACT genauer untersucht. „Verschwörungstheorien sollten nicht mit Desinformation und <span lang="en" dir="ltr">Fake News</span> in einen Topf geworfen werden“, sagt Michael Butter. „Es handelt sich nicht um einfache Fehlinformationen, die durch Fakten korrigiert werden könnten. Verschwörungstheorien haben für ihre Anhänger identitätsstiftende Wirkung und geben ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl.“ Daher werde oft hartnäckig an ihnen festgehalten.</p><p>Im Projekt REDACT identifizierten die Forscherinnen und Forscher zunächst Schlagwörter, um Posts zu gängigen Verschwörungstheorien zu identifizieren. Aus den sozialen Medien <span lang="en" dir="ltr">Twitter/X, Facebook, Instagram</span> und <span lang="en" dir="ltr">Telegram </span>sammelten sie so aus dem Zeitraum von 2019 bis 2024 sechs Millionen relevante Posts. „Diese haben wir zunächst mit quantitativen Methoden analysiert, dann mit qualitativen, unter anderem auch mit Verfahren aus der Literaturwissenschaft, in denen die Textbedeutung in all ihren Nuancen erfasst wird“, berichtet Mara Precoma, die als Doktorandin im Projekt tätig war.</p><h3>Bewertung der Gegenmaßnahmen</h3><p>Jedes Regionalteam führte außerdem in den jeweiligen Ländern Interviews mit Mitgliedern verschiedener Organisationen durch, die sich gegen Verschwörungstheorien und Desinformation engagieren. Dazu gehören staatliche Institutionen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland, bis hin zu Initiativen und Vereinen, die zum Beispiel Angehörige und Freunde von Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen, beraten und begleiten. Ziel war es, deren Arbeit in der Breite ihrer Bemühungen und Maßnahmen zu analysieren.</p><p>Obwohl einige Verschwörungstheorien, wie die vom „Großen Austausch“, länderübergreifend grassieren, gebe es kein einheitliches Modell, um sie zu beschreiben, oder ein universal funktionierendes Rezept zur Eindämmung gesellschaftsschädlicher Folgen, sagt Butter. „Für den deutschsprachigen Raum ergab unsere Analyse, dass die Rahmenbedingungen und Bemühungen der sich gegen Verschwörungstheorien einsetzenden Einrichtungen teilweise optimiert werden sollten. Manche Projekte beruhen auf veralteten Annahmen, vor allem aber werden sie zu kurz und unflexibel gefördert und müssen zu viel Zeit für Berichte und Bürokratie aufwenden.“</p><p>Gemeinsam haben Butter und Precoma Handlungsempfehlungen formuliert, in denen sie auf die Notwendigkeit maßgeschneiderter Lösungen gegen Verschwörungstheorien hinweisen: Modelle oder Lösungen aus anderen Ländern sollten nicht unhinterfragt übernommen werden. „Wichtig ist auch, dass die Aneignung einer Verschwörungstheorie als Symptom einer schwierigen gesellschaftlichen Gemengelage betrachtet werden sollte, nicht als Ursache. Will man die Verschwörungstheorie bekämpfen, muss man die eigentlich zugrundeliegenden Ursachen identifizieren und dort ansetzen“, sagt Precoma und ergänzt: „In Deutschland richten sich viele Projekte gegen Verschwörungstheorien an Schülerinnen und Schülern an Gymnasien. Es sollten nun auch entsprechende Konzepte für andere Schulformen sowie für ältere Menschen entwickelt werden, da diese besonders anfällig für Verschwörungstheorien sind.“</p><p>„Die Universität Tübingen sieht es als ihre Aufgabe, gesellschaftlich relevante Themen wissenschaftlich zu beleuchten. Forschung wie die im Projekt REDACT leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Mechanismen hinter gesellschaftlichen Phänomenen zu verstehen und wirksame Strategien für eine offene, faktenbasierte Kommunikation zu entwickeln“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><h3>Nähere Informationen:</h3><p><a href="https://www.kcl.ac.uk/research/redact-researching-europe-digitalisation-and-conspiracy-theories" target="_blank" rel="noreferrer">Website des Projekts REDACT – <span lang="en" dir="ltr">Researching Europe, Digitalisation and Conspiracy Theories</span></a></p><h3>Publikationen:</h3><ul><li>[Englisch] <span lang="en" dir="ltr">Report on Conspiracy Theories in the Online Environment and the Counter-Disinformation Ecosystem in Austria, Germany and Switzerland</span></li><li>[Deutsch] Verschwörungstheorien online und Projekte gegen Verschwörungstheorien in Deutschland, Österreich und der Schweiz</li></ul><p><a href="https://redactproject.sites.er.kcl.ac.uk/project-reports/" target="_blank" rel="noreferrer">Publikationen zum Download</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126975</guid><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 10:46:23 +0100</pubDate><title>Eine Geschichte von Erde und Feuer: Töpferwerkstatt gibt Einblicke ins Handwerk der Eisenzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-geschichte-von-erde-und-feuer-toepferwerkstatt-gibt-einblicke-ins-handwerk-der-eisenzeit/</link><description>Entdeckung einer Werkstatt im Dinka-Siedlungskomplex gibt Forschenden der Universität Tübingen und der LMU München Einblicke in die Keramikherstellung im urbanen Kontext vor 3000 Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Keramik gehört zu den wichtigsten archäologischen Quellen. Der Herstellungsprozess hat im Vergleich dazu bislang deutlich weniger Beachtung gefunden. Die Ausgrabung einer außergewöhnlich gut erhaltenen Töpferwerkstatt mit zwei Brennöfen im Dinka-Siedlungskomplex eröffnet nun die Möglichkeit, eine gesamte lokale Produktionskette umfassend zu analysieren. Die Arbeiten fanden statt an einer der bedeutendsten archäologischen Stätten in der heutigen Region Kurdistan im Irak. Forschende der Universität Tübingen und der LMU München gewannen dort neue Erkenntnisse zur handwerklichen Produktion der Eisenzeit, vom Rohmaterial Ton über den Ofen bis hin zur fertigen Keramik. Deren Studie wurde im <i>Journal of Archaeological Science veröffentlicht</i>.</p><p>Seit 2015 wird der Dinka-Siedlungskomplex erforscht und zählt inzwischen zu den am umfassendsten ausgegrabenen urbanen Siedlungen der Eisenzeit in der Region. In dieser Ruinenlandschaft ent-deckte das Forschungsteam im Bereich namens Gird-i Bazar die Überreste einer Töpferwerkstatt, die sie auf die Zeit zwischen 1200 und 800 v. Chr. datieren. In dieser Werkstatt wurden zwei Brennöfen sowie Produktionsabfälle und geschichtete Sedimentablagerungen in ihrer ursprünglichen räumlichen Anordnung freigelegt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126861</guid><pubDate>Thu, 18 Dec 2025 20:00:00 +0100</pubDate><title>Krankheitserreger kapert Programm zur Fruchtreife bei Zitrusgewächsen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/krankheitserreger-kapert-programm-zur-fruchtreife-bei-zitrusgewaechsen/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen entdeckt, wie sich ein Bakterium bei der Infektion auf Kosten der Pflanze zusätzliche Nährstoffe für die Vermehrung verschafft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Krankheitserreger des Zitruskrebses aktiviert in den infizierten Blättern seiner Wirtspflanze gezielt Teile des Reifeprogramms, das normalerweise die Früchte weich und süß werden lässt, um den freiwerdenden Zucker als Nahrung zu nutzen. So kann der Krankheitserreger, das Bakterium <i>Xanthomonas citri</i>, bis zu hundertmal schneller wachsen. Die raffinierte Strategie der <i>Xanthomonas</i>-Bakterien bei der Infektion von Zitruspflanzen hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Thomas Lahaye vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen entdeckt. Seine Studie liefert neue Einblicke, wie mikrobielle Krankheitserreger Entwicklungsprogramme der Wirtspflanze kapern, um sonst schwer zugängliche Nährstoffe verfügbar zu machen. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Ansatzpunkte zur Bekämpfung des Zitruskrebses und wurden in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Science </span></i>veröffentlicht.</p><p>Im Anbau von Zitrusfrüchten wie Zitronen, Orangen oder Mandarinen ist der Zitruskrebs weltweit eine der wirtschaftlich bedeutendsten Pflanzenkrankheiten. Durch eine Infektion mit <i>Xanthomonas citri</i> entstehen an den befallenen Blättern und Früchten der Zitruspflanzen braune Flecken und flüssigkeitsgefüllte Pusteln, die an kleine Krebsgeschwüre erinnern – daher stammt der Name Zitruskrebs. Die Pflanzen verlieren infizierte Blätter und Früchte vorzeitig, was zu erheblichen Ertragseinbußen führt. „Es war bereits bekannt, dass viele Krankheitserreger – darunter auch die <i>Xanthomonas</i>-Bakterien – es auf die in der Pflanzenzellwand gebundenen Zucker abgesehen haben“, erklärt Dr. Trang Phan vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen, die Erstautorin der Studie. „Uns interessierte, welche Tricks die winzigen Bakterien anwenden, um Nährstoffe aus den Zellwänden der Pflanze zu lösen, denn diese stellen für viele Schaderreger einen nahezu unüberwindbaren Schutzwall dar.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126681</guid><pubDate>Fri, 12 Dec 2025 13:59:10 +0100</pubDate><title>Christian Drosten erhält Auszeichnung „Rede des Jahres 2025“ der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/christian-drosten-erhaelt-auszeichnung-rede-des-jahres-2025-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik zeichnet Virologen für dessen Plädoyer für engagierte Wissenschaft aus – Aufruf, Freiheit und Demokratie nicht als selbstverständlich erachten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Auszeichnung „Rede des Jahres 2025“ geht an Professor Christian Drosten. Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen würdigt damit das klare und eindringliche Plädoyer für eine engagierte Wissenschaft, das Christian Drosten in seiner Rede „Wissenschaft ist Freiheit und Pflicht“ am 27. Mai 2025 formulierte. In der vor dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gehaltenen Rede verpflichtet er die Wissenschaft mit Nachdruck, Freiheit und Demokratie nicht für selbstverständlich zu erachten.</p><p>Seit 1998 zeichnet das Seminar für Allgemeine Rhetorik die „Rede des Jahres“ aus, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat und als wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Redekultur gelten kann. Kriterien für die Jury sind unter anderem inhaltliche Relevanz, Vortragsstil, Elaboriertheit sowie publizistische Wirkung.</p><h3>„Verlust der Orientierung an Fakten“</h3><p>Christian Drosten, der das Institut für Virologie an der Charité Berlin leitet und aus der Pandemie-Zeit als Wissenschaftskommunikator weiten Teilen der Bevölkerung bekannt wurde, argumentiere in der ausgezeichneten Rede sachlich und stringent, klar und verständlich, so die Begründung der Jury. Er spare dabei unbequeme Wahrheiten nicht aus. Glaubwürdig werde der nüchtern-sachliche Stil des Redners durch seine persönliche Integrität. Der Redner selbst, sein Anliegen sowie sein Stil stellen den Rahmen einer bedeutsamen Rede dar.</p><p>Vor dem DIW analysiert Christian Drosten gleich zu Beginn: „Die Gesellschaft hat das Bewusstsein für Fakten verloren.“ Polarisierung von Debatten, Personalisierung vielschichtiger Sachthemen und menschliche Bestrebungen nach Öffentlichkeit und Opportunität bezeichnet er als Symptome dieses Realitätsverlustes. Seine Kritik gipfelt in der pointierten Aussage: „Was postfaktische Politiker von sich geben, ist noch nicht einmal falsch, aber dennoch keineswegs richtig“. Konsequenterweise spricht er von einem „vollkommenen Verlust der Orientierung an Fakten“.</p><p>Der Orientierungsverlust äußere sich im Alltag in einer stetigen Erosion wissenschaftlicher und journalistischer Gütekriterien und münde in einer Monopolstellung der „Meinungsmacht“ – wovor auch die Wissenschaft nicht gefeit sei. Leistungsdruck, Selektionsdruck sowie politische Flexibilität und Opportunismus wirken ebenso auf das moderne Wissenschaftssystem wie auf die Gesellschaft, weshalb Altruismus, soziale Verantwortung oder Courage verloren gehen.</p><h3>Vom Erklärer zur engagierten Stimme der Wissenschaft</h3><p>Die Lösung sieht Christian Drosten allerdings nicht in einem Mehr an Wissenschaft. Wir alle profitierten zwar von den Ergebnissen dieser, doch zeige die Entwicklung in den USA, dass Wissenschaftsfreiheit nicht bedeute, „sich herauszuhalten“ – ganz im Gegenteil betont Christian Drosten: „Ich plädiere heute für ein Nachdenken über den Grundsatz der Wissenschaftsfreiheit – und zwar nicht in erster Linie wegen ihrer Einschränkung! Die Freiheit der Wissenschaft muss auch Verpflichtungen mit sich bringen.“</p><p>Für seine Forderung ist er in den Augen der Jury selbst ein mustergültiges Beispiel, sehe er doch seine Rolle nicht mehr wie in der Corona-Zeit als bloßer Erklärer, sondern nunmehr als Mahner und engagierte Stimme der Wissenschaft. Mit Leidenschaft fordert er in seinem Schlussappell von allen Beteiligten im Wissenschaftssystem beherzten Einsatz und Engagement „in der demokratischen Debatte“. Denn auch diese Verantwortung bringe die Wissenschaftsfreiheit mit sich.</p><h3>Appell an Wissenschaft, Gesellschaft und politisch Verantwortliche</h3><p>Christian Drosten beweist in seiner eindrücklichen Rede, dass Wissenschaft und Gesellschaft keine getrennten Sphären sind, sondern zusammengedacht werden müssen und nur so Freiheit und gesellschaftliches Miteinander vermittelt werden können. In einem Plädoyer für eine engagierte Wissenschaft adressiert er auch die politisch Verantwortlichen, die „Institutionen der Wissenschaft zu stärken – in ihrem eigenen Interesse und für die Überlebensfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaften“. Wissenschaft ist nicht allein Freiheit, sondern auch Pflicht.</p><h3>Text und Video zur Rede:</h3><p><a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.932545.de/100_jahre_diw/wissenschaft_ist_freiheit_und_pflicht.html" target="_blank" rel="noreferrer">“Wissenschaft ist Freiheit und Pflicht” – Webseite des DIW</a></p><h3>Jury</h3><p>AR Dr. Jutta Beck, Selina Bernarding M.A., Hanna Broghammer, Dr. Fabian Erhardt, Rebecca Kiderlen M.A., Prof. Dr. Joachim Knape, Prof. Dr. Olaf Kramer, Jonathan Peterseim M.A., Dr. Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126480</guid><pubDate>Tue, 09 Dec 2025 12:23:44 +0100</pubDate><title>Fünf Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats gehen an die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fuenf-consolidator-grants-des-europaeischen-forschungsrats-gehen-an-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Zwei Forscherinnen und drei Forscher der Universität und des Universitätsklinikums erhalten hochdotierte Förderungen für Projekte in der Medizin, der Mikrobiologie und dem Maschinellen Lernen</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen haben zwei Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler in der aktuellen Vergaberunde <span lang="en" dir="ltr">Consolidator Grants</span> des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben. Diese Auszeichnungen sind mit einer hochdotierten Projektförderung verbunden. In dieser Runde bewilligte der ERC EU-weit 349 der 3.121 eingereichten Bewerbungen auf <span lang="en" dir="ltr">Consolidator Grants</span>, die Erfolgsquote lag bei rund elf Prozent.</p><p>„Dass sich gleich fünf Tübinger Bewerbungen in der europaweit harten Konkurrenz um die <span lang="en" dir="ltr">Consolidator Grants</span> durchgesetzt haben, ist ein beachtlicher Erfolg. Die herausragenden Forscherinnen und Forscher beweisen großen Ideenreichtum, der das Potenzial für echte Innovationen im medizinischen Bereich oder auch im maschinellen Lernen in sich trägt“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><p><strong>Die neuen ERC Consolidator Grants:</strong></p><ul><li>Professor Jan Böttcher, Institut für Immunologie und M3 Forschungszentrum<br>Projekt: „EICO-CODE“ zur Untersuchung, wie chemische Signale des Körpers das Immunsystem beeinflussen können zur Stärkung der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen und Krebs</li><li>Juniorprofessorin Ana Brochado, Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin<br>Projekt: „BacImmune-<span lang="en" dir="ltr">Decode</span>“ zur Erforschung des bakteriellen Immunsystems, um krankheitserregende Bakterien besser bekämpfen zu können</li><li>Professor Andreas Geiger, Fachbereich Informatik<br>Projekt: „CASIDO“ zur Beschleunigung des wissenschaftlichen Fortschritts durch künstliche Intelligenz</li><li>Professor Tobias Hauser, Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie<br>Projekt: „CiBbI-OCD” zum besseren Verständnis und Behandlung von Zwangsstörungen</li><li>Dr. Madhuri Salker, Department für Frauengesundheit, Universitäts-Frauenklinik<br>Projekt: „babyRADAR“ zur Entschlüsselung der Grundlagen der Reproduktionsmedizin</li></ul><p><span lang="en" dir="ltr">Consolidator Grants </span>werden an erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fächer vergeben, sieben bis zwölf Jahre nach Abschluss der Promotion. Die damit verbundene Projektförderung beträgt in der Regel insgesamt bis zu zwei Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126441</guid><pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:47:52 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen verzeichnet neuen Rekordwert bei internationalen Studierenden </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verzeichnet-neuen-rekordwert-bei-internationalen-studierenden/</link><description>Gesamtzahl der Studierenden leicht rückläufig – Rektorin Pollmann: „Die Universität Tübingen ist bei Studieninteressierten auf der ganzen Welt beliebt, dennoch spüren wir den demografischen Wandel“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im laufenden Wintersemester 2025/26 sind an der Universität Tübingen 28.046 Studierende immatrikuliert. Damit sank die Studierendenzahl um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unverändert hoch bleibt der Anteil der Studentinnen mit 59,8 Prozent. Einen erneuten Höchststand erreichte die Zahl der internationalen Studierenden. Zum Stichtag lag sie bei 4.495 Personen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl steigt damit erstmals auf 16 Prozent.</p><p>„Die Universität Tübingen ist bei den Studierenden und Studieninteressierten sehr beliebt; allerdings ist der demografische Wandel auch hier spürbar. Mit Tradition, zukunftsgerichteter Exzellenz und einem lebendigen Campus haben wir jedoch allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Wer nach Tübingen kommt, wird Teil einer der renommiertesten Forschungsuniversitäten weltweit. Dass dieser Ruf auch in anderen Ländern ankommt, zeigt die wachsende Zahl internationaler Studierender."</p><p>Bei den 5.288 neuimmatrikulierten Studierenden ist ein leichtes Minus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Innerhalb dieser Gruppe sank zwar die Zahl der neuimmatrikulierten Studierenden mit deutscher Staatsangehörigkeit um 3,2 Prozent, allerdings stieg der Anteil ausländischer Studierenden um 5,7 Prozent auf insgesamt 1307 Personen an.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Pressemitteilung-TOP</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-126015</guid><pubDate>Wed, 26 Nov 2025 17:00:00 +0100</pubDate><title>Flugsaurier und Vögel entwickelten auf unterschiedlichen Wegen flugbereite Gehirne</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/flugsaurier-und-voegel-entwickelten-auf-unterschiedlichen-wegen-flugbereite-gehirne/</link><description>Internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Tübingen untersucht die Hirnevolution bei fliegenden Reptilien aus der Zeit der Dinosaurier</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ihre Flugfähigkeit erwarben Flugsaurier und Vögel unabhängig voneinander, das war bereits bekannt. Nun ergab eine neue Studie, dass es auch keine großen Ähnlichkeiten zwischen den Gehirnen der vor rund 215 Millionen bis 66 Millionen Jahren lebenden Flugsaurier und denen heutiger Vögel gibt – wohl aber zu den Gehirnen der Vogelvorfahren, bestimmten Dinosaurierarten, die nicht oder nur eingeschränkt fliegen konnten. Außerdem hatten die Flugsaurier vergleichsweise kleine Gehirne im Verhältnis zu ihrer Körpermasse. Diese Erkenntnis stellt die langjährige Annahme in der Wissenschaft in Frage, dass ein großes Gehirn ähnlich dem der Vögel Voraussetzung für die Fähigkeit zu fliegen sei. Die Studie eines internationalen Teams aus Spezialistinnen und Spezialisten stand unter der Leitung von Dr. Mario Bronzati aus den Geowissenschaften der Universität Tübingen und wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Current Biology</span></i> veröffentlicht.</p><p>Die Flugfähigkeit entwickelte sich nur dreimal innerhalb der Wirbeltiere: bei Fledertieren, bei Vögeln und bei den ausgestorbenen Flugsauriern. „Die Grundstruktur des Gehirns heutiger Vögel ist klar als Erbe von nicht flugfähigen Dinosaurierverwandten erkennbar“, sagt Professor Lawrence Witmer von der Ohio University, USA, einer der Studienautoren. „Die Hirnstrukturen der Flugsaurier schienen hingegen wie aus dem Nichts entstanden zu sein.“ Diese Tiere waren vor mehr als 215 Millionen Jahren die ersten, die aktiv fliegen konnten, lange vor dem Auftreten der frühesten Vögel. „Erst seit einigen Jahren haben wir Hinweise auf enge Verwandte der Flugsaurier, auf die sogenannten Lagerpetiden, kleine, zweibeinige und wahrscheinlich auf Bäumen lebende Tiere“, berichtet Bronzati. Die bisher bekannten Fossilien der Lagerpetiden hätten dabei geholfen, die Veränderungen im Körperbau der Flugsaurier nachzuvollziehen. „Uns interessierten die Veränderungen in ihrer Gehirnanatomie, die mit der Entwicklung des Fliegens zusammenhängen.“</p><p><strong>Untersuchung zahlreicher Schädel</strong></p><p>In seiner neuen Studie untersuchte das Forschungsteam Schädel von einer ganzen Reihe von Reptilien, von ausgestorbenen landlebenden Reptilien, wie Flugsaurier und Dinosaurier, bis hin zu heutigen Krokodilen und Vögeln. Mithilfe von computertomografischen Scans vermaßen die Forscherinnen und Forscher die inneren Höhlungen, Vertiefungen und Löcher der Schädel, um die Form, Gestalt und Größe der Gehirne dreidimensional zu rekonstruieren. Unter den untersuchten Schädeln war der vollständigste bekannte versteinerte Schädel eines Lagerpetiden der Art Ixalerpeton pelesinensis, der in Südbrasilien gefunden und auf ein Alter von rund 233 Millionen Jahren datiert wurde.</p><p>Die Rekonstruktion ergab, dass die Lagerpetiden, die nächsten Verwandten der Flugsaurier, noch sehr ursprüngliche Reptiliengehirne besaßen, ähnlich dem der frühesten Dinosaurier, die zur gleichen Zeit lebten. „Allerdings hatten sie bereits ein besseres Sehvermögen entwickelt. Ihre für das Sehsystem zuständigen Hirnlappen, das sogenannte Tectum opticum, waren vergrößert und seitlich angeordnet wie bei den Flugsauriern und den Vogelvorfahren“, sagt Bronzati. „Mit dieser Anpassung konnten sich die Lagerpetiden besser in einer baumbestandenen Umgebung zurechtfinden, und sie wird später vermutlich den Flugsauriern bei der Entwicklung des Fliegens geholfen haben.“ Insgesamt sei die Anatomie des Gehirns bei Flugsauriern und den Dinosauriervorfahren der Vögel ähnlich, berichtet der Studienautor Professor Akinobu Watanabe von der New York University von den vergleichenden Analysen. „Bei den heutigen Vögeln sieht sie hingegen anders aus.“</p><p><strong>Schnelle Evolution</strong></p><p>Der Untersuchung zufolge muss sich die Anatomie des Gehirns der Flugsaurier im Maßstab evolutionärer Zeiträume mit der Ausbildung der Flugfähigkeit sehr schnell entwickelt haben, sagt Bronzati. „Dies geschah mindestens 50 Millionen Jahre früher, als sich die Flugfähigkeit in der Abstammungslinie von Dinosauriern zu Vögeln herausbildete.“ Das sei erstaunlich, da Fliegen eine physiologisch anspruchsvolle Art der Fortbewegung sei. „Flugsaurier hatten viel kleinere Gehirne als Vögel, was beweist, dass man zum Fliegen kein großes Gehirn braucht“, setzt der Studienautor Professor Matteo Fabbri von der Johns Hopkins University, USA, hinzu. Eine besondere Eigenschaft des Flugsauriergehirns sei ein vergrößerter Flocculus, das ist eine Struktur des Kleinhirns, die mit der Verarbeitung von Sinnesinformationen zusammenhängt. Diese kamen von den membranbespannten Flügeln und halfen den Tieren, ihre Augen im Flug fest auf ihr Ziel zu richten. „Bei heutigen Vögeln ist hingegen vor allem das Großhirn stark vergrößert, was darauf hindeutet, dass sie über ausgeprägtere kognitive Fähigkeiten verfügen, etwa ein komplexes Sozialleben haben, höhere Fertigkeiten und Intelligenz“, sagt der Forscher.</p><p>„Funde aus Südbrasilien liefern beeindruckende Einblicke in die Ursprünge großer Tiergruppen wie Dinosaurier und Flugsaurier. Jeder neue Fossilfund bringt uns der Vorstellung näher, wie ihre frühen Verwandten aussahen – ein Wissen, das noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war“, erklärt der Studienautor Dr. Rodrigo T. Müller von der Universidade Federal de Santa Maria in Brasilien. „Die paläontologische Forschung gibt immer wieder faszinierende Einblicke in die Kraft der Evolution. Dazu haben unsere Forscherinnen und Forscher eine breite und tiefe Expertise aufgebaut“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Publikation:</strong></p><p>Mario Bronzati, Akinobu Watanabe, Roger B. J. Benson, Rodrigo T. Müller, Lawrence M. Witmer, Martín D. Ezcurra, Felipe C. Montefeltro, M. Belén von Baczko, Bhart-Anjan S. Bhullar, Julia B. Desojo, Fabien Knoll, Max C. Langer, Stephan Lautenschlager, Michelle R. Stocker, Alan H. Turner, Ingmar Werneburg, Sterling J. Nesbitt, Matteo Fabbri: Neuroanatomical convergence between pterosaurs and non-avian paravians in the evolution of flight. Current Biology, <a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2025.10.086" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cub.2025.10.086</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125943</guid><pubDate>Mon, 24 Nov 2025 13:49:37 +0100</pubDate><title>Literarisches Lernen in Zeiten generativer Sprach-KI neu denken</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/literarisches-lernen-in-zeiten-generativer-sprach-ki-neu-denken/</link><description>Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung für Projekt zur verantwortungsvollen Nutzung von Large Language Models im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung an der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Professorin Carolin Führer vom Deutschen Seminar an der Philosophischen Fakultät und an Professorin Ulrike Cress vom Leibniz-Institut für Wissensmedien. Ausgezeichnet werden die beiden Wissenschaftlerinnen für ihr Projekt „Literarische Wissenskonstruktionen mit KI: Ko-konstruktives Lernen im Deutschunterricht der Zukunft“. Mit dem Forschungspreis unterstützt die Dr. K. H. Eberle Stiftung innovative Projekte, die sich mit drängenden Fragen der Zukunft beschäftigen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.</p><p>Das ausgezeichnete Projekt befasst sich mit der Auseinandersetzung mit komplexen und uneindeutigen Texten durch junge Menschen, die zentral für Perspektiven- und Meinungsvielfalt in einer demokratischen Gesellschaft ist. Im Kern stehen drei Fragstellungen: Wie lässt sich mit Sprach-KI ein konstruktiver Wissenserwerb und eine sinnvolle Anschlusskommunikation zu Literatur erreichen? Wie kann sie helfen, sprachliche, historische und kulturelle Fremdheit zu begreifen? Und wie kann sie zur Beschäftigung mit Literatur motivieren und zugleich ein besseres Verstehen mehrdeutiger Texte fördern?</p><p>„Als Stiftung sind wir stolz darauf, innovative Ideen zu unterstützen“, sagt Dr. Alexandra Zoller, Vorstandsmitglied der Dr. K. H. Eberle Stiftung. „Mit der Förderung des Projekts ,Literarische Wissenskonstruktion mit KI‘ kommen wir dem Wunsch unseres Stifters nach, der immer in Köpfe und in Bildung investieren wollte.“</p><h3>Lehrkräfte und Schülerschaft lernen gemeinsam</h3><p>Generative Sprach-KI, <span lang="en" dir="ltr">Large Language Models</span> (LLM), sind Teil des Alltags und somit auch Thema im Literaturunterricht. Werden sie sinnvoll in den Unterricht integriert, können sie das literarische Lesen individuell unterstützen und neue Formen des Nachdenkens über Literatur eröffnen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die LLM als bloße Antwortmaschine verwendet werden. Damit droht Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit verloren zu gehen, Literatur zum komplexen Verstehen und zum Perspektivwechsel zu nutzen. Lehrkräften wiederum fehlen in diesem Bereich pädagogisch sinnvolle Werkzeuge.</p><p>In dem Projekt wird eine KI-gestützte Lernumgebung entwickelt, in der Schülerinnen und Schüler etwa Franz Kafkas Literatur erkunden können. Die Lernenden begegnen dabei verschiedenen KI-gesteuerten Rollen, die unterschiedliche Sichtweisen auf den Text als Avatare verkörpern und damit zum Nachdenken, Hinterfragen und Begründen eigener Interpretationen anregen.</p><p>Die Schülerinnen und Schüler erfahren so unmittelbar, dass literarische Werke vielfältige Deutungsmöglichkeiten eröffnen, die argumentativ jeweils unterschiedliches Gewicht entfalten. „Das Projekt verbindet unsere Forschungen zu Wissenskonstruktion und dem schulischen Erwerb von Text- und Medienkompetenz“, sagt Prof. Dr. Carolin Führer, die betont, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven in Texten wahrzunehmen und gegeneinander abzuwägen. „Ich freue mich, dass das nun für den Literaturunterricht nutzbar gemacht werden kann“, sagt Prof. Dr. Ulrike Cress.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125841</guid><pubDate>Thu, 20 Nov 2025 10:01:08 +0100</pubDate><title>Studie “Femizide in Deutschland” vorgestellt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studie-femizide-in-deutschland-vorgestellt/</link><description>Tötung am Ende einer Partnerschaft häufigste Art des Femizids – Verstärkte Präventionsbemühungen könnten Femizide verhindern helfen – Einführung eines „German Homicide Monitor“ gefordert</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125754</guid><pubDate>Tue, 18 Nov 2025 14:19:39 +0100</pubDate><title>Chilenische Einsiedlerspinne an der Universität Tübingen gefunden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/chilenische-einsiedlerspinne-an-der-universitaet-tuebingen-gefunden/</link><description>Zweiter Nachweis von Loxosceles laeta in Europa – Nutzerinnen und Nutzer der betroffenen Räume sind informiert – Experte schätzt Risiko für den Menschen als sehr gering ein </description><content:encoded><![CDATA[<p>In Gebäuden der Universität Tübingen wurde die Spinnenart <i>Loxosceles laeta</i> gefunden. Die Spinne, auch Chilenische Einsiedlerspinne genannt, ist in Südamerika heimisch, wurde aber bereits in mehrere Länder verschleppt. In Europa gab es bisher nur eine bestätigte Population in Helsinki. Die Spinne gilt als menschenscheu, nachtaktiv und nicht bissfreudig. Ihr Biss kann allerdings giftig sein. Die Universität informierte umgehend die Beschäftigten in den betroffenen Bereichen. Ferner hat sie Vorsichtsmaßnahmen getroffen und koordiniert in Abstimmung mit einem Schädlingsbekämpfer und einem Experten aus Karlsruhe die geeigneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinne.</p><p>Erstmals gefangen wurde ein Exemplar von einem Beschäftigten der Universität in einem nicht öffentlich zugänglichen Kellerbereich des Hörsaalzentrums Morgenstelle. Dr. Hubert Höfer, Leiter Abteilung Biowissenschaften am Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe, bestimmte die Spinne als <i>Loxosceles laeta</i>. Inzwischen wurden Exemplare der Spinne in weiteren Bereichen auf der Morgenstelle sowie auf dem Campus Tal gefunden.</p><p>Die Information der Beschäftigten erfolgte durch Aushänge in den betroffenen Bereichen, durch direkte Ansprachen der Teamleiter und Vorgesetzten, über Rundmails, die Webseite und die Social Media-Kanäle der Universität. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Regierungspräsidium, das Landratsamt und die Stadt Tübingen wurden ebenfalls informiert. Es werden Klebefallen an den Fundorten ausgelegt, weitere Maßnahmen folgen.</p><h3>Risiko eines Bisses sehr gering</h3><p>Der beratende Experte Hubert Höfer schätzt die Gefahr durch die Spinne für den Menschen als „sehr gering“ ein. Das Tier ist nachtaktiv, meidet den Menschen und ist nicht bissfreudig. Sollte es zu einem Biss kommen, kann es sein, dass die Spinnenart Gift absondert, was eine ärztliche Behandlung erforderlich macht. In seltenen Fällen kann es zu Gewebeschäden (Nekrosen) kommen. Über das Risiko informieren die Aushänge.</p><p>Ähnlich wie in Deutschland die Zitterspinne, ist <i>Loxosceles laeta</i> in einigen Ländern Südamerikas häufiger Gast in Haushalten. Dort lebt sie dicht mit dem Menschen zusammen. Eine Gefahr geht von der Spinne vor allem dann aus, wenn sie sich in herumliegender Kleidung versteckt, die dann angelegt wird.</p><p>Belastbare Studien zum Biss der Spinne sind selten. Besonders hervorzuheben ist eine Studie, die über sieben Jahre die Bisse der Spinne in Brasilien dokumentierte. Zwei Prozent der dokumentierten Bisse führten zu schwereren kutanen Problemen, also Schäden an der Haut. 0,03 Prozent der Bisse (1 von 3000 Bissen) endeten tödlich. Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Bisses ist das Risiko laut Hubert Höfer sehr gering, verglichen mit Gefahren, denen wir uns jeden Tag aussetzen, etwa im Straßenverkehr.</p><p>Laut Hubert Höfer ist es wahrscheinlich, dass die Spinne zwischen den Fundorten innerhalb der Universität verschleppt wurde. Dies könne geschehen, indem zum Beispiel eine Kiste mit der Spinne als blindem Passagier innerhalb der Universität verschickt wurde. Wie viele Spinnen insgesamt die Universität ihr Zuhause nennen, ist unbekannt – ebenso, wie lange die Spinnenart schon in Tübingen lebt.</p><h3>In guter Gesellschaft</h3><p>Außerhalb ihrer eigentlichen Heimat in Südamerika wurde <i>Loxosceles laeta</i> schon an mehreren Orten auf der ganzen Welt nachgewiesen. Auffällig ist, dass die Spinne häufig in Universitäten Heimat findet. In Europa lebt eine Population der Einsiedlerspinne seit den 1960er Jahren in einem Museumsgebäude der Universität in Helsinki. Ungefähr genauso lange ist sie bereits im Museum of <span lang="en" dir="ltr">Comparative Zoology</span> der renommierten <span lang="en" dir="ltr">Harvard University</span> in Cambridge, Massachusetts, zu Hause.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125670</guid><pubDate>Mon, 17 Nov 2025 12:15:18 +0100</pubDate><title>Ausgezeichnete Schülerinnen und Schüler beim Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausgezeichnete-schuelerinnen-und-schueler-beim-bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz/</link><description>Schlaganfälle schneller diagnostizieren, die Blackbox von Sprachmodellen öffnen oder Blutzuckerwerte schmerzfrei bestimmen – Gewinnerteams setzen mit KI-Projekten zukunftsweisende Impulse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Leo Blume aus Stralsund gewann am vergangenen Freitag mit ihrem Projekt “DEversAI“ den mit 1.500 Euro dotierten Hauptpreis beim diesjährigen Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI). Die 17-jährige Schülerin will mit ihrem originellen Ansatz das Verhalten von Sprachmodellen erklärbar machen, indem Texte nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts entstehen. Ihr Ziel: die viel kritisierte KI-Blackbox öffnen, deren Prozesse transparenter machen und endlich verstehen. Neben der ungewöhnlichen Herangehensweise begeisterte die Jury die begleitende App der Schülerin, die es ermöglicht, seltene Einblicke in Sprachmodelle zu erhalten. Leo Blume erhält neben dem Geldpreis einen Praktikumsplatz beim Robotik- und Automationsunternehmen FANUC.</p><p>Zehn Teams von Schülerinnen und Schülern traten am 14. November beim Finale des siebten BWKI an, um ihre Projekte rund um Medizin, Alltag, Kultur oder Grundlagenforschung zu präsentieren. Erstmals fand das Finale im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main statt – einem Haus, das die Geschichte der Kommunikation mit den Technologien von morgen verbindet. Passend dazu widmet sich das Museum 2025 dem Schwerpunkt <a href="https://www.mfk-frankfurt.de/ki-und-kommunikation/" target="_blank" rel="noreferrer">“Künstliche Intelligenz und Kommunikation”</a>.</p><p>Mit dem Sonderpreis „<span lang="en" dir="ltr">AI for Good</span>“ wurde Simon Ma aus Hannover für das Projekt „CHAD CTP“ geehrt. Der 18-jährige Schüler erhielt ein Preisgeld von 1.000 Euro. Sein KI-Modell wertet CT-Daten effizienter aus und beschleunigt damit die Schlaganfall-Diagnose. Sein Ziel: Die Anzahl der nötigen Scans halbieren und dadurch die Strahlenbelastung der Patientinnen und Patienten minimieren, bei gleichzeitiger Verbesserung des medizinischen Handlungsspielraums.</p><p>Den mit 750 Euro dotierten Sonderpreis „<span lang="en" dir="ltr">No risk, no fun!</span>“ erhielt Peter Fuchs – ebenfalls aus Hannover – für das Projekt „Glucodastra“. Mit einem selbstentwickelten Fingersensor und KI-Modell kann der Blutzuckerwert ohne Pieks bestimmt und direkt auf dem Display abgelesen werden. Das schmerzfreie Messen vermeidet zudem unnötigen medizinischen Abfall. Für sein Projekt erhob der 17-jährige medizinische Daten in seinem Umfeld als Ausgangsbasis, um zukünftig mit mehr Daten Menschen mit Diabetes zu helfen.</p><p>Als Publikumsfavoriten gingen Andreas Haberl, Lukas Zapf, Valentin Raab und Alexander Röhrl von den Regensburger Domspatzen hervor. Mit ihrem Projekt „<span lang="en" dir="ltr">Choral Meets Machine Learning</span>“ sicherte sich das Team aus Langquaid, Altendorf und Regensburg den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Mithilfe von KI analysierten sie alte gregorianische Choräle und komponierten neue Werke im Stil der alten Meister. Damit verbinden die 18- bis 19-jährigen Schüler eine jahrhundertealte Musiktradition mit moderner Technologie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125517</guid><pubDate>Thu, 13 Nov 2025 15:29:10 +0100</pubDate><title>Software optimiert Simulationen des Gehirns</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/software-optimiert-simulationen-des-gehirns-1/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entwickelt Denkmodelle mithilfe künstlicher Intelligenz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Software ermöglicht Gehirnsimulationen, die sowohl detailliert die Prozesse im Gehirn imitieren als auch anspruchsvolle kognitive Aufgaben lösen können. Entwickelt wurde das Programm von einem Forschungsteam am Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ der Universität Tübingen. Die Software bildet damit die Grundlage für eine neue Generation von Gehirnsimulationen, die tiefere Einblicke in die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des Gehirns ermöglichen. Die Arbeit der Tübinger Forschenden wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Nature Methods</span></i> veröffentlicht.</p><p>Seit Jahrzehnten versuchen Forschende, Computermodelle von Gehirnen zu erstellen, um das Organ des zentralen Nervensystems und die darin ablaufenden Prozesse besser zu verstehen. Mithilfe mathematischer Methoden simulieren sie das Verhalten von Nervenzellen und ihrer Verbindungen unter-einander. Bisherige Modelle haben jedoch erhebliche Schwächen: Sie basieren entweder auf zu stark vereinfachten Neuronenmodellen und weichen damit deutlich von der biologischen Realität ab, oder sie bilden die biophysikalischen Prozesse innerhalb von Zellen detailliert ab, sind aber nicht in der Lage, ähnliche Aufgaben wie das Gehirn zu erfüllen. „Entweder der Weg ist ähnlich wie im Gehirn, aber das Ergebnis nicht, oder das Ergebnis stimmt, aber der Prozess dahin ist nicht vergleichbar mit den Prozessen im Gehirn “, erklärt Michael Deistler, der Erstautor der Studie und Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Professor Jakob Macke. Jaxley, so der Name des neuen Programms, erlaubt es, Gehirnmodelle so zu trainieren, dass beides gegeben ist – ein wichtiger Schritt, um aus dem Modell Rückschlüsse auf die tatsächlichen Prozesse im Gehirn ziehen zu können.</p><p>Möglich macht das eine Methode, die auch benutzt wird, um künstliche neuronale Netze zu trainieren: die sogenannte Backpropagation of error. Mit Hilfe von Backpropagation stellt ein künstliches neuronales Netzwerk während des Trainings seine Parameter so ein, dass es von einem vorgegebenen Input zu einem gewünschten Output kommt. Das Netzwerk verändert sich so lange selbst, bis es die gewünschte Aufgabe zuverlässig erfüllt. Dadurch lernt das Netz, welche Merkmale und Zusammenhänge in den Daten für einen bestimmten Prozess wichtig sind, sodass es auch bei neuen, ähnlichen Beispielen die richtigen Ergebnisse liefert. Dieses Trainingsprinzip haben die Tübinger Forschenden auf die Gehirnsimulation übertragen.</p><p><strong>Detaillierte Gehirnmodelle führen anspruchsvolle Aufgaben aus</strong><br>Wenn das Gehirn eine Aufgabe löst, werden in den beteiligten Neuronen Hunderte Parameter wichtig. Es geht dann etwa um die Größe der Neuronen, die Stärke der Verbindungen oder die Anzahl der Ionenkanäle. „Viele dieser Parameter können wir nicht messen. Das hat es bisher unmöglich gemacht hat, exakte Simulationen zu entwickeln, die zu guten Ergebnissen kommen”, sagt Deistler. „Jaxley kann diese nicht messbaren Parameter in Gehirnmodellen trainieren. Die Software verändert deren Werte immer wieder, justiert immer wieder nach, bis die Simulation beim gewünschten Ergebnis ankommt.“ Die so entstandenen Gehirnmodelle waren nach dem Training zum Beispiel imstande, Bilder zu klassifizieren oder Erinnerungen zu speichern und abzurufen.</p><p>„Dank Jaxley können wir jetzt untersuchen, wie neuronale Mechanismen zur Lösung von Aufgaben beitragen", sagt Jakob Macke, Professor für Maschinelles Lernen in der Wissenschaft an der Universität Tübingen und Letztautor der Studie. „Die Software wird es Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern erlauben, die Komplexität des Gehirns zu erforschen und es in Computersimulationen abzubilden.” Langfristig könnten solche Simulationen auch in der Medizin Anwendung finden, etwa um neurologische Erkrankungen besser zu verstehen oder die Wirkung von Medikamenten vorab virtuell zu untersuchen.</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann sagt: „Diese Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie maschinelles Lernen andere Wissenschaftszweige bereichern kann: Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie, die neue Horizonte für die Grundlagenforschung eröffnet.”</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Michael Deistler, Kyra L. Kadhim, Matthijs Pals, Jonas Beck, Ziwei Huang, Manuel Gloeckler, Janne K. Lappalainen, Cornelius Schröder, Philipp Berens, Pedro J. Gonçalves, Jakob H. Macke: Jaxley: <span lang="en" dir="ltr">Differentiable simulation enables large-scale training of detailed biophysical models of neural dynam-ics, Nature Methods, </span>2025. <a href="https://doi.org/10.1038/s41592-025-02895-w" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41592-025-02895-w</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125241</guid><pubDate>Mon, 10 Nov 2025 11:11:58 +0100</pubDate><title>Studieninfotag 2025 an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studieninfotag-2025-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Studieninteressierte erhalten Einblick in über 200 Studiengänge – Zahlreiche Veranstaltungen und Möglichkeiten zum Austausch mit Studierenden und Lehrenden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim Studieninfotag der Universität Tübingen am <strong>Mittwoch, 19. November 2025</strong> können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe über das vielfältige Studienangebot informieren. Mit mehr als 200 Studiengängen ist die Universität Tübingen eine moderne Spitzenuniversität mit langer Tradition. Der Studieninfotag ermöglicht erste Einblicke in Themen und Voraussetzungen eines oder mehrerer Fächer sowie ihre beruflichen Perspektiven. „Der Studieninfotag bietet die Gelegenheit, sich vor Ort zu informieren, Fragen direkt zu stellen und die Menschen kennenzulernen, die exzellente Lehre und Forschung gestalten“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Vormittags</strong> können die Schülerinnen und Schüler an zwei zentralen Veranstaltungsorten, dem Campus Tal (Neue Aula, Kupferbau, Infozelt) und dem Campus Morgenstelle (Hörsaalzentrum Morgenstelle), über 80 Kurzvorträge und rund 50 Infostände verschiedener Studienfächer besuchen. Zudem gibt es Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie Studienwahl, Lehramtsstudium, Studienfinanzierung (BAföG) oder Auslandssemester.</p><p>Das Programm beginnt um 9:00 Uhr mit dem Infomarkt und Vorträgen. Alle Angebote der Geistes- und Kulturwissenschaften, Theologien, Wirtschafts-, Sozial-, Sport- und Rechtswissenschaften sowie Psychologie finden auf dem Campus Tal statt, alle Angebote zu den Naturwissenschaften, Medizin und Gesundheitswissenschaften auf dem Campus Morgenstelle.</p><p>Am <strong>Nachmittag</strong> (ab 13:00 Uhr bis ca. 16:00 Uhr) sind Studieninteressierte herzlich eingeladen, an vielfältigen Aktivitäten in den Instituten und Lehrgebäuden der Fächer teilzunehmen und Studierende oder Lehrende in Seminaren, Vorlesungen, Labor- und Institutsführungen persönlich kennenzulernen. Das Nachmittagsprogramm findet in den verschiedenen Instituten der teilnehmenden Studiengänge statt.</p><p>Zwischen dem Tübinger Hauptbahnhof und den Veranstaltungsorten Neue Aula, Kupferbau sowie Hörsaalzentrum Morgenstelle verkehren am Studieninfotag kostenlose Shuttlebusse im Zehnminutentakt.</p><p>Auf den regulären Pendlerstrecken in Richtung Tübingen ist am 19. November voraussichtlich mit sehr hoher Auslastung zu rechnen. Allen anreisenden Schülerinnen und Schülern sowie beruflichen Pendlerinnen und Pendlern nach Tübingen wird empfohlen, genügend Zeit einzuplanen.</p><p>Das Programm sowie weitere Hinweise zur Anreise finden Sie unter: <a href="/studium/studieninteresse/angebote-fuer-studieninteressierte/studieninfotag/">www.uni-tuebingen.de/studieninfotag</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-125199</guid><pubDate>Fri, 07 Nov 2025 14:53:38 +0100</pubDate><title>10 Jahre Tübingen School of Education</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/10-jahre-tuebingen-school-of-education/</link><description>Zehn Jahre Innovationen in der Lehrkräftebildung an der Universität Tübingen – Jubiläumsfeier in der Alten Aula der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübingen School of Education (TüSE) feierte am Donnerstag, 6. November, ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Festakt in der Alten Aula der Universität Tübingen. Gegründet wurde die TüSE 2015 als Antwort auf die wachsenden Anforderungen an die universitäre Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer. Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg sowie die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, sprachen im Rahmen der Veranstaltung die Grußworte.</p><p>Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Tübingen bündelt die TüSE die Lehrkräftebildung und vereint Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften der 25 Lehramtsfächer unter einem Dach. Fakultätsübergreifend wird in ihr die Lehrkräftebildung beforscht und weiterentwickelt. Das Ziel: Lehramtsstudierende bestmöglich auf ihren Beruf vorzubereiten und mit wissenschaftlichen Methoden den Unterricht in den Klassenzimmern weiter zu verbessern.</p><h3>Forschungsstärke trifft Praxisbezug</h3><p>Seit ihrer Gründung wurden an der TüSE 19 Professuren für die Lehrkräftebildung eingerichtet, davon 14 in den Fachdidaktiken und fünf in den Bildungswissenschaften. Rund 23 Millionen Euro an Drittmitteln konnten über 10 Jahre für Forschungs- und Lehrprojekte eingeworben werden. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Lehramtsstudierende profitieren von gezielten Förderprogrammen. Das Informations- und Beratungszentrum Lehramt der TüSE unterstützt Studierende und Studieninteressierte bei der Planung, Gestaltung und Bewältigung ihres Lehramtsstudiums. Darüber hinaus entstanden zahlreiche Zusatzangebote zur Professionalisierung angehender und praktizierender Lehrkräfte sowie Transferpartnerschaften mit den Schulen der Region, um den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken.</p><p>Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Gute Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft unseres Landes – und sie beginnt mit exzellent ausgebildeten Lehrkräften. Deshalb investieren wir gezielt in eine starke, praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lehrkräftebildung in Baden-Württemberg. Wir brauchen Hochschulen, die Verantwortung übernehmen und die Lehramtsausbildung aktiv mitgestalten – die School of Education in Tübingen zeigt seit zehn Jahren, wie das gelingt. Gerade in Mathematik, der Informatik und den Naturwissenschaften ist der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften besonders groß. Unser Ziel ist klar: Wir wollen mehr junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen und ihnen beste Studienbedingungen bieten.“</p><p>„Die Tübingen School of Education ist eine Erfolgsgeschichte. Mit ihr wurde die Ausbildung von Gymnasiallehrkräften an der Universität Tübingen auf eine wissenschaftlich und fachlich solide Grundlage gestellt und zukunftssicher gemacht“, sagte Thorsten Bohl, geschäftsführender Direktor der TüSE und Professor für Erziehungswissenschaften. „Dank der umfangreichen Investitionen des Landes und der Universität in die School of Education hat sich Tübingen zu einem starken Lehrkräftebildungsstandort entwickelt.“</p><p>„Die Tübingen School of Education zeigt beispielhaft, wie Forschung und Praxis gemeinsam in die Gesellschaft hineinwirken. Sie steht für eine wissenschaftlich fundierte Lehrkräftebildung, die konkrete Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen gibt“, sagte Rektorin Pollmann. „Damit leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TüSE einen wichtigen Beitrag zur Bildungslandschaft, der im wissenschaftlichen Diskurs besteht und sich direkt positiv auf die Qualität von Bildung auswirkt – in Klassenzimmern, in der Lehrkräftebildung und in der öffentlichen Debatte.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124998</guid><pubDate>Mon, 03 Nov 2025 13:16:12 +0100</pubDate><title>38. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/38-tuebinger-poetik-dozentur-1/</link><description>Jenny Erpenbeck und Peter Wawerzinek an der  Universität Tübingen – Auftakt mit Lesung in der Kunsthalle Würth</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 38. Tübinger Poetik-Dozentur ein: Jenny Erpenbeck und Peter Wawerzinek sprechen vom 17. bis zum 21. November 2025 in Tübingen über ihre literarischen und essayistischen Texte. Zu Gast sind zudem Ute und Werner Mahler, die in ihren Fotografien vor allem das Alltagsleben in der DDR festgehalten haben. Die Vorlesungen und Gespräche der Poetik-Dozentur finden jeweils um 19 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 30, Tübingen) statt und können auch über einen Livestream verfolgt werden.</p><p>Jenny Erpenbeck liest zum Auftakt der Dozentur-Woche am Sonntag, den 16. November, um 11 Uhr, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Begleitend zu den Veranstaltungen zeigen das Stadtmuseum Tübingen und das Hessekabinett eine Ausstellung unter dem Titel <i>„Über Städte und Dörfer. Fotografien von Ute Mahler &amp; Werner Mahler“</i>. Am Donnerstag, den 20. November, findet um 17 Uhr die Vernissage in Anwesenheit von Ute und Werner Mahler statt.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein <strong>Projekt der Stiftung Würth</strong> und wird von der <strong>Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG</strong> gefördert. Einmal jährlich werden Autorinnen oder Autoren eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten. Den traditionellen Auftakt bildet eine Lesung in der Kunsthalle Würth.</p><p>„Die Tübinger Poetik-Dozentur schafft einen Raum, in dem Literatur, Fotografie und Geschichte aufeinandertreffen und Menschen zusammenkommen“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Solche Begegnungen zu ermöglichen, gehört zum gesellschaftlichen Auftrag unserer Universität – die Poetik-Dozentur ist dafür auch in diesem Jahr ein leuchtendes Beispiel.“</p><p>Johannes Schmalzl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth, freut sich auf die Begegnungen und Einblicke im Rahmen der Poetik-Dozentur 2025: „Ich bin überzeugt, dass das großartige literarische Werk von Jenny Erpenbeck dazu beiträgt, nicht nur vergangenheitsbezogen das Leben in der DDR besser zu verstehen. Wer bei ihr genau hinhört, wird auch die richtigen Schlüsse zur Bewältigung der großen Herausforderungen der Gegenwart ziehen können.“</p><h3><strong>Die Termine im Überblick</strong></h3><p><strong>Lesung </strong>von Jenny Erpenbeck am Sonntag, 16. November, um 11 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall (die Lesung ist ausgebucht).</p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br>Jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltungen können auch über einen&nbsp;<br><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx" target="_blank" rel="noreferrer">Livestream </a>verfolgt werden.</p><ul><li><strong>Montag, 17. November:</strong> Vorlesung von Jenny Erpenbeck: „Verworfene Anfänge“</li><li><strong>Dienstag, 18. November:</strong> Vortrag von Ute und Werner Mahler: „Ein Dorf“</li><li><strong>Mittwoch, 19. November</strong>: Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Reinhard Müller: „Reden über Schweigen“</li><li><strong>Donnerstag, 20 November</strong>: Vorlesung von Peter Wawerzinek: „Vom Gebrauch der Worte im Wechsel der Zeiten“</li></ul><p><strong>Weitere Veranstaltungen</strong> im Rahmen der Poetik-Dozentur-Woche</p><ul><li><strong>Dienstag, 18. November:</strong> Workshop zum Werk von Jenny Erpenbeck am Deutschen Seminar der Universität Tübingen, organisiert von Evi Zemanek und Kay Wolfinger (Anmeldung unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cfokp0bgocpgmBfu0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">admin.zemanek<span style="display:none">spam prevention</span>@ds.uni-tuebingen.de</a></li><li><strong>Donnerstag, 20. November:</strong> Vernissage der Ausstellung „Über Städte und Dörfer. Fotografien von Ute Mahler &amp; Werner Mahler“ im Stadtmuseum und Hessekabinett Tübingen, 17 Uhr, Stadtmuseum Tübingen</li><li><strong>Freitag, 21. November: </strong>Schreibwerkstatt für Studierende mit Peter Wawerzinek in Kooperation mit dem Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen</li></ul><p>Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen unter poetik-dozentur.de</p><h3>Verantwortlich:</h3><p>Prof. Dr. Dorothee Kimmich<br>Universität Tübingen, Deutsches Seminar / Poetik-Dozentur<br><a href="tel:+49070712975323"><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49-(0)7071-29-75323</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fqtqvjgg0mkookejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">dorothee.kimmich<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt/Presse:</h3><p>Dr. Sara Bangert<br>Universität Tübingen, Deutsches Seminar / Poetik-Dozentur<br><a href="tel:+49070712974261"><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 (0)7071 29-74261</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uctc0dcpigtvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">sara.bangert<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Christfried Dornis<br>Leitung<br><br>Michael Pfeiffer<br>Pressereferent<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span><a href="tel:+4970712976782">Telefon +49 7071 29-76782</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,okejcgn0rhgkhhgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">michael.pfeiffer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" title="Alle Pressemitteilungen der Universität Tübingen">Alle Pressemitteilungen der Universität Tübingen</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Pressemitteilung-TOP</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124893</guid><pubDate>Thu, 30 Oct 2025 15:12:44 +0100</pubDate><title>Zentrum für Burgenforschung eröffnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zentrum-fuer-burgenforschung-eroeffnet/</link><description>Enge Kooperation zwischen Universität Tübingen, Denkmalämtern, Kommunen und Bevölkerung – Hinweise auf bisher unentdeckte Burgen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat am Donnerstag feierlich ein Zentrum für Burgenforschung eröffnet, das bisher ungeklärten Fragen zu den mittelalterlichen Bauten auf den Grund gehen wird: Wie viele Burgen gab es in Deutschland und Europa? Welchem Zwecken außer der Verteidigung dienten sie? Wie sah der Alltag ihrer Bewohnerinnen und Bewohner aus? In welcher Beziehung standen die Burgherren zu umliegenden Dörfern und Klöstern?&nbsp;</p><p>Das Zentrum bündelt und verstärkt die Forschung und Lehre zum Thema an insgesamt elf Lehrstühlen der Universität Tübingen. Außerdem baut das Zentrum für Burgenforschung die Verbindungen zu Kooperationspartnern wie Kommunen, Ämtern der Denkmalpflege, bürgerschaftlichen Initiativen, privaten Stiftungen und Verbänden in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Der Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters von Professorin Natascha Mehler koordiniert das Zentrum, Dr. Michael Kienzle wird dessen wissenschaftlicher Leiter.</p><p>„Wir bekommen regelmäßig Hinweise zu Burgen, von denen bisher niemand etwas wusste, beispielsweise wenn Baugruben ausgehoben und Mauern freigelegt werden“, sagte Professorin Natascha Mehler vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters. “Außerdem verfügen wir heute über Messmethoden wie 3D-Laserscanning aus der Luft oder Bodenradar, die Aussagen über die Nutzung von Flächen möglich machen, wo wir bisher nur Wälder, Erde und Wiesen sahen.“ Die Expertin geht von hunderten, wenn nicht sogar tausenden unerforschten Burgen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124308</guid><pubDate>Mon, 20 Oct 2025 09:54:41 +0200</pubDate><title>Delegation aus Neuseeland eröffnet Ausstellung „Te Pou o Hinematioro“ im Museum Alte Kulturen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/delegation-aus-neuseeland-eroeffnet-ausstellung-te-pou-o-hinematioro-im-museum-alte-kulturen/</link><description>Von 23. Oktober an präsentiert internationale Kooperation zwischen Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti und Universität Tübingen einzigartiges Māori-Heiligtum auf Schloss Hohentübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Te Pou o Hinematioro – Celebrating Māori Heritage, Culture and Connection“ lautet der Titel der Ausstellung, die Brücken über Kontinente und Jahrhunderte schlägt. Sie ist von Donnerstag, 23. Oktober, an im Museum der Universität Tübingen (MUT) auf Schloss Hohentübingen zu sehen. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Ethnologie des Asien-Orient-Instituts, dem MUT, der Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti, und dem Tairāwhiti Museum in der Stadt Gisborne auf der Nordinsel Neuseelands.</p><p>Im Mittelpunkt der von Stephan Potengowski und seinem Team szenografierten Ausstellung steht das Hinematioro Pou, das 1769 mit der ersten Weltumseglung des britischen Seefahrers James Cook nach Europa gelangte. Für die Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti verkörpert das Schnitzwerk die lebendige Präsenz der verehrten Ahnin und höchsten Prinzessin Hinematioro und entspricht einem taonga, einem heiligen Schatz. In den 1990er-Jahren, nach der Wiederentdeckung durch den Tübinger Kustos der ethnologischen Sammlung, Dr. Volker Harms, entwickelte sich das Pou zu einem Symbol der Verbindung zwischen Ūawa und Tübingen, Vergangenheit und Gegenwart.</p><h3>Zeremonieller Empfang am Vormittag</h3><p>Der eigentlichen Vernissage am Donnerstagabend geht eine Māori-Zeremonie am Donnerstagmorgen vor ausgewählten Gästen voraus. Eine Delegation der Te Aitanga-a-Hauiti begrüßt mit einem traditionellen pōwhiri, einem Willkommensritual, im Rittersaal auf Schloss Hohentübingen das Hinematioro Pou. Die Zeremonie wird von einer Kapa-Haka-Performance begleitet, die aus Tanz, Gebeten und Gesang besteht. Damit wird die Personifikation der Prinzessin Hinematioro aus dem 18. Jahrhundert geehrt.</p><p>Die Zeremonie eröffnet zugleich den gemeinsamen Weg zur Ausstellung. Zu sehen sein werden auch die eigens für diesen Zweck nach Europa entliehenen Exponate der Te Aitanga-a-Hauiti sowie Objekte aus dem Tairāwhiti Museum in Gisborne. An der Zeremonie teilnehmen werden auch Schülerinnen und Schüler der Tolaga Area Bay School in Gisborne und der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule.</p><p>Das Hinematioro Pou kehrte im Jahr 2019 erstmals auf Leihbasis nach Neuseeland zurück, wo es in einer bewegenden Zeremonie empfangen wurde. Im Kontext dieses Projektes wird derzeit auch die zentrale Frage nach der möglichen Rückgabe des Hinematioro Pou nach Neuseeland diskutiert – ein Prozess, der von gegenseitigem Respekt, wissenschaftlicher Verantwortung und kulturellem Vertrauen geprägt ist.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124260</guid><pubDate>Fri, 17 Oct 2025 13:25:05 +0200</pubDate><title>Ein Fest der Lehre: Universität Tübingen eröffnet das Wintersemester</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-fest-der-lehre-universitaet-tuebingen-eroeffnet-das-wintersemester/</link><description>Dies Universitatis unter dem Motto „Celebrating Teaching“ – Rektorin heißt neue Studierende willkommen – Lehr- und Sonderpreis sowie DAAD-Preis verliehen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Dies Universitatis hat die Universität Tübingen gestern knapp 5.100 neue Studierende begrüßt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Celebrating Teaching“. Die Rektorin, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, stellte den Neuimmatrikulierten, unter denen sich auch zahlreiche internationale Studierende befanden, die Universität vor und informierte über die vielseitigen Angebote.</p><p>Mit Blick auf das diesjährige Motto erinnerte die Rektorin an renommierte Persönlichkeiten der Universität Tübingen. Dazu zählt beispielsweise Christiane Nüsslein-Volhard, die als erste deutsche Forscherin den Nobelpreis für Medizin erhielt und ihre beeindruckende Karriere in Tübingen begann. Die Rektorin betonte auch den didaktischen Aspekt: In innovativen Lehrformaten vermitteln die Dozentinnen und Dozenten nicht nur den aktuellen Stand der Wissenschaft, sondern darüber hinaus kritisches Denken und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens. Mit Blick auf die Exzellenzstrategie betonte die Rektorin: „Unser Ziel bleibt: exzellent forschen und exzellent lehren.“ Dabei laute das Konzept:<span lang="en" dir="ltr"> Research – Relevance – Responsibility. Open to New Challenges and a Global Scope of Action</span>. „Ich hoffe sehr, dass Sie sich von diesem Spirit mitreißen lassen und voller Motivation und Vorfreude in Ihr Studium starten werden.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124230</guid><pubDate>Thu, 16 Oct 2025 15:14:56 +0200</pubDate><title>Attempto-Preise gehen an eine Neurowissenschaftlerin und einen Neurowissenschaftler </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/attempto-preise-gehen-an-eine-neurowissenschaftlerin-und-einen-neurowissenschaftler/</link><description>Peng Liu und Philipp Klocke werden für Studien zur Erforschung der Parkinsonerkrankung beziehungsweise der Alterungsprozesse der für den Tastsinn zuständigen Hirnbereiche ausgezeichnet.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Attempto-Preise 2025 der Tübinger Attempto-Stiftung erhalten Dr. Philipp Klocke für seine Studie über die Hirnaktivität von Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer Parkinsonerkrankung kurzzeitige Bewegungsblockaden erleiden, und Dr. Peng Liu für ihre Veröffentlichung über Veränderungen der Großhirnrinde, die sich mit steigendem Alter von Menschen und Mäusen bei der Verarbeitung von Berührungsreizen ergeben. Die Preise sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert und wurden dem Preisträger und der Preisträgerin im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen (Universitätsbund) e. V. am 15. Oktober 2025 überreicht.</p><p>„Die Attempto-Preise werden an Tübinger Forscherinnen und Forscher in ihrer frühen Karrierephase für herausragende neurowissenschaftliche Publikationen vergeben. Ihre Themen beleuchten schlaglichtartig, wie breit dieser Bereich am Standort Tübingen aufgestellt ist“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-124113</guid><pubDate>Wed, 15 Oct 2025 11:53:28 +0200</pubDate><title>Unabhängige Innovationen bei der Herstellung von Steinwerkzeugen in Europa und dem Nahen Osten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unabhaengige-innovationen-bei-der-herstellung-von-steinwerkzeugen-in-europa-und-dem-nahen-osten/</link><description>Forschende der Universitäten Tübingen und Arizona stellen die Annahme in Frage, dass eine rund 42.000 Jahre alte Schlüsselkultur durch Menschen aus dem Nahen Osten nach Europa kam</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Herstellung von Steinwerkzeugen gingen moderne Menschen vor rund 42.000 Jahren in Europa und im Nahen Osten unterschiedlich vor. Das ergab eine vergleichende quantitative Analyse von Steinwerkzeugen aus Fundstätten in Italien und im Libanon. Sie wurde durchgeführt von Dr. Armando Falcucci von der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen und Professor Steven Kuhn von der <span lang="en" dir="ltr">School of Anthropology</span> der <span lang="en" dir="ltr">University of Arizona</span> in Tucson. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Technologie zur Bearbeitung von Steinen in Europa durch eigene Innovationen entwickelt wurde und nicht durch einen Wissensimport von den aus dem Nahen Osten eingewanderten Menschen zu erklären ist. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Journal of Human Evolution</span></i> veröffentlicht.</p><p>Für die Auswanderung unserer Vorfahren, des Homo sapiens, aus Afrika spielte der Nahe Osten als biogeografischer Korridor eine entscheidende Rolle. Jahrzehntelang nahm man in der Forschung an, dass viele technologische Innovationen durch die Einwanderung früher moderner Menschen aus dem Nahen Osten in Europa eingeführt wurden. Die rund 42.000 Jahre alte Kultur des Protoaurignaciens in Südeuropa wird daher allgemein als westliche Erweiterung der nahöstlichen Ahmarian-Kultur früher Homo-sapiens-Gruppen betrachtet.</p><p><strong>Erste quantitative Analyse</strong></p><p>Obwohl vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kulturelle Ähnlichkeiten zwischen den Steinwerkzeugen der Ahmarian- und der Protoaurignacien-Kultur auffielen, wurde bisher kein systematischer Vergleich der archäologischen Belege vorgenommen. Diese Lücke schließen Armando Falcucci und Steven Kuhn mit ihrer aktuellen Studie. Für die Ahmarian-Kultur untersuchten die Forschenden Tausende von Steinwerkzeugen aus der am dichtesten an Europa liegenden archäologischen Fundstätte Ksar Akil nahe Beirut im Libanon. Die bearbeiteten Steine des Protoaurignaciens für den Vergleich stammten aus drei wichtigen Fundstätten im heutigen Italien: der Grotta di Fumane nahe Verona im Nordosten, des Riparo Bombrini nahe Ventimiglia im Nordwesten und der Grotta di Castelcivita nahe Salerno im Süden. „Oberflächlich betrachtet sahen die Steinwerkzeuge aus diesen verschiedenen Gebieten ähnlich aus. Aber wir wollten genauer wissen, wie sie hergestellt wurden“, sagt Kuhn. „Beim Vergleich der Fundsammlungen konzentrierten wir uns vor allem auf die Steineinsätze zusammengesetzter Werkzeuge. Wir rekonstruierten ganz genau, wie die Feuersteinknollen geformt wurden, um gerade Klingen mit scharfen Kanten abzuschlagen“, erklärt Falcucci.</p><p>Die Analyse habe auffällige Unterschiede ergeben in der Art, wie die Werkzeugmacher des Ahmarian und des Protoaurignaciens vorgingen. In beiden Regionen seien die Steinwerkzeuge immer kleiner geworden, was die Entwicklung komplexer zusammengesetzter Arbeitsgeräte widerspiegele. Doch trotz dieses ähnlichen Trends stellten die Werkzeugmacher der verschiedenen Gebiete kleine Klingen auf unterschiedliche Weise her. „Insgesamt betrachtet passen die Techniken der Ahmarian- und Post-Ahmarian-Kultur im Nahen Osten nicht mit denjenigen des Protoaurignaciens in Italien zusammen. Die Unterschiede bei der Herstellung von Abschlägen legen nahe, dass die europäischen Jäger und Sammler ihre Projektiltechnologie unabhängig voneinander entwickelten“, sagt Falcucci.</p><p><strong>Rekonstruktion der eigenen Geschichte</strong></p><p>„Die allgemeine Annahme, dass die steinzeitlichen technologischen Innovationen in Europa durch Einwanderungswellen aus dem Nahen Osten eingeführt werden, muss neu bewertet werden“, sagt Kuhn. „Zunehmend mehr biomolekulare und fossile Belege deuten darauf hin, dass der Homo sapiens spätestens vor 60.000 Jahren begann, sich in Eurasien auszubreiten, während dort zur gleichen Zeit lokale Populationen der Neandertaler und Denisova-Menschen lebten und es auch zur Durchmischung der Menschen kam“, ergänzt Falcucci. „Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Sammlung wissenschaftlicher Belege bei, welche die Ausbreitung der modernen Menschen in Eurasien als einen komplexen, nicht geradlinig verlaufenden Prozess erscheinen lässt. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, den vielfach unterschätzten kulturellen Austausch mit unseren ausgestorbenen Verwandten, den Neandertalern und Denisova-Menschen, in die Rekonstruktion unserer eigenen Geschichte einzubeziehen. Die archäologischen Belege tragen dazu in unschätzbarer Weise bei“, sagt er.</p><p>„Stein um Stein fügen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Bild von der Geschichte unserer Vorfahren und ihrer kulturellen Entwicklung zusammen, fügen Details hinzu oder berichten von überraschenden Wendungen. Es freut mich sehr, dass auch die Universität Tübingen immer wieder mit neuen Studienergebnissen zu diesem Prozess beitragen kann“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Information:</strong><br>Die Untersuchung der großen Sammlung von Steinwerkzeugen aus Ksar Akil (Libanon), die zurzeit an der Harvard University aufbewahrt wird, wurde ermöglicht durch ein Forschungsstipendium der Reinhard Frank-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Armando Falcucci, Steven L. Kuhn: Ex Oriente Lux? <span lang="en" dir="ltr">A quantitative comparison between northern Ahmarian and Protoaurignacian. Journal of Human Evolution</span>, 208. <a href="https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2025.103744" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1016/j.jhevol.2025.103744</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123786</guid><pubDate>Mon, 06 Oct 2025 13:09:47 +0200</pubDate><title>Ein Semester, viele Themen: Studium Generale startet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-semester-viele-themen-studium-generale-startet/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen der Universität Tübingen im Wintersemester – Teilnahme ist allen Interessierten kostenlos und ohne Anmeldung möglich </description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 14. Oktober 2025, startet das Studium Generale an der Universität Tübingen ins Wintersemester. Die vier Vorlesungsreihen beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Gewalt, der Analyse des globalen Rechtsrucks, der Rolle von Geld als Medium des Austauschs und der Frage, wie in angespannten Zeiten Brücken zwischen Menschen und Meinungen geschlagen werden können.&nbsp;</p><p>Die Vorlesungen sind kostenlos, finden sofern nicht anders angegeben in deutscher Sprache statt und können ohne Anmeldung besucht werden. Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau statt. De-taillierte und aktuelle Informationen, etwa zu kurzfristigen Änderungen, sind unter <a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a> einsehbar.&nbsp;<br><br>„Das Studium Generale steht für unser Verständnis von Bildung als gesellschaftlichem Dialog. Es lädt dazu ein, gemeinsam über Fachgrenzen hinweg zu denken, Fragen zu stellen und Perspektiven zu wechseln. Als Universität legen wir Wert darauf, hochwertige Räume zu schaffen, in denen Wissenschaft und Öffentlichkeit fundiert miteinander ins Gespräch kommen können“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><h3>Die Vorlesungsreihen im Kurzprofil&nbsp;</h3><h4>Transsubstantiationen – Transformationen zwischen Geld und Eucharistie im dreifüßigen Kessel der Wissenschaft, Kunst und Religion (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)&nbsp;</h4><p>Die Ringvorlesung widmet sich der Frage, welche Rolle Geld als Medium des Austauschs und der Kommunikation in Geschichte und Gegenwart spielt – von seinen kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutungen bis hin zu aktuellen Entwicklungen wie Kryptowährungen und datenbasierter Ökonomie. Unter Beteiligung verschiedener Fachgebiete, geht sie neben Betrachtungen des „Wesens“ von Geld, der sich gegenwärtig aufdrängenden Fragen nach der Organisation des Austausches materieller Werte nach.&nbsp;</p><h4>Extreme Rechte auf dem Vormarsch – Analysen, Reaktionen, Gegenwind (Dienstag, 19:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</h4><p>In dieser Reihe werden politische, gesellschaftliche und kulturelle Dimensionen des globalen “Rechtsrucks” analysiert. Thematisch startet die abwechslungsreiche Ringvorlesung mit einführen-den Vorträgen zu Kontext und Lagebildern und leitet danach über Erscheinungsformen und Betroffenenperspektiven zu Handlungsmöglichkeiten über. Abgerundet wird die Reihe durch eine Podiumsdiskussion.&nbsp;</p><h4>Brücken bauen in angespannten Zeiten – aber wie? (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</h4><p>Ob in politischen Debatten, kulturellen Auseinandersetzungen oder persönlichen Begegnungen – Brücken zwischen Menschen und Meinungen zu schlagen ist eine zentrale Herausforderung unserer Gegenwart. Die Reihe befragt unterschiedliche Disziplinen, wie und wo Brücken als Einladung zum Dialog entstehen und als Bild handlungsleitend wirken können – gerade in Zeiten globaler und nationaler Konflikte.&nbsp;</p><h4>Tübinger Wissenschaft und Gewalt: Historische Perspektiven – künftiges Gedenken (Donnerstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</h4><p>Seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Wissenschaft mit Gewalt, zur Analyse von Konflikten und zur Entwicklung von Präventionsstrategien. Zugleich legitimierte Wissenschaft immer wieder Gewalt und Ungleichheit. Die Vorlesungsreihe nimmt diese Verflechtungen kritisch in den Blick, unter besonderer Betonung der Geschichte der Universität Tübingen. Sie fragt, wie Gewalt Wissen formt und wie Wissenschaft Gewalt hervorbringt. Ziel ist es, historische Beispiele zu beleuchten, gängige Wahrnehmungen zu hinterfragen und Perspektiven für einen verantwortungsvollen Umgang mit „Wissenschaftsgewalt“ in der Gegenwart zu diskutieren.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123717</guid><pubDate>Wed, 01 Oct 2025 11:37:29 +0200</pubDate><title>Die weite Welt zur Untermiete</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-weite-welt-zur-untermiete/</link><description>Das Welcome Center der Universität Tübingen sucht Wohnungsangebote für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – In den vergangenen 15 Jahren mehr als 7300 Forschende betreut</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span> der Universität Tübingen sucht nach Wohnraum für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die vorübergehend nach Tübingen kommen und hier forschen. Der Bedarf an Wohnungen für diese Zielgruppe steigt seit Jahren. Das Welcome Center der Universität Tübingen ist an Mietangeboten jeder Dauer interessiert, da die Aufenthaltsdauer der Promovierenden, forschenden <span lang="en" dir="ltr">PostDocs</span> oder Professorinnen und Professoren aus aller Welt stark variiert. „Da ist von zwei Wochen bis fünf Jahre alles dabei“, sagt Kirsten Sonnenschein, Leiterin des <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span>. „Es gibt Privatvermieterinnen und Privatvermieter, die über uns anbieten, weil sie gerne internationale Kontakte haben oder nicht dauerhaft vermieten wollen.“</p><p>Am 1. Oktober feiert das <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span> 15-jähriges Bestehen. Die Gründung im Jahr 2010 erfolgte auf Initiative des damaligen Leiters des <span lang="en" dir="ltr">International Office</span>, Wolfgang Mekle, und des Rektorats der Universität. Ziel war es, die internationalen Forschenden zentral zu betreuen, um Wissen und Ressourcen an einer Stelle zu bündeln und damit Lehrstühle und Sekretariate zu entlasten. Kirsten Sonnenschein leitet seit der Gründung das <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center </span>und hat damals zunächst allein damit begonnen, den Service aufzubauen. Heute umfasst ihr Team 13 Personen. Das Team unterstützt die internationalen Forschenden bei administrativen und rechtlichen Themen, berät bei persönlichen oder familiären Problemen, koordiniert Netzwerke, hilft in Sachen Integration, etwa mit der Veranstaltung „<span lang="en" dir="ltr">Do´s and Dont´s in German Academia</span>“, und vermittelt auch Wohnungen.</p><h2>Probleme lösen, Hinweise geben, Weitervermitteln</h2><p>Die Vermittlung von Wohnraum ist angesichts des umfangreichen Angebots des <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span> nur eine Aufgabe von vielen während des Aufenthalts der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, jedoch eine grundlegende. Noch bevor die Forschenden ins Land kommen, unterstützt das Team bei Visa- und Einreisefragen. Wer mit Familie kommt, muss aus der Ferne Betreuungsfragen für die eigenen Kinder klären und findet nicht immer auf Anhieb selbst die richtige Stelle für anstehende Fragen. „Wir können nicht immer alle Probleme lösen, können aber weitervermitteln und die richtigen Ansprechpartner finden“, sagt Kirsten Sonnenschein.</p><p>Von all diesen Angeboten haben mehr als 7300 Forschende aus 133 Nationen profitiert, die in den vergangenen 15 Jahren an die Universität Tübingen kamen und hier in den verschiedenen Bereichen geforscht haben. Knapp 6000-mal hat das <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span> internationale Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei der Wohnungssuche unterstützt, in etwas mehr als 3000 Fällen davon konnte das Team um Kirsten Sonnenschein Wohnraum direkt vermitteln, wenn auch oft nur für wenige Monate. „Manche Forschende schlagen das erste Mietangebot noch aus und sagen: Ich suche selbst. Wenn sie merken, wie schwierig der Wohnungsmarkt hier ist, melden sie sich kurz vor ihrer Anreise wieder bei uns. Dann ist das ursprüngliche Angebot schon lange anderweitig vergeben“, sagt Kirsten Sonnenschein.</p><p>Die Universität Tübingen hat Zugriff auf 43 Wohnungen im Eigentum des Landes und 23 Zimmer in den eigenen Gästehäusern. Das Studierendenwerk stellt 70 Zimmer in einem Studierendenwohnheim für Promovierende zur Verfügung. Das <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center </span>benennt die Personen, die einziehen sollen. Doch all das reicht angesichts der jährlich 800 bis 900 neu Anreisenden bei weitem nicht aus. Ohne das aufgebaute Netzwerk des <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center </span>zu verschiedenen Einrichtungen und Institutionen und ohne private Vermieterinnen und Vermieter wäre das nicht zu meistern.</p><p>„Die Arbeit und die Unterstützung durch die Mitarbeitenden im <span lang="en" dir="ltr">Welcome Center</span> sind von unschätzbarem Wert für unsere internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, da diese so einen guten Start in Tübingen haben und sich von Anfang an auf ihre Forschung und Lehre konzentrieren können. Allen, die in den vergangenen 15 Jahren unterstützt und zum Erfolg beigetragen haben, gilt mein herzlicher Dank“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123690</guid><pubDate>Wed, 01 Oct 2025 11:00:00 +0200</pubDate><title>300.000 Jahre altes Erbgut: Pferdegeschichte aus Schöningen entschlüsselt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/300000-jahre-altes-erbgut-pferdegeschichte-aus-schoeningen-entschluesselt/</link><description>Bislang älteste unter Freiluftbedingungen erhaltene DNA extrahiert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und von der Forschungsstation Schöningen hat erstmals das Erbgut der ausgestorbenen Pferdeart Equus mosbachensis aus der rund 300.000 Jahre alten Fundstelle Schöningen in Niedersachsen rekonstruiert. Aufgrund außergewöhnlich guter Erhaltungsbedingungen konnten die Forschenden damit die bislang älteste DNA aus einem offenen Fundplatz nachweisen. Ihre Analysen zeigen zudem, dass die Schöninger Pferde zu einer Pferdelinie gehören, die als Ursprung aller modernen Pferde gilt. &nbsp;Die Studie ist heute im Fachjournal „Nature Ecology &amp; Evolution“ erschienen.</p><p>Haus- und Wildpferd sowie Esel und Zebra – alle gehören zu der einzigen heute noch existierenden Gattung aus der Familie der Equidae. Doch der Blick in die Vergangenheit zeigt: Im Laufe der Erdgeschichte gab es über 35 verschiedene Gattungen und Hunderte inzwischen ausgestorbener Arten der Pferdeartigen. „Diese Familie gehört zu den am besten erforschten Tiergruppen der Evolutionsgeschichte. Ihre Fossilien lassen sich über einen Zeitraum von rund 55 Millionen Jahren zurückverfolgen“, erläutert Professor Cosimo Posth vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Lange Zeit konzentrierte sich die genetische Forschung vor allem auf Veränderungen durch die Domestizierung der Pferde in der jüngeren Vergangenheit. Doch um die Evolution des Pferdes zu verstehen, muss man auch die Geschichte davor betrachten. Archäologische Funde zeigen beispielsweise, dass Pferde schon für frühe Menschenarten eine zentrale Rolle spielten – insbesondere als Nahrungsquelle.“</p><p>Der Tübinger Wissenschaftler hat gemeinsam mit den Doktorandinnen Arianna Weingarten und Meret Häusler sowie einem Forschungsteam nun erstmals mitochondriale Genome der ausgestorbenen Pferdeart Equus mosbachensis aus der Fundstelle Schöningen in Niedersachsen untersucht. Weingarten, die Erstautorin der Studie, erklärt: „Schöningen ist berühmt für seine Holzspeere, die mit rund 300.000 Jahren die ältesten bekannten vollständigen Jagdwaffen der Welt sind. Direkt neben den Speeren konnten die fossilen Überreste von mindestens 20 erlegten Pferden gefunden werden – ein eindrucksvoller Beleg für die enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd, lange vor der eigentlichen Domestizierung. Ziel unserer Untersuchung war es, die Stellung und Herkunft von Equus mosbachensis im Stammbaum der Pferde zu klären und die genetischen Beziehungen zu heutigen Pferden besser zu verstehen.“</p><p>Durch die Analyse besonders gut erhaltener Knochenbereiche der fossilen Tiere, spezielle molekulare Techniken und der Entwicklung neuer bioinformatischer Methoden zur Rekonstruktion von Genomen aus alter DNA, gelang es dem Team, Erbgut zu rekonstruieren, das rund 300.000 Jahre alt ist – der älteste Nachweis von DNA unter offenen Freiluftbedingungen. „Bislang galt, dass sich DNA außerhalb von Höhlen oder Permafrostböden maximal etwa 240.000 Jahre erhält. Die Pferde von Schöningen verschieben diese Grenze nun deutlich“, so Mitautorin Häusler und weiter: „Normalerweise zerfällt DNA unter freiem Himmel rasch, weil Temperaturwechsel und Mikroben das Erbgut zerstören. Doch in Schöningen lagen die Knochen in dauerhaft feuchten, sauerstoffarmen Sedimenten. Diese besondere Umgebung wirkte offenbar als natürlicher Schutz.“</p><p>Im Laufe der Erdgeschichte überquerten die Vorfahren der heutigen Equidae mehrfach die Beringlandbrücke, eine Festlandverbindung zwischen Asien und Nordamerika, und breiteten sich so von Nordamerika nach Eurasien aus. Zwei große Wanderungswellen sind bislang belegt: Die erste, vor etwa 2,6 Millionen Jahren, brachte die Vorfahren der heutigen Zebras und Esel auf den asiatisch-europäischen und afrikanischen Kontinenten. Die zweite, vor rund 900.000 bis 800.000 Jahren, führte die sogenannten „caballinen“ Pferde ein. Im caballinen Stammbaum sind viele Zweige – wie Equus mosbachensis – ausgestorben. Die aktuellen Untersuchungen zeigen jedoch, dass die an der Fundstelle Schöningen sequenzierten Tiere zur gleichen evolutionären Linie gehören wie die bis heute überlebenden Pferde.</p><p>„Mit unserer Studie konnten wir eine zeitliche und geografische Lücke in der Erforschung der Pferdeevolution schließen. Unsere Ergebnisse zeigen zudem, dass selbst in scheinbar ungünstigen Fundumgebungen wie offenen Grabungsplätzen noch erstaunlich alte DNA überdauern und geborgen werden kann. Dies eröffnet die Möglichkeit, unsere Methode auf andere Arten auszuweiten und so die genetische Vielfalt der fernen Vergangenheit aufzudecken“, fasst Posth zusammen.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p><a href="https://doi.org/10.1038/s41559-025-02859-5" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41559-025-02859-5</a> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123678</guid><pubDate>Tue, 30 Sep 2025 15:02:01 +0200</pubDate><title> Tübinger Universitätsbund finanziert Outdoormöbel vor der Universitätsbibliothek</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-universitaetsbund-finanziert-outdoormoebel-vor-der-universitaetsbibliothek/</link><description>Vereinigung der Freunde der Universität feierte 100-jähriges Jubiläum und schenkt Tische, Bänke und Liegen zum Lernen im Außenbereich – Aktion steht unter Motto „Fördern statt Feiern“</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123660</guid><pubDate>Mon, 29 Sep 2025 13:32:50 +0200</pubDate><title>Erste Ergebnisse zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (KCanG)</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erste-ergebnisse-zur-evaluation-des-konsumcannabisgesetzes-kcang/</link><description>Zahl der Cannabisdelikte deutlich gesunken – Universität Tübingen und Universitätsklinken Hamburg-Eppendorf und Düsseldorf erforschen Folgen der Teillegalisierung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 2024 haben in Deutschland schätzungsweise 5,3 Millionen Erwachsene Cannabis konsumiert. Durch das verfügbare Medizinalcannabis konnten etwa 12 bis 14 % des Gesamtbedarfs an Cannabis gedeckt werden. Die Anbauvereinigungen produzierten dagegen nicht einmal 0,1 % der benötigten Menge. Die Marktanteile des legalen Eigenanbaus sowie des aus illegaler Produktion oder Weitergabe stammenden Cannabis können demgegenüber derzeit nicht quantifiziert werden. Die verfügbaren Daten sprechen zudem mehrheitlich bisher nicht dafür, dass sich das KCanG kurzfristig auf die Anzahl der jugendlichen oder erwachsenen Konsumierenden ausgewirkt hat. &nbsp;Die Teillegalisierung dieser Droge durch das KCanG hat jedoch zu einem starken Rückgang der im Zusammenhang mit Cannabis registrierten Straftaten geführt. So wies die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 in diesem Bereich 100.000 Strafverfahren weniger aus als im Vorjahr. Insbesondere Kleinkonsumierende werden nicht mehr strafrechtlich verfolgt.</p><p>Dies sind die ersten, vorläufigen Ergebnisse des Verbundprojektes EKOCAN, die im Rahmen eines Zwischenberichts vorgelegt wurden. EKOCAN ist ein von Bundesministerium für Gesundheit beauftragtes unabhängiges wissenschaftliches Konsortium zur Evaluation des KCanG. In dem Forschungsvorhaben werden eigene Daten erhoben und außerdem Informationen aus sonstigen Studien sowie vorliegende Routinedaten zusammengeführt. Der Abschlussbericht wird im April 2028 erwartet.</p><p>Dr. Jakob Manthey, Koordinator von EKOCAN und Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, führt aus, dass im Zwischenbericht Informationen aus zwölf Befragungen und 20 Routinedatenquellen berücksichtigt wurden: „Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass sich infolge der Teillegalisierung im Jahr 2024 die Zahl der Konsumierenden und der Umfang gesundheitlicher Probleme durch Cannabiskonsum kurzfristig kaum verändert haben”. Manthey betont außerdem, dass sich bestimmte Auswirkungen des KCanG erst mit größerem Abstand bestimmen lassen. Während sich bislang nur wenige Anhaltspunkte für Auswirkungen der Teillegalisierung auf den Gesundheitsschutz zeigen, sieht Manthey in der bisher geringen Anzahl der Anbauvereinigungen ein mögliches Problem: „Wenn der Gesetzgeber die Verdrängung des Schwarzmarktes priorisieren wollte, müssten die Rahmenbedingungen für die Genehmigung und den Betrieb von Anbauvereinigungen vereinfacht werden.“</p><p>„In den bisher vorliegenden Daten zeigt sich zudem, dass sich der sinkende Trend im Anteil der Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, auch nach der Teillegalisierung fortsetzt“, erläutert Professor Dr. Daniel Kotz (Leiter des Schwerpunkts Suchtforschung und klinische Epidemiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf). Allerdings betreibt weiterhin etwa ein Zehntel der jugendlichen Konsumierenden einen riskanten Umgang mit Cannabis (d. h., sie konsumieren täglich oder fast täglich), was die Wahrscheinlichkeit für teilweise schwerwiegende Gesundheitsprobleme deutlich erhöht. Auch liegen Hinweise vor, dass weniger Jugendliche nach der Teillegalisierung Suchtberatungen in Anspruch genommen haben.</p><p>Zu den Auswirkungen auf die cannabisbezogene Kriminalität erklärt Professor Dr. Jörg Kinzig, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen: „Was wir jetzt schon sagen können, ist, dass es sich bei der Teillegalisierung von Cannabis um die quantitativ bedeutsamste Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik handelt. Im Jahr 2024 hat die Polizei im Bereich der Cannabisdelikte über 100.000 Fälle weniger verzeichnet als im Vorjahr.“ Um zu beurteilen, wie sich die Gesetzesänderung im Detail auf die (Organisierte) Kriminalität und auf die Praxis von Polizei und Justiz auswirkt, seien aber noch weitere Daten und ein längerer Beobachtungszeitraum erforderlich.</p><p>EKOCAN („Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“) ist das durch den Gesetzgeber in § 43 KCanG verankerte Projekt zur Evaluation des KCanG. Das Forschungsvorhaben startete am 1. Januar 2025 und hat eine Laufzeit bis 30. April 2028. EKOCAN wird von drei Partnerinstitutionen getragen: dem Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Dr. Jakob Manthey, Verbundkoordination und Projektleitung Hamburg), dem Centre for Health and Society (chs) am Universitätsklinikum Düsseldorf (Univ.-Prof. Dr. Daniel Kotz, Projektleitung Düsseldorf) und dem Institut für Kriminologie (IfK) der Universität Tübingen (Univ.-Prof. Dr. Jörg Kinzig, Projektleitung Tübingen).</p><p>Der vollständige Zwischenbericht ist über folgenden Link abrufbar: <a href="https://www.uke.de/landingpage/ekocan/veröffentlichungen" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uke.de/landingpage/ekocan/veröffentlichungen</a>&nbsp;</p><p>Mehr zum Projekt EKOCAN: <a href="https://www.uke.de/landingpage/ekocan/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uke.de/landingpage/ekocan/</a>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123633</guid><pubDate>Mon, 29 Sep 2025 11:00:00 +0200</pubDate><title>Baden-Württemberger Forschungsinstitute erhalten 3,6 Millionen Euro für „Global Fellowships“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/baden-wuerttemberger-forschungsinstitute-erhalten-36-millionen-euro-fuer-global-fellowships/</link><description>Institutes for Advanced Studies an Universitäten Freiburg, Konstanz und Tübingen schaffen mit Mitteln des Wissenschaftsministeriums 14 Stellen für Gastforschende, deren Forschung unter Druck steht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bis zu 14 hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren Forschung gefährdet oder gar nicht mehr möglich ist, können bald an die Universitäten Freiburg, Konstanz und Tübingen wechseln und dort ihre wissenschaftliche Arbeit fortführen. Dazu hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg das Global Fellowship-Programm der international ausgerichteten Institutes for Advanced Studies (IAS) an den drei Universitäten mit 3,6 Millionen Euro ausgestattet und damit die Finanzierung der Stellen von bis zu zwei Jahren gesichert. Die IAS hatten solch ein Programm zuletzt ins Gespräch gebracht.</p><p>Das Programm richtet sich an Forschende aller Nationalitäten, die ihre geplanten Forschungsvorhaben durch aktuelle Restriktionen in den USA nicht mehr verwirklichen können, etwa aufgrund von Reisebeschränkungen oder gestrichenen Forschungsmitteln. Ziel des Programms ist es, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden Raum und Zeit für ihre herausragende Forschung und internationale Perspektiven für ihre berufliche Zukunft zu eröffnen. Die Gastaufenthalte sind institutionell am Freiburger Institute for Advanced Studies (FRIAS), am Zukunftskolleg der Universität Konstanz sowie am College of Fellows (CoF) der Universität Tübingen verankert.</p><h3>Forschung unabhängig und unter besten Bedingungen fortsetzen</h3><p>„Dank der finanziellen Mittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst können betroffene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschung hier bei uns unabhängig und unter besten Bedingungen fortsetzen. Die Universität, als ein Ort der Forschung und Lehre, erfüllt damit ihre gesellschaftliche Aufgabe auch auf internationalem Niveau und bewahrt das Prinzip der Wissenschaftsfreiheit“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Dr. Niels Weidtmann, Direktor des College of Fellows an der Universität Tübingen, ergänzt: „Die Initiative der Institutes of Advanced Studies, die zu diesem Programm geführt hat, bietet Forschenden, deren Arbeit in den USA aktuell unter Druck steht, in ihrer frühen Karrierephase eine verlässliche Perspektive und die Möglichkeit, die deutsche und europäische Wissenschaftslandschaft kennenzulernen und sich hier zu vernetzen.“ Den künftigen 14 Fellows eröffnen sich als Mitglieder einer baden-württembergischen Universität Zugänge im nationalen und europäischen Wissenschaftsraum. Die Fellows wählen selbst, an welchem der drei Institute sie ihre Arbeit aufnehmen möchten. Sie könnten bereits im Frühjahr 2026 in Freiburg, Konstanz oder Tübingen starten. Als Postdocs erhalten sie Zugang zu einem standortübergreifenden Rahmenprogramm mit wissenschaftlicher Weiterbildung, Workshops oder Sprachkursen.</p><p>Das Netzwerk der mehr als 20 Institutes for Advanced Studies in Deutschland hat im Frühjahr 2025 die veränderte Situation der Wissenschaft in den USA diskutiert. In einer gemeinsamen Initiative wandte sich das Netzwerk an die zuständigen Ministerien und Stiftungen, um anzubieten, diesen jüngeren Wissenschaftler*innen für eine gewisse Zeit Raum und Freiheit für ihre Forschung als Gastforschende in Deutschland zu geben und damit auch die deutsche Forschungslandschaft zu beleben. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg reagierte auf das Angebot und stellt nun eine Förderung für 14 Forschende nach der Promotion über jeweils zwei Jahre an den IAS der Universitäten Freiburg, Konstanz und Tübingen bereit. Damit unterstützt es die Freiheit der Wissenschaft, auf die Forschung in der ganzen Welt angewiesen ist.</p><h3>Postdoktorandinnen und Postdoktoranden setzen Impulse für neue Schwerpunkte</h3><p>Institutes for Advanced Studies sind Forschungsinstitute, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Zeit aufnehmen, um Raum für herausragende Forschung zu bieten: Sie sind Orte der Wissenschaftsfreiheit und der Spitzenforschung, aufgrund ihrer unabhängigen Strukturen organisatorisch flexibel für eine schnelle und unbürokratische Aufnahme. Zugleich sind sie geübt darin, die Förderung von internationalen Forschenden in der frühen Karrierephase nach der Promotion (Post-Docs) zu leisten. Sie bieten ihnen ein erstklassiges, vernetztes Forschungsumfeld über Grenzen von Fächern hinweg. Die PostDocs-Phase ist eine besonders vulnerable Karrierestufe zwischen der Promotion und auf dem Weg zu einer unbefristeten Professur oder aus der Wissenschaft heraus. Oft entwickeln sich hierbei neue, auch interdisziplinäre Themen: PostDocs geben somit wichtige Impulse für neue Schwerpunkte in Forschung und Lehre an den Universitäten.</p><h3>Zukunftspaket „Global Partnership in Science“</h3><p>Das Global Fellowship-Programm wurde im Rahmen des Förderpakets „Global Partnership in Science“ eingerichtet, das vom Land Baden-Württemberg im September 2025 verabschiedet wurde. Es umfasst insgesamt drei Förderungen in Höhe von rund 24 Millionen Euro:<br>&nbsp;</p><ul><li>Zehn Millionen Euro für das „Global Institution-Programm“ unterstützen den Ausbau der bereits langjährig bestehenden Kontakte zwischen der Universität Heidelberg und der Harvard University in den USA zu einer festen Partnerschaft.</li><li>Zehn Millionen Euro für das Global Professorship-Programm ermöglichen es den Universitäten, schnell und flexibel besonders attraktive, individuell zugeschnittene Berufungsangebote an internationale Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu machen.</li><li>3,6 Millionen Euro fließen in das Global Fellowship-Programm.</li></ul><h3>Weitere Informationen zu den drei Institutes for Advanced Studies</h3><p><a href="https://uni-freiburg.de/frias/" target="_blank" rel="noreferrer">FRIAS an der Universität Freiburg</a><br>Das FRIAS ist das internationale Forschungskolleg der Universität Freiburg. Seit 2008 fördert es in Fellowshipprogrammen herausragende Forschende aller Disziplinen aus der ganzen Welt, aber auch aus Freiburg und Deutschland. FRIAS biete ihnen für Zeiträume zwischen wenigen Monaten und ein bis zwei Jahren Raum, Zeit und Freiheit für ihre Forschung – und anregende Debatten über die Fächergrenzen hinweg. Daneben fördert es interdisziplinäre Forschungsgruppen und öffnet die Wissenschaft für gesellschaftliche Debatten. Mit der Freiburg Postdoctoral Academy bietet es Forschenden in frühen Karrierephasen besondere Möglichkeiten und stärkt damit zugleich die Forschungsschwerpunkte der Universität Freiburg.</p><p><a href="https://www.uni-konstanz.de/zukunftskolleg/" target="_blank" rel="noreferrer">Zukunftskolleg an der Universität Konstanz</a><br>Das Zukunftskolleg der Universität Konstanz fördert seit 2007 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Karriere, bevor sie eine Professur innehaben. Forschungsgruppen, Forschungsgäste, Kurzzeitstipendien und Fellows at Risk bilden eine interdisziplinäre, internationale, intergenerationale, intrauniversitäre und unabhängige Gruppe, die sich jede Woche auf einen gemeinsamen Gedankenaustausch trifft. Fördermittel als ‚seed money‘ helfen, die Forschung international auf Konferenzen vorzustellen und neue Forschungsprojekte anzuschieben, für die dann externe Förderung beantragt wird.</p><p><a href="/forschung/zentren-und-institute/college-of-fellows/" target="_blank">College of Fellows an der Universität Tübingen</a><br>Das College of Fellows (CoF) der Universität Tübingen steht allen von der Universität zentral berufenen, an die Fakultäten eingeladenen und über Drittmittel finanzierten internationalen Research Fellows offen. Fellows können an längerfristigen fächerübergreifenden Arbeitsgruppen (Focus Groups) mitwirken oder diese selbst initiieren. Das CoF möchte die innovativen Potentiale der vielen herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt an der Universität Tübingen und ihrer unterschiedlichen Perspektiven vereinen, um einen Ort zu schaffen, an dem Fragen von globaler gesellschaftlicher Relevanz diskutiert werden und die Internationalität der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Universität Tübingen sichtbar zu machen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123465</guid><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 10:43:31 +0200</pubDate><title>KI-Schule des Jahres 2025 ausgezeichnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ki-schule-des-jahres-2025-ausgezeichnet/</link><description>Das Gymnasium in Neuenbürg im Nordschwarzwald ist KI-Schule des Jahres – Mehr als 190 teilnehmende Schulen aus ganz Deutschland</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Gymnasium Neuenbürg aus der gleichnamigen Stadt in Baden-Württemberg darf sich „KI-Schule des Jahres 2025“ nennen. Den Titel sicherten sich 50 Schülerinnen und Schüler in den Fachbereichen Informatik und Mathematik der Klassenstufen 6 bis 10 durch ihre besonders aktive Teilnahme am <a href="https://www.ki-kurs.org/" target="_blank" rel="noreferrer">Online-KI-Kurs</a> des <a href="https://www.bw-ki.de/" target="_blank" rel="noreferrer">Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</a> (BWKI). Die Schule südwestlich von Pforzheim wurde bereits 2022 mit dem Preis ausgezeichnet.&nbsp;</p><p>„Künstliche Intelligenz ist wie ein Fenster in die Zukunft. Meine Schülerinnen und Schüler hatten den Mut, hindurchzuschauen – und haben gezeigt, wie viel Neugier und Können in ihnen steckt. Aber jeder Blick durch ein Fenster erinnert uns auch an den Spiegel: Denn Erfolge wie dieser fordern uns auf, im Schulsystem ehrlich auf uns selbst zu schauen, damit Talente auch künftig die Chancen bekommen, die sie verdienen“, sagt der betreuende Lehrer für Physik und Mathematik Jörg Hanisch.</p><p>In diesem Jahr nahmen bundesweit mehr als 5000 Nutzerinnen und Nutzer am KI-Kurs des BWKI teil. Mehr als 190 Schulen traten im Wettbewerb um den jährlich vergebenen Titel an. Den zweiten Platz sicherte sich ebenfalls eine Schule aus Baden-Württemberg: das Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz. Auf Rang drei folgte das Gymnasium Langen aus Niedersachsen. Platz vier ging an das Städtische Johann Gottfried-Herder-Gymnasium aus Köln, während das Gymnasium St. Augustin zu Grimma in Sachsen den fünften Platz belegte. Die fünf Schulen erhalten eine Urkunde. Die Gewinnerschule in Neuenbürg erhält zusätzlich zum Titel Programmiersets als Sachpreis.</p><p>Jedes Jahr sind Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte bundesweit eingeladen, sich gemeinsam anzumelden. Der Kurs vermittelt umfassend die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz: Von der Programmiersprache Python anhand praxisbezogener Aufgaben bis zu spielerischen Modulen zum ethischen Umgang mit KI. Er eignet sich zur Vorbereitung auf den Wettbewerb, zum Selbststudium oder zum Einsatz im Unterricht in virtuellen Klassenzimmern. Finanziert wird der Kurs von der Carl-Zeiss-Stiftung.</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, zeigt sich erfreut über die rege Teilnahme: „Ein kompetenter und neugieriger Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist nicht nur der Schlüssel zu einer gestaltbaren Zukunft, er stärkt auch unsere Gesellschaft und macht unsere Demokratie resilienter gegen die Risiken von KI. Ich bin stolz, dass wir als Universität mit dem Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wissenschaftlich fundiertes und ausdifferenziertes Wissen vermitteln können – und dabei auf engagierte Lehrkräfte sowie motivierte Schülerinnen und Schüler treffen, die sich diesem komplexen Themenbereich stellen.“</p><p>Der Teilnahmezeitraum 2025 erstreckte sich vom 1. August 2024 bis zum 31. Juli 2025. Die neue Runde hat bereits gestartet – Schulklassen, Arbeitsgemeinschaften oder Schülerforschungszentren können ab sofort ins Rennen um den Titel „KI-Schule des Jahres 2026“ einsteigen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123045</guid><pubDate>Wed, 10 Sep 2025 17:00:00 +0200</pubDate><title>Rabenkrähen können lernen, Werkzeug zielgerichtet einzusetzen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rabenkraehen-koennen-lernen-werkzeug-zielgerichtet-einzusetzen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen zeigt im Experiment, wie Krähen lernen, ein Stäbchen präzise im Schnabel zu führen, um damit an Futter zu gelangen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch gezieltes Training können heimische Rabenkrähen lernen, ein Stäbchen zum Heranholen von Futter einzusetzen. Mit zunehmender Übung beweisen sie dabei einerseits großes Geschick und kommen mit wenigen Schritten an ihr Ziel; andererseits reagieren sie flexibel auf abweichende Bedingungen im Experiment. Das haben Dr. Felix Moll, Julius Würzler und Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen in Verhaltensversuchen mit zahmen Vögeln festgestellt. In der freien Wildbahn ist der Werkzeuggebrauch bei Rabenkrähen nicht bekannt. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass bereits ein geringer Evolutionsdruck ausreichen würde, dass sie solche Fähigkeiten auch ohne spezielles Training entwickelten. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Current Biology</span></i> veröffentlicht.</p><p>„Der Gebrauch von Werkzeugen kommt im Tierreich insgesamt recht selten vor, am häufigsten ist er bei geschickten Generalisten wie Primaten, Papageien und Krähenvögeln zu beobachten“, berichtet Felix Moll. Nur bei zwei von den rund 40 Krähenarten passiert das regelmäßig: bei der Neukaledonienkrähe und der Hawaiikrähe. Krähen sind Singvögel mit einem ungewöhnlich großen Gehirn und komplexen Verhaltensmustern. Der instinktive Werkzeugeinsatz der Neukaledonienkrähe, auch Geradschnabelkrähe genannt, habe Forscher schon lange fasziniert, sagt er. „Die motorisch-kognitiven Fähigkeiten hinter diesem Verhalten wie die Verständnisebene von Ursache und Wirkung sowie die präzise, aber flexible Bewegungskontrolle wurden bisher aber nicht näher untersucht.“ Das Forschungsteam wollte erkunden, ob eine andere Krähenart den Werkzeuggebrauch prinzipiell ebenso gut erlernen kann – und wie das Lernen die nötigen Fähigkeiten formt.</p><h3>Hohe Anforderungen</h3><p>In der Studie brachten die Forscher drei Rabenkrähen mithilfe von Belohnungen zunächst bei, ein Stäbchen mit dem Schnabel aufzunehmen. Im nächsten Schritt lernten diese durch Versuch und Irrtum, mit dem Stäbchen Futterpellets aus einer durchsichtigen Plexiglasbox herauszuholen, in die sie mit dem Schnabel nicht direkt hineinkamen. Wenn das Futter zu schnell herausgeschoben wurde, konnte es vom Tisch fallen und war dann für den Vogel nicht mehr erreichbar. Die Übungsdurchgänge der Vögel wurden durch Bewegungsaufzeichnungen der Stabspitze dokumentiert. „Die Krähen holten zunächst den Stab aus einer Halterung, justierten nach, bis sie den Stab in geradliniger Verlängerung des Schnabels hielten und schoben damit das Pellet in Reichweite ihres Schnabels. Dabei beobachten sie ganz genau wie sich die Bewegungen der Stabspitze auf das Pellet auswirkten, um mögliche Fehler sofort zu korrigieren“, beschreibt Moll, wie die trainierten Rabenkrähen vorgingen. Erst wenn sie den Stab zurück in die Halterung gesteckt hatten, fraßen sie das Futter.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-123015</guid><pubDate>Tue, 09 Sep 2025 14:25:29 +0200</pubDate><title>Signale aus dem Gehirn verraten, ob die Person Rot sieht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/signale-aus-dem-gehirn-verraten-ob-die-person-rot-sieht/</link><description>Forschern der Universität Tübingen gelingt im Experiment die Übertragung der gemessenen Aktivitätsmuster aus der Sehrinde von Probanden bei der Farbwahrnehmung auf neue Individuen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aus visuellen Hirnarealen von Menschen, die bewegte Farbringe betrachten, lässt sich ableiten, welche Farbe die Person sieht, auch wenn ihr Gehirn zuvor nicht individuell auf Farbwahrnehmung untersucht wurde. Das ergab eine Studie von Dr. Michael Bannert und Professor Andreas Bartels vom Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen. Sie zeichneten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie Bilder aus dem Gehirn von Probandinnen und Probanden beim Betrachten von Farbreizen auf und gewannen unterschiedliche Signale für Rot, Grün und Gelb. Die jeweiligen Muster der Hirnaktivität waren bei zuvor nicht beteiligten Individuen ähnlich, sodass deren gesehene Farbe allein durch Vergleich mit Aufnahmen aus Gehirnen anderer Teilnehmer korrekt vorhergesagt werden konnte. Wie Farbwahrnehmungen im Gehirn abgebildet werden, ist beim Menschen einheitlicher als gedacht. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Journal of Neuroscience</span></i> veröffentlicht.</p><p>Welche Farbe ein Individuum im Experiment sieht, konnte man zuvor bereits aus Messungen mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) auslesen – allerdings nur am selben Gehirn. „Wir wollten jedoch wissen, wie ähnlich Farbe in unterschiedlichen Gehirnen kodiert wird. Lässt sich also die gesehene Farbe auch dann auslesen, wenn nur neuronale Farbsignale aus Gehirnen anderer Personen bekannt sind“, sagt Michael Bannert. Es sei bekannt, dass der funktionelle Aufbau unterschiedlicher Gehirne grob ähnlich ist. „Manche Regionen sind zum Beispiel aktiver, wenn man etwa ein Gesicht sieht, einen Körper oder eben Farbe“, erklärt der Forscher. In ihrem Experiment mit Farbringen haben die Forscher bestimmte Klassifikationsalgorithmen mit fMRT-Daten trainiert, um die Signale aus dem Gehirn einer Personengruppe systematisch je nach Farbe zu unterscheiden.</p><h3>Gestuftes Vorgehen im Experiment</h3><p>Im nächsten Schritt arbeiteten die Forscher mit den Daten neuer Probanden, aus deren neuronalen Signalen die gesehene Farbe vorhergesagt werden sollte. Um sich Orientierung im jeweiligen Gehirn zu verschaffen, wurde lediglich mithilfe von fMRT-Messungen räumlich kartiert, wie es auf Stimulation an unterschiedlichen Orten im Sichtfeld reagiert. „Damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden, setzten wir in diesem Schritt keinerlei Farben ein, sondern schwarz-weiße Muster“, erklärt Andreas Bartels. „Allein mithilfe dieser Kartierungsdaten in Kombination mit der Farbinformation aus fremden Gehirnen konnten wir auch aus der Aktivität eines ‘neuen’ Gehirns zuverlässig bestimmen, welche Farbe die Person gerade sieht“, sagt der Forscher. „Dass sich selbst die detaillierten Unterschiede zwischen einzelnen Farben bei der Informationsverarbeitung in bestimmten Gehirnregionen im Aktivitätsmuster über verschiedene Gehirne hinweg so stark ähneln, hat uns überrascht. Das war bisher so nicht bekannt.“</p><p>Die räumliche Farbkodierung im Gehirn ist gebietsspezifisch und über Individuen hinweg gleich organsiert. Bartels und Bannert vermuten, dass es für diese einheitliche Entwicklung einen funktionalen oder durch die Evolution hervorgerufenen Druck geben muss. Dieser Zusammenhang harre noch der Aufklärung, sagen sie. „Die Neurowissenschaften gehören in Tübingen zu den besonders profilierten Forschungsbereichen, die immer wieder wichtige Beiträge auch zur grundlegenden Erforschung des menschlichen Gehirns beitragen“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Michael M. Bannert <span lang="en" dir="ltr">and </span>Andreas Bartels: <span lang="en" dir="ltr">Large-scale color biases in the retinotopic functional architecture are region specific and shared across human brains. </span><i><span lang="en" dir="ltr">Journal of Neuroscience</span></i>, <a href="https://doi.org/10.1523/jneurosci.2717-20.2025" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1523/jneurosci.2717-20.2025</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122715</guid><pubDate>Tue, 26 Aug 2025 14:20:21 +0200</pubDate><title>Geschlechterunterschied in der Finanzbildung – Chancengleichheit gezielt fördern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/geschlechterunterschied-in-der-finanzbildung-chancengleichheit-gezielt-foerdern/</link><description>Studie der Universität Tübingen untersucht Gründe für Bildungsunterschiede bei Finanzfragen zwischen Schülerinnen und Schülern – Vorbilder, Rollenspiele und geeignete Aufgaben könnten Lücke schließen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Unterschiede im Finanzwissen von Frauen und Männern haben weitreichende ökonomische Konsequenzen. So entscheiden sich Frauen oft für andere Berufe und investieren seltener in ihre private Altersvorsorge, was unter anderem eine Ursache für die größere Altersarmut von Frauen ist. Eine Studie der Universität Tübingen hat nun Unterschiede bereits zwischen Schülerinnen und Schülern festgestellt, was das Interesse an Wirtschaft und Finanzen, das Fachwissen sowie das Selbstbewusstsein von Jungen und Mädchen angeht. Dieses Ungleichgewicht trägt dazu bei, dass Mädchen ihr Potenzial häufig nicht ausschöpfen. Entsprechend empfehlen die Autorinnen und Autoren der Studie, das Selbstvertrauen und Interesse von Mädchen am Mathematik- und Wirtschaftsunterricht zu stärken.</p><p>„Männer richten ihre Berufswahl stärker nach finanziellen Kriterien als Frauen und investieren im Laufe ihres Lebens eher in Aktien und Alterssicherung. Dadurch werden die ohnehin vorhandenen Unterschiede in Einkommen und Vermögen zwischen den Geschlechtern auf lange Sicht verstärkt,“ sagte Professorin Taiga Brahm vom Lehrstuhl für Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik der Universität Tübingen und Leiterin der Studie. „Den Unterschied im erworbenen Finanzwissen können wir bereits in der Schulzeit nachweisen,“ so Brahm.</p><p>Die Studie untersucht zum ersten Mal gleichzeitig mehrere Ursachen für Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen in der Finanzbildung. Dazu wurden 1.958 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse aus 92 Gymnasien, Real- und Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg befragt. In diesem Bundesland ist Wirtschaft ein Schulfach. Die Ergebnisse lassen sich aber auch auf andere Bundesländer übertragen.</p><p>Um ihr Finanzwissen zu testen, sollten Schülerinnen und Schüler eine Reihe von Fragen beantworten, beispielsweise: „Die Inflationsrate im Vorjahr betrug 2 Prozent. Kann sich Herr Schneider von seinem Januar-Gehalt mehr, weniger oder genauso viel leisten wie zwölf Monate zuvor?“ (richtige Antwort: Herr Schneider kann sich weniger leisten als im Jahr zuvor.). Auch einfache Fragen zu Wahrscheinlichkeitsrechnungen wurden gestellt, um die Mathekenntnisse zu überprüfen: „Eine faire Münze wird 1.000 Mal geworfen – was würdest du schätzen, wie häufig zeigt die Münze ungefähr Kopf?“ (richtige Antwort: 500). Im Schnitt beantworteten die Schüler 8 von 12 Fragen richtig, Schülerinnen dagegen nur 7 von 12. Dies entspricht einem signifikanten Unterschied von knapp 13 Prozent.</p><p>Außerdem unterscheiden sich die Lernenden in ihrem Selbstbild und Interesse voneinander. Der Aussage „Ich interessiere mich für Wirtschaft“ stimmten mehr Jungs als Mädchen zu. Jungen schneiden auch besser in Finanzfragen ab, die Berechnungen erfordern, und schätzen ihre Fähigkeiten selbst höher ein. Wirtschafts- und Finanzthemen scheinen also Sozialisationseffekten zu unterliegen, und das Potenzial der Mädchen in diesem Bereich wird häufig nicht ausgeschöpft. Stereotype Vorstellungen wie „Männer sind in Wirtschaft besser als Frauen“ konnten allerdings nicht als Ursache für unterschiedliche Finanzbildung festgestellt werden, aber dies bedarf weiterer Erforschung. Fest steht, dass öffentliche Medien, Bilder und Beispiele im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen immer noch von männlichen Personen dominiert werden. „Unter anderem beeinflusst das Interesse für Wirtschaft und Finanzen den Unterschied maßgeblich“, sagt Lucy Haag von der Universität Tübingen und Erstautorin der Studie.</p><p><strong>Empfehlungen für eine ausgewogene Finanzbildung</strong></p><p>Die Autorinnen und Autoren leiten aus den Ergebnissen ihrer Studie eine Reihe von Empfehlungen ab. „Über geeignete Aufgaben im Wirtschaftsunterricht, die das Interesse der Mädchen wecken, lässt sich die Lücke zwischen Mädchen und Jungen am ehesten verringern“, sagt Dr. Luis Oberrauch von der Rheinland Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau und Co-Autor der Studie. Fallbeispiele im Wirtschaftsunterricht gingen häufig von „Unternehmern“ aus und selten von „Unternehmerinnen“. Auch eine aktuelle Schulbuchanalyse zeigt, dass sich Geschlechterstereotype auch in Schulbüchern widerspiegeln. Die Schule und speziell der Wirtschaftsunterricht sollten demnach in Zukunft dazu beitragen, den sozialen und kulturellen Sozialisationseffekten entgegenzuwirken. Dafür sollte das pädagogische Material angepasst und stereotype Darstellungen vermieden werden. Auch Rollenspiele oder Projektarbeiten, in denen Schülerinnen eine aktive Rolle einnehmen, und damit auch das Beobachten von Gleichaltrigen, die wirtschaftliche Aufgaben erfolgreich lösten, könnten das Selbstbewusstsein von Schülerinnen und ihr Interesse für das Fach Wirtschaft stärken.</p><p>„Diese Forschung zeigt einmal mehr die weiterhin existierenden geschlechterstereotypen Vorurteile. Diese beeinflussen messbar die Selbstwahrnehmung von Menschen aufgrund des ihnen zugeschriebenen Geschlechts, sie beeinflussen signifikant ihre Wahrnehmung durch andere, und sie beeinflussen damit auch geschlechtsspezifische Lebenswahlentscheidungen“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Studie:</strong><br><a href="https://www.econstor.eu/bitstream/10419/308430/1/Understanding-Gender-Gap-in-Economic-Literacy.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.econstor.eu/bitstream/10419/308430/1/Understanding-Gender-Gap-in-Economic-Literacy.pdf</a>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122697</guid><pubDate>Mon, 25 Aug 2025 10:19:04 +0200</pubDate><title>Düfte der Heimat: Die phönizischen Ölflaschen von Mozia</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/duefte-der-heimat-die-phoenizischen-oelflaschen-von-mozia/</link><description>Interdisziplinäre Studie unter der Leitung der Universität Tübingen untersucht Rolle von Düften im Mittelmeerraum der Eisenzeit – Neue Einblicke in immaterielle Dimension der Antike</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zum ersten Mal hat ein interdisziplinäres Forscherteam eine umfassende Analyse der Herstellung, Technologie und Inhalte von 51 keramischen Ölgefäßen aus der phönizischen Siedlung Mozia auf einer Insel vor der Küste Siziliens durchgeführt. Ihre Ergebnisse zeigen die zentrale Rolle von Düften für die Identitätsbildung, die Erinnerungskultur und den interkulturellen Austausch im Mittelmeerraum der Eisenzeit. Forschenden der Universität Tübingen und der Complutense Universität Madrid leite-ten die Studie. Sie wurde im <i><span lang="en" dir="ltr">Journal of Archaeological Method and Theory</span></i> veröffentlicht.</p><p>Die untersuchten Gefäße – schlichte, kleine Keramikflaschen mit einer Höhe zwischen 15,5 und 18,5 cm – stammen aus dem 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. und wurden in der Regel in Gräbern, Häusern und heiligen Stätten gefunden. „Ihre weite Verbreitung im Mittelmeerraum und darüber hin-aus lässt vermuten, dass diese Gefäße vielfältige Funktionen erfüllten“, sagt Dr. Adriano Orsingher vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie der Universidad Complutense de Madrid und dem Institut für Biblische Archäologie der Universität Tübingen. Gemeinsam mit Dr. Silvia Amicone von der Arbeitsgruppe Archäometrie an der Universität Tübingen leitete er die Studie in Zusammenarbeit mit Universitäten in Italien und im Vereinigten Königreich.</p><h3>Herkunft und Inhalt auf der Spur</h3><p>Um die Herkunft der Gefäße zu bestimmen, untersuchte das Team die Zusammensetzung der Keramik. Die Ergebnisse deuten auf einen Herstellungsort im südlichen Phönizien, zwischen dem heutigen Beirut und der Region Karmel, hin. Eine weitere Analyse der in den Gefäßen erhaltenen organischen Rückstände lieferte Aufschluss über deren ursprünglichen Inhalt und Verwendungszweck. In acht der 51 Gefäße wurden organische Rückstände nachgewiesen, darunter Spuren von pflanzlichen Lipiden sowie Kiefernharz und Mastixharz – deutliche Hinweise auf Duftöle.</p><p>„Unsere Forschung bestätigt, dass diese Keramikgefäße zum Transport von aromatischen Ölen verwendet wurden“, sagt Amicone. „Diese Öle waren mehr als nur einfache Handelswaren. Sie fungierten als kulturelle Verbindungsglieder, als Ausdruck der Identität, die die phönizischen Migranten über das Mittelmeer hinweg begleitete. Sie dienten als Instrumente der Erinnerung, trugen den Duft der Heimat in sich und stärkten gemeinsame Praktiken und Geruchserlebnisse unter den verstreuten Gemeinschaften.“</p><p>Der Mittelmeerraum der Eisenzeit war geprägt von intensiver Mobilität, Handel und kultureller Verflechtung. Zu den wichtigsten Akteuren dieser Vernetzung gehörten die Phönizier, die als erfahrene Seefahrer, Händler und Handwerker bekannt waren und weit über ihre Heimat in der Levante hinaus Siedlungen gründeten. Ein wesentlicher Bestandteil der phönizischen Kultur war die Herstellung und Verwendung von aromatischen Substanzen, sowohl für den lokalen Gebrauch als auch für den Export.</p><p>Die Studie regt eine umfassendere Neubewertung der Art und Weise an, wie Migration, Handel und kulturelle Zugehörigkeit in der Antike erlebt wurden. „Wir müssen die Mobilität in der Antike neu überdenken, nicht nur als Bewegung von Menschen und Gütern, sondern auch als Zirkulation von Gerüchen, Erinnerungen und sensorischen Traditionen“, sagt Orsingher. „Duft ist eng mit Identität verbunden. Er spielt eine entscheidende, wenn auch oft übersehene Rolle in Prozessen der Migration, der Besiedlung und des kulturellen Austauschs.“</p><h3>Ein Netzwerk aus Duft und Identität</h3><p>„Unsere Arbeit unterstreicht das Potenzial der interdisziplinären Wissenschaft, auch die immateriellen Dimensionen der Antike zu erschließen“, sagt Amicone. „Durch die Untersuchung des Inhalts dieser Gefäße und ihrer Verwendung gewinnen wir einzigartige Einblicke in die Art und Weise, wie Düfte Leben, Landschaften und Identitäten im antiken Mittelmeerraum miteinander verbanden“, fügt Orsingher hinzu.</p><p>Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, sagt: „Innovative Forschungsansätze liefern weiterhin überraschende Einblicke in die Vergangenheit. Diese Studie zeigt, wie selbst schwer fassbare Spuren wie antike Düfte durch interdisziplinäre Methoden einen Zugang zur Sinnes- und Kulturwelt der Antike eröffnen.“</p><p>Das Forschungsprojekt (<a href="https://www.gerda-henkel-stiftung.de/projekte?page_id=74895&amp;projects_search_str=Orsingher" target="_blank" rel="noreferrer">AZ 12/V/21</a>) wurde von der Gerda Henkel Stiftung finanziert und unterstützt von der Soprintendenza per i Beni Culturali e Ambientali di Trapani, Sizilien, und der G. Whitaker Stiftung, Palermo.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Adriano Orsingher, Baptiste Solard, Erika Ribechini, Irene Bertelli, Lara Maritan, Kamal Badre-shany &amp; Silvia Amicone: <span lang="en" dir="ltr">Scents of Home: Phoenician Oil Bottles from Motya. Journal of Archaeo-logical Method and Theory</span> 32 (4) 2025. <a href="https://doi.org/10.1007/s10816-025-09719-3" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s10816-025-09719-3</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122673</guid><pubDate>Fri, 22 Aug 2025 09:43:10 +0200</pubDate><title>Cell-Publikation: So regulieren Pflanzen ihre Abwehr</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cell-publikation-so-regulieren-pflanzen-ihre-abwehr/</link><description>Universitäten Tübingen und Hohenheim entdecken bislang unbekanntes Peptid, das bei Tomatenpflanzen Überreaktionen bei der Immunabwehr verhindert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tomatenpflanzen verfügen über ein ausgeklügeltes System, um sich gegen Fressfeinde zu verteidigen: Das Signalpeptid Systemin löst in der Pflanze eine Kaskade von Abwehrreaktionen aus. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen und der Universität Hohenheim in Stuttgart hat nun gezeigt, dass Tomatenpflanzen über einen bislang unentdeckten natürlichen Gegenspieler namens <i>antiSys </i>verfügen. Er verhindert, dass das Abwehrsystem überreagiert, was negative Folgen für das normale Wachstum und die Vermehrung der Pflanze nach sich ziehen würde. Diese Entdeckung erweitert das Verständnis der pflanzlichen Immunität und zeigt, dass nicht nur Abwehrsignale, sondern auch deren natürliche Gegenspieler entscheidend für das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Schutz sind. Die Studie ist das Ergebnis einer Kooperation im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1101 „Molekulare Kodierung von Spezifität in pflanzlichen Prozessen“. Sie ist nachzulesen in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Cell</span></i>.</p><p>Nachtschattengewächse, wie Tomatenpflanzen, besitzen ein erstaunlich fein abgestimmtes Abwehrsystem, das sie vor Schädlingen und Krankheitserregern schützt. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Signalmolekül Systemin. Es löst in den Zellen der Pflanze Abwehrreaktionen aus, wenn etwa Insekten Fraßschäden verursachen. Dann produzieren sie Substanzen, die gezielt die Verdauung ihrer Fressfeinde beeinträchtigen, so dass diese die aufgenommenen Nährstoffe nicht verwerten können. Doch wie beim menschlichen Immunsystem ist eine dauerhafte oder unkontrollierte Aktivierung gefährlich. Sie kann das normale Wachstum und die Entwicklung stark beeinträchtigen.</p><h3>AntiSys blockiert Systemin-Rezeptor</h3><p>Das Forschungsteam hat nun einen bislang unbekannten Gegenspieler von Systemin entdeckt: das Peptid antiSys. Dieses kurzkettige Protein ähnelt in seiner Struktur dem Systemin, wirkt aber als Hemmstoff für den hochempfindlichen Systemin-Rezeptor SYR1. „AntiSys bindet zwar an den gleichen Rezeptor wie Systemin, aber ohne ihn zu aktivieren. Da antiSys in gesunden Pflanzen überwiegt, besetzt es den Rezeptor und stellt so sicher, dass das Immunsystem inaktiv bleibt“, erklärt Professor Andreas Schaller von der Universität Hohenheim. „Wird die Pflanze jedoch von Insekten befallen, wird Systemin in großen Mengen gebildet und freigesetzt. Es kommt zu einem Verdrängungswettbewerb am SYR1-Rezeptor, Systemin bindet, der Rezeptor wird aktiviert und die Immunreaktionen werden ausgelöst.“</p><p>Wie entscheidend antiSys ist, zeigen Pflanzen, denen dieses Peptid fehlt. Mithilfe der CRISPR/Cas9-Technologie erzeugten die Forschenden Mutanten, die kein antiSys bildeten. Diese Pflanzen wuchsen deutlich schlechter, bildeten weniger Früchte und zeigten teils drastische Fehlbildungen. „Diese Effekte beruhen auf der unkontrollierten Aktivierung des Immunsystems. Fehlt AntiSys als Gegenspieler, dann reichen schon kleinste Mengen an Systemin aus, um den Rezeptor zu aktivieren und die Abwehrreaktionen auszulösen“, so der Leiter der Studie, Professor Georg Felix vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen. „Wenn wir diese Rezeptoren jedoch ebenfalls entfernen, bleiben die Pflanzen trotz fehlendem antiSys gesund.“</p><h3>Tomaten besitzen mehrere aktivierende Systemine – und antiSys</h3><p>Doch die Forschenden entdeckten nicht nur antiSys: „Lange hat man geglaubt, dass Systemin das einzige seiner Art in Nachtschattengewächsen sei. Nun haben wir herausgefunden, dass es neben dem Gen für Systemin ein ganzes Gencluster in der Tomate gibt, in dem vier strukturell ähnliche Peptide beziehungsweise deren Vorläuferproteine kodiert werden“, sagt Lei Wang, der diese Entdeckung als Doktorand von Professor Felix gemacht hat. „Drei davon ähneln Systemin in ihrer Aktivität: Auch sie lösen Immunreaktionen aus. Nur antiSys – und das ist natürlich das Spannendste – hat eine genau entgegengesetzte Aktivität, der Antagonist unterdrückt die Immunreaktionen.“</p><p>Zudem fanden die Forschenden antiSys auch in verwandten Nachtschattengewächsen wie Aubergine, Kartoffel oder Paprika, was auf eine wichtige, in der Evolution seit Langem bewahrte Funktion schließen lässt. „Unsere Entdeckung wirft die Frage auf, ob ähnliche Gegenspieler auch in anderen Pflanzenarten existieren – und ob sie sich gezielt nutzen lassen, um Kulturpflanzen widerstandsfähiger, aber zugleich wachstumsstark zu machen“, sagt Professor Felix.</p><h3>Parallelen zum menschlichen Immunsystem</h3><p>Die Forschenden sehen auffällige Parallelen zum menschlichen Immunsystem, wo ebenfalls spezielle Antagonisten die Wirkung von aktivierenden Zytokinen dämpfen, um Entzündungsreaktionen im Gleichgewicht zu halten. Fehlt der Antagonist, ist die Balance gestört und es kommt zu Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise rheumatoide Arthritis, oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.</p><p>In Tomaten erfüllt antiSys diese Aufgabe, indem es die Balance zwischen Abwehr und gesundem Wachstum ermöglicht: „Ohne antiSys kommt es zu Störungen in Wachstum und Entwicklung, die wir mit einer chronischen Entzündungsreaktion vergleichen: Der Rezeptor wird sozusagen ‚unabsichtlich‘ aktiviert, und Immunreaktionen werden ausgelöst, obwohl gar kein Insektenbefall vorliegt“, erläutert Professor Felix.</p><p class="align-right"><i>Gemeinsame Pressemitteilung der Universitäten Tübingen und Hohenheim/Textquelle: Stuhlemmer, Universität Hohenheim</i></p><h3>Publikation:</h3><p>Lei Wang, Louis-Philippe Maier, Nga Pham, Yan L. Wang, Xu Wang, Andreas Schaller, Judith Fliegmann, Matthias Erb, Thomas Boller, and Georg Felix:<span lang="en" dir="ltr"> A receptor antagonist counterbalances multiple systemin phytocytokines in tomato. Cell,</span><a href="https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.07.044" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.07.044</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122583</guid><pubDate>Tue, 19 Aug 2025 14:03:11 +0200</pubDate><title>Hector-Stiftung unterstützt Hector AI + Education Future Fund mit 6,2 Millionen Euro</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hector-stiftung-unterstuetzt-hector-ai-education-future-fund-mit-62-millionen-euro/</link><description>Bildungswissenschaften und KI-Forschung an der Universität Tübingen suchen gemeinsam KI-gestützte Lösungen für aktuelle Bildungsherausforderungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen erhält von der H.W. &amp; J. Hector Stiftung eine Förderung in Höhe von 6,2 Millionen Euro für sechs Forschungsprojekte im Bereich künstliche Intelligenz und Bildung sowie weitere Begleitforschungsprojekte. Die Projekte sind Teil des Forschungsprogramms des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. Der Förderzeitraum läuft bereits und ist auf drei Jahre angesetzt.</p><p>Der neu eingerichtete <span lang="en" dir="ltr">Hector AI + Education Future Fund</span> verfolgt das Ziel, Möglichkeiten für einen sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Schulen und Bildungseinrichtungen gemeinsam zu erarbeiten und wissenschaftlich zu begleiten. Die geförderten Projekte entwickeln im Zusammenspiel von Informatik und Empirische Bildungsforschung praktische Lösungen wie Apps, Lernassistenten und Lernplattformen, die nach Projektabschluss zur kostenfreien Nutzung bereitstehen sollen.</p><p>„Exzellenz bedeutet für uns nicht nur wissenschaftliche Spitzenleistung, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Mit dem <span lang="en" dir="ltr">Hector AI + Education Future Fund</span> entwickeln wir innovative KI-Lösungen für drängende Herausforderungen im Bildungsbereich unter Beachtung höchster Standards für Ethik und Datenschutz.“ Prorektor Professor Samuel Wagner, Leiter des <span lang="en" dir="ltr">Hector AI + Education Future Fund,</span> ergänzt: „Dank der Förderung durch die Hector Stiftung können die Projekte umgehend umgesetzt werden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Fachkompetenz, agile Projektstrukturen und kontinuierliches Feedback sind dabei zentrale Prinzipien.“</p><p>„Seit den Anfängen unserer Stiftung leitet uns die Überzeugung, dass exzellente Bildung der wirksamste Hebel für gesellschaftlichen Fortschritt ist. Mit dem <span lang="en" dir="ltr">Hector AI + Education Future Fund</span> knüpfen wir an diese Tradition an und schlagen zugleich die Brücke in die digitale Zukunft: Künstliche Intelligenz soll Lehrkräfte stärken, Lernwege personalisieren und jedem Kind – unabhängig von Herkunft oder Begabung – die gleichen Chancen eröffnen. Verantwortung, Transparenz und wissenschaftliche Exzellenz bleiben dabei unser Maßstab“, sagt Dr. h.c. Hans-Werner Hector.</p><h2>Leuchtturmprojekt für interdisziplinäre Zusammenarbeit und schnellen Transfer in die Praxis</h2><p>„Spitzenforschung, die konsequent für die Lösung von Problemen in der Bildungspraxis eingesetzt wird – dieses Versprechen wollen wir in den nächsten drei Jahren einlösen“, sagt Professor Ulrich Trautwein (Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung). Gemeinsam mit Dr. Wieland Brendel (ELLIS Institute Tübingen) und Professor Matthias Bethge (Tübingen AI Center) initiierte er den <span lang="en" dir="ltr">Hector AI + Education Future Fund.</span></p><p>Weitere Institutionen verstärken als kompetente Projektpartner das Netzwerk: das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, das <span lang="en" dir="ltr">Computational Health Center Helmholtz Munich</span>, das Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen und die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg. Eingebettet sind die Projekte in das <span lang="en" dir="ltr">LEAD Graduate School &amp; Research Network </span>der Universität Tübingen.&nbsp;</p><h2>Die geförderten Projekte im Überblick:</h2><ul><li>Das Projekt <strong>„Befähigung von Informatiklehrkräften im Bereich KI durch berufliche Weiterbildung und Postgraduiertenausbildung“</strong> entwickelt ein modulares Fortbildungskonzept für Lehrkräfte im neuen Pflichtfach Medienbildung und Informatik – in Kooperation mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) sowie dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.</li><li>Das Projekt <strong>„KI-gestützte Lese- und Schreibförderung im Kindergarten“</strong> erarbeitet eine KI-gestützte App zur Lese- und Schreibförderung, damit mehr Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit die Mindeststandards im Lesen erreichen.</li><li>Im Projekt <strong>„</strong><span lang="en" dir="ltr"><strong>VOILA – Voice-operated intelligent learning assistant for gifted children</strong></span><strong>”</strong> wird ein intelligenter Lernassistent entwickelt, ein sogenannter KI-Tutor, für begabte Grundschulkinder, der die Kinder über den Unterrichtsstoff hinaus in ihren Begabungen individuell fördern und unterstützen soll.</li><li>Unter dem Projekttitel <strong>„</strong><span lang="en" dir="ltr"><strong>ETQ-AI</strong></span><strong>“</strong> soll die Unterrichtsqualität durch ein KI-gestütztes Feedbacksystem verbessert werden, das Lehrkräften via App in Echtzeit Rückmeldung zu ihrem Unterricht gibt.</li><li>Im Projekt <strong>„</strong><span lang="en" dir="ltr"><strong>COMPASS – Comprehensive Open Math Platform with Adaptive Self-Regulation Support”</strong></span> wird die Mathematik-Lernplattform MatheBattle so optimiert, dass sich die Aufgaben noch besser an die Fähigkeiten der Kinder anpassen und gleichzeitig ihr selbstreguliertes Lernen gefördert wird.</li><li>Unter dem Projekttitel <strong>„</strong><span lang="en" dir="ltr"><strong>Immersive AI</strong></span><strong>“</strong> entwickeln die Forschenden einen KI-Dialogpartner für Lernumgebungen in <span lang="en" dir="ltr">Virtual- und Augmented-Reality</span>.<br>&nbsp;</li></ul><p>Die Erforschung und Entwicklung von KI-Lösungen für das Bildungssystem begleiten <strong>drei weitere Projekte</strong>, die sich auf die ethische Reflexion, die rechtliche Perspektive beim Einsatz von KI in der Bildung und die Herausforderungen und Lösungen bei der Implementierung, also dem konkreten Einsatz in der Bildungspraxis, fokussieren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122556</guid><pubDate>Fri, 15 Aug 2025 08:12:35 +0200</pubDate><title>Fossilfund in Syrien: Unbekannte Meeresschildkröte entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fossilfund-in-syrien-unbekannte-meeresschildkroete-entdeckt/</link><description>Erste Neubeschreibung einer fossilen Wirbeltierart aus Syrien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nahe der syrischen Stadt Afrin hat ein internationales Forschungsteam, an dem auch Forschende des <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen beteiligt sind, eine bislang unbekannte fossile Meeresschildkröte entdeckt. Die unter der Federführung der Universität in São Paulo neu benannte Art <i>Syriemys lelunensis</i> stammt aus dem frühen Eozän, der Zeit vor etwa 50 Millionen Jahren. Der Fund umfasst einen vollständig erhaltenen inneren Abdruck des Panzers sowie Teile des Bauchpanzers, des Beckens und der Hinterbeine. Die Schildkröte ist die erste Neubeschreibung einer fossilen Wirbeltierart aus Syrien.</p><p>Der ovale, gut erhaltene Panzer der fossilen Meeresschildkröte misst 53 Zentimeter in der Länge und ist 44 Zentimeter breit. „13 Jahre lang lagen die Knochenfragmente aus dem Eozän im Büro der Generaldirektion für Geologie und Mineralressourcen in Aleppo, nachdem sie 2010 bei einer Sprengung im Steinbruch Al-Zarefeh, nahe der Stadt Afrin, geborgen wurden“, erzählt die syrisch-brasilianische Paläontologin und Erstautorin der Studie Wafa Adel Alhalabi von der Universität in São Paulo, Brasilien, und fährt fort: „Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Brasilien, Syrien, Deutschland, dem Libanon und Kanada haben wir das Tier nun wissenschaftlich beschrieben.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122439</guid><pubDate>Mon, 11 Aug 2025 14:17:38 +0200</pubDate><title>Neue Humboldt-Professur im Bereich Strukturbiologie für die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-humboldt-professur-im-bereich-strukturbiologie-fuer-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Der Biophysiker Sebastian Deindl kehrt mit Deutschlands höchstdotiertem internationalen Forschungspreis aus Schweden an seinen früheren Studienort zurück</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat in der Ausschreibungsrunde 2025 eine Alexander von Humboldt-Professur eingeworben. Für Deutschlands höchstdotierten Forschungspreis wurde der Biophysiker Professor Sebastian Deindl ausgewählt, der bisher am Institut für Zell- und Molekularbiologie der Universität Uppsala in Schweden forscht. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert die gleichnamige Professur über einen Zeitraum von fünf Jahren mit fünf Millionen Euro. Deindl wurde auf den Lehrstuhl für Strukturbiologie an das Interfakultäre Institut für Biochemie der Universität Tübingen berufen. In diesem Fachgebiet wird die molekulare Struktur vor allem großer biologischer Stoffe, insbesondere von Proteinen und Proteinkomplexen, untersucht.</p><p>„Sebastian Deindl kann die bisher schon sehr gut aufgestellte Forschungsarbeit am Interfakultären Institut für Biochemie ideal ergänzen und auch erweitern“, sagt Professorin Dr. Dr. h. c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen. „Mit seinem integrierten strukturbiologischen Ansatz, biologische Makromoleküle in ihrer vollen Dynamik zu erfassen, überwindet er bisherige Grenzen beim Verständnis medizinisch relevanter Prozesse in den Zellen.“</p><p>In den Zellen des menschlichen Körpers steuern Tausende von Proteinen und Proteinkomplexen lebenswichtige Stoffwechselprozesse, wie zum Beispiel die Vervielfältigung des Erbinformationsträgers DNA bei der Zellteilung. Diese sogenannten molekularen Maschinen messen nur einige Nanometer, das sind Millionstel Millimeter. Molekulare Maschinen sind von Natur aus dynamisch und immer in Bewegung. Bei der klassischen Betrachtung wurde bisher häufig ihre statische Architektur untersucht. Daraus lässt sich jedoch nicht zufriedenstellend erklären, wie sie funktionieren. An diesem Problem arbeitet Sebastian Deindl und verfolgt ein innovatives Konzept einer integrierten Strukturbiologie.</p><p>Er untersucht mit seiner Arbeitsgruppe, wie sich die Struktur der Proteinkomplexe dynamisch verändert, wenn sie ihre Funktion ausüben. Dafür verwendet er eine Kombination aus Einzelmolekül-Fluoreszenz-Bildgebungsverfahren, strukturbiologischen Techniken, Biochemie und Computersimulationen. Sein Ziel ist es, dynamische Echtzeitinformationen aus den Einzelmolekülexperimenten mit biochemischen und strukturellen Daten kombinieren zu können. Daraus will er Filme von molekularen Maschinen erstellen, die ein umfangreiches Verständnis ihrer Funktionsweise ermöglichen. Für die medizinische Forschung ist beispielsweise Sebastian Deindls Untersuchung von Enzymen relevant, die mit Nukleinsäuren wechselwirken. Weicht deren Funktion ab oder ist fehlreguliert, ist dies häufig mit der Entstehung schwerer Krankheiten wie Krebs verbunden.</p><p>Sebastian Deindl studierte an der Universität Tübingen und wurde 2009 an der <span lang="en" dir="ltr">University of California at Berkeley</span>, USA, promoviert. Er forschte anschließend für sein Postdoktorat an der Harvard University, USA. 2014 wechselte er an die Universität Uppsala in Schweden, wo er seit 2022 eine Professur für Molekulare Biophysik innehat. Seine Forschungsarbeit wurde mit verschiedenen internationalen Auszeichnungen gewürdigt: 2019 erhielt er den EMBO <span lang="en" dir="ltr">Young Investigator Award</span>; der Europäische Forschungsrat (ERC) verlieh ihm 2017 einen <span lang="en" dir="ltr">ERC Starting Grant</span> und 2022 einen <span lang="en" dir="ltr">ERC Advanced Grant</span>.</p><p>Mit der Humboldt-Professur werden im Ausland etablierte Forscherinnen und Forscher nach Deutschland berufen. Die Preisträgerinnen und -träger werden von Universitäten vorgeschlagen und von einem Ausschuss der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgewählt. Die offizielle Preisverleihung für Deindls Humboldt-Professur ist für Mai 2026 vorgesehen.</p><p><a href="https://www.humboldt-foundation.de/entdecken/newsroom/dossier-alexander-von-humboldt-professur/sebastian-deindl" target="_blank" title="Sebastian Deindl - Alexander von Humboldt-Stiftung" rel="noreferrer">Nähere Informationen der Alexander von Humboldt-Stiftung</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Biochemie-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122421</guid><pubDate>Mon, 11 Aug 2025 10:19:24 +0200</pubDate><title>Drei Juristische Fakultäten fordern von Politik zügige Einführung des integrierten Bachelors</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-juristische-fakultaeten-fordern-von-politik-zuegige-einfuehrung-des-integrierten-bachelors/</link><description>Gremien an Universitäten Tübingen, Heidelberg und Freiburg haben gleichlautende Forderung an Politik verabschiedet – Aktuelle wie auch frühere Studierende könnten von Neuregelung profitieren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Juristischen Fakultäten der Universitäten Tübingen, Heidelberg und Freiburg fordern von der Landesregierung „in Anlehnung an die Regelungen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen auch in Baden-Württemberg einen integrierten Bachelor (LL. B.) kraft Gesetzes einzuführen“. So lautet die zentrale Passage einer abgestimmten politischen Erklärung, die die Fakultätsräte an den drei Universitäten in den vergangenen zwei Wochen jeweils einstimmig verabschiedet haben. Mit ihrer Forderung nach einem universitären Bachelorabschluss verbinden die Fakultäten jedoch gleichzeitig ein klares Bekenntnis zur staatlichen Ersten juristischen Prüfung als Voraussetzung für die Befähigung zum Richteramt und damit als Zugangsvoraussetzung zu den klassischen juristischen Berufen. Die „erhebliche Verantwortung“, die mit der Ausübung dieser Berufe einhergeht, begründet nach Auffassung der Fakultäten die Notwendigkeit zur Beibehaltung höchster Standards.</p><p>Die Erklärung führt mehrere Vorteile für den zusätzlichen integrierten LL. B. an. Mit ihm könnten Studierende künftig deutlich vor der Ersten juristischen Prüfung einen Universitätsabschluss in den Händen halten, wenn sie „scheinfrei“ sind und die Universitätsprüfung absolviert haben. Damit eröffneten sich weitere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, falls Studierende am staatlichen Teil der Ersten juristischen Prüfung scheitern. Denn wer diesen nicht besteht, kann bislang keinen Universitätsabschluss vorweisen. Auch deshalb wird seit Jahren der Ruf der Studierenden nach einer Ergänzung des Studiengangs durch einen darin integrierten LL. B. lauter. Vor kurzem hat sich auch der Landesverband Rechtswissenschaftlicher Fachschaften Baden-Württemberg für dieses Modell ausgesprochen.</p><h3>Wettbewerbsnachteile wären beseitigt</h3><p>Der integrierte LL. B. auf gesetzlicher Grundlage könnte, so die Fakultäten in relativ kurzer Zeit wirksam werden und auch rückwirkend gelten. Somit könnten davon sogar Studierende profitieren, die die Voraussetzungen in der Vergangenheit erworben haben. Weil der Bachelor für die Studierenden als „Sicherheitsnetz“ von großer Bedeutung ist, hätte seine Einführung noch einen weiteren Aspekt: Aktuelle Wettbewerbsnachteile für die Universitäten Tübingen, Heidelberg und Freiburg gegenüber anderen Standorten in Deutschland wären damit beseitigt.</p><p>Die Teilnahme am 2024 eingeführten Modellversuch nach dem Bologna-System (Konstanzer Modell), der die Modularisierung und Akkreditierung des Studiengangs voraussetzen würde, „kommt für unsere Fakultäten nicht in Betracht“, heißt es in der Erklärung. Denn die Fakultäten befürchten eine Mehrbelastung der Studierenden aufgrund von zusätzlichen Prüfungen und nachteilige Eingriffe in ein hervorragend bewährtes Studiensystem. Zudem würden erhebliche personelle und sachliche Kapazitäten an den Fakultäten dafür beansprucht, die zur Vorbereitung der Studierenden für die Erste juristische Prüfung aktuell und in Zukunft zwingend gebraucht werden. Schließlich könnten die jetzigen Studierenden von der Einführung des Konstanzer Modells nicht profitieren.</p><p>„Die Studierenden und die Professorenschaft sprechen sich deutlich für den integrierten Bachelor kraft Gesetzes aus. Die einstimmigen Fakultätsratsbeschlüsse zeigen, dass sich diejenigen, die sich mit den Gegebenheiten des Fachs am besten auskennen, einig sind. Das ist ein starkes Signal an die Politik“, sagt Professorin Dr. Christine Osterloh-Konrad, Dekanin der Juristischen Fakultät an der Universität Tübingen, auch im Namen ihrer Kollegen Professor Dr. Andreas Piekenbrock, Dekan der Juristischen Fakultät in Heidelberg, sowie Professor Dr. Jan Lieder, Dekan der Juristischen Fakultät in Freiburg.</p><p>Die Universitätsleitungen der Universitäten Tübingen, Heidelberg und Freiburg unterstützen die Forderungen ihrer juristischen Fakultäten – auch vor dem Hintergrund, dass damit wieder ein fairer Wettbewerb mit Universitäten in anderen Bundesländern möglich wäre.</p><p>Download: <a href="https://uni-tuebingen.de/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJpYXQiOjE3NzM2OTc1ODksImV4cCI6MTc3Mzc4NzU4OSwidXNlciI6MCwiZ3JvdXBzIjpbMCwtMV0sImZpbGUiOiJmaWxlYWRtaW4vVW5pX1R1ZWJpbmdlbi9BbGxnZW1laW4vRG9rdW1lbnRlL1ByZXNzZW1pdHRlaWx1bmdlbl9wZGZfMjAwOS8yMDI1LzIwMjUwODExX1BNX0Jlc2NobHVzc19pbV9Xb3J0bGF1dC5wZGYiLCJwYWdlIjoxNDQ5fQ.AOtUQYKL8LV44P0wpngUYiPFJRVLH6NauEmoirJHNyo/20250811_PM_Beschluss_im_Wortlaut.pdf" target="_blank" title="Die Erklärung im Wortlaut">Die Erklärung im Wortlaut</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-122214</guid><pubDate>Thu, 31 Jul 2025 15:41:54 +0200</pubDate><title>Forschende sprechen vom „Zeitalter des Mammutelfenbeins“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschende-sprechen-vom-zeitalter-des-mammutelfenbeins/</link><description>Tübinger Archäologen bergen bislang größtes altsteinzeitliches Werkzeug im UNESCO-Welterbegebiet – Präsentation als „Fund des Jahres“ im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Große Epochen der Menschheitsgeschichte tragen ihre Namen aufgrund in dieser Zeit vorherrschender Materialien: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Jetzt sprechen Tübinger Archäologinnen und Archäologen vom „Zeitalter des Mammutelfenbeins“ und meinen damit jene Zeit, als vor 40.000 Jahren die ersten anatomisch modernen Menschen auf der Schwäbischen Alb ankamen. Anlass sind große Gerätschaften, die im UNESCO-Welterbegebiet „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ geborgen wurden. Mit einer Länge von 24,7 Zentimetern, einem Maximalumfang von 10,4 Zentimetern und einem Gewicht von 168 Gramm haben sie nun das bislang größte rundum formbearbeitete Elfenbeingerät aus dem Hohle Fels, nahe Schelklingen, geborgen. Das Team um Professor Nicholas Conard vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP)</span> an der Universität Tübingen deutet das Objekt als ein großes Werkzeug unbekannter Funktion, das in einen Meißel umgearbeitet worden war. „Der Fund ist datiert auf 39.000 Jahren vor heute und entspricht einem bedeutenden Beleg für die ungewöhnlich häufige und vielfältige Nutzung von Mammutelfenbein bei den ersten modernen Menschen im Oberen Donauraum“, sagte Professor Conard bei der Präsentation des Stücks als „Fund des Jahres“ am Donnerstag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu).</p><p>„Die Frauenfigurine vom Hohle Fels, die Mammutelfenbeinflöte aus dem Geißenklösterle, die kleine Mammutfigur aus dem Vogelherd – sie sind berühmt, weil sie zu den ältesten Kunstwerken und Musikinstrumenten zählen. Am Anfang der Jüngeren Altsteinzeit war Mammutelfenbein das bevorzugte Material für praktische Werkzeuge und Kunst“, sagt Conard.</p><p>Schon bei Grabungen im Jahr 2019 waren drei Elfenbeinmeißel mit einer Länge zwischen 14 und 22 Zentimetern aus dem Hohle Fels geborgen worden. Der Frage, wie und wozu die Meißel gefertigt und genutzt wurden, ist Dr. Sibylle Wolf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SHEP, gemeinsam mit einem Archäologieteam experimentell und analytisch nachgegangen: Vor dem Schnitzen von Kunst- oder Schmuckobjekten mussten die Menschen kleinere Elfenbeinstücke aus dem Stoßzahn eines Mammuts gewinnen und häufig auch spalten – das ist mit keilförmigen Elfenbeinwerkzeugen sehr gut möglich. „Dieser Werkstoff ist hart und flexibel genug“, erklärt Wolf. Solche Elfenbeinmeißel nutzten sich jedoch im handwerklichen Gebrauch rasch ab. Die Werkzeuge waren wahrscheinlich nicht über lange Zeiträume in Gebrauch, sie wurden aber aufwendig gefertigt oder nach Bedarf umgearbeitet, erläutert Wolf weiter, „das zeichnet die Menschen auf der Schwäbischen Alb zu dieser Zeit aus: Sie verfügten hier über eine immense Menge an Elfenbein, sie hatten eine klare Vorstellung davon, was sie daraus herstellen wollten, sie hatten die manuellen Fähigkeiten dazu − und sie haben das geradezu exzessiv genutzt für Werkzeuge und Waffen, für figurative Kunst und Musikinstrumente sowie für persönliche Schmuckstücke.“</p><p>Zu sehen ist das Elfenbeinobjekt von nun an als Fund des Jahres in einer Kabinettausstellung bis &nbsp;9. November 2025 im Blaubeurer urmu. „Der Fund fügt sich perfekt in unsere Präsentation des Anbeginns menschlichen Kulturschaffens ein“, meint Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin im urmu, „wir staunen hier etwa darüber, dass die Menschen damals gut hundert Stunden in die Fertigung einer Mammutelfenbeinflöte investiert haben müssen. Der diesjährige Fund des Jahres macht diese geistige und handwerkliche Leistung aber noch beeindruckender: Denn er führt uns vor Augen, dass vorab für die Herstellung oder Aufbereitung der dafür notwendigen Werkzeuge sicher mindestens ebenfalls so viel Arbeit aufgewendet werden musste.“</p><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Das Museum für altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen erklärt das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren. Höhepunkte sind die älteste Kunst und die ältesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominenteste Exponate sind die Originale der „Venus vom Hohle Fels“ und des „Mammuts vom Vogelherd“.</p><p>Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und feiertags, 10 bis 17 Uhr – <a href="http://www.urmu.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.urmu.de &nbsp;</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121959</guid><pubDate>Wed, 23 Jul 2025 14:44:35 +0200</pubDate><title>Koffein kann die Wirksamkeit bestimmter Antibiotika schwächen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/koffein-kann-die-wirksamkeit-bestimmter-antibiotika-schwaechen/</link><description>Studie der Universität Tübingen zeigt: Substanzen, die Bakterien in ihrer natürlichen Umgebung finden, lösen ihre Alarmsysteme aus –Auswirkungen auf künftige Therapieansätze möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bestandteile unserer täglichen Ernährung – darunter auch Koffein – können die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika beeinflussen. Das hat eine neue Studie eines Forscherteams der Universitäten Tübingen und Würzburg unter der Leitung von Professorin Ana Rita Brochado gezeigt. Das Team entdeckte, dass Bakterien wie Escherichia coli (E. coli) komplexe Regelungskaskaden orchestrieren, um auf chemische Reize aus ihrer unmittelbaren Umgebung zu reagieren, was die Wirksamkeit von Antibiotika beeinflussen kann.</p><p>In einem systematischen Screening untersuchte das Team um Brochado, wie 94 verschiedene Substanzen – darunter Antibiotika, verschreibungspflichtige Medikamente und Nahrungsmittelbestandteile – die Expression wichtiger Genregulatoren und Transportproteine des potenziell pathogenen Bakteriums E. coli beeinflussen. Transportproteine fungieren als Poren und Pumpen in der Bakterienhülle und steuern, welche Substanzen in die Zelle gelangen oder sie verlassen. Ein fein abgestimmtes Gleichgewicht dieser Mechanismen ist für das Überleben der Bakterien entscheidend.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121953</guid><pubDate>Wed, 23 Jul 2025 12:47:39 +0200</pubDate><title>Adaptiver Unterricht führt zu nachhaltigerem Lernerfolg </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/adaptiver-unterricht-fuehrt-zu-nachhaltigerem-lernerfolg/</link><description>Adaptiver Unterricht effektiver als traditioneller Unterricht – IT-Tools ermöglichen individualisierte Lehre im Klassenunterricht – Tübinger Studie mit engem Praxisbezug</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Gesellschaft wird vielfältiger und das zeigt sich auch in den Klassenzimmern. Für Lehrkräfte bedeutet diese Entwicklung, dass sie Schülerinnen und Schüler vermehrt individuell unterstützen und flexibel fördern müssen. Ein Ansatz ist der so genannte technologieunterstützte adaptive Unterricht. Ein Team aus Forschenden des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen um Professor Andreas Lachner und Professor Thorsten Bohl hat erstmals untersucht, wie wirksam diese Unterrichtsmethode ist. Über verschiedene Fächer hinweg arbeiteten sie dafür eng mit Lehrkräften zusammen. Das Ergebnis: Technologieunterstützter adaptiver Unterricht ist nicht nur praktikabel im Schulalltag, er führt im Vergleich zu traditionellem Unterricht auch zu einem signifikant nachhaltigeren Lernerfolg. Die Studie wurde im Fachjournal <i><span lang="en" dir="ltr">Learning and Instruction</span></i>veröffentlicht.</p><p>Adaptiver Unterricht bedeutet, dass Lehrkräfte ihren Unterricht an individuelle Bedarfe der Schülerinnen und Schüler anpassen. Dazu erheben sie regelmäßig den Fortschritt der Schülerinnen und Schüler und verwenden moderne Lehr-Tools, etwa für die digitale Zusammenarbeit, zur Erhebung des Lernstands oder zur gezielten Bereitstellung individualisierter Lernmaterialien.</p><h3>Wissenschaft und Praxis im Austausch</h3><p>Insgesamt entwickelten die Forschenden gemeinsam mit den Lehrkräften zwölf technologieunterstützte adaptive Lehreinheiten, die über drei bis vier Wochen in den Klassen bearbeitet wurden. Diese Lehreinheiten unterschieden sich wiederum in der Anzahl der vorgesehenen adaptiven Inhalte. Während direkte Nachtests bereits positive, aber nicht signifikante Effekte bei den adaptiv unterrichteten Schülerinnen und Schülern im Vergleich zur konventionell unterrichteten Kontrollgruppe zeigten, stellten die Forschenden vier Wochen nach der Intervention deutliche und nachhaltige Lernfortschritte fest. Die Schülerinnen und Schüler profitieren vor allem im Sprachunterricht von adaptiven Lehrmethoden. „Besonders stark fiel der Effekte in Lehreinheiten mit vielen adaptiven Elementen aus“, sagt Lachner. „Adaptiver Unterricht kann entscheidend für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler sein.“</p><p>An der Studie nahmen 656 Schülerinnen und Schüler in zwölf Lehreinheiten an sechs Schulen aus den Klassen sieben bis zwölf Teil. 45 Prozent davon waren weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 14,91 Jahren.</p><p>Die adaptiven Unterrichtskonzepte wurden praxisnah entwickelt, die verwendeten Programme und Tools waren bereits in Gebrauch. „Kursmanagementsysteme wie Moodle oder ILIAS ermöglichen eine strukturierte Bereitstellung von Materialien. Um jedoch wirklich auf individuelle Voraussetzungen einzugehen, bedarf es didaktischer Verfahren, wie adaptiver Lernpfade, kontinuierlicher Diagnostik und gezieltem Feedback”, erklärt Lachner. „Nicht die Anschaffung teurer Geräte entscheidet über die Wirksamkeit adaptiven Unterrichts, sondern der didaktisch sinnvolle Einsatz digitaler Tools im Schulalltag – praxisnah, skalierbar und fächerübergreifend.“</p><p>Die Studie ist Teil des von der Vector Stiftung und Robert Bosch Stiftung geförderten DiA:Net-Projekts, in dessen Rahmen Lehrkräfte im Co-Design mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern adaptive, technologiegestützte Unterrichtseinheiten entwickeln. Alle Einheiten werden als frei verfügbare OER-Materialien veröffentlicht.</p><p>„Adaptiver Unterricht ist nicht nur eine Lösung für wenige, sondern ein Gewinn für alle Schülerinnen und Schüler und damit auch für unsere Lehrkräfte“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Innovative Unterrichtskonzepte sind keine graue Theorie bleiben, sondern eine notwendige Antwort darauf, wie Schule in einer diversen Gesellschaft gerecht bleiben kann.“</p><h3>&nbsp;</h3><h3>Publikation:</h3><p>Sibley, L., Fabian, A., Plicht, C., Pagano, L., Ehrhardt, N., Wellert, L., Bohl, T., &amp; Lachner, A. (2025). <span lang="en" dir="ltr">Adaptive teaching with technology enhances lasting learning.</span><i><span lang="en" dir="ltr"> Learning and Instruction</span></i>, 99, 102141.<br><a href="https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2025.102141" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2025.102141</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121902</guid><pubDate>Tue, 22 Jul 2025 10:41:56 +0200</pubDate><title>38. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/38-tuebinger-poetik-dozentur/</link><description>Jenny Erpenbeck und Peter Wawerzinek sprechen an der Universität Tübingen – Auftakt der Poetik-Dozentur mit Lesung in der Kunsthalle Würth</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 38. Tübinger Poetik-Dozentur ein:<br>Jenny Erpenbeck und Peter Wawerzinek werden vom 17. bis zum 21. November 2025 in Tübingen über ihre literarischen und essayistischen Texte sprechen. Zu Gast sind zudem Ute und Werner Mahler, die in ihren Fotografien vor allem das Alltagsleben in der DDR festgehalten haben. Die Vorlesungen und Gespräche finden jeweils um 19 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 30, Tübingen) statt und können auch über einen Livestream verfolgt werden. Jenny Erpenbeck liest zudem am Sonntag, den 16. November, um 11 Uhr, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein <strong>Projekt der Stiftung Würth</strong> und wird von der <strong>Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG</strong> gefördert. Einmal jährlich werden Autorinnen oder Autoren eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten. Den traditionellen Auftakt bildet eine Lesung in der Kunsthalle Würth.</p><p>„Auch in diesem Jahr ist es wieder gelungen, für die Tübinger Poetik-Dozentur spannende literarische Perspektiven auf unsere Gegenwart und unsere geteilte Vergangenheit zu gewinnen“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Das zeigt: Die Veranstaltung hat sich fest im literarischen und literaturwissenschaftlichen Diskurs etabliert.“&nbsp;</p><p><strong>Die Termine im Überblick</strong><br>Lesung von Jenny Erpenbeck, am Sonntag, 16. November, um 11 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Die Lesung ist ausgebucht.</p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br>jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula. Der Eintritt ist frei.</p><ul><li>Montag, 17. November: Vorlesung von Jenny Erpenbeck</li><li>Dienstag, 18. November: Vortrag von Ute und Werner Mahler &nbsp;</li><li>Mittwoch, 19. November: Jenny Erpenbeck im Gespräch</li><li>Donnerstag, 20. November: Vorlesung von Peter Wawerzinek</li></ul><p>Weitere Informationen unter <a href="http://www.poetik-dozentur.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.poetik-dozentur.de</a></p><p><strong>Die Gäste der Poetik-Dozentur 2025</strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121899</guid><pubDate>Tue, 22 Jul 2025 10:15:56 +0200</pubDate><title>Zwergdinosaurier und Relativitätstheorie: Sommeruniversität 2025 stellt aktuelle Forschung vor</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zwergdinosaurier-und-relativitaetstheorie-sommeruniversitaet-2025-stellt-aktuelle-forschung-vor/</link><description>Forschende präsentieren ihre Arbeit der Öffentlichkeit – Reihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen bietet Vorträge von Klimavariabilität, über Kolonialismus in Brettspielen bis zu Mathematik und mehr</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Sommeruniversität gibt in neun Vorlesungen im Juli und August wieder einem breiten Publikum Einblicke in die aktuelle Forschung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Reihe wird gemeinsam von der Universität und der Universitätsstadt Tübingen organisiert. Die Vorlesungen finden von <strong>Dienstag, 29. Juli, an bis Freitag, 8. August, jeweils um 10:15 Uhr im Hörsaal des Theologicums statt (Dauer 45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72076 Tübingen)</strong>. Im Anschluss an die Vorträge kann das Publikum Fragen stellen und mit den Expertinnen und Experten über deren Forschungsthemen diskutieren. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Folgende Vorträge sind Teil des Programms:</p><p><i><strong>Dienstag, 29. Juli</strong></i><br><strong>Dr. Timo Sedelmeier: Brettspiele und Kolonialismus</strong><br>Kolonialismus ist ein beliebtes Thema für (Brett-)Spiele, das gerne als Handlungsrahmen verwendet wird. Viele Personen begeistern sich für diese Spiele aufgrund des Unterhaltungswerts, der ihnen wegen der raffinierten Spielemechaniken zugeschrieben wird. Gleichzeitig mehrt sich die Kritik an den beständigen Neuerscheinungen von Spielen mit einer Kolonialisierungsstory und dem Umgang mit dem Thema in den Spielen. Vor diesem Hintergrund geht der Vortrag anhand ausgewählter Fallbeispiele der Frage nach, wie das Thema Kolonialismus umgesetzt wird, ethnische Stereotype reproduziert werden und dies in den einschlägigen Brettspiel-Foren diskutiert wird.</p><p><i><strong>Mittwoch, 30. Juli</strong></i><br><strong>Prof. Dr. Wolfgang Sannwald: Theresienstadts „schwarze“ und „tiefere“ Geschichte</strong><br>Theresienstadt ist als ehemaliges Ghetto für Menschen jüdischer Herkunft bekannt. Dorthin wurden zunächst auch die meisten „Tübinger Juden“ 1942 bis 1944 deportiert. Das Ghetto umfasste zwischen 1941 und 1945 das komplette Zentrum der heutigen Stadt Terezín in Tschechien, einer ehemaligen habsburgischen Festungsstadt. Reisebüros bewerben Individualreisen, Busfahrten und vor allem Klassenfahrten zur Gedenkstätte in der Kleinen Festung und zum einstigen Ghetto. Sannwald ist bei fünf Forschungsaufenthalten den dortigen erinnerungskulturellen Bedürfnissen, Zuschreibungen und Aneignungen nachgegangen. Er hinterfragt Symptome einer Konkurrenz zwischen Shoah-Gedenken und Habsburger-Hype vor Ort.</p><p><i><strong>Donnerstag, 31. Juli</strong></i><br><strong>Prof. Dr. Thomas Gasser: Können Alzheimer und Parkinson verhindert werden?</strong><br>Alterserkrankungen des Gehirns, wie Alzheimer und Parkinson, werden insbesondere aufgrund des steigenden Anteils älterer Menschen in unserer Bevölkerung immer häufiger. Ihre Symptome können zwar gelindert, aber ihr Fortschreiten bisher noch nicht verlangsamt oder gar gestoppt werden, eine Heilung scheint nicht in Sicht. Die Forschung hat in den vergangenen 20 Jahren viel über die Ursachen dieser Erkrankungen, die Krankheitsprozesse und Mechanismen der Zellschädigung gelernt. Es könnte gelingen, in diese Mechanismen gezielt einzugreifen, wenn die Symptome noch nicht spürbar sind. Dies würde bedeuten, dass häufige Alterserkrankungen des Gehirns, zumindest zum Teil, verhindert werden könnten.</p><p><i><strong>Freitag, 1. August</strong></i><br><strong>PD Dr. Gero Bauer: Hoffnung ohne Zukunft? Perspektiven aus der anglistischen Literatur- und Kulturwissenschaft</strong><br>Wir leben, so scheint es oft, in düsteren Zeiten. Eine Krise jagt die nächste, und es stellt sich die Frage, welche Zukunft wir uns als Gesellschaft noch vorstellen können. In der Literatur und Populärkultur spiegelt sich dieses Krisenbewusstsein in vermehrten Endzeitszenarien und einer Abwendung von optimistischen Narrativen. Aber sind dystopische und postapokalyptische Texte ‚nur‘ pessimistisch und haben das Nachdenken über ein gutes oder gar besseres Leben schon aufgegeben? Anhand einiger englischsprachiger Romane, Filme und Serien und in Bezug auf verschiedene Strömungen der Kulturtheorie wird gezeigt, wie gerade scheinbar pessimistische Erzählungen neue und ungewöhnliche Konzepte von Hoffnung und einem solidarischeren Miteinander aufzeigen können.</p><p><i><strong>Montag, 4. August</strong></i><br><strong>Prof. Dr. Regula Forster: Auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Arabische Alchemie</strong><br>Die arabische Alchemie ist eine Fortsetzung der griechisch-hellenistischen Alchemie. Sie integriert aber auch chinesische und indische Elemente. Im lateinischen Westen wird die Alchemie erst durch die Übersetzungen aus dem Arabischen bekannt. Die Vorlesung führt ein in eine faszinierende Wissenschaft und ihre Literatur und geht auch der Frage nach, wie traditionelle religiöse Gelehrsamkeit in der arabisch-islamischen Welt mit einer „Geheimwissenschaft“ wie der Alchemie zu vereinbaren war.</p><p><i><strong>Dienstag, 5. August</strong></i><br><strong>Prof. Dr. Kira Rehfeld: Klimavariabilität und Erdsystemdynamik – wie und was wir für die Zukunft aus der Vergangenheit lernen können&nbsp;</strong><br>Das Erdsystem verändert sich über Jahrmillionen hinweg. Menschliche Eingriffe über die vergangenen Jahrhunderte haben die Entwicklung des Klimas in einer nie zuvor gekannten Geschwindigkeit verändert. Mit Klimasimulationen können vergangene Klimaveränderungen beschrieben, verstanden und ein Blick in die Zukunft geworfen werden. Mit Beobachtungsdaten und Rekonstruktionen aus Paläodaten, beispielsweise vor 127 000 Jahren, kann getestet werden, was eine Erwärmung von 1,5 Grad für das Erdsystem bedeutet. Zeitlich bewegen wir uns dabei von der Vergangenheit (seit dem weitgehenden Aussterben der Dinosaurier) bis in die Gegenwart und von den heute zu treffenden Entscheidungen bis in die nächsten 300 Jahre.</p><p><i><strong>Mittwoch, 6. August</strong></i><br><strong>Dr. Abdelghafar Salim: Lebenswelten muslimischer Geflüchteter in Deutschland</strong><br>Seit 2015 haben viele Menschen aus islamisch geprägten Ländern in Deutschland Zuflucht gefunden. Ihre Ankunft hat wichtige Diskussionen über Integration und das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft angestoßen. Dabei wird die Religionszugehörigkeit muslimischer Geflüchteter häufig mit Integrationsherausforderungen verbunden. Zugleich besteht ein erheblicher Bedarf an vertieftem Wissen über ihre alltäglichen Lebenswelten: Wie gestalten muslimische Geflüchtete ihr religiöses Leben im deutschen Kontext? Welche Rolle spielt Religion im Zusammenspiel mit prägenden Erfahrungen wie Flucht, Traumata und Gefühlen von Unsicherheit? Der Vortrag greift diese Fragen auf und zieht Rückschlüsse für gesamtgesellschaftliche Herausforderungen und die Integrationsdebatte.</p><p><i><strong>Donnerstag, 7. August</strong></i><br><strong>Dr. Felix Augustin: Die Insel der Zwergdinosaurier</strong><br>Wenn wir an Dinosaurier denken, fallen uns zuerst spektakuläre Riesenformen aus weit entfernten Gebieten der Erde ein. Doch kurz vor dem Aussterbeereignis am Ende der Kreidezeit lebten einige der ungewöhnlichsten Dinosaurier aller Zeiten mitten in Europa – auf kleinen Inseln inmitten eines subtropischen Meeres. In diesem Vortrag werden die einzigartigen Dinosaurier aus Transsilvanien vorgestellt.</p><p><i><strong>Freitag, 8. August</strong></i><br><strong>Prof. Dr. Carla Cederbaum: Symmetrien in Mathematik und Allgemeiner Relativitätstheorie</strong>&nbsp;<br>Bereits in der Schule beschäftigen wir uns mit Symmetrien wie etwa der Spiegelsymmetrie ebener Figuren oder der Rotationssymmetrie dreidimensionaler Körper. Diese sind nicht nur ästhetisch, die Symmetrie hilft uns auch beispielsweise den Flächeninhalt einer ebenen Figur oder das Volumen eines dreidimensionalen Körpers zu bestimmen. Auch in der mathematischen Forschung spielen Symmetrien eine große Rolle. Wir werden über die mathematische Definition von Symmetrien sprechen und ergründen, welche Rolle Symmetrien in der (Differential-)Geometrie und Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie spielen.</p><p>„Mit der Sommeruniversität ermöglichen wir interessante Einblicke in verschiedene Forschungsbereiche an der Universität Tübingen. Die Vortragenden präsentieren ihre aktuellen Ergebnisse, offenbaren den Teilnehmenden neues Wissen und bieten ihnen so neue Perspektiven“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Das Programm ist im Internet unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a> zu finden, als Programmheft erhältlich in öffentlichen Stellen und beim Fachbereich Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen. Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet.</p><p>Für Personen mit Hörgerät wird eine mobile drahtlose Signalübertragungsanlage (FM-Anlage) angeboten. Das Hörgerät muss jedoch mit einer sogenannten aktivierten „T-Spule“ ausgestattet sein.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121818</guid><pubDate>Fri, 18 Jul 2025 15:30:27 +0200</pubDate><title>Mobile Activity Lab: Körperliche Bewegung mit Menschen vor Ort erforschen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mobile-activity-lab-koerperliche-bewegung-mit-menschen-vor-ort-erforschen/</link><description>Forschende der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen untersuchen mit mobilem Labor Bewegung und Gesundheit schwer erreichbarer Zielgruppen – Konzept zählt zur Exzellenzstrategie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob Kindergärten, Schulen, Unternehmen, Seniorenresidenzen, Märkte oder Messeplätze: Das Mobile Activity Lab (MAL) der Universität Tübingen besucht in der Region Neckar-Alb und Stuttgart künftig Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Ziel ist es, anhand der Mitwirkung der Bevölkerung wissenschaftliche Erkenntnisse zur Förderung von Bewegung und Gesundheit schwer erreichbarer und vulnerabler Zielgruppen zu generieren, die dann der Gesellschaft zugutekommen. Das MAL wirkt damit im Rahmen der Exzellenzstrategie Research – Relevance – Responsibility der Universität Tübingen. Das Konzept ist deutschlandweit inhaltlich und strukturell eine einmalige Forschungs- und Dienstleistungseinrichtung im Bereich der aktivitätsbezogenen Prävention und Gesundheitsförderung.</p><p>Forschende gehen mit dem MAL der Frage nach, warum sich manche Menschen häufiger und andere weniger oder gar nicht bewegen – obwohl gemeinhin bekannt ist, dass regelmäßige körperliche Aktivität der einfachste Weg darstellt, sich vor vielen Krankheiten zu schützen. Erreicht werden soll das über Bewegungsmonitoring unter Alltagsbedingungen, soziale Anreizsysteme und Analyse individueller Trainingsbedarfe und Trainingsmotivation.</p><p>Das Projekt, an dem Forschende aus der Sportwissenschaft und der Sportmedizin mitwirken, ist interdisziplinär aufgebaut und gehört zum Interfakultären Forschungsinstitut für Sport und körperliche Aktivität der Universität Tübingen. Im Gepäck des MAL, das aus zwei Containerlaboren besteht und via Lkw transportiert wird, immer mit dabei: Laufband, Ergometer und jede Menge medizinische Messgeräte und sportwissenschaftliche Testverfahren.&nbsp;</p><p><strong>Berührungspunkte zwischen Wissenschaft und Gesellschaft</strong></p><p>„Mit dem Mobile Acitivity Lab schaffen wir als Universität einmal mehr Berührungspunkte zwischen Wissenschaft und der breiten Gesellschaft“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Wir erweitern damit unser vielfältiges Angebot im Bereich Public Engagement, zu dem auch der Pop-up-Store Eckstein oder der BürgerInnenrat KI und Freiheit zählt, um ein weiteres innovatives und attraktives Angebot für alle Bevölkerungsgruppen.“ Prof. Dr. Andreas Nieß, ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin am Uniklinikum Tübingen, freut sich, „dass durch das MAL nun auch interdisziplinäre Projekte und Feldstudien realisiert werden können, die bisher so nicht möglich waren“.&nbsp;<br><br>Bevor das MAL seine Reise durchs Land beginnt, wird es am Montag, 21. Juli, auf dem Campus des Instituts für Sportwissenschaften der interessierten Öffentlichkeit präsentiert (Wilhelmstraße 124). Die Präsentation ist zugleich der Abschluss für das Studium Generale zum Thema „Leistung, Bildung und Gesundheit: Interdisziplinäre Perspektiven von Sportwissenschaft und Sportmedizin“, das an diesem Tag als Podiumsdiskussion konzipiert ist. Dabei diskutieren Professor Klaus Pfeifer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Stefan Anderer, beim Württembergischen Landessportbund verantwortlich für Sport und Gesellschaft, Professorin Yolanda Demetriou, (Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen), Professor Ansgar Thiel (Deutsche Sporthochschule Köln) und Christine Vollmer, Leiterin der Fachabteilung Schule und Sport der Stadt Tübingen, über das Thema: „Zwischen nationalem Bewegungsgipfel und Bewegungsförderung in der Kommune – Weichenstellungen für mehr bewegungsbezogene Prävention“. Die Podiumsdiskussion beginnt um 18:15 Uhr, im Anschluss daran können Besucherinnen und Besucher das MAL auf dem Gelände des Instituts für Sportwissenschaften besichtigen und erste Eindrücke aus angelaufenen Projekten gewonnen werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121692</guid><pubDate>Thu, 17 Jul 2025 13:21:18 +0200</pubDate><title>Forschen für eine starke Demokratie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschen-fuer-eine-starke-demokratie/</link><description>Festakt würdigt Gründung des Tübinger Instituts für Rechtsextremismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät – Landtagspräsidentin Aras: „Wir dürfen die Gefahr des Rechtsextremismus nicht unterschätzen“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem Festakt hat die Universität Tübingen am gestrigen Mittwoch, 16. Juli, die Gründung des Instituts für Rechtsextremismusforschung (IRex) im Audimax gewürdigt. Unter den Gästen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft waren Landtagspräsidentin Muhterem Aras sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. Das im Jahr 2023 gegründete IRex hat den Auftrag, die Demokratie mit wissenschaftlichen Mitteln zu stärken und Staat sowie Zivilgesellschaft widerstandsfähiger gegen rechtsextreme Ideologien zu machen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121671</guid><pubDate>Wed, 16 Jul 2025 16:55:00 +0200</pubDate><title>Unerwartete Nebenwirkung: Wie gängige Medikamente Krankheitserregern den Weg ebnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unerwartete-nebenwirkung-wie-gaengige-medikamente-krankheitserregern-den-weg-ebnen/</link><description>Studie unter Leitung der Universität Tübingen: Viele Nicht-Antibiotika schwächen die natürliche Schutzfunktion des Darms, sodass sich krankmachende Bakterien leichter dort ansiedeln können</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der menschliche Darm beherbergt ein dichtes Netzwerk aus Mikroorganismen, insgesamt als Darmmikrobiom bezeichnet, das unsere Gesundheit aktiv mitgestaltet. Die Mikroorganismen helfen bei der Verdauung, trainieren das Immunsystem – und schützen uns gegen gefährliche Eindringlinge. Dieser Schutz kann nicht nur durch Antibiotika gestört werden, mit denen bei einer Therapie das Wachstum krankheitserregender Bakterien gehemmt werden soll. Eine neue Studie zeigt: Auch viele Medikamente, die eigentlich nur auf den menschlichen Körper wirken sollen, können das Mikrobiom verändern. Dadurch können Krankheitserreger leichter im Darm wachsen und Infektionen verursachen. Die Studie unter der Leitung von Professorin Lisa Maier vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin und dem Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) der Universität Tübingen wurde im Fachjournal <i><span lang="en" dir="ltr">Nature </span></i>veröffentlicht.</p><p>Die Forschenden untersuchten 53 gängige Nicht-Antibiotika, darunter Allergiemittel, Antidepressiva oder Hormonpräparate. Ihre Wirkung wurde im Labor in synthetischen und echten menschlichen Darmgemeinschaften getestet. Das Ergebnis: Rund ein Drittel dieser Wirkstoffe förderte das Wachstum von Salmonellen, Bakterien, die schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Lisa Maier, die Seniorautorin der Studie, sagt: „Dieses Ausmaß war vollkommen unerwartet. Viele dieser nicht-antibiotischen Medikamente hemmen nützliche Darmbakterien, während krankmachende Keime wie <i>Salmonella Typhimurium</i> unempfindlich sind. So entsteht im Mikrobiom ein Ungleichgewicht, durch das Krankheitserreger im Vorteil sind.“</p><h3>Krankheitserreger bleiben, schützende Bakterien verschwinden</h3><p>Die Forscherinnen und Forscher beobachteten einen ähnlichen Effekt bei Mäusen, bei denen bestimmte Medikamente zu einer stärkeren Vermehrung von Salmonellen führten. Die Folge war ein schwerer Verlauf einer Salmonellose, gekennzeichnet durch einen schnellen Krankheitsausbruch und starke Entzündungen. Der Wirkmechanismus sei vielschichtig, berichten die Hauptautorin und der Hauptautor der Studie Dr. Anne Grießhammer und Dr. Jacobo de la Cuesta aus der Forschungsgruppe von Lisa Maier: Die Medikamente senkten die Gesamtbiomasse der Darmflora, störten die Artenvielfalt oder beseitigten jene Bakterien, die normalerweise mit den Krankheitserregern um Nährstoffe konkurrieren. Dadurch verschwänden natürliche Konkurrenten krankmachender Keime wie <i>Salmonella</i>, die sich dann ungehindert vermehren können.</p><p>„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei der Einnahme von Medikamenten nicht nur die gewünschte therapeutische Wirkung beobachtet werden muss, sondern auch der Einfluss auf das Mikrobiom“, sagt Grießhammer. „Die Einnahme von Medikamenten ist häufig unvermeidbar. Aber selbst Wirkstoffe mit vermeintlich wenigen Nebenwirkungen können im Darm sozusagen die mikrobielle Schutzmauer zum Einsturz bringen.“ Und Maier ergänzt: „Es ist bekannt, dass Antibiotika die Darmflora stören können. Nun haben wir starke Hinweise, dass auch viele andere Medikamente diese natürliche Schutzbarriere unbemerkt schädigen. Das kann für geschwächte oder ältere Menschen gefährlich werden.“</p><h3>Forderung nach Neubewertung von Medikamentenwirkungen</h3><p>Die Forschenden empfehlen, dass die Wirkung von Medikamenten auf das Mikrobiom bei der Entwicklung systematisch mituntersucht werden sollte – insbesondere bei Medikamentenklassen wie Antihistaminika, Antipsychotika oder selektiven Östrogen-Rezeptormodulatoren und bei der Kombination mehrerer Medikamente. Das Team von Lisa Maier hat ein neues Hochdurchsatzverfahren entwickelt, mit dem sich schnell und zuverlässig testen lässt, wie Medikamente die Widerstandsfähigkeit des Mikrobioms unter Standardbedingungen beeinflussen. Dieses großangelegte Screening soll helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Therapien anzupassen. Diese Erkenntnisse erfordern ein Umdenken in der Arzneimittelforschung: Medikamente sollten künftig nicht nur pharmakologisch, sondern auch mikrobiologisch bewertet werden. „Wer das Mikrobiom stört, öffnet Krankheitserregern Tür und Tor – es ist integraler Bestandteil unserer Gesundheit und muss als solches in der Medizin betrachtet werden“, betont Maier.</p><p>Rektorin Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann unterstreicht: „Die Mikrobiomforschung in Tübingen hat hier einen wichtigen Erkenntnisgewinn vorzuweisen. Wenn bei der Entwicklung von Arzneimitteln die Wirkung auf das Mikrobiom einbezogen wird, besteht die Hoffnung, dass Patientinnen und Patienten langfristig passendere Therapien mit reduzierten Nebenwirkungen erhalten können.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Grießhammer A, de la Cuesta-Zuluaga J, Müller &nbsp;P, Gekeler C, Homolak Jan, Chang H, Schmitt K, Planker C, Schmidtchen V, Gallage S, Bohn E, Nguyen TH, Hetzer J, Heikenwälder M, Huang KC, Zahir T, Lisa Maier. (2025) <span lang="en" dir="ltr">Non-antibiotic drugs disrupt colonization resistance against pathogenic Gammaproteobacteria. </span><i><span lang="en" dir="ltr">Nature</span></i>643. doi: 10.1038/s41586-025-09217-2 (Online-Publikation erfolgte vor der Print-Publikation).</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121458</guid><pubDate>Mon, 14 Jul 2025 10:13:50 +0200</pubDate><title>Was eine Ressource ist, bestimmt die Gesellschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-eine-ressource-ist-bestimmt-die-gesellschaft/</link><description>Fachübergreifendes Forschungsteam der Universität Tübingen erweitert unser Verständnis von Ressourcen und beschreibt sie als kulturell konstruiert – Abschluss eines Sonderforschungsbereichs</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ressourcen werden erschlossen, verbraucht und können knapp sein. Doch was genau ist eigentlich eine Ressource? Als erstes kommen etwa Erdölvorräte oder Edelmetalle in den Sinn. Bei genauerer Betrachtung sind Ressourcen viel schwerer zu fassen: Sie können materiell, aber auch immateriell sein. Sie unterliegen dem Wandel, verlieren ihren Status als unentbehrliches Gut, und neue greifbare oder abstrakte Dinge werden zur Ressource. Rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereichs „RessourcenKulturen“ an der Universität Tübingen in mehr als 20 Teilprojekten in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften über zwölf Jahre hinweg intensiv mit Ressourcen auseinandergesetzt. Sprecher und stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs sind Professor Martin Bartelheim aus der Ur- und Frühgeschichte und Professor Thomas Scholten aus der Bodenkunde und Geomorphologie. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben sie das Thema Ressourcen umfassend beleuchtet und aufbereitet, sodass ihre Begriffsklärungen als Grundlage für künftige Forschungsarbeiten dienen können.</p><p>Teilprojekte des Sonderforschungsbereichs „RessourcenKulturen. Soziokulturelle Dynamiken im Umgang mit Ressourcen“ behandelten ein weites Themenspektrum aus der Archäologie, Ethnologie, Geografie, Geschichte, Altphilologie und Wirtschaftsgeschichte. Die Themen der verschiedenen Forschungsgruppen erstreckten sich über große Zeiträume und Distanzen: von der Raumerschließung durch Ressourcennutzung der Neandertaler bis zur prähistorischen Erzförderung auf der iberischen Halbinsel, der Vernichtung von Ressourcen durch die Wikinger bis zur Bedeutung materieller Ressourcen in religiösen Kontexten im modernen Indien.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher untersuchten, wie etwas zu einer Ressource für gesellschaftliche Entwicklungen wird und welche sozialen Dynamiken der Bedarf und die Nutzung dieser Ressourcen auslöst. Sie gehen von der Beobachtung aus, dass Gesellschaften in unterschiedlichen Zeiten und Orten ganz eigene Vorstellungen davon entworfen haben, was für ihr Zusammenleben von besonderem Wert ist.</p><h3>Verbindung zum Thema Nachhaltigkeit</h3><p>„Ressourcen sind nicht naturgegeben, sondern Ausdruck kultureller Bewertungen“, sagt Martin Bartelheim. Außer Rohstoffen und Prestigegütern zählten zu Ressourcen auch Wissen oder religiöse Weltvorstellungen. „Ressourcen treten meist in Komplexen auf, also in Kombination mit verschiedenen anderen Mitteln, die für ihre Nutzung nötig sind“, setzt Bartelheim hinzu. „Für die Entstehung von Gesellschaften sind die Auswahl bestimmter Ressourcen und die Vorschriften zum Umgang mit ihnen bedeutsam.“ Die Forscherinnen und Forscher betrachteten die Prozesse, die durch den Umgang mit Ressourcen ausgelöst werden und von Migration, sozialer Mobilität und Wohlstand bis hin zu Kriegen, Eroberungen und Zerstörungen reichen. Ziel war es, Modelle zu entwickeln, die den Zusammenhang von kulturellen Vorstellungen und Werten, materiellen wie immateriellen Ressourcen und sozialen Entwicklungen über lange Zeiträume und große Distanzen sichtbar machen.</p><p>Entscheidend in der Zusammenarbeit im Sonderforschungsbereich sei gewesen, dass Grenzen zwischen den Fächern überwunden werden konnten, sagt Thomas Scholten: „Ressourcen im klassischen Sinne, wie Bodenschätze, sind Thema der Geowissenschaft. Die tut sich schwer mit dem menschlichen Faktor, der in den Geistes- und Sozialwissenschaften stärkere Berücksichtigung findet. Nur gemeinsam konnten wir zu einer umfassenden Neudefinition von Ressourcen kommen.“ Er weist außerdem darauf hin, dass Ressourcen eng mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden sind, wodurch sie neu betrachtet werden müssen. „Heute nehmen die Bemühungen stark zu, Ressourcen nicht als Verbrauchsgut zu betrachten, sondern in Kreisläufen zu denken.“</p><p>„Im Sonderforschungsbereich ‚RessourcenKulturen‘ haben die beteiligten Forscherinnen und Forscher über die maximale Laufzeit von zwölf Jahren eine bemerkenswerte Dynamik aufrechterhalten. Dies ist ein besonders gelungenes Beispiel der interdisziplinären Zusammenarbeit“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen.</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p>Der <a href="/forschung/forschungsschwerpunkte/sonderforschungsbereiche/sfb-1070/">Sonderforschungsbereich 1070 „RessourcenKulturen. Soziokulturelle Dynamiken im Umgang mit Ressourcen“</a> läuft vom 1. Oktober 2013 bis 30. Juni 2025.</p><h3>Publikation:</h3><p>Zum Abschluss des Sonderforschungsbereichs haben die Sprecher und weitere Beteiligte ein Buch als fachübergreifendes Standardwerk zum Thema Ressourcen herausgegeben:</p><p>Herausgeber: Bartelheim, Martin; Hardenberg, Roland; Männlein, Irmgard; Riehl, Simone; Schade, Tobias; Scholten, Thomas: ResourceCultures – How Resources Affect Societies. Reichert Verlag, 2025. ISBN 9783752008685.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121293</guid><pubDate>Thu, 10 Jul 2025 09:53:07 +0200</pubDate><title>Die Spur der Steine: Rohmaterial für frühe Werkzeuge</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-spur-der-steine-rohmaterial-fuer-fruehe-werkzeuge/</link><description>Internationales Forschungsteam von der Universität Tübingen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersucht die Mobilität steinzeitlicher Jäger und Sammler im südlichen Afrika</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bereits in der Steinzeit Afrikas nahmen Menschen weite Wege auf sich, um bunte Gesteinsrohmaterialien zur Herstellung von Werkzeugen zu beschaffen. Das ergab eine Untersuchung an bearbeiteten Steinwerkzeugen aus bis zu 40.000 Jahre alten Fundstätten und an natürlichen Gesteinsvorkommen im heutigen Königreich Eswatini an den Grenzen zu Südafrika und Mosambik, dem früheren Swasiland. So legten die Jäger und Sammler vor Jahrtausenden zwischen 30 und hundert Kilometer zurück, um bestimmte Gesteinsmaterialien mit auffälliger Färbung zu sammeln, etwa roten Jaspis, grünen Chalzedon und schwarzen Hornstein. Die neue Studie stand unter der Leitung von Dr. Gregor D. Bader aus der Älteren Urgeschichte und Quartärökologie sowie dem Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen. Sie wurde im <i><span lang="en" dir="ltr">Journal of Archaeological Science</span></i> veröffentlicht.</p><p>Um die Bewegungen und Wanderungen früherer Menschen zu rekonstruieren, müssen zuweilen ganze Landschaften betrachtet werden: In seine Studie bezog das internationale Forschungsteam mehrere Fundstätten mit Werkzeugen und potenzielle Quellen der Rohmaterialien ein. „Dafür bot Eswatini mit den Sammlungen des Nationalmuseums in Lobamba gute Voraussetzungen. Dort werden Artefakte aus zahlreichen archäologischen Fundstätten aufbewahrt“, berichtet Gregor Bader. In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Steinartefakte aus den vier Fundstellen Hlalakahle, Siphiso, Sibebe and Nkambeni.</p><p>Durch die enge Zusammenarbeit mit Dr. <span lang="en" dir="ltr">Brandi MacDonald</span> vom Forschungsreaktor in Missouri, USA, konnte das Team um Bader die Herkunft der verwendeten Steine mithilfe der Neutronenaktivierungsanalyse entschlüsseln. Dabei werden die Steinproben mit Neutronen bestrahlt, sodass es zu einer Wechselwirkung zwischen den Atomkernen in der Probe und den Neutronen kommt. Die entstehenden Umwandlungsprodukte und die freiwerdende Strahlung offenbaren die quantitative Zusammensetzung der Steinprobe, der enthaltenen Elemente und ihrer Isotope, das sind gleiche Atome verschiedener Masse. Das spezifische Muster – in der Forschung spricht man auch von einem geochemischen Fingerabdruck – ist jeweils charakteristisch für Steinmaterialien verschiedener Art und für den jeweiligen Standort, von dem sie stammen. „Die Methodik ist zwar destruktiv, allerdings werden nur winzige Probemengen benötigt und die Ergebnisse sind hervorragend“, erklärt Bader. „Durch den Vergleich der Analysemuster des Steins, aus dem die gefundenen Werkzeuge hergestellt wurden, und der in der Region vorkommenden Gesteine können wir die Herkunft der verwendeten Rohmaterialien geografisch zuordnen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-121164</guid><pubDate>Tue, 08 Jul 2025 09:30:48 +0200</pubDate><title>Kajal aus der Eisenzeit im Iran nach bisher unbekanntem Rezept</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kajal-aus-der-eisenzeit-im-iran-nach-bisher-unbekanntem-rezept/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen entdeckt ungewöhnliches schwarzes Make-up für die Augen an Ausgrabungsstätte aus dem 7. bis 9. Jahrhundert v. Chr.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schwarzes Make-up für die Augen aus dem neunten bis siebten Jahrhundert v. Chr. im Nordwesten des heutigen Iran enthielt natürlichen Graphit und Manganoxid – anders als das weitverbreitete Kajal dieser Zeit im Mittleren Osten, das häufig auf der Basis von Blei hergestellt wurde. Die einzigartige Rezeptur für Kajal entdeckte ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Silvia Amicone von der Arbeitsgruppe Archäometrie der Universität Tübingen bei der Untersuchung von Proben aus der Friedhofsfundstätte Kani Koter an der Ostgrenze des früheren Assyrischen Reichs. Das Ergebnis gibt Einblick in kosmetische Praktiken im früheren Mittleren Osten und in die materielle Kultur vom Rande des Assyrischen Reichs. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Archaeometry veröffentlicht.</p><p>Bei der Fundstätte Kani Koter handelt es sich um einen Friedhof, auf dem in der Eisenzeit Tote bestattet wurden. „Darunter sind auch Gräber der früheren Eliten mit reichen Grabbeigaben“, berichtet Dr. Shelir Amelirad von der Universität Heidelberg. Es fanden sich Gegenstände für die Körperpflege wie Spiegel und Instrumente zum Auftragen von Make-up sowie ein Keramikgefäß, das einen schwarzen Puder enthielt. Die Gegenstände wiesen Elemente eines assyrischen Stils auf. Das Forschungsteam analysierte den schwarzen Puder mit einer Reihe von wissenschaftlichen Techniken.</p><h3>Lokal verfügbare Ressourcen</h3><p>„Unsere Befunde offenbarten ein völlig neues Kajalrezept“, sagt Silvia Amicone. „Statt Blei oder organischen Inhaltsstoffen, wie sie typischerweise in alten Rezepturen zu finden sind, wurde hier Graphit verwendet, was gut auf der Haut haftet und ihr ein auffällig schimmernd metallisches Aussehen verliehen haben dürfte.“ In der Make-up-Mischung seien keine organischen Stoffe entdeckt worden. „Wir können heute nicht sagen, ob auf solche Zutaten bewusst verzichtet wurde, oder ob sie über die Zeit zersetzt wurden“, fügt Amicone hinzu. Der Gebrauch von schwarzem Hartmanganerz und natürlichem Graphit deute auf die kreative Verwendung von lokal verfügbaren Ressourcen aus dem mineralreichen Zagros-Gebirge hin.</p><p>„Die Entdeckung fügt unserem Wissen über den persönlichen Schmuck der Menschen und ihr Auftreten in der früheren Welt neue Details hinzu. So erfahren wir vor allem mehr über das kulturelle Leben der Eliten im Gebiet zwischen Assyrien und dem Iran“, fasst die Forscherin die Ergebnisse zusammen.</p><p>Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen, kommentiert die Entdeckung: „Die Analyse einer Grabbeigabe öffnet hier ein Fenster in eine frühere Welt, die unserer heutigen in überraschenden Details ähneln kann. Unsere Forscherinnen und Forscher fügen durch den Einsatz moderner naturwissenschaftlicher Methoden dem Wissen über die kulturelle Entwicklung der Menschen immer wieder neue Bausteine hinzu.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Silvia Amicone, Baptiste Solard, Shelir Amelirad, Eghbal Azizi, Lara Maritan, Maxime Rageot, Chris-toph Berthold, Karen Radner: Eye makeup in Northwestern Iran at the time of the Assyrian Empire: a new kohl recipe based on manganese and graphite from Kani Koter (Iron Age III). Archaeometry, <a href="https://doi.org/10.1111/arcm.13097" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1111/arcm.13097</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-120981</guid><pubDate>Wed, 02 Jul 2025 10:36:11 +0200</pubDate><title>Kleine Werkzeuge, große Tiere: 430.000 Jahre alte Schlachterei untersucht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kleine-werkzeuge-grosse-tiere-430000-jahre-alte-schlachterei-untersucht/</link><description>Frühe Menschen nutzten eine ausgeklügelte Kombination aus Techniken und Materialien zur Werkzeugherstellung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam hat eine neue Studie zu einem der ältesten bekannten Fundorte für die Verarbeitung von Tierfleisch durch Menschen im südlichen Balkan veröffentlicht. In Marathousa 1, einer archäologischen Fundstätte im griechischen Megalopolis-Becken, fanden Forschende nicht nur zahlreiche Steinwerkzeuge, die Hinweise auf das Verhalten früher Menschen geben, sondern auch Überreste des ausgestorbenen Waldelefanten Palaeoloxodon antiquus. Die in der Fachzeitschrift <i>PLOS ONE</i> veröffentlichte Untersuchung unter der Leitung des Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen zeigt, dass bereits vor etwa 430.000 Jahren verschiedene Techniken zur Werkzeugherstellung genutzt wurden – je nach Material und Zweck. Die frühen Homininen stellten die für die Fleischzerlegung benötigten scharfen Abschläge sowohl durch freihändiges Abschlagen als auch mit „bipolaren Schlagtechniken“ her.</p><p>Der derzeit älteste bekannte archäologische Fundplatz Griechenlands liegt in der Region Megalopolis im zentralen Peloponnes (Arkadien, Griechenland). „Das unter freiem Himmel liegende Marathousa 1 wurde erst vor etwas mehr als zehn Jahren entdeckt und auf ein Alter von etwa 430.000 Jahre datiert“, erklärt Dalila De Caro, Erstautorin der Studie und Doktorandin in der Abteilung Paläoanthropologie der Universität Tübingen, und fährt fort: „Die Fundstelle bietet eine seltene Gelegenheit, das Verhalten der Menschen im südlichen Europa während des Mittelpleistozäns zu erforschen.“</p><p>De Caro hat gemeinsam mit weiteren Forschenden der Universität Tübingen, des Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> (SHEP), der griechischen Universität Ioannina und der Abteilung für Paläoanthropologie und Höhlenforschung des Griechischen Ministeriums für Kultur und Sport Steinwerkzeuge aus der Fundstelle untersucht, die zusammen mit Tierknochen – vor allem mit Überresten von Ur-Elefanten – gefunden wurden. „Wir wollten herausfinden, wie frühe Menschen ihre Werkzeuge herstellten und deren Fertigung organisierten. Außerdem hat uns interessiert, welchen Einfluss die ressourcenreiche Umgebung des Megalopolis-Beckens – mit reichlich Wasser, Rohstoffen und Tieren – auf ihr Verhalten hatte“, legt De Caro dar.</p><p>„Die Knochen der tierischen Großfauna weisen Schnittspuren und Schlagmarken auf – klare Hinweise auf das Zerlegen und Verarbeiten der Tiere durch Menschen. Das macht den Fundplatz zu einem bedeutenden Zeugnis für die Lebensweise von Homininen im Mittelpleistozän“, fügt SHEP-Forscherin Professorin Katerina Harvati hinzu.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-120933</guid><pubDate>Tue, 01 Jul 2025 08:54:09 +0200</pubDate><title>Neue Theorie zur Entstehung des Merkur </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-theorie-zur-entstehung-des-merkur/</link><description>Université Paris Cité, brasilianisches Observatório Nacional und Universität Tübingen kooperieren zur Erforschung des sonnennächsten Planeten – neue Erklärung für die Entstehung des Merkurs</description><content:encoded><![CDATA[<p>Merkur ist nicht nur ähnlich groß wie unser Mond, sondern wie dieser grau und mit Kratern übersät. Das Besondere am sonnennächsten Planeten verbirgt sich in seinem Inneren: In Anbetracht seiner geringen Größe besitzt Merkur einen unverhältnismäßig großen Eisenkern. Ein Phänomen, das mit traditionellen Theorien zur Planetenbildung schwer zu erklären ist.</p><p>Ein internationales Team von Forschenden des brasilianischen Nationalen Observatoriums (ON/MCTI), der Université Paris Cité, der School of Engineering and Sciences der UNESP/Guaratinguetá und der Universität Tübingen hat jetzt auf Grundlage von Computersimulationen eine neue Theorie zur Entstehung Merkurs entwickelt: Demnach könnte der Planet aus einer Streifkollision zweier Protoplaneten (Massenobjekte, die die Anfangsphase der Planetenentwicklung bilden) entstanden sein. Das Programm zur Simulation dieses Ereignisses entwickelten Forschende der Universität Tübingen. Die Studie zur Theorie wurde im Fachmagazin Nature Astronomy veröffentlicht.</p><h3>Streifkollision statt Einschlag</h3><p>Zusammen mit Venus, Erde und Mars gehört Merkur zu den Gesteinsplaneten und besitzt eine feste Oberfläche. Im Vergleich zu anderen Gesteinsplaneten weist er aber mehrere bisher nicht gänzlich verstandene Eigenschaften auf: Er besitzt einen großen festen Eisenkern und einen flüssigen äußeren Kern, der aus Eisen, Schwefel und Silikaten besteht. Ein eisenarmer Silikatmantel liegt unter einer nur zehn Kilometer dicken Silikatkruste, die eine erstaunlich dünne äußerste Schicht darstellt.</p><p>Um diese ungewöhnliche Zusammensetzung zu erklären, ging man davon aus, dass Merkurs jetzige Form durch den gewaltigen Einschlag eines kleineren Himmelskörpers entstanden sei. Kollisionen dieser Art sind jedoch extrem selten. Dr. Fernando Roig, der stellvertretende Direktor des ON/MCTI, und Dr. Patrick Oliveira Franco von der Université Paris Cité konnten mithilfe neuer hydrodynamischer Simulationen nachweisen, dass die anomale Struktur des Planeten möglicherweise auf ein deutlich häufigeres Ereignis zurückzuführen ist: eine gigantische Streifkollision zwischen zwei Protoplaneten ähnlicher Größe im frühen Sonnensystem.</p><h3>Mit Hochleistungsrechnern zum Ursprung eines Planeten</h3><p>In der Simulation variierten die Forschenden den Aufprallwinkel und die Geschwindigkeit der Kollisionen. Sie stellten fest, dass Einschlagsbedingungen, bei denen die Kollision gerade stark genug war, um den Großteil des Mantels abzutrennen, einen Körper hervorbrachten, der Merkurs charakteristisch kleine Größe und sein metallreiches Inneres aufwies. „Die Arbeit bestärkt die Idee, dass Rieseneinschläge nicht nur Teil der Planetenbildung sind – sie könnten sogar der Hauptfaktor sein, der die endgültige Struktur der Gesteinsplaneten im Sonnensystem geformt hat“, sagt Hauptautor der Studie Patrick Franco.</p><p>Die Streifkollision wurde mit einem speziellen Computerprogramm simuliert, das in der Abteilung Computational Physics am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen von Dr. Christoph Schäfer gemeinsam mit Postdoc Christoph Burger entwickelt wurde. „Das Computerprogramm nutzt spezielle Graphikkarten zur Berechnung. Moderne High-Performance Computing Architekturen wie wir sie hier in Tübingen für unsere Forschung zur Verfügung haben, machen die Entwicklung und Verwendung unseres Programmcodes erst möglich. Simulationen, die vorher Monate in Anspruch genommen haben, sind so in wenigen Tagen möglich“, sagt Christoph Schäfer. „So konnten die Kollegen mithilfe unseres Codes in kurzer Zeit viele verschiedene Parameter simulieren.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Patrick Franco, Fernando Roig, Othon C. Winter, Rafael Sfair, Christoph Burger &amp; Christoph Schäfer: Formation of Mercury by a grazing giant collision involving similar-mass bodies. Nature Astronomy, <a href="https://doi.org/10.1038/s41550-025-02582-y" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41550-025-02582-y</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-120357</guid><pubDate>Mon, 16 Jun 2025 10:30:07 +0200</pubDate><title>Wirtschaftliche Ungleichheit erhöht Risiko für Bürgerkrieg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wirtschaftliche-ungleichheit-erhoeht-risiko-fuer-buergerkrieg/</link><description>Studie der Universität Tübingen analysiert Verteilung von Land und Einkommen in den vergangenen zweihundert Jahren – Risiko für Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Russland gestiegen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Steigt die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb eines Landes, erhöht sich das Risiko für den Ausbruch eines Bürgerkriegs. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Tübingen nach der Auswertung von Daten aus zwei Jahrhunderten für insgesamt 193 Länder. Die Studie ist im Fachjournal <i><span lang="en" dir="ltr">Review of Income and Wealth</span></i> erschienen.</p><p>Ein neu entwickelter Maßstab zur Berechnung von wirtschaftlicher Ungleichheit machte die Analyse über diesen langen Zeitraum möglich. Der Maßstab berücksichtigt Einkommen, Landbesitz und Abweichungen von der durchschnittlichen Körpergröße gleichermaßen. „Je weiter wir in die Geschichte zurückblicken, desto lückenhafter werden in Geld gemessene Einkommensdaten“, sagte Professor Jörg Baten vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte der Universität Tübingen und Leiter der Studie. Für den globalen Süden lägen beispielsweise vor 1980 kaum verlässliche Informationen vor. „Die Verteilung von Land und die Körpergröße dagegen sind einfacher zu messen und bis ins frühe 19. Jahrhundert gut dokumentiert“, so Baten.</p><p>Während individuelle Unterschiede in der Körpergröße stark von der genetischen Veranlagung abhängen, spielen sie für die durchschnittliche Körpergröße in einer Bevölkerung kaum eine Rolle. „Stattdessen beeinflussen Nahrung und der Zugang zu medizinischer Versorgung den durchschnittlichen Körperwuchs in einer Bevölkerung“, so Baten. Entsprechend stark weicht die Körpergröße von Einkommensgruppen innerhalb der Gesellschaften voneinander ab. Zum Beispiel: In den Jahrzehnten vor dem US-Bürgerkrieg 1861-65 stiegen die Unterschiede der Körpergröße zwischen ungelernten Arbeitern und höheren Einkommensgruppen von 1.6 auf 3.0 cm an (und auch die Unterschiede in der Gesamtbevölkerung). Durch ähnliche Indikatoren lassen sich Lücken in den Datenreihen über ungleiche Einkommensverteilung schließen.</p><p>Baten und sein Team setzten nun ihren neuen Maßstab für Ungleichheit mit der Zahl von Bürgerkriegen in einem Land pro Jahrzehnt in Beziehung. Dazu griffen sie auf die Datenbank „<span lang="en" dir="ltr">Correlates of War Project (COW)</span>“ zurück. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser US-amerikanischen, digitalen Forschungsplattform definieren einen Krieg oder Bürgerkrieg als Konflikt mit über 1.000 Toten durch Kampfhandlungen in einem Jahr. Insgesamt bezog die Studie Datensätze aus 193 Ländern weltweit ein, wobei Grenzveränderungen berücksichtigt wurden.</p><p>Die Berechnungen ergaben einen statistisch auffälligen Zusammenhang zwischen ungleicher Einkommensverteilung und dem Ausbruch von Bürgerkriegen. Die Ergebnisse lassen sich anhand vergangener Ereignisse überprüfen: Beispielsweise war Land in Russland vor der Oktoberrevolution von 1917 extrem ungleich verteilt – was wesentlich zum Ausbruch von Revolution und Bürgerkrieg führte und von dem neuen Indikator auch mit einer entsprechend hohen Wahrscheinlichkeit angezeigt wurde. Der neue Indikator macht auch Aussagen über das Risiko für Bürgerkriege heutzutage möglich: „In den USA ist die Ungleichheit der Einkommensverteilung in den vergangenen dreißig Jahren deutlich gestiegen. Entsprechend hat sich das Risiko eines Bürgerkriegs in den USA von 10 auf 21 Prozent drastisch erhöht", so Baten. Auch in Großbritannien, China, Indien und Russland sei im selben Zeitraum die Ungleichheit stark angestiegen.</p><h3>Weitere Variablen: Bevölkerung, vorangegangene Bürgerkriege, Demokratie</h3><p>„Wir haben überprüft, welchen Einfluss weitere Variablen auf den Ausbrauch von Bürgerkriegen hatten“, sagte Laura Radatz, Ko-Autorin der Studie. „So erhöhen die Größe eines Landes und seiner Bevölkerung natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Land irgendwo ein Bürgerkrieg ausbricht.“ Entsprechend führt China die Liste mit neun Bürgerkriegen in den vergangenen zweihundert Jahren an, gefolgt von Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Äthiopien, dem Irak, Russland und der Türkei. „Außerdem erhöhen vorangegangene Bürgerkriege die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Waffengangs, zunehmende Demokratisierung dagegen verringern sie“, so Radatz. Die Höhe des Wirtschaftswachstums in einem Land habe laut der Studie keinen messbaren Einfluss auf das Risiko eines Bürgerkriegs.</p><p>Die Forschenden diskutieren auch, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen die ungleiche Einkommensverteilung und damit die Gefahr eines Bürgerkriegs reduzieren können. Eine progressivere Einkommenssteuer oder besserer Zugang zu hochwertiger Bildung für weite Teile der Bevölkerung erhöhten die Gleichheit in einem Land – und reduzierten die Gefahr eines Bürgerkriegs.</p><p>„Die Studie ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Dynamik von Bürgerkriegen. Wirtschaftliche Ungleichheit wird in der Literatur häufig als Grund für Konflikte genannt. Nun gibt es auch ein neues statistisches Maß zur Berechnung für diesen Zusammenhang in langfristiger und globaler Perspektive“, sagte Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><h3>Originalpublikation:&nbsp;</h3><p>Laura Radatz, Jörg Baten: <span lang="en" dir="ltr">„Measuring Multidimensional Inequality and Its Impact on Civil War Out-break in 193 Countries, 1810-2010”, Review of Income and Wealth, 2025,</span><a href="https://doi.org/10.1111/roiw.70016" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1111/roiw.70016</a></p><p><strong>Datenbank über Körpergrößen:</strong><br><a href="https://clio-infra.eu/Indicators/HeightGini.html" target="_blank" rel="noreferrer">https://clio-infra.eu/Indicators/HeightGini.html</a>&nbsp;</p><p><span lang="en" dir="ltr"><strong>Correlates of War Project </strong></span><strong>mit Daten zu Bürgerkriegen:</strong><br><a href="https://correlatesofwar.org" target="_blank" rel="noreferrer">https://correlatesofwar.org</a><br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-120057</guid><pubDate>Thu, 05 Jun 2025 13:24:50 +0200</pubDate><title>Kinder-Uni-Forschungstag: Sprechchöre, Mini-Organe und „Zahlensalat“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kinder-uni-forschungstag-sprechchoere-mini-organe-und-zahlensalat/</link><description>Kinder lernen die Universität Tübingen kennen und können im Labor selbst forschen ‒ Online-Anmeldung beginnt am Dienstag, 24. Juni, und läuft bis Donnerstag, 3. Juli.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was tummelt sich alles in einer Sommerwiese? Wie helfen uns Mini-Organe den menschlichen Körper zu verstehen? Und was hat ein Faden mit Mathematik zu tun? Am Kinder-Uni-Forschungstag an der Universität Tübingen können kleine Forscherinnen und Forscher selbst im Labor experimentieren, unseren Sinnen auf die Spur kommen oder erfahren, warum niemand Angst vor der Kinderklinik haben muss.</p><p>Am Samstag, 5. Juli, sind alle Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren eingeladen, in Workshops die Forschungsbereiche und die Institute der Universität Tübingen kennenzulernen und selbst zu forschen. Beteiligt sind viele Fachbereiche und Einrichtungen der Universität, darunter die Altorientalische Philologie, Astronomie, Biochemie, Biologie, Chemie, germanistische Mediävistik, die Grüne Werkstatt im Botanischen Garten, die Initiative Bunte Wiese, der KI-Makerspace, die Kulturwissenschaft, Mathematik,<br>Medizinische Fakultät, Pflegewissenschaft, Physik und das Schülerlabor Neurowissenschaften.</p><p>„Kinder sind neugierig, hinterfragen Alltägliches und suchen nach Antworten, um die Welt im Kleinen wie im Großen zu verstehen. Genau das verbindet sie mit Forschenden an Universitäten. Mit dem Kinder-Uni-Forschungstag fördern wir die Freude der nächsten Generation am Entdecken und zeigen, dass Wissenschaft immer mit einer Frage beginnt, Spaß macht – und dass auf jede Antwort stets mindestens eine neue Frage folgt“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Das vollständige Programm und den Link zur Anmeldung gibt es hier: </strong><a href="/universitaet/im-dialog/kinder-uni/forschungstag/"><strong>Der Kinder-Uni-Forschungstag</strong></a></p><p>Sofern nicht anders angegeben, sind die Veranstaltungen geeignet für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren. Für alle Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich, die von Dienstag, 24. Juni, 19:00 Uhr, an bis Donnerstagmittag, 3. Juli, unter dem jeweils angegebenen Anmeldelink möglich ist. Anmeldungen per E-Mail oder via Telefon sind aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Für die Anmeldung notwendig sind Name und Alter des Kindes sowie eine Telefonnummer für den Notfall. Für Veranstaltungen, die ausgebucht sind, können sich Eltern auf einer Nachrückliste eintragen und werden zu freiwerdenden Plätzen automatisch benachrichtigt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119643</guid><pubDate>Fri, 30 May 2025 09:57:00 +0200</pubDate><title>Genetische Spurensuche: Kolumbiens frühe Jäger und Sammler verschwanden vollständig</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/genetische-spurensuche-kolumbiens-fruehe-jaeger-und-sammler-verschwanden-vollstaendig/</link><description>Erkenntnisse zur Besiedelung Südamerikas – Forschende aus Tübingen und Bogotá untersuchen Erbgut aus dem alten Kolumbien – frühe Population durch spätere Migration aus Zentralamerika ersetzt </description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch besiedelte Südamerika von Norden kommend. Auf dem Gebiet des heutigen Kolumbiens betraten die ersten Jäger und Sammler den Kontinent, um sich von dort weiter auszubreiten. Genetische Hinweise auf eine bisher unbekannte frühe Population fand jetzt ein internationales Forschungsteam der Universität Tübingen, des <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> und der Universidad Nacional de Colombia. Diese frühen Siedler des Altiplano, der Hochebene um Bogotá, die auf die Zeit vor 6.000 Jahren datiert werden, stellen eine bisher noch nicht beschriebene Population dar. Sie verschwand vor spätestens 2.000 Jahren und wurde von einer zweiten Migration aus Zentralamerika ersetzt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr">Science Advances</span> veröffentlicht.</p><p>Das Forschungsteam untersuchte das Erbgut von 21 Individuen aus fünf archäologischen Ausgrabungsstätten in der kolumbianischen Hochebene. „Dabei handelt es sich um die ersten jemals veröffentlichten menschlichen Genomdaten aus Kolumbien“, erläutert Professor Cosimo Posth von der Universität Tübingen, Seniorautor der Studie. Die Genproben wurden aus Knochen und Zähnen gewonnen und decken einen Zeitraum von fast 6.000 Jahren ab, bis kurz vor Beginn der spanischen Kolonisierung. Die ältesten Individuen stammen aus der Ausgrabungsstätte Checua, nördlich von Bogotá, auf einer Höhe von rund 3.000 Metern.</p><h3>Vollständiger Wechsel der Bevölkerung</h3><p>Das genetische Material aus der Ausgrabung in Checua gehört zu Individuen aus einer vergleichsweise kleinen Population von Jägern und Sammlern auf dem Altiplano. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Checua-Individuen von der frühesten Population abstammen, die sich innerhalb kürzester Zeit über Südamerika verbreitet und ausdifferenziert hat“, sagt Kim-Louise Krettek vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span>, Erstautorin der Studie. Was die Forschenden überraschte: Das Erbgut dieser Menschen verschwand vollständig aus der Bevölkerung und ist bereits bei etwa 2.000 Jahre alten Individuen aus der Region nicht mehr nachweisbar. „Wir konnten keine Nachfahren dieser frühen Jäger und Sammler der kolumbianischen Hochebene belegen – das Genmaterial wurde nicht weitergegeben. Das heißt: Im Gebiet um Bogotá kam es zu einem vollständigen Wechsel der Bevölkerung“, sagt Krettek.</p><p>Die genetischen Untersuchungen legten den Schluss nahe, dass die nachfolgende Kultur des Altiplanos durch Menschen aus zentralamerikanischen Regionen dorthin gelangte. „Die Menschen dieser zweiten Migrationsbewegung brachten neben technologischen Entwicklungen, wie der Keramik, wahrscheinlich auch die Chibcha-Sprachen mit ins heutige Kolumbien. Ableger dieser Sprachfamilie werden heute noch in Zentralamerika gesprochen“, erklärt Mitautorin Andrea Casas-Vargas von der Universidad Nacional de Colombia.</p><p>„Dass die genetischen Spuren einer ursprünglichen Population ganz verschwinden, ist ungewöhnlich, insbesondere in Südamerika“, sagt Casas-Vargas. Bisher sei in der Bevölkerung der Anden und des Südkegels von Südamerika über lange Zeit-räume und kulturelle Veränderungen hinweg eine starke genetische Kontinuität beobachtet worden. „So war es auch in der auf die Jäger und Sammler folgenden Populationen im kolumbianischen Altiplano bis zum Eintreffen der europäischen Eroberer vor etwa 500 Jahren, obwohl es in diesem Gebiet mit der Entwicklung der Muisca-Kultur einen massiven kulturellen Wandel gab“, berichtet Casas-Vargas.</p><h3>Genetische Geschichte ist keine kulturelle Geschichte</h3><p>„Fragen von Geschichte und Abstammung berühren einen sensiblen Bereich des Selbstverständnisses und der Identität der indigenen Bevölkerung“, sagt Cosimo Posth. „Die genetische Disposition darf aber nicht mit der kulturellen Identität gleichgesetzt werden.“ Das Forschungsteam aus Tübingen und Bogotá hat sich deshalb vor Abschluss der Arbeit mit der Guardia Indígena Muisca, lebenden Nachfahren der Muisca-Kultur in der Hochebene von Bogotá, ausgetauscht. „Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Fragen befassen, die für indigene Gemeinschaften in Kolumbien relevant sind, respektieren und schätzen wir den Reichtum des gemeinschaftsbasierten Wissens“, sagt Posth.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119541</guid><pubDate>Thu, 22 May 2025 18:15:00 +0200</pubDate><title>Sechs Exzellenzcluster werden in Tübingen gefördert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sechs-exzellenzcluster-werden-in-tuebingen-gefoerdert/</link><description>Universität verbucht großartigen Erfolg und wahrt Chance auf erneuten Titel „Exzellenzuniversität“ von 2027 an – Für drei Forschungsbereiche beginnt Suche nach neuen Fördermöglichkeiten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen erhält sechs Exzellenzcluster, die von Bund und Ländern im Rahmen der Exzellenzstrategie vom 1. Januar 2026 an sieben Jahre lang gefördert werden. Darunter drei Cluster, die bereits etabliert sind und eine erneute Förderung erhalten. Das geht aus einer Pressekonferenz der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Donnerstag in Bonn mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und der internationalen Wissenschaft hervor. Gemäß den Richtlinien der Exzellenzstrategie kann sich die Universität Tübingen nun der Evaluation in der Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ stellen.</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, sagt anlässlich der Nachricht aus Bonn: „Die Entscheidung, künftig „GreenRobust“, „HUMAN ORIGINS“ und „TERRA“ als neu hinzukommende Exzellenzcluster in Tübingen zu fördern, attestiert der Universität Tübingen die Spitzenstellung dieser Forschungsbereiche und bestätigt uns in der Annahme, dass enormes Potenzial in jedem einzelnen Cluster steckt. Zugleich verdeutlicht die erneute Förderung für die bestehenden drei Cluster „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI), „Individualisierung von Tumortherapien durch molekulare Bildgebung und funktionelle Identifizierung therapeutischer Zielstrukturen“ (iFIT) und „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“, dass in diesen Bereichen an unserer Universität in den vergangenen Jahren herausragende Forschungsleistungen erbracht wurden. Ich gratuliere und danke allen Forschenden und Mitarbeitenden, die am heutigen Erfolg mitgewirkt haben, für ihr enormes Engagement, ihre Ausdauer und den Zusammenhalt auf diesem langen Weg zum Erfolg.“</p><p>Die Entscheidung sei auch eine Auszeichnung für alle außeruniversitären Partnerinnen und Partner, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Dazu zählen für den Cluster <strong>GreenRobust</strong> die Universitäten Hohenheim und Heidelberg sowie das Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen; ferner die Universität Hohenheim als Kooperationspartner für den Cluster <strong>TERRA</strong> sowie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt/M; beim bestehenden Cluster <strong>CMFI</strong> das Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen; im Fall von <strong>HUMAN ORIGINS</strong> das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt; für den Cluster <strong>iFIT</strong> das Deutsche Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (DKFZ), das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT), das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), das Dr. Margarete Fischer-Bosch Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), Stuttgart und das NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen; im Fall des Clusters <strong>Maschinelles Lernen</strong> zählen das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, das ELLIS Institut Tübingen, das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) und das African Institute for Mathematical Sciences (AIMS) Kigali, Rwanda dazu, die alle ebenfalls zum Erfolg beigetragen haben.&nbsp;</p><p>Die Rektorin dankte auch dem baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. „Von der enormen Sichtbarkeit der Exzellenzcluster an unserer Universität werden auch viele andere Bereiche profitieren, in denen Forschung auf höchstem Niveau betrieben wird“, sagt die Rektorin. „Zugleich ist das auch ein Auftrag an die gesamte Universität, weiterhin hart an der Entwicklung der Universität zu arbeiten und starke Ergebnisse in die Gesellschaft hineinzutragen. Bei aller Freude: Mit den heutigen Entscheidungen gehen für uns immense Herausforderungen einher, den vielen Erwartungen gerecht zu werden.“</p><p>Die Rektorin würdigt auch die Arbeit derer, die an den weiteren drei Anträgen – Bionic Intelligence for Health, Critical Proximities und Fe|male Brain – mitgearbeitet haben und heute keinen Erfolg feiern können. „Diese Forschungsbereiche haben dank ihres Erfolgs in der Vorantragsphase in diesem langen Wettbewerb bewiesen, dass sie innovative Ansätze verfolgen. Weil alle Clusteranträge an den Forschungsschwerpunkten der Universität Tübingen ausgerichtet sind, werden wir nun prüfen, welche Förderformate von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von EU, Bund oder Land geeignet sind, diese Bereiche mit Mitteln auszustatten, damit ihr bisheriger Einsatz nicht vergebens war.“</p><p>Die Universität Tübingen war in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ nach einer sehr erfolgreichen ersten Auswahlrunde im Februar 2024 aufgerufen, Vollanträge für sechs neue Exzellenzcluster zu stellen, hinzu kamen die Fortsetzungsanträge der drei bestehenden Cluster, welche die erste Auswahlrunde überspringen konnten. Tübingen war also mit insgesamt neun Forschungsvorhaben angetreten. Universitäten, die künftig mindestens über zwei Exzellenzcluster verfügen, können in einem weiteren Schritt den Titel „Exzellenzuniversität“ innerhalb der gleichnamigen Förderlinie der Exzellenzstrategie beantragen.</p><p>Ungeachtet des erzielten Erfolgs konzentriert sich die Universitätsleitung mit allen Mitarbeitenden nun auf diese nächste Etappe im Wettbewerb der Exzellenzstrategie von Bund und Länder: Am Bericht für die Evaluation der Exzellenzuniversität wird zügig weitergearbeitet, damit dieser fristgerecht bis spätestens 1. August 2025 eingereicht wird. „Der Erfolg der thematisch an den Forschungsschwerpunkten der Universität ausgerichteten Cluster ist für uns ein Auftrag, auch andere Bereiche der Universität weiterzuentwickeln. Wir wollen mit unserem Konzept gleichermaßen Forschung, Lehre und Innovation universitätsweit fördern“, sagt Rektorin Karla Pollmann. „Die Forschung steht zwar im Zentrum der Exzellenzstrategie, doch die Universität setzt sich auch künftig das Ziel, Studium, Lehre und Wissenstransfer auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln.“ Die Entscheidung darüber, ob Tübingen weiterhin seinen Status als Exzellenzuniversität von 2027 an weiterführen darf, trifft eine Kommission im März 2026.</p><p>Folgende Exzellenzcluster werden mit Beginn des Jahres 2026 sieben Jahre lang an der Universität Tübingen gefördert:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119538</guid><pubDate>Thu, 22 May 2025 09:39:20 +0200</pubDate><title>Zuwachs für die Professorengalerie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zuwachs-fuer-die-professorengalerie/</link><description>Porträt des Altrektors Bernd Engler feierlich enthüllt – Auftragsarbeit des renommierten Porträtmalers Massimiliano Pironti – Rektorin Pollmann: „Professorengalerie ist lebendige Tradition“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Professorengalerie der Universität Tübingen erhält Zuwachs: Am Mittwoch, dem 21. Mai, wurde das Porträt von Altrektor Professor Dr. Bernd Engler enthüllt. Das beim italienischen Maler Massimiliano Pironti in Auftrag gegebene Gemälde wird zukünftig in der Neuen Aula im Großen Senat als Teil der Galerie zu sehen sein. Die umfangreiche Porträtsammlung reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück und umfasst bislang nahezu ausschließlich männliche ehemalige Rektoren, Kanzler, Professoren sowie andere Funktionsträger der Universität Tübingen. An der feierlichen Enthüllung nahmen die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, der Künstler Massimiliano Pironti, Altrektor Professor Dr. Bernd Engler sowie Professor Dr. h.c. mult. Reinhold Würth teil.</p><p>„Mit dem Porträt Bernd Englers von Massimiliano Pironti wird das Werk eines weltweit bekannten Künstlers Teil der Professorengalerie“, sagt Rektorin Karla Pollmann anlässlich der Porträtenthüllung. „Ich freue mich über diesen jüngsten Zuwachs, der einen verdienten Altrektor beeindruckend würdigt. Dies zeigt: Die Professorengalerie ist eine lebendige Tradition, die wir mit Stolz fortführen.“ Im Namen der Universität Tübingen dankte sie dem Universitätsbund sowie besonders dem Unternehmen Würth, das sich ideell und finanziell an der Realisierung des Porträts beteiligte.</p><p>Der Kunsthistoriker Dr. Oliver Class ordnete Form und Inhalt des Werks während der Veranstaltung ein: „Massimiliano Pironti malt hier in altmeisterlicher Tradition und stellt damit einmal mehr unter Beweis, dass er zu den bedeutendsten Porträtmalern unserer Zeit gehört“, sagt Oliver Class. „Dem Künstler ist es gelungen, Bernd Engler sowohl in seiner Individualität als auch in seinem Amt darzustellen. Das Porträt ist damit ein außergewöhnlicher Zuwachs für die kunst- und wissenschaftshistorisch herausragend wertvolle Galerie.“&nbsp;</p><p>Mit über 300 Werken ist die Professorengalerie der Universität Tübingen die umfangreichste an einer deutschen Hochschule und steht unter Landesdenkmalschutz. Die ältesten Gemälde der Sammlung entstanden im 16. Jahrhundert. Noch heute pflegt die Universität die Tradition, Bildnisse der Rektoren anfertigen zu lassen.</p><p>„Es ist mir eine große Ehre, als ehemaliger Rektor nun Teil der traditionsreichen Gemäldegalerie der Universität zu sein“, sagt Professor Engler. „Dank der großzügigen Unterstützung des Unternehmens Würth konnte ich von dem renommierten und international ausgezeichneten Maler Massimiliano Pironti porträtiert werden, der sich der langen Tradition unserer universitären Porträtsammlung in hervorragender Weise verpflichtet zeigt.“</p><p>Bernd Engler war von 2006 bis 2022 Rektor der Universität Tübingen. Er wurde 1954 in Speyer geboren, studierte Anglistik/Amerikanistik, Germanistik und Philosophie an der Universität Freiburg und der University of Kent in Großbritannien. Nach seiner Promotion, Habilitation sowie Lehr- und Forschungsaufenthalten im Ausland wurde er 1992 nach Tübingen an den Lehrstuhl für Amerikanistik berufen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119217</guid><pubDate>Thu, 15 May 2025 15:48:05 +0200</pubDate><title>Peter Grathwohl als Prorektor für Forschung, Innovation und Transfer verabschiedet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/peter-grathwohl-als-prorektor-fuer-forschung-innovation-und-transfer-verabschiedet/</link><description>Während elfjähriger Amtszeit zwei Exzellenzstrategien der Universität Tübingen erfolgreich entwickelt – Rektorin würdigt seinen Weitblick in Bezug auf Cyber Valley und im Bereich KI</description><content:encoded><![CDATA[<p>Er sei einer, der für Verlässlichkeit stehe; einer, der innerhalb des Rektorats der Universität Tübingen als wichtiger Ratgeber wirke und dort bekannt sei für seinen konstruktiven Pragmatismus. Mit diesen Worten hat Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, heute zu Beginn der Senatssitzung in einer kleinen Feierstunde Professor Peter Grathwohl verabschiedet. „Sie haben in Ihren elf Jahren als Prorektor für Forschung, Innovation und Transfer das Prorektoratsamt und die Forschung gekonnt vereint. Dank Ihres Weitblicks waren und sind Sie ein vehementer Fürsprecher und Treiber der Entwicklung des Cyber Valley und des Bereichs Künstliche Intelligenz. Für Ihr umfangreiches und anhaltendes Engagement in all den Jahren danke ich Ihnen im Namen der gesamten Universität und auch persönlich von Herzen.“ Die Rektorin freute sich zudem darüber, dass sie den verabschiedeten Prorektor Peter Grathwohl in derselben Feierstunde nun als neuen Seniorprofessor der Universität begrüßen konnte.</p><p>„Eine klar definierte strategische Ausrichtung der Universität insbesondere mit Blick auf die Exzellenzstrategie war und ist mir ungemein wichtig. Ich habe gerne meine Erfahrung in den elf Jahren in die Bereiche Forschung, Innovation und Transfer einfließen lassen. Wir waren und sind hier in Tübingen hervorragend aufgestellt, und ich wünsche mir, dass das so bleibt“, sagte Peter Grathwohl, der künftig am Geo- und Umweltforschungszentrum weiter forschen, in der Lehre unterstützen und seine verbleibenden Doktoranden bis zu deren Promotion betreuen wird. Die Nachfolge im Prorektorat ist seit Oktober vergangenen Jahres geregelt: Anfang April hat Professorin Katja Schenke-Layland das Amt der Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer angetreten.</p><p>Vor elf Jahren, im März 2014, hatte zunächst der Universitätsrat Peter Grathwohl zum Prorektor gewählt, einen Monat später bestätigte der Senat die Wahl. Beide Gremien folgten damals der Empfehlung des Rektorats, angesichts der vielen Aufgaben die Position von einem Nebenamt in ein Hauptamt umzuwandeln. Damit blieb dem Professor für Hydrogeochemie deutlich weniger Zeit im Fachbereich als seinem Vorgänger. Seitens des Rektorats hieß es damals zu Beginn der Amtszeit, dass Forschung in dieser Funktion keineswegs untersagt sei. Eine Aussage, die der Prorektor in all den Jahren wörtlich nahm. So leitete er trotz der zahlreichen und zeitintensiven Aufgaben im Rektorat von 2016 an den Sonderforschungsbereich CAMPOS zum Verhalten von Schadstoffen in der Umwelt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Als Prorektor für Forschung hat es letztlich enorm geholfen, selbst noch aktiv in der Forschung zu stehen.“</p><p>Peter Grathwohl lernte, forschte, lehrte und arbeitete fast ausschließlich an der Universität Tübingen. Geboren 1958 in Sigmaringen, kam er zum Studium der Geologie an den Neckar. Auf sein Diplom 1985 folgte drei Jahre später die Promotion über Grundwasserverunreinigungen durch Chlorkohlenwasserstoffe. Vor seiner Habilitation in Tübingen 1995 arbeitete er an der <span lang="en" dir="ltr">Stanford University</span> im US-Bundesstaat Kalifornien. Im Jahr darauf erhielt er die Professur für Hydrogeochemie an der Universität in Tübingen.</p><p>Während seiner weiteren Laufbahn gehörte er vielen Kommissionen und Gremien an: Er war mehrere Jahre Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat Bodenschutz der Bundesregierung, seit 2004 und bis heute ist er Mitglied in der Kommission Bodenschutz am Umweltbundesamt. In den vergangenen 20 Jahren saß er zudem in verschiedenen Gremien der DFG, in den Fachkommissionen Geowissenschaften und Wasser sowie im Fachkollegium. Rückblickend, sagt Peter Grathwohl, habe er von den gewonnenen Erfahrungen in all diesen Gremien im Amt des Prorektors sehr profitiert. Schließlich wurde er im Jahr 2015 in den DFG-Senat und damit das zentrale Organ der DFG gewählt.</p><h3>Zwei Exzellenzstrategien mit vorbereitet</h3><p>Als Prorektor hat Peter Grathwohl unter anderem zwei Exzellenzstrategien mit vorbereitet und an der Definition der strategischen Ziele der Universität mitgearbeitet; und er hat an der Weiterentwicklung der Forschungsschwerpunkte mitgewirkt, darunter Künstliche Intelligenz, Bildungsforschung sowie Geo- und Umweltforschung. „Eine frühe Etablierung von Schwerpunkten und deren konsequente Weiterentwicklung war meiner Meinung nach einer der Erfolgsfaktoren für die Exzellenz der Universität Tübingen.“ Als weitere Faktoren für den Tübinger Erfolg nennt er die Vernetzung und die Verbundforschung und ganz grundsätzlich das Prinzip des bottom up – das Wachsen der Strukturen von unten nach oben, was auch auf dem ausgezeichneten Personal und der Ausstattung an der Universität beruhe.</p><p>Während der Zeit als Prorektor engagierte sich Peter Grathwohl zudem für das Brasilien-Zentrum – seit 2022 das Brasilien- und Lateinamerika-Zentrum – in Tübingen, das aufgrund der vielen Kontakte nach Brasilien und wegen des Engagements der Universität für den Globalen Süden im Fokus des Rektorats liegt. Vier traditionelle Wandgemälde mit Landschaftsdarstellungen im Büro des scheidenden Prorektors zeugen außerdem von seiner Verbundenheit mit China; noch heute unterhält er zahlreiche Forschungskontakte dorthin. Für UmweltwissenschaftlerInnen sei China auch interessant, weil es anders als Europa eine kürzere Industrialisierungsgeschichte hat und damit die Schadstoffbelastung von Böden und Sedimenten teilweise noch geringer ist.</p><p>Seinen Vorsitz im Verwaltungsrat des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim übergibt er zunächst an seinen Stellvertreter, bis sich voraussichtlich Professor Samuel Wagner, Prorektor für Nachhaltige Entwicklung und Erste Allgemeine Vertretung der Rektorin, dem Gremium zur Wahl stellt. Abgesehen von seiner Tätigkeit als Seniorprofessor bleibt Peter Grathwohl unter anderem als Sachverständiger im Nationalen Begleitgremium Endlagersuche aktiv.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119169</guid><pubDate>Thu, 15 May 2025 09:52:04 +0200</pubDate><title>Dr. Leopold Lucas-Preis an Corine Pelluchon verliehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dr-leopold-lucas-preis-an-corine-pelluchon-verliehen/</link><description>Französische Philosophin mit dem 50. Lucas-Preis ausgezeichnet – Rektorin Karla Pollmann: „Der Dr. Leopold Lucas-Preis ist ein Zeichen der Versöhnung und Vergebung“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die französische Philosophin Corine Pelluchon wurde mit dem Dr. Leopold Lucas-Preis 2025 ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am Dienstag, 13. Mai, in der Alten Aula der Universität Tübingen statt. Corine Pelluchon erhält die Auszeichnung für ihre philosophischen Beiträge zu aktuell drängenden Fragen des Tierwohls, der Klimakrise und der Stärkung der pluralistischen Demokratie. Der Dr. Leopold Lucas-Preis wird von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen verliehen. Er zeichnet Menschen aus, deren wissenschaftliches Werk die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient macht.</p><p>„Meine Arbeit ist geprägt von dem Bewusstsein der Fragilität der Demokratie und der Angst vor Entmenschlichung. Ich nehme unsere Destruktivität ernst und suche gleichzeitig nach Ressourcen, die uns zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen zur Verfügung stehen“, sagt Corine Pelluchon. „Dieses Bemühen, trotz Gefahren Wege zu finden, die uns helfen, gegen eine Kultur des Todes zu kämpfen, der Leopold Lucas zum Opfer fiel, verbindet mich mit den Menschen, die diesen Preis zu seinen Ehren ins Leben gerufen haben.“</p><p>Bei der diesjährigen Zeremonie handelt es sich um die 50. feierliche Preisverleihungszeremonie, nachdem die Veranstaltung während der Pandemie zweimal ausfallen musste und die Preise aus den Jahren 2020 und 2021 erst in der Preisverleihung 2022 übergeben werden konnten.</p><h3>Eine Philosophie der Hoffnung</h3><p>Corine Pelluchon ist Professorin für politische Philosophie und angewandte Ethik an der Université Gustave Eiffel in Paris. Sie wurde mit mehreren französischen und deutschen Wissenschaftspreisen ausgezeichnet und ist Ritterin der französischen Ehrenlegion. „Ich freue mich, dass der Dr. Leopold Lucas-Preis an eine so inspirierende Denkerin wie Corine Pelluchon geht. Mit ihrem Werk fordert sie uns heraus, den Menschen nicht isoliert, sondern als Teil eines lebendigen Ganzen zu begreifen. Sie verbindet dabei die Anerkennung gegenwärtiger Krisen mit einer hoffnungsvollen Perspektive“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Uni-versität Tübingen. „Es ist die große Aufgabe unserer Zeit, die Menschen mit ihrer Umwelt zu versöhnen. Gesellschaft kann mehr umfassen als Menschen – das ist eine Idee, die sowohl Demut als auch Tatendrang in uns wecken sollte. Damit ist die Arbeit von Corine Pelluchon ganz im Sinne des Dr. Leopold Lucas-Preises.“</p><p>Corine Pelluchons Ansatz einer neuen Aufklärung begreift den Menschen nicht nur als vernunftgeleitet, sondern auch als verletzliches, leibliches und beziehungsfähiges Wesen. Daraus ergibt sich ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der menschlichen und nichtmenschlichen Mitwelt. Besonders betont Pelluchon die Rechte empfindsamer Tiere und den Schutz der Biosphäre, den sie eng mit sozialer Gerechtigkeit verknüpft. Sie plädiert für realistische, demokratisch tragfähige Lösungen und entwickelt so eine ethisch fundierte Vision gesellschaftlichen Wandels hin zu einem „Zeitalter des Lebendigen“.&nbsp;</p><h3>Preis als Zeichen der Versöhnung</h3><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas gestiftet und hat sich zu einem der bedeutendsten Friedenspreise im Bereich der Wissenschaft entwickelt. Er ehrt das Andenken des um die Förderung der Wissenschaft verdienten Dr. Leopold Lucas, der an der Universität Tübingen promoviert wurde, und als Rabbiner in Glogau sowie an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin wirkte, bevor er 1943 im KZ Theresienstadt ums Leben gekommen ist. Finanziert wird der Preis von der Dr. Leopold Lucas-Stiftung. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und damit der am höchsten dotierte Preis, den die Universität Tübingen zu vergeben hat. Bei der diesjährigen Zeremonie handelt es sich um die 50. feierliche Preisverleihung, nachdem die Veranstaltung während der Pandemie zweimal ausfallen musste und die Preise aus den Jahren 2020 und 2021 erst in der Preisverleihung 2022 übergeben werden konnten.</p><p>„Der Dr. Leopold Lucas-Preis ist ein Zeichen der Versöhnung und Vergebung. Damit zeugt er von der Größe seines Stifters. Nach den Schrecken des Holocaust und den Verbrechen des Nationalsozialismus war es ein enormer symbolischer und menschlich beeindruckender Schritt von Generalkonsul Franz D. Lucas, dem Sohn eines im KZ verstorbenen Juden, eine deutsche Universität mit der Vergabe eines Preises zu betrauen“, sagt Rektorin Pollmann. „Die Universität Tübingen ist sich des Privilegs und der Verantwortung, welche mit dieser Aufgabe einhergehen, bewusst.“</p><p>Der Sohn des Stifters und Generalkonsuls, Dr. Frank Lucas, nahm an der Preisverleihung teil. Dr. Frank Lucas, promovierter Geowissenschaftler, lebt und arbeitet in London. Im Jahr 2010 wurde ihm der Titel eines Ehrensenators der Universität Tübingen verliehen, mit der ausdrücklichen Würdigung seines Wirkens für „die Versöhnung der Religionen auf dem Fundament der Verbundenheit von Judentum und Christentum“. Damit setze er das Lebenswerk seines Vaters mit großem Engagement fort.</p><h3>Auszeichnung für junge Forschende</h3><p>Den Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhielt in diesem Jahr Dr. Bahadir Eker für seine Dissertation in der Philosophie „Matters of Perspective. A Theory of Deep Temporality“. Mit dieser Arbeit legt Bahadir Eker einen originellen und anspruchsvollen Beitrag zur komplexen philosophischen Debatte über die Metaphysik der Zeit vor. Dabei geht es um die Bestimmung dessen, was Zeit ist und die grundlegende Frage: Gibt es eine objektive Gegenwart und damit eine objektive Vergangenheit und Zukunft oder hängt das Jetzt stets vom subjektiven Bezugspunkt ab? Bahadir Eker begründet fundiert mit neuen Argumenten und auf methodisch anregende Weise, dass der Zeitverlauf eine objektive Tatsache ist, die unsere Wirklichkeit unabhängig von unserer Wahrnehmung strukturiert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119112</guid><pubDate>Wed, 14 May 2025 10:43:40 +0200</pubDate><title>Glyphosat kann aus Waschmittelzusätzen entstehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/glyphosat-kann-aus-waschmittelzusaetzen-entstehen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen erbringt Nachweis einer bislang unbekannten Quelle für den Eintrag des umstrittenen Herbizids in Gewässer</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bestimmte Waschmittelzusätze, die sogenannten Aminopolyphosphonate, die über das Abwasser in Kläranlagen gelangen, können dort zu Glyphosat und verwandten problematischen Stoffen umgesetzt werden. Diesen grundsätzlichen Nachweis hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Stefan Haderlein vom Geo- und Umweltforschungszentrum der Universität Tübingen erbracht. Dazu führte das Team umfangreiche Versuche im Labor durch, bei denen auch die Bedingungen im Abwasser berücksichtigt wurden. Der Befund erhärtet den Verdacht, dass die Waschmittelzusätze eine bedeutende Quelle für die beständig hohen Glyphosatmengen in europäischen Gewässern bilden könnten. Bisher ging man davon aus, dass Glyphosat fast ausschließlich über die Verwendung als Herbizid in die Umwelt gelangt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i>Nature Communications</i> veröffentlicht.</p><p>Glyphosat gilt als weltweit meistverwendeter Wirkstoff in Herbiziden. In Pflanzen und vielen Mikroorganismen hemmt es die Bildung lebenswichtiger Proteinbausteine, sodass das Wachstum unterbunden wird. Durch Auswaschung aus Böden kann Glyphosat in Gewässer und die Umwelt gelangen. Wie stark Lebewesen aller Art dadurch geschädigt werden, ist nicht abschließend geklärt; Ökologen warnen vor unüberschaubaren Folgen. Auf den menschlichen Körper wirkt Glyphosat nur schwach giftig, allerdings wird eine krebserregende Wirkung diskutiert.</p><p>In der EU stand vor allem die Landwirtschaft wegen des Einsatzes von Glyphosat in der Kritik. „Uns war aufgefallen, dass auch in Gebieten und zu Zeiten, in denen kaum Glyphosateintrag aus der Landwirtschaft zu erwarten ist, die Mengen in Gewässern nicht entsprechend abnahmen“, berichten Stefan Haderlein und seine Kollegin Carolin Huhn vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Tübingen. Sie vermuteten einen Zusammenhang mit abwasserbürtigen Vorläufersubstanzen wie Aminopolyphosphonaten.</p><p>Aminopolyphosphonate werden in Waschmitteln als Komplexbildner eingesetzt zur Enthärtung des Wassers und Verstärkung der Reinigungswirkung. Ob sie aus gewässerökologischer Sicht eine Verbesserung gegenüber den ebenfalls schlecht abbaubaren Vorgängersubstanzen sind, hält Haderlein für fraglich. „Letztendlich wird auch aus den Aminopolyphosphonaten Phosphat freigesetzt, welches eine Sauerstoffverarmung in Gewässern durch vermehrtes Algenwachstum fördert“, sagt er. Als Umweltmineraloge interessiert sich Haderlein für chemische Reaktionen, die an Mineraloberflächen ablaufen. „Daher wussten wir aus einem früheren Projekt, dass Polyphosphonate an Manganmineralen adsorbieren und reagieren können.“</p><h3>Mangan als Treiber der Reaktion</h3><p>In den Laborversuchen der aktuellen Studie habe sich gezeigt, dass Manganverbindungen, die sehr häufig in Bodensedimenten, aber auch im Abwasser und im Klärschlamm vorkommen, der Schlüssel für eine mehrstufige Umwandlung von Aminopolyphosphonaten sind, bei der Glyphosat als Nebenprodukt entsteht. „Wir haben im Labor Bedingungen wie etwa Sauerstoffgehalt und pH-Werte variiert und Abwasser verwendet, in dem zahlreiche verschiedene Substanzen die Reaktionen mit Mangan beeinflussen könnten. Doch entstand aus DTPMP, dem wichtigsten Vertreter der Aminopolyphosphonate, bereits mit winzigen Mengen gelösten Mangans immer Glyphosat, sofern zugleich Sauerstoff vorhanden war. Und mit mineralischem Mangan sogar in Abwesenheit von Sauerstoff“, berichtet der Forscher. Haderlein hinterfragt auch bisherige Laborergebnisse zum mikrobiellen Abbau der Aminopolyphosphonate. „In den Nährmedien für die Mikroorganismen ist meist Mangan enthalten“, stellt er fest. So könne ein vermeintlich beobachteter Bioabbau von Aminopolyphosphonaten ein rein chemischer Prozess sein.</p><p>„Wir haben nun den Nachweis erbracht, dass aus bestimmten Aminopolyphosphonaten, die in Waschmitteln eingesetzt werden, in Anwesenheit von Mangan Glyphosat entsteht. Das ist ein wichtiger Schritt. Im nächsten Schritt muss nun geprüft werden, welche Rolle diese Glyphosatquelle mengenmäßig spielt“, fasst Haderlein den Stand der Untersuchungen zusammen. Dazu müssen wir noch besser verstehen, wie Umweltbedingungen in Gewässern und Abwassersystemen die Menge an Glyphosat beeinflussen, das bei der Reaktion von DTPMP mit Mangan entsteht. &nbsp;</p><p>„Professor Haderlein und Professorin Huhn und deren Mitarbeitende decken mit ihrer Forschungsarbeit hochspannende Zusammenhänge auf, die viel Aufmerksamkeit in der interessierten Öffentlichkeit hervorrufen. Die Ergebnisse können dabei helfen, unsere Umwelt besser zu schützen“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Anna M. Röhnelt, Philipp R. Martin, Mathis Athmer, Sarah Bieger, Daniel Buchner, Uwe Karst, Carolin Huhn, Torsten C. Schmidt &amp; Stefan B. Haderlein: <span lang="en" dir="ltr">Glyphosate is a transformation product of a widely used aminopolyphosphonate complexing agent. </span><i><span lang="en" dir="ltr">Nature Communications</span></i><span lang="en" dir="ltr">,</span><a href="https://doi.org/10.1038/s41467-025-57473-7" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-025-57473-7</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-119073</guid><pubDate>Tue, 13 May 2025 11:33:29 +0200</pubDate><title>Drei Momentum-Förderungen der Volkswagen-Stiftung gehen an die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-momentum-foerderungen-der-volkswagen-stiftung-gehen-an-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Die Erstberufenen Rosa Lozano-Durán, Marcus Scheele und Nadine Ziemert erhalten jeweils mehr als 900.000 Euro zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung ihrer Professuren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Einwerbung einer Momentum-Förderung der Volkswagen-Stiftung für erstberufene Professorinnen und Professoren verzeichnet die Universität Tübingen in diesem Jahr einen dreifachen Erfolg: Gefördert werden Professorin Rosa Lozano-Durán vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen, Professor Marcus Scheele vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie und Professorin Nadine Ziemert vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin.</p><p>Mit der „Momentum-Förderung für Erstberufene“ unterstützt die Volkswagen-Stiftung Professorinnen und Professoren in den ersten Jahren nach ihrer Berufung. Sie sollen Spielraum erhalten, um ihre Forschungsarbeit langfristig weiterzuentwickeln oder sich mit neuen Themen zu beschäftigen. Die hochdotierte Förderung wird für einen Zeitraum von vier Jahren bewilligt, eine Weiterbewilligung von zwei Jahren ist möglich. Deutschlandweit hat die Volkswagen-Stiftung in diesem Jahr nur elf Anträge bewilligt.</p><p>„Es ist ein schöner Erfolg, dass gleich drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihrer ersten Professur an der Universität Tübingen die renommierte wie auch hochdotierte Momentum-Förderung der Volkswagen-Stiftung einwerben konnten“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen. „Dass in dem fachoffenen Verfahren Anträge aus ganz verschiedenen Bereichen bewilligt wurden, zeigt einmal mehr, dass die Universität über ein großes Themenspektrum hinweg stark aufgestellt ist.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-118719</guid><pubDate>Mon, 05 May 2025 09:47:43 +0200</pubDate><title>Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-informierte-gesellschaft-und-ihre-feinde/</link><description>Der Astrophysiker und prominente Wissenschaftserklärer Harald Lesch übernimmt die 20. Tübinger Mediendozentur</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Mittwoch, den 25. Juni 2025 um 18:30 Uhr</strong> spricht der Astrophysiker und Bestsellerautor Harald Lesch, einer der bekanntesten Wissenschaftler des Landes, im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz). In seinem Vortrag wird es um die Frage gehen, wie das Zusammenspiel von Populismus, sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz die Idee von Wahrheit, den Charakter von Debatten und die politischen Verhältnisse verändert – auf dem Weg zu einer polarisierten, von Hypes und Hysterien regierten Gesellschaft, der die nötige Kompromiss- und Konsensfindung im Angesicht ineinander verschlungener Großkrisen immer schwerer fällt. Seine Tübinger Rede, zu der das Institut für Medienwissenschaft und der SWR herzlich einladen, steht unter dem Titel: „Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde“.</p><p>Desinformation, so Harald Leschs Befund, wird bedingt durch die laufende KI-Revolution immer billiger. Sie lässt sich leichter herstellen, effektiver verbreiten, authentischer präsentieren. Fakt ist: Längst simulieren Computerprogramme in Gestalt von <span lang="en" dir="ltr">Social Bots</span> auf den großen Plattformen Meinungsmehrheiten. Autokraten entsenden Troll-Armeen, die Andersdenkende niederbrüllen, in die sozialen Netzwerke. Profi-Fälscher erstellen mit Hilfe moderner Medientechnologie ultrarealistisch erscheinende Audioaufnahmen und Videos, sogenannte <span lang="en" dir="ltr">Deep Fakes</span>. Die aktuelle Entwicklung, so die These der Tübinger Rede von Harald Lesch, läuft auf eine doppelte Diagnose zu. Es gibt einerseits zu viele falsche Gewissheiten; andererseits erhält der Totalzweifel immer neue Nahrung. Beide Trends bergen eine zentrale Gefahr. „Sie unterminieren“, so Lesch, „die Idee einer behutsamen, unvermeidlich irrtumsanfälligen, aber eben doch wahrheitsorientierten Erkenntnissuche, die wissenschaftliches Denken ausmacht. Wir brauchen in der aktuellen Krisensituation wenig so nötig wie eine neue Aufklärung.“</p><p>„Harald Lesch verbindet wissenschaftliche Seriosität mit gesellschaftlicher Verantwortung – genau die Haltung, die wir benötigen, um Desinformation zu begegnen und Wissenschaft wieder als gemeinsame Ressource für Orientierung zu stärken“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Wenn Wahrheit zur Verhandlungsmasse wird, braucht es umso mehr Orte der Reflexion, wie die Tübinger Mediendozentur, um Wissenschaft und Öffentlichkeit zusammenzubringen.“</p><p>Die thematische Einführung zur 20. Tübinger Mediendozentur, die inzwischen zu den größten Veranstaltungen der Universität gehört (bis zu 50.000 Menschen sehen sich einzelne Vorträge auf YouTube an, mehr als 1.000 Menschen verfolgen die Veranstaltung im Festsaal vor Ort), übernimmt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Die anschließende Diskussion moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Marcel Wagner.</p><p><strong>Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt vor dem Festsaal ab 17:00 Uhr, der Einlass startet um 17:30 Uhr.</strong><br><strong>Bitte beachten Sie: Pro Person kann nur eine Eintrittskarte vergeben werden. Wir bitten darum, Rucksäcke und größere Taschen an der Garderobe im Foyer abzugeben.</strong></p><p><strong>Journalisten können sich unter dieser E-Mail-Adresse akkreditieren:</strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguugBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">presse<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> .</p><p><strong>Die Rede wird auch in Hörsäle im Kupferbau übertragen und kann im Livestream verfolgt werden:</strong><a href="https://www.youtube.com/live/F91As11qcFc" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/live/F91As11qcFc</a> .</p><p><strong>Zur Tübinger Mediendozentur:</strong> Die Tübinger Mediendozentur ist eine Kooperation der Universität Tübingen, des Instituts für Medienwissenschaft und des SWR Studios Tübingen. Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Georg Mascolo, Doris Dörrie, Sascha Lobo, Luisa Neubauer und Juli Zeh nach Tübingen.</p><p><strong>Zur Person:</strong> Harald Lesch ist Professor für Astrophysik, Beststellerautor und einer der profiliertesten Wissenschaftserklärer des Landes. Bekannt wurde er durch zahlreiche Fernsehauftritte und eigene Sendungen („Leschs Kosmos“ und „Terra X“); seine Analysen und Interventionen finden auch auf YouTube ein Millionenpublikum. Seine Arbeit als Physiker, aber auch als Kommunikator, der es versteht, abstrakte Sachverhalte anschaulich und dialogorientiert zu präsentieren, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (Communicator-Preis, Deutscher Fernsehpreis, Bayerischer Buchpreis u.a.).&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-118386</guid><pubDate>Fri, 25 Apr 2025 09:20:09 +0200</pubDate><title>Dinosaurierfressendes Riesenkrokodil Deinosuchus wegen Salzwassertoleranz erfolgreich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dinosaurierfressendes-riesenkrokodil-deinosuchus-wegen-salzwassertoleranz-erfolgreich/</link><description>Team unter Leitung der Universität Tübingen ordnet die Abstammung von Deinosuchus neu zu – Salzwassertoleranz ermöglichte Ausbreitung – Enorme Größe im passenden Lebensraum entwickelt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das ausgestorbene Riesenkrokodil <i>Deinosuchus </i>war eines der erfolgreichsten Raubtiere in den Feucht- und Küstengebieten Nordamerikas und stellte selbst für große Dinosaurier eine Gefahr dar. Der Schlüssel zum Erfolg des „schrecklichen Krokodils“, wie der wissenschaftliche Name des Raubtiers übersetzt heißt, war seine Salzwassertoleranz und seine enorme Größe, die durch die hohe Produktivität der Küstenökosysteme begünstigt wurde. Das hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Márton Rabi aus der Biogeologie der Universität Tübingen in einer detaillierten Abstammungsstudie herausgefunden. Mit dieser Erkenntnis lässt sich das Rätsel lösen, wie <i>Deinosuchus </i>in der Kreidezeit vor 82 bis 75 Millionen Jahren zu einem der erfolgreichsten und größten Raubtiere Nordamerikas werden konnte. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Communications Biology</span></i> veröffentlicht.</p><p>Die Arten der Gattung <i>Deinosuchus </i>gehörten zu den größten jemals lebenden Krokodilen. Sie waren weit verbreitet in den Feucht- und Küstengebieten des Westatlantiks und auf beiden Seiten des ausgedehnten Flachmeers, das in der mittleren und späten Kreidezeit den nordamerikanischen Kontinent von Norden nach Süden durchzog. Dieser frühere Meeresarm wird auch als <span lang="en" dir="ltr">Western Interior Seaway</span> bezeichnet. Die Existenz der <i>Deinosuchus</i>-Krokodile wurde mehr als zehn Millionen Jahre vor dem Erscheinen des bekannten Dinosauriers Tyrannosaurus rex – oder T-rex – nachgewiesen. „Dass die <i>Deinosuchus</i>-Krokodile Dinosaurier erbeuteten, hat man in der Vergangenheit unter anderem aus entsprechenden Bissspuren auf Knochen von frühen Verwandten des T-rex geschlossen“, berichtet Márton Rabi.</p><h3>Salzwassertoleranz als entscheidender Vorteil</h3><p>Bisher galten die <i>Deinosuchus</i>-Krokodile als mit den Süßwasser-Alligatoren und den Kaimanen verwandt. Wie sie sich trotz des Hindernisses, das der <span lang="en" dir="ltr">Western Interior Seaway </span>darstellte, in Nordamerika weit verbreiten konnten, war unklar. Da der kreidezeitliche Meeresarm bereits vor den ersten <i>Deinosuchus</i>-Fossilien existierte, sei es unwahrscheinlich, dass die Populationen später getrennt wurden, berichtet Rabi.</p><p>Um die Abstammung von <i>Deinosuchus </i>genauer zu bestimmen, erstellte das Forschungsteam einen umfassenden Familienstammbaum von Krokodilarten. Dafür erhoben die Forscherinnen und Forscher umfangreiche Daten von einer ganzen Reihe von bisher nicht detailliert untersuchten Schädeln und Skeletten ausgestorbener Arten und ließen auch genetische Informationen heute noch lebender Krokodilarten einfließen. „Unsere Analyse ergab sehr deutlich, dass die <i>Deinosuchus</i>-Arten nicht näher mit den Alligatoren und Kaimanen verwandt waren und auch nicht mit irgendeiner heute noch lebenden Krokodilart“, sagt Jules D. Walter, Doktorand und Erstautor der Studie. Die <i>Deinosuchus</i>-Krokodile entstammten einer Seitenlinie, die vom Hauptast des Familienbaums abzweigte, der zu den heute lebenden Arten wie den Echten Krokodilen, Alligatoren, Kaimanen und Gavialen weiterführte.</p><p>„Mit der neuen Zuordnung im Familienstammbaum nehmen wir nun an, dass in der Gattung die Salzwassertoleranz der Vorfahren erhalten blieb“, sagt Walter. „Zwar lebten <i>Deinosuchus</i>-Krokodile nicht dauerhaft im Meer, sie könnten aber den <span lang="en" dir="ltr">Western Interior Seaway</span> überquert und sich ausgebreitet haben.“ Zum Ende der Kreidezeit fiel der Meeresspiegel, der den nordamerikanischen Kontinent überspannende Meeresarm zog sich zurück. Aus dieser Zeit gebe es keine Fossilien von <i>Deinosuchus </i>mehr, möglicherweise seien die Arten damals mit dem Verlust der großen Feuchtgebiete ausgestorben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-118044</guid><pubDate>Mon, 14 Apr 2025 10:26:50 +0200</pubDate><title>Neuer Pathoblocker soll Salmonelleninfektion frühzeitig stoppen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-pathoblocker-soll-salmonelleninfektion-fruehzeitig-stoppen/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung entdeckt einen Stoff, der Signalketten der Krankheitserreger bei der Zellinvasion hemmt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Krankheitserregende Salmonellen injizieren Effektorproteine in Zellen des Magen- und Darmgewebes, um in diese einzudringen und sich dort zu vermehren. Dabei rufen die Bakterien, die meist über Lebensmittel aufgenommen werden, vor allem bei Kindern und alten Menschen gefährliche Magen-Darm-Entzündungen bis hin zu systemischen Infektionen hervor. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Samuel Wagner vom Exzellenzcluster der Universität Tübingen „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) eine Substanz entdeckt, die den Infektionsvorgang früh stoppen kann. Der künstlich erzeugte Stoff C26 hemmt die Injektion der Effektorproteine. Er könnte zu einem Medikament gegen Salmonelleninfektionen bei Mensch und Tier weiterentwickelt werden. Die Entdeckung wurde in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.</p><p>Gegen Antibiotika, die das Wachstum von Bakterien hemmen oder diese abtöten, haben die gefährlichen Salmonellen vielfach Resistenzmechanismen entwickelt. Daher werden alternative Behandlungsmöglichkeiten dringend benötigt. Pathoblocker stellen eine solche Alternative dar. Der entdeckte Stoff wirkt frühzeitig, bevor die Bakterien in das Gewebe eindringen, indem er gezielt die Infektionsmechanismen des Krankheitserregers stört. „Als Medikamente wirken sie sehr spezifisch und gezielt gegen Salmonellen. Nach heutigem Kenntnisstand dürfte die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer sein, dass die Salmonellen Resistenzen gegen diese Stoffe von anderen Bakterien erwerben“, sagt Samuel Wagner.</p><h3>Zentraler Regulator im Visier</h3><p>Beim Angriff auf ihr Zielgewebe im Magen-Darm-Trakt setzen Salmonellen Sekretionssysteme in Gang, die sich auf mehrere Transkriptionsregulatoren stützen „Einer dieser Regulatoren, HilD, spielt eine zentrale Rolle beim Eindringen von Salmonellen in die Wirtszelle. Wir haben eine geeignete Zielstruktur bei HilD für neue Wirkstoffkandidaten identifiziert“, sagt Dr. Abdelhakim Boudrioua vom Exzellenzcluster CMFI, der Erstautor der Studie. Um die Signale zur Proteinherstellung weiterzuleiten, müssen die Regulatoren hochspezifisch an weitere Regulatoren und DNA binden und weitere Reaktionen auslösen. Die Bindungsstelle bei HilD kann man sich auf molekularer Ebene vorstellen wie eine detailliert geformte dreidimensionale Tasche. Der entdeckte Stoff passt genau in diese Tasche und stört dadurch die Funktion des Regulators, erklärt der Forscher. Dadurch könne der Infektionsvorgang abgebrochen werden.</p><p>Das Forschungsteam durchsuchte große Substanzdatenbanken nach potenziellen Kandidaten. „Wir haben C26 als vielversprechendste Substanz identifiziert. Anschließend haben wir eine umfassende Analyse der Wirkungsweise und der genauen Bindungsstelle an der Struktur von HilD gemacht“, sagt Boudrioua. Es folgten zahlreiche Tests zur Effizienz von C26 bei der Unterdrückung der Infektion, zum Beispiel durch den Nachweis, dass der Hemmstoff die Pathogenität von Bakterien beeinträchtigt, die sich in Makrophagen – den Zellen des Immunsystems des Wirts – verstecken. „Nach unseren Ergebnissen konnte C26 den Infektionsprozess der Salmonellen frühzeitig am zentralen Regulator HilD stoppen. Es scheint spezifisch auf die Krankheitserreger zu wirken und das nützliche menschliche Mikrobiom nicht weiter zu beeinflussen“, fasst Wagner zusammen. „Wir haben nun einen geeigneten Ausgangsstoff zur Weiterentwicklung als Medikament.“</p><p>„Die Entdeckung unterstreicht eindrucksvoll, wie unsere exzellente Grundlagenforschung an der Universität Tübingen innovative Lösungen für drängende medizinische Probleme hervorbringt“, ergänzt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117930</guid><pubDate>Thu, 10 Apr 2025 11:40:24 +0200</pubDate><title>Studium Generale startet ins Sommersemester</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-startet-ins-sommersemester/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen der Universität Tübingen im Sommersemester mit vielfältigen Themen – Teilnahme kostenlos und ohne Anmeldung möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen startet am Mittwoch, 16. April 2025, ins Sommersemester und besteht aus sieben öffentlichen Vorlesungsreihen. Themen sind unter anderem die Entwicklungen und Innovationen in der Sportwissenschaft, die Religion im Leben und Werk von Thomas Mann und die Verortung der Judaistik in ihrem Bezug zur christlichen Theologie. Zudem geht es um die Rolle der Frauen in der fast 550-jährigen Geschichte der Universität Tübingen, die Entstehung neuer Normalitäten, die Suche nach den Wurzeln der Wissenschaft und das Projizieren menschlicher Kategorien auf die Natur.</p><p>Die Teilnahme an den Vorlesungen ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Die Veranstaltungen finden im Kupferbau statt. Detaillierte und aktuelle Informationen finden sich unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studium-generale" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a></p><p>„Die Mitglieder der Universität Tübingen haben ein facettenreiches Programm ermöglicht, das zeigt: Wissenschaft ist spannend, transparent und gesellschaftsnah“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann. „Wir öffnen nicht nur für diese Vorlesungsreihen gerne unsere Hörsäle, sondern sind ganz grundsätzlich eine Universität der offenen Türen.“</p><h3>Die Vorlesungsreihen im Kurzprofil</h3><p><strong>Thomas Mann – Religion in Leben und Werk. Zum 150. Geburtstag (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</strong><br>Der Jahrhundertschriftsteller thematisierte immer wieder Grundfragen der menschlichen Existenz und suchte dabei einen eigenen Zugang zu Fragen der Religion. Für Mann resultierte dies im Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie und der unzerstörbaren „Idee des Christentums“. Die Vorlesungsreihe zeichnet die Suchbewegungen des Schriftstellers nach.</p><p><strong>Leistung, Bildung und Gesundheit: Interdisziplinäre Perspektiven von Sportwissenschaft und Sportmedizin (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)&nbsp;</strong><br>Die Reihe greift die Entwicklung und Innovationen in der Sportwissenschaft und Sportmedizin der vergangenen Jahre auf und wird sich dabei im Kern auf Schwerpunkte konzentrieren, die am Standort Tübingen bearbeitet werden. Hier gilt das Forschungsinteresse Menschen aller Altersgruppen, vom Profi- bis zum Freizeitsport.</p><p><strong>Wo beginnt Wissenschaft? – Perspektiven der Tübinger Altertumswissenschaften (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</strong><br>Wissenschaft fragt, wie die Dinge wirklich sind. Ihre Antworten werden gehört und geleugnet, verteidigt und bekämpft. Doch wie entstand Wissenschaft und wo hat sie ihre Anfänge? Dieser Frage gehen die Tübinger Altertumswissenschaften in unterschiedlichen historischen Epochen und geografischen Räumen nach. In der Ringvorlesung werden Wissenschaftskonzepte vorgestellt und in ein Verhältnis zu unseren heutigen Vorstellungen gesetzt – vom Alten Orient über Griechenland, Rom, Byzanz bis in die islamische Welt.</p><p><strong>Umbrüche, Aufbrüche: Wie entstehen neue Normalitäten? (Dienstag, 20:15 Uhr, Hörsaal 25)&nbsp;</strong><br>Ereignisse und Entwicklungen wie Klimawandel, demografischer Wandel und Digitalisierung, aber auch Erfahrungen von Pandemie und Krieg in Europa, stellen vieles infrage, was bisher als normal galt. Was wiederum künftig als normal gelten soll, ist ebenso umstritten wie die Frage, von wem neue Normalitäten bestimmt werden oder bestimmt werden dürfen und ob wir jetzt schon abschätzen können, was künftig normal sein wird. Die Reihe wirft einen interdisziplinären Blick auf diese und weitere Fragen.</p><p><strong>Frauen an der Universität Tübingen (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong><br>Erst 1904 konnten sich Frauen regulär an der Universität Tübingen einschreiben, 427 Jahre nach deren Gründung. Anlässlich des bevorstehenden 550. Universitätsjubiläums fragt die Reihe: Welche Rolle spielten Frauen an der Universität Tübingen durch die vergangenen Jahrhunderte, welche heute und wie wird sie künftig sein? Mit einem Fokus auf Strukturen und weniger auf Einzelpersonen wird der vielschichtigen Rolle und Bedeutung von Frauen und Geschlechterbeziehungen an der Tübinger Universität von der Vergangenheit bis in die Gegenwart auf den Grund gegangen.<br>Die Vorlesungsreihe wird auch live via Zoom übertragen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Studium Generale oder des Instituts für Geschichtliche Landeskunde.</p><p><strong>Judaistik im Kontext von Theologie, Kirche und Gesellschaft (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)&nbsp;</strong><br>Die Reihe versucht eine Verortung der Judaistik in ihrem Bezug zur christlichen Theologie mit ihren unterschiedlichen Disziplinen, zu den christlichen Kirchen im Kontext der religionsbezogenen Wissenschaften überhaupt und innerhalb moderner pluralistischer Gesellschaften. Geleitet wird die Reihe auch von der Frage: Wie kann vermieden werden, dass das Judentum, die jüdische Geschichte und das jüdische Denken erneut in fragwürdiger Weise zum Gegenstand einer Reflexion über „Andere“ werden?</p><p><strong>Queer Creatures: Gender, Diversität und das Nichtmenschliche (Donnerstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong><br>Der Begriff ‚queer‘ wird oft ausschließlich mit menschlichem Geschlecht und Begehren, mit menschlicher Sprache und Kultur in Verbindung gebracht. Die Reihe stellt in Beiträgen aus den Natur-, Technik-, Geistes-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften die Frage, wie wir mit dem Nichtmenschlichen – den Pflanzen, Mikroben und künstlichen Intelligenzen – vorhandene Kategorien und Strukturen menschlicher Gesellschaften anders denken können und aus der Komplexität und Vielfalt der Welt jenseits des Menschlichen lernen können.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117885</guid><pubDate>Wed, 09 Apr 2025 10:11:45 +0200</pubDate><title>Neugierde fördern: Kinder-Uni startet am 29. April</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neugierde-foerdern-kinder-uni-startet-am-29-april/</link><description>Vorlesungen für neugierige Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher zwischen sieben und zwölf Jahren – Kinder-Uni-Forschungstag am Samstag, 5. Juli, mit vielfältigen Veranstaltungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Kinder-Uni startet wieder: Mit der beliebten Vorlesungsreihe heißt die Universität Tübingen Kin-der im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren willkommen. Jeweils dienstags um 17:00 Uhr können neugierige Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher Spannendes und Überraschendes lernen.</p><p>Die Vorlesungen finden im Hörsaal 25 (Kupferbau, Hölderlinstraße 5) statt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Eltern sind willkommen, werden jedoch gebeten, die vorderen Reihen den Kindern zu überlassen und in den hinteren Reihen Platz zu nehmen. Weitere Informationen finden sich unter: <a href="/universitaet/im-dialog/kinder-uni/">www.uni-tuebingen.de/kinder-uni</a>.</p><p>„Kinder und Forschende haben vieles gemeinsam: Sie stellen Fragen, sind neugierig und geben sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden. Mit unserer Vorlesungsreihe wecken wir die Freude am Entdecken und zeigen, dass Forschung spannend und greifbar ist“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Die Kinder-Uni macht Wissenschaft erlebbar für die nächste Generation von Forschenden.“</p><h3><strong>Termine der Kinder-Uni</strong></h3><p><strong>29.04.2025: Dr. Chris Baumann: Warum kommen die wilden Tiere in die Stadt?</strong><br>Warum streifen Füchse nachts durch unsere Städte und wie haben Tauben und Rabenvögel hier ihren Platz gefunden? Kommt mit auf eine Zeitreise und entdeckt, welche Tiere heute von der Nähe des Menschen profitieren – und folgt ihren Spuren bis in die Steinzeit, als Raben und Füchse die ersten Siedlungen unserer Vorfahren erkundeten.</p><p><strong>06.05.2025: Professor Dr. Georg Schild: Warum sind die Vereinigten Staaten von Amerika so groß?</strong><br>Auf der Erde gibt es viele verschiedene Länder, aber warum sind manche so groß und andere so klein? Der Vortrag beantwortet die Frage, wie und warum sich die Vereinigten Staaten von Amerika im 19. Jahrhundert über Nordamerika ausgedehnt haben. Und wie ernst meint der amerikanische Präsident seine Ankündigungen, wonach das Land noch größer werden sollte?</p><p><strong>13.05.2025: Professorin Dr. Kira Rehfeld: Warum scheint nicht immer die Sonne?</strong><br>Habt Ihr Euch schonmal geärgert, weil es regnet oder schneit und Ihr lieber in der Sonne sitzen würdet? Was hat das Klima mit Wolken, Wind und Wetter zu tun und wird in Tübingen häufiger die Sonne scheinen, wenn sich das Klima wandelt? Antworten bekommt Ihr in dieser Vorlesung.</p><p><strong>20.05.2025: Dr. Karin Bürkert und Dr. Valeska Flor: Warum verkleiden sich die Menschen?</strong><br>Ob zur Fasnet, an Halloween oder im Theater – überall begegnen uns Verkleidungen. Doch warum schlüpfen Menschen in andere Rollen? Was macht es so spannend, sich als Superheldin, Tier oder Märchenfigur zu verkleiden? In dieser Vorlesung gehen wir gemeinsam auf Entdeckungsreise: Wir erfahren, warum Menschen sich seit Jahrhunderten verkleiden, welche besonderen Feste und Bräuche damit verbunden sind und warum Verkleidungen manchmal sogar Schutz bieten. Mit spannenden Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart erforschen wir, warum Verkleiden weit mehr ist als nur ein lustiges Spiel – und was es mit uns macht.</p><p><strong>27.05.2025: Professorin Dr. Annette Gerok-Reiter und Sabrina Kremling: Warum malen wir Bilder?</strong><br>Bilder sind überall, wir sind ständig von ihnen umgeben: Unsere ersten Bücher sind Bilderbücher und jeder kann ein Bild malen. Aber wann wird aus einem Bild Kunst? Und wozu ist Kunst eigentlich zu gebrauchen?</p><p><strong>05.07.2025: Kinder-Uni-Forschungstag</strong><br>Neben der Kinder-Uni-Vorlesungsreihe gibt es in diesem Sommer auch wieder einen Kinder-Uni-Forschungstag in Tübingen. Am Samstag, 5. Juli 2025, ist mitmachen angesagt: Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren können in kleineren Veranstaltungen und Workshops die Institute der Universität kennenlernen und selbst mitforschen. Unter anderem werden im Kino Blaue Brücke Carsten Schuffert und Professorin Dr. Susanne Marschall einen Vortrag mit dem Thema „Warum brüllen Dinos im Kino so schön?“ halten. Das Programm wird im Mai unter <a href="/universitaet/im-dialog/kinder-uni/forschungstag/">https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/kinder-uni/forschungstag/</a> mit weiteren Informationen zur Anmeldung veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117372</guid><pubDate>Thu, 27 Mar 2025 15:43:34 +0100</pubDate><title>Dr. Andreas Rothfuß in den Senat der Leibniz-Gemeinschaft gewählt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dr-andreas-rothfuss-in-den-senat-der-leibniz-gemeinschaft-gewaehlt/</link><description>Kanzler der Universität Tübingen bekleidet Amt als einer von vier Wahlsenatoren von Hochschulleitungen – Gemeinschaft verbindet 96 Forschungseinrichtungen verschiedener Wissenschaften</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat Dr. Andreas Rothfuß, Kanzler der Universität Tübingen, einstimmig in den Senat gewählt. Er wird als einer von vier Mitgliedern die Hochschulleitungen vertreten. Über die Wahl am 18. März informierte Professorin Martina Brockmeier, Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, den neuen Wahlsenator in einem Gratulationsschreiben. Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, gratulierte ebenfalls: „Ich freue mich für Kanzler Andreas Rothfuß und bin überzeugt, dass die Leibniz-Gemeinschaft von seiner langjährigen Erfahrung und seinem Wissen profitieren wird.“ Die Amtszeit in dem Organ der deutschen Forschungsorganisation beginnt am 1. April und beträgt vier Jahre.</p><p>Im Senat sind die wichtigsten Wissenschaftsorganisationen, Persönlichkeiten aus der Wissenschaftspolitik und des öffentlichen Lebens, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland vertreten. Die Senatorinnen und Senatoren treten jährlich in drei Sitzungen zusammen; sie fördern und beraten die Leibniz-Gemeinschaft unter anderem in wissenschaftspolitischen Anliegen, äußern Empfehlungen zu strategischen Entwicklungen und treffen Förderentscheidungen. &nbsp;</p><h3>96 Forschungseinrichtungen</h3><p>Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 Forschungseinrichtungen; deren Ausrichtungen reichen von Natur- und Umweltwissenschaften über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis zu Geisteswissenschaften. Die Leibniz-Institute pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen, widmen sich gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Fragen und beschäftigen etwa 21.400 Menschen, darunter 12.170 Forschende.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117354</guid><pubDate>Thu, 27 Mar 2025 14:00:07 +0100</pubDate><title>In Troja tranken auch einfache Leute Wein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-troja-tranken-auch-einfache-leute-wein/</link><description>Chemische Analyse beweist erstmals Wein aus Depas-Bechern – nicht nur Oberschicht hatte Zugang zu Genussmittel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Einem Forscherteam ist erstmals der chemische Nachweis gelungen, dass in Troja tatsächlich Wein getrunken wurde. Das hatte bereits der Entdecker der legendären Siedlungs- und Festungsanlage, Heinrich Schliemann, im 19. Jahrhundert vermutet. Außerdem fanden die Forschenden der Universität Tübingen, Bonn und Jena heraus, dass auch einfache Leute in Troja Wein tranken – nicht nur Angehörige der Elite. Das Fachmagazin <i>American Journal of Archaeology</i> hat die Erkenntnisse nun in seiner Aprilausgabe veröffentlicht.</p><p>„Jener sprach´s, und erhob sich, und nahm den doppelten Becher“ steht gleich im ersten Kapitel der Ilias geschrieben. Die Rede ist von Hephaistos, dem Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Vulkane, der zu seiner Mutter Hera spricht. „Lächelnd darauf entnahm sie der Hand des Sohnes den Becher. Jener schenkte nunmehr auch der übrigen Götterversammlung Rechts herum, dem Kruge den süßen Nektar entschöpfend.“</p><p>Das erwähnte Trinkgefäß, der Depas-Becher (<i>depas amphikypellon</i>), ist Archäologinnen und Archäologen gut bekannt: Ein zwölf bis vierzig Zentimeter hohes, schlankes Trinkgefäß aus Ton mit zwei Henkeln und spitz zulaufendendem Ende. Über hundert solcher Becher wurden bis heute allein in Troja für den Zeitraum von 2500 bis 2000 v.Chr. gefunden. Sie sind von der Ägäis über Kleinasien bis nach Mesopotamien verbreitet und können 0,25 bis 1 Liter fassen. „Bereits Heinrich Schliemann vermutete, dass der Depas-Becher bei festlichen Anlässen in geselliger Runde herumgereicht wurde, so wie in der Ilias beschrieben“, sagte Dr. Stephan Blum vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen und Co-Autor der Studie.</p><p>Aus den Funden Schliemanns befinden sich ein Depas-Becher und zwei Fragmente in der Sammlung der Klassischen Archäologie der Universität Tübingen. Maxime Rageot von der Universität Bonn fräste eine Probe von zwei Gramm aus den zwei Fragmenten. Anschließend erhitzte er die Proben auf 380 Grad Celsius und untersuchte das entstehende Gemisch per Gaschromatographie (GC) und -Massenspektronomie (GC-MS). „Entscheidend war der Nachweis von Bernstein- und Pyruvatsäure: Sie entstehen erst, wenn Traubensaft fermentiert. Somit können wir nun sicher sagen, dass aus den Depas-Bechern tatsächlich Wein getrunken wurde und nicht nur Traubensaft“, sagte Maxime Rageot von der Universität Bonn.</p><p>Wein war das kostbarste Getränk in der Bronzezeit und ein Depas-Becher das edelste Gefäß. Depas-Becher wurden in Tempel- und Palastanlagen gefunden. Deshalb schlossen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Weinkonsum zu besonderen Anlässen in elitären Kreisen. Doch tranken vielleicht auch Menschen aus der Unterschicht in Troja Wein als alltägliches Nahrungs- und Genussmittel? „Wir haben auch gewöhnliche Tassen, die in der Außensiedlung Trojas und damit außerhalb der Zitadelle gefunden wurden, chemisch untersucht. Auch diese Gefäße enthielten Wein!“, sagte Stephan Blum von der Universität Tübingen. „Damit ist klar, dass Wein ein Alltagsgetränk auch der einfachen Leute war.“</p><p>„Die Troja-Forschung hat an der Universität Tübingen eine lange Tradition, und ich freue mich, dass wir ein weiteres Puzzlestück dem Bild über Troja hinzufügen konnten“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen. Die Ausgrabungen in Troja (türkisch: Hisarlık) wurden von 1987 bis 2012 von der Universität Tübingen geleitet. Derzeit werden die Grabungsergebnisse ausgewertet und weiterführende Analysen am Fundmaterial durchgeführt.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>“<span lang="en" dir="ltr">The Question of Wine Consumption in Early Bronze Age Troy: Organic Residue Analysis and the </span><i><span lang="en" dir="ltr">Depas amphekypellon</span></i><span lang="en" dir="ltr">”</span>. Stephan W.E. Blum, Maxime Rageot, Tobias Mühlenbruch. <i>American Journal of Archaeology</i>, Vol 129, Number 2, April 2025. <a href="https://doi.org/10.1086/734061" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1086/734061</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117012</guid><pubDate>Fri, 14 Mar 2025 16:49:42 +0100</pubDate><title>Bundesforschungsminister Cem Özdemir besucht Tübingen AI Center und diskutiert mit Forschenden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundesforschungsminister-cem-oezdemir-besucht-tuebingen-ai-center-und-diskutiert-mit-forschenden/</link><description>Austausch zu künstlicher Intelligenz auf nationaler und europäischer Ebene – Minister Özdemir: „Die KI-Kompetenzzentren – wie das Tübingen AI Center – sind entscheidend für unsere technologische Souveränität bei KI“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bundesforschungsminister Cem Özdemir hat am heutigen Freitag das Tübingen AI Center besucht. Dort informierte er sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Forschung an künstlicher Intelligenz (KI) sowie deren Nutzung in der Gesellschaft. Begleitet wurde er bei seinem Besuch von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. Das Tübingen AI Center ist eine vom Bund und Land dauerhaft geförderte gemeinsame Forschungseinrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme.</p><p>„In Zeiten, in denen langjährige Partnerschaften ins Wanken geraten, wird technologische Souveränität immer wichtiger und das ganz besonders bei so einer zentralen Schlüsseltechnologie wie KI. Deshalb brauchen wir eine KI ‚<span lang="en" dir="ltr">Made in Europe</span>‘. Die von Bund und Land geförderten KI-Kompetenzzentren spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn die KI-Entwicklung wird weiterhin maßgeblich von der Forschung getrieben.“, sagte Özdemir. „Das Tübingen AI Center zeigt eindrucksvoll, wie Spitzenforschung und Innovation unter einem Dach vorangetrieben werden können. Gemeinsam mit den Partnern im <span lang="en" dir="ltr">Cyber Valley</span> hat sich hier ein herausragendes KI-Ökosystem entwickelt. In solche regionalen Ökosysteme in Schlüsseltechnologien müssen wir weiter investieren.“</p><p>Wissenschaftsministerin Petra Olschowski ergänzte: „Die dauerhafte Förderung des Tübingen AI Center durch Bund und Land ermöglicht es, eine langfristige Forschungsstrategie zu verfolgen, exzellente KI-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler auszubilden und so erfolgreiche KI-Technologien ‚made in The Länd‘ in Unternehmen und Gesellschaft zu bringen.“</p><p>Die Verantwortlichen des Tübingen AI Center boten dem Besuch von Bund und Land Einblicke in ihre Arbeit. Anhand einer KI-Lösung für personalisierte Bildung präsentierten sie, wie öffentliche Forschung und private Digitalwirtschaft gemeinsam innovationsstarke Open-Source-Lösungen zum Wohle der Gesellschaft entwickeln können. Das Beispiel zeigt, wie durch die Kombination aus Forschung, Produktentwicklungsexpertise und Open Source künftige öffentliche Infrastruktur-Innovationen kosteneffizient, zugänglich und effektiv umgesetzt werden können. Das Tübingen AI Center ist auch Teil des OpenEuroLLM- Konsortiums, welches gerade begonnen hat, ein mit <span lang="en" dir="ltr">Deepseek</span> mindestens vergleichbares Open-Source-Sprachmodell zu entwickeln, das alle europäischen Sprachen beherrscht. Auch im Bereich Start-ups erweist sich das Tübingen AI Center als Innovationsbeschleuniger. Seit Februar wird das Ernteroboter-Projekt Polybot von der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND unterstützt.&nbsp;</p><p>In Anlehnung an den <span lang="en" dir="ltr">AI Action Summit</span>, der vor kurzem in Paris stattgefunden hat, bestand das zentrale Anliegen der Forschenden darin, Eckpunkte einer nationalen KI-Strategie zu erörtern, die dringend benötigt wird, um Europas Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Einigkeit herrschte beim gemeinsamen Ziel, Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz in möglichst vielen Lebensbereichen zum Nutzen der Gesellschaft in Deutschland und Europa voranzubringen.&nbsp;</p><p>Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, wurde bei dem Termin durch Prorektor Professor Samuel Wagner vertreten. Sie sagte anlässlich des hochrangigen Besuchs aus Berlin und Stuttgart: „Die Universität Tübingen, zusammen mit dem Tübingen AI Center, dem ELLIS-Institut Tübingen, dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und weiteren Partnern und Stiftern, steht für Spitzenforschung im Bereich KI. Möglich machen das die vielen hochkarätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier im Cyber Valley, die auch dank der Förderung durch Bund und Land interdisziplinär an Lösungen für wichtige Probleme arbeiten. Es ist entscheidend, dass wir gemeinsam mit der Politik effektive Maßnahmen identifizieren, um den gesellschaftlichen Herausforderungen noch besser gerecht werden zu können.“<br><br><strong>Gezielte Investitionen für internationale Konkurrenzfähigkeit</strong><br><br>An der Diskussion zu den Eckpunkten einer nationalen KI-Strategie nahmen neben dem Vorstand des Tübingen AI Centers auch Vertreter von ELLIS, Cyber Valley und der SPRIND sowie Gründer und Berater der KI-Startups Black Forest Labs, Maddox, Meshcapade, Polybot und Prior Labs und der Bildungsinitiativen „KI-macht-Schule“, dem Bundeswettbewerb KI und des Hector Future Fund teil. Ziel der Diskussion war zu erörtern, welche konkreten Maßnahmen besonders wichtig seien, damit Deutschland im globalen Konkurrenzkampf um die KI-Vorherrschaft mithalten kann. „Dreistellige Milliardeninvestitionen wie bei Stargate scheinen nicht in Reichweite, aber eine Milliarde Euro pro Jahr könnte vieles ermöglichen“, sagte Matthias Bethge, Direktor des Tübingen AI Centers. Unter anderem empfahlen die Forschenden, spezifisch zusammengestellte Spitzenteams zum Beispiel mit Hilfe der SPRIND agil zu fördern, um große KI-Modelle für öffentliche Anwendungen zu entwickeln. Zudem müssten Rechenkapazitäten sowohl von Hochleistungsrechenzentren als auch von privaten Anbietern für KI flexibel und zentral bereitgestellt werden. Bethge betonte, dass es nicht nur auf den Umfang der finanziellen Förderung ankommt, sondern auch auf schnelle Entscheidungen, und stellte fest: „Deutschland ist im globalen KI-Wettbewerb zehnmal zu langsam.“ Zur Abhilfe hofft er auf ein Agilitäts-Blitzprogramm für einen radikalen Bürokratie-Abbau.<br><br><strong>Die besten Köpfe für Europa gewinnen</strong><br><br>Auf der europäischen Ebene wurde vorgeschlagen, weitere ELLIS-Institute in Europa zu gründen, nach dem Vorbild Tübingens und Finnlands. Der Wissenschaftliche Direktor des ELLIS-Instituts Tübingen, Bernhard Schölkopf, erklärte: „Über Europa verteilt brauchen wir mindestens zehn bis fünfzehn KI-Forschungsinstitute von Weltformat, die wissenschaftlich in der Liga von ETH und Max Planck spielen und gleichzeitig Ausgründungen unterstützen.“ Die Vision von ELLIS sei von Anfang an gewesen, eine europäische Forschungsgesellschaft ähnlich dem CERN und dem European Molecular Biology Lab (EMBL) aufzubauen. Das ELLIS-PhD-Programm, welches mit 380 ELLIS-Fellows mehr herausragende KI-Professorinnen und -Professoren umfasst als die Stanford University, die University of California Berkeley und das MIT zusammen, zieht bereits Tausende von Top-Studierenden aus mehr als hundert Nationen weltweit an. Es könne sehr schnell zum weltweit attraktivsten Doktoranden-Programm werden, wenn es durch eine europäische KI-Forschungsgesellschaft gestärkt würde. Als besonders einfache und schnelle Maßnahme solle das Programm durch ein „Distinguished PhD Scholarship“ gestärkt werden, um die besten PhD-Studenten von den weltweit führenden Universitäten abzuwerben.</p><p>Insgesamt betonten die Forschenden, wie viel die europäische ELLIS-Initiative bereits mit sehr wenigen Mitteln erreicht hat und drängten auf eine ambitionierte nationale KI-Strategie, die auf Exzellenz setzt und die klügsten Köpfe anzieht.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Das <strong>Tübingen AI Center</strong> ist eine Forschungseinrichtung der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS). Ziel der Forschenden ist es, verlässliche lernende Systeme zum Nutzen von Gesellschaft und Wirtschaft voranzutreiben. Im Tübingen AI Center forschen 25 Forschungsgruppen mit mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Als Teil der kürzlich gegründeten ELIAS Alliance leisten sie gemeinsam mit anderen Forschenden in Europa einen Beitrag zu gesellschaftlich wertvollen Technologien als "AI made in Europe". Das Tübingen AI Center arbeitet eng mit dem ELLIS-Institut Tübingen und dem Cyber Valley zusammen. Es wird vom Forschungsministerium Baden-Württemberg und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.</p><p>Das <strong>ELLIS Institut Tübingen</strong> strebt an, die kreativsten Köpfe zu versammeln, um hervorragende Grundlagenforschung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz durchzuführen. So entwickelt sich das weltweit erste ELLIS Institut zu einem anerkannten Zentrum für Experten und Forschung, das hochmoderne Arbeitsplätze und sehr gute Bedingungen für die Durchführung von Forschungsarbeiten bieten kann. Das Institut entstand aus dem Europäischen Labor für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS), das ein europaweites Netzwerk für die Forschung im Bereich des maschinellen Lernens aufbaut.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-117006</guid><pubDate>Fri, 14 Mar 2025 13:39:09 +0100</pubDate><title>Werkzeug identifiziert spezifische Viren zur Bekämpfung gefährlicher Bakterien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/werkzeug-identifiziert-spezifische-viren-zur-bekaempfung-gefaehrlicher-bakterien/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen verkürzt die Suche nach Angreifern, die multiresistente Krankheitserreger vernichten können – Ziel sind Therapien gegen Infektionen ohne Antibiotika</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein neuentwickeltes Laborwerkzeug hilft, innerhalb weniger Stunden spezifische Viren zu identifizieren, die auf die Zerstörung von Varianten des gefährlichen bakteriellen Krankheitserregers Staphylococcus aureus angesetzt werden können. Bakterienviren, als Bakteriophagen oder Phagen bezeichnet, bieten einen alternativen Behandlungsansatz zu Antibiotika insbesondere bei multiresistenten Erregern. Zu den noch zu entwickelnden Phagentherapien, die in Deutschland bisher nicht standardmäßig zum Einsatz kommen, könnte das neue Tool künftig einen wichtigen Beitrag leisten. Es wurde von einem Forschungsteam unter der Leitung von Professor Andreas Peschel vom Exzellenzcluster der Universität Tübingen „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) erarbeitet und im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr">Cell Reports</span> veröffentlicht.</p><p>Multiresistente Keime stellen eine wachsende Bedrohung für die globale Gesundheit dar. Darunter ist Staphylococcus aureus, ein häufig in Krankenhäusern vorkommender Erreger, der schwere Entzündungen bis hin zur Sepsis verursachen kann. In seiner multiresistenten Form MRSA ist er nur sehr schwer zu behandeln. „Antibiotika sind eine unserer wichtigsten Waffen gegen Infektionen, aber wir sehen immer häufiger, dass sie entweder nicht mehr anschlagen oder zu viele Nebenwirkungen verursachen“, sagt der Studienleiter Andreas Peschel. „Phagen hingegen sind hochspezifisch und können gezielt einzelne Erreger eliminieren, ohne das restliche gesundheitsfördernde Mikrobiom der Patienten zu stören.“</p><p><strong>Den Feind des Feindes zum Freund</strong></p><p>Bei einer Phagentherapie macht man sich zunutze, dass die Bakteriophagen gezielt bestimmte Bakterienvarianten infizieren, sich in ihnen vermehren und diese schließlich zerstören. Hierdurch werden neue Bakteriophagen freigesetzt, die weitere Bakterien bekämpfen können. „Aufgrund ihrer Spezifität können sie sich aber nicht mehr vermehren, sobald alle krankheitserregenden Bakterien abgetötet sind“, erklärt Janes Krusche vom Exzellenzcluster CMFI, der Erstautor der Studie. Eine der Schwierigkeiten bei dieser Therapie liege in der Wahl des passenden Bakteriophagen. Krusche ist der maßgebliche Entwickler des neuen Tools zur Phagenidentifizierung (Phage Aureus RBP Identification System; PhARIS). PhARIS analysiere das Erbgut von Phagen und erkenne anhand spezifischer rezeptorbindender Proteine, ob ein Phage in der Lage ist, eine bestimmte Staphylococcus aureus-Variante zu infizieren, erläutert Krusche.</p><p>In dem Tool sehen Peschel und Krusche ein großes Potenzial für Phagentherapien in der Behandlung von Wundinfektionen und bei Infektionen, die mit Implantaten assoziiert sind. Das Forschungsteam plant, das System für weitere Erreger weiterzuentwickeln. Ziel ist es, PhARIS zu einem Standardwerkzeug für Labore zu machen, um Phagen schnell und effektiv als therapeutische Alternative zu Antibiotika bei vielen verschiedenen bakteriellen Infektionen einzusetzen.</p><p>„Schwer behandelbare Infektionen mit multiresistenten Keimen zählen weltweit zu den größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Die neuen Forschungsergebnisse des Tübinger Exzellenzclusters CMFI zeigen eindrucksvoll, wie essenziell die Grundlagenforschung in diesem Bereich ist. Mit PhARIS haben unsere Forschenden ein innovatives Tool entwickelt, das die Auswahl des jeweils geeigneten Phagen für künftige Therapien beschleunigen und dadurch einen direkten Nutzen für Patientinnen und Patienten schaffen könnte. Diese herausragenden Forschungsergebnisse unterstreichen einmal mehr die internationale Spitzenstellung der Tübinger Mikrobiologie und Infektionsbiologie“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen.</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Janes Krusche, Christian Beck, Esther Lehmann, David Gerlach, Ellen Daiber, Christoph Mayer, Jennifer Müller, Hadil Onallah, Silvia Würstle, Christiane Wolz, Andreas Peschel: <span lang="en" dir="ltr">Characterization and host range prediction of Staphylococcus aureus phages through receptor-binding protein analysis</span>. <span lang="en" dir="ltr">Cell Reports</span>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.celrep.2025.115369" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.celrep.2025.115369</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-116586</guid><pubDate>Mon, 10 Mar 2025 12:05:00 +0100</pubDate><title>Bürgerrat empfiehlt bürgernahe KI-Forschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/buergerrat-empfiehlt-buergernahe-ki-forschung/</link><description>Sichere Datenspenden ermöglichen, Sammelstelle für Vorschläge zur KI-Forschung – Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg Petra Olschowski nimmt Empfehlungen entgegen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Bürgerrat „KI und Freiheit“ hat am Montag neun Empfehlungen ausgesprochen wie Bürgerinnen und Bürger besser bei der öffentlich geförderten Erforschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) beteiligt werden können. Der Rat übergab seine Empfehlungen im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart an Ministerin Petra Olschowski.</p><p>Unter anderem empfiehlt der Rat die Schaffung von sicherer Infrastruktur für leichtere Datenspenden, eine Sammelstelle für Vorschläge zur KI-Forschung und eine bessere Vernetzung von Ärztinnen, Patienten und Forschenden mithilfe von künstlicher Intelligenz. Bei Fragen der Verkehrspolitik in Verbindung mit Anwendungen künstlicher Intelligenz empfehlen die Bürgerinnen und Bürger die Einrichtung eines ständigen Bürgerrats. Er könne dabei helfen, die Sicherheit von Radwegen zu erhöhen und CO2-Emissionen im Straßenverkehr zu senken.</p><p>„Künstliche Intelligenz verändert unsere Lebenswelt. Deshalb ist es wichtig, Bürgerinnen und Bürger in diesem Transformationsprozess mitzunehmen und zu beteiligen. Der Bürgerrat ,KI und Freiheit‘ der Universität Tübingen leistet hierbei Pionierarbeit“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. „Die zufällig ausgelosten Mitglieder aus dem Land kommen mit Forschenden ins Gespräch und haben die Chance, ihre individuelle Perspektive einzubringen. Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern für ihr Engagement: Ihre Empfehlungen geben nicht nur wichtige Impulse für die KI-Forschung und -Entwicklung, sie fördern auch die gesellschaftliche Diskussion.“</p><p>„Forschungsergebnisse und technologische Entwicklungen beeinflussen das Leben aller Bürgerinnen und Bürger. Deshalb sollten deren Interessen, Bedürfnisse und Perspektiven frühzeitig berücksichtig werden“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Ein Rat von Bürgerinnen und Bürgern sei dafür ein effektives Mittel, um im Austausch gemeinsam an den besten Lösungen zu arbeiten und auch Vorschläge zur Umsetzung zu erarbeiten.<br><br>Der Bürgerrat wird seine Empfehlungen auch an das Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen für die Wissenschaft“ der Universität Tübingen und an das <span lang="en" dir="ltr">Public Advisory Board</span> des Cyber Valley übergeben. Im <span lang="en" dir="ltr">Cyber Valley </span>koordinieren sich Forschungseinrichtungen, Unternehmen und öffentliche Stellen, die in Stuttgart, Tübingen und Karlsruhe in der KI-Forschung tätig sind. Es ist der größte Verbund dieser Art in Europa.</p><p>Die Empfehlungen im Einzelnen:</p><ul><li>Transparentere Vermittlung von KI-Forschung in klarer Sprache und geeigneten Formaten (Webseiten, KI-Messen, Diskussionsrunden, Tage der offenen Tür, etc.)</li><li>Aufbau von Infrastruktur für sichere Datenspenden von Bürger:innen und Patient:innen; Überprüfung des ethischen Umgangs mit den Datenspenden durch gewählte Kontrollorgane</li><li>Einrichtung einer Sammelstelle für Vorschläge zur KI-Forschung durch Bürger:innen (Quorum für Vorschläge, Prüfung durch Expert:innen) sowie öffentliche Mittel zur Umsetzung dieser Vorschläge</li><li>Hoher Stellenwert für Forschung zu „KI in den Medien“ und deren gesellschaftlichen Folgen; hoher Stellenwert für KI-Forschung im Gesundheitsbereich und gesellschaftlicher Prioritäten bei der Auswahl der Forschungsthemen</li><li>Maßnahmen (wie Werbespots, Ärzt:innengespräche, Events), die Bürger:innen das Potential von Spenden ihrer anonymisierten Gesundheitsdaten an die KI-Forschung nahebringen und sie befähigen, selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen</li><li>Bessere Vernetzung zwischen KI-Forschenden, Patient:innen und Hausärzt:innen</li><li>Erleichterung von Datenspenden zur Erforschung von Problemen im Verkehr und ÖPNV</li><li>Einberufung dauerhafter Bürger:innen-Räte zur Beratung der KI-Forschung bei Verkehrsthemen wie beispielsweise autonomem Fahren, mehr Sicherheit auf Radwegen, der Reduktion von CO2 und Feinstaub oder mehr Transportkapazitäten im ÖPNV</li><li>Transparente Kommunikation von Unsicherheiten bei KI-Anwendungen speziell im Verkehrs- und Gesundheitssektor, um kein falsches Sicherheitsgefühl zu vermitteln</li></ul><p>Das Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikationsforschung zur Künstlichen Intelligenz (<span lang="en" dir="ltr">RHET AI Center</span>) der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. Dr. Kramer hatte den Bürgerrat im Januar 2024 initiiert. Der Verein Mehr Demokratie e.V. und eine interdisziplinär besetzte wissenschaftliche Begleitgruppe berieten den Prozess. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen und der VolkswagenStiftung. Den Bürgerinnen und Bürgern wurden die Fahrtkosten erstattet und sie erhielten eine Aufwandspauschale pro Sitzung.</p><p>Der Bürgerrat bestand aus vierzig Bürgerinnen und Bürger, die nach einem Zufallsverfahren aus vier Kommunen unterschiedlicher Größe berufen wurden: Reutlingen repräsentierte im Sample eine Großstadt, Waiblingen eine Mittelstadt, Hemsbach eine Kleinstadt und Kleines Wiesental ein Dorf. Die Kommunen gehören jeweils zu einem Regierungsbezirk in Baden-Württemberg und liegen sowohl in urbanen als auch ländlichen Räumen. Das Verfahren stellte sicher, dass Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Altersgruppen, mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit unterschiedlichem Bildungsgrad von der Hauptschule bis zum abgeschlossenen Studium vertreten waren.</p><p>In vier Sitzungen berieten sich die Bürgerinnen und Bürger. Sie sprachen auch mit Ethikern, KI-Expertinnen und -Anwendern. Die erste Sitzung fand Ende September 2024 statt, die letzte im Dezember. Zu den Themen Medizin, Verkehr und Medien bildeten die Bürgerinnen und Bürger eigene Arbeitsgruppen, die spezielle Empfehlungen erstellten und wiederum im Plenum diskutierten und abstimmten. Anschließend schrieb ein Redaktions-Team aus dem Bürgerrat die finale Fassung der Empfehlungen.</p><p>„Das große Engagement der Bürgerinnen und Bürger während der Diskussionen im Bürgerrat zeigt, wie sehr das Thema Künstliche Intelligenz die Menschen umtreibt. In Anbetracht der gesellschaftlichen Veränderungen, die durch Künstliche Intelligenz ausgelöst werden, ist ein transparenter und dialogorientierter Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft unerlässlich“, so Olaf Kramer, der Sprecher des <span lang="en" dir="ltr">RHET AI Centers</span>.</p><p>Die Umsetzung der Ideen steht dem Ministerium, dem Exzellenz-Cluster Maschinelles Lernen in der Wissenschaft“ und dem Cyber Valley sowie weiteren Akteuren, die angesprochen werden, frei. Ergebnisse des Bürgerrats sind auf der Webseite des Projekts <a href="https://rhet.ai/2024/06/18/buergerrat/" target="_blank" rel="noreferrer">www.bürgerrat-ki.de</a> &nbsp;dokumentiert und werden weiter fortgeschrieben.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-116391</guid><pubDate>Mon, 03 Mar 2025 11:22:49 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen zeichnet Forschende für innovative Wissenschaftskommunikation aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-zeichnet-forschende-fuer-innovative-wissenschaftskommunikation-aus/</link><description>Jury verleiht Preis an Neurowissenschaftler für Aufklärungskampagne zu Zwangsstörungen – Nachwuchsauszeichnung an Archäologen und Historiker, der mittelalterliches Leben öffentlichkeitswirksam präsentiert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verleiht den Preis für Wissenschaftskommunikation an Professor Dr. Tobias Hauser und den Nachwuchspreis an Dr. Michael Kienzle. Tobias Hauser erhält die Auszeichnung für seine Aufklärungskampagne zu psychischen Zwangsstörungen, Michael Kienzle für seinen breit angelegten Dialog mit der Öffentlichkeit über seine Forschung zu Burgen und mittelalterlicher Adelsherrschaft. Der Preis ist Teil der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen und würdigt innovative und erfolgreiche Wissenschaftskommunikation ihrer Forschenden. Die Jury besteht aus Wissenschaftsjournalisten und -journalistinnen, Forschenden und weiteren Fachleuten aus dem Bereich Kommunikation.</p><p>„Im Namen aller Universitätsangehörigen gratuliere ich Herrn Professor Dr. Tobias Hauser und Herrn Dr. Michael Kienzle zu ihrer Auszeichnung“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Zugleich danke ich den beiden Forschern, dass sie mit ihren Mitarbeitenden die Erkenntnisse aus ihrer jahrelangen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, Menschen einbinden und somit an Wissenschaft teilhaben lassen, wodurch Verständnis entsteht. Dies bildet die unverzichtbare Grundlage für Vertrauen unserer Gesellschaft in die Forschung.“</p><h3>Aufklärungskampagne: die Sache mit dem Zwang</h3><p>Tobias Hauser forscht zur Zwangsstörung, einer psychischen Störung, oft auch OCD genannt (englisch für Obsessive Compulsive Disorder). Ihn interessiert vor allem die Frage, warum diese meist im Jugendalter auftritt. Der Wissenschaftler untersucht, wie sich neuronale Netzwerke bei Jugendlichen entwickeln, wie sie sich auf das Verhalten auswirken und wie eine veränderte Entwicklung zu OCD führen kann. Diese Nominierung überzeugte die Jury, weil der Neurowissenschaftler mit seinem Team zusätzlich zur Forschung eine Aufklärungskampagne entwickelt hat. „Beeindruckt hat uns der moderne Ansatz in der Kommunikation, der viele Wege nutzt, um sowohl Betroffene wie auch die interessierte Öffentlichkeit zu erreichen“, sagt die Juryvorsitzende Professorin Dr. Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität der Universität Tübingen.</p><p>Zur Kampagne zählen die modern gestaltete, zweisprachige Website <a href="https://ocdandthebrain.com/de" target="_blank" rel="noreferrer">www.ocdandthebrain.com/de</a>, YouTube-Videos, klassische Pressearbeit und Social-Media wie beispielsweise die Kooperation mit der Influencerin Jessica Teitz, die selbst als Betroffene den Instagramkanal @freiheitundvertrauen betreibt. „Überzeugt hat uns die Tatsache, dass sich Tobias Hauser mit seinem Team dafür einsetzt, in einen Dialog zu treten und das Ziel eines direkten, unmittelbaren Austauschs verfolgt“, sagt Prorektorin Monique Scheer. Das gelinge sowohl in sachlicher Hinsicht mit Blick auf Forschungsergebnisse wie auch mit dem gebotenen Gespür für die Betroffenen.</p><h3>Living-History-Event zeigt das Leben im 13. Jahrhundert</h3><p>Michael Kienzle untersucht als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt „Ressourcenerschließung und Herrschaftsräume im Mittelalter, Burgen und Klöster“ des Sonderforschungsbereichs „Ressourcen Kulturen“ aus archäologisch-historischer Perspektive die Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Adelsherrschaft Greifenstein im Echaztal bei Pfullingen (Landkreis Reutlingen). Der Archäologe und Historiker macht mit seinen Kolleginnen und Kollegen das Projekt kontinuierlich für die Öffentlichkeit zugänglich, etwa über Veranstaltungen, Videos, Publikationen oder Pressetermine. Dabei sticht aus Sicht der Jury die Ausstellung „Ausgegraben! Ritter und Burgen im Echaztal“ des vergangenen Jahres heraus, die die Ergebnisse der Ausgrabungskampagnen und der Forschungen zeigte.</p><p>„Michael Kienzle hat die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden konzipiert, aufgebaut und eigens zur Eröffnung ein Living-History-Event organisiert, das der Öffentlichkeit das mittelalterliche Leben im 13. Jahrhundert hier in der Region vermittelte“, sagt Prorektorin Monique Scheer. „Uns hat dieses engagierte Sichtbarmachen unseres kulturellen Erbes überzeugt.“ Zudem konnten die Projektinhalte über mehrere Filmprojekte – in einigen führte Michael Kienzle selbst Regie – für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden. All das wird seit dem Projektstart 2021 auf der Website <a href="https://greifenstein-projekt.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.greifenstein-projekt.de</a> dokumentiert, die Michael Kienzle redaktionell verantwortet.</p><p>Der Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation wird seit 2021 jährlich verliehen. Die Auszeichnung soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler motivieren, vermehrt über ihre Forschung zu kommunizieren. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro, der Nachwuchspreis mit 5.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung für das Jahr 2025 wird in einer öffentlichen Feierstunde verliehen. Der genaue Termin wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-116037</guid><pubDate>Wed, 19 Feb 2025 10:23:11 +0100</pubDate><title>Philosophieren für eine lebenswerte Zukunft: Corine Pelluchon erhält Dr. Leopold Lucas-Preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/philosophieren-fuer-eine-lebenswerte-zukunft-corine-pelluchon-erhaelt-dr-leopold-lucas-preis/</link><description>Französische Professorin für Beitrag zur politischen Philosophie geehrt – Einsatz für Demokratie, Umwelt und Tierwohl – Preis in Höhe von 50.000 Euro in Gedenken an den jüdischen Gelehrten </description><content:encoded><![CDATA[<p>Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis wird der Philosophin Corine Pelluchon verliehen. Der Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen würdigt ihre philosophischen Beiträge zu den aktuell drängenden Fragen des Tierwohls, der Klimakrise und der Stärkung der pluralistischen Demokratie.</p><p>Die <strong>öffentliche Verleihung</strong> findet am <strong>Dienstag, 13. Mai 2025, um 17:15 Uhr in der Alten Aula der Universität Tübingen</strong> (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) statt. Pelluchon wird die Preisrede zum Thema „Transdeszendenz, Ökologie, Demokratie. Unsere Ressourcen im Angesicht von Krisen“ halten. Vor der Veranstaltung wird es für Pressevertreterinnen und -vertreter die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Corine Pelluchon geben. Bei Interesse bitten wir um eine formlose Mail an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguugBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">presse<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>.</p><p>Pelluchon ist Professorin für politische Philosophie und angewandte Ethik an der Université Gustave Eiffel in Paris. Sie wurde mit mehreren französischen und deutschen Wissenschaftspreisen ausgezeichnet und ist Ritter der französischen Ehrenlegion. Mit ihrer Arbeit liefert Pelluchon wertvolle Impulse für eine lebenswerte Zukunft und stärkt durch ihre fundierten Analysen und konkreten Vorschläge die Grundlagen einer pluralen und offenen Demokratie. Damit entsprechen ihre Arbeiten laut der Jury in hervorragendem Maße den Zielen, für die der Dr. Leopold Lucas-Preis gestiftet wurde.</p><p>Der Preis zeichnet Menschen aus, deren wissenschaftliches Werk die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient macht. Der Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet. Anlass war der 100. Geburtstag seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas. Der wirkte als Rabbiner in Glogau und an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. 1943 wurde er im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Der zu seinem Gedächtnis gestiftete Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.</p><h3>Plädoyer für eine neue Aufklärung</h3><p>Pelluchon leistet mit ihrer politischen Philosophie einen bedeutenden Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ihr Werk vereint die Reflexion über die Grundlagen von Politik und Ethik mit konkreten politischen Handlungsvorschlägen, um Gerechtigkeit für Tiere, den Schutz der Umwelt und die Stärkung der Demokratie zu erreichen. Pelluchon plädiert für eine neue Aufklärung, die den Menschen nicht allein als vernunftgesteuertes Individuum begreift, sondern auch als verletzliches, körperliches und in Beziehungen eingebundenes Wesen. Dieses Selbstverständnis soll das Bewusstsein für die Verbundenheit mit der menschlichen und nichtmenschlichen Mitwelt stärken und zu einem verantwortungsvollen Handeln im Sinne des Gemeinwohls führen.</p><p>Besonders hervorzuheben ist Pelluchons Engagement für Tierrechte. Sie erkennt Tiere als empfindsame Subjekte an und fordert umfassende Schutzrechte für sie ein. Gleichzeitig sieht sie den Schutz der Biosphäre als zentrales politisches Ziel, das eng mit sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Teilhabe verknüpft ist. Sie schlägt praxisnahe Lösungen innerhalb pluralistischer Demokratien vor, ohne sich radikalen oder bevormundenden Positionen anzuschließen. Durch die Verknüpfung von Tierethik mit Fragen des Klimaschutzes und der sozialen Gerechtigkeit entwickelt Pelluchon ein umfassendes Konzept gesellschaftlichen Wandels.</p><p>Ihre Philosophie fordert ein Umdenken hin zu einem „Zeitalter des Lebendigen“, das ein friedliches und gerechtes Zusammenleben von Menschen und nichtmenschlichen Lebewesen in den Mittelpunkt stellt. Dabei verliert sie sich nicht in einem naiven Optimismus, sondern nimmt Sorgen und Ängste angesichts einer unsicher werdenden Welt ernst und will begründete Hoffnung auf eine Verbesserung stiften.</p><h3>Leopold Lucas-Preis für junge Forschende</h3><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler geht in diesem Jahr an Dr. Bahadir Eker. Der Philosoph erhält den Preis für seine Dissertation in der Philosophie „<span lang="en" dir="ltr">Matters of Perspective. A Theory of Deep Temporality</span>“. Mit seiner Arbeit legt er einen hochoriginellen und anspruchsvollen Beitrag zur komplexen philosophischen Debatte über die Metaphysik der Zeit vor. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-116025</guid><pubDate>Tue, 18 Feb 2025 14:17:11 +0100</pubDate><title>Natalie Amiri hält die 16. Weltethos-Rede</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/natalie-amiri-haelt-die-16-weltethos-rede/</link><description>Renommierte Journalistin und Schriftstellerin spricht am 12. Mai 2025 zum Thema Menschenrechte – Gemeinsame Veranstaltung der Universität Tübingen und der Stiftung Weltethos</description><content:encoded><![CDATA[<p>Als Rednerin für die 16. Weltethos-Rede konnten die Stiftung Weltethos und die Universität Tübingen die deutsch-iranische Journalistin und Schriftstellerin Natalie Amiri gewinnen. Amiri spricht zum Thema „Gefährdete Werte: Menschenrechte in einer destabilisierten Welt“. Die erste Weltethos-Rede seit vier Jahren richtet sich betont auch an eine jüngere Zielgruppe: In einem Werkstattgespräch wird sich Amiri mit Studierenden der Universität Tübingen über ihre Arbeit als Journalistin in Krisenregionen austauschen.</p><p>Natalie Amiri studierte Orientalistik und Islamwissenschaft in Bamberg, Teheran und Damaskus. Seit 2015 leitete sie das ARD-Büro in Teheran, aus Sicherheitsgründen musste sie die Leitung 2020 abgeben. Amiri wurde u.a. 2022 und 2024 vom „medium magazin“ als beste politische Journalistin des Jahres ausgezeichnet. 2024 erhielt sie den Walter-Lübcke-Demokratie-Preis.</p><p>Seit 2000 lädt die Stiftung Weltethos gemeinsam mit der Universität Tübingen zu den Weltethos-Reden in den Festsaal der Universität Tübingen ein. In diesen Reden beziehen herausragende Per-sönlichkeiten aus den Bereichen Kultur, Politik, Wissenschaft, Religion und öffentlichem Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln Stellung zur Weltethos-Thematik. Natalie Amiri ist nach Shirin Ebadi (2005) und <span lang="en" dir="ltr">Mary Robinson</span> (2002) die dritte Frau, die eine Weltethos-Rede hält.</p><p>„Natalie Amiri beschrieb einmal ihre persönliche Mission als ‚die Suche nach Wahrheit und das Bemühen um Verständigung‘. Damit beschreibt sie auch den Kern der Weltethos-Idee und eine gesellschaftliche Aufgabe der Universität Tübingen“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann. „Oh-ne Verständigung geht es nicht. Gerade jetzt leben wir in einer Zeit, in der viele Akteure die Differenzen zwischen den Menschen betonen, statt mit von allen geteilten Werten an einer gemeinsamen Basis zu arbeiten. Mit Natalie Amiri werden wir eine starke Stimme für mehr Menschlichkeit in Tübingen hören.“</p><p>„Wir freuen uns sehr, dass wir die renommierte Journalistin Natalie Amiri als Weltethos-Rednerin ge-winnen konnten“, betont Prof. Dr. Bernd Engler, Präsident der Stiftung Weltethos. „Mit ihrer herausragenden inhaltlichen Expertise in politischen und gesellschaftlichen Konfliktregionen und ihrer breiten Medienerfahrung ist sie eine überzeugende Weltethos-Botschafterin, die sich für Menschen- und Frauenrechte in einer sich verändernden Weltordnung einsetzt und die die Herausforderungen einer neuen politischen Realität klar benennt.“</p><p>Die Weltethos-Rede am 12. Mai 2025 um 18.15 Uhr im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister Scholl-Platz) ist eine gemeinsame Veranstaltung der Universität Tübingen und der Stiftung Weltethos. Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt am Tag der Veranstaltung. <a href="/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede/#c2257449">Nähere Angaben zur Ticket-Vergabe werden rechtzeitig vor der Veranstaltung veröffentlicht.</a> Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Sie können sich bis zum 9. Mai 2025 unter dieser E-Mail-Adresse akkreditieren: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguugBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">presse<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Weitere Informationen:</strong><br>Zu den Weltethos-Rednern gehörten u.a. Kofi Anan (2003), Helmut Schmidt (2007), Desmond Tutu (2009), Winfried Kretschmann (2017) und der Schriftsteller Bernhard Schlink (2021).<br><a href="https://www.weltethos.org/bildung-und-gesellschaft/weltethos-reden/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.weltethos.org/bildung-und-gesellschaft/weltethos-reden/</a> &nbsp;<br><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede/" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-115839</guid><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 14:45:15 +0100</pubDate><title>Covid und die Maskennutzung im Freien: Wie Kultur und Evolution unser Verhalten prägen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/covid-und-die-maskennutzung-im-freien-wie-kultur-und-evolution-unser-verhalten-praegen/</link><description>Internationales Team unter Leitung der Universität Tübingen belegt Einfluss von Erfahrungen und Selbstverständnis einer Gesellschaft auf den Umgang mit Infektionsgefahr für sich selbst und andere</description><content:encoded><![CDATA[<p>Während der Covid-19-Pandemie zeigten Menschen aus kollektivistischen Gesellschaften wie Japan eine höhere Bereitschaft, draußen Schutzmasken zu tragen, als solche aus individualistisch geprägten Ländern wie den USA. Eine gesteigerte Bereitschaft zum Maskentragen im Freien war auch in Regionen zu beobachten, die seit Jahrtausenden besonders stark von Krankheitserregern betroffen sind. Zu diesen Ergebnissen kam ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Christoph Randler aus der Didaktik der Biologie der Universität Tübingen in einer Online-Umfrage in 53 Ländern. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Social Science Research</span></i> veröffentlicht.</p><p>Nase und Mund bedeckende Masken sollten in der Covid-Pandemie vor der Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Wie effektiv sie in welchen Situationen diesen Zweck erfüllten, war nicht in jeder Phase des Infektionsgeschehens klar. Unabhängig davon interessierte Christoph Randler und sein Team, wie groß die Bereitschaft von Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen war, durch Tragen einer Maske sich selbst zu schützen, aber vor allem auch das Ansteckungsrisiko für die Mitmenschen zu mindern.</p><h3>Selbstauskunft über Online-Umfrage</h3><p>Das Forschungsteam bat während der Pandemie von Dezember 2020 bis April 2021 Vogelbeobachterinnen und -beobachter aus 53 Ländern um Auskunft zum Tragen von Masken im Freien. „Wir haben den Fokus auf Freizeitaktivitäten draußen gelegt, da hier die staatlichen Vorgaben oder zumindest die staatliche Kontrolle geringer war als etwa in Innenräumen wie Schulen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. So entsprach das Verhalten stärker dem eigenen Ermessen“, erklärt Randler. Mehr als 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten den Online-Fragebogen aus. Repräsentativ für die jeweilige Gesamtbevölkerung sei die Umfrage nicht, nennt der Forscher Einschränkungen, da Frauen in der Gruppe der Personen, die in ihrer Freizeit Vögel beobachten, unterrepräsentiert seien und der Altersdurchschnitt höher liege. Die Auskünfte der Befragten wurden durch Daten zur Bevölkerungsdichte, der wirtschaftlichen Lage des Landes, die staatlichen Vorgaben zum Maskentragen sowie die historische Belastung des jeweiligen Landes durch Krankheitserreger ergänzt.</p><p>In den Ergebnissen sei erkennbar gewesen, dass die jeweiligen staatlichen Vorgaben bei den Corona-Maßnahmen eine Rolle spielten bei der Entscheidung zum Tragen einer Maske, sagt Randler. „Besonders entscheidend waren jedoch die beiden Faktoren der kulturellen Prägung kollektivistische versus individualistische Gesellschaft und die historische Krankheitsbelastung der Region“, sagt der Forscher. „Interessanterweise ließ sich auch die Strenge der staatlichen Corona-Maßnahmen durch die Historie der Verbreitung von Krankheitserregern in dem jeweiligen Land vorhersagen.“ Die Regierungen erließen strengere Regeln, wenn die Länder stärkere Belastungen durch Krankheitserreger und durch frühere Epidemien hatten. Es sei erstaunlich, sagt Randler, wie stark unsere evolutionsgeschichtliche Vergangenheit noch heute unser Verhalten beeinflusst – bis hin zu politischen Entscheidungen über eine Maskenpflicht.</p><p>Darüber hinaus habe die Studie einige bereits bekannte Tendenzen bestätigt, so Randler: Ältere Menschen und Frauen trugen eher Masken als jüngere und Männer. Mit der umfassenden, sowohl evolutionsbiologischen als auch kultursoziologischen Studie zur Nutzung von Masken will das Forschungsteam zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Ereignisse in der Covid-19-Pandemie beitragen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Christoph Randler, Jukka Jokimäki, Nadine Kalb, Maria de Salvo, Renan de Almeida Barbosa, Marja-Liisa Kaisanlahti-Jokimäki, Jo-Szu Tsai, Raúl Ortiz-Pulido, Piotr Tryjanowski: <span lang="en" dir="ltr">COVID-19 facial covering during outdoor recreation reflects historical disease prevalence and culture above and beyond governmental measures – A study in 53 countries. </span><i><span lang="en" dir="ltr">Social Science Research</span></i>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.ssresearch.2025.103145" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.ssresearch.2025.103145</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-115368</guid><pubDate>Fri, 31 Jan 2025 13:16:57 +0100</pubDate><title>Auszeichnung für Forschung zur urgeschichtlichen Entstehung der Tierwanderungen in Ostafrika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auszeichnung-fuer-forschung-zur-urgeschichtlichen-entstehung-der-tierwanderungen-in-ostafrika/</link><description>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht an Kaedan O’Brien – Erster Nachweis saisonaler Säugetierwanderungen während der vergangenen Eiszeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie wird in diesem Jahr an den Anthropologen und Zoologen Professor Kaedan O’Brien verliehen. Der Wissenschaftler der State University of New York in Oneonta erhält die Auszeichnung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen für seine Dissertation. Darin untersuchte er Fossilienbestände von 18 Tierarten, die während der Eiszeit vor 115.000 bis 11.700 Jahren in Ostafrika lebten, und wies – erstmals – für zwei Tierarten urgeschichtliche Wanderungsbewegungen nach. Er stellte außerdem fest, dass bei vielen Arten keine direkten Rückschlüsse aus den heutigen Wanderungsbewegungen auf das frühere Verhalten möglich sind. Der Tübinger Förderpreis ist mit 7.500 Euro dotiert, wird gestiftet von der Mineralwassermarke EiszeitQuell und zum 27. Mal verliehen.</p><p>Kaedan O’Briens Dissertation habe eine große Bedeutung für die ältere Urgeschichte und Quartärökologie auch über die engen Fachkreise hinaus, sagt Dr. Dorothée Drucker vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und zugleich Laudatorin. Sein übergeordnetes Forschungsziel sei es, die urgeschichtlichen Faktoren zu erkennen, die die menschliche Evolution in Afrika steuerten. In diesem Rahmen untersuche er die saisonalen Wanderungsmuster großer Pflanzenfresser, die zur Beute früher Menschen zählten. „Kaedan O’Brien hat in seiner Arbeit nicht nur die urgeschichtliche Umwelt rekonstruiert, sondern auch die Beziehungen zwischen Tier und Mensch klar herausgearbeitet. Er geht davon aus, dass die Menschen der Spätsteinzeit im Vergleich zu denen der Mittelsteinzeit weniger von einer starken saisonalen Verfügbarkeit ihrer Großsäugerbeute angewiesen waren und die Wanderungsbewegungen der Huftiere ein neues Verhalten darstellten. Das ist wahrscheinlich auch eine Folge der Konkurrenz mit Nutzvieh, das die Menschen einführten“, sagt Dorothée Drucker. Die Forschungsarbeit Kaedan O’Briens könne als Modell für weitere Studien herangezogen werden, was er selbst mit Blick auf Südafrika bereits unternehme.</p><p>Der US-Amerikaner studierte an der University of Wisconsin-Madison. Im Anschluss an sein Masterstudium der Anthropologie an der University of Utah in Salt Lake City wurde er dort im Frühjahr 2024 promoviert. Während seiner Dissertation war er unter anderem Graduate Research Fellow der National Science Foundation. Mittlerweile arbeitet er als Assistant Professor in Biological Anthropology an der State University of New York in Oneonta.</p><h3>Isotope im Zahnschmelz untersucht</h3><p>Für seine Dissertation nahm Kaedan O’Brien zunächst die heutigen Verhältnisse in Ostafrika in den Blick. Dort unternehmen große Pflanzenfresser in den Savannen Wanderungsbewegungen, um jahreszeitliche Nahrungsengpässe zu umgehen. Dass es solche Wanderungen ursprünglich nicht gab, das weist der Wissenschaftler in seiner Arbeit nach. Dazu untersuchte er mit Hilfe der Fossilienbestände von 18 Tierarten aus der Eiszeit das Muster der Sauerstoff-, Strontium- und Kohlenstoffisotope, die sich während des Zahnwachstums im Zahnschmelz von insgesamt 79 Rindern und Einhufern abgelagert hatten. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf den Lebensraum, die Ernährungsgewohnheiten, die jahreszeitlichen Veränderungen und ermöglichen Rückschlüsse auf das Verhalten der Tiere während der vergangenen Eiszeit.</p><p>Für 16 der untersuchten 18 Tierarten fehlen klare Anzeichen für frühere Wanderungsbewegungen, darunter etwa das Streifengnu. Hingegen legen die heute lebenden Streifengnus in der Serengeti durchaus weite Strecken zurück. Das deutet daraufhin, dass diese Tiere entweder ihre Wanderungsbewegungen gegen Ende der Eiszeit entwickelten; oder aber, dass dieses Verhalten in der Vergangenheit räumlich und zeitlich deutlich begrenzt war. Zusätzlich lassen Kaedan O’Briens Forschungsergebnisse den Schluss zu, dass es – anders als heute – während der Eiszeit unter den untersuchten Tierarten keinen Zusammenhang zwischen Nahrung, Nahrungsanpassung, Körpergröße und Wanderungsbewegungen gab.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-115008</guid><pubDate>Wed, 22 Jan 2025 10:35:59 +0100</pubDate><title>Frühe Menschen nahmen Einfluss auf Verfügbarkeit von Fleisch und auf aasfressende Tiere</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehe-menschen-nahmen-einfluss-auf-verfuegbarkeit-von-fleisch-und-auf-aasfressende-tiere/</link><description>Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen untersucht Beziehungsdynamik in Ökosystemen vor rund 130.000 bis 20.000 Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch ihr Verhalten trugen Menschen vor rund 45.000 bis 29.000 Jahren dazu bei, dass sich die Zusammensetzung der aasfressenden Tierarten in ihrem Umfeld veränderte. Während kleinere Kulturfolger unter den Tieren, wie Füchse und manche Vogelarten, von der Anwesenheit der Menschen profitierten, wurden große Aasfresser wie Hyänen und Höhlenlöwen tendenziell verdrängt. Das ergab eine umfassende Analyse von Daten aus archäologischen Fundstätten in Europa, die auch Überreste von Tieren bargen. Sie wurde durchgeführt von Dr. Chris Baumann vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen, Dr. Andrew W. Kandel von der Universität Tübingen und Dr. Shumon T. Hussain von der Universität Köln. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Quaternary Science Reviews </span></i>veröffentlicht.</p><p>Obwohl viele Fleischfresser nicht nur selbst erlegte Beute verzehren, wird das Fressen von Aas bei der Betrachtung der Nahrungsketten und -netzwerke häufig vernachlässigt. „Auch die frühen Menschen vor mehr als 30.000 Jahren lebten nicht losgekoppelt von der Tierwelt, sondern waren in ein Beziehungsgeflecht mit Aasfressern eingebunden“, sagt Chris Baumann. Wie sich die verschiedenen Arten gegenseitig beeinflussten, sei aus heutiger Perspektive schwer nachzuvollziehen.</p><h3>Umfangreicher Datenbestand</h3><p>Um mehr zu erfahren, nutzten die Forscher die Datenbank ROAD der Forschungsstelle ROCEEH („<span lang="en" dir="ltr">The Role of Culture in Early Expansions of Humans</span>“) der Universität Tübingen, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, in der die Funddaten aus 2.400 prähistorischen Fundstätten in Europa, Afrika und Asien digital gespeichert sind. Sie bezogen dabei vor allem zooarchäologische Daten, die aus tierischen Überresten gewonnen werden konnten, an ehemals von Menschen besiedelten Orten in Europa in ihre Untersuchung ein.<br>„Wir gehen davon aus, dass frühe Menschen mit ihrem Jagdverhalten mehr Tiere erlegten, als sie selbst verzehrten, sodass mehr Aas vorhanden war“, sagt Baumann. „Zunächst profitierten davon große Aasfresser.“ Das Verhältnis zwischen Menschen und aasfressenden Tieren sei im Zeitraum vor 130.000 bis 60.000 Jahren zunehmend weniger durch Konkurrenz geprägt gewesen. Allerdings hätten die Menschen auch dafür gesorgt, dass die großen Raubtiere nicht in die Nähe der Siedlungen kamen. „Von kleinen Aasfressern wie Füchsen, Raben oder Krähen ging keine Gefahr aus, sodass sie wahrscheinlich geduldet wurden“, sagt der Forscher. „Ähnlich ist es heute in städtischer Umgebung, wo wir Füchse und Waschbären tolerieren, nicht aber Wölfe.“ Eine besondere Dynamik habe sich in den Beziehungen zwischen Menschen und Aasfressern im Zeitraum vor rund 45.000 bis 29.000 Jahren entwickelt, und es kam zu einem Umbruch.</p><h3>Verdrängung großer Tierarten</h3><p>„Unsere Analyse ergab, dass in diesem Zeitraum, dem späten Pleistozän, die Verdrängung der großen Aasfresser einsetzte – zugunsten der kleineren Arten, die teilweise sogar Vorteile aus dem Zusammenleben mit Menschen zogen“, sagt Shumon Hussain. Auch archäologische Belege aus diesem Zeitraum ließen diesen Rückschluss zu. Möglicherweise hätte der Umbruch auch damit zu tun, dass in diesem Zeitraum die ersten Populationen des modernen Menschen <i>Homo sapiens</i> in Europa erschienen und die letzten europäischen Neandertaler verdrängten. „Die Menschen entwickelten ihre Fähigkeiten weiter und erlegten so viele Tiere, dass im Nahrungsnetz deutlich mehr Energie verfügbar wurde“, ergänzt Baumann. Das bewirkte Verhaltensanpassungen und evolutionäre Änderungen bei den aasfressenden Tieren, doch auch die Menschen selbst entwickelten neue Wege bei der Besiedlung der Landschaft. Sie formten dadurch Ökosysteme mit, die wiederum Einfluss auf ihre eigene Evolution gehabt haben könnten.</p><h3><br>Publikation:</h3><p>Chris Baumann, Andrew W. Kandel, Shumon T. Hussain: <span lang="en" dir="ltr">Evidence for the catalytic role of humans in the assembly and evolution of European Late Pleistocene scavenger guilds. </span><i><span lang="en" dir="ltr">Quaternary Science Reviews</span></i>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2024.109148" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2024.109148</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114843</guid><pubDate>Fri, 17 Jan 2025 10:53:16 +0100</pubDate><title>Koloniale Schatten: Vernissage der  Online-Ausstellung des Museums der Universität</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/koloniale-schatten-vernissage-der-online-ausstellung-des-museums-der-universitaet/</link><description>Ausstellung zur Palau-Forschung der Ethnologin Elisabeth Krämer-Bannow – Blick auf kolonialistische Machtverhältnisse – 
Online-Ausstellung ist Resultat interdisziplinärer Praxisseminare</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Malerin, Fotografin und Ethnologin Elisabeth Krämer-Bannow war das einzige weibliche Mitglied der Hamburger Südsee-Expedition von 1908 bis 1910. Sie reiste mit der Expedition nach Palau und hinterließ eine einzigartige Dokumentation des Lebens der palauischen Frauen. Eine Dokumentation, die immer auch die Kolonialgeschichte und die ungleichen Machtverhältnisse zwischen den Kolonialmächten und den indigenen Völkern bezeugt.</p><p>Studierende der Abteilung Ethnologie des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen und der Masterprofillinie „Museum &amp; Sammlungen“ des Museums der Universität MUT haben sich drei Semester lang mit der Person Elisabeth Krämer-Bannow und ihrer Forschung beschäftigt. Die Resultate werden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Eröffnung der Online-Ausstellung „Koloniale Schatten. Das palauische Vermächtnis der Elisabeth Krämer-Bannow in Tübingen“ findet am <strong>Mittwoch, 22. Januar 2025 um 18 Uhr im Rittersaal des Schlosses Hohentübingen</strong> (Burgsteige 11, 72070 Tübingen) statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und richtet sich an alle Interessierten sowie die Presse. Die Ausstellung selbst wird ab dem 22. Januar ausschließlich online zu sehen sein, unter <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>.</p><p>Elisabeth Krämer-Bannow nutzte ihren Zugang zu den Frauen der palauischen Bevölkerung, um deren Alltag und Kultur aus einer seltenen Perspektive zu dokumentieren: Während männlichen Forschern diese Welt oft verschlossen blieb, konnte sie intime Einblicke erlangen, die in der damaligen ethnologischen Forschung oft unbeachtet blieben. Ihre Aquarelle und Fotografien, die in der Ausstellung präsentiert werden, bieten nicht nur ein lebendiges Bild des palauischen Lebens, sondern ermöglichen auch eine kritische Reflexion über die deutsche Kolonialzeit.</p><p>Die ausgestellten Objekte – viele von Elisabeth Krämer-Bannow und ihrem Ehemann Augustin Friedrich Krämer gesammelt – werfen einen neuen Blick auf die Kolonialgeschichte. Einige der Objekte aus der Sammlung der Krämers, die heute in der Universität Tübingen aufbewahrt werden, spiegeln auch die Handlungsfähigkeit der Palauer wider, die nicht immer bereit waren, ihre wertvollsten Gegenstände zu verkaufen.</p><p>Neben den Alltagsgegenständen sind die kunstvollen Gipsabgüsse von bemalten Holzreliefs an Baihäusern (Versammlungshäusern), die Elisabeth Krämer-Bannow angefertigt hat, ein zentrales Highlight der Ausstellung. Diese Häuser, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in fast jedem Dorf Palaus zu finden waren, sind heute fast vollständig verschwunden. Krämer-Bannow hat mit ihren Arbeiten dazu beigetragen, dieses einzigartige kulturelle Erbe zu bewahren.</p><h3>Programm zur Eröffnung:</h3><ul><li>Begrüßung: Professorin Dr. Gabriele Alex, Leiterin der Abteilung Ethnologie des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen</li><li>Grußwort: Dr. Annika Vosseler, Provenienzforschung am Museum der Universität Tübingen MUT</li><li>Einführung: Dr. Markus Schleiter, Kustos der Ethnologischen Sammlung der Universität Tübingen</li><li>Vortrag: Dr. Stephanie Walda-Mandel, Sachgebietsleiterin für „Ozeanien“ am Linden-Museum Stuttgart</li><li>„Navigieren in zwei Welten: Umgang der <span lang="en" dir="ltr">Southwest Islanders</span> von Palau mit den Auswirkungen von Kolonialzeit und globalen Transformationen“</li><li>Projektvorstellung: Studierenden-Team<br>&nbsp;</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114711</guid><pubDate>Wed, 15 Jan 2025 08:39:49 +0100</pubDate><title>Gemeinsamkeiten zwischen Gefäßverkalkung und Knochenwachstum entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gemeinsamkeiten-zwischen-gefaessverkalkung-und-knochenwachstum-entdeckt/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen beobachtet biochemischen Prozess an lebenden Zellen – Hinweise auf neuen Behandlungsansatz zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch Echtzeitbeobachtung bestimmter biochemischer Prozesse in Blutgefäßen aus Mäusen kam eine bisher unbekannte Gemeinsamkeit zwischen der Atherosklerose, auch Gefäßverkalkung genannt, und dem Knochenwachstum zutage. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Robert Feil vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen entdeckte, dass ein molekularer Signalweg, der beim Knochenwachstum eine wichtige Rolle spielt, die Entwicklung von Atherosklerose in Blutgefäßen bremsen kann. Möglicherweise lässt sich die Atherosklerose künftig mit Medikamenten behandeln, die ursprünglich zur Therapie von Wachstumsstörungen der Knochen, wie etwa Kleinwuchs, entwickelt worden sind. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i>Nature Communications </i>veröffentlicht.</p><p>Atherosklerose ist eine weitverbreitete Gefäßkrankheit, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führt und weltweit die Haupttodesursache ist. Bei dieser Erkrankung entstehen Einlagerungen, unter anderem von Fetten und verschiedenen Zellen, in der inneren Wandschicht der Blutgefäße, die zu sogenannten Plaques anwachsen können. Die Plaques können Gefäße verengen und zu Blutgerinnseln führen, sodass die Sauerstoffversorgung der Organe über das Blut nicht mehr ausreicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.</p><p>Blutgefäße bestehen größtenteils aus sogenannter glatter Muskulatur, die durch Entspannung den Blutdurchfluss erhöhen kann. „Der zentrale Signalgeber dazu ist der Botenstoff zyklisches Guanosinmonophosphat, kurz cGMP, der in den Zellen der glatten Muskulatur der Gefäße gebildet wird“, erklärt Dr. Moritz Lehners von der Universität Tübingen, der Erstautor der Studie. Das cGMP komme in vielen Organen des Menschen vor und reguliere dort zahlreiche Körperfunktionen. Interessanterweise könne der Botenstoff auf mehreren verschiedenen Wegen in den Gefäßzellen gebildet werden. „Weil man das Regelungsgefüge insgesamt noch nicht genau verstanden hat, haben wir uns in der aktuellen Studie auf einen der Produktionswege von cGMP konzentriert“, sagt der Forscher. Dazu nutzte das Forschungsteam Blutgefäßzellen aus Mäusen, in denen das cGMP-Molekül mit Hilfe eines neuartigen fluoreszierenden Biosensors unter dem Mikroskop als Leuchten detektiert werden kann. „So konnten wir die Signalmoleküle und die biochemischen Prozesse, in die sie eingebunden sind, in einzelnen Zellen sichtbar machen und in Echtzeit beobachten, sozusagen bei der Arbeit“, sagt Lehners. Solche Einzelzellanalysen könnten auch für andere Fragestellungen in der Gefäßbiologie weiterentwickelt werden.</p><h3>Status der Gefäßzellen entscheidend</h3><p>„Die Ausgangslage war verwirrend“, berichtet der Forscher. „Wenn man weiß, dass mehrere Stoffwechselwege in den Gefäßzellen zur Produktion von cGMP führen können, stellt sich die Frage, ob diese unterschiedlichen Wege auch Unterschiedliches bewirken.“ Die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass es während der Entstehung von Atherosklerose in den Gefäßzellen zu Änderungen der biochemischen Signalwege kommt. „Während eine Zelle in die Plaque hineinwächst und versteift, wechselt der Produktionsweg des cGMP. Der von uns genauer betrachtete Weg springt an und arbeitet gegen die Verkalkung der Plaques“, sagt Lehners. „Dieser Mechanismus hat also eine gefäßschützende Funktion.“ Dieses Ergebnis wird dadurch untermauert, dass Mäuse, bei denen dieser cGMP-Weg blockiert wurde, eine stärkere Gefäßverkalkung entwickelten.</p><p>„Interessanterweise ist genau dieser Weg der Bildung von cGMP in der Biochemie und Medizin schon länger als Förderer des Knochenwachstums bekannt“, sagt Studienleiter Feil. Genetische Varianten der an dem Stoffwechselweg beteiligten Rezeptoren führten zu Anomalien beim menschlichen Skelett. „In der Tat wurde vor kurzem ein neues Medikament entwickelt, das Vosoritid, das auf den cGMP-Signalweg im Knochen wirkt und zur Behandlung der Kleinwüchsigkeit bei Kindern eingesetzt wird. Durch die Parallelen, die sich durch unsere Studie zwischen dem Knochenwachstum und der Bildung von Atherosklerose in Blutgefäßen ergeben haben, könnte nun geprüft werden, ob sich Wirkstoffe wie Vosoritid auch bei der Therapie der Atherosklerose einsetzen lassen.“</p><h3><strong>Publikation:</strong></h3><p>Moritz Lehners, Hannes Schmidt, Maria T K Zaldivia, Daniel Stehle, Michael Krämer, Andreas Peter, Julia Adler, Robert Lukowski, Susanne Feil, Robert Feil: <span lang="en" dir="ltr">Single-cell analysis identifies the CNP/GC-B/cGMP axis as marker and regulator of modulated VSMCs in atherosclerosis</span>. <i>Nature Communications</i>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-024-55687-9" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-024-55687-9</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114435</guid><pubDate>Fri, 03 Jan 2025 13:46:05 +0100</pubDate><title>Uraufführung: Anne Frank-Oratorium in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/urauffuehrung-anne-frank-oratorium-in-tuebingen/</link><description>Akademischer Chor der Universität Tübingen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen – Sopranistin Johanna Pommranz als Anne Frank – Umfassendes Begleitprogramm der Universität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 80. Todestag von Anne Frank realisiert der Akademische Chor der Universität Tübingen gemeinsam mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen die Uraufführung des Oratoriums „Annes Passion“. Am <strong>30. Januar 2025 um 20 Uhr</strong> wird das Oratorium nach Texten aus dem Tagebuch der Anne Frank <strong>in der Tübinger Stiftskirche</strong> zu sehen sein. Karten sind online unter <a href="https://www.uni-tuebingen.de/collmus-tickets" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de/collmus-tickets</a> oder im Ticketcenter an der Neckarbrücke in Tübingen erhältlich.</p><p>Das Werk des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten Evgeni Orkin lehnt sich formal an die Passion Bachs oder Mendelssohns Oratorien an. Die aus Tübingen stammende Sopranistin Johanna Pommranz singt die Rolle der Anne Frank. In der Rolle des Sprechers – im Oratorium Annes Vater Otto Frank – wird Jürgen Herold zu sehen sein. Dirigent ist Philipp Amelung, Universitätsmusikdirektor der Universität Tübingen, der auch für die Umsetzung der Uraufführung verantwortlich ist.</p><p>„Neben dem hochaktuellen Thema fasziniert die Vielfalt der Komposition“, sagt Amelung. „Der Chor spielt eine besondere und umfangreiche Rolle - einerseits kommentierend, andererseits greift er auch aktiv in die Handlung ein. Im Zusammenspiel mit dem sehr anspruchsvollen Part der Solistin entstehen so viele sprachlich starke, fast schon filmische Momente.“</p><p>Die Universität Tübingen begleitet die Uraufführung mit einem vielfältigen und kostenlosen Veranstaltungsangebot. Informationen zum Begleitprogramm finden Interessierte unter <a href="https://www.uni-tuebingen.de/annes-passion" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de/annes-passion</a>. Dort finden Interessierte auch den Livestream des Oratoriums oder direkt bei Youtube: <a href="https://www.youtube.com/live/Z7mP15ogWJQ" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/live/Z7mP15ogWJQ</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114384</guid><pubDate>Mon, 23 Dec 2024 11:18:14 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen soll Zentrum für Burgenforschung erhalten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-soll-zentrum-fuer-burgenforschung-erhalten/</link><description>Land Baden-Württemberg stellt Anschubfinanzierung – viele Burgen noch unerforscht</description><content:encoded><![CDATA[<p>[überarbeitete Fassung vom 21.05.2025]<br>Die Universität Tübingen soll ein Zentrum für Burgenforschung erhalten. Das Land Baden-Württemberg stellt hierfür die Anschubfinanzierung. In Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart wird das Zentrum dann auch Grabungen durchführen. Viele Burgen sind noch gänzlich unerforscht oder noch nicht im Gelände dokumentiert.</p><p>„Burgen hatten nicht nur in der Vergangenheit eine wichtige Funktion – sie wirken bis in die Gegenwart identitätsstiftend: als Bauwerke des Erinnerns, als Ausflugs- und Sehnsuchtsorte“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Das Burgenforschungszentrum bündelt die bisherigen Arbeiten der Universität Tübingen, die vor allem am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters von Professorin Dr. Natascha Mehler und in enger Kooperation mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften entstanden.</p><p>„Burgen waren nicht nur Verteidigungsbauten. Sie waren weit sichtbare Zeichen des Adels und Symbol seiner territorialen und politischen Macht. Sie waren auch wirtschaftlich bedeutend oder dienten als Zollstationen. Die umgebende Landschaft gehörte zu einer Burg und muss mit in die Forschung einbezogen werden“, sagte Natascha Mehler, die Leiterin des Burgenforschungszentrums. „Und viele Burgen mussten der Bevölkerung Schutzraum vor Angriffen bieten.“</p><p>Die Anschubfinanzierung beträgt 80.000 Euro über zwei Jahre und kommt aus dem Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Das Burgenforschungszentrum wird auf dieser Finanzierung aufbauend weitere Drittmittel in den kommenden Jahren einwerben, um dauerhaft arbeiten zu können.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114369</guid><pubDate>Fri, 20 Dec 2024 13:56:04 +0100</pubDate><title>Landtagsdelegation der Grünen besucht Cyber Valley</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/landtagsdelegation-der-gruenen-besucht-cyber-valley/</link><description>Abgeordnete informieren sich an der Universität Tübingen zum KI-Leuchtturmprojekt – Neubauten im Cyber Valley bis 2027 geplant – Finanzierung steigender Betriebskosten noch unklar</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Cyber Valley ist der größte Forschungszusammenschluss zum Thema künstliche Intelligenz in Europa. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen arbeiten in ihm gemeinsam an Grundlagenforschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Bereichen maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotik. Mitglieder des Arbeitskreises Wissenschaft, Forschung und Kunst der Fraktion Grüne im Landtag besuchten gestern, am 19. Dezember 2024, das Cyber Valley an der Universität Tübingen. Michael Joukov, der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Susanne Aschhoff, forschungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag und stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises, sowie Norbert Knopf informierten sich vor Ort über aktuelle Entwicklungen am KI-Standort.</p><p>Wichtige Themen waren die dynamische Entwicklung der Universität, die auch durch stark gestiegene Drittmittel ermöglicht wird, Erfolge in der Forschung, die Exzellenzcluster und die sich auf höchstem Niveau befindlichen Studierendenzahlen. Eine wesentliche Erfolgsgrundlage ist dabei eine stabile und langfristig gesicherte Hochschulfinanzierung – ein Markenzeichen der Hochschulpolitik in Baden-Württemberg.</p><p>Auch die Forschungsthemen am Cyber Valley wurden vorgestellt. Dr. Tilman Gocht stellte den Arbeitskreismitgliedern den Exzellenzcluster Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft vor. Ziel des Clusters ist es, maschinelles Lernen für verschiedene Bereiche der Wissenschaft nutzbar zu machen und zu verstehen, wie eine solche Transformation das wissenschaftliche Arbeiten an sich verändert. Ebenfalls Teil des Cyber Valley ist das Tübingen AI Center, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Max-Planck-Instituts für intelligente Systeme gemeinsam forschen. Direktor Prof. Dr. Matthias Bethge gab einen Überblick über die Arbeit des AI Centers und stellte wichtige Meilensteine vor, wie die Etablierung des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz. Abschließend vermittelte Paul-David Bittner einen Eindruck von der lebhaften Start-up-Kultur und den vielfältigen Unterstützungsangeboten für Gründerinnen und Gründer im Cyber Valley. &nbsp;</p><h3>Steigende finanzielle Belastung der Universität</h3><p>Neben den Erfolgen in der Forschung waren die laufenden Baumaßnahmen im Cyber Valley und die zu erwartenden zusätzlichen Betriebskosten Teil des Gesprächs. Sechs neue Gebäude werden bis zum Jahr 2027 im Cyber Valley fertiggestellt, mit einer Nutzfläche von insgesamt über 20.000 Quadratmetern. Im Frühjahr 2025 wird das Gebäude Cyber Valley I in Betrieb genommen und aktuell wurde das TTR 2-Gebäude vom Land gekauft. Dadurch entstehen ab 2025 für die Universität zusätzliche Betriebskosten von ca. 2 Mio. Euro pro Jahr, die sich nach der Fertigstellung der Gebäude Cyber Valley II und Cyber Valley III auf rund 6 Mio. Euro erhöhen. Ein Großteil der kalkulierten Kosten entfällt dabei auf die Stromversorgung, da Forschung und Entwicklung im Bereich maschinelles Lernen besonders energieintensiv sind.</p><p>Das Rektorat der Universität Tübingen wies darauf hin, dass die Finanzierung der Betriebskosten für die Cyber Valley Gebäude leider immer noch ungeklärt sei. „Das Cyber Valley ist eine riesige Chance für das Land, die Wirtschaft und die Universität“, so Dr. Andreas Rothfuß, der Kanzler der Universität Tübingen. „Die zukunftsgerichtete Forschung sowie die enge Zusammenarbeit von Universität und Wirtschaft ist ein Innovationsmotor. Um diesen am Laufen zu halten, braucht es nachhaltige und gesicherte Unterstützung aus der Politik. Hierfür ist die Finanzierung der zusätzlichen Betriebskosten unerlässlich, die aus dem jetzigen Etat der Universität nicht zu stemmen ist“, betont Rothfuß.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114261</guid><pubDate>Thu, 19 Dec 2024 10:25:40 +0100</pubDate><title>Nachhaltigkeit kein wichtiges Kriterium bei der Vergütung von Top-Managern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachhaltigkeit-kein-wichtiges-kriterium-bei-der-verguetung-von-top-managern/</link><description>Internationales Forscherteam wertet Daten zur Entlohnung von europäischen Konzernvorständen aus – Nachhaltigkeitskriterien beeinflussen nur minimal die leistungsabhängige Bezahlung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Auszahlung von Boni an Vorstände in großen europäischen Konzernen wird nur minimal davon beeinflusst, ob die Top-Manager im abgelaufenen Geschäftsjahr Entscheidungen zur Reduktion von Emissionen, für mehr Diversität im Unternehmen oder mehr Produktsicherheit getroffen haben. Gerade einmal fünf Prozent ihrer leistungsabhängigen Vergütung ist an verbindliche Kriterien zur Messung von nachhaltigem Verhalten der Unternehmen gekoppelt.</p><p>Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam der Universität Tübingen und der Wirtschaftshochschule HEC in Paris durch die Auswertung eines Datensatzes zur Vergütung von 674 Führungskräften aus 73 Unternehmen, die in den beiden großen europäischen Börsenindizes EU-ROSTOXX 50 und STOXX Europe 50 gelistet sind. Die Daten erfassen den Zeitraum von 2013 bis 2020.</p><p>Die Studie stellt allerdings auch fest, dass 60 Prozent der Führungskräfte mindestens eines der sogenannten ESG-Kriterien in ihre Vergütung integriert hatten. Das Kürzel ESG steht für die englischen Begriffe „<span lang="en" dir="ltr">Environment</span>“, „<span lang="de" dir="ltr">Social</span>“ und „<span lang="en" dir="ltr">Governance</span>“ (deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung).</p><p>„Unternehmen, Investoren und Regulierungsbehörden propagieren zunehmend das Potenzial dieser Kennzahlen bei der Vorstandsvergütung, damit die Interessen von Führungskräften mit breiteren gesellschaftlichen Zielen wie Umweltschutz und Diversität in Einklang gebracht werden“, sagt Professor Patrick Kampkötter, Co-Autor der Studie und Lehrstuhlinhaber für <span lang="en" dir="ltr">Managerial Accounting</span> an der Universität Tübingen. „Doch dafür müssten sie auch tatsächliche finanzielle Anreize setzen. Das tun sie aber nicht, denn ESG-Leistungskennzahlen sind weitgehend symbolisch. Den meisten Unternehmen ist also der Schein wichtiger als echte Veränderung.“</p><p>Ob wirksame Anreize in der Vergütung gesetzt werden oder nicht, haben die Wissenschaftler durch die Unterscheidung von „verbindlichen“ und „ermessensbasierten“ ESG-Kennzahlen analysiert. Verbindliche Kennzahlen werden zu Beginn des Geschäftsjahres mit einem festgelegten Gewicht in das Vergütungspaket der Vorstände aufgenommen und bieten klare und verlässliche Ziele. Wenn eine Führungskraft diese Ziele erreicht oder übertrifft, erhält sie eine Auszahlung auf der Grundlage des vorab festgelegten Gewichts dieser Kennzahlen. Ermessensbasierte ESG-Kennzahlen hingegen sind flexibler. Aufsichtsräte oder Vergütungsausschüsse können das Gewicht oder die Bedeutung dieser Kennzahlen am Ende des Geschäftsjahres nach eigenem Ermessen anpassen, was Unsicherheit darüber schafft, inwieweit die ESG-Leistung einer Führungskraft ihre Vergütung beeinflusst. Infolgedessen fühlen sich Führungskräfte möglicherweise weniger gedrängt, diesen Zielen im Laufe des Jahres Vorrang einzuräumen.</p><p>Große Unternehmen, insbesondere im Finanzsektor, weisen laut der Studie oft eine Vielzahl von größtenteils ermessensbasierten ESG-Kennzahlen in ihren Vergütungsplänen auf, aber es fehlt ihnen an bedeutenden Gewichtungen. „Diese Kombination deutet darauf hin, dass für viele Unternehmen die Einbeziehung von ESG-Kennzahlen eine Form des „<span lang="en" dir="ltr">Greenwashing</span>“ sein könnte – ein Signal für das Engagement für Nachhaltigkeit, ohne tatsächlich substanzielle Verbesserungen zu fördern oder den Aktionärswert zu opfern“, sagt Professor Matthias Efing von der Wirtschaftshochschule HEC in Paris und Co-Autor der Studie. „In der Praxis dominieren weiterhin nicht-ESG-Leistungskennzahlen wie finanzielle Ergebnisse oder Aktienkursentwicklung die Berechnung von Vorstandsboni.</p><h2>Implikationen für Politik und Praxis</h2><p>„Damit ESG-Kennzahlen echte unternehmerische Veränderungen bewirken können, müssen sie von einer Randnotiz in Vergütungsplänen zu einem zentralen Bestandteil der Beurteilung und Belohnung von Führungskräften werden“, so Kampkötter. „Investoren und Regulierungsbehörden könnten eine entscheidende Rolle dabei spielen, Unternehmen zu robusteren ESG-Vergütungssystemen zu drängen.“ Mehr Transparenz über das tatsächliche Gewicht von ESG-Kennzahlen und klarere Berichtsstandards würden dazu beitragen, dass Unternehmen für ihre ESG-Verpflichtungen sowohl gegenüber Aktionären als auch gegenüber der Öffentlichkeit zur Rechenschaft gezogen werden.</p><h2>Publikation:</h2><p>Efing, Matthias and Ehmann, Stefanie and Kampkötter, Patrick and Moritz, Raphael, <span lang="en" dir="ltr">All Hat and No Cattle? &nbsp;ESG Incentives in Executive Compensation.</span> HEC Paris Research Paper No. FIN-2024-1506, Available at SSRN: <a href="https://ssrn.com/abstract=4974204" target="_blank" rel="noreferrer">https://ssrn.com/abstract=4974204</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114045</guid><pubDate>Fri, 13 Dec 2024 14:11:08 +0100</pubDate><title>Fünf neue Mitglieder im Tübinger Universitätsrat</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fuenf-neue-mitglieder-im-tuebinger-universitaetsrat/</link><description>Bernhard Sibold als Vorsitzender wiedergewählt. Professorin Irmgard Männlein übernimmt stellvertretenden Vorsitz.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Universitätsrat hat am vergangenen Dienstag erstmals in seiner neuen Zusammensetzung getagt. Bernhard Sibold wurde dabei in seinem Amt bestätigt und bleibt für weitere drei Jahre der Vorsitzende des Gremiums. Professorin Irmgard Männlein wurde von den Ratsmitgliedern zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie folgt in dieser Funktion auf Professor Oliver Kohlbacher, der nach neun Jahren aus dem Rat ausscheiden muss. Männlein ist Professorin für Griechische Philologie an der Universität Tübingen und seit dem 1. Oktober 2021 Mitglied im Universitätsrat.</p><p>Fünf Mitglieder nahmen zum ersten Mal an einer Sitzung teil. Neu im Hochschulrat sind Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Geschäftsführende Gesellschafterin der Profilmetall GmbH, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme Professor Moritz Hardt und Professorin Renate Schubert, emeritierte Professorin der ETH Zürich. Neues internes Mitglied des Universitätsrats ist Professor Stefan Teufel von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen. Die Amtsperiode des Universitätsrats beträgt drei Jahre.</p><h3>Alle Mitglieder des Universitätsrats:</h3><p>Externe Mitglieder:</p><ul><li>Matthias Anbuhl, Vorstandvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks</li><li>Dr. Michael Bolle, Stiftungsratsvorsitzender Carl-Zeiss-Stiftung</li><li>Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Geschäftsführende Gesellschafterin Profilmetall GmbH</li><li>Lena Ganschow, Wissenschaftsjournalistin (SWR)</li><li>Prof. Dr. Moritz Hardt, Direktor Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme</li><li>Prof. Dr. Renate Schubert, Emeritierte Professorin am Departement Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH, Zürich</li><li>Bernhard Sibold, Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in BW i.R. (Vorsitzender)</li></ul><p>Interne Mitglieder:</p><ul><li>Jacob Bühler, Studierender</li><li>Prof. Dr. Irmgard Männlein, Fachbereich Klassische Philologie</li><li>Prof. Dr. Heike Oberlin, Fachbereich Indologie</li><li>Prof. Dr. Stefan Teufel, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Mathematik</li></ul><p>Der Universitätsrat trägt Verantwortung für die Entwicklung der Hochschule und schlägt Maßnahmen vor, die der Profilbildung und der Erhöhung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit dienen. Zudem beaufsichtigt er die Geschäftsführung des Rektorats. Der Universitätsrat besteht aus sieben externen und vier internen Mitgliedern.</p><p>Hochschulräte wurden ab 1998 nach einer Novelle des Hochschulrahmengesetzes in fast allen deutschen Bundesländern eingeführt. Ihre mehrheitlich extern berufenen Mitglieder aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder anderen Forschungsinstitutionen bringen die Außen-Perspektive in die Entwicklungen einer Hochschule ein. In Baden-Württemberg beschließen sie zudem über den Haushalt, entscheiden über Entwicklungspläne und sind an der Wahl der Universitätsspitze maßgeblich beteiligt.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-114006</guid><pubDate>Thu, 12 Dec 2024 13:57:21 +0100</pubDate><title>Rede des Jahres 2024: Erste Bundestagsrede in Gebärdensprache von Heike Heubach</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rede-des-jahres-2024-erste-bundestagsrede-in-gebaerdensprache-von-heike-heubach-1/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zeichnet erste Bundestagsrede in Gebärdensprache aus. Heubachs Rede ein Plädoyer für den Klimaschutz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Heike Heubach erhält die Auszeichnung „Rede des Jahres 2024“. Das Seminar für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen würdigt damit die erste Bundestagsrede in Gebärdensprache als bewegendes Beispiel einer veränderten politischen Redekultur im Zeichen von Inklusion. Die SPD-Abgeordnete Heubach gebärdete ihre Rede zur geplanten Novellierung des Baugesetzbuches am 10. Oktober 2024. Simultan wurde ihre Rede von einer Gebärdendolmetscherin als gesprochener Text hörbar gemacht.</p><p>Seit 1998 zeichnet das Seminar für Allgemeine Rhetorik jährlich eine „Rede des Jahres“ aus, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat und als wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Redekultur gelten kann. Kriterien für die Jury sind unter anderem inhaltliche Relevanz, Vortragsstil, Elaboriertheit sowie publizistische Wirkung.</p><h3>„Am teuersten wird es dann, wenn wir nichts tun.“</h3><p>Heike Heubachs Rede ist ein eindringliches Plädoyer für die Notwendigkeit des Klimaschutzes für alle Menschen: „Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen uns alle.” Konkret und anschaulich wird dies durch die steigernde Nennung betroffener Gruppen im Kleinen wie Großen: von einzelnen „Häuslebauer/-innen” bis zum „Wirtschaftsstandort Deutschland”. Große Anschaulichkeit zeichnet auch Heubachs Ausführungen zur Dringlichkeit des Handelns aus, in denen sie sich der Überzeugungskraft des Beispiels bedient. Plausibel leitet sie aus dieser drängenden Situation die Baugesetzbuchnovellierung ab, die unter anderem die Mehrfachnutzung von Flächen vorsieht, wie Heubach lebensnah greifbar macht: „So wird der Sportplatz gleichzeitig eine Überflutungsfläche.” Den Kosteneinwand der Opposition greift sie klassisch-rhetorisch auf und weist ihn souverän zurück. Eine trockene juristische Materie wie das Baugesetzbuch wird an die Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger herangeführt und damit unmittelbar relevant gemacht. Ihre klar gegliederte Rede, in der sie Knappheit im Ausdruck mit schlüssiger Gedankenführung gekonnt vereint, lässt Heike Heubach in eine pointierte und eingängige Schlusssentenz münden: „Ein Mehr an Klimaschutz wird Leben retten und den Bundeshaushalt bei den Kosten von Naturkatastrophen entlasten. Am teuersten wird es dann, wenn wir nichts tun.”</p><h3>Zeichen für die Vielfalt der Eloquenz</h3><p>Ihren gekonnt formulierten Redetext bringt Heike Heubach gebärdend zum Ausdruck und setzt auch darüber hinaus ihren Körper rhetorisch versiert und überzeugend ein. Bereits beim Gang zum Redepult gewinnt sie den Raum für sich, indem sie lächelnd Blickkontakt zum Publikum herstellt. Aufmerksam und wertschätzend adressiert sie bei ihrer Begrüßung die einzelnen Gruppen im Publikum, indem sie ihren Körper gezielt zu den jeweiligen Personen hinwendet. Durch Gebärde und Körpersprache macht sie deutlich, dass von der Präsidentin bis zu den Gästen auf der Tribüne alle Personen gleichermaßen in ihre Rede eingeschlossen sind. Heubachs rednerische Kompetenz wird durch ihre aufrechte, ruhige und selbstbewusste Körperhaltung unterstrichen.</p><p>Für ihre rhetorische Glanzleistung erhält Heike Heubach den Beifall des gesamten Publikums. Mit der Gebärde für Applaus und stehenden Ovationen honoriert der Bundestag diesen zukunftsweisenden Auftritt und gibt damit ein Beispiel für gelebte Inklusion und wertschätzende politische Teilhabe aller Personen.</p><p>Mit ihrer stillen Rede im Bundestag setzt Heike Heubach auch ein Zeichen für die Vielfalt der Eloquenz. Diese erste Rede in Gebärdensprache stellt auch eine bereichernde Erweiterung der Rede- und Debattenkultur Deutschlands dar. Für diesen wertvollen Meilenstein der Redekunst verleiht die Jury des Seminars für Allgemeine Rhetorik Heike Heubach den Preis ‚Rede des Jahres 2024‘.</p><p><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/seminar-fuer-allgemeine-rhetorik/rede-des-jahres/" class="ut-btn ut-btn--color-primary-1">Text und Video zur Rede</a></p><p><strong>Jury:</strong><br>Dr. Jutta Beck, Lukas Beck M.A., Selina Bernarding M.A., Hanna Broghammer, Dr. Fabian Erhardt, Dr. Markus Gottschling, Rebecca Kiderlen M.A., Prof. Dr. Joachim Knape, Prof. Dr. Olaf Kramer, Dr. Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, PD Dr. Lily Tonger-Erk, Dr. Thomas Zinsmaier</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113865</guid><pubDate>Fri, 06 Dec 2024 15:37:50 +0100</pubDate><title>„Kunst und Kult“: Präkolumbische Ausstellung im Museum der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kunst-und-kult-praekolumbische-ausstellung-im-museum-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Ausstellung zeigt Artefakte verschiedener meso- und südamerikanischer Kulturen. Objekte gespendet von der Pelling-Zarnitz-Stiftung.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Museum Alte Kulturen der Universität Tübingen MUT zeigt in einer neuen Ausstellung Artefakte verschiedener meso- und südamerikanischer Kulturen, wie der Maya, der Zapoteken, der Chavin oder Chimú. Die 23 Artefakte werden damit das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Ihr Alter reicht von etwa 1000 Jahren vor unserer Zeitrechnung bis zum frühneuzeitlichen Auftreten der Europäer in Amerika um 1500. Die Objekte wurden dem Museum von Dr. Claus Pelling und Dr. Marie Luise Zarnitz in deren Nachlass vermacht.</p><p>Zur Eröffnung der Ausstellung „Kunst und Kult. Die Altamerikasammlung der Universität Tübingen aus dem Nachlass Pelling Zarnitz“ am <strong>Donnerstag, 12. Dezember 2024, um 19 Uhr im Schloss Hohentübingen,</strong> sind Pressevertreterinnen und -vertreter wie auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen.</p><p>Die beiden Stifter Priv.-Doz. Dr. Claus Pelling und Dr. Dr. h.c. Marie Luise Zarnitz waren renommierte Sammler auf den Gebieten der Maya-Artefakte, der byzantinischen Bleisiegel, der altägyptischen Kunst und der is-lamischen Numismatik. Ihr Ziel war es, diese oft wenig bekannten Kulturen einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Sie gaben den Anstoß zur Gründung der Forschungsstelle für Islamische Numismatik an der Universität Tübingen und beteiligten sich daran, deren Münzsammlung, die weltweit zu den größten gehört, zu erweitern und zu verbessern. Die testamentarische Auflage für das Erbe sieht die Ausstellung der Artefakte mit einer Buchpublikation sowie die spätere Dauerpräsentation im Museum Alte Kulturen der Universität auf Schloss Hohentübingen vor.</p><h3>Programm der Ausstellungseröffnung:</h3><p><strong>Professorin Dr. Monique Scheer</strong><br>Prorektorin der Universität Tübingen<br><i>Begrüßung</i></p><p><strong>Professor Dr. Thomas Finkenauer</strong><br>Vorsitzender der Pelling-Zarnitz-Stiftung<br><i>Zur Stiftung Pelling Zarnitz und zum Vermächtnis der altamerikanischen Objekte an die Universität</i></p><p><strong>Professor Dr. Dr. h.c. Nikolai Grube</strong><br>Altamerikanist am Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Universität Bonn<br><i>Die polychrome Keramik der Maya</i></p><p><strong>Professor Dr. Ernst Seidl</strong><br>Direktor des Museums der Universität Tübingen<br><i>Einführung in die Ausstellung und Dank</i></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113625</guid><pubDate>Mon, 02 Dec 2024 12:38:35 +0100</pubDate><title>DFG-Förderatlas: Universität Tübingen unter den meistgeförderten Hochschulen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dfg-foerderatlas-universitaet-tuebingen-unter-den-meistgefoerderten-hochschulen/</link><description>Universität Tübingen unter den Top Ten der Hochschulen mit den meisten DFG-Bewilligungen 2020 bis 2022. Besonderer Erfolg der Geistes- und Sozialwissenschaften</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen ist mit Rang neun unter den Top Ten der Hochschulen, die am erfolgreichsten Drittmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einwerben konnten. Das berichtet der jetzt erschienene DFG-Förderatlas 2024 für den Zeitraum von 2020 bis 2022. Mit einem DFG-Gesamtfördervolumen von 285,5 Mio. Euro im Berichtszeitraum rangiert sie auf Platz neun der Hochschulen mit den höchsten Bewilligungen.&nbsp;</p><h3>Tübinger Geistes- und Sozialwissenschaften besonders erfolgreich&nbsp;</h3><p>Die Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Tübingen liegen mit einem Fördervolumen von 79 Mio. Euro im Berichtszeitraum bundesweit auf dem dritten Rang. Nur die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin erhielten mehr Fördergelder in diesem Wissenschaftsbereich. Auf die Anzahl der Professorinnen und Professoren umgerechnet rangiert die Universität Tübingen in den Geistes- und Sozialwissenschaften sogar auf dem zweiten Platz. 2020 bis 2022 wurden rund 312.000 Euro je Professur von der DFG bewilligt.</p><p>Den größten Anteil an der Förderung der Universität Tübingen durch die DFG haben mit 131,5 Mio. Euro die Lebenswissenschaften Biologie, Medizin sowie Agrar-, Forstwissenschaften und Tiermedizin. Mit rund 833.000 Euro pro Professorin oder Professor belegen sie den sechsten Platz im personenrelativierten Ranking.</p><p>Die Ingenieurwissenschaften konnten sich im Vergleich zum vorherigen Bericht aus dem Jahr 2021 von Rang 46 auf Rang 24 verbessern. Sie erhielten DFG-Bewilligungen in Höhe von 17,5 Mio. Euro.</p><h3>Drittmittel immer wichtiger für Hochschulen&nbsp;</h3><p>Drittmittel sind finanzielle Mittel, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen von externen Quellen erhalten. Sie sind damit nicht Teil des regulären Budgets aus der Grundfinanzierung durch Bund und Länder sowie den Eigenmitteln der Hochschule. Drittmittel werden in der Regel von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in wettbewerblichen Verfahren zur Finanzierung von normalerweise zeitlich befristeten Projekten eingeworben.&nbsp;</p><p>„Drittmittel werden für Universitäten immer wichtiger und gelten auch als Indikator für die Forschungsleistung“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann. “Die Universität Tübingen ist hier hervorragend aufgestellt, aber: Drittmittel sind kein Ersatz für eine solide Grundfinanzierung. Es braucht eine zukunftsfähige Hochschulfinanzierung, damit wir sowohl Spitzenforschung als auch exzellente Lehre im Land planungssicher garantieren können.“</p><p>Die Finanzierung der deutschen Hochschulen durch Drittmittel im Verhältnis zur Grundfinanzierung ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Bundesweit der größte Drittmittelgeber war 2022 der Bund, knapp gefolgt von der DFG. Auch die Mittel der DFG werden überwiegend vom Bund und den Ländern gestellt. Drittmittel aus der Wirtschaft sind seit Jahren rückläufig. 2022 erhielten die deutschen Hochschulen rund 26,7 Milliarden Euro Grundmittel. Demgegenüber standen Einnahmen durch Drittmittel von 10,4 Milliarden Euro. Die Drittmittelquote betrug demnach im Schnitt 28 Prozent. 2019 waren es noch 26,9 Prozent. Im Haushalt 2022 der Universität Tübingen machten Drittmittel in Höhe von 300,1 Mio. Euro rund 39 Prozent aus.&nbsp;</p><h3>Die Deutsche Forschungsgemeinschaft&nbsp;&nbsp;</h3><p>Die DFG ist die größte Forschungsförderorganisation Deutschlands. Ihre Hauptaufgabe ist die finanzielle Unterstützung von Forschungsvorhaben. Sie finanziert etwa die Sonderforschungsbereiche und weite Teile der Exzellenzstrategie. Der Förderatlas der DFG ist das umfassendste Zahlenwerk zur öffentlichen Finanzierung der Forschung in Deutschland. Er wird seit 1997 alle drei Jahre von der DFG herausgegeben und vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft unterstützt.&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113517</guid><pubDate>Thu, 28 Nov 2024 10:01:12 +0100</pubDate><title>Zahl der Studierenden an der Universität Tübingen weiterhin auf Höchstniveau</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zahl-der-studierenden-an-der-universitaet-tuebingen-weiterhin-auf-hoechstniveau/</link><description>Neuer Rekord bei der Zahl internationaler Studierender – Hoher Stand auch bei den Neuimmatrikulierten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen erreicht im laufenden Wintersemester 2024/25 fast den historischen Höchststand eingeschriebener Studierender des vergangenen Wintersemesters. Zum Stichtag Mitte November waren 28.609 Personen immatrikuliert. Der Anteil der Studentinnen an der Gesamtzahl der Studierenden ist um 0,2 Prozent gewachsen und liegt nun bei 59,8 Prozent. Die Zahl der internationalen Studierenden erreichte wieder einen neuen Rekord und lag zum Stichtag bei 4.466 Personen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl steigt damit auf 15,6 Prozent. Die Marke von 15 Prozent war im Wintersemester des Vorjahres erstmals überschritten worden.</p><p>„Der hervorragende Ruf als Exzellenzuniversität weckt großes Interesse – gerade auch bei internationalen Studierenden“, sagte Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Mit Forschung und Lehre auf internationalem Spitzenniveau ziehen wir junge Talente aus ganz Deutschland und dem Ausland an.“</p><p>Bei den 5.349 neuimmatrikulierten Studierenden ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Plus von 0,3 Prozent zu verzeichnen. Zum hohen Stand der Neueinschreibungen an der Universität Tübingen trugen vor allem die deutschen Studierenden bei. Das Plus betrug hier gegenüber dem vergangenen Wintersemester 1,3 Prozent.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113403</guid><pubDate>Tue, 26 Nov 2024 10:26:50 +0100</pubDate><title>Maria Knobelsdorf übernimmt Stiftungsprofessur für Informatik und ihre Didaktik</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/maria-knobelsdorf-uebernimmt-stiftungsprofessur-fuer-informatik-und-ihre-didaktik/</link><description>Carl-Zeiss-Stiftung stellt drei Millionen Euro für die ersten zehn Jahre bereit – Weiterführung durch die Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aus Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung wurde an der Universität Tübingen eine neue Stiftungsprofessur für Informatik und ihre Didaktik eingerichtet und zum 1. Oktober 2024 mit Professorin Maria Knobelsdorf von der Universität Wien besetzt. Die Carl-Zeiss-Stiftung finanziert die Professur im Rahmen ihrer Förderinitiative „Stiftungsprofessuren für Informatik und ihre Didaktik“ mit drei Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nach dieser Förderphase übernimmt die Universität Tübingen die Weiterfinanzierung.</p><p>Die neue Professur gehört sowohl zum Fachbereich Informatik als auch zur Tübingen School of Education, der fakultätsübergreifenden wissenschaftlichen Einrichtung für Lehrkräftebildung. Als Inhaberin der Professur wird sich Maria Knobelsdorf in Forschung und Lehre für das Lehramt Informatik engagieren und zur weiteren fakultätsübergreifenden Etablierung und Vernetzung der Informatikdidaktik beitragen. Außerdem wird sie ein Lehr-Lern-Labor für Informatik und Künstliche Intelligenz in Kooperation mit dem Tübingen AI Center aufbauen. Die Universität Tübingen bietet bereits seit einigen Jahren einen Bachelor of Education und einen Master of Education im Schulfach Informatik für das gymnasiale Lehramt an und stärkt diesen Bereich durch die neue Stiftungsprofessur.</p><p>Maria Knobelsdorf hatte bis zu ihrem Wechsel nach Tübingen die Professur für Didaktik der Informatik an der Universität Wien inne. Gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule in Wien und Niederösterreich baute sie dort den interdisziplinären Lehramtsstudiengang „Digitale Grundbildung und Informatik“ auf. Zuvor war sie als Juniorprofessorin für Computer Science Education an der Universität Hamburg tätig. Sie hatte an der Freien Universität Berlin Informatik und Mathematik studiert und wurde dort in Informatikdidaktik promoviert. Weitere Stationen führten sie dann als Nachwuchswissenschaftlerin unter anderem an die Universität Potsdam und die University of Washington, USA sowie an die Bronx Academy of Software Engineering, einer staatlichen High School in New York City.</p><p>Maria Knobeldorfs Forschungsschwerpunkte liegen auf Fragestellungen zu Schülerinteressen und zur Zugänglichkeit informatischer Bildung durch ein Pflichtfach Informatik der Sekundarstufe. Sie erforscht die Rolle digitaler Lehr-Lern-Umgebungen für den Programmierunterricht sowie die von Beweisassistenten zur Ausbildung logisch-analytischer Grundkompetenzen in der Studieneingangsphase der Informatik. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Professionsforschung im Lehramtsstudium Informatik. Ihre Forschung ist vor allem qualitativ-empirisch ausgerichtet mit theoretischen Bezügen zu kognitiven Theorien, Pädagogischer Psychologie und Allgemeiner Didaktik.</p><p>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Maria Knobelsdorf<br>Universität Tübingen<br>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br>Fachbereich Informatik<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octkc0mpqdgnufqthBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">maria.knobelsdorf<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3><br>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113337</guid><pubDate>Mon, 25 Nov 2024 13:07:29 +0100</pubDate><title>Ägyptologen vermuten Felsheiligtum in Athribis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aegyptologen-vermuten-felsheiligtum-in-athribis/</link><description>Team der Universität Tübingen und des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer entdeckt ptolemäischen Tempel in Sohag</description><content:encoded><![CDATA[<p>Verbirgt sich in den Felsen von Athribis ein ehemaliges Felsheiligtum? In dem kleinen ägyptischen Dorf bei Sohag circa 200 Kilometer nördlich von Luxor haben Forscher der Universität Tübingen, unterstützt vom ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer, einen Tempeleingang freigelegt, der dies nahelegt: Im sogenannten Pylon flankieren zwei Türme einen Haupteingang. Unter den noch unberührten Schuttbergen dahinter vermute man den Zugang zu einem Tempel im Felsen, sagen der Projektleiter Professor Christian Leitz und der Grabungsleiter Marcus Müller vom Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) der Universität Tübingen.</p><p>Seit 2022 sind die Tübinger Forscher gemeinsam mit Mohamed Abdelbadia von der Ägyptischen Altertümerverwaltung und einem ägyptischen Team in Athribis einem großen Steintempel auf der Spur. Schon seit 2012 finden Ausgrabungen statt, um einen Tempelbezirk aus der Antike freizulegen, der in der Zeit zwischen 144 vor Chr. und 138 nach Chr. errichtet wurde.</p><p>Insgesamt war die Anlage 51 Meter breit, die Türme des monumentalen Tempeleingangs jeweils 18 Meter hoch. Heute sind davon nur rund fünf Meter übrig. Der Rest fiel Steinräubern zum Opfer. Dank einer Münze, die Grabräuber zurückgelassen haben, lässt sich dieser Raubbau auf das Jahr 752 oder kurz danach datieren.</p><p>In den vergangenen Monaten wurde im nördlichen Turm und am Eingangstor gegraben. Im Eingangstor fand das Team Reliefs eines Königs, der der löwenköpfigen Göttin Repit und ihrem Sohn Kolanthes Opfer darbringt. Neu entdeckte hieroglyphische Inschriften zeigen erstmals, welcher König für die Dekoration und vermutlich auch für den Bau des Pylons verantwortlich war: Ptolemaios VIII. aus dem 2. Jahrhundert vor Chr.</p><p>Im Nordturm des Pylons stieß das Team überraschend auf eine unbekannte Kammer. Nachdem ein ca. 20 Tonnen schwerer, in den Sand gestürzter Deckenblock mit einem Luftkissen, Holztürmen und Rollen aus dem Weg geräumt werden konnte, legte man auch die etwa sechs Meter lange und fast drei Meter breite Kammer frei. Es handelte sich um einen Lagerraum für Tempelgerätschaften, der später als Ablage für Amphoren genutzt wurde.</p><p>Ein Korridor führt durch den Pylon zur Kammer, sodass sie auch von außen zugänglich war. Auch dieser Zugang ist mit Reliefs und Hieroglyphen dekoriert: Man sieht erneut die Göttin Repit, während der gegenüber liegende Türrahmen den Fruchtbarkeitsgott Min zeigt, der von zwei ganz selten dargestellten Wesen begleitet wird, nämlich je einem sogenannten Dekan (Stern, der die Zeitmessung in der Nacht ermöglicht) mit Falken- beziehungsweise Ibiskopf.</p><p>Einzigartig in der ägyptischen Tempelarchitektur ist eine zweite Tür an der Fassade des Pylons, die zu einem bislang unbekannten Treppenhaus führt, welches in mindestens vier Läufen ins heute zerstörte Obergeschoss führte, wo demnach weitere Lagerräume zu rekonstruieren sind.</p><p>Nun geht es in weiteren Grabungen von November 2024 an darum, Spuren des vermuteten Tempels hinter dem Pylon zu finden. „Fein geglättete Kalksteinblöcke an einer senkrecht abgeschlagenen Felsfassade könnten zu einem Felsheiligtum gehören“, sagt Christian Leitz. Die mehr als vier Meter hohe Fundlage und Dekorationen, wie sie für den oberen Abschluss eines Tempels typisch sind ‒ beispielsweise ein Kobrafries ‒ deuten darauf hin, dass sich dahinter eine Tür finden könnte.</p><p>Das Grabungsprojekt zum Pylon-Tempel von Athribis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.</p><p>Weitere Informationen: Das Athribis-Projekt: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/80785" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/80785</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113169</guid><pubDate>Thu, 21 Nov 2024 11:10:23 +0100</pubDate><title>Neues Verfahren zur Rückgewinnung wertvoller Elemente aus Holzasche</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-verfahren-zur-rueckgewinnung-wertvoller-elemente-aus-holzasche/</link><description>Team der Hochschule Rottenburg und der Universität Tübingen erarbeitet Grundlagen zur Aufbereitung des bisherigen Verbrennungsabfalls als Sekundärrohstoff</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Aschen, die bei der Holzverbrennung in Heiz- und Kraftwerken entstehen, enthalten wertvolle Nährstoffe, aber auch umweltkritische Metalle. Zur Wiederaufbereitung der Holzasche als Sekundärrohstoff hat nun ein Team unter der Leitung von Professor Harald Thorwarth von der Hochschule Rottenburg, der auch an der Universität Tübingen assoziiert ist, und Professor Andreas Kappler von der Universität Tübingen erste Verfahrensschritte entwickelt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Energy &amp; Fuels</span></i> veröffentlicht.</p><p>„Der Einsatz endlicher Rohstoffe trägt immer noch maßgeblich zu unserem Wohlstand bei“, sagt Harald Thorwarth. Um dies zu ändern, gewinnen Themen wie Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Beim Einsatz klimafreundlicher erneuerbarer Energien spielt die Nutzung von Reststoffen biologischer Herkunft wie zum Beispiel Altholz eine tragende Rolle. „Bisher müssen insbesondere Flugaschen aus der Holzverbrennung aufwendig in speziellen Deponien entsorgt werden, oft unter Tage. Das bindet Ressourcen und verursacht Kosten“, erklärt Thorwarth. „Dabei enthalten Holzaschen wertvolle Rohstoffe wie beispielsweise Phosphor und andere für das Pflanzenwachstum essenzielle Nährstoffe wie Kalium, Natrium und Schwefel – allerdings in einer Mischung mit Schadstoffen.“</p><h3>Konsequentes Recycling</h3><p>Die Herausforderung liege darin, die Schadstoffe zuverlässig von den wertvollen Inhaltsstoffen zu trennen, sagt Andreas Kappler. Im Team haben nun die Forscherinnen und Forscher erste Fortschritte bei der Entwicklung eines solchen Verfahrens erzielt. Durch eine nasschemische Extraktion, also das gezielte Waschen der Asche, konnten sie eine Trennung von Schad- und Wertstoffen erreichen. „In der Studie haben wir bei der Extraktion verschiedene Bedingungen variiert. Dadurch haben wir auch wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen, wie mobil die Elemente aus der Asche sind, ob sie etwa gebunden vorliegen oder sich lösen lassen“, sagt Johanna Eichermüller von der Hochschule Rottenburg, die Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse böten eine Grundlage für die Entwicklung geeigneter Lösungsmittel und Prozessbedingungen für die künftige Aufbereitung von Holzaschen. „Das konsequente Recycling der enthaltenen Nähr- und Wertstoffe zur erneuten Nutzung kann den Bedarf an primären Rohstoffen weiter senken und würde zudem Deponieraum sparen“, sagt Thorwarth.<br>&nbsp;</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Johanna Eichermüller, Matthias Scheuber, Andreas Kappler, Harald Thorwarth (2024):<span lang="en" dir="ltr"> Mobility of elements in ashes from a wood-fired heat and power plant with a grate-fired furnace. Energy &amp; Fuels,</span><a href="https://doi.org/10.1021/acs.energyfuels.4c03225" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1021/acs.energyfuels.4c03225</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113121</guid><pubDate>Wed, 20 Nov 2024 11:28:19 +0100</pubDate><title>Nachhaltigkeitspreise und Sustainability Lecture 2024</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachhaltigkeitspreise-und-sustainability-lecture-2024/</link><description>Universität Tübingen prämiert Abschlussarbeiten und eine Dissertation – Ulrich Brand hält Festrede zum Thema „Kapitalismus am Limit? Zu den Widersprüchen der ‚imperialen Lebensweise‘“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Globale Klimadynamiken, Schutz der Artenvielfalt und sozio-ökonomische Verantwortung: Themen der Nachhaltigen Entwicklung stehen im Mittelpunkt von Abschlussarbeiten aller Fachrichtungen an der Universität Tübingen.</p><p>Die besten Abschlussarbeiten die sich einem Thema nachhaltiger Entwicklung widmeten, werden am Dienstag,<strong> 26. November 2024</strong>, mit dem Nachhaltigkeitspreis der Universität Tübingen ausgezeichnet. Die öffentliche Veranstaltung findet um <strong>18.00 Uhr in der Alten Aula, Münzgasse 30</strong>, statt. <strong>Alle Interessierten sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen.</strong> Die Festveranstaltung kann außerdem online via Zoom verfolgt werden (ohne Voranmeldung; Link: <a href="https://zoom.us/j/97664998286?pwd=OnV37dcYTcMNIHKB3cRZqMly7PsQmN.1" target="_blank" rel="noreferrer">https://zoom.us/j/97664998286?pwd=OnV37dcYTcMNIHKB3cRZqMly7PsQmN.1</a> &nbsp;Kenncode: 906515).&nbsp;<br>Weitere Informationen unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/35885" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/35885</a>.</p><p>Neben drei herausragenden Bachelor- und Masterarbeiten wird in diesem Jahr erstmalig auch eine Dissertation gewürdigt. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden erst während der Veranstaltung bekannt gegeben.</p><p>Die diesjährige Sustainability Lecture wird Professor Dr. Ulrich Brand, Politologe von der Universität Wien, halten. Das Thema ist „Kapitalismus am Limit? Zu den Widersprüchen der ‚imperialen Lebensweise‘“. In seiner Festrede wird er das Konzept der imperialen Lebensweise erläutern und die daraus resultierenden globalen Ungleichheiten beleuchten. Dabei werden die Herausforderungen thematisiert, die unsere aktuellen Wirtschafts- und Konsummuster für eine nachhaltige und gerechte Zukunft mit sich bringen.</p><p>Zudem wird die IHK Reutlingen in diesem feierlichen Rahmen der Universität Tübingen das EMAS-Zertifikat überreichen. &nbsp;</p><p>Die Nachhaltigkeitspreise der Universität Tübingen werden seit 2011 vergeben und sollen Studierende ermutigen, sich wissenschaftlich mit Themen Nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen. Die Preisverleihung wird vom Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung und dem Beirat für Nachhaltige Entwicklung organisiert. Die Jury, die die Preisträgerinnen und Preisträger auswählt, setzt sich aus Mitgliedern des Beirats und studentischen Mitgliedern zusammen.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-113055</guid><pubDate>Tue, 19 Nov 2024 11:23:13 +0100</pubDate><title>Wie die Evolution des Gehirns mit dem Gebrauch von Werkzeugen zusammenhängt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-die-evolution-des-gehirns-mit-dem-gebrauch-von-werkzeugen-zusammenhaengt/</link><description>Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen verbindet experimentelle Archäologie mit der Aufzeichnung von Hirnströmen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Veränderungen des Großhirns könnten frühe Menschen zum präzisen Einsatz von Werkzeugen befähigt und so die biokulturelle Evolution in Gang gesetzt haben, die zum heutigen Wesen des Menschen führte. Das hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Alexandros Karakostis vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie und dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen in einer experimentellen Studie festgestellt. Das Team nutzte dabei einen neuen Ansatz: Es zeichnete die Hirnströme von Probandinnen und Probanden mithilfe der Elektroenzephalografie auf, während diese Steinwerkzeuge nutzten, wie sie auch bei frühen Menschen zum Einsatz kamen. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.</p><p>„Für die Evolution von uns Menschen waren technologische Innovationen entscheidend“, sagt Alexandros Karakostis. „Uns interessiert, welche kognitiven Entwicklungen für den Gebrauch relativ einfacher Steinwerkzeuge nötig sind – und an welcher Stelle sich der Mensch und andere Primaten in ihren Fähigkeiten unterscheiden.“ Im Experiment haben die Forscherinnen und Forscher zwei verschiedene Arten des Werkzeuggebrauchs untersucht: Zum einen sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Nüsse knacken mithilfe eines Steins als Hammer, zum anderen sollten sie mit scharfkantigen Steinabschlägen Muster in Leder schneiden. „Die Steinwerkzeuge haben wir als genaue Imitationen von frühen archäologischen Funden angefertigt“, erklärt Simona Affinito, Doktorandin in Karakostis‘ Arbeitsgruppe und Erstautorin der Studie. Während das Nussknacken mithilfe von Steinen auch bei verschiedenen Tieren wie Affen und Menschenaffen beobachtet wurde, sei der Einsatz von Steinabschlägen zum Schneiden nur von Menschen bekannt.</p><h3>Unterschiedliche kognitive Voraussetzungen</h3><p>Bei ihren Bemühungen, die Aufgaben zu erfüllen, wurden die Aktivitätsmuster im Gehirn der Probanden parallel in einem Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. „Im Ergebnis konnten wir deutlich unterscheidbare Aktivitätsmuster im Gehirn bei den verschiedenen Verhaltensweisen und Stufen des Werkzeuggebrauchs ähnlich dem früher Menschen erkennen“, erklärt Affinito. „Die Aktivität in den Scheitel- und Stirnlappen des Großhirns vor allem in der Planungsphase zeigt, wie wichtig diese Hirnregionen im Vorfeld für die Ausführung motorischer Bewegungen sind.“</p><p>Zwar erforderten beide Aufgaben kognitive Anstrengungen, doch seien beim Einsatz der Schneidewerkzeuge deutlich umfangreichere Hirnaktivitäten aufgetreten als beim Nussknacken, berichtet Karakostis: „Diese Unterschiede heben implizit hervor, welche kognitiven Leistungen bei Präzisionsaufgaben benötigt werden. Sie dürften die frühen Menschen befähigt haben, sich ihre Umwelt anzueignen und sie zu formen, wie es zuvor nicht möglich war.“ Durch die neue Studie sei die Grundlage für weitere Untersuchungen zu den kognitiven Voraussetzungen des technologischen Fortschritts des Menschen geschaffen.</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Simona Affinito, Brienna Eteson, Lourdes Tamayo Cáceres, Elena Theresa Moos, Fotios Alexandros Karakostis: Exploring the cognitive underpinnings of early hominin stone tool use through an experimental EEG approach. Scientific Reports, <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-024-77452-0" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41598-024-77452-0</a>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112950</guid><pubDate>Mon, 18 Nov 2024 09:57:14 +0100</pubDate><title>Schülerinnen und Schüler beim Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz geehrt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schuelerinnen-und-schueler-beim-bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-geehrt/</link><description>Algorithmen für eine intelligente Ampelschaltung, scharfe Mikroskopbilder und gegen Bienensterben – Bundespräsident Steinmeier tauscht sich mit Finalisten in Tübingen aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Sebastian Steppuhn aus Pforzheim gewann am Freitag mit seinem Projekt “Bee ai“ den diesjährigen Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz. Der Siebzehnjährige hat eine KI entwickelt, die schädliche Varroamilben auf Bienen erkennt. Eine Apparatur sortiert anschließend befallene Bienen automatisch für eine gezielte Behandlung aus. Die KI-Anwendung des Schülers aus Baden-Württemberg stärkt die Gesundheit der Bienenstöcke und könnte ein Beitrag gegen das Bienensterben sein.</p><p>Neun weitere Schülerteams hatten sich mit ihren Projektideen für das BWKI-Finale qualifiziert und wurden von der Jury begutachtet. Sie traten für ein gesundes Herz, intelligente Wassersteuerung oder gegen Lebensmittelverschwendung an.</p><p>Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war nach Tübingen gereist, um den KI-Nachwuchs persönlich zu treffen. „Am bewundernswertesten sind die jungen Leute – Mädchen und Jungs – die sich mit großer Kreativität, mit Mut und Fantasie ihren Entwicklungen widmen und die meisten noch neben ihrer normalen Schule in ihrer Freizeit (…). Erstaunlich, was wir da gesehen haben, aber gerade mit Blick auf diese jungen Leute sage ich, um diesen Nachwuchs muss uns nicht bange sein“, so Steinmeier.</p><p>Das Motto des Wettbewerbs lautete: “Welche Freiheit gibt dir KI?”, angelehnt an das Wissenschaftsjahr 2024 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hauptförderer des BWKI ist die Carl-Zeiss-Stiftung.</p><p>Sebastian Steppuhn, der Gewinner des Hauptpreises, erhält 1.500 Euro sowie einen Praktikumsplatz beim Robotik- und Automationsunternehmen FANUC.</p><p>Mit dem Preis in der Sonderkategorie „AI for Good“ wurde Leonie Weiss aus Regensburg für ihr KI-Projekt „TrafficAid“ ausgezeichnet. Die achtzehnjährige Schülerin konnte sich über 1.000 Euro Preisgeld freuen. Durch ihre intelligente Ampelschaltung werden Fahrzeuge jeglicher Art, egal ob Auto oder Fahrrad, erkannt. Die Ampel schaltet nur dann auf Rot, wenn es auch wirklich notwendig ist, und unterbricht den Verkehrsfluss nicht. Die Jury wertete den Nachhaltigkeitsgedanken in punkto Ökobilanz aber auch Sicherheit als positiv.</p><p>Den mit 750 Euro dotierten Preis für die Sonderkategorie „No risk, no fun!“ erhielten Anna Perkovic und Nicholas Dahlke aus Lörrach, Baden-Württemberg. Die beiden Siebzehnjährigen nutzten KI, um ein ungeklärtes chemisches Rätsel zu lösen: warum gefriert heißes Wasser schneller als kaltes? Der Sonderpreis „KI-Forschung“ ehrte Lorenz Rutkevich aus dem niedersächsischen Leer mit seinem innovativen Projekt „SeesDisease“, das gestochen scharfe Bilder von Zellen mithilfe von KI-gestützter medizinischer Mikroskopie ermöglicht. Damit können auch in Entwicklungsländern mit einfachen Mikroskopen qualitativ hochwertige Zellaufnahmen gemacht werden.</p><p>Als Publikumsfavorit ging Peter Fuchs aus Hannover mit seinem Projekt „FolderCopter“ hervor und erhielt dafür 500 Euro. Der Sechzehnjährige möchte damit die Suche nach Daten auf dem Computer erleichtern. Bereits seit dem 1. November konnten sich alle Interessierten auf der BWKI-Website über die Projekte informieren und ihren persönlichen Liebling wählen.</p><p>Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen waren im Rahmen des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz das sechste Jahr in Folge dazu aufgerufen, alleine oder im Team mit bis zu vier Personen ein eigenes KI-Projekt zu entwickeln und damit einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt zu leisten. Nach der Anmeldung der Projektideen im Frühjahr 2024 hatten die Jugendlichen ein halbes Jahr Zeit für die Umsetzung. Zehn Teams qualifizierten sich für das Finale in Tübingen am Freitag und hatten dort die Chance, mit ihrem Pitch eine hochkarätige Jury von ihren Projekten zu überzeugen. Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird auch im kommenden Jahr ausgeschrieben.</p><p>„Ich bin besonders stolz, dass wir als Exzellenzuniversität die Zukunftsthemen KI und Bildung nicht nur in der Forschung und Lehre vorantreiben, sondern mit dem Bundeswettbewerb KI und vielen anderen Initiativen auch in die breite Bevölkerung bringen", erklärte Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, und dankte den BWKI-Initiatoren.</p><p>Entsprechend lud ein buntes Rahmenprogramm rund um das BWKI-Finale die Öffentlichkeit zum Mitmachen ein: Interessierte konnten ihr digitales Abbild in eine Holobox projizieren, eine interaktive <a href="https://fox-assembly.com/" target="_blank" rel="noreferrer">Murmelbahninstallation</a> testen oder sich im angrenzenden <a href="https://ki-maker.space/" target="_blank" rel="noreferrer">KI-Makerspace</a> mit Mini-Robotern oder am 3D-Drucker austoben.</p><p>In einer interaktiven Veranstaltung im Welt-Café-Format konnte man sich in Gruppen mit Gästen wie Florian Fabricius (Generalsekretär a. D., <a href="https://bundesschuelerkonferenz.com/" target="_blank" rel="noreferrer">Bundesschülerkonferenz</a>), Christoph Krüger (Schulleiter und <a href="https://www.schulgelaber.de/" target="_blank" rel="noreferrer">Blogger</a>), Prof. Dr. Ute Schmid (<a href="https://www.uni-bamberg.de/kogsys/team/schmid-ute/" target="_blank" rel="noreferrer">Universität Bamberg</a>) und Florian Borns (<a href="https://digitale-helden.de/" target="_blank" rel="noreferrer">digitale Helden</a>) über den Einsatz digitaler Medien und Bildungsgerechtigkeit austauschen. Die Ergebnisse wurden anschließend in einer von Bildungsreferentin <a href="https://ebildungslabor.de/" target="_blank" rel="noreferrer">Nele Hirsch</a> moderierten Podiumsdiskussion vorgestellt. Das Fazit: Schulen brauchen mehr Freiräume für innovative digitale Entwicklungen.</p><p>Neben der Carl-Zeiss-Stiftung als Hauptförderer wird der Wettbewerb durch die Unternehmen FANUC, Festo, Droemer und Knaur unterstützt. Kooperationspartner sind: das Wissenschaftsjahr, die Hochschule der Medien und IT4Kids. In diesem Jahr ist heise online BWKI-Medienpartner.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Schülerinnen und Schüler sollen motiviert werden, eigene Ideen für eine bessere Welt von morgen mithilfe von KI umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI-Forschungsstandort Tübingen durch Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor des Tübingen AI Center), Dr. Wieland Brendel (ELLIS-Institut Tübingen, Tübingen AI Center, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Tübingen) und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen und Wissenschaftlicher Direktor des ELLIS-Instituts Tübingen) ins Leben gerufen und ermöglicht seitdem Jugendlichen, ihr Können aktiv im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen. Schirmherr ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Der BWKI ist als empfohlener Wettbewerb der Kultusministerkonferenz gelistet. Mehr Infos unter: <a href="http://www.bw-ki.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.bw-ki.de</a> &nbsp;</p><h3>Über das Tübingen AI Center</h3><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist ein Outreach-Projekt des Tübingen AI Centers. Das KI-Zentrum ist eine Einrichtung der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, gefördert vom Forschungsministerium Baden-Württemberg und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel der Forschenden ist die Weiterentwicklung robuster lernender Systeme. Gleichzeitig sollen maschinelle Entscheidungsprozesse besser interpretierbar und fairer werden. Grundlagenforschung wird mit Transfer und Ausbildung verknüpft. Gemeinsam mit anderen Forschenden in Europa soll ein Beitrag für gesellschaftlich wertvolle Technologien als “AI made in Europe” geleistet werden. Mehr Informationen unter: <a href="http://www.tuebingen.ai" target="_blank" rel="noreferrer">www.tuebingen.ai&nbsp;</a></p><h3>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert. Mehr Infos unter: <a href="http://www.carl-zeiss-stiftung.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.carl-zeiss-stiftung.de</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112884</guid><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 16:55:09 +0100</pubDate><title>Studieninfotag an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studieninfotag-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Schülerinnen und Schüler informieren sich über Studienfächer an der Universität Tübingen – 7.000 Besucher erwartet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim Studieninfotag am <strong>Mittwoch, 20. November,</strong> können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zu den 200 Studiengängen an der Universität Tübingen informieren - von Ägyptologie bis Zahnmedizin. Der Studieninfotag gibt erste Einblicke in Themen, Studienvoraussetzungen und berufliche Perspektiven. Erwartet werden etwa 7.000 interessierte Schülerinnen und Schüler.</p><p><strong>Vormittags</strong> können sie an zwei zentralen Veranstaltungsorten, dem Campus Tal (Neue Aula, Kupferbau, Infozelt) und dem Campus Morgenstelle (Hörsaalzentrum Morgenstelle), über 80 Kurzvorträge und rund 50 Infostände verschiedener Studienfächer besuchen. Zudem gibt es Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie Studienwahl, Lehramtsstudium, Studienfinanzierung (BAföG) oder Auslandssemester.</p><p>Das Programm beginnt um 9.00 Uhr mit Vorträgen und dem Infomarkt. Alle Angebote der Geistes- und Kulturwissenschaften, Theologien, Wirtschafts-, Sozial-, Sport- und Rechtswissenschaften sowie Psychologie finden auf dem Campus Tal statt, alle Angebote zu den Naturwissen-schaften, Medizin und Gesundheitswissenschaften auf dem Campus Morgenstelle.</p><p>Am <strong>Nachmittag</strong> (ab 13:00 Uhr bis ca. 16:00 Uhr) sind Studieninteres-sierte herzlich eingeladen, an den vielfältigen Aktivitäten in den Instituten und Lehrgebäuden der Fächer teilzunehmen und Studierende oder Leh-rende persönlich in Seminaren, Vorlesungen, Labor- und Institutsführungen kennenzulernen. Das Nachmittagsprogramm findet in den verschiedenen Instituten der teilnehmenden Studiengänge statt.</p><p>Zwischen dem Tübinger Hauptbahnhof und den Veranstaltungsorten Neue Aula, Kupferbau sowie Hörsaalzentrum (und zurück) pendeln am Studieninfotag im Zehnminutentakt kostenlose Shuttlebusse.</p><p>Auf den regulären Pendlerstrecken in Richtung Tübingen ist am 20. November voraussichtlich mit einer sehr hohen Auslastung zu rechnen. Allen anreisenden Schülerinnen und Schülern sowie beruflichen Pendlerinnen und Pendlern nach Tübingen wird empfohlen, genügend Zeit einzuplanen.</p><p><strong>Das Programm und weitere Hinweise zur Anreise finden Sie unter </strong><a href="/studium/studieninteresse/angebote-fuer-studieninteressierte/studieninfotag/"><strong>www.uni-tuebingen.de/studieninfotag</strong></a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112872</guid><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 15:00:12 +0100</pubDate><title>Unsicherheiten sichtbar machen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unsicherheiten-sichtbar-machen/</link><description>Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung für interdisziplinäres Projekt zur Darstellung und Kommunikation von Unsicherheiten in der Wissenschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung an der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Dr. Solmaz Mohadjer, Professor Dr. Peter Dietrich und Michael Pelzer. Das interdisziplinäre Team aus <span lang="en" dir="ltr">Global Awareness Education</span>, Geowissenschaften und Wissenschaftskommunikation be-schäftigt sich in einem gemeinsamen Projekt mit der Visualisierung und Kommunikation von Unsicherheiten in wissenschaftlichen Erkenntnissen. Mit dem Forschungspreis unterstützt die Dr. K. H. Eberle Stiftung innovative Projekte, die sich mit drängenden Fragen der Zukunft beschäftigen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.</p><p>„Um globale Herausforderungen wie den Klimawandel zu bewältigen, braucht es Vertrauen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“, sagt die Geowissenschaftlerin Dr. Mohadjer aus dem Bereich <span lang="en" dir="ltr">Global Awareness Education</span>. „Deshalb müssen Unsicherheit und Vorläufigkeit als Kernelemente der wissenschaftlichen Arbeit sichtbar und verständlich sein, gerade für Menschen, die nicht aus der Wissenschaft kommen.“ Dabei konzentriert sich das Projektteam auf die Darstellung geowissenschaftlicher Unsicherheiten, etwa bei Wetterkarten oder Naturgefahren.</p><p>„Das Thema Unsicherheiten – insbesondere bei Zahlen, Daten und Fakten in der Wissenschaft – ist aus Sicht der Stiftung von enormer gesellschaftlicher Relevanz. Informiertere Debatten leisten einen wichtigen Beitrag zum demokratischen Diskurs“, sagt Dr. Alexandra Zoller, Vorstandsmitglied der Dr. K. H. Eberle Stiftung. „Es gibt in der Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten. Das zu zeigen, indem Unsicherheiten transparent und verständlich gemacht werden, ist ein wesentlicher Beitrag um <span lang="en" dir="ltr">Fake News</span>, Verschwörungstheorien, Hass und Hetze entgegenzuwirken.</p><p>Seit 2017 zeichnet die Dr. K. H. Eberle Stiftung jährlich ein innovatives Forschungsprojekt an der Universität Tübingen aus. Die Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112824</guid><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 10:30:06 +0100</pubDate><title>Eiszeitkunst trifft auf Moderne</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eiszeitkunst-trifft-auf-moderne/</link><description>Archäologie der Universität Tübingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren präsentieren Ausstellung zur Gegenwartskunst im Dialog mit Funden aus dem UNESCO-Weltkulturerbe der Alb</description><content:encoded><![CDATA[<p>Künstler gab es schon vor mehr als 40.000 Jahren. Sie schnitzten ausdrucksstarke Tier- und Menschenfiguren aus Mammutelfenbein und bemalten Höhlenwände mit lebhaften Jagdszenen, aber auch mit abstrakten Linien, Flächen und Formen. Der Drang, Artefakte zu kreieren und sie mit tieferem Sinn aufzuladen, zeichnet den Menschen seitdem aus. Den eiszeitlichen Kunstfunden aus dem UNESCO-Welterbegebiet „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ stellt das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) nun die Werke von zehn international namhaften Gegenwartskünstlern gegenüber, die sich von den archaischen Motiven der frühen Jäger- und Sammlergesellschaften haben inspirieren lassen. Die Ausstellung trägt den Titel „Eiszeitwesen. Moderne Perspektiven zur Eiszeitkunst“, läuft vom 16. November 2024 bis zum 12. Januar 2025 und wurde von Studierenden und Lehrenden der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie an der Universität Tübingen gemeinsam mit dem Blaubeurer Museum entwickelt.</p><p>„Als Forschungsmuseum sitzt das urmu am Puls der Wissenschaft: Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse machen wir hier unmittelbar öffentlich“, sagt Professor Nicholas Conard, Tübinger Abteilungsleiter und zugleich wissenschaftlicher Direktor des urmu. „Glücklicherweise können wir hier aber auch darstellen, wie Urgeschichte fasziniert und wie heute kreative Köpfe auf Basis der eiszeitlichen Funde mit neuen Materialien neue, vollkommen unterschiedliche Kunstwerke schaffen.“</p><h3>Gewichtige Bronzebüsten und Kunst, die unter die Haut geht</h3><p>Begrüßt werden die Ausstellungsgäste von einer Reihe keramischer Wildtierplastiken, die urzeitlich und wie just archäologisch ausgegraben anmuten. Die Künstlerin <strong>Ule Ewelt</strong> hat sie ebenso deutlich stilisiert wie die berühmten Elfenbeinstatuetten aus den Höhlen der Schwäbischen Alb und hinterfragt die Beziehung von Eiszeitmensch und Tier.<br>An nächster Stelle erfindet <strong>Lisa Moll</strong> auf oft runden und faltbaren Malgründen eigene Formen: Mal sehen sie organisch aus, mal wie mutierte Körperteile und mal sind sie Schriftfragmente. So entstehen Formulierungen und Performances, die Bezug auf Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst nehmen.<br>Der israelische Künstler <strong>Abi Shek</strong> ist mit Metallskulpturen und Holzschnitten vertreten, die in der Ausstellung an die Seite eiszeitlichen Schmucks und urgeschichtlicher Tierfiguren treten. Die silhouettenhaften Gestalten aus seiner Hand stehen der prähistorischen Kunst in einer modernen Formensprache gegenüber, die das Verhältnis von Mensch und Kultur thematisiert.<br>Mit der Technik der Radierung − dem Gravieren eines Motivs in eine Druckplatte – greift <strong>Jürgen Mack </strong>Steinzeitkunst an Höhlenwänden auf. Seine Jagdmotive entspringen seinen eigenen Erfahrungen mit experimenteller Archäologie und fügen sich zwischen archaischen Menschendarstellungen im Museum harmonisch ein.&nbsp;<br><strong>Bertram Bartl </strong>vermag es, in seinen jüngsten Gemälden zu irritieren: Mit der Verbindung weiblicher und männlicher Sexualorgane spielt er auf die in den altsteinzeitlichen Frauenfiguren und Phallusdarstellungen angelegten Fragen der Geschlechteridentität an.&nbsp;<br>Zu überraschend massiven Figuren haben die eiszeitlichen Kleinkunstwerke<strong> Fabian Vogler</strong> inspiriert: Aus seinem Atelier stammen beispielsweise vier gewichtige Bronzebüsten. Sie stehen wie Wächterinnen um die Venus vom Hohle Fels − der mit einem Alter von 40.000 Jahren ältesten bekannten figürlichen Darstellung der Menschheit –, sind ebenso prall wie ihr vorgeschichtliches Vorbild und reihen sich in Voglers Arbeiten zum Thema geschlechtlicher Varianz ein.&nbsp;<br>Ein wahrer Experte für Archäologie ist <strong>Friedrich Palmer</strong>. Mit großformatigen Kohlezeichnungen begibt er sich auf die Suche nach nicht nachweisbaren Gefühlen und Gedanken in archaischen Zeiten und stellt den Fakten archäologischer Forschung eine emotionale Ebene entgegen.&nbsp;<br>„Strata“, italienisch für Schichten, heißt das international beachtete Film- und Performancekunstprojekt des Künstlerpaars <strong>Verena Stenke </strong>und <strong>Andrea Pagnes</strong>, alias VestAndPage − an Schauplätzen des UNESCO-Welterbegebiets gedreht. Wie in archäologischen Ausgrabungen ist es ihr Ansinnen, Vergangenes und Verborgenes aufzudecken. Schicht um Schicht, um Verbindungen des Menschen zu seiner Umgebung sichtbar zu machen.&nbsp;<br>Der Körperkunst verschrieben hat sich schließlich <strong>Rhoda Fromme</strong> unter dem Label rhoda.tattoo. Fotos, Zeichnungen und auf Video aufgezeichnete Tattoosessions zeugen davon, wie sie Höhlenmalereien und Steinritzungen in eine Kunst umsetzt, die unter die Haut geht.</p><h3>Tiefe Faszination für die Hinterlassenschaften unserer Vorfahren</h3><p>Seinen Ausgang hatte das Ausstellungsprojekt an der Universität Tübingen im Semester 2021/22 in einem Team um Dr. Sibylle Wolf. Eiszeitfiguren und das Zusammenspiel von Eiszeitkunst und Gegenwartskunst waren das Thema in dem Studierendenseminar. Es gelang, die Maler, Bildhauer, Performance- und Videokünstler für das Projekt zu gewinnen. „Die Künstlerinnen und Künstler haben eine tiefe Faszination für die materiellen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren und begeisterten sich direkt für die Dinge, die vor 40.000 Jahren erschaffen wurden“, berichtet Dr. Wolf. Im vergangenen Jahr waren die Kunstschaffenden drei Tage lang eingeladen, Eiszeitkunst intensiv zu erleben. Sie besuchten sowohl die UNESCO-Welterbehöhlen im Ach- und Lonetal wie auch das urmu und nahmen Eingebungen für ihre Arbeit mit.</p><p>„Unser Zugang zur Eiszeitkunst von prähistorischer und archäologischer Seite ist von wissenschaftlicher Belegbarkeit dominiert“, sagt Professor Harald Floss von der Universität Tübingen, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit Kunst befasst, die sich Inspirationen aus der Eiszeit holt. „Ich bin davon überzeugt, dass Wissenschaft nur ein Zugang ist.“ Die Künstler hätten einen eigenen Blick auf die Kunst von vor 40.000 Jahren und die damit verbundenen Themen und Techniken, sagt Floss: „Was sie an der Eiszeitkunst interessiert und wie sie sie als Inspirationsquelle nutzen, ist divers. Aber es vereinen sie Fragen wie etwa, wer wir als Homo sapiens sind, in welchem Verhältnis der Mensch zu seiner Umwelt steht und wie er sich in einer gemeinsamen menschlichen Ursprache ausdrücken kann.“ </p><p><strong>Das Programm zum Eröffnungswochenende im Überblick unter</strong><a href="https://www.urmu.de/sonderausstellungen/eiszeitwesen-moderne-perspektiven-zur-eiszeitkunst" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.urmu.de/sonderausstellungen/eiszeitwesen-moderne-perspektiven-zur-eiszeitkunst</a>&nbsp;</p><h3>Die Ausstellung wurde realisiert mit Unterstützung von:</h3><p>Die Ausstellung ist finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat. Der überwiegende Teil der Fördermittel stammt aus den Erlösen der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Weitere Geldgeber sind die Gesellschaft für Urgeschichte e.V. und pro.urmu, der Förderkreis des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112455</guid><pubDate>Tue, 05 Nov 2024 15:11:00 +0100</pubDate><title>37. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/37-tuebinger-poetik-dozentur-1/</link><description>Daniel Kehlmann, Nora Bossong und David Schalko an der Universität Tübingen
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 37. Tübinger Poetik-<span lang="de" dir="ltr">Dozentur </span>ein: Daniel Kehlmann, Nora Bossong und David Schalko werden vom 11. bis zum 14. November 2024 über ihre literarischen und essayistischen Texte sowie über ihre Drehbücher und Filme sprechen. Daniel Kehlmann liest zum traditionellen Auftakt der Veranstaltungswoche am Sonntag, den 10. November, um 16 Uhr, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Die Vorlesungen und Gespräche an der Universität Tübingen finden jeweils um 19 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen) statt und können auch über einen Livestream verfolgt werden.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur wird von der Stiftung Würth gefördert, die Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG richtet die Auftaktlesung von Daniel Kehlmann in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall aus. Einmal jährlich werden Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten.</p><h3>Die Termine im Überblick</h3><p><strong>Lesung </strong>von Daniel Kehlmann, am Sonntag, 10. November, um 16 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall (ausgebucht).</p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br>jeweils 19 Uhr c. t., Neue Aula, Audimax. Der Eintritt ist frei.</p><ul><li><strong>Montag, 11. November:</strong> Daniel Kehlmann: „Gattungen, Tonfälle, Stimmen“</li><li><strong>Dienstag, 12. November:</strong> Daniel Kehlmann und David Schalko. Ein Gespräch: „Kafka und wir“</li><li><strong>Mittwoch, 13. November:</strong> Daniel Kehlmann und Nora Bossong: Ein Gespräch: „Über Geschichte schreiben“</li><li><strong>Donnerstag, 14. November:</strong> Nora Bossong: „Fakten und Fiktionen“</li></ul><p>Am Freitag, den 15.11., findet ein Workshop mit Nora Bossong für Studierende statt.</p><p>Weitere Informationen unter <a href="https://www.poetik-dozentur.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.poetik-dozentur.de</a>.</p><h3>Die Gäste der Poetik-Dozentur 2024</h3>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112344</guid><pubDate>Tue, 05 Nov 2024 14:27:55 +0100</pubDate><title>Spitzenförderung des Europäischen Forschungsrats für Verbundprojekt in der Quantenphysik</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/spitzenfoerderung-des-europaeischen-forschungsrats-fuer-verbundprojekt-in-der-quantenphysik/</link><description>Universität Tübingen koordiniert Forschung zu Synergy Grant mit den Universitäten Mainz und Stockholm beim Aufbau von neuartigen Quantensystemen – Verzahnung von Theorie und Experiment</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gemeinsam haben Professor Igor Lesanovsky vom Institut für Theoretische Physik der Universität Tübingen, Professor Ferdinand Schmidt-Kaler von der Universität Mainz und Professor Markus Hennrich von der Universität Stockholm ein Synergy-Grant-Projekt des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten. Ziel ist die Erforschung von offenen Quantensystemen mit Quantensimulatoren bestehend aus elektronisch angeregten Ionenkristallen. Solch ein neuartiger Quantensimulator kann Fragestellungen in der Physik beantworten, soll aber auch zum Verständnis komplexer Vorgänge in Chemie, Biologie und der Informationsverarbeitung eingesetzt werden. Der ERC fördert das Projekt mit insgesamt knapp zehn Millionen Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren. Davon sind rund drei Millionen Euro für die Forschungsarbeiten an der Universität Tübingen vorgesehen. Mit den Synergy Grants fördert der ERC einen Verbund aus zwei bis vier Forschungsgruppen, die ihre unterschiedlichen Expertisen in die gemeinsame Bearbeitung anspruchsvoller Forschungsfragen einbringen. Geförderte Projekte sollen an den Schnittstellen zwischen Disziplinen forschen und zu neuen Erkenntnissen an der Grenze des gegenwärtigen Wissens führen.</p><h3>Ionenkristall als Systembaustein</h3><p>Im ERC-Projekt <span lang="en" dir="ltr">„Open 2D Quantum Simulator“ (Open-2QS) </span>– Offener 2D-Quantensimulator – werden die Forscher präzise kontrollierbare Quantensysteme realisieren. Dazu werden Ionen in Fallen gespeichert, in denen sie regelmäßige zweidimensionale Strukturen ausbilden, sogenannte Ionenkristalle. Die Ionen werden nun mit Laserpulsen anregt und dadurch gezielt in Wechselwirkung gebracht. Die dynamischen Vorgänge in einem solchen synthetischen Quantensystem sind so komplex, dass eine Vorhersage die Leistungsfähigkeit klassischer Computer weit übersteigt. „Bisher waren im Labor erzeugte synthetische Quantensysteme sehr kurzlebig. Unser Ziel im ERC-Synergy-Projekt ist es, die Lebensdauer dramatisch zu verlängern. Dies wird völlig neue Möglichkeiten zur Erforschung komplexer Materiezustände, zum Beispiel Quantengläsern, ermöglichen“, erklärt Igor Lesanovsky.</p><h3>Synthetische Quantensysteme und deren Beobachtung</h3><p>Für das Projekt haben sich drei Pioniere auf dem Gebiet der Forschung an elektronisch hochangeregten Ionen zusammengefunden. Um das wissenschaftlich anspruchsvolle Ziel gemeinsam zu verwirklichen, nutzen die Forscher die besonderen Eigenschaften von atomaren Ionen aus. Diese sind positiv geladen, weil ihnen ein Elektron fehlt, und sie stoßen sich dadurch gegenseitig ab. „Von außen werden die Ionen von einer elektrischen Falle umgeben. Die Kräfte halten sich dabei die Waage: Von außen wird das System durch die Falle begrenzt, untereinander bleiben die Ionen aber durch ihre Abstoßung auf Abstand. Genau dadurch bilden sich Ionenkristalle aus. Dieses System ist so stabil, dass es über viele Stunden untersucht werden kann“, so Ferdinand Schmidt-Kaler.</p><p>Nun kann man die Ionen mit Laserstrahlen beschießen und dadurch anregen. „Ein weiteres Elektron aus der Hülle wird in einen höheren Energiezustand gebracht. Man hat dann also einen zweifach positiv geladenen Kern mit einem Elektron auf einer sehr weit außen liegenden Umlaufbahn. Ionen in diesem Zustand werden als Rydberg-Ionen bezeichnet. Zwei benachbarte Rydberg-Ionen treten in Wechselwirkung – wie zwei magnetische Nadeln, die sich gegenseitig beeinflussen und ausrichten“, sagt Markus Hennrich. Durch die Steuerung mit Laserpulsen lässt sich das synthetische Quantensystem an- und ausschalten, zum Beispiel um komplexe magnetische Materialien besser zu verstehen. Laserpulse können auch für eine spontane Lichtaussendung aus dem Quantensystem sorgen, wodurch es zeitgleich beobachtet werden kann. Solch ein offenes System, das im Energieaustausch mit der Umwelt steht, soll im ERC-Projekt für die Beobachtung künstlich realisierter chemischer oder biologischer Vorgänge eingesetzt werden.</p><p>Die unvorstellbare Komplexität von Quantendynamik lasse sich an folgendem Beispiel demonstrieren, so Lesanovsky: Schon ein System von 300 Teilchen, die jeweils zwei Zustände annehmen können, kann in so vielen verschiedenen Konfigurationen angetroffen werden, wie es Atome im sichtbaren Universum gibt. „Hochinteressant an solchen Systemen ist ihr emergentes Verhalten. Das bedeutet, dass die Eigenschaften des Gesamtsystems völlig neuartige Phänomene zeigen, die man aus den Eigenschaften eines einzelnen Teilchens nie vermutet hätte. So wie ein großer Schwarm von Vögeln sich ganz anders am Himmel bewegt als ein einzelner Vogel. In den letzten Jahren ist theoretische Quantenphysik oft dem Experiment vorausgegangen. Inzwischen kommen aber viele neue Impulse aus den Daten von extrem gut kontrollierten Quantensimulatoren und regen die Entwicklung neuer Methoden in der Theorie an“, sagt Lesanovsky. Daher ist die Zusammenarbeit von experimentell und theoretisch arbeitenden Forschern, wie hier im ERC-Synergy-Projekt, essenziell, um Fortschritte zu erreichen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112353</guid><pubDate>Tue, 05 Nov 2024 11:44:00 +0100</pubDate><title>Otobong Nkanga ist „Invited Artist” der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/otobong-nkanga-ist-invited-artist-der-universitaet-tuebingen/</link><description>International renommierte Künstlerin ist für drei Wochen zu Gast an der Universität Tübingen und bietet interdisziplinären Workshop an.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Otobong Nkanga ist „Invited Artist“ der Universität Tübingen. Die Künstlerin wird ab dem 5. November 2024 für drei Wochen in Tübingen sein und unter anderem einen Workshop für Studierende abhalten.</p><p>Otobong Nkanga wurde 1974 in Nigeria geboren und lebt in Antwerpen. In Kunst und Performance beschäftigt sie sich mit der Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt sowie Fragen von Identitäten und Zugehörigkeiten. Die Künstlerin stellte bereits auf der documenta in Kassel sowie der Biennale in Venedig aus. Aktuell ist sie Teil einer Ausstellung in der Bourse de Commerce in Paris. Unmittelbar vor ihrem Besuch in Tübingen eröffnete sie eine Installation im Museum of Modern Art, New York.</p><p>Mit „Invited Artist“ fördert die Universität Tübingen Kreativität, künstlerisches Verständnis und kulturelle Diversität. Dafür lädt sie internationale Künstlerinnen und Künstler ein, um Studierenden aller Fakultäten einen Zugang zu zeitgenössischer Kunst zu ermöglichen. Otobong Nkanga ist die sechste „Invited Artist“ seit Beginn des Programms 2018.<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112149</guid><pubDate>Wed, 30 Oct 2024 10:09:07 +0100</pubDate><title>Durch den Klimawandel könnten giftige Metalle in Böden stärker als bisher mobilisiert werden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/durch-den-klimawandel-koennten-giftige-metalle-in-boeden-staerker-als-bisher-mobilisiert-werden/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) untersucht Wirkung steigender Temperaturen und Kohlendioxidgehalte der Luft auf die Landwirtschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch die zu erwartenden Änderungen im Klimawandel könnten die natürlicherweise in Böden vorkommenden giftigen Metalle mobiler werden, Ökosysteme destabilisieren und über die Landwirtschaft verstärkt in die menschliche Nahrungskette gelangen. Solche Szenarien ergeben sich vor allem bei leicht sauren Böden, was bei rund zwei Drittel aller Böden der Fall ist. Das hat eine experimentelle Studie an landwirtschaftlich genutzten Böden ergeben, die auf das krebserregende Cadmium untersucht wurden. Sie stand unter der Leitung von Juniorprofessorin Marie Muehe aus der Pflanzen-Biogeochemie der Universität Tübingen und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift<i><span lang="en" dir="ltr"> Nature Communications Earth and Environment</span></i> veröffentlicht.</p><p>Bis zum Jahr 2100 wird ein weltweiter Temperaturanstieg von zwei bis vier Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau prognostiziert, begleitet von einer Verdoppelung des heutigen Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre. Die Niederschlagsmengen könnten in Deutschland etwas zurückgehen. „Der Klimawandel und Metalle versetzen die Mikroorganismen im Boden, in ihrer Gesamtheit als Bodenmikrobiom bezeichnet, unabhängig voneinander in Stress. Wir wollten nun die bisher wenig bekannten kombinierten Effekte dieser Einflüsse untersuchen“, berichtet Marie Muehe. Giftige Metalle gebe es in jedem Boden auf unserer Erde, sagt die Forscherin, doch spielten sie in gebundener Form kaum eine Rolle für die Bodenlebewesen und den Pflanzenanbau. Anders sei es, wenn die Metalle mobilisiert werden. „In unserer Studie haben wir das Paradebeispiel eines giftigen im Boden vorkommenden Metalls untersucht, das Cadmium“, sagt sie. Cadmium wirke auf alle Lebewesen giftig, weil es physiologische Prozesse in den Zellen hemmt.</p><h3><br>Komplexe Wechselwirkungen</h3><p>Im Experiment hat das Forschungsteam Säulen mit landwirtschaftlich genutzten Böden gefüllt, die von verschiedenen Betrieben zur Verfügung gestellt wurden. „Wir haben diese Böden im Labor eine reguläre Wachstumsperiode in Deutschland durchlaufen lassen, aber unter den angenommenen Klimabedingungen des Jahres 2100“, erklärt der Erstautor der Studie Sören Drabesch von der Universität Tübingen und dem UFZ. „Die Änderungen des Bodens und Bodenmikrobioms wurden zeitlich aufgelöst untersucht.“</p><p>Im Ergebnis stellte das Forschungsteam fest, dass die Mobilität des im Boden vorhandenen Cadmiums unter den künftigen Klimabedingungen bei sommerlichen Temperaturen in leicht sauren Böden gegenüber heutigen Bedingungen um etwa 40 Prozent zunimmt. „Es ist dann in höheren Konzentrationen im Porenwasser des Bodens zu finden und beeinflusst das Bodenmikrobiom, beziehungsweise das Aktivitätsmuster verschiedener Mikroorganismen“, sagt Drabesch. „Bestimmte Mikroorganismen werden aktiver, verwerten mehr Stickstoff und versauern das Bodenmilieu dadurch weiter.“ In manchen Böden steigen die Cadmiumwerte so stark, dass das Bodenmikrobiom darunter leidet und das Ökosystem seine Funktionsweise anpassen muss. Hingegen hätten sich bei ursprünglich leicht alkalischen Böden keine vergleichbaren Probleme gezeigt. Dort sei auch unter veränderten Klimabedingungen das Cadmium nicht stärker mobilisiert worden.</p><p>Die Studie zeige, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen dem Klimawandel, den Stoffen im Boden und den Bodenmikrobiomen seien, sagt Muehe. „Die Ökosysteme, eben auch die landwirtschaftlichen Ökosysteme, könnten in Zukunft massiv durch erhöhte Mengen an mobilem Cadmium gestört werden. Dadurch könnten sich auch die durch die Landwirtschaft entstehenden Treibhausgasemissionen ändern und das mobile Cadmium in Nutzpflanzen gelangen, was dann gesundheitsschädlich für den Menschen sein könnte.“ Diese Entwicklungen müssten weiter beobachtet werden.</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Sören Drabesch, Oliver J. Lechtenfeld, Esmira Bibaj José Miguel Leon Ninin, Juan Lezama Pachecco, Scott Fendorf, Britta Planer-Friedrich, Andreas Kappler, E. Marie Muehe: Climate induced microbiome alterations increase cadmium bioavailability in agricultural soils with pH below 7. Nature Communications Earth and Environment, <a href="https://doi.org/10.1038/s43247-024-01794-w" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s43247-024-01794-w</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-112134</guid><pubDate>Wed, 30 Oct 2024 09:15:43 +0100</pubDate><title>Höhle der Löwen: Ockernutzung vor 48.000 Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hoehle-der-loewen-ockernutzung-vor-48000-jahren/</link><description>Größte Studie zur Ockergewinnung in Afrika enthüllt den Transport wertvoller Erdmineralpigmente über weite Entfernungen und bestätigt die „Lion Cavern“ als älteste Ockermine der Welt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr">Nature Communications</span> erschienene Studie untersucht die Nutzung von Ocker im südlichen Afrika und zeigt, dass das Erdmineral dort seit knapp 50.000 Jahren als Farbstoff und für rituelle Zwecke eingesetzt wird. Die Forschenden analysierten 173 Proben aus 15 steinzeitlichen Fundstellen und rekonstruierten Methoden der Ockergewinnung, die Verwendung und Netzwerke des Transports, wobei lokale Strategien und Fernhandel eine Rolle spielten. Die Ergebnisse deuten auf eine generationsübergreifende Weitergabe von Wissen hin, verbunden mit sozialem Austausch und technologischem Lernen. Zudem identifizierte das Forschungsteam die „<span lang="en" dir="ltr">Lion Cavern</span>“ in Eswatini als die älteste bekannte Ocker-Abbaustätte der Welt, datiert auf etwa 48.000 Jahre.</p><p>Malereien von Jagdszenen in der prähistorischen Höhle von Lascaux in Frankreich, Zeremonien und Körperbemalungen von indigenen Völkern weltweit, Kunstwerke aus dem Mittelalter – seit jeher wird Ocker, ein natürlich vorkommendes, lichtechtes Erdmineral von Menschen als Farbstoff und für rituelle Zwecke genutzt. „Man kann sagen, dass Ocker das früheste bekannte Pigment ist, das von Menschen verwendet wurde, um unsere Welt abzubilden“, erklärt der Leiter der Studie Dr. Gregor D. Bader vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment </span>an der Universität Tübingen und fährt fort: „Unsere Spezies und andere Homininen verwenden das rote, gelbe oder auch violette Erdmineral seit mindestens 500.000 Jahren – wenn nicht sogar schon länger.“</p><p>In der bislang umfangreichsten Studie zur Ockernutzung in Afrika hat Bader nun mit einem internationalen Forschungsteam untersucht, wie das Erdmineral südlich der Sahara genutzt wurde. Anhand von 173 Proben aus fünfzehn steinzeitlichen Fundstellen rekonstruierten die Forschenden die regionalen Netzwerke der Mineralauswahl, des Abbaus, des Transports und der Verwendung von Ocker.</p><p>„Uns hat die komplette Ocker-Handlungskette interessiert: Von der Auswahl des Minerals aus verschiedenen geologischen Formationen, deren Abbau, die Beimischung weiterer Stoffe, wie Milch, Fett, Blut und Pflanzenharze als Bindemittel, bis zum Transport an die archäologischen Fundorte“, erläutert der Tübinger Wissenschaftler und weiter: „Wie wurde das Wissen zur Ockergewinnung weitergegeben? Gab es einen Austausch zwischen verschiedenen Jäger-Sammler-Gruppen? Und gibt es regionale oder zeitliche Unterschiede?“</p><p>In der neuen Studie zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Eswatini, den USA und Europa, dass es sowohl lokale Strategien zur Ockerbeschaffung gab als auch Ferntransporte des wichtigen Minerals über ein Netzwerk verschiedener Minerallagerstätten stattfanden. Die archäometrischen Untersuchungen an fünfzehn archäologischen Stätten legen nahe, dass es offenbar eine langjährige kulturelle Kontinuität in der generationsübergreifenden Weitergabe von Wissen zur Ockergewinnung und -nutzung gab, die auch geologische Gegebenheiten oder gewünschte physikochemische Eigenschaften von Mineralpigmenten umfasste. Diese Praxisgemeinschaften entwickelten sich nicht isoliert, sondern waren Teil eines umfassenderen Beziehungssystems, das durch soziale Interaktionen wie technologisches Lernen, saisonale Wanderungen, den Austausch materieller Kultur und symbolischen Ausdruck beeinflusst und vermittelt wurde, heißt es in der Studie.</p><p>„Unsere Daten untermauern die Annahme, dass Jäger und Sammler in der Steinzeit in Eswatini sehr mobil waren und für den Transport von Ockerpigmenten teils auch weite Strecken zurücklegten“, so Bader. Bemerkenswert ist, dass sich solche Traditionen in Eswatini bis in die Gegenwart fortsetzen. So sei aus ethnografischen Untersuchungen bekannt, dass beispielsweise Pflanzenheiler auf Wanderschaft gehen, um mineralische Erdpigmente für Mal- und Heilungszeremonien zu sammeln. Ocker gilt außerdem als ein wichtiger Bestandteil einer Hochzeitszeremonie – die Braut wird dabei am Morgen der Hochzeit mit rotem Ocker und Tierfett bestrichen, um ihren neuen Status in der Gemeinschaft zu signalisieren.</p><p>„Unsere aktuelle Arbeit zeigt eindrücklich, dass Forschende aus Eswatini führend bei der Erforschung steinzeitlicher Ockerquellen sind und das Land einen ungemeinen Reichtum dieses wichtigen Farbstoffes birgt. Neben der Aufschlüsslung der Ocker-Austauschkette konnten wir im Rahmen der Studie auch mit Hilfe der Optisch Stimulierten Lumineszenz-Datierung nachweisen, dass es sich bei der ‚<span lang="en" dir="ltr">Lion Cavern</span>‘ von Ngwenya mit etwa 48.000 Jahren um die ältesten bekannten Belege für intensiven Ockerabbau weltweit handelt. Außerdem sehen wir hier einen der ältesten Nachweise, wie Menschen aktiv das Erscheinungsbild ihrer Umwelt veränderten“, schließt Bader.</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Publikation&nbsp;</strong><br><span lang="en" dir="ltr">MacDonald, B.L., Velliky, E.C., Forrester, B. et al. Ochre communities of practice in Stone Age Eswatini. Nat Commun</span> 15, 9201 (2024). <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-024-53050-6" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-024-53050-6</a> &nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111957</guid><pubDate>Fri, 25 Oct 2024 10:09:53 +0200</pubDate><title>Besser streiten bei den Science &amp; Innovation Days</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/besser-streiten-bei-den-science-innovation-days/</link><description>Das Wissenschaftsfestival der Universität Tübingen lädt vom 15. bis 18. November ein zum Erkunden, Diskutieren und Mitmachen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die <span lang="en" dir="ltr">Science &amp; Innovation Days</span>, das Wissenschaftsfestival der Universität Tübingen, stehen vom 15. bis 18. November 2024 unter dem Thema „Besser streiten. Gemeinsam arbeiten wir dran.“ An diesen vier Tagen werden Tübinger Forscherinnen und Forscher und prominente Gäste das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern in der Universitätsstadt zu großen gesellschaftlichen Streitthemen suchen. Dazu sind Veranstaltungen in interaktiven Formaten an mehr als zehn Orten in Tübingen geplant, darunter Workshops, Live-Experimente, Vorträge mit Frage- und Antwort-Teil sowie Fishbowl-Diskussionen, bei denen eine kleine Personengruppe in einem Innenkreis wie in einem Goldfischglas von den übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Außenkreis beobachtet wird. Zu den Festivalgästen bei verschiedenen Veranstaltungen zählen die Bestseller-Autorin Emilia Roig, die Schriftstellerin Kathrin Passig, der Konfliktforscher Andreas Zick und die „Zeit“-Kolumnistin Katja Berlin. Das Festivalzentrum bilden die Oberen Säle der Museumsgesellschaft am Lustnauer Tor mit großer Bühne und einer Wissenschaftsmesse.</p><p>„Meinungsverschiedenheiten, Polarisierung oder gar Hetze und Hass werden oft als aktuelle Treiber des gesellschaftlichen Diskurses wahrgenommen. Zu viel Streit zerstört Beziehungen und Gemeinschaften – aber Streit ist auch notwendig für Entwicklung und Veränderung. Eine Demokratie ohne (Wett-)Streit ist keine“, sagt Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen. „Dem Phänomen Streit kann man sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern“, betont sie weiter. „Wann hat Streit negative, ja destruktive Auswirkungen auf das individuelle Wohlbefinden und soziale Strukturen? Wie funktioniert Mediation? Wie fördert der evolutionäre Wettstreit Anpassung und Weiterentwicklung? Was kann Wissenschaft zur Entwicklung einer konstruktiven Streitkultur beitragen? Das möchten wir bei den diesjährigen <span lang="en" dir="ltr">Science &amp; Innovation Days</span> herausfinden. Lassen Sie uns streiten – besser streiten.“</p><p><strong>Das Programm mit </strong><span lang="en" dir="ltr"><strong>Pre-Opening</strong></span><strong> am 14. November</strong><br>Die <span lang="en" dir="ltr">Science &amp; Innovation Days</span> beginnen am Donnerstag, 14. November, mit einem <span lang="en" dir="ltr">Pre-Opening</span> im Kino Museum, bei dem es in den Science Notes um Streit in Online-Posts und -Kommentaren geht. Die offizielle Eröffnung bildet eine Fishbowl-Diskussion im Festivalzentrum am Freitag, 15. November, um 17:00 Uhr, bei der Marcel Wagner, der Leiter des SWR-Studios Tübingen, unter anderem mit Professorin Tanja Thomas und Dr. Marco Krüger von der Universität Tübingen sowie Professor Andreas Zick von der Universität Bielefeld die Frage diskutiert: „Wie wichtig ist Streit für gesellschaftlichen Zusammenhalt?“ Im Anschluss sind alle Besucherinnen und Besucher zu einem kleinen Empfang in den Oberen Sälen der Museumsgesellschaft eingeladen.</p><p>Die kostenlose Wissenschaftsmesse Science Fair findet von Freitag bis Samstag, 15. bis 16. November, im Festivalzentrum in den Oberen Sälen der Museumsgesellschaft statt mit Vorträgen und Diskussionsrunden zu diversen Streitthemen wie dem Einsatz von Gentechnik bei Pflanzen oder zur Sicherheit wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Lounge ist der ideale Ort für kleine Pausen zwischendurch – bei Kaffee und Kuchen oder zum Lunch.</p><p>Ein weiteres Highlight der <span lang="en" dir="ltr">Science &amp; Innovation Days</span> ist die „Lange Nacht der Dinosaurier“ in der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen in der Sigwartstraße 10. Vor allem Familien sind zu diesem besonderen Abend am Samstag, 16. November, von 18:00 bis 21:30 Uhr eingeladen: Die Dinosaurierskelette der bedeutenden Sammlung werden erstmals und einmalig in völlig neuem Licht präsentiert – im doppelten Sinne. Mithilfe von Lichtinstallationen werden die urzeitlichen Funde noch anschaulicher präsentiert und damit erlebbar. Dazu erläutern Forschende, wie die Skelette aufgebaut sind, wie beispielsweise das des „Tuebingosaurus“, und was sie mit dem Menschen zu tun haben.</p><p><strong>Varieté mit Herrn Hämmerle zum Abschluss&nbsp;</strong><br>Den offiziellen Abschluss der diesjährigen Science &amp; Innovation Days bildet eine Varieté-Show mit „Herrn Hämmerle“ und Professor Thomas Thiemeyer von der Universität Tübingen am Montagabend, 18. November, um 19:30 Uhr, ebenfalls in den Oberen Sälen der Museumsgesellschaft. Der schwäbische Comedian Bernd Kohlhepp, alias Herr Hämmerle, erörtert darin gemeinsam mit dem preisgekrönten Tübinger Kulturwissenschaftler auf unterhaltsame Weise, wie Forschende streiten, wie es um unsere Streitkultur allgemein bestellt ist – und was das alles womöglich mit Donald Trump zu tun hat.</p><p><strong>Weitere Informationen:</strong><br>Ausführliche Informationen zum gesamten Festivalprogramm gibt es auf der Website <a href="http://www.sidays.com" target="_blank" title="Link zu den Science &amp; Innovation Days" rel="noreferrer">www.sidays.com</a> sowie im offiziellen Programmheft unter <a href="http://www.kurzlinks.de/sidays24" target="_blank" title="Link zum Programm der Science &amp; Innovation Days" rel="noreferrer">www.kurzlinks.de/sidays24</a>.</p><p>Die Teilnahme an allen Workshops, Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Shows der Science &amp; Innovation Days 2024 ist kostenfrei. Bei einigen Veranstaltungen wird aus Kapazitätsgründen eine Anmeldung empfohlen. Diese ist ab sofort online möglich. Weitere Informationen gibt es ebenfalls auf <a href="http://www.sidays.com" target="_blank" title="Link zu den Science &amp; Innovation Days" rel="noreferrer">www.sidays.com</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111786</guid><pubDate>Tue, 22 Oct 2024 11:32:37 +0200</pubDate><title>Weitere Wandbemalungen des Tempels von Esna in Ägypten freigelegt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/weitere-wandbemalungen-des-tempels-von-esna-in-aegypten-freigelegt-1/</link><description>Restaurierungsprojekt des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer und der Universität Tübingen bringt detailreiche Darstellungen von König und Gottheiten in Opferszenen zutag</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der vor mehr als 200 Jahren wiederentdeckte ptolemäisch-römische Tempel von Esna, 60 Kilometer südlich von Luxor in Ägypten gelegen, soll in einem ägyptisch-deutschen Kooperationsprojekt vollständig restauriert werden. Von dem Tempel ist nur die Vorhalle erhalten, der sogenannte Pronaos, dieser aber vollständig. Auf ägyptischer Seite stehen die seit 2018 laufenden Restaurierungsarbeiten unter der Leitung von Hisham El-Leithy vom Dokumentationszentrum des Ministeriums für Tourismus und Altertümer (MoTA), auf deutscher Seite ist der Ägyptologe Professor Christian Leitz vom Institut für die Kulturen des Alten Orients der Universität Tübingen beteiligt.</p><p>Die Bevölkerung nutzte die Tempelvorhalle in den vergangenen 1800 Jahren als Feuerstelle. Daher waren die ursprünglich sehr farbenfrohen Wand- und Säulendekorationen dunkel und schwarz geworden. In den letzten sechs Jahren hatte ein Team von zeitweise bis zu 30 ägyptischen Restauratoren unter der Leitung von Ahmed Emam bereits die früheren Farben der gesamten mit astronomischen Darstellungen bemalten Decke sowie der 18 inneren Säulen freigelegt.</p><h3>Gelb und rot dominieren die Farbgebung</h3><p>In diesem Jahr hat eine neue Phase der Restaurierungsarbeiten begonnen. Den Restauratoren gelang es, die südliche Innenwand sowie den südlichen Teil der westlichen Rückwand des Pronaos fertigzustellen. Sie brachten die ursprünglichen Farben mit den dominierenden gelben und roten Pigmenten zum Vorschein, die sich deutlich von den Farben in Dendara unterscheiden, wo Weiß und Hellblau vorherrschen. „Die größte Entdeckung in diesem Jahr waren die zahlreichen gemalten Details der Kleidung des Königs und der Gottheiten von Esna, ihre Kronen und ihre Throne“, berichtet Christian Leitz. „Die waren aufgrund der dicken Rußschicht über den Reliefs zuvor überhaupt nicht zu sehen.“</p><p>All diese gemalten Details sind ein integraler Bestandteil der Opferszenen, die die Innenwände des Tempels bedecken. Bislang waren nur die hieroglyphischen Texte und die Reliefs bekannt, aber auch die Dekoration der Throne habe ihre eigene Bedeutung, sagt Leitz. In einer Szene, einem Opfer von Pfeil und Bogen an die Göttin Neith, entdeckte das Konservatorenteam im unteren Teil des Throns vier gemalte Bögen. „Vielleicht waren sie ein Teil von ursprünglich neun Bögen, die ein Hinweis auf die sogenannten neun Bögen als Bezeichnung für Ober- und Unterägypten und sieben weitere ausländische Regionen waren, über die der ägyptische König herrschte“, erklärt der Ägyptologe. Ein weiteres Beispiel sei der Schurz des Königs in einer der Opferszenen. Darauf sind zwei gemalte Pflanzen zu sehen. Der Papyrus (oben) ist die Pflanze von Unterägypten und die Lilie (unten) die Pflanze von Oberägypten, was symbolisiere, dass der König der Herrscher über beide Teile des Landes war.</p><p>„Die vielleicht spektakulärste Szene ist die mit der heiligen Barke der lokalen Gottheit Chnum, die den Schrein des Gottes trägt“, sagt Leitz. Die Barke wird von mehreren Priestern getragen, die sie in einer Prozession aus dem Innersten des Tempels herausholten. „So konnten die Einwohner von Esna den verschlossenen Schrein des Gottes zumindest zu besonderen Anlässen im Jahr sehen. Für den Rest des Jahres war er im Tempel verborgen, zu dem nur die Priester Zugang hatten“, erklärt er.</p><p>Die Restaurierungsarbeiten werden Anfang November wieder aufgenommen. Das Hauptziel für den kommenden Winter ist die Restaurierung des äußeren Teils der sechs vorderen Säulen des Tempels, eine Arbeit, die im Sommer wegen der großen Hitze nicht durchgeführt werden kann. Die Arbeiten in Esna wurden gefördert von der Ancient Egypt Foundation, dem American Research Center in Egypt und der Gerda-Henkel-Stiftung.</p><h3>Der Pronaos</h3><p>Der Pronaos des Tempels von Esna hat eine Länge von 37 Metern, eine Breite von 20 Metern und misst 15 Meter in der Höhe. Der Sandsteinbau wurde spätestens unter dem römischen Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) vor das eigentliche Tempelgebäude gesetzt und dürfte dieses in den Schatten gestellt haben. Die Lage mitten im Stadtzentrum hat wohl dazu beigetragen, dass die Vorhalle erhalten blieb und nicht wie andere Gebäude während der Industrialisierung Ägyptens als Steinbruch &nbsp;zur Gewinnung von Baumaterial genutzt wurde. Schon zu Napoleons Zeiten erregte der Pronaos in Fachkreisen große Aufmerksamkeit, da man ihn als Idealbeispiel altägyptischer Tempelarchitektur betrachtete.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111660</guid><pubDate>Fri, 18 Oct 2024 16:43:44 +0200</pubDate><title>Katja Schenke-Layland wird neue Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/katja-schenke-layland-wird-neue-prorektorin-fuer-forschung-innovation-und-transfer/</link><description>Senat der Universität Tübingen wählt Nachfolge für Amtsinhaber Peter Grathwohl – neue Amtsperiode beginnt am 1. April 2025</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professorin Katja Schenke-Layland wird die neue Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer der Universität Tübingen. Der Senat der Universität Tübingen wählte sie am Freitag mit 26 von 32 abgegebenen Stimmen zur Nachfolgerin des Amtsinhabers Professor Peter Grathwohl, der am 31. März 2025 in Ruhestand gehen wird. Katja Schenke-Layland wird dann ab 1. April für drei Jahre als nebenamtliche Prorektorin in Hauptaufgabe tätig sein. Sie ist seit 2011 Professorin für Medizintechnik und Regenerative Medizin an der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und leitet außerdem seit 2018 das NMI Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut in Reutlingen.</p><p>„Ich bin sehr glücklich, dass wir eine so hochkarätige und zukunftsgerichtete Expertin für das Amt der Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer gewinnen konnten“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Sie hat außergewöhnlich viel Erfahrung sowohl als Wissenschaftlerin als auch in der Forschungsanwendung. Diese Kombination wird die Universität in ihrer Entwicklung voranbringen.“</p><p>„Die unmittelbar wichtigste Aufgabe für mich ist die Unterstützung unserer Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern“, sagte Professorin Katja Schenke-Layland. Die erfolgreiche Einwerbung von mindestens zwei Exzellenzclustern sei die notwendige Basis dafür, dass sich die Universität Tübingen um eine Fortsetzung des Status als Exzellenz-Universität bewerben kann. „Darüber hinaus ist es mein Ziel, unsere Universität in der gesamten Vielfalt ihrer Fächer dabei zu unterstützen, Chancen für frühphasige Innovation zu schaffen und effizientere Strategien für den forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfer zu entwickeln. Wir brauchen den Aufbau themenbezogener Innovations- und Translationsschwerpunkte sowie Strukturen, die eine Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg innerhalb und außerhalb der Universität stärken“, so Schenke-Layland. Um die Transferpotenziale gezielt heben zu können, brauche die Universität leistungsstarke Partnerschaften und Netzwerke sowie alternative Ansätze zur Forschungsfinanzierung.</p><p>Katja Schenk-Layland wird wie bisher ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin des NMI in Nebentätigkeit fortführen. Das NMI, das 1985 gegründet und seither vom Land Baden-Württemberg unter anderem zur Förderung des Transfers von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Wirtschaft gefördert wird, ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung und betreibt anwendungsorientierte Forschung an der Schnittstelle von Bio- und Materialwissenschaften. Dabei richtet sich das Institut gleichermaßen an die Gesundheitswirtschaft wie an regionale und internationale Firmen aus dem Fahrzeug-, Maschinen- und Werkzeugbau. Zugleich unterstützt das NMI Ausgründungen von Start-ups. In der Forschung arbeitet das NMI mit Institutionen wie der Universität Tübingen, dem Universitätsklinikum Tübingen und den Instituten der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW) zusammen.</p><p>Katja Schenke-Layland studierte Biologie, Soziologie und Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dort promovierte sie 2004 in Biologie auf dem Gebiet des Kardiovaskulären Tissue Engineerings. Anschließend erhielt sie DFG und NIH-Ruth L. Kirschstein Postdoc-Forschungsstipendien und arbeitete am Saban-Forschungsinstitut des Kinderkrankenhauses der University of Southern California (USC) in Los Angeles und an der David Geffen School of Medicine der University of California Los Angeles (UCLA). An der UCLA wurde sie Assistenz-Forschungsprofessorin und kehrte anschließend nach Deutschland zurück an das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart. 2011 erhielt sie dann den Ruf an die Universität Tübingen.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111627</guid><pubDate>Fri, 18 Oct 2024 11:17:56 +0200</pubDate><title>Lehrpreis der Universität Tübingen: Französischlektorat für vielfältige Praxisangebote ausgezeichnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/lehrpreis-der-universitaet-tuebingen-franzoesischlektorat-fuer-vielfaeltige-praxisangebote-ausgezeichnet/</link><description>Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement geht an das studentische Zuhörtelefon „Nightline Tübingen“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an das Team des Französischlektorats des Romanischen Instituts. Die Lektorin Audrey da Rocha sowie die Lektoren Dr. Nicolas Heslault und Dr. Benjamin Massot werden damit für ihre besonders engagierte und innovative Leistung in der Lehre ausgezeichnet. Den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement 2024 erhält die „Nightline Tübingen“, ein Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende. Die rund 20 ehrenamtlichen Zuhörerinnen und Zuhörer bieten ein offenes Ohr für die Sorgen, Probleme aber auch Freuden des Unilebens und darüber hinaus.</p><p>Die Verleihung fand im Rahmen der Erstsemesterbegrüßung am 17. Oktober 2024 im Hörsaalzentrum Morgenstelle statt. Die Preise wurden von Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität, überreicht.</p><p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen wird seit 2007 jährlich vergeben, der Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement seit 2010. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden jeweils von der Senatskommission Studium und Lehre ausgewählt. Die Preisgelder in Höhe von 5.000 Euro für den Lehrpreis und 1.000 Euro für den Sonderpreis stiftet der Universitätsbund.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111597</guid><pubDate>Thu, 17 Oct 2024 14:57:47 +0200</pubDate><title>Wirkung von Chemikalienmischungen: Neurotoxische Effekte addieren sich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wirkung-von-chemikalienmischungen-neurotoxische-effekte-addieren-sich/</link><description>Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Universität Tübingen demonstriert erstmals die toxikologische Relevanz von Chemikalienmischungen, wie sie im Menschen vorkommen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Chemikalien sind heute allgegenwärtig: Durch Nahrung, Luft oder über die Haut gelangen sie in unseren Körper. Doch wie wirken sich diese komplexen Chemikalienmischungen auf unsere Gesundheit aus? Ein Forschungsteam des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Tübingen belegte nun in einer im Fachmagazin <i><span lang="en" dir="ltr">Science </span></i>veröffentlichten Studie, dass Chemikalien in komplexen Mischungen und in Konzentrationsverhältnissen wie sie im Menschen gefunden werden, zusammenwirken. Selbst wenn die Konzentrationen der Einzelsubstanzen jeweils unterhalb der Wirkschwelle lagen, zeigten die Chemikalien in Mischung eine sich aufsummierende neurotoxische Wirkung. Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Blutproben von Schwangeren aus der am UFZ seit 2006 laufenden Mutter-Kind-Studie LiNA (Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluss auf das Neugeborenen-Allergierisiko).</p><p>„In unserem Alltag sind wir verschiedensten Chemikalien ausgesetzt, die sich in unserem Körper verteilen und anreichern. Es sind hochkomplexe Mischungen, die sich auf Körperfunktionen und unsere Gesundheit auswirken können“, sagt Professorin Beate Escher, Leiterin des UFZ-Departments Zelltoxikologie und Professorin für Umwelttoxikologie an der Universität Tübingen. „Aus Umwelt- und Gewässerstudien ist bekannt, dass sich Effekte von Chemikalien addieren, wenn sie in niedrigen Konzentrationen in komplexen Mischungen vorkommen. Ob das auch im menschlichen Körper der Fall ist, war bislang noch nicht hinreichend untersucht – genau hier setzt unsere Studie an.“</p><p>Grundlage für die umfangreiche Forschungsarbeit bildeten über 600 Blutproben von Schwangeren aus der Leipziger Mutter-Kind-Kohorte <a href="https://www.ufz.de/index.php?de=47861" target="_blank" rel="noreferrer">LiNA</a>, die vom UFZ seit 2006 koordiniert wird. Zunächst analysierten die Forschenden die in den Proben vorkommenden individuellen Chemikalienmischungen. „Wir wollten herausfinden, welche Chemikalien in welchen Konzentrationen im Blutplasma enthalten waren. Wir haben ein zweistufiges Extraktionsverfahren verwendet, um so unterschiedliche chemische Mischungen zu isolieren“, sagt Georg Braun, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Beate Escher und Erstautor der Studie. „Mithilfe massenspektrometrischer Untersuchungen haben wir nach 1.000 verschiedenen Chemikalien gesucht, von denen wir wussten, dass sie in der Umwelt vorkommen können, potenziell vom Menschen aufgenommen werden und relevant für die menschliche Gesundheit sein könnten. Davon konnten wir rund 300 Chemikalien in mehreren Plasmaproben quantifizieren.“ So erhielten die Forschenden Informationen über die Zusammensetzung und die Konzentrationsverhältnisse der in den 600 individuellen Plasmaproben vorhandenen Chemikalienmischungen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111513</guid><pubDate>Thu, 17 Oct 2024 09:01:34 +0200</pubDate><title>Universitätspreis für den Universitätsbund</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaetspreis-fuer-den-universitaetsbund/</link><description>Im Rahmen des „Dies Universitatis“ zeichnet die Universität Tübingen ihren Förderverein für dessen hundertjähriges Engagement aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen ehrte den Universitätsbund mit dem Universitätspreis im Rahmen einer Feier am 16. Oktober 2024 beim traditionellen Dies Universitatis zum Beginn des Wintersemesters 2024/25. Bei dem Festakt im Festsaal der Alten Aula sprach Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, die Rektorin der Universität Tübingen, zur Eröffnung des akademischen Jahres und zur Lage der Universität.</p><p>Mit dem Universitätspreis würdigt die Universität die großzügige Unterstützung und das außerordentlich vielfältige Engagement der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen (Universitätsbund) e. V., die in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiert. Rektorin Pollmann übergab den Universitätspreis an Christian O. Erbe, den Vorstandsvorsitzenden des Universitätsbunds und Ehrensenator der Universität Tübingen. Die Laudatio hielt Professor Ernst Seidl, der Direktor des Museums der Universität MUT.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111495</guid><pubDate>Wed, 16 Oct 2024 17:57:06 +0200</pubDate><title>Zwei Attempto-Preise für neurowissenschaftliche Arbeiten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zwei-attempto-preise-fuer-neurowissenschaftliche-arbeiten/</link><description>Matthias Baumann und Roxana Zeraati werden für herausragende Studien zu Themen der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn ausgezeichnet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die diesjährigen Attempto-Preise der Tübinger Attempto-Stiftung gehen an Matthias Baumann für seine Arbeit über die Rolle der Hirnregion Colliculus superior bei der Integration visueller Informationen in motorische Signale zur Steuerung schneller Augenbewegungen und an Roxana Zeraati für ihre Veröffentlichung über die Verarbeitung von Sehinformationen im Gehirn auf unterschiedlichen Zeitskalen. Die Preise sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert und wurden im Rahmen des Festakts des Dies Universitatis der Universität Tübingen am 16. Oktober 2024 in der Alten Aula überreicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111246</guid><pubDate>Mon, 14 Oct 2024 10:48:31 +0200</pubDate><title>Erstmalige Verleihung des ‚Hans Machleidt Biochemie Innovationspreises‘</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erstmalige-verleihung-des-hans-machleidt-biochemie-innovationspreises/</link><description>Interfakultäres Institut für Biochemie der Universität Tübingen vergibt die Auszeichnung an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Phase der Karriere</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der ‚Hans Machleidt Biochemie Innovationspreis‘ der ‚Prof. Dr. Hans Machleidt und Dr. Sieglinde Göhring-Machleidt-Stiftung‘ wird in diesem Jahr zum ersten Mal am Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen verliehen. Der erste Preisträger ist Dr. Daniel Stehle von der Universität von Kalifornien in San Diego, der in der Tübinger Biochemie promoviert wurde. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert. Die <strong>Preisverleihung findet am Freitag, 18. Oktober 2024, im Rahmen eines Symposiums am Interfakultären Institut für Biochemie statt</strong>, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.</p><p>Dr. Daniel Stehle forscht seit August 2023 an der Universität von Kalifornien in San Diego an der Entwicklung von Biosensoren für die zelluläre Signaltransduktion. Er hat in Tübingen Biochemie studiert und in der Arbeitsgruppe von Professor Robert Feil am Interfakultären Institut für Biochemie mit summa cum laude promoviert. Den ‚Hans Machleidt Biochemie Innovationspreis‘ 2024 erhält er für seine neuartigen Ansätze zur Aufklärung der räumlichen Verortung des cAMP/PKA-Signalwegs bei der Interaktion von Tumor- und Immunzellen.</p><p>Der neue Preis soll von 2024 an alle zwei Jahre im Herbst verliehen werden. Die Ausschreibung und Verleihung erfolgt in Kooperation der ‚Prof. Dr. Hans Machleidt und Dr. Sieglinde Göhring-Machleidt-Stiftung‘ mit dem Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen. Primäre Zielgruppe der Auszeichnung sind erfolgreiche und innovative junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Postdoktorat oder in einer fortgeschrittenen Phase der Promotion, die im Fach Biochemie an der Universität Tübingen promovieren oder promoviert haben.</p><p>Die ‚Prof. Dr. Hans Machleidt und Dr. Sieglinde Göhring-Machleidt-Stiftung‘ wurde im Jahr 2020 mit dem Ziel gegründet, Hochschulen und Bildungseinrichtungen im Bereich der Naturwissenschaften, musikalische Projekte und Institutionen sowie Hospizeinrichtungen zu fördern. Der Name der Stiftung geht zurück auf das Ehepaar Professor Hans Machleidt (1927-2019) und Dr. Sieglinde Göhring-Machleidt (*1952). Sie waren nicht nur als Ehepaar, sondern auch in ihren wissenschaftlichen und beruflichen Interessen eng verbunden. Beiden war es besonders wichtig, neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse in Medizin, Chemie und Biochemie bis zur Anwendung in pharmazeutischen Produkten und im ärztlichen Handeln weiterzuentwickeln.</p><p>Nach einem Medizin- und Chemie-Doppelstudium entschied sich Hans Machleidt für eine Schwerpunktsetzung in den Bereichen Biochemie und Pharmazie. Nach Promotion und Habilitation berief ihn die Firma Boehringer Ingelheim zum wissenschaftlichen Leiter ihrer Forschungsabteilung. Gleichzeitig lehrte er an der Universität Tübingen, die ihn auch zum Ehrensenator berief. Ähnlich wie ihr Mann verband seine Frau Sieglinde Göhring-Machleidt ihre Studien in Chemie und Medizin. Auch ihr ging es um eine Verknüpfung von naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung und medizinischer Praxis. Davon war ihre langjährige Tätigkeit in der Forschung und als Fachärztin in der onkologischen Fachabteilung eines großen Krankenhauses geprägt. Auf vielen privaten und beruflich bedingten Reisen empfanden Hans Machleidt und Sieglinde Göhring-Machleidt, dass für ein gutes Leben wissenschaftliche Forschung, wohltätiges Handeln und kulturelles Engagement zusammengehören. Deshalb entschieden sie, dass die nach ihnen benannte Stiftung ausgewählte Projekte in der biochemischen Forschung, wichtige Projekte in der Hospizarbeit sowie künstlerische Ensembles im Bereich der klassischen Musik fördern sollte.</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p>Der ‚Hans Machleidt Biochemie Innovationspreis‘ wird im Rahmen des Hans Machleidt Symposiums am <strong>Freitag, 18. Oktober 2024</strong>, im Interfakultären Institut für Biochemie (IFIB), Auf der Morgenstelle 34, 72076 Tübingen, Hörsaal 2T26, verliehen. Das auf Englisch gehaltene Symposium beginnt um 10 Uhr, das Programm: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/271812" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/271812</a>&nbsp;</p><p>Website der ‚Prof. Dr. Hans Machleidt und Dr. Sieglinde Göhring-Machleidt-Stiftung‘:<br><a href="https://goehring-machleidt-stiftung.de/stiftung" target="_blank" rel="noreferrer">https://goehring-machleidt-stiftung.de/stiftung</a>&nbsp;<br>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-111114</guid><pubDate>Mon, 07 Oct 2024 08:32:00 +0200</pubDate><title>Studium Generale startet mit Wintervorlesungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-startet-mit-wintervorlesungen/</link><description>In öffentlichen Vorlesungsreihen der Universität Tübingen wird über Rechtsextremismus, muslimisches Leben in Deutschland und die Ästhetik von Kunst und Gesellschaft in der Vormoderne diskutiert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen startet am 21. Oktober 2024 zum Wintersemester 2024/25 mit drei öffentlichen Vorlesungsreihen: Themen sind die Rolle ästhetischer Praktiken in unterschiedlichen sozialen Feldern, der Blick auf muslimisches Leben in Deutschland und die Vorstellung des neuen Instituts für Rechtsextremismusforschung.</p><p>Die Veranstaltungen finden in Präsenz im Hörsaalgebäude Kupferbau (Hölderlinstraße 5, 72074 Tübingen) statt. Der Zugang ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Das vollständige Programm wurde auf der Website der Universität Tübingen veröffentlicht: <a href="/universitaet/im-dialog/studium-generale/">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a>.</p><p>In der Reihe <strong>Andere Ästhetik – Kunst und Gesellschaft in der Vormoderne (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> wird gefragt: Was ist Kunst? Was darf sie – und was nicht? Ist sie autonom oder heteronom, zweckfrei (vielleicht auch zwecklos?) oder erfüllt sie als soziale Praxis Aufgaben und Zwecke in der Lebenswelt? Der Tübinger Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ widmet sich der Frage, welche Rolle ästhetische Praktiken in unterschiedlichen sozialen Feldern spielen. Die Veranstalterinnen und Veranstalter der Reihe möchten durch die Auseinandersetzung mit ästhetischen Phänomenen von der Antike über das Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit dabei zugleich einen neuen Blick für ästhetische Praktiken und Diskurse der Gegenwart öffnen.</p><p>Musliminnen und Muslime sind längst zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Laut einer Hochrechnung der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“ im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz (DIK) leben zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Musliminnen und Muslime in Deutschland. Das Zentrum für Islamische Theologie betrachtet <strong>Muslimisches Leben in Deutschland: Rechtliche Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Diskurse und muslimische Vielfalt (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> gemeinsam mit nichtmuslimischen Rednerinnen und Rednern sowie Alumni der Universität Tübingen. Mit der Reihe will das Zentrum für Islamische Theologie einen Beitrag zum Diskurs über den Islam und Musliminnen und Muslime in Deutschland leisten und der Pluralität und Ambiguität islamischer Glaubens- und Lebensformen besondere Aufmerksamkeit schenken.</p><p>Die extreme Rechte stellt eine ernsthafte Bedrohung für die offene Gesellschaft, für den demokratischen Verfassungsstaat sowie für alle Menschen dar. Mit der Ringvorlesung <strong>Rechtsextremismus: Erforschen und Entgegentreten (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> präsentiert sich das im Mai 2023 an der Universität Tübingen neu gegründete Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der interessierten Öffentlichkeit. Aufgabe der Rechtsextremismusforschung ist es, die politischen, medialen und gesellschaftlichen Funktionsweisen des Rechtsextremismus zu verstehen und Politik und Gesellschaft beim Zurückdrängen der extremen Rechten aktiv zu unterstützen. In diesem Sinn sind auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft an der Reihe beteiligt, die sich für eine wehrhafte Demokratie engagieren und dem Rechtsextremismus entgegentreten.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110874</guid><pubDate>Fri, 04 Oct 2024 11:06:42 +0200</pubDate><title>Giftgaseinsatz unter Mikroben: Kampf ums Eisen in den Ozeanen der frühen Erde</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/giftgaseinsatz-unter-mikroben-kampf-ums-eisen-in-den-ozeanen-der-fruehen-erde/</link><description>Team der Universitäten Tübingen und Bristol erforscht, welche Bakterien die Gesteinsablagerungen der gebänderten Eisenerze bildeten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Auf der frühen Erde enthielt die Atmosphäre noch keinen Sauerstoff; dennoch wurde das in den Ozeanen gelöste Eisen in gigantischen Mengen oxidiert und als Gestein abgelagert, zum Beispiel als gebänderte Eisenerze in Südafrika. Unlösliches Eisen scheiden verschiedene Bakterien über jeweils eigene Stoffwechselreaktionen aus: Die einen, die phototrophen Eisenoxidierer, gewinnen Energie, indem sie das Eisen mithilfe von Sonnenlicht oxidieren, und die anderen, indem sie das Eisen mit Nitrat als Oxidationsmittel umsetzen. Ein internationales Forschungsteam mit Dr. Casey Bryce von der Universität Bristol sowie Dr. Verena Nikeleit und Professor Andreas Kappler aus der Geomikrobiologie der Universität Tübingen erforscht, wer in der Konkurrenz um das Eisen jeweils die Oberhand hatte. Dabei setzten die bakteriellen Kontrahenten auch giftiges Stickstoffmonoxid ein. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht.</p><p>Vor zwei bis drei Milliarden Jahren hatte die Erdatmosphäre eine völlig andere Zusammensetzung als heute. „Heute würde das damals in den Ozeanen vorhandene Eisen in seiner reduzierten Form durch den Sauerstoff in der Atmosphäre schnell zu rostigen Eisenmineralen oxidiert“, erklärt Andreas Kappler. Obwohl es auf der frühen Erde noch keinen Sauerstoff gab, zeigten riesige Gesteinsablagerungen aus Eisen, dass Mikroben es bereits zu dieser Zeit effektiv oxidierten.</p><p><strong>Experimente im Labor</strong></p><p>„Bevor es Sauerstoff auf der Erde gab, haben phototrophe Eisenoxidierer die riesigen Eisenoxidablagerungen gebildet, die heute als gebänderte Eisenerze bekannt sind“, sagt Casey Bryce, Leiterin des Projekts, vormals an der Universität Tübingen, mittlerweile an der Universität Bristol tätig. „Wir wollten wissen, ob diese Bakterien in Konkurrenz mit anderen Eisenoxidierern standen, die Nitrat nutzten.“ Daraus ergaben sich die Fragen, ob diese konkurrierenden Mikroben tatsächlich nebeneinander existieren konnten, und wenn das der Fall war, welche von ihnen hauptsächlich für die Eisenoxidation verantwortlich waren.</p><p>„Um die Situation auf der frühen Erde besser zu verstehen, haben wir Laborexperimente durchgeführt“, sagt Verena Nikeleit von der Universität Tübingen, die inzwischen an das norwegische Forschungszentrum NORCE gewechselt hat. Das Forschungsteam verwendete je einen Bakterienstamm der verschiedenen Eisenoxidierer und ließ sie unter den Bedingungen wachsen, wie sie damals vor zwei bis drei Milliarden Jahren herrschten, im Licht und mit den gleichen Konzentrationen an Eisen, Nitrat und Kohlendioxid. „Zu unserer Überraschung war das Nitrat schnell aufgebraucht, und das Eisen wurde oxidiert. Aber wir konnten keine Eisenoxidation durch die phototrophen Eisenoxidierer feststellen“, sagt Nikeleit. Die Analysen zeigten, dass die nitratverbrauchenden Eisenoxidierer als giftiges Nebenprodukt Stickstoffmonoxid bildeten. „Das brachte die Aktivität der phototrophen Eisenoxidierer komplett zum Erliegen. Das heißt, diese Mikroben haben die phototrophen Eisenoxidierer durch die Bildung eines giftigen Gases getötet.“</p><p><strong>Komplexes Netz an Wechselwirkungen</strong></p><p>„Eine Hypothese besagt, dass die phototrophen Eisenoxidierer in späteren Phasen der Erdgeschichte wahrscheinlich kaum mehr zur Bildung der gebänderten Eisenerze beitrugen“, sagt Andreas Kappler. Denn durch die Aktivität anderer Mikroben enthielt die Erdatmosphäre – sozusagen in einer ersten großen Umweltverschmutzung – zunehmend mehr Sauerstoff. „Dieser dürfte auch in manche Bereiche der Ozeane gelangt sein, wo dann in der Folge Nitrat gebildet werden konnte. Unsere Ergebnisse bringen zum ersten Mal einen experimentellen Beweis für die Hypothese, dass phototrophe Eisenoxidierer in Gebieten mit hoher Produktivität während dieser Zeit giftigem Stickstoffmonoxid ausgesetzt gewesen sein könnten. Sie müssten sich weiter aus den nährstoffreichen Gebieten entfernt haben und konnten entsprechend weniger Eisen ablagern.“</p><p>Casey Bryce berichtet, dass nach Berechnungen des Forschungsteams die Eisenoxidation durch nitratreduzierende Bakterien zunächst den verringerten Beitrag von phototrophen Eisenoxidierern ausgeglichen haben könnte. „Der anfängliche Wettbewerb der verschiedenen Bakterien würde die Bildung der gebänderten Eisenformationen also nicht sofort stoppen“, sagt sie. Um ein genaueres Bild der Abläufe zu bekommen, seien weitere Messungen und Untersuchungen nötig. „Unsere Studie gibt einen Einblick, wie sich die Sauerstoffanreicherung der Erdatmosphäre auf andere Nährstoffkreisläufe der Ozeane ausgewirkt haben könnte. Das verdeutlicht, in welch komplexem Netz biogeochemische Wechselwirkungen das Leben in den frühen Ozeanen der Erde steuerten.“</p><p><strong>Publikation:</strong><br>Verena Nikeleit, Adrian Mellage, Giorgio Bianchini, Lea Sauter, Steffen Buessecker, Stefanie Gotterbarm, Manuel Schad, Kurt Konhauser, Aubrey L. Zerkle, Patricia Sanchez-Baracaldo, Andreas Kappler, Casey Bryce: Inhibition of phototrophic iron oxidation by nitric oxide in ferruginous environments. Nature Geoscience, <a href="https://doi.org/10.1038/s41561-024-01560-9" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41561-024-01560-9</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110679</guid><pubDate>Tue, 24 Sep 2024 15:21:27 +0200</pubDate><title>Wie das Gehirn die Zahl Null verarbeitet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-das-gehirn-die-zahl-null-verarbeitet/</link><description>Forschungsteam des Universitätsklinikums und der Universität Bonn sowie der Universität Tübingen klärt die neuronalen Grundlagen des mathematischen Konzepts der „Null“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Trotz ihrer Bedeutung für die Mathematik war die neuronale Grundlage der Zahl Null im menschlichen Gehirn bisher unbekannt. Nun haben Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn und der Universität Tübingen festgestellt, dass einzelne Nervenzellen im medialen Schläfenlappen die Null als einen Zahlenwert und nicht als separate Kategorie „Nichts“ erkennen. Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift Current Biology erschienen.</p><p>Das Konzept der Zahl Null hat eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung von Zahlensystemen und der Mathematik und wird allgemein als eine der wichtigsten kulturellen Errungenschaften der Menschheit angesehen. „Anders als andere Zahlen wie Eins, Zwei oder Drei, die zählbare Quantitäten repräsentieren, bedeutet Null die Abwesenheit von etwas Zählbarem und gleichzeitig trotzdem einen numerischen Wert“, sagt Co-Korrespondenzautor Professor Florian Mormann von der Klinik für Epileptologie am UKB, der auch ein Mitglied in dem Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) <span lang="en" dir="ltr">„Life &amp; Health“</span> der Universität Bonn ist.</p><p>Im Gegensatz zu positiven natürlichen Zahlen kam das Konzept der Zahl Null erst in der späteren Menschheitsgeschichte in den letzten zwei Jahrtausenden auf. Dies spiegelt sich auch in der Kindheitsentwicklung wider, da Kinder typischerweise erst im Alter von etwa sechs Jahren das Konzept der Null und damit verbundene Rechenregeln verstehen können.</p><p><strong>Neurone signalisieren die Zahl Null&nbsp;</strong></p><p>Wie dieses Konzept durch Nervenzellen im menschlichen Gehirn repräsentiert ist, wurde bislang noch nicht untersucht. Die Bonner Forscherinnen und Forscher gingen jetzt zusammen mit Neurobiologen der Universität Tübingen dieser Frage auf den Grund. Dazu zeigten sie neurochirurgischen Patientinnen und Patienten, denen am UKB zur OP-Vorbereitung haarfeine Mikroelektroden in den Schläfenlappen eingesetzt worden waren, Zahlenwerte von Null bis Neun. Die Zahlenwerte wurden einerseits als arabische Ziffern und andererseits als Punktemengen gezeigt – einschließlich einer leeren Menge. „Währenddessen konnten wir die Aktivität einzelner Nervenzellen messen und fanden tatsächlich Neurone, welche die Null signalisierten“, sagt Esther Kutter, die Erstautorin der Studie ist. „Solche Neuronen reagierten entweder auf die arabische Ziffer Null oder die leere Menge, nicht jedoch auf beides.“</p><p><strong>Zahl Null ist für Neurone ein Zahlenwert</strong></p><p>In beiden Fällen zeigte sich ein numerischer Abstandseffekt, bei dem Neurone schwächer, aber deutlich auch auf die benachbarte Zahl Eins reagierten. „Also wird auf neuronaler Ebene das Konzept der Null nicht etwa als separate Kategorie „Nichts“ kodiert, sondern als Zahlenwert integriert mit anderen, zählbaren Zahlenwerten am unteren Ende des Zahlenstrahls“, sagt Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen, und Professor Mormann ergänzt: „Trotz dieser Integration wird speziell bei den Punktemengen die leere Menge auf der neuronalen Populationsebene unterschiedlich von anderen Anzahlen kodiert. Dies könnte erklären, warum auch auf Verhaltensebene das Erkennen der leeren Menge mehr Zeit in Anspruch nimmt als für andere kleine Anzahlen.“</p><p>Bei den arabischen Ziffern hingegen fand sich dieser Effekt weder auf neuronaler noch auf der Verhaltensebene. Die Forscherinnen und Forscher erkennen daraus die Wichtigkeit symbolischer Repräsentationen, zum Beispiel durch arabische Ziffern, für die Integration der Zahl Null auf dem Zahlenstrahl im menschlichen Gehirn.</p><p><strong>Förderung</strong>: Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG über das Schwerpunktprogramm SPP 2205 gefördert.</p><p><strong>Publikation:&nbsp;</strong><br>Esther F. Kutter, Gert Dehnen, Valeri Borger, Rainer Surges, Andreas Nieder, Florian Mormann:<span lang="en" dir="ltr"> Single-neuron representation of nonsymbolic and symbolic number zero in the human medial temporal lobe. Current Biology</span>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2024.08.041" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cub.2024.08.041</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110475</guid><pubDate>Mon, 16 Sep 2024 12:44:55 +0200</pubDate><title>Die Evolution des Großen Pandas begann als Allesfresser</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-evolution-des-grossen-pandas-begann-als-allesfresser/</link><description>Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen untersucht Ernährung der Raubtiere aus der Menschenaffen-Fundstelle Hammerschmiede</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die einzige Bärenart aus der etwa 11,5 Millionen Jahre alten Fundstelle Hammerschmiede im Allgäu war ein Verwandter des Großen Pandas, seine Ernährung ähnelte jedoch eher der pflanzlich-tierischen Mischkost heutiger Braunbären. Das hat ein internationales Forschungsteam aus Hamburg, Frankfurt, Madrid und Valencia unter der Leitung von Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen bei der Untersuchung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten von 28 inzwischen ausgestorbenen Raubtierarten aus der Hammerschmiede festgestellt. Zur Untersuchung dieser Funde sind zwei Publikationen in den Fachjournalen Papers in Palaeontology und Geobios erschienen.</p><p>Die Hammerschmiede wurde 2019 durch den rund 11,5 Millionen Jahre alten Fund des bereits aufrecht gehenden Menschenaffen Danuvius guggenmosi, genannt Udo, bekannt. Die jüngsten Ausgrabungen in der Hammerschmiede unter der Leitung von Madelaine Böhme haben eine außergewöhnliche Vielfalt an 166 fossilen Tierarten zutage gefördert. „Solch ein blühendes Ökosystem bietet eine Fülle von ökologischen Nischen für die darin lebenden Arten“, sagt Böhme. Viele der entdeckten Tiere hätten sowohl im Wasser als auch an Land gelebt oder eine kletternde Lebensweise gehabt. „So konnten sie sich an den bewaldeten Fluss anpassen, der zu jener Zeit in der Region vorhanden war“, sagt die Forscherin.</p><h3>Was die Zähne verraten</h3><p>Die einzige Bärenart der Hammerschmiede mit dem Namen Kretzoiarctos beatrix wird als ältester Verwandter des modernen Großen Pandas angesehen, da die Form und Gestalt seiner Zähne Ähnlichkeiten mit denen des chinesischen Bären aufweist, der sich fast ausschließlich von Bambus ernährt. Kretzoiarctos beatrix war kleiner als moderne Braunbären, wog aber mehr als 100 Kilogramm. „Die heutigen Großen Pandas gehören in der zoologischen Systematik zu den Fleischfressern. Tatsächlich ernähren sie sich aber ausschließlich von Pflanzen. Sie haben sich auf harte pflanzliche Nahrung, insbesondere Bambus spezialisiert“, berichtet Dr. Nikolaos Kargopoulos von der Universität Tübingen und der University of Cape Town, der Erstautor der neuen Studien. Wissenschaftlich interessant sei, wie sich bei ursprünglichen Fleischfressern eine Anpassung an eine solch extreme pflanzliche Ernährungsweise entwickelte.</p><p>In einer ersten Studie untersuchte das Forschungsteam die Ernährung von Kretzoiarctos anhand der Makro- und Mikromorphologie der gefundenen Zähne. Auf der Makroebene ändert sich die Form der Zähne je nach ihrer Rolle bei der Nahrungsverarbeitung, was Aufschluss über die allgemeine Hauptnahrung eines Tieres gibt. Auf der Mikroebene der Zahnoberfläche kann man Kratzer und Grübchen erkennen, die durch Kontakt von Nahrungspartikeln mit dem Zahn verursacht werden. „Die Merkmale dieser Oberflächenveränderungen können Aufschluss über die Ernährungsgewohnheiten eines Tieres während eines kurzen Zeitraums vor seinem Tod geben“, sagt der Wissenschaftler.</p><p>Das Forschungsteam verglich die Makro- und Mikromorphologie der Zähne von Kretzoiarctos mit Braunbären, Eisbären, südamerikanischen Brillenbären sowie heutigen und ausgestorbenen Großen Pandas. Es kam zu dem Schluss, dass der Bär aus der Hammerschmiede weder ein Spezialist für harte Pflanzen war noch ein reiner Fleischfresser wie der Eisbär. Die Ernährung der ausgestorbenen Art ähnelte eher der eines modernen Braunbären und enthielt sowohl pflanzliche als auch tierische Bestandteile. „Diese Ergebnisse sind wichtig für unser Verständnis der Evolution von Bären und der Entwicklung des Veganismus bei den Großen Pandas. Kretzoiarctos beatrix, die ältesten Großen Pandas, waren demnach Generalisten. Eine Spezialisierung in der Ernährung der Pandas erfolgte erst spät in ihrer Evolution“, sagt Böhme.</p><h3>Die Vielfalt der Raubtiere aus der Hammerschmiede</h3><p>Neben dem Panda wurden bisher in der Hammerschmiede weitere 27 Raubtierarten gefunden, berichten die Forscher in einer zweiten Studie. Die Räuber reichen von winzigen, wieselartigen Tieren, die weniger als ein Kilogramm wogen, bis hin zu großen Hyänen und Säbelzahnkatzen, die mehr als 100 Kilogramm auf die Waage gebracht haben dürften. „Ihre jeweilige Hauptnahrung deckt eine große Bandbreite ab: Es gab reine Fleischfresser wie die Säbelzahnkatzen, Fischfresser wie die Otter, Knochenfresser wie die Hyänen und Insektenfresser wie die Zibetkatze. Einige andere Arten wie Pandas und Marder ernährten sich opportunistisch von Pflanzen und Tieren unterschiedlicher Größe“, fasst Kargopoulos zusammen. Die entdeckten Arten seien auch hinsichtlich ihrer bevorzugten Lebensräume sehr unterschiedlich: „Die Otterartigen waren gute Schwimmer, Bären, Hyänen und andere hielten sich auf dem Land auf oder lebten grabend wie die Stinktiere. Besonders viele Arten waren Baumkletterer wie die Marder, die Katzenartigen, die Schleichkatzen und die Katzenbären“, erläutert der Forscher.</p><p>„Eine derart vielfältige Raubtierpopulation ist nicht nur fossil äußerst selten; es gibt wohl auch kaum einen modernen Lebensraum mit ähnlich vielen Arten“, sagt Böhme. Diese Artenvielfalt an der Spitze der Nahrungskette zeige, dass das Ökosystem der Hammerschmiede sehr gut funktioniert haben muss. Mehr noch, es gebe sogar Arten, die nebeneinander her bestanden, obwohl sie sehr ähnliche Nischen besetzten, so die Forscherin. „Zum Beispiel gab es vier verschiedene fischotterartige Tiere gleicher Größe und Art der Ernährung. Sie würden normalerweise um die natürlichen Ressourcen in ihrer Umgebung konkurrieren. Aber es scheint, dass die Ressourcen der Hammerschmiede reich genug waren, um den Bedarf aller Arten zu decken.“</p><h3>Publikationen:&nbsp;</h3><p>Nikolaos Kargopoulos, Juan Abella, Alexander Daasch, Thomas Kaiser, Panagiotis Kam-pouridis, Thomas Lechner, Madelaine Böhme: The primitive giant panda Kretzoiarctos beatrix (Ursidae, Carnivora) from the hominid locality of Hammerschmiede: dietary implica-tions. Papers in Palaeontology, <a href="https://doi.org/10.1002/spp2.1588" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/spp2.1588</a>&nbsp;&nbsp;</p><p>Nikolaos Kargopoulos, Alberto Valenciano, Juan Abella, Michael Morlo, George E. Konidar-is, Panagiotis Kampouridis, Thomas Lechner, Madelaine Böhme: The carnivoran guilds from the Late Miocene hominid locality of Hammerschmiede (Bavaria, Germany). Geobios, <a href="https://doi.org/10.1016/j.geobios.2024.02.003" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.geobios.2024.02.003</a>&nbsp;</p><h3><br>Die Hammerschmiede</h3><p>In der Grube bei Pforzen im Allgäu führen die Universität Tübingen und das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment seit 2011 wissenschaftliche Grabungen unter Leitung von Prof. Dr. Madelaine Böhme durch. Seit 2017 finden diese auch als Bürgergrabungen in einem Citizen-Science-Projekt statt und werden seit 2020 finanziell vom Freistaat Bayern unterstützt. Rund 40.000 Fossilien von 150 Wirbeltierarten konnten bisher geborgen werden, darunter die beiden Menschenaffen Danuvius guggenmosi und Buronius manfredschmidi.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110469</guid><pubDate>Mon, 16 Sep 2024 11:35:55 +0200</pubDate><title>„KI-Schule des Jahres“ 2024 ausgezeichnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ki-schule-des-jahres-2024-ausgezeichnet/</link><description>Titel für aktivste KI-Schule geht an die Anne-Frank-Schule in Niedersachsen – neue Runde für 2025 bereits gestartet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Anne-Frank-Schule aus Molbergen in Niedersachsen erhält den Titel „KI-Schule des Jahres“. 44 Schülerinnen und Schüler aus den Informatik-Wahlpflichtkursen der 9. Klasse hatten den Titel durch ihre besonders aktive Teilnahme am Online-KI-Kurs (<a href="https://www.ki-kurs.org/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.ki-kurs.org/</a>)&nbsp;des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz (BWKI) (<a href="https://www.bw-ki.de/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.bw-ki.de/</a>)&nbsp;für ihre Schule erarbeitet.&nbsp;</p><p>„Von Algorithmen, Binärcode über KI bis hin zu Zukunftsvisionen ist die informatorische Grundbildung voller spannender Themen. Wir freuen uns über jede Gelegenheit, bei der unsere Schülerinnen und Schüler sich kreativ und kritisch damit auseinandersetzen können, und da passt der KI-Kurs hervorragend ins Programm“, sagte die betreuende Lehrerin Anja Böckmann.</p><p>Insgesamt beteiligten sich dieses Jahr bundesweit mehr als 3.000 Nutzerinnen und Nutzer am KI-Kurs, mehr als 150 Schulen waren angemeldet. Der Titel wird jedes Jahr aufs Neue vergeben. Auch der zweite Platz ging nach Niedersachsen, an das Gymnasium Langen. Gefolgt vom Maristenkolleg Mindelheim in Bayern auf Platz drei. Platz vier machte das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium im hessischen Bad Homburg und fünftaktivste Schule wurde das Saarpfalz-Gymnasium Homburg im Saarland.</p><p>Die fünf aktivsten Schulen erhalten eine Urkunde, die beste Schule erhält neben dem Titel "KI-Schule des Jahres 2024" einen hochwertigen Sachpreis aus dem Bereich KI/Robotik, der im Unterricht eingesetzt werden kann.</p><p>Jährlich sind Schulklassen, AGs oder Schülerforschungszentren bundesweit aufgerufen, sich gemeinsam anzumelden und dabei ins Rennen um den Titel zu gehen. Der Kurs vermittelt umfassend die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz: Vom Lernen der Programmiersprache Python anhand konkreter Aufgaben bis hin zu spielerischen Modulen über den ethischen Umgang mit KI. Er eignet sich zur Vorbereitung auf den Wettbewerb, zum Selbststudium oder als Unterrichtsmaterial in der Klassengemeinschaft mit virtuellen Klassenzimmern sowie ausgearbeitetem Unterrichtsmaterial.&nbsp;</p><p>Der Wettbewerbszeitraum für das Jahr 2024 ging vom 1. August 2023 bis 31. Juli 2024. Die neue Runde hat bereits begonnen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte sind hiermit aufgerufen, sich anzumelden und ins Rennen um die „KI-Schule des Jahres 2025“ zu gehen.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI)</h3><p>Mit dem jährlich stattfindenden BWKI sollen Schülerinnen und Schüler motiviert werden, eigene Ideen mithilfe von Künstlicher Intelligenz umzusetzen. Der Wettbewerb wurde 2018 am Tübingen AI Center - einer Forschungseinrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme - ins Leben gerufen und ist Mitglied der AG Bundesweite Schülerwettbewerbe. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist seit 2020 Hauptförderer des BWKI. Mehr Informatio-nen unter: <a href="http://www.bw-ki.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.bw-ki.de</a>&nbsp;</p><h3>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110316</guid><pubDate>Thu, 12 Sep 2024 16:49:51 +0200</pubDate><title>Energie zu Vitamin: Mikroben produzieren Folsäure aus einfachen Grundzutaten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/energie-zu-vitamin-mikroben-produzieren-folsaeure-aus-einfachen-grundzutaten/</link><description>Biotechnologisches Team der Universität Tübingen erhält wertvolles Nebenprodukt bei der Proteinherstellung – Beitrag zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung unter Umgehung der Viehhaltung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Man nehme Kohlendioxid, Wasserstoff und Sauerstoff sowie Strom aus erneuerbaren Quellen – mehr brauchen ein Bakterium und die Bäckerhefe kaum, um in einem ausgeklügelten Bioreaktor-System im Labor Proteine für die menschliche Ernährung und das lebenswichtige Vitamin B9 herzustellen. Dieses Ergebnis erzielte ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Lars Angenent aus der Umweltbiotechnologie der Universität Tübingen bei der Weiterentwicklung seines Power-to-Protein-Systems. Das neue Proteinprodukt mit Vitamin B9, der Folsäure, kann als vegane Grundlage für Fleischersatz dienen, mit dem langfristig eine wachsende Weltbevölkerung klimaverträglich ernährt werden könnte. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Trends in Biotechnology veröffentlicht.</p><p>Zwar machen viele Mikroben optisch einen eher unspektakulären Eindruck, doch können sie eine riesige Vielfalt an Stoffen herstellen, was sich der Mensch zum Beispiel bei der Herstellung von Bier, Wein und Käse zunutze macht. „Wir hatten zuvor eine Power-to-Protein-Technologie entwickelt: Dabei kommen zwei verschiedene Mikroben nacheinander zum Einsatz: Ein Clostridium-Bakterium reduzierte Kohlendioxid mit Wasserstoff unter Luftabschluss zu Acetat, das die Bäckerhefe, ein Pilz, anschließend unter Luftzufuhr zu Proteinen umsetzte“, erklärt Angenent. Dieses erste System funktionierte allerdings nur, wenn den Mikroben bestimmte Vitamine wie B9 zur Verfügung gestellt wurden. „Vom Protein allein kann sich der Mensch nicht ernähren“, sagt Angenent. „Daher wollten wir Vitamin B9 mitproduzieren.“ Ziel sei es, nicht mehr Vitamine in den Prozess einzuspeisen, als man herausbekommt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110235</guid><pubDate>Wed, 11 Sep 2024 17:00:00 +0200</pubDate><title>Forschende simulieren mit KI visuelles System im Gehirn der Fruchtfliege</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschende-simulieren-mit-ki-visuelles-system-im-gehirn-der-fruchtfliege/</link><description>Internationalem Forscherteam aus Tübingen und Virginia gelingt durch künstliches neuronales Netz erstmals Vorhersage der Berechnungen eines lebenden Gehirns</description><content:encoded><![CDATA[<p>Informationen im Gehirn werden über elektrische Signale zwischen spezialisierten Zellen, den Neuronen, übertragen. Große Netzwerke solcher Neuronen steuern Wahrnehmungen, Verhalten und Kognition. Die Wissenschaft hat lange nach Möglichkeiten gesucht, neuronale Netze im Gehirn mit Computern zu simulieren, um zu verstehen, wie sie funktionieren. Mit neuen Erkenntnissen über die neuronalen Schaltpläne im Gehirn der Fruchtfliege und Methoden der künstlichen Intelligenz gelang es nun Forschenden, ein neuronales Netz zu knüpfen, welches zuvor kaum Vorstellbares leistet: Es sagt die Aktivität einzelner Neuronen vorher, ohne dass Messungen an einem lebenden Gehirn vorgenommen werden müssen. Die Studie von Professor Jakob Macke und Janne Lappalainen von der Universität Tübingen und Dr. Srinivas Turaga und Kollegen vom <span lang="en" dir="ltr">Janelia Research Campus</span> des <span lang="en" dir="ltr">Howard Hughes Medical Institute</span> in <span lang="en" dir="ltr">Ashburn, Virginia</span> (USA), ist am Mittwoch in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Nature </em></span>erschienen.</p><p>Seit Jahrzehnten messen Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler neuronale Aktivitäten lebender Tiere, weil sie die Zusammenhänge zwischen Gehirnaktivität und Verhalten besser verstehen wollen. Diese Experimente haben bahnbrechende Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns erbracht - aber ein Großteil des Gehirns ist nach wie vor unerforscht.</p><p>Die Teams aus Tübingen und <span lang="en" dir="ltr">Virginia </span>haben nun mithilfe von künstlicher Intelligenz und des Konnektoms, einer Karte der Neuronen und ihrer im Hirngewebe bestehenden Verbindungen, die Aktivität der Neuronen im lebenden Gehirn vorhergesagt. Indem sie lediglich Informationen aus dem Konnektom des visuellen Systems der Fruchtfliege verwenden sowie Annahmen über die Funktionen des Schaltkreises machen, haben die Forscher eine KI-Simulation erstellt, die die Aktivität jedes Neurons im Schaltkreis vorhersagen kann. "Wir verfügen nun über eine Berechnungsmethode, mit der wir Messungen des Konnektoms in Vorhersagen über die neuronale Aktivität und die Gehirnfunktion umsetzen können, ohne zuerst aufwändige Messungen am lebenden Neuron durchführen zu müssen", sagt Srinivas Turaga, Leiter der <span lang="en" dir="ltr">Janelia</span>-Forschungsgruppe und einer der Hauptautoren der neuen Studie.</p><p>Das Forschungsteam nutzte das Konnektom, um eine detaillierte mechanistische Netzwerksimulation des visuellen Systems der Fliege zu erstellen, bei der jedes modellierte Neuron einem realen Neuron und jede modellierte Synapse einer realen Synapse im Gehirn entspricht. Obwohl sie die Dynamik der Neuronen im realen Gewebe nicht kannten, konnte das Team diese unbekannten Parameter mit Hilfe von Deep-Learning-Methoden vorhersagen. Dazu verbanden sie die Informationen aus dem Konnektom mit ihrem Wissen über die Funktion des Schaltkreises: Dem Erkennen von Bewegungen. "Mit dieser Kombination konnten wir prüfen, ob unser auf dem Konnektom basierende Ansatz ein gutes Modell des Gehirns liefern kann“, sagt Janne Lappalainen, Doktorand an der Universität Tübingen und Erstautor der Studie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110187</guid><pubDate>Tue, 10 Sep 2024 16:09:35 +0200</pubDate><title>Friedemann Vogel kooperiert mit Ästhetikforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/friedemann-vogel-kooperiert-mit-aesthetikforschung/</link><description>Erster Solist des Stuttgarter Balletts arbeitet mit der Universität Tübingen zusammen – Film von Tanz im Hörsaal der Alten Anatomie veröffentlicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Solist des Stuttgarter Balletts, Friedemann Vogel, lehrt und forscht ab dem Wintersemester 2024/25 als assoziiertes Mitglied und langfristiger Partner am Sonderforschungsbereich <em>Andere Ästhetik</em> der Universität Tübingen. Friedemann Vogel gilt als einer der renommiertesten Balletttänzer der Welt.</p><p>Eine erste gemeinsame Lehrveranstaltung wird im Wintersemester zum Thema „Arts of Movement. Tanz als ästhetische Reflexionsfigur“ angeboten. Eine weitere folgt zu „Tanzfiguren – Textfiguren. Der Tanz als Thema der Dichtung vom 10. bis zum 21. Jahrhundert“. Außerdem werden die Forschenden im Rahmen eines Workshops in die Praxis der Bewegung mithineingenommen, indem sie gemeinsam mit Friedemann Vogel Bewegungsabläufe entwickeln und analysieren.</p><p>„Der Austausch von Wissenschaft und Kunst, von rationalen und intuitiven Erkenntnissen, erlaubt die gewinnbringende Entwicklung neuer Perspektiven und Konzepte“, begründet Friedemann Vogel sein Interesse an der Kooperation. „Mein außerordentliches Interesse an ästhetischen Fragen macht die Assoziierung zum Sonderforschungsbereich <em>Andere Ästhetik</em> für mich sehr attraktiv.“</p><p>„Friedemann Vogel wird eine Prüfinstanz für unsere Forschung sein, denn sie muss sich immer an der Gegenwart und ihren aktuellen Fragen bewähren“, sagt Professorin Annette Gerok-Reiter, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs <em>Andere Ästhetik</em>.</p><p>Im Sonderforschungsbereich untersuchen Forschende aus 20 Fachdisziplinen seit 2019 Texte, Bilder oder musikalische Werke von der Antike bis zur Frühen Neuzeit. Sie fragen: Warum bewegt uns Kunst? Was verstehen wir unter Ästhetik? Was leistet Kunst in der und für unsere Gesellschaft? „Andere Ästhetik meint, wir interessieren uns nicht für Kunst im ‚schönen‘, aber abgeschirmten Elfenbeinturm; vielmehr wollen wir wissen, warum Künste gesellschaftliche Realität schon immer gespiegelt, geprägt und mitkonstituiert haben – und dies auch heute noch tun“, so Gerok-Reiter.</p><p>Zum Auftakt der Kooperation tanzte Friedemann Vogel im März in der Alten Anatomie der Universität Tübingen eine eigens für den Sonderforschungsbereich konzipierte Performance. Wo einst der Seziertisch stand, entstand ein Bühnenraum – der Hörsaal wurde zum Darbietungs- und Zuschauerraum. Friedemann Vogel hatte die Performance zusammen mit dem Choreographen Thomas Lempertz und Prof. Dr. Anna Pawlak, stellvertretender Sprecherin des SFB, unter dem Titel „Écorché! Anatomie des Tanzes“ entwickelt. Als Écorchés werden enthäutete Mensch- und Tierkörper bezeichnet, die sowohl in der Medizin wie auch in der Kunst Gegenstand anatomischer Studien waren. In der Performance setzte sich Friedemann Vogel mit dem Konzept des Écorchés auseinander, indem er den Vorgang der Enthäutung, die Darbietung der Muskeln ebenso wie einige Posen der vor-modernen Objekte tänzerisch und auf neue Weise repräsentierte. Die Performance wurde gefilmt und ist ab Mittwoch auf der Webseite des Sonderforschungsbereichs zu sehen.</p><p>Friedemann Vogel wurde 1979 in Stuttgart geboren. Er absolvierte seine Ballettausbildung an der renommierten John Cranko Schule. Mit der Spielzeit 1998/99 wurde er Mitglied im Corps de ballet des Stuttgarter Balletts und drei Jahre später erster Solist. Friedemann Vogel begleitet das Stuttgarter Ballett auf Tourneen in der ganzen Welt und trat als Gasttänzer an der Mailänder Scala, beim Staatsballett Berlin, dem Finnischen Nationalballett, dem National Ballet of China und dem Marijnsky Theater sowie zahlreichen Galas und Vorstellungen in Asien auf. Im Jahr 2021 wählte ihn das Internationale Theaterinstitut unter der Schirmherrschaft der UNESCO als Botschafter für den Internationalen Tanztag.</p><p>Der <a href="https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/sonderforschungsbereiche/sfb-andere-aesthetik/wissenschaft-und-kommunikation/ecorche-anatomie-des-tanzes/#c2105406" target="_blank" class="internal-link">Film zur Performance „Écorché! Anatomie des Tanzes“</a> mit Friedemann Vogel in der Alten Anatomie der Universität Tübingen kann auf der Webseite des Sonderforschungsbereichs angeschaut werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110103</guid><pubDate>Thu, 05 Sep 2024 12:17:10 +0200</pubDate><title>Fünf neue Starting Grants des Europäischen Forschungsrats gehen an die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fuenf-neue-starting-grants-des-europaeischen-forschungsrats-gehen-an-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Zwei Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums werben mit ihren Projekten eine hochdotierte Förderung ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen waren in der aktuellen Vergaberunde des Europäischen Forschungsrats (ERC) erneut besonders erfolgreich bei der Einwerbung sogenannter <span lang="en" dir="ltr">Starting Grants</span>: Fünf neue dieser Auszeichnungen, die mit einer hochdotierten Projektförderung verbunden sind, wurden ihnen zugesprochen. „Dass die Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen in der EU-weiten Konkurrenz um die attraktiven <span lang="en" dir="ltr">Starting Grants</span> wiederum so erfolgreich waren, zeugt von ihren außerordentlichen Leistungen, ihrer großen Innovationskraft und ihrem Ideenreichtum. Gleich drei der fünf <span lang="en" dir="ltr">Grantees</span> gehören einem unserer Exzellenzcluster an“, sagte die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><p><strong>Die neuen <span lang="en" dir="ltr">ERC Starting Grants:</span></strong></p><ul><li><strong>Juniorprofessor Josef Leibold,</strong> Innere Medizin VIII<br> 	Projekt: „EXPLOITsen” zur Verbesserung der CAR-T-Zelltherapie bei der Behandlung solider Tumore</li><li><strong>Professor Marius Lemm, </strong>Fachbereich Mathematik<br> 	Projekt: „MathQuantProp“ zur mathematischen Untersuchung der Informationsausbreitung in der Quantenphysik</li><li><strong>Juniorprofessorin Isabel Monte</strong>, Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen<br> 	Projekt: „FRIENEMIES“ zum Wandel eines Schädlings zum Nützling im Kontext der Pflanzenevolution</li><li><strong>Dr. Claire Vernade</strong>, Exzellenzcluster ‚Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft‘<br> 	Projekt: „ConSequentIA” zur Entwicklung anpassungsfähiger Systeme der künstlichen Intelligenz</li><li><strong>Dr. Florian Wimmers</strong>, Interfakultäres Institut für Biochemie<br> 	Projekt: „OrAIOn“ zur Erforschung der Wechselwirkungen von Krebsmedikamenten und Impfstoffen mit Blick auf den Infektionsschutz für die Patientinnen und Patienten</li></ul><p>Die Projektförderung für die <span lang="en" dir="ltr">Starting Grants</span> beträgt insgesamt bis zu 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. Mit den <span lang="en" dir="ltr">Starting Grants</span> stattet der <span lang="en" dir="ltr">ERC </span>herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit zusätzlichen Mitteln in ihrer Forschungskarriere aus.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-110064</guid><pubDate>Tue, 03 Sep 2024 18:12:31 +0200</pubDate><title>Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dialog-zwischen-wissenschaft-und-gesellschaft/</link><description>„Public Engagement“-Aktivitäten der Universität Tübingen vorgestellt – Wissenschaftsministerin Petra Olschowski diskutiert mit Rektorin Karla Pollmann und Forschenden über neue Formate der Bürgerbeteiligung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat am Dienstag der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Petra Olschowski ihre vielfältigen Public Engagement-Aktivitäten vorgestellt. Der Begriff Public Engagement beschreibt die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Forschungsprozessen und ist ein Schwerpunkt der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen. Bei einer Sommertour der Ministerin zum Thema „Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?“ hat sie sich in Tübingen insbesondere über den neuen „Bürger:innen-Rat Künstliche Intelligenz und Freiheit“ informiert.&nbsp;</p><p>„Wissenschaft und Forschung dürfen nicht im berühmten Elfenbeinturm stattfinden. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, die Gesellschaft aktiv einzubinden und Chancen, aber auch Herausforderungen aktueller Entwicklungen zu diskutieren. Gerade Zukunftstechnologien im Bereich Künstliche Intelligenz werden unser Leben nachhaltig verändern. Deshalb haben Public-Engagement-Aktivitäten der Universität Tübingen, allen voran der Bürgerinnen- und Bürgerrat ‚KI und Freiheit‘, Vorbildcharakter. Solche Formate geben Forschung und Zivilgesellschaft die Möglichkeit, Transformationsprozesse gemeinsam zu gestalten“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.</p><p>„Public Engagement öffnet Wissenschaft für Impulse aus der Gesellschaft. Eine Universität profitiert von der Expertise und den Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Wir wollen dauerhaft gesellschaftliche Gruppen einbeziehen und entwickeln dafür geeignete Formen. Dadurch bereichern wir unsere Forschung, die sich mit brennenden Fragen der Gesellschaft beschäftigt, mit wichtigen Sichtweisen gerade aus der Gesellschaft. Public Engagement selbst ist zudem auch ein Gegenstand der Forschung an der Universität Tübingen.“&nbsp;</p><p>Der Austausch zwischen Gesellschaft und Wissenschaft kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. So lernen Jugendliche im „KI-Makerspace“ auf spielerische Weise wie Künstliche Intelligenz funktioniert und entwickeln kritische KI-Kompetenz. Im „CIVIS OpenLab“ erarbeiten Forschende gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern „Citizen Science“-Projekte und können dafür auch finanzielle Unterstützung bei CIVIS beantragen. Schülerinnen und Schüler in der Neckar-Alb-Region haben über „MINT me!“ Zugang zu Laboren, wo sie gemeinsam wissenschaftliche Experimente durchführen können. Und während der „Science &amp; Innovation Days“ tauscht sich die Tübinger Stadtgesellschaft mit Forschenden und zivilgesellschaftlichen Gruppen zu spannenden aktuellen Forschungsfragen aus. &nbsp;</p><p>„Letztlich wollen wir auch einen internen Kulturwandel an der Universität Tübingen“, sagt Patrick Klügel, Public Engagement-Manager der Universität Tübingen. „Zur Unterstützung bieten wir Forschenden Fortbildung in Public Engagement an, werben um ihr Interesse und begleiten sie dann in ihrem Engagement.“ &nbsp;</p><p>Public Engagement richtet sich auch an die Forschungspolitik. In dem aktuellen Projekt „Bürger:innen-Rat Künstliche Intelligenz und Freiheit“ diskutieren 40 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus vier Kommunen in Baden-Württemberg über die gesellschaftliche Begleitung von KI-Forschung: Bei welchen Fragen und an welchen Stellen sollten Bürgerinnen und Bürger Mitgestaltungsmöglichkeiten bekommen? Was können sie konkret beitragen? Wie kann mehr Zusammenarbeit gefördert werden? Der Bürger:innen-Rat tritt zum ersten Mal am 21. September zusammen und zum vierten und letzten Mal am 23. November. Die Mitglieder diskutieren mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen zu Themen der KI. Anschließend übergeben sie die gemeinsam erarbeiteten Empfehlungen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Das Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikation, RHET AI, koordiniert das Projekt. Partner sind außerdem das Tübinger Exzellenzcluster Maschinelles Lernen und der Innovationscampus des Landes Cyber Valley.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109863</guid><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 14:21:52 +0200</pubDate><title>Lokales Klima bestimmt die Größe junger Meeresschildkröten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/lokales-klima-bestimmt-die-groesse-junger-meeresschildkroeten/</link><description>Internationales Team unter Leitung des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen sammelt Daten zur Entwicklung der gefährdeten Tiere</description><content:encoded><![CDATA[<p>Junge Meeresschildkröten reagieren während ihrer Entwicklung im Ei stärker auf wechselnde Niederschlagsmengen als auf Änderungen der Lufttemperatur. Die Auswirkungen der Niederschlagsmenge sind je nach Art – oder sogar der Population – unterschiedlich: Während die Jungtiere der Unechten Karettschildkröte bei starken Niederschlägen kleiner bleiben, ihre Körpermasse aber steigt, wird bei der Grünen Meeresschildkröte nur die Panzergröße von den Niederschlagsmengen beeinflusst. Diese wird bei steigender Wassermenge größer.</p><p>Diese komplexen Ergebnisse hat eine umfassende Untersuchung mit Daten der beiden Arten von 37 Stränden weltweit, eine zeitliche Längsschnittstudie an Stränden in Florida sowie Experimente auf den Kapverdischen Inseln ergeben. Sie wurde geleitet von Dr. Omar Rafael Regalado Fernández und PD Dr. Ingmar Werneburg vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Die Ergebnisse, die in Zusammenarbeit mit der Florida Atlantic University und der Humboldt Universität Berlin entstanden, sollen in Schutzkonzepte der Meeresschildkröten eingehen und auch Diskussionen um die Auswirkungen der Klimaerwärmung in diesem Zusammenhang relativieren. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift BMC Ecology and Evolution veröffentlicht.</p><h3>Gefährdete Arten</h3><p>Die Weibchen der Meeresschildkröten graben am Strand eine Nistgrube, legen ihre Eier ab, schaufeln anschließend mit ihren hinteren Beinen Sand darüber und kehren ins Meer zurück. Die Sonne „brütet“ die Eier aus. Erst wenn sich die kleinen Schildkröten über mehrere Wochen vollständig entwickelt haben, befreien sie sich aus dem Ei und streben auf schnellstem Wege ins Meer. „Die Brutzeit und vor allem die Wanderung auf dem Land bergen für den Nachwuchs die größten Gefahren. Er hat viele unterschiedliche Fressfeinde. Große kräftige Jungtiere haben bei den Meeresschildkröten meist die besseren Überlebenschancen“, berichtet Werneburg. Man rechne damit, dass von tausend Jungtieren nur eines das Erwachsenenalter erreicht. Beide in der Studie untersuchten Arten, die Unechte Karettschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte, gelten in ihrem Bestand weltweit als gefährdet.</p><p>Der Einfluss der Luft- und Sandtemperaturen in der Brutzeit auf das Körperwachstum der jungen Meeresschildkröten im Ei sei bereits mehrfach untersucht worden. „Wir wollten jedoch Daten über den Einfluss wechselnder Niederschlagsmengen auf die Jungtiere in der Brutzeit hinzufügen“, erklärt Regalado Fernández. Zu viel Feuchtigkeit könne tödlich sein für die Embryos. Schwere Regenfälle, Tropenstürme und Überflutungen zerstörten eine erhebliche Zahl der Nester wie auch Sandabtragung am Strand. Hinzu kämen zahlreiche Fressfeinde.</p><h3>Schnelle Entwicklung als Überlebensstrategie&nbsp;</h3><p>Bei ihrer Überlebensstrategie setzen Meeresschildkröten auf eine möglichst schnelle Entwicklung der Jungtiere, damit diese zügig aus dem gefährdetsten Stadium in ihr eigentliches Element, das Meer, gelangen können. „Bisher dachte man, dass hohe Temperaturen im Nest eine schnellere Entwicklung der Embryonen bewirken“, sagt Regalado Fernández. „Zudem waren am Computer generierten Klimamodellen zufolge die Niederschlagsraten bei steigenden Lufttemperaturen nur schwer vorherzusagen“, sagt Werneburg. Die Forscherinnen und Forscher gehen nun aber davon aus, dass die lokalen Klimabedingungen, und allem voran die Feuchtigkeit im Boden, einen deutlich größeren Einfluss auf die Bruterfolge der Meeresschildkröten haben als das globale und nur schwer quantifizierbare Klima.</p><p>„Für einen effizienten Schutz der Unechten Karettschildkröte und der Grünen Meeresschildkröte benötigen wir noch sehr viel mehr Daten zum Einfluss des regionalen Wetters auf die Brut und zur Dynamik der Populationen. Und die Daten müssen für alle verfügbar sein, die sich beim Schutz der Meeresschildkröten engagieren“, sagt Regalado Fernández.</p><h3>Publikation:</h3><p>Omar Rafael Regalado Fernández, Parima Parsi-Pour, John A. Nyakatura, Jeannette Wyneken, Ingmar Werneburg: Correlations between local geoclimatic variables and hatchling body size in the sea turtles Caretta caretta and Chelonia mydas. BMC Ecology and Evolution, <a href="https://doi.org/10.1186/s12862-024-02290-7" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1186/s12862-024-02290-7</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109833</guid><pubDate>Fri, 16 Aug 2024 13:07:43 +0200</pubDate><title>Eiszeit-Europäer: Klimawandel verursachte dramatischen Rückgang von Jägern und Sammlern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eiszeit-europaeer-klimawandel-verursachte-dramatischen-rueckgang-von-jaegern-und-sammlern/</link><description>Groß angelegte Studie an fossilen Menschenzähnen aus dem eiszeitlichen Europa zeigt, dass Klimaveränderungen die Demografie prähistorischer Menschen erheblich beeinflussten.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Anhand des bislang größten Datensatzes menschlicher Fossilien aus dem eiszeitlichen Europa zeigt ein internationales Forschungsteam, wie prähistorische Jäger und Sammler im Zeitraum zwischen 47.000 und 7.000 Jahren vor heute mit Klimaveränderungen umgingen. Die Populationsgröße nahm während der kältesten Periode stark ab, und im Westen standen die Eiszeit-Europäer sogar vor dem Aussterben, heißt es in der heute im Fachjournal „<span lang="en" dir="ltr">Science Advances</span>“ veröffentlichten Studie. Studienleiter Dr. Hannes Rathmann vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen entwickelte für die Analyse der Fossilien in Zusammenarbeit mit Kolleginnen der Universität Tübingen, der Universität Ferrara (Italien) und der <span lang="en" dir="ltr">New York University</span> (USA) eine neue Methode, die auf einem maschinellen Lernalgorithmus basiert.</p><p>Vor etwa 45.000 Jahren wanderten die ersten modernen Menschen während der letzten Eiszeit nach Europa ein und markierten damit den Beginn des sogenannten „Jungpaläolithikums“. Diese frühen Gruppen besiedelten den europäischen Kontinent durchgehend – selbst während des sogenannten „Letzten Glazialen Maximums“ vor etwa 25.000 Jahren, als Gletscher einen Großteil Nord- und Mitteleuropas bedeckten. „In der Archäologie wird schon lange diskutiert, welchen Einfluss klimatische Veränderungen und die damit einhergehenden neuen Umweltbedingungen auf die Demografie der damaligen Jäger und Sammler hatten. Aufgrund der wenigen verfügbaren Fossilien und deren oft unzureichender molekularer Erhaltung für die Analyse alter DNA ist es sehr schwer, Aussagen darüber zu treffen, wie sich klimatische Faktoren auf Migration, Bevölkerungswachstum, -rückgang und -aussterben auswirkten“, erläutert der Erstautor der Studie Dr. Hannes Rathmann vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109731</guid><pubDate>Mon, 12 Aug 2024 12:33:40 +0200</pubDate><title>Vor-Ort-Analyse der Brennstoffe mit Röntgenfluoreszenz hilft bei Optimierung von Holzheizkraftwerken</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vor-ort-analyse-der-brennstoffe-mit-roentgenfluoreszenz-hilft-bei-optimierung-von-holzheizkraftwerken/</link><description>Team der Hochschule Rottenburg und der Universität Tübingen entwickelt Verfahren zur Qualitätskontrolle biogener Festbrennstoffe – Einsparung von Ressourcen und verminderte Schadstoffemission</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Effizienz und Umweltverträglichkeit von Holzheizkraftwerken hängen entscheidend von der Qualität der eingesetzten Brennstoffe ab. Diese wird vom Wasser-, Asche- und Energiegehalt und maßgeblich von der chemischen Zusammensetzung des Materials beeinflusst. Um wirtschaftlich zu arbeiten und die Freisetzung von Schadstoffen so gering wie möglich zu halten, muss die Qualität der Brennstoffe optimal auf die Heizkraftwerkstechnik angepasst werden. Nun hat ein Team unter der Leitung von Professor Harald Thorwarth von der Hochschule Rottenburg und der Universität Tübingen sowie Professor Andreas Kappler von der Universität Tübingen ein anderweitig etabliertes Verfahren für den schnellen Einsatz zur Bestimmung der Brennstoffwerte geprüft: Danach bietet die Röntgenfluoreszenzanalyse eine vielversprechende Möglichkeit, die chemische Zusammensetzung fester Biobrennstoffe vor Ort zu bestimmen. Ihre Studie ist in der Fachzeitschrift <i><span lang="en" dir="ltr">Energy &amp; Fuels</span></i> erschienen.</p><p>Bisher übliche Analysemethoden sind ICP-OES (Optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma) und ICP-MS (Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma). „Diese Methoden sind zeit- und kostenintensiv, sie können nur von spezialisierten Fachkräften durchgeführt werden“, erklärt Harald Thorwarth. „Für eine schnelle und kosteneffiziente Vor-Ort-Analyse sind sie ungeeignet.“ Die Röntgenfluoreszenzanalyse sei bisher auf biogene Festbrennstoffe vor allem in speziellen Anwendungsfällen untersucht worden. „In den Bereichen Geologie, Kohleanalyse und sonstige Analytik wird sie schon lange außerhalb des Labors für schnelle Messungen im Feld genutzt. Wir wollten daher untersuchen, ob die Methode nicht auch für den Routinebetrieb in Holzheizkraftwerken eingesetzt werden kann.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109593</guid><pubDate>Fri, 02 Aug 2024 11:49:38 +0200</pubDate><title>Fundstätte Sibhudu zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fundstaette-sibhudu-zum-unesco-weltkulturerbe-ernannt/</link><description>Einmaliges Archiv des frühen Homo sapiens - Universität Tübingen erforscht seit 14 Jahren unter einem Felsdach in Südafrika die kulturelle Evolution des Menschen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die UNESCO hat die archäologische Fundstelle Sibhudu an der Ostküste Südafrikas zum Weltkulturerbe ernannt. Die Fundstelle ist ein Schlüsselort für die Erforschung der kulturellen Evolution des Menschen. Seit 14 Jahren leitet die Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment die Ausgrabungen. Die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe am vergangenen Freitag erfolgte mit zwei weiteren Fundstellen in Südafrika.</p><p>„Die Entscheidung lenkt den Blick der Öffentlichkeit auf die Ursprünge der menschlichen Kultur und der Menschwerdung. Es gibt noch viel zu wenige Welterbestätte aus dieser Zeit“, sagte Grabungsleiter Nicholas Conard, Professor an der Universität Tübingen und UNESCO-Beauftragter der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Ich freue mich, dass die UNESCO vermehrt steinzeitliche Orte und Orte der menschlichen Evolution berücksichtigt.“ &nbsp;</p><p>Sibhudu ist wie ein Archiv für die frühe kulturelle Entwicklung unserer Vorfahren, bevor Homo sapiens Eurasien erfolgreich besiedelte und den Neandertaler und andere archaische Menschenformen verdrängte. Der Felsüberhang überdacht archäologische Schichten aus einem Zeitraum von etwa 100.000 bis 35.000 Jahren vor heute und diente Menschen in dieser Zeit als Wohnstelle. Die Archäologinnen und Archäologen fanden in Sibhudu den ältesten Nachweis für die Konstruktion von Pflanzenmatten als Schlaf- und Arbeitsplätze, Belege für die Nutzung von Knochenwerkzeugen und Beweise für frühes symbolisches Verhalten in Form von Muschelperlen. Zudem wurde an der Fundstelle eine der ältesten Pfeilspitzen aus Knochen gefunden und damit einer der frühesten Nachweise für die Erfindung dieser Technologie. All diese Befunde erlauben ungewöhnlich tiefe Einblicke in das Leben unserer Vorfahren: Sie waren zu abstrakten und komplexen Gedankengängen fähig, stellten vielfältige Werkzeuge aus Stein und Knochen her, beherrschten die Feuernutzung, jagten Tiere und wussten auch pflanzliche Ressourcen für sich zu nutzen.&nbsp;</p><p>Sibhudu liegt an der Ostküste Südafrikas in der Provinz KwaZulu-Natal, rund 40 Kilometer nördlich von Durban und 15 Kilometer landeinwärts vom Indischen Ozean entfernt. Der Felsüberhang befindet sich auf einer Sandsteinklippe oberhalb des Uthongathi-Flusses und umspannt eine Fläche von etwa 55 auf 12 Metern.</p><p>Die systematische Erforschung der Fundstelle begann im Jahr 1998 mit Ausgrabungen unter der Leitung von Lyn Wadley von der University of Witwatersrand in Johannesburg. 2011 übergab die südafrikanische Forscherin die Fundstelle an Prof. Nicholas Conard vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Seitdem finden dort jährliche Grabungen seitens der Universität statt. Dabei werden modernste Ausgrabungsmethoden verwendet. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen auch internationalen Expertinnen und Experten – etwa der Archäozoologie, der Archäobotanik oder der Geoarchäologie – erlaubt zudem ein vielfältiges Bild auf die archäologischen Hinterlassenschaften am Fundort.</p><p>Ausgegraben wird stets mit Bedacht und äußerster Sorgfalt. Durch das Abheben von ein bis drei Zentimeter dicken Erdschichten, die der Kontur und dem Gefälle der Ablagerungen folgen, arbeiten sich die Archäologinnen und Archäologen langsam nach unten. Die dabei gefundenen Artefakte werden vermessen, sodass ihre genaue Lage später anhand der 3D-Koordinaten nachvollzogen werden kann. Jeder Eimer voll Sediment wird zudem gesiebt und nach Kleinstfundstücken durchsucht.&nbsp;</p><p>Die Fundstelle zeichnet sich durch viele dünne übereinander liegende archäologische Schichten aus. Durch diese hohe stratigraphische und zeitliche Auflösung können Veränderungen in der Lebensweise der Menschen kleinschrittig nachvollzogen werden. Besonders ist auch die außerordentlich gute Erhaltung organischer Materialien in Sibhudu. Das Vorhandensein verschiedenster Arten von Artefakten ermöglicht eine detailgenaue Erforschung der Fundstelle und ihrer Bewohner über tausende von Jahren hinweg.</p><p>Bei der Bewerbung um den UNESCO-Welterbestatus handelte sich um eine Sammelbewerbung zusammen mit zwei anderen südafrikanischen Fundstellen (Diepkloof Rock Shelter &amp; Pinnacle Point Site Complex) unter dem Titel „Das Auftreten des modernen Menschen: Die pleistozänen Siedlungsplätze Südafrikas“. Die Aufnahme der drei steinzeitlichen Fundstellen auf die Welterbeliste wurde am vergangenen Freitag auf der 46. Sitzung des Welterbekomitees in Neu-Delhi (Indien) beschlossen. Die UNESCO-Welterbeliste beinhaltet aktuell 1.223 Einträge in 168 Ländern. In Südafrika liegen mit der Aufnahme der drei steinzeitlichen Fundstellen nun 12 davon.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109482</guid><pubDate>Tue, 30 Jul 2024 15:07:34 +0200</pubDate><title>37. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/37-tuebinger-poetik-dozentur/</link><description>Daniel Kehlmann, Nora Bossong und David Schalko sprechen an der Universität Tübingen – Daniel Kehlmann liest in der Kunsthalle Würth
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 37. Tübinger Poetik-Dozentur ein:&nbsp;Der Schriftsteller Daniel Kehlmann und die Schriftstellerin Nora Bossong sowie der Schriftsteller und Regisseur David Schalko werden vom 11. bis zum 14. November 2024 über ihre literarischen und essayistischen Texte sowie über ihre Drehbücher und Filme sprechen.&nbsp;</p><p>Die Vorlesungen und Gespräche finden jeweils um 19 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen) statt und können auch über einen Livestream verfolgt werden.&nbsp;</p><p>Zum traditionellen Auftakt der Poetik-Dozentur liest Daniel Kehlmann zudem am Sonntag, den 10. November, um 16 Uhr, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.<br> Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth. Einmal jährlich werden Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten. Die Lesung in der Kunsthalle Würth ist eine Veranstaltung der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG.&nbsp;</p><p><strong>Die Termine im Überblick</strong><br> Lesung von Daniel Kehlmann, am Sonntag, 10. November, um 16 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Der Eintritt ist frei. Die Anmeldung ist ab 18. September über den Online-Veranstaltungskalender unter kunst.wuerth.com möglich.</p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br> jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula. Der Eintritt ist frei.</p><ul><li>Montag, 11. November: Vortrag von Daniel Kehlmann&nbsp;</li><li>Dienstag, 12. November: Daniel Kehlmann im Gespräch mit David Schalko</li><li>Mittwoch, 13. November: Daniel Kehlmann im Gespräch mit Nora Bossong&nbsp;</li><li>Donnerstag, 14. November: Vortrag von Nora Bossong</li></ul><p>Weitere Informationen unter <a href="http://www.poetik-dozentur.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.poetik-dozentur.de</a>&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp;</p><p><strong>Die Gäste der Poetik-Dozentur 2024</strong></p><p><em><strong>Daniel Kehlmann</strong></em>, 1975 in München geboren, studierte Philosophie und Germanistik in Wien. Derzeit lebt und arbeitet er in New York und Berlin. Seinen ersten großen Erfolg feierte er 2005 mit Die Vermessung der Welt: Mit einer Auflage von 2,3 Millionen Exemplaren im deutschsprachigen Raum ist der Roman einer der meistverkauften Texte der deutschen Nachkriegsliteratur. Die ARD-Miniserie „Kafka“, geschrieben von Kehlmann mit Regisseur David Schalko, begeisterte im März 2024 Kritik und Publikum.&nbsp;</p><p>Weitere Publikationen (u. a.): Beerholms Vorstellung (1997); Ich und Kaminski (2003); Ruhm – Ein Roman in neun Geschichten (2009); Lob: Über Literatur (2010); Tyll (2017); Lichtspiel (2023).</p><p><em><strong>Nora Bossong</strong></em>, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Sie lebt in Berlin und arbeitet als freie Schriftstellerin. Ihr bisher bedeutendster Erfolg ist der Roman Schutzzone (2019).&nbsp;</p><p>Weitere Publikationen (u. a.): Gegend (2006); Sommer vor den Mauern (2011); Gesellschaft mit beschränkter Haftung (2012); Die Geschmeidigen: Meine Generation und der neue Ernst des Lebens (2022).</p><p><strong><em>David Schalko</em></strong>, 1973 in Waidhofen an der Thaya geboren, ist ein österreichischer Regisseur, Autor und Entwickler von Fernsehsendungen. Er lebt in Wien.</p><p>Werke (u. a.): Bluterguss und Herzinfarkt (1995); Weiße Nacht (2009); Aufschneider (Fernsehfilm, 2010); Wie man leben soll (Kinofilm, 2011); Braunschlag (Fernsehserie, 2012); Schwere Knochen (Roman, 2018); Was der Tag bringt (Roman, 2023); &nbsp;Kafka (Fernsehserie, 2024; Drehbuch gemeinsam mit Daniel Kehlmann)</p><h3><br><strong>Kontakt:</strong></h3><p>Dr. Sara Bangert<br> Universität Tübingen / Poetik-Dozentur<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon <a href="tel:+49070712974261">+49 (0)7071 29-74261</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uctc0dcpigtvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sara.bangert<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109476</guid><pubDate>Tue, 30 Jul 2024 12:16:38 +0200</pubDate><title>39. Internationaler Sommerkurs zur deutschen Sprache und Kultur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/39-internationaler-sommerkurs-zur-deutschen-sprache-und-kultur/</link><description>135 junge Akademikerinnen und Akademiker aus 30 Ländern zu Gast an der Universität und in der Stadt Tübingen vom 5. bis 30. August 2024</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübingen im August mit dem Internationalen Sommerkurs der Universität ist auch 2024 die richtige Zeit und der richtige Ort zum Deutschlernen – für internationale Studierende, Graduierte, junge Akademikerinnen und Akademiker aus aller Welt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des vierwöchigen Intensivkurses können Deutsch lernen, Deutschland und seine Kultur auf lebendige Weise kennen lernen, sich akademisch und beruflich fortbilden und interkulturellen Austausch mit vielen verschiedenen Menschen erleben.</p><p>Die Abteilung Deutsch als Fremdsprache und Interkulturelle Programme der Universität Tübingen organisiert dieses Jahr den Internationalen Sommerkurs zum 39. Mal; vom 5. bis 30. August werden 135 junge Menschen aus 30 Ländern in Tübingen lernen, studieren und abwechslungsreiche Sommerwochen verbringen.</p><p>Die größten Gruppen mit jeweils 27 und 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen aus den USA und Japan, gefolgt von 11 Teilnehmenden aus Südkorea, Italien (9) und China (7). Weitere Gäste kommen unter anderem aus Ägypten, der Ukraine, Rumänien bis hin zu Island, Bosnien und Herzegowina oder Jamaika.</p><p>Der Kurs bietet Deutschunterricht in neun Klassen vom Anfängerlevel bis zu einem weit fortgeschrittenen Deutschniveau. Der Unterricht ist kommunikativ und interkulturell ausgerichtet und bietet viel Gelegenheit zum Sprechen. Nach dem Sprachunterricht am Vormittag gibt es am Nachmittag zudem Sprachtutorien. Teilnehmende mit guten bis sehr guten Deutschkenntnissen haben zusätzlich noch die Möglichkeit, fortlaufende Module mit thematischen Schwerpunktthemen wie Interkulturelle Kommunikation, deutsche Nachkriegsgeschichte oder aktuelle Politik und Gesellschaft zu wählen. Abgerundet wird das Programm mit Veranstaltungen zu Literatur oder Landeskunde – von Hölderlin über die Höhlenfunde auf der Schwäbischen Alb bis hin zur Einführung in die Welt der Dialekte. Ausflüge führen zum Beispiel an den Bodensee, aber auch an Orte in der Umgebung wie Rottenburg oder Haigerloch.</p><p>Das Deutschlernen findet aber nicht nur im Klassenzimmer statt. Das Programm möchte die Gäste auch dazu ermutigen, sich ins Tübinger Stadtleben zu mischen. Anfängerklassen probieren zum Beispiel auf dem Wochenmarkt aus, wie man auf Deutsch einkauft. Fortgeschrittene suchen sich auf den Tübinger Straßen Interviewpartner, um herauszufinden, was Tübinger Bürgerinnen und Bürger über aktuelle Themen denken. Die obersten Klassen recherchieren intensiv über lokalpolitische Themen wie beispielweise die Tübinger Verkehrskonzepte oder über Foodsharing, sprechen mit Fachleuten und präsentieren die Ergebnisse in ihren Klassen.</p><p>Bei der Planung des Rahmenprogrammes wurde Wert darauf gelegt, unterhaltsame soziale, musische oder haptische Erlebnisse zu bieten: Um das Sprachlernen zu fördern, gibt es die Möglichkeit, Theater zu spielen oder im Chor zu singen, neueste deutschsprachige Popmusik kennen zu lernen oder an einem kreativen Schreibprojekt in Kooperation mit dem Schwäbischen Tagblatt teilzunehmen. Auch bei der Schokoladen-Werkstatt oder beim Batiken geht es darum, auf Deutsch zu kommunizieren und so die Sprachpraxis zu fördern.</p><p>Die japanischen Partnerhochschulen, die ihre Germanistikstudierenden seit vielen Jahren nach Tübingen schicken, sind auch dieses Jahr vertreten. Einige Städte der Region haben im Rahmen ihrer Städtepartnerschaften erneut Stipendien zur Verfügung gestellt. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ermöglicht 40 Studierenden die Teilnahme am Tübinger Kurs. Dass der Kurs bereits früh ausgebucht war, spricht für den beständigen Erfolg des Internationalen Sommerkurses der Universität Tübingen.</p><p><strong>Leitung und Organisation:</strong>&nbsp;<br> Donato Tangredi und Daniela Schmeiser&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Dezernat V – International Office<br> Abteilung für Deutsch als Fremdsprache und Interkulturelle Programme<br> Telefon +49 7071 29-74392<br> Sommerkurs[at]daf.uni-tuebingen.de<br> www.uni-tuebingen/daf/sommerkurse<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109407</guid><pubDate>Fri, 26 Jul 2024 10:23:29 +0200</pubDate><title>Samuel Wagner wird neuer Prorektor</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/samuel-wagner-wird-neuer-prorektor/</link><description>Prorektorat als Allgemeine Vertretung der Rektorin und für das Thema Nachhaltige Entwicklung – Amtsperiode bis 2027</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Rektorat der Universität Tübingen wird durch einen neuen vierten Prorektor als Erste Allgemeine Vertretung der Rektorin und im Bereich Nachhaltige Entwicklung verstärkt: Der Senat wählte Professor Samuel Wagner am Donnerstag, 25. Juli 2024, mit 30 von 34 Stimmen in das neue Amt. Professor Samuel Wagner wird vom 1. September 2024 an für drei Jahre als nebenamtlicher Prorektor in Hauptaufgabe tätig sein.</p><p>Samuel Wagner ist seit 2012 Professor für Infektionsbiologie am Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin und seit 2020 Prodekan der Medizinischen Fakultät. Er studierte Humanbiologie an der Universität Marburg und Biomedizin am Karolinska-Institut in Stockholm. Nach der Promotion in Biochemie an der Universität Stockholm ging Wagner als Postdoktorand an die Yale University. 2012 wurde er zunächst zum Juniorprofessor und 2018 zum Professor für Infektionsbiologie an der Universität Tübingen ernannt. Seit 2019 ist er Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“.</p><p>Als neuer Prorektor wird Wagner die Rektorin Professorin Karla Pollmann in ihren vielfältigen Amts- und Leitungsfunktionen unterstützen, unter anderem in der anstehenden Exzellenzstrategie. Er wird dazu beitragen, die Vernetzung auch innerhalb der Universität zu intensivieren und im Gespräch mit all ihren Gruppen und Bereichen zu bleiben. Als Projekt steht unter anderem das Universitätsjubiläum im Jahr 2027 an. „Es ist mir nicht nur ein Anliegen, die Universität Tübingen in der Exzellenzstrategie auf Erfolgskurs zu halten, sondern auch, den Erfolg in der Breite aller Fächer und Bereiche zu entwickeln. Die Universität muss noch agiler werden und mit einer klaren Strategie langfristig die besten Köpfe an sich binden“, sagte Wagner.</p><p>In seinem thematischen Feld, der nachhaltigen Entwicklung, möchte er an die vorhandenen Strukturen am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften und verschiedener Arbeitsgruppen anknüpfen und dem Thema mehr Gewicht geben, zum Beispiel auch gegenüber der Stadt Tübingen. „Als erstes gilt es, eine übergeordnete Strategie zu entwickeln, Ziele festzulegen, eine Bestandsaufnahme zu machen und ein Reporting einzuführen“, zeichnete Wagner den Weg vor. Das ressourcenschonendere Arbeiten solle ein Schwerpunkt der Universität werden, und sie solle damit auch in die Gesellschaft hineinwirken. „Mit dieser Aufgabe sind wir nicht allein: Starke Partner vor Ort sind unter anderem das Universitätsklinikum und die Max-Planck-Gesellschaft, Best-Practice-Beispiele finden sich etwa über den Universitätsverbund forschungsstarker Universitäten German U15“, sagte der neue Prorektor.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109365</guid><pubDate>Thu, 25 Jul 2024 14:55:54 +0200</pubDate><title>Zuwachs im Elfenbeintierpark</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zuwachs-im-elfenbeintierpark/</link><description>Außergewöhnliche eiszeitliche Figur aus Welterbehöhle repräsentiert womöglich die Wassertiere – Tübinger Archäologen mit neuem Fund im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mammut, Wisent, Wildpferd, Höhlenlöwe und Höhlenbär – mehr als 30 figürliche Kunstobjekte aus der Jüngeren Altsteinzeit wurden in den Höhlen der Schwäbischen Alb bei archäologischen Ausgrabungen schon entdeckt. Die Mehrheit bildet imposante Tiere ab, die für die eiszeitliche Steppenlandschaft typisch sind. Jetzt haben Archäologen aus der Welterbehöhle Hohle Fels nahe Schelklingen den Körper einer Figurine aus Mammutelfenbein geborgen, die die Annahme bestätigt, dass die eiszeitliche Elfenbeinkunst vielfältiger war als lange vermutet. Das Team von Professor Nicholas Conard der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen interpretiert den Fund als Otter und präsentierte die Figur als „Fund des Jahres“ am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu). „Unter den eiszeitlichen Kunstfunden der Region gibt es bereits die Figuren zweier Fische und die eines Wasservogels“, sagt Professor Conard, „das neue Stück zeigt, dass sich die Menschen damals viel stärker mit Wassertieren auseinandergesetzt haben, als wir bislang dachten. Schließlich erfordert das Schnitzen eines solchen Stückes aus Elfenbein viel Arbeit sowie detaillierte Kenntnisse des Aussehens und der Eigenschaften des dargestellten Tieres.“</p><p>Die Elfenbeinfigurine ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, wissenschaftlich beschrieben. Die Figur wurde in tieferen Schichten der altsteinzeitlichen Kulturstufe des sogenannten Aurignacien geborgen. Somit stammt sie aus dem gleichen Zeithorizont wie die berühmte Venus-Figur und die Flöte aus dem Hohle Fels und ist fast 40.000 Jahre alt, entstanden also in einer Zeit, als die ersten anatomisch modernen Menschen in Europa ankamen. Der aktuelle Fund ist im Gegensatz zu anderen Figurinen nicht mit verzierenden Ritzmustern versehen. Er hat mit 5,9 Zentimetern Länge, 1,5 Zentimetern Höhe und einem halben Zentimeter Breite eine längliche, aber gedrungene Form und einen kurzen, spitz zulaufenden Schwanz. Die Beine des Tiers sind sehr kurz, der Hals dagegen sehr lang. Der Kopf ist abgebrochen und fehlt. „In den vergangenen Jahren ist es uns immer wieder gelungen, nach aufmerksamer Suche Bruchstücke von Funden zu ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild zusammenzufügen“, beschreibt Professor Conard die Hoffnung, dass der Kopf noch gefunden werden kann: „Solch fehlende Teile schüren in uns die Erwartung, diese noch irgendwo im Sediment der Höhle auszugraben oder sie unter den geborgenen und noch nicht ausgelesen Funden auszumachen. So könnten wir die Figur ergänzen und verbindlich bestimmen.“</p><p>Die Gestalt der kopflosen Elfenbeinfigur aber ist so einzigartig, dass sie die Wissenschaftler darin bestätigt, von der ehemals populären Deutung abzurücken, dass nur große oder gefährliche Tiere in eiszeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaften der künstlerischen Darstellung für würdig befunden worden waren. „Wir wissen heute nicht, was die Menschen damals an einem Otter fasziniert haben könnte, aber mit Sicherheit haben sie beobachtet, wie wendig er sich im Wasser bewegt, wie fürsorglich er seinen Nachwuchs aufzieht und welch ein raffinierter Fischjäger er ist“, meint Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des urmu, wo der Fund nun für die Öffentlichkeit ausgestellt wird. „Dass das Ensemble der Elfenbeintiere jetzt um eine neue, offensichtlich kleinere Tierart angewachsen ist, gibt Raum für neue Überlegungen über den symbolischen Gehalt der Eiszeitkunst.“</p><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Das Museum für altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen erklärt das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“.</p><p>Öffnungszeiten: Di bis So und feiertags, 10 bis 17 Uhr – <a href="http://www.urmu.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.urmu.de</a>&nbsp;</p><p><strong>Publikationen:</strong></p><p>Nicholas J. Conard, Alexander Janas: Funde aus dem Mittelpaläolithikum und eine neue Elfenbeinfigurine aus dem Aurignacien vom Hohle Fels.&nbsp;<br>In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2023, Juli 2024, S. 58-63</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109275</guid><pubDate>Wed, 24 Jul 2024 09:15:01 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen beruft drei Professorinnen zur Erforschung des Rechtsextremismus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-beruft-drei-professorinnen-zur-erforschung-des-rechtsextremismus/</link><description>Erstes inter- und transdisziplinäres Universitäts-Institut zur Rechtsextremismusforschung in der Bundesrepublik startet zum Wintersemester</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat drei Professuren am neuen Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) besetzt. Professorin Léonie de Jonge erforscht „Politische Akteur*innen, Organisationen und Ideologien“ und vertritt damit die bundesweit erste politikwissenschaftliche Professur im Feld. Professorin Annett Heft wird sich mit Rechtsextremismus aus medienwissenschaftlicher Perspektive befassen, Professorin Heike Radvan aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. Alle drei Professorinnen werden im Laufe des Wintersemesters 2024/25 ihre Arbeit an der Universität Tübingen aufnehmen.</p><p>„Dass wir hier drei international renommierte Forscherinnen gewinnen konnten, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungszusammenhängen das Thema beleuchten, ist ein großer Gewinn für Forschung und Lehre im Bereich der Rechtsextremismusforschung“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. „Ich bin überzeugt, dass die Forschungsarbeit der drei Professorinnen einen sehr wichtigen Beitrag dazu leisten wird, die Wurzeln und Mechanismen des Rechtsextremismus sowie seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft besser zu verstehen und auch zu vermitteln. Das ist die Grundlage, um ihm gezielt entgegenwirken zu können. Mit dieser auf Dauer angelegten Institution des IRex leistet das Land Pionierarbeit für die Rechtsextremismusforschung – und damit einen signifikanten Beitrag zur Stärkung der Demokratie.“</p><p>„Die drei Professuren erforschen den Rechtsextremismus aus je fachspezifischer und transdisziplinärer Perspektive“, so Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshiha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Die Forschung erfolgt in enger Kooperation mit Zivilgesellschaft und Praxis und ist so der gesellschaftlichen und politischen Relevanz des Themas angemessen. Mit dem IRex hat die Universität Tübingen dank der Unterstützung des Landes Baden-Württemberg in Deutschland einmalige Bedingungen für die Rechtsextremismusforschung geschaffen.“&nbsp;</p><p><strong>Léonie de Jonge</strong> ist derzeit Professorin für Europäische Politik und Gesellschaft an der Universität Groningen, Niederlande, und dort am Dokumentationszentrum für niederländische politische Parteien tätig. Sie erforscht rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien und Akteure aus einer international vergleichenden Perspektive. Durch ihre internationale Vernetzung in der Fachwelt trägt sie entscheidend zur Sichtbarkeit des Instituts und des Forschungsschwerpunkts in der Politikwissenschaft bei.</p><p><strong>Annett Heft</strong> ist seit 2022 Leiterin der Forschungsgruppe „Dynamiken der Digitalen Mobilisierung“ am Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin, außerdem erforscht sie Muster und Dynamiken von Verschwörungstheorien und rechtsextremen Ideologien am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Heft befasst sich in ihrer Forschung mit der vergleichenden Analyse politischer analoger und digitaler Kommunikation und Mobilisierung in Europa. Sie verbindet innovative Ansätze der Kommunikationsforschung mit einer interdisziplinären Perspektive.</p><p><strong>Heike Radvan</strong> hat seit März 2017 die Professur für „Theorien und Methoden Sozialer Arbeit mit den Schwerpunkten Gemeinwesenarbeit und Rechtsextremismusforschung“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) inne. &nbsp;Am IRex wird sie die erziehungswissenschaftliche Rechtsextremismusforschung profilieren. Dies wird verknüpft mit Konzeptentwicklung für die politische und kulturelle Bildung. Ihre wissenschaftliche Expertise verbindet sie über ihre Analysen zu ostdeutschen Spezifika hinaus auf einzigartige Weise mit langjährigen Erfahrungen aus der zivilgesellschaftlichen Beratungs- und Präventionspraxis, auch aus einer geschlechterreflektierenden Perspektive.</p><p>Mit der Einrichtung des IRex im Jahr 2023 an der Universität Tübingen setzte das Land eine der empfohlenen Maßnahmen des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses des baden-württembergischen Landtags um. Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, Demokratie in Staat und Zivilgesellschaft zu stärken. Das IRex wird vertreten durch die beiden Geschäftsführer PD Dr. Rolf Frankenberger und Reiner Baur. Durch die Berufungen der drei Professorinnen kann ab dem Wintersemester 2024/25 die interdisziplinär ausgerichtete Forschung am IRex starten.&nbsp;„Mit der Einrichtung des IRex sind einmalige Strukturen geschaffen, die es ermöglichen, den Rechtsextremismus und seine gesellschaftlichen Einbindungen dauerhaft und systematisch zu erforschen“, so Frankenberger. „Dafür konnten wir drei herausragende Wissenschaftlerinnen gewinnen, die unseren gesellschaftlichen Auftrag mit wissenschaftlichem Leben füllen.“</p><p>Das IRex kooperiert eng mit der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus am Generallandesarchiv Karlsruhe sowie mit nationalen wie internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Die Ergebnisse dieser vielfältigen Kooperationen fließen ebenso in die im Aufbau befindliche „Forschungsplattform Extreme Rechte“ ein wie in die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren. „Denn über die Einbindung gesellschaftlicher Akteure kann die Forschung wichtige Impulse aufnehmen und ihre Erkenntnisse wirkungsvoller zurückspiegeln. Der Transferforschung kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu“, sagte Reiner Baur.</p><p>Die dichte Stellenbesetzung im Themenfeld Rechtsextremismus an der Universität Tübingen ist bundesweit einmalig und wird im kommenden Jahr weiter ausgebaut: Die Universität Tübingen richtet eine Professur zur sozialwissenschaftlichen Antisemitismusforschung ein. Das Berufungsverfahren läuft derzeit.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109158</guid><pubDate>Thu, 18 Jul 2024 17:11:30 +0200</pubDate><title>Auszeichnung für archäologische Arbeit zur jüngsten Vergangenheit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auszeichnung-fuer-archaeologische-arbeit-zur-juengsten-vergangenheit/</link><description>Der Barbara-Scholkmann-Förderpreis für Historische Archäologie der Universität Tübingen geht 2024 an Attila Dézsi für seine Doktorarbeit über Orte des Protests im 20. Jahrhundert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Barbara-Scholkmann-Förderpreis für Historische Archäologie geht in diesem Jahr an Attila Dézsi für seine an der Universität Hamburg eingereichte Dissertation mit einem Thema aus der zeitgeschichtlichen Archäologie des 20. Jahrhunderts. Der Preis, der mit 2.000 Euro dotiert ist, wurde Dézsi bei einer Feier am 18. Juli 2024 auf Schloss Hohentübingen übergeben. Der Barbara-Scholkmann-Förderpreis wird in diesem Jahr zum vierten Mal an der Universität Tübingen verliehen. Die Abteilung Archäologie des Mittelalters der Universität und ihr Förderverein zeichnen damit Dissertationen aus, die einen Forschungsfortschritt für die Historische Archäologie bedeuten.</p><p>Attila Dézsi forscht am Sonderforschungsbereich „RessourcenKulturen. Soziokulturelle Dynamiken im Umgang mit Ressourcen“ (SFB 1070) der Universität Tübingen. Seine mit dem Scholkmann-Preis ausgezeichnete Dissertation trägt den Titel „Zeitgeschichtliche Archäologie des 20. Jahrhunderts an Orten des Protests. Kritische Archäologie und Community Archäologie der Freien Republik Wendland“, die er 2023 an der Universität Hamburg eingereicht und verteidigt hat. Er untersuchte darin Funde aus der Hinterlassenschaft des Hüttendorfs, das 1980 von Atomkraftgegnerinnen und -gegnern auf einer Waldlichtung in der Nähe von Gorleben im niedersächsischen Wendland errichtet wurde. Die Protestierenden wollten Arbeiten zur Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle verhindern. Sie riefen am 3. Mai 1980 die Republik Freies Wendland aus; ihr Hüttendorf wurde nach einigen Wochen von Polizei und Bundesgrenzschutz geräumt.</p><p>Die Jury des Barbara-Scholkmann-Förderpreises bewertete Dézsis Thema als besonders innovativ, da sich die zeitgeschichtliche Archäologie in Deutschland bisher weitgehend auf Relikte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs beschränkt habe. Die zeitliche Grenze werde durch die Dissertation ausgedehnt und belege das Potenzial archäologischer Herangehensweisen auch für die Erforschung der jüngsten Vergangenheit. Dézsi verbinde souverän Methoden der Archäologie mit Methoden der Empirischen Kulturwissenschaft, der Soziologie und der Zeitgeschichte, urteilte die Jury weiter. Er könne in seiner Arbeit Strategien eines teilweise von staatlicher Seite gewollten „Vergessenmachens“ des Protestdorfs aufzeigen, die bisher weder historisch dokumentiert noch klar diskutiert worden seien. Sein Ansatz einer Critical Archaeology leiste einen Beitrag zur Überwindung der Fächergrenzen zwischen der deutschen historisch geprägten hin zu einer anthropologisch geprägten Historischen Archäologie.</p><p>Der Barbara-Scholkmann-Förderpreis für Historische Archäologie wird seit 2018 alle zwei Jahre gemeinsam vom Verein zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloss Hohentübingen und der Abteilung Archäologie des Mittelalters des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen verliehen. Der Preis dient der Förderung von Archäologinnen und Archäologen, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Stifterin des Förderpreises ist Barbara Scholkmann, die bis 2007 Professorin für Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen war.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-109152</guid><pubDate>Thu, 18 Jul 2024 15:56:41 +0200</pubDate><title>Von der Geburt bis ins Jenseits: Sommeruniversität 2024 stellt aktuelle Forschung vor</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/von-der-geburt-bis-ins-jenseits-sommeruniversitaet-2024-stellt-aktuelle-forschung-vor/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen: Neun Vorträge unter anderem zu Archäologie, Hebammenwissenschaft, Klimaschutz, Ethik der künstlichen Intelligenz und Rechtspopulismus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Sommeruniversität gibt in neun Vorlesungen im Juli und August wieder einem breiten Publikum Einblicke in die aktuelle Forschung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Reihe wird gemeinsam von der Universität und der Universitätsstadt Tübingen organisiert. Die Vorlesungen finden von Montag, 29. Juli, bis Donnerstag, 8. August, jeweils um 10:15 Uhr im Hörsaal des Theologicums statt (Dauer 45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72076 Tübingen). Anschließend kann das Publikum Fragen stellen und mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsthemen diskutieren. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p><strong>Das Programm:</strong></p><p>Montag, 29. Juli<br><strong>Professorin Jessica Heesen: Digitale Unsterblichkeit – Weiterleben als Avatar?</strong><br> Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Lebens in und mit digitalen Medien. Ist es nicht reizvoll, auch nach dem Tod noch im Digitalen präsent zu sein? Künstliche Intelligenz macht es möglich, dass Verstorbene als Avatar oder Chatbot „weiterleben“ und sich mit den Hinterbliebenen unterhalten. Der Vortrag stellt die Angebote der digitalen Trauertechnologie vor und diskutiert sie aus ethischer Perspektive.</p><p>Dienstag, 30. Juli<br><strong>Juniorprofessorin Nadja Klopprogge: (Nicht)wählen dürfen in den Vereinigten Staaten</strong><br> Die Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA im November dieses Jahres scheint alles andere als unmöglich. Entsprechend groß ist auch das mediale Interesse an den Gerichtsprozessen, denen sich Trump aktuell stellen muss. An diese knüpft sich für viele die Hoffnung, dass eine Verurteilung des Ex-Präsidenten auch dessen Wahlausschluss bedeuten könnte. Allerdings ist das Felon Disenfranchisement (Wahlrechtsentzug fürverurteilte Straftäter), das vor diesem Hintergrund als Schutzschild der Demokratie daherkommt, nicht nur historisch betrachtet ein Werkzeug, um bestimmte Gruppen von der Teilhabe am demokratischen Prozess auszuschließen. In diesem Vortrag werden die Linien des Felon Disenfranchisement aufgezeigt und danach gefragt, wie der Wahlausschluss zum Instrument wurde, mit dem gesellschaftliche Hierarchien aufrechterhalten werden.</p><p>Mittwoch, 31. Juli<br><strong>Professor Christian Leitz: Die Restaurierung der astronomischen Tempeldecke im oberägyptischen Esna</strong><br> Seit 2018 führt die Abteilung für Ägyptologie des Instituts für die Kulturen des Alten Orients gemeinsam mit dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Tempel von Esna durch, das gut 50 km südlich des heutigen Luxor in Oberägypten liegt. Einen Höhepunkt dieser Arbeiten bildet die astronomische Decke, deren Restaurierung mittlerweile abgeschlossen ist. Der Vortrag gibt einen Überblick über die sechs Abschnitte der Decke mit den Themen Lauf der Sonne und des Mondes, altägyptischer Sternenhimmel und dem von den Griechen übernommenen Tierkreis.</p><p>Donnerstag, 1. August<br><strong>Professorin Claudia Plappert &amp; Neeltje Schubert, M.Sc. Midwifery: „Gesund rund um die Geburt“: Die Bedeutung der kontinuierlichen Hebammenbetreuung</strong><br> Eine vertrauensvolle und kontinuierliche Hebammenbetreuung vor, während und nach der Geburt bis hin zum Ende der Stillzeit ermöglicht Schwangeren, Gebärenden und Stillenden das Potenzial ihrer gesunden körperlichen Fähigkeiten zu erkennen, ein Kind auf na-türlichem Wege zu gebären, eine innige Bindung zu ihm zu entwickeln und eine kompetente Mutter zu sein. Der Vortrag aus der Hebammenwissenschaft wirft einen Blick auf die aktuellen Erkenntnisse zur Physiologie des Gebärens und zur Bindungsentwicklung. Er stellt dar, wie und unter welchen Voraussetzungen Hebammenbetreuung diese Prozesse optimal unterstützt.</p><p>Freitag, 2. August<br><strong>Professor Ernst Seidl: Politische Architektur. Zur öffentlichen Relevanz unserer gebauten Umwelt</strong><br> Architektur bildet die politischste aller Künste. Sie ist die manifesteste, unmittelbarste und uns nahezu auf Schritt und Tritt umgebende. Dass sie daher von Beginn ihres Auftretens an als Zeichen oder gar als Medium der sozialen Beeinflussung genutzt wurde, liegt auf der Hand. Dies geschah manchmal mehr, manchmal weniger subtil. Der Vortrag liefert einen grundlegenden Überblick über die unterschiedlichsten Ausprägungen politischer Architektur von der Frühzeit bis heute.</p><p>Montag, 5. August<br><strong>Professorin Bettina Weigelin: Unsichtbare Helden: Mikroskopische Einblicke in Krebsimmuntherapien</strong><br> Der Einsatz moderner mikroskopischer Bildgebungsverfahren ermöglicht es, das Immunsystem mit immer größerer Genauigkeit und Informationstiefe zu beobachten. Diese Technologien eröffnen neue Möglichkeiten, die komplexen Interaktionen zwischen Immunzellen und Krebszellen zu verstehen. Die Vorlesung vermittelt die neuesten Entwicklungen in der mikroskopischen Bildgebung und deren Anwendung in der Krebsimmuntherapie. Sie bietet einen spannenden Einblick in die Forschung, die darauf abzielt, das Immunsystem zur Bekämpfung von Krebs einzusetzen und damit neue Therapieansätze zu entwickeln, die das Leben vieler Patienten verbessern könnten.</p><p>Dienstag, 6. August<br><strong>PD Dr. Rolf Frankenberger: Die extreme Rechte in Deutschland und Europa</strong><br> Rechtspopulistische und extrem rechte Parteien sind auf dem Vormarsch, in Deutschland und Europa. Sie treten bei Wahlen an und sitzen seit Jahren in Parlamenten. Dabei agitieren sie gegen die parlamentarische Demokratie, Migration und die EU. Im Vortrag werden, ausgehend von zentralen Definitionen, Entwicklungen in der extremen Rechten und deren Vernetzung dargestellt. Außerdem werden die Ergebnisse der Wahlen zum Europäischen Parlament mit Fokus auf die extrem rechten Parteien analysiert, deren Positionen und Inhalte vorgestellt und diskutiert, welche Auswirkungen Erfolge der extremen Rechten für die EU haben könnten.</p><p>Mittwoch, 7. August<br><strong>Professor Christian Koziol: Nachhaltige Geldanlage: Umsetzung, Performance und Impact</strong><br> Inzwischen kann in der Anlageberatung eine nachhaltige Ausrichtung durch die Investorenseite eingefordert werden. Dennoch steckt das Thema weitestgehend in den Kinderschuhen, und ein wünschenswerter Marktstandard ist noch in weiter Ferne. Auch die Wissenschaft liefert bisher unterschiedliche Erkenntnisse, ob mit einer entsprechenden Geldanlage tatsächlich die Nachhaltigkeit verbessert und die Performance erhöht werden kann. Der Vortrag gibt dazu einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und löst scheinbare Widersprüche auf.</p><p>Donnerstag, 8. August<br><strong>Professor Jochen von Bernstorff: Klimagerechtigkeit, fossile Infrastrukturen und das Völkerrecht</strong><br> Der Vortrag befasst sich mit der Rolle des Völkerrechts bei der Verwirklichung der Klimaziele des Paris-Abkommens. Die notwendige Transformation hin zu erneuerbaren Energien trifft derzeit weltweit auf eine bestehende „fossile“ Energieinfrastruktur, deren Erhalt von mächtigen ökonomischen und politischen Akteuren verteidigt wird. Wie kann die Transformation hin zu erneuerbaren Energien dennoch gelingen und welche Rolle spielt hierbei das Völkerrecht?</p><p>Programm unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a>&nbsp; und als Programmheft erhältlich in öffentlichen Stellen und beim Fachbereich Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen.</p><p>Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108951</guid><pubDate>Fri, 12 Jul 2024 09:31:00 +0200</pubDate><title>Omri Boehm erhält Alfons-Auer-Ethik-Preis 2024</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/omri-boehm-erhaelt-alfons-auer-ethik-preis-2024/</link><description>Der israelische Philosoph wendet Ethik des „radikalen Universalismus“ auf israelisch-palästinensischen Konflikt an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der israelische Philosoph Omri Boehm erhält den Alfons-Auer-Ethik-Preis 2024. Der Preis wird von der Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart verliehen. Die Nominierung würdigt die herausragenden Arbeiten von Professor Omri Boehm zur moralischen Verantwortung eines radikalen Universalismus, den der Philosoph auch auf den israelisch-palästinensischen Konflikt anwendet.</p><p>„Radikaler Universalismus verlangt, dass Menschen das Leben der Menschen auf der anderen Seite als gleichermaßen unendlich wichtig ansehen, wie das Leben der Menschen auf ihrer Seite“, so Boehm. Diesen Universalismus macht Omri Boehm auch nach dem Anschlag der Hamas auf Israel und seit der militärischen Antwort Israels im Gaza-Streifen geltend. Er fordert das Nachdenken über politische Alternativen und schlägt einen gemeinsamen, föderalen Staat von Juden und Palästinensern vor. Damit zeigt er, dass der von ihm vorgeschlagene Universalismus in den Krisen der Gegenwart sprach- und handlungsfähig macht.</p><p>Omri Boehm (Jahrgang 1978) ist seit 2010 Associate Professor für Philosophie an der New York New School for Social Research. Die vielfältigen Quellen seiner Philosophie sind unter anderem die biblischen Erzählungen der Tora, die Schriften Immanuel Kants oder die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.</p><p>Die Katholisch-Theologische Fakultät in Tübingen und die Akademie der Diözese Stuttgart-Rottenburg verleihen diesen Preis alle zwei Jahre. Seinen Namen verdankt er einem der prominentesten Tübinger Ethiker, dem Moraltheologen Prof. Dr. Alfons Auer (1915–2005). Auer hat Anfang der 1970er Jahre mit seinem Konzept der „autonomen Moral“ die katholische Morallehre aus konfessionellen Umgrenzungen befreit; dadurch öffnete er die individual- und sozialethische Diskussion mit der Philosophie, der Soziologie und den Kulturwissenschaften. Mit dem ihm gewidmeten Preis werden „Persönlichkeiten gewürdigt, die sich durch ein herausragendes ethisches Engagement im wissenschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Bereich ausgezeichnet haben“.</p><p>Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird am 26. November im Theologicum der Universität Tübingen verliehen.</p><p>Der erste Preisträger im Jahr 2015 war Prof. Dr. h.c. mult. Charles Taylor (Kanada). Im Jahr 2017 wurde der Preis an den Menschenrechtsethiker Prof. Dr. Heiner Bielefeldt (Deutschland) und 2019 an Prof. Dr. Mary McAlleese (Irland) für ihr Engagement für religiöse Versöhnung und sozialen Ausgleich vergeben. Aufgrund der Covid 19-Pandemie konnte der Preis im Jahr 2021 nicht regulär verliehen werden. Im Jahr 2022 ehrt die Fakultät die Philosophin Prof. Leela Gandhi (USA) für ihre bedeutende Arbeit zur postkolonialen Ethik.</p><p>Der Alfons-Auer-Ethikpreis wurde von Siegfried Weishaupt gespendet, einem internationalen High-Tech-Unternehmer, der sich für ethische und kulturelle Herausforderungen interessiert und mit Alfons Auer durch einen gemeinsamen Hintergrund verbunden ist. Ein akademisches Kuratorium unter dem Vorsitz von Rektorin Prof. Dr. Dr. h.c. Karla Pollmann hat den diesjährigen Preisträger einstimmig nominiert.</p><p>Youtube-Video: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vRLcTYd-6TU" target="_blank" rel="noreferrer">“Ethikpreis für Omri Boehm - Hintergründe und Einführung in sein Denken”</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108852</guid><pubDate>Tue, 09 Jul 2024 15:21:16 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen und Oberlandesgericht Stuttgart schließen Kooperation zur Stärkung des Rechtsstaats</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-und-oberlandesgericht-stuttgart-schliessen-kooperation-zur-staerkung-des-rechtsstaats/</link><description>Richterinnen und Richter werden künftig an Lehre mitwirken. Professorinnen und Professoren als Richterinnen und Richter im Nebenamt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Heute haben die Universität Tübingen und das Oberlandesgericht Stuttgart eine in Baden-Württemberg bislang einmalige Kooperation zur Stärkung des Rechtsstaats geschlossen. Die Rechtswissenschaft und die Rechtsprechung arbeiten künftig enger zusammen. Davon wird die Qualität von Lehre und Rechtsprechung gleichermaßen profitieren.</p><p><strong>Richterinnen und Richter wirken künftig an Lehre mit</strong><br> Bei der feierlichen Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung in der Neuen Aula der Juristischen Fakultät erläutert der Präsident des Oberlandesgerichts Dr. Andreas Singer: „Die zentrale Herausforderung unserer jungen Richterinnen und Richter ist es, die an der Universität erlernten Kenntnisse in den zahlreichen Verfahren an den Gerichten anzuwenden. Bereits im Studium kommt der praxisnahen und am Prozessrecht orientierten Anwendung des Erlernten deshalb eine immer wichtigere Rolle zu.“ Ab dem kommenden Wintersemester werden daher erfahrene Richterinnen und Richter aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts Stuttgart eine Lehrveranstaltung an der Juristischen Fakultät anbieten und aktuelle Fälle aus dem Zivilrecht gemeinsam mit den Studierenden lösen.</p><p>„Die an der gerichtlichen Praxis ausgerichtete Vorlesungsreihe deckt Themen aus dem Kernbereich des Prüfungsstoffs für die Erste juristische Prüfung ab und sorgt so für eine ideale Verbindung zwischen Wissenschaft und Examensvorbereitung“, ist die Prorektorin für Lehre, Prof. Dr. Karin Amos überzeugt. Es gehe dabei aber auch um wichtige Einblicke in das Richteramt und die Verankerung einer starken unabhängigen Justiz als Grundpfeiler unseres freiheitlich demokratischen Rechtsstaats, so Amos.</p><p><strong>Professorinnen und Professoren als Richterinnen und Richter im Nebenamt</strong><br> „Gleichzeitig wollen wir die wissenschaftliche Perspektive auf der Richterbank stärken, etwa wenn es um komplexe grenzüberschreitende Rechtsfragen geht. Professorinnen und Professoren der juristischen Fakultät sollen daher künftig verstärkt als Richterinnen und Richter im Nebenamt am Oberlandesgericht Stuttgart tätig werden“, stellt der Dekan der Juristischen Fakultät Prof. Dr. Jens-Hinrich Binder in Aussicht.</p><p><strong>Weitere Inhalte der Kooperationsvereinbarung</strong><br> Darüber hinaus haben Universität und Oberlandesgericht eine wechselseitige Mitwirkung an Fortbildungen und Seminaren vereinbart. „Auch wird das Oberlandesgericht die Studierenden der Juristischen Fakultät künftig aktiv bei der Suche nach attraktiven Praktikumsplätzen an den Gerichten unterstützen“, sagt Singer zu. „Dass wir Referendarinnen und Referendare bei ihren wichtigen Nebentätigkeiten für die Forschung und Lehre der Universität noch stärker unterstützen, lässt uns gleichermaßen enger zusammenrücken“, erläutert der Dekan der juristischen Fakultät.</p><p><strong>Rechtsstaat ist auch in Zukunft auf Exzellenz dringend angewiesen</strong><br> Der Präsident des Oberlandesgerichts betont die Ausnahmestellung der Universität Tübingen: „Die Juristische Fakultät genießt durch die lebendige Verbindung zwischen Wissenschaft und Lehre einen exzellenten Ruf bei der juristischen Ausbildung. Die Studierenden erzielen häufig überdurchschnittliche Ergebnisse in der ersten juristischen Prüfung. Unser Rechtsstaat ist auch in Zukunft auf diese Exzellenz dringend angewiesen. Als Justiz wollen wir daher schon in der universitären Ausbildung unseren Beitrag leisten und die Grundlagen für einen erfolgreichen Berufsstart in Justiz und Anwaltschaft schaffen.“</p><p><strong>Kooperation soll perspektivisch weiter ausgebaut werden</strong><br> „Perspektivisch wollen wir unsere Kooperation auf das Strafrecht und das Familienrecht ausdehnen“ stellt Binder in Aussicht. „Gerade im Strafrecht ist das Oberlandesgericht Stuttgart mit seiner erstinstanzlichen Zuständigkeit für die größten Staatsschutzverfahren besonders geeignet, um den Studierenden wertvolle Einblicke in Strafverfahren zu bieten und ihnen gleichzeitig die Bedeutung der Gerichte für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Grundrechte zu vermitteln.“ Die Kooperationspartner sind sich einig: „Es wird in den kommenden Jahren entscheidend darauf ankommen, die Abwehrkräfte der freiheitlichen Gesellschaft gegen extremistische Bedrohungen zu stärken. Dazu sind wir auf unseren Nachwuchs dringend angewiesen. Jede und jeder einzelne zählt. Eine Zukunft wird unsere Verfassungsordnung nur dann haben, wenn in Zeiten, in denen die freiheitliche Demokratie und ihre rechtsstaatlichen Strukturen herausgefordert werden, auch junge Menschen bereit sind, sich für die Freiheit, die Demokratie und das Recht einzusetzen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108687</guid><pubDate>Thu, 04 Jul 2024 11:26:57 +0200</pubDate><title>Gräser im Nebel: Pflanzen sorgen für Leben in der Wüste</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/graeser-im-nebel-pflanzen-sorgen-fuer-leben-in-der-wueste/</link><description>Komplexe Nahrungskette in der Namib-Wüste entschlüsselt</description><content:encoded><![CDATA[<p class="MsoPlainText">Forscherinnen und Forscher vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen und dem Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz haben die Rolle des Wüstengrases <i>Stipagrostis sabulicola </i>in der afrikanischen Namib-Wüste untersucht. In ihrer im Fachjournal <i>Scientific Reports</i> veröffentlichten Studie zeigen sie, dass die Pflanze in der Lage ist, Feuchtigkeit aus Nebelereignissen aufzunehmen. So bildet sie eine essenzielle Grundlage eines – insgesamt unerwartet komplexen – Nahrungsnetzes in der von Dürre geprägten Landschaft.</p><p>Das Wort Namib bedeutet so viel wie „der Ort, an dem nichts ist“ oder auch einfach „weiter Platz“ – nicht ganz zutreffend, denn in der Namib-Wüste an der Südwestküste Afrikas hat sich trotz der hyperariden Bedingungen und der von Norden nach Süden rund 2000 Kilometer ausgedehnten Sandflächen eine beträchtliche Anzahl von Tier- und Pflanzenarten an die extreme Trockenheit angepasst. „<i>Stipagrostis sabulicola</i>, das Namib-Dünen-Buschmanngras, ist solch eine Pflanzenart, die in der Namib-Wüste beheimatet ist“, erklärt Dr. Huei Ying Gan vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Gemeinsam mit der weiteren Hauptautorin der Studie Dr. Karin Hohberg und dem Hauptautor Dr. Clément Schneider vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie mit weiteren Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen, der beiden Senckenberg-Institute und des Gobabeb Namib Research Institute hat Gan das bis zu zwei Meter hohe, mehrjährige Gras und seine Rolle im Ökosystem der Wüste untersucht.</p><p>Die Pflanze verfügt über ein breites System flacher Wurzeln, die es ihr ermöglichen, sich wirksam im Dünensand zu verankern. „Darüber hinaus besitzt <i>Stipagrostis sabulicola</i> spezialisierte Blattstrukturen, die sehr effektiv Feuchtigkeit in Form von Nebel und Tau aus der Luft kondensieren. Das ist sehr wichtig, weil Nebel aus dem Atlantischen Ozean mit im Mittel 39 Millimetern pro Jahr eine regelmäßigere Feuchtigkeitsquelle darstellt als der Regen, der an den Untersuchungsstandorten im Mittel nur 17 Millimeter pro Jahr bringt“, fährt die Tübinger Biogeochemikerin fort.</p><p>Der Nebel entsteht, wenn sich die von Westen einströmende feuchtwarme Atlantikluft an der kalten Meeresoberfläche vor der Küste abkühlt – dieser Advektionsnebel kann je nach Höhe und Windverhältnissen kilometerweit in das Innere der Namib-Wüste ziehen. „Sobald der Nebel den Boden berührt, fängt das endemische Wüstengras das Nebelwasser ein und leitet es in den Sand ab“, ergänzt Hohberg.</p><p>In ihrer neuen Studie zeigt das Forschungsteam, dass das nebelaufnehmende Gras auf diese Weise eine wichtige ökologische Nische – die sogenannten Nebelpflanzen-Oasen – bildet und darüber hinaus als primäre Kohlenstoffquelle für wirbellose Tiere dient. Um letzteres festzustellen, hat das Team die natürlichen Schwankungen der stabilen Kohlenstoff- und Stickstoffisotope (δ13C und δ15N) der wirbellosen Tiere sowie der pflanzlichen Biomasse und Streu im Boden gemessen und den Anteil der Nebelpflanzen an ihrer Ernährung geschätzt. „Unsere Ergebnisse belegen, dass das Buschmanngras der Namib-Wüste den Kohlenstofffluss im Nahrungsnetz fördert. Wir konnten zeigen, dass die Pflanze für oberirdische Wirbellose wie Ameisen, Spinnen, Pseudoskorpione oder Milben die primäre Nahrungsquelle darstellt – allein zwölf Gliederfüßerarten fanden wir auf der Blattoberfläche und in den Blattscheiden, weitere sieben Arten wurden von uns beobachtet, aber nicht näher untersucht“, so Schneider.</p><p>Anders sieht es laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei den im Boden lebenden Organismen, wie Nematoden, aus: Hier scheinen die vom Wind verwehten und in den Boden eingetragenen Sedimente als Hauptenergiequelle zu dienen. „Insgesamt lässt sich dennoch festhalten, dass die Bedeutung von <i>Stipagrostis sabulicola</i> weit über das Nahrungsnetz der Wirbellosen hinausgeht. Denn zahlreiche Gliederfüßer, wie beispielsweise Rüsselkäfer und Schwarzkäfer, die auf das Gras als Energiequelle angewiesen sind und daher in enger Beziehung zu den Pflanzen leben, dienen als lebenswichtige Nahrungsquellen für mobilere Räuber wie Zauneidechsen, Jagdspinnen oder die Dünenlerche. In der höheren Nahrungskette sind die Eidechsen wiederum eine wichtige Nahrung für die Kreuzotter <i>Bitis peringueyi</i>. Unsere Analysen unterstreichen die entscheidende Rolle von Nebelpflanzen in den hyperariden Namib-Dünen“, fasst Gan zusammen.</p><h3><strong>Website der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung:</strong></h3><p><a href="https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/graeser-im-nebel-pflanzen-sorgen-fuer-leben-in-der-wueste/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/graeser-im-nebel-pflanzen-sorgen-fuer-leben-in-der-wueste/</a></p><h3>Publikation:</h3><p>Gan, H.Y., Hohberg, K., Schneider, C. et al. <span lang="en" dir="ltr">The hidden oases: unveiling trophic dynamics in Namib's fog plant ecosystem</span>. <i>Scientific Reports</i> 14, 13334 (2024), <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-024-61796-8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41598-024-61796-8</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108564</guid><pubDate>Mon, 01 Jul 2024 13:11:02 +0200</pubDate><title>Nach der Eiszeit kehrten die Menschen früher als gedacht auf die Schwäbische Alb zurück</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nach-der-eiszeit-kehrten-die-menschen-frueher-als-gedacht-auf-die-schwaebische-alb-zurueck/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment korrigiert Zeitraum der Wiederbesiedlung von vor 16.500 Jahren auf rund 19.500 Jahre</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nach den unwirtlichen Bedingungen der letzten Eiszeit in Mitteleuropa im Zeitraum vor rund 27.000 bis 19.000 Jahren wurde die Schwäbische Alb im heutigen Süddeutschland rund 3.000 Jahre früher wieder besiedelt als bisher gedacht. Die alte Schätzung besagte, dass moderne Menschen vor rund 16.500 Jahren in die Region zurückgekehrt seien. Neue Daten aus zwei Fundstätten im Lonetal belegen nun, dass Menschen dort bereits vor rund 19.500 Jahren Spuren hinterließen.</p><p>Das ergab eine Studie von Benjamin Schürch, Dr. Gillian Wong und Dr. Elisa Luzi von der Universität Tübingen sowie Professor Nicholas Conard, der zudem dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment angehört. Das Forschungsteam nutzte ergänzend Befunde aus der Vogelherdhöhle und der Fundstätte Langmahdhalde, um die Wiederbesiedlung räumlich und zeitlich genauer nachzuvollziehen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlicht.</p><p>Die Vogelherdhöhle wurde zuerst 1931 durch Gustav Riek von der Universität Tübingen ausgegraben. Die Arbeiten mussten innerhalb eines kurzen Zeitraums abgeschlossen werden, sodass die Schichtlagen nicht systematisch erfasst wurden. Spätere Grabungen, auch im Abraum aus der Höhle, führte Nicholas Conard mit seinem Team durch. „Die Fundstätte ist vor allem durch die figürlichen Kleinkunstwerke aus der Kultur des Aurignacien bekannt, die vor rund 42.000 bis 35.000 Jahren vorherrschte“, berichtet Benjamin Schürch. „Aber es gibt auch Spuren aus dem Magdalénien, einer archäologischen Kulturstufe vor rund 19.000 bis 14.000 Jahren mit Werkzeugen wie Kratzern und Sticheln aus Stein, aber auch Speerspitzen aus Geweih.“ Der Felsüberhang Langmahdhalde liegt nur etwa zwei Kilometer von der Vogelherdhöhle entfernt. Diese Fundstätte wurde von 2016 bis 2024 unter der Leitung von Nicholas Conard ausgegraben und die Schichtenlage akribisch dokumentiert.</p><h3>Datierung der organischen Funde</h3><p>Das Forschungsteam unterzog tierische Überreste aus dem Vogelherd, die von Menschen bearbeitet wurden, sowie organisches Material aus der Langmahdhalde, das im direkten Fundzusammenhang mit Steinwerkzeugen des Magdalénien stand, einer Radiokarbondatierung. Bei dieser Methode macht man sich zunutze, dass organisch gebundener Kohlenstoff-14 präzise berechenbar zerfällt. Sein Anteil in organischen Proben gibt daher Auskunft über das Alter der beprobten Artefakte. „Die ältesten dieser Spuren, die Menschen hinterlassen haben, konnten so in der Vogelherdhöhle auf ein Alter von rund 19.500 Jahren datiert werden. In der Langmahdhalde scheinen sich die Menschen nach der Eiszeit zum ersten Mal wieder vor 17.900 bis 17.000 Jahren aufgehalten zu haben“, erklärt Schürch.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher haben an beiden Ausgrabungsstätten die kulturellen Hinterlassenschaften im Umfeld der datierten Funde genau analysiert. Dazu nutzten sie aus dem Magdalénien der Vogelherdhöhle zum Beispiel Projektilspitzen aus Geweih und Stein. Durch Analysen der Kleinstfaunenüberreste an der Langmahdhalde konnten sie auch das Klima der Region vor rund 19.000 Jahren rekonstruieren, das die Menschen vorfanden. „Da die Fundstätten geografisch so dicht zusammenliegen, konnten wir die umfangreicheren Funde aus dem Vogelherd mit der genauer dokumentierten Schichtabfolge in der Langmahdhalde zueinander in Bezug setzen. Nur so konnten wir ein umfassenderes Bild gewinnen“, fasst Gillian Wong die neuen Erkenntnisse zusammen. Vereinzelt hätten moderne Menschen die Schwäbische Alb zwar schon in der ausgehenden Eiszeit wiederbesiedelt, sagt sie. „Dauerhaft ließen sie sich aber erst wieder vor rund 16.500 Jahren in der Region nieder.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Benjamin Schürch, Gillian L. Wong, Elisa Luzi, Nicholas J. Conard: Evidence for an earlier Magdalenian presence in the Lone Valley of southwest Germany. Journal of Archaeological Science: Reports, <a href="https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2024.104632" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2024.104632</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108396</guid><pubDate>Wed, 26 Jun 2024 12:39:11 +0200</pubDate><title>Wollnashörner: Mensch an Aussterben beteiligt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wollnashoerner-mensch-an-aussterben-beteiligt/</link><description>Bejagung und klimatische Veränderungen führten zum Verschwinden der Steppenbewohner vor 10.000 Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p class="MsoPlainText">Ein internationales Forschungsteam mit Professor Hervé Bocherens vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) </span>an der Universität Tübingen hat die Ursachen für das Aussterben des Wollnashorns nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren untersucht. In ihrer nun im Fachjournal „PNAS“ veröffentlichten Studie unter Leitung von Forschenden der Universitäten von Adelaide und Kopenhagen zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass die konstante Bejagung durch den Menschen gemeinsam mit Temperaturveränderungen die Populationen der Tiere nachhaltig schwächte, wodurch sie nicht mehr in günstigere Lebensräume ausweichen konnten. Ihr Verschwinden mache auch die Gefährdung heutiger großer Wildtiere deutlich, so die Forschenden.</p><p>Das Wollnashorn (<i>Coelodonta antiquitatis</i>) war über Tausende von Jahren ein ikonischer Vertreter der Steppenfauna Zentral- und Nordeurasiens, nachdem es sich vor etwa 2,5 Millionen Jahren im Tibetischen Hochland entwickelt hatte. Mit dicker Haut und langem, wolligem Fell war es an kalte Temperaturen angepasst und etwa so groß wie das heutige afrikanische Breitmaulnashorn. Wollnashörner beweideten die niedrige Vegetation in trockenen, offenen Landschaften und nutzten wahrscheinlich ihr Vorderhorn, um Nahrung unter einer dünnen Schneedecke freizulegen. Fossilien zeigen, dass das Wollnashorn bis vor etwa 35.000 Jahren in ganz Nordeurasien verbreitet war. Weshalb es vor etwa 10.000 Jahren ausstarb, war in der Forschung bisher umstritten – ein Einfluss des Menschen wurde aber kaum in Betracht gezogen. Die neu erschienene Studie legt nahe, dass die Tiere bereits vor etwa 30.000 Jahren in eine Sackgasse gerieten, als kühlere Temperaturen und eine niedrige, aber konstante Bejagung durch den Menschen die Wollnashörner nach Süden drängten. Dort waren sie am Ende der letzten Eiszeit dann in isolierten, suboptimalen Lebensräumen eingeschlossen. Die geschwächten Populationen waren zuletzt nicht mehr in der Lage, in für sie günstigere Lebensräume zu wandern.</p><p>„Wir haben komplexe Computermodelle, Fossilien und fossile DNA genutzt, um die Metapopulationsdynamik der Wollnashörner über 52.000 Jahre kontinuierlich in bisher nicht gekannter Detailtiefe nachzuvollziehen“, berichtet Hervé Bocherens vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> (SHEP) an der Universität Tübingen und fährt fort: „Durch kühler werdende Temperaturen und die anhaltende Jagd – in einigen Gebieten Eurasiens lieferten Wildtiere bis zu 30 Prozent der Proteinzufuhr der damaligen Menschen – schrumpften die Populationen und ihr Verbreitungsgebiet. Moderne Menschen, Neandertaler und andere Homininen lebten Zehntausende von Jahren mit den Wollnashörnern. Im Schnitt dezimierten sie deren Population in jeder Generation um zehn Prozent. Am Ende blieben vereinzelte Populationen übrig, die nach Süden gedrängt, isoliert und dadurch geschwächt waren. Mit der erneuten Erwärmung der Temperaturen zu Beginn des Holozäns vor 11.000 Jahren waren die Wollnashörner dann in klimatisch für sie suboptimalen Gebieten ‚gefangen‘ und verschwanden am Ende vollständig.“</p><p>In den Ergebnissen ihrer Studie sehen die Forschenden auch wichtige Hinweise für den Schutz heutiger großer Wildtiere. Durch die gravierenden Folgen von Landnutzungsveränderungen und der Jagd durch den Menschen kommen die meisten verbliebenen Arten der heutigen Megafauna nur noch in einem Bruchteil ihres historischen Verbreitungsgebiets vor. „Während es im späten Pleistozän noch 61 große Pflanzenfresser mit einem Gewicht von über 1.000 Kilogramm gab, leben heute nur noch acht solcher Arten. Fünf davon sind Nashörner, von denen vier gefährdet sind und drei sogar vom Aussterben bedroht“, erklärt Bocherens. Die Tiere leben in stark fragmentierten und für sie eher ungünstigen Verbreitungsgebieten in Afrika und Asien. „Durch die Klimaerwärmung wird sich ihre Situation in den nächsten Jahren noch weiter verschlechtern. Wir brauchen dringend verstärkte Schutzmaßnahmen, um zu verhindern, dass die heutigen Nashörner dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Verwandten, die Wollnashörner“, schließt Bocherens.</p><p class="align-right MsoPlainText"><i>Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen</i></p><p class="MsoPlainText"><a href="http://&amp;nbsp;https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/wollnashoerner-mensch-an-aussterben-beteiligt/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Website der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</a></p><h3>Publikation</h3><p>Fordham, D., Brown, S., Bocherens, H. et al. (2024). <span lang="en" dir="ltr">52,000 years of woolly rhinoceros population dynamics reveal extinction mechanisms. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America.</span><a href="https://doi.org/10.1073/pnas.2316419121" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.2316419121</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108255</guid><pubDate>Mon, 24 Jun 2024 12:18:30 +0200</pubDate><title>Ältester Nachweis von Höhlenlöwen in Südeuropa</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aeltester-nachweis-von-hoehlenloewen-in-suedeuropa/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Tübingen identifiziert mehr als 600.000 Jahre alten Knochen der Großkatze aus der süditalienischen Fundstätte Notarchirico</description><content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem heutigen Gebiet Italiens lebten bereits vor rund 660.000 bis 610.000 Jahren Höhlenlöwen. Das belegt ein Mittelfußknochen aus der Fundstätte Notarchirico nahe Venosa in der Region Basilicata, der bei der erneuten Durchsicht früherer Funde entdeckt wurde. Es handelt sich um den bisher ältesten Nachweis der inzwischen ausgestorbenen Großkatze in Südeuropa. Er wurde von einem internationalen Forschungsteam mit Dr. Alessio Iannucci aus der Terrestrischen Paläoklimatologie der Universität Tübingen als Hauptautor identifiziert und veröffentlicht. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Journal of Quarternary Science erschienen.</p><p>Aus der archäologischen Fundstätte Notarchirico stammt das älteste in Italien geborgene menschliche Fossil, wahrscheinlich von einem jugendlichen Homo heidelbergensis. Die Fundstätte erbrachte einen der frühesten Nachweise der Kultur des Acheuléen in Europa und birgt Belege einer wiederkehrenden Besiedlung durch Menschen im Zeitraum vor 695.000 bis 610.000 Jahren. Die Kultur des Acheuléen, die in Afrika rund eine Million Jahre früher begann als in Europa, wird charakterisiert durch die Herstellung von beidseitig bearbeiteten Faustkeilen und weiteren damals neuen Steinwerkzeugen.</p><h3>Starke Klima- und Umweltänderungen</h3><p>„Die Kultur des Acheuléen breitete sich in Europa beginnend vor mehr als 600.000 Jahren in kurzer Zeit in nördliche und südliche Regionen aus“, berichtet Alessio Iannucci. Etwa zeitgleich, während des Übergangs zwischen dem Frühen und Mittleren Pleistozän, hätten sich auch Löwen und mehrere andere große Säugetiere in Europa ausgebreitet. „In diesem Zeitraum änderte sich der Rhythmus der Zyklen von Eiszeiten und Zwischeneiszeiten. Die Zyklen wurden länger, sie dehnten sich von rund 40.000 Jahren auf 100.000 Jahre aus. Damit einher gingen starke und wiederkehrende Klima- und Umweltänderungen“, sagt Iannucci. Daraus hätten sich große Anforderungen an ökologische und Verhaltensanpassungen sowohl für die damaligen Menschen als auch für andere Arten ergeben.</p><p>„Uns interessiert, welche Faktoren eine Rolle spielten bei der Ausbreitung des Acheuléen. Dazu nutzen wir auch die großen Säugetiere als Informationsquelle“, sagt Iannucci. Vor etwa 900.000 bis 700.000 Jahren seien in Europa Riesenhyänen ausgestorben, aus Asien und Afrika wanderten andere große Säugetiere wie der Europäische Waldelefant, der Rothirsch und das Wildschwein ein. „Unsere Entdeckung eines mehr als 600.000 Jahre alten Panthera spelaea, wie der Höhlenlöwe wissenschaftlich bezeichnet wird, bekräftigt die Vorstellung, dass diese Art Teil des großen Faunenwechsels war.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Alessio Iannucci, Beniamino Mecozzi, Antonio Pineda, Raffaele Sardella, Marco Carpentieri, Rivka Rabinovich, Marie-Hélène Moncel: Early occurrence of lion (Panthera spelaea) at the Middle Pleistocene Acheulean site of Notarchirico (MIS 16, Italy). Journal of Quaternary Science, <a href="https://doi.org/10.1002/jqs.3639" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/jqs.3639</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108186</guid><pubDate>Thu, 20 Jun 2024 12:04:53 +0200</pubDate><title>Bürgerinnen- und Bürgerrat zu „Künstliche Intelligenz und Freiheit“ an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/buergerinnen-und-buergerrat-zu-kuenstliche-intelligenz-und-freiheit-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Forschung an künstlicher Intelligenz in Baden-Württemberg: Universität Tübingen erarbeitet mit BürgerInnen Empfehlungen für eine gesellschaftliche Begleitung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Baden-Württemberg-weite BürgerInnenrat „Künstliche Intelligenz und Freiheit“ der Universität Tübingen wird 40 zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern aus vier Gemeinden und Städten des Bundeslandes die Möglichkeit geben, gesellschaftliche Begleitung von KI-Forschung aktiv mitzugestalten.</p><h3>Bürger und Bürgerinnen erhalten Einladungsschreiben</h3><p>Derzeit läuft die Auslosung der Teilnehmenden aus zufällig gewählten größeren und kleineren Gemeinden aller vier Regierungsbezirke in Baden-Württemberg: Reutlingen (Regierungsbezirk Tübingen), Waiblingen (Regierungsbezirk Stuttgart), Hemsbach (Regierungsbezirk Karlsruhe) und Kleines Wiesental.</p><p>In dem Deliberationsforum, das vom Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikationsforschung zur künstlichen Intelligenz (RHET AI) der Universität Tübingen initiiert wurde, können Bürgerinnen und Bürger im Dialog mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen formulieren, was sie sich von öffentlich finanzierter Forschung an künstlicher Intelligenz erwarten und erhoffen.</p><p>Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, Petra Olschowski, begrüßt das Projekt: „Künstliche Intelligenz wird unser Leben und das gesellschaftliche Zusammenwirken grundlegend verändern. Bürgerinnen und Bürger müssen deshalb die Chance bekommen, den Wandel aktiv mitzugestalten. Initiativen wie der von der Universität Tübingen ins Leben gerufene Bürgerinnen- und Bürgerrat KI und Freiheit‘ schaffen Mitsprachemöglichkeiten und damit Vertrauen.“</p><h3>Wie geht Mitgestaltung von Forschung zu Künstlicher Intelligenz?</h3><p>Die Teilnehmenden sollen konkrete Empfehlungen zu folgender Leitfrage ausarbeiten: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam die Zukunft der Forschung zu künstlicher Intelligenz gestalten? Bei welchen Fragestellungen und zu welchen Themen rund um öffentlich finanzierte Forschung zu künstlicher Intelligenz sehen Bürgerinnen und Bürger Mitgestaltungsmöglichkeiten? Welche Formen der Mitgestaltung erscheinen ihnen unter Wahrung der Wissenschaftsfreiheit sinnvoll? Wie kann die freie Forschung so begleitet werden, so dass sie für uns alle gewinnbringend ist und gesellschaftlichen Werten entspricht? Diese und weitere Fragen werden die Bürgerinnen und Bürger im Dialog mit Expertinnen und Experten in vier Ratssitzungen im Herbst 2024 diskutieren.</p><p>Das Projekt ist Teil des Public Engagements im Rahmen der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen. Ziel des Public Engagements ist es, Wege für eine gesellschaftsorientierte Forschung zu entwickeln und mittelfristig mehr Wissensproduktion im Modus der Transdisziplinarität und Kooperation zu ermöglichen. Hierfür sollen dauerhaft gesellschaftliche Gruppen in die Forschung miteinbezogen werden. Die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Dr. h.c. (Doshisha) Karla Pollmann, betont: „Die Forschung profitiert von der Expertise und den Sichtweisen der Gesellschaft, wenn sie Bürgerinnen und Bürger in ihre Prozesse einbezieht. Wir in Tübingen legen großen Wert darauf, auch zu evaluieren, welche Wirkung so ein Beteiligungsformat wie der Bürgerinnen- und Bürgerrat hat.“</p><h3>Veranstaltungen in Tübingen, Donaueschingen, Rottweil und Stuttgart</h3><p>Die Ratssitzungen finden in Tübingen, Donaueschingen, Rottweil und Stuttgart statt. Begleitet werden sie jeweils durch öffentliche und interaktive Veranstaltungen, in denen über die Schwerpunktthemen und Fragestellungen des Rates informiert wird. Die Begleitveranstaltungen sind so konzipiert, dass sich Besucherinnen und Besucher mit ihren Perspektiven z.B. über Abstimmungen einbringen können. Der Rat startet mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung am 20. September und der ersten Ratssitzung am 21. September in Tübingen. Die letzte Sitzung findet am 23. November in Stuttgart statt und wird von einer abschließenden Begleitveranstaltung am Vorabend flankiert. Anschließend werden die Ergebnisse und Empfehlungen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) übergeben.</p><p>Der Bürgerrat wird über Mittel der Exzellenzstrategie finanziert. Beteiligt sind folgende Einrichtungen an der Universität Tübingen: das Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikationsforschung zur künstlichen Intelligenz (RHET AI) und das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW). Ideelle Partner und Unterstützer des Bürgerrats sind der Exzellenzcluster Maschinelles Lernen für die Wissenschaft der Universität Tübingen, die Cyber Valley GmbH sowie weitere Einrichtungen und Forschungsinstitute in Baden-Württemberg. Das Projektteam wird beraten von Mehr Demokratie e.V. und von einer interdisziplinär besetzten wissenschaftlichen Begleitgruppe. An der Durchführung ist die Agentur translake GmbH beteiligt.</p><p><strong>Weitere Informationen</strong>: <a href="http://www.rhet.ai/buergerrat" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.rhet.ai/buergerrat</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108135</guid><pubDate>Wed, 19 Jun 2024 10:33:28 +0200</pubDate><title>Sporttherapie hilft Menschen mit psychischen Erkrankungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sporttherapie-hilft-menschen-mit-psychischen-erkrankungen/</link><description>Wissenschaftliches Projekt „ImPuls“ mit 400 Patientinnen und Patienten getestet – Baustein zur Behandlung und Versorgung Betroffener</description><content:encoded><![CDATA[<p>Körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Dass Bewegung auch eine Verbesserung bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Schlaf- und Angststörungen bewirkt, zeigt nun eine Studie aus Baden-Württemberg. Unter Leitung der Universität Tübingen hatten Forschende das sporttherapeutische Programm „ImPuls – starke Psyche durch Motivation und Bewegung“ entwickelt. In einer großangelegten Versorgungsstudie mit Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg wurde dieses implementiert und evaluiert.</p><p>Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift The <em>Lancet Psychiatry</em> veröffentlicht wurden, zeigen, dass sich die psychische Symptomatik der Teilnehmenden deutlich verbesserte. Die Patientinnen und Patienten der ImPuls-Gruppe waren nach Ende der Intervention durchschnittlich 90 Minuten pro Woche sportlich aktiv. Zudem zeigten sich hohe Zufriedenheits- und Akzeptanzwerte sowohl bei Teilnehmenden als auch bei Therapeutinnen und Therapeuten.</p><p>Insgesamt nahmen 400 Patientinnen und Patienten an dem sechsmonatigen Programm teil, die von Depression, Panikstörungen, Agoraphobie, Posttraumatischen Belastungsstörungen und primärer Insomnie betroffen waren. An zehn Zentren absolvierten sie unter Anleitung von qualifizierten SporttherapeutInnen wöchentlich zwei bis drei Bewegungseinheiten (ausdauerorientierte sportliche Aktivität im Freien).</p><p>Kombiniert wurden diese mit der Vermittlung von Gesundheitskompetenzen, die darauf abzielen sportliche Aktivität in den Lebensalltag zu integrieren. So entwickelten die Teilnehmenden beispielsweise mentale Ziele und Pläne, wie sie Hürden - den „inneren Schweinehund“ - überwinden können. Eine eigens entwickelte Smartphone App unterstützt die Patientinnen und Patienten hier zusätzlich.</p><p>Derzeit leiden etwa 28 Prozent der Bevölkerung an einer psychischen Erkrankung. Diese gehören inzwischen mit muskuloskelettalen, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Beschwerden und können Gesundheit und Lebensqualität stark beeinträchtigen. Sporttherapie gehörte bislang nicht regulär zur ambulanten Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen.</p><p>Dies könnte sich durch die Studienergebnisse ändern, sagt der Sportpsychologe und Studienleiter Dr. Sebastian Wolf vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen. „Unser Projekt zeigt, wie wirksam Bewegungstherapie das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten verbessern kann“. „Die positiven Ergebnisse des Projektes sprechen dafür, Sporttherapie in die ambulante Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu implementieren“</p><p>Wolf hatte das Konzept gemeinsam mit dem Tübinger Sportwissenschaftler Professor Gorden Sudeck entwickelt. Beteiligt waren zudem die Abteilung für Klinische Psychologie (Leitung: Prof. Dr. Martin Hautzinger) sowie die Abteilung für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Tübingen (Leitung: Dr. Ander Ramos Murguialday).</p><p>Gemeinsam mit der Allgemeinen Ortskasse Baden-Württemberg (AOK BW), der Techniker Krankenkasse (TK) und dem Deutschen Verband für Gesundheitssport &amp; Sporttherapie e.V. (DVGS; Leitung: Angelika Baldus und Stefan Peters) wurde die Umsetzung des Programms in der Versorgungspraxis evaluiert und die Kosteneffektivität des Programms überprüft. Die Evaluation erfolgte durch die Ludwig Maximilians Universität München (LMU; Leitung: Prof. Dr. Thomas Ehring) und die Technische Universität München (TUM; Leitung: Prof. Dr. Leonie Sundmacher). Das Projekt wird derzeit durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.</p><p><strong>Projekthomepage:</strong><a href="https://www.impuls.uni-tuebingen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.impuls.uni-tuebingen.de/</a></p><p><strong>Podcast zur Studie</strong>: <a href="https://thelancetpsychiatry.buzzsprout.com/1391365/15065547" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://thelancetpsychiatry.buzzsprout.com/1391365/15065547</a></p><p><strong>Publikation:</strong><br> Wolf, S., Seiffer, B., Zeibig, J. M., Frei, A. K., Studnitz, T., Welkerling, J., Meinzinger, E., Bauer, L. L., Baur, J., Rosenstiel, S., Fiedler, D. V., Helmhold, F., Ray, A., Herzog, E., Takano, K., Nakagawa, T., Gunak, M. M., Kropp, S., Peters, S., Flagmeier, A. L., Zwanzleitner, L., Sundmacher, L., Ramos-Murguialday, A., Hautzinger, M., Sudeck, G., &amp; Ehring, T. (2024). <span lang="en" dir="ltr">A transdiagnostic group exercise intervention for mental health outpatients in Germany (ImPuls): results of a pragmatic, multisite, block-randomised, phase 3 controlled trial.</span><em>Lancet Psychiatry</em>. <a href="https://doi.org/10.1016/S2215-0366(24)00069-5" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/S2215-0366(24)00069-5</a></p><p><strong>Studienprotokolle</strong></p><p>Wolf, S., Seiffer, B., Zeibig, J.-M., Welkerling, J., Bauer, L. L., Frei, A. K., Studnitz, T., Rosenstiel, S., Fiedler, D. V., Helmhold, F., Ray, A., Herzog, E., Takano, K., Nakagawa, T., Kropp, S., Franke, S., Peters, S., El-Kurd, N., Zwanzleitner, L., Sundmacher, L., Ramos-Murguialday, A., Hautzinger, M., Sudeck, G., &amp; Ehring, T. (2021).<span lang="en" dir="ltr"> Efficacy and cost-effectiveness of a Transdiagnostic group-based exercise intervention: study protocol for a pragmatic multi-site randomized controlled trial.</span><em> BMC Psychiatry</em>. <a href="https://doi.org/10.1007/s40279-021-01468-z" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s40279-021-01468-z</a>&nbsp;</p><p>Fiedler, D. V., Rosenstiel, S., Zeibig, J. M., Seiffer, B., Welkerling, J., Frei, A. K., Studnitz, T., Baur, J., Helmhold, F., Ray, A., Herzog, E., Takano, K., Nakagawa, T., Kropp, S., Franke, S., Peters, S., Flagmeier, A. L., Zwanzleitner, L., Sundmacher, L., Ramos-Murguialday, A., Hautzinger, M., Ehring, T., Sudeck, G., &amp; Wolf, S. (2023). <span lang="en" dir="ltr">Concept and study protocol of the process evaluation of a pragmatic randomized controlled trial to promote physical activity in outpatients with heterogeneous mental disorders-the ImPuls study. Trials</span>, 24(1), 330. <a href="https://doi.org/10.1186/s13063-023-07331-y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1186/s13063-023-07331-y</a></p><p><strong>Projektinformationen auf der Homepage des Gemeinsamen Bundesausschusses</strong>: <a href="https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/impuls-starke-psyche-durch-motivation-und-bewegung.371" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/impuls-starke-psyche-durch-motivation-und-bewegung.371</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107985</guid><pubDate>Thu, 13 Jun 2024 09:55:01 +0200</pubDate><title>Hohe Nachfrage</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hohe-nachfrage/</link><description> Wo es Tickets für die Tübinger Mediendozentur gibt - Dunja Hayalis Rede über die Debattenkultur </description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Dienstag, den 18. Juni 2024 um 18.30 Uhr</strong> spricht die Journalistin und Moderatorin (<em>heute journal</em> u. a.) Dunja Hayali im Festsaal der Universität. Schon jetzt ist die Nachfrage nach Tickets für einen Platz im Festsaal – traditionell ein Höhepunkt des akademischen Jahres – hoch. Bis zu 50.000 Menschen sehen sich, so zeigt die Erfahrung vergangener Jahre, die Rede auf YouTube an. Bis zu 1.000 Menschen sind in der Regel im Festsaal präsent. Die Veranstaltung wird außerdem live in einen anliegenden Hörsaal übertragen.</p><p>„Dunja Hayalis Eintreten für den Dialog, der Einsatz für eine andere Debattenkultur, das Bemühen um den kommunikativen Brückenbau in den Zeiten von Hass und Hetze trifft ganz offenkundig einen Nerv“, so der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der SWR-Studioleiter Marcel Wagner, die gemeinsam durch die Veranstaltung führen. „Vielleicht zeigt sich hier eine Art Empörungserschöpfung der Gesellschaft, ein grundsätzliches Unbehagen an der Zuspitzung und dem Erregungsspektakel.“ Dunja Hayali selbst – ihre Rede steht unter dem Titel „Wenn der Dialog endet, können wir alle einpacken“ – wirbt seit Jahren für das Gespräch über Weltanschauungsgrenzen hinweg. Es gelte, so meint sie, „die Meinungen anderer auszuhalten, ohne sie pauschal und vorschnell abzuwerten. Und dennoch im Falle menschenfeindlicher Ideologien klare Kante zu zeigen und Rassismus auch tatsächlich Rassismus zu nennen – darauf kommt es mir an.“ &nbsp;</p><h2>Wie kommt man an die begehrten Tickets heran?<strong></strong></h2><p>Die Universität betont: Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt in der Neuen Aula (Geschwister-Scholl-Platz) ab 17.00 Uhr, der Einlass startet um 17.30 Uhr. Pro Person kann nur eine Eintrittskarte vergeben werden. Und die Veranstalter bitten darum, Rucksäcke und größere Taschen an der Garderobe im Foyer abzugeben.</p><p>Journalisten können sich unter dieser E-Mail-Adresse akkreditieren: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Die Rede wird auch in den Hörsaal 9 der Neuen Aula, Geschwister-Scholl-Platz übertragen und kann im Livestream verfolgt werden: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TdLfDjDiYfw" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=TdLfDjDiYfw</a></p><p><strong>Zur Tübinger Mediendozentur: </strong>Die Tübinger Mediendozentur ist eine Kooperation der Universität Tübingen, des Instituts für Medienwissenschaft und des SWR Studios Tübingen. Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Georg Mascolo, Doris Dörrie, Sascha Lobo, Luisa Neubauer und Juli Zeh nach Tübingen.</p><p><strong>Zur Person:</strong> Mit Dunja Hayali übernimmt eine der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands die diesjährige Tübinger Mediendozentur. Sie studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln, arbeitete als Moderatorin für unterschiedliche Formate und Sender. Seit 2010 ist sie Hauptmoderatorin des „ZDF-Morgenmagazins“, überdies moderiert sie das heute journal. Für ihre journalistische Arbeit und den Einsatz für eine andere Debattenkultur erhielt Dunja Hayali zahlreiche Auszeichnungen (Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“, Bundesverdienstkreuz, Walter-Lübcke-Demokratiepreis etc.)</p><p><strong>Weitere Informationen: </strong><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/die-journalistin-dunja-hayali-uebernimmt-die-19-tuebinger-mediendozentur/" class="ut-btn ut-btn--color-primary-3 ut-btn--outline">Pressemitteilung 16.04.2024</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107910</guid><pubDate>Tue, 11 Jun 2024 11:10:19 +0200</pubDate><title>Ausstellung „Drucksachen“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellung-drucksachen/</link><description> „Drucksachen. Inkunabeln und Einblattdrucke der Universität Tübingen“ – Eröffnung auf Schloss Hohentübingen am 13. Juni 2024
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Ausstellung „Drucksachen. Inkunabeln und Einblattdrucke der Universität Tübingen” gibt faszinierende Einblicke in die Anfänge des Buchdrucks. Es werden reich bebilderte Bücher und Einblattholzschnitte gezeigt, die sonst dem Blick der Öffentlichkeit verborgen sind.</p><p>Durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Bücher in einer bis dahin nicht gekannten Weise verbreitet und verfügbar. Solche frühen Drucke, die bis 1500 hergestellt wurden, bezeichnet man als Inkunabeln von lateinisch <em>incunabula </em>(„Wiege“): Der Buchdruck lag zu dieser Zeit im wörtlichen Sinne noch in der Wiege, die neuen medialen Möglichkeiten waren noch ganz am Anfang. Schon bald erkannten die Drucker das Potential von Bildern, die als Holzschnitte eingefügt und oft nachträglich koloriert wurden. Die Tübinger Universitätsbibliothek verfügt über einen ungewöhnlich großen und vielfältigen Bestand solcher „Drucksachen“, die als neuartige Medien das Wissen und die Interessengebiete ihrer Zeit in beeindruckender Fülle abbilden und erfahrbar machen.</p><p><strong>Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, den 13. Juni 2024 um 18 Uhr auf Schloss Hohentübingen sind Pressevertreterinnen und -vertreter, Interessierte und Studierende herzlich eingeladen.</strong></p><p>Die Ausstellung macht den Inkunabelbestand der Universitätsbibliothek Tübingen erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und wurde von Andrea Worm (Kunstgeschichte), Sandra Linden (Germanistik) und Kristina Stöbener (Universitätsbibliothek) unter Beteiligung von Studierenden der Universität Tübingen konzipiert. Forschungshintergrund ist der Tübinger Sonderforschungsbereich 1391 „Andere Ästhetik“, in dem Sandra Linden und Andrea Worm im Projekt „Ästhetik der Kombinatorik“ (B4) das variantenreiche Kombinieren in vormoderner Literatur und Kunst auf ästhetische Strategien hin befragen. Die ausgestellten Bücher und Einblattdrucke lassen Vorstellungswelten und Erfahrungshorizonte des 15. Jahrhunderts lebendig werden: großformatige Bibeln und Bücher für die religiöse Erbauung und Unterweisung stehen neben Werken zur Stern- und Pflanzenkunde, Geschichtsbücher und Rechtstexte, aber auch als Einblattdrucke aufgelegte Gebete, Ablassbriefe und Flugblätter.</p><p><strong>Eröffnung</strong><br> Donnerstag, 13. Juni 2024, 18.00 Uhr<br> MUT | Alte Kulturen | Schloss Hohentübingen</p><p>Programm:<br> Andrea Worm / Sandra Linden / Kristina Stöbener: Begrüßung</p><p>Grußworte:<br> Annette Gerok-Reiter (Sprecherin SFB 1391 „Andere Ästhetik“)<br> Regine Tobias (Direktorin Universitätsbibliothek)</p><p>Festvortrag: Falk Eisermann (Staatsbibliothek zu Berlin):<br> "Handschrift und Buchdruck im 15. Jahrhundert – Aspekte einer medialen Konvergenz"</p><p>Eröffnung der Ausstellung</p><p>Umtrunk</p><p><strong>Ausstellung</strong><br> Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr | Donnerstag 10 bis 19 Uhr<br> Laufzeit: 14. Juni bis 8. September 2024<br> Szenografie: Stephan Potengowski</p><h3>Publikation</h3><p>Drucksachen. Inkunabeln und Einblattdrucke der Universitätsbibliothek Tübingen, hg. von Andrea Worm, Sandra Linden und Kristina Stöbener, Tübingen 2024, ISBN 978-3-949680-09-0, Preis 39,90 Euro, erhältlich im Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen oder im Webshop des MUT: <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/forschung-lehre/publikationen" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/forschung-lehre/publikationen</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-108075</guid><pubDate>Tue, 11 Jun 2024 09:59:00 +0200</pubDate><title>Kinder-Uni-Forschungstag: Popcorn, Flohkrebse und VR-Brillen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kinder-uni-forschungstag-popcorn-flohkrebse-und-vr-brillen/</link><description>Kinder lernen die Universität kennen und dürfen mitforschen ‒ Anmeldung von 17. Juni bis 3. Juli online</description><content:encoded><![CDATA[<p>Warum poppt Popcorn, wieso gibt es „die Indianer“ eigentlich gar nicht und was erzählt uns der Flohkrebs? Am Kinder-Uni-Forschungstag können kleine Forscherinnen und Forscher selbst Experimente im Labor durchführen, die Keilschrift erlernen oder die Welt durch eine Virtual-Reality-Brille betrachten.</p><p>Am <strong>Samstag, 6. Juli,&nbsp;</strong>sind wieder Kinder im Alter von 7 bis 12 eingeladen, in Workshops die Forschung und Institute der Universität kennenzulernen und selbst mitzuforschen. Beteiligt sind Fachbereiche und Einrichtungen der Universität Tübingen, darunter die Chemie, Physik, Astronomie, Amerikanistik, Archäologie, Biochemie, das ZEISS Vision Science Lab, das Schülerlabor Neurowissenschaften, das Institut für die Kulturen des Alten Orients, die Grüne Werkstatt im Botanischen Garten, die Initiative Bunte Wiese und der KI-Makerspace.</p><p>Komplettes Programm unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/2626</a>. Wenn nicht anders angegeben, sind die Veranstaltungen für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren geeignet.</p><p>Für alle Veranstaltungen ist eine<strong> Anmeldung</strong> erforderlich, dies ist <strong>ab dem 17. Juni, 18:00 Uhr, bis insgesamt 3. Juli</strong> unter dem jeweiligen Anmeldelink möglich (Keine Anmeldungen per E-Mail oder Telefon möglich). Erfragt werden <strong>Name</strong> und <strong>Alter</strong> der Kinder sowie eine <strong>Telefonnummer</strong> für den Notfall. Ist eine Veranstaltung ausgebucht, können sich Eltern auf einer Nachrückliste eintragen und werden zu frei werdenden Plätzen benachrichtigt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107745</guid><pubDate>Fri, 07 Jun 2024 20:00:00 +0200</pubDate><title>Zweite Menschenaffenart in der Hammerschmiede entdeckt </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zweite-menschenaffenart-in-der-hammerschmiede-entdeckt/</link><description>Grabung im Allgäu: „Buronius“ ist der kleinste bekannte Menschenaffe und war ein Zeitgenosse des Menschenaffen „Udo“ </description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam hat in der Tongrube Hammerschmiede im Ostallgäu eine weitere bisher unbekannte Menschenaffenart entdeckt. <i>Buronius manfredschmidi</i> wurde in unmittelbarer Nähe zu dem Menschenaffen <i>Danuvius guggenmosi,</i> genannt „Udo“, geborgen. Dieser zeigte als erster Menschenaffe bereits vor rund 12 Millionen Jahren Anpassungen an den aufrechten Gang und hatte die Grabungsstätte zwischen Pforzen und Kaufbeuren im Jahr 2019 weltbekannt gemacht. Sein Zeitgenosse Buronius war kleiner als Udo, lebte vermutlich auf Bäumen und ernährte sich vegetarisch. Der Fund zeigt, dass die Diversität und Ökologie europäischer Menschenaffen in vergangenen Jahrmillionen höher und komplexer waren als bisher bekannt.</p><p>An der Studie, die am 7. Juni im Fachmagazin <i>PlosOne</i> erschien, waren Professorin Madelaine Böhme und ihr Team vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen sowie Professor David Begun und weitere Wissenschaftler der Universität Toronto (Kanada) beteiligt.</p><p>Entdeckt wurden die Fossilien von <i>Buronius</i> – zwei Zähne und eine Kniescheibe – bereits vor einigen Jahren nahe den Funden von <i>Danuvius</i> in einem 11,6 Millionen Jahre alten Bachsediment. „Die Ablagerungsbedingungen lassen den Schluss zu, dass beide Menschenaffen zur gleichen Zeit dasselbe Ökosystem besiedelten“, sagt Thomas Lechner, Grabungsleiter in der Hammerschmiede.</p><p>Die Größe der Fossilien zeigt, dass <i>Buronius</i> nur etwa 10 Kilogramm schwer war. Er war damit deutlich kleiner als alle lebenden Menschenaffen, die zwischen 30 Kilo (Bonobo) und über 200 Kilo (Gorilla) erreichen, und auch kleiner als <i>Danuvius</i>, der 15 bis 46 Kilogramm wog. Das Körpergewicht von <i>Buronius</i> ist am ehesten vergleichbar mit den Siamangs, Verwandten der Gibbons aus Südostasien.</p><p>„Die Kniescheibe von <i>Buronius</i> ist dicker und asymmetrischer als bei <i>Danuvius</i>“, ergänzt Böhme. Dies könne mit Unterschieden in der Oberschenkelmuskulatur erklärt werden. Möglicherweise war <i>Buronius</i> besser an das Klettern in Bäumen angepasst.</p><h3><i>Buronius</i> war Blattfresser und <i>Danuvius</i> Allesfresser</h3><p>Die Untersuchung des Zahnschmelzes beider Menschenaffen aus der Hammerschmiede eröffnet Einblicke in ihre Lebensweise: Bei Primaten ist die Dicke des Zahnschmelzes eng mit ihrer Ernährung verknüpft. Sehr dünner Zahnschmelz, wie ihn zum Beispiel Gorillas besitzen, weist auf eine faserreiche vegetarische Ernährung hin. Ein dicker Zahnschmelz, wie er bei Menschen vorkommt, ist Hinweis auf harte und zähe Nahrung und einen Allesfresser mit hohen Beißkräften.</p><p>„Die Schmelzdicke bei<i> Buronius </i>ist so gering wie bei keinem anderen Menschenaffen Europas und vergleichbar mit Gorillas. Der Zahnschmelz von <i>Danuvius</i> hingegen ist dicker als der aller verwandten ausgestorbenen Arten und erreicht fast die Stärke menschlichen Zahnschmelzes“, sagt Böhme. Die unterschiedliche Schmelzdicke korrespondiert wiederum mit der Form der Kauflächen. Der <i>Schmelz</i> ist bei <i>Buronius</i> glatter und mit stärkeren Scherkanten versehen; der von <i>Danuvius</i> ist gekerbt und hat stumpfe Zahnhöcker. „Dies zeigt, dass <i>Buronius </i>ein Blattfresser war und <i>Danuvius</i> ein Allesfresser.“</p><h3>Wie sich <i>Buronius</i> und <i>Danuvius</i> den Lebensraum teilten</h3><p>Leben zwei Arten im gleichen Lebensraum (genannt Syntopie), müssen sie auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen, um Konkurrenz zu vermeiden. Der Fundkontext der Hammerschmiede-Fossilien belegt erstmals für Europa Syntopie bei Menschenaffen. Es sei wahrscheinlich, dass der kleine blattfressende <i>Buronius </i>sich länger in den Baumkronen und auf Ästen aufhielt, sagen die Autorinnen und Autoren. Der mehr als doppelt so große, zur Zweibeinigkeit befähigte <i>Danuvius</i> durchstreifte hingegen vermutlich ein größeres Gebiet, um vielfältigere Nahrungsressourcen zu finden. Dies sei mit der heutigen Syntopie von Gibbon und Orang-Utan auf Borneo und Sumatra vergleichbar: Während Orang-Utans auf Futtersuche umherstreifen, halten sich die kleinen fruchtfressenden Gibbons in Baumwipfeln auf.</p><h3>Publikation:</h3><p>Madelaine Böhme, David R. Begun, Andrew C. Holmes, Thomas Lechner &amp; Gabriel Ferreira. Buronius manfredschmidi -<span lang="en" dir="ltr"> A new small hominid from the early late Miocene of Hammerschmiede (Bavaria, Germany)</span>. PlosOne,</p><p>DOI: <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0301002" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0301002</a></p><h3>Namensgeber für Buronius</h3><p>In der ehemaligen Ziegelei „Hammerschmiede“ entdeckte in den späten 1970er Jahren der Zahnarzt Manfred Schmid aus Marktoberdorf zusammen mit dem (inzwischen verstorbenen) Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos wertvolle Fossilien. Zu Ehren von Manfred Schmid trägt die neue Menschenaffenart den Namen <i>Buronius manfredschmidi</i>. Der Name <i>Buronius</i> leitet sich vom mittelalterlichen Namen der Stadt Kaufbeuren – Buron ab.</p><h3>Die Hammerschmiede</h3><p>In der Grube führen die Universität Tübingen und das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment seit 2011 wissenschaftliche Grabungen unter Leitung von Prof. Dr. Madelaine Böhme durch. Seit 2017 finden diese auch als Bürgergrabungen in einem <span lang="en" dir="ltr">Citizen Science</span>-Projekt statt und werden seit 2020 finanziell vom Freistaat Bayern unterstützt. Rund 40.000 Fossilien von 150 Wirbeltier-Arten konnten bisher geborgen werden, darunter neben den beiden Menschenaffen auch weitere für die Wissenschaft neue Säugetierarten.</p><h3>Zum Anschauen:</h3><p>Video mit Prof. Madelaine Böhme: <a href="https://youtube.com/shorts/-0DiYid0ScQ" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Zu Youtube</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107586</guid><pubDate>Mon, 03 Jun 2024 10:46:26 +0200</pubDate><title>Mittelalterliche Spielesammlung ausgegraben </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mittelalterliche-spielesammlung-ausgegraben/</link><description>Archäologisches Team findet seltene Schachfigur auf Burg in Süddeutschland </description><content:encoded><![CDATA[<p><em>Archäologisches Team entdeckt eine fast 1.000 Jahre alte Spielesammlung samt gut erhaltener Schachfigur, Spielsteinen und Würfel. Laboruntersuchungen zeigen, dass eine Partei mit Rot spielte. Die Laborergebnisse lassen auch Rückschlüsse auf eine erstaunliche Kontinuität der Spielregeln zu. Die detaillierte Auswertung der Funde verspricht Einblicke in die Spielewelt des mittelalterlichen Adels und die Ursprünge des europäischen Schachspiels. Ab Juni 2024 werden die Funde erstmals zu sehen sein.</em></p><p>Vor über 1.000 Jahren fand das Schachspiel seinen Weg aus dem Orient nach Europa. Schachfiguren aus der Frühzeit des Spiels sind sehr selten. Bei archäologischen Grabungen auf einer in Vergessenheit geratenen Burg in Süddeutschland wurde nun eine hervorragend erhaltene Springerfigur entdeckt. Der Fund ist Teil einer einzigartigen Spielesammlung, zu der auch Spielsteine und ein Würfel gehören. Ein internationales Team von Expertinnen und Experten der Universität Tübingen, des Landesamtes für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart und des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) untersucht nun diese Zeugnisse früher Spielkultur. Laboranalysen von Farbresten zeigen, dass eine der Parteien mit Rot gespielt hat. Typische Nutzungsspuren weisen darauf hin, dass der Springer schon damals beim Zug angehoben wurde. Dies verweist auf eine erstaunliche Kontinuität der Spielregeln. &nbsp;</p><p>Gut erhaltene archäologische Funde von Schachfiguren und Spielsteinen für andere Brettspiele aus der Zeit vor dem 13. Jahrhundert sind in Mitteleuropa sehr selten. „Das Schachspiel zählte im Mittelalter zu den sieben Fähigkeiten, die ein guter Ritter beherrschen sollte. "Insofern verwundert es nicht, dass bekannte Funde meist von Burganlagen stammen", erklärte Dr. Jonathan Scheschkewitz (LAD). "Die Entdeckung einer ganzen Spielesammlung des 11./12. Jahrhunderts kam für uns völlig überraschend, und die Pferdefigur ist ein echtes Highlight", sagte Dr. Lukas Werther (DAI).&nbsp;</p><p>Entdeckt wurden die Funde bei Grabungen des Sonderforschungsbereiches der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 1070 RessourcenKulturen und des LAD in einer bislang unbekannten Burganlage in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Landkreis Reutlingen). „Sie lagen unter dem Schutt einer Mauer, wo sie im Mittelalter verloren oder versteckt wurden“, sagte Dr. Michael Kienzle (Universität Tübingen). Die Überdeckung trug dazu bei, dass die Oberflächen der Funde außergewöhnlich gut erhalten sind. „Unter dem Mikroskop zeigt sich ein typischer Glanz vom Halten und Bewegen der Stücke“, erklärte Dr. Flavia Venditti (Universität Tübingen). Neben der Schachfigur wurden vier blütenförmige Spielsteine gefunden, außerdem ein Würfel mit sechs Augen. Sie wurden aus Geweih geschnitzt.&nbsp;<br> Augen und Mähne der vier Zentimeter hohen Pferdefigur sind plastisch ausgeformt. Diese aufwändige Gestaltung ist typisch für besonders hochwertige Schachfiguren dieser Zeit. Die an den Spielsteinen nachgewiesenen roten Farbreste werden aktuell chemisch analysiert. Von der detaillierten Auswertung der Funde erhoffen sich die Forschenden vielfältige Einblicke in die Spielewelt des mittelalterlichen Adels und die Wurzeln des europäischen Schachspiels.&nbsp;</p><p>Die Funde werden 2024 erstmals allen Interessierten in der <a href="https://www.alm-konstanz.de/sonderausstellungen/the-hidden-laend-wir-im-ersten-jahrtausend" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Großen Landesausstellung „THE hidden LÄND“</a> (Stuttgart, ab 13. September 2024) und in der <a href="https://greifenstein-projekt.de/ausgegraben/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Sonderausstellung „Ausgegraben! Ritter und Burgen im Echaztal“</a> (Pfullingen, ab 15. Juni 2024) präsentiert. Ein 3D-Modell der <a href="https://sketchfab.com/3d-models/knight-in-chess-springer-eines-schachspiels-a879dafcfe1c46dd94a17a4c119acd31" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Schachfigur</a>, des <a href="https://sketchfab.com/3d-models/medieval-dice-mittelalterlicher-wurfel-da97c83241c647b69e102caa88a91bea" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Würfels</a> und eines <a href="https://sketchfab.com/3d-models/medieval-token-mittelalterlicher-spielstein-af32dc155d7749d184885e4ce6705744" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Spielsteins</a> ist schon jetzt online zugänglich. &nbsp;</p><h3>Weblinks:</h3><p><a href="https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/sonderforschungsbereiche/sfb-1070/forschung/b-bewegungen/b03/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/sonderforschungsbereiche/sfb-1070/forschung/b-bewegungen/b03/</a>&nbsp; &nbsp;<br><a href="https://www.dainst.org/forschung/projekte/ressourcenerschliessung-und-herrschaftsraeume-im-mittelalter-kloester-und-burgen/5791" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.dainst.org/forschung/projekte/ressourcenerschliessung-und-herrschaftsraeume-im-mittelalter-kloester-und-burgen/5791</a>&nbsp;&nbsp;<br><a href="https://greifenstein-projekt.de/ausgegraben/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://greifenstein-projekt.de/ausgegraben/</a>&nbsp;&nbsp;<br><a href="https://www.alm-konstanz.de/sonderausstellungen/the-hidden-laend-wir-im-ersten-jahrtausend" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.alm-konstanz.de/sonderausstellungen/the-hidden-laend-wir-im-ersten-jahrtausend</a>&nbsp;<br><a href="https://skfb.ly/oTxGo" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://skfb.ly/oTxGo</a>&nbsp;&nbsp;<br><a href="https://skfb.ly/oTxG8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://skfb.ly/oTxG8</a>&nbsp;&nbsp;<br><a href="https://skfb.ly/oTxGt" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://skfb.ly/oTxGt</a>&nbsp;&nbsp;</p><p class="align-right">Pressemitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg und der Universität Tübingen</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107427</guid><pubDate>Tue, 28 May 2024 09:20:02 +0200</pubDate><title>Studiengang mit drei Abschlüssen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studiengang-mit-drei-abschluessen/</link><description>Tübingen, Rom, Aix-Marseille: Drei Universitäten bieten gemeinsamen Master „Palaeolithic Archaeology“ als Pilotprojekt der Universitätsallianz CIVIS an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Master „Palaeolithic Archaeology“ hat die Universität Tübingen den ersten Studiengang im Angebot, in dem sich ein Abschluss an gleich drei Universitäten erwerben lässt. Das zweijährige Studium findet im Wechsel an der Universität Tübingen, der Sapienza-Universität Rom und der Universität Aix-Marseille statt. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen erhalten ein Masterzeugnis von allen drei Hochschulen. Der englischsprachige Studiengang ist der erste in Tübingen, der mit drei Partnern konzipiert wurde und somit als „Multiple Degree“-Programm gilt.</p><p>Der viersemestrige Master „Palaeolithic Archaeology“ entstand im Rahmen der Universitätsallianz CIVIS, in der die Universität Tübingen mit zehn europäischen Universitäten in Lehre und Forschung zusammenarbeitet. Er ist interdisziplinär an der Schnittstelle von Archäologie und Paläoanthropologie angesiedelt und befasst sich mit verschiedenen Themen rund um die menschliche Evolution in der Altsteinzeit.</p><p>Studierende erlangen fundierte Kenntnisse unter anderem über Technologien, Gesellschaften und kulturelle Entwicklung der Menschen im Paläolithikum. Mit Laboranalysen, Exkursionen und Grabungen werden sie praxisnah an die Forschung herangeführt; dabei bringen Forschende der beteiligten Universitäten ihre Expertise ein. Auch Lehrende der University of Witwatersrand in Südafrika sind eingebunden, wo es bedeutende Fundstätten zur Kultur altsteinzeitlicher Menschen gibt.</p><p>Die Lehre im ersten Semester findet in Tübingen statt, die folgenden beiden Semester werden an der Sapienza und in Aix-Marseille unterrichtet. Im vierten Semester verfassen die Studierenden an einer der drei Hochschulen ihre Masterarbeit. Die Betreuung erfolgt immer durch Lehrende von zwei Universitäten. Für die Auslandsaufenthalte werden die Studierenden durch das ERASMUS-Programm und mit Baden-Württemberg-Stipendien finanziell unterstützt.</p><p>Auch für die Universitätsallianz CIVIS ist der Studiengang, der durch eine Vereinbarung mehrerer Partner einen dreifachen Abschluss ermöglicht, ein neues Modell und Pilotprojekt für den Verbund. Die Kooperation mit der University of the Witwatersrand im Master „Palaeolithic Archaelogy“ soll künftig ausgebaut werden – auch, um junge Menschen aus Afrika auszubilden, damit sie zur Forschung an Funden aus ihrer Region beitragen können. Dies entspricht auch dem Ziel von CIVIS, die Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern zu verstärken.</p><p>„Mit den wechselnden Studienorten und der Unterrichtssprache Englisch steht der Master exemplarisch für die Möglichkeiten des internationalen Studiums“, sagt Professorin Dr. Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität der Universität Tübingen. Der Tübinger Rektorin Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann ist wichtig: „Die Studierenden eignen sich nicht nur fachliche Kompetenzen an, sondern erleben den Alltag in Deutschland, Frankreich und Italien und lernen so verschiedene europäische Kulturen und Sprachräume kennen. Gleichzeitig werden sie auch für Sichtweisen nichteuropäischer Wissenschaft sensibilisiert.“</p><p>Der Studiengang ist offen für Interessierte mit einem Bachelor-Abschluss der Archäologie oder einem vergleichbaren Abschluss. Bewerbungen für den zulassungsfreien Studiengang sind ab 1. Juni über das Bewerbungsportal der Universität Tübingen möglich, die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli (für Interessierte außerhalb der EU) bzw. am 15. September (für Interessierte aus der EU).</p><h3>Weitere Informationen:</h3><ul><li>Infos zum Master „Palaeolithic Archaeology“ im Studiengangsverzeichnis: <a href="https://uni-tuebingen.de/studium/studienangebot/verzeichnis-der-studiengaenge/detail/course/palaeolithic-archaeology-master/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/studium/studienangebot/verzeichnis-der-studiengaenge/detail/course/palaeolithic-archaeology-master/</a>&nbsp;</li><li>Studiengang im Webauftritt des Instituts: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/250986" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/250986</a>&nbsp;</li><li>Webseite der Universitätsallianz CIVIS: <a href="https://civis.eu/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://civis.eu/de</a></li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107373</guid><pubDate>Mon, 27 May 2024 11:12:57 +0200</pubDate><title>Stress in der Kindheit: Unterschiede zwischen Neandertalern und modernen Menschen der Altsteinzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/stress-in-der-kindheit-unterschiede-zwischen-neandertalern-und-modernen-menschen-der-altsteinzeit/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht Hinweise auf schwierige Phasen der frühen Lebensjahre vor mehreren Zehntausend Jahren anhand von Zähnen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Kinder von Neandertalern, die bis vor rund 40.000 Jahren lebten, und moderne Menschen der Jüngeren Altsteinzeit vor 50.000 bis 12.000 Jahren waren wahrscheinlich vergleichbaren Belastungen ausgesetzt, jedoch lag die jeweilige höchste Intensität in verschiedenen Entwicklungsphasen. Das hat die Untersuchung von Zähnen ergeben, deren Struktur Stressphasen etwa durch Krankheiten und Mangelernährung während der frühen Lebensjahre widerspiegelt. Sie wurde von Laura Limmer, Dr. Sireen El Zaatari und Professorin Katerina Harvati vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen durchgeführt. Die Forscherinnen vermuten, dass die modernen Menschen möglicherweise bessere Strategien hatten als die Neandertaler, die Belastungen für ihre Kinder während schwieriger Abschnitte der Entwicklung zu verringern. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.</p><p>Die Paläoanthropologinnen untersuchten 867 Zähne, davon stammten 423 von 74 Neandertalerindividuen und 444 von 102 Individuen moderner Menschen aus der Jüngeren Altsteinzeit. Die Zähne wurden an 56 verschiedenen archäologischen Stätten im westlichen Eurasien gefunden. Sowohl die Milchzähne als auch die bleibenden Zähne der Menschen werden bereits in der Kindheit gebildet. „Wenn die Kinder Infektionen oder andere Krankheiten durchmachen oder die Ernährungslage schlecht ist, kommt es zu Fehlbildungen im Zahnschmelz. Da die bleibenden Zähne später nicht weiterwachsen, können wir solche Defekte auch noch an den Zähnen Erwachsener erkennen“, erklärt Sireen El Zaatari. Die reguläre Schmelzbildung der Zähne ermöglicht es, solche Ereignisse mit bestimmten Entwicklungsstufen der Kinder in Verbindung zu bringen.</p><h3>Mögliche Strategien</h3><p>Insgesamt seien die Neandertaler und die modernen Menschen aus der Jüngeren Altsteinzeit in ihrer frühen Kindheit Belastungen in vergleichbarem Ausmaß ausgesetzt gewesen, stellen die Forscherinnen fest. „Wir beobachten jedoch eine unterschiedliche Verteilung der Zahnschmelzdefekte auf die Entwicklungsphasen der Kinder: Bei den modernen Menschen traten die Schmelzdefekte mit größerer Wahrscheinlichkeit in dem Alterszeitraum auf, in dem die Kinder abgestillt wurden“, sagt Limmer. Bei den Kindern der Neandertaler hätten sich Schmelzdefekte zwar ebenfalls vermehrt zum Zeitpunkt des vermutlichen Beginns des Abstillens gezeigt, jedoch habe die Spitzenbelastung durch physischen Stress in einer Entwicklungsphase nach diesem Zeitraum gelegen.</p><p>Die Forscherinnen nehmen an, dass die Kinder der Altsteinzeit durch das Abstillen vermehrt Stress ausgesetzt waren, weil ein steigender Energiebedarf im Wachstum mit dem steigenden Risiko von Mangelernährung zusammentraf. „Möglicherweise gewannen die modernen Menschen gegenüber den Neandertalern dadurch Vorteile, dass sie ihre Kinder in dieser schwierigen Phase besser unterstützten, etwa dadurch, dass die Kinder länger beschützt und besser mit Nahrung versorgt wurden“, sagt El Zaatari. Denkbar sei, dass dieses Verhalten ein Baustein gewesen sei bei der Entwicklung, dass die modernen Menschen bis heute überlebten und die Neandertaler ausstarben. „Häufig wurde angeführt, dass die Neandertaler in einem besonders rauen Klima mit niedrigen Temperaturen lebten und daran scheiterten. Über einen gewissen Zeitraum waren jedoch Neandertaler und moderne Menschen den gleichen Klimabedingungen ausgesetzt, sodass wir auch andere Erklärungen untersuchen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Laura S. Limmer, Matteo Santon, Kate McGrath, Katerina Harvati, Sireen El Zaatari: Differences in childhood stress between Neanderthals and early modern humans as reflected by dental enamel growth disruptions. Scientific Reports, <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-024-61321-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41598-024-61321-x</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107286</guid><pubDate>Thu, 23 May 2024 18:21:14 +0200</pubDate><title>Krähen können die Zahl ihrer Rufe gezielt planen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kraehen-koennen-die-zahl-ihrer-rufe-gezielt-planen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen beobachtet im Verhaltensexperiment, dass Rabenvögel bei Einsatz ihrer Stimme die Lautäußerungen mitzählen
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Krähen können im Verhaltensexperiment lernen, eine vorgegebene Anzahl an Rufen zu erzeugen. Sie planen dabei im Voraus: Über den Klang des ersten Rufs in einer Zählsequenz lässt sich vorhersagen, wie viele Rufe die Krähe hören lassen wird. Das hat ein Forschungsteam aus Diana A. Liao, Dr. Katharina F. Brecht und Juniorprofessorin Lena Veit unter der Leitung von Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen festgestellt. Seine Studie wurde in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.</p><p>Rabenkrähen, die zu den Singvögeln gehören, sind nicht für die Schönheit ihres Gesangs bekannt, jedoch für ihr überragendes Lernvermögen. So belegen frühere Studien, dass die Vögel Verständnis für Zahlen besitzen. „Außerdem beherrschen sie ihre Stimme sehr gut. Sie können genau kontrollieren, ob sie einen Ruf ausstoßen wollen oder nicht“, berichtet Andreas Nieder. Gemeinsam mit seinem Team untersuchte er in Verhaltensversuchen mit drei Rabenkrähen, ob sie diese Fähigkeiten in Kombination anwenden können.</p><h3><strong>Bildung eines abstrakten Konzepts</strong></h3><p>Die Vögel erhielten die Aufgabe, nach Präsentation unterschiedlicher Bildsymbole oder beim Erklingen bestimmter Töne ein bis vier Rufe zu erzeugen und ihre Rufsequenz mit dem Picken auf einen Bestätigungsknopf abzuschließen. „Das gelang allen drei Vögeln. Sie konnten ihre Rufe in der Sequenz mitzählen“, sagt Nieder. Die Reaktionszeit zwischen der Präsentation des Reizes und dem Ausstoßen des ersten Rufs der Antwort sei relativ lang gewesen und umso länger, je mehr Rufe gefordert waren. Die Länge der Verzögerung sei unabhängig von der Art des Hinweisreizes gewesen, Bild oder Ton. „Das deutet darauf hin, dass die Krähen aus der präsentierten Information ein abstraktes Zahlenkonzept bilden, über das sie ihre Lautäußerungen vor dem Ausstoßen der Rufe planen“, erklärt der Forscher.</p><p>Gestärkt wird dieser Befund durch die Analyse der einzelnen Krähenrufe einer Sequenz. „Wir konnten anhand der akustischen Eigenschaften des ersten Rufs in einer Zählsequenz vorhersagen, wie viele Rufe die Krähe erzeugen wird“, berichtet Nieder. Dies gelinge den Krähen jedoch nicht fehlerfrei. „Zählfehler, also etwa ein Ruf zu viel oder einer zu wenig, entstehen dadurch, dass der Vogel während der Sequenz die Übersicht über die bereits erzeugten beziehungsweise die noch zu produzierenden Rufe verliert. Auch die Fehler können wir an den akustischen Eigenschaften der Einzelrufe ablesen.“</p><p>Die Fähigkeit, willentlich eine bestimmte Zahl an Lautäußerungen zu erzeugen, erfordert eine hochentwickelte Kombination von Zahlenkompetenz und Stimmbeherrschung. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sie nicht allein dem Menschen vorbehalten ist. Sie eröffnet prinzipiell auch den Rabenvögeln eine ausgeklügelte Kommunikation“, sagt Nieder.</p><h3><strong>Publikation:</strong></h3><p>Diana A. Liao, Katharina F. Brecht, Lena Veit, Andreas Nieder:<br><span lang="en" dir="ltr">Crows “count” the number of self-generated vocalizations. Science</span>&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1126/science.adl0984" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1126/science.adl0984</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-107193</guid><pubDate>Tue, 21 May 2024 10:48:21 +0200</pubDate><title>300.000 Jahre gemeinsame, konfliktreiche Geschichte von Höhlenbär und Mensch in Europa </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/300000-jahre-gemeinsame-konfliktreiche-geschichte-von-hoehlenbaer-und-mensch-in-europa/</link><description>Der Mensch konkurrierte um Lebensraum – Forscherteam zeigt Wandel der Beziehung bis zum Aussterben des Höhlenbärs vor 24.000 Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch zog Höhlenbären ihr Fell bereits vor 320.000 Jahren ab, mit dem Auftreten des Homo sapiens in Europa vor 45.000 Jahren intensivierte sich der Jagddruck auf das Tier, bis <em>Ursus spelaeus</em> schließlich vor 24.000 Jahren ausstarb. Mit 1,70 Meter Schulterhöhe und einer Länge bis zu 3,5 Metern war der Höhlenbär deutlich größer und massiger als sein Verwandter, der Braunbär, der bis heute überlebt hat.</p><p>Die konfliktreiche Beziehung zwischen Höhlenbär und Mensch wird nun erstmals über diesen langen Zeitraum in Deutschland von einem Forscherteam der Universität Tübingen, der Universität Göttingen, des Senckenberg Centres for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Landesämter für Denkmalpflege Baden-Württemberg und Niedersachsen dokumentiert. Die Forschenden können die lang umstrittene Frage beantworten, ob der Klimawandel oder auch der Mensch Ursache für das Aussterben des Höhlenbärs war. Ihre Studie belegt durch Funde eine immer intensiver werdende Jagd auf den Höhlenbären und legt somit auch den Menschen als Ursache für das Aussterben des Höhlenbären nahe. Die Studie ist in der Fachzeitschrift <em>Quarternary Science Reviews</em> erschienen.</p><p>„Der Mensch machte sich den Höhlenbären auf vielfältige Weise zunutze: er aß sein Fleisch, fertigte Kleidung aus dem Fell, trat auch in eine symbolische Beziehung mit dem Tier über Schmuckstücke aus dessen Zähnen oder Bärenfiguren aus Elfenbein“, sagt Dr. Giulia Toniato, die Koordinatorin des Forscherteams. Die Forschenden untersuchten fünf Fundorte in Deutschland (Schöningen, Einhornhöhle, Hohle Fels, Geißenklösterle, Schafstall), in denen Knochen des Höhlenbären über einen Zeitraum von 300.000 bis 28.000 Jahren vor heute nachweisbar sind, und setzten sie in Beziehung zu bestehenden Studien über Funde von Bärenknochen in Frankreich, Belgien, Italien, Bulgarien und Polen. In Deutschland ist eine der ältesten Nachweise der Nutzung des Höhlenbären durch den Menschen aus der Freilandstation Schöningen in Niedersachsen bekannt: Feine, lange Schnittspuren auf Tatzenknochen, die sich deutlich von Bissspuren großer Raubtiere unterscheiden, lassen eindeutig darauf schließen, dass der Mensch Hand anlegte, um dem Bären das Fell abzuziehen.</p><p>Die Funde aus Einhornhöhle, Geißenklösterle und Hohle Fels zeigen, dass die Bärenjagd dann auch bei den Neandertalern eine gelegentliche und gefestigte Praxis war. Mit der Ausbreitung des modernen Menschen in Europa wurden die Bären intensiver genutzt, wie die größere Häufigkeit und Vielfalt modifizierter Bärenreste aus Schafstall II, Geißenklösterle und Hohle Fels belegen. Der Höhlenbär zog sich zum Überwintern in Höhlen zurück, die auch zunehmend von Menschen genutzt wurden. Dadurch konkurrierten die beiden Spezies um denselben Lebensraum. Die Begegnungen häuften sich, wie die Forschenden durch die Auswertung der Fundstätten nachweisen können, und der Mensch machte immer intensiver Jagd auf den Höhlenbären, vorzugsweise während dessen Winterruhe. Ein abgebrochenes Projektil aus Feuerstein in den Brustwirbeln eines Bären aus dem Hohle Fels, zeugt von so einem Überfall. Die Pfeilspitze steckte in einem der ersten Brustwirbel, daraus schließen die Forschenden, dass ein Blattschuss beabsichtigt war. „In dieser Lage konnten die Jäger den Bären nur in seiner Schlafposition vorgefunden haben“, sagt Dr. Susanne Münzel vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen.</p><p>Die genetische Vielfalt der Höhlenbären ging bereits vor 50.000 Jahren zurück, als noch Neandertaler durch Europa streiften. Mit dem Einzug des <em>Homo sapiens</em> erhöhte sich die Konkurrenz um den Lebensraum Höhle und gleichzeitig der Jagddruck. Die jüngsten Funde von Höhlenbärenknochen sind 24.000 Jahre alt und wurden in Norditalien entdeckt. Danach verliert sich seine Spur.</p><p>„Höhlenbären haben also die Zeit der Maximalvereisung vor 20.000 Jahren nicht überlebt, Braunbären dagegen schon. Der Grund ist die unterschiedliche Ernährung der beiden Bärenarten, denn Höhlenbären haben sich ausschließlich vegetarisch ernährt. Die vegetationsarme Winterzeit mussten sie durch ihre Winterruhe überbrücken, in der auch die Jungbären geboren wurden. Braunbären hingegen waren Fleischfresser, solange sie Zeitgenossen der Höhlenbären waren. Nach der Maximalvereisung und dem Aussterben der Höhlenbären erweiterten sie ihr Spektrum auf hauptsächlich pflanzliche Nahrung. Das bedeutet, dass sich Braunbären besser an die veränderten Umweltbedingungen angepasst haben“, so Münzel.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-106934</guid><pubDate>Wed, 15 May 2024 11:00:00 +0200</pubDate><title>Eisen-Schwefel-Minerale zeugen vom frühesten Leben auf der Erde</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eisen-schwefel-minerale-zeugen-vom-fruehesten-leben-auf-der-erde/</link><description>Kugelförmiger Pyrit aus heißen Quellen der Tiefsee führt Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Göttingen auf die Spur mikrobiellen Lebens vor mehreren Milliarden Jahren.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bestimmte Minerale mit charakteristischen Formen könnten auf die Aktivität von Bakterien in heißen Quellen der Tiefsee vor mehreren Milliarden Jahren hinweisen. Sie tragen entscheidend zum Verständnis der Entstehung des Lebens bei. Das hat die Studie eines Forschungsteams um Eric Runge und Professor Jan-Peter Duda, die mittlerweile an der Universität Göttingen tätig sind, sowie Professor Andreas Kappler und Dr. Muammar Mansor aus der Geomikrobiologie der Universität Tübingen ergeben. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Communications Earth &amp; Environment</em> veröffentlicht.</p><p>Geologischen Berichten zufolge gibt es heiße Quellen auf unserem Planeten seit mindestens 3,77 Milliarden Jahren. Ähnliche Systeme werden auch auf anderen Himmelskörpern unseres Sonnensystems vermutet, auf denen Leben existieren könnte. Aufgrund der extrem dynamischen physikalischen und chemischen Bedingungen gelten solche Systeme als möglicher Entstehungsort der ersten organischen Stoffe auf der Erde – und auch der ersten Lebewesen.</p><h3>Die Evolution zurückverfolgen</h3><p>„Um zu verstehen, wie das Leben entstanden ist, wollen wir die Evolution von Mikroorganismen über Jahrmilliarden zurückverfolgen. Dazu suchen wir in den ältesten Gesteinen der Erde nach Spuren von Leben, sogenannten Biosignaturen“, erklärt Eric Runge, der an der Universität Tübingen in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Emmy Noether-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Jan-Peter Duda geforscht hat, bevor beide an die Universität Göttingen wechselten. Allerdings ließe sich nicht immer eindeutig klären, so Runge, ob Minerale in Gesteinen durch Einwirkung von Lebewesen wie Mikroorganismen entstanden sind oder allein durch chemische und physikalische Prozesse. „Wir schärfen unser Suchbild für Biosignaturen und verstehen immer besser, wie sich biologisch entstandene Gesteine über lange geologische Zeiträume verändern“, sagt er.</p><p>Eine besonders verheißungsvolle Biosignatur ist das in heißen Quellen der Tiefsee vorkommende Eisen-Schwefel-Mineral Pyrit – besser bekannt als Katzengold. Pyrit kann entweder direkt gebildet werden, oder aber sekundär aus dem Mineral Magnetit, wenn dieses mit dort vorkommenden schwefelreichen Fluiden reagiert. Entscheidend ist, dass es dabei in verschiedenen Formen auftritt. „In unseren Analysen erwies sich Pyrit in charakteristischer Kugelform als besonders interessant, die Struktur ähnelt der einer Himbeere“, berichtet Andreas Kappler. „In dieser Form entstand er nur, wenn der Ausgangsstoff Magnetit durch Eisen reduzierende Bakterien gebildet worden war.“</p><h3>Im Experiment nachgestellt</h3><p>Unter Luftabschluss können bestimmte Bakterien wachsen und Energie gewinnen, indem sie die Elektronen aus ihrer Nahrung nicht – wie Mensch und Tier – auf Sauerstoff übertragen, sondern auf oxidiertes Eisen. Dieses wird dabei reduziert, und es kann Magnetit entstehen; ein Prozess, der an heutigen heißen Quellen der Tiefsee weit verbreitet ist. Im Experiment hat das Forschungsteam nun nachgestellt, wie Magnetit mit den schwefelreichen Fluiden der heißen Quellen chemisch reagiert. Hierzu setzte es parallel nicht biologisch entstandenen Magnetit und biologisch in Bakterienkulturen gebildeten Magnetit Bedingungen aus, wie sie in den extremen Lebensräumen heutiger Magnetit bildender Bakterien um heiße Quellen herrschen.</p><p>„Wir beobachteten, dass sowohl der nicht-biologische als auch der biologische Magnetit innerhalb von Stunden weitgehend aufgelöst wurden. Unsere Untersuchungen am Rasterelektronenmikroskop, die in der Tübingen Structural Microscopy Core Facility (TSM) durchgeführt wurden, zeigten jedoch, dass sich die Kristallformen der Umwandlungsprodukte nach einigen Wochen deutlich unterschieden“, berichtet Runge. „Während sich in den Experimenten mit nicht-biologischem Magnetit verzweigte, ‚tannenbaumförmige‘ Pyritkristalle bildeten, war der Pyrit in den Experimenten mit biologischem Magnetit eher kugelförmig.“ Solche kugelförmigen Pyrite können als fossiler Nachweis für frühes bakterielles Leben dienen, fasst Kappler zusammen, „insbesondere in den ältesten, durch heiße Quellen gebildeten Gesteinen auf unserem Planeten.“</p><p>„Die Erforschung von Biosignaturen ist aber nicht nur relevant, um die Geschichte des Lebens auf der Erde zu entschlüsseln“ sagt Jan-Peter Duda. „Heiße Quellen, ähnlich denen in unserer Tiefsee, könnten zum Beispiel auch auf dem Saturnmond Enceladus vorkommen. Sollte es dort Leben geben, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Mikroorganismen. Studien wie unsere liefern die Grundlagen, um deren Spuren zu erkennen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-106587</guid><pubDate>Mon, 06 May 2024 10:05:57 +0200</pubDate><title>In der Hammerschmiede lebten Krallentiere</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-der-hammerschmiede-lebten-krallentiere/</link><description>Pferdeähnlicher Kopf und lange Arme mit Krallen: Diese Tiere bewohnten vor 11,5 Millionen Jahren das Allgäu, wie Funde zeigen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aus heutiger Sicht wirken sie wie eine Mischung aus Pferd und Gorilla: Krallentiere (Chalicotheriidae) hatten einen massigen Körper und einen pferdeähnlichen Kopf; ihre Arme waren viel länger als ihre Beine und mit Krallen ausgestattet. Sie gehörten zur Gruppe der Unpaarhufer und sind somit mit heutigen Nashörnern, Pferden und Tapiren verwandt. Vor etwa zwei Millionen Jahren starben sie endgültig aus.&nbsp;</p><p>Dass sie vor 11,5 Millionen Jahren auch im heutigen Süddeutschland lebten, zeigen Funde aus der Grabungsstätte Hammerschmiede im Allgäu. Ein Forscherteam aus Tübingen und Südafrika hat diese nun erstmals untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal PaIZ veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Wie Panagiotis Kampouridis, Doktorand der Universität Tübingen und Erstautor der Studie, berichtet, konnten fossile Zähne und Fingerknochen der Gattung Anisodon geborgen werden. Diese außergewöhnlichen Pflanzenfresser lebten in waldreichen Gegenden und gelten als Knöchelgänger – wie heutige Menschenaffen. Ihre gewaltigen Krallen nutzten sie vermutlich um Blätter und Äste von Bäumen zu holen, Rinde abzukratzen oder sogar kleinere Bäume auszureißen.&nbsp;</p><p>Zudem lebte in der Region vor 11,5 Millionen Jahren eine zweite Gruppe von Krallentieren, wie die Funde einer Kniescheibe und eines Schädelfragments zeigen: Bei den Schizotheriinen waren die Arme nur wenig länger als die Beine und sie waren als deutlich bessere Läufer im offenen Gelände unterwegs.&nbsp;</p><p>Da beide Gruppen sich ähnlich ernährten, schlossen sie sich gegenseitig aus bestimmten ökologischen Nischen aus und lebten nur selten im selben Habitat. Die Hammerschmiede belegt, dass beide Tiere in derselben Region lebten. Sie wurden allerdings aus verschiedenen Fundschichten geborgen, die vermutlich unterschiedliche Lebensräume repräsentieren.&nbsp;</p><p>„Unsere Ergebnisse geben einen Einblick in das Verhältnis dieser zwei nahverwandten Gruppen untereinander“, sagt Kampouridis. „Zudem unterstützen die Funde die Hypothese, dass diese zwei Gruppen nur unter bestimmten ökologischen Bedingungen gleichzeitig im selben Ökosystem leben konnten.“</p><p>Schon seit 2011 finden unter Leitung von Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen Grabungen in der Fossilfundstelle Hammerschmiede statt. Es konnten bereits über 150 verschiedene Arten ausgestorbener Wirbeltiere aus Flussablagerungen geborgen werden.&nbsp;</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Panagiotis Kampouridis, Josephina Hartung, Thomas S. Lechner, Nikolaos Kargopoulos &amp; Madelaine Böhme: “Disparate occurrences of a chalicotheriine and a schizotheriine chalicothere (Mammalia, Chalicotheriidae) at the Late Miocene hominid locality Hammerschmiede (Germany)”. Paläontologische Zeitschrift (PalZ), 30. April 2024; <a href="https://doi.org/10.1007/s12542-024-00685-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s12542-024-00685-x</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105690</guid><pubDate>Tue, 16 Apr 2024 10:10:00 +0200</pubDate><title>Die Journalistin Dunja Hayali übernimmt die 19. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-journalistin-dunja-hayali-uebernimmt-die-19-tuebinger-mediendozentur/</link><description>„Wenn der Dialog endet, können wir alle einpacken“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Dienstag, den 18. Juni 2024 um 18.30 Uhr</strong> spricht die Journalistin und Moderatorin (<em>heute journal</em> u. a.) Dunja Hayali im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz). In ihrem Vortrag wird es um die neue Macht des Populismus gehen, die Dauerempörung im Diskurs und die Kunst des Streitens in einem Kommunikationsklima, das von der Sofort-Verurteilung von Andersdenkenden und Anderslebenden geprägt ist. Ihre Tübinger Rede, zu der das Institut für Medienwissenschaft und der SWR herzlich einladen, steht unter dem Titel: „Wenn der Dialog endet, können wir alle einpacken.“</p><p>Seit Jahren ist Dunja Hayali, deren Eltern aus dem Irak nach Deutschland kamen und die im westfälischen Datteln geboren wurde, rassistischen und sexistischen Anfeindungen ausgesetzt. Seit Jahren erhält sie Morddrohungen, wird in den sozialen Medien attackiert, aber weicht doch der Debatte und dem Streit nicht aus. Sie spricht mit AfD-Anhängern, interviewt Neo-Nazis, Corona-Leugner und Kritiker der Pandemie-Maßnahmen, lässt sich am Rande von Demonstrationen auf das Gespräch mit Verschwörungsideologen und „Lügenpresse“-Schreiern ein.</p><p>Mitunter veröffentlicht sie eine Auswahl wüster Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken, liest Hass-Briefe öffentlich vor oder bringt die schlimmsten Attacken zur Anzeige. Vor allem jedoch wirbt sie – ohne Scheu, im schwierigen Ringen um eine stimmige Balance aus Verständnis und Konfrontationsbereitschaft – um den Dialog in der Breite der Gesellschaft. „Die Meinungen anderer aushalten“, so Dunja Hayali, „ohne sie pauschal und vorschnell zu abzuwerten. Erst einmal verstehen, fragen, zuhören, reden und sich dann ein Urteil bilden. Und dennoch im Falle menschenfeindlicher Ideologien klare Kante zu zeigen und Rassismus auch tatsächlich Rassismus zu nennen – darauf kommt es mir an.“</p><p>In ihrer Tübinger Rede macht sie diesen Balanceakt, das Ringen um das gesellschaftliche Gespräch und den konstruktiven Streit zum Thema. Sie berichtet von eigenen Erfahrungen als „Mensch mit Migrationsvordergrund“, wie sie sagt. Sie geht der Frage nach, wer eigentlich dazu gehört, wer mitdiskutieren darf, wem man zuhört – und wem nicht. Und wirbt für den Dialog und den kommunikativen Brückenbau in Zeiten der großen Gereiztheit.</p><p>Die thematische Einführung zur 19. Tübinger Mediendozentur, die inzwischen zu den größten Veranstaltungen der Universität gehört (bis zu 50.000 Menschen sehen sich einzelne Vorträge auf YouTube an, mehr als 1.000 Menschen sind regelhaft im Festsaal vor Ort), übernimmt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Die anschließende Diskussion moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Marcel Wagner.</p><p><strong>Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt im Erdgeschoss-Foyer der Neuen Aula ab 17.00 Uh, der Einlass startet um 17.30 Uhr. Bitte beachten Sie: Pro Person kann nur eine Eintrittskarte vergeben werden. Wir bitten darum, Rucksäcke und größere Taschen an der Garderobe im Foyer abzugeben.</strong></p><p><strong>Journalisten können sich unter dieser E-Mail-Adresse akkreditieren: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> Die Rede wird auch in den Hörsaal 9 der Neuen Aula, Geschwister-Scholl-Platz übertragen und kann im Livestream verfolgt werden: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TdLfDjDiYfw" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=TdLfDjDiYfw</a></strong></p><p><strong>Zur Tübinger Mediendozentur: </strong>Die Tübinger Mediendozentur ist eine Kooperation der Universität Tübingen, des Instituts für Medienwissenschaft und des SWR Studios Tübingen. Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Georg Mascolo, Doris Dörrie, Sascha Lobo, Luisa Neubauer und Juli Zeh nach Tübingen.</p><p><strong>Zur Person:</strong> Mit Dunja Hayali übernimmt eine der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands die diesjährige Tübinger Mediendozentur. Sie studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln, arbeitete als Moderatorin für unterschiedliche Formate und Sender. Seit 2010 ist sie Hauptmoderatorin des „ZDF-Morgenmagazins“, überdies moderiert sie das <em>heute journal</em>. Für ihre journalistische Arbeit und den Einsatz für eine andere Debattenkultur erhielt Dunja Hayali zahlreiche Auszeichnungen (Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“, Bundesverdienstkreuz, Walter-Lübcke-Demokratiepreis etc.).</p><p><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/institut-fuer-medienwissenschaft/institut/mediendozentur/" class="ut-btn ut-btn--color-primary-3 ut-btn--outline">Zur Webseite der Mediendozentur</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105717</guid><pubDate>Mon, 15 Apr 2024 15:27:29 +0200</pubDate><title>Team um Ausstellung „Cyber and the City“ im Tübinger Stadtmuseum gewinnt Kommunikationspreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/team-um-ausstellung-cyber-and-the-city-im-tuebinger-stadtmuseum-gewinnt-kommunikationspreis-der-deutschen-forschungsgemeinschaft/</link><description>Eine Informatikerin und zwei Kulturwissenschaftler der Universität Tübingen erhalten den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft für ihre Wissenschaftskommunikation zu Künstlicher Intelligenz.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes geht in diesem Jahr an ein interdisziplinäres Team der Universität Tübingen: Ulrike von Luxburg, Informatik-Professorin für die Theorie des Maschinellen Lernens, Tim Schaffarczik, Doktorand am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, sowie Thomas Thiemeyer, Professor für Empirische Kulturwissenschaft, ebenfalls am Ludwig-Uhland-Institut. Sie erhalten die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre herausragende und vielfältige Wissenschaftskommunikation zur Entwicklung und Umsetzung der Ausstellung „<span lang="en" dir="ltr">Cyber and the City</span>: Künstliche Intelligenz bewegt Tübingen“, die modellhaft auch für den Dialog zu anderen kontrovers diskutierten Wissenschafts- und Technologiethemen ist.</p><p>Die Ausstellung war von Februar 2023 bis Januar 2024 im Stadtmuseum Tübingen zu sehen und ist interdisziplinär und gemeinsam mit dem Stadt-museum Tübingen, insbesondere dessen Ausstellungskurator Guido Szymanska, konzipiert und umgesetzt worden. Teil des Ausstellungsteams waren außerdem mehr als 30 Studierende der Empirischen Kulturwissenschaft und des Masterstudiengangs <span lang="en" dir="ltr">Machine Learning</span> der Universität Tübingen.</p><p>Ulrike von Luxburg: „Die Ausstellung konnte nur deshalb so überzeugen, weil wir von Anfang an verschiedene Perspektiven auf das Thema eingebracht und mitgedacht haben. Die Studierenden mit ihren diversen Hintergründen, Meinungen und Herangehensweisen und die langjährige Erfahrung von dem Kurator des Stadtmuseums, Guido Szymanska, wie man abstrakte Ideen in konkrete Exponate umsetzen kann, haben die Ausstellung so erfolgreich gemacht."</p><p>Die Jury aus Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten unter dem Vorsitz von DFG-Vizepräsident Professor Dr. Johannes Grave würdigte bei ihrer Entscheidung, dass das Team „<span lang="en" dir="ltr">Cyber and the City</span>“ das so abstrakte wie kontroverse Thema Künstliche Intelligenz in die Lebens- und Erfahrungswelt der Menschen holt. Zudem eröffne es einen Dia-lograum, in dem sehr unterschiedliche Positionen und Interessen verhandelt werden können.</p><p>Dazu habe das Team in einer erfolgreichen interdisziplinären Zusammenarbeit von Informatik und Empirischer Kulturwissenschaft eine Ausstellung im Tübinger Stadtmuseum und ein Begleitprogramm entworfen. Studierende der beiden Disziplinen erarbeiteten die Grundlagen für die Ausstellung und die weiteren Kommunikationsformate und bezogen dabei Interessengruppen, Bürgerinnen und Bürger, Aktivistinnen und Aktivisten oder auch Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in die Konzeption und Umsetzung ein. Auf diese Weise, so die Jury des Communicator-Preises, sei eine Kommunikationsplattform entstanden, die eine gemeinsame Sprache zu Herausforderungen und Chancen von Künstlicher Intelligenz findet und sowohl Befürworterinnen und Befürworter als auch Skeptikerinnen und Skeptiker von KI zu Wort kommen lässt.</p><p>Flankiert wurde die Ausstellung von einem umfangreichen Begleitprogramm, in das sich die an der Ausstellung beteiligten Akteurinnen und Akteure mit eigenen Veranstaltungen einbringen konnten. Zu den Veranstaltungen zählten etwa die „Retro Gaming Night meets KI“ sowie die in Kooperation mit dem SWR veranstaltete Podiumsdiskussion „Wer kontrolliert KI?“. Die Ausstellung zog insgesamt mehr als 40.000 Besucherinnen und Besucher unterschiedlicher Altersgruppen an. Durch Ausstellung und Begleitprogramm entstand so insgesamt ein Dialograhmen, der die am Standort sehr kontrovers geführte Diskussion rund um Künstliche Intelligenz versachlicht hat, ohne dabei Emotionen und Positionierungen zu ignorieren.</p><p>Die Jury für den Communicator-Preis hob hervor, dass die lokale Verortung der Kommunikation bei diesem Projekt eine besondere Bedeutung habe: Künstliche Intelligenz – als global wirksames und zugleich schwer greifbares Thema – wurde hier am konkreten Fall, als Konsequenz von kontroversen Debatten in der Stadt und gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren verhandelt. Und dies geschah nicht in digitalen Foren, sondern im direkten Austausch der Beteiligten. Damit sei es dem Team hervorragend gelungen, ein schwieriges Thema leicht, humorvoll und dabei sachlich und intelligent umzusetzen. Insgesamt, so die Jury, sehe sie in der Arbeit des Teams den gelungenen Weg einer dialogischen Wissenschaftskommunikation, die weit über den Standort und das konkrete Thema hinausweise. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Dialogkultur, in der verschiedene Argumente und Positionen kaum noch in einen konstruktiven Austausch zu bringen sind, sei dies ein besonders ermutigendes Projekt.</p><p>Der „Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ wird seit dem Jahr 2000 verliehen und gilt als der wichtigste Preis seiner Art in Deutschland. Ausgezeichnet werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrer Wissenschaftskommunikation besonders kreativ sind, neue, auch mutige Wege gehen und ihre Zielgruppen auf geeignete und wirksame Weise ansprechen. Sie sollen zudem die gesellschaftliche Dimension ihrer Forschung erkennen und ihr Wissen in öffentliche Debatten, Meinungsbildungsprozesse und Entscheidungen einbringen. Das Preisgeld soll die Ausgezeichneten in ihrem Engagement unterstützen und auch die Umsetzung neuer Projekte ermöglichen.</p><p>Die Jury wählte das nun ausgezeichnete Team in einem mehrstufigen Auswahlprozess aus 38 Bewerbungen und Vorschlägen aus. Verliehen wird der Communicator-Preis im Rahmen der Jahresversammlung der DFG am 1. Juli 2024 in Potsdam.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105573</guid><pubDate>Thu, 11 Apr 2024 11:44:09 +0200</pubDate><title>Tübinger Kinder-Uni startet am 30. April</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-kinder-uni-startet-am-30-april/</link><description>In Vorlesungen geht es unter anderem um die Frage, warum wir überhaupt schlafen oder warum es so viele Berufe gibt – Kinder-Uni-Forschungstag am Samstag, 6. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Kinder-Uni startet wieder: Mit der beliebten Vorlesungsreihe heißt die Universität Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren willkommen. Jeweils <strong>dienstags um 17:00 Uhr</strong> können Interessierte lernen, wie Fledermäuse im Dunkeln sehen, warum wir schlafen und warum es verschiedene Berufe gibt. Zudem geht es um aktuelle Themen wie den Krieg in der Ukraine oder um gemeinsame Werte von Judentum und Islam.</p><p>Die Vorlesungen finden im <strong>Hörsaal 25 (Kupferbau, Hölderlinstraße 5)</strong> statt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Eltern sind willkommen, werden jedoch gebeten, die vorderen Reihen den Kindern zu überlassen und ggf. in den hinteren Reihen Platz zu nehmen. Alle Infos unter:&nbsp;<a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/kinder-uni/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/kinder-uni/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105564</guid><pubDate>Thu, 11 Apr 2024 10:39:24 +0200</pubDate><title>Studium Generale startet mit Sommervorlesungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-startet-mit-sommervorlesungen/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen der Universität Tübingen diskutieren unter anderem Europawahlen und aktuelle Schwierigkeiten in der Schulbildung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen startet ab 16. April zum Sommersemester 2024 mit fünf öffentlichen Vorlesungsreihen: Thema sind die anstehenden Europawahlen, die „Bildungskatastrophe“ und das wechselseitige Verhältnis von Literatur und Krieg. Zudem geht es um Schreibprozesse über Grenzen und Unterschiede hinweg und die Frage, warum bestimmte Orte (nicht nur) den Schwaben heilig sind.</p><p>Der Zugang ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Die Veranstaltungen finden in Präsenz statt. Detaillierte und aktuelle Informationen finden sich unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studium-generale" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a>.</p><p>Die Reihe<strong><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/#c1634352" target="_blank" class="external-link">„Make Peace not Love“ (Amos Oz): Kriege bekämpfen</a> (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong> spricht über das Phänomen des Krieges, das leider auch in Europa wieder Einzug gehalten hat. Um die Mechanismen des Krieges in den Blick zu nehmen und zu begreifen, nimmt Professor Jürgen Wertheimer die Rolle der Literatur in den Blick: Sie hilft, die emotionale Befindlichkeit von Individuen in Konfliktzonen unbestechlich auszuleuchten und kann früh auf Krisensituationen verweisen.</p><p>Vor rund 60 Jahren löste Georg Picht mit seinem Buch „Die deutsche Bildungskatastrophe“ Diskussionen aus. Die Empirische Bildungsforschung sieht Anlass, auch in diesem Sommer über die <strong><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/#c1634355" target="_blank" class="external-link">Bildungskatastrophe: Von der Diagnose zur Lösung</a></strong> zu sprechen. <strong>(Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25) </strong>Damals wurden zu wenige Studierende und Lehrkräfte beklagt. Heute geht es um Kinder, die nach der Grundschule nicht richtig lesen und rechnen können, Jugendliche ohne Schulabschluss und die anhaltende Bildungsungerechtigkeit. Die Forschenden des LEAD Graduate School &amp; Research Network stellen Themen und Ergebnisse aus ihrer Arbeit vor.</p><p>Was haben Höhlen, Kirchen und Fußballstadien gemeinsam? Die Reihe <strong><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/#c1634358" target="_blank" class="external-link">„Heilige“ Orte in Schwaben</a> (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong> untersucht Orte, die im traditionellen oder übertragenen Sinne als „heilig“ gelten – zu verschiedenen Epochen und mit unterschiedlichen Bedeutungen für ihre Region und die dort lebenden Menschen. Das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften lässt Forschende einen Blick auf Stätten wie das Kloster Reichenau, den Hölderlinturm, Moscheen oder auch den VfB Stuttgart werfen: Was zeichnet diese aus, für wen sind sie heilig und was unterscheidet sie von nicht-heiligen Orten?</p><p>&gt;&gt;Bitte beachten Sie, dass die erste geplante Veranstaltung dieser Reihe („Die Wurmlinger Kapelle“) nun leider aus Krankheitsgründen entfällt. Die Reihe beginnt deshalb am 24. April mit dem Vortrag von Prof. Nicholas Conard „Waren die Höhlen der Schwäbischen Alb heilige Orte während der Altsteinzeit?“</p><p>Die Reihe <strong><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/#c1988622" target="_blank" class="external-link">EU Vote! Analysen anlässlich der Europawahl 2024</a> (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> beschäftigt sich mit den Wahlen zum Europäischen Parlament, die vom 6. bis 9. Juni 2024 stattfinden. In vielen Staaten sind euroskeptische und radikale Parteien im Aufwind und das Ansehen des EU-Parlaments hat durch „Katar-Gate“ gelitten. Gleichzeitig wird die künftige Zusammensetzung des Parlaments gravierende Auswirkungen auf seine Rolle im Gesetzgebungsprozess und auf die Perspektiven europäischer Integration insgesamt haben. Auf Einladung des Instituts für Politikwissenschaft analysieren Vortragende, welche Rolle das Europäische Parlament in der EU spielt, wie es gewählt wird und welche Muster sich im Wahlverhalten und in den Wahlkampagnen der politischen Parteien zeigen.</p><p>In der Reihe <strong><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/im-dialog/studium-generale/#c1988625" target="_blank" class="external-link">Schreiben und Forschen über Grenzen und Unterschiede: Interdisziplinäre Perspektiven</a> (Donnerstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25) </strong>lädt das Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung ein. Forschende aus verschiedenen Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften erörtern die Frage nach der neuen politischen Relevanz der Identität und Positionierung von Autor*innen. In vielen gesellschaftlichen Bereichen werden Hierarchien in Frage gestellt, Stimmen, die bislang unterrepräsentiert waren, werden etwa in Wissenschaft, Journalismus und literarischem Feuilleton lauter. Institutionen wie Universitäten oder Verlage müssen sich im Austausch mit Impulsen aus feministischen, post-/dekolonialen und antirassistischen Bewegungen neu orientieren. Diese Dynamik hat ethische, ästhetische und wissenschaftstheoretische Implikationen und bringt ganz konkrete Folgen für das (kreative, forschende, berichtende) Schreiben mit sich.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105270</guid><pubDate>Tue, 02 Apr 2024 12:15:30 +0200</pubDate><title>Schläfenlöcher im Schädel von Sauriern und Menschen durch Fressweise gebildet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schlaefenloecher-im-schaedel-von-sauriern-und-menschen-durch-fressweise-gebildet/</link><description>Beim Beißen und Kauen wirken Kräfte unterschiedlich auf Schädel – Forscher erklären Formenvielfalt im Laufe der Evolution</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob Mensch oder Saurier: Im Schädel der meisten Landwirbeltiere klafft im Schläfenbereich ein Loch, im Falle der meisten Reptilien sogar zwei. Seit 150 Jahren suchen Wissenschaftler nach Erklärungen für diese Schädelformen. Ein Forscherteam der Universität Tübingen und der Ruhr-Universität Bochum zeigt nun in einer Studie: Je nachdem wie und wo im Maul Nahrung festgehalten, zerbissen und zerkaut wird, ändern sich die Kräfte, die auf einen Schädel wirken – und führen im Laufe der Jahrmillionen zur Bildung von Knochenverbindungen oder eben Öffnungen. Durch diese Erkenntnis kann die Lebensweise ausgestorbener Tiere besser rekonstruiert werden.</p><p>„Die Vielfalt der Schädel- und Knochenformen wurde von Paläontologen und Zoologen ausführlich beschrieben – aber den Ursprung der Schläfenspangen und -öffnungen und was sie über die Biologie und über die Verwandtschaft der Tiere aussagen, konnte bisher nicht überzeugend erklärt werden“, sagt PD Dr. Ingmar Werneburg vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Kustos der Paläontologischen Sammlung der Universität.&nbsp;</p><p>„Unser Modell geht von dem Gedanken aus, dass Knochenmasse nur an Stellen gebildet werden kann, wo Druckspannungen existieren“, sagt Professor Holger Preuschoft, emeritierter Funktionsmorphologe am Anatomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum und Co-Autor der Studie, die nun im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>The Anatomical Record</em></span> erschienen ist. „Außerdem muss an den Stellen der Knochenbildung mechanische Ruhe herrschen. Es darf also keine Bewegung stattfinden, die zur Bildung eines Falschgelenks, einer Pseudarthrose, führen könnte.“</p><p>Auch der Mensch hat eine große Schläfenöffnung über dem Jochbogen. Durch sie zieht der Kiefermuskel zum Unterkiefer hinab. Beim Kauen lässt sich die Bewegung dieses Muskels in der weiten Schläfenöffnung ertasten. Bei vielen Saurierarten sind die Öffnungen ganz unterschiedlich geformt. Die beiden Wissenschaftler verglichen Dutzende Schädel von Landwirbeltieren aus mehreren Millionen Jahren Evolutionsgeschichte.</p><p>„Wenn Tiere vorne im Kiefer - etwa mit Hilfe von Fangzähnen - fest zubeißen, breiten sich nach Ansicht der Wissenschaftler über und unter den Augen und zum Hals hin große Spannungen aus und führen zur Bildung von Knochenspangen in der Schläfe“, so Werneburg. Bei Reptilien komme ein weiterer Effekt hinzu: Sie beißen vorrangig hinten im Kiefer, wo ein kürzerer Hebelarm vom Kiefergelenk aus mehr Beißkraft ermöglicht. „Auch hier entsteht eine Druckspannung, die einen Knochensteg hinter dem Auge bedingt. Kommt diese nun mit der oberen Spannung des vorderen Bisses in Kontakt, werden beide Kraftströme teilweise umgelenkt und es kann sich ein zweiter Jochbogen ausbilden.“ An Schädeln von heute noch lebenden Tierarten hat Holger Preuschoft in früheren Studien die Wirkung dieser Kräfte experimentell nachgewiesen und auch getestet, ab welcher Belastung Knochen brechen. Diese Erkenntnisse wendet die Studie nun erstmals auf die Evolutionsgeschichte von Wirbeltieren an.</p><p>Wenn das Tier seine Beute schüttelt oder Blätter von einer Pflanze abreißt, entstehen zusätzlich seitliche Scherkräfte, die zu weiteren Modifikationen der Schläfengestalt führen. Die einwirkenden Kräfte werden in einem Kraftkreis an die Ausgangsstelle der Krafteinwirkung im Gebiss zurückgeführt, auch mithilfe der Kiefermuskulatur. „Sonst wäre der Schädel nicht stabil und würde zerspringen“, so Preuschoft</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Ingmar Werneburg &amp; Holger Preuschoft (2024). <span lang="en" dir="ltr">Evolution of the temporal skull openings in land vertebrates: a hypothetical framework on the basis of biomechanics.</span> Anatomical Record 307(4): 1559-1593.&nbsp;In:&nbsp;Felipe L. Pinheiro, Flávio A. Pretto, &amp; Leonardo Kerber (2024). <span lang="en" dir="ltr">The Dawn of an Era: Comparative and Functional Anatomy of Triassic Tetrapods. Special</span> Issue,&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1002/ar.25371" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/ar.25371</a><span lang="EN-US"></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-105018</guid><pubDate>Thu, 21 Mar 2024 10:05:15 +0100</pubDate><title>Im Pflanzenblatt organisieren die Zellen selbst eine optimale Fläche für die Fotosynthese</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/im-pflanzenblatt-organisieren-die-zellen-selbst-eine-optimale-flaeche-fuer-die-fotosynthese/</link><description>Team der Universität Tübingen entdeckt grundlegenden Mechanismus der Gestaltbildung in Pflanzen, der einer Theorie des Mathematikers Alan Turing folgt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzenblätter brauchen eine große Fläche, um Sonnenlicht für die Fotosynthese einzufangen. Dr. Emanuele Scacchi und Professorin Marja Timmermans vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team entdeckt, welche genetischen Mechanismen das flächige Wachstum der Blätter steuern: Eine Art eingebautes GPS informiert jede Blattzelle über ihre relative Position im wachsenden Blatt. Das Ordnungsmuster entspricht einem biologischen Konzept der Selbstorganisation, das der legendäre Mathematiker und Denker Alan Turing vorhergesagt hatte. Die Studie zum Blattwachstum wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Nature Plants</em></span> veröffentlicht.</p><p>„Wenn sich Zellen teilen und vermehren, entsteht in der Regel ein Zellklumpen. Wir wollten wissen, wie im Fall eines Blatts daraus eine große Fläche werden kann“, berichtet Scacchi. Dazu arbeitete ein Team aus der Mathematik und praktischen Biologie zusammen, um mit Hilfe von Computermodellen, Methoden der molekularen Genetik und bildgebenden Verfahren am lebenden Organismus die Prozesse zu verfolgen.</p><p>„Grundlage einer solchen Musterbildung ist eine Polarität, also die Möglichkeit in diesem Fall, zwischen oben und unten zu unterscheiden. Sie entsteht in der Regel durch einen Konzentrationsgradienten eines Stoffs, Morphogen genannt, der an der einen Seite gering, an der anderen höher ist“, erklärt der Wissenschaftler.</p><h2>Autonome Steuerung</h2><p>Das Team entdeckte, dass im wachsenden Blatt sogenannte kleine RNAs eine entscheidende Rolle bei der Steuerung spielen. Als mobile Boten sind sie bei der Kommunikation der Zellen untereinander im Einsatz und helfen den Zellen, ihre relative Position zueinander im Gefüge wahrzunehmen – wie ein GPS. Außerdem übermitteln die kleinen RNAs Informationen, über die koordiniert wird, welche Gene jeweils an der Ober- und Unterseite aktiviert oder gehemmt werden müssen, damit das Blatt die richtige Form und Funktion erhält. „Dieser Regelmechanismus arbeitet autonom im wachsenden Blatt, dafür gibt es keine zentrale Steuerung in der Pflanze“, sagt Timmermans. „Uns fiel auf, dass unsere Ergebnisse einer Theorie entsprechen, die Alan Turing vor mehr als sieben Jahrzehnten aufgestellt hat. Er ist zwar vor allem wegen seiner zentralen Beiträge zur Informatik bekannt, aber er hat sich auch mit den Rätseln der Natur befasst.“</p><p>Turing habe vorgeschlagen, dass einfache Wechselwirkungen bestimmter Moleküle in den Zellen von Lebewesen zur Entstehung komplexer Muster führen können, wie beispielsweise die Flecken auf dem Leopardenfell oder die Streifen eines Zebras. „Mathematisch beschrieb er diese Prozesse in seiner Theorie der Morphogenese oder Gestaltbildung. Unsere neue Studie baut auf dieser Theorie auf. Wir haben einen von kleinen RNAs gesteuerten Mechanismus entdeckt, der Turings Konzept von der Musterbildung durch Selbstorganisation entspricht“, sagt die Forscherin.</p><p>In diesem Fall beziehe sich die Selbstorganisation auf das genetisch gesteuerte Verhalten der Zellen, die wie ein Vogelschwarm im Einklang vorgehen, ein kollektives Verhalten bilden, um das richtige Muster und die flache Struktur eines Blatts zu erzeugen. Jeder Vogel im Schwarm reagiert auf die Bewegungen seiner Nachbarn, und obwohl es keinen Anführer gibt, erzeugen die kollektiven Interaktionen ein zusammenhängendes organisiertes Muster.</p><h2>Anpassungsfähiges System</h2><p>„Die Kleinen-RNA-Moleküle in den Zellen des wachsenden Blatts setzen einen genetischen Prozess in Gang, der es den Zellen ermöglicht, ihre Umgebung wahrzunehmen und zu interpretieren“, sagt Scacchi. Die Genaktivitäten würden unter den Zellen so koordiniert, dass in jedem Blatt die Ober- und Unterseite scharf voneinander getrennt sind und eine perfekte flache Leinwand für die Fotosynthese bilden. Ein solcher selbstorganisierender Turing-Mechanismus könne die Genaktivität an interne und externe Störungen bei der Blattentwicklung anpassen. Dadurch erhalten die Blätter auch bei drastischen Änderungen der Umweltbedingungen die gleiche Form. „Außerdem bietet dieses genetische System viele Möglichkeiten zur Feinjustierung. So lässt sich die Vielfalt der in der Natur beobachteten Blattformen erklären von der einfachen Ranke der Kletterpflanzen bis hin zur komplexen Kannenfalle fleischfressender Pflanzen.“</p><p>„Unsere Entdeckung ist aber nicht nur wichtig, um Turings Erbe ein neues Kapitel hinzuzufügen“, sagt Timmermans. „Wir haben die grundlegenden Mechanismen dekodiert, durch die kleine RNAs selbstorganisierende genetische Prozesse ermöglichen. Nun kann erforscht werden, wie der Mensch diese biologischen Funktionen verändern und sich zunutze machen kann. Bei einem weltweit stei-genden Lebensmittelbedarf brauchen wir optimierte Nutzpflanzen mit hohen Erträgen, die robust gegen Stressfaktoren wie die Klimaerwärmung sind.“</p><h2>Publikation:</h2><p>Emanuele Scacchi, Gael Paszkiewicz, Khoa Thi Nguyen, Shreyas Meda, Agata Burian, Walter de Back &amp; Marja C. P. Timmermans: A diffusible small-RNA-based Turing system dynamically coordinates organ polarity. <em>Nature Plants</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41477-024-01634-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41477-024-01634-x</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-104790</guid><pubDate>Wed, 13 Mar 2024 09:19:02 +0100</pubDate><title>Neu entdeckt: Fossile Riesenschildkröte nach Stephen-King-Romanfigur benannt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-entdeckt-fossile-riesenschildkroete-nach-stephen-king-romanfigur-benannt/</link><description>Mit einer Panzerlänge von etwa 180 Zentimetern gehört die neu beschriebene Art zu den weltweit größten Süßwasserschildkröten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam rund um Dr. Gabriel S. Ferreira vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen hat eine neue Riesenschildkröten-Art aus dem späten Pleistozän beschrieben.<em> Peltocephalus maturin</em> ist mindestens 40.000 und wenigstens 9.000 Jahre alt und stammt aus dem brasilianischen Amazonasgebiet. Mit einer Panzerlänge von etwa 180 Zentimetern gehört die Art zu den größten bekannten Süßwasserschildkröten weltweit. Benannt wurde der Panzerträger nach der Riesenschildkröte&nbsp;„Maturin“, einer Romanfigur des Bestsellerautors<span lang="en" dir="ltr"> Stephen King</span>.</p><p>Mit maximal 140 Zentimetern Panzerlänge zählt die Asiatische Schmalköpfige Weichschildkröte (<em>Chitra chitra</em>) gemeinsam mit der etwa 110 Zentimeter langen Südamerikanischen Flussschildkröte (<em>Podocnemis expansa</em>) zu den größten heute lebenden Süßwasserschildkröten. „Auch aus der Vergangenheit kennen wir nur wenige in Süßgewässern lebende Schildkröten, die eine Panzerlänge von 150 Zentimetern überschritten haben“, erklärt Dr. Gabriel S. Ferreira vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen und fährt fort:&nbsp;„Zuletzt sind solche großen Tiere vor allem aus dem Miozän, der Zeit vor etwa 23 bis fünf Millionen Jahren, bekannt.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-104598</guid><pubDate>Mon, 11 Mar 2024 11:05:23 +0100</pubDate><title>Richtige Ansprache erhöht Bereitschaft zur Spende von Stammzellen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/richtige-ansprache-erhoeht-bereitschaft-zur-spende-von-stammzellen/</link><description>Internationales Forscherteam wertet Datensatz des weltweit größten Spenderregisters aus – sogar Mehraufwand durch Blutprobe erhöht Bereitschaft zur Stammzellspende </description><content:encoded><![CDATA[<p>Jährlich sterben mehr als 20.000 Menschen in Deutschland an Blutkrebs. Bei Kindern ist Blutkrebs sogar die häufigste Krebsart. Spenden von Stammzellen aus dem Knochenmark oder Blut erhöhen die Überlebenschance von Menschen, die an Leukämie oder anderen Formen von Blutkrebs erkrankt sind. Zwischen der Registrierung der Spendewilligen und ihrer tatsächlichen Spende können jedoch Jahre vergehen. Viele Freiwillige schrecken zurück, wenn die Stammzellen tatsächlich entnommen werden sollen. Ein internationales Team von Forschenden hat nun nachgewiesen, dass eine erneute Kontaktaufnahme zwischen Registrierung und Spende die Verfügbarkeit von Spenderinnen und Spendern signifikant erhöht. Am stärksten ist dieser Effekt, wenn auch um eine Blutprobe gebeten wird.&nbsp;</p><p>Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift American Journal of Health Economics veröffentlicht worden und geben wichtige Hinweise für Spenderregister weltweit zur Verbesserung ihrer Vermittlungsquote. An der Studie waren Forschende der Universität Tübingen, der Johns Hopkins-Universität, der University of Technology Sydney, der Universitäten Köln und Essen-Duisburg sowie Mitarbeitende der weltweit größten Spenderdatenbank DKMS beteiligt.&nbsp;</p><p>Die DKMS verfügt über ein Register von mehr als 12 Millionen Spendewilligen in den USA, Deutschland, Polen, Großbritannien, Südafrika, Chile und Indien. Die Forschenden konnten einen Datensatz von 91.670 Spendewilligen der Jahre 2013 bis 2018 auswerten, deren biologische Merkmale mit denen eines Patienten oder einer Patientin mit Blutkrebs übereinstimmten. Diese wurden dann im Zuge der sogenannten Bestätigungstypisierung, einem der zentralen Schritte auf dem Weg zur Stammzellspende, nochmals nach ihrer Bereitschaft zur Stammzellspende gefragt. Einen Teil dieser Personen kontaktierte die DKMS mit unterschiedlichen Anschreiben mit dem Ziel, um zusätzliche Daten oder Blutproben zu bitten. Beispielsweise wurden die Empfänger gebeten, Angaben zu Vorerkrankungen zu aktualisieren oder Auslandsaufenthalte und Schwangerschaften zu vermerken, die eine Spende im Ernstfall verhindert hätten. Eine Teilgruppe sollte auch noch zusätzlich eine Blutprobe zur Nachtypisierung abgeben, um die genetischen Informationen zu vervollständigen. Die anderen registrierten Personen wurden aus Kostengründen nicht nochmals von der DKMS angeschrieben und bildeten für die Studie die Kontrollgruppe.&nbsp;</p><p>Wenn zusätzlich zum erneuten Anschreiben um eine Blutprobe gebeten wurde, sank die Zahl der Registrierten, die später vor einer Spende zurückschreckten, um 37 Prozent. „Es ist schon erstaunlich, dass wir trotz des Zusatzaufwandes durch eine Blutentnahme solch positive Effekte identifizieren konnten. Den Spenderinnen und Spendern wird durch die erneute Kontaktaufnahme ihre Möglichkeit zu helfen wieder vor Augen geführt und sie fühlen sich dadurch wahrscheinlich motivierter“, begründet Professor Patrick Kampkötter vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Tübingen das Ergebnis der Studie.&nbsp;</p><p>„Wir wussten bei der DKMS, dass jeder zusätzliche Kontakt mit potenziellen Spenderinnen und Spendern im Untersuchungszeitraum wichtig war – doch nicht, dass der Anstieg ihrer Verfügbarkeit so viel höher ausgefallen war. Nun ist diese Erkenntnis wissenschaftlich belegt und ausgewertet und jedes Spenderregister kann überlegen, ob die Kosten des Mehraufwands für erneute Kontaktaufnahmen im Verhältnis zur Wirkung stehen“, sagt Dr. Dr. Alexander Schmidt, Chief Medical Officer bei der DMKS.</p><p>Anders als bei einer einfachen Blutspende, muss bei einer Stammzellspende ein „genetischer Zwilling“ von Spender und Empfänger gefunden werden, bei dem zwölf spezifische Gene übereinstimmen müssen – andernfalls ist die Gefahr einer tödlichen Immunabwehr beim Empfänger zu groß. Ist dieser „genetischer Zwilling“ gefunden – notfalls nach einer weltweiten Suche - und springt der spendende Part doch ab oder ist wegen einer Reise oder Schwangerschaft gar nicht verfügbar, verliert die Datenbank kostbare Zeit bei der Suche nach einem weiteren Match. Die Überlebenschance von Patientinnen und Patienten mit Blutkrebs, die dringend auf passende Stammzellen für ihre Therapie angewiesen sind, nimmt in der Zwischenzeit ab. Die Verfügbarkeit von Spenderinnen und Spendern bereits im Vorfeld voneinander unterscheiden zu können und ihre Motivation zu erhöhen, spart einem Spenderregister somit kostbare Zeit.&nbsp;</p><p>Auch eine gemeinsame ethnische Herkunft zwischen Spenderinnen und Empfängern erhöht die Wahrscheinlichkeit eines genetischen Matches. Statistisch betrachtet unterscheidet sich die Spendewilligkeit zwischen ethnischen Gruppen erheblich. In Deutschland sind 75 Prozent der Registrierten bei der DKMS im Ernstfall zur Spende bereit, in den USA im Schnitt nur die Hälfte, unter manchen ethnischen Gruppen wie Afroamerikanern oder Hispanoamerikanern nur rund 30 Prozent. „Deshalb ist eine verbesserte Verfügbarkeit von Stammzellspendern für die Spenderregister in Ländern wie den USA von besonders großem medizinischem und wirtschaftlichem Nutzen“, sagt Prof. Mario Macis von der Johns Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland, USA.&nbsp;</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Michael Haylock, Patrick Kampkötter, Mario Macis, Jürgen Sauter, Susanne Seitz, Robert Slonim, Daniel Wiesen, Alexander H. Schmidt: Reducing Registry Members' Attrition When Invited to Donate: Evidence From a Large Stem Cell Registry. American Journal of Health Economics. <a href="https://doi.org/10.1086/730331" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1086/730331</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-104337</guid><pubDate>Tue, 05 Mar 2024 10:45:52 +0100</pubDate><title>100 Jahre Universitätsbund Tübingen  </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/100-jahre-universitaetsbund-tuebingen/</link><description>Seit 1924 unterstützt der Förderverein Studierende, Forschungsprojekte und Veranstaltungen der Universität Tübingen – Im Jubiläumsjahr betreibt er Fundraising für die Umgestaltung des Ausleihzentrums</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Verein der Freunde der Universität Tübingen, der Universitätsbund, feiert Jubiläum: Vor 100 Jahren wurde er mit dem Ziel gegründet, Forschung, Bildung und Studierende an der Universität Tübingen zu unterstützen. Anlässlich des Jubiläums ruft er unter dem Motto „Fördern statt Feiern“ zu einem Spendenjahr auf. Das gesammelte Geld kommt dem Ausleihzentrum der Universitätsbibliothek zugute, das umgestaltet wird.</p><p>Geprägt vom Krisenjahr 1923, gründete sich der Verein am 20. Januar 1924. Anspruch war, die universitäre Ausbildung in die eigene Verantwortung zu nehmen und nicht länger allein von der Höhe staatlicher Zuschüsse abhängig zu machen. Auch während der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hielt der Verein an seiner demokratischen Satzung fest und nahm damit eine mögliche Auflösung in Kauf. Obwohl die Zahl der nichtuniversitären Mitglieder enorm sank, überstand der Verein diese schwere Zeit und übernahm in der Nachkriegszeit zentrale Aufgaben der Förderung an der Universität Tübingen.</p><p>Bis heute ist seine Mission die Unterstützung der Universität in vielfältiger Weise, wie der Vorstandsvorsitzende Christian O. Erbe sagt: „Die Vielzahl und das Spektrum unserer geförderten Projekte sind außergewöhnlich. In den vergangenen 20 Jahren hat der Universitätsbund mehr als 5,3 Millionen Euro in zahlreiche Fördervorhaben investiert. Das verdanken wir der Großzügigkeit wohlwollender Spenderinnen und Spender sowie der Treue und Verbundenheit unserer Mitglieder. Sie sind die tragende Kraft des Vereins und sichern mit Zuwendungen und Mitgliedsbeiträgen das Förderbudget.“</p><h3>Breites Förderspektrum</h3><p>Großprojekte, die vom Universitätsbund finanziert wurden, sind beispielsweise die Brunnen auf dem Geschwister-Scholl-Platz und der Steinway-Flügel im Festsaal. Im Alltag unterstützt der Verein vor allem eine Vielzahl von Einzelprojekten und Einrichtungen an der Universität: die jährliche Mediendozentur, Sonderausstellungen und Publikationen des Museums MUT, Turniere des Hochschulsports sowie Veranstaltungen für die Öffentlichkeit wie die Kinderuniversität, den Tag der Mathematik und das ehemalige Tübinger Fenster für Forschung.</p><p>Zu den Fördertätigkeiten gehören auch die Bezuschussung von Studierendenexkursionen, Reisekosten für Kongresse und die Teilnahme von Fachschaften und Studierendengruppen an Wettbewerben wie Debattiermeisterschaften, juristischen Moot Courts oder der naturwissenschaftlichen iGEM Competition.</p><p>Auszeichnungen wie die jährlich vergebenen Promotionspreise der Universität sind nur durch die Unterstützung des Universitätsbunds möglich ‒ künftig werden auch der Lehrpreis der Universität Tübingen sowie der Sonderpreis für Studentisches Engagement durch den Universitätsbund finanziert.</p><p>Bei den Deutschland-Stipendien ist der Verein seit deren Einführung im Jahr 2011 größter Einzelsponsor an der Universität. Mit insgesamt 1,7 Millionen Euro konnten bereits mehr als 900 besonders begabte und leistungsfähige Studierende gefördert werden.</p><h3>Betreuung von 26 Stiftungen</h3><p>Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Verwaltung von 26 Stiftungen, die der Verein treuhänderisch betreut, und deren Gelder zum Teil zweckgebunden in verschiedene Institute und Fachdisziplinen fließen. Die finanzstärkste dieser Stiftungen vergibt jährlich den renommierten Dr. Leopold Lucas-Preis sowie einen begehrten Wissenschaftlichen Nachwuchs-Preis; die zweitgrößte inkorporierte Stiftung hat sich der Internationalisierung verschrieben und fördert unter anderem Gastdozenturen und die Mobilität Nachwuchsforschender.</p><p>„Der Universitätsbund trägt als Förderverein essenziell dazu bei, die strategischen Ziele der Universität zu sichern: Exzellenz in Forschung und Lehre als Grundlage für die Qualifizierung kompetenter, leistungsfähiger und verantwortungsbewusster Köpfe für die Wirtschaft und Gesellschaft von morgen“, sagt die Rektorin der Universität, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann. „Auf diese wichtige Unterstützung bauen wir auch zukünftig und sind dankbar dafür.“</p><p>Gemäß dem Universitätsmotto „Attempto! – Ich wage es“ wird der Verein seine Arbeit fortsetzen und möchte im Jubiläumsjahr zusätzlich zu den regulären Förderaktivitäten möglichst viele Spendengelder für das Großprojekt sammeln, die Umgestaltung des Ausleihzentrums. Spenden sind willkommen unter&nbsp;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/unibund" target="_blank" class="external-link" title="http://www.uni-tuebingen.de/unibund" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/unibund</a>. Hier finden Sie Infos zur Spendenkampagne, zum Verein sowie Grußbotschaften zum Jubiläumsjahr.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-104136</guid><pubDate>Tue, 27 Feb 2024 12:50:43 +0100</pubDate><title>Der frühe Mensch als Ingenieur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-fruehe-mensch-als-ingenieur/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen untersucht in Südafrika, wie unsere Vorfahren mit Steinmaterialien für die Werkzeugherstellung umgingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Frühe Jäger und Sammler aus der Mittleren Steinzeit im südlichen Afrika wählten bereits vor mehr als 60.000 Jahren das jeweils geeignetste verfügbare Steinmaterial für Werkzeuge und Speerspitzen aus. Das hat eine Studie von Dr. Patrick Schmidt aus der Älteren Urgeschichte und Quartär­ökologie der Universität Tübingen an der Fundstelle Diepkloof Rock Shelter etwa 150 Kilometer nördlich von Kapstadt ergeben. Dabei kam ein eigens entwickeltes Modell zur Prüfung der Bruchfestigkeit verschiedener Gesteine zum Einsatz. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)</em> veröffentlicht.</p><p>Für den längsten Zeitraum der Menschheitsgeschichte waren Steine das wichtigste Ausgangsprodukt für Werkzeuge. „Daraus wurden durch sogenanntes Zuschlagen oder Steineschlagen Geräte wie Messer, Schaber und Kratzer hergestellt“, berichtet Patrick Schmidt. Der erste Schritt der Werkzeugherstellung in der Steinzeit, die vor rund 2,6 Millionen Jahren begann und je nach Region erst etwa 2000 v. Chr. endete, war das Sammeln spezifischer Steine. Gemeinsam mit einem Team aus den Geowissenschaften und dem Competence Center Archaeometry Baden-Wuerttemberg der Universität Tübingen sowie der Universität Aix-Marseille untersuchte Schmidt die Frage, wie die frühen Menschen ihr Rohmaterial auswählten.</p><h3>Modell zur Messung der Bruchfestigkeit</h3><p>Seine Studie führte das Forschungsteam an einer der wichtigsten Fundstellen der Mittleren Steinzeit durch, dem Diepkloof-Felsüberhang in der Provinz Westkap im südlichen Afrika. Sie ist für einige der frühesten Nachweise der Nutzung von Symbolen durch den Menschen bekannt: rund 60.000 Jahre alte mit Mustern verzierte Straußeneierschalen, die als Wasserbehälter dienten. „Wir haben untersucht, welche Gesteine für die dort gefundenen Werkzeuge und Pfeilspitzen eingesetzt wurden. Das waren zum Beispiel Quarzit, Silcrete und Hornfels“, sagt Schmidt. „Aus dem Umfeld haben wir Stücke aus dem gleichen Gestein besorgt und ihre mechanischen Eigenschaften analysiert.“ Dazu entwickelte das Forschungsteam ein physikalisches Modell, mit dem die relativ benötigte Kraft berechnet werden kann, um aus einem bestimmten Gestein Abschläge herzustellen oder es zu Bruch zu bringen. „Solche Messungen sind aus der Materialwissenschaft bekannt, die konnten wir als Standard übernehmen.“</p><p>„Unsere Vergleiche zeigen, dass die Jäger und Sammler von Diepkloof aus allen Gesteinsmaterialien, die ihnen zur Verfügung standen, die mit der besten Eigenschaftenkombination für ein bestimmtes Werkzeug auswählten“, fasst Schmidt die Ergebnisse zusammen. Als Beispiel nennt er die sogenannten Still Bay Points, beidseitig bearbeitete Spitzen, die dünn sind wie ein Blatt. Diese seien aus einem Steinmaterial gefertigt worden, das bei der Herstellung nur relativ geringen Kraftaufwand erfordert; wenn es aber als Speerspitze bei der Jagd genutzt werde, erst bei sehr großen Kräften breche. „Grund dafür sind die verschiedenen Volumina, in denen die Bruchphänomene stattfinden. Beim Herstellen erzeugt man Brüche in relativ kleinen Volumina nahe der Kante der Werkstücke. Beim Einschlag der fertigen Spitze verteilt sich die aufkommende Kraft im gesamten Volumen der Spitze.“</p><h3>Kenntnisse der Materialeigenschaften</h3><p>Die Studie zeige, dass die Menschen in der Mittleren Steinzeit in Afrika bereits verschiedene Materialeigenschaften kannten und bestimmte Gesteine dem Zweck entsprechend auswählten. „Solche Erkenntnisse helfen uns auch zu verstehen, welche Prozesse bei unseren Vorfahren auf dem Weg in die Moderne abliefen. Sie porträtieren die Menschen als Ingenieure, die ihre umfangreichen Kenntnisse über die verfügbaren Ressourcen gezielt einsetzten“, sagt der Wissenschaftler.</p><h3>Publikation:</h3><p>Patrick Schmidt, Ioannis Pappas, Guillaume Porraz, Christoph Berthold, Klaus G. Nickel: <span lang="en" dir="ltr">The driving force behind tool-stone selection in the African Middle Stone Age.</span><span lang="en" dir="ltr"><em>Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)</em></span>, <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.2318560121" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.2318560121</a><span lang="EN-US"></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-104076</guid><pubDate>Mon, 26 Feb 2024 12:37:18 +0100</pubDate><title>Föderalismus nicht der Grund für mangelnde Vergleichbarkeit von Schulnoten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/foederalismus-nicht-der-grund-fuer-mangelnde-vergleichbarkeit-von-schulnoten/</link><description>Studie der Universität Tübingen und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) untersucht Schulnoten - mangelnde Vergleichbarkeit nicht durch Unterschiede zwischen Bundesländern, sondern innerhalb von Bundesländern </description><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in Deutschland Schülerinnen und Schüler mit vergleichbaren Kompetenzen stark voneinander abweichende Schulnoten erhalten, können Unterschiede zwischen Bundesländern nur drei Prozent dieser Abweichung erklären. Unterschiede innerhalb einzelner Bundesländer sind dagegen viel wichtiger zur Erklärung ungleicher Benotung bei gleicher Kompetenz. Eine einheitliche nationale Bildungspolitik würde deshalb vermutlich kaum zu einer besseren Vergleichbarkeit von Schulnoten beitragen.&nbsp;</p><p>Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Tübingen und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in dem Fachjournal Zeitschrift für Erziehungswissenschaft veröffentlicht wurde.&nbsp;</p><p>Gründe für die ungleiche Benotung werden bereits seit langem wissenschaftlich diskutiert. „Unsere Studie erweitert diese Diskussionen, indem sie drei Ebenen des Bildungssystems untersucht: Unterschiede zwischen Bundesländern, Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer und Unterschiede innerhalb von Schulen“, sagt Juniorprofessor Nicolas Hübner, Erstautor der Studie.&nbsp;</p><p>Für ihre Analyse werteten die Bildungsforschenden die Daten von rund 55.000 Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe in Deutschland aus. Neben den Schulnoten nutzten sie dabei Prüfungsergebnisse aus den IQB-Bildungstrend-Studien der Jahre 2015 und 2018, die durch schriftliche standardisierte Tests gewonnen wurden und Kompetenzunterschiede von Schülerinnen und Schüler dokumentieren. Unter „Kompetenz“ werden in der Bildungsforschung dabei häufig Fähigkeiten und Fertigkeiten von Schülerinnen und Schülern verstanden, die notwendig sind, um beispielsweise Texte zu verstehen und mathematische Aufgaben zu lösen. Diese Ergebnisse aus standardisierten Tests verglichen sie mit den tatsächlichen Schulnoten und kamen zum Ergebnis, dass sich 21 Prozent der Unterschiede bei Schulnoten durch solche Kompetenzunterschiede erklären lassen.</p><p>Der größte Teil der übrigen Unterschiede in der Benotung aber, insgesamt 85 Prozent, lassen sich auf Unterschiede innerhalb von Schulen zurückführen. Hierbei könnte es sich beispielsweise um mündliche Leistungsunterschiede von Schülerinnen und Schülern handeln oder um andere individuelle Merkmale wie die Motivation oder Gewissenhaftigkeit. Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer (zum Beispiel durch unterschiedliche durchschnittliche Leistungsniveaus oder unterschiedliche Benotungspraxen) erklärten weitere zwölf Prozent. Unterschiede zwischen Bundesländern (zum Beispiel Unterschiede in rechtlichen Regelungen) leisteten schließlich mit drei Prozent den kleinsten Beitrag zur Erklärung der mangelnden Vergleichbarkeit von Schulnoten.&nbsp;</p><p>„In der öffentlichen Debatte wird das Thema der eingeschränkten Vergleichbarkeit von Schulnoten häufig ausschließlich vor dem Hintergrund struktureller Bundeslandunterschiede diskutiert“, erklärt Hübner. „Unsere Studie legt nahe, dass Unterschiede innerhalb von Schulen und zwischen Schulen innerhalb der Bundesländer deutlich relevanter zu sein scheinen.“ Eine Fokussierung auf Bundeslandunterschiede bei Diskussionen um die Vergleichbarkeit von Schulnoten laufe Gefahr, weitaus wichtigere Faktoren zu vernachlässigen.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Hübner, N., Jansen, M., Stanat, P., Bohl, T. &amp; Wagner, W. (2024). Alles eine Frage des Bundeslan-des? Eine mehrebenenanalytische Betrachtung der eingeschränkten Vergleichbarkeit von Schulno-ten. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. <a href="https://doi.org/10.1007/s11618-024-01216-9" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s11618-024-01216-9</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103962</guid><pubDate>Wed, 21 Feb 2024 20:00:00 +0100</pubDate><title>Frühester Fund eines komplexen Klebers in Europa</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehester-fund-eines-komplexen-klebers-in-europa/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen schreibt Sammlungsstücke aus dem französischen Le Moustier Neandertalern zu – Zeugnis höherer geistiger Fähigkeiten und der kulturellen Entwicklung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Frühe Menschen aus dem heutigen Frankreich nutzten bereits vor mehr als 40.000 Jahren einen Klebstoff aus mehreren Komponenten, um Steinwerkzeuge mit Griffen zu versehen. Sie stellten eine ausgeklügelte Mischung aus Ocker und Bitumen her, zwei Rohstoffen, die aus der weiteren Region beschafft werden mussten. Es handelt sich um den bisher frühesten Fund eines Mehrkomponentenklebers in Europa.</p><p>Das hat die Aufarbeitung von Stücken aus der Neandertalerfundstelle Le Moustier in der Dordogne unter der Leitung von Dr. Patrick Schmidt aus der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen und Dr. Ewa Dutkiewicz vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin ergeben. Die Entwicklung von Klebstoffen und deren Einsatz für die Herstellung von Werkzeugen gelten als einer der besten materiellen Belege für die kulturelle Evolution und die kognitiven Fähigkeiten früher Menschen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Science Advances </em></span>veröffentlicht.</p><h3>Im Museumsbestand wiederentdeckt</h3><p>Die Steinwerkzeuge aus Le Moustier werden in der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte aufbewahrt und waren bisher nicht näher untersucht worden. Der Schweizer Archäologe Otto Hauser hatte sie 1907 aus dem oberen Felsüberhang von Le Moustier geborgen, der während der mittelpaläolithischen Epoche des Moustérien vor 120.000 bis 40.000 Jahren von Neandertalern genutzt wurde. Bei einer internen Aufarbeitung des Sammlungsbestandes wurden sie wiederentdeckt und ihr wissenschaftlicher Wert erkannt. „Die Sammlungsstücke waren einzeln verpackt und seit den 1960er Jahren unberührt. Dadurch waren die anhaftenden Reste organischer Stoffe sehr gut erhalten“, berichtet Ewa Dutkiewicz.</p><h3>Reste von Ocker und Bitumen an Steinwerkzeugen</h3><p>Die Forscherinnen und Forscher entdeckten an mehreren Steinwerkzeugen, wie Abschlägen, Schabern und Klingen, Reste einer Mischung aus Ocker und Bitumen. Ocker ist ein natürlich vorkommendes farbiges Erdpigment. Das Kohlenwasserstoffgemisch Bitumen ist unter anderem Bestandteil von Asphalt, kann aus Erdöl hergestellt werden, kommt jedoch auch natürlicherweise im Boden vor. „Wir waren überrascht, dass der Ockeranteil bei mehr als 50 Prozent lag. Denn an der Luft getrocknetes Bitumen kann auch unverändert als Klebstoff genutzt werden und verliert durch Zugabe von solch großen Anteilen Ocker seine Klebeeigenschaften“, sagt Schmidt. Das habe er mit seinem Team in Zugversuchen und mit experimentell hergestelltem Vergleichsmaterial getestet.</p><p>„Anders war es, als wir flüssiges Bitumen einsetzten, das sich zum Kleben eigentlich gar nicht eignet. Fügt man 55 Prozent Ocker hinzu, erhält man eine formbare Masse“, sagt er. Die sei nur gerade so klebrig, dass ein Steinwerkzeug darin steckenbleibt, die Hände aber sauber bleiben – das Richtige also für einen Griff. „Eine mikroskopische Untersuchung der Gebrauchsspuren in Zusammenarbeit mit der New York University ergab, dass die Klebstoffe an den Geräten aus Le Moustier so verwendet worden sind“, berichten die Wissenschaftler.</p><h3>Gezieltes Vorgehen</h3><p>Die Nutzung von Klebern mit mehreren Komponenten, darunter verschiedene klebrige Substanzen wie Baumharze und auch Ocker, sei bisher vor allem von frühen modernen Menschen, dem <em>Homo sapiens</em>, in Afrika bekannt gewesen. „Solche technologischen Entwicklungen und das Verständnis für Materialeigenschaften wurden auch als erster Ausdruck umfassender kognitiver Prozesse der Menschen betrachtet, die unserer heutigen Denkweise bei industriellen Prozessen entsprechen“, so Schmidt.</p><p>In der Region von Le Moustier mussten Ocker und Bitumen aus weit voneinander entfernten Orten zusammengetragen werden, das bedeutet großen Aufwand, erfordert Planung und eine gezielte Vorgehensweise. „Wir gehen unter Einbeziehung des ganzen Fundzusammenhangs davon aus, dass das aufwendig produzierte Klebematerial von Neandertalern hergestellt wurde“, so Dutkiewicz. „Was unsere Studie zeigt ist, dass sich beim frühen Homo sapiens in Afrika und den Neandertalern in Europa ähnliche Denkmuster widerspiegeln“, sagt Schmidt. „Ihre verschiedenen Klebstofftechnologien haben die gleiche Bedeutung für unser Verständnis von der Menschwerdung.“</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Patrick Schmidt, Radu Iovita, Armelle Charrié-Duhaut, Gunther Möller, Abay Namen,&nbsp;<br> Ewa Dutkiewicz: <span lang="en" dir="ltr">Ochre-based compound adhesives at the Mousterian type-site document complex cognition and high investment</span>. <em>Science Advances</em>, <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adl0822" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1126/sciadv.adl0822</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103923</guid><pubDate>Tue, 20 Feb 2024 15:28:26 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen zeichnet innovative Wissenschaftskommunikation aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-zeichnet-innovative-wissenschaftskommunikation-aus/</link><description>Jury würdigt Forschende und Projekte aus den Bereichen Empirische Kulturwissenschaft und Künstliche Intelligenz, Osteuropäische Geschichte und Landeskunde sowie Geschichtliche Landeskunde 
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen zeichnet erneut innovative und erfolgreiche Wissenschaftskommunikation ihrer Forschenden aus. Der Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation 2024 geht zu gleichen Teilen an den Osteuropahistoriker <a href="https://uni-tuebingen.de/de/135598" target="_blank" class="internal-link">Professor Klaus Gestwa</a> für seine intensive Aufklärung über die Hintergründe des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie an die KI-Forscherin <a href="https://www.tml.cs.uni-tuebingen.de/team/luxburg/index.php" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Professorin Ulrike von Luxburg</a> und die beiden Empirischen Kulturwissenschaftler <a href="https://uni-tuebingen.de/de/182605" target="_blank" class="internal-link">Tim Schaffarczik</a> und <a href="https://uni-tuebingen.de/de/6216" target="_blank" class="internal-link">Professor Thomas Thiemeyer</a> stellvertretend für das Team der Ausstellung <span lang="en" dir="ltr">„<a href="https://uni-tuebingen.de/de/245983" target="_blank" class="internal-link">Cyber and the City</a>“</span> im Tübinger Stadtmuseum. Den diesjährigen Nachwuchspreis für Wissenschaftskommunikation erhält die Historikerin Claudia Lemmes.</p><p>Die Jury würdigte Gestwas unermüdlichen Einsatz bei der politischen und historischen Einordung des Ukrainekonflikts. Der Historiker habe sein umfangreiches Wissen über Geschichte, Gesellschaft und Politik Osteuropas in den vergangenen Jahren genutzt, um die deutsche Öffentlichkeit über die Ursachen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland aufzuklären und dabei weit verbreiteten Annahmen und Irrtümern entgegenzutreten. Dabei habe er Mut bewiesen und sei auch öffentlichem Streit und Anfeindungen nicht aus dem Weg gegangen. Mit seinen Interviews, Videos, Zeitschriftenbeiträgen und Vorträgen habe Gestwa ein Millionenpublikum erreicht und so zur Meinungsbildung in Deutschland über den Krieg gegen die Ukraine maßgeblich beigetragen.</p><p>Die Macherinnen und Macher der Ausstellung <span lang="en" dir="ltr">„Cyber an the City“ </span>würdigte die Jury für ihre innovative Herangehensweise an das Thema Künstliche Intelligenz. „Das Team um Ulrike von Luxburg, Tim Schaffarczik und Thomas Thiemeyer hat die seit Jahren anhaltende Diskussion um die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz im Allgemeinen und um den KI-Forschungsstandort Tübingen im Besonderen produktiv aufgegriffen, inhaltlich aufgearbeitet sowie die unterschiedlichen Aspekte von KI hervorragend dargestellt“, erklärte die Jury. Die Ausstellung, an deren Entstehen auch Master-Studierende aus der Empirischen Kulturwissenschaft und dem Maschinellen Lernen sowie Mitarbeitende des Tübinger Stadtmuseums beteiligt waren, sei ein gutes Beispiel für eine zeitgemäße Wissenschaftskommunikation, bei der die Beteiligten auf eine teils kritisch eingestellte Öffentlichkeit zugehen und ihre Kommunikation an den Grundsätzen der Partizipation und des Dialogs auf Augenhöhe ausrichten würden.</p><p>Den Nachwuchspreis 2024 erhält die Historikerin <a href="https://uni-tuebingen.de/de/178989" target="_blank" class="internal-link">Claudia Lemmes</a> für die Kommunikation über das <a href="https://uni-tuebingen.de/de/212011" target="_blank" class="internal-link">DFG-Projekt "Auswirkungen mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Stadtentwicklung auf Gewässer am Beispiel von Bad Waldsee"</a>. Die Jury würdigte das mehrjährige und intensive Engagement der Forscherin bei der Vermittlung von Methoden und Ergebnissen des interdisziplinären Forschungsprojekts an die Stadtgesellschaft von Bad Waldsee. An dem Projekt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichtswissenschaft, Geologie, Ökotoxikologie, Paläobotanik, Archäologie und weiteren Disziplinen beteiligt. Die Preisträgerin habe mit Vorträgen und Zeitungsinterviews sowie mit einem kontinuierlichen Dialog mit ortsansässigen Einrichtungen in Bad Waldsee (Landkreis Ravensburg) wie dem Museums- und Heimatverein, der Stadtverwaltung und dem Stadtarchiv dafür gesorgt, dass die Forschungsarbeiten auf breites Interesse in der Stadtgesellschaft stießen, so die Jury.</p><p>Der Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation ist Teil der Tübinger Exzellenzstrategie. Ziel ist es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermehrt zur Kommunikation über ihre Forschung zu motivieren. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro, der Nachwuchspreis mit 5.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung für das Jahr 2024 wird voraussichtlich im Mai in einer öffentlichen Feierstunde verliehen. Der genaue Termin wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.</p><p>Ergänzung/Zusatz vom 25.04.2024:<br> Die Auszeichnung wird am 15. Mai 2024 ab 17:00 Uhr im Pfleghofsaal des Musikwissenschaftlichen Instituts im Rahmen einer Feierstunde verliehen. Die Veranstaltung ist aus Kapazitätsgründen lediglich für geladene Gäste sowie akkreditierte Medienvertreterinnen und Medienvertreter zugänglich. Presseakkreditierungen können bis zum 13. Mai 2024 via E-Mail an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> beantragt werden.</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103803</guid><pubDate>Mon, 19 Feb 2024 10:00:00 +0100</pubDate><title>Historiker David Nirenberg erhält Leopold Lucas-Preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/historiker-david-nirenberg-erhaelt-leopold-lucas-preis/</link><description>Forschung zu Gewalt und friedvollem Miteinander der Religionen ‒ Nachwuchspreis für Theologen Jan Niklas Collet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät wird an den Historiker David Nirenberg verliehen. Die Fakultät der Universität Tübingen würdigt damit seine Forschungen zum Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam im Mittelalter und der Gegenwart. Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler geht in diesem Jahr an den katholischen Theologen Dr. Jan Niklas Collet.</p><p>Die feierliche Verleihung findet statt am Dienstag, 14. Mai 2024, um 17:15 Uhr im Festsaal der Universität Tübingen (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen). Medien sowie die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen. Der Preisträger David Nirenberg hält die Festrede zum Thema: „<span lang="en" dir="ltr">What theology and history can offer each other when thinking about Judaism, Christianity, and Islam.</span>“&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103776</guid><pubDate>Thu, 15 Feb 2024 11:17:11 +0100</pubDate><title>Wie das Schaumkraut Sprengkraft aufbaut</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-das-schaumkraut-sprengkraft-aufbaut/</link><description>Schotenfrüchte bewirken ihre eigene Explosion – Team der Universität Tübingen und des MPI für Pflanzenzüchtungsforschung entdeckt Mechanismus bei Pflanzen, der an einen Muskel erinnert.</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103467</guid><pubDate>Fri, 02 Feb 2024 10:12:50 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen verzeichnet großartigen Erfolg im Exzellenzwettbewerb</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verzeichnet-grossartigen-erfolg-im-exzellenzwettbewerb/</link><description>Sechs Clusterinitiativen zum Vollantrag aufgefordert – „Ort der Spitzenforschung national und international“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat die erste Etappe im aktuellen Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder mit einem großartigen Erfolg gemeistert. „Sechs unserer Initiativen für die Einrichtung neuer Exzellenzcluster sind heute zu einem so genannten Vollantrag aufgefordert worden“, sagte die glückliche Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann am Freitag: „Damit gehört Tübingen erneut zu den erfolgreichsten Universitäten Deutschlands und unterstreicht seine Stellung als Ort der Spitzenforschung national und international.“&nbsp;</p><p>Folgende Clusterinitiativen wurden zu einem Vollantrag aufgefordert:&nbsp;</p><p>Die paläoanthropologische Initiative <span lang="en" dir="ltr"><strong>HUMAN ORIGINS</strong></span> will biologische und kulturelle Perspektiven in die Untersuchung der Entwicklung des Menschen integrieren und so einen neuen konzeptionellen Rahmen für die Erforschung der menschlichen Ursprünge schaffen, der die bisher vorherrschende fragmentarische Untersuchung der fossilen und archäologischen Überlieferung ablösen soll.</p><p>In der Initiative <strong>TERRA</strong> geht es um Wechselwirkungen zwischen Stabilität und Diversität der Geo- und Biosphäre. Ziel ist zu verstehen, wie diese Wechselwirkungen in terrestrischen Systemen auf Umweltveränderungen reagieren und diese wiederum beeinflussen.</p><p>Die Initiative <span lang="en" dir="ltr"><strong>GreenRobust</strong></span> aus dem Bereich der Pflanzenbiologie wird pflanzliche Anpassungsreaktionen auf äußere Einflüsse untersuchen, um die Organisationsprinzipien pflanzlicher Robustheit (d.h. Aufrechterhaltung der Funktion trotz widriger Umstände) zu verstehen und daraus Erkenntnisse für die nachhaltige Bewirtschaftung pflanzlicher Öko- und Agrosysteme abzuleiten. Der Antrag ist ein gemeinsames Projekt der Universität Tübingen mit den Universitäten Heidelberg und Hohenheim.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-103356</guid><pubDate>Wed, 31 Jan 2024 11:49:19 +0100</pubDate><title>Der Röntgenhimmel offenbart sich der Welt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-roentgenhimmel-offenbart-sich-der-welt/</link><description>Die Datenveröffentlichung der ersten eROSITA-Himmelsdurchmusterung macht den bisher größten Katalog von hochenergetischen kosmischen Quellen allen zugänglich – Universität Tübingen an Konsortium beteiligt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das deutsche eROSITA-Konsortium, an dem das Institut für Astronomie und Astrophysik (IAAT) der Universität Tübingen beteiligt ist, hat heute die Daten seines Anteils an der ersten Himmelsdurchmusterung durch das abbildende Röntgenteleskop an Bord des Spektrum-RG (SRG)-Satelliten veröffentlicht. Der erste eROSITA-All-Sky-Survey-Katalog (eRASS1) ist mit rund 900.000 einzelnen Quellen die größte jemals veröffentlichte Sammlung an Röntgenquellen. Zusammen mit den Daten veröffentlichte das Konsortium heute eine Reihe von wissenschaftlichen Publikationen zu neuen Ergebnissen, die von Studien zur Bewohnbarkeit von Planeten bis zur Entdeckung der größten kosmischen Strukturen reichen. In den ersten sechs Monaten Beobachtungszeit hat eROSITA bereits mehr Quellen entdeckt, als in der 60-jährigen Geschichte der Röntgenastronomie bisher bekannt waren. Die Daten, die nun der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft zur Verfügung stehen, werden unser Wissen über das Universum bei hohen Energien revolutionieren.</p><p>Die eRASS1-Beobachtungen mit dem eROSITA-Teleskop wurden vom 12. Dezember 2019 bis zum 11. Juni 2020 durchgeführt. Im empfindlichsten Energiebereich der eROSITA-Detektoren (0,2-2 Kiloeletronenvolt, keV) entdeckte das Teleskop 170 Millionen Röntgenphotonen, für die die Kameras die ankommende Energie und Ankunftszeit genau messen können. Der Katalog wurde dann erstellt – nach sorgfältiger Verarbeitung und Kalibrierung –, indem Konzentrationen von Photonen am Himmel vor einem großflächigen, hellen und diffusen Hintergrund nachgewiesen wurden. Nach eRASS1 führte eROSITA die Durchmusterung des Himmels fort und erstellte etliche weitere vollständige Himmelsdurchmusterungen. Auch diese Daten werden in den kommenden Jahren der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht.</p><p>Der eRASS1-Katalog deckt die Hälfte des Röntgenhimmels ab und beinhaltet den Datenanteil des deutschen eROSITA-Konsortiums. Er umfasst mehr als 900.000 Quellen, von etwa 710.000 supermassereichen Schwarzen Löchern in fernen Galaxien (aktive galaktische Kerne) über 180.000 aktive Sterne in unserer eigenen Milchstraße bis hin zu 12.000 Galaxienhaufen und einer kleinen Anzahl anderer exotischer Quellen wie röntgenstrahlende Doppelsterne, Supernovaüberreste, Pulsare und andere Objekte. Das eROSITA-Teleskop hat somit in sechs Monaten mehr Quellen entdeckt als die großen Flaggschiff-Missionen XMM-Newton und Chandra in fast 25 Jahren.</p><p>Das IAAT ist eines der fünf zentralen Institute, die das Deutsche eROSITA-Konsortium bilden. „Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Durchmusterung, die von 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in zwölf Arbeitsgruppen erzielt und teilweise parallel zur Veröffentlichung der Daten publiziert wurden, sind von höchster Qualität, und helfen dabei, Licht ins Dunkel vieler Aspekte der Röntgenastrophysik zu bringen“, sagt Professor Andrea Santangelo, der Direktor des IAAT. Die Hochenergieastrophysik-(HEA)-Gruppe, die er leitet, hat zur Entwicklung der Mission beigetragen und beteiligt sich gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Weltraumastrophysik (SBA) unter der Leitung von Professorin Beate Stelzer an der nationalen Forschungsgruppe eRO-STEP (FOR2990). Die Forschungsgruppe konzentriert sich auf die Untersuchung von Endpunkten der Sternentwicklung. Dies umfasst einen weiten Bereich von Objekten, von Weißen Zwergen mit kleinen Begleitern, sogenannten kataklysmischen veränderlichen Sternen, bis hin zu Supernovaüberresten.</p><p>„Ein Rätsel der Supernovaüberreste ist deren Rolle bei der Beschleunigung von kosmischen Strahlen in unserer Milchstraße“, sagt Dr. Gerd Pühlhofer von der HEA-Gruppe. „eROSITA verbessert in einigen Fällen substanziell die Möglichkeit, Supernovaüberreste zu untersuchen. Einige von diesen senden Gammastrahlen aus und gelten dadurch als potenzielle Beschleuniger kosmischer Strahlen. Aus den neuen Messungen ergeben sich starke Synergien mit Studien, die mit anderen, bodengebundenen Observatorien durchgeführt werden, an denen unsere Gruppe ebenfalls beteiligt ist.“ Außer zu Supernovaüberresten können die Explosionen von Sternen am Ende ihrer Lebensdauer zur Bildung von Neutronensternen, Schwarzen Löchern oder Weißen Zwergen führen. Diese unterschiedlichen kompakten Objekte sind entscheidend für das Verständnis der Sternentwicklung. „Wir versuchen, mehr von diesen extremen Objekten zu finden, um ihre Herkunft und ihre Beziehung zu normalen Sternen besser zu verstehen. Das ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – wir erwarten nur einige Dutzend Neutronensterne und Schwarze Löcher unter Millionen von eROSITA-Quellen zu finden, und wir haben bereits einige gefunden“, sagt Dr. Victor Doroshenko aus der HEA-Gruppe und eROSTEP-Forschungsgruppe.</p><p>Die Gruppe von Professorin Stelzer untersucht neben kompakten Objekten auch sonnenähnliche Sterne sowie kleinere Objekte namens Braune Zwerge. „eROSITA ermöglicht es uns erstmals in der Geschichte, die Variabilität des Röntgenlichts der Sterne gleichzeitig mit Aufnahmen im sichtbaren Licht zu untersuchen“, sagt Beate Stelzer. „Wir entdecken außergewöhnliche Ausbrüche, die selten sind und nur identifiziert werden können, weil wir mit eROSITA so viele Sterne im Röntgenlicht sehen.“ Neben der Datenveröffentlichung sind heute mehrere wissenschaftliche Publikationen erschienen, bei denen Doktorandinnen und Doktoranden oder junge Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen jeweils die führenden Autorinnen und Autoren sind. Darunter ist auch die Publikation über stellare Helligkeitsausbrüche (siehe Abbildung 1).</p><p>Die erste eRASS-Datenveröffentlichung (DR1) umfasst nicht nur den Quellkatalog, sondern auch Bilder des Röntgenhimmels bei mehreren Photonenenergien und sogar Listen der einzelnen Photonen mit ihren Himmelspositionen, Energien und präzisen Ankunftszeiten. Die für die Analyse der eROSITA-Daten erforderliche Software ist ebenfalls in der Veröffentlichung enthalten. Für viele Quellenklassen wurden zusätzlich zu den Röntgeninformationen Messdaten aus anderen Wellenlängen in sogenannte Value-added-Kataloge aufgenommen.</p><p>„Das eROSITA-Konsortium leistet einen herausragenden Beitrag zur internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft sowohl in Bezug auf öffentlich zugängliche Daten als auch auf wissenschaftliche Ergebnisse", fügt Andrea Santangelo hinzu. „Wir sind zuversichtlich, dass der Rest der Welt das Beste aus dieser enormen Menge an Beobachtungsdaten machen wird.“</p><p class="align-right"><em>Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik und der Universität Tübingen</em></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102861</guid><pubDate>Mon, 22 Jan 2024 13:23:18 +0100</pubDate><title>Was menschliche Fossilien über Lebensgeschichten verraten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-menschliche-fossilien-ueber-lebensgeschichten-verraten/</link><description>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie für Anthropologin Paola Cerrito: Mit neuen Methoden liest sie aus Skelett und Zahnzement Lebensgeschichten von Individuen und erforscht, wie sich typische Lebensmuster der Menschheit entwickelten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in diesem Jahr an Dr. Paola Cerrito von der Universität Zürich. Die Wissenschaftlerin erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation “Histological and elemental markers of physiological stressors in hard tissues”. In dieser untersuchte sie, wie Ereignisse, die den Stoffwechsel beeinflussen wie Fortpflanzung, Wechseljahre und Veränderungen der Lebensgewohnheiten, dauerhaft im Skelett gespeichert werden. Dieses gilt als biologisches Archiv eines Menschenlebens. Übertragen auf fossile Menschenreste können so neue Einblicke in die Lebensgeschichten von Individuen und die Entwicklung menschlicher Besonderheiten gewonnen werden, wie beispielsweise ungewöhnlich kurze Geburtenabstände und eine verlängerte postreproduktive Lebensspanne.</p><p>Paola Cerrito (geboren 1990 in Italien) studierte Biologische Anthropologie an der Sapienza Universität Rom. Den gleichnamigen Masterstudiengang absolvierte sie an der Universität New York und wurde dort 2022 promoviert. Sie war Gastwissenschaftlerin an der Universität Genf, arbeitete als Postdoc an der ETH Zürich und seit August 2023 an der Universität Zürich. Ab Juli 2024 wird sie als Assistant Professor für Evolutionäre Anthropologie an der Duke Universität in Durham (USA) tätig sein. &nbsp;</p><p>Cerrito forscht an der Frage, wie sich bestimmte Lebensmuster in der Evolution des Homo Sapiens ausgebildet haben: In welchem Alter wurden Frauen zum ersten Mal schwanger, in welchem Abstand gebaren sie Kinder, wie lange lebten sie nach der Menopause, und wie veränderte sich dies im Lauf der Zeit? Die Entwicklung solcher lebensgeschichtlichen Variablen lässt sich traditionell schwer untersuchen: Knochen und andere mineralisierte Gewebe werden hauptsächlich bereits in Kindheit und Jugend gebildet, so dass kaum Spuren von Ereignissen im Erwachsenenalter erhalten bleiben.&nbsp;</p><p>Cerrito konzentrierte sich daher auf ein in dieser Beziehung wenig erforschtes Zahngewebe, den Wurzelzement, der die Zahnwurzel im Kiefer mitverankert. Das Besondere an diesem Zement ist, dass er sich während des gesamten Lebens des Individuums weiter in einer Art Jahrringen ablagert. Ausgehend von verbesserter histologischer Präparation und Bildgebungsverfahren untersuchte die Preisträgerin Proben von Menschen mit bekannter Lebens- und Krankengeschichte. Sie konnte zeigen, dass sich Ereignisse wie Geburten und Menopause im Zement feststellen und anhand der jährlichen Ablagerungen einem Lebensalter zuordnen lassen.&nbsp;</p><p>Mit Synchrotonstrahlung an der ELETTRA SYRMEP-Beamline belegte sie, dass solche „histologischen Marker“ unter Verwendung von virtueller Histologie nachweisbar sind. Da dabei die Zähne nicht zerstört werden müssen, können so auch seltene fossile Menschenreste untersucht werden. In einer Pilotstudie wandte sie diese Methoden erstmals an Neandertalerzähnen aus Krapina (Kroatien; ca. 130.000 Jahre alt) und Zähnen früher Ackerbauern aus dem heutigen Serbien an. Allerdings sind die histologischen Marker unspezifisch, es lässt sich nicht zwischen Anzeichen einer Schwangerschaft oder Anzeichen der Menopause unterscheiden.&nbsp;</p><p>Deshalb untersuchte Cerrito zusätzlich, welche chemische Signatur verschiedene lebensgeschichtliche Ereignisse am Skelett hinterlassen. Ziel der Forscherin ist es, sowohl die Evolution der typisch menschlichen Lebensgeschichte nachzuzeichnen sowie das Ineinandergreifen der dabei wirksamen Entwicklungsstränge zu verstehen, beispielsweise das Sozial- und Fortpflanzungsverhalten sowie die Notwendigkeit, vorhandene Nahrungsressourcen optimal auszuschöpfen.</p><p>Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 26. Mal vergeben.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102801</guid><pubDate>Fri, 19 Jan 2024 14:14:32 +0100</pubDate><title>Cholera-Erreger machtlos gegen eigenes Immunsystem</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cholera-erreger-machtlos-gegen-eigenes-immunsystem/</link><description>Molekulares Abwehrsystem schützt Bakterien vor Viren und macht sie gleichzeitig anfällig für Antibiotika</description><content:encoded><![CDATA[<p>Auch Bakterien haben ein eigenes Immunsystem, dass sie gegen spezielle Viren – sogenannte Bakteriophagen&nbsp;– schützt. Ein Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Würzburg zeigt nun, wie das Immunsystem die Wirkung von bestimmten Antibiotika gegen den Cholera-Erreger <em>Vibrio cholerae</em> verstärkt. Das Immunsystem ist der Grund, warum dieses Bakterium besonders empfindlich auf eine der ältesten bekannten Antibiotikaklassen&nbsp;– die Antifolate&nbsp;– reagiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Nature Microbiology</em></span> veröffentlicht.</p><p><em>Vibrio cholerae</em> ist weltweit für schwere Cholera-Ausbrüche verantwortlich und in vielen Entwicklungsländern endemisch. Das Immunsystem von <em>Vibrio cholerae</em> besteht aus mehreren molekularen Abwehrsystemen, die das Bakterium gegen Angriffe verschiedener Bakteriophagen schützen. Eines dieser Abwehrsysteme heißt CBASS (<span lang="en" dir="ltr">cyclic-oligonucleotide-based antiphage signaling system</span>). Wird das Bakterium von Bakteriophagen angegriffen, wird CBASS aktiviert. CBASS bringt das infizierte Bakterium dazu, sich selbst zu zerstören und verhindert so eine weitere Infektion der Bakterienpopulation. Das Forschungsteam von Professor Dr. Ana Brochado konnte zeigen, dass Antifolat-Antibiotika das Abwehrsystem CBASS auch in Abwesenheit von Bakteriophagen aktivieren. Das aktivierte CBASS verstärkte somit zusätzlich die Wirkung des Antibiotikums und führte zum Zelltod von <em>Vibrio cholerae</em>. „Wie bei einer Autoimmunerkrankung schadete die eigene Immunantwort dem Bakterium,“ sagt Dr. Susanne Brenzinger, die Erstautorin der Studie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102636</guid><pubDate>Tue, 16 Jan 2024 12:43:49 +0100</pubDate><title>Afrikas Chance auf grünen Strom</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/afrikas-chance-auf-gruenen-strom/</link><description>Abhängigkeit von Kohle und Gas könnte als erstes auf dem afrikanischen Kontinent überwunden werden – Studie untersucht Voraussetzungen für postfossiles Szenario</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bis ins Jahr 2040 könnten 80 Prozent der benötigten Energie in Afrika von Solar-, Wind- und Wasserkraft kommen – wenn die Leistung der vorhandenen Kraftwerke voll ausgeschöpft und alle derzeit geplanten Anlagen auch gebaut würden. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsame Studie der Universität Tübingen, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Universität Osnabrück und der University of Rwanda, die nun im Fachjournal<em> Nature Reviews Earth &amp; Environment </em>veröffentlicht wurde.&nbsp;</p><p>„Genug Sonne, Wind und Wasser sind auf dem Kontinent vorhanden. Viele afrikanische Länder könnten das fossile Zeitalter überspringen. Dazu müssten aber natürlich ein paar Weichen gestellt werden“, sagt Rebecca Peters, Doktorandin im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen und Hauptautorin der Studie. Unter der Leitung von Professorin Christiane Zarfl und Kooperationspartnern aus Deutschland und Rwanda hat sie alle vorhandenen Daten über Kraftwerke für erneuerbare Energien in Afrika in einer umfassenden Datenbank zusammengeführt und die einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema ausgewertet.&nbsp;</p><p>Stark gefallene Produktionskosten für Solar- und Windenergie machen den massiven Ausbau regenerativer Energien in Afrika möglich, obwohl der Energiebedarf auf dem Kontinent in den kommenden Dekaden massiv steigen wird: Zweidrittel der Bevölkerung hat aktuell noch gar keinen Zugang zu Elektrizität und das Bevölkerungswachstum von derzeit 2,6 Prozent südlich der Sahara ist höher als in anderen Weltgegenden.&nbsp;</p><p>Solar- und Windkraftwerke könnten dezentral und in lokalen Netzen ohne Anschluss an Überlandleitungen betrieben werden – darin liege ein enormer Vorteil regenerativer Energiequellen, so das Autorenteam. Ein großflächiger Ausbau des Stromnetzes auch in ländliche Regionen hinein ist laut der Auswertung teuer und nicht nötig. Weitere Potenziale für eine höhere Energieproduktion in Afrika liegen im störungsfreien Betrieb der vorhandenen Kraftwerke, in geringeren Energieverlusten bei Stromexporten und einer geeigneten Kombination verschiedener Energieformen zum Ausgleich von Schwankungen in der Solar- und Windenergie-Produktion.&nbsp;</p><p>„Den ungebremsten Ausbau der Wasserkraft sehen wir dagegen skeptisch“, erklärt Professor Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Gewässerökologe und Mitautor der Studie und fährt fort: „Obwohl Afrika der Kontinent mit den weltweit noch am wenigsten ausgeschöpften Reserven für diese Energieform ist und derzeit die Wasserkraft bereits einen Anteil von 63 Prozent an der Produktion erneuerbarer Energie ausmacht, würde ein massiver Ausbau von Staudämmen und -seen die derzeit noch frei fließenden Flüsse unwiederbringlich verändern und zugleich viele Anwohnerinnen und Anwohner zur Umsiedelung zwingen.“</p><p>Das nachhaltige Elektrizitätsszenario für einen universellen Zugang zu erneuerbarer Elektrizität in Afrika setzt voraus, dass Länder mit starker Abhängigkeit von Kohle wie Südafrika oder von Gas wie Algerien, Tunesien oder Libyen auf den weiteren Ausbau von Kohle- und Gaskraftwerke verzichten und ebenfalls einen Übergang zu sauberer Energiegewinnung vollziehen. „Der Strukturwandel ist nur durch eine Verdoppelung der derzeitigen Investitionen bis 2030 möglich und durch zusätzliche Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Dollar jährlich, um Zugang zur Elektrizitätsversorgung für alle zu gewährleisten“, sagte Dr. Jürgen Berlekamp vom Forschungszentrum Institut für Umweltsystemforschung von der Universität Osnabrück. Investitionen aus dem Ausland seien dafür notwendig. Seit den Nullerjahren spiele neben den USA und europäischen Ländern dabei zunehmend China eine entscheidende Rolle.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation:&nbsp;</h3><p>Rebecca Peters, Jürgen Berlekamp, Charles Kabiri, Beth A. Kaplin, Klement Tockner, Christiane Zarfl: Sustainable pathways towards universal renewable electricity access in Africa, <em>Nature Reviews Earth &amp; Environment</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s43017-023-00501-1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s43017-023-00501-1</a>&nbsp;</p><h3>Interaktive Karte mit Kraftwerken für erneuerbare Elektrizität in Afrika:&nbsp;</h3><p><a href="https://www.repp.geo.uni-tuebingen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.repp.geo.uni-tuebingen.de/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102170</guid><pubDate>Fri, 05 Jan 2024 15:38:36 +0100</pubDate><title>Christian O. Erbe wird Ehrensenator der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/christian-o-erbe-wird-ehrensenator-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Unternehmer engagiert sich seit vielen Jahren als Förderer der Wissenschaft und an der Universität.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Christian O. Erbe, Geschäftsführer der Erbe Elektromedizin GmbH, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen sowie Präsident des Baden-Württembergischen IHK-Tags und Vorstandsmitglied des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Sie würdigt damit das langjährige Engagement des Unternehmers für die Wissenschaft und speziell die Tübinger Universität, der er eng verbunden ist. Unter anderem leitet Erbe seit 2018 als Vorsitzender den Universitätsbund e.V. und engagiert sich für die Medizinische Fakultät und die Lehrkraftbildung.</p><p>„Christian O. Erbe ist seit vielen Jahren ein wichtiger Begleiter und Ratgeber der Universität, gerade in dem wichtigen Bereich Transfer und regionale Zusammenarbeit. Sein großartiges Engagement und seine kontinuierliche Förderung von Forschung und Lehre sind außergewöhnlich. Sie verdienen unsere größte Anerkennung“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Wir freuen uns, ihn künftig auch als Ehrensenator an unserer Seite zu wissen.“</p><p>Christian O. Erbe wurde in Tübingen geboren, studierte in Karlsruhe und Berlin und begann 1992 seine Tätigkeit für die Erbe Elektromedizin GmbH. Seit 2003 trägt er die Gesamtverantwortung für die Unternehmensgruppe. Er engagiert sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich und als Förderer von Forschung, Gesellschaft und Wirtschaft. So ist er seit 2010 bereits in dritter Amtszeit Präsident der Industrie- und Handelskammer Reutlingen und seit 2022 auch Präsident des Baden-Württembergischen IHK-Tages.</p><p>An der Universität Tübingen engagiert er sich unter anderem für den Studiengang Medizintechnik und im Advisory Board der Tübingen School of Education. Auch beim Tübinger Erbe-Lauf bestand eine jahrelange enge Kooperation zwischen der Erbe Elektromedizin GmbH als Hauptsponsorin und dem Institut für Sportwissenschaft.</p><p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Persönlichkeiten, die sich um Wissenschaft, Forschung, Kunst, Kultur und gesellschaftliche Verständigung verdient gemacht haben. Sie würdigt damit auch ein besonderes Engagement für die Universität.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102158</guid><pubDate>Fri, 05 Jan 2024 11:13:33 +0100</pubDate><title>Wie Erinnerungen entstehen: eine weitere Rolle für den inneren Kompass</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-erinnerungen-entstehen-eine-weitere-rolle-fuer-den-inneren-kompass/</link><description>Neurowissenschaftliches Team der Universität Tübingen entdeckt eine bisher unbekannte Funktion der Kopfrichtungszellen – Neue Hinweise auf Mechanismen der Gedächtnisbildung.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Kopfrichtungszellen im Gehirn werden seit ihrer Entdeckung in den 1990er Jahren als innerer Kompass bezeichnet. Sie werden jeweils spezifisch aktiviert werden, wenn der Kopf eines Tieres oder Menschen in eine bestimmte Richtung zeigt. Dadurch entsteht im Gehirn ein inneres Abbild der Kopfrichtung. Nun hat ein neurowissenschaftliches Team der Universität Tübingen entdeckt, dass die Funktion der Kopfrichtungszellen der Maus weit darüber hinaus geht. Möglicherweise bilden sie im Gehirn einen wichtigen Eingang für Sinnes- und Gefühlsinformationen, die in die Bildung von Erinnerungen an Erlebtes eingehen, in das sogenannte episodische Gedächtnis. Das Forschungsteam unter der Leitung von Professor Andrea Burgalossi vom Institut für Neurobiologie und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) veröffentlichte seine Studie im Fachjournal <em>Nature Neuroscience.</em></p><p>In der äußeren Erlebniswelt des Menschen tragen die Sinne gemeinsam zur Bildung von Erinnerungen bei. Der visuelle Reiz einer malerischen Landschaft, der Widerhall eines Lachens, die Wärme einer Umarmung – all diese Sinneseindrücke werden in einer Gehirnregion zusammengeführt, dem Hippocampus. Dieser Verarbeitungsprozess ist entscheidend, um flüchtige Sinneswahrnehmungen in dauerhafte Erinnerungen zu ver-wandeln. „Der Hippocampus arbeitet wie eine Art neuraler Kurator, der die Informationen integriert“, sagt Burgalossi. „Während des Erlebens wird im Hippocampus eine sogenannte Erinnerungsspur für eine Episode unseres Lebens angelegt.“</p><h2>Frühere Annahmen in Frage gestellt</h2><p>Um genauer zu verstehen, über welche Wege Sinnesinformationen in den Hippocampus gelangen, setzte das Forschungsteam an einer seiner Haupteingangsstrukturen im Gehirn an, dem vorderen Thalamus. „Wir wissen seit Jahrzehnten, dass dieser Bereich entscheidend ist für das episodische Gedächtnis. Patienten, die Schädigungen in dieser Hirnregion aufweisen, leiden unter Erinnerungsverlusten“, sagt Dr. Patricia Preston-Ferrer, eine der Studienautorinnen . Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals in den 1990er Jahren die Aktivitäten der Nervenzellen im vorderen Thalamus von Nagetieren aufzeichneten, entdeckten sie die dort angesiedelten Kopfrichtungszellen. „Bisher war man davon ausgegangen, dass diese ausschließlich das innere Abbild der Kopfbewegungsrichtung des Tieres in der Umgebung kodieren“, sagt Preston-Ferrer. „Doch nun zeigen unsere neuesten Experimente, dass diese Vorstellung nur ein unvollständiges Bild ergibt.“</p><p>Als das Tübinger Forschungsteam die elektrische Aktivität im Mäusegehirn aufzeichnete, stellte es fest, dass die Kopfrichtungszellen im Thalamus aktiv wurden, wenn sie die Maus Sinnesreizen aus-setzten. „Sowohl beim Vorspielen eines Tons als auch beim Berühren eines Tasthaares an der Schnauze der Maus wurden gezielt und zuverlässig und mit bemerkenswert kurzer Verzögerung nur die Kopfrichtungszellen aktiviert“, sagt der CIN-Forscher und Mitautor der Studie Giuseppe Balsamo. „Wir waren überrascht, da man jahrzehntelang annahm, dass die Hirnregion im vorderen Thalamus auf Sinnesreize kaum reagiert.“</p><h2>Szenario verbindet inneren Kompass und episodisches Gedächtnis</h2><p>Außerdem ergaben die Experimente, dass im vorderen Thalamus nur die Kopfrichtungszellen auf Sinnesreize antworteten, andere Nervenzellen jedoch nicht. „Daher wissen wir, dass die Kopfrich-tungszellen eine besondere Funktion haben müssen“, sagt der CIN-Forscher und Mitautor der Stu-die Dr. Eduardo Blanco-Hernandez. „Ihre Aufgabe muss über die Funktion als innerer Kompass hin-ausgehen.“ Auf eine zunehmende Erregung der Maus oder auf soziale Kontakte wie dem Zusam-mentreffen mit einem Artgenossen reagierten die Kopfrichtungszellen mit gesteigerter Aktivität. „Es ist bekannt, dass große Aufmerksamkeit und Gefühle einen großen Einfluss auf die Entstehung von Erinnerungen und deren Qualität haben. In solchen Situationen erinnern wir uns viel lebhafter als in einem unbeteiligten, passiven Zustand“, sagt Blanco-Hernandez.</p><p>Insgesamt weisen die neuen Ergebnisse darauf hin, dass die Kopfrichtungszellen im Thalamus einen entscheidenden Beitrag zur Aufnahme und Weiterleitungvon Sinnesinformationen, Aufmerksamkeits- und Erregungszuständen in das System des episodischen Gedächtnisses bilden könnten. „Um zu verstehen, wie eine Erinnerungsspur gelegt wird, müssen wir die Wege und beteiligten Nervenzellen kennen, die Basisinformationen in den Hippocampus weitergeben“, sagt Burgalossi. „Wir gehen nun davon aus, dass der innere Kompass einen Hauptknoten in diesem Prozess darstellt.“ Ob dieser Knoten beeinflusst werden könnte, etwa auch zu therapeutischen Zwecken, um Erinnerungen besser bilden und abrufen zu können, müsse weiter untersucht werden.</p><h2>Publikation:</h2><p>Eduardo Blanco-Hernández, Giuseppe Balsamo, Patricia Preston-Ferrer and Andrea Burgalossi: Sensory and behavioral modulation of thalamic head-direction cells. <em>Nature Neuroscience</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41593-023-01506-1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41593-023-01506-1</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102107</guid><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 14:45:00 +0100</pubDate><title>Neue Leitung für die Universitätsbibliothek</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-leitung-fuer-die-universitaetsbibliothek/</link><description>Regine Tobias aus Karlsruhe folgt Direktorin Marianne Dörr nach</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübinger Universitätsbibliothek bekommt eine neue Direktorin: Ab 15. Januar 2024 führt Regine Tobias, die bisher am KIT Karlsruhe tätig war, die zentrale Einrichtung. Sie folgt Dr. Marianne Dörr nach, die nach 15 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird.</p><p>2008 hatte Marianne Dörr das Amt als Tübinger Bibliotheksdirektorin angetreten, als erste Frau in dieser Funktion. „In ihrer Amtszeit hat sie die Universitätsbibliothek mit einzigartigem Engagement neu ausgerichtet und zu einem modernen, auch digitalen Dienstleistungszentrum für Wissenschaft und Studierende entwickelt“, sagte Rektorin Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.</p><p>So war Dörr maßgeblich am Aufbau von Strukturen für das Forschungsdatenmanagement beteiligt: Heute bildet die UB gemeinsam mit dem Zentrum für Datenverarbeitung, dem <span lang="en" dir="ltr">Digital Humanities Center</span> und dem Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen organisatorisch das „Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKM)“ der Universität. Zu den Neuerungen unter ihrer Leitung gehörten die Einrichtung einer Stabsstelle für Urheberrecht sowie einer Beratungsstelle zu <span lang="en" dir="ltr">Open Access</span>. Prof. Dr. Peter Grathwohl, Prorektor für Forschung und IKM-Vorsitzender, erklärt: „Ich habe stets ihre Innovationsfreudigkeit und Zielstrebigkeit geschätzt, und auch ihren Humor. Für die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit möchte ich mich herzlich bedanken.“</p><p>Nachfolgerin Regine Tobias bringt 25 Jahre Erfahrung im Wissenschaftsmanagement von Forschungseinrichtungen sowie mit digitalen Forschungs- und Lehrservices wissenschaftlicher Bibliotheken mit. Geboren in Schwäbisch Gmünd, studierte sie von 1988 bis 1995 an der Universität Tübingen Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Südamerika und absolvierte ein Referendariat an der Universität Marburg mit dem Abschluss „Staatsprüfung für den Höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken“.</p><p>1998 begann ihre Laufbahn an der renommierten Internet-Bibliothek der Universität Karlsruhe, seit der Gründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) 2010 leitete sie dort die Abteilung Publikations- und Mediendienste. Sie war unter anderem <span lang="en" dir="ltr">Open-Access</span>-Beauftragte des KIT und Mitbegründerin der <span lang="en" dir="ltr">European Association of University Presses</span> (AEUP). In Arbeitsgruppen der Helmholtz-Gemeinschaft und der TU9 – <span lang="en" dir="ltr">German Institutes of Technology</span> e. V vertrat sie das KIT zu den Themen digitale Transformation und <span lang="en" dir="ltr">Open Science</span>, eine Wissenschaftspraxis, bei der alle Schritte eines Forschungsprozesses möglichst frei zugänglich sind. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist das digitale Informationsmanagement von Wissenschaftseinrichtungen. Sie ist langjährige Sprecherin der nationalen Arbeitsgruppe „Forschungsinformationen und Systeme“ der Deutschen Initiative für Netzwerkinformationen.</p><p>„Regine Tobias bringt einen reichen Erfahrungsschatz mit, gerade was die digitalen Herausforderungen betrifft, vor denen Bibliotheken heute stehen“, sagte Rektorin Karla Pollmann. „Wir freuen uns, dass wir sie als Direktorin für diese wichtige zentrale Einrichtung gewinnen konnten – die Universitätsbibliothek ist das Herzstück der Universität und ihr Service unverzichtbar für Forschung und Lehre.“</p><p>Die Überführung der Bibliotheken in die digitale Zeit sieht Regine Tobias auch für die kommenden Jahre als größte Aufgabe. „Die Dynamik der Digitalisierung verändert das wissenschaftliche Arbeiten und damit auch die Angebote einer Bibliothek. Zudem erfordert der Blickwinkel ‚O<span lang="en" dir="ltr">pen Science</span>‘ neue Konzepte und Organisationsformen für Bibliotheken. Ich freue mich darauf, dies künftig für die Universität Tübingen umzusetzen“, sagte sie. „Wir wollen exzellente Services erbringen und dabei nicht vergessen, was wir in der UB bewahren und zugänglich machen: einen großen kulturellen Schatz.“</p><p>Als UB-Direktorin wird Tobias ein Team von rund 200 Beschäftigten leiten, die in der zentralen Bibliothek sowie in 35 Fachbibliotheken tätig sind. Neben der Literatur- und Informationsversorgung der Universität ist die Bibliothek schwerpunktmäßig für Betreuungs- und Publikationsangebote im Kontext der <span lang="en" dir="ltr">Open-Access</span>-Transformation verantwortlich, unter anderem mit den hauseigenen <span lang="en" dir="ltr">Open-Access-</span>Verlagen „Tübingen <span lang="en" dir="ltr">University Press</span> (TUP)“ und „Tübingen <span lang="en" dir="ltr">Library Publishing</span>“. Zu ihren Aufgaben gehören die Gestaltung von Lernräumen für Studierende ebenso wie – zusammen mit dem Universitätsarchiv –, die digitale und analoge Vermittlung des wertvollen Bestands an Handschriften, Inkunabeln, historischen Drucken und Urkunden, darunter die Gründungsdokumente der Universität.</p><p>Drei weltweit bekannte Fachinformationsdienste – Theologie, Religionswissenschaft, Kriminologie – werden in Tübingen betrieben. Sie gelten international als die Hauptdatenbanken und -sammlungen der jeweiligen Disziplin und sind zentrale Anlaufstellen für digitale Informationsservices eines Faches. Die wachsende digitale Infrastruktur der UB ermöglicht zudem einen Zugriff auf Forschungsdaten weltweit sowie auf digitale Lehr- und Lernmaterialien.</p><p><a href="/einrichtungen/universitaetsbibliothek/" class="internal-link">Website der UB</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-102029</guid><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 11:00:08 +0100</pubDate><title>Wer gute Noten schreibt, ist in der Regel auch beliebt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wer-gute-noten-schreibt-ist-in-der-regel-auch-beliebt/</link><description>Studie der Universität Tübingen zeigt, dass – entgegen vielen Klischees – leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gut in ihren Klassen integriert sind</description><content:encoded><![CDATA[<p>Stereotype über unbeliebte Streberinnen und Streber halten sich hartnäckig – nicht zuletzt aufgrund einer häufig klischeehaften Darstellung in den Medien. Ein Forschungsteam vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin hat nun anhand von Daten einer großangelegten Studie untersucht, wie es tatsächlich um die soziale Integration von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern steht. Dr. Claudia Neuendorf, die inzwischen an der Universität Potsdam forscht, leitete das Projekt.</p><p>Das Ergebnis: Jugendliche, die gute Schulleistungen erbringen, sind in der Regel auch besser in ihre Klassen integriert als solche, die schlechter abschneiden. Außerdem werden leistungsstarke Schülerinnen und Schüler wesentlich häufiger um Hilfe gebeten als leistungsschwächere. Am deutlichsten ausgeprägt ist dies bei jenen Jungen und Mädchen, die in mehreren Fächern leistungsstark sind. Diese Erkenntnisse widersprechen dem weitverbreiteten Klischee, wonach Heranwachsende mit guten schulischen Leistungen vermehrt Hänseleien ausgesetzt und eher Einzelgängerinnen und Einzelgänger sind.</p><p>Für ihre Studie untersuchten Neuendorf und ihr Team die Daten aus dem IQB-Bildungstrend von etwa 45.000 Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe in Deutschland. Ziel war es, einen Zusammenhang zwischen schulischer Leistung und mehreren Facetten der sozialen Integration, wie Freundschaft, Akzeptanz, Kontakt und subjektive Integration, herzustellen.</p><p>Für die ersten drei Facetten wurden die Schülerinnen und Schüler konkret gefragt, wer ihre Freunde in der Klasse sind. Aus den Antworten konnten dann soziometrische Maße berechnet werden, zum Beispiel wie beliebt jemand ist, von wie vielen er oder sie um Hilfe gefragt wird, wer eher abgelehnt wird („Neben wem möchtest du nicht sitzen?“) und wieviele reziproke Freundschaften jemand hat. Die subjektive Integration wurde über psychometrische Maße festgestellt, das heißt, die Schülerinnen und Schüler wurden gefragt, wie gut integriert sie sich selbst fühlen.</p><p>Dabei interessierte die Bildungsforschenden auch, wie die Situation bei Jungen und Mädchen ist, die gute Leistungen in Fächern erbringen, die dem jeweils anderen Geschlechterstereotyp zugeordnet werden. Sie gelangten zu der Erkenntnis, dass auch Jungen, die leistungsstark in Sprachen und Biologie sind, und Mädchen, die gut in Mathematik und Physik sind, eine gute soziale Integration aufweisen.</p><p>„Die Botschaft unserer Studie lautet, dass viele leistungsstarke Kinder sehr gut sozial integriert sind, unabhängig davon, ob ihre Leistungen vermeintlich genderkonform oder non-konform sind“, sagt Neuendorf. „Diese Erkenntnis ist hoffentlich ein weiterer Baustein, um Ängste und Vorurteile in der Hinsicht abzubauen.“ Die Bildungsforscherin betont, dass Stereotype aller Art in allen Bereichen der Gesellschaft aufgelöst werden müssen, damit Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrem Geschlecht ihr Potenzial entfalten können. Damit dies gelingt, sollten sich Lehrkräfte, Eltern, Medienschaffende, aber auch die Wissenschaft dafür einsetzen, dass Stereotype sich nicht verfestigen.</p><p><strong>Publikation:</strong><br> Neuendorf, C. &amp; Jansen. M. (2023). <span lang="en" dir="ltr">Comparing different facets of the social integration of high-achieving students in their classroom: No gender stereotyping, but some non-linear relationships. Journal of Educational Psychology, 115(4), 609-623.&nbsp;</span><a href="https://dx.doi.org/10.1037/edu0000778" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1037/edu0000778</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101858</guid><pubDate>Mon, 18 Dec 2023 12:00:00 +0100</pubDate><title>Forschende entdecken neuartigen antibiotischen Wirkstoff in menschlicher Nase</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschende-entdecken-neuartigen-antibiotischen-wirkstoff-in-menschlicher-nase/</link><description>An der Universität Tübingen wurde erstmals der Wirkstoff Epifadin isoliert - Epifadin wird von bestimmten Bakterien in der Nase und auf der Haut des Menschen produziert, ist antibiotisch wirksam und der erste Vertreter einer bisher unbekannten Wirkstoffklasse.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende der Universität Tübingen haben einen neuartigen antibiotischen Wirkstoff in der menschlichen Nase entdeckt, der gegen krankheitserregende Bakterien eingesetzt werden könnte. Produziert wird das Molekül mit dem Namen Epifadin von bestimmten Bakterienstämmen der Art <em>Staphylococcus epidermidis</em>, die auf der Schleimhaut der Naseninnenwand vorkommen. Daneben konnten Epifadin-produzierende Stämme aber auch von der Hautoberfläche isoliert werden. Epifadin begründet eine neue, bisher unbekannte Mikroorganismen-abtötende Wirkstoffklasse, die als Leitstruktur zur Entwicklung von neuartigen Antibiotika genutzt werden könnte.</p><p>Die Nase, Haut oder der Darm des Menschen werden sowohl von gutartigen als auch von krankheitserregenden Bakterien besiedelt. Gemeinsam leben diese Mikroorganismen in sogenannten Mikrobiomen. Ist das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, können sich Krankheitserreger vermehren und wir werden krank. Das Bakterium <em>Staphylococcus epidermidis</em> kommt natürlicherweise im Haut- und im Nasenmikrobiom fast aller Menschen vor. Der neu identifizierte Stamm produziert den Wirkstoff Epifadin vermutlich, um sich gegen konkurrierende Mikroorganismen durchzusetzen. Epifadin wirkt nicht nur gegen diejenigen Bakterien, die sich in lokaler Konkurrenz mit <em>Staphylococcus epidermidis</em> befinden. Auch gegen Bakterien aus anderen Lebensräumen wie dem Darm sowie gegen bestimmte Pilze ist Epifadin wirksam. Eine besonders gute Wirksamkeit wurde gegen den potenziellen Krankheitserreger <em>Staphylococcus aureus</em> festgestellt, der auch als Krankenhauskeim bekannt ist, und besonders gefährlich ist, wenn er als antibiotikaresistente Form (MRSA) vorkommt.</p><p>Bereits 2016 entdeckten dieselben Arbeitsgruppen von Dr. Bernhard Krismer und Prof. Dr. Andreas Peschel gemeinsam mit den Professorinnen Stephanie Grond und Heike Brötz-Oesterhelt an der Universität Tübingen einen unbekannten antibiotischen Wirkstoff mit einzigartiger Struktur – das sogenannte Lugdunin. Epifadin ist nun also die zweite Entdeckung dieser Art von diesen Arbeitsgruppen, die im menschlichen Mikrobiom gemacht wurde.</p><p>Im Experiment tötet der Wirkstoff Epifadin den Erreger <em>Staphylococcus aureus</em> sehr zuverlässig ab. Der Wirkstoff schädigt dabei die Zellmembran feindlicher Bakterienzellen, wodurch diese zerstört werden. &nbsp;Die chemische Struktur von Epifadin ist höchst instabil und der Wirkstoff ist nur wenige Stunden aktiv. Dadurch wirkt Epifadin vor allem lokal und Kollateralschäden des Mikrobioms, wie bei heutigen Behandlungen mit Breitbandantibiotika, sind unwahrscheinlicher. Ob Epifadin oder seine Derivate für eine Therapie nutzbar sind, wird erst die zukünftige Forschung zeigen. Es wäre beispielsweise denkbar, Epifadin-produzierende <em>Staphylococcus epidermidis</em> in der Nasenschleimhaut und an anderen Stellen auf unserer Haut gezielt anzusiedeln und somit das Wachstum von Krankheitserregern wie <em>Staphylococcus aureus</em> zu unterdrücken. So könnte bakteriellen Infektionen vorgebeugt werden – mit natürlichen Mitteln, über die unser Körper bereits verfügt.</p><p>Forschende des Exzellenzclusters „Controlling Microbes to Fight Infections“ CMFI der Universität Tübingen kamen dem Wirkstoff und seiner Struktur vor zehn Jahren auf die Spur, als sie den produzierenden Stamm erstmals isolieren konnten. Komplexe Naturstoffe wie Epifadin werden von Mikroorganismen mithilfe von Enzymen aus Einzelbausteinen gebildet – „Biosynthese“ genannt. Erste Versuche diese Biosynthese nachzuvollziehen, hatten schon früh auf ein völlig neuartiges Molekül hingedeutet. Erst nach mehreren Jahren der engen Zusammenarbeit mit der chemischen Analytik und Synthese der Organischen Chemie an der Universität Tübingen, gelang ihnen die Anreicherung und Lagerung des Wirkstoffs auf eine Weise, die eine vollständige Isolierung der Reinsubstanz ermöglichte.</p><p>Studienleiter Bernhard Krismer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin (IMIT) erinnert sich: „Die Daten aus dem Labor waren sehr interessant, aber wegen der Instabilität schwer zu interpretieren. Ich war der Meinung, dass es sich trotz der Schwierigkeiten lohnt, weiter daran zu forschen. Hartnäckigkeit und eine hohe Frustrationstoleranz haben hier schließlich zum Erfolg geführt“.</p><p>Andreas Peschel, Professor für Mikrobiologie an der Universität Tübingen und Sprecher des Exzellenzclusters CMFI, ergänzt: „Seit Jahrzehnten stagniert die Entwicklung neuer Antibiotika. Wir brauchen sie aber mehr denn je, denn wir verzeichnen weltweit einen rasanten Anstieg an multiresistenten Keimen über die letzten Jahre. Diese Infektionen sind schwer in den Griff zu bekommen und unsere Reserveantibiotika wirken nicht mehr so gut. Wir brauchen dringend neue Wirkstoffe und Behandlungsmethoden“.</p><p>In Folgestudien wird es darum gehen, aus der Struktur des Wirkstoffs Rückschlüsse auf seine Wirkung zu ziehen. Auch hier erschwert die kurze Haltbarkeit von Epifadin eine umfassende chemische und biologische Analyse. Daher sollen im Labor zunächst mittels chemischer Synthese künstlich Moleküle mit einer ähnlichen Struktur und antimikrobieller Wirkung wie Epifadin hergestellt werden, die stabiler sind und mit denen sich besser arbeiten lässt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Benjamin O. Torres Salazar, Taulant Dema, Nadine A. Schilling, Daniela Janek, Jan Bornikoel, Anne Berscheid, Ahmed M. A. Elsherbini, Sophia Krauss, Simon J. Jaag, Michael Lämmerhofer, Min Li, Norah Alqahtani, Malcolm J. Horsburgh, Tilmann Weber, José Manuel Beltrán-Beleña, Heike Brötz-Oesterhelt, Stephanie Grond, Bernhard Krismer &amp; Andreas Peschel. (2023) <span lang="en" dir="ltr">Commensal production of a broad spectrum and short-lived antimicrobial peptide polyene eliminates nasal <em>Staphylococcus aureus. Nature Microbiology. </em></span><a href="https://doi.org/10.1038/s41564-023-01544-2" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41564-023-01544-2</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101744</guid><pubDate>Thu, 14 Dec 2023 10:46:04 +0100</pubDate><title>„Die Sicherheit Israels ist unsere Verpflichtung. Deutschland weiß das.”	</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-sicherheit-israels-ist-unsere-verpflichtung-deutschland-weiss-das/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zeichnet Robert Habeck für die ‚Rede des Jahres‘ 2023 aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Seminars für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen verleiht Dr. Robert Habeck die Auszeichnung ‚Rede des Jahres 2023‘ für seine Video-Ansprache zu <em>Israel und Antisemitismus </em>am 1. November 2023. Sie ist ein Musterbeispiel für eine engagierte und bedeutsame politische Rede. Mit Verve und hoher Emotionalität verteidigt Habeck das Existenzrecht Israels und legt damit ein eindringliches Votum für die besondere Verantwortung Deutschlands ab.</p><p>Der 7. Oktober stellte nicht nur für Israel, sondern auch für Deutschland eine gravierende Zäsur dar. An diesem Tag griff die palästinensische Terrororganisation Hamas Israel an. In Deutschland gab es zuletzt Anschläge auf Synagogen und jüdische Mitmenschen, israelische Flaggen wurden verbrannt, immer verworrenere Narrative wurden gestreut und trugen zu einer aufgeheizten Stimmung in Politik und Gesellschaft bei.&nbsp;</p><p>Nach gut drei Wochen ergriff Vizekanzler Robert Habeck das Wort. Er wolle einen Beitrag dazu leisten, die Debatte zu entwirren – „Zu viel scheint mir zu schnell vermischt zu werden.” Diese Rede drängte sich aufgrund der gesellschaftlichen Notlage auf und wurde geradezu herbeigesehnt. In diesem Spannungsfeld tritt Habeck als rhetorischer Akteur mit einem selbstbewussten und klaren Statement auf und macht sich zum Sprachrohr gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.<br> In seiner Video-Ansprache äußert sich Habeck zu Israel und dem Antisemitismus. In einem zweifachen Plädoyer bekräftigt er einerseits das Existenzrecht Israels und dessen Recht auf Verteidigung und erteilt anderseits dem Antisemitismus innerhalb Deutschlands eine klare Absage: „Antisemitismus ist in keiner Gestalt zu tolerieren – in keiner.”&nbsp;</p><p>Habeck greift in seiner Argumentation grundlegende Werte wie die historische Verantwortung Deutschlands oder auch den Toleranz-Gedanken auf, den er jedoch von einem falschverstandenen, beliebigen abgrenzt. Er ordnet mit seinen knappen Sätzen analytisch die Lage und erzeugt Anschaulichkeit durch tagesaktuelle und persönliche Beispiele. „Ein jüdischer Freund berichtete mir von seiner Angst, seiner schieren Verzweiflung, seinem Gefühl von Einsamkeit. […] Heute hier, in Deutschland. Fast 80 Jahre nach dem Holocaust.” Eindringlich wirken diese Passagen, weil sie durch den Einsatz rhetorischer Stilmittel, Parallelismen, Wiederholungen und Antithesen den Inhalt hervorheben. Habecks Text ist bewusst komponiert und wirkt doch natürlich. Mit Kürze und Klarheit in Wortwahl und Satzbau präsentiert Habeck ein unmissverständliches Statement in einer schwierigen Problemlage – und bietet damit politische Führung. Kritik, auch ins eigene politische Milieu, wird dabei nicht ausgespart: „Es braucht jetzt Klarheit, kein Verwischen.” Dabei betont er auch das Leid der Menschen in Gaza und fordert den Schutz der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig rechtfertige dies jedoch keinen Antisemitismus.&nbsp;</p><p>Mit seiner Ansprache tritt Robert Habeck als mitfühlender Denker auf, als Politiker und Mitbürger, der seinem persönlichen Anliegen Ausdruck verleihen will. Er artikuliert Gefühle wie Angst, Schmerz und Verzweiflung überzeugend und authentisch. Er kombiniert Emotionen und Argumente zu einer überaus wirkungsvollen Rede, die in eindrückliche Appelle mündet. Differenzierung und Rationalität für die Debatte seien das Gebot der Stunde. Am verfassungsrechtlichen Grundkonsens dürfe man nicht rütteln: „Das Existenzrecht Israels darf nicht relativiert werden. Die Sicherheit Israels ist unsere Verpflichtung. Deutschland weiß das.”</p><p>Hohe publizistische Wirkung und einhelliges Lob in allen politischen Lagern entfaltete das zehnminütige Statement auch aufgrund seiner zeitgemäßen Inszenierung für Social Media: Mit seiner Nahaufnahme im Hochformat und mehrsprachigen Untertiteln verbindet es klassische und moderne Elemente der überzeugenden Rede und weist auf eine Veränderung der Rede- und Debattenkultur hin. Beispielhaft verkörpert Robert Habeck diese Entwicklung und verdient sich mit seiner Video-Ansprache den Preis ‚Rede des Jahres 2023’.&nbsp;</p><p>Seit 1998 vergibt das Seminar für Allgemeine Rhetorik die Auszeichnung ‚Rede des Jahres’. Mit diesem Preis würdigt das Seminar jährlich eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat. Kriterien für die Jury sind u.a. inhaltliche Relevanz, Vortragsstil, Elaboriertheit sowie publizistische Wirkung.&nbsp;</p><p><strong>Video der Rede</strong><a href="https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Videos/2023-some/231101-israel-und-antisemitismus/video.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">BMWK</a><br><strong>Text der Rede </strong><a href="https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/M-O/manuskripte-habeck-ueber-israel-und-antisemitismus-de.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">BMWK (Datei-Upload)</a></p><h3>Jury</h3><p>Jutta Beck M.A., Lukas Beck M.A., Selina Bernarding M.A., Dr. Fabian Erhardt, Dr. Markus Gottschling, Rebecca Kiderlen M.A., Prof. Dr. Joachim Knape, Prof. Dr. Olaf Kramer, Evelyn Krutsch, Dr. Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Dr. Thomas Zinsmaier</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101651</guid><pubDate>Tue, 12 Dec 2023 11:34:12 +0100</pubDate><title>Heimlich platzierte zeitgenössische Plastik im Rittersaal: „Sisyphos“ von Matthias Kunisch enthüllt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/heimlich-platzierte-zeitgenoessische-plastik-im-rittersaal-sisyphos-von-matthias-kunisch-enthuellt/</link><description>Skulptur des Esslinger Künstlers ist bis Ostern auf Schloss Hohentübingen zu sehen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Museum der Universität Tübingen MUT und das Institut für Klassische Archäologie geben die Enthüllung von „Sisyphos“ bekannt: Die überlebensgroße zeitgenössische Plastik des Esslinger Künstlers Matthias Kunisch wurde bereits am 30. November 2023 als Leihgabe heimlich in die Abguss-Sammlung im Rittersaal des Museums Alte Kulturen integriert. Zunächst war das neue Kunstwerk nur durch sein Objektschild für aufmerksame Besucherinnen und Besucher als solches erkennbar.</p><p>Die Arbeit mit dem Titel „Große akademische Untersuchung des Herrn Sisyphos anhand von 43 Fragmenten im relativen Verhältnis zum Universum“ bietet als zeitgenössische Interpretation eines mythologischen Themas eine neue Perspektive auf zeitlose Zusammenhänge. Die Gegenüberstellung der Arbeit mit dem Kanon der antiken Bildhauerei weckt bei Besucherinnen und Besuchern Neugier und fördert den Dialog sowie die Auseinandersetzung mit den Sammlungsbeständen des Museums. Die Arbeit von Kunisch ist bis Ostern 2024 zu sehen.&nbsp;</p><p>Ab dem 20. Dezember ist auch das begleitende Booklet an der Museumskasse sowie über den Künstler oder die Galerie Gaia Schlegel erhältlich. Es enthält detaillierte Informationen zur Plastik „Sisyphos“ und zum zugrunde liegenden künstlerischen Konzept und gibt Einblicke in den Schaffensprozess von Matthias Kunisch. Die zweisprachigen Beiträge auf Deutsch und Englisch stammen unter anderem vom Kustos der Tübinger Abguss-Sammlung, Dr. Alexander Heinemann, dem Esslinger Kunstkritiker Martin Mezger und dem Philosophen Prof. Dr. Fabian Goppelsröder.</p><h3>Umfangreiches digitales künstlerisches Projekt</h3><p>Die Plastik „Sisyphos“ in der Abguss-Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie ist der materielle Ausgangspunkt für die digitale Fortführung der Arbeit. In einer interaktiven virtuellen Galerie, die über die Webseiten des Künstlers und des MUT erreichbar ist, wird die Perspektive auf die bildhauerische Arbeit digital für ein globales Publikum erweitert. Besucherinnen und Besucher sind dort dazu eingeladen, nicht nur die einzelnen digitalen Fragmente des Ausstellungsstücks zu erkunden, sondern auch die Einzelteile des monumentalen Zeichenzyklus des Künstlers, „Medea“. Der Galerieraum sowie die Webseite bieten außerdem zusätzliche Informationen zum Œuvre des Künstlers.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101117</guid><pubDate>Thu, 30 Nov 2023 15:01:42 +0100</pubDate><title>Emotionale Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern verschlechtern sich im Laufe der Schulzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/emotionale-erfahrungen-von-schuelerinnen-und-schuelern-verschlechtern-sich-im-laufe-der-schulzeit/</link><description>Studie der Universität Tübingen bringt neue Erkenntnisse zum Zusammenhang von Gefühlsempfindungen und schulischem Erfolg bei Jugendlichen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Laufe ihrer Schulzeit durchleben Schülerinnen und Schüler verschiedenste Emotionen. Dazu zählen positive Empfindungen wie Freude und Stolz, aber auch negative wie Langeweile oder Frust. Solch unterschiedliche Gefühlsempfindungen sind wichtig für die Entwicklung von Heranwachsenden. Wie verändern sie sich, wenn die Jungen und Mädchen älter werden?</p><p>Ein Forschungsteam um Professorin Michiko Sakaki und Professor Kou Murayama vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen hat nun analysiert, wie das Erleben dieser Emotionen und die schulischen Leistungen von Heranwachsenden in Mathematik miteinander in Verbindung stehen. Ihre Erkenntnis: Mit zunehmendem Alter erleben die Schülerinnen und Schüler immer weniger positive Emotionen, die negativen hingegen werden häufiger. Zudem zeigte sich, dass Jugendliche, bei denen diese Entwicklung nicht so stark ausgeprägt war, ihre schulischen Leistungen tendenziell verbesserten.</p><p>Konkret bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler mit höheren Leistungen zu Beginn der Sekundarstufe, in der Klassenstufe fünf, stärkere positive und schwächere negative Emotionen erlebten im Vergleich zu Heranwachsenden mit niedrigeren Leistungen. Außerdem wiesen Schülerinnen und Schüler mit mehr positiven und weniger negativen Emotionen zu Beginn der Sekundarstufe in den folgenden fünf Jahren einen größeren Leistungszuwachs auf.</p><p>Für die Studie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 3.425 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen fünf bis neun an Haupt- und Realschulen sowie an Gymnasien in Bayern. Die Heranwachsenden wurden von 2002 bis 2006 jährlich zu ihren Emotionen in Bezug auf die Schule befragt.</p><p>„Die Ergebnisse unserer Studie unterstreichen die Bedeutung von Emotionen für das Lernen und legen nahe, dass es wichtig ist, positive Emotionen zu fördern und negative Emotionen zu vermeiden, um Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen Laufbahn bestmöglich zu unterstützen“, erklärt Sakaki. Die Bildungsforscherin unterstreicht auch die Bedeutung des Interesses der Schülerinnen und Schüler am Lernen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Heranwachsende, die ein hohes Maß an Interesse aufrechterhalten, mit größerer Wahrscheinlichkeit positive Emotionen beibehalten und im Laufe der Zeit weniger wahrscheinlich negative Emotionen entwickeln. Ihre Schlussfolgerung: „Es ist wichtig, das Interesse der Kinder und Jugendlichen an Lerninhalten zu fördern, um ihr emotionales Wohlbefinden und ihre Leistungen zu unterstützen.“</p><p><strong>Originalpublikation:</strong><br> Sakaki, M., Murayama, K., Frenzel, A. C., Goetz, T., Marsh, H. W., Lichtenfeld, S., &amp; Pekrun, R. (2023). Developmental trajectories of achievement emotions in mathematics during adolescence. Child Development. Advance Online Publication. <a href="https://doi.org/10.1111/cdev.13996" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1111/cdev.13996</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101096</guid><pubDate>Thu, 30 Nov 2023 13:02:07 +0100</pubDate><title>Ein Antibiotikum auf Zeitreise</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-antibiotikum-auf-zeitreise/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen dreht die Evolution einer bakterientötenden Stoffklasse mithilfe von Computertechnik zurück – Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Medikamente</description><content:encoded><![CDATA[<p>In der modernen Medizin nehmen Antibiotika eine zentrale Rolle bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen ein. In der Natur werden sie von Bakterien oder Pilzen hergestellt, die sie selbst ebenfalls zur Abwehr anderer Bakterien nutzen. Anhand einer Gruppe der Glykopeptid-Antibiotika, die wie Teicoplanin und Vancomycin in der Medizin eine wertvolle Reserve gegen vielfach resistente Krankheitserreger bilden, hat ein Forschungsteam die Evolution dieser Stoffklasse untersucht und ein hypothetisches Urantibiotikum rekonstruiert. Dr. Demi Iftime und Dr. Martina Adamek führten das interdisziplinäre Projekt unter Leitung von Professorin Evi Stegmann und Professorin Nadine Ziemert vom Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ der Universität Tübingen durch, unterstützt von Professor Max Cryle und Dr. Mathias Hansen von der Monash University in Australien.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher ermittelten mithilfe bioinformatischer Methoden, wie die chemische Zusammensetzung des Vorläufers heutiger Glykopeptid-Antibiotika ausgesehen haben könnte und wie dieser durch Evolution umgeformt wurde. Daraus gewinnen sie Erkenntnisse, wie heutige Antibiotika für die medizinische Nutzung weiterentwickelt werden könnten. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><h3>Ermittlung eines Stammbaums</h3><p>„Antibiotika sind ursprünglich vor allem die Produkte einer stetigen evolutionären Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Organismen, die jeweils versuchen, ihre Konkurrenten oder Gegner zu vernichten oder zumindest an der Ausbreitung zu hindern“, erklärt Evi Stegmann. In seiner Studie hat das Forschungsteam Teicoplanin und Vancomycin sowie eine Reihe von ähnlich strukturierten Antibiotika als Ausgangsstoffe herangezogen. Die Naturstoffe können jeweils aus bestimmten Bakterienstämmen isoliert werden. Wie der Name Glykopeptid-Antibiotika beschreibt, bestehen sie chemisch gesehen aus Aminosäuren und Zuckern. Sie lassen Bakterien absterben, indem sie deren Zellwandaufbau verhindern. In dieser Weise wirken Teicoplanin und Vancomycin auch gegen zahlreiche Krankheitserreger des Menschen.</p><p>In biologischen Verwandtschaftsanalysen werden meist verschiedene Arten in eine Baumstruktur gestellt, in der die Verzweigungen Auskunft über den Verwandtschaftsgrad geben. „Wir haben in ganz ähnlicher Weise die bekannten Glykopeptid-Antibiotika mit ihrer chemischen Struktur, kodiert über die Gencluster, die ihre Baupläne enthalten, in einen solchen Abstammungsbaum gesetzt“, sagt Ziemert. „Über Computeralgorithmen aus der Bioinformatik lässt sich sozusagen am Stamm des Baumes eine mutmaßliche Urform der Antibiotika errechnen.“ Diesen hypothetischen Vorläufer tauften sie Paleomycin. Das Forschungsteam baute die ermittelten Gene zusammen, welche die Biosynthese von Paleomycin bereits kodiert haben dürften, und ließ ein Bakterium den entsprechenden Stoff produzieren – tatsächlich hatte Paleomycin im Test antibiotische Wirkung. „Es war sehr aufregend, ein solch uraltes Molekül zu erschaffen, als würde man einen Dinosaurier oder ein Wollhaarmammut wieder zum Leben erwecken“, berichtet die Forscherin.</p><h3>Vereinfachung der Struktur</h3><p>„Als Ergebnis ist für uns zum einen interessant, dass nach den Berechnungen alle Glykopeptid-Antibiotika von einem einzelnen Vorläufer abstammen“, sagt Stegmann. „Zum anderen ergab sich, dass Paleomycin im Kern des Moleküls eine ähnlich komplexe Peptidstruktur aufweist wie Teicoplanin.“ Bei Vancomycin sei diese Kernstruktur demgegenüber vereinfacht. „Wir gehen davon aus, dass sich diese Vereinfachung erst in der jüngeren Evolution ergeben hat. Die Funktionsweise als Antibiotikum blieb jedoch mit dem gleichen Mechanismus erhalten“, sagt Ziemert. „Für die Bakterien, die solche Antibiotika bilden, können diese sehr nützlich sein. Doch handelt es sich um Stoffe mit einer aufwendigen chemischen Struktur, die das Bakterium viel Energie kosten. Eine Vereinfachung bei gleicher Funktion könnte einen evolutionären Vorteil bieten.“</p><p>Dem Stammbaum der verschiedenen Glykopeptid-Antibiotika stellten die Forscherinnen und Forscher einen Stammbaum der diese produzierenden Bakterienstämme gegenüber. Ausgehend von Paleomycin vollzogen sie die Veränderungen in der chemischen Struktur der Antibiotika – beziehungsweise die der unterliegenden Gencluster in den Bakterien – minutiös und Schritt für Schritt nach. Dabei stellten sie fest, welche Schlüsselschritte ungefähr gleichzeitig stattfinden müssen, um ein funktionelles Molekül entstehen zu lassen. Einige dieser Schritte konnten von den Wissenschaftlern in Australien im Labor biochemisch nachvollzogen werden. „Aus dieser Zeitreise erhielten wir tiefgehende Einblicke in die Evolution der Stoffwechselwege der Antibiotikaproduktion in den Bakterien und die Optimierungsstrategien der Natur, die zu den modernen Glykopeptid-Antibiotika führten“, sagt Ziemert. „Dadurch haben wir eine Grundlage, um diese wichtige Antibiotikagruppe mit technischen Methoden weiterzuentwickeln.“&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-101042</guid><pubDate>Wed, 29 Nov 2023 13:15:04 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen offen für Klimaanpassung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-offen-fuer-klimaanpassung/</link><description>Zur angeblichen Pressemitteilung „Kampagne Uni-Tü-klimafit-24“ – Kanzler Dr. Rothfuß: „Verstärkte Anstrengungen auf diesem Gebiet.“
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Verschiedene Medien in Tübingen und Umgebung haben am Montag eine angebliche Pressemitteilung der Universität Tübingen erhalten, in dem eine Kampagne „Uni-Tü-klimafit-24“ angekündigt wird. Diese Pressemitteilung stammt nicht von der Universität und die darin enthaltenen Zitate und Informationen sind in dieser Form nicht von ihr autorisiert. Jedoch liegt das darin geäußerte Anliegen der Universität sehr am Herzen. Daher stellt der Kanzler der Universität, Dr. Andreas Rothfuß, fest:&nbsp;</p><p>„Klima- und Umweltschutz sind seit über einem Jahrzehnt wichtige Ziele der Universität Tübingen. Entsprechende Aktivitäten gab und gibt es in der Forschung, der Lehre und der Administration dieser Universität. Dennoch ist uns bewusst, dass wir in den kommenden Jahren auf diesem Gebiet verstärkte Anstrengungen unternehmen müssen. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas und der Dämmung von Gebäuden, zum Ausbau der Photovoltaik und der Nutzung der Abwärme von Servern. Vieles ist bereits geschehen, vieles wird noch geschehen, oft auch in direktem Miteinander mit studentischen Gruppen, die sich seit langer Zeit für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen.“</p><p>Der Leiter des Amts Tübingen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Marcus Wandel, sagte:&nbsp;</p><p>„Wir stehen für eine Baupolitik, die Klimaschutz und Klimaanpassung ernst nimmt. Das Ziel der CO²-Einsparung bei Landesliegenschaften haben wir die letzten Jahre konsequent vorangetrieben und wird in den nächsten Jahrzehnten unsere zentrale Aufgabe sein. Die auf dem Campus Morgenstelle gepflanzte Eiche wird an diesem Standort allerdings nicht verbleiben können, da der Standort für einen großen Baum nicht geeignet ist. Wir werden für die Eiche einen neuen geeigneten Standort auf der Morgenstelle finden, auf dem sie wachsen und gedeihen kann. Uns ist bewusst, dass die Fläche zwischen den Forschungs- und Lehrgebäuden kontrovers gesehen wird. Allerdings kann der zentrale Campusplatz nicht mit Bäumen bepflanzt werden, weil er zum einen aufgrund seiner kliniknahen Lage und der geeigneten Topographie im Katastrophenfall als weitere Landefläche für Hubschrauber ausgestaltet werden musste. Zum anderen befinden sich zentrale Ver- und Entsorgungsleitungen unter dem Campusplatz.“&nbsp;</p><h3>Weblink:</h3><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/profil/werte-und-visionen/klimaschutz-und-umweltschutz/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/profil/werte-und-visionen/klimaschutz-und-umweltschutz/</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100964</guid><pubDate>Tue, 28 Nov 2023 10:05:07 +0100</pubDate><title>Frühmenschen in der Altsteinzeit: Mehr als nur Wild auf dem Speiseplan</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehmenschen-in-der-altsteinzeit-mehr-als-nur-wild-auf-dem-speiseplan/</link><description>Ernährungsgewohnheiten und Jagdstrategien von Frühmenschen der mittleren Altsteinzeit untersucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen zeigen in einer im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie, dass sich Frühmenschen des Mittelpaläolithikums vielfältiger ernährten als bislang angenommen. Die Analyse einer Fundstelle im iranischen Zargos-Gebirge belegt, dass Homininen vor circa 81.000 bis 45.000 Jahren sowohl Huftiere als auch Schildkröten und Raubtiere bejagten. Möglicherweise wurden auch Vögel verspeist.</p><p>Bereits im Altpaläolithikum, dem frühesten Abschnitt der Altsteinzeit, haben die Vorfahren des heutigen Menschen effektiv Jagd auf kleine und große Säugetiere gemacht. „Die Homininen des anschließenden Mittelpaläolithikums – dem Zeitraum zwischen 300.000 und 45.000 Jahren – ernährten sich laut verschiedener Untersuchungen hauptsächlich von Huftieren. Dennoch gibt es immer mehr Belege dafür, dass zumindest gelegentlich auch Schildkröten, Vögel, Hasenartige, Fische und fleischfressende Raubtiere auf dem Speiseplan von Neandertaler und Co. standen“, erläutert Mario Mata-González, Erstautor der neuen Studie und Doktorand an der Universität Tübingen, und fährt fort: „Die Rekonstruktion von Ernährungsgewohnheiten früherer Homininen ist eines der Hauptziele archäozoologischer Studien. Sie geben Aufschluss darüber, wie sich unsere Vorfahren an unterschiedliche Umgebungen anpassten und mit ihnen interagierten.“</p><p>Mata-González hat gemeinsam mit weiteren SHEP-Forschenden die erste umfassende und systematische Nahrungsanalyse an einer spätpleistozänen, etwa 81.000 bis 45.000 Jahre alten Fundstelle im südlichen Zagros-Gebirge durchgeführt. „Das Zagros-Gebirge ist nicht nur der größte Höhenzug Irans, sondern gilt auch als eine geografische Schlüsselregion für die Untersuchung der menschlichen Evolution in Südwestasien während des Mittelpaläolithikums, insbesondere wegen seiner heterogenen Topografie und seiner großen Umweltvielfalt“, ergänzt er.</p><p>Bislang waren die archäozoologischen Funde aus dem Gebirge fast ausschließlich auf Huftiere beschränkt. Die Ergebnisse von der Fundstelle Ghar-e Boof zeigen aber, dass zur Nahrung der dortigen Homininen unter anderem auch Raubtiere und Schildkröten zählten. „Mehr als 75 Prozent der Fauna von Ghar-e Boof besteht aus Huftieren – von kleinen bis sehr großen Arten. Wir haben vor allem Überreste von Wildziegen (<em>Capra aegagrus</em>) und Gazellen (<em>Gazella sp.</em>) gefunden. In geringerer Anzahl konnten wir zudem Wildschweine (<em>Sus scrofa</em>), Rothirsche (<em>Cervus elaphus</em>), Pferdeähnliche (<em>Equus sp.</em>) und Wildrinder (<em>Bos primigenius</em>) dokumentieren“, erläutert der Tübinger Doktorand und spricht weiter: „Neben den Huftieren sind Schildkröten (<em>Testudo sp.</em>) die am häufigsten vorkommende Art, deren Fossilien wir auf der etwa 18 Quadratmeter großen Ausgrabungsfläche bergen konnten.“&nbsp;</p><p>Auch Knochen verschiedener Vogelarten und wenige Überreste von Fleischfressern, wie einem Rotfuchs (<em>Vulpes vulpes</em>) und einer großen Raubkatze – wahrscheinlich eines Leoparden (<em>Panthera cf. pardus</em>) –, konnte das Forschungsteam identifizieren. Schnitte und Bearbeitungsspuren an einigen der fossilen Knochen weisen auf Frühmenschen als Verursachende hin. Die verzehrten Schildkröten wurden laut der Studie vorab in ihren Panzern geröstet – so interpretieren die Forschenden die Feuerspuren auf den Außenflächen der fossilen Schildkrötenpanzer.</p><p>Der Letztautor der Studie Prof. Nicholas J. Conard, SHEP, resümiert: „Die faunistischen Überreste von Ghar-e Boof sind der erste Nachweis für die Nutzung von Kleinwild, wie Schildkröten oder Vögeln, sowie Raubtieren durch Homininen im südlichen Zagros-Gebirge. Auch wenn der Verzehr einiger dieser Arten nur sporadisch stattfand, zeigen unsere Ergebnisse, dass die im Mittelpaläolithikum lebenden Homininen der Zagros-Region einen vielfältigeren Speiseplan hatten als bisher angenommen. Dies deckt sich mit Funden in anderen Teilen Eurasiens.“</p><p class="align-right"><em>Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen</em></p><h3>Publikation:</h3><p>Mata-González, M., Starkovich, B.M., Zeidi, M. et al. Evidence of diverse animal exploitation during the Middle Paleolithic at Ghar-e Boof (southern Zagros). Sci Rep 13, 19006 (2023). <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-023-45974-8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41598-023-45974-8</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100778</guid><pubDate>Thu, 23 Nov 2023 12:15:11 +0100</pubDate><title>Vorstandsvergütung durch Geschlechter-Stereotype beeinflusst</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vorstandsverguetung-durch-geschlechter-stereotype-beeinflusst-1/</link><description>„Männliche“ Ressorts werden deutlich besser bezahlt als „weibliche“ – Es sei denn, eine Frau steht dem Ressort vor – 
Forscherteam wertet Daten über europäische Konzerne aus </description><content:encoded><![CDATA[<p>Frauen verdienen auf Vorstandsebene in großen europäischen Konzernen durchschnittlich 1,2 Millionen Euro weniger im Jahr als ihre männlichen Kollegen. Die Bezahlung der Vorstände hängt außerdem davon ab, ob ein Ressort als „typisch männlich“ oder eher „weiblich“ wahrgenommen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Tübingen, der Universität Paderborn und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die kürzlich in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>The International Journal of Human Resource Management</em></span> erschienen ist.&nbsp;</p><p>Untersucht wurden 84 Unternehmen, darunter auch 16 deutsche, die im Euro Stoxx 50 und/oder im Stoxx Europe 50 gelistet sind. In den beiden Indizes wird die Wertentwicklung der größten europäischen Konzerne in-nerhalb und außerhalb des Euro-Währungsraums abgebildet. Die durch-schnittliche Gesamtvergütung für männliche Vorstände in den untersuchten Konzernen liegt bei vier Millionen Euro im Jahr, die für weibliche Vorstände dagegen nur bei 2,8 Millionen Euro.</p><p>Auf der Suche nach den Ursachen für den sogenannten „Gender Pay Gap“ stießen die Forschenden auf unterschiedliche Effekte. „Frauen stehen vergleichsweise häufig Ressorts vor, die als „eher weiblich“ wahrgenommen werden und die im Durchschnitt weniger gut bezahlt sind“, sagte Professorin Kerstin Pull vom Lehrstuhl für Personal &amp; Organisation der Universität Tübingen. Zu den „eher weiblich“ wahrgenommenen Ressorts gehörten zum Beispiel der Bereich Personal oder die Unternehmenskommunikation. Als „männlich“ gelten hingegen Ressorts wie IT. Als „weiblich“ wahrgenommene Ressorts werden schlechter bezahlt und häufiger von Frauen besetzt.&nbsp;</p><p>Ob die Tätigkeit in einem Vorstandsressort als „männlich“ wahrgenommen wird, wurde im Rahmen der Studie anhand einer Befragung ermittelt. Die Umfrage zeigt, dass stereotype Vorstellungen in der Gesellschaft stark ausgeprägt sind und dass sie mit den tatsächlichen Gehältern korrelieren: Je stärker ein Ressort als „typisch männlich“ wahrgenommen wird, desto höher die Bezahlung für dieses Ressort. Allerdings können Frauen selbst dann keine höheren Einkünfte erzielen, wenn sie „typisch männlichen“ Ressorts vorstehen – dieses Privileg bleibt Männern vorbehalten.&nbsp;</p><p>„Frauen in ‚männlichen‘ Ressorts werden als nicht passende Besetzung wahrgenommen. Der klare Gehaltsnachteil ist überraschend, weil Frauen für Vorstandspositionen eigentlich händeringend gesucht werden“, sagte Professor Martin Schneider, Professor für Personalwirtschaft an der Universität Paderborn.&nbsp;</p><p>„Alle Konzerne haben sich Chancengleichheit auf die Fahnen geschrieben und berufen zunehmend Frauen in ihre Vorstände. Dass Geschlechterstereotype die Bezahlung von Vorständen so deutlich beeinflussen, wird bislang übersehen“, sagte Professorin Anja Iseke von der Technischen Hoch-schule Ostwestfalen-Lippe. “Dabei ähneln sich auf Vorstandsebene die Aufgaben der verschiedenen Ressorts stark: alle Vorstände müssen gleichermaßen strategisch denken und in das Unternehmen hinein kommunizieren.“&nbsp;</p><p>Das Autorenteam hat eine Reihe möglicher anderer Ursachen für die Einkommensunterschiede untersucht und ausschließen können. Die Qualifikation der Vorstände beispielsweise – im Fachjargon „human capital“ genannt – kann die Unterschiede nicht erklären, denn die Qualifikation von Frauen in den Vorständen europäischer Konzerne ist mindestens ebenso hoch wie die der Männer. Das ergab die Auswertung von LinkedIn-Profilen und Jahresberichten der Firmen.&nbsp;</p><p>Das Team der Autorinnen und Autoren vermutet negative Effekte von Gehaltsunterschieden auf die Entwicklung von Unternehmen. „Die Bereitschaft zur Kooperation im Top-Management ist bei großen Gehaltsunterschieden sicher geringer. Das kann nicht gut für das Unternehmen sein“, resümierte Sarah Diederich von der Universität Tübingen. Die Empfehlung der Forschenden lautet deshalb, die Bezahlung zwischen Ressorts und einzelnen Vorständen anzugleichen.&nbsp;</p><p>Die Bedeutung der Gender Pay Gap-Forschung wurde dieses Jahr durch die Verleihung des Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften an die Ökonomin Claudia Goldin von der Harvard University unterstrichen. Goldin ist erst die dritte Preisträgerin in der Geschichte dieses Preises.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Diederich, Sarah; Anja Iseke; Kerstin Pull; Martin Schneider: <span lang="en" dir="ltr">Role (in-) congruity and the Catch 22 for female executives: how stereotyping contributes to the gender pay gap at top executive level. <em>The International Journal of Human Resource Management.&nbsp;</em></span><br><a href="http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09585192.2023.2273331" target="_blank" rel="noreferrer">www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09585192.2023.2273331</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100766</guid><pubDate>Thu, 23 Nov 2023 11:17:53 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen verzeichnet Rekordzahl bei Studierenden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verzeichnet-rekordzahl-bei-studierenden/</link><description>Zuwächse bei Neuimmatrikulierten aus dem In- und Ausland – „Für den Erfolg der Universität von entscheidender Bedeutung“</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität Tübingen studieren im laufenden Wintersemester so viele Menschen wie noch nie. Zum Stichtag Mitte November waren in Tübingen insgesamt 28.619 Personen immatrikuliert, ein neuer Rekordwert und ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der neuimmatrikulierten Studierenden kletterte auf 5.332, ein Plus von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.</p><p>„Die Universität Tübingen verfolgt das Ziel, internationale Spitzenforschung mit exzellenter Lehre zu verbinden“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann: „Jüngste Daten wie das hervorragende Abschneiden der Tübinger Wirtschaftswissenschaft im CHE-Ranking belegen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Dies bestärke offensichtlich viele junge Menschen darin, sich für ein Studium in Tübingen zu entscheiden.</p><p>Überdurchschnittlich stark stieg erneut die Zahl der internationalen Studierenden. Die Zahl der Neuimmatrikulierten ohne deutsche Staatsangehörigkeit kletterte gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent auf 1.274. Insgesamt waren zum Stichtag 4.298 internationale Studierende an der Universität eingeschrieben, auch dies ein historischer Höchststand. Der Anteil der ausländischen Studierenden an der Gesamtzahl aller Immatrikulierten überschritt damit erstmals in Tübingen die Marke von 15 Prozent.</p><p>Die Rektorin dankte den Beschäftigten in den Fakultäten und im wissenschaftsunterstützenden Dienst: „Ohne die außerordentliche Kreativität und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden in allen mit Studium und Lehre befassten Bereichen wäre dieses hervorragende Ergebnis nicht möglich gewesen“, sagte Pollmann. Maßgeblich die Zahl der Bewerbungen aus dem Ausland sei 2023 dramatisch angewachsen und damit auch die Arbeitsbelastung der mit der Prüfung und Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber befassten Beschäftigten.</p><p>„Für den Erfolg der Universität ist es von entscheidender Bedeutung, dass es uns gelingt, auch in Zukunft eine Vielzahl talentierter junger Menschen für ein Studium in Tübingen zu begeistern“, betonte die Rektorin. Dabei sei ihr bewusst, dass damit für die Stadt Tübingen auch Belastungen verbunden seien. Insbesondere Wohnraum und Kinderbetreuung seien knappe Güter. Zudem sei die Situation insbesondere bei der Essensversorgung auf dem Campus Tal aktuell für alle Betroffenen ein Problem.</p><p>„Wir brauchen daher dringend einen schnellen Ausbau der Kapazitäten bei den Wohnheimen und bei den Kita-Plätzen für Studierende mit Kindern“, sagte Pollmann. „Zudem werde ich darauf drängen, dass die Sanierung der Mensa Wilhelmstraße im kommenden Jahr so bald wie möglich abgeschlossen und das Gebäude an das Studierendenwerk übergeben wird.“ Die Universität sei bereit, mit dem Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim auf allen Handlungsfeldern an einem Strang zu ziehen, um die Situation rasch und nachhaltig zu verbessern.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100493</guid><pubDate>Fri, 17 Nov 2023 11:18:30 +0100</pubDate><title>Zum 1.12.2023: Edith Hein neue Geschäftsführerin des Studierendenwerkes</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zum-1122023-edith-hein-neue-geschaeftsfuehrerin-des-studierendenwerkes/</link><description>Anliegen von Studierenden und bezahlbarer Wohnraum im Fokus / Hochschulregion Tübingen-Hohenheim freut sich auf gute Zusammenarbeit</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kundenorientierung und Servicequalität für Studierende, Unterstützungsangebote, bezahlbarer Wohnraum und noch einiges mehr. &nbsp;Mit diesen Zielen übernimmt die Diplom-Kauffrau Edith Hein zum 1.12.2023 die Geschäftsführung des Studierendenwerkes (StuWe) Tübingen-Hohenheim von ihrem Vorgänger Oliver Schill. „Dabei baue ich vor allem auf meine künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt die designierte Geschäftsführerin. „Angesichts der veränderten Lebenswirklichkeit von Studierenden und mit Blick auf wirtschaftliche Herausforderungen wie steigenden Baukosten und Inflation, lassen sich solche Pläne vor allem dann verwirklichen, wenn wir uns als Team verstehen.“ Zu Beginn ihrer Amtszeit plant sie einen Besuch bei allen Einrichtungen des StuWe zum Austausch mit den Beschäftigten.&nbsp;</strong></p><p>„Die Arbeit des Studierendenwerkes ist ein ganz wesentlicher Faktor, um unseren Studierenden ein gutes Umfeld und ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen“, betont Prof. Dr. Peter Grathwohl, Vorsitzender des StuWe-Verwaltungsrats. Die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Karla Pollmann, unterstreicht: „Die Dienstleistungen des Studierendenwerks, vom Betrieb der Wohnheime und Mensen über Kinderbetreuung bis hin zur Beratung in Krisensituationen, sind für den Erfolg der Hochschulen von essentieller Bedeutung. Wir freuen uns deshalb sehr auf die wichtige Zusammenarbeit mit Frau Hein als neuer Geschäftsführerin und wünschen ihr einen guten Start.“</p><p>"Die vielen Ideen von Frau Hein spiegeln ihren Anspruch, dass sie das studentische Leben in der Hochschulregion bereichern und neue Impulse setzen will“, ergänzt Prof. Dr. Stephan Dabbert, Rektor der Universität Hohenheim. "Wir sehen einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit entgegen und sind überzeugt, dass sie die Herausforderungen unserer Zeit meistern wird."</p><p>Dank richtet der Verwaltungsrat des Studierendenwerkes auch an den scheidenden Geschäftsführer Oliver Schill. Dieser hatte im Jahr 2005 zunächst die Leitung des Studentenwerks in Hohenheim übernommen und wurde dann zum Geschäftsführer der ab dem 1.1.2007 fusionierten Studentenwerke Tübingen und Hohenheim bestellt.</p><h3>Neue Geschäftsführerin baut auf Erfahrung mit Studierenden und Sozialthemen</h3><p>Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier, welches sie 1999 als Diplom-Kauffrau abschloss, startete Edith Hein ihre berufliche Laufbahn bei einem Träger von Kranken- und Pflegeeinrichtungen und beim Diözesan-Caritasverband Trier. Nach langjähriger Tätigkeit beim Bistum Aachen konnte sie drei Jahre Erfahrung als stellvertretende Geschäftsführerin beim Studierendenwerk Trier sammeln.&nbsp;</p><p>Weiterhin bringt sie Industrieerfahrung mit – von Dezember 2021 bis zu ihrer aktuellen Berufung war sie als kaufmännische Leiterin und Prokuristin für die Firmen Robert Aebi Landtechnik GmbH (Landmaschinen) und werwie GmbH (Straßenbaumaschinen) verantwortlich.</p><h3>„Studierendenwerk muss auf veränderte Lebenswirklichkeiten reagieren“</h3><p>"Unsere Aufgabe ist es, den Studierenden nicht nur Dienstleistungen anzubieten, sondern ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie zufrieden und erfolgreich studieren können," betont Edith Hein. "Ein wesentlicher Aspekt dabei ist bezahlbarer Wohnraum. Dies ist insbesondere für unsere internationalen Studierenden von höchster Priorität.“ Ebenfalls wichtig sei die Verbesserung und – wenn möglich – Ausweitung von Unterstützungs-Angeboten wie Kita-Plätzen, BAföG-Beratung sowie die beratende Unterstützung in schwierigen Lebenslagen.</p><p>"Außerdem müssen wir uns daran anpassen, dass sich die Lebenswirklichkeit der Studierenden z.B. durch Digitalisierung und flexiblere Studiengewohnheiten verändert hat. Für uns könnte das z.B. bedeuten, die Gastronomieangebote zu flexibilisieren, um auf veränderte Bedürfnisse zu reagieren."</p><h3>„Wir werden Gestaltungsspielräume zum Wohle der Studierenden nutzen“&nbsp;</h3><p>Gleichzeitig stelle die gesamtwirtschaftliche Situation gerade die Studierendenwerke vor neue Herausforderungen: „Die guten Jahre für Bauherren sind vorbei. Baufinanzierung und Inflation werden ein großes Thema. Für uns bedeutet das einen Spagat: Wir müssen Wege finden unsere Ziele zu erreichen, ohne die Studierenden bei den Studierendenwerksbeiträgen über die Maße zu strapazieren.“</p><p>Vor diesem Hintergrund richtet Frau Hein einen besonderen Dank an ihren Vorgänger: „Herr Schill hat das Studierendenwerk mit viel Kompetenz geführt und hinterlässt ein wirtschaftlich sehr gut bestelltes Haus. Für uns eröffnet das einen gewissen Gestaltungsspielraum, den es zum Wohle der Studierenden zu nutzen gilt."</p><h3>„Der Wert jedes Einzelnen in unserem Team ist der Schlüssel zum Erfolg“</h3><p>Als entscheidend für das Gelingen ihrer Ziele sieht Edith Hein jedoch die Kreativität und Begeisterungsfähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Ich freue mich sehr darauf, all die großartigen Teams an unseren Standorten und Einrichtungen persönlich kennenzulernen und den direkten Dialog zu suchen“, so Edith Hein. "Wir alle leisten mit unserer Arbeit einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft und einer jungen, hoffnungsvollen Generation. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl und das Wissen um den Wert jedes Einzelnen in unserem Team sind der Schlüssel zum Erfolg."&nbsp;</p><p><strong>Weitere Informationen</strong><br><a href="https://www.my-stuwe.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim</a></p><p class="align-right">Pressemitteilung Verwaltungsrat des Studierendenwerkes Tübingen-Hohenheim</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100319</guid><pubDate>Tue, 14 Nov 2023 09:19:36 +0100</pubDate><title>Deutschlands KI-Nachwuchs beim Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ausgezeichnet </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/deutschlands-ki-nachwuchs-beim-bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-ausgezeichnet/</link><description>Ob Fake-Fotos entlarven, Igel vor dem Mähroboter schützen oder Lebensmittel retten – die Gewinnerteams 2023 wollen mit KI gesellschaftliche und ökologische Probleme lösen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Insgesamt zehn Schülerteams sind am 10. November beim Finale des 5. Bundeswettbewerbs für Künstliche Intelligenz (BWKI) in Tübingen mit ihren eingereichten KI-Projekten angetreten</p><p>Der mit 1.500 Euro dotierte Hauptgewinn ging in diesem Jahr an Jonathan Reinhard und das Team „Brainhome“ aus Göttingen. Der 19-Jährige hat eine KI entwickelt, mit der sich beispielsweise Türen öffnen oder Heizungen regulieren lassen, ohne Hände oder Sprachbefehle zu nutzen. Stattdessen übersetzt ein Algorithmus Gedanken in Signale. Dafür hat Jonathan Reinhard eine EEG-Kappe entworfen, die im Vergleich zu herkömmlichen Modellen viel kostengünstiger ist. Zukünftig soll damit schwerstbehinderten oder gelähmten Menschen der Alltag erleichtert werden. Sein Projekt überraschte die Jury nicht nur durch die weitentwickelte KI, sondern darüber hinaus mit einer ungewöhnlich ausgereiften Elektrotechnik. Der Schüler aus Niedersachsen erhält zudem einen Praktikumsplatz bei der Hightechfirma Fanuc im Bereich Industrieautomatisierung.</p><p>Den mit 500 Euro dotierten Preis in der Sonderkategorie „Umwelt und Nachhaltigkeit“ erhalten dieses Jahr zwei Gewinnerteams:</p><p>Leonie Weiss, Philip Synowiec, Paula Juhasz-Böss und Amelie Hettl aus Regensburg wollen mit ihrem intelligenten Algorithmus „Demand Detective“ den Absatz von Lebensmitteln im Supermarkt vorhersagen und entsprechende Einkaufsempfehlungen geben. Damit möchten die zwischen 15 und 17 Jahre alten Schülerinnen und Schüler Lebensmittel retten und Ressourcen sparen.</p><p>Marcel Decker, Max Schmidt und Jacob Bürkle aus Langen erhielten die Auszeichnung für ihr Projekt „Kenergy“. Die KI der 18- und 19-jährigen Schüler aus Hessen errechnet schnell und günstig den Ertrag an Solarenergie für das eigene Hausdach.</p><p>Sebastian Albert ging als Sieger in der Sonderkategorie „Hardware“ hervor. Angetreten als „Igelretter“, entwickelte der 20-Jährige aus March bei Freiburg einen Algorithmus, der mit Hilfe eines Aufsatzes am Mähroboter Igel erkennt und diesen ausweicht. Er schützt sie so vor dem qualvollen Tod. Ausgezeichnet wurde das Projekt mit einem Geldpreis in Höhe von 750 Euro.</p><p>Den Nachwuchspreis erhielt das Team „Synthetic Eye“, bestehend aus Jakob Heldt und Noah Brömme von der German International School in New York. Die 16-Jährigen leisten mit ihrer KI einen Beitrag, um echte von manipulierten Bildern zu unterscheiden – und damit Fake News zu entlarven. Dafür erhielten die beiden in den USA lebenden Schüler einen Geldpreis in Höhe von 500 Euro sowie einen Onlinekurs für maschinelles Lernen. Mit dem Team aus New York befand sich erstmals eine Deutsche Auslandsschule unter den Teilnehmenden.</p><p>Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte die Chance, die Veranstaltung live auf YouTube zu verfolgen – und konnte in der Kategorie Publikumspreis für ein Favoritenteam abstimmen. Der Publikumspreis ist mit 500 Euro dotiert und ging an das Team „Kernergy“ aus Langen. Damit konnten sich Jacob Bürkle, Marcel Decker und Max Schmidt an diesem Abend gleich über zwei Preise freuen.</p><p>Das Copernicus-Gymnasium Norderstedt in Schleswig-Holstein sicherte sich den Titel „KI-Schule des Jahres“ für die besonders aktive Teilnahme ihrer 11. Klasse am kostenlosen KI-Kurs des BWKI (<a href="https://ki-kurs.org" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ki-kurs.org</a>). Als Anerkennung werden die Schülerinnen und Schüler mit von FESTO gesponserten Programmiersets ausgestattet.</p><p>Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen waren im Rahmen des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz das fünfte Jahr in Folge dazu aufgerufen, alleine oder im Team mit bis zu vier Personen ein eigenes KI-Projekt zu entwickeln und damit einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt zu leisten. Nach der Anmeldung der Projektideen im Frühjahr 2023 hatten die Jugendlichen ein halbes Jahr Zeit, diese umzusetzen. Zehn Teams qualifizierten sich für das Finale in Tübingen am 10. November, das dieses Jahr im Rahmen des Wissenschaftsfestivals Science &amp; Innovation Days der Universität Tübingen stattfand. Die Teams hatten die Chance, eine hochkarätige Jury von ihren Projekten zu überzeugen.</p><p>In der Jury des Wettbewerbes waren in diesem Jahr vertreten: Dr. Philip Häusser (Physiker und Moderator), Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor des Tübingen AI Center), Dr. Wieland Brendel (ELLIS Institute Tübingen, Tübingen AI Center, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Tübingen) und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Direktor Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Tübingen), Meike Ramón (Kognitive Neurowissenschaftlerin und Expertin auf dem Gebiet der Visuellen Wahrnehmung und Gesichtserkennung, Universität Lausanne), Ute Wilhelmsen (Meeresbiologin und Wissenschaftsjournalistin), Kenza Ait Si Abbou (Ingenieurin, Managerin und Autorin zu KI und Robotik), Markus Mauder (Lead Data Scientist der ZEISS Gruppe), Sophie Plötz (Expertin für „KI in der Schule“ beim KI-Campus), Elie Khouriy (Gruppenleiter BOSCH Research), Pina Merkert (Redakteurin beim c’t Magazin und Makerin), Jan Seyler (Bereichsleitung und Entwicklung FESTO), Christoph Schumann (Informatiklehrer und Mitbegründer der KI-Organisation LAION), sowie Thomas Sedlmeyr und Theo Döllmann als BWKI-Alumni.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Hauptförderer des Wettbewerbs ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Der Wettbewerb wurde zudem von Bosch, Festo, Fanuc, dem Verlagshaus Droemer und Knaur sowie dem c’t Magazin unterstützt und in Kooperation mit der Hochschule der Medien Stuttgart, IT4Kids und der Deutschen Allianz Meeresforschung durchgeführt.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Der BWKI möchte Schülerinnen und Schüler motivieren, eigene Ideen für eine bessere Welt von morgen mithilfe von Künstlicher Intelligenz umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI-Forschungsstandort Tübingen durch Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor des Tübingen AI Center), Dr. Wieland Brendel (ELLIS Institute Tübingen, Tübingen AI Center, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Tübingen) und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Direktor Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen) ins Leben gerufen und ermöglicht seitdem Jugendlichen, ihr Können aktiv im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen.<br> Mehr Infos unter: <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a></p><h3>Über das Tübingen AI Center&nbsp;</h3><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist ein Outreach-Projekt des Tübingen AI Center. Das KI-Zentrum ist eine Einrichtung der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, gefördert vom Forschungsministerium Baden-Württemberg und Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel der Forschenden ist die Weiterentwicklung robuster lernender Systeme. Gleichzeitig sollen maschinelle Entscheidungsprozesse besser interpretierbar und fairer werden. Grundlagenforschung wird mit Transfer und Ausbildung verknüpft. Gemeinsam mit anderen Forschenden in Europa soll ein Beitrag für gesellschaftlich wertvolle Technologien als “AI made in Europe” geleistet werden.<br> Mehr Infos unter:<a href="http:// https://tuebingen.ai" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">&nbsp;https://tuebingen.ai</a></p><h3>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.<br> Mehr Infos unter: <a href="https://carl-zeiss-stiftung.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://carl-zeiss-stiftung.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100259</guid><pubDate>Mon, 13 Nov 2023 14:51:47 +0100</pubDate><title>Studieninfotag 2023 an der Universität Tübingen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studieninfotag-2023-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Studieninteressierte erhalten Einblick in die Studienfächer der Universität Tübingen – 7.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim Studieninfotag am Mittwoch, den 22. November 2023, können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe erstmals seit der Corona-Pandemie wieder vor Ort über das vielfältige Studienangebot der Universität Tübingen informieren. Die Universität Tübingen ist eine moderne Spitzenuniversität mit langer Tradition. An sieben Fakultäten bietet sie heute mehr als 200 Studiengänge an – von Ägyptologie bis Zahnmedizin. Mit seinem umfassenden Angebot bietet der Studieninfotag Gelegenheit, erste Einblicke in Themen, Voraussetzungen sowie berufliche Perspektiven von einem oder mehreren Fächern zu gewinnen. Erwartet werden etwa 7.000 Studieninteressierte.</p><p>Vormittags können die Schülerinnen und Schüler an zwei zentralen Veranstaltungsorten, dem Campus Tal (Neue Aula, Kupferbau, Infozelt) und dem Campus Morgenstelle (Hörsaalzentrum Morgenstelle), über 80 Kurzvorträge und rund 50 Infostände verschiedener Fächer besuchen. Zudem gibt es Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie Studienwahl, Lehramtsstudium, Studienfinanzierung (BAföG) oder Auslandssemester.&nbsp;</p><p>Das Programm beginnt um 9.00 Uhr mit dem Infomarkt und Vorträgen – alle Angebote der Geistes- und Kulturwissenschaften, Theologien, Wirtschafts-, Sozial-, Sport- und Rechtswissenschaft sowie Psychologie finden auf dem Campus Tal, alle Angebote zu den Naturwissenschaften, Medizin und Gesundheitswissenschaften auf dem Campus Morgenstelle statt.</p><p>Am Nachmittag (ab 13:00 Uhr bis ca. 16:00 Uhr) sind Studieninteressierte herzlich eingeladen, an den vielfältigen Aktivitäten in Instituten und Lehrgebäuden der Fächer teilzunehmen und Studierende oder Lehrende persönlich kennenzulernen, z.B. in Seminaren, Vorlesungen, Labor- und Institutsführungen. Die Fächer bieten so einen Einblick in Studium und Forschung.</p><p>Zwischen dem Tübinger Hauptbahnhof und den Veranstaltungsorten Neue Aula, Kupferbau sowie Hörsaalzentrum (und zurück) verkehren am Studieninfotag im Zehnminutentakt kostenlose Shuttlebusse.</p><p>Die Kapazität der Züge auf den Bahnstrecken in Richtung Tübingen kann für den Studieninfotag leider nicht erhöht werden, so dass auf den regulären Pendlerstrecken in Richtung Tübingen am 22. November voraussichtlich mit sehr hoher Auslastung zu rechnen ist. Allen nach Tübingen anreisenden Schülerinnen und Schülern sowie beruflichen Pendlerinnen und Pendlern wird empfohlen, genügend Zeit einzuplanen oder gegebenenfalls auf Alternativen auszuweichen.</p><p>Das Programm sowie weitere Hinweise zur Anreise finden Sie unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studieninfotag" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studieninfotag</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-100025</guid><pubDate>Tue, 07 Nov 2023 08:52:46 +0100</pubDate><title>Beim Klimawandel die Regionen im Blick behalten </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/beim-klimawandel-die-regionen-im-blick-behalten/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p><em>Bislang stehen Ergebnisse von Klimasimulationen manches Mal im Widerspruch zur Analyse von Klimaspuren aus der Vergangenheit. Ein Team um den Physiker Thomas Laepple vom Potsdamer Alfred-Wegener-Institut und die Klimatologin Kira Rehfeld von der Universität Tübingen hat deshalb Fachleute für Klimamodelle und Klimaspuren zusammengebracht, um zu klären, wie es zu den Diskrepanzen kommt. Das überraschende Ergebnis wurde jetzt im Fachmagazin </em>Nature Geoscience<em> veröffentlicht: In gewisser Weise haben beide Seiten recht. Klimamodelle schätzen global Temperaturtrends richtig ein, unterschätzen aber oft die Stärke regionaler Klimaschwankungen vor allem im Laufe von Jahrzehnten bis Jahrhunderten.</em></p><p>Um die Ursachen und Folgen von Klimaschwankungen zu verstehen, schaut die Forschung in Klimaarchive zum Beispiel in Bäumen, Seen und Meeressedimenten oder auch im Eis. Denn im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden hat sich das Klima immer wieder verändert und dabei Spuren hinterlassen. Wer weiß, wie sich die natürlichen Klimaveränderungen abgespielt haben, kann besser einschätzen, was mit dem menschengemachten Klimawandel auf uns zukommt. Besonders wichtig ist es derzeit vorauszusehen, wie sich die Menschheit auf die Folgen der immer stärkeren Erderwärmung vorbereiten kann. „Die Auswirkungen des Klimawandels werden wir vor allem regional zu spüren bekommen“, sagt der Physiker Prof. Dr. Thomas Laepple vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Potsdam. „In manchen Regionen dürften Dürren häufiger werden, was über viele Jahre zu Missernten führen kann. Anderswo werden möglicherweise stärkere Hurrikans auftreten.“&nbsp;</p><p>Das Problem besteht darin, dass die globalen Klimamodelle die Situationen in einzelnen Regionen oft nicht im Detail abbilden können, wenn sie mehrere Jahrhunderte in die Zukunft blicken. Sie sind zwar gut darin, den globalen Trend der Erderwärmung exakt zu berechnen, es fehlt aber noch an Möglichkeiten, lokalen Bedingungen exakt abzuschätzen. Das macht es schwierig, konkrete Maßnahmen zur Anpassung ans Klima zu planen und umzusetzen – beispielsweise in der Landwirtschaft zur rechten Zeit auf solche Pflanzen umzustellen, die höhere Temperaturen vertragen. Auf das Problem der lokalen Vorhersagekraft haben Thomas Laepple und seine Kolleginnen und Kollegen bereits vor etwa zehn Jahren hingewiesen: Bei einer Analyse zur Klimaentwicklung der letzten 7000 Jahre hatten sie damals eine auffällige Diskrepanz zwischen den globalen Klimarechnungen auf der einen Seite und der lokalen Analyse von Klimaspuren aus jahrhunderte- oder gar jahrtausendealten Meeresbodensedimenten, Baumringen, Pollen oder Korallen aufgedeckt. Diese geben einen Hinweis darauf, wie warm es in der Vergangenheit in bestimmten Regionen der Erde gewesen sein muss. Auf regionaler Skala lagen die Klimarechnungen und die Analysen der Sedimentproben bei der Einschätzung der Temperaturen teils um das 50-fache auseinander. In der Fachwelt führte das zu kontroversen Diskussionen.</p><p>„Damals standen wir vor einem Rätsel“, erinnert sich Thomas Laepple. „Wir konnten nicht mit Sicherheit sagen, ob in den ausgewählten Beispielen die Klimamodelle falsch lagen oder ob die aus den Sedimentproben abgeleiteten Temperaturdaten auf fehlerhaften Annahmen beruhen.“ In der Folge gelang es Thomas Laepple zusammen mit der Klimatologin Kira Rehfeld von der Universität Tübingen, auf dieses Problem aufmerksam zu machen. So wurden unter anderem in Workshops beide Seiten zusammengeholt: die Fachleute für Klimamodelle und diejenigen, die die Klimaspuren auswerten. Zudem taten sich Laepple und Rehfeld zudem mit Kolleginnen und Kollegen zu der internationalen Arbeitsgruppe CVAS (Climate Variability Across Scales) zusammen, die die Diskrepanz zwischen der regionalen und der globalen Skala genauer untersuchte. Jetzt hat er zusammen mit Kira Rehfeld und weiteren Kolleginnen und Kollegen im Fachmagazin <em>Nature Geoscience</em> einen Übersichtsartikel veröffentlicht, der Diskrepanzen aufzeigt. Zu den Koautoren gehören auch Studentinnen und Studenten sowie Workshopteilnehmende, die durch Literaturrecherche und wissenschaftliche Abbildungen zu der Studie beigetragen haben. Das wichtigste Ergebnis: In gewisser Weise haben beide Seiten recht – die Fachleute für Klimamodelle und jene, die die Klimaspuren auswerten. „Wir haben festgestellt, dass die Klimamodelle wirklich gut darin sind, die globale Temperaturentwicklung der Vergangenheit nachzuvollziehen“, sagt Thomas Laepple. „Allerdings werden regionale Abweichungen dabei umso stärker herausgemittelt, je länger der Zeitraum ist, den man betrachtet. Wenn man so will, werden Trends in den regionalen Temperaturwerten zu schnell zu glatt.“ So berücksichtigten die globalen Klimamodelle beispielsweise viele regionale Puffer-Phänomene nicht – zum Beispiel regionale Meeresströmungen, die das Klima in einer Küstenregion über viele Jahre oder gar Jahrzehnte stabil hielten, obgleich es im globalen Durchschnitt wärmer wird.&nbsp;</p><p>„Wir bemerken immer stärker, dass sich das Klima weltweit regional unterschiedlich verändert – etwa die Temperaturen“, sagt er. „Es gibt eine ganze Bandbreite. Manche Regionen können für einige Jahre kälter werden, andere deutlich heißer als im globalen Durchschnitt, auch Sprünge sind möglich. Das muss man bei Risikoabschätzungen für die Klimaanpassung bedenken.“ Wichtig sei auch zu verstehen, dass eine mehrjährige Abkühlung in einer Region nicht bedeute, dass es den Klimawandel nicht gebe. „Der globale Trend der Erderwärmung ist über Jahrzehnte hinweg eindeutig – auch wenn das Klima in einzelnen Regionen für einige Zeit davon abweichen sollte.“</p><p class="align-right"><em><a href="https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse/presse-detailansicht/beim-klimawandel-die-regionen-im-blick-behalten.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung des AWI vom 06.11.23</a></em></p><h3>Originalpublikation:</h3><p>T. Laepple, E. Ziegler, N. Weitzel, R. Hébert, B. Ellerhoff, P. Schoch. B. Martrat, O. Bothe, E. Moreno-Chamarro, M. Chevalier, A. Herbert, K. Rehfeld: Regional but not global temperature variability underestimated by climate models at supra-decadal timescales; Nature Geoscience (2023). DOI: 10.1038/s41561-023-01299-9</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99980</guid><pubDate>Mon, 06 Nov 2023 11:32:57 +0100</pubDate><title>Symposion befasst sich mit der Universität der Zukunft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/symposion-befasst-sich-mit-der-universitaet-der-zukunft/</link><description>Tagung an der Universität Tübingen mit zahlreichen Fachleuten aus dem In- und Ausland – Künftige Entwicklung von Forschung, Lehre, Hochschulbau und Wissenstransfer unter den Themen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als 40 Fachleute aus dem In- und Ausland werden am 11. November in Tübingen über die Zukunftsperspektiven der Universität als Institution diskutieren. „Die Herausforderungen, vor denen die Wissenschaft und die Universitäten im frühen 21. Jahrhundert stehen, sind evident“, sagte die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Karla Pollmann. „Gesellschaft und Wirtschaft befinden sich in einem schwierigen Transformationsprozess und die Universitäten sind mittendrin. Ich habe daher zu Beginn dieses Jahres entschieden, Fachleute aus aller Welt nach Tübingen einzuladen, um mit ihnen über die Zukunft und Perspektiven der Universität zu sprechen.“</p><p><strong>Das Symposion „University of the Future“ findet statt am</strong></p><p><strong>Samstag, 11. November 2023,<br> 10.30-19.00 Uhr<br> Alte Aula der Universität<br> Münzgasse 30<br> 72070 Tübingen</strong></p><p>Den Eröffnungsvortrag hält die Transformationsforscherin Dr. Maja Göpel. Weitere Vorträge und Diskussionen drehen sich unter anderem um die Zukunft von Forschung und Lehre, Transfer und Translation von Wissen, Hochschulbau und Nachhaltigkeit, die Rolle der Geisteswissenschaften im 21. Jahrhundert, Wissenschaftskommunikation sowie die künftige Rolle von Universitätsbibliotheken.</p><p>Das Symposion ist nicht allgemein öffentlich. Die Konferenzsprache ist Englisch. Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldung bei der Hochschulkommunikation der Universität Tübingen.</p><p>Das vollständige Programm der Tagung finden Sie hier: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/future-symposium" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/future-symposium</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99962</guid><pubDate>Fri, 03 Nov 2023 10:58:52 +0100</pubDate><title>Instrumentensammlung „Klangkörper“ künftig in Dauerausstellung zu sehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/instrumentensammlung-klangkoerper-kuenftig-in-dauerausstellung-zu-sehen/</link><description>Kooperationsprojekt des MUT und der Musikwissenschaft anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Musikwissenschaftlichen Instituts - Ausstellungseröffnung am 9. November</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen beherbergt die umfangreichste Sammlung historischer Blasinstrumente an einer deutschen Universität. Sie wird in Forschung und Lehre für die Instrumentenkunde (Organologie) genutzt, eine der traditionellen Disziplinen der Musikwissenschaft. Die Musikinstrumentensammlung „Klangkörper“ stammt größtenteils aus der Stiftung und Sammlung Dr. h. c. Karl Ventzke. Der Sammler Karl Ventzke (1933–2005) forschte selbst zu Blasinstrumenten des 19. Jahrhunderts und erhielt dafür 1999 auch die Ehrenpromotion der Universität Tübingen.</p><p>Zum 100-jährigen Jubiläum des Musikwissenschaftlichen Instituts wurden die historischen Vitrinen aus dem Bestand des Museums der Universität Tübingen MUT von Stephan Potengowski und Gottfried Schubert restauriert. Im ebenfalls frisch renovierten Foyer des Pfleghofs ist nun ein elegantes Ambiente entstanden, in dem die Musikinstrumentensammlung „Klangkörper“ ab 9. November 2023 in einer kostenlos zugänglichen Dauerausstellung präsentiert wird.<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99821</guid><pubDate>Thu, 02 Nov 2023 09:00:00 +0100</pubDate><title>Als in Europa hornlose Nashörner lebten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/als-in-europa-hornlose-nashoerner-lebten/</link><description>Internationales Forschungsteam analysiert fossile Schädel und bestimmt Arten neu: Die Verwandten heutiger Nashörner trugen keine Hörner und starben vor fünf Millionen Jahren aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Paläontologen haben eine in Vergessenheit geratene Nashorn-Gattung neu definiert:<em> Eochilotherium </em>lebte vor mehr als fünf Millionen Jahren und trug kein Horn. Hornlose Nashörner als Vorfahren heutiger Arten waren bereits bekannt. Ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, Griechenland, Bulgarien und Südafrika zeigt im <span lang="en" dir="ltr"><em>Journal of Vertebrate Paleontology</em></span>, dass diese diverser waren als bislang gedacht. Panagiotis Kampouridis vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen untersuchte dafür aus Museumssammlungen stammende, fossile Schädel hornloser Nashörner.</p><p>Heutige Nashörner tragen die charakteristischen Hörner auf Nase und/oder Stirn und leben in Afrika und Asien. Drei der fünf Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht. In der 40 Millionen Jahre alten Evolutionsgeschichte der großen Pflanzenfresser gab es zahlreiche Arten, die ausstarben – darunter viele ohne das namensgebende Horn.&nbsp;</p><p>Hornlose Nashörner waren die vielleicht diverseste Gruppe der ganzen Familie und eine der artenreichsten Gattungen ist als <em>Chilotherium</em> bekannt. Sie lebten in Asien wie auch in Ost- und Südosteuropa. Im Gegensatz zu heutigen Arten waren sie kleiner und hatten extrem kurze Beine, waren also vermutlich nicht so lauffreudig wie heutige Nashörner. Sie trugen Hauer-artige Schneidezähne und grasten in offenen Landschaften. Vor spätestens 5 Millionen Jahren starben die Chilotherien in Europa und etwas später auch in Asien aus, vermutlich auch wegen veränderter Klimabedingungen.&nbsp;</p><p>Die Originalfossilien der Chilotherien Arten <em>Chilotherium schlosseri </em>und <em>Eochilotherium samium</em> ‒ sogenannte Holotypen ‒ wurden im zweiten Weltkrieg zerstört. Dies machte die Bestimmung dieser zwei Arten bislang schwierig. Kampouridis, Doktorand und Erstautor der Publikation, suchte deshalb in verschiedenen europäischen Museen nach neuen Belegen und wurde im Museum der Natur Hamburg und dem Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt fündig.&nbsp;</p><p>Anhand zwei fossiler Schädel gelang es ihm schließlich, die Arten neu zu definieren. Sie bestätigen, dass es neben Chilotherium eine weitere Gattung hornloser Nashörner gab,&nbsp;<em>Eochilotherium</em>. Erkennbar ist dies an der Form von Schädel und Zähnen – <em>Eochilotherium samium </em>hat einen etwas kleineren und schmaleren Schädel und weniger ausgeprägte Zahnschmelzfalten in den Oberkieferzähnen als <em>Chilotherium schlosseri</em>.&nbsp;</p><h3>Eine komplexe Verbreitungsgeschichte</h3><p>Die Autoren der Studie gehen sogar davon aus, dass zwei weitere Arten aus China, die wie <em>Eochilotherium samium</em> bisher zur Gattung <em>Chilotherium</em> zählten, eigentlich näher mit&nbsp;<em>Eochilotherium</em> verwandt sind oder sogar eine weitere Gattung repräsentieren. „Dies ändert unser Verständnis von der Chilotherien-Gruppe, von der bislang angenommen wurde, dass sie nur zwei Gattungen beinhaltet, grundlegend. Nach den vorliegenden Ergebnissen beinhaltet sie drei, möglicherweise sogar vier Gattungen“, sagt Ko-Autor Prof. Nikolai Spassov von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften.&nbsp;</p><p>„Unsere Ergebnisse geben auch Einblick in die Biogeographie der kurzbeinigen Chilotherien, die nach den bisherigen Erkenntnissen mindestens zwei Mal aus Asien nach Europa eingewandert sind. Möglicherweise ist ihre Verbreitungsgeschichte jedoch noch komplexer“, sagt Prof. Madelaine Böhme.</p><p>Diese grundlegende Studie sei deshalb Basis einer detaillierten Erforschung der letzten europäischen Chilotherien, die trotz hoher Diversität nicht überlebten, sagen die Autoren in ihrer Studie. Sie zeige, wie wichtig die detaillierte Untersuchung auch von bereits bekannten Arten sei. „Nashörner, wie auch andere große Pflanzenfresser, haben sehr wichtige Rollen in ihren jeweiligen Ökosystemen und ihr Verlust kann zu weitreichenden Folgen für die restliche Fauna führen“, erläutert Kampouridis und schließt: „Dies gilt für fossile ebenso wie für heutige Ökosysteme.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Panagiotis Kampouridis, Georgia Svorligkou, Nikolaos Kargopoulos, Nikolai Spassov &amp; Madelaine Böhme: <span lang="en" dir="ltr">Revision of the late Miocene hornless rhinocerotods from Samos Island (Greece) with the designation of neotypes and implications for the European chilotheres. <em>Journal of Vertebrate Paleontology</em></span>, <a href="https://doi.org/10.1080/02724634.2023.2254360" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1080/02724634.2023.2254360</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99845</guid><pubDate>Tue, 31 Oct 2023 11:40:49 +0100</pubDate><title>Musik auf YouTube nützt unbekannten Künstlern – aber schmälert Einnahmen der Großen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/musik-auf-youtube-nuetzt-unbekannten-kuenstlern-aber-schmaelert-einnahmen-der-grossen/</link><description>Strenge Regulierung von Musikvideos könnte zu Marktkonzentration führen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Musik-Hits, die kostenlos von Nutzern auf YouTube zugänglich gemacht werden, werden auf Plattformen wie Spotify oder Apple Music weniger nachgefragt. Der breiten Masse weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler hingegen kann ein Hochladen auf YouTube durch Nutzer zu mehr Aufmerksamkeit und damit Einnahmen über lukrativere Plattformen verhelfen. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam der Wirtschaftsuniversität Wien, der Universitäten Tübingen und Hamburg und der LMU München. Ihre Studie wurde am Freitag im Fachjournal <em>Marketing Science</em> veröffentlicht.</p><p>Auch Songs, die zu unbekannteren Genres gehören oder bereits vor längerer Zeit veröffentlicht wurden, werden bei Streaming-Diensten häufiger abgerufen, wenn sie von Nutzern zuvor auf YouTube kostenfrei hochgeladen wurden. Da YouTube als weltweit größter Musik-Streamingdienst eine Schlüsselposition einnimmt, werfen diese Ergebnisse Fragen für die Regulierung des Marktes auf – diese wurde sehr kontrovers diskutiert, als die EU-Kommission die Richtlinie (Artikel 17) über Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt überarbeitete.</p><p>„Es ist wichtig, dass Politikerinnen und Politiker die potenziellen Auswirkungen einer strengeren Regulierung von Plattformen für nutzergenerierte Inhalte sorgfältig abwägen“, sagte Nils Wlömert, Professor am WU Institut für Retailing &amp; Data Science und Erstautor der Studie. „Eine solche Regulierung könnte unbeabsichtigt die Markkonzentration erhöhen, indem sie unbekannte Künstlerinnen und Künstler in ihrer Reichweite einschränkt.“&nbsp;</p><p>Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch, dass eine geringere Nachfrage nach Hit-Releases auf Musik-Streamingdiensten wie Spotify erhebliche Auswirkungen auf die Umsätze der Musikindustrie hat. Denn obwohl sie nur einen kleinen Teil der Inhalte ausmachen, sind diese Hits für einen großen Anteil des Umsatzes verantwortlich. „Es ist daher wichtig, eine ausgewogene Regulierung zu finden, die sowohl die Urheberrechte als auch die Interessen von Künstlerinnen und Fans berücksichtigt“, sagte Professor Dominik Papies vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Tübingen. &nbsp;</p><p>Privatpersonen ist auf Plattformen für nutzergenerierte Inhalte wie YouTube oder TikTok das Hochladen und Teilen von Musik-Videos zu sehr geringen Kosten möglich. Da auch die Plattformen nicht für diese Inhalte haften müssen, sprechen Fachleute vom Prinzip der „Safe Habor“ - sicheren Häfen. Urheberinnen und Urheber erhalten zwar von den Plattformen eine geringe finanzielle Kompensation. Unter anderem aber wegen der geringen Vergütung gibt es immer wieder Diskussionen über eine strengere Regulierung dieser Safe Harbors, wie derzeit durch eine Gesetzesinitiative im US-Kongress.</p><p>Die Studie konnte Dank eines einmaligen Umstandes erstellt werden, der einem kontrollierten Experiment gleicht – eine Seltenheit in den Sozialwissenschaften: Jahrelang hatte YouTube in Deutschland die Ausspielung von Videos, die durch Nutzer hochgeladen wurden, unterbunden. Der Grund war ein Rechtsstreit mit deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA. Doch im Oktober 2016 wurde eine Einigung erzielt – über Nacht waren Hunderttausende Titel, die von Nutzern hochgeladen waren, auf YouTube verfügbar. Die Forscher konnten nun einen Datensatz zu 600.000 Songs auswerten: mehr als 350.000 Titel waren im Anschluss an die Einigung mit der GEMA tatsächlich auf YouTube im Untersuchungszeitraum von einem halben Jahr verfügbar - der Rest aber noch nicht. So konnten die Forscher feststellen, ob die plötzliche Präsenz von einem Teil der Songs auf YouTube die Einnahmen ihrer Urheberinnen und Urheber an anderer Stelle veränderte.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Wlömert N, Papies D, Clement M, Spann M 2023. The Interplay of User-Generated Content, Content Industry Revenues, and Platform Regulation: Quasi-Experimental Evidence from YouTube. <em>Marketing Science</em>, <a href="https://doi.org/10.1287/mksc.2022.0080" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1287/mksc.2022.0080</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99683</guid><pubDate>Thu, 26 Oct 2023 13:02:23 +0200</pubDate><title>Science &amp; Innovation Days 2023 zum Thema Resilienz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/science-innovation-days-2023-zum-thema-resilienz/</link><description>Mehr als 50 Veranstaltungen an vier Tagen – Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen und vieles mehr</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Tübinger Wissenschaftsfestival Science &amp; Innovation Days lädt alle Bürgerinnen und Bürger in und um Tübingen zum Mitmachen, Diskutieren und Erkunden ein. Im Mittelpunkt des viertägigen Festivals steht in diesem Jahr das Thema Resilienz und damit ein Schlüsselbegriff in einem Zeitalter der Krisen und der Transformation. „Die Science &amp; Innovation Days gehen in diesem Jahr neue Wege“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann. Ziel sei es, nicht allein aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft zu vermitteln, sondern vor allem mit den Menschen aus Stadt und Region zum Thema Resilienz in den Dialog zu treten.</p><p>„Die diesjährigen Science &amp; Innovation Days wären in dieser Form nicht möglich ohne die enge Kooperation mit unseren Partnern aus Stadt und Region“, betonte die Rektorin: „Ihnen allen danke ich ganz herzlich für dieses herausragende Engagement.“ Die Universität Tübingen realisiert das Wissenschaftsfestival in Kooperation mit den Tübinger Max-Planck-Instituten, dem Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), dem Weltethos-Institut, den Stadtwerken Tübingen sowie weiteren Partnern aus dem Kreis der Zivilgesellschaft.&nbsp;</p><p>Resilienz bezeichnet die Widerstandskraft von Menschen und Gesellschaften gegen Krisen und Katastrophen – aber auch die von biologischen Systemen gegen äußere Einflüsse. Mehr als 50 Veranstaltungsangebote sind Teil des Festivalprogramms, darunter Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen, Führungen und eine Messe (Science Fair). Über 100 Forschende aus zahlreichen Disziplinen sind beteiligt.&nbsp;</p><h3>Ein Festival mitten in der Stadt und mit der Stadtgesellschaft&nbsp;</h3><p>Die #SIDays23 bringen das Thema Resilienz in die Mitte der Stadt. Das Festivalzentrum bilden die Oberen Säle der Museumsgesellschaft (Wilhelmstraße 3). Hier finden neben der Science Fair auch Kurzvorträge, Diskussionsveranstaltungen sowie ein Wissenschaftsvarieté statt. Weitere Veranstaltungen finden in Instituten der Universität, der Alten Aula, im Pfleghofsaal, im Sudhaus, in der Hirsch-Begegnungsstätte sowie im Weltethos-Institut statt. Alle Veranstaltungen der Science &amp; Innovation Days 2023 sind kostenfrei. Bei ausgewählten Veranstaltungen raten wir wegen der zu erwartenden starken Nachfrage zu einer Anmeldung unter <a href="http://www.sidays.com" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.sidays.com</a>. Diese Veranstaltungen sind im Programm besonders ausgewiesen.&nbsp;</p><p>Nachfolgend einige Programm-Highlights:&nbsp;</p><h3>Science Fair</h3><p>Wann und wo: 8.11., 12:00–19:00 Uhr, 9.11., 09:00–19:00 Uhr, Obere Säle der Museumsgesellschaft, Wilhelmstr. 3.<br> Die Science Fair bildet am Mittwoch und Donnerstag das Zentrum der Science &amp; Innovation Days. Die Messe bietet eine Plattform für Forschende, NGOs, Unternehmen und Initiativen. Besucherinnen und Besucher finden hier an mehr als 20 Ständen Informationen, Innovationen und Interaktionen zum Thema Resilienz. Begleitet wird die Science Fair von verschiedenen Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen.&nbsp;</p><h3>Fishbowl-Diskussion: „Wie resilient ist unsere Gesellschaft? Rechtsextremismus als Gefahr für unsere Demokratie“</h3><p>Wann und wo: 8.11., 17:00 Uhr, Obere Säle der Museumsgesellschaft, Wilhelmstr. 3.<br> Hier haben alle Interessierten die Gelegenheit mit Professorin Tanja Thomas, Dr. Marco Krüger (beide Universität Tübingen) und Mathieu Coquelin (Fachstelle Extremismusdistanzierung) zu diskutieren über die Zusammenhänge von konstruktiver, wissenschaftsbasierter Diskussionskultur, Verschwörungstheorien und erstarkendem Rechtsextremismus.&nbsp;<br> (Anmeldung empfohlen unter: <a href="https://ResilienteGesellschaft.eventbrite.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ResilienteGesellschaft.eventbrite.de</a>) &nbsp; &nbsp;</p><h3>Wie resilient ist Schrödingers Katze? Varieté-Show mit Bernd Kohlhepp und Professor Sebastian Slama</h3><p>Wann und wo: 08.11., 20:00–21:30 Uhr, Obere Säle der Museumsgesellschaft, Wilhelmstr. 3.<br> Auch Elektronen sind sensibel: Sie können gestört werden, fallen dann wieder in einen geordneten Zustand zurück – oder entgleiten ins Chaos. Was also können wir von der Physik über Resilienz lernen? Warum ist es so schwer, einen Quantencomputer zu bauen? Und was hat das mit der ominösen Schrödinger-Katze zu tun? Diese und weitere Fragen diskutieren der Physiker Sebastian Slama und der schwäbische Comedian Bernd Kohlhepp, alias Herr Hämmerle, in einem unterhaltsamen Wissenschafts-Varieté mit physikalischen Live-Experimenten. Wissenschaftliche Unterhaltung für die ganze Familie.&nbsp;<br> (Anmeldung empfohlen unter: <a href="https://SchroedingersKatze.eventbrite.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://SchroedingersKatze.eventbrite.de</a>) &nbsp;</p><h3>Der Wissenschaftssalon – Ein wissenschaftlich-kultureller Nachmittag</h3><p>Wann und wo: 9.11., 14:00–18:00 Uhr, Sudhaus<br> Eine moderne Neuinterpretation der Salonkultur vergangener Zeiten mit fünf kurzen wissenschaftlichen Vorträgen zum Thema Resilienz von Archäologie bis Informatik. Dazwischen gibt es Livemusik und Zeit für Diskussionen. Den Abschluss bildet die Tübinger Harlekin-Impro-Theatergruppe mit ihrer Interpretation von Resilienz. Kaffee, Süßes sowie musikalische Intermezzi schaffen eine lockere Atmosphäre und erleichtern Meinungsaustausch und Diskussion.&nbsp;</p><h3>Science, Start-ups and Success? Stories of Failing and Getting Up Again</h3><p>(In englischer Sprache)</p><p>Wann und wo: 9.11., 19:30–21:00 Uhr, Sudhaus<br> Hinfallen, wieder aufstehen und vor allem: darüber reden. Scheitern ist ein Teil des Lebens und immer auch die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. Forschende sowie Gründerinnen und Gründer berichten von ihren Erfahrungen. Die Sozialpädagogin und Beraterin Antje Schmidtke spricht über Hürden in der Wissenschaft und den richtigen Umgang mit Fehlern. Moderator Cedric Engels, auf YouTube besser bekannt als Dr. Whatson, bereitet den Geschichten von Scheitern und Neustart charmant und humorvoll die große Bühne.&nbsp;</p><h3>Fishbowl-Diskussion: Was kostet uns eine resiliente Umwelt</h3><p>Wann und wo: 10.11., 18:00-19:45 Uhr, Obere Säle Museumsgesellschaft, Wilhelmstr. 3<br> Nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch unsere Umwelt verändert sich rasant. Wie können wir diesen Wandel gut und nachhaltig gestalten? Was sagt dazu die Forschung? Und was kostet uns das Nichts-Tun? Diese und weitere Fragen diskutiert die Transformationsforscherin Professorin Maja Göpel mit den Umweltforscherinnen Professorin Kira Rehfeld und Professorin Christiane Zarfl, dem Bioethiker Professor Thomas Potthast sowie den anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann, spricht ein Grußwort.&nbsp;<br> (Anmeldung empfohlen unter: <a href="https://ResilienteUmwelt.eventbrite.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ResilienteUmwelt.eventbrite.de</a>) &nbsp;&nbsp;</p><h3>Science Notes: Tübingen 2050 – Wie wird unsere Zukunft aussehen?</h3><p>Wann und wo: 10.11., 20:00 Uhr, Kino Museum<br> Wie wird Tübingen 2050 aussehen? Bei den Science Notes berichten fünf Tübinger Forscherinnen und Forscher in kurzen Vorträgen von ihrer Arbeit und blicken mit uns in die Zukunft. Gemeinsam gehen wir der Frage nach, wie Klimawandel und Transformation unsere Stadt verändern werden – und wie wir sie darauf vorbereiten können! Das Münchner Duo Ströme begleitet den Abend mit seinen modularen Synthesizern.</p><h3>Das vollständige Programm sowie Anmeldung unter:</h3><p><a href="http://www.sidays.com" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.sidays.com&nbsp;</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99569</guid><pubDate>Wed, 25 Oct 2023 11:24:09 +0200</pubDate><title>Einzigartiges Nasenmikrobiom</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/einzigartiges-nasenmikrobiom/</link><description>Studie zeigt individuelle Unterschiede in der Immunantwort der Nase. Forschende der Universität Tübingen geben neue Einblicke in die spezifische Antikörper-Reaktion von körpereigenem Immunglobulin A. Die Ergebnisse helfen die körpereigene Immunantwort besser zu verstehen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine kürzlich im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>Microbiome </em></span>veröffentlichte Studie wirft neues Licht auf das komplexe Zusammenspiel zwischen dem menschlichen Immunsystem und den Mikroorganismen, die unsere Nase besiedeln. Die lokalen Immunreaktionen in der Nase sind sehr wahrscheinlich ein entscheidender Faktor für Infektionen durch respiratorische Erreger. Trotzdem ist dieser Teil des Immunsystems bislang weitgehend unerforscht geblieben. Im Fokus der Studie stand nun der körpereigene Antikörper sekretorisches Immunglobulin A, kurz sIgA. Dieser Antikörper ist für die Immunantwort des Körpers von entscheidender Bedeutung, da er aktiv an der Neutralisierung von Krankheitserregern beteiligt ist. sIgA ist in unserem Nasensekret, Speichel, Schweiß, unserer Darmflüssigkeit, unseren Tränen und in Muttermilch reichlich vorhanden.&nbsp;</p><h3>Starke individuelle Unterschiede in der Immunantwort</h3><p>Die Studie konnte zeigen, dass sich die IgA-Mengen verschiedener Menschen um mehr als das Hundertfache unterscheiden können. &nbsp;Bei vielen Bakterien war auch der IgA-Score, der die Reaktivität des Antikörpers gegenüber einer bestimmten Bakterienart misst, stark variabel. Einzelne Personen zeigten eine klare IgA-Antwort gegenüber bestimmten Mikroorganismen, während andere dies nicht taten. Dies deutet darauf hin, dass die Nasenschleimhaut jedes Individuums unterschiedlich auf die Mikroben in ihrer Umgebung reagiert, was möglicherweise unterschiedliche Infektionsanfälligkeiten erklären könnte.</p><p>Forschende des Exzellenzclusters „<span lang="en" dir="ltr">Controlling Microbes to Fight Infections</span>“ (CMFI) an der Universität Tübingen haben eine hochgradig individualisierte Reaktion des sIgA auf die Mikroben beobachtet, die in der menschlichen Nase leben. Die Stärke der Immunreaktion könnte von der jeweiligen Genetik des Wirts, seinem Immunsystem und den lokalen Bedingungen abhängen. Diese Entdeckung unterstreicht die einzigartige Natur der menschlichen Immunantwort.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99563</guid><pubDate>Wed, 25 Oct 2023 09:39:19 +0200</pubDate><title>36. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/36-tuebinger-poetik-dozentur-1/</link><description>Christian Baron und Édouard Louis an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 36. Tübinger Poetik-Dozentur ein: Christian Baron und Édouard Louis werden vom 30. Oktober bis zum 3. November über ihre Texte und ihre Schreibpraxis sprechen.</p><p>Den traditionellen Auftakt bildet vorher eine Lesung in der Kunsthalle Würth: Christian Baron liest am Sonntag, 29. Oktober, 16 Uhr in Schwäbisch Hall aus seinem aktuellen Roman „Schön ist die Nacht“ von 2022 und seinem viel beachteten Debüt von 2020 „Ein Mann seiner Klasse“.</p><p>Alle weiteren Vorlesungen und Gespräche finden jeweils um 19 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) statt und können auch über einen <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Livestream </a>verfolgt werden.&nbsp;</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth und wird von der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG gefördert. Einmal jährlich werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten.</p><h3>Die Termine im Überblick</h3><p>Lesung von Christian Baron am Sonntag, 29. Oktober, um 16 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Der Eintritt ist frei. Anmeldung erforderlich unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mwpuvjcnngBywgtvj0eqo" data-mailto-vector="2" class="mail">kunsthalle<span style="display:none">spam prevention</span>@wuerth.com</a>.</p><h4>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</h4><p>jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula. Der Eintritt ist frei.</p><ul><li>Montag, 30. Oktober: Vorlesung von Christian Baron: „Um sein Leben schreiben. Die Zeit der Monster“</li><li>Dienstag, 31. Oktober: Vorlesung von Christian Baron: „Um sein Leben schreiben. In der falschen Klasse“</li><li>Mittwoch, 1. November: Christian Baron im Gespräch mit Wolfgang M. Schmitt: „Was macht eine klasse Literaturverfilmung aus?“</li><li>Donnerstag, 2. November: Vorlesung von Édouard Louis: „Mind“</li><li>Freitag, 3. November: Vorlesung von Édouard Louis: „Body“</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99431</guid><pubDate>Mon, 23 Oct 2023 13:47:45 +0200</pubDate><title>Mit KI für eine bessere Zukunft: Jugendliche im Finale des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mit-ki-fuer-eine-bessere-zukunft-jugendliche-im-finale-des-bundeswettbewerbs-kuenstliche-intelligenz/</link><description>Schülerinnen und Schüler wollen mit Künstlicher Intelligenz Fake-Fotos entlarven, Igel vor dem Mähroboter schützen oder mit kostengünstigen Analysen die Gesundheitsversorgung verbessern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>10. November 2023</strong> ist es wieder soweit: Zehn ausgewählte Teams aus ganz Deutschland präsentieren im <strong>Freistil Tübingen (Wöhrdstraße 25) ab 13.30 Uhr</strong> ihre Projektideen in der Hoffnung, mit einer Auszeichnung nach Hause zu fahren. Dieses Jahr nimmt erstmals auch ein Team einer Deutschen Auslandsschule teil.&nbsp;</p><p>Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen waren im Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI) das fünfte Jahr in Folge aufgerufen, alleine oder im Team mit bis zu vier Personen ein eigenes KI-Projekt zu entwickeln und damit einen positiven Beitrag für Mensch und Umwelt zu leisten. Nach der Projektbegehung- und Bewertung durch eine hochkarätige Jury aus Forschenden, Maker:innen und Expert:innen aus der KI-Anwendung führt der Physiker und Moderator Philip Häusser durch die Preisverleihung am Abend.</p><p>Hauptgewinn sind ein Geldpreis in Höhe von 1500 Euro sowie ein Praktikumsplatz in einem Hightechunternehmen. Daneben gibt es Sonderpreise in der Kategorie „Hardware“, sowie „Umwelt und Nachhaltigkeit“. Mit dem Nachwuchspreis soll ein Team motiviert werden, das viel Potenzial birgt, aber (noch) nicht gewonnen hat. Zusätzlich wird ein kreatives Anfängerteam ermittelt, um Programmier-Newcomer zu motivieren. Die Schule, die am aktivsten am BWKI-eigenen KI-Online-Kurs teilgenommen hat, wird zur „KI-Schule des Jahres“ gekürt.</p><p>Alle diejenigen, die nicht selbst vor Ort sein können, sind herzlich eingeladen, die <strong>Preisverleihung ab 19.30 Uhr live auf YouTube</strong> zu verfolgen (<a href="https://www.bw-ki.de/live" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.bw-ki.de/live</a>) und ihrem Favoritenteam per Abstimmung zum Publikumspreis zu verhelfen.&nbsp;</p><p>Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am heutigen Tübingen AI Center ins Leben gerufen und ermutigt seitdem Jugendliche, ihr Können aktiv im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Hauptförderer ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Weitere Informationen unter: <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><p>Das BWKI-Finale findet dieses Jahr während des Wissenschaftsfestivals „Science &amp; Innovation Days“ statt, das die Universität Tübingen und weitere Partnerorganisationen ausrichten. Das Festivalprogramm und weitere Informationen finden Sie in Kürze auf <a href="http://www.sidays.com" target="_blank" rel="noreferrer">www.sidays.com</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99422</guid><pubDate>Mon, 23 Oct 2023 11:24:22 +0200</pubDate><title>Forschung trifft Design: Mehr Windenergie durch KI </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschung-trifft-design-mehr-windenergie-durch-ki/</link><description>Vorstellung eines interaktiven Kunst- und Forschungsobjekts im swt-KulturWerk am Freitag, 27. Oktober 2023</description><content:encoded><![CDATA[<p>In Zeiten des Klimawandels werden erneuerbare Energiequellen immer wichtiger. Künstliche Intelligenz kann erheblich zu ihrer Nutzung beitragen. Wie genau, veranschaulicht ein interaktives Kunstobjekt am Beispiel der Windenergie. Die Installation heißt „IN-ML-OUT“, misst sieben Meter in der Breite und 2,25 Meter in der Höhe und wird diesen Freitag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.</p><p><strong>Interessierte und Vertreterinnen und Vertreter der Presse sind herzlich zur Präsentation von „IN-ML-OUT“ am Freitag, den 27. Oktober, um 17 Uhr ins swt-KulturWerk (Werkstraße 4) in Tübingen eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.</strong></p><p>Hinter dem Projekt steht eine Kooperation zwischen dem Tübinger Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“, der „Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ und dem „Zentrum für rhetorische Wissenschaftskommunikationsforschung zur Künstlichen Intelligenz“ (RHET AI).</p><p>Während des Events geben die Forscherinnen und Designstudierende Einblicke in die Ausgangsideen und Hintergründe des Projekts – und laden zum weiterführenden Austausch ein. Eine Diskussion zur Frage „Wie kann KI die Energiewende unterstützen?“ rundet den Abend ab. Es diskutieren Dr. Nicole Ludwig (Exzellencluster Maschinelles Lernen, Universität Tübingen), Peter Seimer (Sprecher für Digitalisierung, Fraktion Grüne im Landtag Baden-Württemberg) und Prof. Dr. Philipp Staudt (Digitalisierte Energiesysteme, Universität Oldenburg) unter Moderation von Prof. Dr. Olaf Kramer (Forschungszentrum für Wissenschaftskommunikation, Universität Tübingen).</p><h3>Die Forschung hinter dem Exponat</h3><p>Um die Stromgewinnung aus Wind effektiv auszubauen, ist es wichtig, möglichst genau zu wissen, wie sich die Windgeschwindigkeiten in Zukunft verändern. Durch den Klimawandel werden solche Vorhersagen immer schwieriger. Nina Effenberger ist Doktorandin am Tübinger Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen“. Betreut von Gruppenleiterin Dr. Nicole Ludwig geht sie der Frage nach, wie sich die Windenergie und deren Nutzung durch den Klimawandel verändern – und wie künstliche Intelligenz Vorhersagen der Windgeschwindigkeiten verbessern kann: „Eine zentrale Herausforderung ist, dass aktuelle Klimamodelle oft nur sehr grob aufgelöst sind – zwischen zwei Datenpunkten liegen oft mehrere hundert Kilometer. Wenn man aber herausfinden will, wie sich der Wind an einem bestimmten Standort in den kommenden Jahrzehnten verändern wird, braucht man genauere Vorhersagen. Eben diese können wir mit maschinellem Lernen weiter voranbringen“, sagt Effenberger.&nbsp;</p><h3>Mit Design zum Verstehen und Diskutieren einladen</h3><p>Wie beeinflusst unser Handeln das Klima? Welche Lösungsansätze können Forschende mit Hilfe von maschinellem Lernen unterstützen? Welche Initiativen zu erneuerbaren Energien gibt es bereits? Um zum Nachdenken über diese Fragen einzuladen, bringt das Kunstexponat “IN-ML-OUT" Design und Wissenschaft zusammen – und versteht sich als Türöffner für weitere Diskussionen. Ausgehend von gemeinsamen Workshop-Treffen entwickelten die drei Designstudierenden Laura Neuscheler, Samuel Stober und Arne Sanwald von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im stetigen Austausch mit den beiden Forscherinnen sowie Michael Pelzer vom RHET AI Center über knapp ein halbes Jahr hinweg das Projekt. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit als Designer lag darauf, ein Gefühl für verschiedene Herausforderungen und Grundaspekte des Themas zu vermitteln, ohne sie belehrend zu erklären. Unser Design soll Fragen aufwerfen und Interesse daran wecken, weiter in die dahinterstehenden Forschungsbezüge einzutauchen und sich darüber auszutauschen“, beschreibt Samuel Stober den Ansatz. Auf Seiten der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste wurde das Projekt von Prof. Uwe Fischer und David Gebka betreut.&nbsp;</p><p>„IN-ML-OUT ist ein tolles Beispiel dafür, wie Forschung und Design bereichernd zusammenwirken können, um Wissenschaft aus einer ganz neuen Perspektive erfahrbar zu machen – und den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern“, sagt Pelzer vom RHET AI Center.&nbsp;</p><p><strong>Ab dem 16. November wird das Exponat auch im Tübinger Stadtmuseum zu sehen sein.</strong></p><p>Mehr zur Forschung hinter dem Projekt:<br><a href="http://www.mlsustainableenergy.com" target="_blank" rel="noreferrer">www.mlsustainableenergy.com</a>&nbsp;</p><p>Mehr zum RHET AI Center:<br><a href="http://www.rhet.ai" target="_blank" rel="noreferrer">www.rhet.ai</a>&nbsp;</p><h3>Veranstaltungsort und -zeit:&nbsp;</h3><p>swt-KulturWerk&nbsp;<br> Werkstraße 4, 72074 Tübingen&nbsp;<br> Freitag, 27. Oktober 2023; 17 -20 Uhr&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99353</guid><pubDate>Thu, 19 Oct 2023 16:45:31 +0200</pubDate><title>Lehrpreis der Universität Tübingen 2023 für Konzept zur Ausbildung künftiger Physiklehrkräfte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/lehrpreis-der-universitaet-tuebingen-2023-fuer-konzept-zur-ausbildung-kuenftiger-physiklehrkraefte/</link><description>Sonderpreis für studentisches Engagement geht an die fachübergreifende Projektinitiative „Lernreise – Schule erleben!“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der<strong> Lehrpreis der Universität Tübingen</strong> wird in diesem Jahr an den Juniorprofessor für Didaktik der Physik Jan-Philipp Burde vergeben. Er hat ein Lehrkonzept für Lehramtsstudierende der Physik entwickelt und umgesetzt, in dem er Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Unterrichtspraxis miteinander verschränkt. Mit seinem Lehrkonzept will er die Studierenden optimal auf ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe als Lehrerinnen und Lehrer vorbereiten. Darüber hinaus hat Burde wichtige Akzente in der Studieneingangsphase gesetzt, um Lehramtsstudierenden ein vertieftes Verständnis schulrelevanter, fachspezifischer Inhalte zu ermöglichen und die Studienmotivation zu steigern. Der Preis ist in diesem Jahr mit 5.000 Euro dotiert.</p><p>Den Lehrpreis vergibt die Universität jährlich für innovative Lehrformate oder besonderes Engagement in der Lehre. Die Jury bildet die Senatskommission Studium und Lehre. Sie hob bei der Lehrpreisverleihung an Jan-Philipp Burde dessen großes Engagement in der Fachdidaktik hervor, die nachhaltige Verankerung seines Lehrkonzepts im Physiklehramtsstudium und dessen große Bedeutung für die universitäre grundständige Lehre.</p><p>Eine <strong>lobende Anerkennung</strong> erhält das Team, das die Ausstellung „Cyber and the City – Künstliche Intelligenz bewegt Tübingen“ im Tübinger Stadtmuseum (11. Februar bis 22. Oktober 2023) entworfen und gestaltet hat: Professorin Ulrike von Luxburg aus dem Fachbereich Informatik, Professor Thomas Thiemeyer und Tim Schaffarczik aus dem Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Guido Szymanska vom Stadtmuseum Tübingen gemeinsam mit rund 40 Masterstudierenden aus den Studiengängen Informatik/Maschinelles Lernen und Empirische Kulturwissenschaft.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99314</guid><pubDate>Thu, 19 Oct 2023 09:44:56 +0200</pubDate><title>Universitätspreis für Hector Stiftung II</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaetspreis-fuer-hector-stiftung-ii/</link><description>Universität Tübingen würdigt Engagement der Weinheimer Stiftung – Großzügige Förderung für Bildungsforschung, Hochbegabte und KI-Standort Tübingen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat am Mittwoch den Universitätspreis 2023 an die Hector Stiftung II verliehen. Beim Festakt zum Dies Universitatis, dem traditionellen Semesterbeginn, überreichte Rektorin Professorin Karla Pollmann die Auszeichnung und würdigte das langjährige Engagement der Stiftung für die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Die Laudatio hielt Professor Bernd Engler, ehemaliger Rektor der Universität.</p><p>„Mit ihrem Gespür für zukunftsweisende Themen und ihrer äußerst großzügigen finanziellen Unterstützung hat die Hector Stiftung II immer wieder wichtige Akzente für die Profilbildung der Universität und des Standorts Tübingen gesetzt“, sagte Prof. Dr. Karla Pollmann. Erfolgreiche Verbindungen von privater Förderung und öffentlicher Forschung dienten auch dazu, die richtigen Weichen für den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stellen.</p><p>So wurde dank der Unterstützung der Stiftung das Hector Institut für Empirische Bildungsforschung (HIB) 2014 an der Universität Tübingen gegründet. Mit 7,5 Millionen Euro förderte die Hector Stiftung II die Startphase des Instituts und sagte schließlich für den Zeitraum 2021-2030 weitere 19 Millionen Euro zu. Im Hector Institut für Empirische Bildungsforschung erforschen rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empirisch die Qualität von Bildungsangeboten und Bildungsprozessen.</p><p>Zusätzlich finanziert die Stiftung im HIB die Begleitforschung zu den Hector Kinderakademien, mit der sie bereits seit 2010 begabte Kinder im Grundschulalter unterstützt. Heute können Schülerinnen und Schüler Angebote aus insgesamt 68 Kinderakademien wahrnehmen, unter Trägerschaft des baden-württembergischen Kultusministeriums.</p><p>Auch die Gewinnung von Spitzenforscherinnen und -forschern im Bereich der künstlichen Intelligenz liegt der Hector Stiftung II am Herzen: Mit einer großzügigen Finanzierung von 100 Millionen Euro wird am Standort Tübingen und im Umfeld des Cyber Valley Ökosystems das Ellis-Institut (Europäisches Laboratorium für Lernende und Intelligente Systeme) aufgebaut, welches eine auf europäischen Werten aufbauende Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz zum Ziel hat.</p><p>Die Hector Stiftung II wurde 2008 von dem Ehepaar Dr. h. c. Hans-Werner Hector und Josephine Hector in Weinheim gegründet. Sie ist eine Ergänzung der bereits seit 1995 bestehenden H.W. &amp; J. Hector Stiftung zu Weinheim und fördert unter anderem die Gewinnung von Spitzenkräften in der Forschung, Medizinische Forschung und hochbegabte Kinder, Studierende und Graduierte in den mathematischen, technischen und naturwissenschaftlichen Fächern.</p><p><strong>Website:</strong><a href="https://www.hector-stiftung.de/die-stiftungen/hector-stiftung-ii/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.hector-stiftung.de/die-stiftungen/hector-stiftung-ii/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99125</guid><pubDate>Mon, 16 Oct 2023 09:27:18 +0200</pubDate><title>Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna abgeschlossen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/restaurierung-der-tempeldecke-im-aegyptischen-esna-abgeschlossen/</link><description>Fachleute legten in fünf Jahren zahlreiche Reliefs mit astronomischen Darstellungen frei – Gemeinschaftsprojekt des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer und der Universität Tübingen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Fachleute aus Ägypten und Deutschland haben die Restaurierung der Decke des Tempels von Esna abgeschlossen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hatten 30 Restauratorinnen und Restauratoren unter Leitung von Ahmed Emam mehrere Hundert Figuren mit astronomischen Darstellungen von Schmutz befreit und so in den ursprünglichen Farben wieder sichtbar gemacht. „Mit dem Abschluss der Deckenrestaurierung hat das Projekt sein erstes und vielleicht wichtigstes Etappenziel erreicht“, sagte Professor Christian Leitz vom Institut für die Kulturen des Alten Orients an der Universität Tübingen: „In den kommenden Jahren wollen wir vor allem die Innenwände des Pronaos sowie die verbleibenden Säulen vom Ruß befreien“</p><p>Die Restaurierung des Tempels von Esna ist ein gemeinsames Projekt des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer und der Universität Tübingen. Auf ägyptischer Seite lag die Projektleitung in den Händen von Dr. Hisham El-Leithy. Die farbenprächtigen Deckenreliefs zeigen Gottheiten, mythologische Figuren und Darstellungen von Sonne, Mond, Sternbildern und unterschiedlichsten astronomischen Konstellationen. Bei der Restaurierung kamen neben den Farben auch fast 200 Tintenaufschriften zu Tage, die vorher zur Gänze unbekannt waren. Mit ihrer Hilfe konnte zahlreiche Darstellungen erstmals identifiziert werden.</p><p>„Die thematische Breite der Darstellungen unterstreicht die große Bedeutung, die der Astronomie im alten Ägypten zukam“, sagte der Tübinger Ägyptologe Dr. Daniel von Recklinghausen. Die Decke ist in insgesamt sieben Abschnitte aufgeteilt, die unterschiedliche Themen behandeln. Dazu gehören beispielsweise der tägliche Lauf der Sonne, die Mondphasen, die unterschiedlichen Nachtstunden oder auch der Neujahrstag. „Im zuletzt freigelegten Abschnitt spielt die Darstellung der Gottheiten Orion, Sothis und Anukis eine wichtige Rolle“, erklärte von Recklinghausen.</p><p>Orion steht stellvertretend für das gleichnamige Sternbild. Neben ihm dargestellt wird Sothis, was die altägyptische Bezeichnung des Sternbildes Sirius ist. „Sirius ist im Jahresverlauf 70 Tage lang am Sternenhimmel unsichtbar, bis er im Osten wieder aufgeht“, erläuterte Leitz: „Dieser Zeitpunkt war im alten Ägypten der Neujahrstag und kündigte zugleich den Beginn der jährlichen Nilüberschwemmung an.“ Die dritte Göttin Anukis war im Verständnis der Ägypter hingegen verantwortlich für den Rückgang der Nilflut rund 100 Tage später.</p><p>Mit der jetzt abgeschlossenen Restaurierung besitzt Ägypten nun zwei herausragend erhaltene astronomische Decken in Tempeln. Die eine befinden sich im Tempel von Dendara rund 60 Kilometer nördlich von Luxor, hier sind die dominanten Farben Weiß und Hellblau. Im Tempel von Esna sind die Themen teilweise ähnlich, aber die Farbgebung völlig anders, die dominanten Farben sind hier vor allem Gelb und Rot. Die Arbeiten in Esna wurden gefördert von der Ancient Egypt Foundation, dem American Research Center in Egypt und der Gerda-Henkel-Stiftung.</p><p>Vom Tempel in Esna, 60 Kilometer südlich des ägyptischen Luxor, ist nur noch die Vorhalle (der sog. Pronaos) erhalten, diese aber vollständig: Mit 37 Metern Länge, 20 Metern Breite und 15 Metern Höhe wurde der Sandsteinbau spätestens unter dem römischen Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) vor das eigentliche Tempelgebäude gesetzt und dürfte dieses in den Schatten gestellt haben. Die Lage mitten im Stadtzentrum hat wohl dazu beigetragen, dass die Vorhalle erhalten blieb und nicht wie andere Gebäude während der Industrialisierung Ägyptens als Steinbruch zur Gewinnung von Baumaterial genutzt wurde. Schon zu Napoleons Zeiten erregte der Pronaos in Fachkreisen große Aufmerksamkeit, da man ihn als Idealbeispiel altägyptischer Tempelarchitektur betrachtete.</p><p><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/altertums-und-kunstwissenschaften/institut-fuer-die-kulturen-des-alten-orients-ianes/forschung/aegyptologie/projekte/der-tempel-von-esna/">Webseite des Esna-Projekts</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-99029</guid><pubDate>Wed, 11 Oct 2023 18:29:00 +0200</pubDate><title>Zentrum für Bionic Intelligence Tübingen Stuttgart gegründet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zentrum-fuer-bionic-intelligence-tuebingen-stuttgart-gegruendet/</link><description>Biointelligente Systeme für Diagnose und Therapie im Alltag von neurologischen und psychischen Erkrankungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mensch und Technik auf fundamental neue Art zu kombinieren – das ist die Vision des neugegründeten <a href="https://www.bionic-intelligence.org/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Zentrums für <span lang="en" dir="ltr">Bionic Intelligence </span>Tübingen Stuttgart</a> (BITS). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Stuttgart, Universität Tübingen sowie des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik forschen an intelligenten bionischen Systemen, die helfen sollen, bestimmte Erkrankungen des Nervensystems besser zu verstehen und zu behandeln. Die Diagnose wird genauer, die Therapie effizienter und der Krankheitsverlauf für Patientinnen und Patienten erträglicher. Betroffene nutzen bereits heute technische Assistenzsysteme, etwa Orthesen oder Kommunikationshilfen. Diese Systeme können sich jedoch nicht vollständig an die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten oder Erfordernisse der Umgebung adaptiv selbst anpassen, um Einschränkungen zu kompensieren oder ausgefallene Körperfunktionen wiederherzustellen. In interdisziplinären Projekten entwickeln die BITS-Mitglieder individuell zugeschnittene Hilfsmittel.</p><p>Bionische Systeme finden wir nahezu überall im Alltag: Der Klettverschluss am Rucksack ist von der Klette inspiriert, Vorbild für den Saugnapf ist die Tentakel des Kraken. Beide Erfindungen gehen auf Phänomene aus der Tier- und Pflanzenwelt zurück. Forschende der <a href="https://www.uni-stuttgart.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Universität Stuttgart</a>, der <a href="https://uni-tuebingen.de/" target="_blank" class="external-link">Universität Tübingen</a> sowie des <a href="https://is.mpg.de/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme</a> und des <a href="https://www.kyb.tuebingen.mpg.de/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Max-Planck-Instituts fürs biologische Kybernetik</a> gehen noch einen Schritt weiter: Die Vision ist, die Interaktion zwischen Mensch und technischen Systemen so zu optimieren, dass unter Nutzung verschiedener Signale und intelligenter physikalischer Prinzipien das technische System immer dann unterstützt, wenn es der Mensch benötigt. Die Kontrolle besitzen zu jedem Zeitpunkt die Nutzerinnen und Nutzer.</p><p>„Wir wollen die Grenzen des bislang Möglichen überwinden“, sagt Professor Syn Schmitt, BITS-Sprecher der Universität Stuttgart. „Mit bionischen Systemen, wie zum Beispiel neuartigen robotischen Prothesen möchten wir neue intelligente Diagnose- und Therapiemöglichkeiten und echte Unterstützung im Alltag für Patientinnen und Patienten mit körperlichen und neurologischen Einschränkungen schaffen.“</p><h3>Diagnose und Therapie: Smart, flexibel und ethisch vertretbar</h3><p>Technische Assistenzsysteme kommen bereits für therapeutische Zwecke zum Einsatz, erreichen jedoch bei Weitem nicht die Effizienz und Flexibilität, die erforderlich wäre, um fehlende oder gestörte Funktionen zu ersetzen oder die Diagnostik und Therapie komplexer psychischer Störungen zu unterstützen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des neugegründeten BITS forschen gemeinsam an der Entwicklung bionischer Systeme, um sie an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen&nbsp; und Patienten anzupassen, gestörte motorische Funktionen im Alltag der Betroffenen zu kompensieren sowie Diagnose- und Therapieverfahren zu unterstützen. Dabei werden soziale und ethische Dimensionen von Anfang an miteinbezogen.</p><p>„Das Ziel ist es, Alternativen zu entwickeln, die für die Einzelne und den Einzelnen perfekt funktionieren“, ergänzt Professor Martin Giese, BITS-Sprecher der Universität Tübingen. „Die effiziente Verbindung von Mensch und Technik, erfordert nicht nur eine optimale Daten- und Informationsverarbeitung, sondern auch die Ausschöpfung intelligenter physikalischer Prinzipien im Menschen und dem technischen System.“&nbsp;</p><p>Die Herausforderung dabei ist, die technischen Komponenten so zu designen, dass sie hocheffizient mit dem Nervensystem und Muskelapparat interagieren und sich flexibel und individuell an die Lage der Patientin oder des Patienten anpassen. „Dazu setzen wir auf funktionelle Materialien, die auf unterschiedliche körperspezifische Stimuli reagieren“, ergänzt Professorin Sabine Ludwigs, ebenfalls BITS-Sprecherin der Universität Stuttgart.</p><h3>Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Von Biomedizin über Robotik bis hin zur Informatik</h3><p>Der Schlüssel zum Erfolg ist der interdisziplinäre Zusammenschluss von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, etwa der Biomedizin, Neuromechanik, Materialwissenschaft, Soft- und Biorobotik, Physik, Elektrotechnik, Sozialwissenschaft, Ethik sowie Neurowissenschaft und Informatik. „Jede und jeder in unserem Team bringt herausragende Expertise auf dem eigenen Fachgebiet mit“, sagt Schmitt. „All dieses Wissen versuchen wir in praktikable Lösungen zu transferieren, die den Menschen auf mehreren Ebenen mit technischen Systemen interagieren lassen. Wir sind davon überzeugt, dass Betroffene von solchen Systemen profitieren werden und die Wissenschaft zugleich ein besseres Verständnis über den Menschen erlangt.“</p><p>Die Forschungsarbeiten innerhalb des BITS reichen von robotischen Orthesen, die etwa Menschen mit einem Tremor im Alltag unterstützen, über tragbare Sensoren zur Verbesserung der Diagnostik bei Zwangsstörungen bis hin zu sogenannten in-body Mikro- und Nano-Robotern, die Medikamente gezielt ins Gehirn transportieren können oder neue Formen der Hirnstimulation ermöglichen. „Wir möchten im BITS an bisherige Erfolge anknüpfen und unsere Zusammenarbeit stärken, um intelligente Systeme dauerhaft in der Medizin, Therapie und Rehabilitation zu etablieren“, betont Giese.</p><h3>Über das Zentrum <span dir="ltr" lang="en">Bionic Intelligence</span> Tübingen Stuttgart</h3><p>Im interdisziplinären <a href="https://www.bionic-intelligence.org/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Forschungszentrum BITS</a> arbeiten seit Mai 2023 rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktiv in verschiedenen Projekten zusammen. Die Mitglieder des BITS bündeln weitreichende Expertise aus unterschiedlichen Fachgebieten, darunter Biomedizin, Neuromechanik, Materialwissenschaft, Soft- und Biorobotik, Physik, Elektrotechnik, Sozialwissenschaft, Ethik sowie Neurowissenschaft und Informatik. Die Forschungsarbeiten sollen dazu beitragen, bionische Systeme technisch umzusetzen und im medizinischen Sektor zu etablieren. Dadurch werden die ständig wachsende gesellschaftliche Belastung durch psychische und neurologische Erkrankungen sowie die Leiden des Einzelnen deutlich verringert. Dazu verbindet das BITS in einzigartiger Weise die komplementäre Exzellenz der Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie der Max-Planck-Institute für Intelligente Systeme und biologische Kybernetik. Das BITS ist Teil des <span lang="en" dir="ltr">Cyber Valley</span>, Europas größter Forschungskooperation im Bereich Robotik und künstlicher Intelligenz.</p><p class="align-right"><em>Gemeinsame Presseinformation der Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie der Max-Planck-Institute für Intelligente Systeme und biologische Kybernetik</em></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98978</guid><pubDate>Wed, 11 Oct 2023 10:51:31 +0200</pubDate><title>Zentralstern eines planetarischen Nebels gibt Details aus seinem Leben preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zentralstern-eines-planetarischen-nebels-gibt-details-aus-seinem-leben-preis/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen nutzt den offenen Sternhaufen Messier 37 als Himmelslabor zur Bestimmung der Sternentwicklung und der Messung seines Masseverlusts</description><content:encoded><![CDATA[<p>Sonnenähnliche Sterne beenden ihr Leben als Weißer Zwerg. Manche davon sind von einem planetarischen Nebel umgeben, der aus Gas besteht, das der sterbende Stern kurz vor seinem Tod abgestoßen hat. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Professor Klaus Werner vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen untersuchte jetzt erstmals einen Zentralstern eines planetarischen Nebels, der sich in einem offenen Sternhaufen befindet. Die Forscherinnen und Forscher konnten die Masse, die der Zentralstern im Laufe seines Lebens verloren hat, exakt bestimmen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Astronomy &amp; Astrophysics</em></span> veröffentlicht.</p><p>In unserer Milchstraße gibt es mehr als tausend offene Sternhaufen. Jeder von ihnen umfasst eine Ansammlung von bis zu einigen Tausend Sternen, die gleichzeitig aus einer dichten Wolke von Gas und Staub entstanden sind. „Dass die Sterne eines Haufens alle das gleiche Alter haben, hat für die Astrophysik eine besondere Bedeutung“, berichtet Klaus Werner. Sie unterschieden sich lediglich in ihrer Masse. „Je massereicher ein Stern ist, desto schneller verbraucht er seinen Kernbrennstoff durch die Fusion von Wasserstoff zu Helium. Desto kürzer ist auch sein Leben und desto schneller die Entwicklung zum Weißen Zwerg“, erklärt er.</p><h3>Momentaufnahme der Entwicklung</h3><p>Die Beobachtung eines Sternhaufens zeige wie ein Schnappschuss, wie weit entwickelt Sterne unterschiedlicher Masse im jeweils gleichen Alter zu einem bestimmten Zeitpunkt sind, sagt Werner: „In der Astronomie lassen sich Sternhaufen als eine Art Labor nutzen, in dem wir messen können, wie zuverlässig unsere Theorien der Sternentwicklung sind.“ Eine der größten Unsicherheiten in der Theorie der Sternentwicklung sei bisher die Frage, wie viel Materie ein Stern im Laufe seines Lebens verliert. Dieser Massenverlust sei erheblich. „Sterne wie unsere Sonne verlieren knapp die Hälfte ihrer Masse, bis sie sich zum Weißen Zwerg entwickelt haben. Sterne mit der achtfachen Masse der Sonne verlieren sogar rund 80 Prozent ihrer Masse“, sagt der Astrophysiker. Die Beziehung zwischen der Geburtsmasse der Sterne und der Masse zum Zeitpunkt des Todes als Weißer Zwerg bezeichnet man in der Astronomie als die Anfangs-Endmassen-Relation.</p><p>Die Masse von Weißen Zwergen in Sternhaufen könne bei der Beobachtung direkt mit der Masse in Beziehung gesetzt werden, die diese bei ihrer Geburt hatten, berichtet Werner: „Ganz besonders aussagekräftig sind die Daten sehr junger Weißer Zwerge, genau das sind Zentralsterne planetarischer Nebel.“ Man kenne bisher nur drei Sternhaufen, die einen planetarischen Nebel enthalten. „Bisher war noch keiner von deren Zentralsternen untersucht worden, weil sie alle sehr weit entfernt und lichtschwach sind.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98870</guid><pubDate>Tue, 10 Oct 2023 11:51:00 +0200</pubDate><title>Schädeltraumata zeugen von Konflikten bei Entstehung der ersten Städte </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schaedeltraumata-zeugen-von-konflikten-bei-entstehung-der-ersten-staedte/</link><description>Internationales Forscherteam wertete über 3.500 Schädelfunde aus dem Nahen Osten aus – In den 12.000 Jahren vor der Zeitenwende stieg die Rate gewaltsamer Tode zuerst und sank dann wieder.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Entstehung der frühesten Städte im Zweistromland und dem Nahen Osten ließ die Gewalt zwischen ihren Bewohnern steigen. Durch Gesetze, eine zentrale Verwaltung, Handel und Kultur sank die Rate gewaltsamer Tode aber wieder in der frühen und mittleren Bronzezeit (3.300 bis 1.500 v.Chr). Zu diesem Befund kommt ein internationales Forscherteam der Universität Tübingen, Barcelona und Warschau. Ihre Ergebnisse wurden am Montag in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Nature Human Behaviour</em></span> veröffentlicht.</p><p>Die Forscher haben 3.539 Skelette aus dem Gebiet des heutigen Iran, Irak, Jordanien, Syrien, Libanon, Israel und der Türkei auf Knochentraumata untersucht, die nur durch Gewalt zustande kommen konnten. So konnten sie ein differenziertes Bild der Entwicklung der interpersonellen Gewalt in der Zeit von 12.000 bis 400 Jahre v.Chr. zeichnen. In diesen Zeitraum fallen so grundlegende Veränderungen in der Menschheitsgeschichte wie die Erfindung des Ackerbaus, die Sesshaftwerdung des Menschen und das Entstehen der ersten Städte und Staaten.</p><p>„Die Mordrate erreichte im Zeitraum von 4.500 bis 3.300 Jahre vor unserer Zeitenwende einen Höhepunkt und sank dann wieder im Laufe der folgenden 2.000 Jahre“, sagte Jörg Baten vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte der Universität Tübingen und Projektleiter der Studie. Die Forschenden sprechen auch von „interpersoneller Gewalt“. „Mit der Klimakrise, steigender Ungleichheit und dem Kollaps wichtiger Staaten in der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit (1.500 – 400 v. Chr.) steigt die Gewaltanwendung erneut.“ Der Anteil der gewaltsamen Todesfälle, der sich an Schädeltraumata und Waffenverletzungen wie zum Beispiel Pfeilspitzen in Skeletten ablesen lässt, ist dabei ein gängiger Indikator für interpersonelle Gewalt.</p><p>Die Forschung zu dem Thema teilt sich bisher in zwei Lager. Das erste um den amerikanischen Psychologen Steven Pinker behauptet eine stetige Abnahme der Gewaltanwendung über die Jahrtausende seit der Zeit vorstaatlicher Jäger- und Sammlergesellschaften bis heute. Das zweite Lager sieht in der Entstehung von Städten und einer Zentralgewalt überhaupt erst die Voraussetzung für Kriege und massive Gewaltanwendung, die sich seither fortsetze. Die Studie aus Tübingen, Barcelona und Warschau zeichnet nun ein differenziertes Bild.</p><p>Als Gründe für das Ansteigen der Gewalt im 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. sehen die Forscher die Zusammenballung der Menschen in den ersten Städten, die aber noch nicht gut organisiert waren. Erst durch die Entwicklung von Rechtssystemen, einer zentral kontrollierten Armee und religiöser Feste konnte die Gewaltrate merklich gesenkt werden. Auch der Handel nahm in der frühen und späten Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum und Mesopotamien zu, was durch Tontafeln in Keilschrift belegt werden kann, die als Lieferscheine und Rechnungen dienten. „Die höhere Sicherheit in dieser Zeit war zunächst sogar trotz abnehmender landwirtschaftlicher Erträge und zunehmender Ungleichverteilung der Einkommen in der Mittleren Bronzezeit möglich“, sagte Giacomo Benati von der Universität Barcelona und Co-Autor der Studie.</p><p>Ein erneuter Wendepunkt ist der Zusammenbruch zahlreicher Hochkulturen in der späten Bronzezeit. In diese Phase um 1.200 v.Chr. fällt auch eine 300 Jahre andauernde Klimakatastrophe und damit zusammenhängende Migrationsbewegungen. Dadurch stieg auch die Rate gewaltsamer Tode wieder.<br> Die Studie ist im Rahmen des von der DFG geförderten Sonderforschungsprojekt 1070 „RessourcenKulturen“ an der Universität Tübingen entstanden, das dieses Jahr abgeschlossen wurde.</p><h2>Originalpublikation:</h2><p>Joerg Baten, Giacomo Benati, Arkadiusz Soltysiak: Violence Trends in the Ancient Middle East between 12,000 and 400 BCE. <em>Nature Human Behaviour, </em><a href="https://www.nature.com/articles/s41562-023-01700-y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41562-023-01700-y</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98897</guid><pubDate>Tue, 10 Oct 2023 10:24:55 +0200</pubDate><title>Tübinger Rektorin von japanischer Universität geehrt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-rektorin-von-japanischer-universitaet-geehrt/</link><description>30 Jahre Tübingen Center for Japanese Studies in Kyoto – Ehrendoktorwürde für Rektorin Karla Pollmann</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Karla Pollmann, hat am Mittwoch von der Universität Doshisha in Kyoto die Ehrendoktorwürde verliehen bekommen. Die Ehrung fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen des Tübinger Center for Japanese Studies (TCJS) statt.</p><p>„Für Studierende und Forschende der Japanologie sind Aufenthalte vor Ort immens wichtig und Dank der Kooperation mit der Doshisha Universität seit nunmehr drei Jahrzehnten möglich. Von dieser traditionsreichen Hochschule die Ehrendoktorwürde verliehen zu bekommen, freut mich natürlich sehr“, sagte Professorin Karla Pollmann. In einem Festvortrag sprach sie zu dem Thema „Die Bekenntnisse des Augustinus als Teil der Weltliteratur“.</p><p>Das Tübingen Center for Japanese Studies ist eine Außenstelle der Universität Tübingen in Japan und in der alten Kaiserstadt Kyoto angesiedelt. Das Zentrum wurde 1993 im Rahmen einer Delegationsreise des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel ins Leben gerufen und wird seither von der Abteilung für Japanologie für die Ausbildung ihrer Studierenden vor Ort genutzt. Sie dient als lokale Basis für Forschungsaktivitäten im ganzen Land. Das Lehrprogramm ist in eigener Regie geführt.</p><p>Die Universität Tübingen war die erste Universität in Deutschland, die eine solche Außenstelle in Japan ins Leben rief. Heute gehen im Rahmen des vierjährigen Bachelor-Studiengangs Japanologie jährlich 24 Studierende nach Japan, um am Tübingen Center for Japanese Studies ihr integriertes Auslandsjahr zu absolvieren. Partner der vielfältigen Aktivitäten ist die renommierte Universität Doshisha in Kyoto. Die Räumlichkeiten&nbsp;des Tübingen Center for Japanese Studies liegen auf dem Imadegawa-Campus, der sich nördlich des Kaiserpalastes im Zentrum von Kyoto erstreckt.</p><p>Nach dem großen Festakt zur Jubiläumsfeier des Tübingen Center for Japanese Studies fand am Freitag ein Forum zu Forschungskooperationen verschiedener Fachbereiche der Universität Tübingen in Japan statt. Die Feierlichkeiten endeten am Samstag mit einer Reihe von Workshops zu Themen der Genderforschung, der Nachhaltigkeitsforschung, zu interreligiösen und interkulturellen Perspektiven sowie zur Didaktik des Japanischen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98684</guid><pubDate>Wed, 04 Oct 2023 17:00:00 +0200</pubDate><title>Grüner Wasserstoff aus Solarenergie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gruener-wasserstoff-aus-solarenergie/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entwickelt neuartige Solarzelle, die dezentrale Herstellung von Grünem Wasserstoff mit sehr hohem Wirkungsgrad ermöglicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weltweit arbeiten Forschende an effizienteren Methoden zur Wasserstoffproduktion. Wasserstoff könnte entscheidend dazu beitragen, den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu reduzieren, vor allem, wenn er mit erneuerbaren Energien hergestellt wird. Bereits existierende Technologien zur Herstellung von klimaneutralem Wasserstoff sind für eine breitere Anwendung noch zu ineffizient oder zu teuer. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen präsentiert nun die Entwicklung einer neuartigen Solarzelle mit bemerkenswert hohem Wirkungsgrad. Sie ermöglicht eine dezentrale Herstellung von grünem Wasserstoff und hat das Potenzial für Anwendungen im industriellen Maßstab. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin Cell Reports Physical Science veröffentlicht.&nbsp;</p><h3>Eine Solarzelle auf Tauchgang</h3><p>Wird Wasserstoff über die sogenannte Elektrolyse mit erneuerbaren Energien aus Wasser hergestellt, bezeichnet man ihn wegen der klimafreundlichen Herstellung als grünen Wasserstoff. Bei der solaren Wasserspaltung, häufig auch als künstliche Photosynthese bezeichnet, wird Wasserstoff mit Energie aus der Sonne hergestellt. Ein Forschungsteam um Dr. Matthias May vom Institut für Physi-kalische und Theoretische Chemie der Universität Tübingen hat eine Solarzelle entwickelt, die integraler Bestandteil der photoelektrochemischen Apparatur ist und direkt mit den Katalysatoren für die Wasserspaltung zusammenarbeitet. Das Besondere der Tübinger Entwicklung: Ein zusätzlicher externer Stromkreis, wie etwa bei einem Photovoltaik-Solarpanel, ist nicht mehr nötig.</p><p>Dieser innovative Ansatz macht die Technologie kompakter, flexibler und potenziell kosteneffizienter. Aber mit diesem Aufbau werden auch die Anforderungen an die Solarzelle größer. "Unter Forschenden auf dem Gebiet ist die Realisierung von stabiler und effizienter photoelektrochemischer oder direkter Wasserspaltung so etwas wie der ‚heilige Gral`", sagt May.</p><p>Das Besondere am Aufbau der Solarzelle ist die hohe Kontrolle der Grenzflächen zwischen den verschiedenen Materialien. Die Oberflächenstrukturen werden hier auf einer Skala von wenigen Nanometern, also millionstel Millimetern, hergestellt und überprüft. Besonders schwierig sind kleine Kristalldefekte, die beispielsweise beim Wachstum der Solarzellenschichten entstehen. Diese verändern auch die elektronische Struktur und können damit einerseits die Effizienz und andererseits die Stabilität des Systems senken.&nbsp;</p><p>May ergänzt: "Insgesamt bleibt die Korrosion und somit die Langzeitstabilität der sich im Wasser befindenden Solarzelle aber die größte Herausforderung. Hier haben wir nun große Fortschritte im Vergleich zu unseren früheren Arbeiten gemacht."</p><p>Der technische Aufbau der neuen Zelle ist innovativ und besonders wirkungsvoll zugleich. Die Effizienz der solaren Wasserspaltung wird in Form des Wirkungsgrades gemessen. Der Wirkungsgrad zeigt dabei an, wieviel Prozent der Energie des Sonnenlichts in nutzbare Energie des Wasserstoffs (Heizwert) umgewandelt werden kann. Mit einem Wirkungsgrad von 18% präsentiert das Forschungsteam den zweithöchsten je gemessenen Wert für die direkte solare Wasserspaltung und sogar einen Weltrekord, wenn man die Fläche der Solarzelle berücksichtigt. Die ersten etwas höheren Wirkungsgrade für die Solare Wasserspaltung wurden 1998 mit 12% vom NREL in den USA präsentiert. Erst 2015 folgte der Sprung auf 14% (May et al.) und 2018 auf 19% (Cheng et al).&nbsp;</p><h3>Anwendung in großem Maßstab denkbar</h3><p>Dass die Technologie kommerzialisierbar ist, zeigen inzwischen mehrere Ausgründungen an anderen Universitäten mit deutlich geringeren Effizienzen. Erica Schmitt, Erstautorin der Studie, erklärt: "Was wir hier entwickelt haben, ist eine Technologie der solaren Wasserstofferzeugung, die keine leistungsstarke Anbindung an das Elektrizitätsnetz erfordert. Dadurch sind auch dauerhafte kleinere Insellösungen zur Energieversorgung denkbar."</p><p>Die Tübinger Arbeiten sind eingebettet in das vom BMBF geförderte Verbundprojekt H2Demo, an dem unter anderem das Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem (ISE) beteiligt ist. Die nächsten Schritte umfassen die Verbesserung der Langzeitstabilität, den Transfer auf ein kostengünstigeres Materialsystem auf Siliziumbasis und die Skalierung auf größere Flächen. Die Forschungsergebnisse könnten einen bedeutenden Beitrag zur Energieversorgung und zur Reduzierung von CO2-Emissionen leisten.</p><h3>Publikation:</h3><p>Schmitt EA, Guidat M, Nusshör M, Renz A-L, Möller K, Flieg M, Lörch D, Kölbach M &amp; May, MM. (2023). Photoelectrochemical Schlenk cell functionalization of multi-junction water-splitting photoe-lectrodes. Cell Reports Physical Science 4 (2023), 101606, <a href="https://doi.org/10.1016/j.xcrp.2023.101606" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.xcrp.2023.101606</a>.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98639</guid><pubDate>Thu, 28 Sep 2023 16:46:31 +0200</pubDate><title>Erstmals Doppelspitze an einer Fakultät in Baden-Württemberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erstmals-doppelspitze-an-einer-fakultaet-in-baden-wuerttemberg/</link><description>Angelika Zirker zur Dekanin und Dietmar Till zum Dekan der Philosophischen Fakultät gewählt – erstes Tandem in der Geschichte der Universität Tübingen und landesweit.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professorin Angelika Zirker und Professor Dietmar Till wurden am Freitag zur Dekanin und zum Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen gewählt. Damit wird erstmals in der Geschichte Baden-Württembergs die Fakultät einer Hochschule von einem Tandem geführt.</p><p>Zirker und Till treten die Nachfolge von Professor Jürgen Leonhardt an, dessen Amtszeit zum 30. September endet. Für die Einrichtung einer Doppelspitze bedurfte es im Vorfeld der Zustimmung des Unirats und des Senats der Universität Tübingen und des Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg, da diese Struktur erstmals ermöglicht wird. Die Amtszeit von Zirker und Till beträgt fünf Jahre.</p><p>„Die Philosophische Fakultät der Universität Tübingen ist durch eine große Diversität der Fächer und Fachkulturen gekennzeichnet. Wir wollen die unterschiedlichen Bereiche unserer Fakultät stärker miteinander ins Gespräch bringen, vernetzen und dadurch Synergieeffekte erzeugen“, sagte Professorin Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Eine Doppelspitze aus Mann und Frau, die zwei unterschiedlichen Disziplinen angehören, unterstütze dieses Ziel.</p><p>„Eine wichtige Aufgabe wird auch die stärkere Integration der Digital Humanities in Studium und Lehre sowie die Digitalisierung überhaupt sein“, ergänzte Professorin Angelika Zirker. Sie hat an der Universität des Saarlandes Anglistik, Germanistik und Romanistik studiert, wurde von der Universität Tübingen promoviert. Anschließend habilitierte sie sich mit einer Arbeit über William Shakespeare und John Donne. Sie übernahm Vertretungsprofessuren an der Freien Universität und der Humboldt-Universität in Berlin, bevor sie nach Tübingen an den Lehrstuhl für English Literatures and Cultures zurückkehrte. Im Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ ist Angelika Zirker Teilprojektleiterin.</p><p>„Die Philosophische Fakultät nimmt in allen nationalen wie internationalen Rankings einen Spitzenplatz ein. In einer Zeit zurückgehender Finanzmittel – nicht zuletzt aufgrund der Energiepreise – und sinkender Studierendenzahlen wollen wir Handlungsspielräume für die Fakultät erhalten”, sagte Dietmar Till. Er studierte an der Universität Tübingen Allgemeine Rhetorik, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie und promovierte anschließend in Allgemeiner Rhetorik. Er forschte an der Freien Universität Berlin im Rahmen des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ über Empathie und habilitierte sich an der Universität Göttingen. Eine Gastprofessur führte ihn an die University of Washington in Seattle. Seit 2011/12 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen.</p><p>An der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen studieren derzeit 7.200 Studierende in 36 Fachrichtungen der Geisteswissenschaften - von Archäologie über Kunstgeschichte, Asien- und Orientwissenschaften, Musik-, Religions-, Geschichts- und Sprachwissenschaften bis hin zu Allgemeiner Rhetorik und Medienwissenschaften. Weltweit wurde und wird die Universität Tübingen mit dem Wirken von Forscherpersönlichkeiten auf allen Gebieten der Geistes - und Kulturwissenschaften assoziiert. Die philosophische Fakultät wird auch aktuell zu den forschungsstärksten geisteswissenschaftlichen Forschungsstandorten in Deutschland gezählt, was zahlreiche Rankings für einzelne Bereiche und die gesamten Geisteswissenschaften bestätigen. Hier werden regelmäßig Spitzenplätze in den vergleichenden Untersuchungen erreicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98582</guid><pubDate>Wed, 27 Sep 2023 09:18:20 +0200</pubDate><title>Tübinger Universitätsrat tagt zum 100. Mal</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-universitaetsrat-tagt-zum-100-mal/</link><description>Gremium berät Universität seit mehr als zwei Jahrzehnten in strategischen Fragen – Wissenschaftsjournalistin Lena Ganschow ab Dezember neues Mitglied</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Universitätsrat der Universität Tübingen hat am Dienstag zum 100. Mal getagt. Seit dem Jahr 2000 begleitet und berät das Gremium die jeweiligen Rektorate der Universität Tübingen in strategischen Fragen. Es besteht aus sieben externen und vier internen Mitgliedern und wird seit 2018 von Bernhard Sibold geleitet, dem ehemaligen Präsidenten der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Baden-Württemberg. Als Gast der Jubiläums-Sitzung nahm die Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin Lena Ganschow teil – sie wird ab 1. Dezember neues Mitglied des Tübinger Universitätsrats. Sie löst Christiane Neumann, ehemalige Geschäftsführerin der Leibniz Gemeinschaft, ab, deren Amtszeit nach neun Jahren endet.</p><p>Hochschulräte wurden ab 1998 nach einer Novelle des Hochschulrahmengesetzes in fast allen deutschen Bundesländern eingeführt. Ihre mehrheitlich extern berufenen Mitglieder aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder anderen Forschungsinstitutionen bringen die Außen-Perspektive in die Entwicklungen einer Hochschule ein. In Baden-Württemberg beschließen sie zudem über den Haushalt, entscheiden über Entwicklungspläne und sind an der Wahl der Universitätsspitze maßgeblich beteiligt.</p><p>„In mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsamer Wegstrecke setzte der Universitätsrat wichtige Impulse für die Entwicklung der Universität Tübingen“, sagte Rektorin Professorin Karla Pollmann. „Seine Stimme ist für die Universität ein Gradmesser, um ihre strategische Ausrichtung, ihre Position im Feld der forschungsstarken Universitäten und auch ihre Rolle in der Gesellschaft immer wieder neu zu reflektieren.“</p><p>So war der Tübinger Universitätsrat maßgeblich an der Ausgestaltung der Exzellenzstrategie beteiligt. Er begleitete zahlreiche Reformen wie die Neustrukturierung der Fakultäten und die Umsetzung des Bologna-Prozesses sowie die Verhandlungen der Hochschulfinanzierungsverträge mit dem Land. Und er beriet die Universität unter anderem zurInternationalisierung, bei der Gründung des Lehrerbildungszentrums, des Zentrums für Islamische Theologie und des Cyber Valley.</p><p>In den Protokollen ist im Übrigen nachzulesen, dass schon in der ersten Amtsperiode über die studentische Wohnungsnot diskutiert wurde. Hier erhofft sich der Universitätsrat von der neuen Leitung des Studierendenwerks eine Verbesserung der Situation. Und stets waren auch die Bauvorhaben der Universität Thema. In der aktuellen Sitzung ging es um die weitere Bauplanung und das Flächenmanagement. „Eine Exzellenzuniversität verlangt auch eine exzellente Unterbringung. Der Sanierungs- und Modernisierungsstau von über einer Milliarde Euro sollte im Hinblick auf das 550-jährige Jubiläum der Universität im Jahr 2027 durch das eine oder andere Leuchtturmprojekt wenigstens teilweise aufgelöst werden“, wünscht sich Bernhard Sibold.</p><p>Ein weiteres Thema für die nächsten Jahre wird auch der Fachkräftemangel sein – gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft wollen Universitätsrat und Universität diesen proaktiv bekämpfen, indem sie verstärkt begabten Nachwuchs mit den passenden Unternehmen zusammenbringen.</p><p>Für Christiane Neumann, ehemalige Geschäftsführerin der Leibniz Gemeinschaft war die Jubiläums-Sitzung auch ihre letzte: Nach neun Jahren Zugehörigkeit - mehr lässt das Landeshochschulgesetz nicht zu – wurde sie verabschiedet. Sibold dankte ihr für die hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit, in die sie ihre langjährige Erfahrung in herausgehobenen Führungspositionen von Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen einbringen konnte.</p><p>Lena Ganschow nahm erstmals als Gast an einer Sitzung des Universitätsrats teil. Nach der Wahl durch den Senat der Universität hat sie das baden-württembergische Wissenschaftsministerium zum 1. Dezember als neues Mitglied bestellt. Ganschow studierte in Tübingen und Boston Biologie und schrieb ihre Abschlussarbeit bei Professorin Christiane Nüsslein-Volhard am Max-Planck-Insti-tut für Entwicklungsbiologie. Schon während des Studiums entschied sie sich, voll und ganz in die Medienwelt einzutauchen. Sie volontierte beim Südwestrundfunk und hat seitdem zahlreiche Sendungen und Fernsehdokumentationen moderiert. Seit 2023 präsentiert sie „ARD Wissen“ – ein neues Doku-Format im Ersten. Seit 2021 ist sie zudem Dozentin für Medien- und Präsentationstraining am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik).</p><p>weitere Informationen zum Tübinger Universitätsrat:&nbsp;<a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/organisation-und-leitung/universitaetsrat/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/organisation-und-leitung/universitaetsrat/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98528</guid><pubDate>Tue, 26 Sep 2023 11:00:00 +0200</pubDate><title>Neue Studie spricht für Remission als Therapieziel beim Prädiabetes</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-studie-spricht-fuer-remission-als-therapieziel-beim-praediabetes/</link><description>Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Nieren- und Augenerkrankungen und verschiedene Krebsarten. In Deutschland ist keine medikamentöse Therapie für den Prädiabetes zugelassen. Wissenschaftler aus dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) finden Mechanismen, die den Prädiabetes in Remission bringen können, also in einen Zustand mit Blutzuckerwerten im Normbereich, ohne dass von einer Heilung ausgegangen werden kann. Eine Prädiabetes Remission schützt vor Typ-2-Diabetes und ist langfristig mit besserer Nieren- und Gefäßfunktion verbunden, wie die Forschenden in The Lancet Diabetes &amp; Endocrinology berichten.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall und sind einer höheren Sterblichkeit ausgesetzt. Bis vor einigen Jahren galt der Typ-2-Diabetes als irreversible Krankheit. Mittlerweile ist bekannt, dass Typ-2-Diabetes durch eine starke Gewichtsreduktion bei einem Teil der Betroffenen in einen Zustand der Remission gebracht werden kann, die allerdings selten von Dauer ist: Die meisten Patientinnen und Patienten entwickeln nach fünf Jahren erneut einen Typ-2-Diabetes.&nbsp;</p><p>„Wir haben uns daher das Ziel gesetzt, schon früher zu starten und zu untersuchen, ob es möglich ist, bereits in der Vorstufe des Typ-2-Diabetes, dem Prädiabetes, vorbeugend tätig zu werden und diesen rückgängig zu machen“, erläutert Seniorautor Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen und Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an der Universität Tübingen. Für die Patientinnen und Patienten mit Prädiabetes wäre dies von großer Bedeutung, da sie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen an Herz, Nieren und Augen aufweisen.</p><p>Doch welche Mechanismen führen zur Remission bei Prädiabetes? Das untersuchten DZD-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) von Helmholtz Munich in Tübingen und der Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen in einer Post-hoc-Analyse von Teilnehmenden mit Prädiabetes aus der Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS).</p><p>Im Rahmen dieser randomisiert-kontrollierten Multicenter-Studie des DZD hatten 1.105 Prädiabetes-Patientinnen und Patienten über ein Jahr an einer Lebensstilintervention, bestehend aus gesunder Ernährung und mehr körperlicher Bewegung teilgenommen. Die Forschenden werteten die 298 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, die im Rahmen dieser Intervention mindestens fünf Prozent an Gewicht abgenommen hatten. Als Responder galten Teilnehmende, bei denen sich Nüchternblutzucker, 2-Stunden-Glukose und HbA1c-Wert innerhalb der zwölf Monate normalisiert hatten, also in Remission gegangen waren. Diejenigen, die trotz des Gewichtsverlusts keine Remission erreichten und weiterhin einen Prädiabetes hatten, galten als Non-Responder.</p><p>Entgegen ersten Vermutungen der Forschenden war es nicht der Gewichtsverlust, der die Menschen unterschied, die in Remission gingen und diejenigen, die nicht in Remission gingen, denn es gab zwischen den Respondern und Non-Respondern keinen Unterschied in der relativen Gewichtsabnahme. Jedoch zeichneten sich diejenigen, die eine Remission erreicht hatten, dadurch aus, dass sie stärker ihre Insulinsensitivität verbessern konnten als die Non-Responder. Sie konnten also ihre Empfindlichkeit gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin deutlich stärker steigern als die Non-Responder. Die Menge des ausgeschütteten Insulins blieb indes in beiden Gruppen unverändert. Dies stellt einen wichtigen Unterschied zur Remission von Typ-2-Diabetes dar, die insbesondere durch eine Verbesserung der Insulinausschüttung vermittelt wird.&nbsp;</p><h3>Reduktion des viszeralen Bauchfetts könnte zur Remission bei Prädiabetes beitragen &nbsp;</h3><p>Um herauszufinden, weshalb sich die Insulinsensitivität bei den Respondern stärker verbessert hatte, suchten die Forschenden nach weiteren Unterschieden zwischen den beiden Gruppen – und wurden in der Körpermitte fündig: Die Responder hatten trotz gleicher Gewichtsabnahme mehr viszerales Bauchfett abgebaut als die Non-Responder. Viszerales Bauchfett liegt direkt in der Bauchhöhle und umgibt den Darm. Es kann die Insulinsensitivität beeinflussen, unter anderem durch eine Entzündungsreaktion im Fettgewebe.&nbsp;</p><p>Die Teilnehmenden, die in Remission gingen, hatten tatsächlich auch weniger Entzündungsproteine im Blut. „Da Responder insbesondere eine Verringerung des viszeralen Bauchfetts aufwiesen, ist es wichtig, in Zukunft die Faktoren zu identifizieren, die den Verlust des viszeralen Bauchfetts begünstigen“, betont Arvid Sandforth, einer der beiden Erstautoren. Bei der Reduktion des Leberfetts dagegen – ebenfalls ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes – gab es überraschenderweise keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.</p><p>Die Teilnehmenden, die eine Remission erreicht hatten, wiesen noch zwei Jahre nach Ende der Lebensstilintervention ein um 73 Prozent reduziertes Risiko auf, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Außerdem zeigten sie reduzierte Marker der Nierenschädigung und einen besseren Zustand ihrer Blutgefäße. Die Teilnehmenden der PLIS Studie werden überdies von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weiter beobachtet, um zu erfassen, wie lange sich dieser Vorteil in Zukunft fortsetzt.</p><p>Aktuell besteht die Behandlung des Prädiabetes in einer Gewichtsreduktion und Verbesserung des Lebensstils, um den Ausbruch des Typ-2-Diabetes hinauszuzögern – allerdings ohne, dass glukosebasierte Zielwerte zur Verfügung stehen, an denen sich der Behandlungsprozess orientieren könnte. Diese Lücke schließt die neue Analyse des DZD: „Basierend auf den neuen Daten sollte die Remission das neue Therapieziel bei Menschen mit Prädiabetes sein. Dies hat das Potenzial, die Behandlungspraxis zu verändern und die Komplikationsrate für unsere Patientinnen und Patienten zu minimieren“, sagt Co-Erstautor Prof. Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg.&nbsp;</p><p>Von einer Remission bei Prädiabetes ist der Studie zufolge auszugehen, wenn der Nüchternblutzucker unter 100mg/dl (5,6 mmol/l), die 2-Stunden-Glukose unter 140mg/dl (7,8 mmol/l) und der HbA1c-Wert unter 5,7 Prozent sinkt. Die Wahrscheinlichkeit einer Remission steigt den neuen Ergebnissen zufolge, je mehr das Körpergewicht gesenkt wird und der Bauchumfang zumindest um etwa 4 cm bei Frauen und ca. 7 cm bei Männern reduziert werden. Daran könnten sich ärztliches Personal und Patientinnen bzw. Patienten nun orientieren, so die Forschenden. &nbsp;Im weiteren Verlauf wollen sie untersuchen, ob diese Strategie kostensparend ist, um auch die Unterstützung der Kostenträger für eine entsprechende Therapie zu gewährleisten.&nbsp;</p><h3>Original-Publikation:</h3><p>Sandforth A, Jumpertz-von Schwartzenberg R et al. (2023): <span lang="en" dir="ltr">Mechanisms of weight loss-induced remission in people with prediabetes: A Post-hoc Analysis of the Randomized Controlled Multicenter Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS). Lancet Diabetes Endocrinology 2023</span></p><h3><span dir="ltr" lang="en"></span>Über die Studie:</h3><p>Die Prädiabetes-Lebensstil-Interventions-Studie wurde als eine der ersten großen Multicenterstudien im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung unter der Leitung des Tübinger Standorts durchgeführt. Aktuell findet Follow-up-Untersuchungen statt. An der Studie sind neun Standorte des DZD beteiligt.</p><p>Das <strong>Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD)</strong> e.V. ist eines der sieben Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind Helmholtz Munich – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden von Helmholtz Munich am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. <a href="http://www.dzd-ev.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.dzd-ev.de</a>&nbsp;</p><p><strong>Helmholtz Munich</strong> ist ein biomedizinisches Spitzenforschungszentrum. Seine Mission ist, bahnbrechende Lösungen für eine gesündere Gesellschaft in einer sich schnell verändernden Welt zu entwickeln. Interdisziplinäre Forschungsteams fokussieren umweltbedingte Krankheiten, insbesondere die Therapie und die Prävention von Diabetes, Adipositas, Allergien und chronischen Lungenerkrankungen. Mittels künstlicher Intelligenz und Bioengineering transferieren die Forschenden ihre Erkenntnisse schneller zu den Patient:innen. Helmholtz Munich zählt mehr als 2.500 Mitarbeitende und hat seinen Sitz in München/Neuherberg. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, mit mehr als 43.000 Mitarbeitenden und 18 Forschungszentren die größte Wissenschaftsorganisation in Deutschland. Mehr über Helmholtz Munich (Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH): <a href="http://www.helmholtz-munich.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.helmholtz-munich.de</a>&nbsp;</p><p>Das 1805 gegründete <strong>Universitätsklinikum Tübingen</strong> gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000 stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken, Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt. Neben der Diabetologie sind die Neurowissenschaften, Onkologie, Immunologie, Infektionsforschung und Vaskuläre Medizin Forschungsschwerpunkte in Tübingen. Der Lehrstuhl für Diabetologie /Endokrinologie war in den letzten 25 Jahren Zentrum interdisziplinärer Forschung insbesondere unter Beteiligung der Chirurgie, Radiologie und Labormedizin. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung verlässlicher Partner. <a href="http://www.medizin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.medizin.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98588</guid><pubDate>Mon, 25 Sep 2023 10:50:00 +0200</pubDate><title>Wer knackt das Zinnrätsel der Bronzezeit? </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wer-knackt-das-zinnraetsel-der-bronzezeit/</link><description>Herkunft der Zinnbarren aus dem berühmten Schiffswrack von Uluburun weiter ungeklärt – auch Minen im Erzgebirge oder Cornwall kommen in Frage </description><content:encoded><![CDATA[<p>Die genaue Herkunft des Zinns in der Bronzezeit ist der Heilige Gral der Archäometallurgen: Seit 150 Jahren führen die Fachleute einen Diskurs über die Frage, aus welchen Minen das Zinn für all die Schwerter, Helme, Armreife, Teller oder Krüge in der Bronzezeit stammte. Die Lösung des Zinnrätsels verspricht weitreichende Erkenntnisse über frühe Handelsbeziehungen zwischen Zentralasien, Mesopotamien, Nordafrika, der Levante und Europa und damit über eine frühe Globalisierung, die unsere Welt für immer veränderte.</p><p>Als Schlüsselfund, um das Zinnrätsel zu lösen, gilt die Ladung eines um 1320 v. Chr. gesunkenen Handelsschiffs vor der westtürkischen Küste bei Uluburun. Das Wrack wurde 1982 von Tauchern entdeckt und seine Ladung unterwasserarchäologisch geborgen. Es enthielt neben Luxusgütern 10 Tonnen Kupfer- und eine Tonne Zinnbarren – viel mehr, als jemals zuvor aus der Bronzezeit gefunden worden waren.</p><p>„Auch 40 Jahre nach dem Fund von Uluburun bleibt das Zinnrätsel bestehen, auch wenn wir uns der Lösung durch Anwendung neuer Methoden immer mehr annähern“, erklärt Ernst Pernicka, Seniorprofessor an der Universität Tübingen und wissenschaftlicher Direktor des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie CEZA an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Seit nunmehr vier Jahrzehnten ist er der Lösung des Zinnrätsels auf der Spur.</p><p>In einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachmagazin Frontiers in Earth Science widersprechen Ernst Pernicka, Daniel Berger und zwei weitere Autoren einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Science Advances vom November 2022, in der Professor Wayne Powell vom Brooklyn College in New York behauptet, die Herkunft des Zinns aus dem Schiffswrack von Uluburun eindeutig bestimmen zu können.</p><p>Dies stamme zum Großteil aus der Zinnlagerstätte Muschiston im Nordwesten Tadschikistans, außerdem aus zwei Minen im Taurus-Gebirge nahe der heutigen türkisch-syrischen Grenze, erklärte das Team um Wayne Powell. Für seine Analyse hatte es Proben von 105 Zinnbarren aus dem Wrack genommen und damit von 90 Prozent der Zinnladung chemische und isotopische Signaturen bestimmt. Insbesondere wurden die Isotopenverhältnisse von Zinn und von Blei gemessen, die neben der chemischen Zusammensetzung ebenfalls Hinweise auf die Herkunft des Zinns liefern. Außerdem spreche der Anteil des Spurenelements Tellurium für Zinnlagerstätten in Zentralasien. Die Studie behauptet, anhand der übereinstimmenden Signaturen zwischen den Barren von Uluburun und Zinnerz-Proben aus den genannten Minen eine eindeutige Zuordnung ableiten zu können.</p><p>„Die Daten geben diese Interpretation nicht her, sie lassen keinen eindeutigen Schluss zu“, widerspricht Dr. Daniel Berger, Mitarbeiter von Ernst Pernicka am CEZA in Mannheim und Hauptautor der jetzt veröffentlichten Studie. Für diese Überprüfung hat er chemische und isotopische Analysen auch vorangegangener Studien umfassend berücksichtigt und mit dem Datensatz von Wayne Powell abgeglichen. „Eine Herkunft des Zinns der Barren aus dem Schiffswrack von Uluburun, zumindest eines Teils der Ladung, aus Cornwall in Großbritannien wäre aufgrund der Isotopenverhältnisse und chemischen Charakteristika sogar weitaus wahrscheinlicher. Insbesondere der Vergleich mit bronzezeitlichen Zinnbarren aus Großbritannien und Israel legt diese Schlussfolgerung nahe, für die wir zuvor schon eine vergleichbare Herkunft in Erwägung gezogen haben. Letztendlich ist aber auch die Herkunft aus dem Erzgebirge oder der Iberischen Halbinsel nicht auszuschließen.“ Um diese Vermutungen zu untermauern, brauche es aber erst mehr Proben und Analysen von Erzen aus europäischen und asiatischen Zinnlagerstätten.&nbsp;</p><p>Die Bronzezeit dauerte insgesamt vom späten vierten Jahrtausend bis ins frühe erste vorchristliche Jahrtausend – je nach Weltregion aber mit unterschiedlichem Beginn und Ende. Bronze entsteht durch das Verschmelzen von Kupfer und Zinn im Verhältnis neun zu eins und ist bedeutend härter als Kupfer allein. Kupfererze sind in vielen Regionen der Alten Welt zu finden. Für die Bronzezeit zugängliche Zinnerze aber können nur an wenigen Orten Zentralasiens des Iran und Europas nachgewiesen werden. Umso erstaunlicher ist es, dass einige der frühesten Bronzeartefakte aus dem Zweistromland um Euphrat und Tigris stammen. Dort gibt es aber keine Zinnvorkommen. Nur über Fernhandel konnten also Angebot an und Nachfrage nach Zinn zusammengebracht werden.</p><p>„Auch zahlreiche archäologische Beweise zeigen, dass die britischen Inseln und Zentraleuropa in der Bronzezeit mit dem Mittelmeerraum eine ökonomische Sphäre bildete und über die Donau, den Rhein und die Rhône, aber auch das Meer als Transportwege verbunden war“, sagte Ernst Pernicka. So wurden im Wrack von Uluburun auch Bernsteinperlen gefunden, die wahrscheinlich aus dem Baltikum gehandelt worden waren. Auch die Verwendung standardisierter Gewichte hatte sich im Laufe des zweiten vorchristlichen Jahrtausends bereits von Ägypten und Mesopotamien kommend über Syrien, Anatolien und die Ägäis bis über die Alpen nach Zentraleuropa ausgebreitet. Sie waren zum Abwiegen der Handelsware, so auch den Zinnbarren, notwendig. Solche Verbindungen legen natürlich auch einen Handel mit Zinn, einem der wichtigsten Rohstoffe der Bronzezeit, nahe. Für die Zeit des Schiffs von Uluburun lassen sich für Zentralasien weder Gewichtssysteme noch stichhaltige Handelsverbindungen in den Westen nachweisen, was eine Herkunft des Zinns aus dem Westen zusätzlich erhärtet.</p><p><strong>Originalpublikation:</strong><br> Daniel Berger, Kai Kaniuth, Gerhard Brügmann, Ernst Pernicka: Why Central Asia´s Mushiston is not a source for the Late Bronze Age tin ingots from the Uluburun shipwreck.<br> Frontiers in Earth Science 11:1211478.<br> doi:10.3389/feart.2023.1211478&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98438</guid><pubDate>Thu, 21 Sep 2023 10:51:29 +0200</pubDate><title>„Freiheit“: Görres-Gesellschaft tagt an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/freiheit-goerres-gesellschaft-tagt-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>250 Forschende diskutieren den Freiheitsbegriff in unterschiedlichen Kontexten – Die Öffentlichkeit ist eingeladen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die 125. Jahrestagung der Görres-Gesellschaft findet in diesem Jahr auf Einladung der Universität Tübingen unter dem Thema „Freiheit“ in Tübingen statt. Vom 22. September bis 24. September 2023 tagen rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 verschiedenen Disziplinen in 15 Fachbereichssitzungen und laden die universitäre wie auch städtische Öffentlichkeit zum Besuch ihrer Veranstaltungen ein.</p><p>Das <a href="https://www.goerres-gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/Ordner_fuer_Dateien_Generalversammlung/GV_Programm_2023_neu.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">detaillierte Programm</a> finden Sie auf der <a href="https://www.goerres-gesellschaft.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Internetseite der Görres-Gesellschaft</a>. Bei der Jahrestagung sind Gäste hoch willkommen, der Eintritt ist frei, eine <a href="https://www.goerres-gesellschaft.de/service/anmeldung-zur-jahrestagung.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Voranmeldung</a>&nbsp;ist jedoch erwünscht.</p><p>Die Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft ist mit rund 2.900 Mitgliedern eine der größten und zugleich eine der ältesten deutschen Wissenschaftsgesellschaften. Vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse aktueller Forschungen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Religion.</p><p>„Die Universität freut sich, diese multidisziplinäre Veranstaltung erneut in Tübingen zu beherbergen, noch dazu zu einem so wichtigen und zeitgemäßen Thema“, sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p>Den Auftakt bildet am Freitag, 22. September ab 18:00 Uhr im Audimax der Neuen Aula der Vortrag der Tübinger Historikerin Professorin Dr. Sigrid Hirbodian: “Nachdenken über Eberhard. Die Diskussion über den Namen der Eberhard Karls Universität Tübingen“.</p><p>Am Samstag folgen 15 parallele Sitzungen der wissenschaftlichen Fachbereiche der Gesellschaft, die sich im Wesentlichen mit dem zentralen Thema der Tagung „Freiheit“ befassen.</p><p>Abgeschlossen wird die Tagung am Sonntag, 24. September, ab 10:30 Uhr mit einem Festakt im Festsaal der Neuen Aula der Universität, bei dem u.a. der ehemalige Bundesverfassungsrichter Professor Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof, Heidelberg, zum Thema „Die Idee der Freiheit als gesellschaftlicher Auftrag, als individuelles Wagnis und als rechtliche Gewährleistung“ sprechen wird.</p><p>Neben dem Festakt und zentralen Vorträgen stehen bei der Jahrestagung die Sitzungen der einzelnen wissenschaftlichen Sektionen der Görres-Gesellschaft mit über 80 Vorträgen im Vordergrund. Die Vorträge bilden die gesamte Palette der wissenschaftlichen Vielfalt der Görres-Gesellschaft ab und widmen sich in Einzelveranstaltungen vornehmlich dem Thema „Freiheit“. Der Präsident der Görres-Gesellschaft, Professor Dr. Bernd Engler, sagte hierzu im Vorfeld der Tagung: „Gegenwärtig können wir in verschiedenen Weltregionen beobachten, wie Menschen um ihre Freiheit und die ihres Staates kämpfen, oft unter Einsatz ihres Lebens. Das Verständnis von „Freiheit“ ist von zentraler Bedeutung für unsere demokratische Gesellschaft. Damit einher gehen tiefgreifende Fragen, die wir bei unserer Tagung diskutieren wollen: Wie verhalten sich Freiheit und Verantwortung zueinander? Wo beginnt, wo endet die Freiheit – etwa auch in der Wissenschaft? Welche ethischen Leitplanken gilt es zu beachten, beispielsweise in Fragen der Medizin- und Bioethik?“</p><p>Hierzu einige Beispiele: Die Sektionsveranstaltung der Wirtschaft- und Sozialwissenschaft, die in Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V. tagt, widmet sich dem Thema „Verantwortete Freiheit – 75 Jahre Soziale Marktwirtschaft“. Die Philosophie diskutiert „Paradoxien der Freiheit“ und fragt u.a. nach der „Freiheit in Zeiten des Klimawandels“. Bei der Sektion für Geschichte wird es um die „Geschichte und Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit“ gehen. Die Sektion für Religionswissenschaften wird u.a. den Freiheitsbegriff in verschiedenen Weltreligionen vergleichen und die Europäische Ethnologie debattiert das Thema „Fremdbestimmung und Selbstbestimmung: Die Gestaltung von Lebensstilen und Lebensformen“. Nicht minder interessant dürfte die Sitzung der Rechts- und Staatswissenschaften werden, wo es um „Zuwanderung und Zugehörigkeit – Entwicklungen im Migrations- und Staatsangehörigkeitsrecht“ gehen wird.</p><p>Besonderes Augenmerk gilt den zahlreichen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die zur Tagung erwartet werden. Das eigens für diese Gruppe ins Leben gerufene „Junge Forum der Görres-Gesellschaft“ bietet die Möglichkeit, sich zu vernetzen und eigene Akzente zu setzen.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Gerne stehen folgende Vertreter der Görres-Gesellschaft bei Medienanfragen für ein Gespräch zur Verfügung:</p><ul><li>Prof. Dr. Bernd Engler, Literaturwissenschaftler, ehem. Rektor der Universität Tübingen, Präsident der Görres-Gesellschaft</li><li>Prof. Dr. Sabine Seichter, Universitätsprofessur für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Universität Salzburg, Vizepräsidentin der Görres-Gesellschaft&nbsp;</li><li>Prof. Dr. Georg Braungart, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur, Universität Tübingen, Vizepräsident der Görres-Gesellschaft, Leiter des Cusanuswerks&nbsp;</li><li>Dr. Martin Barth, Generalsekretär der Görres-Gesellschaft</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98396</guid><pubDate>Wed, 20 Sep 2023 12:32:23 +0200</pubDate><title>Rüsseltiere der Hammerschmiede – Zeitgenossen des Menschenaffen „Udo“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ruesseltiere-der-hammerschmiede-zeitgenossen-des-menschenaffen-udo/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment untersucht Fossilien von acht Individuen der Elefantenartigen aus der Allgäuer Fundstelle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Während in der heutigen Tierwelt der Tropen nur drei Elefantenarten aus Afrika und Asien bekannt sind, waren die Artenvielfalt und die Verbreitung der Rüsseltiere in der Erdvergangenheit deutlich größer. Aus der Fundstelle Hammerschmiede bei Pforzen, die durch den ersten zweibeinigen Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi </em>– genannt „Udo“ – weltweit bekannt wurde, untersuchte ein Tübinger Forschungsteam nun erstmals die Überreste von Rüsseltieren. Sie lebten zur gleichen Zeit wie Udo vor rund 11,5 Millionen Jahren in der Allgäuer Landschaft. Die Funde von acht Individuen ließen sich zwei Arten zuordnen. Seine Ergebnisse veröffentlichte das Team von der Universität Tübingen und dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment nun im Fachmagazin <em>Journal of Mammalian Evolution</em>.</p><p>Rüsseltiere sind die größten Landsäugetiere, die wir kennen. Vier der nun untersuchten Tiere aus der Hammerschmiede gehören zu den ausgestorbenen Hauerelefanten (Deinotherien – vom altgriechischen Wort „deinos“ für schrecklich und „therion“ für Tier). Diese primitive Familie der Dickhäuter hatte sich in der Evolution vor 30 Millionen Jahren von den übrigen Rüsseltieren getrennt. Ihre charakteristischen Merkmale sind rückwärts gekrümmte, hauerartige untere Stoßzähne. Zudem fehlen die sonst für Elefanten typischen oberen Stoßzähne. Diese Funde, bei denen es sich überwiegend um Jungtiere handelt, wurden der Art <em>Deinotherium levius </em>zugeordnet.</p><h3><strong>Neben <em>Danuvius </em>eingebettet: ein Hauerelefantenbaby </strong></h3><p>„Von besonderer Bedeutung ist eine Entdeckung aus dem Jahr 2020, da wurde erstmals ein Teilskelett eines wenige Monate alten Deinotheriumbabys gefunden“, berichtet Dr. George Konidaris, der Erstautor der neuen Studie. Das durch 24 Skelettelemente – darunter Unterkiefer, Rippen, Becken sowie Schien- und Wadenbein – dokumentierte Jungtier&nbsp;habe in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Weibchen von <em>Danuvius </em>gelegen.</p><p>Der Fund sei ein Glücksfall für die Wissenschaft. „Noch nie zuvor war ein Jungtier eines Hauerelefanten entdeckt worden, das sowohl die bleibenden Hauer als auch noch deren Vorläufer aus dem Milchgebiss aufweist. Diese kurze Phase im Leben der Rüsseltiere wird selten durch Fossilien dokumentiert. Der Fund hat daher große Bedeutung für ein besseres Verständnis der Individual- und Lebensgeschichte der Deinotherien.“</p><p>Tatsächlich handelt es sich bei dem Fund aus der Hammerschmiede erst um den dritten Nachweis weltweit von Milchhauern bei Deinotherien. „Der Milchhauer des Jungtiers wurde gleich neben dessen Unterkiefer gefunden. Computertomografische Aufnahmen vom Kiefer zeigen außerdem die Keime der permanenten Hauer, die bereits tief im Knochengewebe angelegt waren“, stellt der Grabungsleiter der Hammerschmiede Thomas Lechner fest.</p><p>Der Unterkiefer weist ansonsten keine weiteren Zahnkeime auf, nur Milchbackenzähne. Daraus schließen die Forscher, dass die permanenten Hauer bei den Hauerelefanten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Entwicklung durchbrachen, noch während das Milchgebiss komplett war – ähnlich ist es bei den heute lebenden Elefanten, ihren entfernten Verwandten. Die Hauer waren demnach die ersten sichtbaren Zähne im Dauergebiss dieser Tiere.</p><h3><strong><em>Tetralophodon </em>– der Riese aus der Hammerschmiede </strong></h3><p>Die zweite Rüsseltierart der Hammerschmiede ist der elefantenartige <em>Tetralophodon longirostris</em>. Diese höckerzahntragenden Rüsseltiere unterscheiden sich von echten Elefanten und Mammuts auch durch den Besitz von Stoßzähnen sowohl im Ober- wie auch im Unterkiefer. Das bedeutendste Exemplar der vier Individuen aus der Hammerschmiede ist ein Teilskelett eines ausgewachsenen Bullen, welches bereits vor mehr als 40 Jahren durch die beiden Allgäuer Privatsammler Sigulf Guggenmos und Manfred Schmid ausgegraben wurde. „Aufgrund der mächtigen Stoßzähne sowie der Größe und des Abnutzungsgrads seiner Backenzähne vermuten wir, dass es ein Männchen im Alter zwischen 37 und 48 Jahren war. Sein Lebendgewicht waren gut zehn Tonnen und die Schulterhöhe etwa 3,5 Meter“, erklärt George Konidaris.</p><p>Die Art der Abnutzung der Zähne verrät den Wissenschaftlern zudem einiges über das Nahrungsspektrum dieser Dickhäuter. Während <em>Tetralophodon </em>wahrscheinlich eine Mischnahrung aus Blättern, Zweigen und Gras bevorzugte, war <em>Deinotherium </em>ein reiner Blattfresser, so Panagiotis Kampouridis, Doktorand und Mitautor der Studie. Diese unter-schiedlichen Nahrungsnischen ermöglichten die Koexistenz der beiden großen Pflanzenfresser im Ökosystem Hammerschmiede.</p><h3><strong>Klimawandel vor zwölf bis elf Millionen Jahren </strong></h3><p>Die Funde der Dickhäuter aus der Hammerschmiede seien für die zeitliche Einordnung der Evolution dieser Rüsseltiere von herausragender Bedeutung, resümiert Professorin Madelaine Böhme, die Leiterin des Forschungsprojekts Hammerschmiede. Das gemeinsame Vorkommen beider Arten in Europa dokumentiere einen kurzen Zeitabschnitt zwischen zwölf und elf Millionen Jahren vor heute, der durch relative Trockenheit und sehr hohe Temperaturen gekennzeichnet war, erklärt die Wissenschaftlerin.</p><p>Der nach Europa migrierte <em>Tetralophodon </em>habe sich in dieser Phase gegenüber primitiveren höckerzahntragenden Elefantenartigen durchgesetzt. Das nach elf Millionen Jahren zunehmend feuchter werdende Klima führte dann zu einem Umbruch bei den großen Säugetieren Europas. Die zunehmende Bewaldung bot den blattfressenden Hauerelefanten reichlich Nahrung und ermöglichte ihnen eine weitere Zunahme ihrer Körpergröße, was zur Evolution der neuen Art <em>Deinotherium giganteum </em>führte.</p><p>Die Ausgrabungen in der Hammerschmiede wurden durch die Universität Tübingen, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und den Freistaat Bayern finanziert.</p><h3><strong>Publikation: </strong></h3><p>George E. Konidaris, Thomas Lechner, Panagiotis Kampouridis, Madelaine Böhme: <em>Deinotherium levius </em>and <em>Tetralophodon longirostris </em>(Proboscidea, Mammalia) from the Late Miocene hominid locality Hammerschmiede (Bavaria, Germany), and their biostratigraphic significance for the terrestrial faunas of the European Miocene. <em>Journal of Mammalian Evolution</em>, <a href="https://doi.org/10.1007/s10914-023-09683-3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s10914-023-09683-3</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98270</guid><pubDate>Thu, 14 Sep 2023 15:00:00 +0200</pubDate><title>Weltweit größter Wissenschaftspreis  für Tübinger Parkinson-Forscher</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/weltweit-groesster-wissenschaftspreis-fuer-tuebinger-parkinson-forscher/</link><description>„Breakthrough Prize“ für wegweisende Entdeckungen über die Genetik der Nervenerkrankung Parkinson
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Parkinson-Forscher Prof. Dr. Thomas Gasser erhält den mit drei Millionen US-Dollar dotierten „2024 <span lang="en" dir="ltr">Breakthrough Prize in Life Sciences</span>“ gemeinsam mit einer Wissenschaftlerin und einem Wissenschaftler, die beide in den USA tätig sind. Die drei Fachleute werden für die Entdeckung genetischer Risikofaktoren der Parkinson-Erkrankung ausgezeichnet. Von dieser bislang unheilbaren Nervenerkrankung sind hierzulande mindestens 200.000 Menschen betroffen. Der „<span lang="en" dir="ltr">Breakthrough Prize</span>“ wird in verschiedenen Fachgebieten vergeben und gilt als die weltweit höchstdotierte Auszeichnung in den Naturwissenschaften. Diesmal werden unter anderem auch bedeutende Fortschritte in der Therapie von Krebs und Mukoviszidose gewürdigt. Thomas Gasser forscht in leitender Funktion am Tübinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und ist Vorstandsvorsitzender des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung an der Universität Tübingen. Er ist zudem ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen.</p><p>Bei einer Parkinson-Erkrankung gehen im Gehirn bestimmte Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Der daraus folgende Dopaminmangel verursacht Bewegungsstörungen wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium entwickeln manche Patientinnen und Patienten auch eine Demenz. Weshalb diese Gehirnzellen absterben, ist bis heute nicht restlos geklärt. Thomas Gasser sowie Ellen Sidransky und <span lang="en" dir="ltr">Andrew Singleton</span>, letztere forschen beide in den USA, fanden in den 2000er-Jahren heraus, dass Mutationen (Abweichungen von der Normalform) in bestimmten Erbanlagen das Risiko für Parkinson erhöhen, einige Mutationen die Erkrankung sogar unweigerlich auslösen. Der „<span lang="en" dir="ltr">Breakthrough Prize in Life Sciences</span>“ würdigt diese Pionierleistungen: Sie haben das Verständnis der molekularen Mechanismen der Parkinson-Erkrankung erweitert und den Weg für Studien bereitet, in denen aktuell neue Therapie-Konzepte untersucht werden. Diese bahnbrechenden Befunde über genetische Risikofaktoren für Parkinson sind teils unabhängig voneinander, teils in Zusammenarbeit der preisgekrönten Forschenden entstanden.</p><h3>Schadhafte Enzyme</h3><p>Die besagten Mutationen betreffen die Gene LRRK2 (ausgesprochen „LARK2“) und GBA1. „Jedes dieser Gene enthält den Bauplan für ein bestimmtes Enzym. Durch die Mutationen funktionieren diese Enzyme nicht optimal. Im Endeffekt richten sie Schaden an“, erläutert Thomas Gasser. „Die Folgen sind gravierend. Denn LRRK2 ist an diversen Vorgängen innerhalb von Nervenzellen beteiligt, es sorgt unter anderem dafür, dass die Kraftwerke der Zellen korrekt funktionieren und Energie bereitstellen. Andererseits sind sowohl LRRK2 als auch GBA1 wichtig für das Recycling und die Beseitigung von Abfallprodukten des zellulären Stoffwechsels.“ Die beschriebenen Genmutationen sind zum einen für die erbliche („familiäre“) Form der Parkinson-Erkrankung relevant, bei der die betroffenen Personen in jeder Familiengeneration unweigerlich erkranken – häufig schon vor dem 50. Lebensjahr. Zum anderen sind manche dieser Erbgutvarianten auch Risikofaktoren für die weitaus häufigere „sporadische“ Form von Parkinson, die typischerweise im Alter ab 60 Jahren auftritt und deren Auslöser sich nicht eindeutig benennen lassen.</p><h3>Aussichten für die Therapie</h3><p>Parkinson ist bislang nicht heilbar. Die Symptome lassen sich allerdings für eine gewissen Zeitraum recht gut behandeln und abmildern. Häufig ist es sogar möglich, die Auswirkungen der Erkrankung über Jahre hinweg soweit in Schach zu halten, dass die betroffenen Personen in ihrem Alltag nur wenig eingeschränkt sind. „Die derzeit verfügbaren Therapien wirken allerdings nur symptomatisch und setzen nicht bei den Wurzeln der Erkrankung an. Deshalb können sie die Abbauprozesse im Gehirn nicht aufhalten und verlieren früher oder später ihre Wirkung“, so Gasser. „Aus unseren Befunden über die Gene LRRK2 und GBA1 ergeben sich jedoch Ansatzpunkte für Behandlungen, die auf molekulare Ursachen abzielen und denen verschiedentlich nachgegangen wird. Ich bin zuversichtlich, dass es eines Tages möglich sein wird, den Ausbruch der Parkinsonkrankheit zu verzögern oder gar ganz zu verhindern oder zumindest ihr Fortschreiten zu verlangsamen.“</p><h3>Neue Ansätze</h3><p>In der Tat arbeitet die Pharmaindustrie an Hemmstoffen, um das mutierte LRRK2-Enzym und dessen schädliche Wirkung auszubremsen. In Tübingen bereitet Gasser gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen derweil eine klinische Studie vor, die auf Patientinnen und Patienten mit Parkinson und GBA1-Mutation ausgerichtet ist. „Menschen mit GBA1-Mutation erkranken zumeist an einer besonders schwerwiegenden Form von Parkinson. Häufig entwickeln sie im schon früh im Krankheitsverlauf eine Demenz. Wir wollen untersuchen, ob wir den geistigen Abbau verhindern oder zumindest hinauszögern können. Wir möchten also präventiv behandeln, bevor sich Symptome von Demenz bemerkbar machen. Damit würden wir die motorischen Störungen zwar nicht beseitigen, zur Lebensqualität dennoch maßgeblich beitragen. Dazu wollen wir mit Antikörpern gegen bestimmte Ablagerungen vorgehen, die sich bei einer Parkinson-Erkrankung im Gehirn ansammeln. Die klinischen Tests sollen nächstes Jahr beginnen“, sagt Gasser.</p><h3>Stimmen zur Preisvergabe</h3><p>Prof. Dr. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen: „Wir sind hocherfreut über die Auszeichnung von Prof. Dr. Thomas Gasser mit dem Breakthrough Prize für seine wegweisende Parkinson-Forschung. Prof. Gasser ist eine herausragende Persönlichkeit in der Neurologie und ein angesehener Wissenschaftler auf internationaler Ebene, was durch diese neuartige Auszeichnung deutlich wird. Seine bahnbrechende Arbeit hat unser Verständnis der Parkinson-Krankheit vertieft und innovative Behandlungsansätze vorangetrieben. Prof. Gasser veranschaulicht eindrucksvoll den Tübinger Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Neurologie und wir sind stolz auf seinen Erfolg.“</p><p>„Auch wir als Hertie-Stiftung sind sehr stolz auf diese besondere Ehrung für Herrn Prof. Gasser. Wir sind fest davon überzeugt, dass durch die einzigartige Struktur an dem von uns geförderten Hertie-Institut für klinische Hirnforschung Herr Gasser exzellente klinische Arbeit leisten und parallel auch seine wegweisende Forschung zur Parkinsonerkrankung betreiben konnte“, sagt Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung.</p><p>„Thomas Gasser steht seit langem an der Weltspitze der Forschung und hat zu einem besseren Verständnis der Parkinsonkrankheit und anderer neurodegenerativer Erkrankungen beigetragen,” so Prof. Dr. Pierluigi Nicotera, Vorstandsvorsitzender des DZNE. „Prof. Gasser ist eine herausragende Führungspersönlichkeit, er hat die Entwicklung vieler klinisch tätiger Wissenschaftler gefördert und seine Arbeit war entscheidend für die Konzeption neuer, personalisierter Behandlungen, die in Zukunft helfen werden, die Parkinson-Erkrankung zu besiegen.“</p><h3>Internationale Zusammenarbeit</h3><p>Die Mutationen in den Genen LRRK2 und GBA1 zählen zu den häufigsten genetischen Risikofaktoren für Parkinson, die inzwischen bekannt sind. Fachleute vermuteten jedoch, dass es weitere – bislang unentdeckte – gibt. Das Tübinger Team um Gasser beteiligt sich daher an internationalen Forschungsprojekten, in denen das Erbgut tausender Menschen mit Parkinson untersucht wird. „Manche der genetischen Risikofaktoren, die man inzwischen gefunden hat, sind nicht gleichmäßig verteilt. Weltweit betrachtet gibt es Unterschiede in ihrer Häufigkeit zwischen Bevölkerungsgruppen und Regionen. Solche Befunde sind wichtig für die Entwicklung individualisierter Therapien und lassen sich nur in internationaler Zusammenarbeit erreichen“, so Gasser. „Davon versprechen wir uns Erkenntnisse nicht nur über die familiäre Form von Parkinson, sondern auch über die nicht-erbliche, also die sogenannte sporadische Variante. Unsere Untersuchungen zeigen, dass auch hier genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Sie sind dann zwar nicht alleinbestimmende Ursachen für Parkinson, aber dennoch bedeutsam zum Beispiel für das Krankheitsrisiko, das Erkrankungsalter oder den Schweregrad der Erkrankung.“</p><h3>Hintergrund</h3><p>Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. Sie äußert sich insbesondere durch Bewegungsstörungen und tritt in aller Regel im höheren Erwachsenenalter auf: Die große Mehrzahl der Betroffenen ist mindestens 60 Jahre alt. In vielen Fällen ist es möglich, die Symptome der Erkrankung über Jahre hinweg mit Medikamenten und Physiotherapie zu lindern, ehe die aktuellen Therapien aufgrund der stetig voranschreitenden Hirnschädigung ihre Wirkung verlieren. Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar. In Deutschland sind mindestens 200.000 Menschen von Parkinson betroffen, Tendenz steigend.</p><p><a href="https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/parkinson/" target="_blank" rel="noreferrer">Weitere Informationen des DZNE zu Parkinson</a></p><h3>Über den Breakthrough Prize</h3><p>Der Breakthrough Prize wurde 2012 von den Sponsoren Sergey Brin, Priscilla Chan &amp; Mark Zuckerberg, Julia &amp; Yuri Milner und Anne Wojcicki begründet und ist der weltweit höchstdotierte internationale Wissenschaftspreis, der jährlich verliehen wird. Die feierliche Verleihung der aktuellen Preise findet am 13. April 2024 in Los Angeles (USA) statt. <a href="https://breakthroughprize.org" target="_blank" rel="noreferrer">Webauftritt des Breakthrough Prize</a></p><h3>Weitere Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.dzne.de/gasser" target="_blank" rel="noreferrer">Forschungsschwerpunkte von Thomas Gasser</a></li><li><a href="https://www.hih-tuebingen.de/forschung/neurodegeneration/forschungsgruppen/parkinson-genetik/" target="_blank" rel="noreferrer">Webseite der Forschungsgruppe von Thomas Gasser am HIH</a></li><li><a href="https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/mitarbeiter/profil/1598" target="_blank" rel="noreferrer">Profilseite von Thomas Gasser beim Universitätsklinikum Tübingen</a></li><li><a href="https://open.spotify.com/episode/1boN2wQwAc4GkWBkj5t907" target="_blank" rel="noreferrer">Der Wissenspodcast des DZNZ mit Thomas Gasser zu Parkinson</a><span lang="DE"></span></li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98237</guid><pubDate>Wed, 13 Sep 2023 14:00:00 +0200</pubDate><title>Förderung für innovative digitale Lehre</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/foerderung-fuer-innovative-digitale-lehre/</link><description>Dr. Eberle Zentrum der Universität Tübingen zeichnet unter anderem Ethik-Podcast und Anleitungsmodul für hybride Seminare aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Vier kreative Tübinger Projekte aus der digitalen Lehre erhalten eine Förderung durch das Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen. Mit je 10.000 Euro können die Forschenden ihre innovativen Ideen für digitale Lehr- und Lernmaterialien umsetzen. Bereits zum dritten Mal werden überzeugende Projekte mit diesem Format gefördert. Die Ergebnisse werden über das Zentrale OER-Repositorium Baden-Württemberg frei im Netz zugänglich sein.&nbsp;</p><p>Die Ausschreibung wurde durch die großzügige Unterstützung der Dr. K. H. Eberle Stiftung ermöglicht. <strong>Die offizielle Verleihung findet am 27. September um 18 Uhr im Historischen Lesesaal der Universitätsbibliothek (Bonatzbau, Wilhelmstr. 32) statt. Medienvertreterinnen und -vertreter sind dazu herzlich eingeladen.</strong></p><p>Die OER-Preise gehen an folgende Projektideen:</p><p>• Im<strong> Projekt „Integration hochwertiger Messgeräte ins Geographiestudium“ </strong>entwickelt ein Team unter der Leitung von Dr. Andreas Braun Tutorials, Videos und Dokumentationen für eine breite Palette von Messgeräten und -methoden. Dabei geht es beispielsweise um Geräte zur GPS-Vermessung, zur Messung von Klimaparametern sowie zur Erfassung ökologischer und chemischer Eigenschaften von Gewässern. Auch Erdbeobachtung und Drohnenkartierung werden thematisiert. Das Team am Lehrstuhl für Physische Geographie und Geographische Informationssysteme (Prof. Dr. Volker Hochschild) arbeitet an einer Katalogisierung und Dokumentation der Geräte, die künftig im Rahmen des Geographiestudiums, aber auch für Studien und Abschlussarbeiten zugänglich sein sollen. Darüber hinaus können die Materialien auch fach- und ortsunabhängig wiederverwendet werden, da sie gängige Geräte und Methoden in einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen abdecken.&nbsp;<br> Kontakt: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cp0dtcwpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">an.braun<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>• Im <strong>Projekt „Debating Planetary Ethics - A Podcast on the Planetary Boundaries“</strong> entwickelt Dr. Simon Meisch vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften einen Podcast. In Zusammenarbeit mit Dr. Jeremy Schmidt vom Department of Geography der Universität Durham diskutiert er ethische Fragen rund um das im Jahr 2009 eingeführte Konzept der planetaren Grenzen. In diesem geht es unter anderem um den Klimawandel oder die Übersäuerung der Ozeane. Jede Episode des Podcast wird sich einer der neun definierten planetaren Grenzen widmen und dabei eine interdisziplinäre Debatte mit verschiedensten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führen. Der Podcast soll mit Begleitinformationen als eigenständige Lerneinheit fungieren, kann aber auch als Ethikmodul in Veranstaltungen eingebunden werden, die Bezug zu den planetaren Grenzen haben.&nbsp;<br> Kontakt: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ukoqp0ogkuejBwpk/vwgdkpigp0fg  " data-mailto-vector="2" class="mail">simon.meisch@uni-tuebingen.de&nbsp;&nbsp;</a></p><p>• Im <strong>Projekt „Lernmodul Altfranzösisch für Studierende, Lehrende und Forschende der Mediävistik“</strong> arbeiten das Deutsche Seminar der Universität Tübingen und das Neuphilologische Institut der Universität Würzburg unter der Leitung von Juniorprofessorin Carlotta Posth und Alexandra Becker zusammen. Das Modul schließt die Lücke an Bildungsangeboten für Altfranzösisch - das Fach nimmt eine Schlüsselrolle in der mittelalterlichen Literatur ein und ist für viele philologische Fachgebiete wichtig. Das neue OER-Lernmodul soll ein breites Publikum ansprechen: Studierende und Forschende der Romanistik sowie anderer mediävistischer und historischer Fachrichtungen erhalten hier Einblick in die Grundstrukturen der altfranzösischen Sprache und ihre literatur- und sprachgeschichtlichen Aspekte. Die Lerneinheiten des Moduls enthalten Informationsmaterial, Übungsaufgaben und praktische Anwendungen zur Wissensvertiefung.&nbsp;<br> Kontakt: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ectnqvvc0rquvjBwpk/ywgtbdwti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">carlotta.posth<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-wuerzburg.de</a>, <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cngzcpftc0dgemgtBwpk/vwgdkpigp0fg " data-mailto-vector="2" class="mail">alexandra.becker@uni-tuebingen.de&nbsp;</a> &nbsp;</p><p>• Im <strong>Projekt „Hybride Lehrformate / Hybrid Learning &amp; Teaching“</strong> entwickeln das Zentrum für Medienkompetenz und die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik gemeinsam ein OER-Modul, das die Implementierung von hybriden Lehrformaten erleichtern soll. Es bietet allen Lehrenden durch praxisorientierte Checklisten, Reflexionsfragen und exemplarische Lösungsstrategien eine schrittweise Anleitung zur Planung und Durchführung hybrider Lehrformate. Dabei werden die Herausforderungen dieser Lehrmethode ausführlich behandelt, darunter technische, didaktische, konzeptionelle und rechtliche Aspekte. Das Modul wird in Deutsch und Englisch verfügbar sein. Leitung: Kurt Schneider, M.A. und Heike Schulz, Zentrum für Medienkompetenz; Dr. Andrea Fausel und Esther Fink, Arbeitsstelle Hochschuldidaktik.&nbsp;<br> Kontakt: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mwtv0uejpgkfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kurt.schneider<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Das Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen bildet Tübinger Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für den Einsatz digitaler Medien in Forschung, Studium und Berufsleben aus. Mit der Ausschreibung „Digitale Lehr- und Lernmaterialien“ unterstützt die Universität die Entwicklung sogenannter „Open Educational Resources (OER)“, die vielseitig einsetzbar sind. Ihre Erstellung erfordert neben Kompetenzen zur Nutzung digitaler multimedialer Werkzeuge auch geeignete didaktische Konzepte. Die neuen Module können kostenfrei über den Onlinedienst „Zentrales Repositorium für Open Educational Resources der Hochschulen in Baden-Württemberg“ (ZOERR) genutzt werden. Diesen stellt die Universitätsbibliothek Tübingen im Rahmen des „Hochschulnetzwerks Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg“ zur Verfügung.&nbsp;</p><p>Die Dr. K. H. Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach hat das Zentrum bereits mit mehr als einer Million Euro gefördert und auch die Ausschreibung des Förderformats „Digitale Lehr- und Lernmaterialien“ ermöglicht. Sie wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig. <a href="https://dreberlestiftung.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dreberlestiftung.de/</a><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98162</guid><pubDate>Mon, 11 Sep 2023 15:44:24 +0200</pubDate><title>Ausstellung zeigt herausragende neue archäologische Funde aus der Region</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellung-zeigt-herausragende-neue-archaeologische-funde-aus-der-region/</link><description>„Gold im Ammertal – Das Ende der Steinzeit im Raum Tübingen“ eröffnet am 21. September im Museum der Universität Tübingen MUT</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das MUT zeigt in einer neuen Ausstellung die spektakulärsten archäologischen Funde der letzten Jahre. Die Ausstellung „Gold im Ammertal – Das Ende der Steinzeit im Raum Tübingen“ entstand in einer Kooperation des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. Die Eröffnung der Ausstellung, zu der Pressevertreterinnen und alle Interessierten herzlich eingeladen sind, findet am <strong>Donnerstag, 21. September, um 19 Uhr in der Schlosskirche auf Schloss Hohentübingen </strong>statt.</p><p>In der Jungsteinzeit werden im 6. Jahrtausend v.Chr. erstmals dauerhafte Häuser errichtet und die Verstorbenen in Gräberfeldern bestattet. Dieser Übergang von der nomadischen Lebensweise zur Sesshaftigkeit kann als einer der wichtigsten Umbrüche in der menschlichen Kulturgeschichte gelten. Die Ansiedlung des Menschen bietet ihrerseits die Voraussetzung für viele wichtige Innovationen, die unser heutiges Leben prägen, wie Töpferei, Textilproduktion und Metallurgie. Am Ende der Jungsteinzeit werden auch Rad und Wagen entwickelt, was die menschliche Mobilität und den Gütertransport revolutioniert.&nbsp;</p><p>Ziel des gemeinsamen Forschungsprojektes, dessen wichtigste Erkenntnisse in der Ausstellung präsentiert werden, war zunächst die Erforschung ausgewählter Siedlungen der Jungsteinzeit im Tübinger Umland. Die Ergebnisse werfen auch neues Licht auf den Landschaftswandel im Raum Tübingen durch Umweltveränderungen und den Eingriff des Menschen.&nbsp;</p><p>Zu den aufsehenerregendsten Funden gehört ein im Herbst 2020 bei den archäologischen Forschungsgrabungen in einem frühbronzezeitlichen Grab bei Ammerbuch-Reusten geborgener kleiner Goldring, der als ältester Edelmetallfund Südwestdeutschlands gelten kann.&nbsp;</p><p>Die Ausstellung „Gold im Ammertal – Das Ende der Steinzeit im Raum Tübingen“ skizziert den Weg von den ersten sesshaften bäuerlichen Gemeinschaften im Südwesten Deutschlands bis zum Beginn der Metallnutzung in Mitteleuropa.&nbsp;</p><p>Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Begleitband mit Essays zur Kulturgeschichte der Region um Tübingen, Beiträgen zur archäologischen Methodik und einem Katalog der untersuchten Fundplätze.</p><h3>Programm der Eröffnung</h3><p>Begrüßung&nbsp;<br> Prof. Dr. Karla Pollmann | Rektorin der Universität Tübingen</p><p>Grußworte&nbsp;<br> Prof. Dr. Claus Wolf | Präsident des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</p><p>Boris Palmer | Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen</p><p>Einführung in die Ausstellung<br> Dr. Jörg Bofinger | Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart<br> Prof. Dr. Raiko Krauß | Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität</p><p>Moderation<br> Prof. Dr. Ernst Seidl | Direktor des Museums der Universität Tübingen MUT</p><p>Führung durch die Ausstellung, Empfang</p><p><strong>Laufzeit der Ausstellung</strong><br> 22. September 2023 bis 14. Januar 2024</p><p><strong>Ausstellungsort</strong><br> MUT | Alte Kulturen | Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcuugBowugwo0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kasse<span style="display:none">spam prevention</span>@museum.uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Öffnungszeiten</strong><br> Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; Donnerstag, 10 bis 19 Uhr<br> Gruppen jederzeit auch nach Vereinbarung</p><p><strong>Eintrittspreise</strong><br> Regulär: 5 Euro<br> Ermäßigt: 3 Euro<br> Tübinger Studierende, Freunde des MUT, ICOM: Eintritt frei<br> Familienkarte: 12 Euro</p><p><strong>Publikation</strong><br> Raiko Krauß, Jörg Bofinger (Hg.): Gold im Ammertal. Das Ende der Steinzeit im Raum Tübingen&nbsp;(Schriften des Museums der Universität Tübingen MUT, hg. von E. Seidl, Bd. 27)&nbsp;Tübingen: MUT 2023; ISBN 978-3-949680-08-3.&nbsp;</p><p><strong>Weitere Informationen</strong><br> Telefon <a href="tel:+4970712977384">07071 29-77384</a> oder <a href="tel:+4970712977579">-77579</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,owugwoBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">museum<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a></p><p><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/gold-im-ammertal" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Mehr zur Ausstellung und den Exponaten&nbsp;</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98138</guid><pubDate>Fri, 08 Sep 2023 16:00:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Erbe-Lauf feiert 30-jähriges Jubiläum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-erbe-lauf-feiert-30-jaehriges-jubilaeum/</link><description>Ein Teil der Originalstrecke wird wieder einbezogen – Sozialpartner ist die Radstation am Europaplatz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Countdown läuft: Nur noch wenige Tage bis zum 30. Tübinger Erbe-Lauf, der am Sonntag, 17. September 2023, in Tübingen stattfindet. Die Läuferinnen und Läufer des Virtual Charity Runs sind schon ab dem 10. September auf ihren Strecken unterwegs. Unter der Leitung von Judith Wais und mit Unterstützung von Studierenden wird die Veranstaltung vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen organisiert und in Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen ausgerichtet.</p><p>Die diesjährige Jubiläumsausgabe zeigt sich in der Streckenführung der 10 Kilometer: Die neue und alte Strecke verschmilzt zu einer, weshalb das Zinser-Dreieck nach vielen Jahren wieder miteinbezogen und in der zweiten und dritten von drei Runden belaufen wird. Zwei Runden Zinser-Dreieck stehen dabei für rund 20 Jahre, in denen dieser Abschnitt Teil der Originalstrecke war.</p><p>An der Grundidee, Breitensport und Spitzensport in einer Veranstaltung zu vereinen, wird auch mit der 30. Auflage festgehalten: Im AOK Jeder kann-Run ist es möglich, eine Runde mit 3 Kilometern zu laufen. Auch beim CHT Staffellauf läuft jedes Teammitglied eine Runde, so können drei Personen die 10 Kilometer gemeinsam bewältigen.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Zum sechsten Mal findet die BG Handbike Challenge statt. Das Rollstuhl-Rennen richtet sich an ambitionierte Breitensportler:innen und auch Handbike-Einsteiger sind willkommen. Die Teilnehmenden messen sich in unterschiedlichen Wettkampfklassen und fahren einen technisch anspruchsvollen Rundkurs, der sich etwas von der Hauptlaufstrecke unterscheidet. Der Start ist mit Adaptivbike als auch mit Rennbike möglich.</p><p>Beim Walter Maschinenbau Schülerlauf starten am Sonntag, 17. September, Schülerinnen und Schüler unter zehn Jahren für eine Strecke von &nbsp; 700 Metern. Teilnehmende unter 14 Jahren laufen 1.500 Meter und Teilnehmende unter 16 Jahren 3.000 Meter.</p><p>Bis zum 7. September hatten sich 1532 Läuferinnen und Läufer für den Hauptlauf angemeldet. Im Walter Maschinenbau Schülerlauf sind 721 Nachwuchsläuferinnen und -läufer angemeldet. Für die BG Handbike Challenge gehen bislang 17 Teilnehmende an den Start. Beim Jeder kann-Run sind 176 Läuferinnen und Läufer gemeldet. Für den Staffellauf gibt es 34 vorangemeldete Teams.&nbsp;</p><p><strong>Nachmeldungen</strong><br> Für alle Wettbewerbe sind Nachmeldungen bis zu einem gewissen Kontingent möglich. Hierzu wird die Online-Anmeldeplattform nochmals bis zwei Stunden vor dem jeweiligen Wettbewerb geöffnet oder bereits früher geschlossen, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist.&nbsp;</p><p><strong>Startunterlagen und T-Shirts</strong><br> Alle Teilnehmenden aller Wettbewerbe müssen in diesem Jahr ihre Startunterlagen selbst abholen. Wie die Abholung der T-Shirts ist dies am Samstag, 16.09.2023, und Sonntag, 17.09.2023, im Clubhaus in der Wilhelmstraße möglich.&nbsp;</p><p><strong>Virtual Charity Run</strong><br> Der von dem Namenssponsor Erbe Elektromedizin GmbH ins Leben gerufene Virtual Charity Run startet bereits am Sonntag, 10. September. Bis zur Hauptveranstaltung am 17. September kann jeder, egal wie, wo, oder wann, Kilometer für den guten Zweck sammeln. Für Kurzentschlossene bleibt die Anmeldung bis zum Schluss geöffnet. Bislang liegen 387 Anmeldungen vor. Die Erbe Elektromedizin GmbH spendet 50 Cent pro gelaufenem Kilometer an die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen.&nbsp;</p><p><strong>Sozialpartner Radstation am Europaplatz der Bruderhaus Diakonie und Insiva GmbH</strong><br> Jeder gelaufene Kilometer beim Erbe-Lauf am 17. September vor Ort kommt dem Sozialpartner zugute, der Radstation am Europaplatz – pro Kilometer spendet die Erbe Elektromedizin GmbH 50 Cent. Zusätzlich können Läuferinnen und Läufer am Sonntag selbst spenden, indem sie durch das Spendentor in der Mühlstraße laufen. Pro Durchlauf gehen fünf Euro an die Radstation. Dieses Projekt entstand durch eine inklusive Kooperation der BruderhausDiakonie, der AiS inklusiv gGmbH und der Insiva GmbH. Die Radstation schafft Arbeitsplätze und Qualifizierungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung oder Benachteiligung.</p><p><strong>Startzeiten</strong><br><em>Sonntag, 17.09.2023</em><br> Ab 9.20 Uhr &nbsp; &nbsp;Walter Maschinenbau Schülerlauf (U10, U12, U14)<br> 10.00 Uhr &nbsp; &nbsp; &nbsp; BG Handbike Challenge (letzte Runde 10.35 Uhr)<br> 11.00 Uhr &nbsp; &nbsp; &nbsp; Jeder kann-Run und U16 SchülerInnen<br> 11.25 Uhr &nbsp; &nbsp; &nbsp; CHT Staffellauf<br> 11.30 Uhr &nbsp; &nbsp; &nbsp; 1. Start Erbe-Lauf („langsamer“ Hauptlauf, B-Lauf)&nbsp;<br> 12.30 Uhr &nbsp; &nbsp; &nbsp; 2. Start Erbe-Lauf („schneller“ Hauptlauf, A-Lauf) &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<br> &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<br> Alle Informationen unter <a href="http://www.tuebinger-erbe-lauf.de" target="_blank" class="external-link" title="Link zur Webseite des Erbe-Laufs" rel="noreferrer">www.tuebinger-erbe-lauf.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98111</guid><pubDate>Thu, 07 Sep 2023 10:38:01 +0200</pubDate><title>Als üppige Laubwälder die Arktis bedeckten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/als-ueppige-laubwaelder-die-arktis-bedeckten/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht das Pflanzenwachstum im nördlichen Polargebiet vor rund 50 Millionen Jahren – Paläoklima mit Parallelen zur aktuellen globalen Erwärmung</description><content:encoded><![CDATA[<p>In den heute nur spärlich bewachsenen Polargebieten der Arktis gab es im Eozän vor rund 50 Millionen Jahren ausgedehnte, üppige Laubwälder bei einer Kombination aus Treibhausklima und einem gegenüber heute fast doppelt so hohen Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Allerdings herrschten in diesen Regionen hoher Breitengrade – wie heute – extreme Lichtverhältnisse: monatelanges Dauerdunkel im Winter und eine, wenn auch tiefstehende, nie untergehende Sonne im Sommer.</p><p>Vergleichbare Umweltbedingungen sind in dieser Kombination heute auf der Erde nicht zu finden. In ihrer neuen Studie untersuchten Dr. Dr. Wilfried Konrad und Dr. Christopher Traiser aus den Geowissenschaften der Universität Tübingen gemeinsam mit Dr. Anita Roth-Nebelsick vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart die Lebensbedingungen der Pflanzen. Sie wollten wissen, ob die Pflanzen ihren Lichtbedarf in dem extremen Wechsel der Tageslängen ausgleichen konnten und ob dabei die damals verbreitete Großblättrigkeit der Laubbäume eine Rolle spielte. Sie wendeten quantitative Modelle der Fotosyntheseleistung, welche die speziellen Lichtverhältnisse nachbilden können, auf fossile Verwandte des Lebkuchenbaumes (<em>Cercidiphyllum japonicum</em>) an. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Paleoceanography and Paleoclimatology</em> veröffentlicht.</p><h3><strong>Hochentwickelte Modelle</strong></h3><p>Im Sonnenlicht setzen Pflanzen Wasser und Kohlendioxid aus der Luft durch Fotosynthese in organische Stoffe um, erzeugen Biomasse wie etwa Äste und Blätter und können so wachsen. Um mehr über die Produktivität der arktischen Wälder im Eozän zu erfahren, nutzte das Forschungsteam in der aktuellen Studie Daten von zwei arktischen Fundstätten: Die Pflanzenfossilien stammten vom Stenkul Fjord auf der kanadischen Ellesmere-Insel und von der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Spitzbergen. „Zum Vergleich zogen wir den nordwestlichen Odenwald bei Darmstadt heran. Der liegt zwar nicht auf einem hohen, sondern mittleren Breitengrad, doch herrschen in dem heutigen dortigen Laubwald ähnliche klimatische Bedingungen wie auf Spitzbergen im Eozän“, erklärt Konrad.&nbsp;</p><p>In die Berechnungen zur Produktivität der früheren arktischen Wälder bezogen die Forscherin und die Forscher zahlreiche Daten zur Quantifizierung der Verdunstung und der Fotosynthese ein. Sie untersuchten auch, welchen Einfluss die Blattgröße auf die Gas- und Stoffumsätze hatte. „Ob die Blätter der Bäume damals größer oder kleiner waren, spielte unseren Ergebnissen zufolge keine entscheidende Rolle“, sagt Konrad. Lufttemperatur und Lichteinfall hätten dagegen einen unerwartet starken Einfluss gezeigt: da die Ellesmere-Insel ein wenig weiter nördlich als Spitzbergen lag, gab es dort aufgrund himmelsmechanischer Eigenheiten der nördlichen Breiten sehr viel mehr Sonnenstunden während der jährlichen Vegetationsperiode. Zusammen mit der um wenige Grad höheren Temperatur auf Ellesmere habe dies zu einer wesentlich höheren Fotosyntheseleistung als auf Spitzbergen geführt.</p><p>„Insgesamt kamen wir auf eine überraschend hohe Produktivität der Wälder“, sagt Konrad. „Wir gehen davon aus, dass die Klimabedingungen im Eozän die Fotosyntheseleistung der Bäume und dadurch eventuell auch die Produktivität an Biomasse verstärkten. Legt man die aktuellen pflanzenphysiologischen Daten zum Fotosyntheseapparat zugrunde, so dürfte die Fotosyntheseleistung um mindestens 30 bis 60 Prozent höher gelegen haben als an einem heutigen Standort gemäßigter mittlerer Breiten.“ Hauptfaktor der Verstärkung sei der erhöhte Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre gewesen. „Eine Steigerung der Fotosyntheseleistung solcher Wälder könnten daher auch die aktuell steigenden Kohlendioxidwerte mit sich bringen. Da aber die Bodeneigenschaften und die Lichtverhältnisse einen großen Einfluss auf die pflanzliche Produktivität haben, kann man die Aussagen nicht verallgemeinern“, sagt der Wissenschaftler.</p><h3><strong>Ökologische Zukunftsszenarien</strong></h3><p>Für die globale Klimaerwärmung seien auch keine vergleichbaren Habitate auf der Erde zu finden. „Die ökologischen Szenarien könnten sich in manchen Regionen sehr schnell ändern. Vorhersagen zur künftigen Entwicklung stellen eine große Herausforderung dar“, sagt er. „Doch gab es entsprechende Habitate in der Vergangenheit der Erde. Daher können Erkenntnisse zum Paläoklima zur Verbesserung der Modelle und ihrer Vorhersagen beitragen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Wilfried Konrad, Anita Roth-Nebelsick, and Christopher Traiser: <span lang="en" dir="ltr">High productivity at high latitudes? Photosynthesis and leaf ecophysiology in Arctic forests of the Eocene. <em>Paleoceanography and Paleoclimatology</em></span>, <a href="mailto:https://doi.org/10.1029/2023PA004685" target="_blank" class="mail">https://doi.org/10.1029/2023PA004685</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-98093</guid><pubDate>Wed, 06 Sep 2023 14:35:28 +0200</pubDate><title>Kartoffeln mit den richtigen Antennen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kartoffeln-mit-den-richtigen-antennen/</link><description>Forschungsteam findet Rezeptor bei wilden Kartoffelsorten, der für neuartige breite Resistenz gegen Knollenfäule verantwortlich ist</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln, die durch <em>Phytophthora infestans</em> verursacht wird, erfordert weltweit den Einsatz zahlreicher Pflanzenschutzmittel. Für eine nachhaltigere Landwirtschaft ist mehr Wissen über die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen erforderlich. Forschende der Universitäten Tübingen, Wageningen und des Sainsbury Laboratory in Norwich haben einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen und die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlicht.</p><p>„Es gibt ein ständiges ‚Wettrüsten‘ zwischen der Kartoffelpflanze und <em>Phytophthora</em>“, sagt Dr. ir. Vivianne Vleeshouwers, Züchtungsforscherin an der Universität Wageningen. Die Pflanze wehrt sich mit Händen und Füßen: Sobald der Pilz (eigentlich ein Eipilz, oder Oomyzet) eindringt, leitet die Pflanze eine Reihe von Abwehrreaktionen ein, indem sie zum Beispiel ein Stück des Blattes kontrolliert absterben lässt, um das Vordringen der Krankheit zu stoppen. Durch Mutationen gelingt es <em>Phytophthora</em> jedoch immer wieder, diese Abwehrmechanismen zu umgehen.</p><h3>Erkennen der Krankheit</h3><p>Um sich zu verteidigen zu können, muss die Pflanze den Erreger zunächst erkennen. „Dafür hat sie Rezeptoren – so etwas wie Antennen. Diese binden kleine Stücke des <em>Phytophthora</em>-Proteins und das ist das Signal, dass etwas nicht stimmt. Hierdurch werden die Abwehrreaktionen ausgelöst. Es ist also wichtig, dass die Pflanze die Krankheit tatsächlich erkennt und über die richtigen Antennen (Rezeptoren) für Folgemaßnahmen verfügt“, sagt Vleeshouwers.</p><p>Solche Rezeptoren befinden sich im Inneren oder an der Außenseite der Zelle. Die Rezeptoren in der Zelle werden von bestimmten R-Genen kodiert (R steht für Resistenz), und die Züchter machen sich diese Gene zunutze. Sie entwickeln resistente Sorten, indem sie auf diese R-Gene selektieren. Das Problem ist jedoch, dass es dem Pilz immer wieder gelingt, diese Resistenz zu umgehen.</p><p>„Über die Rezeptoren an der Außenseite der Zelloberfläche, die so genannten PRR-Rezeptoren, ist viel weniger bekannt. Sie steuern allgemeinere Abwehrreaktionen“, sagt Vleeshouwers. Das Interesse der Züchter richtet sich derzeit vor allem auf die R-Gene. Um schließlich die allgemeineren Immunreaktionen nutzen zu können, ist Grundlagenforschung erforderlich. Dieser Aufgabe haben sich die Forschenden von Universität Tübingen (Deutschland), Wageningen University &amp; Research (Niederlande) und dem Sainsbury Lab in Norwich (UK) angenommen.</p><h3>Der Rezeptor PERU</h3><p>Vleeshouwers: „Wir haben eine Art von PRR-Rezeptor namens PERU untersucht. Dieser bindet ein spezielles Stück Protein von <em>Phytophthora</em>, nämlich Pep-13, und veranlasst die Kartoffelpflanze so, die Krankheit zu erkennen. Bisher wurde angenommen, dass sich PRR-Rezeptoren im Laufe der Zeit kaum verändern. Ein bekanntes Beispiel ist der sehr stabile Rezeptor, der die Geißeln von Bakterien erkennt. Wir fanden jedoch heraus, dass PERU tatsächlich eine dynamische Entwicklung aufweist und sich viel schneller verändert als bekannte PRR-Rezeptoren.“</p><p>„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Evolution von Immunrezeptoren auf der Zelloberfläche von Pflanzen komplexer ist, als bisher gedacht. Es gibt nicht nur eine Version dieses Rezeptors, sondern Varianten, die unterschiedliche bindende Moleküle erkennen können. Das ist eine neue Erkenntnis“, sagt Prof. Dr. Thorsten Nürnberger vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen und einer der Studienleiter.</p><h3>Ein Blick in die Vergangenheit</h3><p>„Mehrere wilde Kartoffelsorten haben Variationen von PERU. Wir haben diese Pflanzen in unserer Sammlung und können nun sozusagen in der Zeit zurückblicken, wie die Evolution abgelaufen ist“, ergänzt Vleeshouwers. „Versteht man die Evolution, kann man das schließlich in Anwendungen umsetzen. Das heißt, die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten lässt sich erhöhen, indem man auf die richtigen Rezeptoren selektiert.“</p><p>Durch einen Blick in die Vergangenheit konnten die Forschenden den Ursprung dieser Evolution zurückverfolgen: Er liegt in den Anden. Dem entdeckten Rezeptor gaben sie den Namen PERU. Dies steht für: Pep-13 Receptor Unit, verweist aber gleichzeitig auf das Herkunftsland der untersuchten Kartoffelsorten und das Heimatland der Erstautorin der Studie, Doktorandin Yerisf Torres Ascurra.</p><h3>Nachhaltigerer Anbau</h3><p>„Die Erkenntnisse über diese Art von Rezeptoren bereiten den Weg für einen nachhaltigeren Kartoffelanbau der Zukunft. Das Team geht davon aus, dass es in Zukunft Kartoffeln geben wird, die mit spezifischen Resistenzgenen und verbesserten allgemeinen Abwehrkräften ausgestattet sind.</p><p>„Bisher lag der Schwerpunkt bei den Züchtern immer auf den R-Genen. Diese Resistenz wird jedoch immer wieder umgangen. Indem wir untersuchen, wie sich wilde Kartoffelsorten in einer Umgebung mit konstantem Druck durch Krankheitserreger behaupten, können wir herausfinden, welche Mechanismen sie nutzen. Diese können wir dann bei unseren Kartoffelsorten anwenden“, schließt Vleeshouwers ab.</p><h3>Publikation:</h3><p>Torres Ascurra, YC, Zhang, L, Toghani, A, Hua, C, Rangegowda, NJ, Posbeyikian, A, Pai, H, Lin, X, Wolters, PJ, Wouters, D, de Blok, R, Steigenga, N, Paillart, MJM, Visser, RGF, Kamoun, S, Nürnberger, T, &amp; Vleeshouwers, VGAA. (2023). <span lang="en" dir="ltr">Functional diversification of a wild potato immune receptor at its center of origin.</span><em>Science 381(6660)</em>, 891–897, <a href="https://doi.org/10.1126/science.adg5261" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1126/science.adg5261</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97895</guid><pubDate>Tue, 05 Sep 2023 12:00:00 +0200</pubDate><title>Sechs neue Starting Grants des Europäischen Forschungsrats gehen nach Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sechs-neue-starting-grants-des-europaeischen-forschungsrats-gehen-nach-tuebingen/</link><description>Zwei Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums werben mit ihren Projekten eine hochdotierte Förderung ein
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gleich sechs Mal konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen in der aktuellen Vergaberunde des Europäischen Forschungsrats (ERC) einen sogenannten Starting Grant einwerben. „Dies ist ein herausragender Erfolg für die Universität und den gesamten Forschungsstandort Tübingen“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann, am Dienstag in Tübingen. Nie zuvor habe Tübingen in einer Auswahlrunde derart viele ERC-Grants gewinnen können, die mit ihrer hochdotierten Projektförderung zu den prestigeträchtigsten Förderformaten weltweit zählen.</p><p>Die neuen ERC Starting Grants:</p><ul><li>Dr. Christian Bentz, Seminar für Sprachwissenschaft<br> 	Projekt: „EVINE” zur Erforschung der Evolution der visuellen Kodierung von Informationen noch vor der Entwicklung von Schrift</li><li>Dr. Katrin Franke, Forschungsinstitut für Augenheilkunde<br> 	Projekt: „Eye to Action“ zur Erforschung der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn bei der Steuerung des Verhaltens</li><li>Professor Ralph Lütticke, Volkswirtschaftslehre<br> 	Projekt: „AIRMAC“ zur Einführung des Faktors Ungleichheit in der Einkommens- und Ver-mögensverteilung in makroökonomische Modelle von Wirtschaftszyklen</li><li>Dr. Lukas Mager, Medizinische Klinik, Innere Medizin I<br> 	Projekt: „SOAR” zur Erforschung von entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs</li><li>Professor Christian Schürch, Institut für Pathologie und Neuropathologie<br> 	Projekt: „CAR-TIME“ zur Erforschung der Immuntherapie mit CAR-T-Zellen bei Lymphdrü-senkrebs</li><li>Dr. Maria Spyrou, Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie<br> 	Projekt: „PROTOPEST“ zur Erforschung des Einflusses von Epidemien auf soziokulturelle Umbrüche in der Bronzezeit</li></ul><p>Ihre Projekte werden jeweils über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt bis zu 1,5 Millionen Euro, in der Medizin bis zu zwei Millionen Euro gefördert. Mit den Starting Grants stattet der ERC herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit zusätzlichen Mitteln in ihrer Forschungskarriere aus. „Besonders erfreut bin ich, dass die geförderten Forscherinnen und Forscher aus vier verschiedenen Fakultäten kommen“, sagte Pollmann: „Dies unterstreicht wieder einmal, dass Spitzenforschung und Exzellenz an der Universität Tübingen in einer großen Bandbreite von Themen stattfinden.“</p><p>„Die ERC Starting Grants beweisen eindrucksvoll, dass sich die Medizinische Fakultät bei der Nachwuchsarbeit auf einem richtigen Weg befindet. Umso erfreulicher ist es, dass die drei Grants aktuelle Themen aus der Medizin fördern, die zukünftig eine noch größere Rolle in Forschung und Gesellschaft spielen werden“, stellte Professor Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät, heraus.</p><p>Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Jürgen Leonhardt, sagte: „Der nunmehr fünfte ERC-Grant im Seminar für Sprachwissenschaft innerhalb der letzten zehn Jahre bestätigt die große Bedeutung und internationale Sichtbarkeit der Tübinger Linguistik. Ebenso zeigt er, wie auch in die-sem Bereich historische und systematische Forschungsansätze immer mehr zusammenwachsen.“</p><p>Professor Ansgar Thiel, Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, erklärte: „Wir freuen uns sehr, dass Ralph Lütticke in seinem ERC-Projekt `Aggregate and Idiosyncratic Risk in Macroeconomics´ das gesellschaftlich hochrelevante Thema der Ungleichheit in einem makroökonomischen Kontext aufgreifen wird. Seine Forschungsansatz ist sehr innovativ, und sein Erfolg illustriert die Forschungsexzellenz der Tübinger Wirtschaftswissenschaft.“</p><p>„Der von Maria Spyrou eingeworbene ERC Starting Grant ‚PROTOPEST‘ verbindet in idealer Weise zwei zentrale Forschungsthemen in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, die Mikrobiologie und die soziokulturelle Geschichte des Menschen. Ich freue mich besonders, dass hier eine junge, internationale Forscherin mit diesem Projekt erfolgreich war“, sagte Professor Thilo Stehle, der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97382</guid><pubDate>Thu, 10 Aug 2023 09:54:33 +0200</pubDate><title>Unterschiedliche evolutionäre Kräfte formen das menschliche Skelett</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unterschiedliche-evolutionaere-kraefte-formen-das-menschliche-skelett/</link><description>Das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen untersucht Skelettmerkmale als möglichen Ersatz für DNA-Analysen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Erbgutanalysen menschlicher Knochen stoßen an Grenzen, wenn etwa die DNA schlecht erhalten ist oder die Proben nicht zerstört werden dürfen. In solchen Fällen können auch Vergleiche der Struktur und Form bestimmter Teile des Skeletts detaillierte Informationen über Verwandtschaftsverhältnisse liefern, und zwar zerstörungsfrei. Das hat eine großangelegte Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung von Dr. Hannes Rathmann und Professorin Katerina Harvati vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> und dem Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie an der Universität Tübingen ergeben.</p><p>Geprüft wurde mithilfe computergestützter Verfahren in den größten verfügbaren Datenbeständen, inwieweit sich die weltweite genetische Diversität von Menschen in der Struktur und Form, der sogenannten Morphologie, unterschiedlicher Skelettelemente widerspiegelt. Die besten Ergebnisse erzielte das Team bei Vergleichen bestimmter Elemente im Gebiss und am Schädel, jedoch mit unterschiedlicher Gewichtung. Die neuen Ergebnisse können in archäologischen und forensischen Untersuchungen genutzt werden, wenn DNA-Analysen nicht möglich sind. Die Studie wurde in dem Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>PNAS Nexus</em></span> veröffentlicht.</p><h3>Merkmale mit unterschiedlicher Gewichtung</h3><p>Die Morphologie des menschlichen Skeletts ist hochvariabel und unterscheidet sich weltweit sowohl zwischen Individuen wie auch zwischen Populationen. Diese Diversität entwickelte sich infolge komplexer Wechselwirkungen verschiedener evolutionärer Kräfte über einen langen Zeitraum. „Evolutionsbiologen teilen diese Kräfte in zwei unterschiedliche Prozesse auf. Ein neutraler Prozess bezeichnet den Vorgang, bei dem Mutationen neue Diversität hervorbringen, die den betroffenen Individuen</p><p>keine direkten Vor- oder Nachteile bietet. Diese neue Diversität vermehrt oder verliert sich dann zufällig durch die sogenannte Gendrift innerhalb einer Population“, erklärt Hannes Rathmann. „Dem gegenüber stehen nicht-neutrale Prozesse, die beispielsweise den Vor-gang bezeichnen, bei dem Mutationen sich auf die Fitness eines Individuums auswirken. Die betroffenen Individuen können sich dann entweder besser oder schlechter an Umweltfaktoren anpassen.“ Um detaillierte Rückschlüsse auf Verwandtschaftsverhältnisse zu ziehen, so der Wissenschaftler, sollten ausschließlich Skelettelemente verwendet werden, die sich durch neutrale Prozesse entwickelten.</p><p>Das Team konzentrierte sich in der Studie auf Gebiss und Schädel, deren Strukturen als vorherrschend durch neutrale Prozesse entwickelt gelten. „Entgegen früherer Annahmen geben nicht alle Merkmale im Gebiss und am Schädel den zugrundeliegenden genetischen Code verlässlich wieder, einige eignen sich viel besser als andere“, berichtet Rathmann. Als besonders geeignet erwiesen sich kleinere morphologische Merkmale an den Zähnen, wie Rillenmuster in den Kronen, die Anzahl und Größe der Höcker, die Form der Wurzeln und die An- oder Abwesenheit von Weisheitszähnen. „Die besten Ergebnisse, fast nahezu identisch mit einer klassischen genetischen Verwandschaftsanalyse, erzielten wir jedoch, wenn wir alle Merkmale von Schädel und Gebiss in integrierter Form einbezogen“, berichtet er.</p><h3>Zerstörungsfreie Alternative</h3><p>Katerina Harvati, die Seniorautorin der Studie, fügt hinzu: „Die Ergebnisse erweitern unser Verständnis über die Ursprünge der menschlichen Skelettdiversität. Sie sind auch vielversprechend für die Anwendung in archäologischen und forensischen Untersuchungen.“ Erbgutanalysen seien häufig nur sehr eingeschränkt möglich, wenn die DNA schlecht erhalten ist. Das sei häufig der Fall bei sehr alten Knochen oder solchen, die einem warmen Klima ausgesetzt waren. Auch müssten die Knochen für DNA-Analysen beschädigt werden, was bei brüchigem Material oder seltenen Funden oft nicht in Frage komme. „In solchen Fällen ist die zerstörungfreie Untersuchung von Schädel und Gebiss eine wertvolle Alternative, um beispiesweise vergangene Bevölkerungsgeschichte oder die menschliche Abstammung in archäologischen Zusammenhängen zu rekonstruieren oder Verwandtschaftsprofile in der Forensik zu erstellen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Hannes Rathmann, Silvia Perretti, Valentina Porcu, Tsunehiko Hanihara, G. Richard Scott, Joel D. Irish, Hugo Reyes-Centeno, Silvia Ghirotto, Katerina Harvati (2023): Inferring human neutral genetic variation from craniodental phenotypes. <em>PNAS Nexus</em>, Volume 2, Issue 7, pgad217, <a href="https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgad217" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgad217</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97352</guid><pubDate>Tue, 08 Aug 2023 11:06:07 +0200</pubDate><title>Panzergröße: Wie sich Schildkröten in den letzten 200 Millionen Jahren entwickelten Vielfalt der Körpergröße von Schildkröten untersucht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/panzergroesse-wie-sich-schildkroeten-in-den-letzten-200-millionen-jahren-entwickelten-vielfalt-der-koerpergroesse-von-schildkroeten-untersucht/</link><description>Internationale Forschende, unter ihnen Dr. Gabriel Ferreira vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen, haben die bisher umfänglichste Datensammlung zu Körpergrößen von rezenten und fossilen Schildkröten zusammengestellt. In ihrer im Fachjournal „Ecology and Evolution“ erschienenen Studie stellt das Team fest, dass die Größe der Panzerträger nicht – wie häufig angenommen – mit den klimatischen Verhältnissen zusammenhängt. Vielmehr sei die Lebensweise der Tiere ausschlaggebend für ihre Größenentwicklung.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die an Land lebende Areolen-Flachschildkröte (Homopus areolatus) ist mit einer Panzerlänge von etwa 100 Millimetern eine der kleinsten heutigen Schildkrötenarten. Den Rekord am anderen Ende der Skala hält die – in tropischen und subtropischen Meeren verbreitete und bis zu zwei Meter lange – Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). „Unter den fossilen Schildkröten ist die Bandbreite an Körpergrößen sogar noch ausgeprägter“, erzählt Dr. Gabriel Ferreira vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Uns hat interessiert, wie sich diese Vielfalt an Panzergrößen in den letzten 200 Millionen Jahren entwickelte und welche Faktoren hierfür die entscheidende Rolle spielten.“</p><p>Zu diesem Zweck erstellte das Forschungsteam unter Leitung von Erstautorin Bruna Farina von der Schweizer Universität Freiburg die bisher umfassendsten Datensammlung zu Körpergrößen von Schildkröten: Für insgesamt 795 Schildkrötenarten erfassten die Forschenden Informationen zu den Panzerlängen, den bevorzugten Lebensräumen und dem zeitlichen Auftreten der Spezies in der Erdgeschichte. „Vorherige Studien, die sich mit der Größenentwicklung beschäftigten, ließen häufig die fossilen Arten unbeachtet. In unsere Ergebnisse fließen auch die Daten von 536 ausgestorbenen Schildkrötenarten ein – das ist unerlässlich, wenn man die Evolutionsgeschichte und die körperliche Anpassung der Panzerträger verstehen möchte“, ergänzt Ferreira.</p><p>Die neue Studie zeigt, dass das heutige globale Klima anscheinend keinen großen Einfluss auf die Körpergröße der untersuchten rezenten Schildkröten hat. Die Korrelation mit Paläotemperaturen wies ebenfalls keine signifikante Auswirkung auf die Größe der fossilen Tiere aus, heißt es in der Studie.</p><p>Statt eines klimatischen Einflusses sind laut der Studie die Ökologie und Lebensraumpräferenzen der Schildkröten ausschlaggebend für deren Körpergröße. „Die als ‚Copesches Gesetz‘ bekannte Annahme, dass Lebewesen im Laufe der Evolution die Tendenz zur Zunahme der Körpergröße haben, ist für Schildkröten nicht nachweisbar“, erklärt Ferreira und fährt fort: „Das Größenspektrum der Süßwasserarten blieb über die letzten 200 Millionen Jahre recht konstant. Im Gegensatz dazu zeigen Land- und Meeresschildkröten eine viel ausgeprägtere Variation.“ Die unterschiedlichen Körpergrößen von Landschildkröten erklärt das Team durch deren ökologische Vielfalt und ihre diversen Lebensräume. Die größeren landlebenden Arten hätten dabei den Vorteil, sich leichter ausbreiten zu können. Bei Meeresschildkröten scheinen dagegen die Ober- und Untergrenzen der Körpergröße mit physiologischen Zwängen, wie der Thermoregulation oder der erhöhten Lungenkapazität, und morphologischen Vorgaben, wie der Panzergröße, sowie mit Anpassungen an die Lebensweise im freien Wasser zusammenzuhängen. &nbsp;Möglicherweise führt zudem die Notwendigkeit an Land zu gehen, um dort Eier zu legen, zu einer Begrenzung der maximalen Größe von Meeresschildkröten, so die Forscher*innen.</p><p>„Unser Ergebnis ist sehr interessant, wenn man bedenkt, dass die Körpergröße bei anderen Tiergruppen – wie beispielsweise bei Dinosauriern oder Krokodilen – von klimatischen Faktoren, wie der im Lebensraum vorherrschenden Temperatur, beeinflusst wird. Es unterstreicht die Einzigartigkeit von Schildkröten“, schließt Ferreira.&nbsp;</p><p><strong>Publikation</strong><br> Farina, B. M., Godoy, P. L., Benson, R. B. J., Langer, M. C., &amp; Ferreira, G. S. (2023). <span lang="en" dir="ltr">Turtle body size evolution is determined by lineage-specific specializations rather than global trends. Ecology and Evolution</span>, 13, e10201. <a href="https://doi.org/10.1002/ece3.10201" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/ece3.10201</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97268</guid><pubDate>Fri, 04 Aug 2023 10:17:05 +0200</pubDate><title>Datenbank mit 2.400 prähistorischen Fundstätten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/datenbank-mit-2400-praehistorischen-fundstaetten/</link><description>Die Rolle der Kultur bei der Ausbreitung des Menschen: Digitale Datensammlung enthält Forschungsergebnisse aus 150 Jahren und kann von Laien und Forschenden genutzt werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschheitsgeschichte auf einen Klick: In einer großangelegten Datenbank lassen sich erstmals eine Vielzahl von bekannten Fundstätten zur Menschheitsgeschichte aus der Zeit vor drei Millionen bis 20.000 Jahren abrufen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungsstelle ROCEEH („The Role of Culture in Early Expansions of Humans“) haben hier Informationen zu 2.400 prähistorischen Fundstätten und 24.000 Fundinventaren aus mehr als 100 alten Kulturen zusammengestellt. Die digitale Datensammlung in englischer Sprache steht Forschenden wie auch Laien kostenfrei zur Verfügung und wurde kürzlich in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht.</p><p>Die Forschungsstelle ROCEEH ist an der Universität Tübingen und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung angesiedelt, wird von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gefördert und zudem von der Union der deutschen Akademien finanziert.</p><p>Die Datenbank ROAD (ROCEEH Out of Africa Database) sei eine der größten digitalen Datensammlungen zu Archäologie, Anthropologie, Paläontologie und Botanik, sagt der Archäologe Dr. Andrew Kandel von der Universität Tübingen. Sie verknüpft Informationen zu kulturellen Fundstücken und menschlichen, tierischen sowie pflanzlichen Fossilien, die in den vergangenen 150 Jahren entdeckt und erforscht wurden, und ordnet diese geografisch und chronologisch ein.&nbsp;</p><p>Seit 2008 hatte ein internationales Team aus sechs leitenden Forschenden und Dutzenden Forschungsassistentinnen und -assistenten in mühevoller Kleinarbeit die Daten zusammengetragen. Unter anderem wurden mehr als 5.000 Publikationen in zahlreichen Sprachen ausgewertet, darunter Chinesisch, Russisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97238</guid><pubDate>Thu, 03 Aug 2023 14:03:34 +0200</pubDate><title>Wie sich eineiige Zwillinge gegenseitig in der Selbstwahrnehmung beeinflussen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-sich-eineiige-zwillinge-gegenseitig-in-der-selbstwahrnehmung-beeinflussen/</link><description>Studie der Universität Tübingen bringt neue Erkenntnisse zum schulischen Selbstkonzept von Jugendlichen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wann immer Menschen gemeinsam mit anderen lernen, ziehen sie Vergleiche. Üblicherweise tritt hier ein Kontrasteffekt ein, der sich sofort auf das eigene schulische Selbstkonzept auswirkt: Schneiden die anderen besser ab, schätzt man seine eigenen Fähigkeiten schlechter ein. Zeigen die anderen weniger gute Leistungen, empfindet man sich als begabter und fähiger. In verschiedenen Studien wurden diese Kontrasteffekte immer wieder bestätigt.</p><p>Nun haben Forscherinnen und Forscher des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen eine bedeutsame Ausnahme gefunden: eineiige Zwillinge. Bei ihnen kehrt sich der Vergleichseffekt in einen Spiegeleffekt um. Die Leistung des Co-Zwillings wirkt sich also nicht gegensätzlich, sondern angleichend aus: Ist der Co-Zwilling gut in einem Schulfach, wirkt sich das positiv auf das eigene schulische Selbstkonzept im gleichen Fach aus. Umgekehrt haben schlechte Leistungen des einen Zwillings negative Auswirkungen auf das Selbstkonzept des anderen.</p><p>In die Selbstkonzepte fließen die Wahrnehmungen der eigenen Leistungsfähigkeit in einem Fach ein, die von der tatsächlich gezeigten Leistung, aber auch von der Verarbeitung zahlreicher anderer Informationen geprägt sind. Für die Studie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von über 4.000 eineiigen und zweieiigen Zwillingen in Deutschland im Alter zwischen elf und 17 Jahren aus der TwinLife-Studie. Teilweise besuchten die Zwillingspaare jeweils die gleiche Schulklasse, teilweise nicht.</p><p>In der Studie zeigte sich auch, dass der Spiegeleffekt bei zweieiigen Zwillingen nicht nachgewiesen werden kann. „Dieser Befund deutet darauf hin, dass eine nur mäßige Ähnlichkeit nicht ausreicht, damit der Spiegeleffekt eintritt, sondern dass der Grad der Ähnlichkeit außergewöhnlich hoch sein muss“, erklärt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung und Co-Autor der Studie. „Tatsächlich findet sich bei zweieiigen Zwillingsbeziehungen häufig ein gewisses Maß an Konkurrenzdenken, das etwaigen Spiegeleffekten entgegenwirken könnte.“</p><p>Trautwein betont: „Vergleichseffekte sind ein universelles Phänomen, das entscheidende Konsequenzen hat für viele Fragen im Schulalltag, wie etwa bei der Fähigkeitsgruppierung, wenn Schülerinnen und Schüler nach ihren Fähigkeiten in Gruppen eingeteilt werden, oder auch beim Rückmeldeverhalten von Lehrkräften. Mit dem Spiegeleffekt konnten wir einen weiteren Beitrag zum besseren Verständnis des schulischen Selbstkonzepts leisten.“</p><p><br><strong>Publikation:</strong><br> Kim, Y., Gaspard, H., Fleischmann, M., Nagengast, B. &amp; Trautwein, U. (2023). What happens with comparison processes when “the other” is very similar? Academic self-concept formation in twins. <span lang="en" dir="ltr"><em>Contemporary Educational Psychology</em></span>, 72, 102138. <a href="https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2022.102138" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2022.102138</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97100</guid><pubDate>Mon, 31 Jul 2023 16:11:19 +0200</pubDate><title>Familiengeschichte am Muschelhügel</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/familiengeschichte-am-muschelhuegel/</link><description>Genomische Geschichte der Küstengesellschaften im östlichen Südamerika untersucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam rund um Erstautor Dr. Tiago Ferraz von der brasilianischen Universität São Paulo anhand des größten genomischen Datensatzes aus Brasilien nachgewiesen, dass die Sambaqui-Gesellschaften an der Süd- und Südostküste keine genetisch homogene Bevölkerung darstellten. Die Sambaqui, auch als „Muschelhügel“ bekannt, wurden vor etwa 8.000 bis 1.000 Jahren auf über 3.000 Kilometern entlang der östlichen südamerikanischen Küste errichtet. Archäologischen Aufzeichnungen zufolge teilten die Erbauerinnen und Erbauer der Sambaqui bestimmte kulturelle Ähnlichkeiten. Anders als erwartet wiesen diese Menschengruppen jedoch deutliche genetische Unterschiede auf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen dies in ihrer heute im Fachjournal <em><span lang="en" dir="ltr">Nature Ecology and Evolution</span></em>erschienenen Studie auf verschiedene Kontakte mit Gruppen im Hinterland zurück.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-97004</guid><pubDate>Thu, 27 Jul 2023 17:09:58 +0200</pubDate><title>36. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/36-tuebinger-poetik-dozentur/</link><description>Christian Baron und Édouard Louis an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 36. Tübinger Poetik-Dozentur ein: Die Schriftsteller Christian Baron und Édouard Louis werden vom 30. Oktober bis zum 3. November – gemeinsam mit weiteren Gästen – über ihr Schreiben und ihr politisches Engagement sprechen.</p><p>Die Vorlesungen und Gespräche finden jeweils um 19 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) statt und können auch über einen Livestream verfolgt werden. Christian Baron liest zudem am Sonntag, den 29. Oktober, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein <strong>Projekt der Stiftung Würth</strong> und wird von der <strong>Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG</strong> gefördert. Einmal jährlich werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten. Den traditionellen Auftakt bildet eine Lesung in der Kunsthalle Würth.</p><p><strong>Die Termine im Überblick</strong><br> Lesung von Christian Baron am Sonntag, 29. Oktober, um 16 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Der Eintritt ist frei. Anmeldung ist ab 3. September möglich, über den Online-Veranstaltungskalender unter <a href="https://kunst.wuerth.com/" target="_blank" rel="noreferrer">https://kunst.wuerth.com/</a></p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br> jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula. Der Eintritt ist frei.</p><ul><li>Montag, 30. Oktober: Vortrag von Christian Baron</li><li>Dienstag, 31. Oktober: Vortrag von Christian Baron und Diskussion</li><li>Mittwoch, 1. November: Vortrag von Christian Baron und Diskussion</li><li>Donnerstag, 2. November: Vortrag von Édouard Louis</li><li>Freitag, 3. November: Vortrag von Édouard Louis</li></ul><p>Weitere Informationen unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/16668" target="_blank" class="external-link" title="Poetik Dozentur 2023">poetik-dozentur.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-96977</guid><pubDate>Thu, 27 Jul 2023 12:41:02 +0200</pubDate><title>Figurine zeigt eine neue Gestalt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/figurine-zeigt-eine-neue-gestalt/</link><description>Mehr als 20 Jahre lang galt das erste aus der Welterbe-Höhle Hohle Fels geborgene Elfenbeinkunstwerk als Pferd – bis Archäologen nun einen neuerlichen Fund gemacht haben</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei Ausgrabungen in der Welterbe-Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb nahe Schelklingen haben Archäologen jüngst ein Fragment einer sorgfältig geschnitzten Elfenbeinfigurine geborgen, das einem der bekanntesten Eiszeitkunstwerke ein neues Äußeres verleiht: Das Figurenfragment hat sich als Stück eines Körpers entpuppt, das perfekt an einen bereits vor mehr als 20 Jahren gefundenen Tierfigurenkopf passt. Der 1999 geborgene Kopf war als erste im Hohle Fels gefundene Elfenbeinfigurine berühmt geworden und bislang als Teil einer Pferdefigur interpretiert worden.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-96959</guid><pubDate>Thu, 27 Jul 2023 09:23:42 +0200</pubDate><title>Perfekt erhaltenes Schildkröten-Fossil ermöglicht Rückschlüsse auf Lebensraum vor 150 Millionen Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/perfekt-erhaltenes-schildkroeten-fossil-ermoeglicht-rueckschluesse-auf-lebensraum-vor-150-millionen-jahren/</link><description>Forscherteam der Universität Tübingen beschreibt Meeresschildkröte aus dem Oberjura – über Süddeutschland erstreckte sich damals tropisches Archipel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein perfekt erhaltenes Schildkröten-Fossil aus Niederbayern erlaubt Rückschlüsse über den Körperbau der Tierart und ihren Lebensraum in Süddeutschland vor 150 Millionen Jahren. Die Vorder- und Hintergliedmaßen von Solnhofia parsonsi sind vergleichsweise kurz und legen nahe, dass die Schildkröte in Küstennähe lebte. Heutige Meeresschildkröten haben dagegen extrem in die Länge gezogene Flossen und leben im offenen Meer.</p><p>„Es konnte vorher noch nie ein Solnhofia-Individuum beschrieben werden, bei dem die Extremitäten so vollständig erhalten sind“, sagt Felix Augustin von der Arbeitsgruppe für Biogeologie der Universität Tübingen, der den Fund nun im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlicht hat. Auch Panzer und Kopf von Solnhofia parsonsi sind sehr gut zu erkennen. Die Schnauze läuft lang und spitz zu, der Kopf ist dreieckig und misst mit etwas über 9 Zentimetern fast die halbe Länge des Panzers. „Solnhofia hat vielleicht ihren großen Kopf und Schnabel zum Zerkleinern harter Nahrung wie zum Beispiel wirbelloser Tiere mit Schalen benutzt. Aber das bedeutet nicht, dass sie sich ausschließlich davon ernährte“, erklärt Márton Rabi von der Universität Tübingen und Co-Autor der Studie. &nbsp;</p><p>Der Gattungsname Solnhofia bezieht sich auf den Plattenkalk von Solnhofen. Der gleichnamige Ort liegt südlich von Nürnberg im Altmühltal. Dort wurden auch Versteinerungen des weltberühmten Urvogels Archaeopteryx und von vielen Flug- und Meeressaurier gefunden. Die für Fossilienfunde ergiebige Schichten des Solnhofener Plattenkalks verlaufen entlang des gesamten Altmühltals. Das Schildkröten-Fossil Solnhofia parsonsi wurde in einem Steinbruch in Painten gefunden, in dem erst seit etwa 20 Jahren systematisch nach Fossilien gegraben wird.</p><p>„Die sehr gute Erhaltung der Fossilien aus den Plattenkalken ist durch die damaligen Umweltbedingungen zu erklären“, sagt Andreas Matzke von der Universität Tübingen und Mitautor der Studie. Vor 150 Millionen Jahren lag Süddeutschland in einem flachen und tropischen Meer mit vielen Inseln und Riffen, die Becken vom offenen Meer abgrenzten. Auf den Beckenböden lagerten sich Schwebeteilchen ab und bildeten Schichten aus Plattenkalk. Verendete ein Tier, sanken seine Überreste ebenfalls zu Boden. Durch den geringen Austausch der Wassermassen mit dem offenen Meer war der Sauerstoffgehalt dort so gering und der Salzgehalt so hoch, dass tote Pflanzen und Tiere nicht verwesten. Die pflanzlichen und tierischen Überreste blieben konserviert und versteinerten in der Plattenkalk-Schicht – oft in einzigartigem Detailreichtum.&nbsp;</p><p>Die Region gilt deshalb als einer der weltweit wichtigsten Fundorte für Fossilien aus dem Erdmittelalter, das vor etwa 250 Millionen Jahren begann und bis zum großen Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahre andauerte.&nbsp;</p><p>Das Schildkröten-Fossil Solnhofia parsonsi unterstreicht die Bedeutung der relativ neu entdeckten Fundstelle Painten. Die dort gefundenen Wirbeltierfossilien aus dem Plattenkalk werden nun nach und nach wissenschaftlich untersucht. Das Dinosauriermuseum in Denkendorf stellt die Funde aus. Auch Solnhofia parsonsi kann dort bewundert werden.&nbsp;</p><p><strong>Originalpublikation:</strong>&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0287936" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0287936</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-96518</guid><pubDate>Wed, 19 Jul 2023 10:35:37 +0200</pubDate><title>Von Alzheimer bis Neutrinophysik: Sommeruniversität 2023 stellt aktuelle Forschung vor</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/von-alzheimer-bis-neutrinophysik-sommeruniversitaet-2023-stellt-aktuelle-forschung-vor/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen: Zehn Vorträge thematisieren unter anderem Astrophysik, Gesundheit, Künstliche Intelligenz oder Literatur aus Krisengebieten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im August gibt die Sommeruniversität in zehn Vorlesungen wieder einem breiten Publikum Einblicke in die aktuelle Forschung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Reihe wird gemeinsam mit der Universitätsstadt Tübingen organisiert. Die Vorlesungen finden von <strong>Montag,</strong><strong>31. Juli bis Freitag, 11. August jeweils um 10:15 Uhr im Hörsaal des Theologicums statt (Dauer</strong><strong>45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72074 Tübingen)</strong>. Anschließend kann das Publikum Fragen stellen und mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsthemen diskutieren. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p><strong>Das Programm:</strong></p><p><strong>Montag, 31. Juli<br> Prof. Dr. Mathias Jucker: Wieso wir noch keine Alzheimer-Therapie haben</strong></p><p>Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, erhöht sich mit zunehmendem Alter. Heute wissen wir, dass es Veränderungen im Hirn schon viele Jahre vor den ersten Alzheimer-Symptomen gibt. Was sind dies für Veränderungen und ist es wichtig solche Veränderungen schon frühzeitig zu erkennen?&nbsp;In den USA wurden erste Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamen, zugelassen, aber gilt das auch für Deutschland? Die Vorlesung macht Sie mit der aktuellen Forschung und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu der Alzheimer-Erkrankung vertraut.</p><p><strong>Dienstag, 1. August<br> Dr. Thilo Hagendorff: Können Sprachmodelle denken?</strong></p><p>Der Vortag wirft einen Blick auf die neuesten Entwicklungen bei Sprachmodellen und deren Fähigkeiten. Von einigen als bloße Wortkombinationsmaschinen oder „stochastische Papageien“ abgetan, sind Sprachmodelle wie GPT-4 mehr als nur das. Sie entwickeln emergente Fähigkeiten, zu denen etwa zählt, rechnen zu können, aus Beispielen zu lernen, funktionierenden Code zu schreiben, Zusammenfassungen zu bilden, Witze zu erklären, Logik zu verstehen, intuitive Entscheidungen zu treffen, mehrere Problemlösungsschritte aneinanderreihen zu können, auf mentale Zustände bei anderen schließen zu können und vieles mehr. Der Vortrag beschreibt diese Fähigkeiten und geht der Frage nach, wie intelligent Sprachmodelle tatsächlich sind.</p><p><strong>Mittwoch, 2. August<br> Prof. Dr. Benigna Schönhagen: Erinnern gestalten. Konzeptionelle Überlegungen und kuratorische Erfahrungen mit der aktuellen Ausstellung „Entgrenzte Anatomie. Eine Tübinger Wissenschaft und der Nationalsozialismus“</strong></p><p>Die Frage, wie die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit nach dem Ende der Zeitzeugenära wachgehalten werden kann, dominiert den aktuellen Erinnerungsdiskurs. Wie kann man das Wissen um die NS-Vergangenheit produktiv vergegenwärtigen? Studierende der Medizin und der Geschichtswissenschaft haben sich mit dieser Frage am Beispiel der Tübinger Anatomie auseinandergesetzt. Zwischen 1933 und 1945 missbrauchte diese die Körper hunderter NS-Opfer für Lehre und Forschung. Was hat diese Grenzüberschreitung ermöglicht? Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?&nbsp; Was wirkt bis heute nach?</p><p><strong>Donnerstag, 3. August<br> Prof. Dr. med. Markus Hahn: Die weibliche Brust – ein besonderes Organ: Fakten und Mythen zum Thema Brustgesundheit</strong></p><p>Nur wenige Organe erhalten so viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wie die weibliche Brust. Viele Fachdisziplinen unserer modernen Hochleistungsmedizin kümmern sich um dieses besondere Organ. Das Universitäts-Brustzentrum Tübingen ist das erste zertifizierte Brustzentrum in Deutschland und feiert 2023 sein 20jähriges Jubiläum. Markus Hahn, Leiter der Experimentellen Senologie (=die Lehre von der Brust), wird auf Fakten zum Thema Brustgesundheit aber auch auf Mythen um dieses Organ eingehen und Innovationen aus der klinischen Forschung des Tübinger Brustzentrums vorstellen.</p><p><strong>Freitag, 4. August<br> Prof. Dr. Christoph Bareither: Kulturen der KI: Wie künstliche Intelligenz unser Zusammenleben verändert</strong></p><p>Künstliche Intelligenz, so liest man überall, wird unseren Alltag verändern. Aber wie verändert sie ihn konkret? Der Vortrag beleuchtet anhand von Beispielen aus Populärkulturen (Social Media), Erinnerungskulturen (virtuelle Zeitzeuginnen und Zeitzeugen) und Wissenschaftskulturen (ChatGPT und die Wissenschaft) exemplarische KI-bedingte Transformationen von Alltagskultur aus Perspektive der Empirischen Kulturwissenschaft.</p><p><strong>Montag, 7. August<br> Prof. Dr. Schamma Schahadat: Neu aus dem Osten: Literatur aus der Ukraine und aus Belarus</strong></p><p>„Die Kenntnis der weißrussischen Literatur außerhalb der Sowjetunion ist gering“, schrieb der Slavist Ferdinand Neureiter 1983, und dieser Zustand hat sich bis heute kaum geändert. Ähnliches galt im Übrigen bis vor kurzem auch für die ukrainische Literatur. Politische Erschütterungen haben dafür gesorgt, dass sowohl die belarusische als auch die ukrainische Literatur einen Popularitätsschub erlebt haben. Anhand zweier Romane wird gezeigt, dass ein zentrales Thema dieser Literatur die Gewalt ist:&nbsp; Der Belaruse Viktor Martynowytsch zeichnet in <em>Revolution</em> (dt. 2021) das Bild einer Gesellschaft, die auf Korruption und Machtmissbrauch beruht, während Serhii Zhadans <em>Internat</em> (2017) den Blick eines Außenseiters auf den Krieg im Donbas wirft.</p><p><strong>Dienstag, 8. August<br> Prof. Dr. Gunter Schubert: China unter Xi Jinping – oder vom Traum, ein reiches und großes Land zu werden</strong></p><p>Seit Xi Jinping 2012 die Macht in China übernahm, hat sich vieles verändert, in China wie auch weltweit. In der medialen Öffentlichkeit des „Westens“ wird der Staats- und Parteiführer als Diktator gehandelt, der China mit harter Hand regiert und einen Personenkult pflegt wie seinerzeit Mao Zedong. Zudem gilt er als Befürworter einer neuen Weltordnung, in der China eine Führungsrolle wahrnehmen und die USA als „einzige Supermacht“ ablösen will. Diese Zuschreibungen zeichnen jedoch ein zu grobes, wenn nicht gar verzerrtes Bild von Xi Jinping. Welche Ziele verfolgt er politisch? Welche Probleme und Zwänge begrenzen seine Handlungsfähigkeit? Worin unterscheidet sich sein Handeln und seine Macht von anderen Autokraten – etwa in Russland unter Putin? Der Vortrag verbindet eine Analyse des Herrschaftsstils von Xi Jinping mit einer Betrachtung der politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich das heutige China gegenübersieht.</p><p><strong>Mittwoch, 9. August<br> Prof. Dr. med. Tobias Renner: Into future? – Therapie psychischer Erkrankungen über digitale Medien</strong></p><p>Durch die Entwicklungen in der digitalen Technik sind telemedizinische Versorgungsangebote zu einem Schwerpunktthema der Gesundheitsversorgung geworden, nicht zuletzt rasant beschleunigt aufgrund der Kontaktbeschränkungen während der SARS-CoV-2-Pandemie. Telemedizinische Behandlungsansätze bieten auch für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen Chancen und finden zunehmend breitere Anwendung in der klinischen Praxis. Im Rahmen der Vorlesung wird der aktuelle Stand aus Klinik und Forschung zusammengefasst und ein Einblick in die aktuelle Entwicklung der digital gestützten Psychotherapie gegeben.</p><p><strong>Donnerstag, 10. August<br> Prof. Dr. Tobias Lachenmaier: Ein Observatorium 700m unter der Erde: Neues aus Neutrinophysik und Neutrinoastronomie</strong></p><p>Neutrinos sind Elementarteilchen, deren Erforschung in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht hat. Unter Beteiligung der Universität Tübingen wird im nächsten Jahr ein neues Neutrino-Experiment im Süden Chinas in Betrieb gehen, das neben der Erforschung der Eigenschaften von Neutrinos auch Astronomie mit Neutrinos ermöglichen wird. Was werden wir voraussichtlich aus der Beobachtung astrophysikalischer Prozesse mit Neutrinos lernen können?&nbsp;Der Vortrag erläutert aktuelle Fragen in der Neutrinophysik und Neutrinoastronomie und welche Erkenntnisse vom neuen Neutrino-Observatorium zu erwarten sind.</p><p><strong>Freitag, 11. August<br> Prof. Dr. Stephanie Grond: Die Natur der Mikroorganismen – clevere Chemikerin mit Alternative für Glyphosat?</strong></p><p>Mikrobielle Naturstoffe sind eine vielversprechende Quelle zur Entdeckung neuer chemischer Strukturen. Sie erfordern den Einsatz moderner chemischer Analytik. Die produzierten Moleküle verschaffen den Mikroorganismen in ihrem Lebensraum offensichtlich einen Vorteil. Wir staunen, wie clever die Natur die erfolgreichen Lebensgemeinschaften eingerichtet hat – auf molekularer Ebene. Der Vortrag zeigt, mit welchen Forschungsmethoden die Moleküle aus den Bakterien entdeckt und weiterentwickelt werden. Wir Menschen wollen hier die Chemie der Natur als Vorbild für Innovationen in technischen Anwendungen der Medizin, Landwirtschaft oder Materialtechnik nutzen.</p><p>Programm unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a> und als Programmheft erhältlich in öffentlichen Stellen und beim Fachbereich Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen. Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet.</p><p><strong>Kontakt:</strong><br> Kai Schwarzkopf<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon <a href="tel:+4970712977879">+49 7071 29-77879</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mck0uejyctbmqrhBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kai.schwarzkopf<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Florian Mittelhammer<br> Universitätsstadt Tübingen<br> Fachbereich Kunst und Kultur<br> Telefon <a href="tel:+4970712041738">+49 7071 204-1738</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,hnqtkcp0okvvgnjcoogtBvwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">florian.mittelhammer<span style="display:none">spam prevention</span>@tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-96488</guid><pubDate>Tue, 18 Jul 2023 16:00:00 +0200</pubDate><title>Nationales Forschungszentrum für KI-Spitzenforschung in Tübingen feiert seine Gründung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nationales-forschungszentrum-fuer-ki-spitzenforschung-in-tuebingen-feiert-seine-gruendung/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 18. Juli 2023, hat das Tübingen AI Center mit einem Symposium seine dauerhafte Einrichtung als nationales KI-Zentrum gefeiert. Seit dem 1. Juli 2022 wird es von Bund und Land mit 20 Millionen Euro Jahr gefördert. Rund 250 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erlebten ein vielfältiges Programm mit Ansprachen aus Politik, Forschung und KI-Start-ups sowie Initiativen, die Kinder und Jugendliche an die Künstliche Intelligenz heranführen.</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Karla Pollmann, eröffnete das Programm gemeinsam mit den Direktoren des Tübingen AI Centers, Professor Matthias Bethge und Professor Bernhard Schölkopf. In ihrer Rede verwies Pollmann auf die wissenschaftliche Exzellenz und Agilität der KI-Forschenden und das rasche Wachstum des KI-Ökosystems in der Region. Insbesondere betonte sie die besondere Rolle von KI bei der Weiterentwicklung der Universität und lobte die enge Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster für Maschinelles Lernen, um die neuen Möglichkeiten durch KI möglichst gut für die Forschung in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu nutzen.</p><p>Matthias Bethge dankte der Landesregierung Baden-Württemberg und der Bundesregierung für die dauerhaft angelegte Förderung des Tübingen AI Centers. Dadurch werde es möglich, in den nächsten Jahren das Gründungsteam von Professoren, Max Planck Direktoren und Forschungsgruppenleitern zu verdoppeln und ein attraktives akademisches Forschungsumfeld zu schaffen. Bethge sprach sich für ein Maximum an Agilität aus, um in Forschung, Transfer und Ausbildung mit dem Tempo der globalen KI-Entwicklung mithalten zu können: „Wir stehen vor großen Zukunftsfragen und Herausforderungen und unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler engagieren sich mit größtem Einsatz, um unsere Gesellschaft in Deutschland und Europa für die Gestaltung der Zukunft fit zu machen.”&nbsp;</p><p>Bernhard Schölkopf ergänzte, das Tübingen AI Center arbeite eng mit dem European Laboratory for Intelligent Systems (ELLIS) zusammen. Dank einer großzügigen Förderung durch die Hector Stiftung werde derzeit ein erstes ELLIS Institut in Tübingen gebaut, welches gemeinsam mit dem Tübingen AI Center um die besten Köpfe werbe.</p><p>Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte in seiner Rede, dass Baden-Württemberg mit der Gründung des Cyber Valley im Jahr 2016 schon frühzeitig den Grundstein für einen Innovationscampus für Künstliche Intelligenz und intelligente Systeme gelegt habe. „Heute steht der Standort Tübingen in Europa an der Spitze der KI-Forschung, hat den einzigen Master-Studiengang für Maschinelles Lernen in Deutschland und mit ELLIS ein Netzwerk, das die besten Köpfe aus ganz Europa nach Baden-Württemberg zieht“, so Kretschmann. Diese Anziehungskraft steige nun noch weiter. Mit der Förderung von Bund und Land mit je zehn Millionen Euro jährlich bis zunächst 2028 sei das AI Center ein Magnet für die Spitzenforscherinnen und -forscher. „Technologische Souveränität ist mehr denn je die Voraussetzung für ein strategisch souveränes Europa, das gegenüber China und den USA wettbewerbsfähig ist“, so Kretschmann: „Künstliche Intelligenz ist daher keine Option – sie ist ein Muss.“</p><p>Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Mario Brandenburg, unterstrich die Bedeutung der KI-Kompetenzzentren: „Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie, die vor allem viele Chancen bietet. Um diese Chancen zu heben, müssen wir die KI-Forschung und -Fachkräfteausbildung weiter stärken. Gleichzeitig müssen wir auch die Umsetzung in konkrete Anwendungsfälle forcieren und die nationale und europäische Vernetzung vorantreiben. Das Tübingen AI Center und die gesamte Region Stuttgart-Tübingen stehen exemplarisch für diese Vision. Gemeinsam mit den weiteren KI-Kompetenzzentren ist dies ein starkes Fundament für den KI-Standort Deutschland.“</p><p>Nach der Zeremonie stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Centers aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung vor. Hier ging es um Themen wie erklärbares maschinelles Lernen oder den Einsatz von maschinellem Lernen für eine nachhaltige KI. Die Geschäftsführerin der Cyber Valley GmbH, Rebecca Reisch, beschrieb die Bedeutung des Technologietransfers aus der Grundlagenforschung in die Wirtschaft. Wie so ein Transfer konkret aussehen kann, präsentierten die Start-ups Maddox AI, ein Spin-off des Tübingen AI Centers, und Aleph Alpha, ein Mitglied des Cyber Valley Start-Up Netzwerks.</p><p>Anschließend sprach die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Petra Olschowski, über die gesellschaftlichen Herausforderungen und Chancen rund um das Thema KI: „Die KI-Forschung hat zuletzt beeindruckende Fortschritte gemacht. Methoden des maschinellen Lernens, wie sie im Tübinger AI Center beforscht werden, haben dabei besonderes Potenzial und sind zunehmend Teil unseres Lebens – Beispiele reichen von der personalisierten medizinischen Diagnostik bis zu Chatbots. Aber auch die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser KI-Zukunftstechnologien sind mitzudenken und zu gestalten. Das neue AI Center stellt daher den Menschen in den Mittelpunkt“, sagte die Ministerin. „Als wertvolle Ergänzung unseres Innovationscampusmodells Cyber Valley verbindet das neue Zentrum Grundlagenforschung und Transfer mit der Ausbildung der gefragten Fachkräfte von morgen.“ Anschließend gratulierte sie zwei ehemaligen Gewinnern des Bundeswettbewerbs für Künstliche Intelligenz, kurz BWKI, der 2018 vom Tübingen AI Center zusammen mit Bosch ins Leben gerufen wurde und aktuell maßgeblich von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wird.</p><p>Weitere Gäste repräsentierten zwei Projekte, die sich erfolgreich um eine Förderung durch den „Agile Transfer Fund“ beworben hatten. Diese neue Maßnahme des Tübingen AI Centers soll Forschenden und Studierenden helfen, die Umsetzung von gesellschaftlich nützlichen Ideen mit Hilfe der künstlichen Intelligenz anzustoßen: Das Polybot-Projekt um den Forschungsgruppenleiter Wieland Brendel verfolgt das Ziel, mit Hilfe von Schwärmen flexibler Kleinroboter die technologischen Voraussetzungen zur Automatisierung einer regenerativen Landwirtschaft zu schaffen. Die finanzielle Förderung ermöglicht es dem Team, kurzfristig hochqualifiziertes Personal zu gewinnen. Bei „KI macht Schule“ geht es darum, Schülerinnen und Schülern KI als Technologie zugänglich zu machen und eine schnelle und kompetente Integration des Themas in den Lehrplan zu unterstützen. Mit den Mitteln aus dem Agile Transfer Fund kann das Team interaktives Lehr- und Lernmaterial aus aktueller Forschung entwickeln.</p><h3><strong>Über das Tübingen AI Center</strong></h3><p>Das Tübingen AI Center ist eine Forschungseinrichtung der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS). Ziel der Forschenden ist es, die Weiterentwicklung robuster lernender Systeme zum Nutzen von Gesellschaft und Wirtschaft voranzutreiben. Lernalgorithmen sollen weniger Daten benötigen und erfolgreich mit äußeren und unerwarteten Einflüssen umgehen können. Gleichzeitig sollen maschinelle Entscheidungsprozesse besser interpretierbar und fairer werden. Das Zentrum will neue Wege gehen, um Grundlagenforschung mit Transfer und Ausbildung zu verknüpfen, und gemeinsam mit anderen Forschern in Europa dazu beitragen, dass gesellschaftlich wertvolle Technologien unter dem Label “AI made in Europe” entwickelt werden.</p><p>Zusammen mit vier weiteren Zentren des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird es seit dem 1. Juli 2022 vom BMBF und dem MWK Baden-Württemberg mit 20 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Eingebettet in den schnell wachsenden Tübinger Wissenschafts- und Technologiecampus, kooperieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Tübingen AI Center eng mit dem europaweiten Forschungsnetzwerk ELLIS und der baden-württembergischen Cyber-Valley-Initiative, die Forschende mit Start-ups und der Industrie in der Region verbindet.<br> &nbsp;<br> Erstes <strong>Bildmaterial</strong> von der Veranstaltung erhalten Sie <strong>am 18.7. ab ca. 18:30 Uhr </strong>von Claudia Brusdeylins: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,encwfkc0dtwufgankpuBvwgdkpigp0ck" data-mailto-vector="2" class="mail">claudia.brusdeylins<span style="display:none">spam prevention</span>@tuebingen.ai</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-96326</guid><pubDate>Thu, 13 Jul 2023 17:00:00 +0200</pubDate><title>Der China-Alligator hatte noch vor rund 200.000 Jahren asiatische Verwandte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-china-alligator-hatte-noch-vor-rund-200000-jahren-asiatische-verwandte/</link><description>Forscher der Universität Tübingen ordnen einen fossilen Schädel aus dem heutigen Thailand einer bisher unbekannten Art zu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein fast vollständig versteinerter Schädel eines Alligators, der 2005 im thailändischen Ban Si Liam gefunden wurde und höchstens 230.000 Jahre alt ist, gehört zu einer bisher unbekannten Art. Das stellten die Paläontologen Dr. Márton Rabi und Gustavo Darlim von der Universität Tübingen in einer Kooperation mit der Chulalongkorn University of Thailand und dem dortigen Department of Mineral Resources fest. Sie benannten die neu entdeckte Art als <em>Alligator munensis</em> nach dem Fluss Mun, der nahe des Fundorts fließt. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich die Art in der Evolution einst vom heute noch lebenden China-Alligator abgespalten hat. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Scientific Reports</em></span> veröffentlicht.</p><p>Der China-Alligator (<em>Alligator sinensis</em>) ist der einzige lebende Vertreter der Familie der Kaimane und Alligatoren, der außerhalb des amerikanischen Kontinents vorkommt. „Mit diesem haben wir den Schädel verglichen wie auch mit dem amerikanischen Mississippi-Alligator und Überresten von vier ausgestorbenen Alligatorenarten“, berichtet Rabi. „Der Schädel des A. munensis aus Thailand erinnert an den einer Bulldogge. Er besitzt einige besondere Merkmale, die bei allen anderen Arten fehlen.“ Der Schädel ist groß, der Alligator besaß eine kurze, sehr breite und tiefansetzende Schnauze, eine reduzierte Zahl von Zahnhöhlen, und die Nasenlöcher lagen weit von der Spitze der Schnauze entfernt. Die Körperlänge insgesamt schätzt das Forschungsteam auf anderthalb bis zwei Meter – ähnlich wie beim China-Alligator.</p><h3><strong>Hypothese zur Evolution</strong></h3><p>„Die meisten Ähnlichkeiten teilt die neue Art mit dem China-Alligator“, sagt der Doktorand Gustavo Darlim. Die Forscher halten die beiden Arten für eng verwandt und haben eine Hypothese entwickelt, der zufolge sie einen gemeinsamen Vorfahren gehabt haben könnten, der im Tiefland der Flusssysteme des Yangtze-Xi und des Mekong-Chao Phraya lebte. Sie spekulieren, dass es an einem unbestimmten Punkt innerhalb des Zeitraums der Hebung des südöstlichen Hochlands von Tibet vor 23 bis fünf Millionen Jahren zur Trennung verschiedener Populationen und schließlich zur Evolution zweier getrennter Arten kam. Während der China-Alligator bis heute überlebte, starb der <em>Alligator munensis</em> aus.</p><p>„Die großen Zahnhöhlen im Schädel von <em>A. munensis</em> deuten darauf hin, dass er große Zähne im hinteren Mundraum besaß, mit denen auch Schalen, wie zum Beispiel Schneckenhäuser, zerkleinert werden konnten“, sagt Rabi. In der evolutionären Vergangenheit seien kugelförmig abgeflachte große Zähne mit ähnlicher Funktion bei Krokodilen, zu denen auch die Alligatoren gehören, verbreitet gewesen und hätten sich mehrfach unabhängig voneinander entwickelt. Allerdings sei ein solcher Gebisstyp bei den heute lebenden Arten nicht mehr zu finden.</p><h3><strong>Teile eines Puzzles</strong></h3><p>Der China-Alligator ist – anders als sein amerikanischer Verwandter aus dem Südosten der USA, der <em>Mississippi-Alligator</em>, – vom Aussterben bedroht. Er kommt nur noch am unteren Yangtze-Fluss vor. „Wie und wann die Alligatoren sich von Nordamerika nach Asien ausbreiteten, ist nicht bekannt. Daher sind Fossilien aus Asien wichtig, um das Puzzle weiter zusammenzusetzen“, sagt Darlim. Die Entdeckung der neuen Art lasse vermuten, dass Alligatoren noch bis vor rund 200.000 Jahren bis in den Süden Thailands verbreitet waren. Möglicherweise ließen sich daher auch Gebiete außerhalb Chinas in ein Schutzprogramm für den China-Alligator einbeziehen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Gustavo Darlim, Kantapon Suraprasit, Yaowalak Chaimanee, Pannipa Tian, Chotima Yamee, Mana Rugbumrung, Adulwit Kaweera &amp; Márton Rabi: An extinct deep‑snouted Alligator species from the Quaternary of Thailand and comments on the evolution of crushing dentition in alligatorids. <span lang="en" dir="ltr"><em>Scientific Reports</em></span>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41598-023-36559-6" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41598-023-36559-6</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95615</guid><pubDate>Wed, 28 Jun 2023 16:12:42 +0200</pubDate><title>Ich sehe was, das du gleich sagen wirst</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ich-sehe-was-das-du-gleich-sagen-wirst/</link><description>Tübinger Forschende können Hirnsignale über Inhalt und Form eines Sprachlautes auslesen – und zwar mehrere Sekunden, bevor er geäußert wird</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mehrere Sekunden, bevor wir einen Laut äußern, können aus unserem Gehirn Signale über Inhalt und Form der Äußerung ausgelesen werden. Das berichtet ein Forschungsteam um Professor Dr. Markus Siegel vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Universitätsklinikum Tübingen. Das Team hat in einer aktuellen Studie untersucht, ob der Inhalt und die Produktion von Sprache im Gehirn getrennt verarbeitet werden. Mithilfe moderner Bildgebung in Form der Magnetoenzephalographie (MEG) gelang es den Forschenden, in der Hirnaktivität den Inhalt unabhängig von der motorischen Produktion zu identifizieren – und somit auch vorherzusagen, welchen von zwei feststehenden Lauten die Probanden gleich äußern würden. Die Erkenntnisse haben sie im Fachjournal <em>PNAS </em>veröffentlicht.</p><p>Wir alle kennen sie: Die innere Stimme, die uns stumm durch den Alltag begleitet. Sie deutet darauf hin, dass diese Art der Gedanken getrennt vom motorischen Vorgang des Sprechens entstehen. Doch wie verarbeitet unser Gehirn Sprachinhalte und -produktion? Das war die Frage, mit der sich das Tübinger Forschungsteam beschäftigte.</p><p>„Wir haben die Hirnaktivität bei Probanden aufgezeichnet, während sie eine einfache Vokalisierungsaufgabe ausführten“, so Studienleiter Siegel. Diese mussten sich einen von zwei Vokalen vorstellen oder laut äußern. Welche Aufgabe sie in dem jeweiligen experimentellen Durchgang ausführen sollten, wurde ihnen auf einem Bildschirm gezeigt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95308</guid><pubDate>Thu, 22 Jun 2023 11:07:34 +0200</pubDate><title>Tiere suchten schon vor mehr als 30.000 Jahren die Nähe zu Menschen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tiere-suchten-schon-vor-mehr-als-30000-jahren-die-naehe-zu-menschen/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment erforscht altsteinzeitliche Beziehungen von Mensch und Rabe.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wilde Tiere gingen Beziehungen zu Menschen ein, lange bevor diese im Neolithikum vor rund 10.000 Jahren sesshaft wurden. So bedienten sich zum Beispiel Raben in der Kultur des Pavlovien vor mehr als 30.000 Jahren im heutigen tschechischen Mähren an Mammuts, die von den damaligen Menschen erbeutet wurden. Diese wiederum hatten auf vielfältige Weise im Alltag mit Raben zu tun. Der Einfluss des Menschen auf das Nahrungsverhalten der Raben wurde nun erstmals in einer naturwissenschaftlichen Studie an dortigen archäologischen Fundstätten untersucht.</p><p>Die Hauptautoren des Artikels sind Dr. Chris Baumann, der an den Universitäten Tübingen und Helsinki forscht, und Dr. Shumon T. Hussain von der Universität Aarhus sowie Professor Hervé Bocherens von der Universität Tübingen und dem <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span>. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift <em><span lang="en" dir="ltr">Nature Ecology and Evolution</span></em> veröffentlicht. In einer früheren Publikation, erschienen in <em><span lang="en" dir="ltr">Archaeological and Anthropological Sciences</span></em>, hatte Chris Baumann bereits allgemein darüber berichtet, dass Belege für das Zusammenleben von Tier und Mensch tief ins Pleistozän zurückreichen und dass solche Beziehungen schon frühe Ökosysteme formten.</p><h3>Ähnliches Nahrungsspektrum</h3><p>Raben haben ein sehr breites Nahrungsspektrum, sind neugierig und zeichnen sich durch ein flexibles Verhalten aus. Ihre Knochen wurden in großer Zahl an den tschechischen Fundstätten Předmostí I, Pavlov I und Dolní Věstonice I entdeckt. „Die Anzahl an Rabenknochen aus den mährischen Fundstellen ist bemerkenswert und sicherlich ungewöhnlich für den Untersuchungszeitraum“, sagt Shumon T. Hussain. Daher vermuteten die Forscherinnen und Forscher, dass sich die Raben in der Nähe der Menschen aufhielten und möglicherweise von deren Anwesenheit profitierten. Das Forschungsteam untersuchte daraufhin die Knochen von zwölf Kolkraben mit naturwissenschaftlichen Methoden und rekonstruierte ihr Hauptnahrungsspektrum an-hand der Analyse stabiler Stickstoff-, Kohlenstoff- und Schwefelisotope. „Diese altsteinzeitlichen Raben ernährten sich überwiegend von dem Fleisch großer Pflanzenfresser, häufig von Mammuts, ähnlich wie die damals lebenden Menschen“, erklärt Chris Baumann. „Wir gehen deshalb davon aus, dass sie vor allem von Mammutkadavern in der Nähe von menschlichen Lagern angezogen wurden.“</p><p>Das Verhalten der Tiere begann sich an dem der Menschen zu orientieren, sagt das Forschungsteam. „Für diese wiederum wurden die Vögel zu einem Bestandteil ihrer Erfahrungs- und Gedankenwelt. Die Menschen scheinen den Raben in ihre Kultur aufgenommen zu haben, wie unter anderem polierte Rabenknochen sowie die auffällig hohe Anzahl an Flügelknochen im Fundmaterial zeigen“, sagt Hussain. Dies hatten bereits frühere Studien zu den Rabenknochen ergeben. Weitere umfassende Untersuchungen zur Evolution von Mensch-Tier-Beziehungen seien deshalb wichtig, um die frühen Ökosysteme von eiszeitlichen Jägern und Sammlern besser zu verstehen, sagen die Forscherinnen und Forscher. Sie bezeichnen das Verhalten der Raben als synanthropisch. Synanthropen sind wilde Tiere, die von einem mit Menschen geteilten Ökosystem profitieren.</p><h3>Der Mythos von der unberührten Natur</h3><p>„Vielfach wird angenommen, dass die frühen Menschen in und mit einer praktisch unberührten Natur gelebt hätten. Das ist jedoch sehr simplifizierend und so auch nicht richtig. Wir wissen inzwischen, dass Menschen durch ihr Verhalten Ökosysteme schon vor mindestens 30.000 Jahren beeinflussten und nachhaltig veränderten“, sagt Chris Baumann. Essensreste der Menschen bildeten eine stabile Nahrungsbasis für kleine Aasfresser. Solche neuen Nischen seien mit der Zeit stärker beansprucht worden, sodass wiederum die Menschen diese Tiere leichter fangen und als Quelle für Fleisch, Fell und Federn nutzen konnten. Als Nachteil dieser Entwicklung könnten sich jedoch Zoonosen, also zwischen Mensch und Tier übertragbare Infektionskrankheiten, leichter ausgebreitet haben.</p><p>&nbsp;</p><h3>Publikationen:</h3><p>Chris Baumann, Shumon T. Hussain, Martina Roblíčková, Felix Riede, Marcello A. Mannino, Hervé Bocherens: Evidence for hunter-gatherer impacts on raven diet and ecology in the Gravettian of Southern Moravia. <em>Nature Ecology and Evolution</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41559-023-02107-8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41559-023-02107-8</a></p><p>Chris Baumann: The paleo‑synanthropic niche: a first attempt to define animal’s adaptation to a human‑made micro‑environment in the Late Pleistocene. <em>Archaeological and Anthropological Sciences</em>, <a href="https://doi.org/10.1007/s12520-023-01764-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s12520-023-01764-x</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95257</guid><pubDate>Wed, 21 Jun 2023 11:23:19 +0200</pubDate><title>50 Jahre Camerata vocalis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/50-jahre-camerata-vocalis/</link><description>Musikalischer Botschafter weltweit: Kammerchor der Universität Tübingen feiert Jubiläum mit Ausstellung und Konzerten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Camerata vocalis feiert 50-jähriges Bestehen. Der Kammerchor der Universität Tübingen wurde 1973 vom damaligen Universitätsmusikdirektor (UMD) Alexander Šumski gegründet, seit 2011 liegt die Leitung in den Händen von UMD Philipp Amelung. Beschäftigte und Studierende wirken hier mit einem A-cappella-Repertoire als musikalische Botschafter für Tübingen und die Universität. Es entstanden zahlreiche CD- und Rundfunk-Produktionen, Konzertreisen weltweit führten den Chor unter anderem nach Kanada, Brasilien, Israel, Irland und in viele Länder Afrikas.</p><p>Das Jubiläum wird mit einer Ausstellung und zwei Konzerten gefeiert, zu dem alle <strong>Interessierten sowie Medienvertreterinnen und -vertreter herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist frei</strong>.</p><p>Am Sonntag, 9. Juli 2023, eröffnet im Pfleghofsaal eine Ausstellung zur Geschichte der Camerata vocalis. Zur Vernissage sprechen Rektorin Professorin Karla Pollmann, die Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur der Stadt Tübingen, Dagmar Waizenegger, sowie ehemalige Chormitglieder. Die Veranstaltung ist gleichzeitig ein Gedenkkonzert zum ersten Todestag von Alexander Šumski: Camerata vocalis singt Werke von Nikolaus Betscher sowie Chormusik aus Gabun, Malawi und Südafrika.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Ein Festkonzert mit Werken ehemaliger Tübinger Universitätsmusikdirektoren findet am Sonntag, 16. Juli 2023, statt: Um 19 Uhr c.t. präsentiert der Chor im Festsaal in der Neuen Aula Werke von Friedrich Silcher, Otto Scherzer, Emil Kaufmann, Fritz Volbach, Karl Hasse und Tobias Hiller.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95170</guid><pubDate>Tue, 20 Jun 2023 10:35:03 +0200</pubDate><title>Gründermesse bildet Auftakt der Tübinger Innovationstage 2023</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gruendermesse-bildet-auftakt-der-tuebinger-innovationstage-2023/</link><description>Netzwerken im Freistil: 8. Startup:con nimmt Schutzrechte für Startups in den Fokus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nur mit Patent zur Innovation? Dieser Frage widmet sich die Gründermesse Startup:con Tübingen, die in diesem Jahr den Auftakt der Tübinger Innovationstage bildet. Am <strong>Dienstag, den 27. Juni 2023 von 17:30 bis 20:00 Uhr,</strong> lädt das Startup Center der Universität Tübingen alle, die sich für Gründung und Startups interessieren, in das Brauwerk Freistil in Tübingen (Wöhrdstr. 25) ein. Wer möchte, kann bereits um 15:30 Uhr zur Verleihung der Auszeichnung für exzellenten Technologie-transfer vom IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer und dem anschließenden Sektempfang kommen.</p><p>Auf der Startup:con Tübingen erwarten die Teilnehmenden spannende Impulsvorträge zu den Themen Schutzrechte, Patente &amp; Co: Es sprechen Dr. Sebastian Schultheiss, Gründer des Biotechnologieunternehmens Computomics, und Dr. Ralf Amann, Gründer des Startups PRiME Vector Technologies, das an einer neuen Generation von Impfstoffen arbeitet – beide Unternehmen sind Ausgründungen der Universität Tübingen. Auf der anschließenden Gründermesse präsentieren sich weitere Startups und Unterstützer aus dem regionalen Ökosystem an Messeständen.&nbsp;</p><p>Wer sich selbst oder sein Startup vorstellen will, kann das in 90-sekündigen Open Stage Pitches tun. Das Netzwerkevent findet in entspannter Atmosphäre im Freistil Biergarten in Tübingen statt - für die ersten 100 Anmeldungen gibt es ein Freigetränk. Die Veranstaltung ist kostenlos und offen für alle.</p><p>Für 78 Prozent der Startups ist Networking ein kritischer Erfolgsfaktor, wie eine Forbes-Studie zeigt. Auch zeigt sich immer wieder, dass Onlineangebote echte Begegnungen nicht ersetzen können. Dies mag einer der Gründe sein, warum die Startup:con Tübingen gut besucht ist und am 27. Juni mit dem Fokus auf Schutzrechte für Startups bereits zum achten Mal stattfindet.&nbsp;<br> Die Initiatoren des Startup Centers erklären, warum die Netzwerkveranstaltung eine Lücke in Tübingen schließt: „Die Startup:con Tübingen bringt als erste Netzwerkveranstaltung die gesamte Startup Community in Tübingen zusammen. Hier treffen sich wichtige Akteure und Role Models und berichten von ihren Erfahrungen. Die ideale Umgebung für Gründungsinteressierte, um sich inspirieren zu lassen und wertvolle Kontakte zu knüpfen.“&nbsp;<br> &nbsp;<br> Um den regelmäßigen Austausch zu fördern, findet die Startup:con Tübingen alle drei bis vier Monate statt. Weitere Informationen sowie ein Anmeldeformular gibt es auf der Website des Startup Centers unter www.uni-tuebingen.de/startupcon-tuebingen</p><p><strong>Programm der Veranstaltung Startup:con Tübingen #8</strong><br> Dienstag, 27. Juni 2023&nbsp;</p><ul><li>15:30 Uhr Verleihung des Technologietransfer-Preises (Brauwerk Freistil, innen)</li><li>17:00 Uhr Sektempfang und Überleitung zur Startup:con Tübingen #8</li><li>17:30 Uhr Eröffnung der Startup:con Tübingen und Impulsvorträge zum Thema</li><li>18:00 Uhr Wechsel in den Biergarten (bei schönem Wetter), Networking an den Ständen</li><li>18:30 Uhr Open Stage Pitches im Biergarten</li><li>18:45 Uhr Networking</li></ul><p>&nbsp;&nbsp;<br> Registrierung unter: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/startupcon-tuebingen " target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/startupcon-tuebingen&nbsp;</a></p><p><strong>Über das Startup Center der Universität Tübingen&nbsp;</strong></p><p>Das Team des Startup Centers unterstützt Personen aus dem Umfeld der Universität Tübingen da-bei, ihre innovativen Ideen aus der Wissenschaft in die wirtschaftliche Anwendung zu bringen. Das Angebot richtet sich an alle Studierenden, Forschenden, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie ALUMNI der Universität Tübingen. &nbsp;<br> Weitere Informationen: www.uni-tuebingen.de/gruenden &nbsp;&nbsp;</p><p><strong>Über die Tübinger Innovationstage</strong></p><p>Das IHK-Netzwerk Forschung &amp; Entwicklung veranstaltet seit 2008 jährlich die Innovationstage. Im Vordergrund steht der Dialog mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Den Schwerpunkt der Tü-binger Innovationstage 2023 bildet die exzellente Wissenschaft der „Exzellenz-Uni“ Tübingen in Kombination mit dem Transfer in die Wirtschaft.</p><p>Weitere Informationen: <a href="https://www.innovationstage.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.innovationstage.de/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95155</guid><pubDate>Tue, 20 Jun 2023 09:41:08 +0200</pubDate><title>Frauen verändern Dynamik in Aufsichtsräten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/frauen-veraendern-dynamik-in-aufsichtsraeten/</link><description>Studie der Universität Tübingen: Bereits eine Frau im Aufsichtsrat erhöht die Teilnahmequote bei den Sitzungen – mehrere Frauen sogar die Profitabilität des Unternehmens</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gehört dem Aufsichtsrat eines Unternehmens mindestens eine Frau an, dann ist die Teilnahmequote an den Sitzungen höher, als wenn nur Männer im Gremium sitzen. Gehören zwei oder mehr Frauen dem Aufsichtsrat an, ist dies darüber hinaus mit einer höheren Profitabilität des Unternehmens verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Tübingen, die von der Fachzeitschrift Corporate Governance veröffentlich wurde.</p><p>Die Autorinnen untersuchten börsennotierte Unternehmen in Deutschland, die Bericht auch über Teilnahmequoten an den Aufsichtsratssitzungen ablegen. Diese Daten glichen die Forscherinnen mit dem Anteil der Frauen in den entsprechenden Aufsichtsratsgremien und mit der Profitabilität der Unternehmen ab.&nbsp;</p><p>„Unterschiedliche Perspektiven im Aufsichtsrat führen dazu, dass mehr Alternativen abgewogen und bessere Entscheidungen getroffen werden können“, sagt Professorin Kerstin Pull vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Tübingen. Um die Ergebnisse ihrer quantitativen Analysen besser einordnen und interpretieren zu können, führten die Autorinnen zudem ausführliche Interviews mit 17 Aufsichtsratsmitgliedern. Deren Aussagen unterstützen die These, dass in Gremien, in denen mehr als eine Frau vertreten ist, „andere Perspektiven und Meinungen“, eine „breitere Expertise“ und ein „produktiverer Umgangston“ die Diskussionen beeinflussen.&nbsp;</p><p>Sitzt jedoch nur eine einzige Frau im Aufsichtsrat, wird sie von ihren männlichen Kollegen häufig eher als Vertreterin ihres Geschlechts und weniger als Individuum mit einer spezifischen Expertise wahrgenommen. Manchen gilt die Kollegin gar lediglich als „hübsches Accessoire“. Zwar ist auch bei nur einer Frau im Gremium die Teilnahmequote an den Aufsichtsratssitzungen höher als bei einem rein männlich besetzten Gremium – aber dieser Effekt „verpufft“ im Hinblick auf die Profitabilität des Unternehmens.&nbsp;</p><p>Gehören dagegen mehrere Frauen zum Aufsichtsrat, werden diese in ihren unterschiedlichen Sichtweisen und Expertisen besser wahrgenommen, und das Gremium kann besser fundierte Entscheidungen treffen. „Es muss also erst eine ‚kritische Masse‘ von Frauen im Aufsichtsrat erreicht werden, bevor ein positiver Effekt auf die Profitabilität von Firmen gemessen werden kann“, so Pull.</p><p>Der positive Effekt kommt dabei nur zum Teil durch die höhere Teilnahmequote an den Aufsichtsratssitzungen zustande. Ein anderer Grund könnte darin liegen, dass Frauen häufiger von extern in einen Aufsichtsrat rekrutiert werden und zuvor nicht dem Vorstand dieses Unternehmens angehörten. „Aufsichtsräte sollen den Vorstand kontrollieren. Mit einem Blick von außen lässt sich diese Funktion leichter erfüllen“, erklärt Pull.&nbsp;</p><p>Seit Einführung der Frauenquote in mitbestimmten, börsennotierten deutschen Unternehmen zum Jahresbeginn 2016 ist der Anteil von Frauen in DAX-Aufsichtsräten von 30,2 Prozent auf 37,3 Prozent bis Ende 2022 gestiegen. Im Jahr 2023 wurden sogar zum ersten Mal mehr Frauen neu in DAX-Aufsichtsräte berufen als Männer. Auch der Anteil von Frauen in den Vorständen von DAX-Unternehmen ist stark gewachsen, von nur 2,2 Prozent im Jahr 2010 auf 21,8 Prozent in 2022. Allerdings gab es zuletzt auch prominente Rücktritte von Frauen in DAX-Vorständen: So trat Ende April Martina Merz als Vorstandsvorsitzende bei Thyssenkrupp zurück, Filiz Albrecht im März als Arbeitsdirektorin von Bosch und Carla Kriwet Ende vergangenen Jahres als Vorstandsvorsitzende bei Fresenius Medical Care.&nbsp;</p><p>„Unsere Studie zeigt, dass Unternehmen Chancen verpassen, wenn sie nur ausnahmsweise mal eine Frau in ihre Leitungs- und Kontrollgremien berufen, statt Frauen systematisch in solche Positionen hinein zu entwickeln“, so Pull.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Joecks, Jasmin; Kerstin Pull; Katrin Scharfenkamp<span lang="en" dir="ltr">: Women Directors, Board Attendance and Corporate Financial Performance. Corporate Governance: An International Review.</span><a href="http://doi.org/10.1111/corg.12525" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">DOI:10.1111/corg.12525</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95122</guid><pubDate>Mon, 19 Jun 2023 14:24:24 +0200</pubDate><title>Wanderausstellung „MicroPop“ macht die Welt der  Mikroben sinnlich erfahrbar</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wanderausstellung-micropop-macht-die-welt-der-mikroben-sinnlich-erfahrbar/</link><description>Eröffnung im Museum der Universität Tübingen MUT auf Schloss Hohentübingen am Donnerstag, 29. Juni 2023</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Wanderausstellung „MicroPop – Design, Wissenschaft und die Welt&nbsp;der Mikroben“ wird vom 30. Juni bis 27. August 2023 im Rittersaal des&nbsp;Schlosses Hohentübingen gezeigt. Verteilt über acht Stationen werden interaktive Exponate zu sehen sein, die Forschungskonzepte aus der&nbsp;Mikrobiom- und Infektionsforschung frei in den Bereich des Kommunikations- und Industriedesigns übertragen. Sie reichen von einem virtuellen&nbsp;Spiegel über kommunizierende Möbel und Videospiele bis zu einer mit&nbsp;Bakterien entwickelten Schrift. Durch die Exponate können die Besucherinnen und Besucher die selten bewusst wahrgenommene Welt der&nbsp;Mikroorganismen um und in unserem Körper sinnlich erfahren.</p><p>Zur Eröffnung der Ausstellung<br><strong>am Donnerstag, 29. Juni 2023, um 19 Uhr<br> im Rittersaal auf Schloss Hohentübingen</strong><br> sind die Vertreterinnen und Vertreter der Medien wie auch die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen.</p><p>Auf und in jedem menschlichen Körper leben etwa 40 bis 100 Billionen&nbsp;Mikroorganismen. Bis zu 1,5 Kilogramm unseres Körpergewichts können&nbsp;diese Mikroorganismen – vor allem Bakterien, Viren und Pilze – ausmachen. Insgesamt bilden sie unser individuelles Mikrobiom.&nbsp;</p><p>Am Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung&nbsp;von Infektionen“ an der Universität Tübingen haben Forscherinnen und&nbsp;Forscher im Projekt „The Popular Microbiome“ – Das populäre Mikrobiom&nbsp;– in Kooperation mit Studierenden der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Berührungspunkte zwischen Wissenschaft und Design geschaffen. So wollen sie der Öffentlichkeit die Erforschung dieser mit dem bloßen Auge&nbsp;nicht sichtbaren Welt vermitteln.</p><p>Die Ausstellung basiert auf einer Projektidee von Dr. Davina Höll, die im Rahmen des Exzellenzclusters die historischen und erkenntnistheoretischen Kontexte sowie die ethischen Konsequenzen&nbsp;der Mikrobiomforschung untersucht. Konzeption und Durchführung des Projekts wurden vom Bereich „Knowledge Design“ des Forschungszentrums für Wissenschaftskommunikation der&nbsp;Universität Tübingen unterstützt.</p><p>Die Ausstellung wurde gemeinsam von neun Doktorandinnen und Doktoranden des Tübinger Exzellenzclusters mit 22 Studierenden der Klassen für Industrie- und Kommunikationsdesign der&nbsp;Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart erarbeitet. Ausgehend von Forschungsthemen der Doktorandinnen und Doktoranden entwickelten die Teams gemeinsam Exponate, die sich&nbsp;mit verschiedenen Aspekten der Mikrobiom- und Infektionsforschung auseinandersetzen. In Zusammenarbeit mit dem Museum der Universität Tübingen MUT werden die Exponate nun erstmals in&nbsp;Tübingen gezeigt.</p><h3>Information</h3><p>Mehr zur Ausstellung und den Exponaten unter <a href="https://www.cmfi.uni-tuebingen.de/micropop" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.cmfi.uni-tuebingen.de/micropop</a> oder&nbsp;<br> unter <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/micropop" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/micropop</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95086</guid><pubDate>Mon, 19 Jun 2023 00:00:00 +0200</pubDate><title>Klimawandel: Fakten allein reichen nicht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/klimawandel-fakten-allein-reichen-nicht/</link><description>Die Aktivistin und Autorin Luisa Neubauer spricht am 22. Juni bei der 18. Tübinger Mediendozentur – Interessierte sind herzlich willkommen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens seit Ende der 1980er Jahre ist bekannt, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Seitdem warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit vor den Folgen der Erderwärmung, weisen auf das Schwinden der Artenvielfalt, auf drohende Wasserknappheit, Ernteausfall, Massenmigration und andere Konsequenzen der Klimakrise hin. Dennoch stiegen die CO2-Emissionen, wesentlicher Auslöser der Erderwärmung, immer weiter. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, so lautet die Schlussfolgerung, haben zwar zu intensiven Debatten und einer Bewusstseinsbildung in der Breite der Bevölkerung geführt, nicht jedoch zu einer markanten Veränderung des menschlichen Verhaltens. Woran liegt das?</p><p>Die Fridays-for-Future-Aktivistin und Buchautorin Luisa Neubauer wählt diesen ernüchternden Befund als Ausgangspunkt für ihre Rede über die Klimakommunikation der Zukunft, die sie zur Tübinger Mediendozentur halten wird: Am Donnerstag, den 22. Juni 2023, spricht sie um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz).&nbsp;</p><p>„Der Fehler war der Versuch“, so sagt sie, „die Klimakrise mit immer mehr Informationen zu bekämpfen – würden die Menschen nur besser Bescheid wissen, würden sie sicherlich im Sinne des Klimaschutzes handeln, wählen und einkaufen.“ Reine Fakten würden nicht wirklich überzeugen. Es ginge um Emotionen und um die Attraktivität eines Lebensgefühls. Es ginge aber auch um Macht und Geschäftsinteressen, um Fragen der Weltanschauung und der Gruppenzugehörigkeit. Luisa Neubauer leitet aus diesen Er-kenntnissen und ihren eigenen Erfahrungen mit Desinformation und öffentlichen Angriffen das Programm einer anderen Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit ab. Diese könnte, so ihre Hoffnung, besser funktionieren, direkter zum Handeln führen.&nbsp;</p><p>Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Eine Platzreservierung ist nicht möglich. Die Ausgabe der Eintrittskarten erfolgt im Erdgeschoss-Foyer der Neuen Aula ab 17.00 Uhr, der Einlass startet um 17.30 Uhr. Bitte beachten Sie: Pro Person kann nur eine Eintrittskarte vergeben werden. Wir bitten darum, Rucksäcke und größere Taschen an der Garderobe im Foyer abzugeben.</p><p>Journalisten können sich unter dieser E-Mail-Adresse akkreditieren:<a href="#" target="antje.karbe@uni-tuebingen.de" data-mailto-token="ocknvq," data-mailto-vector="2" class="mail"> antje.karbe@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Die Rede wird auch in den Hörsaal 21 im Kupferbau, Rümelinstraße übertragen (Einlass hier ab 18 Uhr) und kann im Livestream verfolgt werden: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yIYjM8-Yizg" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=yIYjM8-Yizg</a>&nbsp;&nbsp;</p><p><strong>Zur Person</strong>: Mit Luisa Neubauer übernimmt eine der bekanntesten Klimaaktivistinnen die diesjährige Tübinger Mediendozentur. Sie zählt zu den zentralen Gesichtern von Fridays for Future und hat ihre Ideen mit so unterschiedlichen Politikerinnen und Politikern wie Angela Merkel, Barack Obama und Emmanuel Macron diskutiert. Neubauer schrieb bislang drei Bücher, die allesamt Bestseller wurden. 2019 publizierte sie (gemeinsam mit Alexander Repenning) den Band „Vom Ende der Klimakrise“. 2021 erschien (gemeinsam mit dem Zeit-Journalisten Bernd Ulrich) das Gesprächsbuch „Noch haben wir die Wahl“. 2022 publizierte sie gemeinsam mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma den autobiografischen Essay „Gegen die Ohnmacht“. Das Time Magazine zählte Neubauer 2022 zu den wichtigsten Newcomern.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95038</guid><pubDate>Fri, 16 Jun 2023 11:15:37 +0200</pubDate><title>Schöffen-Studie: häufig illegale Absprachen in Strafverfahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schoeffen-studie-haeufig-illegale-absprachen-in-strafverfahren/</link><description>Bislang umfangreichste Studie unter Schöffinnen und Schöffen belegt Zufriedenheit mit dem Amt – bei vielen Absprachen bleiben die richterlichen Laien jedoch außen vor</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schöffinnen und Schöffen werden bei Absprachen in Strafverfahren entgegen den gesetzlichen Vorschriften häufig nicht einbezogen oder sind an Absprachen beteiligt, die illegal sind. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang größte Umfrage unter Laienrichterinnen und -richtern in Deutschland. Dessen ungeachtet hält eine Mehrheit der Schöffinnen und Schöffen ihr Amt jedoch generell für wichtig und wäre bereit, es nochmals anzutreten.&nbsp;</p><p>Für die Studie werteten Jörg Kinzig und Benedikt Iberl vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen fast 9000 Online-Fragebögen aus allen Bundesländern aus. Die Forscher erreichten damit 15 Prozent aller Schöffinnen und Schöffen in Deutschland. „Von der positiven Einschätzung des eigenen Amtes waren wir durchaus überrascht. Dass die Praxis informeller und damit illegaler Absprachen nach wie vor verbreitet ist, stand dagegen leider zu erwarten“, so Jörg Kinzig. „Die Antworten der Schöffen zeigen diesen Missstand erneut auf.“ Die Studie ist im Mai im Nomos-Verlag erschienen.</p><p>Nur ein Fünftel der Absprachen wird wie vom Gesetz vorgesehen öffentlich im Rahmen der Hauptverhandlung getroffen. In 14 Prozent der Fälle werden die beisitzenden Laienrichterinnen und -richter - obwohl sie sich vor Ort befinden - von den Berufsjuristen gar nicht erst eingebunden. Zwei Drittel der Schöffinnen und Schöffen berichten außerdem von Inhalten bei Absprachen, die illegal sind. Dazu gehören etwa Vereinbarungen über den Schuldspruch, also darüber, wie ein Verhalten, zum Beispiel ein Diebstahl oder eine Körperverletzung, strafrechtlich genau zu bewerten ist. „Ehrenamtliche Richterinnen und Richter wissen dabei oft nicht genau, was bei einer Absprache erlaubt ist und was nicht. Die Laien werden offenbar nur ungenügend auf Absprachen vorbereitet, obwohl sie daran auf Augenhöhe mitwirken sollen“, sagt Benedikt Iberl.</p><p>Um Verfahrenszeiten zu verkürzen, sind Verständigungen zwischen dem Gericht, der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft im Gesetz durchaus vorgesehen und erlaubt - jedoch nur unter streng geregelten Bedingungen. So muss die Absprache öffentlich im Rahmen der Hauptverhandlung und mit Beteiligung der Schöffinnen und Schöffen getroffen werden. Ein häufiger und zulässiger Fall ist die Einigung auf eine Ober- und Untergrenze der Strafe oder das Einstellen weiterer Verfahren im Gegenzug zu einem Geständnis. Nicht erlaubt ist es jedoch, bei einer Verständigung eine ganz konkrete Strafhöhe zu vereinbaren oder festzulegen, dass ein Angeklagter nicht im normalen Strafvollzug, sondern in der Psychiatrie oder einer Entziehungsanstalt untergebracht wird. In der Strafrechtswissenschaft wird in diesem Zusammenhang bereits seit langem darüber diskutiert, ob eine Laienbeteiligung angesichts komplexer werdender Strafverfahren noch zeitgemäß ist und ob die umstrittene Praxis der Verständigung die Rolle der Laien im Gerichtsverfahren mehr und mehr aushöhlt.&nbsp;</p><p>Die Schöffinnen und Schöffen wurden im Rahmen der Studie auch zur allgemeinen Einschätzung ihres Amts befragt. Die meisten Laienrichterinnen und -richter fühlen sich von ihren hauptberuflichen Kolleginnen und Kollegen ernst genommen. Sie halten sich für ausreichend kompetent und die meisten Urteile für angemessen – was in einem gewissen Kontrast zur Einschätzung der allgemeinen Bevölkerung steht, die Urteile der deutschen Strafjustiz tendenziell als „zu milde“ betrachtet, speziell im Fall jugendlicher Straftäterinnen und Straftäter. Zwei Drittel der Schöffinnen und Schöffen ist der Überzeugung, dass sie Einfluss auf die Urteilsfindung haben. Mehr als 80 Prozent würden ihr Amt noch einmal antreten.&nbsp;</p><p>Die Befragten brachten auch Verbesserungsvorschläge ein. So wünschen sich viele intensivere Vorbereitungskurse vor Amtsantritt und eine Akteneinsicht im laufenden Verfahren. Auch wurden eine umfassende Entbürokratisierung und Digitalisierung in der Justiz gefordert.</p><p>Im Laufe des Jahres 2023 finden die Wahlen der Schöffinnen und Schöffen für die nächste Amtsperiode statt. Sie beginnt am 1. Januar 2024 und dauert fünf Jahre. Ein Schöffenwahlausschuss an Amtsgerichten wählt die Laienrichterinnen und -richter für Amts- und Landgerichte. Die Schöffinnen und Schöffen sind sichtbarer Ausdruck einer Rechtsprechung „im Namen des Volkes“ und haben bei Urteilen gleiches Stimmrecht wie die Berufsrichterinnen und -richter. 80 Prozent der in der Studie befragten Schöffinnen und Schöffen haben sich auf eigene Initiative beworben. Die anderen wurden von Organisationen wie Parteien oder Gewerkschaften vorgeschlagen und – womöglich sogar widerwillig – von den Schöffenwahlausschüssen berufen.</p><h3>Originalpublikation</h3><p><a href="https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748942634/die-rolle-der-schoeffen-bei-absprachen-im-strafprozess?page=1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748942634/die-rolle-der-schoeffen-bei-absprachen-im-strafprozess?page=1</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-95005</guid><pubDate>Thu, 15 Jun 2023 20:00:00 +0200</pubDate><title>Zum Ursprung indigener Sprachen in Südamerika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zum-ursprung-indigener-sprachen-in-suedamerika/</link><description>Computerlinguist der Universität Tübingen untersucht die Verwandtschaftsbeziehungen der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie mit molekularbiologischen Methoden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tupí-Guaraní-Sprachfamilie, eine der größten innerhalb der indigenen Tupí-Sprachen Südamerikas, entstand einer neuen Studie zufolge im sechsten Jahrhundert v. Chr. im Becken des Rio Tapajós und des Rio Xingu, zwei großen Nebenflüssen des Amazonas, bei der heutigen Stadt Santarém im brasilianischen Bundesstaat Pará. Erstmals untersuchte Dr. Fabrício Ferraz Gerardi vom Seminar für Sprachwissenschaft der Universität Tübingen gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam die rund fünfzig Tupí-Guaraní-Sprachen mithilfe von molekularbiologischen Methoden. So konnte das Team mehr Licht in die Verwandtschaftsbeziehungen der Sprachen untereinander sowie ihre geografische und chronologische Entwicklung bringen. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.</p><p>Über die Geschichte der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie ist allgemein wenig bekannt. Sie umfasst rund 40 heute noch gesprochene Sprachen sowie mindestens weitere neun, die bereits ausgestorben sind. Die Zahl der Sprecherinnen und Sprecher pro Sprache reicht von weniger als einhundert, wie zum Beispiel bei Amondawa und Juma, bis zu sechs Millionen wie beim paraguayischen Guaraní. Nur einige wenige der Tupí-Guaraní-Sprachen, denen wir Wörter wie „Jaguar“ und „Piranha“ verdanken, wurden auch verschriftlicht. „Vor allem die ausgestorbenen Sprachen kennen wir aus vergangenen Jahrhunderten über notierte Lautschriften früherer Forscherinnen und Forscher“, berichtet Fabrício Gerardi.</p><h3>Vergleich der Grundvokabeln</h3><p>Für die Verwandtschaftsanalyse der verschiedenen Tupí-Guaraní-Sprachen nutzte das Forschungsteam vergleichende Aufstellungen von Grundvokabeln. Sind etwa die Wörter für „Bein“, „singen“ oder „Fledermaus“ in den untersuchten Sprachen gleich oder zumindest ähnlich? Oder teilen sie keinen gemeinsamen Wortstamm? „In der molekularbiologischen Verwandtschaftsanalyse zum Beispiel von verschiedenen Tier-<br> oder Pflanzenarten werden die jeweiligen Gensequenzen herangezogen. Es wird erhoben, welche Bereiche gleich oder ähnlich sind. Über die allgemeine zufällige Rate von Genveränderungen, die sogenannten Mutationen, lässt sich auch abschätzen, vor wie langer Zeit sich zwei verwandte Arten von einem gemeinsamen Vorfahren abgespalten haben“, erklärt der Computerlinguist Gerardi. Den Mutationen in den Genen bei biologischen Arten entsprechen Lautverschiebungen oder Ersetzungen bei verwandten Sprachen. So heißt der Tapir auf Tupinambá, einer der Tupí-Guaraní-Sprachen, „tapiʔir“, auf Awetí, einer Sprache, die sich von diesen Sprachen abgespalten hat, „tapiʔit“.</p><p>Über großangelegte Analysen von Vokabeln und grammatischen Strukturen der Tupí-Guaraní-Sprachen mit Algorithmen aus der Molekularbiologie lässt sich ein Familienbaum erstellen. „Wir wollten wissen, wie der Baum aussieht, wie stark verwandt einzelne Sprachen untereinander sind, wie alt jede Sprache ist und wann sie sich in Tochtersprachen aufgespalten hat“, sagt Gerardi.&nbsp;</p><h3>Zeitkalibrierung über archäologische Funde</h3><p>Das Verbreitungsgebiet der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie erstreckt sich in Breite und Länge jeweils über rund 4.000 Kilometer. „Teilweise haben wir archäologische Funde aus dem gleichen Gebiet, die wir den Einzelsprachen versuchen zuzuordnen. Zum Beispiel gibt es in den Sprachen bestimmte Wörter für die Beschreibung spezieller Eigenschaften der dort entdeckten Keramiken“, sagt der Computerlinguist. „Dadurch lässt sich ein zeitlicher und räumlicher Zusammenhang zwischen der Sprache und den archäologischen Funden herstellen. Die Keramiken konnten über die Radiokarbonmethode datiert werden – so haben wir indirekt eine zeitliche Kalibrierung der Sprachenentwicklung“, sagt Gerardi. Auf diesem Weg konnte er gemeinsam mit dem Forschungsteam den wahrscheinlichen Ursprungsort der Tupí-Guaraní-Sprachfamilie auf das Tapajós-Xingu-Becken vor rund 2.550 Jahren datieren. „Um unsere Ergebnisse besser abzusichern, müssten jedoch die archäologischen und linguistischen Befunde weiter erforscht werden.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Fabrício Ferraz Gerardi, Tiago Tresoldi, Carolina Coelho Aragon, Stanislav Reichert, Jonas Gregorio de Souza, Francisco Silva Noelli: Lexical Phylogenetics of the Tupí-Guaraní Family: Language, Archaeology, and the Problem of Chronology. PLOS ONE,&nbsp; <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0272226" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0272226</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-94978</guid><pubDate>Thu, 15 Jun 2023 14:14:57 +0200</pubDate><title>Karin Amos als Prorektorin wiedergewählt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/karin-amos-als-prorektorin-wiedergewaehlt-1/</link><description>Senat bestätigt die Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre für eine weitere Amtsperiode bis 2026</description><content:encoded><![CDATA[<p>Karin Amos gehört für eine weitere Amtsperiode der Leitung der Universität Tübingen an: Der Senat bestätigte die Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre am Donnerstag mit 28 von 33 Stimmen im Amt. Gegenkandidatinnen oder -kandidaten hatten sich nicht zur Wahl gestellt. Professorin Dr. Karin Amos wird damit ab 1. Oktober 2023 für weitere drei Jahre als nebenamtliche Prorektorin tätig sein. Im Herbst 2022 hatte sie zugestimmt, ihre Amtszeit vorerst um ein Jahr zu verlängern, um einen reibungslosen Wechsel im Rektorat zu gewährleisten.&nbsp;</p><p>Bereits seit 2013 ist Karin Amos, Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Tübingen, als Prorektorin für die Bereiche Studierende, Studium und Lehre zuständig. Die Erziehungswissenschaftlerin studierte Englisch und Geschichte für Lehramt an Gymnasien. Nach Stationen in Oakland, Kalifornien, Wien und Frankfurt am Main forscht und lehrt sie seit 2006 an der Universität Tübingen.</p><p>In ihrer bisherigen Amtszeit als Prorektorin begleitete sie vielfältige Themen, darunter die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf das Bachelor-/Master-System, den Aufbau der „Tübingen School of Education“ und den schrittweisen Ausbau digitaler Lehrangebote. Während der besonders herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie wurde diese Entwicklung wesentlich beschleunigt. Zugleich setzte Amos nach dem Ende der Pandemie konsequent auf die Rückkehr von Lehrenden und Studierenden auf den Campus. &nbsp;</p><p>„In den vergangenen zwei Semestern ging es darum, wieder in einen normalen Universitäts-Alltag zu finden und die Folgen der Pandemie-Zeit abzufedern“, sagt Karin Amos. Die Universität treibe weiterhin die Einbettung digitaler Elemente in die Präsenzlehre voran. Ein wichtiges Thema bleibe auch für die nächsten Jahre die weitere Internationalisierung der Lehre.&nbsp;</p><p>Am Herzen liege ihr, den Fokus auf Diversität und Inklusion stärker in die Routineprozesse der Universität einzubinden. Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen Fakultäten und Studierenden intensiviert und institutionalisiert werden. Hierfür soll ein neues Gremium geschaffen werden, das sich der Ausgestaltung von „learning communities“ widmet, „Wir möchten die Kommunikationsflüsse optimieren. Unter Teilhabe der Studierenden soll sich der Bereich Studium und Lehre auf innovative und anregende Weise weiterentwickeln können.“&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-94786</guid><pubDate>Mon, 12 Jun 2023 09:55:04 +0200</pubDate><title>Kinder-Uni-Forschungstag: Insekten unterm Mikroskop und Schleck-Eis aus dem Labor</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kinder-uni-forschungstag-insekten-unterm-mikroskop-und-schleck-eis-aus-dem-labor/</link><description>Am Kinder-Uni-Forschungstag ist nicht nur Zuhören, sondern vor allem Mitmachen angesagt – Anmeldung zu den 30 Workshops ab dem 16. Juni online möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Roboter zusammenbauen, an einer archäologischen Ausgrabung teilnehmen, Insekten untersuchen oder selbst hergestelltes Eis aus flüssigem Stickstoff genießen – der Kinder-Uni-Forschungstag ist traditionell ein Highlight des Sommersemesters. Ergänzend zu den Vorlesungen der Kinder-Uni (<a href="https://uni-tuebingen.de/de/62" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/62</a>), geht es am ersten Samstag im Juli nicht nur ums Zuhören, sondern vor allem ums Mitmachen. Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren können in kleineren Veranstaltungen und Workshops Institute der Universität kennenlernen und selbst mitforschen.</p><p>In diesem Jahr sind wieder viele Fachbereiche der Universität Tübingen vertreten, darunter Biologie, Chemie, Physik, Archäologie, Medizin, Amerikanistik, Psychologie und Robotik. Das komplette Programm des Kinder-Uni-Forschungstags gibt es auf <a href="https://uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/2626</a></p><p>Insgesamt 30 Workshops werden am Samstag, 1. Juli, verteilt auf drei Zeitfenster (10:15, 13:15 und 15:15 Uhr) angeboten. Eine Anmeldung über die Registrierungslinks auf dieser Website im Zeitraum vom 16. bis 29. Juni ist erforderlich und ausschließlich auf diesem Wege möglich.</p><p>Weitere Informationen: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/2626</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-94159</guid><pubDate>Thu, 25 May 2023 14:44:00 +0200</pubDate><title>Huch, habe ich das selbst getan – oder war das eine fremde Macht in meinem Kopf?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/huch-habe-ich-das-selbst-getan-oder-war-das-eine-fremde-macht-in-meinem-kopf/</link><description>Tübinger Forschende beschreiben Zusammenhang zwischen Handlung und Gefühl der Urheberschaft – Erkenntnis beleuchtet Phänomen der Fremdbestimmung bei Schizophrenie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Gefühl, dass eigene Handlungen durch äußere Kräfte kontrolliert werden, ist ein häufiges Merkmal der Schizophrenie-Erkrankung. Ein Forschungsteam am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Zentrum für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Tübingen hat nun das Phänomen der Fremdbestimmung genauer untersucht. In einer Studie stellte es fest, dass Personen mit solchem Erleben gegenüber gesunden Menschen die Zeitdauer zwischen eigenen Handlungen und ihren Konsequenzen anders wahrnehmen. Mit ihren neuen Ergebnissen könnten die Forschenden möglicherweise die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, mit der Gefühle der Fremdbestimmung auftreten und das Verständnis dieser Ich-Störung erweitern. Dies sei insofern relevant, da Konzepte wie Eigenverantwortung im Ich-Gefühl verankert sind und große Teile unseres gesellschaftlichen Lebens bis hin zur Rechtsprechung prägen, so das Team. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS erschienen.&nbsp;</p><p><strong>Wahrgenommener zeitlicher Zusammenhang</strong></p><p>„Um das Gefühl der Handlungsurheberschaft zu erforschen, haben wir uns auf den Aspekt der sogenannten Intentionalen Bindung konzentriert“, erklärt Co-Studienleiter Dr. Axel Lindner. Dieser Begriff beschreibe die wahrgenommene zeitliche Nähe zwischen einer Handlung und ihrer Konsequenz. Als Beispiel nennt Lindner das Anschalten einer Lampe: „Ich knipse den Schalter an und im gleichen Moment leuchtet die Glühbirne auf. Die enge zeitliche Abfolge hilft mir zu verstehen, dass ich es war, der das Licht angeschaltet hat.“&nbsp;</p><p>Nun gibt es Situationen, in denen die Abfolge nicht ganz so eng getaktet ist – wie etwa bei Energiesparlampen, die erst zeitverzögert hell werden. „Hier verändert unser Gehirn die Wahrnehmung der Handlung und deren Konsequenz subjektiv: Das Einschalten des Schalters wird als später und das Aufleuchten als früher wahrgenommen, als dies tatsächlich der Fall ist. „Ein cleverer Mechanismus – der allerdings bei Patientinnen und Patienten mit Ich-Störungen nicht funktioniert, wie wir jetzt herausgefunden haben“, so der Neurobiologe.&nbsp;</p><p>In Zusammenarbeit mit Professor Marc Buehner von der Universität Cardiff (UK) rekrutierte das Tübinger Team 20 gesunde Probanden und 20 Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie. Zehn von ihnen litten an dem Gefühl, von außen fremdbestimmt zu werden. Alle Versuchspersonen absolvierten die gleiche Aufgabe: Sie mussten mit der rechten Hand per Tastendruck angeben, wann sie eine Lampe aufleuchten sahen. Dabei gab es drei verschiedene Versuchsbedingungen: In einer wurde die Lampe durch einen Schalter mit der linken Hand selbst angemacht. In einer anderen beobachteten die Probanden, wie eine Maschine das Anschalten für sie erledigte. Als Kontrolle gab es Durchgänge in denen das Aufleuchten der Lampe lediglich durch einen vorausgegangenen Hinweisreiz angekündigt wurde.&nbsp;</p><p>„Der Clou des Versuchsaufbaus war, dass die Lampe in allen Durchgängen eine feste Einschaltverzögerung von einer halben Sekunde hatte“, berichtet der Erstautor der Studie Manuel Roth. „Das Intervall zwischen den drei vermeintlichen Auslösern und dem Aufleuchten der Testlampe war damit stets gleich lang.“</p><p><strong>Intentionale Bindung als messbares Phänomen</strong></p><p>Das nahmen die Probanden aber anders wahr. Bei den Durchgängen, in denen die Probanden vorab einen Schalter drücken mussten, zeigten gesunde und erkrankte Personen ohne Ich-Störung eindeutig eine Intentionale Bindung, berichten die Forschenden. Die Probanden signalisierten das Aufleuchten der Lampe deutlich früher, als es tatsächlich geschah. Sie nahmen die Zeitdauer auch kürzer wahr als in den Durchgängen, in denen entweder die Maschine den Schalter gedrückt hat oder in denen lediglich ein Hinweisreiz vorab erfolgte. Hier nahmen die Teilnehmenden den Zeitraum bis zum Aufleuchten der Lampe als länger wahr.</p><p>Bei Patienten mit Ich-Störung kam der Mechanismus der Intentionalen Bindung dagegen nicht zum Tragen. Sie empfanden das Zeitintervall in allen drei Durchgängen als gleich lang. „Tatsächlich berichteten sie nach den Durchgängen, in denen sie selbst den Schalter betätigen mussten, dass wohl ein Computer als äußere Kraft die Lampe angeschaltet hätte.“ Dementsprechend erlebten sie sich auch im Alltag umso stärker fremdbestimmt, je schwächer bei ihnen die Intentionale Bindung ausgeprägt war.&nbsp;</p><p>Die Studie unterstreiche die Bedeutung einer intakten Wahrnehmung der zeitlichen Nähe zwischen Handlung und Konsequenz für das Gefühl der Urheberschaft, schreibt das Team. Sie erweitere auch das Verständnis für das verminderte Handlungsempfinden von Schizophrenie-Erkrankten mit Kontrollwahn. Die Forschenden hoffen, dass solche einfachen mechanistischen Erklärungen künftig verwendet werden können, um die Ausprägung der Ich-Störung bei Schizophrenie quantitativ zu bewerten und die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens vorhersagen zu können.&nbsp;</p><p>„Bei unserer Studie handelt es sich bislang um reine Grundlagenforschung an einer kleinen Gruppe, die keine unmittelbare Verbesserung für Erkrankte liefern kann“, erklären die Neurobiologen Roth und Lindner. „Allerdings gibt die Studie wichtige Hinweise darauf, wie man die Selbstwahrnehmung stärken könnte. Ob das möglich ist, müssen künftige Studien zeigen.“ Die Arbeit mache ein psychisches Problem mit relativ einfachen Mechanismen nachvollziehbar, sagt Lindner: „Allein diese Erkenntnis könnte betroffenen Patientinnen und Patienten bereits helfen und die gesellschaftliche Akzeptanz der Erkrankung verbessern.“</p><h3><strong>Originalpublikation:</strong></h3><p>Roth, M.J. et al (2023): Impaired perception of temporal contiguity between action and effect is associated with disorders of agency in schizophrenia. PNAS, 120 (21) e2214327120<br><a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2214327120" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2214327120</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-94240</guid><pubDate>Wed, 24 May 2023 15:04:32 +0200</pubDate><title>Studie zur Wirkung der Tübinger Verpackungssteuer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studie-zur-wirkung-der-tuebinger-verpackungssteuer/</link><description>Die Steuer hat Müllmenge nicht messbar reduziert, Mehrweg-Angebote von Restaurants und Cafés aber stimuliert – Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts für heute erwartet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung einer Steuer auf Verpackungen von Takeaway-Essen und -Getränken im Januar 2022 hat die Müllmenge in den städtischen Abfalleimern von Tübingen, gemessen am Gewicht, nicht reduziert. Mit diesem Ziel hatte der Gemeinderat die Steuer 2020 verabschiedet. Das Angebot an Mehrweg-Verpackungen wurde durch die Steuer aber stark stimuliert, was Tübingen weiterhin zur Stadt in Deutschland mit den meisten Restaurants und Cafés pro Kopf macht, die Essen und Getränke in Mehrwegschalen und -bechern anbieten.&nbsp;</p><p>Zu diesen Ergebnissen kommt Stefan Moderau in seiner Doktorarbeit am Lehrstuhl für International Business Taxation der Universität Tübingen. Für Interviews zu seiner Studie steht er gerne zur Verfügung.&nbsp;</p><p>Am heutigen Mittwoch prüft das Bundesverwaltungsgericht die Verpackungssteuer. Bereits im März 2022 hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg die Steuer für unwirksam erklärt. Die Stadt Tübingen hat daraufhin Revision eingelegt. Eine Entscheidung wird heute noch erwartet.</p><p>Ein Fachartikel von Stefan Moderau zu seiner Untersuchung kann auf der <a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-wirtschaftswissenschaft/wirtschaftswissenschaft/lehrstuehle/betriebswirtschaftslehre/international-business-taxation/team/stefan-moderau-msc/" class="internal-link" title="Zum Download-Link auf der Homepage von Stefan Moderau">Homepage von Stefan Moderau</a> heruntergeladen werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-94051</guid><pubDate>Mon, 22 May 2023 10:00:28 +0200</pubDate><title>Wilhelm Schickard erfand vor 400 Jahren die Rechenmaschine</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wilhelm-schickard-erfand-vor-400-jahren-die-rechenmaschine/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen stand im Austausch mit dem Astronomen Johannes Kepler – Erfindung geriet in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs in Vergessenheit 
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Brief des Tübinger Universalgelehrten Wilhelm Schickard an den berühmten Astronomen Johannes Kepler vom 20. September 1623 belegt die Erfindung der ersten mechanischen Rechenmaschine: „Ferner habe ich dasselbe, was Du rechnerisch gemacht hast, kürzlich auf mechanischem Wege versucht und eine aus elf vollständigen und sechs verstümmelten Rädchen bestehende Maschine konstruiert.“ Mit feinen Linien skizzierte Schickard den Bauplan seiner Erfindung.&nbsp;</p><p>Die Konstruktion konnte mit maximal sechsstelligen Zahlen in allen Grundrechenarten operieren: Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Vor allem aber gelang ihr der automatische Zehnerübertrag, bei dem wahrscheinlich eine kleine Glocke schlug, wenn die letzte Ziffer von 9 auf 0 sprang. Bewegungen von Himmelskörpern konnte Schickard nun einfacher und schneller berechnen als per Kopf und Hand.&nbsp;</p><p>Das zentrale Bauteil der Rechenmaschine war ein Addierwerk mit sechs Zahnrädern, über die jeweils die Ziffern von 0 bis 9 eingestellt und zum Addieren im Uhrzeigersinn gedreht werden konnten, zum Subtrahieren gegen den Uhrzeigersinn. Für die Multiplikation integrierte Schickard ein System, das an die Rechenstäbchen des schottischen Gelehrten John Napier erinnert, und kombinierte sie mit den Rädern des Addierwerks, die den Multiplikator definierten. Die Zahlen mussten nur noch eingestellt und die Ergebnisse abgelesen werden – die eigentliche Rechenoperation aber erledigte die Maschine.</p><p>Die Tübinger Rechenmaschine stand in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Aufschwung der exakten Wissenschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Arbeiten der Astronomen Tycho Brahe, Galileo Galilei und Johannes Kepler hatten gezeigt, dass Naturphänomene – wie etwa die Bewegung der Planeten – durch Beobachten, Messen und Berechnen präzise vorhergesagt werden konnten. Auch von Seiten der Politik wurden die Naturwissenschaften ernstgenommen und gefördert, galt es doch vielen Zeitgenossen als ausgemacht, dass aus der Stellung der Himmelskörper auch die Zukunft berechnet werden könne. Mit den zunehmend komplexeren Berechnungen in den noch jungen Naturwissenschaften stiegen die mathematischen Anforderungen. Das Rechnen mit großen Zahlen aber ist fehleranfällig. „Insbesondere beim Addieren größerer Zahlenreihen hätte Schickards Rechenmaschine zu einer Erleichterung führen können, da sie helfen konnte, Rechenfehler zu vermeiden“, erklärt der Tübinger Informatiker Professor Herbert Klaeren. &nbsp; &nbsp;</p><p>„In Schickards Konstruktion sind die Kernelemente der Informatik enthalten“, sagt Professor Oliver Bringmann, Sprecher des Fachbereichs Informatik an der Universität Tübingen. „Sie definiert Rechenvorschriften und wendet sie gleich in einem automatisierten Verfahren an.“ Erst im 18. Jahrhundert sollten Rechenmaschinen mit höherer Leistungsfähigkeit gebaut werden.&nbsp;</p><p>Das Konstruieren und Experimentieren begleitete Schickards Wirken an der Universität Tübingen. Der Theologe wurde 1619 zum Professor für Hebräisch und andere biblische Sprachen berufen. Für seine Studierenden entwickelte er eine Lernhilfe aus aufeinander liegenden, drehbaren Scheiben mit hebräischen Verben und Endungen. So konnten sie sich die komplizierten Konjugationen leichter merken. Selbst Isaac Newton besaß ein Exemplar. Im Jahr 1631 wurde Schickard als Nachfolger des Astronomen und Mathematikers Michael Mästlin auf die Professur für Astronomie, Mathematik und Geodäsie berufen. Durch ein Handplanetarium stellte er die Bewegungen von Sonne, Erde und Mond dar, eine konisch geformte Himmelskarte erleichterte das Auffinden der Sternbilder. Als Schulaufseher inspizierte er Lateinschulen in Württemberg und vermaß auf seinen Reisen das Land. Anschließend zeichnete er aus den Daten viel genauere Karten, als es sie bis dahin gegeben hatte.&nbsp;</p><p>Johannes Kepler, der wie Schickard an der Universität Tübingen studiert hatte, wurde bereits im Jahr 1617 auf den jüngeren, „Mathematik liebenden“ Kollegen aufmerksam. Offensichtlich erkannte Kepler bei dieser Begegnung sofort den gewaltigen Intellekt des jungen Schickard und ermutigte ihn, sich mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen. Fortan korrespondierten Kepler und Schickard miteinander und es kam zu weiteren Treffen, nachdem Kepler 1620 nach Württemberg heimkehrte, um seiner Mutter in einem Hexereiprozess beizustehen. Der Astronom schätzte Schickards handwerkliches und künstlerisches Geschick und beauftragte ihn mit Kupferstichen und Holzschnitten für sein epochales Werk „Harmonice mundi“, in dem Kepler die Gesetze der Planetenbewegungen formulierte. Schickard seinerseits wusste um die vielen Stunden, die Kepler mit der Berechnung von Planetenbahnen verbrachte. Diese Aufgabe wollte er seinem Freund offenbar erleichtern.</p><h3>Präsentation von 20 Euro-Sammlermünze und Sonderbriefmarke</h3><p>Er gab den Bau einer „Rechen-Uhr“ – so seine eigene Bezeichnung – bei seinem „Mechanicus“ Johann Pfister in Auftrag. Der baute im Jahr 1623 ein Exemplar für Schickard und später ein zweites Exemplar, das für Kepler bestimmt war. Keplers Exemplar wurde noch in Pfisters Werkstatt durch ein Feuer vernichtet.&nbsp;</p><p>Schickards Leben endete tragisch. In der Anfangszeit des Dreißigjährigen Kriegs konnte sich die Stadt Tübingen durch hohe Geldzahlungen vor Zerstörung bewahren. Doch nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen im Jahr 1634 quartierten sich kaiserliche Truppen in Tübingen ein und brachten die Pest mit. Zuerst raffte die Seuche Schickards Frau und seine drei Töchter dahin. Schickard selbst erkrankte, konnte sich aber erholen. Im Oktober 1635 erkrankte er erneut und starb, einen Tag vor seinem neunjährigen Sohn.&nbsp;</p><p>Nach dem Pest-Tod von Schickard und seiner Familie ging das Wissen um die Rechenmaschine und Schickards Exemplar in den Wirren des 30-jährigen Kriegs verloren. Historiker erklärten irrtümlicherweise den französischen Philosophen Blaise Pascal, der zwanzig Jahre später eine eigene mechanische Rechenmaschine entwickelte, zu ihrem Erfinder. Schickards Skizzen tauchten jedoch über Umwege wieder auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es, die Maschine an der Universität Tübingen zu rekonstruieren und ihre Funktionsfähigkeit nachzuweisen. 1960 wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert. Nachbauten befinden sich heute unter anderem in der Computersammlung der Universität Tübingen und im Tübinger Stadtmuseum.&nbsp;</p><p><strong>Die Universität Tübingen wird das 400-Jahr-Jubiläum von Schickards Erfindung am 14. September 2023 mit einem Festakt in der Neuen Aula begehen.</strong> Im Rahmen der Veranstaltung präsentiert das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit der Universität eine 20-Euro-Sammlermünze und eine 85-Cent-Sonderbriefmarke zu Ehren von Wilhelm Schickard und seiner Erfindung. Im Anschluss veranstaltet der Fachbereich Informatik der Universität Tübingen das Symposium „Von der mechanischen Rechenmaschine zum Quantencomputing“.</p><p><br> Wer die Funktionsweise der Rechenmaschine besser verstehen will, kann sich über diesen Link eine App herunterladen und einfach Rechenaufgaben lösen: <a href="https://mathematikalpha.de/schickardsche-rechenmaschine" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://mathematikalpha.de/schickardsche-rechenmaschine</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-93898</guid><pubDate>Tue, 16 May 2023 14:46:50 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen übernimmt CIVIS-Präsidentschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-uebernimmt-civis-praesidentschaft/</link><description>Rektorin Karla Pollmann führt europäische Universitätsallianz für ein halbes Jahr – Mitgliedsversammlung mit öffentlichen Veranstaltungen in Tübingen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Zum 1. April 2023 hat die Universität Tübingen die Präsidentschaft in der Europäischen Universitätsallianz CIVIS übernommen. Tübingen kooperiert hier mit zehn weiteren europäischen Universitäten, um den Studierendenaustausch und die Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu fördern. Die Präsidentschaft wechselt halbjährlich zwischen den beteiligten Institutionen, bis Ende September 2023 übernimmt die Tübinger Rektorin Professorin Karla Pollmann die Führung.</p><p>Pollmann legt in ihrer Amtszeit einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit: „Wir wollen die ‚grüne‘ Mobilität zwischen den Partnern fördern. Nachhaltigkeit heißt auch, gute Entscheidungen zu treffen, ob ein Treffen überhaupt eine Reise erfordert.“ Es gelte, Online-Formate und Präsenztermine effektiv miteinander zu verbinden. Als weiterer Schwerpunkt sollen die strategischen Partnerschaften des Bündnisses mit afrikanischen Universitäten weiter ausgebaut werden.</p><p>Im Rahmen der Präsidentschaft ist die Universität auch Gastgeberin der jährlichen Konferenz der Mitgliedsuniversitäten. Die <span lang="en" dir="ltr">„CIVIS Days“</span> finden vom 24. bis 26. Mai 2023 in Tübingen statt. Erwartet werden über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeitende aus der Verwaltung aller europäischen CIVIS-Partner.</p><p>Auch bei den CIVIS Days wurde auf Nachhaltigkeit Wert gelegt, etwa mit lokalen Produkten oder einem Verzicht auf Verpackungen. Neben Veranstaltungen zur Allianz-internen Zusammenarbeit stellt sich CIVIS in mehreren Terminen vor, zu denen die interessierte Öffentlichkeit und Medien herzlich eingeladen sind:</p><p>► Am <strong>Mittwoch, 24. Mai, wird die Tagung um 16:00 Uhr im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister-Scholl-Platz) eröffnet</strong> mit dem Thema „<span lang="en" dir="ltr">CIVIS: a Sustainably Connected Alliance</span>” (Veranstaltung auf Englisch).</p><p>CIVIS steht als Bündnis für einen freien Austausch und eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Partnerhochschulen. Wie kann dies dauerhaft und umweltverträglich umgesetzt werden? Diese Fragen werden zur Eröffnung diskutiert. Es sprechen Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität der Universität Tübingen, und Dr. Daniela Trani, Universität Maastricht (<span lang="en" dir="ltr">Keynote: Building Strong Alliances</span>). Studierende aus CIVIS-Partneruniversitäten berichten über ihre Austauscherfahrungen innerhalb der Allianz. Expertinnen und Experten diskutieren zudem die CIVIS-Kernanliegen: Förderung des Umweltbewusstseins und der Nachhaltigkeit; Integration und Vielfalt; Ausbau der Partnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent und Einbindung gesellschaftlicher Akteure in die Aktivitäten der Allianz.</p><p>► Am <strong>Donnerstag, 25. Mai,</strong> werden Forschungsarbeiten der CIVIS Hubs vorgestellt. Die Hubs sind thematische Schwerpunkte, in denen gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre gestaltet werden. Auch diese Veranstaltungen finden in englischer Sprache in der Neuen Aula statt.</p><ul><li><strong>14:00 bis 15:45 Uhr, Festsaal – <span dir="ltr" lang="en">Hub 3: Possible Futures in Medicine and Health</span></strong></li></ul><p>In Kurzvorträgen stellen Forscherinnen und Forscher aktuelle Entwicklungen der Medizin vor, etwa den Einsatz künstlicher Intelligenz. Auch Zusammenhänge von Sozialpolitik und Gesundheit oder die Zukunft der medizinischen Ausbildung werden beleuchtet. Mit abschließender Diskussionsrunde.</p><ul><li><strong>14:00 bis 15:45 Uhr, Audimax – <span dir="ltr" lang="en">Hub 4: Foodscapes and Postcolonial Landscapes as Fields for Interdisciplinarity</span></strong></li></ul><p>Forschende des Schwerpunkts „Städte, Räume, Mobilität" geben Einblicke in ihre Arbeit. Zudem diskutieren sie am Beispiel des Themas „<span lang="en" dir="ltr">Foodscapes</span>“ (Nahrungslandschaften) und Postkolonialismusforschung das Potenzial für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.</p><ul><li><strong>16:15 bis 18:00 Uhr, Festsaal – <span dir="ltr" lang="en">Hub 1: </span><span dir="ltr" lang="en">Taking on Wicked Problems in the Anthropocene. What Is the Role of Education</span>?</strong></li></ul><p>Klima-, Umwelt- und Energiekrise stellen die Menschheit vor komplexe Herausforderungen. Lehrende zeigen auf, wie die Bildung der Zukunft aussehen muss, um junge Menschen in die Lage zu versetzen, diese Probleme zu lösen, und was CIVIS dazu beitragen kann.</p><ul><li><strong>16:15 bis 18:00 Uhr, Audimax – <span dir="ltr" lang="en">Hub 2: Cultural Heritage – Global Challenges</span></strong></li></ul><p>Forschende verschiedener Disziplinen diskutieren die Herausforderungen, die sich aus den globalen Bemühungen um den Erhalt des kulturellen Erbes ergeben. Themen sind unter anderem die Definition (im-)materieller Güter, der Umgang mit Eigentum sowie die Problematik der separatistischen Identitätspolitik.</p><ul><li><strong>14:00 bis 15:45 Uhr, Kleiner Senat – <span dir="ltr" lang="en">Hub 5: Making/Seeking/Sharing Homes and Being at Home in a Digital Age</span></strong></li></ul><p>Wie sich die digitale Transformation auf unser Verständnis von „Zuhause“ auswirkt, steht im Zentrum dieses Themenblocks. Welche Möglichkeiten und Risiken ein Zuhause im digitalen Zeitalter birgt, soll zudem in einer Diskussionsrunde mit allen Teilnehmenden erörtert werden.</p><p>► <strong>Gesamtprogramm</strong> der <span lang="en" dir="ltr">CIVIS Days</span>: <a href="https://civis.eu/en/civis-days-2023" target="_blank" rel="noreferrer">https://civis.eu/en/civis-days-2023</a>;&nbsp;<br><strong>Öffentliche Veranstaltungen:&nbsp;</strong><br><a href="https://civis.eu/en/civis-days-2023/civis-days-2023-public-events" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://civis.eu/en/civis-days-2023/civis-days-2023-public-events</a>&nbsp;<br><strong>Anmeldung zur Teilnahme per Videostream:</strong><br><a href="https://mobility.civis.eu/e/6447e3186ab72878d50001b4" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://mobility.civis.eu/e/6447e3186ab72878d50001b4</a>&nbsp;</p><p>Die <strong>Europäische Hochschulallianz<span lang="en" dir="ltr"> CIVIS – A European Civic University</span></strong> wird seit 2019 als „Europäische Hochschule“ im Rahmen des ERASMUS+-Programms gefördert. Mitglieder sind neben Tübingen auch die Universität Aix-Marseille, die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen, die Universität Bukarest, die Freie Universität Brüssel, die Universität Glasgow, die Universität Lausanne, die Autonome Universität Madrid, die Sapienza Universität Rom, die Paris Lodron Universität Salzburg und die Universität Stockholm. Im vergangenen Jahr haben die CIVIS-Mitglieder zudem ein Abkommen zur strategischen Partnerschaft mit sechs Universitäten auf dem afrikanischen Kontinent geschlossen – der Makerere University (Uganda), der Eduardo Mondlane University in Maputo (Mosambik), der Université de Hassan II de Casablanca (Marokko), der University of Sfax (Tunesien), der Université Cheikh Anta Diop de Dakar (Senegal) und der University of the Witwatersrand in Johannesburg (Südafrika). Die Zusammenarbeit in der Allianz konzentriert sich auf die fünf Bereiche Umwelt und Klimaschutz, Gesellschaft und kulturelles Erbe, Gesundheit, Städte, Räume und Mobilität sowie digitaler und technologischer Wandel. (Website: civis.eu)</p><p>Die <span lang="en" dir="ltr">CIVIS Days</span> werden gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) sowie der Europäischen Union.</p><p><strong>CIVIS an der Universität Tübingen:&nbsp;</strong><br><a href="https://uni-tuebingen.de/international/universitaet/netzwerke/civis/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/international/universitaet/netzwerke/civis/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-93700</guid><pubDate>Thu, 11 May 2023 16:35:51 +0200</pubDate><title>300.000 Jahre alte Momentaufnahme: Älteste menschliche Fußabdrücke aus Deutschland gefunden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/300000-jahre-alte-momentaufnahme-aelteste-menschliche-fussabdruecke-aus-deutschland-gefunden/</link><description>Drei fossile Fußabdrücke von Homo heidelbergensis zwischen prähistorischen Elefantenspuren in der niedersächsischen Fundstelle Schöningen entdeckt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schöningen/Tübingen, 12.05.2023.</strong> In einer heute im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>Quaternary Science Reviews</em></span> erschienenen Studie stellt ein internationales Forschungsteam rund um Forschende der Universität Tübingen und des <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> die frühesten aus Deutschland bekannten menschlichen Fußabdrücke vor. Die Spuren wurden im etwa 300.000 Jahre alten paläolithischen Fundstellenkomplex Schöningen in Niedersachsen entdeckt. Umgeben sind die vermutlich von Homo heidelbergensis stammenden Abdrücke von mehreren Tierspuren – gemeinsam zeichnen sie ein Bild des damaligen Ökosystems. Finanziert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Universität Tübingen.</p><p>In einem von Gräsern bewachsenen offenen Birken- und Kiefernwald liegt ein wenige Kilometer langer und einige hundert Meter breiter See. An dessen schlammigen Ufern finden sich Herden von Elefanten, Nashörnern und Paarhufern ein, um zu trinken oder zu baden. Inmitten dieser Szenerie steht eine Kleinfamilie der „Heidelberger Menschen“, einer heute ausgestorbenen Menschenart.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-93157</guid><pubDate>Wed, 03 May 2023 08:00:00 +0200</pubDate><title>Hans Bausch Mediapreis geht an Felix M. Simon</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hans-bausch-mediapreis-geht-an-felix-m-simon/</link><description>Ausgezeichnete Arbeit dokumentiert drohende Abhängigkeitsspirale der Medien von künstlicher Intelligenz und digitalen Plattformunternehmen – Preisverleihung per Livestream am Mittwoch, 10.05.2023, ab 18:30 Uhr</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Hans Bausch Mediapreises hat entschieden: Felix M. Simon wird für seinen Beitrag „Uneasy Bedfellows: AI in the News, Platform Companies and the Issue of Journalistic Autonomy“ ausgezeichnet, der 2022 in der Fachzeitschrift Digital Journalism erschienen ist. In der Öffentlichkeit ist eine Debatte über die Chancen und Gefahren von künstlicher Intelligenz (KI) entbrannt. Simons Beitrag zu diesem hochaktuellen Thema vertritt die These, dass die Einführung von künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus trotz aller Vorteile die Gefahr birgt, dass die Medien noch abhängiger von den großen Plattformunternehmen wie Microsoft, Google oder Amazon werden.</p><p><strong>Beitrag beleuchtet mögliche Risiken der KI-Abhängigkeiten</strong><br> Felix M. Simon veranschaulicht, wie auch im Journalismus künstliche Intelligenz an Relevanz gewinnt und wie dadurch neue infrastrukturelle Abhängigkeiten entstehen können. Er beschreibt die Gefahr einer schleichenden Unterwanderung der Autonomie der Medien, falls sie sich bspw. in technologische „Black Boxes“ begeben oder noch stärker an den Werten und den Logiken der Plattformunternehmen orientieren. Weiter zeigt Simon auf, dass eine Ausweitung der Macht von Plattformfirmen durch künstliche Intelligenz im Journalismus dazu führen könnte, dass Medienhäuser in ihrer Position als wichtige Gatekeeper zur öffentlichen Sphäre noch weiter geschwächt werden und damit ihrer demokratischen Funktion immer schlechter nachkommen können.</p><p><strong>Begründung der Jury</strong><br> Die Jury lobt die analytische Schärfe und große Sachkenntnis Simons. Der Beitrag mache deutlich, dass die Entwicklung und Verbreitung künstlicher Intelligenz gesellschaftliche Macht neu verteilt.</p><p>SWR Intendant Kai Gniffke fasst die Begründung der Jury zusammen: „Künstliche Intelligenz und die damit zusammenhängenden Technologien werden unser Leben und unsere Arbeit revolutionieren. Daher wird es immer wichtiger, die soziale Bedeutung und die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI zu betrachten – genau hier setzt der Aufsatz von Felix Simon an. Er ist eine kritische Betrachtung von Herausforderungen und Möglichkeiten für die Forschung aber auch für den praktischen Umgang mit KI.“</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Karla Pollmann, gratuliert: &nbsp;<br> „Felix Simon leistet mit seiner Recherche einen wichtigen Beitrag zur Debatte, die wir jetzt führen müssen: Nur wenn wir verstehen, welche Chancen wie auch Risiken die Digitalisierung für unsere Gesellschaft und die Demokratie birgt, können wir angemessen damit umgehen. Die Universität Tübingen sieht sich in der Verantwortung, nicht nur zur Weiterentwicklung von KI beizutragen, sondern auch zur einer ethisch-kritischen Reflexion über ihre Auswirkungen.“</p><p><strong>Über den Autor</strong><br> Felix M. Simon ist Journalist, Kommunikationsforscher und Doktorand am Oxford Internet Institute (OII), Knight News Innovation Fellow am Tow Center for Digital Journalism der Columbia University und Affiliate am Center for Information, Technology, and Public Life (CITAP) an der University of North Carolina at Chapel Hill. Außerdem arbeitet er als Forschungsassistent am Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) und schreibt und kommentiert regelmäßig für verschiedene internationale Medien über Technologie, Medien und Politik. Als Mitglied des Leverhulme-Promotionskollegs "Publication beyond Print" und OII-Dieter Schwarz Scholar erforscht er derzeit die Auswirkungen von KI auf den Journalismus und die Nachrichtenindustrie.&nbsp;</p><p><strong>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR</strong><br> Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Dies wird insbesondere durch die Verleihung des gleichnamigen Mediapreises in Höhe von 5.000 Euro verwirklicht, der einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen wird. Bei der Verleihung des Preises kooperiert der SWR eng mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.</p><p><strong>Fachjury aus Medienpraxis und -forschung</strong><br> Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg&nbsp;</li><li>Thomas Dauser, SWR Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung&nbsp;</li><li>Professor Sascha Dickel, Arbeitsbereich Mediensoziologie und Gesellschaftstheorie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz&nbsp;</li></ul><p><strong>Information für Journalistinnen und Journalisten:&nbsp;</strong><br> Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 10. Mai 2023, in der Alten Aula in Tübingen (Münzgasse 30) statt. Beginn der Veranstaltung mit Begrüßung ist ab 18:00 Uhr, Beginn des Livestreams ab 18:30 Uhr. Journalistinnen und Journalisten können entweder an der Veranstaltung vor Ort oder per Livestream teilnehmen. Wir bitten darum, sich bis zum 08. Mai anzumelden unter: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mqoowpkmcvkqpBuyt0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kommunikation<span style="display:none">spam prevention</span>@swr.de</a>.</p><p><strong>Mehr zum Thema&nbsp;</strong><br><a href="https://www.swr.de/unternehmen/hans-bausch-mediapreis-100.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.swr.de/unternehmen/hans-bausch-mediapreis-100.html</a></p><p class="align-right"><em>Pressemitteilung des SWR</em></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-92755</guid><pubDate>Fri, 21 Apr 2023 09:00:00 +0200</pubDate><title>Giftigkeit von Medikamenten in Gewässern hängt auch vom Säuregehalt ab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/giftigkeit-von-medikamenten-in-gewaessern-haengt-auch-vom-saeuregehalt-ab/</link><description>Studie der Universität Tübingen führt zur Senkung des EU-Umweltgrenzwertes für das Schmerzmittel Ibuprofen</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-92677</guid><pubDate>Thu, 20 Apr 2023 09:00:00 +0200</pubDate><title>Die Tübinger Kinder-Uni startet am 2. Mai</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-tuebinger-kinder-uni-startet-am-2-mai/</link><description>In Vorlesungen geht es unter anderem um das Kolosseum in Rom, unseren Mond und künstliche Intelligenz ‒ Kinder-Uni-Forschertag am Samstag, 1. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Kinder-Uni findet auch in diesem Semester wieder statt. Mit der beliebten Vorlesungsreihe heißt die Universität alle interessierten Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren willkommen. Jeweils dienstags um 17:00 Uhr geht es im Hörsaal 25 (Kupferbau, Hölderlinstraße 5) um Gladiatorinnen und Gladiatoren im antiken Rom, warum es manche Kinder in der Schule leichter haben als andere und warum Vögel singen.&nbsp;</p><p>Eine Anmeldung ist nicht nötig. Eltern sind willkommen, werden jedoch gebeten, die Sitzplätze den Kindern zu überlassen und ggf. in den hinteren Reihen Platz zu nehmen.</p><p>Alle Informationen unter: <a href="/universitaet/im-dialog/kinder-uni/" class="internal-link">uni-tuebingen.de/kinder-uni</a>.&nbsp;</p><h3>Dienstag, 2. Mai</h3><p><strong>Prof. Dr. Cristina Murer: Warum haben die Römer das&nbsp;Kolosseum in Rom gebaut?</strong><br> Die berühmtesten Gladiatoren der Antike, die wildesten Tiere aus den exotischen Ländern und sogar legendäre Seeschlachten – all das gab es im Kolosseum, der berühmtesten Spielstätte des antiken Roms, zu sehen. Doch was brachte die Römer vor fast 2000 Jahren dazu, das größte Amphitheater dieser Zeit in Rom zu errichten und warum ist das Kolosseum so einzigartig?</p><h3>Dienstag, 9. Mai</h3><p><strong>Prof. Dr. Christoph Fasel: Warum dürfen Journalist:innen nicht lügen?</strong><br> Wir alle benötigen wahrheitsgemäße Informationen. In dieser Vorlesung werden wir besprechen, warum Journalistinnen und Journalisten sich beispielsweise verpflichten, zu überprüfen, ob ihre Informationen auch stimmen – und wie wir zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden können. Wie können wir selbst Quellen prüfen und kritisch hinterfragen, um beispielsweise Fake News zu entlarven?</p><h3>Dienstag, 16. Mai</h3><p><strong>Prof. Dr. Claudia Friedrich und Prof. Dr. Caterina Gawrilow: Warum haben manche&nbsp;Kinder gute Noten und andere nicht?</strong><br> In diesem Vortrag berichten wir über Superkräfte in der Schule. Manche Kinder nutzen sie besser als andere. Denn während manche Kinder scheinbar mühelos durch die Schulzeit gehen, haben andere mit den gleichen Herausforderungen stärker zu kämpfen. Woran kann das liegen? Wir werden diskutieren, welche Rolle Anstrengung und Begabung spielen und wie diese beiden Faktoren zusammenspielen. Außerdem werden wir uns ansehen, ob es Unterschiede in der schulischen Leistung zwischen Jungen und Mädchen gibt und wie dies zu erklären ist. Schließlich sehen wir uns an, welche Rolle die Bildung der Eltern spielt.</p><h3>Dienstag, 23. Mai</h3><p><strong>Auguste Schulz und KI-Makerspace: Warum schwindelt künstliche Intelligenz&nbsp;manchmal?</strong><br> In vielen Geräten, die wir benutzen, steckt heutzutage künstliche Intelligenz (KI). Das ist wie ein kleines Computer-Gehirn, das Denkaufgaben für uns erledigen kann. Zum Beispiel kann es uns helfen, unsere Hausaufgaben zu machen, indem es uns sagt, welche Antworten richtig oder falsch sind. Oder es kann uns helfen, ein Spiel zu gewinnen, indem es uns zeigt, wie wir besser werden können. Aber manchmal macht die künstliche Intelligenz auch Fehler und das kann dazu führen, dass sie uns falsche Antworten gibt. Sehr oft verrät sie uns dabei aber nicht, dass sie geschwindelt hat und sich unsicher war. In dieser Vorlesung lernen wir, warum KI manchmal Fehler macht und was das für uns bedeutet. Außerdem erfahren wir mehr über den Tübinger KI-Makerspace und sein abwechslungsreiches Angebot für Schülerinnen und Schüler.</p><h4><em>Bitte beachten Sie: Die beiden Termine im Juni wurden getauscht.</em></h4><h3>Dienstag, 13. Juni</h3><p><strong>Prof. Dr. Lena Veit: Warum singen Vögel?</strong><br> Singvögel sind nicht nur schön anzusehen und zu hören, sondern auch erstaunlich schlau. Sie lernen ihren Gesang von ihren Eltern. In dieser Vorlesung werden wir uns damit beschäftigen, warum Singvögel singen und welche Funktion ihr Gesang hat. Wir werden uns auch anschauen, wie Singvögel ihren Gesang lernen. Durch diese Einblicke in die Forschung werden wir ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie das Gehirn von Singvögeln funktioniert und wie sie ihr Verhalten an ihre Umwelt anpassen können.</p><h3>Dienstag, 20. Juni</h3><p><strong>Prof. Dr. Jan-Philipp Burde: Warum sieht der Mond immer anders aus?</strong><br> Der Mond scheint regelmäßig seine Form zu ändern: Manchmal sehen wir einen Vollmond, manchmal einen Halbmond und manchmal nur eine Mondsichel. In dieser Vorlesung wollen wir nicht nur der Frage nachgehen, warum uns der Mond in so unterschiedlichen Formen erscheint, sondern auch, ob es neben „unserem“ Mond noch andere Monde in unserem Sonnensystem gibt.</p><p>Neben der Kinder-Uni-Vorlesungsreihe gibt es in diesem Sommer auch wieder einen <strong>Kinder-Uni-Forschertag</strong> in Tübingen. Am <strong>Samstag, 1. Juli 2023</strong>, ist nicht nur zuhören, sondern auch mitmachen angesagt: Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren können in kleineren Veranstaltungen und Workshops Institute der Universität kennenlernen und selbst mitforschen. Das Programm wird im Mai unter <a href="/universitaet/im-dialog/kinder-uni/forschungstag/" class="internal-link">uni-tuebingen.de/de/2626</a> mit weiteren Informationen zur Anmeldung veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-92407</guid><pubDate>Thu, 13 Apr 2023 14:06:41 +0200</pubDate><title>Studium Generale startet wieder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-startet-wieder-1/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen der Universität Tübingen diskutieren unter anderem die Herausforderungen für Demokratien und im Umgang mit China, die Ethik von TV-Serien und „den Teufel“.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen startet zum Sommersemester 2023 mit sieben öffentlichen Vorlesungsreihen: Diskutiert wird, vor welchen Herausforderungen Demokratien heute stehen; unser Umgang mit China sowie der Umgang mit Gender und Diversität in der Medizin. Beleuchtet werden die politisch unruhigen Jahre in Württemberg im Jahr 1525, zudem aus interdisziplinären Perspektiven die Ethik in bekannten TV-Serien, der Teufel und „das Böse“ sowie das Labyrinth als Symbol der Wandlung.</p><p>Der Zugang ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Die Veranstaltungen finden in Präsenz statt, vereinzelt werden Vorlesungen im hybriden Format angeboten. Detaillierte Informationen unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studium-generale" target="_blank" class="ut-btn ut-btn--color-primary-1 ut-btn--outline" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a></p><p>Inwiefern Fernsehserien auch Erzählungen über Gesellschaften sind, untersucht die Reihe <strong>Ethik in TV-Serien (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong>, organisiert von Dr. Simon Meisch, Dr. Uta Müller und Dr. Cordula Brand vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW).<br> Serien bilden moralische Systeme und Konflikte ab und gestalten die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen mit ‒ so verstanden wird die Ethik zu einer Partnerin der Medienbildung. Ob Tony Soprano, Tatort oder Squid Game: Die Vorlesungen untersuchen anhand von Bei-spielen, auf welche Wertesysteme und moralische Konflikte das Publikum in verschiedenen Settings trifft und wie diese ästhetisch gestaltet werden.<br> &gt; Den Auftakt macht am Montag, 17. April, eine Vorlesung zur Serie „Breaking Bad“ von Dr. Uta Müller, mit Einführung von Dr. Simon Meisch.<br><br> Die Reihe <strong>Gender und Diversität in der Medizin: Perspektiven aus den Medical Humanities (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong> wird vom Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung organisiert (Dr. Davina Höll und PD Dr. Gero Bauer). Die Medical Humanities sind ein interdisziplinäres Forschungsfeld an der Schnittstelle von Medizin, Gesellschafts-, Kultur- und Literaturwissenschaften. Die kritische und kreative Auseinandersetzung mit den Kategorien „Gender“ und „Diversität“ innerhalb der Medizin ist ein zentraler Forschungsgegenstand: Wie prägen Geschlecht, sexuelle und religiöse Orientierung oder Herkunft die medizinische Forschung oder Diagnose- und Therapieverfahren? Wie kann eine gendersensible und diversitätsorientierte Medizin aussehen? Diese und weitere Zugänge zum Thema beleuchtet die Reihe aus verschiedenen fachlichen Perspektiven.<br> &gt; Den Auftakt macht am Montag, 17. April, die Vorlesung „Weiblichkeit und Wahnsinn: Überlegungen aus Psychiatriegeschichte und Literatur“ von Professorin Ingrid Hotz-Davies (Englisches Seminar) und Dr. Davina Höll (Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections, CMFI).<br><br> Mit der schillernden Gestalt des Teufels als Verkörperung „des Bösen“ befasst sich die Reihe <strong>„Zum Teufel“. Die Inkarnation des Bösen aus interdisziplinärer Sicht (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong>, organisiert durch Professor Jörg Kinzig und Rüdiger Wulf aus der Kriminologie. Welche Rolle spielt der Widersacher Gottes in der bildenden Kunst, in Literatur, Musik und Brauchtum? Zur Sprache kommen juristische Perspektiven auf die Hexenverfolgungen, aus der (forensischen) Psychiatrie, der Rechtsphilosophie und dem Strafrecht sowie der theologische Blick, unter anderem aus der Kirchengeschichte und aus der Praktischen Theologie. Ein Abend mit Bezirkskantor Ingo Bredenbach in der Stiftskirche gehört zur Reihe, mit Vortrag und Klangbeispielen zum „Diabolus in musica“. Hochschulpfarrerin Inge Kirsner wird sich anhand von Filmbeispielen mit „Jesus und der Teufel (Versuchungen und Exorzismus)“ auseinandersetzen.<br> &gt; Die Reihe startet am Dienstag, 18. April, mit dem Vortrag „‚Zum Teufel‘. Interdisziplinäre Aspekte“ von Professor Jörg Kinzig und Professor Rüdiger Wulf.<br><br> Die Frage der Herkunft der Metapher „Labyrinth“ führt tief hinein in vor- und frühgeschichtliche Zei-ten, bringt neben dem Mythos vom Stiermenschen Minos auf Kreta mit der Erzählung von Theseus und Ariadne eine Fülle archäologischer Zeugnisse zu Gesicht. Schon im Altertum erscheint das Labyrinth, nicht wie gewöhnlich angenommen als Irrgarten, sondern als ein Symbol der Lebens- und Daseinsdeutung. Dieser Sicht widmet sich die Reihe <strong>Das Labyrinth im Lichte wissenschaftlicher Betrachtung: Erscheinungen und Deutungen (Dienstag, 20:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> interdisziplinär: Es sprechen Vortragende aus der Altertumswissenschaft, Archäologie, Ethnologie bis hin zu Judaistik, Islamwissenschaft, Literaturwissenschaft, Pädagogik, Wirtschaftswissenschaft und Kunstgeschichte.<br> &gt; Den Auftakt macht am Dienstag, 18. April, die Vorlesung von Professorin Karin Polit (Kultur- und Sozialanthropologie) zu „Abhimanyu im Labyrinth und Geschichten aus dem Mahabharata Epos“, mit Einführung von Professorin Astrid Franke.<br><br> Weniger als die Hälfte der Menschheit lebt in demokratisch organisierten Staaten mit Presse- und Meinungsfreiheit, einem allgemeinen und geheimen Wahlrecht sowie Chancengleichheit konkurrierender Parteien. Ausgehend von dieser ernüchternden Bilanz diskutiert die Reihe <strong>Demokratien und ihre aktuellen Herausforderungen (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong> die Situation heutiger Demokratien in ausgewählten Staaten. Auf Einladung von Professorin Sonja Levsen und Professor Georg Schild aus der Zeitgeschichte untersuchen unter anderem Vortragende aus der Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie und Medienwissenschaft wie sich Deutschlands Demokratie aber auch Demokratien weltweit entwickeln und warum sie in manchen Staaten scheitern. Zur abschließenden Podiumsdiskussion sind Annette Widmann-Mauz (CDU), Christian Kühn (Grüne) und Martin Rosemann (SPD) eingeladen.<br> &gt; Die Reihe startet am Mittwoch, <strong>26. April</strong>, mit dem Vortrag „Was ist eine gute Demokratie? Idee und Praxis der Demokratie in Europa seit 1945“ von Professorin Sonja Levsen.<br><br> Im Jahr 1525 befand sich Württemberg im Aufstand: Der Bauernkrieg und Aufständische, die politi-sche Teilhabe einforderten, wurden zur Nagelprobe für die Mächtigen und ließen Adel und Kirche um ihre Macht fürchten. Die damaligen Ereignisse untersucht die Reihe <strong>1525 – Württemberg im Aufstand (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 21) </strong>unter Organisation von Lea Wegner (Deutsches Bau-ernkriegsmuseum Böblingen) und Professorin Sigrid Hirbodian (Institut für Geschichtliche Landes-kunde). Was bedeutete die Ausnahmesituationen für die Menschen und wie versuchten sie, die Krise zu bewältigen? Welche Maßnahmen ergriffen die Klöster und wie versuchte ein vertriebener Herzog, den Aufstand für sich zu nutzen? Die Reihe nimmt die AkteurInnen der Aufstände in den Fokus und auch den Blick späterer Generationen auf diese Zeit: Wie wurde der Bauernkrieg in Kunst, Kultur und Geschichtsschreibung rezipiert?<br> &gt; Den Auftakt macht am Mittwoch, <strong>26. April</strong>, der Vortrag „Zwischen Konflikt und Selbstbestimmung: Die ländliche Gesellschaft um 1500“ von Professorin Sigrid Hirbodian.<br><strong>Die</strong> gesamte <strong>Reihe wird</strong> zusätzlich zur Präsenzvorlesung als Livestream per Zoom übertragen:<br><a href="https://zoom.us/j/98523874769?pwd=Q2ZtZEk2Mlc5ODdncTBiWFR4T3A0UT09(Meeting-ID:98523874769,Kenncode:870095" target="_blank" rel="noreferrer">https://zoom.us/j/98523874769?pwd=Q2ZtZEk2Mlc5ODdncTBiWFR4T3A0UT09</a><br> (Meeting-ID: 985 2387 4769, Kenncode: 870095)<br><br> Wissenschaftskooperation mit dem autoritären China der Gegenwart werden derzeit unter neue Vorbehalte gestellt, Warnrufe vor einer Unterwanderung des deutschen Wissenschaftssystems durch China laut. Den Umgang damit thematisiert die Reihe <strong>China: Kooperation und Distanznahme (Donnerstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25)</strong>, organisiert durch Dr. Anno Dederichs und Philip Scherer vom China Centrum Tübingen. Denn gleichzeitig nimmt Chinas Bedeutung für wissenschaftlich-technische Innovationen im internationalen Vergleich weiter zu, drängende Fragen der Gegenwart scheinen nur unter Beteiligung Chinas beantwortet werden zu können. Die Ringvorlesung beleuchtet Aspekte dieser Debatte und zeigt auch anhand von Kooperationsprojekten aus unterschiedlichsten Fachbereichen die Chancen und Herausforderungen für die Zusammenarbeit zwischen deutschem und chinesischem Wissenschaftssystem. Zum zweiten Termin (27. April) spricht Sigmar Gabriel, Bundeminister a.D., über "Europa und China auf der Suche nach einer neuen Weltordnung".<br> &gt; Die Reihe startet am Donnerstag, <strong>20. April</strong>, mit dem Vortrag „China auf ferner Bühne ‒ Ironie und Distanznahmen in der Zeitenwende“ von Professor Helwig Schmidt-Glintzer (China Centrum).<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-92350</guid><pubDate>Tue, 11 Apr 2023 11:41:14 +0200</pubDate><title>Luisa Neubauer übernimmt die 18. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/luisa-neubauer-uebernimmt-die-18-tuebinger-mediendozentur/</link><description>Die bekannte Aktivistin spricht über die Klimakrise und den öffentlichen Diskurs</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen und der SWR laden die Studierenden und eine interessierte Öffentlichkeit herzlich ein: Am <strong>Donnerstag, den 22. Juni 2023, um 18.30 Uhr</strong> spricht die Fridays-for-Future-Aktivistin und Buchautorin Luisa Neubauer im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) über die Klimakrise und einen von Verdrängung und Banalisierung gekennzeichneten Diskurs, der dem Ernst der Lage nicht gerecht wird. <strong>Der Eintritt ist frei! Freie Platzwahl nach dem Prinzip „first come, first serve“. Einlass ist ab ca. 17:30 Uhr. </strong><br> Alternativ kann die Veranstaltung auch über einen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yIYjM8-Yizg" target="_blank" class="external-link" title="Livestream der Mediendozentur" rel="noreferrer">Live-Stream via Youtube</a> verfolgt werden. Dieser wird auch in den Hörsaal 21 im Kupferbau übertragen, um zusätzliche Plätze zum Festsaal anbieten zu können.</p><p>Hat wieder ein Politiker gefordert, ein Tempolimit durchzusetzen, Inlandsflüge zu verbieten, den Konsum von Billigfleisch zu reduzieren? Schon ist es da, das große, oft bloß modische Aufregungsspektakel, das von Tugendterror und Doppelmoral handelt und die neueste Meinungsumfrage und Gegenstimmen zum Thema referiert. Unbeachtet bleibt die Frage, was grundsätzlich zu tun wäre, um im Angesicht von weltweit steigenden Treibhausgasemissionen, von Überschwemmungen und brennenden Wäldern, von Dürre und Hitzetoten den Klimawandel doch noch aufzuhalten. Hier bräuchte es andere Zeithorizonte, langfristige Planung, die von Inhalten bestimmte Entschiedenheit der Politik. Und einen Abschied von der Fixierung auf das zeitlich Neue, aktuell Aufregende, vor allem spektakulär Konflikthafte.</p><p>Welche Sprache wäre, so fragt Luisa Neubauer, einer Situation angemessen, in der das ökologische Problembewusstsein zwar vorhanden ist, aber das engagierte Handeln und effektive Umsteuern nicht ausreichend vorangetrieben wird? Wie ließen sich Klimarealismus und Klimagerechtigkeit – jenseits der gängigen politischen Lagerbildungen und der verhärteten Diskurse – neu im Zentrum gesellschaftlicher Debatten platzieren? Welche Narrative könnten auf dem Weg in eine ökologische und solidarische Zukunft hilfreich sein? Und wie bewahrt man sich selbst im Angesicht von Attacken und gezielten Desinformationskampagnen die innere Freiheit und Freude, die politisches Engagement und neue Ideen nun einmal brauchen?</p><p>Mit Luisa Neubauer übernimmt eine der bekanntesten Klimaaktivistinnen die diesjährige Tübinger Mediendozentur. Sie zählt zu den zentralen Gesichtern von Fridays for Future und hat ihre Ideen mit so unterschiedlichen Politikern wie Angela Merkel, Barack Obama und Emmanuel Macron diskutiert. Luisa Neubauer schrieb bislang drei Bücher, die allesamt Bestseller wurden. 2019 publizierte sie (gemeinsam mit Alexander Repenning) den Band „Vom Ende der Klimakrise“, 2021 erschien (gemeinsam mit dem Zeit-Journalisten Bernd Ulrich) das Gesprächsbuch „Noch haben wir die Wahl“, 2022 publizierte sie gemeinsam mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma den autobiografischen Essay „Gegen die Ohnmacht“. Das Time Magazine zählte Neubauer 2022 zu den wichtigsten Newcomern, das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen verlieh ihr die Auszeichnung Rede des Jahres 2022 für eine Ansprache, die sie auf dem Parteitag der Grünen gehalten hatte.</p><p>Die thematische Einführung zur 18. Tübinger Mediendozentur am 22. Juni übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen. Es moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Marcel Wagner. Die Veranstaltung findet in Präsenz statt und kann auch im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yIYjM8-Yizg" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Livestream</a> verfolgt werden. Im Nachgang des Vortrags sind Interessierte in den Räumen der Wandelhalle herzlich zu einem Empfang eingeladen.</p><p>Ein Mitschnitt von Luisa Neubauers Rede wird im Radioprogramm des SWR gesendet. Das Institut für Medienwissenschaft publiziert den Text im Anschluss gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.</p><p>Die Tübinger Mediendozentur ist eine Kooperation der Universität Tübingen, des Instituts für Medienwissenschaft und des SWR-Studios Tübingen. Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Doris Dörrie, Sascha Lobo und Juli Zeh nach Tübingen.</p><p class="align-right">Gemeinsame&nbsp;Pressemitteilung der Universität Tübingen und des SWR</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91981</guid><pubDate>Thu, 30 Mar 2023 12:53:24 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen schließt Krisenjahr erfolgreich ab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-schliesst-krisenjahr-erfolgreich-ab/</link><description>Rektorin Pollmann legt Jahresbericht 2022 vor: Forschungsbereich bleibt auf Wachstumskurs – Für Herausforderungen wie Energiekosten und demographische Entwicklungen gerüstet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat das Krisenjahr 2022 trotz zahlreicher neuer Herausforderungen erfolgreich abschließen können. „Die Universität hat im vergangenen Jahr außerordentlich viel erreicht“, sagte Rektorin Professorin Karla Pollmann bei der Vorstellung des Jahresberichts 2022 am Donnerstag in Tübingen. „Wir können uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Die aktuellen Entwicklungen – national wie international – werden die Universität in den nächsten Jahren massiv fordern. Diese werden wir mit vereinten Kräften angehen.“</p><p>Die Universität Tübingen ist maßgeblich im Forschungsbereich weiterhin auf Wachstumskurs, wie der Jahresbericht zeigt. So stiegen im vergangenen Jahr die Gesamteinnahmen um 10,7 Prozent auf 770 Millionen Euro an. Die Einwerbung von Forschungsdrittmitteln wuchs um 16,1 Prozent und übersprang damit erstmals die Marke von 300 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Drittmittel (rund 53 Prozent) entfielen auf die Medizinische Fakultät.</p><p>Wichtigste Geldgeber waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit 90,5 Millionen Euro sowie die Bundesregierung, deren Förderung im vergangenen Jahr mit 90,4 Millionen Euro überproportional um 53,5 Prozent anwuchs. Grund hierfür waren unter anderem temporäre Fördergelder des Bundes für die Corona-Forschung. Doch konnte auch das Tübingen AI Center dauerhaft verstetigt werden und erhält nun 20 Millionen Euro Förderung jährlich aus Bundesmitteln.</p><p>Wichtige Investitionen ermöglichte zudem das Engagement von Stiftungen und privaten Geldgebern; insgesamt unterstützten sie die Universität mit 54,8 Millionen Euro. Dank einer großzügigen Finanzierung der Hector Stiftung in Höhe von 100 Millionen Euro entsteht am Standort Tübingen der europaweit erste Institutsbau für ELLIS (Europäisches Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme). Das Werner Siemens Imaging Center an der Medizinischen Fakultät kann durch eine Förderung in Höhe von 18,4 Millionen Euro durch die Schweizer Werner Siemens-Stiftung weiter ausgebaut werden. Im Juli 2022 konnte die Universität das Center for Digital Education eröffnen, das mit 1,35 Millionen Euro von der Vector Stiftung unterstützt wird.</p><p>Nach zwei langen Jahren mit Einschränkungen durch die Pandemie sind die Studierenden im Jahr 2022 wieder auf den Campus zurückgekehrt. Mit rund 28.000 Eingeschriebenen blieb die Gesamtzahl stabil, obwohl die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger um 7,2 Prozent zurückging. Einen starken Zulauf erlebte die Universität Tübingen vor allem bei den internationalen Studierenden, deren Gesamtzahl im Wintersemester 2022/23 auf 4.165 Eingeschriebene stieg und damit einen Rekordwert erreichte.</p><p>„Hier tragen die Internationalisierungsbemühungen der Universität Früchte“, sagte Pollmann. Unübersehbar sei aber auch, dass der demographische Wandel die Universitäten in den kommenden Jahren vor enorme Probleme stellen werde. „Wir werden uns in Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk und der Stadt in Zukunft noch stärker engagieren müssen, um bestmögliche Rahmenbedingungen für ein Studium in Tübingen zu bieten.“</p><p>Im Bereich der internationalen Zusammenarbeit kann die Universität Tübingen weiterhin auf ein starkes Netzwerk mit Partnerinstitutionen in Europa und weltweit bauen. Die Universitätsallianz CIVIS, in der sich mittlerweile elf forschungsstarke Universitäten zusammengeschlossen haben, ist seit Oktober 2022 in der zweiten Förderphase, wie Pollmann berichtete. Es führe die Idee einer europäischen Universität weiter, unter anderem durch Campus-übergreifende Projekte und Lehrveranstaltungen. „Gleichzeitig hat sich das Bündnis auch außereuropäischen Partnern geöffnet und Abkommen mit sechs afrikanischen Universitäten abgeschlossen.“</p><p><strong>Starker Druck durch Energiepreise und Inflation</strong><br> Gerade die internationalen Entwicklungen bereiteten aber auch große Sorge, erklärte die Rektorin: „Der Krieg gegen die Ukraine hat sich im vergangenen Jahr gleichsam über Nacht auf die Universität ausgewirkt.“ Die Zahl der ukrainischen Studierenden an der Universität Tübingen habe sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Über 30 Forschende, die aus der Ukraine fliehen mussten, konnte die Universität aufnehmen. Massiv seien die Auswirkungen der infolge des Krieges gestiegenen Kosten für Energie, viele weitere Produkte und Dienstleistungen. „2022 ist es uns – nicht zuletzt durch die breite Beteiligung von Beschäftigten und Studierenden an einer Energiesparkampagne – gelungen, die Kosten in Schach zu halten“, sagte Pollmann. Für 2023 aber zeichne sich ein Kostenanstieg bei den Energieausgaben von zehn Millionen Euro ab.</p><p>„Auch darf nicht vergessen werden, dass zusätzliche Drittmittel immer auch zusätzliche Kosten für Personal, IT und Material sowie Büros, Labore und Ausstattung nach sich ziehen“, sagte die Rektorin. „Diese Projektkosten werden von den sogenannten Overhead-Mitteln seit vielen Jahren nur unzureichend abgedeckt. Hier muss die Politik bald den jüngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrats folgen und die entsprechenden Zusatzmittel auf 40 Prozent der jeweiligen Fördersumme erhöhen.“</p><p>In der Gesamtbetrachtung sei die Universität Tübingen aus einer sehr robusten Ausgangslage in das Jahr 2023 gestartet. „Die Universität ist solide finanziert, sie verfügt über engagierte Studierende, exzellente Forschende und einen hoch-professionellen wissenschaftsunterstützenden Dienst.“ Dennoch müsse allen Mitgliedern der Hochschule bewusst sein, dass die kommenden Jahre nicht einfach würden. „Die Folgen von Klimaerwärmung, Krieg und anderen Krisen können wir nur im Schulterschluss bewältigen“, sagt die Rektorin. „Deshalb bleibt es wichtig, bewährte Kooperationen zu pflegen und neue Partner zu gewinnen, mit denen wir gemeinsame Ziele verfolgen.“</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/publikationen/jahresbericht/" class="ut-btn ut-btn--color-primary-1 ut-btn--outline">Zum Download: Jahresbericht 2022</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91873</guid><pubDate>Wed, 29 Mar 2023 10:08:51 +0200</pubDate><title>Tübingen vernetzt Forschung und Schule zur digitalen Bildung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-vernetzt-forschung-und-schule-zur-digitalen-bildung/</link><description>Bundesforschungsministerium fördert Projekt zur Weiterentwicklung des digital-gestützten MINT-Unterrichts mit 7,5 Millionen Euro</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen treibt die digitale Bildung in den MINT-Fächern voran, gemeinsam mit weiteren Partnern: Zum 1. April 2023 wird sie Teil eines der vom Bund geförderten Kompetenzzentren, die den Einsatz neuer Technologien in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) erforschen und weiterentwickeln. Das Verbundprojekt „MINT-ProNeD“ erhält vom Bundesforschungsministerium 7,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von 2,5 Jahren und vernetzt bundesweit lehrerbildende Standorte sowie weitere Einrichtungen.</p><p>Kern des länderübergreifenden Projektverbunds ist eine enge Kooperation der fünf <span lang="en" dir="ltr">Schools of Education</span> in Baden-Württemberg (<span lang="en" dir="ltr">Binational School of Education</span> Konstanz, Heidelberg <span lang="en" dir="ltr">School of Education</span>, <span lang="en" dir="ltr">School of Education „Freiburg Advanced Center of Education”</span> (FACE), <span lang="en" dir="ltr">Professional School of Education</span> Stuttgart-Ludwigsburg, Tübingen <span lang="en" dir="ltr">School of Education</span>) und dem Zentrum für Lehrerbildung der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau.</p><p>Im Projektverbund werden forschungsbasierte Fortbildungs- und Beratungskonzepte an verschiedenen Standorten entwickelt. Diese Konzepte sollen Lehrkräfte unterstützen, digitale Technologien adaptiv und prozessorientiert einzusetzen: Beim adaptiven Lernen wird der Unterricht möglichst passgenau auf die individuellen Voraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler ausgerichtet. Damit soll der zunehmenden Heterogenität von Klassen auch in den MINT-Fächern produktiv begegnet werden.&nbsp;</p><p>Insgesamt werden drei Netzwerke aufgebaut. Das Tübingen <span lang="en" dir="ltr">Center for Digital Education</span> (TüCeDE) übernimmt die Koordination: Das „MINT-Netzwerk Fortbildungen“ bietet künftig forschungsbasierte Fortbildungen zum adaptiven Unterrichten mit digitalen Medien in den MINT-Fächern für alle Schularten gebündelt an. Im „MINT-Netzwerk Unterrichtsentwicklung“ entsteht ein Beratungskonzept in Form von professionellen Lerngemeinschaften, um Schulen in der Unterrichtsentwicklung zu unterstützen. Im „MINT-Netzwerk <span lang="en" dir="ltr">Future Innovation Hub</span>“ untersuchen Forschende innovative Technologien wie <span lang="en" dir="ltr">Virtual Reality </span>oder Verfahren der künstlichen Intelligenz auf ihre Eignung für den MINT-Unterricht.</p><p>„Eine unserer Stärken ist die enge Verknüpfung von Forschung und Praxis“, sagt Projektleiter Professor Andreas Lachner vom TüCeDE. „In MINT-ProNeD arbeiten neun Hochschulen und drei außeruniversitäre Forschungsinstitute gemeinsam mit den jeweiligen Landesinstituten für Lehrerbildung und Schulentwicklung an einem einheitlichen Fortbildungs- und Beratungskonzept.“</p><p>MINT-ProNeD steht für „Professionelle Netzwerke zur Förderung adaptiver, prozessbezogener, digital-gestützter Innovationen in der MINT-Lehrpersonenbildung“ und startet als eines von sechs standortübergreifenden Verbundprojekten, die bundesweit geplant sind. Das Bundesforschungsministerium fördert den Aufbau von Verbundprojekten zum digital gestützten Unterrichten in verschiedenen Fachbereichen mit mehr als 200 Millionen Euro.</p><p><strong>Projektbeteiligte Standorte im MINT-ProNeD:</strong><br> Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Ludwig-Maximilians-Universität München, Pädagogische Hochschule Freiburg, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, Universität Konstanz, Universität Stuttgart.</p><p><strong>Kooperationspartner im MINT-ProNeD:&nbsp;</strong><br> Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL), Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL), Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP)</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91396</guid><pubDate>Thu, 23 Mar 2023 20:00:00 +0100</pubDate><title>Computermodellierung zur schnelleren Entwicklung antiviraler Medikamente</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/computermodellierung-zur-schnelleren-entwicklung-antiviraler-medikamente/</link><description>Vorbereitung auf die nächste Pandemie: Tübinger Forschende suchen im Computermodell nach Angriffspunkten gegen Infektionen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wirksame Medikamente gegen virale Erkrankungen wie COVID-19 werden jetzt und zukünftig dringend benötigt. Dies umso mehr, als das Aufkommen von Virusmutanten und neu auftretenden Viren die Impfstoffe an ihre Grenzen bringen könnte. Der DZIF-Wissenschaftler Andreas Dräger arbeitet an der Universität Tübingen an einem computerbasierten Verfahren, das die zeitaufwändige Identifizierung und Entwicklung antiviraler Wirkstoffe beschleunigen kann. Mit einer auf beliebige Viren und Wirtszellen übertragbaren neuartigen Analysetechnik konnten die Wissenschaftler ein Modell erstellen und damit weitere Angriffspunkte für SARS-CoV-2 aufspüren.</p><p>„Eine effiziente Pandemievorsorge erfordert neue, breit wirksame antivirale Medikamente, gegen die die Viren nicht schnell Resistenzen entwickeln können“, erklärt Andreas Dräger, Juniorprofessor an der Universität Tübingen und Mitglied des Tübinger Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen – CMFI“. „Doch die Wirkstoffentwicklung benötigt sehr viel kostbare Zeit, auf die es im Ernstfall dringend ankommt.“ Hier will Dräger mit seiner Computermodellierung Abhilfe schaffen.</p><p>Bereits 2021 konnte die Tübinger Arbeitsgruppe im Modell ein menschliches Enzym – die Guanylatkinase 1 – identifizieren, das für die Virusvermehrung unabdingbar ist und ausgeschaltet werden kann, ohne die Zelle zu schädigen. Nun konnte der Bioinformatiker ein weiteres Modell mit seinen Teamkolleginnen entwickeln um die Aussagekraft ihrer Ziele zu testen. „Durch eine verbesserte Analysetechnik können wir nun die Virusinfektion in vielen verschiedenen Gewebearten spezifisch modellieren”, erklärt Nantia Leonidou, die Erstautorin der aktuellen Studie“.</p><p><strong>Den Stoffwechsel nach Virusinfektion im Modell beobachten</strong><br> Das integrierte systembiologische Modell der Tübinger simuliert eine Infektion mit SARS-CoV-2 in bronchialen Epithelzellen und identifiziert dann wirtsbasierte Stoffwechselwege, die gehemmt werden können, um die virale Vermehrung zu unterdrücken. „Wenn man die Zusammensetzung eines Virus kennt, kann man verschiedene Szenarien durchspielen und sehen, wie sich die biochemischen Reaktionen in den Wirtszellen während einer Virusinfektion verändern“, so Dräger. Um eine Infektion zelltypspezifisch zu simulieren, entwickelte das Team hochwertige Software.</p><p><strong>Neue Angriffsziele erkannt</strong><br> Mit dem Modell für einen weiteren Zelltyp konnte die Forschungsgruppe das bereits identifizierte Zielmolekül, die Guanylatkinase, bestätigen und weitere neue Ziele mit bemerkenswerten antiviralen Wirkungen entdecken. Der vielversprechendste neue Treffer war die CTP-Synthase 1, ein Enzym, dessen Hemmung auch das Viruswachstum um 62 Prozent minderte, ohne sich auf die Zellerhaltung des menschlichen Wirts auszuwirken. Beide Zielmoleküle sind eng mit dem Aufbau der Erbsubstanz verknüpft, die sowohl im Virus als auch im Wirt dieselben Bausteine benötigt.</p><p>Das Team um Andreas Dräger geht davon aus, dass diese Ergebnisse eine wichtige Grundlage für die schnellere Entwicklung von viralen Hemmstoffen darstellen. „Unsere Modelle könnten einen Paradigmenwechsel in der Wirkstoffentwicklung darstellen und die präklinische Phase beschleuni-gen“, betont Nantia Leonidou und ergänzt: „Die Methoden sind vollständig auf jeden Virus- und Wirtszellentyp übertragbar und auch kommerziell nutzbar.“</p><p>Die Gruppe um Dräger will nun ihre Methoden auf weitere Viren anwenden. Erste Hemmstoffe für ihre gefundenen Enzyme sollen in Tiermodellen auf Sicherheit, Toxizität und Wirksamkeit getestet werden.</p><p><strong>Publikation: </strong>Leonidou N, Renz A, Mostolizadeh R and Dräger A: New Workflow Predicts Drug Tar-gets Against SARS-CoV-2 via Metabolic Changes in Infected Cells. PLOS Computational Biology 2023. doi: 10.1371/journal.pcbi.1010903</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CompSysBioInfection-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91456</guid><pubDate>Wed, 22 Mar 2023 10:27:40 +0100</pubDate><title>Höhlen als Archive der Vergangenheit: Neuer Leibniz-WissenschaftsCampus in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hoehlen-als-archive-der-vergangenheit-neuer-leibniz-wissenschaftscampus-in-tuebingen/</link><description>Der „GeoGenomic Archaeology Campus Tübingen (GACT)“ untersucht Einflüsse des Menschen auf Ökosysteme anhand von Höhlen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat sich in seiner gestrigen Sitzung für die Einrichtung eines neuen WissenschaftsCampus in Tübingen ausgesprochen. Dadurch entsteht ein Forschungsnetzwerk zwischen dem Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment, der Universität Tübingen und dem Max-Planck-Institut für Biologie sowie weiteren nationalen und internationalen Institutionen. Unter dem Titel „GeoGenomic Archaeology Campus Tübingen (GACT)“ werden an dem neuen Campus Forschende verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen innovativ und integrativ zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel ist es alte DNA aus Höhlensedimenten zu nutzen, um die Interaktion des damaligen Menschen mit vergangenen Ökosystemen und die Auswirkungen auf diese im Laufe der Zeit zu untersuchen.</p><p>Rund zwei Millionen Jahre alt sind die bislang ältesten Besiedlungsspuren einer Höhle, die Menschen in Afrika hinterlassen haben. „Frühmenschen lebten in Höhlen, weil diese ihnen einen leicht zugänglichen Unterschlupf sowie Schutz vor Regen, Wind und Kälte boten“, erläutert der Sprecher des neuen WissenschaftsCampus Jun. Prof. Cosimo Posth vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen, der den Antrag gemeinsam mit Dr. Susan Mentzer, Prof. Christopher Miller und Prof. Nicholas Conard stellte. Mentzer ergänzt: „Doch nicht nur Menschen nutzten den natürlichen&nbsp;‚Wohnraum‘: Höhlen boten schon immer Unterschlupf für zahlreiche Arten – von der Mikrobe bis zum großen Säugetier.“</p><p>Obwohl in Höhlen nur ein kleiner Teil der globalen biologischen Vielfalt zu finden ist, beherbergen sie dennoch einzigartige und eigenständige Ökosysteme. „Diese können durch äußere Einflüsse erheblich beeinträchtigt werden und sind – weil sie empfindlich auf Veränderungen reagieren – wahrscheinlich die ersten Ökosysteme, die durch menschliche Aktivitäten tiefgreifend verändert wurden“, erklärt Miller.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91354</guid><pubDate>Tue, 21 Mar 2023 10:38:47 +0100</pubDate><title>Rita Triebskorn erhält Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rita-triebskorn-erhaelt-tuebinger-preis-fuer-wissenschaftskommunikation/</link><description>Jury würdigt langjähriges Engagement in der Vermittlung von
Forschung zum Gewässerschutz – Nachwuchspreis geht an KIForscherin
Auguste Schulz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Biologin Professorin Rita Triebskorn erhält den Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation 2023. Die Jury würdigte damit ihr langjähriges Engagement in der Vermittlung ihrer Forschungsergebnisse gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Mit dem Nachwuchspreis für Wissenschaftskommunikation wird die KI-Forscherin Auguste Schulz ausgezeichnet.</p><p>„Rita Triebskorn hat in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich und hartnäckig daran gearbeitet, ein Bewusstsein für ihr zentrales Forschungsthema zu schaffen, den ökologischen Schutz von Gewässern vor Schadstoffen und Mikroplastik“, erklärte die Jury in ihrer Begründung. Triebskorns Wirken zeige damit eindrücklich und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar, welche zentrale Bedeutung Wissenschaft hat, um die grundlegenden und gleichzeitig lebenswichtigen Zusammenhänge in unserer Umwelt zu verstehen und sichtbar zu machen. Zudem trage diese Vermittlungstätigkeit aktiv zum Schutz eines wichtigen Lebensraums für zahllose Tiere und Pflanzen bei.</p><p>Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury einerseits angesichts der Nachhaltigkeit und Konsistenz, mit der Triebskorn sich in der Öffentlichkeit engagierte und andererseits von der Breite ihrer kommunikativen Aktivitäten. Dazu zählten öffentliche Vorträge, Politikberatung und Medieninterviews, die Kinder-Uni, aber auch ihre Zusammenarbeit mit dem Science Media Center als einer wichtigen Vermittlungsplattform für die Wissenschaftskommunikation.</p><p>Rita Triebskorn studierte an der Universität Heidelberg Biologie und Germanistik für das Lehramt an Gymnasien und promovierte dort 1990 im Fach Zoologie. Anschließend arbeitete sie als Wissenschaftlerin für das Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza und an der Universität Hohenheim. Seit 1995 ist sie an der Universität Tübingen im Lehr- und Forschungsbereich Physiologische Ökologie der Tiere tätig und beschäftigt sich dort mit Themen im angewandten Umweltschutz. Siehabilitierte sich für das Fach Zoologie im Jahr 1999 und wurde 2006 zur außerordentlichen Professorin ernannt. Parallel leitet sie seit 2000 das Steinbeis-Transferzentrum für Ökotoxikologie und Ökophysiologie Rottenburg.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91318</guid><pubDate>Mon, 20 Mar 2023 15:30:20 +0100</pubDate><title>Forschungsteam legt weitere Deckengemälde im Tempel von Esna frei</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschungsteam-legt-weitere-deckengemaelde-im-tempel-von-esna-frei/</link><description>Vollständige Darstellung des Tierkreises – Zusammenarbeit des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Antiken mit der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein ägyptisch-deutsches Forschungsteam hat im Tempel von Esna in Oberägypten eine weitere Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt. Wie die Forschenden berichteten, gelang dem ägyptischen Restaurierungsteam unter der Leitung von Ahmed Emam die komplette Restaurierung und farbliche Wiederherstellung einer Himmelsdarstellung. Auf den reliefartig ausgeführten Bildern ist unter anderem die vollständige Darstellung eines Tierkreises zu sehen. Weitere Reliefs zeigten die Planeten Jupiter, Saturn und Mars sowie eine Reihe von Sternen oder Sternbildern, die in der Antike zur Zeitmessung verwendet wurden. Die Leitung des Gesamtprojekts liegt in den Händen von Hisham El-Leithy vom ägyptischen Ministerium für Tourismus und Antiken sowie Professor Christian Leitz von der Universität Tübingen.</p><p>„Darstellungen des Tierkreises sind in ägyptischen Tempeln sehr selten“, sagte Leitz: „Der Tierkreis selbst ist Teil der babylonischen Astronomie und taucht in Ägypten erst in ptolemäischer Zeit auf.“ Die Forschung vermutet, dass das System der Tierkreiszeichen und der mit ihnen in Beziehung stehenden Sternbildern von den Griechen in Ägypten eingeführt und anschließend populär wurde. „Der Tierkreis wurde zur Dekoration privater Gräber und Sarkophage verwendet und war von großer Bedeutung in astrologischen Texten, z.B. in Horoskopen, die auf beschrifteten Tonscherben gefunden wurden“, sagte der Tübinger Wissenschaftler Dr. Daniel von Recklinghausen: „In der Tempeldekoration ist er jedoch selten: Abgesehen von Esna gibt es nur noch zwei komplett erhaltene Versionen, beide aus Dendera.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91120</guid><pubDate>Thu, 16 Mar 2023 16:16:46 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen: Verbleib von Hirnschnitten aus der NS-Zeit bleibt offen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verbleib-von-hirnschnitten-aus-der-ns-zeit-bleibt-offen/</link><description>Wissenschaftliche Arbeitsgruppe zur „Sammlung Ostertag“ legt Abschlussbericht vor – Suche nach sterblichen Überresten von ermordeten Kindern ohne eindeutiges Ergebnis</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine internationale Forschungsgruppe, die sich an der Universität Tübingen mit dem Verbleib der sogenannten Sammlung Ostertag beschäftigte, hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Wie die Leiterin des Projekts, Professorin Benigna Schönhagen, am Donnerstag berichtete, konnte die Arbeitsgruppe feststellen, dass die aus der NS-Zeit stammende medizinische Sammlung nicht bei einer undokumentierten Bestattung im Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs begraben wurde. Der Verbleib der Sammlung bleibt aber noch ungeklärt. Die Sammlung Ostertag bestand mutmaßlich aus Hirnschnitten von insgesamt 106 Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs in einer Einrichtung für psychisch Kranke in Berlin-Wittenau ermordet worden waren.</p><p>Auf Initiative der Forschungsgruppe waren im März 2022 insgesamt vier Marmorbehältnisse auf dem Gräberfeld X exhumiert worden. Anschließend wurden die Behälter in der klinischen Anatomie von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Forschungsgruppe sowie weiteren Experten untersucht. Wie Schönhagen berichtete, fanden die Forschenden eine Vielzahl von Organschnitten auf Glasträgern sowie Paraffinblöckchen, in denen das Gewebe aber nicht mehr erhalten war. Einige Präparate ließen sich einzelnen medizinischen Sammlungen zuordnen, nicht jedoch der gesuchten Sammlung, die nach Kriegsende mutmaßlich im damaligen Institut für Hirnforschung der Universität verwahrt wurde.</p><p>Die vier Marmorbehälter wurden am Donnerstag in einer schlichten Zeremonie auf dem Tübinger Stadtfriedhof erneut beigesetzt. An der Beisetzung nahmen Vertreterinnen und Vertretern von Stadt und Universität teil. Die evangelische Stadtdekanin Elisabeth Hege sowie der Vorsitzende der katholischen Gesamtkirchengemeinde Tübingens, Pfarrer Ulrich Skobowsky, sprachen Gebete und hielten eine kurze Ansprache.</p><p>Die Universität Tübingen hatte im vergangenen Jahr zur Untersuchung des Gräberfelds X sowie der exhumierten Präparate Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen hinzugezogen, darunter die Harvard Medical School, das Naturhistorische Museum in Wien, die Oxford Brookes University und die TU München. Tübinger Archäologinnen und Archäologen unter der Leitung von Professorin Natascha Mehler führten die Grabung und anschließende Exhumierung durch. Dabei wurden sie unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tübinger Friedhofsverwaltung sowie des Anatomischen Instituts.</p><p>Die Universität war bereits im Jahr 1988/89 mit der Tatsache konfrontiert worden, dass Mikro- und Makropräparate von Menschen aus der NS-Zeit sich noch immer in verschiedenen medizinischen Lehrsammlungen befanden. Die Universität richtete daraufhin eine externe Untersuchungskommission ein, die eine vollständige Bestandsaufnahme vornehmen sollte. In ihrem Abschlussbericht, der im Sommer 1989 vorgelegt wurde, empfahl die Kommission, alle Präparate aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 aus dem Anatomischen Institut und sämtlichen anderen medizinischen Einrichtungen der Universität zu entfernen und in würdiger Form zu bestatten, bei deren Tod ein Zusammenhang mit Gewaltakten oder Verfolgung durch das NS-Regime nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Beisetzung auf dem Gräberfeld X erfolgte am 4. Juli 1990 im kleinen Kreis. Eine öffentliche Gedenkfeier folgte am 8. Juli.</p><p>Der britische Medizinhistoriker Professor Paul Weindling hatte Anfang 2021 in einem Fachartikel den Verdacht geäußert, dass Verantwortliche der Universität im Juli 1990 auch die Sammlung Ostertag auf dem Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs bestattet haben. Der Vorgang sei seinerzeit gegenüber der Öffentlichkeit und auch gegenüber der externen Untersuchungskommission verschwiegen worden. Die Universitätsleitung nahm diesen Verdacht außerordentlich ernst und beantragte nach weiteren Recherchen im Universitätsarchiv Ende 2021 bei der Universitätsstadt Tübingen eine Exhumierung mit dem Ziel, die Präparate zu finden und die Opfer namentlich zu identifizieren. Der Anfangsverdacht hat sich allerdings durch die nun vorliegenden Ergebnisse nicht bestätigt.</p><p>Nach Recherchen Weindlings stammen die sterblichen Überreste der „Euthanasie“-Opfer aus der so genannten Kinderfachabteilung Wiesengrund in Berlin-Wittenau, in der während des Zweiten Weltkriegs eine Vielzahl von psychisch kranken Kindern ermordet wurde. An der Einrichtung tätige Ärzte entnahmen den getöteten Kindern die Gehirne und präparierten diese für Forschungszwecke. Der für Wiesengrund tätige Pathologe Berthold Ostertag soll die Hirnpräparate von insgesamt 106 Opfern nach dem Krieg nach Tübingen gebracht haben. Ostertag baute an der Universität Tübingen nach Kriegsende das Institut für Hirnforschung auf und leitete dieses bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1964. Weindling stützt sich in seinen Recherchen maßgeblich auf Aussagen von Ostertags Nachfolger an der Spitze des Tübinger Instituts für Hirnforschung, Professor Jürgen Peiffer, der im Dezember 2006 verstarb.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-91045</guid><pubDate>Thu, 16 Mar 2023 09:00:00 +0100</pubDate><title>Gefäßverkalkung sichtbar machen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gefaessverkalkung-sichtbar-machen/</link><description>Neue Methode zur Erkennung von „Verkalkungen“ in Blutgefäßen hilft, die Ursachen von Herzinfarkten und Schlaganfällen besser zu verstehen ‒ Einsatz von Versuchstieren deutlich reduziert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende der Universität Tübingen haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich Atherosklerose im Mausmodell besser erforschen lässt. Die nicht-invasive Bildgebungsmethode soll neue Wege eröffnen, Gefäßverengungen als Ursache von Herzinfarkten und Schlaganfällen besser zu verstehen und zu behandeln. Zudem kann sie die Anzahl der Versuchstiere im Vergleich zu bisherigen Methoden deutlich reduzieren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Circulation Research veröffentlicht.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Atherosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, kann zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen und ist die häufigste Todesursache weltweit. Es sind mehrere Faktoren bekannt, die zu Ablagerungen und Verdickungen in den Blutgefäß-Wänden führen, wie zum Beispiel ein hoher Cholesterinspiegel. Diese sog. Plaques engen Gefäße häufig stark ein oder führen gar zur Bildung von Blutgerinnseln, so dass Herz oder Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt und in Folge von Sauerstoffmangel geschädigt werden.<br> &nbsp;<br> Das neue Verfahren zur Untersuchung von Atherosklerose beruht auf einem künstlichen Positronen-Emissions-Tomografie (PET)-Reporter-Enzym. Dieses wird durch einen genetischen Trick speziell in den Gefäßmuskelzellen der Maus gebildet. Es bewirkt, dass es in diesen Zellen zur Ansammlung einer radioaktiven Substanz kommt, dem PET-Tracer. Die für das Tier ungefährliche radioaktive Strahlung wird mittels PET erkannt und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. PET ist eine klinisch etablierte Methode, die beispielsweise zur Untersuchung von Tumorpatienten eingesetzt wird. Als nicht-invasives Verfahren belastet die PET-Bildgebung den Organismus weniger als viele andere Untersuchungen.<br> &nbsp;<br> Durch die Kombination von PET mit der Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Forschungsteam jetzt in der Lage, die Position und Anzahl der Gefäßmuskelzellen im Körper zu verfolgen. „Mit dieser Methode können wir am lebenden Tier beobachten, wie die markierten Zellen an der Entstehung von Atherosklerose beteiligt sind“, erläutert Erstautorin und Studienleiterin Dr. Susanne Feil vom Interfakultären Institut für Biochemie (IFIB) der Universität Tübingen. So ist beispielweise zu sehen, wo in Blutgefäßen sich vermehrt Gefäßmuskelzellen ansammeln und zu „Verkalkungen“ beitragen. Durch das Sichtbarmachen solcher Zellansammlungen lassen sich Rückschlüsse ziehen, ob Veränderungen harmlos sind oder sich lebensbedrohlich auswirken könnten, etwa weil sie zu Gefäßverschlüssen und Infarkten führen könnten (siehe Abbildung).&nbsp;<br> &nbsp;<br> Zusätzlich seien im Vergleich zu früheren Methoden wesentlich weniger Versuchstiere nötig, so das Forschungsteam. Die markierten Zellen könnten nicht-invasiv über viele Wochen im selben Tier verfolgt werden und somit auch die Entwicklung einer Atherosklerose. Zudem ließen sich mit Hilfe von Langzeitstudien deutlich mehr Daten pro Tier gewinnen, und diese auch in besserer Qualität, da es nicht zu interindividuellen Schwankungen bei den Messwerten kommt.&nbsp;<br> &nbsp;<br> „Ganz im Sinne des 3R-Prinzips“, sagt Feil. „Es geht darum, Tierversuche möglichst vollständig zu vermeiden (Replacement) beziehungsweise die Zahl der Tiere (Reduction) und deren Belastung (Refinement) in Versuchen auf das unerlässliche Maß zu beschränken. Zur Analyse des Verhaltens von Zellen (z.B. Gefäßmuskelzellen) in Mäusen wurden bisher Verfahren verwendet, die mit einer relativ hohen Belastung bzw. der Tötung einer größeren Anzahl von Versuchstieren verbunden waren.“&nbsp;<br> &nbsp;<br> Das neue PET-Verfahren wurde in Zusammenarbeit des Interfakultären Instituts für Biochemie und des Werner Siemens Imaging Center des Universitätsklinikums Tübingen entwickelt. Das Projekt wurde von der EU, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Dr. K. H. Eberle Stiftung gefördert.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Feil S, Stowbur D, Schörg B, Ehrlichmann W, Reischl G, Kneilling M, Pichler B, Feil R. 2023. „Noninvasive detection of smooth muscle cell-derived hot spots to study atherosclerosis by PET/MRI in mice”. Circulation Research, doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.122.322296<br> sowie <a href="https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/CIRCRESAHA.122.322296" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/CIRCRESAHA.122.322296</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-90892</guid><pubDate>Fri, 10 Mar 2023 13:50:00 +0100</pubDate><title>Ministerpräsident und Wissenschaftsministerin besuchen die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ministerpraesident-und-wissenschaftsministerin-besuchen-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Austausch mit Forschenden und Studierenden über die Rolle der Geisteswissenschaften in einer Gesellschaft des Wandels</description><content:encoded><![CDATA[<p>Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski haben am Freitag die Universität Tübingen besucht und dabei den Austausch mit Forschenden und Studierenden gesucht. Thema des rund eineinhalbstündigen Gesprächs war die Rolle der Geisteswissenschaften in einer Gesellschaft des Wandels.&nbsp;</p><p>„Die Geisteswissenschaften sind für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen von großer Bedeutung, gerade in einem Zeitalter der Krisen. Nur sie können gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen und Umbrüche wirklich analysieren und erklären. Vor allem aber liefern sie wichtige Impulse und Anstöße, wie die Transformation so gestaltet werden kann, dass sie als gesamtgesellschaftliches Projekt gelingt. Es ist etwa besonders wichtig, dass ethische Fragen bei der Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik von Beginn an mitgedacht werden“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Hier an der Universität Tübingen engagieren sich nicht nur die Medienwissenschaft und die Rhetorik seit Jahren intensiv für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – und für die wichtige Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse für alle Menschen verständlich zu vermitteln.“&nbsp;</p><p>„Die Universität Tübingen ist auch international ein Standort der Spitzenforschung in den Geisteswissenschaften. In der Exzellenzstrategie verfolgt sie das Konzept des ‚Public Engagement‘, um den so wichtigen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Ich bin überzeugt, dass die Einbindung der Geisteswissenschaften unerlässlich ist, um die Voraussetzung für Innovation, um gesellschaftliche Veränderungsprozesse und die damit einhergehenden Chancen, aber auch Konflikte umfassend verstehen und gestalten zu können“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.</p><p>„Die Universität Tübingen ist ein Ort hervorragender Natur- und Lebenswissenschaften“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann: „Drei Exzellenzcluster zur Infektions- und Krebsforschung sowie zum maschinellen Lernen machen die herausragende Position Tübingens auf diesem Feld sehr deutlich. Gerade wegen dieser besonderen Stärken habe ich mich besonders darüber gefreut, dass der Ministerpräsident und die Ministerin die Rolle der Geisteswissenschaften, in denen Tübingen seit jeher einen herausragenden Ruf genießt, in den Mittelpunkt ihres Besuches gestellt haben.“&nbsp;</p><p>Der Austausch zwischen dem Ministerpräsidenten, der Ministerin sowie den Forschenden und den Studierenden drehte sich um Themen wie beispielsweise die Frage, ob sich die Geisteswissenschaften stärker in gesellschaftliche Debatten einbringen sollten und wenn ja, wie dies gelingen könne. Weitere Themen waren der Dialog zwischen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Technik, der Beitrag der Geisteswissenschaften zur Ausbildung der jungen Generation als „Global Citizens“oder die konkreten Erwartungen an die Universität Tübingen mit Blick auf Wissenschaftskommunikation und Translation.&nbsp;</p><p>„Der Wandel, der sich derzeit in den Gesellschaften aller Industrienationen vollzieht, ist in seinem Charakter fundamental“, sagte Pollmann: „Neue Lebensentwürfe und individuelle Rollenmodelle stoßen auf rasante Veränderungen in traditionellen Industrien, aber auch in Dienstleistungsberufen. Der Siegeszug neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Robotik stellt nicht nur den Fortbestand vieler tradierter Berufe in Frage, sondern auch die Unersetzlichkeit des Menschen, seiner Arbeitskraft und zunehmend auch seiner Kreativität“, sagte Pollmann. Dazu kämen zahlreiche Krisen, die unsere Gesellschaft unter massiven Stress setzten – von der Corona-Pandemie, über den Ukrainekrieg bis hin zum Klimawandel. Die Geisteswissenschaften seien in dieser Situation kein Reparaturbetrieb von Gesellschaft und Wirtschaft. Sie könnten auch nicht alle Probleme beseitigen. Sie seien aber für das Verständnis der unterschiedlichsten Veränderungen und Herausforderungen unerlässlich und unersetzlich in ihrer Rolle als Orientierungswissenschaften.&nbsp;</p><p>Die Rektorin verwies in diesem Zusammenhang auf herausragende Projekte an der Universität Tübingen wie den Sonderforschungsbereich „Bedrohte Ordnungen“ oder die geplante Forschungsstelle zum Rechtsextremismus: „Unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft manifestiert sich unter anderem darin, dass wir Herausforderungen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft analysieren und zu ihrer Bewältigung beitragen.“ Eine weitere wichtige Aufgabe sehe die Universität darin, bei der Entwicklung neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz von Beginn an ethische Fragestellungen mit zu berücksichtigen. „Nicht zuletzt tragen wir als Universität eine große Verantwortung für die Bildung der jungen Generation“, betonte die Rektorin: „Hier ist es uns wichtig, Studierende die Chance zu geben, sich zu weltoffenen und vorurteilsfreien Menschen zu entwickeln, die bereit und in der Lage sind, Verantwortung für sich selbst und eine weltweite Gemeinschaft zu übernehmen.“ &nbsp; &nbsp;</p><p>Pollmann verwies auf die lange Tradition herausragender geisteswissenschaftlicher Forschung in Tübingen: „Wir sind nicht allein die Universität, die Hegel, Schelling und Hölderlin geprägt hat; Tübingen ist auch der Geburtsort der historisch-kritischen Bibelforschung, mit der im 19. Jahrhundert die Grundlage für die moderne Theologie gelegt wurde.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten prominente Denker wie Ernst Bloch, Ralf Dahrendorf, Walter Jens und Hans Küng das Profil Tübingens geprägt. Die Bedeutung der Universität für die geisteswissenschaftliche Forschung in Deutschland lasse sich auch an harten Zahlen ablesen. So führe der aktuelle DFG-Förderatlas Tübingen als eine der drei leistungsstärksten deutschen Universitäten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften. Zum gleichen Urteil komme das renommierte Times Higher Education Ranking nach Fächern.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-90736</guid><pubDate>Wed, 08 Mar 2023 13:34:32 +0100</pubDate><title>Veränderte Hirnstruktur: Warum Infektionen in der Schwangerschaft Autismus begünstigen können</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/veraenderte-hirnstruktur-warum-infektionen-in-der-schwangerschaft-autismus-beguenstigen-koennen/</link><description>Tübinger Forscherinnen entwickeln ein dreidimensionales Hirngewebemodell, um Umwelteinflüsse auf die embryonale Hirnentwicklung in der Petrischale zu untersuchen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wichtige Weichen werden früh im Leben gestellt – manche sogar vor der Geburt. Bereits im Mutterleib beeinflussen Umweltfaktoren die Entwicklung des Kindes und können Auswirkungen auf die Gesundheit haben. So erhöhen bestimmte Infektionen das Risiko, später an einer Autismus-Spektrum-Störung zu erkranken. Ein Forschungsteam um Dr. Simone Mayer vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen hat nun einen molekularen Mechanismus dieses Zusammenhangs entschlüsselt. Schüttet das Immunsystem der werdenden Mutter einen bestimmten Botenstoff aus, so verändere das Großhirn des Ungeborenen seinen Aufbau, berichten sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Molecular Psychiatry</em></span>. Für die Studie hat das Team dreidimensionales Zellgewebe entwickelt, dass die Großhirnrinde des Menschen nachahmt: ein sogenanntes Hirnorganoid.</p><p>„Epidemiologische Studien deuten seit längerem darauf hin, dass Infektionen während der Schwangerschaft mit einem leicht erhöhten Risiko bei Kleinkindern einhergehen, an einer Autismus-Spektrums-Störung zu erkranken“, erklärt Studienleiterin Mayer. Bei Mäusen sei festgestellt worden, dass Botenstoffe des Immunsystems die embryonale Gehirnstruktur beeinflussen könnten. „Offen war bisher, ob die gleichen molekularen Mechanismen auch beim Menschen zum Tragen kommen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-90703</guid><pubDate>Tue, 07 Mar 2023 13:44:16 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen baut Forschungsstelle Rechtsextremismus auf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-baut-forschungsstelle-rechtsextremismus-auf/</link><description>Forschende wollen Einstellungen, Lebenswelten und Kommunikation von Rechtsextremisten analysieren – Enge Kooperation mit Dokumentationsstelle Rechtsextremismus und weiteren Partnern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen wird im Auftrag des Landes Baden-Württemberg eine Forschungsstelle Rechtsextremismus aufbauen. „Unser Ziel ist die Stärkung gesellschaftlicher und staatlicher Strukturen gegen&nbsp;rechtsextreme Ideologien und Praktiken mithilfe der Forschung“, sagte der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Professor Ansgar Thiel, am Dienstag in Tübingen. „Wir wollen dabei sowohl die Entstehung und Verbreitung rechtsextremer Einstellungen und Praktiken erforschen, als auch die jeweils aktuellen Bedrohungspotentiale für die offene Gesellschaft identifizieren.“&nbsp;</p><p>Die Forschungsstelle wird drei Professuren umfassen, die vom Land Baden-Württemberg finanziert werden, darunter die bundesweit erste Professur für Rechtsextremismusforschung im Bereich der Politikwissenschaft. Zusätzlich finanziert die Universität eine Juniorprofessur zur Erforschung von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Dazu kommen weitere Stellen für wissenschaftliche sowie unterstützende Aufgaben. Das Land finanziert die Forschungsstelle mit insgesamt 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Darüber hinaus soll die neue Einrichtung Drittmittel für einzelne Forschungsprojekte einwerben.<br> &nbsp;<br> Die Forschungsstelle wird eng mit der Karlsruher Dokumentationsstelle Rechtsextremismus zusammenarbeiten, deren Einrichtung von der baden-württembergischen Landesregierung bereits 2020 beschlossen worden war. Weitere Kooperationspartner sind die Hochschule Esslingen, die Hochschulen für Verwaltung in Kehl und Ludwigsburg, die baden-württembergische Polizeihochschule, der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb sowie die Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung. Der Aufbau der Forschungsstelle soll noch 2023 beginnen.&nbsp;</p><p>Ein Schwerpunkt der Forschung wird die Analyse rechtsextremer Kommunikation auf unterschiedlichsten digitalen Plattformen und in den sozialen Medien sein. Dabei soll unter anderem untersucht werden, wie rechtsextreme Diskurse, Medien und Strategien die demokratische Debattenkultur beschädigen. „Soziale Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts und der Kommunikation zwischen rechtsextremen Akteurinnen und Akteuren“, sagte Professorin Tanja Thomas, Inhaberin des Lehrstuhls Transformationen der Medienkultur der Universität Tübingen.</p><p>Die für die Forschungsstelle zu berufenden Professorinnen und Professoren sollen sich mit Rechtsextremismus aus politikwissenschaftlicher, medienwissenschaftlicher und erziehungswissenschaftlicher Perspektive auseinandersetzen, wie Thiel erläuterte: „Die Idee ist, sämtliche Aspekte der Erforschung des Rechtsextremismus zu berücksichtigen, von der Ideologie, über den Alltag rechtsextremer Milieus bis hin zu konkreten Aktivitäten einzelner Akteurinnen und Akteure.“ Dabei würden die Forschende ein breit gefächertes Spektrum von Methoden einsetzen, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. Die Forschungsstelle werde dabei sowohl die rechte Szene in Baden-Württemberg beleuchten als auch bundesweite und punktuell internationale Verflechtungen der rechten Szene in den Blick nehmen. &nbsp;&nbsp;</p><p>Thiels Vorgänger im Amt des Dekans, der Politikwissenschaftler Professor Josef Schmid, sagte, die Forschungsstelle könne auf eine Reihe von wissenschaftlichen Projekten an der Universität Tübingen aufbauen, darunter der Demokratie-Monitor Baden-Württemberg, der Sonderforschungsbereich „Bedrohte Ordnungen“ oder ein Promotionskolleg zum Rechtsextremismus. Die Tübinger Informatik mit ihrem Schwerpunkt in Künstlicher Intelligenz wird Forschungsaktivitäten ebenso unterstützen wie das Zentrum für Methoden. Die Zentren für Wissenschaftskommunikation und Medienkompetenz der Universität sind weitere Partner in Forschung und Transfer von Forschungsergebnissen in die Zivilgesellschaft.</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p><a href="https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/land-baut-forschungsstelle-rechtsextremismus-in-tuebingen-auf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Staatsministeriums Baden-Württemberg zur Forschungsstelle Rechtsextremismus</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-90112</guid><pubDate>Wed, 01 Mar 2023 17:00:00 +0100</pubDate><title>Überleben in der Eiszeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ueberleben-in-der-eiszeit/</link><description>Größte Genomanalyse eiszeitlicher Vorfahren zeigt Wanderbewegungen der Jäger und Sammler über einen Zeitraum von 30.000 Jahren – Westeuropa war Zuflucht in der Eiszeit – auf der italienischen Halbinsel starben die Menschen aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem größten jemals erstellten Genomdatensatz europäischer Jäger und Sammler hat ein internationales Forschungsteam die genetische Abstammungsgeschichte unserer Vorfahren neu geschrieben. 125 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschten an der Studie unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und des Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span>, der Universität Peking sowie des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <span lang="en" dir="ltr"><em>Nature </em></span>veröffentlicht.</p><p>Das Team analysierte die Genome von insgesamt 356 prähistorischen Individuen aus unterschiedlichen archäologischen Kulturen ‒ darunter neue Genomdatensätze von 116 Individuen aus 14 verschiedenen europäischen und zentralasiatischen Ländern. Vor etwa 45.000 Jahren begann der moderne Mensch sich in Eurasien auszubreiten. Jedoch sind die ersten modernen Menschen Europas nicht die genetischen Vorfahren späterer Populationen, wie kürzlich gezeigt werden konnte.&nbsp;</p><p>Die Studie konzentrierte sich nun auf Menschen, die zumindest in Teilen als Vorfahren der heutigen Menschen Westeurasiens gelten: Sie lebten in dem Zeitraum zwischen 35.000 und 5.000 Jahren vor heute, unter anderem auch in der kältesten Phase der letzten Eiszeit vor ca. 25.000 Jahren, genannt das „letzte glaziale Maximum (LGM)“.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-90088</guid><pubDate>Fri, 24 Feb 2023 09:00:00 +0100</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis für Judaist Peter Ochs</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-fuer-judaist-peter-ochs/</link><description>Mitbegründer der „dialogischen Interpretation“, die Religionen ins Gespräch bringt – Nachwuchspreis erhält Geschichtswissenschaftlerin Johanna Jebe</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät wird an den Judaisten Peter Ochs verliehen. Die Fakultät der Universität Tübingen würdigt damit seine Verdienste im Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam: Er hat maßgeblich die Methode des „<span lang="en" dir="ltr">Scriptural Reasoning</span>“ mitentwickelt und verbreitet.&nbsp;</p><p>Die Methode verfolgt das Ziel, durch gemeinsame Lektüre und Diskussion der jeweiligen heiligen Schriften versöhnend zwischen Angehörigen des Christentums, des Judentums und des Islam zu vermitteln und zu gemeinsamem Handeln zu motivieren. Die dialogische Interpretation der heiligen Schriften befördert das Verständnis und die Akzeptanz der jeweiligen religiösen Traditionen. Dieses gegenseitige Verständnis stellt für Ochs die Grundlage der interreligiösen Versöhnung dar. &nbsp;</p><p>Die feierliche Verleihung findet statt am&nbsp;</p><p class="align-center"><strong>Dienstag, 9. Mai 2023 17:15 Uhr im Festsaal&nbsp;<br> der Universität Tübingen<br> (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen).&nbsp;</strong></p><p>Medienvertreterinnen und -vertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen.</p><p>Peter Ochs (geb. 1950) war von 1997-2021 <span lang="en" dir="ltr">Edgar M. Bronfman Professor of Modern Judaic Studies</span> an der <span lang="en" dir="ltr">University of Virginia </span>und ist seit 2022 Professor Emeritus. Er ist Mitbegründer der „<span lang="en" dir="ltr">Society for Scriptural Reasoning</span>” und des „<span lang="en" dir="ltr">Children of Abraham Institute</span>”, die dem Dialog zwischen Mitgliedern der abrahamitischen Religionen verpflichtet sind. Er ist durch zahlreiche einflussreiche Publikationen im Bereich der Judaistik, der jüdischen Philosophie und Theologie, der (post-)modernen Philosophie und des interreligiösen Dialogs und der Friedensförderung hervorgetreten.</p><p>Neben seiner breiten und interdisziplinären wissenschaftlichen Tätigkeit war Ochs auch in der Politikberatung für das amerikanische Außenministerium zu den Themen Religion und Außenpolitik sowie Religion und Gewalt aktiv. Ochs stellt in seinem Wirken nicht nur einen theoretischen Rahmen für die interreligiöse Verständigung zur Verfügung, sondern arbeitet auch aktiv an einer praktischen Umsetzung dieses Ziels.</p><p>Damit erfülle der Judaist in herausragender Weise in seinem wissenschaftlichen und persönlichen Wirken die Ziele des Dr. Leopold Lucas-Preises, sagte die Jury. Mit dem Preis werden Menschen ausgezeichnet, deren wissenschaftliches Werk die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht hat. Der Dr. Leopold Lucas-Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet ‒ aus Anlass des 100. Geburtstages seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas.&nbsp;</p><p>Dieser wirkte als Rabbiner in Glogau und zuletzt an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der zu seinem Gedächtnis gestiftete Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89881</guid><pubDate>Tue, 14 Feb 2023 17:06:17 +0100</pubDate><title>Lehrer legen ungleiche Kriterien bei der Bewertung von Hochbegabung an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/lehrer-legen-ungleiche-kriterien-bei-der-bewertung-von-hochbegabung-an/</link><description>Mädchen und Kinder aus bildungsfernen Familien werden bei gleichen Fähigkeiten benachteiligt – Internationales Forscherteam legt repräsentative Studie vor  
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lehrern vermuten bei Jungen mit eineinhalbmal höherer Wahrscheinlichkeit eine Hochbegabung als bei ebenso begabten Mädchen. Außerdem schätzen Lehrkräfte auch Kinder aus Familien mit hohem Bildungsstand eher als hochbegabt ein. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universitäten Tübingen, Maastricht und Jena, die in der Zeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Gifted Child Quarterly</em></span> veröffentlicht wurde.</p><p>Damit machen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ein besonderes Problem in der Förderung von Hochbegabten aufmerksam: Da für manche Förderprogramme Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler nominieren, werden einige Gruppen systematisch benachteiligt, unabhängig von deren Fähigkeiten, Motivation oder Persönlichkeit. Erst nach der Einschätzung durch die die Lehrkräfte folgen weitere Tests, beispielsweise standardisierte Intelligenztests als Zugangsvoraussetzung zu bestimmten Förderprogrammen.</p><p>„Lehrkräfte sollten ihre Vorstellungen von Hochbegabung hinterfragen“, so Jessika Golle, Juniorprofessorin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und eine der Autorinnen der Studie.</p><p>Sie ließen sich oftmals von falschen Vorstellungen leiten oder wählten Kinder aus, von denen sie vermuteten, dass diese in den Förderprogrammen gut abschneiden könnten. Gängige Vorstellungen, wie sich Hochbegabung bei Kindern ausdrückt, sind gute Leistungen in der Schule, hohe Motivation und Kreativität sowie überdurchschnittliche soziale Fähigkeiten. Hochbegabte Kinder werden allerdings oft auch als emotional anfällig und weniger umgänglich gesehen und mit problematischem Verhalten in Verbindung gebracht.</p><p>Um herauszufinden, was Lehrkräfte tatsächlich dazu bringt, ein Kind als hochbegabt einzuschätzen, werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten einer Langzeitstudie aus den Niederlanden aus. Insgesamt wurden für den Datensatz rund 27.000 Schülerinnen und Schüler aus der sechsten Klassenstufe und ihre rund 1.300 Lehrkräfte befragt. Die Kinder absolvierten einen Test, der ihre allgemeine kognitive Fähigkeit abbildete, sowie Tests, die ihre schulische Leistung erfassten, und beantworteten einen Fragebogen, der ihre Persönlichkeitsmerkmale erfasste. Gleichzeitig sollten die Lehrkräfte die Kinder in ihrem Verhalten beurteilen und die Frage beantworten, ob das Kind ihrer Meinung nach hochbegabt sei oder nicht.</p><p>Das Ergebnis: Schüler, die als hochbegabt eingestuft wurden, zeigten ein höheres Niveau an allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, sie zeigten höhere schulische Leistungen, waren offener und waren umgänglicher als die Schülerinnen und Schüler, die nicht als hochbegabt eingestuft wurden. Außerdem waren die als hochbegabt beurteilten Kinder auch häufiger jünger und männlich und stammten aus Familien mit einem hohen Bildungsstand im Vergleich zu allen anderen Kindern. „Interessant war zudem, dass bei Schülerinnen und Schülern mit gleichen Fähigkeiten und gleicher Motivation, diejenigen eher als hochbegabt eingestuft wurden, deren Verhalten weniger verträglich war“, so Golle. Das zeige, dass sich hartnäckig das Stereotyp halte, Hochbegabte seien im Umgang schwieriger und sozial beeinträchtigt.</p><p>„Es ist wichtig, dass Lehrkräfte diese Vorurteile bewusst werden, sonst werden Mädchen und Schülerinnen und Schüler aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau systematisch benachteiligt“, ergänzt Trudie Schils von der Universität Maastricht. „Ihre Rolle im Auswahlprozess sollte hinterfragt werden, denn schließlich sind meistens sie es, die den Förderbedarf von Kindern frühzeitig erkennen.“</p><p><strong>Originalpublikation:</strong><br> Golle, J., Schils, T., Borghans, L., &amp; Rose, N. (2022). <span lang="en" dir="ltr">Who is considered gifted from a teacher’s perspective? A representative large-scale study</span>. <span lang="en" dir="ltr"><em>Gifted Child Quarterly</em></span>. <span lang="en" dir="ltr">Advanced online publication.</span><a href="https://doi.org/10.1177/00169862221104026&amp;nbsp" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1177/00169862221104026&amp;nbsp</a>;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89623</guid><pubDate>Tue, 07 Feb 2023 09:30:00 +0100</pubDate><title>Hertie-Stiftung gründet neues Institut, das künstliche Intelligenz und Neurowissenschaften verbindet </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hertie-stiftung-gruendet-neues-institut-das-kuenstliche-intelligenz-und-neurowissenschaften-verbindet/</link><description>Hertie Institute for Artificial Intelligence in Brain Health (Hertie AI) in Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<ul><li>Hertie-Stiftung finanziert mit 10 Mio. Euro das gemeinsame Projekt mit der Universität Tübingen</li><li>Institut als weiterer Baustein im <span dir="ltr" lang="en">Cyber Valley</span> Ökosystem, Europas größtem Forschungskonsortium im Bereich KI</li><li>Ziel des Instituts ist, Fortschritte in künstlicher Intelligenz für Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems zu nutzen</li></ul><p>Startschuss für ein Leuchtturmprojekt, das die Zukunftsthemen Künstliche Intelligenz (KI) und Neuromedizin erstmals miteinander verbindet: Mit dem <span lang="en" dir="ltr">Hertie Institute for Artificial Intelligence in Brain Health (Hertie AI)</span>, das zum 1. Februar an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen gegründet wurde, entsteht das bundesweit erste Institut, das Prävention und frühe Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems mit Hilfe von Methoden der künstlichen Intelligenz erforscht.</p><p><strong>KI und „Big Data“ zur Prävention von Hirnerkrankungen&nbsp;</strong>&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br> Das Hertie AI wird auf neuesten Erkenntnissen im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz aufbauen und diese für ein besseres Verständnis des gesunden und kranken Nervensystems nutzen. Mithilfe komplexer Datensätze, die heute in der Grundlagenforschung verfügbar sind und im Klinikalltag gesammelt werden, sollen am Institut neue Methoden entwickelt werden, um Erkrankungen des Nervensystems früher zu erkennen, Krankheitsverläufe vorherzusagen und Therapien zielgerichteter einzusetzen. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, wird das Hertie AI insbesondere methodische Innovationen vorantreiben, die jene besonderen Anforderungen erfüllen, die an klinisch eingesetzte KI-Methoden gestellt werden: Genauigkeit, Robustheit und Nachvollziehbarkeit.</p><p>Gründungsdirektor Prof. Dr. Philipp Berens, Professor im Bereich <span lang="en" dir="ltr">Data Science</span> an der Universität Tübingen und Sprecher des Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ forscht seit 15 Jahren auf dem Gebiet: „Mit dem neuen Institut können wir, ausgehend von der methodischen Grundlagenforschung, die translationale Pipeline bis hin zur klinischen Umsetzung abdecken“, erklärt er. „Das ermöglicht uns, die Investitionen in den KI Standort Tübingen sowohl für die Neuromedizin als auch für die Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen – in Zusammenarbeit mit unseren klinischen Partnern in der Neurologie und Augenheilkunde.“&nbsp;</p><p>Die Hertie-Stiftung finanziert das gemeinsame Projekt mit der Universität Tübingen mit 10 Millionen Euro für zunächst fünf Jahre. Unter ihrem Leitthema „Gehirn erforschen“ investiert die Stiftung damit nach der erfolgreichen Gründung des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) im Jahr 2001 in ein neues zukunftsweisendes Großprojekt in Tübingen. &nbsp;</p><p>Frank-J. Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung erläutert: „Die Förderung der Neurowissenschaften ist ein Kernthema der Hertie-Stiftung. Ich bin davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz eine Schlüsselrolle für die Wissenschaft spielen wird und freue mich deshalb sehr, dass wir ein weiteres zukunftsweisendes Institut für die Weiterentwicklung der Neuromedizin gemeinsam mit der Universität Tübingen auf den Weg bringen können. Das ebenfalls gemeinsam gegründete Hertie-Institut für klinische Hirnforschung mit Förderung vom Land Baden-Württemberg zeigt eindrucksvoll, was eine gute <span lang="en" dir="ltr">Public-Private Partnership</span> bewirken kann.“</p><p>Die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Karla Pollmann, dankte der Hertie-Stiftung für ihr nachhaltiges Engagement für den Forschungsstandort Tübingen: „Die Tatsache, dass wir Tübingen in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach auf hoch-innovativen und sich dynamisch entwickelnden Forschungsfeldern wie den Neurowissenschaften oder der künstlichen Intelligenz etablieren konnten, haben wir ganz wesentlich der Unterstützung von Einrichtungen wie der Hertie-Stiftung zu verdanken.“ Ein solches Engagement privater Geldgeber sei zentral dabei, im Wettbewerb um die besten Köpfe weltweit erfolgreich zu sein und – im Verein mit Bund und Land – gute Bedingungen für Spitzenforschung zu schaffen.</p><p>„Das <span lang="en" dir="ltr">Hertie Institute for Artificial Intelligence in Brain Health</span> ist ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Medizin 4.0. Mit der Digitalisierung der medizinischen Forschung und Krankenversorgung werden wir zukünftig richtungsweisende Fortschritte erzielen. So kann uns die künstliche Intelligenz dazu verhelfen, den gigantischen Datenmengen Herr zu werden, die etwa beim Einsatz modernster medizinischer Diagnoseverfahren entstehen. Umso erfreulicher ist es, dass das Hertie AI an der Medizinischen Fakultät Tübingen angesiedelt ist“, betont Prof. Dr. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen.</p><p>Das Hertie AI ist ein neuer Pfeiler in dem europaweit einzigartigen Netzwerk aus Forschungsinitiativen in den Neurowissenschaften und der künstlichen Intelligenz am Wissenschaftsstandort Tübingen und wird in das <span lang="en" dir="ltr">Cyber Valley</span> Ökosystem eingebettet.</p><ul><li><a href="https://hertie.ai/" target="_blank" rel="noreferrer">Homepage Hertie AI</a></li></ul><p><br><em><strong>Über die Gemeinnützige Hertie-Stiftung</strong><br> Die Arbeit der Hertie-Stiftung konzentriert sich auf zwei Leitthemen: Gehirn erforschen und Demokratie stärken. Die Projekte der Stiftung setzen modellhafte Impulse innerhalb dieser Themen. Im Fokus stehen dabei immer der Mensch und die konkrete Verbesserung seiner Lebensbedingungen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung wurde 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und ist heute eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland. Der Name „Hertie“ geht zurück auf Hermann Tietz, Mitbegründer des gleichnamigen Warenhauskonzerns zum Ende des 19. Jahrhunderts.<br><a href="http://www.ghst.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.ghst.de</a></em></p><p><em><strong>Über die Medizinische Fakultät an der Universität Tübingen</strong><br> Die Medizinische Fakultät als enger Partner des Universitätsklinikums Tübingen ist mit über 1.000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Fakultät der Universität Tübingen und Ausbildungs- und Forschungsstätte auf höchstem Niveau. Zusammen mit der Theologischen, der Juristischen und der Artistischen (später Philosophischen) Fakultät gehört sie zu den vier "Gründungsfakultäten" der Universität aus dem Jahre 1477.<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de</a></em></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89518</guid><pubDate>Thu, 02 Feb 2023 16:27:55 +0100</pubDate><title>Krebsforschung auf Augenhöhe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/krebsforschung-auf-augenhoehe/</link><description>Tübingen, Stuttgart und Ulm als gemeinsamer Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bestätigt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die onkologischen Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart (CCC-TS) und Ulm (CCCU) sind in ihrer Funktion als gemeinsamer Standort „NCT-SüdWest“ des erweiterten Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bestätigt worden. Die Entscheidung wurde im Rahmen einer Veranstaltung der Nationalen Dekade gegen Krebs von Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger verkündet. Das erweiterte, aus sechs Standorten bestehende NCT soll im Endausbau mit jährlich 98 Millionen Euro gefördert werden. Dies ist die größte finanzielle Netzwerk-Förderung für die nationale Krebsforschung in der Geschichte der Bundesrepublik.</p><p>Der Bestätigung vorausgegangen war eine zweijährige Strategiephase, in der die neu ausgewählten NCT Standorte ein Strategiekonzept erarbeiten und präsentieren mussten. Mit Erfolg, wie nun das NCT-SüdWest mit seinem Hauptstandort Tübingen beweist: „Die Entscheidung seitens des Internationalen Gutachtergremiums und des BMBF erfüllt uns mit Stolz und bestätigt uns in unserem gemeinsamen Ziel, die klinische Krebsforschung auf ein neues Level zu bringen,“ betont Prof. Dr. Lars Zender, Koordinator des NCT-SüdWest und Ärztlicher Direktor der Medizinischen Onkologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Tübingen.</p><p>Übergeordnetes Ziel des erweiterten NCTs und damit aller Standorte ist es, die klinische Krebsforschung in Deutschland zu unterstützen und mehr Patientinnen und Patienten schnelleren Zugang zu neuen innovativen Krebstherapien zu ermöglichen. Dazu soll die Zahl der klinischen Studien in der Onkologie deutlich gesteigert werden. Insbesondere soll durch die finanzielle Unterstützung erreicht werden, dass an den Universitätsklinika und Onkologischen Spitzenzentren selbst entwickelte Therapiekonzepte in die Phasen der klinischen Testung überführt werden können. Das erweiterte NCT ist eine langfristig angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin und weiteren herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in Deutschland.</p><p>Eine große Rolle wird dabei das Konzept des „Patienten als Forschungspartner“ spielen. „Die Patientenbeteiligung in der klinischen Forschung ist ein entscheidender Faktor und ist in dieser Art und Weise ein Novum in der deutschen Krebsforschung“, erläutert Prof. Dr. Hartmut Döhner, Koordinator des Partnerstandortes Ulm und Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm. An jedem NCT-Standort wird es regionale NCT Patienten-Räte geben, mit einem übergeordneten „Nationalen NCT Patienten-Forschungsrat“ in enger Kooperation mit der Patienten-Experten-Akademie (PEAK). Patientinnen und Patienten werden also von Anfang an auf Augenhöhe in die klinische Forschung integriert. So waren bereits in der Konzeptionsphase für das erweiterte NCT Patienten-Vertreter am Aufbau zukünftiger Strukturen beteiligt.</p><p>„Krebsforschung zusammen mit Patientinnen und Patienten zu denken ist ein weiterer entscheidender Schritt hin zu unserem gemeinsamen Ziel, die Prognose und dadurch die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern“, meint Prof. Dr. Matthias Schwab, Koordinator des Partnerstandortes Stuttgart und Leiter des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie (IKP) am Bosch Health Campus (BHC), der auch das Robert-Bosch-Krankenhaus und das Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankung einschließt. Neben der Einbringung einer breiten pharmakologischen Expertise wird der Standort Stuttgart das NCT-SüdWest auch durch die Rekrutierung von Krebspatientinnen und -patienten aus der Metropolregion Stuttgart unterstützen.</p><p>Das NCT-SüdWest nimmt in Deutschland eine Vorreiterrolle im Bereich akademisch entwickelter neuer zielgerichteter molekularer Therapien ein. Neue Therapeutika, welche im akademischen Wirkstoffzentrum TüCAD2 (Tübingen Centre for Academic Drug Discovery and Development) entwickelt wurden sollen nun im Rahmen des NCT, zusammen mit neuen Bildgebungsverfahren und neuen Immuntherapien in die Phase der klinischen Testung überführt werden.</p><p>Mit dem Hauptstandort Tübingen verfügt der zukünftige Partnerstandort NCT-SüdWest über ein hervorragendes Umfeld im Bereich der klinischen Krebsforschung. Davon zeugen der Status als renommierte Exzellenzuniversität, das international angesehene Universitätsklinikum und der einzige deutsche Exzellenzcluster in der Krebsforschung, iFIT. Hinzu kommt die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Onkologischen Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart und Ulm bei der gemeinsamen Durchführung klinischer Studien und bei der Etablierung des Netzwerks der Zentren für Personalisierte Medizin.</p><p class="align-right"><em>Pressemitteilung des Universitätsklinikums Tübingen</em></p><p class="align-right">&nbsp;</p><p>Weitere Pressemitteilungen:</p><ul><li><a href="https://www.bmbf.de/bmbf/de/forschung/gesundheit/FutureXChange.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Bundesministerium für Bildung und Forschung</a></li><li><a href="https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/startschuss-fuer-das-nationale-centrum-fuer-tumorerkrankungen-suedwest" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg</a></li></ul><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89470</guid><pubDate>Wed, 01 Feb 2023 17:00:00 +0100</pubDate><title>Die Chemie der Mumifizierung: Spuren einer globalen Vernetzung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-chemie-der-mumifizierung-spuren-einer-globalen-vernetzung/</link><description>Internationales Forschungsteam entschlüsselt altägyptische Balsamierung: Gefäße aus einer Mumifizierungswerkstatt in Sakkara erlauben neue Einblicke, welche chemischen Substanzen zur Konservierung menschlicher Körper eingesetzt wurden</description><content:encoded><![CDATA[<ul><li>Ein Forschungsteam der LMU München und der Universität Tübingen gewann über Rückstandsanalysen an Gefäßen einer Mumifizierungswerkstatt neue Erkenntnisse, wie die alten Ägypter die Körper der Verstorbenen einbalsamierten</li><li>Die Archäologen konnten bestimmen, welche Substanzen für welches Körperteil verwendet wurden</li><li>Einige Substanzen stammten nicht aus Ägypten, sondern aus dem gesamten Mittelmeerraum, tropischen Regenwäldern und sogar Südostasien – ein Beleg für eine frühe, globale Vernetzung</li></ul><p>Vor genau 100 Jahren wurde das Grab des Tut-anch-Amun mit seiner weltberühmten Mumie entdeckt. Zwar haben Forscherinnen und Forscher seitdem zahlreiche Erkenntnisse darüber erlangt, wie die alten Ägypter die Leichname für die Mumifizierung vorbereitet haben. Doch wie sie letztlich die Körper der Verstorbenen durch Einbalsamierung unsterblich gemacht haben, ist bislang nur unzureichend bekannt. Einem deutsch-ägyptischen Forscherteam ist es nun gelungen, ganz neue Erkenntnisse über die Chemie der Balsamierung zu gewinnen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Nature </em>veröffentlicht.</p><p>Ein Forschungsteam der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Tübingen hat zusammen mit dem <span lang="en" dir="ltr">National Research Center</span> in Kairo chemische Rückstände an Gefäßen aus einer erst im Jahr 2016 entdeckten Balsamierungswerkstatt in Sakkara unweit der Unaspyramide analysiert. „Wir konnten alle naturwissenschaftlichen Analysen in Ägypten selbst durchführen“, sagt LMU-Archäologe Philipp Stockhammer und Maxime Rageot von der Universität Tübingen ergänzt: „Das verdanken wir Ramadan Hussein, dem Entdecker und Leiter der Ausgrabung des DFG Saqqara Saite Tombs Projects, der leider im Frühjahr unerwartet verstorben ist.“</p><p>In der neu entdeckten Werkstatt mumifizierten im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. Fachleute die Toten. Für die Ägyptologen war es ein Glücksfall, dass zahlreiche Gefäße, die die Handwerker damals verwendet hatten, noch geborgen werden konnten. Und: Die Gefäße waren mit Inhaltsangaben beschriftet, manche sogar mit Handlungsanweisungen. „Namentlich sind viele dieser Balsamierungsstoffe seit der Entzifferung der altägyptischen Schrift bekannt“, so die Leiterin der Ausgrabung, Susanne Beck von der Universität Tübingen, „aber welche Substanz sich hinter einem Namen verbarg, konnten wir bislang nur erahnen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89332</guid><pubDate>Mon, 30 Jan 2023 11:29:37 +0100</pubDate><title>Mutige Theorien und viel Kleinarbeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mutige-theorien-und-viel-kleinarbeit/</link><description>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie zeichnet Archäologin Briana Doering aus: Neue These zur Migration indigener Völker in Alaska bewiesen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in diesem Jahr an Briana N. Doering, Juniorprofessorin an der Universität Wyoming, USA. Die Wissenschaftlerin wird für ihre Dissertation „Evaluating the Social and Environmental Processes of the Athabascan Migration“ ausgezeichnet. In dieser erforscht sie die Migration der indigenen Dene/Athabascan: Vor etwa 1500 Jahren hatten diese ihre Heimat in Alaska und Yukon verlassen und waren in den amerikanischen Südwesten ausgewandert. Briana Doering stellte eine neue These zu den Ursachen auf und bewies diese in gründlicher Kleinarbeit und unter der Anwendung verschiedener Methoden.</p><p>Briana N. Doering studierte am Barnard College der Columbia Universität (New York) den Bachelor Anthropologie und absolvierte an der Universität Michigan (Ann Arbor) den Master „Anthropologische Archäologie“. Dort schloss sie 2020 ihre Promotion ab und ist seitdem als Juniorprofessorin in der Abteilung Anthropologie an der Universität Wyoming tätig. Sie forscht in Alaska unter anderem an Fragen zu Migration, indigener Archäologie, Mensch-Tier-Beziehungen, räumlicher Organisation, Resilienz und Anpassung.</p><p>In ihrer Dissertation stellt die Archäologin eine neue These zur Migration der indigenen Dene/Athabascan auf, die durch archäologische, sprachliche, genetische und mündlich überlieferte Daten belegt ist. Lange war die gängige Meinung, diese Sprachgruppe hätten wegen eines Vulkanausbruchs ihre Heimat verlassen. Doering stellt in Frage, dass hier ein plötzliches dramatisches Umweltereignis zugrunde lag. Stattdessen ging sie von einem allmählichen Prozess aus, der durch soziale Faktoren ausgelöst wurde: eine wachsende Bevölkerung und eine Reorganisation von Gruppen im Zusammenhang mit der Verwandtschaftsstruktur.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89305</guid><pubDate>Fri, 27 Jan 2023 15:22:36 +0100</pubDate><title>Universitäten von Nottingham und Tübingen schließen strategische Partnerschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaeten-von-nottingham-und-tuebingen-schliessen-strategische-partnerschaft/</link><description>Investitionen in gemeinsame Spitzenforschung und erlassene Studiengebühren für Masterstudiengänge vereinbart</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine Delegation aus Nottingham unter der Leitung von Rektorin und Präsidentin Professor Shearer West war am Donnerstag an der Universität Tübingen zu Besuch und hat eine strategische Partnerschaft unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht in den kommenden Jahren gemeinsame Investitionen in Forschung, Lehre und Innovation vor.&nbsp;</p><p>"Grundlage unserer vertieften Zusammenarbeit sind gemeinsame Forschungsprojekte, Masterstudiengänge, Postdoc-Programme und Stipendien für Promovierende und Studierende“, sagte Professorin West. „Die Universität Nottingham investiert deshalb weitere 320.000 Pfund in diese Partnerschaft.“ Das sind umgerechnet etwas über 360.000 Euro.</p><p>Die beiden Universitäten einigten sich auf eine Anschubfinanzierung und gemeinsam getragene Stipendien, für die Tübingen die von Nottingham vorgesehenen Mittel matcht.&nbsp;</p><p>„Die britischen Universitäten sind heute und in Zukunft eine unverzichtbare Säule der europäischen Forschung. Für die Universität Tübingen ist es von großer Bedeutung, die traditionell hervorragenden Beziehungen zu britischen Wissenschaftseinrichtungen zu pflegen und zu stärken“, sagte Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Dies komme nicht nur den Studierenden und Forschenden in Nottingham und Tübingen zugute, sondern auch der Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland und Großbritannien insgesamt.</p><p>In der Lehre kooperieren die beiden Universitäten bereits seit 2017. Mittlerweile gibt es drei gemeinsame Masterstudiengänge in den Wirtschaftswissenschaften: Master in Economics, European Management und European Economics. Studierende absolvieren zwei Semester in Tübingen und zwei Semester in Nottingham. Die Studiengebühren der Universität Nottingham werden dabei erlassen. &nbsp;</p><p>Auftakt zu der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Universitäten auch in der Forschung war ein Workshop im Mai 2020. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Institutionen identifizierten Themen, bei denen eine Zusammenarbeit zu besonderen Synergien führen kann. Dazu gehören die Bereiche Quantenphysik, Mathematik und die Erforschung von Gravitationswellen, Molekularbiologie, bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie, Ernährungssicherheit und Agrarwirtschaft, Geistes- und Sozialwissenschaften.&nbsp;</p><p>"Seit der Investition in die Partnerschaft durch zweckgebundene Ressourcen ist der Output unserer gemeinsamen Forschung von 2019 bis 2021 um 220 Prozent gestiegen. Dieser Trend wird sich nun fortsetzen", sagte Professorin West.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-89290</guid><pubDate>Fri, 27 Jan 2023 09:15:44 +0100</pubDate><title>Leibniz Kolleg der Universität Tübingen wird 75 Jahre</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leibniz-kolleg-der-universitaet-tuebingen-wird-75-jahre/</link><description>Auftakt der Hannah Arendt-Lecture: Jüdisch-deutsche Philosophin ist Namensgeberin der jährlichen Vorlesungsreihe – Livestream für die Öffentlichkeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Leibniz Kolleg der Universität Tübingen feiert 75-jähriges Jubiläum: 1948 gegründet, absolvieren hier jährlich Studierende ein interdisziplinäres Orientierungsstudium. Anlässlich des Jahrestags findet erstmals die Tübinger Hannah Arendt-Lecture statt, die künftig jährlich vom Leibniz Kolleg ausgerichtet wird. Sie erinnert an die deutsch-jüdische Philosophin und an ihre Vorträge über Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft am Leibniz Kolleg in den 1950er Jahren.</p><p>Zur ersten Hannah Arendt-Lecture und Feier des 75. Jubiläums sind Medienvertreterinnen und -vertreter herzlich eingeladen:</p><p>Am Sonntag, 5. Februar 2023, um 13:00 Uhr im Audimax der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl-Platz). Wir bitten um Anmeldung unter&nbsp;<a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtcpuvcnvwpiBngkdpkb/mqnngi0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">veranstaltung<span style="display:none">spam prevention</span>@leibniz-kolleg.uni-tuebingen.de</a></p><p>Da nur noch wenige Plätze frei sind, wird die Veranstaltung zudem für die interessierte Öffentlichkeit im Livestream übertragen unter&nbsp;<a href="https://youtu.be/tCSOTc_HbkQ" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/tCSOTc_HbkQ</a></p><p>Es sprechen Rektorin Professorin Karla Pollmann; Professor Jan Born, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats, und Ursula Konnertz, wissenschaftliche Leiterin des Leibniz Kollegs. Den Festvortrag „Die Last unserer Zeit – Hannah Arendt über Totalitarismus“ hält Professorin Barbara Hahn aus Vanderbilt.</p><p><strong>Das Leibniz Kolleg – „Demokratie durch Bildung“</strong><br> Kernkonzept des Leibniz Kollegs war seit Gründung im Februar 1948 „Demokratie durch Bildung“. Das Kollegienhaus sollte damals jungen Deutschen ein demokratisches Verständnis vermitteln und in den Kriegsjahren Orientierung und Handwerkszeug für Studienwahl und Studienalltag bieten. „Beide Bildungsziele sind heute, mehr als siebzig Jahre später, aktueller denn je“, sagt Ursula Konnertz, wissenschaftliche Leiterin des Kollegs.</p><p>Seit 2016 ist es wieder Teil der Universität Tübingen: Der Studiengang Leibniz Kolleg, in den die Kollegiatinnen und Kollegiaten eingeschrieben sind, ist ein Studienvorbereitungsjahr, das wie ein erstes Collegejahr organisiert ist. Zurzeit absolvieren hier 53 Studierende ein Studium generale, das inhaltlich den historisch gewachsenen Schwerpunkt auf Bildung für Verantwortung, Demokratie, kritisches Denken und Nachhaltigkeit legt. Eng damit verbunden ist ein Studium sociale, ein selbstverwaltetes Zusammenleben und engagiertes Zusammenarbeiten auf der Basis von gegenseitigem Respekt und Solidarität in einem gemeinsamen Haus. Dies ermöglicht jungen Menschen eine persönliche Entwicklung in einer entscheidenden Übergangsphase ihres Bildungs- und Lebensweges.</p><p>In zwei Semestern lernen sie Wissenschaft in ihrer disziplinären Vielfalt kennen und machen sich mit Arbeitsweisen unterschiedlicher Fachdisziplinen vertraut. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen in Projektseminaren und im geteilten Alltag, ermöglichen, herauszufinden, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen. Zudem geht es im Kollegsjahr auch darum, die fachliche und interdisziplinäre Arbeit gemeinschaftlich und nicht in Konkurrenz zu verwirklichen. Es gilt, Konflikte auszutragen und gemeinsam zu lösen, ein Studium und ein Leben zu planen, in dem es nicht nur um die eigene Karriere geht, sondern darum, Zukunft, Umwelt und Gesellschaft verantwortlich und kreativ mit zu gestalten. So übernehmen die Kollegiatinnen und Kollegiaten auch in der Stadtgesellschaft Verantwortung: sie arbeiten in einem Kooperationsprojekt mit einer Grundschule ehrenamtlich mit Kindern, die Interesse und Unterstützung brauchen.</p><p>➢<a href="https://uni-tuebingen.de/de/89471" target="_blank" class="internal-link"> Webseite des Leibniz Kollegs</a></p><p><strong>Hannah Arendt-Lecture</strong><br> Die Tübinger Hannah Arendt-Lecture findet 2023 zum ersten Mal anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung des Leibniz Kollegs an der Universität Tübingen statt. Sie erinnert an die deutsch-jüdische Philosophin, die durch den Nationalsozialismus zur Emigration gezwungen wurde, und an ihre Vorträge über Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft am Leibniz Kolleg in den 1950er Jahren. Damit wird auch die in der Gründung durch Carlo Schmid und Romano Guardini in das Programm eingeschriebene zentrale Aufgabe des Leibniz Kollegs aufgenommen: Die Förderung demokratischer, politischer und sozialer Verantwortung der Studierenden nach der tiefen Verstrickung der Universitäten und der Wissenschaften in den Nationalsozialismus. In der Vorlesung geht es nicht um eine philologische Ausdeutung des Werks von Hannah Arendt, sondern darum, ihr einflussreiches Denken als Philosophin und politische Theoretikerin einem breiteren Publikum näher zu bringen. Die Lecture soll ebenso Arendts Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Geistes- und Sozialwissenschaften fördern und die Spuren ihres Denkens und die kritische interdisziplinäre Auseinandersetzung mit ihr in den aktuellen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften, der Genderforschung sichtbar machen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-88609</guid><pubDate>Thu, 12 Jan 2023 17:00:00 +0100</pubDate><title>Genetische Daten aus dem Altai weisen auf hohe Mobilität früher Jäger und Sammler hin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/genetische-daten-aus-dem-altai-weisen-auf-hohe-mobilitaet-frueher-jaeger-und-sammler-hin/</link><description>Wanderbewegungen über große Distanzen waren in Nordasien spätestens seit dem frühen Holozän verbreitet – Internationales Forschungsteam entdeckt Verbindungen zwischen Genpools</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Tübingen, des Senckenberg Centres for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) in Tübingen und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig identifizierte eine etwa 7.500 Jahre alte und bisher unbekannte Population im zentralasiatischen Altai, an der es belegen konnte, dass Jäger- und Sammlerpopulationen in Sibirien und in anderen Teilen Nordasiens über große Distanzen mobil waren. Unter der Leitung von Cosimo Posth, Professor für Archäo- und Paläogenetik in Tübingen, fand das Forschungsteam heraus, dass die neolithischen Jäger- und Sammlerpopulation aus dem Altai eine Mischung aus zwei verschiedenen Gruppen war, die während der letzten Eiszeit in Sibirien gelebt hatten. Wie weit die Mobilität dieser Jäger und Sammler reichte, zeigt ihr genetischer Beitrag zu vielen zur gleichen Zeit lebenden und späteren Populationen in ganz Nordasien. Die Studie ist in der Fachzeitschrift <em>Current Biology</em> erschienen.</p><p>Archäologisch bekannt ist der Altai bereits als erster Fundort der prähistorischen Denisova-Menschen. „Doch auch für die demografische Geschichte unserer eigenen Art ist diese Region von großer Bedeutung“, erklärt Cosimo Posth. „Über Jahrtausende hinweg machte seine geografische Lage den Altai zu einem wichtigen Knotenpunkt für Bevölkerungsbewegungen zwischen Nordsibirien, Zentralasien und Ostasien“, führt er weiter aus. Die genetischen Daten aus dem Altai zeigten, dass es zwischen den Genpools der Menschen in Osteurasien spätestens seit dem frühen Holozän, also seit etwa 10.000 Jahren, häufig Austausch gab. „Eine solche Verbindung über große geografische Entfernungen hinweg ist bemerkenswert. Allesdeutet darauf hin, dass menschliche Wanderungen und Vermischungen auch bei prähistorischen Jäger- und Sammlergesellschaften die Norm waren und nicht die Ausnahme", fasst Posth zusammen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-88480</guid><pubDate>Mon, 09 Jan 2023 15:37:30 +0100</pubDate><title>Astronomen entdecken acht superheiße Sterne</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/astronomen-entdecken-acht-superheisse-sterne/</link><description>Forscher der Universität Tübingen beteiligt an der Untersuchung hochbetagter seltener Himmelsobjekte am Ende ihres Lebenszyklus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mithilfe des größten Einzelteleskops auf der Südhalbkugel, dem SALT in Südafrika, hat ein internationales Team von Astronomen acht der heißesten Sterne im Universum entdeckt. Ihre Oberflächentemperatur liegt bei mehr als 100.000 Grad – die Oberfläche der Sonne erreicht lediglich 5.800 Grad. Die Entdeckungen entsprangen einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Professor Simon Jeffrey vom Armagh-Observatorium in Nordirland, an dem Professor Klaus Werner vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen beteiligt ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Monthly Notices of the Royal Astronomical Society</em></span> veröffentlicht.</p><p>Das Southern African Large Telescope (SALT) befindet sich rund 400 Kilometer nordöstlich von Kapstadt. Die Forscher untersuchten Daten, die mithilfe dieses Teleskops bei der Durchmusterung heliumreicher heißer Unterzwerge gewonnen wurden. Als Unterzwerge werden in der Astronomie Sterne bezeichnet, die sich zu Weißen Zwergen weiterentwickeln. „Weiße Zwerge sind ungefähr so groß wie die Erde, allerdings eine Million Mal massereicher. Sie sind die dichtesten existierenden Sterne, die aus normaler Materie bestehen. Ihre direkten Vorläufer, die heißen Unterzwerge, sind noch etwas größer. Sie ziehen sich zusammen und werden innerhalb weniger Tausend Jahre Weiße Zwerge“, erklärt Klaus Werner. „Sowohl die heißen Unterzwerge als auch die Weißen Zwerge können eine hohe Oberflächentemperatur haben. Von den acht superheißen Sternen, die wir entdeckt haben, war der heißeste ein Weißer Zwerg mit einer Oberflächentemperatur von 180.000 Grad.“</p><p><strong>Bisher unbekannter planetarischer Nebel</strong><br> Jeder der neuentdeckten Sterne sei mehr als einhundertmal heller als die Sonne, so Werner. Allerdings befänden sie sich – anders als die nur etwas mehr als acht Lichtminuten entfernte Sonne – zwischen 1.500 und 22.000 Lichtjahre fern der Erde und könnten daher nicht mit bloßem Auge gesehen werden. Einer der aufgefundenen Sterne ist der Zentralstern eines neu entdeckten planetarischen Nebels, der einen Durchmesser von einem Lichtjahr hat. Zwei der anderen Objekte sind oszillierende Sterne. „All diese Sterne befinden sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihres Lebenszyklus und nähern sich dem Sterben als Weiße Zwerge“, sagt Werner und fügt hinzu: „Ich bin stolz darauf, diese bahnbrechende Forschung mit auf den Weg gebracht zu haben. Die Ergebnisse könnten auch ein neues Licht auf die Entstehung unserer Galaxie werfen.“</p><p>Der Mitautor der Studie Dr. Itumeleng Monageng von der <span lang="en" dir="ltr">University of Cape Town</span> und dem <span lang="en" dir="ltr">South African Astronomical Observatory</span>, dem Betreiber des SALT-Teleskops, sagt: „Die SALT-Durchmusterung heliumreicher heißer Unterzwerge hatte den Zweck, die Entwicklungswege unterschiedlicher Sterntypen in ihren späten Stadien zu erforschen. Die Entdeckung extrem heißer Sterne hat uns überrascht.“ Simon Jeffery erklärt, dass Sterne mit Temperaturen von 100.000 Grad oder mehr außerordentlich selten sind. „Überraschend war auch, dass bei unserer Himmelsdurchmusterung gleich so viele solcher Objekte gefunden wurden. Diese Entdeckungen werden hilfreich sein, um die Spätphasen der Sternentwicklung besser zu verstehen. Sie demonstrieren auch, dass SALT ein großartiges Teleskop für unser Projekt ist.“</p><p><strong>Publikation:</strong><br> S. Jeffery, K. Werner, D. Kilkenny, B. Miszalski, I. Monageng, E.J. Snowdon: <span lang="en" dir="ltr">Hot White Dwarfs and Pre-White Dwarfs discovered with SALT.</span><span lang="en" dir="ltr"><em>Monthly Notices of the Royal Astronomical Society</em></span>, <a href="https://doi.org/10.1093/mnras/stac3531" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1093/mnras/stac3531</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-88282</guid><pubDate>Fri, 23 Dec 2022 13:00:00 +0100</pubDate><title>Menschen nutzen Bärenfelle seit mindestens 300.000 Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/menschen-nutzen-baerenfelle-seit-mindestens-300000-jahren/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centres for Human Evolution and Palaeoenvironment untersucht Spuren auf Knochen aus der Fundstelle Schöningen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschen nutzen seit mindestens 300.000 Jahren Bärenfelle, um sich vor der kalten Witterung zu schützen. Das legen Schnittspuren auf dem Mittelfuß- und dem Fingerknochen eines Höhlenbären nahe, die in der altpaläolithischen Fundstelle im niedersächsischen Schöningen entdeckt wurden. Damit ist dies einer der ältesten Belege dieser Art weltweit. Die Forschungsarbeit führte ein archäologisches Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) in Tübingen gemeinsam mit einem Kollegen der Universität Leiden durch. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Journal of Human Evolution veröffentlicht.</p><p>„Schnittspuren auf Knochen werden in der Archäologie oft als Hinweis auf die Verwertung von Fleisch interpretiert“, erklärt der Tübinger Forscher Ivo Verheijen. „Doch an Hand- und Fußknochen ist kaum Fleisch zu gewinnen. In diesem Fall können wir solch feine und präzise Schnittspuren auf das sorgfältige Abziehen des Fells zurückführen.“ Das Winterfell eines Bären bestehe sowohl aus langen Deckhaaren, die eine luftige Schutzschicht bilden, als auch aus kurzen, dichten Haaren, die besonders gut isolieren. Bären, so auch die ausgestorbenen Höhlenbären, brauchten ein stark isolierendes Fell für den Winterschlaf. „Diese neu entdeckten Schnittspuren sind ein Hinweis darauf, dass die Menschen in Nordeuropa vor etwa 300.000 Jahren im Winter auch dank warmer Bärenfelle überleben konnten“, sagt der Forscher, der Doktorand im Forschungsprojekt Schöningen und Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ist.</p><h3>Starkes Indiz für die Jagd</h3><p>Doch wie wurden die Bärenfelle beschafft? „Der Fundort Schöningen spielt eine entscheidende Rolle in der Diskussion um den Ursprung der Jagd, denn hier wurden die weltweit ältesten Speere entdeckt“, sagt Ivo Verheijen weiter. Haben die damaligen Menschen auch Bären gejagt? „Dafür gibt es einschlägige Hinweise“, sagt der Forscher. „Wenn an einer archäologischen Fundstelle ausschließlich erwachsene Tiere gefunden werden, gilt dies in der Regel als Indiz für die Jagd – und in Schöningen gehörten alle gefundenen Knochen und Zähne von Bären zu erwachsenen Individuen.“ Zudem müsse ein Bärenfell zeitnah nach dem Tod des Tieres abgezogen werden, da sonst die Haare verlorengehen und das Fell unbrauchbar wird. „Das Tier wurde gehäutet, es konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange tot sein“, erklärt Verheijen.</p><p>Der Fund eröffne eine neue Perspektive, sagt auch der Tübinger Professor Nicholas Conard, der Leiter des Forschungsprojekts Schöningen. Die Lage der Schnittspuren weise darauf hin, dass auch die Felle der Höhlenbären verwertet wurden. „Tiere wurden also nicht nur für die Ernährung genutzt, sondern auch ihre Felle waren für das Überleben in der Kälte unerlässlich“, sagt Conard. Im weitesten Sinne könne die Versorgung mit Bärenfellen als eine der ältesten aktiven Anpassungen früherer Menschen an das Klima im Norden angesehen werden.</p><p>Die archäologische Ausgrabung an den paläolithischen Fundstellen in Schöningen sowie die wissenschaftliche Untersuchung sind ein Langzeitprojekt der Universität Tübingen in Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover finanziert.</p><p><strong>Publikation:</strong></p><p>Ivo Verheijen, Britt M. Starkovich, Jordi Serangeli, Thijs van Kolfschoten, Nicholas J. Conard 2022. Early evidence for bear exploitation during MIS 9 from the site of Schöningen 12 (Germany). Journal of Human Evolution, <a href="https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2022.103294" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2022.103294</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-88183</guid><pubDate>Wed, 21 Dec 2022 09:33:48 +0100</pubDate><title>Gleichstellung von Frauen begünstigt Wirtschaftswachstum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gleichstellung-von-frauen-beguenstigt-wirtschaftswachstum/</link><description>Forscherteam untersucht 27 Länder in Europa seit Ende des Mittelalters ‒ Fähigkeit im Umgang mit Zahlen entscheidend für wirtschaftliche Entwicklung</description><content:encoded><![CDATA[<p>In Ländern und Regionen Europas, in denen Frauen spät heirateten, hat sich die Wirtschaft in den vergangenen 500 Jahren besser entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftshistorikerin Alexandra de Pleijt von der Universität Wageningen in den Niederlanden und des Wirtschaftshistorikers Jörg Baten von der Universität Tübingen. Die Studie wurde im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>World Development</em></span> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>„Eine frühe Hochzeit verkürzte die Zeit, in der junge Frauen einer Tätigkeit auf dem Hof oder dem Arbeitsmarkt nachgehen konnten. Nach der Hochzeit blieben die Frauen dann auf das Leben im Haushalt beschränkt“, erklärte Jörg Baten, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der <span lang="en" dir="ltr">School of Business and Economics</span> in Tübingen. Das Heiratsalter gilt Ökonomen deshalb als ein Maß für die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern.&nbsp;</p><p>Das Forscherteam konnte nun erstmals nachweisen, dass Frauen durch eine längere Eigenständigkeit „numerische Fähigkeiten“ besser ausprägten. „Numerische Fähigkeiten“ bezeichnen den Umgang mit Zahlen, Proportionen und Wahrscheinlichkeiten. Sie können auch ohne formale Schulbildung erworben werden und gelten Wirtschaftshistorikern als wichtige Voraussetzung für die ökonomische Entwicklung einer Gesellschaft.&nbsp;</p><p>Baten und de Pleijt werteten Volkszählungen und Aufzeichnungen von „Hexenprozessen“ aus 27 Ländern und 153 Regionen in Europa vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhundert aus. Rundeten Frauen bei Befragungen und Verhören ihr Alter auf Zehner- oder Fünferschritte auf oder ab, fehlte ihnen oft eine präzise Zahlenvorstellung. In Regionen, in denen früh geheiratet wurde, rundeten Frauen besonders häufig ihr Lebensalter.&nbsp;</p><p>Danach setzten Baten und de Pleijt das durchschnittliche Heiratsalter mit den numerischen Fähigkeiten in Beziehung. Im Alpenraum und in Mittel- und Nordeuropa heirateten Frauen zwischen 1500 und 1900 erst mit Mitte zwanzig und gaben deutlich häufiger ihr Lebensalter präzise an. In Ost- und Südosteuropa heirateten Frauen im selben Zeitraum im Schnitt vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr und rundeten häufiger auf oder ab – sie hatten also nicht dieselben numerischen Fähigkeiten erlernt.</p><p>„Die wirtschaftliche Entwicklung war in Regionen besser, in denen Frauen spät heirateten und numerische Fähigkeiten besser ausprägen konnten. Genau dort fand im 19. Jahrhundert auch die industrielle Revolution statt“, so Alexandra de Pleijt, Forscherin an der Abteilung <span lang="en" dir="ltr">Economic and Environmental History</span> der Universität Wageningen. Die Zusammenhänge zeigten sich in der statistischen Auswertung sowohl zwischen Regionen und Ländern, als auch über die Jahrhunderte hinweg.&nbsp;</p><p>Der Einfluss der Frauen wird verständlicher, wenn ihre Rolle bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder berücksichtigt wird. „Wenn Mütter selbst über numerische Fähigkeiten verfügten, konnten sie ihre Söhne und Töchter zum Erlernen dieser Fähigkeiten anregen und so die gesamte wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen“, so de Pleijt.</p><p>Ein Grund für die kulturellen Unterschiede, was das Heiratsalter betrifft, sieht das Forscherteam in der Vieh- und Mildwirtschaft im Alpenraum und in Mittel- und Nordeuropa: Für das Melken und Füttern der Kühe sei nicht so viel Muskelkraft erforderlich wie für das Pflüge von Äckern und die Ernte von Korn. „Frauen haben deshalb in bäuerlichen Gesellschaften, die stärker auf Vieh- und Milchwirtschaft basieren, eine wichtigere Rolle in den Arbeitsprozessen und mussten erst später heiraten“, erklärte Baten.&nbsp;</p><p>Das Autoren-Team zieht Parallelen aus der historischen Untersuchung zur heutigen Entwicklung in manchen Weltgegenden. In Regionen mit geringer Gleichstellung der Geschlechter, wie zum Beispiel Süd- und Zentralasien, entwickelten sich die numerischen Fähigkeiten ebenfalls langsamer – und entsprechend langsamer wuchs die Wirtschaft.</p><h3>Publikation:</h3><p>Joerg Baten, Alexandra M. de Pleijt, „<span lang="en" dir="ltr">Female autonomy generated successful long-term human capital development: Evidence from 16th to 19th century Europa, World Development, October</span> 2022.&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2022.105999" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2022.105999</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-88057</guid><pubDate>Fri, 16 Dec 2022 12:00:00 +0100</pubDate><title>„Eine komplizierte Rede in komplizierten Zeiten“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-komplizierte-rede-in-komplizierten-zeiten/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik zeichnet Luisa Neubauer für „Rede des Jahres 2022“ aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Seminars für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen verleiht Luisa Neubauer die Auszeichnung „Rede des Jahres 2022“ für ihre Ansprache auf dem Parteitag der Grünen am 16. Oktober 2022. Ihre Rede ist ein aufrüttelndes Plädoyer für eine wirkungsvolle Klimapolitik und ein eindringlicher Aufruf der jungen Generation für Gerechtigkeit und Solidarität in Anbetracht des Klimawandels.&nbsp;</p><p>Auf dem Parteitag der Grünen stand Neubauer, selbst Grünen-Mitglied und Klimaaktivistin bei Fridays for Future, vor einer großen situativen und persönlichen Herausforderung. Während der politische Alltag von Ukrainekrieg, Corona-Folgen und wirtschaftlichen Problemen geprägt ist und die Grünen-Partei vor einer Zerreißprobe steht, will Neubauer energisch auf die Schattenseiten der realpolitischen Lösungsansätze hinweisen. Pointiert fasst sie die Ausgangslage zusammen: „Eine komplizierte Rede in komplizierten Zeiten.</p><p>Mit großem Engagement und kraftvoller Rhetorik tritt Neubauer für ihre Sache ein, ihre Betroffenheit und Sorge sind in jedem Satz der Rede zu spüren – und manches Mal auch in ihrer betroffenen, mitunter wütenden Stimme zu hören. Feinfühlig und dennoch bestimmt erinnert sie an die Werte und Ziele der Grünen und der Klimabewegung in Zeiten wachsenden Handlungsdrucks und einer von Kompromissen gezeichneten Realpolitik. Mit rhetorischen Fragen wendet sich Neubauer gegen eine aus ihrer Warte als Klimaaktivistin falsch verstandene Realpolitik: „Ich frage euch: Was ist denn Realpolitik in der Klimakatastrophe? Scholz und Lindner, sie sind nicht die Realität; Friedrich Merz und sein Klima-Populismus ist es auch nicht.“&nbsp;</p><p>Wer Neubauers Auftritte von den Demonstrationen mit Fridays for Future kennt, erlebt hier eine ganz andere Rednerin. Dort wie hier passt sie sich gekonnt dem Publikum an. Die Jugendsprache weicht der beißenden Ironie, der melodische Vortrag – fast einem Rap vergleichbar – wird durch antithetische Perioden ersetzt. Ein genau kalkulierter und argumentativ starker Auftritt, bei dem die Rednerin sich heiklen Fragen und Problemen stellt, statt ihnen auszuweichen. Wiederholungen und Antithesen nutzt sie, um Verständnis und Unverständnis gleichermaßen auszudrücken und den Widerspruch zu einem Kernelement der Rede werden zu lassen: „Ich verstehe, dass ihr die Misere der anderen ausbadet, ich verstehe, dass der Weg aus den Fossilen nach dem 24. Februar diesen Jahres ein anderer sein muss als davor. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass dieser provisorische Weg für Jahrzehnte zementiert wird, dass man neue fossile Infrastruktur schafft, die man absehbar nicht braucht.“ Das kleine Dorf Lützerath erklärt die Rednerin zum Symbol dieses Konfliktes, wo sich das große Ganze manifestiere. Genau hier legt Neubauer, die unermüdliche Klimaaktivistin, den Finger in die Wunde und fragt mit großer Verve: „Seit wann argumentieren die Grünen mit gefakten Zahlen von RWE? Seit wann?“</p><p>Vom Raunen im Saal lässt sich die Rednerin, Stimme der jungen Generation, nicht beirren.&nbsp;<br> Sie appelliert an die Vernunft, der Klimakatastrophe politisch zu begegnen, denn das sei echte Realpolitik.</p><p>Zum Schluss ihrer aufrüttelnden Rede fährt Neubauer nochmals ein ganzes Arsenal an Appellen auf, die an Dringlichkeit kaum zu überbieten sind: „Es gibt keinen Tag zu verlieren und keine Legislaturperiode zu verschwenden“, und: „legt los!“. Das Publikum zeigt sich von der eindringlichen Mahnerin und ihren aufrüttelnden Appellen hörbar wie sichtbar beeindruckt – und würdigt sie mit stehendem Applaus. Damit liefert Neubauer nicht nur eine technisch wie performativ äußerst mitreißende Rede, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel für die differenzierende Wirkmacht kritischer Rhetorik.&nbsp;</p><p><strong>Jury: </strong>Lukas Beck, Nico Bosler, Dr. Fabian Erhardt, Dr. Markus Gottschling, Dr. Gregor Kalivoda, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Dr. Sebastian König, Prof. Dr. Olaf Kramer, Dr. Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Viktorija Völker, Dr. Thomas Zinsmaier</p><p><strong>Arbeitskreis Rede des Jahres:</strong> Lukas Beck, Dr. Fabian Erhardt, Dr. Frank Schuhmacher</p><p><strong>Text der Rede:</strong><a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87973</guid><pubDate>Thu, 15 Dec 2022 11:00:00 +0100</pubDate><title>Archäologie aus dem Abfall: kleine Splitter erzählen vom Werkzeuggebrauch vor 300.000 Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/archaeologie-aus-dem-abfall-kleine-splitter-erzaehlen-vom-werkzeuggebrauch-vor-300000-jahren/</link><description>Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment untersucht Funde aus dem niedersächsischen Schöningen</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87967</guid><pubDate>Wed, 14 Dec 2022 12:17:21 +0100</pubDate><title>Tübinger Universitätsrat fordert finanzielle Unterstützung des Landes</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-universitaetsrat-fordert-finanzielle-unterstuetzung-des-landes/</link><description>Erhebliche finanzielle Herausforderungen durch steigende Energiekosten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Universitätsrat fordert die Landesregierung auf, angesichts der stark gestiegenen Energiekosten ein Hilfsprogramm für die Universitäten aufzulegen. „Anders als alle anderen staatlichen Hochschulen in Baden-Württemberg müssen die Universitäten die Kosten für Heizung und Strom aus ihrem eigenen Etat bestreiten“, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats, Bernhard Sibold, nach einer Sitzung des Gremiums am Mittwoch. Die Kostenentwicklung seit 2021 drohe zu einer Gefahr für Forschung und Lehre zu werden.&nbsp;</p><p>Angesichts von rund zehn Prozent Inflation gebe es für die Universität keine Möglichkeit mehr, an den Sachmitteln zu sparen. Komme das Land den Universitäten nicht zu Hilfe, blieben daher nur Einschnitte beim Personal, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats: „Um unser strukturelles Defizit auszugleichen, müsste die Universität 20 Professuren einschließlich der dazu gehörenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsparen“, erklärte Sibold: „Dies hätte direkte und massive Auswirkungen auf Forschung und Lehre an der Universität Tübingen.“ Die Zahl der Neuberufungen müsste drastisch gesenkt werden und Einschnitte in das Studienangebot wären unausweichlich.&nbsp;</p><p>Sibold betonte, die Universität Tübingen wirtschafte außerordentlich sparsam: „Die Wirtschaftsführung der Universität basiert auf schwäbischen Grundsätzen“, sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums. Sie unternehme zudem seit Beginn der Ukrainekrise sichtbare Anstrengungen, um ihren Energieverbrauch zu senken: „Eine Preissteigerung von rund 80 Prozent in zwei Jahren lässt sich aber nicht allein durch eine Senkung des Verbrauchs auffangen, selbst dann nicht, wenn wir das von der Landesregierung vorgegebene und außerordentlich ehrgeizige Einsparziel von 20 Prozent erreichen sollten.“</p><p>Der Vorsitzende des Universitätsrats mahnte konkrete Schritte der Landesregierung an. „Finanzminister Daniel Bayaz hat erst vor wenigen Wochen die Schlüsselrolle der Hochschulen bei der Bewältigung der aktuellen Krisen hervorgehoben. Die Landesregierung muss daher jetzt den Universitäten finanziell helfen, damit sie die nächsten Jahre ohne spürbare Einschnitte in Lehre und Spitzenforschung überstehen können.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87886</guid><pubDate>Tue, 13 Dec 2022 11:18:20 +0100</pubDate><title>Chan Zuckerberg Initiative fördert Suche nach Therapie für die seltene neurologische Erbkrankheit PCH2</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/chan-zuckerberg-initiative-foerdert-suche-nach-therapie-fuer-die-seltene-neurologische-erbkrankheit-pch2/</link><description>Zwei Millionen US-Dollar gehen an zukunftsweisendes Verbundprojekt aus baden-württembergischem Forschungsteam und Patientenverein</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87787</guid><pubDate>Thu, 08 Dec 2022 11:25:00 +0100</pubDate><title>Tübinger Umweltforscher Lars Angenent erhält Leibniz-Preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-umweltforscher-lars-angenent-erhaelt-leibniz-preis/</link><description>Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnet Wissenschaftler für wegweisende Forschung in der Umweltbiotechnologie aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Biotechnologe Lars Angenent erhält den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wie die DFG am Donnerstag in Bonn bekanntgab, würdigt sie damit seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Umweltbiotechnologie: „Seine Arbeiten sind mit Blick auf den Klimawandel und die damit verbundene Notwendigkeit einer nachhaltigen Nahrungs-, Chemie- und Energiewirtschaft hochaktuell.“ Lars Angenent ist seit 2016 Humboldt-Professor am Geo- und Umweltforschungszentrum (GUZ) der Universität Tübingen. Er entwickelt innovative Bioverfahren zur Umwandlung von organischen Abfällen und industriellen Abgasen in erneuerbare Kraftstoffe, grüne Chemikalien und nachhaltige Lebensmittel.&nbsp;</p><p>Beispielsweise produziert er aus recyceltem Kohlendioxid essbares Protein, das als Fleischersatz dienen könnte. In einem weiteren Forschungsprojekt „verfüttert“ er Kohlendioxid und Wasserstoff an Mikroben und gewinnt so Methan, das in das Gas-Netz eingespeist werden kann. Die nötige Energie stammt aus nachhaltigen Quellen wie der Windkraft. Bei der Anwendung auf industriellem Niveau könnte letztlich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre reduziert werden. Das Verfahren hat Lars Angenent bereits mit einem Start-up Electrochaea getestet, das er mitgegründet hatte.</p><p>„Die Wissenschaft kann entscheidend zur Lösung der drängenden Probleme unserer Zeit beitragen. Die Vergabe des Leibniz-Preises an Lars Angenent würdigt seine wegweisenden Leistungen in der Umweltforschung“, sagte Professorin Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Besonders beeindruckend an der Arbeit von Lars Angenent ist seine Fähigkeit, global relevante Prozesse von den mikrobiologischen Grundlagen bis zur industriellen Anwendung zu erforschen und neue Wege aufzuzeigen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87714</guid><pubDate>Tue, 06 Dec 2022 11:38:58 +0100</pubDate><title>Kurzlebige Eisströme</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kurzlebige-eisstroeme/</link><description>Radarmessungen des grönländischen Eisschildes zeigen Abschalten und Neuausrichtung von Eisströmen innerhalb von wenigen tausend Jahren</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87669</guid><pubDate>Mon, 05 Dec 2022 11:10:12 +0100</pubDate><title>Quereinsteiger in Schulen oft weniger zufrieden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/quereinsteiger-in-schulen-oft-weniger-zufrieden/</link><description>Ob Lehrkräfte mit ihrem Job zufrieden sind, hängt mit ihrer Ausbildung zusammen - Tübinger Forscher wertet PISA-Daten aus 13 Ländern weltweit aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit herrscht Lehrkräftemangel. Deshalb werden oft Quer- und Seiteneinsteiger an Schulen eingesetzt, die ursprünglich eine andere Ausbildung absolviert haben als ein klassisches Lehramtsstudium. Doch diese sind in ihrem neuen Job oft weniger zufrieden als ihre Kolleginnen und Kollegen, die sich bereits vor oder im Studium für den Lehrberuf entschieden haben. „Das kann deshalb zum Problem werden, da die Arbeitszufriedenheit nicht nur mit dem persönlichen Wohlbefinden, sondern auch negativ mit der Qualität des Unterrichtes zusammenhängen kann“, sagt Tim Fütterer vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, der an der Studie beteiligt war. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift <em>Teaching and Teacher Education</em> veröffentlicht.</p><p>Die Unzufriedenheit von Lehrkräften an ihrem Arbeitsplatz kann mit einer niedrigeren Unterrichtsqualität einhergehen und sich letztendlich negativ auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler auswirken. „Zudem bleiben zufriedene Lehrkräfte länger im Beruf“, so Fütterer, was angesichts des sich immer weiter verschärfenden Personalmangels an den Schulen ein wichtiges Ziel sei. Wissend, dass sich viele Lehrkräfte nur unzureichend durch alternative Zertifizierungsprogramme vorbereitet fühlen, könnten Bildungspolitikerinnen und -politiker die Qualität und Wirksamkeit von Berufseinstritts- und Arbeitsbedingungen prüfen, um Übergangsschocks und geringe Arbeitszufriedenheit zu vermeiden. „Deshalb ist es wichtig, Quer- und Seiteneinsteiger in der Übergangsphase intensiv zu unterstützen, beispielsweise durch Mentoring und Vernetzungsinitiativen“, sagt Fütterer.</p><p>Für die Studie wurden Daten aus den PISA-Erhebungen der Jahre 2015 und 2018 herangezogen, an denen sich auf internationaler Ebene erstmals auch Lehrkräfte beteiligten. Rund 125.000 Lehrkräfte aus 13 Ländern und mit durchschnittlich 16 Jahren Berufserfahrung berichteten darin von ihrer Arbeitszufriedenheit. Etwa zwei Drittel von ihnen hatte eine klassische Ausbildung durchlaufen, die sie für das Lehramt befähigte, ein Drittel waren Quereinsteiger, die ein alternatives Zertifizierungsprogramm absolvierten und mehr oder weniger auf ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorbereitet wurden.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten nur Daten aus Ländern aus, die an beiden PISA-Studien teilgenommen hatten. Dazu gehörten neben Deutschland auch die Vereinigten Staaten, Spanien, Portugal, Brasilien, Chile, Peru, die Vereinigten Arabischen Emirate, Korea und Taiwan. Außerdem die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hong Kong und Macau.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Fütterer, T., Waveren, L. van, Hübner, N., Fischer, C., &amp; Sälzer, C. (2022). I can't get no (job) satisfaction? Differences in teachers' job satisfaction from a career Pathways Perspective. Teaching and Teacher Education. Retrieved November 17, 2022, from&nbsp;<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X22003171" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0742051X22003171</a>&nbsp;</p><p><a href="https://doi.org/10.1016/j.tate.2022.103942" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.tate.2022.103942</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87666</guid><pubDate>Mon, 05 Dec 2022 10:55:28 +0100</pubDate><title>Artenvielfalt in Trockengebieten schützt Klima</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/artenvielfalt-in-trockengebieten-schuetzt-klima/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen an erster weltweiter Studie zur Erforschung von Weidewirtschaft in Trockengebieten beteiligt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lebensunterhalt jedes dritten Menschen auf der Erde hängt von Viehhaltung und Weidewirtschaft ab. Speziell in Trockengebieten, die mehr als 40 Prozent der Landfläche unseres Planeten ausmachen, ist Weidewirtschaft überlebenswichtig.</p><p>Trotz dieser Bedeutung für Mensch und Natur hatte es bis vor kurzem keine globale Feldstudie zur Auswirkung von Weidewirtschaft auf die Leistungsfähigkeit von Trockengebieten gegeben. Der Lehrstuhl für Vegetationsökologie der Universität Tübingen hat sich deshalb einem Forschungsverbund von über hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angeschlossen, die an 326 Orten in Trockengebieten in 25 Ländern und auf sechs Kontinenten Daten erhoben und ausgewertet haben. Die Studie ist im November in dem renommierten Fachjournal <em>Science </em>erschienen.</p><p>„Wir untersuchen seit Jahren die Auswirkungen des Klimawandels auf selten erforschte Trockengebiete in Chile, Palästina und Südafrika. Wir konnten dadurch wichtige Leerstellen im Datenset der Studie füllen“, sagte Professorin Katja Tielbörger, Leiterin des Lehrstuhls Vegetationsökologie an der Universität Tübingen.</p><p>Mit einem standardisierten Verfahren gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung des spanischen Ökologen Fernando Maestre von der Universität Alicante weltweit der Frage nach, wie sich steigender Weidedruck auf die „Leistungen des Ökosystems“ auswirken. Zu diesen Leistungen gehören Bodenfruchtbarkeit, Erosion, Regulierung des Klimas oder Baumbestand und Verfügbarkeit von Futterpflanzen. Entscheidenden Einfluss haben dabei das lokale Klima, der Boden und die Artenvielfalt.</p><p>Diese Faktoren wirken sich allerdings unterschiedlich auf die Leistungsfähigkeit des Ökosystems aus, je nachdem, ob der Weidedruck steigt oder fällt. Mit steigendem Weidedruck erodiert der Boden stärker, es sinkt seine Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern. Diese Speicherfähigkeit steigt dagegen wieder durch Bewuchs mit Gefäßpflanzen und durch bestimmte pflanzenfressende Säugetiere wie Ziegen oder Schafe, sofern der Weidedruck nicht zu hoch ist. Landmanagement in Trockengebieten hat somit eine große Bedeutung für den Klimaschutz. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig der Erhalt der Artenvielfalt in Trockengebieten weltweit für den Klimaschutz sind“, sagt Liesbeth van den Brink, Post Doc in der Arbeitsgruppe von Professorin Tielbörger und Ko-Autorin der Studie.</p><p>Die Ergebnisse der Studie können bei der Umsetzung eines nachhaltigen Weidemanagements helfen und geben Hinweise, was gegen Klimawandel und die Verwüstung von Trockengebieten getan werden kann.</p><p>Die Studie war Teil des Projekts <a href="https://biodesert.maestrelab.com" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">BIODESERT</a>, für dessen Finanzierung Fernando T. Maestre einen Consolidator Grant des European Research Council (ERC) erhalten hat.</p><h3>Publikation:</h3><p>Maestre, F.T. et al. “Grazing and ecosystem service delivery in global drylands”. Science (2022), doi: 10.1126/science.abq4062&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87627</guid><pubDate>Fri, 02 Dec 2022 13:02:23 +0100</pubDate><title>Alzheimer: Therapie muss frühzeitig beginnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alzheimer-therapie-muss-fruehzeitig-beginnen/</link><description>Eiweißablagerungen im Gehirn sind Ursache und Ansatzpunkt für Therapien – in späteren Stadien scheint sich jedoch die Krankheitsentwicklung von ihnen abzukoppeln, so Tübinger Forschende</description><content:encoded><![CDATA[<p>Hauptursache für die Entstehung der Alzheimerkrankheit scheint die Ablagerung eines bestimmen Eiweißes, des Beta-Amyloid-Proteins, im Gehirn zu sein – so der aktuelle Stand der Alzheimerforschung. Die Bildung dieser sogenannten Plaques beginnt mindestens zwanzig Jahre vor den ersten Krankheitssymptomen. Bislang fand man bei Erkrankten jedoch nur einen schwachen Zusammenhang zwischen der Menge der Ablagerungen und den klinischen Symptomen. Grund dafür könnte sein, dass sich die Krankheit in fortschreitenden Stadien unabhängig von den Plaques weiterentwickelt. Das legt eine aktuelle Studie von Forschenden um Professor Dr. Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) nahe. Eine Therapie müsse daher so frühzeitig wie möglich begonnen werden, so Jucker. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Nature Communications“ erschienen.</p><p>„Es gibt überzeugende Beweise dafür, dass die Beta-Amyloid-Plaques die wichtigste Ursache der Alzheimererkrankung sind“, sagt Neurobiologe und Studienleiter Jucker. „Es existiert jedoch nur eine schwache Korrelation zwischen ihnen und den klinischen Symptomen.“ So sei die Verzögerung von zwanzig Jahren zwischen dem Entstehen der ersten Plaques und dem Auftreten der Krankheitssymptome sehr lang. Auch führe die Reduzierung schädigender Eiweißablagerungen im Gehirn von Probanden im Rahmen von klinischen Studien zu einer nur kleinen Verbesserung von deren Hirnleistungen. „All diese Befunde haben nahegelegt, dass die Alzheimer-Krankheitskaskade in späteren Stadien von den Proteinablagerungen unabhängig werden könnte.“</p><p>Das Tübinger Forschungsteam liefert nun erstmals experimentelle Belege für die Entkopplung der Ablagerungen von der nachgeschalteten Neurodegeneration. In ihrer Studie untersuchte es Mäuse, die als Alzheimermodell dienen. Bei ihnen lagern sich – wie bei Alzheimererkrankten – mit fortschreitendem Lebensalter Beta-Amyloid-Eiweiße im Gehirn ab.&nbsp;</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reduzierten nun bei den Mäusen in unterschiedlichen Altersstadien gezielt die Plaques. Dann maßen sie ein weiteres Protein im Hirnwasser der Mäuse, das sogenannte Neurofilament-Leichtketten-Protein (NfL). Das NfL-Protein ist im Hirnwasser von Alzheimererkrankten erhöht; es gilt als Anzeiger für den Abbau von Nervenzellen.</p><p>Das Ergebnis: „Wenn wir die Beta-Amyloid-Ablagerung in frühen Stadien reduzierten, stieg die Menge an NfL-Protein im Hirnwasser nicht mehr an. Wir konnten den Abbau der Nervenzellen stoppen“, so Christine Rother, Erstautorin der Studie. Ein anderes Bild ergab sich im höheren Lebensalter: „Wenn wir die Bildung der Beta-Amyloid-Plaques in späteren Stadien reduzierten, stieg der Pegel des NfL-Proteins im Hirnwasser unverändert an. Es starben also weiterhin Nervenzellen. Die Neurodegeneration hatte sich von den Ablagerungen entkoppelt“, ergänzt Ruth Uhlmann, Co-Erstautorin der Arbeit.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87489</guid><pubDate>Wed, 30 Nov 2022 13:14:30 +0100</pubDate><title>Gold aus Troia, Poliochni und Ur hatte denselben Ursprung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gold-aus-troia-poliochni-und-ur-hatte-denselben-ursprung/</link><description>Neue Lasermethode ermöglicht Untersuchung von berühmten Schmuckstücken – Handelsbeziehungen in der frühen Bronzezeit reichten bis ins Industal</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Gold in Objekten aus Troia, Poliochni - einer Siedlung auf der ungefähr 60 Kilometer vor Troia liegenden Insel Lemnos - und dem mesopotamischen Ur hat denselben geographischen Ursprung und wurde über große Distanzen gehandelt. Zu dieser Erkenntnis kommt ein internationales Forscherteam, das mit Hilfe einer innovativen mobilen Lasermethode erstmals Proben von berühmten frühbronzezeitlichen Schmuckstücken aus Troia und Poliochni analysiert hat. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Journal of Archaeological Science</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Die Studie haben Ernst Pernicka, Wissenschaftlicher Direktor des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und Leiter des Troia-Projekts an der Universität Tübingen, und Barbara Horejs, Direktorin der Österreichischen Archäologischen Instituts an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien initiiert. In ihrem internationalen Team waren Naturwissenschaftlerinnen und Archäologen vom Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, dem Österreichischen Archäologischen Institut in Wien (ÖAI) und des Nationalen Archäologischen Museums in Athen beteiligt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87387</guid><pubDate>Mon, 28 Nov 2022 14:56:31 +0100</pubDate><title>Allgäuer Biber leben seit mehr als elf Millionen Jahren im Familien-Clan</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/allgaeuer-biber-leben-seit-mehr-als-elf-millionen-jahren-im-familien-clan/</link><description>Forscherteam gelingt erstmals Einblick in die Ökologie der Nagetiere während des Miozän</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Hammerschmiede im Allgäu, Fundstelle des Menschenaffen Danuvius, ist eine einmalige Fundgrube für Paläontologen: Bereits über 140 fossile Wirbeltierarten konnten hier geborgen werden. Anhand der Knochenfunde lässt sich nun auch die Lebensweise und Entwicklung einer ausgestorbenen Biberart nachvollziehen: Steneofiber depereti war etwas kleiner als heutige Biber und besiedelte bereits vor über elf Millionen Jahren die Fließgewässer Süddeutschlands. Thomas Lechner und Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen schließen aus einer vergleichenden Untersuchung der Zähne des prähistorischen Nagers, dass die Populationsdynamik und Ökologie dieser Art der heutiger europäischer Biber bereits sehr ähnlich waren.</p><p>„Heutige Biber sind sehr familiär. Elterntiere und bis zu zwei Jungtiergenerationen kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs“, sagt der Grabungsleiter der Fundstelle, Doktorand Thomas Lechner. Geschlechtsreife Tiere verlassen schließlich den Clan und suchen sich ihr eigenes Gebiet. Die optimalen Biber-Reviere liegen vor allem an größeren Flüssen und sind meist schon besetzt, sodass junge erwachsene Biber gezwungen sind, flussaufwärts an kleineren Bachläufen zu siedeln. Die Überlebensbedingungen sind hier deutlich schwieriger und die Sterblichkeitsrate ist in dieser Altersstufe entsprechend höher als bei Alttieren, die einen optimalen Lebensraum besiedeln.&nbsp;</p><p>„Es ist ungewöhnlich, dass Aussagen zu Sterblichkeit und Ökologie fossiler Tierarten möglich sind – meist existieren nur Einzelfunde“, sagt Professorin Madelaine Böhme. Den Schlüssel liefere in diesem Fall die Fundstelle selbst: „Die Fundstelle Hammerschmiede gibt einen detaillierten Einblick in zwei unterschiedliche fossile Habitate, einen kleineren Bachlauf – der Lebensraum des Menschenaffen Danuvius guggenmosi ‒ und einen größeren Fluss.“ So wird es möglich, die Sterblichkeit der Biber im Fluss mit derer im Bach zu vergleichen. „Aus beiden Ablagerungsbereichen konnten wir die Zähne von vielen Bibern sammeln und anhand der jeweiligen Zahnabnutzung ‚Mortalitäts-Profile‘ erstellen und vergleichen“, erklärt Lechner.</p><p>„Das Ergebnis zeigt deutlich, dass im Bachbereich vor allem junge erwachsene Biber eine hohe Sterblichkeit aufwiesen und so gut wie keine Jung- und Alttiere vorhanden waren. Im Fluss hingegen, zeigt sich genau das Gegenteil: mit einer hohen Sterblichkeit im Baby-Alter und einer linear fallenden Alterssterblichkeit – junge erwachsene Biber scheinen hier zu fehlen.“ Exakt dieses Bild zeichnen auch heutige Biberpopulationen. Der optimale Lebensraum für Steneofiber depereti lag demnach wie bei heutigen Vertretern dieser Gattung in größeren Flussbereichen. Zudem ist zu vermuten, dass bereits vor elf Millionen Jahren Biber im Allgäu in Familienclans mit mehrjähriger elterlicher Fürsorge lebten.</p><p>Sowohl die ökologischen Gemeinsamkeiten dieser Biberart, als auch die morphologischen Eigenschaften der Zähne, lassen zudem schließen, dass Steneofiber depereti in der direkten Stammeslinie der heutigen Biber einzuordnen ist. „Die Backenzähne unseres fossilen Bibers zeigen Übereinstimmungen mit dem Vorläufer der heutigen Biber. Sie füllen eine kleine Lücke zwischen bisher klar abgegrenzten Arten und belegen eine eher kontinuierliche Biberevolution hin zur heutigen Form“, erklärt Lechner.</p><p>„Die Studie zeigt einmal mehr, wie lohnenswert die akribische Grabungsarbeit ist und welch einzigartiges Potential Fossilien besitzen können, indem nicht nur die reine Morphologie, sondern auch statistische Altersverteilungen der Funde unerwartete Einblicke geben können“, sagt Böhme.</p><p>Unter Leitung von Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen finden die Ausgrabungen in der Menschenaffen-Fundstelle Hammerschmiede seit 2011 statt. Seit 2020 werden sie vom Freistaat Bayern finanziell unterstützt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Thomas Lechner, Madelaine Böhme: The beaver Steneofiber depereti from the lower Upper Miocene hominid locality Hammerschmiede and remarks on its ecology. Acta Palaeontologica Polonica 67 (4): xxx-xxx. DOI: <a href="https://doi.org/10.4202/app.00997.2022" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.4202/app.00997.2022</a>&nbsp; &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87216</guid><pubDate>Thu, 24 Nov 2022 10:20:59 +0100</pubDate><title>Internationales Forscherteam identifiziert neue Dinosaurier-Art</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/internationales-forscherteam-identifiziert-neue-dinosaurier-art/</link><description>Breitköpfiges Reptil aus Transsylvanien gibt Einblicke in Fauna Europas am Ende der Kreidezeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forscherteam hat im Westen Rumäniens eine bislang unbekannte Dinosaurier-Art entdeckt und nach dem Fundort Transsylvanien benannt: Transylvanosaurus platycephalus lebte vor etwa 70 Millionen Jahren und war ein Pflanzenfresser, wie der Paläontologe Felix Augustin von der Universität Tübingen berichtete. Der Fund wurde nun von der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr">Journal of Vertebrate Paleontology </span>veröffentlicht. An der Studie waren neben Augustin Wissenschaftler der Universität Bukarest und der Universität Zürich beteiligt.</p><p><em>Transylvanosaurus platycephalus</em> bedeutet übersetzt „breitköpfiges Reptil aus Transsylvanien“. Der bislang unbekannte Dinosaurier war ungefähr zwei Meter lang, ging auf zwei Beinen und gehörte zur Gruppe der sogenannten Rhabdodontiden. In Transsylvanien erreichten sie, wie andere Dinosaurier dort auch, nur eine geringe Körpergröße und sind deshalb als „Zwergsaurier“ bekannt. Die von <em>Transylvanosaurus</em> gefundenen Schädelknochen geben damit weitere Einblicke in die Fauna kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren. „Vermutlich führte ein begrenztes Nahrungsangebot im damaligen Europa zu einer angepassten Statur“, sagte Augustin.</p><p>Europa war in der Kreidezeit, die vor 145 Millionen Jahren begann und vor 66 Millionen Jahren endete, ein tropischer Archipel. <em>Transylvanosaurus</em> lebte auf einer der vielen Inseln gemeinsam mit anderen Zwergdinosauriern, Krokodilen, Schildkröten und riesigen Flugsauriern, deren Flügel bis zu zehn Meter Spannbreite maßen. „Mit jeder neu entdeckten Art löst sich die weit verbreitete Annahme weiter auf, die Fauna in der Kreidezeit in Europa sei artenarm gewesen“, so Augustin.</p><p>Die Rhabdodontiden stellten zur damaligen Zeit die häufigste Gruppe unter den kleinen bis mittel-großen Pflanzenfresser Europas dar. Manche Arten, die in derselben Gegend gefunden wurden, hatten deutlich schmalere Schädel als <em>Transylvanosaurus</em>. Im Gebiet des heutigen Frankreichs dagegen lebten seine nächsten Verwandten – eine große Überraschung für die Wissenschaftler. Wie war der <em>Transylvanosaurus</em> auf die „Insel der Zwergsaurier“ im heutigen Transsylvanien gekommen?</p><p>In der Publikation rekonstruieren die Paläontologen Felix Augustin, sein Doktorvater Zoltán Csiki-Sava von der Universität Bukarest, Dylan Bastiaans von der Universität Zürich/ Naturalis-Museum Leiden und der unabhängige Forscher Mihai Dumbravă aus Dorset verschiedene Möglichkeiten. Die ältesten Knochenfunde von Rhabdodontiden stammen aus Osteuropa – von dort könnten sich die Tiere nach Westen ausgebreitet haben, spätere Arten könnten wieder zurückgewandert sein. Durch Schwankungen des Meeresspiegels und tektonische Prozesse sind zwischen den vielen Inseln zeitweise Landverbindungen entstanden und haben die Ausbreitung begünstigt, vermuten die Wissenschaftler. Außerdem sei anzunehmen, dass fast alle Dinosaurier schwimmen konnten, auch Vertreter des Transylvanosaurus. „Sie hatten kräftige Beine und einen kräftigen Schwanz. Die meisten Tierarten, insbesondere Reptilien, können von Geburt an schwimmen“, so Augustin. Eine zweite Möglichkeit ist, dass sich parallel verschiedene Linien der Art in Ost- und Westeuropa entwickelt haben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87183</guid><pubDate>Wed, 23 Nov 2022 11:42:45 +0100</pubDate><title>Nachhaltigkeitspreise und Sustainability Lecture 2022</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachhaltigkeitspreise-und-sustainability-lecture-2022/</link><description>Universität Tübingen prämiert Abschlussarbeiten – Soziologe Armin Nassehi hält seine Rede über die „überforderte Gesellschaft“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Energie, Biodiversität, Wirtschaft und Kultur: Themen einer Nachhaltigen Entwicklung stehen im Mittelpunkt aktueller Forschungen der Universität Tübingen – auch bei Studierenden, die zu solchen Herausforderungen zahlreiche Beiträge leisten.<br> &nbsp;<br> Die besten Abschlussarbeiten 2022 werden bei der jährlichen Verleihung der Nachhaltigkeitspreise der Universität Tübingen am 29. November 2022 ausgezeichnet. Dr. Andreas Rothfuß, der Kanzler der Universität, wird jeweils drei Preise für Bachelor- und Masterarbeiten überreichen. Die diesjährigen Preisträgerinnen und -träger werden erst während der Veranstaltung bekanntgegeben.<br> &nbsp;<br> In der anschließenden Sustainability Lecture spricht in diesem Jahr der Soziologe Armin Nassehi zum Thema „Klima, Krieg, Corona: Die überforderte Gesellschaft“. Im Fokus seiner Festrede steht die Frage, warum es für moderne Gesellschaften so schwierig ist, auf Krisen wie den Klimawandel angemessen zu reagieren.<br> &nbsp;<br> Die öffentliche Veranstaltung findet <strong>am Dienstag, 29. November 2022, um 18.00 Uhr in der Alten Aula, Münzgasse 30, statt. </strong>Die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Die Festveranstaltung kann außerdem online via Zoom verfolgt werden (ohne Voranmeldung; Link: <a href="https://zoom.us/j/96850076632" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://zoom.us/j/96850076632</a>; Kenncode: 698608). Weitere Informationen unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/nachhaltig" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/nachhaltig</a>.<br> &nbsp;<br> Die Veranstaltung wird vom Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung organisiert. Mit der Vergabe der Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten, die seit 2011 verliehen werden, setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen Nachhaltiger Entwicklung. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87138</guid><pubDate>Tue, 22 Nov 2022 15:17:21 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen verzeichnet Rekordwert bei internationalen Studierenden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verzeichnet-rekordwert-bei-internationalen-studierenden/</link><description>Gesamtzahl der Studierenden bleibt stabil – Rückgang bei deutschen Studienanfängerinnen und Studienanfängern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen wird bei internationalen Studierenden immer beliebter. Zum Stichtag Mitte November verzeichnete die Universität insgesamt 4.165 Studierende ohne deutschen Pass, ein neuer Rekordwert. Im laufenden Wintersemester liegt damit der Anteil der internationalen Studierenden bei 14,7 Prozent. Die Gesamtzahl der Immatrikulierten erhöhte sich um 207 oder 0,7 Prozent auf 28.366.</p><p>Allerdings sank die Zahl der neuen Studierenden insgesamt um 7,2 Prozent auf 5.035. Ursächlich hierfür ist ein überproportionaler Rückgang der deutschen Erst- und Neueingeschriebenen von 11,5 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der internationalen Studienanfängerinnen und Studienanfänger um 9,7 Prozent auf 1.195.</p><p>„Wir sehen in der Studierendenstatistik des Wintersemesters 2022/23 verschiedene, teils gegenläufige Trends“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann: „Zum einen registrieren wir eine hohe Zahl von über 23.000 Rückmeldungen. Das lässt den Schluss zu, dass die Studierenden als Folge der Corona-Pandemie nach wie vor länger bis zum Studienabschluss brauchen.“</p><p>„Zum anderen zeigen sich bei den Erstsemestern mit deutscher Staatsangehörigkeit die Auswirkungen des demographischen Wandels“, erklärte Pollmann. Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten bundesweit bis Mitte des Jahrzehnts auf unter 300.000 pro Jahr sinken, um erst danach langsam wieder zu steigen.</p><p>„Für die Universität Tübingen zahlt es sich nun aus, dass wir seit mehreren Jahren aktiv um Studierende aus dem Ausland werben, ganz besonders in den Bereichen Masterstudium und Promotion“, sagte die Rektorin: „Wir wollen nicht nur in der Forschung, sondern auch im Studium die besten Köpfe national und international an die Universität Tübingen holen.“ Dazu diene unter anderem eine Vielzahl von internationalen Studiengängen, die ganz oder weitgehend auf Englisch studiert werden könnten.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-87111</guid><pubDate>Tue, 22 Nov 2022 11:59:29 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen gründet Forschungszentrum für Wissenschaftskommunikation</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-gruendet-forschungszentrum-fuer-wissenschaftskommunikation/</link><description>Sprecher wird Professor Olaf Kramer vom Lehrstuhl für Rhetorik – Auch Bürgerinnen und Bürger eingebunden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen stärkt die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation mit dem Aufbau eines eigenen Zentrums. „Im wissenschaftspolitischen Dialog ist in den vergangenen Jahren die Frage in den Fokus gerückt, wie Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht nur exzellente Wissenschaft betreiben, sondern diese auch in der Gesellschaft wirksam vermitteln können“, sagte die Rektorin der Universität, Professorin Karla Pollmann: „Inzwischen ist überdeutlich, dass Wissenschaftskommunikation selbst zu einem zunehmend wichtigen Forschungsfeld wird, auf dem die Universität Tübingen eine wesentliche Rolle spielen will.“ Die Gründung des Forschungszentrums reagiere auf diese Entwicklungen.&nbsp;</p><p>Direktor des Zentrums wird Olaf Kramer, Professor für Rhetorik und Wissenskommunikation am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen. „Forschung ruft oft gesellschaftliche Widerstände hervor – ob beim Thema Künstliche Intelligenz, Impfungen oder Klimawandel“, erklärte Kramer: „Ein Ertrag der Corona-Pandemie war sicher die Erkenntnis, wie wichtig Wissenschaftskommunikation ist.“ Kooperationspartner des neuen Zentrums sind das Institut für Medienwissenschaft der Universität, das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung (HIB) sowie das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) als außeruniversitärer Partner.</p><p>„Wissenschaft wird über immer mehr Kanäle kommuniziert“, sagte Kramer. „Nur ein interdisziplinär ausgerichtetes Zentrum vermag diese vielfältigen Wege und Wirkungen von Wissenschaftskommunikation zu analysieren und darzustellen.“ Während Kommunikation und Marketing von Unternehmen seit vielen Jahrzehnten intensiv erforscht würden, sei die Wissenschaftskommunikation ein noch junges Forschungsfeld. „Tübingen kann auf allen Feldern, die für dieses Thema relevant sind, hervorragende Forscherinnen und Forscher aufweisen – von der Bildungsforschung über die Informatik, die Kognitions- und Medienwissenschaften, die Psychologie bis hin zur Rhetorik“, betonte der Direktor des Forschungszentrums.</p><p>Die Tübinger Rhetorik konnte in den vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl von Forschungs- und Praxisprojekten zur Wissenschaftskommunikation starten, auf denen das künftige Forschungszentrum nun aufbauen wird. So untersucht das Projekt „RHET AI“ derzeit unter anderem den öffentlichen Diskurs über und die mediale Darstellung von künstlicher Intelligenz und fragt in einem nationalen Dialog Bürgerinnen und Bürgern nach Risiken und Chancen dieser Technologie und ihren Sorgen und Erwartungen. Kooperationspartner sind unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Exzellenz-Cluster „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ sowie Cyber Valley.</p><p>Am Seminar für Allgemeine Rhetorik erprobt die Forschungsstelle Präsentationskompetenz bereits seit 2011, unterstützt von der Heidelberger Klaus Tschira Stiftung, mit zahlreichen Projekten innovative Formen der Wissenschaftskommunikation. Beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend präsentiert“ etwa trainieren Schülerinnen und Schüler die Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Zeitschrift „Science Notes“ berichtet nicht nur über Ergebnisse aus der Wissenschaft, sondern auch über den Prozess dahinter. Entstanden ist die Publikation im Zusammenhang mit der gleichnamigen Reihe wissenschaftlicher Kurzvorträge, die von elektronischer Musik umrahmt in Clubs in Berlin, Hamburg, Tübingen und anderen Städten präsentiert werden. Das neue Forschungszentrum wird außerdem Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der visuellen Darstellung von Statistiken und Fakten und der verständlichen Formulierung von Forschungsergebnissen ausbilden. Dazu wird das bestehende Zertifikatsprogramm „Wissenschaftskommunikation und mediale Kompetenz“ ausgebaut.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86904</guid><pubDate>Thu, 17 Nov 2022 11:46:40 +0100</pubDate><title>Schokoroboter und Deepfakes</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schokoroboter-und-deepfakes/</link><description>Neuer Comic des Tübingen AI Center verbildlicht Gedanken Jugendlicher rund um Künstliche Intelligenz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Alle reden darüber, wie künstliche Intelligenz unseren Alltag verändert. Doch was denken junge Menschen über KI – also die Generation, deren Alltag von morgen am meisten von KI geprägt sein wird? Das Outreach-Team des Tübingen AI Center hat sich dazu mit Schülerinnen und Schülern ausgetauscht und die Antworten in Comic-Form veröffentlicht. „Schokoroboter und Deepfakes. Ein Comic-Essay über Künstliche Intelligenz aus der Perspektive von Jugendlichen” ist Zeitzeugnis und lädt gleichzeitig Jugendliche, Erwachsene und Forschende ein, sich an der Debatte zu beteiligen. Er steht zum kostenlosen Download unter <a href="https://schokofakes.ai/" target="_blank" rel="noreferrer">schokofakes.ai</a> bereit und kann dort sowie im Buchhandel auch als Softcover-Ausgabe erworben werden.</p><p>Welche Probleme sollten mit KI gelöst werden? Wofür sollten sich Forschende einsetzen? Welche Ängste haben sie – und welche Bedürfnisse? Und welches Bild verbinden Jugendliche überhaupt mit KI? Diese Fragen stellte das Outreach Team des Tübingen AI Center rund 200 Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 19 Jahren: in einer Online-Umfrage, zu der auch Tübinger Machine-Learning-Forschende beigetragen haben.</p><p>Zusätzlich besuchte das Team im Frühjahr 2022 Gesamtschulen und Gymnasien in Tübingen und Grimma, um in den Dialog zu treten und Geschichten zu sammeln. Meist kam das Thema KI erst allgemein zur Sprache: von „Alexa“ bis zu „Social Media“. Die Diskussionen wurden jedoch schnell vielschichtiger. Es ging um Zukunftsängste, Kriege und soziale Werte.</p><p>Die Ergebnisse übersetzte die in Berlin lebende Comic-Essayistin Julia Schneider in pointierte Comictexte. Kristina Laube vom Tübingen AI Center ergänzte durch kompakte Wissenstexte zu den Themen, die aus ihren Gesprächen mit den Jugendlichen aufkamen. Das Ergebnis ist ein inhaltsstarker Comic, der seine expressive neonfarbene Bildsprache der Illustratorin Nele Konopka zu verdanken hat.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86892</guid><pubDate>Thu, 17 Nov 2022 10:29:18 +0100</pubDate><title>Neuer Ansatzpunkt für Alzheimer-Therapien gefunden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-ansatzpunkt-fuer-alzheimer-therapien-gefunden/</link><description>Forschende des DZNE entdecken Zusammenhang zwischen dem Protein Medin und der Alzheimer-Erkrankung</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den Blutgefäßen des Gehirns von Alzheimer-Patienten lagert sich zusammen mit dem Protein Amyloid-β auch das Protein Medin ab. Diese sogenannte Co-Aggregation haben Forschende am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) entdeckt. Ihre Beobachtung veröffentlichen sie jetzt im renommierten Fachmagazin Nature. „Medin ist zwar schon seit rund 20 Jahren bekannt, wurde aber in seinem Einfluss auf Krankheiten bisher unterschätzt. Wir konnten zeigen, dass krankhafte Veränderungen der Blutgefäße von Alzheimer-Patienten durch Medin deutlich verstärkt werden“, sagt Studienleiter Dr. Jonas Neher vom Tübinger Standort des DZNE. An der langjährigen Studie waren außerdem das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, die Universität Tübingen und mehrere internationale Institutionen und Kooperationspartner beteiligt.</strong></p><p>Medin gehört zur Gruppe der Amyloide. Von diesen Proteinen ist Amyloid-β am besten bekannt, da es im Gehirn von Alzheimer-Patienten verklumpt. Diese Aggregate lagern sich dann sowohl als sogenannte Plaques direkt im Gehirngewebe, aber auch in dessen Blutgefäßen ab und schaden dadurch den Nervenzellen bzw. den Blutgefäßen. Während sich daher viele Studien mit Amyloid-β beschäftigten, stand Medin bisher nicht im Mittelpunkt des Interesses. „Es gab wenig Hinweise auf eine Pathologie, also auf einen klinisch auffälligen Befund in Zusammenhang mit Medin – und das ist oft die Voraussetzung für eine eingehendere Beschäftigung mit einem Amyloid“, erklärt Jonas Neher.&nbsp;</p><p>Tatsächlich findet sich Medin jedoch in den Blutgefäßen von fast jedem Menschen über 50 Jahren und ist somit das häufigste bekannte Amyloid. Mit seinem Team stellte Jonas Neher ursprünglich fest, dass Medin sich sogar in alternden Mäusen entwickelt, und berichtete vor zwei Jahren im Wissenschaftsjournal PNAS über diese Entdeckung. Auch in den Blutgefäßen des Gehirns von Mäusen sammelt sich umso mehr Medin an, je älter sie werden - das war damals der Befund. Und: Wenn das Gehirn aktiv wird und mehr Blutzufuhr benötigt, dehnen sich Gefäße mit Medin-Ablagerungen langsamer aus als solche ohne Medin. Diese Fähigkeit der Ausdehnung jedoch ist wichtig, um das Gehirn optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.</p><p>Für ihre jüngsten Ergebnisse bauten die Forschenden auf dieser Grundlage auf und blickten gezielt auf die Alzheimer-Erkrankung. Sie konnten dabei zuerst an Alzheimer-Mausmodellen zeigen, dass sich Medin noch stärker in Blutgefäßen des Gehirns anreichert, wenn dort auch Amyloid-β Ablagerungen vorhanden sind. Entsprechende Befunde konnten dann auch in Hirngewebe von Organspendern mit Alzheimer-Demenz nachgewiesen werden. Wurden jedoch Mäuse genetisch so verändert, dass Medin nicht gebildet werden kann, kam es zu deutlich weniger Amyloid-β-Ablagerungen und dadurch auch zu signifikant weniger Schaden an den Blutgefäßen. &nbsp;</p><p>„Es gibt weltweit nur eine Handvoll Arbeitsgruppen, die überhaupt zu Medin arbeiten“, sagt Jonas Neher. Eine vorherige Studie aus den USA beschrieb zwar kürzlich, dass der Medinspiegel bei Alzheimer-Patienten steigt. Dabei blieb aber ungeklärt, ob dies lediglich die Folge der Erkrankung ist oder ob es hingegen zu den Ursachen gehört. „Wir konnten jetzt über viele Versuche zeigen, dass Medin die vaskuläre Pathologie in Alzheimermodellen fördert“, so Neher. Die Medin-Ablagerungen sind also tatsächlich eine Ursache für die Schädigung von Blutgefäßen. „Und das ist ein Indiz dafür, dass es die Krankheit mitverursacht“, so Neher.</p><p>In ihren Studien färbten die Forschenden dabei Gewebeschnitte sowohl von Mäusen als auch von Alzheimer-Patienten so, dass konkrete Proteine sichtbar werden. Dadurch konnten sie zeigen, dass sich Medin und Amyloid-β gemeinsam in Blutgefäßen des Gehirns ablagern – Co-Lokalisation ist dafür der Fachbegriff. Mit weiteren Versuchen konnten sie in einem nächsten Schritt beweisen, dass diese beiden Amyloide auch co-aggregieren – also gemischte Anhäufungen bilden. „Erstaunlicherweise interagiert Medin direkt mit Amyloid-β und fördert dessen Aggregation – das war noch vollkommen unbekannt“, fasst Jonas Neher die Ergebnisse zusammen.&nbsp;</p><p>Genau daraus schöpfen die Forschenden Hoffnung für die Entwicklung einer möglichen Behandlung. „Medin könnte ein therapeutisches Ziel sein, um vaskuläre Schäden und kognitive Verschlechterungen zu verhindern, die aus Amyloid-Ansammlungen in den Blutgefäßen des Gehirns resultieren“, lautet ihre Schlussfolgerung. In Fachkreisen ist es unumstritten, dass Ursachen für die Alzheimer Erkrankung nicht nur die Aggregate von Amyloid-β im Hirngewebe, sondern auch vaskuläre Veränderungen sind – also die verringerte Funktion oder die Beschädigung von Blutgefäßen. Nimmt man bei einer Behandlung also nicht nur die Plaques als Angriffspunkt, sondern auch die betroffenen Blutgefäße, könnte das den Patientinnen und Patienten helfen.</p><p>In einem nächsten Schritt muss jetzt geklärt werden, ob sich bereits gebildete Medin-Aggregate therapeutisch entfernen lassen und ob dieser Eingriff tatsächlich einen Einfluss auf die Gedächtnisleistung hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das zunächst an Mausmodellen erproben, weil diese die krankhaften Veränderungen in Alzheimer-Patienten sehr gut widerspiegeln.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p><strong>Medin co-aggregates with vascular Ab in mouse models and Alzheimer patients</strong><br> Jessica Wagner, Karoline Degenhardt, Marleen Veit, Nikolaos Louros, Katerina Konstantoulea, Angelos Skodras, Katleen Wild, Ping Liu, Ulrike Obermüller, Vikas Bansal, Anupriya Dalmia, Lisa M. Häsler, Marius Lambert, Matthias De Vleeschouwer, Hannah A.Davies, Jillian Madine, Deborah Kronenberg-Versteeg, Regina Feederle, Domenico Del Turco, K. Peter R. Nilsson, Tammaryn Lashley, Thomas Deller, Marla Gearing, Lary C. Walker, Peter Heutink, Frederic Rousseau, Joost Schymkowitz, Mathias Jucker, Jonas J. Neher</p><p><a href="https://www.nature.com/articles/s41586-022-05440-3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-022-05440-3</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86544</guid><pubDate>Fri, 11 Nov 2022 11:28:59 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen ehrt Maren Kroymann für „Rede des Jahres 2021“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-ehrt-maren-kroymann-fuer-rede-des-jahres-2021/</link><description>Die Schauspielerin thematisierte bei Verleihung des Deutschen Comedy-Preises Sexismus in der Fernsehbranche </description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminar für Allgemeine Rhetorik würdigt die Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Maren Kroymann mit der Auszeichnung „Rede des Jahres 2021“. Vertreterinnen und Vertreter der Presse sind herzlich zu dem Festakt <strong>am Donnerstag, 24. November, um 20 Uhr im Audimax der Neuen Aula (Geschwister Scholl Platz, 72074 Tübingen) </strong>eingeladen. Die Veranstaltung ist öffentlich.</p><p>Maren Kroymann wurde bereits im vergangenen Jahr vom Seminar für Rhetorik für ihre Rede ausgezeichnet, die sie bei der Verleihung des Deutschen Comedy-Preises im Oktober 2021 gehalten hatte, als sie den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk entgegennahm. Dabei hatte sie über Sexismus in der Fernsehbranche und eigene Erfahrungen mit Diskriminierung gesprochen.&nbsp;</p><p>Nun wird der Preis offiziell an der Universität Tübingen übergeben. Olaf Kramer, Professor für Rhetorik und Wissenschaftskommunikation, wird sich im Audimax der Universität Tübingen mit der Preisträgerin über Inhalte, Form und Wirkung ihrer Rede unterhalten. Studentinnen und Studenten der Rhetorik setzen sich in Video-Einspielern mit Kroymanns Auftritt beim Comedy-Preis auseinander.&nbsp;</p><p>Kroymanns Rede könne als eine kraftvolle Demonstration von Solidarität mit der deutschen #metoo-Bewegung und als herausragendes Beispiel für die Wirkungsmacht von Rhetorik gesehen werden, begründete die Jury ihre Entscheidung im vergangenen Dezember.</p><p>Das Allgemeine Seminar für Rhetorik verleiht seit 1998 den Preis für die „Rede des Jahres“. Ausgezeichnet wurden bisher unter anderem Angela Merkels Fernsehansprache zur Coronapandemie im Jahr 2020, Ursula von der Leyens Wahlrede vor dem Europäischen Parlament 2019 oder Navid Kermanis Gedenkrede zum deutschen Grundgesetz 2014.</p><p>Maren Kroymann trat unter anderem in der Kabarett-Sendung „Scheibenwischer“ auf und wurde durch die SDR-Serie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ einem breiteren Publikum bekannt. Seit 2017 ist sie mit der Satiresendung „Kroymann“ in der ARD zu sehen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86505</guid><pubDate>Fri, 11 Nov 2022 09:36:06 +0100</pubDate><title>Neuer Master zur Bevölkerungsgesundheit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-master-zur-bevoelkerungsgesundheit/</link><description>Medizinische Fakultät Tübingen bietet internationalen Studiengang an: Population-Based Medicine erforscht, was eine Gesellschaft gesund erhält und entwickelt Strategien zu Prävention und Intervention</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bietet ab dem Sommersemester 2023 den internationalen Masterstudiengang „Population-Based Medicine (PBM)“ an. Der viersemestrige Studiengang bildet künftige Expertinnen und Experten für Gesundheitsfragen einer Gesellschaft aus. Der Studiengang wird komplett auf Englisch angeboten und richtet sich damit gleichermaßen an deutsche und internationale Studierende. Ein Pflichtpraktikum im dritten Semester kann in Deutschland oder im Ausland absolviert werden.</p><p>Die Studierenden des Masterprogramms werden sich interdisziplinär mit Faktoren beschäftigen, die sich auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken können ‒ vom individuellen Verhalten über Umwelteinflüsse, soziale und kulturelle Aspekte bis hin zu politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen. Sie erlernen dafür maßgeblich den Umgang mit großen medizinischen Datensätzen, statistischen und epidemiologischen Methoden. Jeder Studierende wird während des Studiums von einem persönlichen Mentor oder einer Mentorin begleitet und beraten.</p><p>Absolventinnen und Absolventen sollen in der Lage sein, Präventionsstrategien und passgenaue Interventionsmaßnahmen zu entwickeln und die Politik zu beraten. Künftige Arbeitsfelder sind unterschiedliche Bereiche des Gesundheitssektors wie Gesundheitsämter, Krankenhäuser oder Beratungsagenturen aber auch die Forschung, Politik oder Wirtschaftsunternehmen.</p><p>Interessierte können sich ab Mitte Dezember bis zum 15. Januar 2023 bewerben. Voraussetzung ist ein sechssemestriger Bachelor in Gesundheitswissenschaften oder ein gleichwertiger Abschluss in einem vergleichbaren Fach. Anmeldungen zu einer Online-Infoveranstaltung am Mittwoch, 23. November 2022, 17.00 Uhr sind unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rdo0uvwfkwoBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pbm.studium<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;möglich.&nbsp;</p><p>Alle Informationen unter <a href="http://www.pbm-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.pbm-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86355</guid><pubDate>Wed, 09 Nov 2022 10:15:00 +0100</pubDate><title>Europaweite Studie zur Epigenetik des Acker-Hellerkrauts</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/europaweite-studie-zur-epigenetik-des-acker-hellerkrauts/</link><description>Forschungsteam unter der Leitung der Universität Tübingen untersucht, welchen Einfluss Gene und Umwelt auf natürliche epigenetische Variationen der weitverbreiteten Wildpflanze haben</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zu den vererbbaren Variationen innerhalb einer Art tragen kleine Unterschiede in der DNA-Sequenz bei, aber auch chemische Modifikationen der DNA, sogenannte epigenetische Veränderungen. Um deren Bedeutung für die Evolution von Pflanzen besser zu verstehen, untersuchte ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Oliver Bossdorf vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen jetzt in einer europaweiten Studie zahlreiche Populationen des Acker-Hellerkrauts. Die Forscherinnen und Forscher verknüpften DNA-Sequenzen und Umweltdaten der Herkunftsorte mit der epigenetischen Variation dieser Wildpflanze. Ihren Ergebnissen zufolge wird ein großer Teil der epigenetischen Markierungen vor allem durch die DNA-Sequenz bestimmt. Ein Teil der epigenetischen Variation steht aber stark im Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen der Pflanzen-Herkunftsorte. In der Landwirtschaft könnte das Acker-Hellerkraut künftig als Winterdeckfrucht und als Grundlage für Biokraftstoff an Bedeutung gewinnen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>PLoS Genetics </em>veröffentlicht.</p><p>Das Acker-Hellerkraut oder auch Acker-Pfennigkraut, lateinisch <em>Thlaspi arvense</em>, ist eine einjährige weißblühende Wildpflanze aus der Familie der Kreuzblütler, die in großen Teilen Europas und in Asien beheimatet ist. Ihre deutschen Namen erhielt sie aufgrund der Form ihrer runden Früchte, die an Münzgeld erinnern. Für die Studie sammelten die Forscherinnen und Forscher europaweit in 207 wilden Populationen des Acker-Hellerkrauts Samen und zogen deren Nachkommen im Labor unter Standardbedingungen auf. Aus Proben dieser Pflanzen analysierten sie dann deren komplette DNA-Sequenzen, sowie die 'Methlyome', die Gesamtheit der DNA-Methylierungen – wichtige epigenetische Veränderungen, die beeinflussen, ob und wie häufig bestimmte Gene abgelesen werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86049</guid><pubDate>Fri, 04 Nov 2022 10:27:00 +0100</pubDate><title>Alfons Auer Ethik-Preis geht an Leela Gandhi</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alfons-auer-ethik-preis-geht-an-leela-gandhi/</link><description>Katholisch-Theologische Fakultät ehrt Professorin der Brown University für ihre Arbeiten zur Postkolonialen Theorie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der „Alfons Auer Ethik-Preis“ der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Professorin Leela Gandhi. Der Preis würdigt insbesondere ihre innovativen Arbeiten zur Postkolonialen Ethik und Politischen Theorie. Von den Ansätzen Mahatma Gandhis her, dessen Nachfahrin sie ist, entwickelt sie eine kreative Ethik, die kritisch und konstruktiv an neuen Formen der Gewaltlosigkeit und an der Überwindung jener Schädigungen und Verletzungen arbeitet, die der Kolonialismus auch in postkolonialen Welten hinterlassen hat.&nbsp;</p><p>Als ausgezeichnete Denkerin und offene Gesprächspartnerin seien ihre Arbeiten auch für die christlich-theologische Ethik von fundamentaler Bedeutung, so die Begründung der Katholisch-Theologischen Fakultät. Leela Gandhi erarbeite eine Postkoloniale Theorie, deren Herausforderung sich auch die Theologie zu stellen habe: Wolle theologische Ethik ihrem Anspruch einer Inklusivität gerecht werden, die alle Menschen zu allen Zeiten einschließe, sei es wichtig, dass sie die postkoloniale Kritik an ihrem eigenen Kolonialismus höre.&nbsp;</p><p>Der öffentliche Festakt zur Übergabe findet am Dienstag, 15. November 2022, um 17:00 Uhr im Hörsaal des Theologicums (Liebermeisterstr. 12) statt. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.</p><p>Die Laudatio hält Professorin Ulrike E. Auga vom Institut für Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaft der Universität Hamburg. Leela Gandhi selbst hält einen Festvortrag zum Thema „<span lang="en" dir="ltr">The challenges of postcolonial theories for ethics and possible perspectives for a postcolonial ethics</span>“.</p><p>Leela Gandhi (geboren im Mumbai) forscht und lehrt seit 2014 als „<span lang="en" dir="ltr">John Hawkes Professor of Humanities and English</span>“ an der <span lang="en" dir="ltr">Brown University</span> in <span lang="en" dir="ltr">Providence, Rhode Island</span> (USA). Sie promovierte am <span lang="en" dir="ltr">Balliol College</span> der Universität Oxford und hat bereits an der <span lang="en" dir="ltr">University of Chicago</span>, der <span lang="en" dir="ltr">La Trobe University (Melbourne</span>, Australien) und der <span lang="en" dir="ltr">University of Delhi</span> gelehrt. Gandhi ist vor allem mit ihren grundlegenden Werken zur postkolonialen Theorie und Politik, zur demokratischen Praxis und zu postkolonialer Vergemeinschaftung international bekannt geworden. Sie gibt die von ihr mit gegründete akademische Zeitschrift <span lang="en" dir="ltr">Postcolonial Studies</span> heraus und ist Redaktionsbeirätin der elektronischen Zeitschrift <span lang="en" dir="ltr">Postcolonial Text</span>. Sie ist zudem <span lang="en" dir="ltr">Senior Fellow </span>der <span lang="en" dir="ltr">School of Criticism and Theory</span> an der<span lang="en" dir="ltr"> Cornell University</span>. Leela Gandhi ist die Urenkelin des Freiheitskämpfers und Bürgerrechtlers Mahatma Gandhi.</p><h3>Der Alfons Auer Ethik-Preis</h3><p>Der Alfons Auer Ethik-Preis wird von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen vergeben und ist dem Theologen Alfons Auer gewidmet (1915-2005). Er war Gründungsdirektor der Katholischen Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart (1951-1953), hatte den Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Würzburg inne (1955-1965) und war von 1966 bis zu seiner Emeritierung 1981 Ordinarius für Moraltheologie an der Universität Tübingen.</p><p>Auer gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Moraltheologen des 20. Jahrhunderts, der sich um einen Dialog von Kirche und Welt im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils bemühte. Kennzeichnend für seinen ethischen Ansatz war die zentrale Stellung der menschlichen Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre, die er in einer positiven Sicht von Mensch und Schöpfung verankerte. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger waren der kanadische Sozialphilosoph Professor Charles Taylor (2015), der Menschenrechtler Heiner Bielefeldt (2017) und die irische Politikerin und ehemalige Staatspräsidentin Mary McAleese.</p><p>Den Preis stiftete der Unternehmer Siegfried Weishaupt zu Auers 100. Geburtstag. Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter der Max Weishaupt GmbH. Das weltweit tätige Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern und Hauptsitz im schwäbischen Schwendi wurde von seinem Vater Max Weishaupt, Ehrensenator der Universität Tübingen, gegründet. Seit mehr als 50 Jahren ist Weishaupt zudem leidenschaftlicher Kunstsammler. Die „Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt“ ist seit 2007 in der Kunsthalle Weishaupt in Ulm zu sehen.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86184</guid><pubDate>Fri, 04 Nov 2022 10:03:39 +0100</pubDate><title>Wie altern die Zellen in unserem Gehirn?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-altern-die-zellen-in-unserem-gehirn/</link><description>Tübinger Forschungsprojekt erhält 1,6 Millionen US-Dollar von der Chan Zuckerberg Initiative</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Gesundheit von Nervenzellen ist eng mit den sie umgebenden Hilfszellen – den sogenannten Gliazellen – verbunden. Weitgehend unklar ist, welche Rolle die Gliazellen bei altersbedingten Erkrankungen spielen. Ein Forschungsnetzwerk unter Federführung des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und der Universität Tübingen untersucht nun in menschlichen Gehirngewebekulturen, wie Nervenzellen altern und anfällig für neurodegenerative Erkrankungen werden. Dabei überprüfen die Forscherinnen und Forscher die Hypothese, dass neuronale Fehlfunktionen vor allem durch Veränderungen in Gliazellen hervorgerufen werden. Die nun anlaufende Studie wird mit 1,6 Millionen US-Dollar (entspricht aktuell 1,6 Millionen Euro) von der Chan Zuckerberg Initiative gefördert, wie die Wohltätigkeitsorganisation des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg und seiner Ehefrau Dr. Priscilla Chan diese Woche bekannt gegeben hat.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86079</guid><pubDate>Thu, 03 Nov 2022 09:37:29 +0100</pubDate><title>Wie ein taumelnder Spielzeugkreisel: Überraschende Neuigkeiten vom Röntgenpulsar Her X-1</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-ein-taumelnder-spielzeugkreisel-ueberraschende-neuigkeiten-vom-roentgenpulsar-her-x-1/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Führung der Universität Tübingen wertet erste direkte Messungen der Polarisation von Röntgenquellen durch das Weltraumteleskop IXPE aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gleich die erste direkte Messung der Polarisation eines Röntgenpulsars, eines rotierenden magnetisierten Neutronensterns, durch das Weltraumteleskop IXPE (<span lang="en" dir="ltr">Imaging X-ray Polarimetry Explorer</span>) stellte bisherige Modelle solcher Systeme in Frage. Der Polarisationsgrad des Röntgenpulsars Hercules X-1 war viel niedriger als theoretisch vorhergesagt, sodass die Vorstellungen der Astrophysiker von der Geometrie und Struktur der Materieflüsse grundlegend überdacht werden müssen. Den neuen Erkenntnissen zufolge liegen die Drehachse und die magnetische Achse des Neutronensterns, als auch die Richtung des Drehimpulses in diesem Doppelsternsystem, nicht in einer Linie, sodass das Objekt sich taumelnd wie ein Kreisel bewegt. In der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr">Nature Astronomy</span> ist dazu eine Studie eines großen internationalen Teams erschienen. Hauptautoren sind Dr. Victor Doroshenko vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen und Dr. Juri Poutanen von der finnischen Universität Turku.</p><p>Röntgenpulsare haben Durchmesser von nur etwa zehn Kilometern, sind aber schwerer als die Sonne und haben ein Magnetfeld, das mehrere Milliarden Mal stärker ist als alle Magnetfelder, die wir auf der Erde kennen. Sie bilden ein Doppelsternsystem mit einem normalen Stern, der Materie über ein Magnetfeld wie über einen Trichter in die Polregionen des Pulsars überfließen lässt. Dies zur Freisetzung immenser Energien und macht Röntgenpulsare zu sehr hellen Quellen am Röntgenhimmel.</p><p><strong>Bisherige Modelle überdenken</strong><br> Nun liefert die IXPE-Mission, die zu Beginn dieses Jahres startete, eine neue Perspektive auf diese Objekte. IXPE ist die erste Pioniermission, bei der polarisierte Röntgenstrahlen von Himmelsobjekten gemessen werden können. „Her X-1 war der erste Röntgenpulsar, der von IXPE beobachtet wurde. Wir waren sehr überrascht, dass dabei nur eine niedrige Polarisation beobachtet wurde, was unsere theoretischen Vorhersagen über den Haufen warf. Wir haben das noch nicht verstanden“, sagt Victor Doroshenko. Der durchschnittliche Polarisationsgrad von circa 8,6 Prozent, der von IXPE mit hoher Genauigkeit gemessen wurde, sei viel niedriger als die erwarteten circa 80 Prozent, die durch theoretische Arbeiten vorhergesagt waren. „Eine solch große Diskrepanz impliziert, dass bisherige Modelle des Strahlungstransports in stark magnetisierten Plasmen, die sich an den Polen der Neutronensterne sammeln, und unsere Ideen bezüglich der Geometrie und Struktur der Emissionsregion in Her X-1 – und wahrscheinlich weiterer Pulsare – im Licht der IXPE-Ergebnisse grundlegend überdacht werden müssen“, setzt Juri Poutanen hinzu.</p><p>„Ich habe Her X-1 fast mein ganzes Leben lang untersucht, und er überrascht mich immer wieder“, sagt Professor Rüdiger Staubert vom Tübinger Institut für Astronomie und Astrophysik und einer der Koautoren der Studie. „Es ist der erste Röntgenpulsar, bei dem wir das magnetische Feld des Neutronensterns direkt messen konnten. Und es ist eines der meistuntersuchten Objekte seiner Art. Aber wir sind noch weit davon entfernt, es völlig zu verstehen“, sagt Staubert.</p><p><strong>Ultimativer Beleg steht noch aus</strong><br> Trotz aller neuen Rätsel betrachtet das Forschungsteam die neuen Ergebnisse als grundlegende Erkenntnisse. „Erstmals seit der Entdeckung von Röntgenpulsaren vor fünf Jahrzehnten war es möglich, durch das Studium der Änderungen des Polarisationswinkels mit der Phase der Eigendrehung den Winkel zwischen der Drehachse und der magnetischen Dipolachse zu messen. Diese Informationen benötigen wir, um die Emission aus solchen Objekten zu modellieren“, erklärt Doroshenko. „Diese röntgenpolarimetrischen Beobachtungen haben wir mit früheren optischen polarimetrischen Messungen kombiniert. So konnten wir belegen, dass die Drehachse des Pulsars nicht in einer Linie mit dem Bahndrehimpuls liegt. Das deutet – wie auch andere frühere Beobachtungen – darauf hin, dass der Neutronenstern taumelt wie ein auslaufender Spielzeugkreisel.“</p><p>Der ultimative Beleg dafür werde später in diesem Jahr erwartet, wenn IXPE den Röntgenpulsar Her X-1 in einer anderen Phase seines 35-Tage-Zyklus beobachten soll, berichtet Professor Andrea Santangelo vom Tübinger Institut für Astronomie und Astrophysik. „IXPE startet gerade erst jetzt das neue Beobachtungsfenster der Röntgenpolarimetrie und ebnet den Weg für die nächste Generation von Röntgenpolarimetern. Es ist erst der Anfang eines großen Abenteuers“, setzt er hinzu.</p><p>Der Imaging X-ray Polarimetry Explorer (IXPE) wurde zu Beginn dieses Jahres an Bord einer Fal-con-9-Rakete von Cape Canaveral aus ins All geschossen und kreist nun 370 Meilen (600 Kilometer) über dem Erdäquator. Die Mission ist eine Kooperation zwischen der NASA und der Agenzia Spaziale Italiana mit Partnern und Wissenschaftlern in zwölf Ländern. Gesteuert wird die Weltraummission von Ball Aerospace, die ihren Sitz in Broomfield, Colorado, in den USA hat.</p><p><strong>Pressemitteilung der NASA:</strong><br><a href="https://www.nasa.gov/mission_pages/ixpe/news/2022/powerful-neutron-star-s-behavior-surprises-ixpe-researchers.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nasa.gov/mission_pages/ixpe/news/2022/powerful-neutron-star-s-behavior-surprises-ixpe-researchers.html</a></p><p><strong>Publikation:</strong><br> Doroshenko, V., Poutanen, J., Tsygankov, S.S. et al. Determination of X-ray pulsar geometry with IXPE polarimetry. Nature Astronomy, 24. Oktober 2022, <a href="https://doi.org/10.1038/s41550-022-01799-5" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41550-022-01799-5</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86034</guid><pubDate>Wed, 02 Nov 2022 13:05:00 +0100</pubDate><title>Neue Einblicke in den Alltag frühindustrieller Arbeiterinnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-einblicke-in-den-alltag-fruehindustrieller-arbeiterinnen/</link><description>Was Handskelette über das Arbeiten im 19. Jahrhundert verraten: Forscher der Universität Tübingen und des Naturhistorischen Museums Basel kombinieren Knochenanalysen mit historischem Archiv</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-86028</guid><pubDate>Wed, 02 Nov 2022 12:06:12 +0100</pubDate><title>Studieninfotag 2022 an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studieninfotag-2022-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Universität Tübingen stellt eine Vielzahl von Studiengängen vor – online am Vormittag &amp; in Präsenz am Nachmittag</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt wieder zum Studieninfotag ein: Am Mittwoch, den 16. November 2022 können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe über das vielfältige Studienangebot informieren und Einblicke im Studienalltag gewinnen. Als moderne Spitzenuniversität mit langer Tradition bietet die Universität Tübingen ein breites Fächerspektrum in den Natur-, Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften an – von Ägyptologie bis Zelluläre Neurowissenschaften. Schülerinnen und Schüler sind herzlich eingeladen, diese Vielfalt im Rahmen des diesjährigen Studieninfotags kennenzulernen und möglicherweise bereits den passenden Studiengang zu finden.</p><p>Am Studieninfotag präsentieren sich rund 80 Fächer in über 250 Veranstaltungen und bieten erste Einblicke in Themen, Voraussetzungen und Ziele sowie berufliche Chancen. Studieninteressierte können sich zwischen Angeboten am digitalen Vormittag oder am Nachmittagsprogramm vor Ort in Tübingen entscheiden oder auch an beiden Formaten teilnehmen.</p><p><strong>Digitaler Vormittag: </strong>Am Vormittag können sich Studieninteressierte zwischen <strong>9 und 13 Uhr in Live-Videokonferenzen </strong>über 170 Studiengänge aus rund 80 verschiedenen Studienfächern der Universität Tübingen informieren und das breite Fächerspektrum in den Natur-, Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität kennenlernen. Schülerinnen und Schüler sind hierbei eingeladen, mit Lehrenden und Studierenden unkompliziert in Kontakt zu kommen und Einblicke in Inhalte des Studiums und den Studienalltag zu gewinnen. Zudem gibt es Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie z.B. Auslandsstudium oder Studienwahl. Für die Teilnahme am digitalen Vormittag ist keine Anmeldung erforderlich.</p><p><strong>Nachmittag vor Ort: </strong>Wer die Universität Tübingen vor Ort erkunden möchte, ist eingeladen von <strong>14 bis 17 Uhr an verschiedenen Orten</strong> der Hochschule an einer der zahlreichen Veranstaltungen teilzunehmen, Lehrende sowie Studierende persönlich kennenzulernen, zum Beispiel im Rahmen einer Labor- oder Institutsführung, im Austausch mit Studierenden bei Kaffee &amp; Kuchen.</p><p><strong>Wichtig: Für alle Präsenzangebote ist eine vorherige Anmeldung erforderlich, da es eine begrenzte Anzahl an Plätzen gibt!</strong></p><p>Das Programm und Zugang zur Anmeldung finden Sie unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studieninfotag" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studieninfotag</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85953</guid><pubDate>Mon, 31 Oct 2022 08:24:08 +0100</pubDate><title>MINT me! verbindet Schülerlabore der Region </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mint-me-verbindet-schuelerlabore-der-region/</link><description>BMBF fördert Aufbau eines Schülerlabor-Netzwerks: Die außerschulischen MINT-Angebote der Region Neckar-Alb sollen gebündelt und ausgebaut werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Selber Experimente durchführen und einen Blick hinter die Kulissen der Forschung werfen: In Schülerlaboren dürfen Schülerinnen und Schüler durch Ausprobieren wissenschaftlichen Fragen nachgehen. Das Projekt „MINT me!“ will solche außerschulischen Lernangebote künftig besser sichtbar machen. Die MINT-Didaktiken und das Schülerlabor Neurowissenschaften der Universität Tübingen haben sich hierfür mit Verbundpartnern (BBQ Tübingen, Universitätsstadt Tübingen, Siemens Stiftung) sowie 14 weiteren Partnern (u. a. Tübingen AI Center, Cyber Valley, die Exzellenzcluster iFIT und CMFI) zusammengeschlossen. Gemeinsam soll die Außendarstellung solcher Angebote zu MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gebündelt und weiterentwickelt werden.</p><p>Das Projekt wurde im Rahmen des aktuellen MINT-Aktionsplans des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als eines von 25 Projekten aus insgesamt über 100 Bewerbungen ausgewählt. Es erhält für drei Jahre finanzielle Unterstützung in Höhe von 500.000 Euro.</p><p>Geplant ist, mit einem Web-Portal eine zentrale Anlaufstelle für unterrichtsergänzende MINT-Aktivitäten der Universität Tübingen zu schaffen. Ein Fokus liegt dabei auf der nachhaltigen Verzahnung der Lerngelegenheiten mit dem Schulunterricht durch das sogenannte „Blended-Learning“. Videoclips aus der Praxis werden zeigen, dass und wie Schülerlabore direkten Bezug zu Berufsfeldern haben.&nbsp;</p><p>„Im Vordergrund aller außerschulischen Lerngelegenheiten steht die Frage: Wie können Forschungsprozesse an relevanten berufsspezifischen und alltagsnahen Fragen verdeutlicht werden?“, sagt Professor Stefan Schwarzer (Didaktik der Chemie), der das Projekt zusammen mit Professor Uwe Ilg (Schülerlabor Neurowissenschaften) leitet. Lernten Schülerinnen und Schüler die Forschung durch praxisnahe Beispiele aus der Wissenschaft und Wirtschaft kennen, können dies eine Grundlage sein, später einen MINT-Beruf zu wählen.&nbsp;</p><p>„MINT me!“ soll helfen, dem Mangel an MINT-Nachwuchs in der wirtschaftsstarken Region Neckar-Alb entgegen zu wirken. Ferner soll der Verbund einen organisatorischen Rahmen für weitere Aktivitäten bilden, beispielsweise Fortbildungen für Lehrkräfte oder Berufspraktika. Die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens durch die MINT-Didaktiken wird dabei zur Qualitätssicherung der Lernangebote beitragen.</p><p>Informationen unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/237057" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/237057</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85911</guid><pubDate>Fri, 28 Oct 2022 13:20:23 +0200</pubDate><title>35. Tübinger Poetik-Dozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/35-tuebinger-poetik-dozentur/</link><description>Ingo Schulze und Dževad Karahasan gemeinsam mit Alida Bremer und Naser Šečerović an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zur 35. Tübinger Poetik-Dozentur ein: Ingo Schulze und Dževad Karahasan werden vom 14. bis zum 18. November die Poetik-Vorlesungen halten und – gemeinsam mit Alida Bremer und Naser Šečerović – über ihre Werke, ihre aktuellen Arbeiten und auch ihr literaturpolitisches Engagement sprechen. Die Vorlesungen und&nbsp;<br> Gespräche finden jeweils um 19:15 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) statt.&nbsp;</p><p>Für eine Teilnahme vor Ort ist keine Anmeldung erforderlich. Die diesjährigen Vorlesungen können über einen Livestream verfolgt werden: <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx</a>&nbsp;</p><p>Ingo Schulze und Dževad Karahasan lesen zudem am Sonntag, 13. November, 16 Uhr, in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall, aus Ihren Romanen „Die rechtschaffenen Mörder“ (2020) und „Der Trost des Nachthimmels“ (2016). Hier ist eine Anmeldung erforderlich unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mwpuvjcnngBywgtvj0eqo" data-mailto-vector="2" class="mail">kunsthalle<span style="display:none">spam prevention</span>@wuerth.com</a>. Der Eintritt ist frei.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein<strong> Projekt der Stiftung Würth</strong> und wird von der<strong> Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG</strong> gefördert. Einmal jährlich werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten.</p><h3>Die Termine im Überblick</h3><p><strong>Lesung von Ingo Schulze und Dževad Karahasan</strong> am Sonntag,&nbsp;<br> 13. November, 16.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall.&nbsp;<br> Anmeldung erforderlich unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mwpuvjcnngBywgtvj0eqo" data-mailto-vector="2" class="mail">kunsthalle<span style="display:none">spam prevention</span>@wuerth.com</a>&nbsp;</p><p><strong>Veranstaltungen an der Universität Tübingen</strong><br> jeweils 19 Uhr c. t., Alte Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen)&nbsp;</p><p><strong>Montag, 14. November&nbsp;</strong><br> Vorlesung von Ingo Schulze: „Wer die Geschichten und die Geschichte schreibt. Zur Entstehung der Romane ‚Peter Holtz – sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst‘ und ‚Die rechtschaffenen Mörder‘“</p><p><strong>Dienstag, 15. November&nbsp;</strong><br> Vorlesung von Dževad Karahasan: „Die Schule des Lebens“</p><p><strong>Mittwoch, 16. November&nbsp;</strong><br> Ingo Schulze und Dževad Karahasan im Gespräch mit Alida Bremer und Naser Šečerović:&nbsp;<br> „Der Beobachter sieht nichts? Über ‚Tasso im Irrenhaus‘“</p><p><strong>Donnerstag, 17. November&nbsp;</strong><br> Dževad Karahasan und Ingo Schulze im Gespräch mit Alida Bremer und Naser Šečerović</p><p>Weitere Informationen unter poetik-dozentur.de&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85743</guid><pubDate>Thu, 27 Oct 2022 09:23:59 +0200</pubDate><title>Ausschreibung für Hans Bausch Mediapreis des SWR startet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausschreibung-fuer-hans-bausch-mediapreis-des-swr-startet/</link><description>Südwestrundfunk und Universität Tübingen zeichnen herausragende wissenschaftliche Arbeit zu gesellschaftlicher Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was fördert einen verantwortungsvollen und gemeinwohlorientierten Umgang mit Medien? Um Antworten auf diese Frage zu finden, verleiht der SWR gemeinsam mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen den Hans Bausch Mediapreis des SWR. Die Auszeichnung soll die Sichtbarkeit herausragender Forschungsergebnisse zu den Folgen der Digitalisierung, zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen und zu medienethischen Fragen befördern. Ab sofort können wissenschaftliche Publikationen eingereicht werden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Mai 2023 zum dritten Mal in Folge während der Tübinger Medientage verliehen.&nbsp;</p><h3>SWR Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke: Digitalisierung ethisch gestalten</h3><p>“Krisen, Krieg, Pandemie und Populismus führen uns die Gefahren und Chancen der digitalen Medienwelt wie unter einem Brennglas vor Augen. Exzellente Forschung, die eine fundierte Debatte über gesellschaftliche Verantwortung ermöglicht, ist so wichtig wie nie. Ich freue mich daher, dass wir mit dem Hans Bausch Mediapreis des SWR erneut einen Beitrag dazu leisten können, die Digitalisierung der Medien ethisch und im Sinne des Allgemeinwohls zu gestalten”, so SWR Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke.</p><h3>Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Karla Pollmann: Wichtige Impulse</h3><p>„Digitalisierungsprozesse formulieren permanente Herausforderungen an die Gesellschaft, in allen Bereichen der Politik, der Arbeitswelt, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Sie zu erforschen, kritisch zu diskutieren und ethisch zu reflektieren ist eine wichtige Aufgabe unserer Universität. Damit können wir Verständigungsprozesse darüber anstoßen, welche Lösungspotenziale und welche Gefahren in dem Gebrauch von Technologien, Netzwerken und Plattformen liegen. Mit der Verleihung des Hans Bausch Mediapreises setzen wir wichtige Impulse – gegenüber Forschenden, aber auch der Öffentlichkeit. So leisten wir gemeinsam mit dem SWR einen Beitrag dazu, Voraussetzungen für eine verantwortungsbewusste Gestaltung dieser Digitalisierungsprozesse zu schaffen – mit großer Freude über diese Kooperation.“</p><h3>Einreichung für den Hans Bausch Mediapreis 2023 bis zum 31. Dezember 2022</h3><p>Ab sofort können wissenschaftlich fundierte Publikationen, auch Qualifikationsarbeiten, als PDF-Dokument per E-Mail eingereicht werden an: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jcpu0dcwuej/ogfkcrtgkuBogfkgpykuugpuejchv0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">hans.bausch-mediapreis<span style="display:none">spam prevention</span>@medienwissenschaft.uni-tuebingen.de</a>.&nbsp;Es müssen bereits veröffentlichte Originalbeiträge aus dem Jahr 2022 sein, Frist für die Abgabe ist der 31. Dezember 2022.&nbsp;</p><p>Alle relevanten Informationen zur Ausschreibung finden sich auch online unter <a href="http://SWR.de/hansbauschmediapreis" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">SWR.de/hansbauschmediapreis</a> bzw. auf der Homepage des <a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/institut-fuer-medienwissenschaft/institut/tuebinger-medientage/hans-bausch-mediapreis/" class="internal-link">Instituts für Medienwissenschaft der Universität Tübingen</a>.</p><h3>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR</h3><p>Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Dies wird insbesondere durch die Verleihung des gleichnamigen Mediapreises in Höhe von 5.000 Euro verwirklicht, der einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen wird. Bei der Verleihung des Preises kooperiert der SWR eng mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.</p><h4>Fachjury aus Medienpraxis und -forschung</h4><p>Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender von Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg</li><li>Thomas Dauser, SWR Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung</li><li>Professor Sascha Dickel, Arbeitsbereich Mediensoziologie und Gesellschaftstheorie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz&nbsp;</li></ul><h4>Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger</h4><p>Als Preisträger und Preisträgerinnen ausgezeichnet mit dem Hans Bausch Mediapreis des SWR wurden 2021 Simon Strick für sein Buch „Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus“, 2022 Anna-Katharina Meßmer, Alexander Sängerlaub und Leonie Schulz für die Studie „Quelle: Internet? Digitale Nachrichten- und Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test“.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85599</guid><pubDate>Wed, 26 Oct 2022 09:30:28 +0200</pubDate><title>Bisher leichtester Neutronenstern oder seltsame Quark-Materie?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bisher-leichtester-neutronenstern-oder-seltsame-quark-materie/</link><description>Astrophysiker der Universität Tübingen entdecken ein ungewöhnliches Objekt im Zentrum des Supernovaüberrests HESS J1731-347</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der leichteste bisher bekannte Neutronenstern steht im Zentrum des Supernovaüberrests HESS J1731-347. Dr. Victor Doroshenko, Dr. Valery Suleimanov, Dr. Gerd Pühlhofer und Professor Andrea Santangelo von der Abteilung Hochenergieastrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen entdeckten das ungewöhnliche Objekt mithilfe von Röntgenteleskopen im All. Nach Berechnungen des Forschungsteams besitzt er nur etwa die Hälfte der Masse eines typischen Neutronensterns. Als Berechnungsgrundlage nutzte es neue Entfernungsmessungen zu einem Begleitstern, den das gleiche Team bereits früher entdeckt hatte. So konnten die Astrophysiker Masse und Radius des Neutronensterns mit bisher unerreichter Genauigkeit angeben. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Astronomy</em> veröffentlicht.</p><p>Neutronensterne werden geboren, wenn normale Sterne mit großer Masse in der Explosion einer Supernova ‚sterben‘, berichtet Victor Doroshenko, der Hauptautor der Studie. Sie seien extreme Objekte, die sozusagen als Himmelslabore für Studien der physikalischen Grundlagenforschung genutzt werden können. „Neutronensterne weisen noch unbekannte Eigenschaften von Materie auf, sie haben eine viel höhere Dichte als Atomkerne“, sagt der Forscher. Solche Bedingungen könnten in irdischen Laboren nicht nachgebildet werden. „Beobachtungen von Neutronensternen im All mit Röntgen- oder anderen Teleskopen werden uns erlauben, die Rätsel der superdichten Materie zu lösen – zumindest, wenn wir Herausforderungen wie die bei der Beobachtung entstehende Unschärfe bei den Entfernungsmessungen in den Griff bekommen. Genau das ist uns nun gelungen.“</p><h3>Präzise Berechnungen</h3><p>Der Neutronenstern im Zentrum des Supernovaüberrests HESS J1731-347 war einer von einer Handvoll von Objekten, die bei Messungen der Gammastrahlung mit den H.E.S.S.-Teleskopen in Namibia entdeckt und anschließend durch Röntgenteleskope aus dem All untersucht wurden, berichtet Doroshenko. „Erst dadurch wurde der sich abkühlende Neutronenstern sichtbar“, setzt Gerd Pühlhofer hinzu. Die Besonderheit dieses Objekts ist, wie das gleiche Forschungsteam bereits früher festgestellt hatte, dass es mit einem weiteren Stern physikalisch verbunden ist. Er beleuchtet die Staubhülle um den Neutronenstern und taucht sie in infrarotes Licht. Der Begleitstern wurde kürzlich durch das Gaia-Weltraumteleskop der Europäischen Raumfahrtagentur beobachtet, was dem Forschungsteam eine akkurate Entfernungsmessung zu beiden Objekten lieferte. Bei der Gaia-Mission wird der Himmel hochgenau dreidimensional optisch durchmustert. „Dadurch konnten wir vorherige Ungenauigkeiten beheben und unsere Modelle verbessern. Masse und Radius des Neutronensterns ließen sich viel genauer bestimmen, als es bisher möglich war“, erklärt Valery Suleimanov aus der Theoretischen Astrophysik.</p><p>Noch sei nicht klar, wie sich das ungewöhnliche Objekt gebildet hat. Auch gebe es Zweifel, ob es sich tatsächlich um einen Neutronenstern handelt oder ob das Objekt Kandidat für ein noch viel exotischeres Objekt ist, das aus seltsamer Quark-Materie besteht, sagt Andrea Santangelo und setzt hinzu: „Das ist aktuell der vielversprechendste Quarkstern-Kandidat, den wir bisher kennen, auch wenn seine Eigenschaften mit denen eines ‚normalen‘ Neutronensterns übereinstimmen.“ Doch selbst in dem Fall, dass es sich bei dem Objekt im Zentrum von HESS J1731-347 um einen Neutronenstern handele, bleibe es ein besonders interessantes Objekt. „Es erlaubt uns, den noch unerforschten Teil des Parameterraums in der Masse-Radius-Ebene von Neutronensternen zu untersuchen. So erhalten wir wertvolle Hinweise auf die Zustandsgleichung der dichten Materie, mit der sich ihre Eigenschaften beschreiben lassen“, schließt Santangelo.</p><h3>Publikation:</h3><p>Victor Doroshenko, Valery Suleimanov, Gerd Pühlhofer and Andrea Santangelo: A strangely light neutron star within a supernova remnant. <em>Nature Astronomy</em>, 24. Oktober 2022, <a href="https://doi.org/10.1038/s41550-022-01800-1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41550-022-01800-1</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85416</guid><pubDate>Mon, 24 Oct 2022 10:33:05 +0200</pubDate><title>„Troia, Schliemann und Tübingen“ – Jubiläumsausstellung zeigt unveröffentlichte Fundstücke</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/troia-schliemann-und-tuebingen-jubilaeumsausstellung-zeigt-unveroeffentlichte-fundstuecke/</link><description>Das Museum der Universität Tübingen MUT feiert sein 25-jähriges Bestehen ‒ Baden-Württemberg Stiftung und zwölf weitere Förderer unterstützen die Ausstellung  </description><content:encoded><![CDATA[<p>Rund 150 Jahre nach der Entdeckung Troias durch Heinrich Schliemann präsentiert das Museum der Universität Tübingen MUT ab Donnerstag bislang unveröffentlichte Fundstücke aus den Grabungen des deutschen Archäologen. Das Museum MUT „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen begeht mit der Ausstellung ‘Troia, Schliemann und Tübingen‘ zugleich seinen 25. Geburtstag und den 200. Geburtstag Schliemanns. Die Baden-Württemberg Stiftung und zwölf weitere Förderer unterstützen die Ausstellungsarbeiten des Museums und des Tübinger Troia-Forschungsprojekts unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Ernst Pernicka am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters.</p><p>„In den archäologischen Sammlungen im Schloss lagern über 200 Originale aus den Troia-Grabungen Schliemanns. Die Tübinger Ausstellung macht sie nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich“, sagt MUT-Direktor Professor Ernst Seidl. Unter den Fundstücken der Tübinger Sammlung befindet sich beispielsweise ein Tondeckel für ein Gefäß, in dem ein Gesicht zu erkennen ist. Gezeigt werden auch Leihgaben anderer Museen, wie ein Ohrring aus Gold mit Gehänge oder ein Becher mit kunstvoll geschwungenem Doppelhenkel.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85323</guid><pubDate>Thu, 20 Oct 2022 14:54:41 +0200</pubDate><title>Seit 25 Jahren aktiv: Lehrpreis der Universität Tübingen würdigt internationales Mathematik-Seminar</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/seit-25-jahren-aktiv-lehrpreis-der-universitaet-tuebingen-wuerdigt-internationales-mathematik-seminar/</link><description>Studierende aus 40 Ländern lernen gemeinsam ‒ Sonderpreis für studentisches Engagement für „Mindful Science“-Initiative, die Studierende und Forschende zum Gespräch über psychische Gesundheit einlädt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Professor Rainer Nagel aus der Mathematik für das internationale „Internetseminar Evolutionsgleichungen“. Schon seit 25 Jahren verbindet er in diesem Seminar digitale Elemente mit Präsenzlehre: Studierende aus derzeit 120 Universitäten weltweit erarbeiten zusammen jährlich wechselnde Themenschwerpunkte aus der Mathematik. Das Seminar wurde von Rainer Nagel begründet, stetig weiterentwickelt und wird inzwischen gemeinsam von einem internationalen Gremium aus 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern organisiert und evaluiert.</p><p>Den mit 2.500 Euro dotierten Preis vergibt die Universität jährlich für innovative Lehrformate oder besonderes Engagement in der Lehre.</p><p>Den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement 2022 der Universität Tübingen erhält die „Mindful Science“-Initiative aus den Neurowissenschaften: Promovierende bieten niedrigschwellige Formate wie Vorträge und gemeinsame Spaziergänge an, in denen Studierende und Forschende sich zum Thema „Mental Health“, über ihre eigene Situation und Belastungen, unter anderem in der Pandemie-Situation, austauschen können.</p><h3>Lehrpreis für das „Internetseminar Evolutionsgleichungen“</h3><p>Die Würdigung des Internetseminars fällt mit einem Jubiläum zusammen: Vor 25 Jahren, im Wintersemester 1997/98, etablierte Professor Nagel das Format für Mathematik-Studierende ab dem dritten Semester. Inzwischen nehmen jährlich ca. 500 Mathematik-Studierende aus 40 Ländern teil.&nbsp;</p><p>Im Ablauf wechseln sich digitale Phasen mit Präsenzveranstaltungen ab: Von Oktober bis Februar vermittelt der “<span lang="en" dir="ltr">virtual lecturer</span>“ in einem Online-Kurs das nötige Basiswissen – ergänzt durch Übungsaufgaben, Online-Treffen mit anderen Teilnehmern und betreut durch lokale Koordinatoren. Von März bis Juni formieren sich dann universitätsübergreifende Kleingruppen, die Schwerpunktthemen bearbeiten und über ihre Fortschritte regelmäßig „<span lang="en" dir="ltr">Status Reports</span>“ abgeben. Die Ergebnisse werden im Juni während eines einwöchigen Workshops in Präsenz und auf Englisch vorgestellt.&nbsp;</p><p>Den jeweiligen Themenschwerpunkt wählt ein internationales Leitungsgremium aus 15 Professorinnen und Professoren aus, die oft bereits selbst als Studierende am Seminar teilgenommen haben. Das Gremium unterstützt die Organisation und wirbt Fördermittel für die Ausrichtung des Workshops ein.</p><p>„Studierende knüpfen in diesem Seminar erste internationale und fachliche Kontakte und erfahren die Mathematik als internationale Wissenschaft“, sagt Nagel. „Es ist für mich immer wieder beeindruckend, den Enthusiasmus und das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erleben.“</p><p>Mit dem Preisgeld sollen Tübinger Studierende bei der Teilnahme am Seminar finanziell unterstützt werden.</p><p>Link zum Seminar 2022: <a href="https://www.mat.tuhh.de/veranstaltungen/isem26/start" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.mat.tuhh.de/veranstaltungen/isem26/start</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85278</guid><pubDate>Thu, 20 Oct 2022 09:35:12 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen und Boehringer Ingelheim bündeln Kräfte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-und-boehringer-ingelheim-buendeln-kraefte/</link><description>Gemeinsames Stipendienprogramm fördert Forschung an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Gesundheit.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und Boehringer Ingelheim starten ein KI- und Data-Science-Stipendienprogramm für Top-Talente aus der ganzen Welt. Pro Jahr werden drei bis fünf Stipendien für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren vergeben. Ziel ist es, nach fünf Jahren insgesamt neun bis fünfzehn Stipendien im Programm zu haben.<br> &nbsp;<br> Die Partner werden an der Schnittstelle von Gesundheit und KI-Anwendungen Forschungsthemen definieren, die von einem gemeinsamen Steering Committee ausgewählt werden. Erste Fellowships wurden auf der <a href="https://uni-tuebingen.de/de/237054" target="_blank" class="internal-link">Website der Universität</a> veröffentlicht und interessierte Postdoktoranden können ihre Bewerbungen jetzt einreichen.<br> &nbsp;<br> Die Partnerschaft basiert auf der gemeinsamen Vision von Boehringer Ingelheim und der Universität Tübingen, die Leistungsfähigkeit von KI und Data Science zur Verbesserung der Gesundheit von Mensch und Tier zu nutzen. Ziel ist es, das Leben der Patientinnen und Patienten durch medizinische Fortschritte zu verbessern, Behandlungszeiten zu verkürzen und die Patientenorientierung weiter zu erhöhen<br> &nbsp;<br> „Die Partnerschaft mit der Universität Tübingen wird unsere Forschung im Bereich KI und Data Science stärken und uns die Möglichkeit bieten, die nächste Generation an KI-Spezialisten und Data Scientists zu rekrutieren bzw. weiterzuentwickeln. Diese Talente werden ausschlaggebend für das Erreichen unseres Ziels einer beschleunigten Entwicklung neuartiger Behandlungen sein und das Leben von Millionen von Menschen und Tieren positiv beeinflussen“, so Jan Nygaard Jensen, Globaler Leiter Computational Biology und Digital Sciences bei Boehringer Ingelheim.<br> &nbsp;<br> „Nur wenn wir das Potenzial der neuen digitalen Technologien voll ausschöpfen, können wir unser Ziel erreichen, Menschen auf der ganzen Welt neueste Gesundheitslösungen zugänglich zu machen. Deshalb erstrecken sich bei Boehringer Ingelheim digitale Innovationen auf alle Bereiche und stehen zur optimalen Nutzung der sich bietenden Möglichkeiten unter einer einheitlichen Strategie. Wir freuen uns sehr auf die Arbeit mit den Fellows, um gemeinsam unsere Führungsposition bei der Entwicklung von Lösungen der nächsten Generation in den Bereichen KI und Data Science weiter auszubauen“, ergänzt Brigitte Fuhr, Leiter Central Data Science bei Boehringer Ingelheim.<br> &nbsp;<br> „Diese Zusammenarbeit mit einem forschungsorientierten biopharmazeutischen Unternehmen wie Boehringer Ingelheim ist eine Partnerschaft von beiderseitigem Interesse und könnte den Weg für weitere Kooperationen ebnen", sagt Professor Dr. Peter Grathwohl, Vizepräsident Prorektor für Forschung und Innovation an der Universität Tübingen. „Die Universität etabliert hier eine weitere Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und praktischer Anwendung. Zudem schärft sie ihr Profil in einem Forschungsbereich von zunehmender Bedeutung: dem Einsatz von KI in der Medizin und den Lebenswissenschaften.“<br> &nbsp;<br> „Insbesondere die Kombination von KI mit relevanten Gesundheits- bzw. Pharmadaten bietet ein großes Potenzial für eine deutliche Verbesserung des Wohlbefindens vieler Menschen“, erklärt Nico Pfeifer, Professor für Methods in Medical Informatics an der Universität Tübingen und Projektleiter. „Die Methodenforschung ist in der Lage, Probleme im Gesundheitswesen zu identifizieren, die neue KI-Ansätze erfordern, und maßgeschneiderte Lösungen dafür zu entwickeln."<br> &nbsp;<br> Die Fellows werden vor Ort an der Universität Tübingen forschen. Sie profitieren von der umfangreichen Erfahrung der Universität, dem schnellen Wachstum auf dem Gebiet der KI und Data Science sowie der dortigen hoch angesehenen medizinischen Forschung. Außerdem haben sie die Möglichkeit, eng mit Wissenschaftlern, Spezialisten für verschiedenste Gebiete und Führungskräften von Boehringer Ingelheim lokal wie global zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus ist geplant, dass Fellows zu Besuchen an den Unternehmensstandorten sowie zu Netzwerkveranstaltungen und jährlich stattfindenden Symposien eingeladen werden.<br> &nbsp;<br> Der Universität Tübingen ist es ein Anliegen, Innovationen und Forschungsergebnisse in die Praxis zu tragen und im engen Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft zu stehen. Im Bereich der künstlichen Intelligenz ist die Universität Gründungsmitglied des Forschungsnetzwerks Cyber Valley und führt in vielen unterschiedlichen Kooperationen angewandte Grundlagenforschung durch. Der Fokus liegt auf Anwendungen für die Wissenschaft selbst – beispielsweise im Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ –, aber auch auf den Life Sciences und der Medizin sowie auf ethischen Aspekten.<br> &nbsp;<br> Die digitale Strategie von Boehringer Ingelheim zielt auf die Erstellung eines führenden Data-Science-Ökosystems ab. Hierzu sollen Kooperationen mit erstklassigen Forschungsinstitutionen auf diesem Gebiet abgeschlossen sowie Talente gefördert bzw. weiterentwickelt und Partnerschaften mit Dateninitiativen weltweit eingegangen werden. Dies ermöglicht den Aufbau einer umfassenden globalen Datenbank mit Genom- und Patientendaten. Das Unternehmen kooperiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit innovativen digitalen Startups und investiert über den unternehmenseigenen Venture Fund BIVF in digitale Vorreiter.<br> &nbsp;<br> Die Kooperation mit der Universität Tübingen stärkt Boehringer Ingelheims Partnerschaften im Bereich KI und Data Science an vielen Innovationsstandorten in Europa, den USA und Asien. Im vergangenen Jahr wurde ein ähnliches Fellowship Programm zwischen der Yale University und dem Forschungs- und Entwicklungsstandort des Unternehmens in Ridgefield ins Leben gerufen. &nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Die Universität Tübingen</strong><br> Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.000 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von mehr als 200 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;<br><strong>Boehringer Ingelheim</strong><br> Boehringer Ingelheim arbeitet an bahnbrechenden Therapien, die das Leben heutiger und zukünftiger Generationen verändern. Als führendes forschungsgetriebenes biopharmazeutisches Unternehmen schafft das Unternehmen Werte durch Innovationen in Bereichen mit hohem ungedeckten medizinischen Bedarf. Seit seiner Gründung im Jahr 1885 ist Boehringer Ingelheim in Familienbesitz und verfolgt eine langfristige Perspektive. Mehr als 52.000 Mitarbeitende bedienen über 130 Märkte in den drei Geschäftsbereichen Humanpharma, Tiergesundheit und Biopharmazeutische Auftragsproduktion.<br><a href="http://www.boehringer-ingelheim.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.boehringer-ingelheim.de</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85269</guid><pubDate>Wed, 19 Oct 2022 17:15:00 +0200</pubDate><title>Attempto-Preis für die Sichtbarmachung einzelner Proteine in lebenden Nervenzellen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/attempto-preis-fuer-die-sichtbarmachung-einzelner-proteine-in-lebenden-nervenzellen/</link><description>Die Doktorandin Aleksandra Arsić wird für ihre herausragende Arbeit ausgezeichnet, die neue Möglichkeiten bei bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung eröffnet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Attempto-Preis 2022 der Tübinger Attempto-Stiftung geht an Aleksandra Arsić, die am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen promoviert. Der mit 5.000 Euro dotierte Attempto-Preis wurde ihr im Rahmen der Mitgliederversammlung des Universitätsbundes am 19. Oktober 2022 in der Neuen Aula in Tübingen überreicht.</p><p>Aleksandra Arsić werde für eine Studie ausgezeichnet, die in der Grundlagenforschung einen qualitativen Meilenstein setzt bei der bildgebenden Untersuchung einzelner Proteine in lebenden Nervenzellen, so das Auswahlgremium des Preises. Das Verfahren eröffne neue Möglichkeiten in der bildgebenden Hirnforschung.</p><p>Arsić hatte gemeinsam mit ihren Koautorinnen und -autoren einen Weg gefunden, bestimmte Proteine in der lebenden Nervenzelle gezielt mit einem Fluoreszenzfarbstoff zu markieren. Diese Neurofilamente gehören zum Zellskelett, das den Nervenzellen ihre Struktur gibt. Die minimale Markierung stört die normalen Stoffwechselprozesse der Zellen nicht. Dadurch lassen sich Vorgänge in Nervenzellen von Mäusen mithilfe erweiterter Methoden der Lichtmikroskopie bis über die Beugungsgrenze des Lichts hinaus auf der Ebene der Neurofilamentmoleküle verfolgen.</p><p>Um nur die interessierende Molekülklasse der Neurofilamente im Lichtmikroskop sichtbar zu machen, nahm Aleksandra Arsić mit ihren Kolleginnen und Kollegen unter der Leitung von Dr. Ivana Nikić-Spiegel am CIN eine hochspezifische genetische Manipulation vor: In die Ketten von Aminosäurebausteinen, aus denen die Neurofilamente bestehen, wurde eine künstliche Aminosäure eingefügt. An diese konnte das Forschungsteam in einer Click-Markierung einen Farbstoff ankoppeln, der ein Fluoreszenzsignal aussendet. Die Click-Markierung beruht auf den innovativen Methoden der biologisch angewandten Click-Chemie, für deren Entdeckung der diesjährige Nobelpreis für Chemie vergeben wird.</p><p>Der von Aleksandra Arsić und ihren Koautoren entwickelte Ansatz erlaube nicht nur bislang undenkbare Einblicke in das molekulare Gefüge lebender Nervenzellen und deren normaler Entwicklung, sondern auch Einblicke in die Rolle molekularer Veränderungen infolge von Mutationen, Infektionen und Umwelteinwirkungen unterschiedlicher Art, die mutmaßlich für die Entwicklung von Störungen normaler Hirnfunktionen verantwortlich sein dürften, sagte Professor Hans-Peter Thier vom CIN in seiner Laudatio.</p><p>Der Attempto-Preis wurde 1983 von dem Psychiater Konrad Ernst und seiner Ehefrau Dorothea gestiftet. Er wird an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für herausragende Arbeiten über Hirnleistungen und deren Störungen vergeben, die an der Universität Tübingen und an den der Universität verbundenen Tübinger Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft entstanden sind. Zuletzt wurde der Attempto-Preis 2019 vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro kann zur Förderung der weiteren wissenschaftlichen Karriere eingesetzt werden. Die Attempto-Stiftung wird seit ihrer Gründung 1983 vom Universitätsbund verwaltet.</p><h3>Publikation:</h3><p>Aleksandra Arsić, Cathleen Hagemann, Nevena Stajković, Timm Schubert &amp; Ivana Nikić-Spiegel: <span lang="en" dir="ltr">Minimal genetically encoded tags for fluorescent protein labeling in living neurons. <em>Nature Communications</em></span>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-022-27956-y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-022-27956-y</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85197</guid><pubDate>Tue, 18 Oct 2022 16:55:49 +0200</pubDate><title>Amtsübergabe an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/amtsuebergabe-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Rektorin Professorin Karla Pollmann offiziell eingeführt – Professor Bernd Engler nach 16 Jahren im Amt verabschiedet
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Amtswechsel an der Spitze der Universität Tübingen ist nun auch offiziell vollzogen: In einem feierlichen Festakt wurde Professor Bernd Engler am Dienstag nach 16 Jahren als Rektor verabschiedet und seine Nachfolgerin Professorin Karla Pollmann als erste Rektorin in der über 500-jährigen Geschichte der Universität ins Amt eingeführt. Die neue Rektorin war im April 2022 von Universitätsrat und Senat gewählt worden. Ihre Amtszeit beträgt sechs Jahre.</p><p>Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Professorin Karla Pollmann verfügt über vielfältige internationale Erfahrung im Wissenschaftsmanagement und ist eine ausgewiesene Wissenschaftlerin. Sie bringt eine enorme Perspektivenvielfalt mit, die sehr wertvoll ist, um die Universität Tübingen im nationalen und internationalen Wettbewerb weiter zu stärken und diese traditionsreiche Universität in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Ich freue mich zudem sehr, dass in der mehr als 500-jährigen Geschichte der Universität jetzt zum ersten Mal eine Frau an die Spitze berufen wurde.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85122</guid><pubDate>Mon, 17 Oct 2022 15:31:57 +0200</pubDate><title>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz zeichnet Schülerteams aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-zeichnet-schuelerteams-aus/</link><description>Deutschlands KI-Nachwuchs begeisterte beim Finale des führenden Wettbewerbs rund um Künstliche Intelligenz. Ziel aller Teilnehmenden: Mithilfe von KI-Anwendungen die Welt verbessern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Insgesamt zehn Schülerteams sind am Freitag beim Finale des 4. Bundeswettbewerbs für Künstliche Intelligenz (BWKI) in Tübingen mit ihren eingereichten KI-Projekten angetreten: Von <span lang="en" dir="ltr">Fake-News</span>-Filtern, Sprachübersetzungs-Apps bis hin zur chemiefreien Unkrautbekämpfung durch Drohnen-Spotting – für die Jury war die Auswahl aus der Bandbreite an Anwendungen keine leichte Entscheidung.&nbsp;</p><p>Der mit 1.500 Euro dotierte Hauptgewinn ging in diesem Jahr an den 17-jährigen David Rutkevich aus Leer in Ostfriesland, angemeldet als „<span lang="en" dir="ltr">camel_case</span>“. Er hat einen Algorithmus entwickelt, der weiße Blutzellen analysiert. Das hilft bei der Erkennung von Viruserkrankungen wie Affenpocken oder von HIV. Effiziente und kostengünstigere KI-gestützte Methoden könnten auch die medizinische Diagnostik in ärmeren Ländern verbessern. Er gewann außerdem einen Praktikumsplatz bei der Firma Fanuc und erhält hier vertiefte Einblicke in die Industrieautomatisierung.</p><p>Den mit 500 Euro dotierten Geldpreis in der Sonderkategorie „Umwelt und Nachhaltigkeit“ erhielt der 15-jährige Christian Krause aus Rottum in Oberschwaben, angetreten als „ampfer_mampfer“. Er hat einen Algorithmus entwickelt, der das Feldunkraut Ampfer auf Drohnenbildern erkennt und genau positioniert: Die perfekte Grundlage für gezielte mechanische Unkrautentfernung durch Roboter anstelle von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln.</p><p>Als Sieger in der Sonderkategorie „Hardware“ gingen Alexander Lowa und Moritz Erbe mit ihrem Team „Droneso.me“ hervor. Die 18-Jährigen aus dem Spreewald freuten sich über einen Geldpreis in Höhe von 750 Euro. Dank „Droneso.me“ könnten in Zukunft medizinische Hilfsmittel per autonomer intelligenter Transport-Drohne in Windeseile an ihren Zielort gelangen – ohne Zeitverlust in Staus oder an roten Ampeln.</p><p>Mit dem Nachwuchspreis wurde das „Team Orion“ aus Hamburg ausgezeichnet. Die beiden 17-jährigen Vincent Elster und Caspar Pagel haben eine KI entwickelt, die Tweets mit gefakten Inhalten erkennt und den Nutzer warnt. Ihr Anwendungsbeispiel: Die <span lang="de" dir="ltr">Queen </span>ist nicht tot. Das Team erhielt einen Geldpreis in Höhe von 500 Euro.</p><p>Alle Daheimgebliebenen hatten die Chance, der Veranstaltung <a href="https://www.bw-ki.de/live" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">live auf YouTube</a>&nbsp;beizuwohnen – und ihre Favoriten mit dem Publikumspreis zu belohnen. Dieser – dotiert mit 500 Euro - ging in diesem Jahr erstmals an zwei Teams: Darunter „Captcha-AI Bot“ bestehend aus dem 17-jährigen Jacob Bürkle aus dem hessischen Dreieich. Er hat den Captcha-Test mit einem Algorithmus herausgefordert. Captchas werden dazu verwendet, um sicher zu stellen, dass ein Mensch, und keine Maschine sich in Nutzerkonten einloggen oder Internetformulare ausfüllen. Der 15-jährige Christian Krause aus Rottum in Oberschwaben von „ampfer_mampfer“ lag mit „Captcha-AI Bot“ gleich auf und konnte sich damit über gleich zwei Preise am Abend freuen.</p><p>Das Gymnasium Neuenbürg in Baden-Württemberg sicherte sich den Titel „KI Schule des Jahres“. Mehr als 80 Schüler:innen hatten vorab am kostenlosen KI-Kurs des BWKI teilgenommen. Als Preis erhält das Gymnasium einen Klassensatz einer von der Pflanzenwelt inspirierten Roboterblume.</p><p>Schüler:innen weiterführender Schulen waren im Frühjahr dazu aufgerufen, alleine, im Team mit bis zu vier Personen oder als Klassengemeinschaft ein eigenes KI-Projekt zu entwickeln – und damit beispielsweise einen gesellschaftlichen oder ökologischen Beitrag zu leisten. Nach der Einreichung der Projektideen Mitte Mai hatten die Jugendlichen ein halbes Jahr Zeit, diese umzusetzen. Zehn Teams qualifizierten sich für das Finale am 14. Oktober und hatten die Chance ihre Projekte in Tübingen selbst der Jury zu präsentieren und damit zu begeistern.</p><p>Der Tag endete mit einer gemeinsamen Party, bei der das <span lang="en" dir="ltr">Algorave</span>-Duo „<span lang="en" dir="ltr">Crash Server</span>“ aus Straßburg live Elektrosounds programmierte und die entsprechenden Computercodes auf einen Bildschirm projizierte.</p><p>„Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Gesellschaft massiv. Daher ist es wichtig, sie nicht nur zu verstehen, sondern auch kreativ und verantwortungsvoll einzusetzen. Der Wettbewerb bestärkt junge Menschen, genau das zu tun“, erklärte Dr. Felix Streiter, Geschäftsführer der Carl-Zeiss-Stiftung, die den Bundeswettbewerb nun schon im dritten Jahr fördert.</p><p>„Inzwischen spüren wir überall, dass wir dringend gute Ideen für eine gute Zukunft brauchen. Der BWKI soll das Selbstvertrauen unserer jungen Leute stärken und sie ermutigen, mit neuen Technologien nach neuen Lösungen zu suchen,” sagte Professor Matthias Bethge, Co-Initiator des Wettbewerbs und Leiter des Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Center</span>, eine gerade von Bund und Land neu gegründete Forschungseinrichtung der Universität und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen.</p><p>In der Jury des Wettbewerbes waren in diesem Jahr vertreten: Dr. Philip Häusser (Physiker und Moderator), Prof. Dr. Matthias Bethge (Initiator des Wettbewerbs, Direktor des Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Center</span>), Dr. Wieland Brendel (Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen) und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Direktor Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen), André Gatzke (Fernsehmoderator, u.a. der Sendung mit der Maus), Pina Merkert (Redakteurin beim c’t Magazin und Makerin), Julia Nitsch (Robotik- und ML-Expertin), Alexander Kleiner (<span lang="en" dir="ltr">Chief Expert Navigation and Coordination of Autonomous Systems </span>bei Bosch), Jan Seyler (Bereichsleitung und Entwicklung FESTO), Andrea Kranzer (<span lang="en" dir="ltr">Business Angel </span>und <span lang="en" dir="ltr">Start-Up</span>-Investorin im Bereich <span lang="en" dir="ltr">AI &amp; Health</span>), sowie Boris Gibba und Elisabeth Knigge als BWKI-Alumni.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Hauptförderer des Wettbewerbs ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Der Wettbewerb wurde zudem von Bosch, Festo, Fanuc, dem Verlagshaus Droemer und Knaur sowie dem c’t Magazin unterstützt und in Kooperation mit dem Cyber Valley, der Hochschule der Medien Stuttgart und der Deutschen Allianz Meeresforschung durchgeführt.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Der BWKI motiviert Schüler:innen eigenen Ideen für eine bessere Welt von morgen mithilfe von Künstlicher Intelligenz umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI-Forschungsstandort Tübingen durch Prof. Dr. Matthias Bethge (Direktor des Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Center</span>), Dr. Wieland Brendel (Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Center</span> / Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen) und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Direktor Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen) ins Leben gerufen und ermöglicht seitdem Jugendlichen, ihr Können aktiv im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen.</p><p>Mehr Infos unter: <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a></p><h3>Über das Tübingen AI Center</h3><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist ein Outreach-Projekt des Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Center</span>. Das KI-Zentrum ist eine Forschungseinrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, die gemeinsam vom Bund und Land getragen wird. Dort geht es darum, die Grenzen der KI-Forschung zu erweitern und die Zukunft in Europa mitzugestalten, mit dem Ziel, dass sich die Technik der Natur anpassen sollte und nicht umgekehrt.</p><p>Mehr Infos unter: <a href="https://tuebingen.ai" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://tuebingen.ai</a>&nbsp;</p><h3>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.</p><p>Mehr Infos unter: <a href="https://carl-zeiss-stiftung.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://carl-zeiss-stiftung.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-85116</guid><pubDate>Mon, 17 Oct 2022 14:47:27 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen feiert zehn Jahre LEAD</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-feiert-zehn-jahre-lead-1/</link><description>Forschungsnetzwerk verknüpft über 100 Wissenschaftler – Internationale Spitzenposition für empirische Bildungsforschung in Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die empirische Bildungsforschung feiert das zehnjährige Bestehen des Forschungsnetzwerks LEAD an der Universität Tübingen. „Das Netzwerk hat seit 2012 eine wesentliche Rolle dabei gespielt, Tübingen zu einem der weltweit führenden Standorte der empirischen Bildungsforschung und der pädagogischen Psychologie zu machen“, sagte der Co-Direktor von LEAD, Professor Ulrich Trautwein. Das Jubiläum begehen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer dreitägigen Konferenz vom 19.-21. Oktober.</p><p>LEAD startete als Graduiertenschule, die von 2012 bis 2019 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit insgesamt neun Millionen Euro gefördert wurde. Die Universität und das Land Baden-Württemberg garantieren seither die weitere Arbeit. Ab 2016 erweiterte sich die Graduiertenschule zum Forschungsnetzwerk, das heute mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf Fachgebieten und mehr als zehn Nationen vereint. Bislang konnten 86 Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen von LEAD ihre Promotion erfolgreich abschließen.</p><p>„Gemeinsam haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass Tübingen zu einem der produktivsten Standorte weltweit in Pädagogischer Psychologie geworden ist“, sagte Trautwein. Der Bildungsforscher verwies auf die Ergebnisse eines im Fachmagazin Educational Psychology Review veröffentlichten globalen Rankings. Darin belegte die Universität Tübingen den vierten Platz und schaffte es als einzige wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland unter die Top 20. Angeführt wird das Ranking von drei US-amerikanischen Universitäten.</p><p>„LEAD betreibt bestmögliche Forschung und bildet die nächste Generation von Bildungsexpertinnen und -experten aus“, sagte die Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien, Professorin Ulrike Cress: „Beides wird mehr denn je benötigt – das zeigen die ernüchternden Ergebnisse des IQB-Bildungstrends nachdrücklich.“ Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hat am 17. Oktober den Bildungstrend 2021 veröffentlicht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass rund ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse beim Lesen und Rechnen nicht einmal die Mindeststandards erreicht. In der Rechtschreibung sind es sogar 30 Prozent.</p><p>Die Jubiläumskonferenz des Forschungsnetzwerks findet in den Räumen der Tübinger Museumsgesellschaft statt. Forscherinnen und Forscher aus zwölf Disziplinen werden über Themen wie Digitalisierung in der Schule, die Bedeutung belastbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Schulentwicklung und den Dialog zwischen Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit diskutieren. Interessierte Medienvertreter sind herzlich zu dem Treffen eingeladen. Anmeldung wird erbeten über presse@lead.uni-tuebingen.de.</p><p>Die Abkürzung LEAD steht für Learning, Educational Achievement, and Life Course Development, was man mit „Lernprozesse, Bildungserfolg und Entwicklung im Lebensverlauf“ übersetzen kann. LEAD vernetzt Forschende aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Erziehungswissenschaft, Psychologie, Informatik, Mathematik, Wirtschaftswissenschaft, Sportwissenschaften und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Erfahrene Forschende coachen die jüngeren und unterstützen bei der Vernetzung, auch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen aus über zehn Ländern weltweit. Mit 27 Schulen unterhält LEAD Partnerschaften, was dazu führt, dass sich die Studien des Forschungsnetzwerks durch eine große Nähe zu Praxis auszeichnen.&nbsp;</p><p>Die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg ermöglicht die Erforschung der vielseitigen Faktoren, die Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern bestimmen. Dazu gehören Begabung, Motivation, soziale Herkunft, Unterrichtsqualität und der sinnvolle Einsatz von Lernmedien. An LEAD beteiligt sind neben der Universität Tübingen auch das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) in Bonn.&nbsp;</p><p>Weblinks: <a href="https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/lead-graduate-school-research-network/10-jahre-lead/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/lead-graduate-school-research-network/10-jahre-lead/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84921</guid><pubDate>Wed, 12 Oct 2022 09:41:19 +0200</pubDate><title>Mehrjährige Ackerbrachen schützen Feldvögel am besten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mehrjaehrige-ackerbrachen-schuetzen-feldvoegel-am-besten/</link><description>Universität Tübingen legt europaweite Studie vor – Brachen sollten mindestens doppelt so lang bestehen wie von Bundesregierung geplant</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ackerbrachen schützen Feldvögel wirkungsvoll - aber nur wenn sie mindestens zwei Jahre bestehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Julia Staggenborg und Nils Anthes vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen. Die Studie, die insgesamt 143 frühere Forschungsarbeiten auswertet, ist eine der bislang umfangreichsten Untersuchungen in Europa zum Artenschutz von Feldvögeln in der Landwirtschaft.&nbsp;</p><p>In den vergangenen vierzig Jahren sind die Populationen von Feldvögeln in Europa im Schnitt um 56 Prozent eingebrochen, bei einzelnen Vogelarten wie dem Rebhuhn sogar um 90 Prozent. Körnerfresser wie Feldsperlinge oder Goldammern finden nicht mehr genug Nahrung, weil bei der Ernte mit modernen Maschinen kaum noch Getreidekörner auf den Feldern zurückbleiben. Pflanzenschutzmittel und Flurbereinigungen haben Wildkräuter und ungenutzte Lebensräume wie Randstreifen, Böschungen oder Graswege verdrängt, die zwar für die Agrarproduktion verzichtbar, aber überlebenswichtig für Insekten und die Aufzucht von Jungvögeln sind.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84912</guid><pubDate>Wed, 12 Oct 2022 08:43:10 +0200</pubDate><title>Der Faden zur Nadel: Wie unsere Vorfahren die heimische Flora nutzten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-faden-zur-nadel-wie-unsere-vorfahren-die-heimische-flora-nutzten/</link><description>DNA aus Sedimenten gibt Auskunft über den Gebrauch von Pflanzen durch Menschen der Altsteinzeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Frankfurt/Tübingen, 11.10.2022. Unter der Leitung der Universität Oslo hat ein internationales Forschungsteam aus den Sedimenten der armenischen „Aghitu-3“-Höhle Pflanzen-DNA extrahiert und analysiert. Die Höhle wurde vor etwa 40.000 bis 25.000 Jahren von Menschen des Jungpaläolithikums als Unterschlupf genutzt. Eine detaillierte Auswertung der DNA zeigt, dass die Bewohner der Höhle zahlreiche Pflanzenarten zu verschiedenen Zwecken genutzt haben könnten, unter anderem als Medizin, Farbstoff oder Garn. Geleitet wurden die Ausgrabungen von der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Armenien und dem Forschungsprojekt The Role of Culture in Early Expansions of Humans (ROCEEH), welches an der Universität Tübingen und dem Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt angesiedelt ist. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal <em>Journal of Human Evolution</em>.</p><p>Auf den ersten Blick unterscheidet die „Aghitu-3-Höhle“ nichts von den anderen zahlreichen Basalthöhlen im Hochland Südarmeniens. Doch die elf Meter tiefe, 18 Meter breite und sechs Meter hohe Höhle hat es in sich: Sie ist eine von wenigen Fundstellen für die Zeit des Jungpaläolithikums in der Republik Armenien. In den Höhlenedimenten finden sich Informationen zur menschlichen Besiedelung über einen Zeitraum von etwa 39.000 bis 24.000 Jahren vor heute. „In der Höhle wurden bereits Steinartefakte, Überreste von Tieren, Knochen, Werkzeuge, Muschelperlen sowie Holzkohle von Lagerfeuern gefunden“, erklärt der wissenschaftliche Leiter der Grabung Dr. Andrew Kandel vom Projekt ROCEEH an der Universität Tübingen und fährt fort: „Obwohl wir wissen, dass Pflanzen im Leben der prähistorischen Menschen nicht nur als Nahrungsmittel eine grundlegende Rolle spielten, bleiben Pflanzenteile wie Samen, Blätter, Früchte und Wurzeln – da sie organisch sind und in der Regel schnell zerfallen – nur selten erhalten und machen uns so die Erforschung schwer.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84870</guid><pubDate>Tue, 11 Oct 2022 09:43:12 +0200</pubDate><title>Neue Leitung für das Studio Literatur und Theater</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-leitung-fuer-das-studio-literatur-und-theater/</link><description>Lyrikerin Nancy Hünger wird zum Wintersemester Nachfolgerin von Dagmar Leupold</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Lyrikerin Nancy Hünger leitet künftig das Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen. Sie tritt zum Wintersemester 2022/23 die Nachfolge von Dagmar Leupold an. Die Schriftstellerin hatte das Angebot der Universität zum kreativen Schreiben seit 2004 verantwortet.</p><p>Nancy Hünger, geboren in Weimar, war bereits 2018 Tübinger Stadtschreiberin und kehrt nun für ihre neue Aufgabe zurück. Sie studierte Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und verschrieb sich danach ganz der Literatur. Zuletzt lebte sie als freie Autorin in Gotha.</p><p>Das Wintersemester-Programm des Studio Literatur und Theater für die Studierenden steht bereits und ist auf der <a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/kunst-kultur-und-freizeit/studio-literatur-und-theater/programm/" target="_blank" class="external-link">Homepage des SLT</a> zu finden. Die neue Leiterin des SLT möchte künftig weitere Kooperationspartner für die Zusammenarbeit gewinnen. So findet im Winter ein gemeinsames Seminar mit dem Literaturarchiv in Marbach und der Universität Stuttgart zum Thema „?Frauen?literatur im Archiv“ statt.</p><p>Das Studio Literatur und Theater wurde vor 25 Jahren, im Jahr 1997, an der Universität Tübingen ins Leben gerufen. Hier können sich Studierende aller Fachbereiche in verschiedenen Formen kreativen Schreibens ausprobieren. Neben Seminaren zu Prosa, Lyrik und szenischem Schreiben lehren regelmäßig Gastdozierende wie Autorinnen und Autoren, Theater-, Verlags- und Medienschaffende. Im Mittelpunkt steht die eigene Kreativität, es geht aber auch um die Umsetzung auf der Bühne, im Rundfunkstudio oder auf dem Lesepodium – unterstützt durch Kooperationen mit regionalen Kultureinrichtungen und Medien.</p><p><strong>Auszeichnungen und Veröffentlichungen von Nancy Hünger</strong><br> Im Herbst 2008 erhielt Nancy Hünger ein Hermann-Lenz-Stipendium, 2012 das Dürener Förderstipendium Lyrik. 2011 war sie Jenaer Stadtschreiberin, 2013 Stipendiatin des Künstlerhauses Edenkoben. 2014 erhielt sie den Caroline-Schlegel-Förderpreis der Stadt Jena, 2015 das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach. 2018 war sie Tübinger Stadtschreiberin und 2020 erhielt sie ein Sonderstipendium der Kulturstiftung Thüringen.</p><p><strong>Veröffentlichungen (Auswahl):</strong> Halt dich fern. Dresden: Edition Azur, 2012.Wir sind golden, wir sind aus Blut. Ein Familienalbum. Dresden: Edition Azur, 2017. Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett. Dresden: Edition Azur, 2017.4 Uhr kommt der Hund. Ein unglückliches Sprechen. Dresden: Edition Azur, 2020.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84741</guid><pubDate>Wed, 05 Oct 2022 13:14:40 +0200</pubDate><title>Studium Generale startet wieder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-startet-wieder/</link><description>Kostenlose Vorlesungsreihen der Universität Tübingen werfen einen interdisziplinären Blick auf die Ukraine, Umbrüche in der Arbeitswelt und die Asterix-Comics</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen bietet im Wintersemester 2022/23 acht Vorlesungsreihen an, darunter zu hochaktuellen Themen wie der Ukraine, Umbrüchen in der Arbeitswelt oder der Situation junger Menschen in der Pandemie. In weiteren Ringvorlesungen geht es um den Tod, jüdisch-muslimische Beziehungen, die (Global)geschichte Schwabens, „Das Neue“ als Denkfigur der Moderne und Asterix aus Sicht der Wissenschaft.</p><p>Der Zugang ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Die Veranstaltungen finden in Präsenz statt, vereinzelt werden Vorlesungen im hybriden Format angeboten. Detaillierte Informationen und Programmflyer unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studium-generale" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a>. Der Flyer kann auch in gedruckter Form unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ugmtgvctkcv/mqoowpkmcvkqpBbx0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sekretariat-kommunikation<span style="display:none">spam prevention</span>@zv.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;bestellt werden.</p><p>Professorin Maria Moog-Grünewald (Romanistik/Komparatistik) reflektiert in ihrer Vorlesungsreihe <strong>Das Neue – eine Denkfigur der Moderne (Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong> das Neue als ein Merkmal, das die Moderne von der Antike – jeweils verstanden als „longue durée“ – grundlegend unterscheidet. Ausgehend von Begriff und Sache der ‚Neugierde‘ (von Platon bis Thomas von Aquin) und deren unterschiedlicher Bewertung zeigt sie an scheinbar so heterogenen Beispielen wie Vasaris „Lebensbeschreibungen“, dem Porträt in der Renaissance, den Manifesten des Modernismus u.a., dass die Denkfigur des Neuen letztlich alle Bereiche (Politik, Philosophie, Kunst u.a.) seit Beginn der Neuzeit bestimmt.</p><p>Digitalisierung, Globalisierung und das Ringen um Klimaziele verändern unsere Arbeitswelt. Die Reihe <strong>„Arbeit im Umbruch: Kann eine erfolgreiche Transformation gelingen?“</strong><strong>(Montag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25) </strong>befasst sich mit solchen Entwicklungen und ihren Auswirkungen. Die Vorlesungen zu Themenschwerpunkten werden durch „Kommentare“ von Expertinnen und Experten aus der Arbeitspraxis ergänzt. Organisiert wird die Reihe von Professor Hans-Jürgen Bieling (Politikwissenschaft), Professor Reinhard Johler (Empirische Kulturwissenschaft), Professor Matthias Möhring-Hesse (Katholische Theologie), Professor Josef Schmid (Politikwissenschaft) und Setareh Radmanesch vom Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur (F.A.T.K.) Tübingen.</p><p>Die Reihe <strong>Wissenschaft liest Asterix (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong>, organisiert durch Dr. Wolfgang Polleichtner (Philologisches Seminar) und Professor Bernd-Stefan Grewe (Geschichtsdidaktik), beleuchtet die beliebte Comic-Reihe um den Helden Asterix aus Sicht der Wissenschaft. Forschende, u.a. aus der Geschichte, Philologie und Soziologie, sprechen über Orte und Zeiten, in denen die Abenteuer der Comics spielen. Es geht aber auch um Haltung und Aussagen der Figuren und Geschichten, um Stereotype, die Signifikanz geschilderter Ereignisse und ‒ nicht zuletzt ‒ weniger bekannte Seiten der Asterix-Interpretation.</p><p>Mit einer existentiellen Grunderfahrung des Menschseins beschäftigt sich die Reihe <strong>Tod und Sterben: zwischen kultureller Erinnerung und aktuellen Konflikten (Dienstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 25) </strong>von Professor Franz-Josef Bormann (Katholische Theologie) und Professor Joachim Schneider (Medizinische Fakultät). Die Vorträge beleuchten zunächst die philosophischen Grundlagen beider Phänomene und deren theologische Deutung im Judentum, Christentum und Islam. In einem zweiten Teil werden medizinische Aspekte im Feld des Hirntod-Konzepts, der Transplantationsmedizin sowie des Sterbens unter intensivmedizinischen Bedingungen diskutiert. Den dritten Teil prägt die aktuelle Debatte um selbstbestimmtes Sterben und Suizidassistenz.</p><p>Die Reihe <strong>Jung sein in der Pandemie (Dienstag, 20:00 Uhr, Hörsaal 21) </strong>untersucht die Situation Jugendlicher und junger Erwachsener in der COVID-19-Pandemie: Erste Studien zeigen, dass die Einschränkungen in Alltag und Freizeit in einer Entwicklungsphase des „Ausprobierens“ als besonders belastend erlebt wurden. Die Vorträge betrachten die Herausforderungen für junge Menschen u.a. aus Sicht der Sozialpädagogik, Jugendpsychiatrie, Sportwissenschaft und Entwicklungspsychologie. Organisiert wird die Reihe von Professorin Taiga Brahm (Wirtschaftsdidaktik), Professor Colin Cramer (Erziehungswissenschaft), Professor Ansgar Thiel (Sportwissenschaft) und Professor Stephan Zipfel (Psychosomatische Medizin).</p><p>In der Reihe <strong>Schwaben und die Welt. Globalgeschichte(n) einer Region (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 25) </strong>wird ein globalgeschichtlicher Blick auf unsere Region geworfen. Denn die Welt beginnt vor Ort und schon immer war auch Schwaben mit Entwicklungen weltweit verknüpft, sei es durch Migration, Kolonialismus, Kulturtransfer oder wirtschaftliche Entwicklungen. Auf Einladung von Professorin Christina Brauner (Neuere Geschichte) und Tjark Wegner (Geschichtliche Landeskunde) sprechen hierzu u.a. Vertreterinnen und Vertreter aus der Geschichte, Kulturwissenschaft und Archäologie.&nbsp;</p><p>Die Reihe<strong> Brennpunkt Ukraine. Geschichte, Kultur und Politik einer europäischen Nation (Mittwoch, 18:15 Uhr, Hörsaal 21)</strong> informiert über die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien, die seit dem 19. Jahrhundert die Ukraine zu einer europäischen Nation werden ließen. Im Fokus stehen Geschichte, Literatur und Sprache der Ukraine, ihre Verflechtungen und Entflechtungen mit Russland sowie die Kulturkontakte zwischen der Ukraine und Deutschland. Organisiert wird die Reihe von Professor Klaus Gestwa (Institut für Osteuropäische Geschichte), Professorin Schamma Schahadat und Professor Tilman Berger (beide Slavisches Seminar), mit Unterstützung des Sonderforschungsbereichs 923 „Bedrohte Ordnungen“.</p><p>Die Reihe<strong> Jüdisch-muslimische Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart (Donnerstag, 18:15 Uhr, Hörsaal 21) </strong>beleuchtet die vielfältigen und engen Verbindungen zwischen jüdischen und muslimischen Traditionen und ihre wechselseitige Bedeutung füreinander. Auf Einladung von Professorin Fahimah Ulfat (Islamische Theologie) und Dr. Asher J. Mattern (Ökumenische und interreligiöse Forschung) zeigen die Vorlesungen historische, theologische und gesellschaftliche Aspekte aus jüdischen wie muslimischen Perspektiven. So sollen Möglichkeiten für eine positive Dynamik des Miteinanders von Judentum und Islam für die Gegenwart ausgelotet werden, ohne Differenzen und Konflikte auszublenden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84678</guid><pubDate>Tue, 04 Oct 2022 12:46:17 +0200</pubDate><title>Neue Rektorin für die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-rektorin-fuer-die-universitaet-tuebingen-1/</link><description>Professorin Karla Pollmann seit 1. Oktober im Amt – Offizielle Amtsübergabe mit Festakt am 18. Oktober</description><content:encoded><![CDATA[<p>Stabwechsel in der Universität Tübingen: Professorin Karla Pollmann hat zum 1. Oktober 2022 ihr Amt als Rektorin angetreten. Sie war im April 2022 durch den Universitätsrat und den Senat zur Nachfolgerin von Professor Bernd Engler gewählt worden. Ihre Amtszeit beträgt sechs Jahre.</p><p>Die offizielle Amtsübergabe findet mit Beginn des Wintersemesters statt. Der feierliche Festakt am Dienstag, 18. Oktober, um 18:00 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) kann im Livestream verfolgt werden unter <a href="https://youtu.be/8Th66YKwJH8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/8Th66YKwJH8</a>.</p><p>Professorin Karla Pollmann folgt auf Professor Bernd Engler, der die Universität sechzehn Jahre lang geführt hatte. Weiterhin im Amt bleiben die bisherigen Rektoratsmitglieder Kanzler Dr. Andreas Rothfuß; Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre; Professor Peter Grathwohl, Prorektor für Forschung und Innovation sowie Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität.</p><p>Karla Pollmann war seit 2018 an der Universität Bristol „Professor of Classics and Theology“ sowie Dekanin der Faculty of Arts. Die gebürtige Tübingerin studierte Griechisch, Latein, Theologie und Pädagogik in Tübingen, München, Cambridge und Bochum.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84561</guid><pubDate>Wed, 28 Sep 2022 23:05:00 +0200</pubDate><title>Unsere Emotionen bestimmen, was wir sehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unsere-emotionen-bestimmen-was-wir-sehen/</link><description>Internationales Forschungsteam entschlüsselt Verbindung zwischen Gemütszustand und visueller Wahrnehmung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Pupillengröße der Augen wird nicht nur durch Licht beeinflusst, sondern auch&nbsp;durch den inneren, emotionalen Zustand einer Person. Ein internationales&nbsp;Forschungsteam, bestehend aus Neurowissenschaftlern und&nbsp;Neurowissenschaftlerinnen der Universitäten Göttingen und Tübingen sowie des&nbsp;<span lang="en" dir="ltr">Baylor College of Medicine in Houston</span> konnte nun erste Antworten auf die Frage&nbsp;liefern, warum sich die Pupillengröße mit dem inneren Zustand ändert und ob diese&nbsp;schnellen, gemütsabhängigen Veränderungen der Pupille die Art und Weise&nbsp;verändern, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Die Ergebnisse wurden in der&nbsp;renommierten Zeitschrift „<span lang="en" dir="ltr">Nature</span>“ publiziert.</p><h3>Gemütszustand ändert Pupillengröße</h3><p>Die Augen werden im Volksmund auch das „Fenster zur Seele“ genannt. Tatsächlich&nbsp;steckt dahinter ein Korn neurobiologischer Wahrheit. Die Pupillengröße wird nicht nur&nbsp;von sensorischen Reizen wie etwa Sonneneinstrahlung beeinflusst, sondern auch&nbsp;durch unseren momentanen Gemütszustand wie Angst, Aufregung oder&nbsp;Konzentration. Interessanterweise sind diese gemütsabhängigen Veränderungen der<br> Pupillengröße nicht nur im Menschen, sondern in vielen anderen Wirbeltierarten zu&nbsp;beobachten.</p><h3>Künstliche Intelligenz zur Datenauswertung</h3><p>In Experimenten gingen die Forschenden der Frage nach, wie sich gemütsabhängige&nbsp;Veränderungen der Pupillengröße auf das Sehen von Mäusen auswirken.&nbsp;Entscheidend für die Interpretation visueller Eindrücke sind nicht nur die Augen,&nbsp;sondern insbesondere die Sehrinde ein wichtiger Teil des Gehirns, der für die visuelle&nbsp;Wahrnehmung verantwortlich ist. Während die Forschenden den Mäusen in&nbsp;Experimenten verschiedene farbige Bilder zeigten, nahmen sie die Aktivität von&nbsp;Tausenden individuellen Neuronen innerhalb der Sehrinde auf. Mit dem Einsatz von&nbsp;modernsten künstlichen neuronalen Netzen konnten die Forschenden anhand dieser&nbsp;Daten ein Computermodell erstellen, das die real gemessenen Neurone im Gehirn&nbsp;simulierte. Sie verwendeten dieses Computermodell dann dazu, um für jedes Neuron&nbsp;den besten visuellen Lichtreiz zu identifizieren – das „Lieblingsbild“ jedes Neurons.</p><h3>Auswirkungen auf die visuelle Wahrnehmung</h3><p>Diese Untersuchungen offenbarten Erstaunliches: Wenn die Mäuse ihre Pupillen&nbsp;aufgrund eines wachsamen Gemütszustands vergrößerten, änderte sich binnen&nbsp;Sekunden die Farbempfindlichkeit der Neuronen von grünem hin zu blauem Licht.&nbsp;Dies galt besonders für Neurone, welche Reize der oberen Hemisphäre verarbeiten,&nbsp;mit denen Mäuse den Himmel beobachten.</p><p>Mit Hilfe von Augentropfen, welche die Pupille weiten, konnten die Forschenden die höhere Empfindlichkeit für blaues Licht auch in einem ruhigen Gehirnzustand nachbilden. „Diese Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Pupillenerweiterung aufgrund eines wachsamen Gehirnzustands die visuelle Empfindlichkeit und wahrscheinlich auch die visuelle Wahrnehmung direkt beeinflussen kann. Der Mechanismus hierbei ist, dass eine größere Pupille mehr Licht ins Auge lässt und sich dies direkt auf die Rekrutierung der Fotorezeptoren in unserer Netzhaut und damit mittelbar auch auf die Farbsensitivität in der Sehrinde auswirkt“, erläutert Dr. Katrin Franke, Forschungsgruppenleiterin am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen und Erstautorin der Studie.</p><p>Doch welche Vorteile hat die Veränderung der visuellen Empfindlichkeit? Konstantin Willeke, Mitglied der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Fabian Sinz und ebenfalls Erstautor der Studie, bringt Licht ins Dunkel: „Wir konnten zeigen, dass die höhere neuronale Empfindlichkeit für blaues Licht den Mäusen wahrscheinlich dabei hilft, Raubtiere bei blauem Himmel besser zu erkennen.“ Auch kann sich das Computermodell, das die Forschenden erstellten, in vielerlei Hinsicht noch als nützlich erweisen: „Wir gehen davon aus, dass unser Modell für weitere Experimente zum Verständnis der visuellen Verarbeitung genutzt werden kann.“</p><p>„Darüber hinaus können solche Modelle langfristig dazu dienen, die Anzahl von Tierversuchen zu verringern”, führt Willeke weiter aus. „Der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Auswertung großer experimenteller Datensätze eröffnet eine neue Ära in der Forschung. Dies ermöglicht es, ‚digitale Zwillinge‘ realer biologischer Systeme zu bauen. Damit können wir eine unbegrenzte Anzahl von Simulationen durchführen, um Hypothesen zu generieren, die dann im biologischen System verifiziert werden können.“</p><p>Die Erkenntnis, dass gemütsabhängige Veränderungen der Pupillengröße die visuelle Empfindlichkeit beeinflussen, hat Auswirkungen auf unser Verständnis des Sehens weit über die Raubtiererkennung bei Mäusen hinaus. Es stellen sich nun weitere Forschungsfragen, wie die Wahrnehmung in zahlreichen anderen Tieren durch diesen Effekt beeinflusst wird. Die Pupillen in unseren Augen könnten somit nicht nur ein Fenster in die Seele sein, sondern auch die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, von Augenblick zu Augenblick verändern, je nach unserem inneren Gemütszustand.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Franke, Katrin, Willeke, Konstantin, et. al. “<span lang="en" dir="ltr">State-dependent pupil dilation rapidly shifts visual feature selectivity.” Nature</span>, 28. September 2022. DOI: 10.1038/s41586-022-05270-3. <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-022-05270-3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Zur Publikation online</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84351</guid><pubDate>Mon, 26 Sep 2022 21:00:00 +0200</pubDate><title>Frühe Menschen in Afrika nutzten Hightech-Kleber aus der Steineibe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehe-menschen-in-afrika-nutzten-hightech-kleber-aus-der-steineibe/</link><description>Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Kapstadt entdeckt, wie sich mit steinzeitlichen Mitteln Teer mit guten Hafteigenschaften herstellen lässt – Hinweise auf erste technische Innovationen</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84429</guid><pubDate>Fri, 23 Sep 2022 11:26:41 +0200</pubDate><title>Zentrum für Islamische Theologie der Universität feiert Jubiläum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zentrum-fuer-islamische-theologie-der-universitaet-feiert-jubilaeum/</link><description>Ausbildung von islamischen Theologen für Schule, Seelsorge und Wissenschaft startete 2011 – Tübingen war bundesweit Vorreiter</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) der Universität Tübingen hat am Donnerstag sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Im Jahr 2011 hatte die Universität als erste Hochschule in Deutschland ein Zentrum für Islamische Theologie gegründet. Zum Wintersemester 2011/12 begannen die Lehrveranstaltungen für den Bachelor-Studiengang „Islamische Theologie“. Wegen der Corona-Pandemie konnte der Festakt zum Jubiläum erst in dieser Woche stattfinden.</p><p>Zum Start des Zentrums 2011 waren 24 Studentinnen und Studenten am ZITh eingeschrieben. Die Zahl der Studierenden ist bis heute auf über 200 gestiegen, Zweidrittel davon sind Frauen. Das Studium qualifiziert für ein Lehramt an Gymnasien, für die Seelsorge beispielsweise in Krankenhäusern, für eine akademische Laufbahn oder verwandte Tätigkeiten.</p><p>„Das Zentrum für Islamische Theologie leistet Pionierarbeit für die Etablierung einer islamischen Theologie im deutschen Wissenschaftssystem – für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses ebenso wie für die Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften für den islamischen Religionsunterricht. Es trägt den interreligiösen Dialog, den wir in unserer Gesellschaft dringend brauchen, in die Schulen und in die Gesellschaft“, sagte Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, auf der Jubiläums-Feier.</p><p>Aktuell bietet das Zentrum insgesamt sechs Studiengänge an: „Islamische Theologie“ als Bachelor und „Islamische Religionslehre für das Lehramt“ als Bachelor und Master, außerdem die Master-Studiengänge „Islamische Theologie im europäischen Kontext“ und „Islamische Praktische Theologie für Seelsorge und Soziale Arbeit“. In Kooperation mit der katholischen und der evangelischen theologischen Fakultät hat das ZITh den Master-Studiengang „Theologien interreligiös – Interfaith Studies“ entwickelt. Er unterstreicht die Bedeutung des interreligiösen Dialogs an der Universität Tübingen.</p><p>An den mittlerweile sieben Lehrstühlen des Zentrums arbeiten 40 Beschäftigte, davon 25 Doktoranden und Postdocs, die teilweise selbst am ZITh ausgebildet wurden. Mit zehn Universitäten bestehen Erasmus-Kooperationen. Über das interreligiöse Forschungsprojekt „Geteilte Überzeugungen“ sind Verbindungen zu Universitäten in Straßburg, Basel, Freiburg und der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg entstanden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84372</guid><pubDate>Thu, 22 Sep 2022 08:55:30 +0200</pubDate><title>Römische Münzen als Massenmedium</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/roemische-muenzen-als-massenmedium/</link><description>Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“ eröffnet digitale Ausstellung zur Ästhetik römischer Münzen

</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Sonderforschungsbereichs 1391 „Andere Ästhetik“ der Universität Tübingen präsentiert ab 1. Oktober die digitale Ausstellung „Im Auge des Betrachters. Die Ästhetik römischer Münzen“. Die gemeinsam mit Studierenden erarbeitete Ausstellung beschäftigt sich mit römischen Münzen als Zahlungsmittel aber auch als Massenmedium der Antike.&nbsp;</p><p>Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde das ursprünglich als Präsenzausstellung angedachte Konzept im eMuseum des Digitalen Münzkabinetts am Institut für Klassische Archäologie umgesetzt, in Kooperation mit dem Museum der Universität Tübingen MUT.&nbsp;</p><p>Ab dem 1. Oktober 2022 wird die Ausstellung auf der <a href="http://www.ikmk.uni-tuebingen.de/eMuseum" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Seite des eMuseums</a> zu sehen sein. Zur Eröffnungsveranstaltung&nbsp;</p><p class="align-center"><strong>am Freitag, den 30. September 2022 um 15 Uhr<br> im Rittersaal auf Schloss Hohentübingen</strong></p><p>ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen.</p><p>Römische Münzen sind besondere Objekte. Sie waren das offizielle Zahlungsmittel des Römischen Reiches und damit eines der wichtigsten Massenprodukte der Vormoderne. Aufgrund der vielfältigen Bilder und Texte, die auf den Münzen abgebildet sind, dürfen sie zudem zu Recht&nbsp;<br> als das erste Massenmedium der Antike gelten.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-84195</guid><pubDate>Thu, 15 Sep 2022 20:15:00 +0200</pubDate><title>Gemeinsame Evolution: Darmmikroben und ihre Menschen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gemeinsame-evolution-darmmikroben-und-ihre-menschen/</link><description>Forschende entdecken gemeinsame Evolutionsgeschichte von Darmmikroben und ihren menschlichen Wirten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das menschliche Darmmikrobiom umfasst Tausende verschiedener Bakterien und Archaeen, die sich zwischen Populationen und Individuen stark unterscheiden. Jetzt entdeckten Forschende des Max-Planck-Instituts für Biologie in Tübingen die gemeinsame Evolutionsgeschichte von Darmmikroben und ihren menschlichen Wirten: Die Mikroorganismen haben sich über Hunderttausende Jahre lang im menschlichen Darm parallel zum Menschen entwickelt. Darüber hinaus weisen einige Mikroben Merkmale in Funktionen und Erbgut auf, die sie abhängig von der menschlichen Darmumgebung machen. In der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Science </em></span>stellt das Forschungsteam nun die Ergebnisse ihrer Studie vor, die mit Daten von 1225 Personen aus Afrika, Asien und Europa durchgeführt wurde.</p><p>Viele Mikroben-Spezies im menschlichen Darm sind in verschiedensten Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt zu finden. Die Mikroben-Stämme innerhalb einer Mikroben-Art unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen Individuen und Populationen. Trotz ihrer Bedeutung für die menschliche Gesundheit war bisher wenig über die Entwicklung der verschiedenen Stämme bekannt. Angesichts dessen, dass zudem die meisten dieser Stämme fast ausschließlich im menschlichen Darm vorkommen, stellt sich die Frage nach ihrer Herkunft.&nbsp;</p><h3>Verknüpfung der Geschichte von Mikroben und Menschen</h3><p>Das Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Biologie in Tübingen stellte die Vermutung auf, dass bestimmte Arten und Stämme den Menschen bei der Ausbreitung über die Erde begleitet und sich in seinem Darm parallel mitentwickelt haben. Dazu verglichen die Forschenden des MPI für Biologie, des Instituts für Tropenmedizin und des Exzellenzclusters CMFI der Universität Tübingen erstmals systematisch die Evolutionsgeschichten von Menschen und Darmmikroben. Die Forschenden erstellten dazu Stammbäume für 1225 menschliche Versuchspersonen sowie für 59 Mikroben-Arten aus deren Darm. Mithilfe von statistischen Tests analysierten sie, wie gut diese Stammbäume übereinstimmten.</p><p>Über 60% der untersuchten Spezies zeigten eine parallele Stammesgeschichte zu ihrem menschlichen Wirt. Dies weist darauf hin, dass sich diese Mikroben über Hunderttausende Jahre hinweg im menschlichen Darm weiterentwickelten, während die Menschen sich von Afrika aus über die Kontinente ausbreiteten. “Wir wussten bisher nicht, dass unsere Darmmikroben unserer Evolutionsgeschichte so genau gefolgt sind", staunt <span lang="en" dir="ltr">Ruth Ley</span>, die Leiterin der Abteilung für Mikrobiomforschung am Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen, wo die Studie durchgeführt wurde, sowie stellvertretende Sprecherin des CMFI ist.</p><h3>Darmmikroben abhängig vom Menschen</h3><p>"Bemerkenswert ist auch, dass diejenigen Stämme, die unserer Entwicklungsgeschichte am engsten gefolgt sind, nun am meisten von der Darmumgebung abhängig sind", fügt <span lang="en" dir="ltr">Ley </span>hinzu. Tatsächlich sind einige der Mikroben-Stämme, die sich zusammen mit dem Menschen entwickelt haben, stark von der menschlichen Darmumgebung abhängig: Sie besitzen kleinere Genome und reagieren empfindlicher auf Abweichungen in Sauerstoffgehalt und Temperatur – Merkmale, die ein Überleben außerhalb des menschlichen Körpers erschweren. Im Gegensatz dazu wiesen Mikroorganismen, die eine schwächere Verbindung mit der menschlichen Geschichte aufwiesen, mehr Eigenschaften von freilebenden Bakterien auf. "Einige der Darmmikroben verhalten sich, als seien sie Teil des menschlichen Erbguts", erklärt Taichi Suzuki, der zusammen mit seinem Kollegen <span lang="en" dir="ltr">Liam Fitzstevens</span> Erstautor der Studie ist. Suzuki ergänzt: "Diese Mikroben befinden sich sozusagen irgendwo im Spektrum von 'freilebend' bis hin zu abhängig von der menschlichen Körperumgebung. Wir konnten zeigen, dass einige Darmbakterien des Menschen in diesem Spektrum weiter in Richtung irreversibler Abhängigkeit gekommen sind als bisher angenommen." Ley fügt weiter hinzu: "Diese Ergebnisse verändern unsere Sichtweise auf das menschliche Darmmikrobiom grundlegend."</p><h3>Auf Bevölkerungsgruppen angepasste Mikrobiom-Therapien&nbsp;</h3><p>Um Daten einer breitgefächerten Stichprobe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen weltweit zu erhalten, analysierte das Forschungsteam die Darmmikroben und Genome von 1225 Personen in Europa, Asien und Afrika. Die Stuhl- und Speichelproben wurden mit Hilfe von Forschenden des Instituts für Tropenmedizin der Universität Tübingen und deren Partnerorganisationen in Vietnam und Gabun gesammelt. Darüber hinaus unterstützten Forschende auf der ganzen Welt die Studie mit vergleichbaren Datensätze von Teilnehmenden aus Kamerun, Südkorea und dem Vereinigten Königreich.</p><p>Die Ergebnisse der Studie tragen zum besseren Verständnis von Mikroben bei, die seit langem zu bestimmten Bevölkerungsgruppen gehören. Mikrobiom-Krankheitstherapien können mit diesem Wissen besser auf die jeweilige lokale Bevölkerung angepasst und verfeinert werden. &nbsp;</p><h3>Original-Publikation:</h3><p>Taichi A. Suzuki, J. Liam Fitzstevens, Victor T. Schmidt, Hagay Enav, Kelsey E. Huus, Mirabeau Mbong Ngwese, Anne Grießhammer, Anne Pfleiderer, Bayode R. Adegbite, Jeannot F. Zinsou, Meral Esen, Thirumalaisamy P. Velavan, Ayola A. Adegnika, Le Huu Song, Timothy D. Spector, Amanda L. Muehlbauer, Nina Marchi, Hyena Kang, Lisa Maier, Ran Blekhman, Laure Ségurel, GwangPyo Ko, Nicholas D. Youngblut, Peter Kremsner, Ruth E. Ley: <span lang="en" dir="ltr">Codiversification of gut microbiota with humans. </span><span lang="en" dir="ltr"><em>Science v</em>ol.</span> 377, i<span lang="en" dir="ltr">ssue </span>6612 (2022).</p><p class="align-right"><em>Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Biologie Tübingen</em><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83922</guid><pubDate>Thu, 08 Sep 2022 09:00:00 +0200</pubDate><title>Bislang unbekannte Dinosaurier-Art in Südwestdeutschland identifiziert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bislang-unbekannte-dinosaurier-art-in-suedwestdeutschland-identifiziert/</link><description>Tuebingosaurus maierfritzorum lebte auf der Schwäbischen Alb – Paläontologen klassifizieren seit 100 Jahren bekannten Fund neu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Paläontologen des Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen haben eine bislang unbekannte Dinosaurier-Gattung und -Art entdeckt. <em>Tuebingosaurus maierfritzorum</em> lebte vor etwa 203 bis 211 Millionen Jahren im Bereich der heutigen Schwäbischen Alb und war ein Pflanzenfresser. Die neue Art zeigt Ähnlichkeit mit den großen Langhalssauriern (Sauropoden) und wurde bei der erneuten Untersuchung von bereits bekannten Dinosaurierknochen identifiziert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Vertebrate Zoology</em></span> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Die Versteinerungen, die Teil der Tübinger Paläontologischen Sammlung sind, waren in der Vergangenheit als Überreste von Plateosauriern interpretiert worden. In einem groß angelegten Projekt hatten die Wissenschaftler Dr. Omar Rafael Regalado Fernandez und PD Dr. Ingmar Werneburg sämtliche in Tübingen gelagerte Dinosaurierknochen neu untersucht. Sie stammen zu einem Großteil aus einem Steinbruch bei Trossingen am Rande der Schwäbischen Alb, wo seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Knochen von Dinosauriern gefunden und oft als Plateosaurier klassifiziert wurden.&nbsp;</p><p>Nach wie vor unstrittig ist, dass diese Dinosauriergruppe vor etwa 200 Millionen Jahren in Teilen Europas sehr häufig vorkam. Heutigen Paläontologen ist allerdings auch bewusst, dass es bei der taxonomischen Einordnung in der Vergangenheit oft zu Ungenauigkeiten kam, weshalb manche Funde vorschnell in die Gattung der Plateosaurier aufgenommen wurden. &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83841</guid><pubDate>Tue, 06 Sep 2022 11:07:06 +0200</pubDate><title>29. Tübinger Erbe-Lauf kehrt in die Innenstadt zurück</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/29-tuebinger-erbe-lauf-kehrt-in-die-innenstadt-zurueck/</link><description>Erstmals mit neun Kilometern im Hauptlauf aufgrund einer Großbaustelle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Countdown läuft! Nur noch wenige Tage bis zum Laufwochenende des 29. Tübinger Erbe-Laufs, das von Samstag, 17. September, bis Sonntag, 18. September 2022, in Tübingen stattfindet. Die Läuferinnen und Läufer des Virtual Charity Runs sind schon ab dem 10. September auf ihren Strecken unterwegs. Unter der Leitung von Marc Oßwald, Dieter Baumann und Judith Wais und mit Unterstützung von Studierenden wird die Veranstaltung vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen organisiert und in Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen ausgerichtet.</p><p>Nachdem zwei Jahre pandemiebedingt auf andere Formate ausgewichen werden musste, kehrt der Tübinger Erbe-Lauf in diesem Jahr in die Innenstadt auf die gewohnte Strecke zurück. Mit einer kleinen Änderung: Durch die Großbaustelle am Europaplatz führt die Laufstrecke nicht durch den Anlagenpark sondern die Uhlandstraße entlang. Somit verringert sich die Distanz im Hauptlauf auf 9 Kilometer, die in drei Runden absolviert werden. An der Grundidee des 1. Tübinger Stadtlaufs, Breitensport und Spitzensport in einer Veranstaltung zu vereinen, wird auch mit der 29. Auflage festgehalten: Mit dem Jeder kann-Run über 3 Kilometer, ist es möglich, nur eine Runde zu laufen. Auch beim CHT Staffellauf läuft jede Person eine Runde und Teams aus drei Personen bewältigen so die 9 Kilometer gemeinsam.</p><p>Bereits zum fünften Mal findet die BG Handbike Challenge statt. Das Rollstuhl-Rennen richtet sich an ambitionierte Breitensportler und auch Handbike-Einsteiger sind herzlich willkommen. Die Teilnehmenden messen sich in unterschiedlichen Wettkampfklassen und fahren einen technisch anspruchsvollen Rundkurs, der sich etwas von der Hauptlaufstrecke unterscheidet. Der Start ist sowohl mit Adaptivbike als auch mit Rennbike möglich.</p><p>Bereits am Samstag, 17. September findet der Volksbank Schülerlauf auf der Neckarinsel/Platanenallee statt. Die jüngsten Schülerinnen und Schüler unter zwölf Jahren laufen 1000 Meter, Teilnehmende unter 14 Jahren 1.500 Meter und Teilnehmende unter 16 Jahren eine Strecke von 2.000 Metern.<br> Bis Anmeldeschluss hatten sich 1111 Läuferinnen und Läufer für den Hauptlauf angemeldet. Im Volksbank Schülerlauf sind 559 Nachwuchsläuferinnen und -läufer angemeldet. Für die BG Handbike Challenge gehen 18 Teilnehmende an den Start. Beim Jeder kann-Run sind bislang 130 Läuferinnen und Läufer gemeldet. Für den Staffellauf gibt es 24 vorangemeldete Teams.</p><h3>Nachmeldungen</h3><p>Für alle Wettbewerbe sind Nachmeldungen bis zu einem gewissen Kontingent möglich. Hierzu wird die Online-Anmeldeplattform nochmals bis zwei Stunden vor dem jeweiligen Wettbewerb geöffnet oder bereits früher geschlossen, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist.</p><h3>Startunterlagen und T-Shirts</h3><p>Eine T-Shirt-Ausgabe gibt es vor Ort, am Samstag in der Uhlandhalle, am Sonntag im Clubhaus in der Wilhelmstraße. Die Startnummern, werden den Läufer/innen per Post zugesandt. Die Teilnehmenden der Handbike Challenge erhalten ihre Startunterlagen vor Ort, Schülerinnen und Schüler, die über ihre Schulen angemeldet wurden, über die jeweilige Schule. Die Teilnehmenden der unterschiedlichen Wettbewerbe werden zusätzlich per Mail mit allen Informationen versorgt.</p><h3>Virtual Charity Run</h3><p>Der von dem Namenssponsor Erbe Elektromedizin GmbH ins Leben gerufene Virtual Charity Run läuft bereits ab Samstag, 10. September. Noch bis Sonntag, 18. September, kann jeder, egal wie, wo oder wann Kilometer für den guten Zweck sammeln. Auch Kurzentschlossene können teilnehmen, die Anmeldung bleibt bis zum Schluss geöffnet. Bislang liegen 278 Anmeldungen vor. Die Erbe Elektromedizin GmbH spendet 50 Cent pro Kilometer an die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen.</p><h3>Sozialpartner Tübinger Tafel e.V.</h3><p>Wer am 17. und 18. September beim Erbe-Lauf vor Ort in Tübingen mitläuft, dessen Kilometer kommen dem Sozialpartner, der Tübinger Tafel, zugute. Auch hier spendet die Erbe Elektromedizin GmbH 50 Cent für jeden Kilometer. Zusätzlich können Läuferinnen und Läufer am Sonntag selbst spenden indem sie durch das Spendentor in der Mühlstraße laufen. Pro Durchlauf gehen fünf Euro an die Tübinger Tafel. Dieser gemeinnützige, spendenfinanzierte Verein rettet jede Woche ca. 4,5 Tonnen Lebensmittel und unterstützt damit ungefähr 700 Haushalte.</p><h3>Startzeiten</h3><p><strong>Samstag, 17.09.2022</strong><br> Ab 10:00 Uhr - U10<br> Ab 11:00 Uhr - U12<br> Ab 12:00 Uhr - U14<br> Ab 13:00 Uhr - U16<br><strong>Sonntag, 18.09.2022</strong><br> 10:00 Uhr - BG Handbike Challenge (letzte Runde 10.35 Uhr)<br> 11:00 Uhr - Jeder kann-Run<br> 11:25 Uhr - CHT Staffellauf<br> 11.30 Uhr - 1. Start Erbe-Lauf („langsamer“ Hauptlauf)<br> 12.30 Uhr - 2. Start Erbe-Lauf („schneller“ Hauptlauf)<br> Alle Informationen unter <a href="http://www.tuebinger-erbe-lauf.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.tuebinger-erbe-lauf.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83823</guid><pubDate>Mon, 05 Sep 2022 11:16:08 +0200</pubDate><title>Was Fossilien über die Kreuzung früher Menschen verraten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-fossilien-ueber-die-kreuzung-frueher-menschen-verraten/</link><description>Forscherinnen vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und der Universität Kapstadt analysieren, wie sich Hybridisierung auf das Skelett auswirkte</description><content:encoded><![CDATA[<p>Viele heutige Menschen tragen einen kleinen Anteil an Neandertaler-DNA in ihren Genen, was darauf hindeutet, dass die Vermischung mit anderen Abstammungslinien früherer Menschenformen eine wichtige Rolle in der Evolution unserer Spezies spielte. Paläogenetische Beweise legen nahe, dass es mehrfach zu Kreuzungen mit Neandertalern und anderen früheren Gruppen kam: Die Geschichte unserer Art ähnelt eher einem Netzwerk oder vielverzweigtem Strom als einem Baum. Der Ursprung der Menschheit war komplexer als bisher angenommen.</p><p>Um die Auswirkung von Hybridisierungen zu untersuchen, müssen mehrere Beweislinien einbezogen werden. Alte DNA aus Fossilien ist selten gut erhalten, daher muss man in der Forschung Hybride anhand ihres Skeletts erkennen. Das sei entscheidend, um unsere komplexe Vergangenheit zu verstehen und was uns zu Menschen macht, sagen Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Professorin Rebecca R. Ackermann vom Human Evolution Research Institute der Universität Kapstadt, Südafrika. Sie haben den Einfluss der Hybridisierung an fossilen Schädeln untersucht und einzelne potenzielle Hybride aus der Vergangenheit identifiziert. Ihre Arbeit wurde in der Zeitschrift Nature Ecology and Evolution veröffentlicht.</p><h3>Sorgfältige Analyse der Daten</h3><p>Die Forscherinnen untersuchten eine große Anzahl fossiler Überreste früherer Menschen aus dem späten Paläolithikum Eurasiens, die auf die Zeit vor ungefähr 40.000 bis 20.000 Jahren datiert werden. Bei mehreren dieser Individuen wurde alte DNA gefunden, in die Neandertalervorfahren einen kleinen Anteil eingebracht hatten. Dies deutet auf eine Vermischung mit dieser Gruppe vor vergleichsweise kurzer Zeit hin. Die Schädelknochen dieser Individuen wurden mit denen von – unvermischten – Neandertalern sowie mit frühen und jüngeren Individuen des Homo sapiens aus Afrika verglichen. Die Forscherinnen untersuchten drei Schädelregionen, den Unterkiefer, die Hirnschale und das Gesicht, auf Anzeichen von Hybridisierung. „Dazu gehören zum Beispiel Übergangsformen zwischen Neandertalern und anatomisch modernen Menschen in der Morphologie, Zahnanomalien oder ungewöhnliche Größen. Dies sind Merkmale, wie sie bei Hybriden verschiedener Säugetiere, einschließlich der Primaten, zu finden sind“, erklären Harvati und Ackermann. Ihre Studie zeigte, dass Anzeichen der Hybridisierung in der Hirnschale und im Unterkiefer erkennbar sind, nicht aber in den Gesichtern.</p><p>Bei den Individuen mit bekanntem genetischem Hintergrund untersuchten die Forscherinnen auch, ob das Ausmaß der Hybridisierungsmerkmale am Skelett mit dem Prozentsatz der Neandertalerverwandtschaft übereinstimmte. Das war nicht der Fall. „Wahrscheinlich ist es entscheidender, ob bestimmte genetische Varianten vorhanden sind, als der Anteil der Neandertalerverwandtschaft insgesamt“, sagen die Forscherinnen.</p><p>Harvati und Ackermann identifizierten einige der untersuchten Individuen als potenzielle Hybride, darunter welche aus dem Nahen Osten – einer Region, in der die Gruppen bekanntermaßen aufeinandertrafen, – aber auch einige aus West- und Osteuropa. „Wenn möglich, sollte der Hybridstatus eines Individuums anhand genetischer Daten bestätigt werden, weshalb wir unsere Ergebnisse als zu prüfende Hypothesen betrachten“, sagt Harvati. Dies sei die erste Studie dieser Art, sagt sie: „Wir hoffen, dass sie auch andere Forscher ermutigt, diese Fossilien genauer zu untersuchen und mehrere Beweislinien zu kombinieren, um Hybridisierungen zu erkennen.“</p><h3>Wegbereiter der Evolution</h3><p>Bei anderen Organismen – von Pflanzen bis hin zu großen Säugetieren – ist bekannt, dass Hybridisierung vielfältige und ungewöhnliche evolutive Innovationen erzeugt. „Man schätzt, dass etwa zehn Prozent der Tierarten Hybride hervorbringen, darunter zum Beispiel Rinder, Bären, Katzen und Hundeartige“, sagt Ackermann. Auch bei Primaten, unseren nahen Verwandten, seien Hybride bekannt, etwa bei den Pavianen. „Da die Hybridisierung neue Variationen einführt und neue Kombinationen von Varianten schafft, kann dies eine besonders schnelle Evolution ermöglichen, insbesondere wenn neue oder sich verändernde Umweltbedingungen herrschen“, sagt sie.&nbsp;</p><p>Daher könnten frühe Menschen durch Hybridisierung genetische und anatomische Merkmale erlangt haben, die ihnen bei der Ausbreitung von Afrika aus über die ganze Welt wichtige Vorteile verschafften und zu unserer heutigen physisch vielfältigen und evolutionär widerstandsfähigen Art führten, erklären die Autorinnen.</p><p>Publikation:<br> Harvati K., Ackermann R.R.: Merging morphological and genetic evidence to assess hybrid-ization in Western Eurasian Late Pleistocene hominins. Nature Ecology &amp; Evolution,<br><a href="https://doi.org/10.1038/s41559-022-01875-z" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41559-022-01875-z</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83721</guid><pubDate>Tue, 30 Aug 2022 11:06:35 +0200</pubDate><title>Wie Wertvorstellungen unsere Wahrnehmung beeinflussen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-wertvorstellungen-unsere-wahrnehmung-beeinflussen/</link><description>Was wir in unserer Umwelt wahrnehmen ist manchmal das Ergebnis eines wertbasierten Entscheidungsprozesses, so eine aktuelle Literaturanalyse in der Fachzeitschrift Neuron.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Für uns Menschen erscheint das, was wir sehen, ein unkomplizierter Vorgang zu sein. Tatsächlich aber sind die hierfür zugrunde liegenden Berechnungen unseres Gehirns überraschend komplex. Eine aufschlussreiche Möglichkeit, Wahrnehmungsprozesse wissenschaftlich näher zu untersuchen, besteht zum Beispiel darin, Testpersonen visuellen Reizen auszusetzen, die ihnen nicht eindeutig interpretierbar erscheinen. Bei solch widersprüchlichen Wahrnehmungen, wie sie zum Beispiel von Kippbildern bekannt sind, tendiert das Gehirn dazu, zwischen verschiedenen Interpretationen hin und her zu schalten. Dieser Verschaltungsprozess folgt bestimmten Regeln, die unter dem Begriff der multistabilen Wahrnehmung erfasst sind. Neurowissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik und der Universität Tübingen haben eine umfassende Literaturanalyse zu Aspekten der multistabilen Wahrnehmung unternommen. In ihrer nun in der Fachzeitschrift Neuron veröffentlichten Studie stellen sie fest, dass diese Schaltungen von Wertvorstellungen wie dem emotionalen Gehalt eines Bildes bestimmt sind. &nbsp;</p><p>Die Max-Planck-Wissenschaftler Shervin Safavi und Peter Dayan stützen sich auf empirische Erkenntnisse und wissenschaftliche Konzepte mehrerer Jahrhunderte und interpretieren sie aus Perspektive der Mathematik und Algorithmik neu. Eine altehrwürdige Idee von Herrmann von Helmholtz besagt, dass das Gehirn Impulse unserer Netzhaut im Kontext voreingestellter Mechanismen und vergleichbarer Wahrnehmungen interpretiere. Dieser Umstand jedoch würde eine immense rechnerische Belastung bedeuten, da das Gehirn eine überwältigende Fülle möglicher Situationen des Abgleichs unternehmen müsste; zugleich bleibt diese Ansicht statistisch herausfordernd, da die von unseren Augen weitergegebenen Informationen von einem bestimmten Blickpunkt heraus erfolgen und immer nur einen Bruchteil der realen Szenerie wiedergeben können.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83163</guid><pubDate>Thu, 18 Aug 2022 11:43:51 +0200</pubDate><title>Wenn glatten Muskelzellen die Kraft fehlt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wenn-glatten-muskelzellen-die-kraft-fehlt/</link><description>Team der Universität Tübingen entdeckt an Mäusen, wie es zu Missbildungen der Blutgefäße kommen kann – Neue Einblicke in bestimmte Netzhauterkrankungen des Auges</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Herz pumpt Blut durch das Gefäßsystem und versorgt die Zellen mit Sauerstoff und Energie. Die Feinregulierung des Blutflusses übernehmen glatte Muskelzellen in den Gefäßen. Wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen können, kann es zu Fehlbildungen und Erweiterungen des Blutgefäßsystems kommen. Das hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Alfred Nordheim vom Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Tübingen, Münster und dem schwedischen Uppsala im Tierversuch herausgefunden. Die neuen Studienergebnisse, die in der Fachzeitschrift Circulation Research veröffentlicht wurden, ließen sich experimentell auf ein Modell für eine bestimmte Netzhauterkrankung des Auges bei Frühgeborenen übertragen. Hier liefern die Studienergebnisse einen potenziellen Ansatz zu neuen Behandlungsmöglichkeiten.</p><p>In den arteriellen und venösen Blutgefäßen regeln glatte Muskelzellen durch gezieltes Zusammenziehen und Entspannen, wo mehr und wo weniger Blut hinfließt. Sie geben dem Gefäßnetzwerk außerdem die nötige Festigkeit, um dem Blutdruck standzuhalten. Im Experiment haben Alfred Nordheim und sein Team in Mäusen das Gen für den sogenannten Serum-Response-Faktor (SRF) inaktiviert, der das Kontraktionsvermögen der Zellen maßgeblich reguliert. „Das führte zu einer deutlichen Erweiterung der Blutgefäße und zu Gefäßmissbildungen“, berichtete Nordheim.&nbsp;</p><h3>Verminderte Durchblutung</h3><p>Bei den Missbildungen handele es sich um Direktverbindungen zwischen Arterien und Venen, erklärte der Forscher. „Die Arterien nehmen eine Abkürzung zu den Venen und umgehen dabei kleinste Mikrogefäße. Ähnliche Missbildungen sind auch bei bestimmten seltenen Blutgefäßkrankheiten beim Menschen bekannt. Unser Team konnte zeigen, dass durch solche Abkürzungen das umliegende Gewebe nur noch vermindert durchblutet wird.“ Durch die fehlende Festigkeit der glatten Muskelzellen sei es sogar teilweise zu Brüchen in den Gefäßen gekommen.</p><h3>Gedankensprung zu einer weiteren Erkrankung</h3><p>„Das neu gewonnene Wissen brachte uns außerdem auf die Spur einer ganz anderen Erkrankung, der sogenannten ischämischen Retinopathie. Das ist eine Netzhauterkrankung des Auges bei Frühgeborenen, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann“, berichtet der Erstautor der Studie Dr. Michael Orlich von der Universität Uppsala. Durch eine Überreaktion beim Wachstum der Blutgefäße komme es dabei zu krankhaften Veränderungen bestimmter Zellen, der Perizyten. „Die krankhaften Perizyten produzieren dabei unter anderem, ähnlich wie die glatten Muskelzellen, kontraktile Proteine“, erklärt Orlich. „Wir hatten nun erwartet, dass der Serum-Response-Faktor auch hier eine wichtige Rolle spielt. Außerdem nahmen wir anr, dass sich die Symptome der Netzhauterkrankung bessern, wenn die Überreaktion der Perizyten gedämpft wird.“</p><p>Seine Annahmen überprüfte das Forschungsteam experimentell an Mäusen, bei denen eine Erkrankung vergleichbar mit der ischämischen Retinopathie ausgelöst wurde. „Als wir den Serum-Response-Faktor in den Perizyten dieser Mäuse gezielt ausschalteten, nahmen die Krankheitssymptome ab“, fasst Orlich die Ergebnisse zusammen. So habe man einen potenziellen Ansatz für neue Behandlungsmöglichkeiten der ischämischen Retinopathien beim Menschen gewonnen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Michael M. Orlich, Rodrigo Diéguez-Hurtado, Regine Muehlfriedel, Vithiyanjali Sothilingam, Hartwig Wolburg, Cansu Ebru Oender, Pascal Woelffing, Christer Betsholtz, Konstantin Gaengel, Mathias Seeliger, Ralf H. Adams, and Alfred Nordheim: Mural Cell SRF Controls Pericyte Migration, Vessel Patterning and Blood Flow. Circulation Research,<br><a href="https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.122.321109" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.122.321109 &nbsp;</a>​​​​​​​</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83124</guid><pubDate>Mon, 15 Aug 2022 16:07:53 +0200</pubDate><title>Eröffnung der Ausstellung „Drawing in Motion“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eroeffnung-der-ausstellung-drawing-in-motion/</link><description>Der Künstler Takehito Koganezawa stellt als „Invited Artist“ gemeinsam mit Studierenden Ergebnisse eines Workshops im Museum der Universität Tübingen aus</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-83085</guid><pubDate>Fri, 12 Aug 2022 11:00:40 +0200</pubDate><title>Bundesregierung ehrt Erfindung der  Rechenmaschine </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundesregierung-ehrt-erfindung-der-rechenmaschine/</link><description>Sammlermünze erscheint im August 2023 – Gedenken an den Tübinger Wissenschaftler Wilhelm Schickard </description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Bundeskabinett hat die Prägung einer 20-Euro-Münze zum Gedenken an den Tübinger Wissenschaftler Wilhelm Schickard beschlossen. Die Bundesregierung würdigt damit die Erfindung der ersten Rechenmaschine, die Schickard vor 400 Jahren, im Jahr 1623, konstruierte. Die Münze wird im August 2023 herausgegeben und wird vor allem für Sammler geprägt.&nbsp;</p><p>„Wissenschaftler wie Wilhelm Schickard können uns auch heute noch Inspiration und Vorbild sein“, sagte Peter Grathwohl, Prorektor für Forschung und Innovation der Universität Tübingen. „Die Erfindung der Rechenmaschine ist eine außergewöhnliche Leistung, die mehr Aufmerksamkeit in Deutschland und international verdient. Wir freuen uns, dass durch eine Sammlermünze mehr Menschen von Wilhelm Schickard und seiner Erfindung erfahren.“</p><p>Schickard hatte an der Universität Tübingen Theologie studiert und wurde 1619 als Professor für Hebräisch an seine Alma Mater berufen. Später lehrte er auch Astronomie. Um sich die astronomischen Berechnungen zu erleichtert, erfand er eine Maschine, die auch große Zahlen addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren konnte. Mittels Zahnrädern gelang dem mechanischen Rechner sogar der Zehnerübertrag. &nbsp;</p><p>Seine Maschine ist nicht erhalten geblieben. In Skizzen hatte Wilhelm Schickard aber ihre Funktionsweise detailliert dem berühmten Astronomen Johannes Kepler geschildert, für den er ein eigenes Modell anfertigen lassen wollte. Bei einem Brand in der Werkstatt seines „Mecanicus“ wurde das Geschenk jedoch 1624 zerstört, bevor es überreicht werden konnte. Im Jahr 1635 starb Schickard an der Pest. Das Wilhelm Schickard Institut für Informatik der Universität Tübingen plant für den September 2023 ein Symposion zum Gedenken an den Namensgeber und seine Erfindung. &nbsp;</p><p>Das Finanzministerium würdigt den Tübinger Professor und seine Erfindung auch mit einer eigenen Briefmarke. Sie wird als eine von insgesamt 52 thematischen Neuerscheinungen im kommenden Jahr herausgebracht und kann ab dem 7. September 2023 erworben werden. Das Finanzministerium gibt in der Regel zehn bis zwölf Sammlermünzen im Jahr als „Ausdruck des kulturellen und historischen Selbstverständnisses unseres Landes“ heraus. Sie können bei der Deutschen Bundesbank und vielen Banken und Sparkassen erworben werden.&nbsp;</p><p>Das Bundesfinanzministerium hat zum Beschluss zur Sammlermünze „400 Jahre Rechenmaschine von Wilhelm Schickard“ eine Pressemitteilung veröffentlicht:<br><a href="https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Briefmarken/2022/2022-08-10-sammlermuenze-400-jahre-rechenmaschine.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Briefmarken/2022/2022-08-10-sammlermuenze-400-jahre-rechenmaschine.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82914</guid><pubDate>Tue, 09 Aug 2022 12:22:33 +0200</pubDate><title>Als der Wald die Affen verließ</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/als-der-wald-die-affen-verliess/</link><description>Ökologische Kontinuität zwischen Orang-Utans und ausgestorbenen Vorfahren unterstreicht ihre Abhängigkeit von intakten Regenwäldern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam mit Prof. Hervé Bocherens vom<span lang="en" dir="ltr"> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen und der von ihm betreuten Doktorandin Sophie G. Habinger hat im Rahmen des Kooperationsprojektes EVEPRIMASIA der Universitäten Tübingen und Poitiers (Frankreich) den Lebensraum von Orang-Utan-Vorfahren im heutigen Myanmar rekonstruiert. Die Ergebnisse der jetzt in der Fachzeitschrift „<span lang="en" dir="ltr">Scientific Reports</span>“ veröffentlichten Studie verdeutlichen die Abhängigkeit der Orang-Utans von intakten Waldflächen und die Notwendigkeit, ihre letzten Rückzugs- und Lebensräume zu schützen.</p><p>Im Unterschied zu anderen Menschenaffen wie Gorillas oder Schimpansen sind von Orang-Utans (Pongo) gleich mehrere fossile Vorfahren bekannt. Heute sind Orang-Utans nur noch auf den südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra heimisch und dort stark bedroht. „Das Verbreitungsgebiet ihrer Vorfahren im späten Miozän dagegen erstreckte sich über ein riesiges Gebiet von der Türkei, über das östlichste Pakistan, Indien, Nepal und Myanmar bis nach Thailand“, berichtet Paläobiologin Sophie Habinger. Im Zentrum der Studie steht der Orang-Utan-Vorfahr <em>Khoratpithecus ayeyarwadyensis</em>, dessen Fossilien in der Irrawaddy-Formation im heutigen Myanmar gefunden wurden, sowie weitere fossile Vertreter der Subfamilie Ponginae wie Indopithecus, Sivapithecus und Gigantopithecus. Die Rekonstruktion ihres Lebensraums und dessen Nutzung ermöglicht wichtige Rückschlüsse für die Bedürfnisse und den Schutz heutiger Orang-Utans: „Um effiziente Strategien zum Schutz bedrohter Arten auszuarbeiten, brauchen wir ein gutes Verständnis ihrer ökologischen Flexibilität. Ein Weg, an diese Information zu gelangen, ist die Erforschung der Ökologie ihrer Vorfahren“, erläutert Letztautor Hervé Bocherens.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82701</guid><pubDate>Tue, 02 Aug 2022 10:10:00 +0200</pubDate><title>Vögel bereicherten den Speiseplan der Neandertaler</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/voegel-bereicherten-den-speiseplan-der-neandertaler/</link><description>Schlachtspuren auf Knochenfragmenten aus dem Hohle Fels geben Auskunft über das Leben vor 65.000 Jahren – 
Archäologen der Universität Tübingen präsentieren Funde im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Neandertaler in der Mittleren Altsteinzeit, vor mehr als 65.000 Jahren, auf der Schwäbischen Alb Großwild wie Rentiere, Wildpferde oder Wollnashörner jagten, gilt als wissenschaftlich gesichert. Die Jagd auf flinke, wendige Kleintiere wie Schneehühner oder -hasen hingegen wurde den Neandertalern lange nicht zugetraut. Jetzt haben Ausgrabungen in der Welterbe-Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb nahe Schelklingen für das mittlere Europa die bislang besten Belege für solche Verhaltensweisen erbracht: Auf Vogelknochen fanden sich Schlachtspuren, die von Neandertalern stammen müssen. Das Team von Professor Nicholas Conard aus der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen hat eine größere Menge rund 65.000 Jahre alter Vogelknochen geborgen, untersucht und bei einer Pressekonferenz am Dienstag als „Fund des Jahres“ vorgestellt. Die Ausgrabungsergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82677</guid><pubDate>Tue, 02 Aug 2022 09:00:00 +0200</pubDate><title>Medizinische Fakultät stärkt Hochschullehre</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/medizinische-fakultaet-staerkt-hochschullehre/</link><description>Neu gegründetes „TIME - Tübingen Institute for Medical Education“ bündelt praktische Ausbildung Studierender, Professionalisierung der Lehre und Forschungsprojekte zur Medizindidaktik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Medizinische Fakultät Tübingen bündelt ihre Angebote zur medizinischen Lehre: Das neu gegründete TIME (Tübingen Institute for Medical Education) steuert künftig sämtliche Aktivitäten im Bereich der Hochschuldidaktik der Medizin und medizinnaher Studiengänge. Das Institut ist das erste seiner Art in Baden-Württemberg. Direktorin Professorin Anne Herrmann-Werner hat zudem die landesweit erste Professur für Medical Education mit Schwerpunkt Medizindidaktik inne.</p><p>Mit dem neuen Institut werden das bisherige Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in der Medizin und der Skillsbereich „DocLab" zusammengeführt. In einem interdisziplinärem Lehrangebot erlernen Studierende der Medizin und medizin-naher Studiengängen hier schon seit 2011 praktische Fertigkeiten, von der Blutabnahme bis zum schwierigen Patientengespräch. Das Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in der Medizin bietet Qualifizierungskurse und Weiterbildungen für Lehrende an und begleitet sie so bei der Professionalisierung, Ausbildungsforschung, Nachwuchsförderung und Vernetzung. Ergänzend baut das TIME im neu gegründeten Bereich „Research“ einen Schwerpunkt für Forschung zur Didaktik der Medizin auf.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82478</guid><pubDate>Tue, 26 Jul 2022 10:39:00 +0200</pubDate><title>Zentrum für Digitale Bildung eröffnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zentrum-fuer-digitale-bildung-eroeffnet-2/</link><description>Universität Tübingen und Partnerinstitutionen intensivieren ihre Forschung zum Einsatz von digitalen Medien im Schulunterricht – Preise für exzellente digitale Lehre verliehen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat am Montag das neu geschaffene „Tübingen <span lang="en" dir="ltr">Center for Digital Education</span>“ eröffnet. Das Zentrum wird innovative Formen des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien erforschen, die praktische Anwendung dieser Methoden erproben und – in Zusammenarbeit mit Partnerschulen – den Transfer in die Praxis vorbereiten. Das Zentrum wird für fünf Jahre mit insgesamt 1,35 Millionen Euro von der Stuttgarter Vector Stiftung gefördert.</p><p>„Das Tübingen Center for Digital Education nimmt ein zukunftsweisendes und bedeutendes Thema in den Blick und wird erheblich zur Innovationsfähigkeit des Landes im Bildungsbereich beitragen. Ich freue mich, dass die Universität Tübingen und ihre Partner eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts adressieren: Wie wollen wir in Zukunft lernen?“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Mit hervorragenden Forschungsvoraussetzungen und Vernetzungsmöglichkeiten in der Region sei Tübingen der ideale Standort, um Antworten auf diese Frage zu formulieren.</p><p>„Deutschland hat enormen Nachholbedarf beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht und bei der Digitalisierung der Schulen insgesamt“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. Die Bundesregierung unternehme aktuell erhebliche Anstrengungen, diese Situation zu verbessern. „Die Universität Tübingen und ihre Forschungspartner aus den Bereichen Bildung, Medien und Informatik wollen auf diesem Feld in Zukunft eine Schlüsselrolle übernehmen ähnlich wie heute bereits auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82274</guid><pubDate>Thu, 21 Jul 2022 18:17:03 +0200</pubDate><title>Name Eberhard Karls Universität Tübingen bleibt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/name-eberhard-karls-universitaet-tuebingen-bleibt/</link><description>Senat der Universität lehnt Antrag von Studierenden mehrheitlich ab – Hochschulleitung sagt verstärkte Beschäftigung mit der Geschichte der Universität zu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Name Eberhard Karls Universität Tübingen bleibt bestehen. Der Senat der Universität lehnte am Donnerstag einen Antrag von Studierenden auf Umbenennung der Universität ab. Für den Antrag, Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen von Württemberg aus dem Namen der Universität zu streichen, stimmten 15 Senatsmitglieder, 16 stimmten dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Für eine Umbenennung wäre eine Zweidrittelmehrheit notwendig gewesen. Die Befürworter einer Umbenennung hatten argumentiert, beide Herrscher seien aufgrund persönlicher und politischer Verfehlungen als Namensgeber einer Universität im 21. Jahrhundert ungeeignet. So war Graf Eberhard maßgeblich seine judenfeindliche Haltung, Herzog Karl Eugen unter anderem seine Beteiligung am Soldatenhandel vorgeworfen worden. &nbsp;</p><p>„Die Universität Tübingen wendet sich seit Jahrzehnten klar gegen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus und die Benachteiligung von Minderheiten“, sagte Rektor Professor Bernd Engler nach der Entscheidung. Der tradierte Name Eberhard Karls Universität habe zudem zu keinem Zeitpunkt eine unkritische Würdigung der beiden Namensgeber bedeutet. „Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen waren Herrscherpersönlichkeiten, die Bedeutendes geleistet haben, insbesondere für die Universität, aber auch für die Stadt Tübingen und die Region Württemberg“, betonte Engler: „Zugleich waren sie Menschen, die von ihrer Zeit geprägt waren, und zum Teil völlig inakzeptable Entscheidungen getroffen haben. Sie waren Menschen mit Fehlern.“&nbsp;</p><p>Engler dankte allen Beteiligten für die konstruktive und an wissenschaftlicher Objektivität orientierte Debatte um den Universitätsnamen: „Der Senat hat sich die nun vorliegende Entscheidung nicht leicht gemacht.“ In den vergangenen Monaten sei die Namensfrage mehrfach intensiv in den Gremien der Universität diskutiert worden. Zudem habe die Hochschule in einer öffentlichen Veranstaltung am 5. Juli allen Hochschulangehörigen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit gegeben, das Für und Wider einer Umbenennung zu debattieren. „Es ist den Angehörigen der Universität hoch anzurechnen, dass die Diskussion nicht ohne Leidenschaft, aber sachlich geführt wurde und alle Beteiligten sich persönlicher Angriffe auf Andersdenkende enthalten haben“, sagte Engler. „Ich bitte alle Angehörigen der Universität Tübingen, aber auch alle Menschen, die der Hochschule seit langem verbunden sind, die nun getroffene Entscheidung zu respektieren.“</p><p>Der Rektor erklärte, ihm sei von Beginn an bewusst gewesen, dass eine Diskussion um die Umbenennung der Universität Emotionen hervorrufen würde. Dennoch habe die Universität der Diskussion nicht mehr ausweichen können, nachdem im Sommer 2019 der Studierendenrat öffentlich eine Umbenennung der Universität gefordert habe. Ihm persönlich sei es wichtig gewesen, die Debatte klar zu strukturieren, in überschaubarer Zeit abzuschließen und dann eine Entscheidung herbeizuführen, sagte Engler: „Eine jahrelange Diskussion hätte die Universität gespalten und unser wichtigstes Gut gefährdet: die Fähigkeit, gemeinsam und mit vereinten Kräften zu agieren, Herausforderungen zu meistern und unsere selbstgesetzten Ziele zu erreichen.“ &nbsp;</p><h3>Universität will sich intensiver mit ihrer Geschichte befassen</h3><p>Engler betonte, die Studierenden hätten mit ihrer Initiative eine wichtige Diskussion innerhalb der Universität sowie in Stadt und Region angestoßen. Diese habe deutlich gemacht, dass sich die Universität Tübingen intensiver als bisher mit ihrer Geschichte auseinandersetzen müsse. Zudem sei deutlich geworden, dass die Geschichte des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in Südwestdeutschland erst in Ansätzen erforscht sei. Aus diesem Grund wolle die Universität Tübingen einen Lehrstuhl für jüdische Geschichte einrichten: „Die Debatte hat gezeigt, dass die Aufarbeitung unserer Geschichte in eine neue Phase treten muss.“&nbsp;</p><p>Eine Arbeitsgruppe von Historikerinnen und Historikern unter Leitung der Direktorin des Instituts für Geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen, Professorin Sigrid Hirbodian, hatte im Frühjahr 2022 ein Gutachten zu den beiden Namensgebern vorgelegt. „Die sorgfältige Arbeit der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat eine fundierte Bewertung der Namensfrage überhaupt erst möglich gemacht“, sagte der Rektor. In ihrem Gutachten waren die Fachleute zu dem Ergebnis gekommen, dass sich bei Graf Eberhard von Württemberg aus verschiedenen zeitgenössischen Dokumenten eine judenfeindliche Haltung belegen lässt. So hatte Eberhard unter anderem entschieden, bestehende Aufenthaltsgenehmigungen für in Tübingen ansässige Juden nicht mehr zu verlängern. Zu Herzog Karl Eugen von Württemberg verwies die Arbeitsgruppe darauf, dass der Herrscher für die bereits von Zeitgenossen kritisierte Vermietung beziehungsweise den Verkauf württembergischer Soldaten an auswärtige Mächte verantwortlich war, um der Staatskasse zusätzliche Einnahmen zu sichern.&nbsp;</p><p>Dagegen verwiesen die Fachleute auch darauf, dass die Politik und der persönliche Einsatz beider Herrscher entscheidend für die Gründung der Universität Tübingen im 15. Jahrhundert beziehungsweise den Fortbestand der Universität im 18. Jahrhundert waren. Die negativen Seiten beider Persönlichkeiten werteten die Historikerinnen und Historiker als Ausdruck zeittypischer Haltungen. Graf Eberhard von Württemberg hatte die Universität Tübingen 1477 gegründet. Herzog Karl Eugen hatte die Universität im 18. Jahrhundert reformiert und wesentliche Neuerungen durchgesetzt, teils gegen den Widerstand der Professoren. Der Herzog hatte 1769 auch den bis heute gültigen Namen der Hochschule festgelegt, die als Eberhard Karls Universität auf die Vornamen beider Herrscher Bezug nimmt.</p><h3>Weblinks</h3><p>Das Gutachten zu den beiden Namensgebern der Universität finden Sie hier: &nbsp;<br><a href="/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/name-der-universitaet/" class="internal-link" title="Link zum Gutachten">https://uni-tuebingen.de/de/231839&nbsp;</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82235</guid><pubDate>Thu, 21 Jul 2022 09:55:36 +0200</pubDate><title>Ausstellung zu Schöningen: &quot;Der große Wurf“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellung-zu-schoeningen-der-grosse-wurf/</link><description>Sonderausstellung im Museum der Universität Tübingen MUT</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die archäologische Fundstelle im niedersächsischen Schöningen liefert wichtige Hinweise auf die früheste Besiedlungs- und Kulturgeschichte der Menschen Mitteleuropas vor rund 300.000 Jahren. Bereits seit 1994 finden dort kontinuierlich Ausgrabungen am Rande eines Tagebaus statt, seit 2008 unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen. Die Ausgrabungen, einige der neuen spektakulären Funde und Forschungsergebnisse werden nun in einer Wanderausstellung gezeigt, die ihre erste Station im Museum der Universität Tübingen MUT hat. Sie wird vom 29. Juli bis 3. Oktober 2022 zu sehen sein.</p><p>In Schöningen erlauben die hervorragenden Erhaltungsbedingungen am Ufer eines Sees und die vielen Hinterlassenschaften früher Menschen Einblicke in die Lebenswelt des inzwischen ausgestorbenen Homo heidelbergensis. Aus diesem außergewöhnlichen archäologischen Archiv stammen auch die berühmten altsteinzeitlichen Schöninger Speere, die als die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt gelten.</p><p>Die neue Wanderausstellung gewährt anhand von Originalfunden, Nachbildungen und Zeichnungen des Künstlers Benoît Clarys sowie großformatigem Bildmaterial Einblicke in diese längst vergangene Epoche.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-82166</guid><pubDate>Wed, 20 Jul 2022 10:07:17 +0200</pubDate><title>Sommeruniversität 2022 gibt Einblick in Spitzenforschung zu aktuellen Themen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sommeruniversitaet-2022-gibt-einblick-in-spitzenforschung-zu-aktuellen-themen/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen: Zehn Vorträge thematisieren unter anderem den Klimawandel, Geldanlagen, das kirchliche Arbeitsrecht oder Russlands Politik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals seit der Pandemie findet im August wieder die Sommeruniversität statt: In zehn Vorlesungen geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in ihre aktuelle Forschung. Die Reihe wird gemeinsam mit der Universitätsstadt Tübingen organisiert. Die Vorlesungen finden von <strong>Montag, 1. bis Freitag, 12. August jeweils um 10:15 Uhr im Hörsaal des Theologicums statt (Dauer 45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72074 Tübingen)</strong>. Anschließend kann das Publikum Fragen stellen und mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsthemen diskutieren. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><h3>Das Programm:</h3><p><strong>Montag, 1. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Mischa Meier: Die „Völkerwanderung“&nbsp;</strong></em><br> Endlose Wagentrecks, germanische und hunnische Kriegerscharen und der Untergang des Römischen Reiches: In der Forschung hat sich ein weitaus diffizileres Bild zum Begriff der „Völkerwanderung“ entwickelt als die populären Mythen. Der Vortrag ordnet die „Völkerwanderung“ aus der Perspektive der aktuellen historisch-archäologischen Forschung neu ein und thematisiert auch wirkungs- und wissenschaftsgeschichtliche Fragen.</p><p><strong>Dienstag, 2. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Olaf Kühne: Die Hochwasserkatastrophe vom Juli 2021. Konfliktäre Social-Media-Resonanzen zwischen Anteilnahme, Verschwörungstheorien und Moralisierungen</strong></em><br> Das Juli-Hochwasser des Jahres 2021 im Westen Deutschlands ist nicht nur eine folgenschwere ‚Naturkatastrophe‘, sondern hatte auch eine andauernde politische, administrative und massenmediale Resonanz. Gerade in sozialen Medien wurde die Flutkatastrophe mit starker Polarisierung verschwörungstheoretisch und moralisch aufgeladen diskutiert. Vor dem Hintergrund der Konflikttheorie Ralf Dahrendorfs erfolgt eine Einordnung wesentlicher Aspekte der Social-Media-Debatten.</p><p><strong>Mittwoch, 3. August</strong><br><strong><em>Prof. Dr. Carla Cederbaum: Relativität in Einsteins Relativitätstheorie — Bedeutung und Grenzen des Relativen</em></strong><br> „Alles ist relativ“, sagte Albert Einstein dem Volksmund zufolge. Die Wahrheit ist komplizierter: Seinen Relativitätstheorien liegt zwar die Idee zu Grunde, dass die Beschreibung von Raum und Zeit sowie von ihnen innewohnenden Phänomenen abhängig von den Beobachtenden, ergo relativ ist. Allerdings ist eben doch nicht alles relativ, manche physikalischen Größen und Eigenschaften sind von den Beobachtenden unabhängig.&nbsp;</p><p><strong>Donnerstag, 4. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Eckart Goebel: „Es ist worden spät“. Endzeit bei Lord Byron, Charles Baudelaire und Stefan George</strong></em><br> Der Vortrag bietet die detaillierte Lektüre eines Gedichtes aus dem Zyklus „Das Jahr der Seele“ von Stefan George. Gezeigt werden soll, dass George in dieses Endzeitgedicht raffiniert Bezüge auf Gedichte anderer Lyriker einwebt, auf Goethes Prometheus, Byrons Darkness und Baudelaires Sonett über den Untergang der romantischen Sonne. Auf engstem Raum entsteht eine Miniaturgeschichte moderner Lyrik, von deren Glut nur noch graue Asche in eisiger Mondnacht geblieben ist.</p><p><strong>Freitag, 5. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. med. Juliane Walz: Peptid-basierte Immuntherapie: T-Zellen im Kampf gegen COVID-19</strong></em><br> Juliane Walz und ihr Team haben einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der T-Zell-vermittelten Immunität gegen SARS-CoV-2 geleistet und die Grundlage für die Entwicklung eines Multi-Peptid-Impfstoffs gegen COVID-19 geschaffen. Bisherige Corona-Impfstoffe zeigen bei Patienten mit Immunschwäche kaum Wirkung. Ein solcher Multi-Peptid-Impfstoff könnte diese Lücke schließen. Er befindet sich bereits in einer ersten klinischen Prüfung.&nbsp;</p><p><strong>Montag, 8. August</strong><br><em><strong>Dr. Ralf Frankenberger: Russland – eine lupenreine Diktatur</strong></em><br> Nach den Wirren der Jelzin-Ära schaffte es Präsident Wladimir Putin das politische System zu stabilisieren – indem er das Land grundlegend reformierte. Dabei handelte es sich jedoch mitnichten um eine Demokratisierung, sondern die Transformation in eine lupenreine Diktatur. Der Vortrag zeigt auf, wie und entlang welcher Entwicklungslinien dies geschah, welche Rolle dabei die neue russische Ideologie spielt und warum mit einer Öffnung kaum zu rechnen ist.</p><p><strong>Dienstag, 9. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Hermann Reichold: Aufbruch zu einem neuen Arbeitsrecht der katholischen Kirche</strong></em><br> Die Kirchen sind nach dem Staat Deutschlands größter Arbeitgeber – nehmen aber mit Vorschriften zu den „Loyalitätsobliegenheiten“ ihrer Mitarbeitenden eine absolute Sonderrolle im Arbeitsrecht für sich in Anspruch. Diese wurde durch die Kampagne #OutInChurch, die sich für die Rechte von LGBTIQ+-Personen am kirchlichen Arbeitsplatz einsetzt, stark erschüttert. Die sogenannte „Grundordnung“ wird nun überarbeitet und liberalisiert – darüber wird zu reden sein.</p><p><strong>Mittwoch, 10. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Susanne Marschall: Die wunderbare Welt der Farbe im Kino</strong></em><br> Als Element künstlerischer Gestaltung auf der Leinwand bewegen sich die Farben des Films in einem reichen Beziehungsgefüge zwischen Wahrnehmung und Erinnerung, Technik- und Filmgeschichte. In die Filmästhetik fließen künstlerische Handschriften, kulturelle Kontexte und auch Modeerscheinungen ein. Der Vortrag vertieft sich anhand ausgewählter Filmbeispiele in die wunderbare Welt der Filmfarben und deren subtile Wirkung auf das Publikum.</p><p><strong>Donnerstag, 11. August</strong><br><em><strong>Dr. Holger Euchner: Negative Emissionstechnologien – eine mögliche Antwort auf die Klimakrise?</strong></em><br> Um die Klimaziele zu erreichen, sehen realistische Szenarien neue Methoden zur Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre vor, sogenannte negative Emissionstechnologien. Nach einer Einführung in verschiedene Szenarien der Klimaforschung werden Möglichkeiten zur Reduktion des CO2 Gehalts in der Atmosphäre vorgestellt. Insbesondere geht es um das Projekt „NETPEC“ und Einblicke in den dort gewählten solarbasierten, photoelektrochemischen Ansatz sowie in die aktuelle Tübinger Forschung in diesem Feld.</p><p><strong>Freitag, 12. August</strong><br><em><strong>Prof. Dr. Monika Gehde-Trapp: Nachhaltig, digital oder doch ganz einfach investieren?</strong></em><br> Investieren und profitieren mit gutem Gewissen? Die Welt verbessern und via Krypto-Assets als ungerecht empfundene Strukturen umgehen? Was Werbung, ManagerInnen und InfluencerInnen preisen, braucht einen kritischen Blick. Denn nicht nur der Vermögensverwalter DWS ringt aktuell um Klarheit beim nachhaltigen Investieren. Auch der vermeintlich krisensichere Bitcoin ist als das „neue Gold“ entzaubert. Der Vortrag räumt mit Mythen auf und vermittelt einen wissenschaftlich fundierten Blick – für Gewissen und Anlageerfolg.&nbsp;</p><p>Programm unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a>&nbsp;und als Programmheft erhältlich in öffentlichen Stellen und beim Fachbereich Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen. Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81938</guid><pubDate>Wed, 13 Jul 2022 20:00:00 +0200</pubDate><title>Marder, Vielfraße, Stinktiere und Rote Pandas: Hammerschmiede war ein Paradies für kleine Raubtiere</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/marder-vielfrasse-stinktiere-und-rote-pandas-hammerschmiede-war-ein-paradies-fuer-kleine-raubtiere/</link><description>Team des Senckenberg Centres for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen entdeckt hohe Diversität kleiner Fleischfresser an der Fundstelle im Allgäu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mindestens 20 Arten kleiner Raubtiere lebten vor 11,5 Millionen Jahren im heutigen Allgäu: Dies hat ein internationales Forschungsteam bei der Untersuchung von Fossilien aus der Fundstelle Hammerschmiede in Bayern nachgewiesen. Der Ort steht seit 2019 im Interesse der Forschung, weil dort der bereits aufrechtgehende Menschenaffe <em>Danuvius guggenmosi</em>, genannt Udo, entdeckt wurde. Zu dem aktuellen Hammerschmiede-Team gehörten Nikolaos Kargopoulos von der Universität Tübingen, Wissenschaftler aus Saragossa und Barcelona sowie Professorin Madelaine Böhme vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment </span>an der Universität Tübingen. Ihre Arbeit wurde im Fachjournal <span lang="en" dir="ltr"><em>PLOS ONE</em></span> veröffentlicht.</p><p>Die jüngsten Ausgrabungen in der Hammerschmiede unter der Leitung von Professorin Madelaine Böhme haben eine außergewöhnliche Vielfalt an fossilen Tieren und Pflanzen zutage gefördert, darunter mehr als 350 Einzelfunde von Raubtieren. Viele der entdeckten Fleischfresser waren semiaquatisch, lebten also sowohl an Land als auch im Wasser, oder hatten eine kletternde Lebensweise. „So konnten sich die Arten an den bewaldeten Fluss anpassen, der zu jener Zeit in der Region vorhanden war“, sagt Böhme.</p><h3>Unterschiedliche ökologische Nischen</h3><p>Unter den von der Fundstelle nachgewiesenen Raubtieren sind vier marderähnliche Arten, zwei Verwandte des heutigen Vielfraßes, vier Otterarten, drei Arten Stinktiere, zwei Arten aus der Verwandtschaft des Roten (Zwerg-)Pandas, drei verschiedene Ginsterkatzen sowie einige Arten von Gruppen, von denen es heute keine lebenden Vertreter mehr gibt. Für den Doktoranden Nikolaos Kargopoulos, den Erstautor der Studie, ist ein sehr gut erhaltener Schädel eines Marders (<em>„Martes“ sansaniensis</em>) eines der beeindruckendsten Fundexemplare. „Dieser gehört in eine bislang unbekannte Gattung großer, ausgestorbener Marder“, resümiert er.&nbsp;</p><p>Die Forscher entdeckten außerdem eine für die Wissenschaft neue Art eines Wiesels – mit nur ein bis drei Kilogramm Körpergewicht eines der kleinsten Raubtiere aus der Hammerschmiede. Spezialanpassungen im Gebiss verraten, dass diese Art sich ausschließlich von Fleisch ernährte. Die Wissenschaftler gaben ihr den Namen <em>Circamustela hartmanni</em>, um die Familie Hartmann, die Grundstückseigentümer der Hammerschmiede, zu ehren, die Grabungen auf ihrem Grund über all die Jahre hinweg ermöglicht hat.</p><p>Madelaine Böhme zufolge sind in Europa Fossilien aus der Zeit vor 11,5 Millionen Jahren von Vielfraßen, Stinktieren und auch Roten Pandas durchaus zu erwarten gewesen, jedoch nicht in dieser hohen Konzentration und Artenzahl. „Eine mit 20 Arten so außergewöhnlich große Vielfalt an kleinen Raubtieren an ein und demselben Fundort deutet darauf hin, dass das damalige Ökosystem blühte und all diese verschiedenen Formen ernähren konnte“, sagt sie. „Ausgehend von den Ergebnissen einer Analyse der Körpermasse sowie der Ernährungs- und Fortbewegungsgewohnheiten der entdeckten Arten nahm jede von ihnen eine andere Rolle im Ökosystem ein. Sie nutzten verschiedene natürliche Ressourcen und konnten so Konkurrenz vermeiden“, betont Kargopoulos.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81836</guid><pubDate>Tue, 12 Jul 2022 11:33:34 +0200</pubDate><title>Auszeichnung für Archäologinnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auszeichnung-fuer-archaeologinnen/</link><description>Ländliche Kirchen und die städtischen Eliten des Mittelalters: Barbara-Scholkmann-Förderpreis der Universität Tübingen zeichnet Promotionen aus – Erstmals Würdigung für die beste Masterarbeit</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81728</guid><pubDate>Fri, 08 Jul 2022 10:00:00 +0200</pubDate><title>Aus den Augen, schnell aus dem Sinn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aus-den-augen-schnell-aus-dem-sinn/</link><description>Objekte in zentraler Blickrichtung können wir sehr schlecht aus dem Kurzzeitgedächtnis abrufen – obwohl wir diesen Bereich am schärfsten sehen, berichten Tübinger Hirnforschende</description><content:encoded><![CDATA[<p>Unser Sehvermögen ist im Bereich der Sehgrube (lat. <em>Fovea centralis</em>) am schärfsten. Paradoxerweise können wir diesen Teil des Gesichtsfeldes extrem schlecht aus dem Kurzzeitgedächtnis abrufen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Professor Dr. Ziad Hafed und seinem Team vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen. Die neuen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sind sowohl für das medizinische Verständnis von Erkrankungen als auch für die technologische Anwendung interessant. Die Forschenden haben ihren Befund in der Fachzeitschrift <em>PNAS </em>publiziert.</p><p>„Wir Menschen verlassen uns in hohem Maße auf das foveale Sehen“, erklärt Erstautor Konstantin Willeke. „Das ist der Bereich, auf den wir unseren Blick richten. Hier sehen wir Objekte am schärfsten. Menschen und Gegenstände, die außerhalb unserer Blickrichtung liegen, nehmen wir mit zunehmendem Abstand verschwommener wahr.“ Zur Veranschaulichung empfiehlt Willeke folgenden Selbsttest: Wenn wir jemandem direkt in die Augen schauen und ihn bitten, farbige Stifte neben sein Ohr zu halten, erkennen wir nicht, wie viele Stifte er hochhält oder welche Farben sie haben. Die Augenfarbe unseres Gegenübers könnten wir stattdessen problemlos beschreiben.&nbsp;</p><p>Doch scheinen nicht alle Sehinformationen aus der zentralen Blickrichtung anschließend gut im Gedächtnis zu bleiben. Das stellten die Tübinger Hirnforschenden fest, als sie untersuchten, mit welcher Genauigkeit foveale Bilder im Kurzzeitgedächtnis repräsentiert werden.&nbsp;</p><p>Sie präsentierten gesunden Versuchspersonen einen kleinen Lichtreiz auf einem Bildschirm. Dieser konnte an ganz unterschiedlichen Stellen erscheinen. Nachdem er verschwunden war, sollten die Personen aus dem Gedächtnis die Position angeben.</p><p>Das Ergebnis: Die größten Abweichungsfehler machten die Versuchspersonen bei den Lichtreizen, die im Bereich des fovealen Sehens präsentiert wurden. „Das lässt vermuten, dass die Repräsentation im Kurzzeitgedächtnis stark verzerrt ist,“ so Studienleiter Hafed. „Die Verzerrungen spiegeln wahrscheinlich den Aufbau unseres Sehsystems wider.“&nbsp;</p><p>Um eine hohe visuelle Auflösung zu erreichen, würden Sehreize aus der Sehgrube von einer verhältnismäßig großen Anzahl an Nervenzellen im Gehirn verarbeitet. Ihre mentale Repräsentation sei daher vergrößert. Reize aus den Randbereichen des Gesichtsfeldes würden hingegen von weniger Nervenzellen verarbeitet, ihre mentale Repräsentation sei folglich kleiner. „Orientiert sich die Versuchsperson bei der Gedächtnisaufgabe im mentalen Raum und überträgt die Entfernungen dann auf die Außenwelt, kommt es zu den relativen Abweichungsfehlern“, erklärt Hafed. „Diese sind für foveale Sehreize logischerweise größer als für Sehreize aus der Peripherie.“&nbsp;</p><p>Die neuen Erkenntnisse sind hilfreich, um neurologische Erkrankungen besser zu verstehen, bei denen etwa die Körperwahrnehmung gestört ist. Sie sind ebenfalls für den IT-Bereich interessant. So könnten sie helfen, virtuelle Realitäten zu optimieren. Die präsentierten Bilder könnten mithilfe eines Eyetrackers – eines Geräts, das Blickbewegungen aufzeichnet und analysiert – etwa so aufgebaut werden, dass bestimmte Bereiche besser oder schlechter erinnert würden.&nbsp;</p><p>„Als Menschen empfinden wir das Sehen als mühelos,“ sagt Hafed. „Das ist aber eine Illusion. Hinter unserem subjektiven Gefühl verbirgt sich eine enorm komplexe rechnerische Verarbeitung im Gehirn.“ Neben Hafed und Willeke waren Dr. Araceli Cardenas und Dr. Joachim Bellet an der Studie beteiligt.&nbsp;<br> &nbsp;</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Willeke, K.F et al. (2022): Severe distortions in the representation of foveal visual image locations in short-term memory. PNAS 119 (24) e2121860119 doi: <a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2121860119" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2121860119</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81620</guid><pubDate>Wed, 06 Jul 2022 20:00:00 +0200</pubDate><title>Frühe Steinwerkzeuge waren keine Raketenwissenschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehe-steinwerkzeuge-waren-keine-raketenwissenschaft/</link><description>Menschen stellen einfache Werkzeuge spontan her: Tübinger Experiment hinterfragt Annahme, dass Steinwerkzeuge vor 2,6 Millionen Jahren den Beginn der menschlichen Kultur darstellen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Steinwerkzeuge aus archäologischen Ausgrabungen ‒ einige bis zu 2,6 Millionen Jahre alt – gelten Vielen als Beleg für den Beginn der menschlichen Kultur in der Evolution. Aber zeigen sie tatsächlich, dass unsere Vorfahren bereits zu diesem Zeitpunkt geistig und kulturell zu Menschen wurden? Diese herkömmliche Interpretation haben Dr. Claudio Tennie und William Snyder aus der Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen in einem vom Europäischen Forschungsrat (ERC) finanzierten Forschungsprojekt überprüft. Sie kommen zu einem anderen Schluss: Wie ein Experiment zeigte, können die frühesten Techniken zur Herstellung von Steinwerkzeugen auch ohne kulturelle Weitergabe spontan neu erfunden werden. Sie seien also kein Beweis für den Beginn der menschlichen Kultur, die möglicherweise erst viel später begonnen habe, urteilen die Forscher. Die Studie wurde im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.&nbsp;</p><h3>Von Grund auf neu hergestellte Werkzeuge</h3><p>Das Team um Dr. Claudio Tennie und William Snyder hatte eine experimentelle Studie mit 28 Erwachsenen ohne archäologische Vorbildung durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden gebeten, eine Kiste zu öffnen, die eine finanzielle Belohnung enthielt. Sie konnten dafür zur Verfügung gestellte Rohstoffe – eine bemalte Glashalbkugel, einen mittelgroßen Flusskiesel und einen großen Granitblock – auf jede ihnen geeignet erscheinende Weise verwenden, um im Anschluss ein Seil zu zertrennen, das die Kiste verschlossen hielt.&nbsp;</p><p>Die Teilnehmenden erhielten vorab keine Informationen zur Herstellung oder Verwendung von Steinwerkzeugen, und 25 von ihnen gaben im Anschluss an die Studie an, keinerlei Vorkenntnisse zur Herstellung von Steinwerkzeugen zu haben. Trotzdem erfand eine deutliche Mehrheit spontan mindestens eine dieser Techniken und nutzte die hergestellten Werkzeuge, um das Seil zu zerschneiden. Laut Autoren wurden sogar ohne Ausnahme alle bisher beschriebenen Herstellungstechniken früher Steinwerkzeuge von unerfahrenen Probandinnen und Probanden von Grund auf neu erfunden. &nbsp;</p><p>„Diese Daten widerlegen die frühere Annahme, dass die Herstellung von Steinwerkzeugen schwierig sein muss oder gar unmöglich, wenn es keine Vorbilder gibt, die man kopieren kann“, sagt Studienleiter Claudio Tennie. Wären die frühesten Steinwerkzeuge der menschlichen Geschichte tatsächlich der erste Ausdruck menschlicher Kultur, wie bislang meist angenommen, dann hätten sie im Experiment nicht Gegenstand spontaner Innovation sein können, so Tennie. Es wäre dann schlicht nicht möglich, dass sie ‚aus dem Nichts‘ neu entstehen, ohne dass die ihnen zugrundeliegenden Techniken kulturell weitergegeben wurden.</p><p>„Diese Ergebnis überraschte andere Forscher, die wir vor Veröffentlichung unserer Ergebnisse befragten“, sagt Tennie. „Sie waren der Überzeugung, dass die Herstellung von Steinwerkzeugen immer das Kopieren ihrer Herstellungstechniken voraussetzt. Das ist aber nicht der Fall.“&nbsp;</p><p>„Dass es vor 2,6 Millionen Jahren Steinwerkzeuge gab, ist kein zuverlässiger Beweis mehr dafür, dass unsere Vorfahren in der frühesten Steinzeit eine Kultur wie die unsere hatten“, resümiert William Snyder. „Wir müssen jetzt viel spätere Zeiträume für die Entstehung der menschlichen Kultur betrachten."&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81353</guid><pubDate>Wed, 29 Jun 2022 14:43:22 +0200</pubDate><title>Start des Zertifikatsstudiums zur Förderung begabter Kinder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/start-des-zertifikatsstudiums-zur-foerderung-begabter-kinder/</link><description>Neues Angebot an der Universität Tübingen vermittelt Kompetenzen im Umgang mit besonders begabten Schülerinnen und Schülern</description><content:encoded><![CDATA[<p>An Schulen kommen Kinder mit unterschiedlichen kognitiven Lernvoraussetzungen, Interessen und Bedürfnissen zusammen, die im Unterricht berücksichtigt werden sollten. „Die Förderung besonders begabter oder hochbegabter Schülerinnen und Schüler liegt dabei oftmals nicht im Fokus des Schulalltags – obwohl es in fast jeder Schule Kinder mit besonderen Begabungen gibt“, erklärt Professor Ulrich Trautwein vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen.</p><p>Aus diesem Grund startet die Universität Tübingen in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) das berufsbegleitende kostenpflichtige Zertifikatsstudium „Begabtenförderung und Potenzialentwicklung“. Im Rahmen des neuen Qualifizierungsangebots sollen Lehrkräfte, Schulleitungen, Personen mit Beratungs- und Unterstützungsauftrag sowie in der Aus- und Fortbildung Tätige und weitere Interessierte dazu befähigt werden, kompetent im Umgang mit Begabten und Hochbegabten zu agieren.&nbsp;</p><p class="align-center">Eine Online-Informationsveranstaltung für alle Studieninteressierten findet am<br><strong>Donnerstag, den 14. Juli 2022, um 16 Uhr</strong><br> statt. Zur Anmeldung siehe unten.</p><p>Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Grundlagenwissen zu Begabung und Begabtenforschung, Diagnostik von Potenzialen, Begabtenförderung, Lehr-Lern-Prozesse im Unterrichtsgeschehen und Beratung, Schulentwicklung und Netzwerkstrukturen. Durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis können Absolventinnen und Absolventen ihre bisherigen Kompetenzen und ihr Erfahrungswissen reflektieren und die im Studium neu erworbenen Kompetenzen im beruflichen Alltag anwenden – beispielsweise im Rahmen der Hector Kinderakademien, einem Förderprogramm für besonders begabte und hochbegabte Grundschulkinder. So trägt das Studium zu einer hohen beruflichen Identifikation und Selbstwirksamkeit sowie zu einer Verbesserung der Qualität im Bildungssystem bei.</p><p>Das Zertifikatsstudium umfasst 20 Monate und wird zum Teil in Präsenz und teilweise in Form von Webinaren durchgeführt, sodass eine berufsbegleitende Teilnahme ermöglicht wird. Der Start ins Studium erfolgt im Herbst 2022. Bewerbungen sind bis 15. September 2022 möglich. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums wird ein Zertifikat verliehen.</p><h3>Anmeldung</h3><p>zur Online-Informationsveranstaltung am 14. Juli 2022, 16 Uhr, per E-Mail an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,DwRBjkd0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">BuP<span style="display:none">spam prevention</span>@hib.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;oder über <a href="https://eveeno.com/infoveranstaltung_zertifikatsstudium" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://eveeno.com/infoveranstaltung_zertifikatsstudium</a></p><p><a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/hector-institut-fuer-empirische-bildungsforschung/studium/zertifikatsstudium-begabtenfoerderung/" class="internal-link">Weitere Informationen zum Zertifikatsstudium</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81275</guid><pubDate>Tue, 28 Jun 2022 14:16:06 +0200</pubDate><title>Love in culture and the brain</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/love-in-culture-and-the-brain/</link><description>CIN Dialogues führen interdisziplinäres Gespräch an der Schnittstelle von Neurowissenschaft und Soziologie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was bedeuten Liebe und Partnerschaft heute und wie haben sie sich in Zeiten des Internet-Datings verändert? Das Konzept der romantischen „Liebe“ ist Thema der CIN Dialogues, zu denen das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften und das College of Fellows einladen. Die Soziologin Eva Illouz von der Universität Jersualem und der Neurowissenschaftler Larry Young von der Emory Universität in Atlanta, USA diskutieren über das Konzept der romantischen „Liebe“ aus ihrer jeweiligen Fachperspektive:&nbsp;</p><p class="align-center"><strong>Am Donnerstag, 7. Juli um 19:15 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz). Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.&nbsp;<br> Es ist keine Anmeldung nötig. Um das Tragen einer Maske während der Veranstaltung wird gebeten.</strong></p><p>Das Konzept der „Liebe“ und romantische Beziehungen sind nicht nur Gegenstand psychologischer und soziologischer, sondern auch neurowissenschaftlicher Forschung. Die Neurowissenschaften erforschen neurobiologische und genetische Grundlagen der Liebe und der Mechanismen, auf denen unser Sozialverhalten beruht. Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler behaupten sogar, die neurologische Fundierung der Liebe sei eines der Phänomene, die am besten verstanden sind. Aus beiden Perspektiven, der Soziologie und der Neurowissenschaft, können wir also aktuelle Antworten auf die Frage erwarten, wie eine angemessen komplexe Beschreibung des Konzepts „Liebe“ aussehen kann.</p><p>Wie also hat sich das Konzept der Liebe verändert – insbesondere durch Dating-Plattformen als zentralem Ort für die Anbahnung romantischer Kontakte? Gibt es einen kulturellen Einfluss auf die Liebe selbst, oder nur auf die Art und Weise, wie wir sie suchen und zeigen? Und können NeurowissenschaftlerInnen und SoziologInnen voneinander lernen, wonach sie suchen sollten, wenn sie erforschen, was Liebe heute bedeutet? Dies sind einige der Fragen, die Eva Illouz und Larry Young diskutieren werden. Das Gespräch moderiert Wissenschaftsjournalistin Alison Abbott (Nature).&nbsp;</p><p>Im Vorfeld des CIN Dialogs findet um 16 Uhr die feierliche Eröffnung des Cognitive Science Centers (CSC) Tübingen mit dem Vortrag „Natural concepts in humans and in machines: A design perspective“ des renommierten Kognitionswissenschaftlers Professor Peter Gärdenfors (Lund Universität) statt.&nbsp;</p><p><strong>Eva Illouz</strong> ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem und Directrice d'études an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Soziologie der Kultur, der Geschlechter, des Kapitalismus sowie die Geschichte und Soziologie der Emotionen. In ihrer Arbeit untersucht sie u.a., wie die öffentliche Kultur und der Kapitalismus das Gefühlsleben prägen, die Kommerzialisierung der Romantik sowie die Bedeutung von Freiheit, Wahlmöglichkeiten und Individualismus in der modernen Welt. Die Zeit wählte sie zu einer der 12 Intellektuellen, die das Denken der Zukunft prägen werden.&nbsp;</p><p><strong>Larry Young</strong> ist Direktor des Center for Translational Social Neuroscience (CTSN) und des Silvio O. Conte Center for Oxytocin and Social Cognition an der Emory University. Youngs Forschung befasst sich mit den genetischen, zellulären und neurobiologischen Mechanismen, welche Beziehungen zugrunde liegen und das Sozialverhalten regulieren. Er hat die zentrale Rolle der Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin bei der neuronalen Verarbeitung sozialer Signale identifiziert und erforscht Verbindungen zur Grundlage von Sucht. Dieses Verständnis nutzt sein Labor, um Medikamente zur Behandlung psychiatrischer Störungen zu finden.&nbsp;</p><p><strong>Alison Abbott</strong> promovierte in Pharmakologie an der Universität von Leeds. Sie war Redakteurin von Trends in Pharmacological Sciences, und von 2014 bis 2018 Vorsitzende des FENS-Kommunikationsausschusses. Für ihre Arbeit hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Euroscience Science Writers Award (2009), den Medical Journalists Association Award (2015) und den ABSW Science Journalist of the Year Award (2018).</p><h3>Über die CIN Dialogues</h3><p>Immer häufiger wird menschliches Verhalten und Handeln erfolgreich auf neuronale Prozesse zurückgeführt. Das stellt die Geistes- und Sozialwissenschaften, in deren Kompetenzbereich solche Fragen bislang fielen, vor Herausforderungen, bietet aber auch die einmalige Chance zu interdisziplinärer Forschungsarbeit. Die CIN Dialogues tragen dazu bei, den Austausch zwischen Neurowissenschaften und Geistes- und Sozialwissenschaften über den rein akademischen Bereich hinaus sichtbar zu machen und in die Gesellschaft zu tragen. (<a href="/forschung/forschungsschwerpunkte/cin/ueber-das-cin/" class="internal-link">www.cin.uni-tuebingen.de </a>/ <a href="https://uni-tuebingen.de/de/218658)" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/218658)</a></p><h3>Die Daten auf einen Blick</h3><p>CIN DIALOGUES AT THE INTERFACE OF THE NEUROSCIENCES AND THE ARTS AND HUMANITIES – ein interdisziplinäres Gespräch –&nbsp;<br><strong>Gäste:</strong><br> Professor Dr Eva Illouz, Hebrew University of Jerusalem<br> Professor Dr Larry Young, Emory University, Atlanta<br> Moderation: Dr Alison Abbott, Nature</p><p>7. JULI 2022, 19.15 Uhr&nbsp;<br> Audimax, Neue Aula<br> Geschwister-Scholl-Platz, Tübingen</p><p><strong>Organisation:</strong></p><ul><li>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften an der Universität Tübingen</li><li>College of Fellows der Universität Tübingen</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81272</guid><pubDate>Tue, 28 Jun 2022 14:07:21 +0200</pubDate><title>Eberhard und Karl – Die Universität Tübingen diskutiert ihren Namen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eberhard-und-karl-die-universitaet-tuebingen-diskutiert-ihren-namen/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen von Württemberg, die Namensgeber der Eberhard Karls Universität Tübingen stehen in der Diskussion: Soll der Name beibehalten werden oder künftig nicht mehr geführt werden?</p><p>Entscheiden wird dies am Ende der Senat der Universität Tübingen. In seinem Auftrag hat eine Arbeitsgruppe aus Historikerinnen und Historikern ein Gutachten vorgelegt, in dem die Quellenlage zu beiden Persönlichkeiten geprüft und wissenschaftlich fundiert bewertet wurde. Zur weiteren Meinungsbildung lädt die Universität Tübingen alle interessierten Universitätsangehörigen sowie Bürgerinnen und Bürger ein, sich zum Thema zu informieren und mitzudiskutieren. Die Veranstaltung findet statt &nbsp;</p><p class="align-center"><strong>am Dienstag, 5. Juli 2022, 18:30-20.30 Uhr im Hörsaal 25 des Kupferbaus (Hölderlinstr. 5).&nbsp;<br> Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Veranstaltung findet in Präsenz statt.&nbsp;</strong></p><p>Es diskutieren Professorin Sigrid Hirbodian, Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften, Vorsitzende der beauftragten Arbeitsgruppe; Professor Bernd Grewe, Institut für Geschichtsdidaktik und Public History, Mitglied der Arbeitsgruppe; Hanna Veiler, Jüdische Studierendenunion</p><p>Moderation: Anja Meitner, Landeszentrale für politische Bildung, Leiterin der Außenstelle Tübingen</p><ul><li>Das Gutachten ist zu finden unter: <a href="/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/name-der-universitaet/" class="internal-link">https://uni-tuebingen.de/de/231839</a> &nbsp;<br> 	&nbsp;</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-81065</guid><pubDate>Fri, 24 Jun 2022 09:32:27 +0200</pubDate><title>Fehler in der Kristallstruktur des Quarzes verraten Alter und Herkunft des Staubs</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fehler-in-der-kristallstruktur-des-quarzes-verraten-alter-und-herkunft-des-staubs/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen nutzt Eigenschaften des häufigen Minerals für eine neue Methode zur Untersuchung von Sedimentationskreisläufen und der Klimadynamik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch die globale Erwärmung und ein fortschreitend trockeneres Klima in vielen Teilen der Erde werden vermehrt Staubstürme ausgelöst. Um ihr Auftreten vorhersagen zu können, blicken Forscherinnen und Forscher in die Vergangenheit und wollen klären, woher der Staub bei früheren Stürmen kam, wie lange und über welche Entfernungen er transportiert wurde. Dazu hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Aditi K. Dave und Professorin Kathryn Fitzsimmons vom Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Rumänien, Brasilien, Kasachstan und Tadschikistan eine neue Methode entwickelt. Sie beruht auf der Untersuchung von unregelmäßigen Stellen in der Kristallstruktur, sogenannten Defektzentren, des Minerals Quarz, das häufig in Sedimenten vorkommt. Die Studie wurde in der Zeitschrift&nbsp;<em>Geophysical Research Letters&nbsp;</em>veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Um den Ursprung des Quarzes im Staub nachzuvollziehen, konzentrierte sich das Forschungsteam auf die sogenannten E1- und Peroxy-Defektzentren in der Kristallstruktur. Sie entstehen in einer Folge von Gitterbewegungen, nachdem ein Sauerstoffatom im Siliziumdioxid-Kristallgitter des Quarzes seinen regulären Platz verlassen hat und an eine freie Stelle gewandert ist. „Die Konzentration von E<sub>1</sub>'- und Peroxy-Defektzentren nimmt natürlicherweise mit dem Alter des quarzhaltigen Gesteins zu“, sagt Aditi Dave. Sobald das Quarzmineral aus dem Gestein abgetragen wird und Sedimente bildet, ändert sich bei den Defektzentren jedoch nichts mehr. Sedimente werden als Staub vom Wind über weite Strecken verfrachtet und schließlich als Löss abgelagert.&nbsp;</p><h3>Allgegenwärtiger Bestandteil</h3><p>Die&nbsp;E<sub>1</sub>’- und Peroxy-Defektzentren besitzen ein einziges Elektron, sie sind paramagnetisch. Daher kann das Forschungsteam die Elektronenspinresonanzspektroskopie nutzen, um die Anzahl dieser Defektzentren im Quarz zu messen. „Unsere Methode stellt ein wesentlich einfacheres Messprotokoll dar als andere verfügbare Methoden, um sozusagen einen Fingerabdruck eines Sediments zu erstellen“, sagt Dave. „Die stabilen Eigenschaften des Quarzes nutzen wir, um anhand des unterschiedlichen Alters möglicher Ausgangsgesteine herauszufinden, woher die Quarzkörner stammen.“ Kathryn Fitzsimmons setzt hinzu: „Ein Vorteil dieser Methode ist, dass Quarz in der Natur allgegenwärtig ist und nicht durch Verwitterung beeinträchtigt wird. So lässt sie sich auf Sedimente aus verschiedenen Ablagerungssystemen anwenden."</p><p>Das Forschungsteam testete seine Methode an Lössproben aus dem Ili-Becken in Kasachstan und der Tadschikischen Senke in Tadschikistan. Es war bekannt, dass der Staub an diesen Orten aus unterschiedlichen Quellen und von Gesteinen unterschiedlichen Alters stammt. „Mit unserer Methode ließen sich die Sedimente aus diesen beiden Becken in Zentralasien eindeutig unterscheiden“, sagt Aditi Dave. Sedimente gelten als Archive vergangener Klimaänderungen. „Die Methode stellt eine wichtige Ergänzung dar, um frühere Sedimenttransporte zu untersuchen und mehr über das frühere Klima zu erfahren. Daraus gewinnen wir Hinweise, wie sich Landschaften heute im Klimawandel verändern könnten“, fügt Kathryn Fitzsimmons hinzu.</p><h3>Publikation:</h3><p>Aditi K. Dave, Alida Timar-Gabor, Zuzanna Kabacińska, Giancarlo Scardia, Nosir Safaraliev, Saida Nigmatova, Kathryn E. Fitzsimmons: A novel proxy for tracking the provenance of dust based on paired E1’-peroxy paramagnetic defect centres in fine-grained quartz.&nbsp;<em>Geophysical Research Letters</em>, <a href="https://doi.org/10.1029/2021GL095007" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1029/2021GL095007</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80783</guid><pubDate>Mon, 20 Jun 2022 10:43:44 +0200</pubDate><title>Forschung zum Anfassen: Science &amp; Innovation Days</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschung-zum-anfassen-science-innovation-days/</link><description>Universität Tübingen, Max-Planck-Campus, Cyber Valley, Leibniz-Institut für Wissensmedien und die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen bieten vier Tage lang Diskussionsveranstaltungen, Vorträge und Führungen an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mitdiskutieren und Mitmachen erwünscht: Bei den<strong> Tübinger Science &amp; Innovation Days vom 29. Juni bis zum 2. Juli 2022 </strong>laden die Universität Tübingen, der Max-Planck-Campus, Cyber Valley, das Leibniz-Institut für Wissensmedien und die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen erstmals gemeinsam interessierte Bürgerinnen und Bürger der gesamten Region ein. Zum vielseitigen Programm gehören interaktive Veranstaltungen, Vorträge, Workshops und Spaziergänge über den Campus. Alle Programmpunkte sind kostenlos, zu einzelnen Veranstaltungen wird um Anmeldung gebeten. Alle Details zu Programm und Anmeldung unter <a href="https://uni-tuebingen.de/si-days" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/si-days</a>:</p><p><strong>Mittwoch, 29. Juni</strong></p><ul><li>18.15 Uhr: <em>Kick Off mit Podiumsdiskussion: „Wissen schafft Zukunft – Wissenschaft und Gesellschaft im Dialog“ (Festsaal, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz)</em><br> 	Gesellschaftliche Herausforderungen brauchen die Expertise der Wissenschaft ‒ Wissenschaft braucht aber auch die Gesellschaft. Wie kommen BürgerInnen und Forschende noch besser ins Gespräch? Best Practice-Beispiele und Diskussion mit Prof. Peter Grathwohl (Universität Tübingen), Prof. Ulrike Cress (Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen), Dr. Eric Schulz (Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik), Julia Merlot (Magazin „Der Spiegel“, derzeit Cyber Valley Journalist-in-Residence), Prof. Thomas Thiemeyer (LUI Tübingen).</li></ul><p><em><strong>Weitere Programmpunkte am Mittwoch:</strong></em></p><ul><li>„Medizin der Zukunft – ein Werkstattbericht aus dem Tübinger Technologiepark“ mit den UnternehmerInnen (16.15 Uhr, mit Anmeldung, Hörsaal 25, Kupferbau, Hölderlinstr. 4)</li><li>Lesung mit der Autorin Emma Braslavsky zu „Künstlichen Intelligenzen der Zukunft“ (20.30 Uhr, Cafe Willi, Wilhelmstr. 3/1, 72074 Tübingen)</li></ul><p><strong>Donnerstag, 30. Juni</strong></p><ul><li>14-16.30 Uhr: <em>Spaziergang im Technologiepark Tübingen-Reutlingen am Standort Tübingen </em>mit Stopps bei den Unternehmen (Treffpunkt: Sternwarte Tübingen, Waldhäuser Str. 70) Auf dem Spaziergang unter Führung von Thorsten Flink (TF R-T GmbH) stellen sich die Unternehmen vor und beantworten Fragen.</li><li>17-20 Uhr: <em>Startup:con Tübingen „Science Edition“</em> des Startup Centers (Hörsaalzentrum Morgenstelle, Auf der Morgenstelle 16)<br> 	Paneldiskussion „Gründungen aus der Wissenschaft – Chancen und Herausforderungen“ mit Dr. Ingmar Hoerr (CureVac), Dr. Saskia Biskup (CeGat), Dr. Philip Häusser (Ablacon), Prof. Lars Angenent (Universität Tübingen) und Dr. Philipp Lies (eye2you). Im Anschluss präsentieren sich Startups aus der Wissenschaft und Forschungsgruppen. (Anmeldung unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/200653" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/200653</a>)</li><li>20.15-22 Uhr: <em>Fishbowl-Diskussion „Gemeinschaft in der Krise. Was hält unsere Gesellschaft noch zusammen?“</em> (DAI, Karlstr. 3, mit Anmeldung)<br> 	Was bedeutet gesellschaftlicher Zusammenhalt? Wie können wir unsere Gesellschaft stärken – und welche Rolle spielt der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft? Prof. Otfried Höffe, Prof. Regina Ammicht-Quinn und Dr. Davina Höll, (alle Universität Tübingen) erörtern dies mit Besucherinnen und Besuchern. Bei einer Fishbowl-Diskussion bleibt ein Stuhl auf dem Podium frei für jede(n), die oder der gerne mitdiskutieren möchte. Musikalische Umrahmung durch Eric Biscalchin.</li></ul><p><em><strong>Weitere Programmpunkte am Donnerstag:</strong></em></p><ul><li>Führungen (jeweils mit Anmeldung): Technologiepark Tübingen-Reutlingen (14 Uhr, Sternwarte Tübingen, Waldhäuserstr. 70); iFIT Excellenzcluster (16 Uhr, Röntgenweg 11); Geo- und Umweltforschungszentrum (16 Uhr, Schnarrenbergstr. 94-96); Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (17 Uhr / 18 Uhr, Auf der Morgenstelle 32)</li><li>Vortrag „Lügen, Fake-News, Propaganda“ mit Prof. Bernhard Pörksen (18.30 Uhr, Audimax)</li><li>Alumni-Lounge im Hörsaalzentrum Morgenstelle (16-20 Uhr, mit Anmeldung)</li></ul><p><strong>Freitag, 1. Juli</strong></p><ul><li>17 Uhr: Die Universität Tübingen verleiht den <em>Preis für Wissenschaftskommunikation</em> an Prof. Carla Cederbaum (Ernst von Sieglin-Hörsaal, Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11)</li><li>18 Uhr: Diskussion <em>„Klimawandel – Vom Wissen zum Handeln: Wo liegen die Schwierigkeiten?“</em> und im Anschluss Konzert mit Dizzy Krisch im Trio<br> 	Dass der Klimawandel existiert ist unbestritten, dass wir etwas unternehmen müssen, ebenfalls. Wie weit können wir gehen, damit alle mitziehen? Es diskutieren Prof. Reinhard Drews, Prof. Thomas Potthast und Prof. Kira Rehfeld, alle Universität Tübingen. (DAI, Karlstr. 3, mit Anmeldung)</li></ul><p><em><strong>Weitere Programmpunkte am Freitag</strong></em></p><ul><li>14-18 Uhr:<em> Tag der offenen Tür im Leibniz-Institut für Wissensmedien</em> (Schleichstraße 6)<br> 	Das IWM erforscht bereits seit 2001, wie digitale Technologien dabei helfen, Wissen in unsere Köpfe zu befördern. An Demo und Mitmach-Stationen demonstriert es, wie das Klassenzimmer der Zukunft aussieht und wie wir mit künstlichen Intelligenzen im Team arbeiten.</li><li>16 Uhr: Schulstunde mit der Bildungsforscherin: Wie die Schule der Zukunft aussehen könnte, skizziert IWM-Direktorin Prof. Ulrike Cress in einem Vortrag.</li><li>Offenes Museum MUT – freier Eintritt; Führung und Alumni-Lounge im Rittersaal (ab 14 Uhr, Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11)</li><li>Workshop: Einführung in den Sensorjournalismus (ganztags, mit Anmeldung, KI-Makerspace, Wöhrdstr. 25)</li><li>Vorträge: Aktuelle Forschung aus der Biochemie (14 Uhr, IFIB, Auf der Morgenstelle 34); Tübingen – die Wiege der Biochemie (15.15 Uhr, IFIB, Auf der Morgenstelle 34);</li><li>Cyanobakterien – Zukunft der Plastikindustrie? (15 Uhr, DAI, Karlstr. 3); Organisierte Kriminalität (16 Uhr, Fürstenzimmer, Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11)</li><li>Film und Diskussion im Kino Arsenal: Wie viel Science steckt in der Fiction? (20 Uhr, mit Anmeldung, Kino Arsenal, Hintere Grabenstr. 20)</li></ul><p>&nbsp;<strong>Samstag, 2. Juli</strong></p><ul><li>10-14 Uhr: <em>Tag der offenen Tür auf dem Max-Planck-Campus Tübingen</em><br> 	Die Tübinger Max-Planck-Institute, das Friedrich-Miescher-Laboratorium und Cyber Valley bieten Rundgänge, Ausstellungen und Mitmach-Angebote zu den Themen Genetik, Evolution, Hirnforschung und künstliche Intelligenz an. (Anmeldung für einzelne Veranstaltungen vor Ort erforderlich)</li><li>ab 20.30 Uhr: <em>Science Notes – Thema Reisen</em> (Parkplatz hinter dem Technischen Rathaus, Brunnenstr. 3, mit Anmeldung)<br> 	An einem lauen Sommerabend begeben wir uns auf Reisen: Wir folgen einem Gletscherforscher auf eine Antarktisexpedition, wandern mit einer Journalistin über den Grund des Atlantiks, reisen mit einer Paläontologin in die Vergangenheit und begleiten mit ihr den frühen Menschen bei seinen ersten Schritten. Außerdem geht es um Jetlags, Fledermäuse und den Klang der Wissenschaft. Brandt Brauer Frick spielt live elektronische Musik.</li></ul><p><em><strong>&nbsp;Weitere Programmpunkte am Samstag:</strong></em></p><ul><li>ab 10 Uhr: Kinderuni-Forschertag für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren (mit Anmeldung)</li><li>11-15 Uhr: Tag der offenen Tür im Universitätsarchiv (Bonatzbau, Wilhelmstr. 32)</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80771</guid><pubDate>Mon, 20 Jun 2022 09:25:00 +0200</pubDate><title>„Ich wusste nicht, dass es Leute wie mich an der Universität gibt“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ich-wusste-nicht-dass-es-leute-wie-mich-an-der-universitaet-gibt/</link><description>Wissenschaftskommunikation kann die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund verbessern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftskommunikation kann ein Schlüssel zur Überwindung von sozialer Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Ausgrenzung sein. Vor allem direkte Interaktionen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und benachteiligten Gruppen haben das Potenzial, Wissen über und die Begeisterung für die Naturwissenschaften in allen Teilen der Gesellschaft zu steigern. Dies zeigen erste Ergebnisse der Befragungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projekts „Native Schools“, in dem die Organisation Native Scientist Workshops mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für Kinder und Jugendliche aus Migrantengemeinschaften konzipiert. In diesen haben Forscher wie Kinder den gleichen kulturellen Hintergrund und verständigen sich in ihrer jeweiligen Muttersprache.</p><p>„Ziel ist es, nicht nur die Motivation der Schülerinnen und Schüler dafür zu steigern sich mit wissenschaftlichen Phänomenen auseinanderzusetzen, auch ihr Zugehörigkeitsgefühl und Selbstbewusstsein sollen gestärkt werden“, erklärt Jessika Golle, Professorin am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung, die mit Native Scientist kooperiert. Durch Befragungen von mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigte sich, dass sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von den Workshops zu profitieren scheinen. Letztere gaben sogar an, ihre Kommunikationsfähigkeit, ihre Kreativität und Anpassungsfähigkeit zu trainieren. Das Konzept der Workshops wurde nun in der Zeitschrift <em>Trends in Cell Biology</em> vorgestellt.</p><p>Fragen der Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion werden zwar seit langem in der Forschung zu Wissenschaftskommunikation diskutiert. Jedoch repräsentieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Zielgruppen der Wissenschaftskommunikation überwiegend die Merkmale und Werte der dominanten Gruppen. Um vor allem Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund naturwissenschaftliche Fragestellungen nahe zu bringen, hat die Organisation Native Scientist ein Format ins Leben gerufen, mit dem diese Kinder und Jugendlichen ganz gezielt erreicht werden können.</p><p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden dazu ermutigt, in Workshops mit ihnen über ihre Arbeit zu sprechen und zu erzählen, was ihre persönliche Motivation war, in der Wissenschaft zu arbeiten und wie sie dorthin gekommen sind. Mehr als 1.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich mittlerweile in insgesamt elf verschiedenen Sprachen in 28 Städten aus acht europäischen Ländern mit Kindern und Jugendlichen in den Workshops ausgetauscht.</p><p>Ein entscheidender Aspekt ist die Konzentration auf Naturwissenschaften und Sprache. Kinder und Jugendliche ethnischer Minderheiten oder mit Migrationshintergrund beherrschen die fremde Landessprache oftmals nicht fließend und sie verstehen den Unterricht in den Naturwissenschaften aufgrund der übermäßigen Verwendung von Fachbegriffen nicht richtig. Deshalb finden die Workshops in der jeweiligen Muttersprache der Schülerinnen und Schüler statt. Das gibt ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit, ermöglicht ihnen Kompetenzerleben und stärkt sie in ihrem Selbstvertrauen. „Der Native Scientist Workshop war wichtig, weil ich nicht wusste, dass es Leute wie mich an der Universität gibt“, berichtete beispielsweise eine Schülerin nach der Teilnahme. Aber auch für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die oftmals skeptisch gegenüber Wissenschaftskommunikation eingestellt sind, weil sie zeitaufwendig ist, weil sie denken, dass es zu kompliziert ist, Laien ihre Forschung zu erklären oder weil sie Angst davor haben, dass sie Fragen nicht beantworten können, waren die Workshops eine gewinnbringende und positive Erfahrung.&nbsp;</p><p>„In anschließenden Befragungen haben sie berichtet, dass sie selbst neue Perspektiven gewonnen haben, dass auch ihr Selbstvertrauen gestiegen ist oder ihre Leidenschaft für die Forschung neu entfacht wurde“, erzählt Joana Moscoso, Mitbegründerin und Direktorin von Native Scientist. „Wenn die eigene Forschung sichtbarer wird, kann das auf beruflicher Ebene zudem die Chance erhöhen, an neue Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte zu gelangen oder es erleichtert die Teilnahme an interdisziplinären Projekten.“ Die Wirksamkeit des Programms wird derzeit von Wissenschaftlerinnen am Hector-Institut in einer randomisiert-kontrollierten Evaluationsstudie überprüft.</p><h3>Über Native Scientist</h3><p>Was 2013 als abenteuerliche Idee mit einem Workshop in einer Londoner Schule für portugiesischsprachige Kinder begann, hat sich inzwischen zu einem preisgekrönten europaweiten Programm entwickelt, das sich an Migrantengemeinschaften richtet. Die Vision von native Scientist ist eine Welt, in der das Potenzial jedes Kindes voll ausgeschöpft werden kann, unabhängig von seiner Herkunft.</p><h3>Publikation:</h3><p>Golle, J., Moscoso, J. A., Bordalo, J. M., &amp; Catarino, A. I. (2022). How can we promote equity in science education? Trends in Cell Biology. Advance Online Publication. <a href="https://doi.org/10.1016/j.tcb.2022.04.005" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.tcb.2022.04.005</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80648</guid><pubDate>Wed, 15 Jun 2022 17:00:00 +0200</pubDate><title>Ursprung des Schwarzen Todes identifiziert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ursprung-des-schwarzen-todes-identifiziert/</link><description>Die Spur führt in das Tian Shan-Gebirge in Kirgisistan</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Schwarze Tod, die größte Pandemie in der Menschheitsgeschichte, wurde durch das Bakterium <em>Yersinia pestis</em> verursacht und wütete in Europa zwischen 1346 und 1353. Er hatte immense demografische und gesellschaftliche Auswirkungen, doch seine Ursprünge sind seit langem ein Rätsel. Anhand von Analysen alter <em>Y. pestis</em>-Genome ist es einem multidisziplinären Team, darunter Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Universität Tübingen und der University of Stirling in Großbritannien, nun gelungen, den Ursprung der damaligen Pestpandemie in Zentralasien zu verorten.</p><p>Im Jahre 1347 gelangte die Pest erstmals über Handelsschiffe aus dem Schwarzen Meer aus den Siedlungsgebieten der „Goldenen Horde“, einem Teil des Mongolenreichs, in den Mittelmeerraum. Die Krankheit breitete sich rasch über Europa, den Nahen Osten und Nordafrika aus und raffte in einem einzigen großen Ausbruch, der als Schwarzer Tod bekannt wurde, bis zu 60 Prozent der Bevölkerung dahin. Diese erste Infektionswelle weitete sich zu einer 500 Jahre andauernden Pandemie aus, der sogenannten Zweiten Pestpandemie, die bis ins frühe 19. Jahrhundert andauerte.</p><p>Die Ursprünge der Zweiten Pestpandemie werden in Fachkreisen seit langem debattiert. Eine der populärsten Theorien besagt, dass sie möglicherweise in Ostasien, speziell in China, ihren Ursprung hatte. Dieser Theorie stehen jedoch archäologische Funde aus Zentralasien entgegen, die aus einem Gebiet nahe des Yssykköl-Sees im heutigen Kirgisistan stammen, in den Ausläufern des Tian Shan-Gebirges. Sie belegen einen Pestausbruch innerhalb einer lokalen Handelsgemeinschaft in den Jahren 1338 und 1339. Bei Ausgrabungen vor fast 140 Jahren wurden Grabsteine gefunden, deren Inschriften darauf hindeuten, dass diese Menschen einer unbekannten Epidemie zum Opfer gefallen sind. Seit ihrer Entdeckung sorgten die in Syrisch-Aramäischer Sprache beschrifteten Grabsteine hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Schwarzen Tod in Europa in Fachkreisen für Kontroversen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80702</guid><pubDate>Wed, 15 Jun 2022 16:29:26 +0200</pubDate><title>Eiweißveränderungen im Nervenwasser zeigen Entzündungsprozesse im Gehirn an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eiweissveraenderungen-im-nervenwasser-zeigen-entzuendungsprozesse-im-gehirn-an/</link><description>Als Biomarker könnten sie künftig Auskunft über entzündliche Abläufe bei Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson geben</description><content:encoded><![CDATA[<p>Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen gehen mit Entzündungsprozessen im Gehirn einher. Tübinger Forschenden ist es gelungen, eine Gruppe von Eiweißen im Hirnwasser zu identifizieren, die Rückschlüsse auf solche Entzündungsvorgänge geben könnten. Als sogenannte Biomarker könnten diese Eiweiße künftig helfen, Krankheitsprozesse besser zu verstehen und die Wirkung potenzieller Medikamente gegen diese Entzündungen zu testen. Das Forschungsteam um Stephan Käser und Professor Dr. Mathias Jucker am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen hat in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Stefan Lichtenthaler vom Münchner Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen seine Studie nun in der Fachzeitschrift <em>PNAS</em> veröffentlicht.</p><p>„Entzündungen im Gehirn sind ein bekanntes Krankheitsmerkmal von Alzheimer und Parkinson“, erklärt Studienleiter Käser. „Dabei spielen sogenannte Mikroglia eine wichtige Rolle.“ Als „Müllschlucker“ schützten diese Zellen normalerweise unser Gehirn vor schädlichen Erregern und Substanzen. Im Fall einer neurodegenerativen Erkrankung seien sie chronisch aktiv und schütteten selbst Stoffe aus. „Es wird vermutet, dass diese Reaktion der Mikroglia, die sich zunächst positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt, später ins Negative umschlägt“, sagt Käser.</p><p>Um Informationen über die dynamischen Entzündungsreaktionen im Gehirn zu erhalten, hat das Tübinger Forschungsteam nun nach möglichen molekularen Biomarkern gesucht. Dies sind Substanzen, deren Anwesenheit oder Konzentrationsänderung im Körper auf einen Krankheitsprozess hinweist. Sie lassen sich etwa in Blut, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten messen und sind ein wichtiges Instrument der medizinischen Diagnostik oder um einen Krankheitsverlauf zu beobachten.&nbsp;</p><p>In der aktuellen Studie analysierten die Neurobiologen Hirnwasser von Mäusen, die charakteristische Merkmale der Alzheimererkrankung oder von Morbus Parkinson zeigen. „Mittels moderner Messtechnik konnten wir in nur zwei Mikrolitern Hirnwasser, also einem winzigen Tropfen, mehr als 600 Eiweiße gleichzeitig messen,“ berichtet Käser. „Wir fanden heraus, dass die Konzentration von 25 Eiweißen bei beiden Mausmodellen gegenüber gleichaltrigen, gesunden Tieren verändert war.“</p><p>„Bemerkenswert ist, dass der Großteil dieser Eiweiße von Gliazellen stammt oder mit diesen in Verbindung gebracht werden kann,“ führt der Neurobiologe fort. „Praktisch alle sind auch im menschlichen Hirnwasser nachweisbar und zum Teil bei Alzheimerkranken verändert.“ Die veränderten Konzentrationen der Eiweiße könnten unterschiedliche Aktivierungsstadien der Gliazellen widerspiegeln. Sie hätten damit das Potential, als Biomarker zu dienen.</p><p>„Die Möglichkeit, die Entzündungsreaktionen im Hirnwasser zu messen, wäre ein großer Fortschritt,“ erklärt Mitautor Jucker. „Das würde uns erlauben, Erkrankungsstadien besser zu verstehen und auch erste Medikamente gegen diese Entzündungen in klinischen Studien zu testen.“ Die neuen Erkenntnisse aus dem Labor fänden damit praktische Anwendung in der Patientenversorgung und wären somit ein gutes Beispiel für translationale Hirnforschung.</p><p>Originalpublikation:<br> Eninger, Mueller et al. (2022): Signatures of glial activity can be detected in the CSF proteome. PNAS, 119 (24) e2119804119<br><a href="https://doi.org/10.1073/pnas.2119804119" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.2119804119</a></p><p><strong>Pressemitteilung des Hertie-Institut für klinische Hirnforschung</strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80690</guid><pubDate>Wed, 15 Jun 2022 14:30:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Bildgebung erfährt weitere Millionenförderung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-bildgebung-erfaehrt-weitere-millionenfoerderung/</link><description>Werner Siemens Imaging Center erhält 18,4 Millionen Euro Förderung von der Werner Siemens-Stiftung</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Werner Siemens Imaging Center (WSIC) an der Radiologischen Universitätsklinik Tübingen und der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen darf sich über eine Fördersumme von insgesamt 18,4 Millionen Euro von der Schweizer Werner Siemens-Stiftung (WSS) freuen. Mit der Fördersumme soll die bereits bestehende internationale Spitzenforschung auf dem Gebiet der molekularen und funktionellen Bildgebung gehalten und weiter ausgebaut werden. Die Fördersumme erstreckt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren, von 2024 bis 2033.</strong></p><h3>Internationaler Leuchtturm im Bereich Bildgebungsforschung</h3><p>Seit 2008 hat sich das einst kleine Labor zu einer hochmodernen Einrichtung mit internationaler Strahlkraft entwickelt. So ist das WSIC ein international hoch-kompetitives, einzigartiges Forschungsinstitut, das die Bereiche multimodale Bildgebung, also die Verwendung von verschiedenen Bildgebungstechnologien und innovativen Bildgebungssonden, und KI-gestützte Datenanalyseentwicklung unter einem Dach vereint. Die internationale Reputation zeugt nicht zuletzt von zahlreichen Forschungskooperationen mit Institutionen der Spitzenklasse wie der Stanford University, Johns-Hopkins-University oder der Harvard Medical School. „Das Werner Siemens Imaging Center bildet eine tragende Säule für die Bildgebung am Standort Tübingen und ist ein Garant für exzellente Forschung an unserer Universität. Umso glücklicher sind wir über die großzügige Zuwendung der Werner Siemens-Stiftung“, erläutert Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen.</p><h3>Strategischer Ausbau des Forschungszentrums</h3><p>Unter der Prämisse, die modernsten Technologien zu entwickeln und diese für die biomedizinische Forschung zu verwenden, wurden in der Vergangenheit etwa die Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) vorangetrieben. Diese hybride Bildgebung erlaubt die gleichzeitige Gewinnung von Informationen zur Funktion (z. B. zellulärer Stress, Stoffwechsel) und zu Strukturen von gesundem oder krankem Gewebe in einem Untersuchungsgang. Gepaart mit der Entwicklung von sogenannten Immun-Imaging-Tracern, also radioaktiven Substanzen, die die Vorgänge des eigenen Immunsystems mithilfe von Bildgebungsverfahren noch präziser darstellen lassen, kommen diese Technologien insbesondere in der Tumortherapieplanung und Steuerung zum Einsatz. „Die Förderung gibt uns langfristige Planungssicherheit, damit wir am Werner Siemens Imaging Center mit der nächsten Generation der Bildgebungsmethoden forschen und innovative Datenanalysesysteme und Bildgebungs-Tracer entwickeln können“, erklärt Prof. Dr. Bernd Pichler, Direktor des WSIC.&nbsp;</p><p>„Gerade neuartige Therapien, wie etwa Krebsimmuntherapien, sind äußerst kostspielig und erfordern eine komplexe und individualisierte Steuerung, die nur mit der neuesten Generation der Bildgebungsverfahren gewährleistet werden kann“, führt Prof. Pichler weiter aus. &nbsp;</p><h3>Künftige Forschungsschwerpunkte des Zentrums</h3><p>Molekulare und funktionelle Veränderungen beim Krebs besser zu verstehen und durch Bildgebungsverfahren auch visuell darzustellen, verschafft der Medizin bessere Möglichkeiten bei der Krebstherapie. Ziel am WSIC ist, die Bildgebung von Tumoren durch die Kombination von PET und MRT-Verfahren weiter zu verbessern. Beispielsweise sollen innerhalb einer einzigen einstündigen Bildgebungsuntersuchung Aussagen zu tumorspezifischen Oberflächenrezeptoren, zellulärem Stress und Stoffwechsel von soliden Tumoren getroffen werden können. Gekoppelt mit Analyseverfahren des maschinellen Lernens und innovativen Tracern erleichtert dies die Charakterisierung der Tumoren und damit einhergehend die Steuerung von komplexen Krebstherapien erheblich, da genauere und schnellere Vorhersagen zum Ansprechen der Therapie beim jeweiligen Patienten bzw. bei der jeweiligen Patientin getroffen werden können.</p><p>Aber auch innovative Immuntherapien, wie etwa die CAR-T-Zell-Therapie, stoßen manchmal an ihre Grenzen. Hier wird dem Krebspatienten bzw. der Krebspatientin Blut entnommen, um im Labor die körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems, die T-Zellen, so zu modifizieren, dass sie nach dem Transfer zurück in das Blut des Betroffenen gelangen, um die Krebszellen erkennen und bekämpfen zu können. Manche dieser modifizierten Immunzellen verlieren in bestimmten Tumorregionen aber ihre Funktion. Um die Mechanismen aufzudecken, die für die lokalen „Funktionsverluste“ der Immunzellen verantwortlich sind, ist es notwendig, diese auf Einzelzellebene direkt in der Umgebung des Tumors zu beobachten. Das WSIC beherbergt mit einem Intravitalmikroskop und einem 3D-Light-Sheet-Mikroskop zwei modernste Bildgebungsgeräte, die dabei helfen, jene Parameter zu untersuchen, die Einfluss darauf haben, ob eine Tumorzelle Resistenzen entwickelt oder nicht. Ziel ist es, Immunzellen für zukünftige Therapien zu entwickeln, die trotz Abwehrmechanismen des Tumors die Krebszellen effizient angreifen können. Außerdem hilft die mikroskopische Bildgebung dabei, sogenannte Biomarker zu identifizieren, also biologische Merkmale, die dann zum Beispiel dabei helfen, frühzeitig Therapieresistenzen zu entdecken.&nbsp;</p><p>Neben der Krebsforschung fokussiert sich das WSIC auch auf Bildgebungstechnologien und neuartige Tracer für die Charakterisierung und den frühzeitigen Nachweis von neurodegenerativen Erkrankungen und Infektionskrankheiten.</p><h3>Über die Werner Siemens-Stiftung</h3><p>Die Töchter von Carl Siemens gründeten 1923 in der Schweizer Kleinstadt Schaffhausen die Werner Siemens-Stiftung. Charlotte und Marie setzten damit eine Idee ihres 1906 verstorbenen Vaters um, der schon früh über eine Stiftung zur Unterstützung der Siemens-Nachkommen nachgedacht hatte. Heute ist die Werner Siemens-Stiftung eine gemischte Stiftung. Im philanthropischen Teil unterstützt sie herausragende Innovationen und den begabten Nachwuchs in Technik und Naturwissenschaften.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80213</guid><pubDate>Fri, 10 Jun 2022 11:08:45 +0200</pubDate><title>Adrian Daub über das Silicon Valley</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/adrian-daub-ueber-das-silicon-valley/</link><description>Stanford-Professor spricht über die Ideologien und Inspirationen des Silicon Valley </description><content:encoded><![CDATA[<p>Noch vor ein paar Jahren erschien das Silicon Valley als ein faszinierender Kraftort, als Pilgerstätte für Kreative und solche, die dies werden wollten.&nbsp;Spätestens jedoch 2016 – nach der Pro-Brexit-Propaganda, dem Desinformationsspektakel des amerikanischen Wahlkampfes und dem Sieg von Donald Trump – wurde alles anders. „Move fast and break things“, das Motto des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg, klang mit einem Mal wie eine Höllenformel zur Destabilisierung ganzer Gesellschaften. Und all die schönen Reden von der Demokratisierung der Information wirkten vor dem Horizont grassierender Hass- und Schmutzkampagnen plötzlich als bloßes Marketing-Getöse, um die große Gier mit ein bisschen Welt-Beglückungs-Rhetorik und Flower-Power-Gerede zu übertünchen.&nbsp;</p><p>Adrian Daub ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford-University. Er schreibt als Autor für viele Zeitungen (FAZ, ZEIT, NZZ) – und beobachtet die weltweit einflussreiche Mythenproduktion, die Veränderung von Google und Facebook und den Aufstieg von libertären Unternehmern zu gefragten „Tech-Philosophen“ seit vielen Jahren aus nächster Nähe. Zuletzt sorgte sein Buch „Was das Valley denken nennt“ (Suhrkamp) für Aufsehen.&nbsp;</p><p>Am <strong>Montag, 20. Juni</strong> hält <strong>Adrian Daub um 18.30 Uhr im Audimax</strong> der Universität (Geschwister-Scholl-Platz) auf Einladung der Tübinger Medienwissenschaft einen öffentlichen Vortrag über die Ideologien und Inspirationen des Silicon Valley. Er analysiert die gegenkulturellen und die philosophischen Ursprünge der digitalen Revolution, benennt die oft kaum bekannten Stichwortgeber, die Unternehmer wie Mark Zuckerberg (Facebook), Peter Thiel (PayPal) und Elon Musk (Tesla) prägen. Und er zeigt, wie sich Euphorie in Ernüchterung verwandelte und das Silicon Valley an Zauber und Glanz verlor. Einführung und Moderation übernimmt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Interessierte sind herzlich willkommen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80192</guid><pubDate>Thu, 09 Jun 2022 17:00:00 +0200</pubDate><title>Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-praehistorische-wallacea-ein-genetischer-schmelztiegel-menschlicher-abstammungslinien/</link><description>Untersuchung mehrerer Tausend Jahre alter Genome liefert Einblick in die Besiedlungsgeschichte Ostindonesiens</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt. Vor allem austronesisch sprechende Gruppen hinterließen bei ihrer Ausbreitung über den Seeweg nach Ozeanien archäologische Spuren ihres jungsteinzeitlichen Lebensstils und eine genetische Prägung, die noch bei heutigen Menschen in Ostindonesien nachweisbar ist. Um mehr Einblick in die Besiedlungsgeschichte Ostindonesiens zu erhalten, hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Max-Planck-Institute für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Menschheitsgeschichte in Jena sowie des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen neue genetische Studien durchgeführt. Die Forscherinnen und Forscher fanden Nachweise für mehrere genetische Durchmischungen von Menschen verschiedener Abstammung aus den Nachbarregionen in Asien und Ozeanien vor mindestens 3.000 Jahren.</p><p>Die Inseln Wallaceas waren von Asien und Ozeanien immer durch Tiefseegebiete getrennt. Dennoch dienten diese tropischen Inseln im Pleistozän vor vielen Tausend Jahren als Korridor für die Wanderung moderner Menschen auf die Landmasse Australiens und Neu Guineas, das Gebiet Sahul, und wurden seit mindestens 47.000 Jahren besiedelt. Die archäologischen Aufzeichnungen belegen einen großen kulturellen Wandel in Wallacea, der vor rund 3.500 Jahren begann. Er steht im Zusammenhang mit der Ausbreitung austronesisch sprechender Farmer, die sich mit lokalen Gruppen aus Jägern und Sammlern mischten. Frühere genetische Studien an heutigen Bewohnerinnen und Bewohnern dieses Gebiets ergaben jedoch widersprüchliche Daten für die Durchmischung, die vor 1.100, aber möglicherweise auch vor fast 5.000 Jahren stattgefunden haben könnte.</p><p>Um mehr über die Ausbreitung der Menschen und ihre Begegnungen zu erfahren, analysierte das Forschungsteam DNA von 16 mehrere Tausend Jahre alten Individuen von verschiedenen Inseln in Wallacea. Dadurch weitete es den Datenbestand zu alten Genomen aus dieser Region stark aus. „Wir stellten deutliche Unterschiede innerhalb Wallaceas fest. Wir waren überrascht, dass sich die Abstammung früher Individuen von den südlichen Inseln nicht einfach durch Kreuzungen zwischen austronesischen und papuanischen Gruppen erklären ließ“, sagt Sandra Oliveira vom MPI für evolutionäre Anthropologie, eine Hauptautorin der Studie.</p><h4>Frühe Spuren einer Abstammungslinie vom südostasiatischen Festland</h4><p>Das Forschungsteam identifizierte bisher unbekannte genetische Spuren einer Abstammungslinie vom südostasiatischen Festland, die am engsten mit heutigen Menschen aus dem austroasiatischen Sprachgebiet verwandt ist. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass zunächst eine Durchmischung zwischen Menschen vom südostasiatischen Festland und aus Papua stattfand und erst später Gene aus Gruppen mit austronesischer Abstammung hinzukamen.</p><p>„Die genetischen Spuren vom südostasiatischen Festland stellen mich vor ein Rätsel. Ich vermute, dass sie von einer vergleichsweise kleinen Gruppe stammten, möglicherweise frühen Farmern, die weit reisten, jedoch auf ihrem Weg keine archäologischen oder sprachlichen Spuren hinterließen. Nach ihrer Ankunft vergrößerte sich dann ihre Population“, sagt Peter Bellwood von der Australian National University in Canberra, einer der Studienautoren, der seit Jahrzehnten als Archäologe auf den Inseln Südostasiens arbeitet. „Diese Entdeckung ist sehr wichtig für die archäologische Forschung in der Region“, fügt die Anthropologin und Co-Autorin Toetik Koesbardiati von der Airlangga University in Indonesien hinzu. „Wir werden unsere Anstrengungen verstärken, diese Wanderungsbewegungen auch auf anderen Wegen zu belegen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-80123</guid><pubDate>Tue, 07 Jun 2022 14:41:58 +0200</pubDate><title>Europäische Geckos haben eine lange Geschichte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/europaeische-geckos-haben-eine-lange-geschichte/</link><description>Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Tübingen untersucht ein Fossil aus dem Geiseltal in Sachsen-Anhalt – Enge Verwandtschaft mit heutiger Art der Mittelmeerregion</description><content:encoded><![CDATA[<p>Geckos lebten bereits vor 47 Millionen Jahren in Europa. Das ergab die Untersuchung eines nahezu vollständigen fossilen Geckoschädels aus dem früheren Braunkohleabbaugebiet Geiseltal in Sachsen-Anhalt. Die bisher unbekannte Art beschrieb ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Andrea Villa vom Katalanischen Institut für Paläontologie Miquel Crusafont in Barcelona und des Biogeologen Dr. Márton Rabi von der Universität Tübingen und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das Forschungsteam stellte fest, dass die ausgestorbene Geckoart eng verwandt ist mit dem heute noch in Teilen der Mittelmeerregion heimischen Europäischen Blattfingergecko. Sie stellt den bisher ältesten bekannten Vertreter in dessen Abstammungslinie dar. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Papers in Palaeontology</em></span> veröffentlicht.</p><p>Geckos umfassen eine stark diverse und alte Abstammungslinie echsenartiger Reptilien. „Fossilien von Geckos sind sehr selten und selten gut erhalten. Nicht einmal aus den reichen Fundorten wie der Grube Messel oder dem Geiseltal hatten wir bisher viel über ihre Evolutionsgeschichte erfahren“, berichtet Andrea Villa. Der jetzt erst untersuchte Geckoschädel sei bereits 1933 gefunden worden und habe sich als Glücksfall erwiesen. „Er ist einer der vollständigsten und ältesten Geckoschädel aus den vergangenen 66 Millionen Jahren, also dem Zeitraum nach dem großen Massensterben der Dinosaurier“, setzt er hinzu. Diese Geckoart war bisher nicht bekannt und ist einer der frühesten Ver-treter moderner Gruppen. Das Forschungsteam taufte die Art <em>Geiseleptes delfinoi</em> – nach dem Fundort Geiseltal, dem eng verwandten heutigen Europäischen Blattfingergecko <em>Euleptes europaea</em> sowie nach dem Spezialisten für ausgestorbene Reptilien Dr. Massimo Delfino.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-79349</guid><pubDate>Tue, 31 May 2022 11:55:37 +0200</pubDate><title>Wie Eindringlinge die Abbaumaschinerie der Pflanzenzelle ausschalten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-eindringlinge-die-abbaumaschinerie-der-pflanzenzelle-ausschalten/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt bisher unbekannten Mechanismus, mit dem krankheitserregende Bakterien die pflanzliche Immunabwehr überwinden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Krankheitserregende Bakterien in Pflanzen können deren Abwehr lahmlegen und so der Auflösung durch die Pflanzenzelle, der sogenannten Xenophagie, entgehen. Ein ähnlicher Mechanismus, über den Bakterien die Fressmaschinerie der Immunabwehr überwinden, ist von tierischen und menschlichen Zellen bekannt. Bei Pflanzen hat ihn nun ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Suayb Üstün vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen und der Ruhr-Universität Bochum zum ersten Mal beschrieben. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr">The EMBO Journal</span> veröffentlicht.</p><p>Zellen müssen ihren Proteinbestand stetig an ihre aktuellen Funktionen und an Einflüsse aus ihrem Umfeld anpassen. „Ständiger Proteinabbau ist dabei unumgänglich, sonst wird es eng in der Zelle, und das Material geht aus“, erklärt Suayb Üstün, dessen Arbeitsgruppe diese streng geregelten Abbauprozesse erforscht. Wenn die Zelle größere Teile wie Proteinkomplexe, unlösliche Aggregate oder ganze Organellen, also Zellorgane, zu entsorgen hat, nutzt sie meist einen als Autophagie bezeichneten Prozess, wörtlich frisst sie sich dabei selbst auf. „Diesen Weg des Abbaus nutzen tierische und menschliche Zellen teilweise auch, wenn sie Eindringlinge wie krankheitserregende Bakterien beseitigen wollen. Dann bezeichnet man den Vorgang auch als Xenophagie – das Fressen des Fremden“, sagt der Wissenschaftler.</p><h3><strong>Wettrüsten zwischen Wirt und Krankheitserreger</strong></h3><p>Doch endet das Wettrüsten zwischen Wirt und Krankheitserreger dort nicht: Manche Bakterien haben wiederum Proteine entwickelt, die die auf sie gelenkte Maschinerie der Autophagie blockieren. Dadurch verschaffen sie sich Vorteile, sie können sich weiter ausbreiten. „Diesen Forschungsstand kennt man bei menschlichen Zellen seit mehreren Jahren. Bei Pflanzen waren wir noch nicht so weit. Denn es gibt bei der Autophagie&nbsp;einen wichtigen Unterschied gegenüber tierischen Zellen: Bei Pflanzen dringen krankheitserregende Bakterien nicht in die Zellen ein, sie halten sich im extrazellulären Raum auf“, sagt Üstün. Dies sei zum Beispiel bei dem Bakterium Xanthomonas der Fall, das bei einer ganzen Reihe von Pflanzen Welke und Fäule an Blättern, Stängeln und Früchten verursacht und auch die vom Forschungsteam untersuchten Tabakpflanzen befällt.</p><p>„Xanthomonas-Bakterien schleusen einen Effektor in die Pflanzenzellen ein. Wir haben festgestellt, dass dieser eine wichtige Komponente der Autophagiemaschinerie unterdrückt. So kann sich Xanthomonas weiter ausbreiten“, sagt Üstün. „Allerdings lässt die pflanzliche Abwehr diesen Schritt nicht unbeantwortet. Sie wiederum produziert ein Protein, das den Effektor von Xanthomonas durch Autophagie zersetzt.“ Dies seien die ersten Belege für antimikrobielle Xenophagie in den Beziehungen zwischen Pflanzen und Bakterien. „Ein interessanter Aspekt dabei ist, dass die beteiligten Proteine wie der Effektor von Xanthomonas und in der Autophagie-Maschinerie sich bei Mensch und Pflanze stark ähneln, obwohl sie von unterschiedlichen bakteriellen Krankheitserregern befallen werden“, sagt Üstün. In der Biologie spreche man davon, dass die Proteine zwischen ganz unterschiedlichen Lebewesen in der Evolution stark konserviert wurden.</p><p>Die neuen Studienergebnisse geben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wichtige Hinweise für die weitere Grundlagenforschung über Auto- und Xenophagie bei Pflanzen – langfristig könnten diese der Vorbeugung von Pflanzenkrankheiten im Nutzpflanzenanbau dienen.</p><h3><strong>Publikation:</strong></h3><p>Jia Xuan Leong, Margot Raffeiner, Daniela Spinti, Gautier Langin, Mirita Franz-Wachtel, Andrew R. Guzman, Jung-Gun Kim, Pooja Pandey, Alyona E. Minina, Boris Macek, Anders Hafrén, Tolga O. Bozkurt, Mary Beth Mudgett, Frederik Börnke, Daniel Hofius, Suayib Üstün: <span lang="en" dir="ltr">A bacterial effector counteracts host autophagy by promoting degradation of an autophagy component. The EMBO Journal</span>, <a href="https://doi.org/10.15252/embj.2021110352" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.15252/embj.2021110352</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-79259</guid><pubDate>Mon, 30 May 2022 10:15:00 +0200</pubDate><title>3400 Jahre alte Stadt aus dem Tigris aufgetaucht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/3400-jahre-alte-stadt-aus-dem-tigris-aufgetaucht/</link><description>Dürre ermöglicht Ausgrabung eines ehemaligen Zentrums im Reich von Mittani</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Team aus deutschen und kurdischen Archäologinnen und Archäologen hat am Tigris eine 3400 Jahre alte Stadt aus der Zeit des Mittani-Reichs freigelegt, die aus dem Wasser des Mosul-Stausees aufgetaucht war. Ermöglicht wurde dies, weil der Wasserspiegel des Sees aufgrund extremer Trockenheit im Irak rapide abgesunken war. Bei der ausgedehnten Stadtanlage mit Palast und mehreren Großbauten könnte es sich um das alte Zachiku handeln. Dieses dürfte ein wichtiges Zentrum im Großreich von Mittani gewesen sein (ca. 1550–1350 v. Chr.).</p><p>Der Irak ist eines der weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Besonders der Süden des Landes leidet seit Monaten unter extremer Trockenheit. Um die Ernte nicht vertrocknen zu lassen, wurden seit Dezember große Mengen von Wasser aus dem Mosul-Stausee – dem wichtigsten Wasserreservoir des Irak – zu Bewässerungszwecken abgelassen. Dadurch trat am Rand des Sees, am Ort Kemune in der Region Kurdistan des Irak, eine bronzezeitliche Stadt wieder an die Oberfläche, die vor Jahrzehnten untergegangen war, bevor sie archäologisch untersucht werden konnte.</p><p>Durch dieses unvorhergesehene Ereignis geriet die Archäologie unter Zugzwang: Es galt zumindest Teile dieser großen, wichtigen Stadtanlage schnellstmöglich freizulegen und zu dokumentieren, bevor sie wieder im Wasser versank. Deshalb haben der kurdische Archäologe Dr. Hasan A. Qasim, Direktor der Kurdistan Archaeology Organization (KAO), und die deutsche Archäologin Junior-Professorin Ivana Puljiz von der Universität Freiburg und der deutsche Archäologe Professor Peter Pfälzner von der Universität Tübingen spontan beschlossen, eine gemeinsame Rettungsgrabung in Kemune zu unternehmen. Diese fand im Januar und Februar 2022 in Zusammenarbeit mit der Antikendirektion Dohuk, Region Kurdistan-Irak statt.</p><p>Binnen weniger Tage wurde ein Team für die Rettungsgrabung zusammengestellt. Über die Universität Freiburg konnten kurzfristig Mittel der Fritz-Thyssen-Stiftung zur Finanzierung der Arbeiten eingeworben werden. Das deutsch-kurdische Team stand bei den Ausgrabungen unter immensem Zeitdruck, weil nicht klar war, wann das Wasser im See wieder ansteigen würde.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-79058</guid><pubDate>Fri, 20 May 2022 15:16:26 +0200</pubDate><title>Hans Bausch Mediapreis geht an Studie zur Informationskompetenz der Deutschen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hans-bausch-mediapreis-geht-an-studie-zur-informationskompetenz-der-deutschen/</link><description>Anna-Katharina Meßmer, Alexander Sängerlaub und Leonie Schulz haben die Auszeichnung am 19. Mai erhalten.</description><content:encoded><![CDATA[<p><em>„Quelle: Internet?“ Digitale Nachrichten- und Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test.“ </em>Für diese Studie aus dem März 2021 haben Anna-Katharina Meßmer, Alexander Sängerlaub und Leonie Schulz den Hans Bausch Mediapreis des SWR erhalten. Sie hatten darin überprüft, wie gut Probandinnen und Probanden Desinformationen erkennen und Quellen einordnen können – eine Fähigkeit, die in Zeiten des Medienwandels eine Grundlage der unabhängigen Meinungsbildung ist. Mit ihrer Studie geben sie einen Überblick über die aktuelle Nachrichten- und Informationskompetenz der Bevölkerung in Deutschland und leiten daraus Empfehlungen für gezielte Medienbildungspolitik ab.</p><p><strong>Studie zeigt Mängel der Nachrichtenkompetenz auf</strong><br> Im Rahmen des Nachrichtenkompetenz-Tests wurden über 4.000 Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland befragt und getestet. Sie schnitten in fast allen Kompetenzbereichen überwiegend mittelmäßig bis schlecht ab. Die Unterschiede zwischen Desinformation, Information, Werbung und Meinung erkannten sie nur schwer. Die drei Preistragenden fordern deshalb eine bessere digitale Schul- und Erwachsenenbildung und transparente journalistische Angebote.<br> &nbsp;<br><strong>Debatte um gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten</strong><br> Die Studie ist laut Jurybegründung „ein höchst gelungener Beitrag zur Debatte um gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten. Die Handlungsempfehlungen richten sich nicht nur an Bürgerinnen und Bürger, sondern fragen auch nach der Rolle und Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, des Journalismus, der Medienbildung für alle Altersgruppen, nach politischen Entscheidungsträgern und der Regulierung von Plattformen.“</p><p><strong>Handlungsempfehlungen ein klares Signal für den Journalismus der Zukunft</strong><br> „Gut funktionierende Demokratien sind auf gut informierte Bürgerinnen und Bürger angewiesen,“ so Professor Kai Gniffke, Intendant des SWR. „Die Studie betont unsere Verantwortung als Journalistinnen und Journalisten auch in digitalen Öffentlichkeiten. Die klaren Empfehlungen schärfen den Blick und leisten einen wertvollen Beitrag für die praktische journalistische Arbeit. Ich freue mich, dass der Hans Bausch Mediapreis dieses Jahr an ein Team geht, das sich fundiert mit den immer wichtiger werdenden Bereichen Informations- und Nachrichtenkompetenz befasst hat.“</p><p><strong>Ausbau der digitalen Bildung von der Vorschule bis zum Hochschulwesen</strong><br> Der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, sagte, das deutsche Bildungswesen müsse künftig verstärkt auf digitale Bildung setzen, und dies von der Vorschule bis zum Hochschulwesen: „Dabei wird es wie bei jeder Technologie darauf ankommen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die neuen Möglichkeiten nicht nur technisch beherrschen, sondern auch die Missbrauchspotenziale begreifen und einen kritisch-reflektierten Medienkon-sum entwickeln.“ Auch aus diesem Grund werde die Universität den Bereich der digitalen Bil-dung in Zukunft deutlich ausbauen, vor allem in der Ausbildung künftiger Lehrkräfte.</p><p><strong>Über die Autorinnen und Autoren</strong><br> Die promovierte Soziologin Anna-Katharina Meßmer leitet das Projekt zu digitaler Nachrichten- und Informationskompetenz. Davor leitete sie die Geschäftsstelle des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) und arbeitete als Lead Strategic Development bei dem Meinungsforschungsinstitut-Startup Civey.</p><p>Alexander Sängerlaub ist seit Januar 2021 Direktor und Mitbegründer des Think &amp; Do Tanks futur eins. Sein Fokus liegt dabei auf dem Themenfeld der Digitalisierung von Öffentlichkeiten. Bis 2020 leitete er Projekte zu Desinformation, Fact-Checking und digitaler Nachrichtenkompetenz bei der Stiftung Neue Verantwortung.</p><p>Leonie Schulz ist für die Datenerhebung und Analyse der Studie zuständig. Sie ist spezialisiert auf Forschung im gesellschaftspolitischen Bereich und in Wahlkämpfen. Zurzeit leitet sie quantitative Forschungsprojekte und Analysen bei der Forschungs- und Beratungsagentur <span lang="en" dir="ltr">polytix strategic research</span> gmbh und ist dort als Beraterin tätig.</p><p><br><strong>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR</strong><br> Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Dies wird insbesondere durch die Verleihung des gleichnamigen Mediapreises in Höhe von 5.000 Euro verwirklicht, der einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen wird. Bei der Verleihung des Preises kooperiert der SWR eng mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.</p><p><strong>Fachjury aus Medienpraxis und -forschung</strong><br> Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg</li><li>Thomas Dauser, SWR Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tü-bingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung</li><li>Professor Sascha Dickel, tätig im Arbeitsbereich Mediensoziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit dem Schwerpunkt Gesellschafts- und Medientheorie und digitale Partizipation</li></ul><p>&nbsp;</p><p><strong>Mehr zum Thema: </strong><a href="http://swr.li/hans-bausch-mediapreis-ausschreibung" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://swr.li/hans-bausch-mediapreis-ausschreibung</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78926</guid><pubDate>Fri, 20 May 2022 10:00:00 +0200</pubDate><title>Online schneller durchs Studium</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/online-schneller-durchs-studium/</link><description>Studie zeigt: Online-Angebote an Universitäten haben einen positiveren Nutzen, als viele denken 
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Online-Kurse waren in den USA nicht erst seit der Corona-Pandemie eine häufig genutzte Lehrform an Colleges und Universitäten. Dennoch herrscht in der öffentlichen Meinung zumeist Konsens darüber, dass diese Form des Unterrichts vor allem Nachteile mit sich bringt. Etwa, dass Studierende weniger lernen oder schlechtere Noten erhalten als mit Präsenzunterricht. Dass Online-Kurse aber auch Vorteile haben können, zeigt eine Studie vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen in Kooperation mit der University of California, Irvine. Je häufiger die Studierenden Online-Kurse belegt hatten, desto schneller und effizienter kamen sie zu ihrem Bachelorabschluss. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift <em>Educational Evaluation and Policy Analysis</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten Studienverläufe von rund 11.000 Studierenden in einem Zeitraum über sechs Jahre an einer amerikanischen Universität. Sie untersuchten, ob die Teilnahme an Online-Kursen die Studiendauer beeinflusste. Die Ergebnisse unterstreichen den Nutzen von Online-Kursangeboten im Rahmen der universitären Lehre.&nbsp;</p><p>So schlossen Studierende, die die Möglichkeit erhielten, an Online-Kursen teilzunehmen, ihr Bachelorstudium schneller ab als jene, die diese Chance nicht erhalten hatten. Zugleich war die Wahrscheinlichkeit, das Bachelorstudium in der Regelstudienzeit zu absolvieren, bei Studierenden, die das Online-Kursangebot nutzten, höher als bei anderen. Bei Studierenden, die aus vergleichsweise schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen stammten, waren die positiven Effekte der Online-Lehre geringer als bei ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen aus weniger schwierigen Verhältnissen. Trotzdem hatten auch sie durch die Teilnahme an Online-Kursen verbesserte Chancen darauf, ihr Bachelorstudium effizienter abzuschließen.</p><p>„Die Studien beziehen sich zwar auf Studierende in den USA, die Ergebnisse können aber durchaus auf das deutsche System übertragen werden“, erklärt Christian Fischer, Professor für Educational Effectiveness am Hector-Institut. In den USA belegten auch vor der Corona-Pandemie bereits rund 30 Prozent der Studierenden in ihrem regulären Präsenzstudium Online-Kurse. Dadurch war es ihnen möglich, auch Kurse zu besuchen, für die es Zulassungsbeschränkungen gab, zum Beispiel aufgrund zu hoher Studierendenzahlen oder zu wenig Lehrpersonal. „Unsere Studie hat somit einen weiteren Weg aufgezeigt, das Studium erfolgreich in der Regelstudienzeit abzuschließen“, so Fischer.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Fischer, C., Baker, R., Li, Q., Orona, G., &amp; Warschauer, M. (2021). Increasing success in higher education: The relationships of online course taking with college completion and time-to-degree. Educational Evaluation and Policy Analysis. Advance Online Publication. <a href="https://doi.org/10.3102/01623737211055768" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.3102/01623737211055768</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78977</guid><pubDate>Thu, 19 May 2022 12:19:26 +0200</pubDate><title>Neue Krokodilart lebte vor 39 Millionen Jahren in Asien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-krokodilart-lebte-vor-39-millionen-jahren-in-asien/</link><description>Maomingosuchus wurde vier Meter lang ‒ Forschungsteam identifiziert Fossilien aus Vietnam</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler des <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution</span> and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben in Vietnam die Fossilien einer bisher unbekannten Krokodilart identifiziert. Das knapp vier Meter lange, fast vollständig erhaltene Skelett aus der Fundstelle Na Duong gehört zu den langschnäuzigen Krokodilen aus der Verwandtschaft der Sundagaviale. Das zwischen 35 und 39 Millionen Jahre alte Fossil gibt neuen Aufschluss über die Verbreitung dieser Krokodile von ihren Ursprüngen in Nordafrika und Westeuropa nach Südostasien. Die Studie erschien im Fachmagazin <span lang="en" dir="ltr"><em>Journal of Systematic Palaeontology.</em></span></p><p>Gaviale haben eine lange Schnauze und sind auf Fischfang spezialisiert. Die heute lebenden Vertreter dieser Familie sind in ihrem Bestand gefährdet: der Sundagavial (T<em>omistoma schlegelii</em>) von der Malaiischen Halbinsel, Borneo, Sumatra und Java sowie der Gangesgavial (<em>Gavialis gangeticus</em>) aus Nepal und Indien. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse dieser heutigen Krokodilarten sind trotz genetischer Untersuchungen noch nicht abschließend geklärt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78812</guid><pubDate>Wed, 18 May 2022 20:00:00 +0200</pubDate><title>Unerwartete Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen der frühen Hirschferkel</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unerwartete-unterschiede-zwischen-maennchen-und-weibchen-der-fruehen-hirschferkel/</link><description>Tübinger Wissenschaftlerinnen untersuchen rund elf Millionen Jahre alte Schädelfunde aus der Tongrube Hammerschmiede im Allgäu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Hirschferkel gehören zu den kleinsten Wiederkäuern der Welt. Sie leben heute in den Tropen Afrikas und Asiens und sind kaum größer als Hasen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur wenig. Das war vor rund elf Millionen Jahren anders: Josephina Hartung und Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen stießen bei der Untersuchung zweier fossiler Hirschferkelschädel aus der Tongrube Hammerschmiede im Allgäu auf einen bisher unbekannten Geschlechtsunterschied. Sie entdeckten am Schädel eines männlichen Hirschferkels auffällige Knochenwülste über den Augen, die den Weibchen fehlten. Die Studie wurde vor Kurzem im Fachmagazin <em>PLOS ONE</em> veröffentlicht.</p><p>„Bei heute lebenden Hirschferkeln unterscheiden sich die Männchen von den Weibchen nur durch vergrößerte und äußerlich sichtbare obere Eckzähne“, sagt die Doktorandin Josephina Hartung. Diese säbelartigen Hauer dienten im Kampf zweier Männchen als Waffe oder zur Demonstration von Stärke. Die Hirschferkel der ausgestorbenen Art <em>Dorcatherium naui</em>, die vor elf Millionen Jahren in der heutigen süddeutschen Gegend um Pforzen lebten, seien etwas größer gewesen als heutige Arten. Sie waren Zeitgenossen des ersten aufrecht gehenden Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi</em>, dessen Überreste aus der Hammerschmiede bereits vor einigen Jahren untersucht wurden.</p><h3>Luftgefüllte Knochenstrukturen</h3><p>„Das Ungewöhnliche an den männlichen Schädeln der Hirschferkel aus der Hammerschmiede sind gut ausgeprägte Knochenwülste, die das Schädeldach nahezu kranzartig umschließen“, erläutert Hartung. Dieses Merkmal war bisher sowohl bei heutigen als auch bei fossilen Hirschferkeln unbekannt. Weibliche Hirschferkelschädel vom selben Fundort wiesen dieses Merkmal nicht auf. Die Forscherinnen schlossen daraus, dass es sich um einen bis jetzt unentdeckten Geschlechtsunterschied, auch als Geschlechtsdimorphismus bezeichnet, handeln müsse. Eine Bestätigung dieses Befunds erhielten sie durch den Vergleich mit weiteren fossilen Schädeln dieser Hirschferkelart.</p><p>Interessant sei, dass die Schädelwülste des Männchens mit Luft gefüllt waren, sagt Hartung. Das hätten Messungen mithilfe der Mikro-Computertomografie ergeben, einem Röntgenverfahren, mit dem man dreidimensionale Bilder der inneren Struktur kleiner Proben erhält. „Diese Daten haben uns gezeigt, dass die Wülste keineswegs mit dichtem Knochenmaterial gefüllt waren, sondern vielmehr viele kleine Hohlräume besaßen, ähnlich wie bei heutigen Giraffen.“ Ob diese Hohlräume zur Verringerung des Gewichts des Schädels dienten oder eine andere Funktion hatten, ist derzeit noch unklar. „Möglicherweise schützte der über der Augenpartie liegende Wulstabschnitt das Auge vor Kampfverletzungen durch die dolchartigen Eckzähne eines anderen Männchens, wie man dies von Muntjakhirschen kennt“, mutmaßt Madelaine Böhme.</p><h3>Hinweis auf eine ökologisch diverse Familie</h3><p>Die Forscherinnen halten es auch für wahrscheinlich, dass die Knochenwülste als eine Art Darstellungsmerkmal dienten, als Schmuck oder zum Imponieren, um Weibchen zu beeindrucken oder andere Männchen abzuschrecken. Ähnliches sei von den nahverwandten Huftieren wie Giraffen, Hirschen und Antilopen bekannt, die als Stirnwaffenträger hornartige Auswüchse, Hörner oder Geweihe tragen. „Dass die evolutionsgeschichtlich primitiveren Hirschferkel Knochenwülste auf ihren Schädeln trugen, ist ein Novum für die Biologie dieser kleinen Wiederkäuer“, sagt Hartung. Dies deute darauf hin, dass die Hirschferkel einst eine ökologisch diversere Familie bildeten.</p><p>„Erneut haben die Grabungen in der Hammerschmiede gezeigt, welches einzigartige Potenzial die Fossilien besitzen. Sie helfen uns, mehr über die Evolution und Biologie ausgestorbener Arten zu erfahren“, sagt Böhme.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78866</guid><pubDate>Tue, 17 May 2022 12:10:15 +0200</pubDate><title>Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/spektakulaere-deckengemaelde-im-tempel-von-esna-entdeckt/</link><description>Tübinger Forscher legen bislang im Detail unbekannte Darstellung der Göttinnen Nechbet und Wadjet frei</description><content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt. Wie Professor Christian Leitz von der Universität Tübingen berichtete, handelt es sich bei den reliefartig ausgeführten Bildern des mittleren Deckenabschnitts um insgesamt 46 Darstellungen der oberägyptischen Kronengöttin Nechbet sowie der unterägyptischen Kronengöttin Wadjet. Beide Göttinnen werden als Geier mit ausgebreiteten Schwingen dargestellt. Während Nechbet einen Geierkopf und die oberägyptische Krone trägt, ist Wadjet an der unterägyptischen Krone erkennbar, die auf dem Kopf einer Kobra sitzt.</p><p>Forschende des Instituts für Alte Kulturen des Orients an der Universität Tübingen und des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer (Dr. Hisham el-Leithy) arbeiten seit 2018 daran, die Reliefs, Malereien und Inschriften des Tempels freizulegen und die ursprünglichen Farben wieder sichtbar zu machen. „Tempel und Götterdarstellungen des Altertums waren oft mit leuchtenden Farben bemalt, die aber durch äußere Einflüsse meistens verblasst oder vollständig verschwunden sind“, sagte Leitz. Im Tempel von Esna wurden die Farben fast 2000 Jahre lang durch eine Schmutz- und Rußschicht überdeckt und auf diese Weise konserviert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78839</guid><pubDate>Mon, 16 May 2022 12:26:18 +0200</pubDate><title>Die Tübinger Kinder-Uni startet wieder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-tuebinger-kinder-uni-startet-wieder/</link><description>In Vorlesungen wird unter anderem über Künstliche Intelligenz und Flüsse gesprochen ‒ Für den Kinder-Uni-Forschertag sind ab 30. Mai Anmeldungen möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Kinder-Uni findet in diesem Semester erstmals wieder statt – pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Vorlesungsreihe heißt die Universität alle interessierten Kinder im Kupferbau willkommen. Jeweils dienstags um 17 Uhr geht es im Hörsaal 25 (Kupferbau, Hölderlinstraße 5) um unsere Sehfähigkeit, Künstliche Intelligenz, Flüsse und darum, was wir an Hunderassen über die Evolution lernen können. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Eltern sind willkommen, werden jedoch gebeten, die Sitzplätze den Kindern zu überlassen und ggf. in den hinteren Reihen Platz zu nehmen. Alle Informationen unter: <a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/kinder-uni/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/kinder-uni/</a>.</p><ul><li><strong>Dienstag, 24. Mai</strong></li></ul><p><strong>Prof. Dr. Uwe Ilg: Warum verschwindet die Maus?</strong><br> Wir nehmen an, dass unsere Augen hervorragende Kameras darstellen, viel besser als die Kamera unseres Smartphones! Sie senden anscheinend ständig scharfe Bilder an unser Gehirn. Mit einer Reihe von einfachen Experimenten und Präsentationen während der Vorlesung wird deutlich, dass dies so nicht stimmt: Sehen findet im Gehirn statt, nicht in den Augen.</p><ul><li><strong>Dienstag, 31. Mai</strong></li></ul><p><strong>Dr. Wieland Brendel: Warum kann ein Computer noch nicht meine Hausaufgaben machen?</strong><br> Computer und Smartphones können heute Dinge, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Wir können mit ihnen reden und sie nach dem Wetter fragen, sie übersetzen Texte oder malen Fotos in den Stilen berühmter Künstler. Das alles geschieht durch sogenannte Künstliche Intelligenz. Aber warum können Computer nicht auch Hausaufgaben erledigen? Um das zu verstehen, schauen wir uns gemeinsam an, wie Künstliche Intelligenz funktioniert und warum sie manchmal super schlau und manchmal ziemlich einfältig ist.</p><p>Gerne können Hausaufgaben (Textaufgaben) zum live Testen vorab eingesendet werden: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ykgncpf0dtgpfgnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">wieland.brendel<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><ul><li><strong>Dienstag, 21. Juni</strong></li></ul><p><strong>Prof. Dr. Christiane Zarfl: Warum müssen Flüsse wild fließen?</strong><br> Der Sommer naht, und der Neckar lädt zum Baden ein. Wie schön, einen Fluss vor der Haustür zu haben! Aber ... was ist eigentlich ein Fluss? In dieser Vorlesung schauen wir uns Beispiele für Flüsse aus aller Welt an und werfen auch einen Blick auf „unsere“ Flüsse in Tübingen. Was haben sie gemeinsam? Worin unterscheiden sie sich und warum? Wir sprechen über die Bedeutung von Flüssen ‒ für uns und auch für Tiere und Pflanzen. Und warum ist es so selten (geworden), dass ein Fluss wild fließen kann?"</p><ul><li><strong>Dienstag, 28. Juni</strong></li></ul><p><strong>Prof. Dr. Detlef Weigel: Warum ist der Schäferhund kein Dackel?</strong><br> Wir sind alle verschieden: nicht nur wie wir aussehen, aber auch, wie wir uns in unterschiedlichen Lebenslagen verhalten, welche Musik uns gefällt oder welche Dinge uns Spaß machen, weil wir sie gut können. Einiges davon ist gelernt oder anerzogen, vieles ist auch angeboren. Diese Vielfalt ist nicht auf Menschen beschränkt; auch Tiere und Pflanzen sind oft sehr unterschiedlich. Die Vielfalt innerhalb von Arten ist die Grundlage der Evolution. Bei Evolution denken die meisten von uns an Dinosaurier oder Neandertaler, und an Zeiträume, die sich über Millionen oder Hunderttausende von Jahren erstrecken. Evolution kann aber auch viel schneller ablaufen, besonders wenn der Mensch die Finger im Spiel hat – so wie bei der Züchtung, zum Beispiel von Hunderassen. Über dieses spannende Thema werden wir uns unterhalten.</p><p>Am<strong> Kinder-Uni-Forschertag </strong>ist nicht nur zuhören, sondern auch mitmachen angesagt: Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren können in kleineren Veranstaltungen und Workshops Institute der Universität kennen lernen und selbst mitforschen. Er findet dieses Jahr am <strong>Samstag, 2. Juli </strong>statt, das Programm wird am 30. Mai unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/2626</a>&nbsp;veröffentlicht, dann können die Kinder per E-Mail angemeldet werden. Bitte beachten Sie, dass die Teilnahme erst ab 7 Jahren möglich ist, Ausnahmen sind leider nicht möglich.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78851</guid><pubDate>Mon, 16 May 2022 12:10:00 +0200</pubDate><title>Ursula Schwitalla zur Ehrensenatorin der Universität Tübingen ernannt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ursula-schwitalla-zur-ehrensenatorin-der-universitaet-tuebingen-ernannt/</link><description>Kunsthistorikerin engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Universitätssammlungen und die Lehre an der Universität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verlieh die Ehrensenatorinnenwürde an Dr. Ursula Schwitalla BDA a.o. Die Kunsthistorikerin wurde für ihr langjähriges Engagement für die Vermittlung und Förderung von Kunst und Architektur an der Universität ausgezeichnet. Zur Verleihung am Freitag, 13. Mai 2022, war die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und -vertreter eingeladen.&nbsp;</p><p>Die Laudatio hielt Prof. Dr. Ernst Seidl, Direktor des Museums der Universität Tübingen MUT. In einem Ehrenvortrag sprach Prof. Dr. Werner Sobek von der Universität Stuttgart zum Thema „Über das Bauen in der Zukunft“.&nbsp;</p><p>Ursula Schwitalla studierte Geschichte, Geographie, Politik und Kunstgeschichte an den Universitäten Tübingen und Wien und wurde in Tübingen im Fach Kunstgeschichte mit einer Forschungsarbeit zum Kloster Bebenhausen promoviert. Sie arbeitete unter anderem als Kuratorin, Kunstberaterin und Lehrbeauftragte an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Tübingen.</p><p>Schwitalla ist Organisatorin der seit mehr als dreißig Jahren bestehenden, hochkarätig besetzten Vorlesungsreihe „Architektur Heute“ an der Universität Tübingen. Als Vorstand des Fördervereins „Tübinger Kunstgeschichtliche Gesellschaft – TKG“ engagiert sie sich seit vielen Jahren für die Unterstützung des Kunsthistorischen Instituts und die Erweiterung der Graphischen Sammlung. Zudem ist sie Kuratoriumsmitglied und Mitinitiatorin des Invited-Artist-Programms der Universität, bei dem internationale Künstlerinnen und Künstler zu Lehraufträgen nach Tübingen eingeladen werden.</p><p>„Ursula Schwitalla ist eine exzellente Botschafterin der Universität Tübingen, für die sie in den vergangenen Jahren mit außerordentlichem Erfolg gewirkt hat“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. Dank ihrer außerordentlichen Engagements habe sich Tübingen zu einem anerkannten Zentrum des Diskurses über zeitgenössische Architektur entwickelt. „Ihr Wirken in Kultur und Gesellschaft ist beispielhaft und hat das Ansehen der Universität enorm befördert.“</p><p>„Wer je in den Genuss einer der weltweit von Ursula Schwitalla angebotenen Exkursionen kam, der weiß, wie groß ihr Engagement und wie singulär die Fähigkeiten dieser beeindruckenden Person sind“, sagte ihr langjähriger Kollege Professor Ernst Seidl.</p><p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Persönlichkeiten, die sich um Wissenschaft, Forschung, Kunst, Kultur und gesellschaftliche Verständigung verdient gemacht haben. Sie würdigt damit auch ein besonderes Engagement für die Universität.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78578</guid><pubDate>Wed, 11 May 2022 17:00:00 +0200</pubDate><title>Explosion auf einem Weißen Zwerg direkt beobachtet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/explosion-auf-einem-weissen-zwerg-direkt-beobachtet-1/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn Sterne wie unsere Sonne ihren Brennstoff verbraucht haben, schrumpfen sie zu Weißen Zwergen. Manchmal zucken solche Objekte in einer superheißen Explosion noch einmal auf und produzieren einen Feuerball aus Röntgenstrahlung. Einen solchen Ausbruch im Röntgenlicht konnte ein Forschungsteam aus verschiedenen unter Führung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt zum ersten Mal direkt beobachten, Tübinger Wissenschaftler waren an dem Projekt beteiligt.</strong></p><p>„Dabei kam uns auch der Zufall zu Hilfe“, erklärt Ole König vom Astronomischen Institut der FAU in der Dr. Karl Remeis-Sternwarte Bamberg, der gemeinsam mit dem FAU-Astrophysiker Prof. Dr. Jörn Wilms und dem Forschungsteam bestehend aus dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, der Universität Tübingen, der Universitat Politécnica de Catalunya in Barcelona und dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam in der renommierten Fachzeitschrift Nature über die Beobachtung berichtet. „Solche Röntgenblitze lassen sich kaum vorhersagen, dauern nur wenige Stunden und das Beobachtungsinstrument muss in dieser Zeit auf den Ausbruch zielen“, schildert der Astrophysiker die Zusammenhänge.</p><p>Bei diesem Instrument handelt es sich um das eROSITA-Röntgen-Teleskop, das eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt seit 2019 den Himmel nach weichen Röntgenstrahlen durchmustert. Dabei wurde am 7. Juli 2020 starke Röntgenstrahlung in einem Bereich des Himmels gemessen, der vier Stunden vorher noch völlig unauffällig gewesen war. Als das Röntgen-Teleskop vier Stunden später die gleiche Stelle am Himmel erneut musterte, war diese Strahlung wieder verschwunden. Weniger als acht Stunden hatte der Röntgenblitz also gedauert, der vorher das Zentrum des Detektors völlig überbelichtet hatte.</p><p>Solche Röntgen-Ausbrüche hatten theoretische Überlegungen bereits vor mehr als 30 Jahren vorgesagt. Sie waren bisher aber noch nie direkt beobachtet worden. Diese Feuerbälle aus Röntgenstrahlen entstehen auf der Oberfläche von Sternen, die eine ähnliche Größe wie unsere Sonne hatten, bevor sie ihre Brennstoffvorräte aus Wasserstoff und später aus Helium tief in ihrem Inneren weitgehend verbraucht hatten. Diese alten Sterne schrumpfen sehr stark zusammen, bis ein „Weißer Zwerg“ übrigbleibt, der ähnlich groß wie die Erde ist, aber eine Masse enthält, die ähnlich groß wie unsere Sonne sein kann. „Diese Verhältnisse kann man sich an einem Beispiel gut vorstellen“, erklärt Jörn Wilms: „Stellt man sich die Sonne in der Größe eines Apfels vor, hätte die Erde die Dimension eines Stecknadelkopfes, der in zehn Metern Entfernung um den Apfel kreist.“</p><p>„Solche sogenannten Novae passieren häufiger, aber eine Beobachtung der allerersten Augenblicke des Ausbruchs, bei denen der größte Teil der Röntgenstrahlung produziert wird, ist sehr schwierig“, fügt Dr. Victor Doroshenko von der Universität Tübingen hinzu. „Nicht nur die kurze Dauer diese Röntgenblitzes ist eine Herausforderung, sondern auch die Tatsache, dass das Spektrum der emittierten Strahlung sehr weich ist. Weiche Röntgenstrahlung ist nicht sehr energiereich und wird leicht von interstellarer Materie absorbiert, deshalb können wir in diesem Wellenlängenband nicht besonders tief ins All blicken. Das begrenzt die Anzahl der beobachtbaren Objekte, gleich ob eine Nova oder ein normaler Stern. Röntgenteleskope sind deshalb normalerweise so konstruiert, dass sie besonders im harten Röntgenbereich effektiv arbeiten. Und genau das ist der Grund, warum wir ein solches Ereignis nicht sehen würden!“</p><h3>Sterne in Form eines Edelsteins</h3><p>Verkleinert man wiederum einen Apfel auf die Größe eines Stecknadelkopfes, behält dieses winzige Teilchen das vergleichsweise riesige Gewicht des Apfels. „Ein Teelöffel Materie aus dem Inneren eines Weißen Zwergs hat daher leicht die Masse eines Lastkraftwagens“, erklärt Jörn Wilms weiter. Weil diese ausgebrannten Sterne hauptsächlich aus Sauerstoff und Kohlenstoff bestehen, ähneln sie einem ebenfalls aus Kohlenstoff bestehenden riesigen Diamanten, der die Größe der Erde hat und im Weltraum schwebt. Diese Objekte in Form eines Edelsteins sind zwar immer noch heiß und leuchten daher weiß. Nur ist diese Strahlung schwach und lässt sich daher von der Erde aus gesehen kaum entdecken.</p><p>Es sei denn, der alte Stern wird von einem Stern begleitet, in dem das Sonnenfeuer noch brennt und von dem dann Material auf ihn übergehen kann. „Dieser Wasserstoff kann sich mit der Zeit zu einer nur wenige Meter dicken Schicht auf der Oberfläche der Sternenleiche sammeln“, erklärt FAU-Astrophysiker Jörn Wilms. In dieser Schicht aber erzeugt die riesige Schwerkraft einen gigantischen Druck, der so groß werden kann, dass dort das Sternenfeuer wieder zündet. In einer Kettenreaktion entsteht rasch eine riesige Explosion, in der die Wasserstoffschicht wieder abgesprengt wird. Die Röntgenstrahlung einer solchen Explosion hat dann am 7. Juli 2020 die Detektoren von eROSITA getroffen und überbelichtet.</p><p>„Der physikalische Ursprung der Röntgenstrahlung des Weißen Zwergs ist ganz gut verstanden und wir können das Spektrum sehr gut modellieren. Der Vergleich von Modellen mit der Beobachtung erlaubt die Bestimmung von Masse, Größe und chemischer Zusammensetzung dieser Objekte.“ Erklärt Dr. Valery Suleimanov von der Universität Tübingen. „Das Problem in diesem Fall war, dass wir nach 30 erfolglosen Jahren solche Röntgenblitze zu finden plötzlich ein so helles Ereignis beobachtet haben, das die Detektoren des Teleskops überbelichtete und die Auswertung der Daten erschwerte.“ fügt Victor Doroshenko hinzu.</p><p>„Mit Modellrechnungen, mit denen wir ursprünglich die Entwicklung des Röntgen-Instruments begleitet hatten, konnten wir dann in einer aufwändigen Arbeit das überbelichtete Bild genauer analysieren und so erstmals einen Blick hinter die Kulissen einer solchen Explosion auf einem Weißen Zwerg werfen“, schildert Jörn Wilms die weitere Forschung. Nach diesen Ergebnissen sollte der Weiße Zwerg ungefähr die Masse unserer Sonne haben und damit relativ groß sein. Bei der Explosion entstand ein 327.000 Grad heißer Feuerball, der damit rund sechzigmal wärmer als unsere Sonne war. „Diese Ergebnisse wurden durch die Kombination von Modellen der Röntgenstrahlung und der Emissionsmodellen von weißen Zwergen gewonnen, die in Tübingen von Valery Suleimanov und Victor Doroshenko entwickelt werden, gewonnen. Das zeigt eindrücklich, wie wichtig die Zusammenarbeit in der modernen Wissenschaft ist und belegt die breite Expertise des deutschen eROSITA-Konsortiums“, fügt Professor Klaus Werner von der Universität Tübingen hinzu.</p><p>Weil bei solchen Novae der Energie-Nachschub fehlt, kühlen sie rasch aus, und die Röntgenstrahlung wird weicher, bis sie schließlich zu sichtbarem Licht wird, das einen halben Tag nach der eROSITA-Entdeckung auch die Erde erreichte und mit optischen Teleskopen beobachtet wurde. „Es tauchte dann ein scheinbar heller Stern auf, der sogar mit dem bloßen Auge sichtbar war“, erklärt Ole König. Solche scheinbaren „neuen Sterne“ wurden auch früher schon beobachtet und wegen ihres unverhofften Auftauchens „Nova Stella“ genannt, was „neuer Stern“ bedeutet. Weil diese Nova aber erst nach dem Röntgenblitz sichtbar wird, ist eine Vorhersage für solche Ausbrüche sehr schwierig, die daher eher zufällig die Röntgen-Detektoren treffen. „Da hatten wir wirklich Glück“, freut sich Ole König.&nbsp;</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p><a href="https://www.nature.com/articles/s41586-022-04635-y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-022-04635-y</a>&nbsp;</p><p class="align-right">Nach einer Pressemitteilung der&nbsp;Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78359</guid><pubDate>Thu, 05 May 2022 11:04:37 +0200</pubDate><title>Zwei Millionen Euro jährlich für die Hirnforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zwei-millionen-euro-jaehrlich-fuer-die-hirnforschung/</link><description>Dauerhafte Finanzierung des Hertie-Institut für klinische Hirnforschung ist künftig durch das Land Baden-Württemberg gesichert.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwanzig Jahre nach seiner Gründung wird das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) jährlich dauerhaft mit zwei Millionen Euro durch das Land Baden-Württemberg gefördert. Die Verstetigung der Landesförderung und die weitere Unterstützung durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung erlauben dem Institut die Umsetzung des Zukunftsplans „HIH 2030“. Gemäß seiner Mission, Spitzenforschung und optimale Krankenversorgung zum Wohle der Erkrankten und Gesellschaft zu leisten, plant das HIH nun, seine Forschungsstrukturen weiterzuentwickeln. Bundesweit gilt es als Vorreiter einer erfolgreich gelebten Translation in der Neuromedizin. Das HIH feierte sein 20-jähriges Jubiläum am Mittwoch, 04. Mai 2022, mit einem Festakt in Anwesenheit von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.</p><p>„Seit 20 Jahren leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hertie-Instituts für Hirnforschung hervorragende Arbeit in der Spitzenforschung und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Institut sich im Bereich der Neurowissenschaften einen exzellenten Ruf erworben hat. Das Institut leistet hier einen entscheidenden Beitrag zur Forschungsexzellenz Baden-Württembergs. Damit dies auch in Zukunft gesichert werden kann, steigt das Land von diesem Jahr an in die dauerhafte Finanzierung mit ein“, so Ministerin Bauer während der Veranstaltung in der Neuen Aula der Universität Tübingen.</p><p>„Wir freuen uns natürlich sehr über die Aufnahme in den Landeshaushalt“, erklärt Professor Dr. Thomas Gasser, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Neurologie. „Nun können wir unseren systematischen Ansatz der translationalen Forschung und Versorgung strategisch erweitern und so auch künftig den Herausforderungen der klinischen Hirnforschung begegnen zum Wohl der Patientinnen und Patienten.“</p><p>Das HIH wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Mit der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen bildet es das Zentrum für Neurologie. Diese strukturelle Verknüpfung ermöglicht, dass wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können und Patientinnen und Patienten direkt von neuen Forschungsergebnissen profitieren.</p><p>In Zukunft wird sich das Zentrum noch mehr der Entwicklung von Strategien zur Früherkennung, Prävention und Rehabilitation neurologischer Erkrankungen widmen und sich bei dem Ausbau seines Forschungs- und Versorgungsspektrums auf zwei Zukunftsfelder konzentrieren: auf die systembasierte Neuromedizin sowie auf die an den individuellen Krankheitsursachen ansetzenden, personalisierten Medizin. Dafür werden neue Arbeitsgruppen und Strukturen eingerichtet.</p><p>In der personalisierten Medizin wird gezielt und individuell die Krankheitsursache der betroffenen Person therapiert. Das kann zum Bespiel ein seltener Gendefekt sein, der zur Erkrankung führt. Die systembasierte Neuromedizin zielt hingegen darauf ab, das erkrankte Gehirn oder Nervensystem als Ganzes zu behandeln, etwa mit Hilfe von innovativen Neuroprothesen. Neben der Stärkung dieser beiden methodischen Zukunftsfeldern wird das Institut zudem die Digitalisierung vorantreiben und Methoden des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz integrieren.</p><p>„Bei seiner Weiterentwicklung kann das Zentrum für Neurologie auf seine langjährige herausragende Expertise in den klinischen Neurowissenschaften aufbauen“, sagt Professor Dr. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen. „Das Erfolgsmodell HIH hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Standort Tübingen zu einem Leuchtturm der Neurologischen Forschung mit internationalen Bekanntheitsgrad entwickeln hat.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78320</guid><pubDate>Wed, 04 May 2022 16:22:36 +0200</pubDate><title>Algorithmus zur Vorhersage von Studienabbrüchen in der Mathematik</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/algorithmus-zur-vorhersage-von-studienabbruechen-in-der-mathematik/</link><description>Sozialwissenschaftliches Team der Universität Tübingen entwickelt statistische Methode zur Trennung verschiedener Einflussebenen</description><content:encoded><![CDATA[<p>In den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – brechen bis zu 40 Prozent der Studierenden ihr Studium bereits in der Eingangsphase ab. Ein Forschungsteam vom Methodenzentrum der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen hat nun ein statistisches Verfahren entwickelt, mit dem sich für Studierende im Durchschnitt acht Wochen im Voraus prognostizieren lässt, ob sie ihr Studium abbrechen werden.</p><p>Dem Team gelang mit dem neu entwickelten Algorithmus auch ein allgemeiner methodischer Fortschritt. Der Algorithmus ist in der Lage, im Zuge der Vorhersage die bereits zu Studienbeginn bestehenden Unterschiede zwischen den individuellen Studierenden – wie etwa die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit – zu berücksichtigen, und diese von der Befindlichkeit individueller Studierender über die Zeit zu trennen. So wird es möglich, die Wahrscheinlichkeit eines Studienabbruchs auch für prinzipiell geeignete Studierende vorherzusagen. Eine solche Trennung verschiedener Einflussebenen ist auch für zahlreiche Fragestellungen aus anderen Bereichen interessant. Zur Entwicklung der Methode veröffentlichte das Team einen Beitrag in der Fachzeitschrift <em>Psychometrika</em>.</p><p>Studierende der MINT-Fächer bringen zu Beginn unterschiedliche Voraussetzungen mit, die Einfluss auf die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs haben. „Es liegt auf der Hand, dass zum Beispiel die Mathematikleistung in der schulischen Oberstufe und die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit bei individuellen Studierenden unterschiedlich sind. Geringere Leistungsfähigkeit führt zunächst häufiger zu einem Abbruch in der Eingangsphase“, sagt Professor Augustin Kelava vom Methodenzentrum. „Wir wollten uns jedoch der Frage annähern, wie sich unter den vergleichbar befähigten Erstsemestern jene erkennen lassen, die ihr Studium schnell abbrechen.“</p><h3>Längsschnittstudie mit 122 Studierenden</h3><p>Für die Studie wurden 122 Studierende der Universität Tübingen im ersten Mathematiksemester in einer großen Eingangsuntersuchung zu ihren Vorkenntnissen in der Mathematik, ihren Interessen, ihrer Schulkarriere und ihrem finanziellen Hintergrund befragt und Persönlichkeitsvariablen, unter anderem zur emotionalen Stabilität erhoben. „Die Ergebnisse der Eingangsuntersuchung gaben uns ein Bild der stabilen Eigenschaften jeder und jedes Studierenden“, sagt Kelava. Danach folgten dreimal in der Woche, insgesamt 50 Mal über 131 Semestertage, jeweils fünfminütige Befragungen, bei denen die Studierenden angaben, wie sie sich aktuell fühlen und ob sie nach eigener Einschätzung im Unterricht mitkommen. „Wir wussten zusätzlich aus Gründen der Überprüfung der gemachten Vorhersagen, wer bis zum Semesterende dabei war, und kannten die Note der Abschlussklausur. Die Akzeptanz unserer Befragung war ferner sehr hoch“, berichtet er.</p><p>Das Forschungsteam griff nicht gezielt in die individuellen Studienverläufe ein, „was aber auf Grundlage der im Fokus stehenden Verfahrensentwicklung eine künftige individuen-orientierte Anwendung wäre“, meint der Wissenschaftler. Die Vorhersagen wurden mit der neuentwickelten statistischen Methode berechnet, einem Algorithmus, der in Echtzeit, das heißt bis zu einem Zeitpunkt gesammelte Daten dazu verwendet, das künftige Verhalten und Erleben der oder des einzelnen Studierenden mit großer Wahrscheinlichkeit zu bestimmen – ein sogenannter<span lang="en" dir="ltr"> Forward-Filtering-Backward-Sampling</span> (FFBS)-Algorithmus. „Die Einflussebenen sind komplex. Sie greifen ineinander, eine Vielzahl von Variablen spielt eine Rolle bei der Entscheidung, durchzuhalten oder das Studium abzubrechen.“</p><h3>Frühzeitige Vorhersagen von Abbruchsintentionen</h3><p>Im Ergebnis konnte das Forschungsteam im Durchschnitt bereits acht Wochen vorher Studienabbruchsintentionen vorhersagen, also zu einem Zeitpunkt, wenn die Personen noch zu den Veranstaltungen kommen. „Häufig sind die Studierenden nach dem Start im Wintersemester nach Weihnachten nicht mehr da“, sagt Kelava. „Uns ist es gelungen, die beiden Einflussebenen einerseits der stabilen Eigenschaften der Studierenden von andererseits den Veränderungen ihrer Befindlichkeit über die Zeit bei der Vorhersage der verdeckten Intentionen zu trennen. Wir können sagen, wann sie eine latente, zum Zeitpunkt noch nicht direktbar beobachtbare, Abbruchsneigung entwickeln aufgrund ihrer eigenen Auskünfte, wie sie sich fühlen und wie sie im Studium zurechtkommen.“</p><p>In der Praxis biete die statistische Methode ein Instrument, um spezifisch auf individuelle Studierende etwa mit Beratungsangeboten zuzugehen, die für das Fach prinzipiell befähigt sind, aber Tendenzen zum Studienabbruch zeigen. Allgemein sei die Methode auch für bestimmte Forschungsfragen in anderen Bereichen geeignet, etwa der Trennung stabiler Einflussgrößen von situativen Entwicklungen bei Aktienkursen in den Wirtschaftswissenschaften oder ingenieurwissenschaftlichen Anwendungen.&nbsp;</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p>Das <a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/methodenzentrum/institute/" class="internal-link">Methodenzentrum </a>entwickelt grundsätzlich interdisziplinäre Methoden, zum Beispiel um Brücken zwischen den Sozialwissenschaften und den Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fächern, etwa dem Maschinellen Lernen, herzustellen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Kelava, A., Kilian, P., Glaesser, J., Merk, S., &amp; Brandt, H. (<span lang="en" dir="ltr">online first). Forecasting intraindividual changes of affective states taking into account interindividual differences using intensive longitudinal data from a university student drop out study in math</span>. <em>Psychometrika</em>, <a href="https://doi.org/10.1007/s11336-022-09858-6" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s11336-022-09858-6</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-78305</guid><pubDate>Wed, 04 May 2022 15:20:25 +0200</pubDate><title>Neuentdeckung: Ernst Haeckel und die Paläontologie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuentdeckung-ernst-haeckel-und-die-palaeontologie/</link><description>Neues Buch zur Mitschrift einer Haeckel-Vorlesung veröffentlicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bis vor kurzem war eine Verbindung des deutschen Zoologen Ernst Haeckel zur Paläontologie unbekannt – eine jüngst entdeckte Mitschrift seiner Vorlesung über „Paleontologie“ von 1866 wirft ein neues Licht auf den Naturgelehrten. Die Neuentdeckung wurde von Wissenschaftlern des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einem 119-seitigen Werk veröffentlicht. Entdeckt wurde das Dokument, das im Archiv der Russischen Geographischen Gesellschaft aufbewahrt wird, im Nachlass von Nikolai Miklucho-Maclay, einem Studenten Haeckels. Das neu erschienene Buch gibt die Mitschrift aus Haeckels Paläontologie-Vorlesung wieder als auch von der Tafel übertragene Zeichnungen.&nbsp;</p><p>Ernst Haeckel gilt als „deutscher Darwin“: Der 1834 in Potsdam geborene und 1919 in Jena verstorbene Mediziner, Zoologe, Philosoph, Zeichner und Freidenker trug ab den 1860er Jahren maßgeblich dazu bei, die Ideen Charles Darwins in Deutschland zu verbreiten. „Unsere jüngste Entdeckung zeigt, dass ‚Darwins Kampfhund‘ auch der Paläontologie und den Lebenswelten der Erdgeschichte zugetan war“, erzählt Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und fährt fort: „Das ist umso bemerkenswerter, da Haeckel sich vor allem mit wirbellosen Meerestieren wie Quallen beschäftigte, die so gut wie nie fossil erhalten bleiben.“&nbsp;</p><p>Gemeinsam mit seinem Jenenser Kollegen PD Dr. Georgy S. Levit und mit PD Dr. Ingmar Werneburg vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen hat der Jenaer Biologiedidaktiker eine bislang unbekannte Mitschrift aus einer Vorlesung von Ernst Haeckel in einem 119-seitigen Buch veröffentlicht. Die Aufzeichnungen stammen von einem damaligen Studenten Haeckels, dem späteren Ethnologen und Anthropologen Nikolai Miklucho-Maclay, und sie wurden im Archiv der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg entdeckt. Der Mitherausgeber des Buches und ehemalige Lehramtsstudent Christian Udo Rehm hat den Text für seine Staatsexamensarbeit im Detail transkribiert und die Skizzen der Mitschrift umgezeichnet. Zudem wurde die Vorlesungsaufzeichnung in einen wissenschaftshistorischen Kontext gesetzt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77897</guid><pubDate>Thu, 28 Apr 2022 10:00:00 +0200</pubDate><title>Frühblüher eine Woche früher dran als vor hundert Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehblueher-eine-woche-frueher-dran-als-vor-hundert-jahren/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht Verschiebung der jahreszeitlichen Entwicklung von Waldpflanzen – Herbarbelege spiegeln Klimaerwärmung wider</description><content:encoded><![CDATA[<p>Frühblühende Pflanzen in den europäischen Wäldern beginnen die Blühsaison heute im Schnitt eine Woche früher als vor hundert Jahren. Davon zeugen Herbarbelege, wie Dr. Franziska Willems und Professor Oliver Bossdorf vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen gemeinsam mit Professor J. F. Scheepens von der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden haben. Das Forschungsteam nutzte die Sammeldaten von Herbarbelegen aus mehr als einem Jahrhundert für eine neu entwickelte Methode der geografisch-räumlichen Modellierung. So konnte das Team auch belegen, dass die frühere Blütezeit der Wildpflanzen mit der Klimaerwärmung zusammenhängt. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift <em><span lang="en" dir="ltr">New Phytologist</span></em> veröffentlicht.</p><p>Buschwindröschen, Waldmeister, Lungenkraut und Frühlings-Platterbse blühen früh im Jahr im Unterwuchs des Waldes. „Sie nutzen ein kritisches Zeitfenster für die Blütezeit, bevor die Laubbäume ihre Blätter austreiben und den Unterwuchs beschatten“, erklärt Franziska Willems. Wenn die Temperaturen steigen, öffnen sich die Blattknospen der Bäume tendenziell früher, daran müssten sich auch die Frühblüher anpassen. „Allerdings gehen sie das Risiko ein, dass ihre geöffneten Blüten von spätem Frost geschädigt werden. Außerdem kommen sie nicht ohne bestäubende Insekten aus, die zur Blütezeit bereits aktiv sein müssen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77891</guid><pubDate>Wed, 27 Apr 2022 15:33:25 +0200</pubDate><title>Neue Rektorin für die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-rektorin-fuer-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Professorin Karla Pollmann wurde heute zur Nachfolgerin von Professor Bernd Engler gewählt – Amtsantritt am 1. Oktober 2022</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen wird künftig von einer Frau geführt: Professorin Karla Pollmann tritt am 1. Oktober 2022 als neue Rektorin die Nachfolge von Professor Bernd Engler an. Am Mittwoch wurde sie vom Universitätsrat mit sieben von zehn Stimmen sowie vom Senat der Universität mit 25 von 33 Stimmen für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Eine interne Findungskommission hatte insgesamt drei Kandidatinnen zur Wahl vorgeschlagen.</p><p>„Ich freue mich über das Vertrauen, das die Wahlgremien mir heute geschenkt haben, und blicke voll Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit Beschäftigten und Studierenden der Universität“, sagte Karla Pollmann. „Ich werde mich diesem verantwortungsvollen Amt mit ganzer Kraft widmen, um die Universität Tübingen weiterhin auf Erfolgskurs zu halten.“</p><p>Der Vorsitzende des Universitätsrats, Bernhard Sibold, gratulierte der künftigen Rektorin. „Wir freuen uns auf die gemeinsame Wegstrecke mit Karla Pollmann und haben volles Vertrauen, dass sie die Erfolgsgeschichte der Universität Tübingen fortsetzen wird.“ Sibold dankte auch Professor Bernd Engler, der im Oktober aus dem Amt scheiden wird, für sein herausragendes Engagement über drei Amtsperioden. „Mit unermüdlichem Einsatz, Weitblick und einer klaren Führung hat Bernd Engler Tübingen in die Gruppe der 100 besten Universitäten der Welt geführt.“</p><p>Der Amtsinhaber gratulierte seiner designierten Nachfolgerin und wünschte ihr einen breiten Rückhalt in der gesamten Universität, Entscheidungsfreude und viel Erfolg im neuen Amt. „Dieser Tag markiert eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der Universität Tübingen“, sagte Engler. Wichtigste Aufgabe der neuen Rektorin werde es sein, die Universität Tübingen in die 2023 beginnende nächste Runde der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern zu führen. Bernd Engler führt die Universität seit 2006. Unter seiner Ägide konnte Tübingen 2012 erstmals den begehrten Exzellenzstatus erringen und 2019 erfolgreich verteidigen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77741</guid><pubDate>Mon, 25 Apr 2022 11:26:13 +0200</pubDate><title>Studium Generale wieder im Kupferbau</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-wieder-im-kupferbau/</link><description>Kostenlose Vorlesungsreihen der Universität Tübingen greifen unter anderem aktuelle Debatten zu Genderstudies, Bildungsgerechtigkeit, Klimawandel und Verantwortung der Wissenschaft auf</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen kehrt im Sommersemester 2022 wieder in den Kupferbau zurück. Erstmals finden die Veranstaltungen zum überwiegenden Teil wieder in Präsenz statt. Der Zugang ist für alle Interessierten kostenlos und ohne Anmeldung möglich.</p><p>In der Reihe <strong>Religion und Literatur – Eine Topographie ihrer Begegnung im Spiegel deutschsprachiger Literatur (Montag, 18:15 Uhr im Hörsaal 25) </strong>geht Theologe Professor Karl-Josef Kuschel „Sternstunden“ einer Begegnung von Religion und Literatur nach, die immer auch mit ausgewählten Schauplätzen des Lebens verbunden sind: Seien es Bertolt Brechts „Svendborger Gedichte“ aus dem Dänischen Exil, Rainer Maria Rilkes „Duineser Elegien“ oder das Zwiegespräch von Nelly Sachs und Paul Celan, das im Gedicht „Zürich. Zum Storchen“ festgehalten wurde.</p><p>Fragen von Gleichheit und Ungleichbehandlung, Diskriminierung, Vielfalt und Bewegungen wie #metoo prägen aktuell politische und gesamtgesellschaftliche Debatten. Die Reihe <strong>Gender und Diversität als Forschungszugänge: Beiträge zur Versachlichung der Diskussion (Montag, 18:15 Uhr im Hörsaal 21)</strong>, organisiert durch das Zentrum für Gender und Diversitätsforschung an der Universität Tübingen, zeigt das breite Spektrum an Forschungsfragen, Methoden und Wissensbeständen der „Gender und Diversity Studies“ auf.</p><p>Ob Robin Hood, Wilhelm Tell, Zarathustra oder Anna Karenina: In der Reihe <strong>Europas phantastische Held*innen – eine literarische Spurensuche (II) (Montag, 20:15 Uhr im Hörsaal 25)</strong> setzt Literaturwissenschaftler Professor Jürgen Wertheimer seine Beschäftigung mit „Helden“ aus dem kollektiven Gedächtnis der Europäer fort und erzählt damit eine „etwas andere Geschichte“ des Kontinents, jenseits von Herrscherdaten und Epochenschwellen.</p><p>Die Reihe <strong>„Wie wurde ich Professor*in? Bildungsaufsteiger*innen reflektieren ihren Lebensweg“ (Dienstag, 18:15 Uhr im Hörsaal 21) </strong>verstehen die Einladenden, Professorin Astrid Franke (Amerikanistik) und Professor Markus Rieger-Ladich (Erziehungswissenschaft), als einen Beitrag zur Selbstreflexion der Universität, und auch zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Professorinnen und Professoren, die in ihrer Familie in der ersten Generation studierten, schildern ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Lauf ihrer akademischen Karriere.</p><p>Um die Klimakrise und die Gesunderhaltung unseres Planeten geht es in der Reihe <strong>Klima, Umwelt und Planetare Gesundheit (Dienstag, 20:15 Uhr im Hörsaal 25)</strong>, die gemeinsam von „Health for Future (H4F) und den Scientists for Future (S4F) mit dem Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung organisiert wird. Diskutiert werden Fragen wie „Wie könnte die Menschheit besser gesundheitliche, politische, ökonomische, rechtliche und soziale Zusammenhänge erkennen und steuern?“ und „Wie lassen sich die natürlichen Systeme unseres Planeten bewahren?“</p><p>Die Reihe <strong>Sexualisierte Gewalt in Bildungseinrichtungen: Perspektiven einer aktuellen Debatte (Mittwoch, 18:15 Uhr im Hörsaal 25) </strong>möchte das Feld der sexualisierten Gewalt in pädagogischen Einrichtungen ausleuchten und mit Expertinnen und Experten Ideen diskutieren, wie sich Schutz, Prävention und Aufarbeitung gestalten lassen. Organisiert wird sie von Professor Marcus Syring und Dr. Anja Nold (beide Erziehungswissenschaft).</p><p>Die Reihe <strong>Markt und Moral (Donnerstag, 18:15 Uhr im Hörsaal 25) </strong>untersucht ein Spannungsverhältnis: Stehen Marktergebnisse zwingend im Widerspruch zur Moral? Auch wenn die Wirtschaftswissenschaft sich mit Marktversagen und korrigierenden Politikinterventionen befasst, tut sie sich möglicherweise schwer, hier Antworten zu geben. Organisiert von Professor Gernot Müller und Professor Dominik Papies sucht der Fachbereich das Gespräch, auch mit Forschenden aus der Philosophie und Theologie.</p><p>Die Reihe <strong>Wissenschaft zwischen Freiheit und Verantwortung (Donnerstag, 20:15 Uhr im Hörsaal 25 und per Livestream) </strong>diskutiert die öffentliche Rolle von Wissenschaften. Insbesondere in Krisenzeiten stellen sich Fragen, u.a. wie sich akademische Freiheiten und öffentlicher Druck vertragen, welche öffentliche Verantwortung Forschenden zukommt und wie sich dies gelungen kommunizieren lässt. Dr. Christopher Gohl vom Weltethos-Institut lädt Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Fachbereiche ein, das wissenschaftliche Selbstverständnis sowie (eigene) Erwartungen an die Wissenschaft zu erkunden und zu diskutieren.</p><p>Details zu den Formaten (Präsenz/digital) sowie der Programmflyer sind unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studium-generale" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a>&nbsp;hinterlegt. Der Flyer kann auch in gedruckter Form unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ugmtgvctkcv/mqoowpkmcvkqpBbx0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sekretariat-kommunikation<span style="display:none">spam prevention</span>@zv.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;bestellt werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77576</guid><pubDate>Fri, 22 Apr 2022 11:25:56 +0200</pubDate><title>Eine kalorienarme Diät verändert das Darmmikrobiom und die Immunalterung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-kalorienarme-diaet-veraendert-das-darmmikrobiom-und-die-immunalterung-1/</link><description>Eine kalorienreduzierte Ernährung kann nicht nur die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen hinauszögern, sondern hat auch eine positive Wirkung auf das Immunsystem. Forschende konnten jetzt erstmals zeigen, dass dieser Effekt über ein verändertes Darmmikrobiom* vermittelt wird, das die Verschlechterung des Immunsystems im Alter (Immunseneszenz) verlangsamt. Die Studie ist in Microbiome erschienen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weltweit sind etwa 2 Mrd. Menschen übergewichtig. Adipositas erhöht das Risiko, an Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken und kann Entzündungen im Körper verursachen, die das Immunsystem durch die Zunahme von bestimmten T- und B-Gedächtniszellen schwächen. Der Prozess wird als Immunseneszenz bezeichnet, eine altersbedingte Veränderung des Immunsystems. Bei adipösen Menschen lässt sich die Entwicklung von Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes durch eine Ernährung mit wenig Kalorien hinauszögern. Zudem wirkt sich eine solche Diät auch positiv auf das Immunsystem aus. Doch wie genau die positiven Effekte vermittelt werden und welche Rolle das Darmmikrobiom dabei spielt, ist bisher nicht bekannt. In einer aktuellen Studie** haben Forscherinnen und Forscher jetzt die Wechselwirkungen zwischen kalorienreduzierter Ernährung, Mikrobiom, Stoffwechsel und dem Immunsystem untersucht.&nbsp;</p><h3>Kalorienreduzierte Diät verändert das Darmmikrobiom</h3><p>Dafür analysierten sie zunächst, wie sich eine sehr kalorienarme Diät (800 kcal/Tag über 8 Wochen) auf das Darmmikrobiom einer fettleibigen Frau auswirkt. Im nächsten Schritt transplantierten die Forscherinnen und Forscher das Darmmikrobiom vor und nach der Diät in ein Modell, in dem keine Mikroorganismen vorhanden sind (gnotobiotisches Modell). „So konnten wir die alleinigen Effekte des diätgeprägten Darmmikrobioms auf den Stoffwechsel und das Immunsystem ermitteln“, erläutert Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Letzt-Autor der Studie und Wissenschaftler am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an der Universität Tübingen, einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Er leitete gemeinsam mit Hans-Dieter Volk und Joachim Spranger von der Charité die Studie.&nbsp;</p><h3>Diätgeprägtes Mikrobiom verbessert den Stoffwechsel und verzögert Immunseneszenz</h3><p>Durch die Transplantation des diätgeprägten Mikrobioms verbesserte sich der Glukosestoffwechsel und die Fettablagerung wurde reduziert. Zudem konnte massenzytometrisch gezeigt werden, dass sich auch die Anzahl bestimmter T- und B-Gedächtniszellen reduzierte. „Das weist auf eine verzögerte Immunseneszenz hin“, erläutert Julia Sbierski-Kind, Erstautorin der Studie.&nbsp;</p><p>„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die positiven Auswirkungen einer kalorienarmen Ernährung auf den Stoffwechsel und das Immunsystem über das Darmmikrobiom vermittelt werden“, fasst Sbierski-Kind zusammen. Die Autoren der Studie betonen jedoch, dass die Untersuchung bislang nur mit dem Mikrobiom eines Menschen durchgeführt wurde und dass die Experimente mit weiteren Probanden wiederholt werden müssen, um die Ergebnisse zu bestätigen. Die neuen Erkenntnisse könnten langfristig auch für die medizinische Praxis interessant sein. „Ein verbessertes Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen Ernährung, Mikrobiom und Immunsystem kann die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger mikrobiombasierter, therapeutischer Optionen für die Behandlung von Stoffwechselkrankheiten und Immunkrankheiten legen“, betont Jumpertz-von Schwartzenberg.&nbsp;</p><h3>*Darmmikrobiom</h3><p>Als Darmmikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen und Darmbakterien in unserem Verdauungstrakt bezeichnet. Es beeinflusst u.a. das Immunsystem und den Stoffwechsel seines Wirts.</p><h3>**Über die Studie</h3><p>Ziel der Studie war es, die Wechselwirkungen zwischen kalorienreduzierter Ernährung, Mikrobiom und dem Immunsystem zu ermitteln. Dazu wurde ein menschlicher Ernährungsinterventionsversuch mit gnotobiotischen Experimenten kombiniert, bei denen die Immunphänotypisierung mittels multidimensionaler Einzelzell-Massenzytometrie bestimmt wurde. An den Untersuchungen waren folgende Institute und Forschungseinrichtungen beteiligt:&nbsp;</p><ul><li>Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD e. V.)</li><li>Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Munich an der Universität Tübingen</li><li>Abteilung für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Tübingen&nbsp;</li><li>Exzellenzcluster EXC 2124 „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI), Universität Tübingen&nbsp;</li><li>Institut für Medizinische Immunologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, korporatives Mitglied der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland</li><li>Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Charité-Universitätsmedizin Berlin, korporatives Mitglied der Freien Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin</li><li>Berliner Institut für Gesundheit der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Flow &amp; Mass Cytometry Core Facility, Berlin</li></ul><h3>Original-Publikation:&nbsp;</h3><p>Sbierski-Kind, J., … &nbsp;Spranger, J. , Jumpertz-von Schwartzenberg, R. et al.: Effects of caloric restriction on the gut microbiome are linked with immune senescence. Microbiome 10, 57 (2022). DOI: 10.1186/s40168-022-01249-4</p><h3>Fachlicher Ansprechpartner:&nbsp;</h3><p>Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg<br> Medizinische Klinik Innere Medizin IV<br> Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie<br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Otfried-Müller-Straße 10<br> 72076 Tübingen<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgkpgt0lworgtvb/xuBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">reiner.jumpertz-vs<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a><br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span><a href="tel:+4970712968934">+49 7071&nbsp;29-68934</a></p><h3>Zur Person:&nbsp;</h3><p>Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg ist seit 2021 Oberarzt in der Medizinischen Klinik IV Endokrinologie, Diabetologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen (Schwerpunktinteresse für translationale Adipositasforschung) und Nachwuchsgruppenleiter des Exzellenzclusters „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI). Er ist Wissenschaftler beim DZD-Partnerinstitut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Munich an der Universität Tübingen. Zuvor arbeitete er als Arzt und Clinical Scientist an der Charité.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77522</guid><pubDate>Thu, 21 Apr 2022 15:52:40 +0200</pubDate><title>Neuwahl einer Rektorin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuwahl-einer-rektorin/</link><description>Senat und Universitätsrat der Universität Tübingen wählen neue Rektorin.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zur Wahl einer neuen Rektorin kommen Senat und Universitätsrat der Universität Tübingen am Mittwoch, den 27. April 2022 um 13.00 Uhr zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Die Sitzung im Festsaal der Neuen Aula ist hochschulöffentlich, das heißt lediglich Mitglieder der Universität sind zur Teilnahme an der Sitzung berechtigt.&nbsp;</p><p>Vertreterinnen und Vertreter der Medien werden im Anschluss in einer Pressekonferenz über das Wahlergebnis informiert. Diese findet voraussichtlich am 27. April 2022 um 15.30 Uhr im Großen Senat der Neuen Aula (Geschwister-Scholl-Platz, Tübingen) statt.</p><p>Teilnehmende der Pressekonferenz sind die künftige Rektorin der Universität Tübingen, der Vorsitzende des Universitätsrats Bernhard Sibold, Rektor Professor Bernd Engler und Kanzler Dr. Andreas Rothfuß. Je nach Anzahl der Wahlgänge kann sich der Beginn nach hinten verschieben.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Informationen zu den Bewerberinnen für das Amt finden Sie hier:&nbsp;<a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/drei-kandidatinnen-bewerben-sich-um-rektorinnenamt/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/drei-kandidatinnen-bewerben-sich-um-rektorinnenamt/</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77507</guid><pubDate>Thu, 21 Apr 2022 11:08:29 +0200</pubDate><title>Dr. Leopold Lucas-Preis 2022 geht an die Judaistin Maren Niehoff</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dr-leopold-lucas-preis-2022-geht-an-die-judaistin-maren-niehoff/</link><description>Feierliche Verleihung der Preise 2020 bis 2022 am 10. Mai</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät wird der Historikerin, Judaistin, Religions- und Literaturwissenschaftlerin Maren R. Niehoff verliehen. Sie ist Max-Cooper-Professorin für Jüdisches Denken an der Hebrew University in Jerusalem. Ausgezeichnet wird sie für ihren interdisziplinären Zugang zu Fragen des Verhältnisses von Judentum, Christentum und griechisch-römischer Kultur. Der Dr. Leopold Lucas-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.</p><p>Maren Niehoff hat umfangreiche Forschungen zu Philon von Alexandrien und zur jüdischen Bibelauslegung vorgelegt. Sie habe gezeigt, wie kulturelle Transferprozesse verlaufen und welche Auswirkungen sie zeitigen können, urteilte die Kommission zur Preisvergabe. Niehoffs viel beachtete Monografie <em>Philon von Alexandria. Eine intellektuelle Biographie</em> (dt. 2019 erschienen) sei „ein Lehrstück für eine methodisch präzise Verschränkung von Lebensweg und Schrifttum eines antiken Autors“.</p><p>Bei der Feier zur Preisverleihung werden neben dem diesjährigen Dr. Leopold Lucas-Preis auch die Preise der Jahre 2020 an Adam Seligman und Linda Woodhead und 2021 an Bernhard Waldenfels überreicht.</p><p>&nbsp;</p><p class="align-center">Die Feier findet statt am<br><strong>Dienstag, 10. Mai 2022, um 14.45 Uhr im Festsaal der Universität Tübingen<br> (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen)<br> Die interessierte Öffentlichkeit und Medien sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig,<br> die Veranstaltung findet unter den dann geltenden Hygienemaßnahmen statt. </strong><br> &nbsp;</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler geht in diesem Jahr an Dr. Friederike Portenhauser für ihre Dissertation in der Evangelischen Theologie unter dem Titel „Personale Identität in der Theologie des Paulus (HUTh 79)“.</p><p>Neben der diesjährigen Preisträgerin des Dr. Leopold Lucas-Preises für Nachwuchswissenschaftler werden bei der Feier auch Dr. Johannes Reich und Dr. Ruth Rebecca Tietjen ausgezeichnet, Preisträger des Jahres 2020 beziehungsweise Preisträgerin des Jahres 2021.</p><p>Mit dem Dr. Leopold-Lucas-Preis werden Menschen ausgezeichnet, deren wissenschaftliches Werk die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht hat. Der Preis wurde 1972 zum Gedenken an den jüdischen Gelehrten und Rabbiner Dr. Leopold Lucas gestiftet, der 1943 in Theresienstadt durch das NS-Regime ermordet wurde.</p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/evangelisch-theologische-fakultaet/fakultaet/lucas-preis/" target="_blank" class="ut-btn ut-btn--color-primary-1 ut-btn--outline" title="Dr. Leopold Lucas-Preis">Weitere Informationen zum Dr. Leopold Lucas-Preis</a></p><p>&nbsp;</p><p><strong>Dr. Leopold Lucas-Preis 2020 für Linda Woodhead und Adam Seligman</strong><br> Der Dr. Leopold Lucas-Preis 2020 ging zu gleichen Teilen an Linda Woodhead (England) und Adam Seligman (USA). Das Vergabekomitee würdigte zwei unterschiedliche und doch im Kern aufeinander bezogene Zugänge zum Zusammenhang zwischen Religion und Gesellschaft in der Gegenwart.</p><p>Professor Adam B. Seligman forscht am Institut für Kultur, Religion und Weltge-schehen der Universität Boston und ist vor allem in Israel und den USA tätig. Seine Arbeiten kreisen um die Frage, welchen Stellenwert Religion in einer pluralen Gesellschaft besitzen kann. Er schreitet das Feld zwischen klassischen religiösen Kompetenzen – im Bereich des Rituals, der Tradition und des Vertrauens – und der Notwendigkeit gegenseitiger Achtung in der multireligiösen Gesellschaft ab. Vor diesem Hintergrund engagiert er sich in gegenwärtigen Debatten über Religion und Toleranz.</p><p>Auch Linda Woodhead, Professorin für die Soziologie der Religion an der Universität Lancaster, ist eine gesellschaftlich engagierte Intellektuelle. Sie geht in zahlreichen Studien der Frage nach, wie sich Phänomene neuer Religiosität oder auch das Bewusstsein eines Verzichts auf Religion zu der traditionell in Europa und Großbritannien dominierenden und immer mehr zurückgehenden christlichen Religion verhalten. Von hier aus entwickelt sie einen angesichts der Vielfalt und Komplexität der Religionen nur noch selten gewagten, weiten Blick auf sehr unterschiedliche religiöse Phänomene – und doch auch, unter Beachtung der jeweiligen Rückwirkungen, speziell auf das Christentum.</p><p><strong>Dr. Leopold Lucas-Preis 2021 für Bernhard Waldenfels</strong><br> Der Dr. Leopold Lucas-Preis 2021 ging an den Philosophen Bernhard Waldenfels. Das Vergabekomitee würdigt damit sein Werk, das die Bedingungen und Möglichkeiten des Verstehens von Fremdem auslotet.</p><p>Bernhard Waldenfels (geb. 1934 in Essen) ist emeritierter Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Er gehört zu den bedeutendsten Autoren im Bereich der zeitgenössischen Phänomenologie. Sein Werk, das mehr als 20 Bände umfasst und interdisziplinär rezipiert worden ist, widmet sich hauptsächlich der Entwicklung einer „Phänomenologie des Fremden“. Waldenfels gelinge es, die „Kategorie“ der Alterität, also des kulturellen Andersseins, durch die Perspektive der Fremdheit neu zu lesen, sagte die Jury. „Er stellt sich der Herausforderung, einen phänomenologischen Diskurs zu entwickeln, mit dem sich erfassen lässt, inwiefern sich das Fremde im instabilen und pluralistischen Terrain der Erfahrung auf eine authentische Weise offenbart und dadurch erkennbar bleibt.“</p><p>Waldenfels gilt als wichtige Figur in der zeitgenössischen Philosophie. Seine Arbeit habe sich explizit und in origineller Weise dem Projekt eines „genuinen“ Dialogs zwischen Nationen und Ländern gewidmet, so die Jury weiter. „Die Pluralität der Bereiche, in denen sich das Fremde offenbart, veranlasst Waldenfels dazu, sich nicht lediglich auf die Ergebnisse der phänomenologischen Forschung im engeren Sinne zu beschränken. Vielmehr erweitert er das Spektrum seiner Auseinandersetzung in unterschiedlichste Forschungsfelder wie etwa Sozialphilosophie, politische Philosophie, Recht und Ethik, den ethnologischen Diskurs sowie die Psychologie und die Psychoanalyse. Darüber hinaus widmet er Kunst und Literatur besondere Aufmerksamkeit.“</p><p>In seinem Werk spielt die jüdische zeitgenössische Philosophie eine besondere Rolle, die ihn zur Bedeutung des „radikalen Gesprächs“ geführt hat: Dieses bezieht das Fremde als eigenen Faktor des Verstehens ein. Aus dieser Perspektive des Fremden hat sich Waldenfels‘ Philosophie im Zeichen eines Dialogs zwischen philosophischen Traditionen Europas entwickelt, vor allem in seinem Versuch, die französische und deutsche philosophische Tradition in ein fruchtbares Gespräch zu bringen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77444</guid><pubDate>Wed, 20 Apr 2022 13:47:47 +0200</pubDate><title>Der innere Kompass: eine modulare Karte im Gehirn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-innere-kompass-eine-modulare-karte-im-gehirn/</link><description>Neurowissenschaftliches Team der Universität Tübingen entdeckt grundlegende anatomische Organisationsprinzipien der neuronalen Schaltkreise des Hirnbereichs der Maus, der die Bewegungsrichtung im Raum abbildet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der räumlichen Orientierung spielen äußere Landmarken wie ein Kirchturm oder ein gelbes Haus an der Ecke eine Rolle, aber auch ein innerer Kompass, den spezialisierte Nervenzellen im Gehirn bilden. Diese Kopfrichtungszellen, die auf die Blickrichtung reagieren, geben noch viele Rätsel auf. Nun hat ein Forschungsteam der Universität Tübingen herausgefunden, wo diese Zellen genau sitzen, wie sie mit anderen Bereichen des Gehirns verschaltet sind und welche Mechanismen ihre Aktivität unterstützen. Möglicherweise hat es den Ort im Gehirn entdeckt, wo die Informationen des inneren Kompasses mit denen aus den äußeren Landmarken zusammenlaufen. Geleitet wurde das internationale Forschungsteam von Dr. Patricia Preston-Ferrer vom Institut für Neurobiologie und dem Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN). Die Studie, die in Kooperation mit dem Shenzhen <span lang="en" dir="ltr">Institute of Advanced Technology</span> entstand, wurde in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht.</p><p>„Die Kopfrichtungszellen wurden schon vor mehr als 30 Jahren im Gehirn von Nagetieren entdeckt. Sie verfolgen die Bewegung des Tiers im Raum, so entsteht dort sozusagen eine Abbildung des inneren Kompasses“, erklärt Patricia Preston-Ferrer. „Wenn man verstehen will, wie Nervenzellen im Gehirn arbeiten, muss man sie zunächst sichtbar machen“, setzt sie hinzu. Um die Informationsverarbeitung im Gehirn – die <span lang="en" dir="ltr">Software</span> – zu verstehen, müsse man die zugrundeliegenden Verschaltungen im Gehirn – die Hardware – kennen. Das Forschungsteam machte die Kopfrichtungszellen und die Verschaltung der Nervenzellen untereinander durch einen experimentellen Ansatz unter dem Mikroskop sichtbar. Diese Methode hatte es bereits 2016 entwickelt.&nbsp;</p><h3><strong>Entsprechende Strukturen im menschlichen Gehirn</strong></h3><p>Die Kopfrichtungszellen sitzen im sogenannten Presubiculum, einem speziellen Bereich des Kortex, wie die Hirnrinde auch genannt wird. „Wir waren sehr überrascht, dass das Presubiculum der Maus nicht homogen erscheint, sondern ganz klar in Module aufgeteilt ist“, sagt CIN-Forscher Giuseppe Balsamo. „Wir haben zwei verschiedene Typen gefunden, die sich molekular unterscheiden ließen und die auf unterschiedliche Weise mit anderen Gehirnbereichen verbunden waren.“ Diese Module entdeckte das Team nicht nur im Gehirn von Nagetieren, sondern entsprechende Strukturen auch im menschlichen Gehirn.</p><p>Bei der Markierung individueller Kopfrichtungszellen machte das Forschungsteam zwei Beobachtungen: Zum einen fanden sie diese nur in einem Modultyp, was auf eine genaue Organisation von Struktur und Funktion im presubicularen Kortex schließen lässt; zum zweiten wird dieser Modultyp von zahlreichen Nervenendigungen aus einem bestimmten Kern des Hirnbereichs Thalamus innerviert, der bekannterweise an der Verarbeitung von Landmarkeninformationen beteiligt ist. „Wir wissen, dass eine effektive Navigation auf einem inneren Kompass beruht in Verbindung mit visuellen Informationen aus Landmarken“, sagt Professor Andrea Burgalossi, Leiter einer Forschungsgruppe am CIN. „Möglicherweise haben wir den Ort im Gehirn gefunden, an dem der innere Richtungssinn mit den visuellen Informationen für die Navigation zusammengeführt wird.“</p><h3><strong>Künstliche Abschaltung</strong></h3><p>Wenn das Team in die Aktivität der modularen Mikroverschaltungen im Presubiculum künstlich eingriff, verstummten die meisten Kopfrichtungszellen. „Es scheint, als könnten wir durch solche Manipulationen den inneren Kompass abstellen“, sagt Dr. Eduardo Blanco-Hernandez. Doch sei ein kleiner Anteil der Zellen aktiv geblieben. „Wir wissen noch nicht, ob die ausgeschalteten und die dauerhaft aktiven Kopfrichtungszellen verschiedene Funktionen haben; doch ist klar, dass der innere Kompass komplexer gebaut ist als gedacht.“</p><p>„Wir haben Einblick in grundlegende Organisationsprinzipien der Hirnrinde erhalten“, sagt Preston-Ferrer. Ein modularer Aufbau sei auch in anderen Bereichen des Kortex zu beobachten. Der Kortex ist eine dünne Schicht aus Nervengewebe auf der Oberfläche des Gehirns, die in erster Linie für höhere kognitive Funktionen verantwortlich ist. Das Forschungsteam konnte den Bereich der inneren Abbildung des Richtungssinns auf dem Kortex im Mausgehirn lokalisieren. „Nun ist es wichtig zu verstehen, wann und wie sich die presubicularen kortikalen Module in der Entwicklung herausbilden“, sagt Burgalossi. „Interessant wäre auch, ob der Bereich bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit gestört ist. Denn Probleme mit dem inneren Richtungssinn gehören dabei häufig zu den frühesten Symptomen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Giuseppe Balsamo, Eduardo Blanco-Hernández, Feng Liang, Robert Konrad Naumann, Stefano Coletta, Andrea Burgalossi and Patricia Preston-Ferrer: <span lang="en" dir="ltr">Modular microcircuit organization of the pre-subicular head-direction map. Cell Reports</span> 39, 110684 April 12. <a href="https://doi.org/10.1016/j.celrep.2022.110684" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1016/j.celrep.2022.110684</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-77240</guid><pubDate>Tue, 19 Apr 2022 10:35:57 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen eröffnet College of Fellows</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-eroeffnet-college-of-fellows/</link><description>Plattform ermöglicht Austausch und Zusammenarbeit internationaler Gastforschender aus allen Fachbereichen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat ein „<span lang="en" dir="ltr">College of Fellows</span>“ für internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler gegründet. Unter Leitung von Dr. Niels Weidtmann wird es als eigenständige Forschungseinrichtung agieren und zudem Plattform für einen fächerübergreifenden und wissenschaftskommunikativen Ideenaustausch sein. Mit der Gründung trägt die Universität der zunehmenden Bedeutung internationaler Vernetzung Rechnung sowie der kontinuierlich steigenden Zahl internationaler Gastaufenthalte in Tübingen. Das College of Fellows wird aus Mitteln der Exzellenzstrategie finanziert.</p><p>Am <span lang="en" dir="ltr">College of Fellows</span> haben vor allem Forschende in der <span lang="en" dir="ltr">Postdoc</span>-Phase die Möglichkeit, sich in informellen Veranstaltungen, bei <span lang="en" dir="ltr">Lunch-Talks</span> und in Kolloquien untereinander zu vernetzen und über Fächergrenzen hinweg auszutauschen. Außerdem können sie in sogenannten ‚<span lang="en" dir="ltr">Focus Groups</span>‘ gemeinsam interdisziplinäre Forschungsprojekte organisieren und dazu renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt nach Tübingen einladen.</p><p>Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben hier darüber hinaus die Möglichkeit, Forschungsergebnisse und -methoden durch Videos, Podcasts oder Vorträge einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen. Anstelle vorgegebener Themen und Events wächst das <span lang="en" dir="ltr">College</span> somit von Beginn an mit der Partizipation, der Eigeninitiative und dem Ideenreichtum motivierter Mitglieder.</p><p>Mit dem <span lang="en" dir="ltr">College of Fellows</span> setzt die Universität zudem die Idee eines <span lang="en" dir="ltr">Institute for Advanced Studies</span> um. „Das <span lang="en" dir="ltr">College of Fellows</span> wird noch deutlicher sichtbar machen, dass die Universität regelmäßig eine Vielzahl an internationalen Gästen empfängt“, sagt Niels Weidtmann. „Und auch, dass Tübingen schon lange als attraktiver Standort auf der akademischen Landkarte gilt.“ Vom „<span lang="en" dir="ltr">Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies</span> (CIIS)“, das er zuvor leitete, bringt er zentrale Aufgabenbereiche und Projekte mit ans <span lang="en" dir="ltr">College of Fellows</span>.</p><p>Ihren Sitz hat die Einrichtung voraussichtlich ab dem Jahr 2024 in der Villa Köstlin (Rümelinstraße 27), vorerst ist sie zu Teilen in der Neuen Aula und zu Teilen in der Keplerstraße 2 untergebracht.</p><p>Weitere Informationen und eine Übersicht aller Veranstaltungen und Ausschreibungen unter: <a href="https://uni-tuebingen.de/college-of-fellows" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/college-of-fellows</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-76835</guid><pubDate>Thu, 07 Apr 2022 09:31:19 +0200</pubDate><title>Digitale Medien im Unterricht: Qualität vor Quantität</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/digitale-medien-im-unterricht-qualitaet-vor-quantitaet/</link><description>Einsatz von Tablets kann die Lernbereitschaft steigern – wenn ihre Potenziale ausgeschöpft werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob Schülerinnen und Schüler vom Einsatz von Technologie im Unterricht profitieren, hängt weniger davon ab, wie intensiv digitale Medien eingesetzt werden als vielmehr davon, wie sie genutzt werden. Wenn ihr Einsatz zum Nachdenken anregt oder beispielsweise dazu, Ergebnisse zu diskutieren, haben sie durchaus das Potenzial, die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen. Das konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in einer Studie zeigen. Sie untersuchten, ob der Einsatz digitaler Medien die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler positiv beeinflussen kann und ob Veränderungen im Lernverhalten sowohl mit der Häufigkeit als auch mit der Qualität des Einsatzes in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Contemporary Educational Psychology veröffentlicht.<br> &nbsp;<br> Dabei machte es einen Unterschied, in welchem Fach die digitalen Medien eingesetzt wurden. Im Mathematikunterricht erhöhte sich die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler sowohl kurz- als auch langfristig, wenn diese den Einsatz der digitalen Medien als kognitiv aktivierend empfanden – unabhängig von der Häufigkeit des Einsatzes. Im Fach Deutsch hingegen war entscheidend, wie oft die digitalen Medien eingesetzt wurden. Je häufiger die Schülerinnen und Schüler Tablet-Computer nutzten, desto positiver veränderte sich ihre Lernbereitschaft.<br> &nbsp;<br> In der Studie erhielten rund 700 Schülerinnen und Schüler in 28 siebten und achten Klassen an 14 weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg Tablets. Die Lehrkräfte wurden gebeten, diese in ihren Unterricht zu integrieren, sie wurden aber nicht dazu verpflichtet. In einem Zeitraum von 16 Monaten wurden sowohl die Lehrkräfte als auch die Schülerinnen und Schüler zu ihren Wahrnehmungen zum Unterricht mit Tablets befragt.<br> &nbsp;<br> Um herauszufinden, wie hoch die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler war, sich anzustrengen, beantworteten sie beispielsweise Fragen wie: „… habe ich mich so sehr angestrengt, wie ich konnte“ oder „… habe ich versucht, so viel zu lernen wie ich konnte“. Die Qualität des Unterrichts wurde danach beurteilt, wie sehr die Schülerinnen und Schüler ihren Unterricht als kognitiv aktivierend wahrnahmen. So wurden sie zum Beispiel gefragt, ob ihre Lehrkraft sie im Unterricht auch manchmal mit ihren eigenen Vermutungen in die Irre gehen lässt und die Schülerinnen und Schüler diese Irrwege selbst erkennen lässt. In Bezug auf die Häufigkeit der Nutzung im Mathematikunterricht fand das Forschungsteam keine positiven Zusammenhänge mit der Veränderung der Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Je kognitiv aktivierender sie jedoch den Unterricht wahrnahmen, desto positiver veränderte sich auch ihre Bereitschaft, sich anzustrengen. Zudem war die Veränderung der Lernbereitschaft bei Mädchen positiver als bei Jungen.<br> &nbsp;<br> „Wie bei jedem anderen Medium auch, scheint die entscheidende Frage zum Einsatz digitaler Medien für einen lernförderlichen Unterricht nicht zu sein, ob digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden oder nicht, sondern vielmehr auf welche Art und Weise sie genutzt werden, um einen qualitativ hochwertigen Unterricht zu gestalten“, sagt Tim Fütterer vom Hector-Institut, der Erstautor der Studie. Dass sich im Deutschunterricht die Häufigkeit des Einsatzes bedeutsamer für die Lernanstrengung erwies, könnte daran liegen, dass hier der Neuheitseffekt zum Tragen kommt, da in diesem Fach digitale Medien seltener eingesetzt werden. Beim Neuheitseffekt wird die Aufmerksamkeit kurzzeitig erhöht, er ist jedoch nicht von Dauer. „Eine mögliche Erklärung für die Fachunterschiede könnte zudem sein, dass Mathematiklehrkräfte technikaffiner sind - das sehen wir in unseren Daten. Eine andere Erklärung könnte sein, dass es für den Mathematikunterricht passendere Softwareanwendungen gibt“, ergänzt Fütterer.<br> &nbsp;<br> „Nachhaltige Wirkungen mit digitalen Medien lassen sich dann erzielen, wenn ihre lernbezogenen Potenziale ausgeschöpft werden. Beispielsweise können dynamisch-interaktive Visualisierungen in multimedialen Lernumgebungen Phänomene so illustrieren, dass sie tiefergehend verarbeitet werden“, erklärt Professorin Katharina Scheiter vom Leibniz-Institut für Wissensmedien. Auch die Multiperspektivität ist ein Mehrwert digitaler Medien. Das bedeutet, dass Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden können, zum Beispiel aus der der Wissenschaft, des Journalismus oder aus Beiträgen in Diskussionsforen. Zudem ist es bereits möglich, mit digitalen Lernangeboten individuell auf die Bedürfnisse einzelner Schülerinnen und Schüler einzugehen.<br> &nbsp;<br> Doch noch immer hängt Deutschland bei der Digitalisierung der Schulen im internationalen Vergleich weit hinterher. Noch im Jahr 2020 mussten sich fast zehn Schülerinnen und Schüler ein digitales Gerät teilen, während in den USA das Verhältnis bei weniger als zwei liegt. Außerdem fühlen sich die Lehrkräfte nur unzureichend auf den Unterricht mit digitalen Medien vorbereitet. „Ein didaktisch hochwertiger Einsatz von Technologie im Unterricht setzt aber voraus, dass die Lehrkräfte über technologisch-pädagogisches Wissen verfügen“, sagt Tim Fütterer. Deshalb müsse dieses Wissen viel stärker als bisher in die berufliche Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften einfließen.<br> &nbsp;<br> Originalpublikation:<br> Fütterer, T., Scheiter, K., Cheng, X., &amp; Stürmer, K. (2022). Quality beats frequency? Investigating students’ effort in learning when introducing educational technology in classrooms. Contemporary Educational Psychology. Advance online publication. <a href="https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2022.102042" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1016/j.cedpsych.2022.102042</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-76454</guid><pubDate>Thu, 31 Mar 2022 08:54:17 +0200</pubDate><title>Studiengang verbindet Strahlenwissenschaften mit künstlicher Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studiengang-verbindet-strahlenwissenschaften-mit-kuenstlicher-intelligenz/</link><description>Deutschlandweit neues Masterprofil: Medizinische Fakultät Tübingen bildet Studierende auch zu Methoden der künstlichen Intelligenz aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bietet ab dem Wintersemester 2022/23 den deutschlandweit ersten Profilbereich „Künstliche Intelligenz in den Medizinischen Strahlenwissenschaften“ an. Im Masterstudiengang Medizinische Strahlenwissenschaften werden Studierende sowohl auf Spezialgebieten der medizinischen Strahlenwissenschaften als auch in Methoden der künstlichen Intelligenz ausgebildet.</p><p>Zu den Lehrinhalten gehören Forschungsgebiete im Bereich der Strahlentherapie, der nicht-invasiven Bildgebung und der Tumor- und Strahlenbiologie genauso wie Machine Learning, Computer Vision oder Grundlagen für ein besseres Verständnis, für die Analyse und Visualisierung wissenschaftlicher Daten.</p><p>Schon heute werden Methoden der künstlichen Intelligenz in der Krebsbehandlung eingesetzt, unter anderem für die Auswertung komplexer Daten oder bei Therapieentscheidungen. Das im Masterprofil erworbene Wissen kann beispielsweise zur Optimierung der Bildgebung für die Bestrahlungsplanung eingesetzt werden, zur Konturierung von Organen und Tumoren mittels Deep-Learning-Verfahren oder zur besseren Kontrolle von Strahlenbehandlungen. Absolventinnen und Absolventen können zudem künftig zur Weiterentwicklung individualisierter Diagnostik- und Therapieverfahren durch künstliche Intelligenz beitragen, sowohl in der Forschung als auch in der Industrie.</p><p>Im Profilbereich lehren Forschende aus der Medizinischen Fakultät und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Tübingen sowie aus dem Cyber Valley: Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz verbindet Partner aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Das „Ökosystem“ im Südwesten Deutschlands wächst kontinuierlich um weitere multidisziplinäre Initiativen und macht die Region Stuttgart-Tübingen zum Hotspot für Forschung und Innovation in den Bereichen maschinelles Lernen, Robotik und Computer Vision.</p><p>Zudem ist das Masterprofil Teil der Initiative KI in der Medizin, in der die Universität, die Medizinische Fakultät und die Max-Planck-Institute gemeinsam mit weiteren zahlreichen Partnern des Cyber Valleys den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin und den Lebenswissenschaften vorantreiben.</p><p><a href="https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/medizinische-fakultaet/studium-und-lehre/studiengaenge/medizintechnik" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Informationen zum Studiengang Medizinische Strahlenwissenschaften</a></p><p><a href="https://cyber-valley.de/" target="_blank" class="external-link" title="Cyber Valley" rel="noreferrer">Zur Website des Cyber Valleys</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-76412</guid><pubDate>Wed, 30 Mar 2022 15:00:00 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen bleibt auf Wachstumskurs</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-bleibt-auf-wachstumskurs/</link><description>Drittmitteleinnahmen erstmals über 250 Millionen Euro – Rektor Engler legt Jahresbericht 2021 vor </description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bleibt auf Wachstumskurs. „Allen Schwierigkeiten und Herausforderungen zum Trotz konnte die Universität im vergangenen Jahr erneut mehr Forschungsmittel einnehmen und mehr Studierende auf dem Campus begrüßen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, bei der Vorstellung des Jahresberichts am Mittwoch. Dank eines außergewöhnlichen Engagements aller Hochschulangehörigen habe die Universität die Corona-Pandemie in den letzten beiden Jahren gut überstanden und werde im bevorstehenden Sommersemester weitestgehend wieder in den Normalbetrieb zurückkehren.&nbsp;</p><p>In fast allen wichtigen Parametern konnte die Universität Tübingen im vergangenen Jahr Zuwächse verbuchen. So stiegen die Gesamteinnahmen der Universität um rund 1,6 Prozent auf 695,7 Millionen Euro. Überproportional stark kletterte die Summe der eingeworbenen Forschungsdrittmittel. Sie stiegen mit 258,3 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent und erreichten einen neuen Rekordwert. Von den Drittmitteln entfiel mehr als die Hälfte auf die Medizinische Fakultät, die allein 141,5 Millionen Euro einwarb. Wichtigster Geldgeber bei den Drittmitteln blieb die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit 85,8 Millionen Euro, gefolgt von der Bundesregierung mit 58,9 Millionen Euro sowie Stiftungen und Spenden mit 48,4 Millionen Euro.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Die hohe Attraktivität Tübingens als Studienort lasse sich ebenfalls an wichtigen Kennziffern ablesen, sagte Engler. Gegen den bundesweiten Trend steige die Zahl der Studierenden an der Universität Tübingen weiter. So waren im Wintersemester 2021/22 insgesamt 28.159 Personen eingeschrieben, 723 mehr als noch vor einem Jahr. Die Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger (Erst- und Neueinschreibungen) kletterte gegenüber dem Vorjahr von 5.332 auf 5.428. Einen deutlichen Zuwachs gab es bei den internationalen Studierenden, deren Zahl um 305 auf 3.927 stieg. „Bei den internationalen Studierenden konnten wir bereits im vergangenen Jahr wieder das Niveau der Jahre vor Beginn der Pandemie erreichen“, sagte Engler: „Diesen Trend wollen wir in den nächsten Jahren weiter verstärken.“</p><p>Einen Zuwachs gab es auch bei der Zahl der Beschäftigten. Die Zahl der Stellen stieg nach Vollzeitäquivalent um 4,6 Prozent auf 5.610, darunter 4.169 im wissenschaftlichen Bereich. Die Zahl der Professorinnen und Professoren stieg um zehn auf 539. Der Frauenanteil an den Professuren kletterte von 25,8 auf 26,8 Prozent. „Die Zahl der Professorinnen, die an der Universität Tübingen forschen und lehren, ist nach wie vor zu niedrig“, sagte Engler. „Daher haben wir die gezielte Förderung vielversprechender Wissenschaftlerinnen im 2021 weiter ausgebaut.“ Er verwies auf das neu eingeführte Förderprogramm „Athene Advanced“, mit dem neu berufene Juniorprofessorinnen durch Coaching-Maßnahmen unterstützt werden, sowie die ebenfalls neue Programmlinie „Athene-Mentoring“, mit deren Hilfe Studentinnen an eine wissenschaftliche Karriere herangeführt werden sollen.&nbsp;</p><h3>Wachsende Bedeutung internationaler Projekte</h3><p>„2021 ist auch im Hinblick auf die Ansiedlung neuer Forschungseinrichtungen am Standort Tübingen ein wichtiges Jahr gewesen“, sagte der Rektor. „Ein Meilenstein war dabei zweifellos die erfolgreiche Bewerbung um das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit.“ Hier werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen künftig an neuen Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren für psychische Erkrankungen arbeiten.&nbsp;</p><p>Wichtige Impulse für die internationale Forschungskooperation seien zudem von den neuen Globalen Zentren für Klima und Gesundheit zu erwarten. Wie der Rektor berichtete, ist es der Universität 2021 gelungen, gleich drei dieser Zentren einzuwerben, die sich künftig mit dem richtigen Umgang mit Wassermangel und Trockenheit, schnelleren Reaktionen auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten sowie der Pandemievorsorge in zentralafrikanischen Ländern befassen werden. Die Zentren werden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst zunächst bis 2025 mit bis zu 600.000 Euro pro Jahr gefördert.&nbsp;</p><p>„Die Corona-Krise hat Forschung und Lehre auf internationaler Ebene in den vergangenen zwei Jahren erheblich erschwert, der Krieg gegen die Ukraine die Situation nochmals dramatisch verschärft“, sagte Engler: „Umso wichtiger ist es, dass wir mit unseren Anstrengungen nicht nachlassen und weiterhin für den grenzüberschreitenden Austausch von Bildung und Wissen eintreten.“ Der Rektor verwies in diesem Zusammenhang auf die europäische Universitätsallianz CIVIS, die im vergangenen Jahr mit den Universitäten Glasgow und Salzburg zwei weitere renommierte Mitglieder habe aufnehmen können: „Trotz der Pandemie haben die CIVIS-Partner den Ausbau des Lehrangebots für die mehr als 380.000 Studierenden im Verbund weiter vorangetrieben.“&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-76415</guid><pubDate>Wed, 30 Mar 2022 09:24:51 +0200</pubDate><title>Doris Dörrie bei der 17. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/doris-doerrie-bei-der-17-tuebinger-mediendozentur/</link><description>Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin und Schriftstellerin spricht über die Macht von Geschichten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübinger Mediendozentur findet wieder statt! Das Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen und der SWR laden die Studierenden und eine interessierte Öffentlichkeit herzlich ein:<strong> Am Donnerstag, den 12. Mai 2022, um 18.30 Uhr </strong>spricht die Regisseurin, Schriftstellerin und Professorin Doris Dörrie im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) über die Macht von Geschichten. Die Veranstaltung findet in Präsenz statt und kann auch im Livestream verfolgt werden.</p><p>Worum geht es? Doris Dörrie zeigt autobiographisch, anekdotisch und mit Lust am Experiment, wie sehr die Macht von Geschichten die menschliche Existenz prägt. Denn Fakt ist: Menschen lieben Geschichten, leben in Geschichten, träumen in Geschichten. Und lügen sich die Welt in Form von Geschichten zurecht. Geschichten können Feindbilder und Hass erzeugen, Kriege befeuern. Sie können Menschen trennen und verbinden. Persönliche Neuanfänge, glückende Therapien, Veränderungen im Privaten und Revolutionen in der Gesellschaft, die Abkehr von Ungerechtigkeit und Gewalt – nichts von alldem ist denkbar ohne die Sinnzufuhr von Stories.</p><p>Aber wer darf überhaupt sprechen? Wessen Geschichte zählt? Und wann regiert nur das Klischee? Wie verändern Narrative der Propaganda das Kommunikationsklima? Und wie entdeckt man – in einer von News-Hektik und Selfie-Perfektionismus geprägten Zeit – wieder seine eigene Stimme, findet im authentischen Erzählen zu einer Würdigung des eigenen Lebens?</p><p>Diesen Fragen widmet sich Doris Dörrie in ihrem großen öffentlichen Vortrag.</p><p>Mit Doris Dörrie, Professorin an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, kommt eine der bekanntesten Autorinnen und Filmemacherinnen nach Tübingen, die mit über 30 Ehrungen und Preisen ausgezeichnet wurde. Schon ihre Filmkomödie <em>Männer </em>(1985) machte sie international bekannt und wurde als bester ausländischer Beitrag für den Oscar nominiert. Es folgten zahlreiche weitere Spielfilme (u.a. <em>Erleuchtung garantiert </em>und <em>Kirschblüten – Hanami</em>). Überdies ist Doris Dörrie Autorin von Romanen, Novellen, Kurzgeschichten und Kinderbüchern und hat (u.a. an der Staatsoper Berlin, und den Salzburger Festspielen) mit ihren Opern-Inszenierungen für Aufsehen gesorgt. Über etliche Monaten hinwegs stand ihr aktuelles Buch<em> Leben, Schreiben, Atmen</em> auf den Bestellerlisten. In Workshops auf der ganzen Welt gibt Dörrie Schreibkurse und inspiriert ihr Publikum zu einem von Neugier, Offenheit und Lebensfreude geprägten Erzählen. „Ich schreibe, um das Leben zu feiern“, so sagt sie. „Und wer schreibt, bekommt eine Ahnung von sich selbst.“</p><p>Die thematische Einführung zur 17. Tübinger Mediendozentur am 12. Mai übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Es moderiert der neue Tübinger SWR-Studioleiter Marcel Wagner; er übernimmt diese Aufgabe von Andreas Narr, einem der Erfinder der Mediendozentur, die inzwischen auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus für Aufmerksamkeit sorgt. Ein Mitschnitt von Dörries Rede wird in SWR Aktuell gesendet; Interessierte können die Rede auch über einen Livestream verfolgen. Das Institut für Medienwissenschaft publiziert den Text gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.</p><p>Die Tübinger Mediendozentur ist eine Kooperation der Universität Tübingen, des Instituts für Medienwissenschaft und des SWR Studios Tübingen. Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Mathias Döpfner, Miriam Meckel, Sascha Lobo und Juli Zeh nach Tübingen.</p><p><strong>Wegen großer Nachfrage ist der Eintritt nur mit Gratis-Tickets möglich. Pro Person können bis zu zwei Tickets bestellt werden. Die links zur Anmeldung und den Livestream zur Veranstaltung finden Sie auf der Homepage der Mediendozentur: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/mediendozentur" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/mediendozentur</a>&nbsp;</strong></p><p>Es gelten die aktuellen Corona-Regelungen und Hygienemaßnahmen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-76003</guid><pubDate>Fri, 18 Mar 2022 09:00:11 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen führte Grabung auf Gräberfeld X durch</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-fuehrte-grabung-auf-graeberfeld-x-durch/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen Verbleib von anatomischen Präparaten aus der NS-Zeit aufklären</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen haben am Mittwoch eine Grabung auf dem so genannten Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs durchgeführt. Ziel war es, Klarheit über den Verbleib sterblicher Überreste von minderjährigen Opfern der NS-Euthanasie zu erhalten. Bei der Grabung wurden insgesamt vier Marmorbehältnisse sowie zwei Urnen gefunden. Ob die Funde, darunter in Glas oder Paraffin eingebettete Körperteile, teilweise den besagten Opfern zugeordnet werden können, ist noch unklar.</p><p>Die Funde wurden nach der Bergung in die klinische Anatomie der Universität gebracht und werden dort in den kommenden Wochen von Fachleuten untersucht. Die Universität Tübingen hatte zu der Grabung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen hinzugezogen, darunter die Harvard Medical School, das Naturhistorische Museum in Wien, die Oxford Brookes University und die TU München. Tübinger Archäologinnen und Archäologen unter der Leitung von Professorin Natascha Mehler führten die Grabung und anschließende Exhumierung durch. Dabei wurden sie unterstützt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tübinger Friedhofsverwaltung sowie des Anatomischen Instituts.&nbsp;</p><p>„Die Existenz der vier Marmorbehälter und der beiden Urnen war uns aus den Akten bekannt“, sagte die Leiterin des Forschungsprojekts zum Gräberfeld X, Professorin Benigna Schönhagen: „Anders als erwartet, haben wir bei der Grabung aber kein zusätzliches, bislang unbekanntes Gefäß entdecken können.“ Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass Körperteile von Opfern der NS-Euthanasie sich in den am Mittwoch geborgenen vier Marmorbehältnissen befinden. Deren Inhalt müsse nun eingehend untersucht werden.</p><p>Die Universität war bereits im Jahr 1988/89 mit der Tatsache konfrontiert worden, dass Mikro- und Makropräparate von Menschen aus der NS-Zeit sich noch immer in verschiedenen medizinischen Lehrsammlungen befanden. Die Universität richtete daraufhin eine externe Untersuchungskommission ein, die eine vollständige Bestandsaufnahme vornehmen sollte. In ihrem Abschlussbericht, der im Sommer 1989 vorgelegt wurde, empfahl die Kommission, alle Präparate aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 aus dem Anatomischen Institut und sämtlichen anderen medizinischen Einrichtungen der Universität zu entfernen und in würdiger Form zu bestatten, bei deren Tod ein Zusammenhang mit Gewaltakten oder Verfolgung durch das NS-Regime nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Beisetzung auf dem Gräberfeld X erfolgte am 4. Juli 1990 im kleinen Kreis. Eine öffentliche Gedenkfeier folgte am 8. Juli. Laut einem Sachstandsbericht, den der damalige Universitätspräsident Adolf Theis am Tag der Beisetzung an das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gesandt hat, wurden zwei Urnen sowie „vier Marmor-Behältnisse mit gläsernen Objektträgern“ bestattet. Unklar bleibt bislang aber, was sich in welchem Behältnis befand und aus welchem Institut die beigesetzten Präparate stammten.&nbsp;</p><p>Der britische Medizinhistoriker Professor Paul Weindling hatte Anfang 2021 in einem Fachartikel den Verdacht geäußert, dass Verantwortliche der Universität im Juli 1990 auch sterbliche Überreste von minderjährigen Euthanasieopfern auf dem Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs bestattet haben. Der Vorgang sei seinerzeit gegenüber der Öffentlichkeit und auch gegenüber der externen Untersuchungskommission verschwiegen worden. Eine erste Überprüfung des Aktenbestands im Universitätsarchiv durch Professorin Schönhagen hatte im Laufe des Jahres 2021 weitere Hinweise erbracht, die den von Weindling geäußerten Verdacht erhärteten. Daraufhin hatte die Universität Ende 2021 bei der Universitätsstadt Tübingen eine Exhumierung beantragt mit dem Ziel, die Präparate zu finden und die Opfer namentlich zu identifizieren. Oberbürgermeister Boris Palmer hatte das Vorgehen am 11. Februar 2022 genehmigt.&nbsp;</p><p>Nach Recherchen Weindlings stammen die sterblichen Überreste der Euthanasieopfer aus der so genannten Kinderfachabteilung Wiesengrund in Berlin-Wittenau, in der während des Zweiten Weltkriegs eine Vielzahl von psychisch kranken Kindern ermordet wurde. An der Einrichtung tätige Ärzte entnahmen den getöteten Kindern die Gehirne und präparierten diese für Forschungszwecke. Der für Wiesengrund tätige Pathologe Berthold Ostertag soll die Hirnpräparate von insgesamt 106 Opfern nach dem Krieg nach Tübingen gebracht haben. Ostertag baute an der Universität Tübingen nach Kriegsende das Institut für Hirnforschung auf und leitete dieses bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1964. Weindling stützt sich in seinen Recherchen maßgeblich auf Aussagen von Ostertags Nachfolger an der Spitze des Tübinger Instituts für Hirnforschung, Professor Jürgen Peiffer, der im Dezember 2006 verstarb. &nbsp;&nbsp;</p><p>Das Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs diente dem Anatomischen Institut von 1849 bis 1963 als Begräbnisstätte. Ab 1952 gestaltete es die Universitätsstadt Tübingen schrittweise zu einem Gedenkort um, an dem die Toten ewiges Ruherecht haben. Im Gräberfeld X liegen mehrere hundert Opfer der NS-Gewaltherrschaft begraben. Sie stammen nicht nur aus Deutschland, sondern aus weiten Teilen Mittel- und Osteuropas: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Opfer der NS-Justiz. 1990 stiftete auch die Universität einen Gedenkstein. Symbolisch steht das Gräberfeld X als Denkmal für die NS-Opfer und als Mahnmal für die NS-Gewaltherrschaft. Stadt und Universität finanzieren seit 2020 gemeinsam ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Biographien der auf dem Gräberfeld bestatteten Menschen zu rekonstruieren und die Rolle der Anatomie in der NS-Herrschaft zu erforschen.</p><p><strong>Weblinks:</strong></p><p>Webseite zum Gräberfeld X:&nbsp;<a href="https://graeberfeldx.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://graeberfeldx.de/</a>&nbsp; &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75973</guid><pubDate>Thu, 17 Mar 2022 15:00:11 +0100</pubDate><title>Drei Kandidatinnen bewerben sich um Rektorinnenamt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-kandidatinnen-bewerben-sich-um-rektorinnenamt/</link><description>Universität Tübingen wählt Nachfolge von Professor Bernd Engler</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg hat dem Vorschlag der Findungskommission zur Wahl einer neuen Rektorin / eines neuen Rektors an der Universität Tübingen zugestimmt. Damit stehen folgende Kandidatinnen für das Amt der Rektorin der Universität Tübingen zur Wahl (in alphabetischer Reihenfolge):</p><ul><li>Frau Prof. Dr. Beatrix Busse, Prorektorin für Studium und Lehre und Professorin für Englische Sprachwissenschaft an der Universität zu Köln</li><li>Frau Prof. Dr. Karla Pollmann, Dean of the Faculty of Arts and Professor of Classics and Theology an der University of Bristol</li><li>Frau Prof. Dr. Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität und Professorin für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen</li></ul><p>Die Wahl durch den Senat und den Universitätsrat findet voraussichtlich im April statt. Im Folgenden finden Sie Kurzbiographien der Kandidatinnen:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75715</guid><pubDate>Fri, 11 Mar 2022 11:35:37 +0100</pubDate><title>Kleines Molekül – großes Potential für die Gentherapie </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kleines-molekuel-grosses-potential-fuer-die-gentherapie/</link><description>Tübinger Forschende beheben Gendefekt in der Petrischale – Laborbesuch im Rahmen der Brain Awareness Week für Medienvertretende möglich </description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein kleines Stückchen Nukleinsäure könnte der Schlüssel zum Erfolg sein: Mit seiner Hilfe ist es einem Tübinger Forschungsteam im Labor gelungen, einen Genfehler direkt in einer Nervenzelle zu reparieren. Das Molekül verhinderte, dass die Zellen ein fehlerhaftes Protein produzierten und dadurch Schaden nahmen und starben. Mit ihrer „Proof-of-concept-“ oder Machbarkeitsstudie ist das Team um Professor Dr. Ludger Schöls und Dr. Stefan Hauser vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und der Universität Tübingen einer Gentherapie der zugrundeliegenden Erkrankung einen Schritt näher gekommen. Die Ergebnisse haben die Forschenden in der aktuellen Printausgabe der Fachzeitschrift „Molecular Therapy – Nucleic Acids“ veröffentlicht. Sie bieten interessierten Medienvertreterinnen und -vertretern im Rahmen der Brain Awareness Week vom 14. – 20. März 2022 einen Laborbesuch an.</p><p>Bei der Studie nutzte das Team Zellen von Patientinnen und Patienten mit der Spinozerebellären Ataxie Typ 3 oder Machado-Joseph-Krankheit (SCA3/MJD). „Durch einen Erbfehler produzieren ihre Nervenzellen neben einer gesunden Form eines bestimmten Proteins die krankhafte Proteinform Ataxin-3“, erklärt Studienleiter Schöls. „Das fehlerhafte Protein sammelt sich in großen Klumpen in den Zellen an und stört ihren ‚Regelbetrieb‘.“ Das führe langfristig zum Tod der Zellen, und die betroffene Person leide zunehmend an einer Bewegungsstörung, der Ataxie.</p><p>„Um die Krankheit zu behandeln, müssen wir an den Ursachen ansetzen: der Entstehung des schädlichen Proteins“, so der Neurologe. Er und sein Team entnahmen den Patientinnen und Patienten Hautzellen und ließen diese nach einer Umwandlung in Stammzellen in der Petrischale zu Nervenzellen reifen. Dann entwickelten sie ein sogenanntes Antisense-Oligonukleotid. „Das ist ein kurzes Stück Nukleinsäure, das in den Nervenzellen gezielt die fehlerhafte Stelle auf der dortigen mRNA erkennt und an sie andockt. Diese wird dadurch abgebaut, und das kranke Protein kann nicht gebildet werden.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75601</guid><pubDate>Wed, 09 Mar 2022 13:27:01 +0100</pubDate><title>Neue Gattung ausgestorbener Gänsevögel entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-gattung-ausgestorbener-gaensevoegel-entdeckt/</link><description>Forscher finden rund elf Millionen Jahre alte Fossilien – Tongrube Hammerschmiede im Allgäu als Fundort</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75524</guid><pubDate>Tue, 08 Mar 2022 11:26:07 +0100</pubDate><title>Carla Cederbaum erhält Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/carla-cederbaum-erhaelt-tuebinger-preis-fuer-wissenschaftskommunikation/</link><description>„Seit vielen Jahren eine herausragende Kommunikatorin der Mathematik“ – Preisverleihung im Rahmen der Science &amp; Innovation Days</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75491</guid><pubDate>Mon, 07 Mar 2022 13:19:31 +0100</pubDate><title>Antike jüdische Münzen: Deutschlandweit herausragende Sammlung wird präsentiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/antike-juedische-muenzen-deutschlandweit-herausragende-sammlung-wird-praesentiert/</link><description>Tübinger Archäologen veröffentlichen Sammlung antiker jüdischer Münzen im Internet – Erforschung mit Unterstützung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs</description><content:encoded><![CDATA[<p>Antike jüdische Münzen sind in deutschen Museen eine Seltenheit und bislang auch kaum publiziert worden. Jetzt präsentiert das Institut für Klassische Archäologie der Universität Tübingen eine Sammlung, die in ihrem Umfang und ihrer historischen Bandbreite deutschlandweit außergewöhnlich ist. Sie umfasst 394 Münzen, die alle Epochen des antiken Judentums abdecken. Die Münzen wurden von einem Team unter Leitung von Professor Stefan Krmnicek wissenschaftlich untersucht und historisch eingeordnet. Die Fotos und Beschreibungen stehen ab sofort im Digitalen Münzkabinett der Universität Tübingen (<a href="https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/</a>)&nbsp;als gemeinfreie Inhalte zur Verfügung. Die wissenschaftliche Bearbeitung und digitale Dokumentation der Sammlung wurde durch die finanzielle Förderung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) ermöglicht.</p><p>Zusammengetragen wurde die Kollektion in den 1920er und 1930er Jahren von Arthur Müller, einem aus dem Schwarzwald stammenden Konditor, der viele Jahre in Palästina und danach in Australien lebte. Mitte der sechziger Jahre kehrte Müller nach Deutschland zurück.&nbsp;</p><p>Die Bronze- und Silbermünzen illustrieren verschiedene Epochen des antiken Judentums von der Bildung eines jüdischen Staats im Kampf gegen die Seleukidenherrscher im 2. Jahrhundert v. Chr. bis zur Niederschlagung des zweiten Aufstandes gegen die Römer im 2. nachchristlichen Jahrhundert. „Die Motive und Inschriften spiegeln das jüdische Streben nach Unabhängigkeit ebenso wider wie hellenistische Einflüsse und die römische Besatzungszeit. Auf diese Weise liefert die Sammlung einen eindrucksvollen Längsschnitt durch die wechselvolle Geschichte der Juden im Altertum“, sagte Stefan Krmnicek.&nbsp;</p><p>Auf vielen der Münzen, die teilweise hebräische, teilweise griechische Inschriften tragen, fehlt das sonst auf antiken Geldstücken gängige Herrscherporträt, denn das jüdische Bildverbot ließ zwar die Darstellung von Symbolen, nicht aber von Personen zu. Einen besonders spannenden Blick in die Historie bieten die Münzen, die während der jüdischen Unabhängigkeitskriege gegen Rom geprägt wurden. Hebräische Freiheitsparolen und religiöse Motive bezeugen die Dramatik dieser Kämpfe.&nbsp;</p><p>Die letzten eigenständig jüdischen Münzprägungen fanden während des zweiten, schließlich niedergeschlagenen Aufstandes gegen Rom (132-135 n. Chr.) statt. Die Rebellen überprägten römische Münzen mit hebräischen Legenden wie „Jahr 1 der Erlösung Israels“ und religionspolitischen Motiven. Zu ihnen gehörte die Leier, die als Tempelgerät das Ziel des Aufstandes symbolisierte: Jerusalem mit dem jüdischen Tempel sollte nach der Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. wiederaufgebaut werden. Eine Besonderheit sind auch die silbernen Schekel der phönizischen Stadt Tyros, gelegen im heutigen Libanon. Diese Münzen dienten den Juden zur Bezahlung ihrer Tempelsteuer – obwohl sie ein heidnisches Motiv trugen: Melkart, den Hauptgott der Stadt, der von den Griechen mit Herakles gleichgesetzt wurde. &nbsp;&nbsp;</p><p>„Durch die wissenschaftliche Erschließung und öffentliche Ausstellung dieser Münzen aus den historischen Landschaften des heutigen Israel – Galiläa im Norden, Judäa mit Jerusalem als Zentrum und das dazwischen gelegene Samaria – wird unsere lange jüdische Geschichte jetzt auch für die Bürgerinnen und Bürger im Land noch anschaulicher. Wir danken der Universität Tübingen für ihren Einsatz bei der Aufarbeitung dieses wichtigen Zeugnisses jüdischen Lebens“, so Professorin Barbara Traub, Vorstandssprecherin der IRGW, die die Patenschaft für die Sammlung übernommen hat.&nbsp;</p><h3>Arthur Müller – Münzsammler, Zuckerbäcker, Weltbürger</h3><p>Arthur Müller, 1889 in Lenzkirch im Schwarzwald geboren, erlernte das Bäcker- und Konditorhandwerk, heuerte als Schiffskoch auf Luxusdampfern an und arbeitete in den Jahren vor und nach dem ersten Weltkrieg im Vorderen Orient. Danach führte ihn sein Beruf quer durch Europa und bis nach Japan. Ab 1925 lebte er in Palästina, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Dort legte er eine etwa 1.150 Stücke umfassende Münzsammlung an, darunter die Spezialsammlung der 394 antiken jüdischen Münzen. Müller wurde bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von den Briten interniert und 1941 gemeinsam mit anderen Palästinadeutschen nach Australien verbracht. Dort arbeitete er nach Kriegsende für das australische Parlament als Koch und Konditor. 1965 kehrte Arthur Müller in seine Schwarzwaldheimat zurück, wo er nach schwerer Krankheit im März 1967 verstarb. Nach seinem Tod wurde die Sammlung von der Sparkasse Hochschwarzwald erworben, um ihren Erhalt im Ganzen sicherzustellen. Anfang 2009 übergab die Sparkasse Hochschwarzwald die Sammlung der Universität Tübingen als Dauerleihgabe.&nbsp;</p><p>Weblink:<br><a href="https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/</a>&nbsp;(Als Suchbegriff das Schlagwort „Müller“ in die Suchmaske eingeben)</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75380</guid><pubDate>Thu, 03 Mar 2022 15:19:17 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen setzt Kooperation mit Russland aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-setzt-kooperation-mit-russland-aus/</link><description>Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene wird eingefroren – Russische Studierende weiterhin willkommen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen wird in Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine die Zusammenarbeit mit russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen bis auf Weiteres aussetzen. „Wir folgen damit der Empfehlung der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, alle Kooperationen mit russischen Partnern mit sofortiger Wirkung einzufrieren“, sagte die Prorektorin für Internationales, Professorin Monique Scheer, am Donnerstag. Gemeinsame Forschungsaktivitäten würden gestoppt. Zudem werde es vorerst keine gemeinsamen wissenschaftlichen Tagungen geben. Auch werde die Universität Tübingen zunächst keine neuen Forschungsprojekte mit russischen Einrichtungen anstreben.</p><p>Die Universität werde in naher Zukunft keine Tübinger Studierenden zum Austausch nach Russland schicken, sagte Scheer. Dienstreisen nach Russland würden nicht mehr genehmigt. „Die Universität Tübingen erkennt zugleich ausdrücklich an, dass russische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ebenso wie russische Studierende für den Angriffskrieg in der Ukraine nicht verantwortlich sind“, betonte die Prorektorin: „Im Gegenteil haben zahlreiche Forscherinnen und Forscher sich mutig gegen diesen Krieg ausgesprochen.“ Daher wolle die Universität Tübingen solchen Personen nicht pauschal den Weg nach Deutschland versperren. Allerdings verlange der Angriff Russlands auf die Ukraine eine klare Haltung auch von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland, sagte Scheer: „Die ukrainische Bevölkerung kämpft um ihre Freiheit, und wir müssen sie durch konsequente Sanktionen gegen staatliche Institutionen in Russland unterstützen.“</p><p>Die Universität Tübingen bleibe trotz schwieriger Bedingungen ein Ort des Austausches und der Weltoffenheit, sagte die Prorektorin: „Alle russischen Studierenden, Lehrenden und Forschenden, die sich derzeit bereits an der Universität Tübingen aufhalten, sind uns weiterhin willkommen und können selbstverständlich bleiben.“ Auch im kommenden Sommersemester werden russische Studierende aufgenommen und immatrikuliert.</p><p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen kooperieren zu einer Vielzahl von Themen mit Forschenden an Universitäten und Forschungseinrichtungen in Russland. Involviert sind unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Astronomie, Geowissenschaften, Geschichte, Jura, Mathematik, Mikrobiologie, Physik und Slavistik. Darüber hinaus gibt es Austauschabkommen der Universität Tübingen mit Universitäten in Moskau und Sankt Petersburg.</p><p><br><strong>Weblinks:</strong><br> Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen:<br><a href="https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/allianz/220225_statement_allianz_ukraine.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/allianz/220225_statement_allianz_ukraine.pdf</a><br><a href="https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/allianz/220225_statement_allianz_ukraine_en.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/allianz/220225_statement_allianz_ukraine_en.pdf</a><br><br> Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft:<br><a href="https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung_nr_01/index.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung_nr_01/index.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75323</guid><pubDate>Wed, 02 Mar 2022 10:02:54 +0100</pubDate><title>Schildkröten in Osteuropa überlebten das Massensterben der Dinosaurier</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schildkroeten-in-osteuropa-ueberlebten-das-massensterben-der-dinosaurier/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht 70 Millionen Jahre alte Fossilien aus dem heutigen Rumänien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine kleine Schildkrötenart überlebte das Massensterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren: Ein internationales Team unter der Leitung der Paläobiologie der Universität Tübingen hat eine bisher unbekannte Schildkrötenart erstmals beschrieben. Das 19 Zentimeter lange Reptil, das vor 70 Millionen Jahren auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens lebte, hat keine engen lebenden Verwandten. Es gehört zur größeren Gruppe der Halswender-Schildkröten, deren heutige Vertreter meist auf der Südhalbkugel leben. Die engsten Verwandten der neu entdeckten Art sind aus rund 57 Millionen Jahren alten Fossilien bekannt, die ebenfalls in Rumänien gefunden wurden. Das deutet darauf hin, dass die Abstammungslinie dieser Schildkröte nach dem Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren fortgesetzt wurde. Bei diesem Ereignis verschwanden mindestens drei Viertel aller damaligen Arten von Lebewesen von der Erde, darunter auch die meisten Dinosaurier. Die Beschreibung der erstmals entdeckten Art wurde in der Fachzeitschrift <em>Journal of Systematic Palaeontology</em> veröffentlicht.</p><p>Das Team unter der Leitung des Biogeologen Dr. Márton Rabi von der Universität Tübingen umfasste außerdem Wissenschaftler von der Universität Bukarest, dem ungarischen Museum für Naturgeschichte und der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. Die Schildkrötenfossilien wurden bereits 1995 von rumänischen Forscherinnen und Forschern im Hateg-Becken in Transsilvanien entdeckt, aber nun genauer untersucht. Die Art erhielt den Namen<em> Dortoka vremiri </em>nach dem Spezialisten für die Wirbeltierfauna der Kreidezeit Mátyás Vremir, der 2020 verstarb.&nbsp;</p><p>Das Hateg-Becken ist eine der wichtigsten Fundstätten für Wirbeltiere der späten Kreidezeit in Europa. Sie ist bekannt für ihre abgeschottete Fauna, zu der unter anderem Zwergdinosaurier gehörten, und wird seit mehr als 120 Jahren untersucht. Der Fund der Schildkröte <em>Dortoka vremiri</em> gibt einen seltenen Einblick in die Selektivität des Massenaussterbens zum Ende der Kreidezeit.</p><p>Wie konnte die kleine Schildkröte überleben, während die meisten anderen Arten ausstarben? „Überraschenderweise überlebten andere Mitglieder der gleichen Schildkrötenfamilie in Westeuropa nicht“, sagt der Doktorand und Erstautor der Studie Felix Augustin von der Universität Tübingen. Die abgelegene und möglicherweise geschütztere paläogeografische Lage der transsilvanischen Landmasse könne eine Rolle gespielt haben beim Überleben der osteuropäischen Schildkröten, sagt er.</p><p>Ein weiterer Faktor könne die direkte Umgebung von <em>Dortoka vremiri </em>gewesen sein. „Die einzige andere zeitgenössische Schildkrötenart war eine Landschildkröte, die das Massenaussterben nicht überlebte. Die neu entdeckte Art lebte hingegen im Süßwasser“, sagt Zoltan Csiki-Sava von der Universität Bukarest. „Das passt zu einer früheren Beobachtung aus der nordamerikanischen Fauna, bei der die Landwirbeltiere deutlich stärker von der Auslöschung zum Ende der Kreidezeit betroffen waren als die Süßwasserarten.“ Spekuliert wird, ob die Nahrungsketten im Süßwasser, die auf sich zersetzendem organischen Material aufbauen, erhalten bleiben, auch wenn große Umwälzungen die Nahrungsketten auf dem Land, an deren Basis vielfach Pflanzen stehen, zum Erliegen bringen. Dieses Muster sei bei anderen Aussterbeereignissen beobachtet worden und könne verbreitet sein, doch seien die Belege dafür noch rar, sagt Rabi.</p><p>Solche Erkenntnisse gewinnen große Bedeutung beim aktuellen massiven Artensterben, das durch menschliche Aktivitäten hervorgerufen wird, meint Augustin: „Wenn man die Selektivität früherer Artenauslöschung besser versteht, lassen sich heute besser Prioritäten im Artenschutz setzen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Felix J. Augustin, Zoltán Csiki-Sava, Andreas T. Matzke, Gábor Botfalvai &amp; Márton Rabi: A new latest Cretaceous pleurodiran turtle (Testudinata: Dortokidae) from the Haţeg Basin (Romania) documents end-Cretaceous faunal provinciality and selective survival during the K-Pg extinction. <em>Journal of Systematic Palaeontology</em>, <a href="https://doi.org/10.1080/14772019.2021.2009583" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1080/14772019.2021.2009583</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75230</guid><pubDate>Mon, 28 Feb 2022 12:02:58 +0100</pubDate><title>Solidarität mit der Ukraine</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/solidaritaet-mit-der-ukraine/</link><description>„Wir blicken mit Entsetzen und großer Sorge auf die Geschehnisse in Kiew und dem ganzen Land“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen solidarisiert sich gemeinsam mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus aller Welt in der scharfen Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine. „Wir blicken mit Entsetzen und großer Sorge auf die Geschehnisse in Kiew und dem ganzen Land und werden Studierende sowie Forschende in Not unterstützen,“ so Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales. Die Universität ist in Kontakt mit ihren Kooperationspartnern und -partnerinnen an der Taras Schewtschenko Universität Kiew, bietet im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei Scholars at Risk Betreuungsangebote an und wird sich um Unterstützung für geflüchtete Studierende und Forschende bemühen. Zurzeit halten sich keine Tübinger Studierenden im Rahmen unseres Austauschabkommens in Kiew auf. Mit vier Tübinger Studierenden, die sich gerade in Moskau aufhalten, ist das International Office im Austausch.</p><p>An der Universität Tübingen sind derzeit insgesamt 52 Studierende mit ukrainischer Staatsangehörigkeit eingeschrieben, darunter 14 Promotionsstudierende. Die Universitätsleitung ist in Gedanken bei ihnen und ihren Familien in dieser hoch unsicheren Zeit. Mit ihrer Solidaritätsbekundung, auch gemeinsam mit ihrer Europäischen Universitätsallianz CIVIS, bekräftigt sie die im Leitbild der Universität festgehaltene Verpflichtung zur Achtung der Menschenwürde, der Meinungs- und Redefreiheit sowie der Freiheit von Wissenschaft und Forschung.</p><ul><li><a href="/international/universitaet/solidaritaet-mit-der-ukraine/">Webseite "Solidarität mit der Ukraine"</a></li><li><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/geschichtswissenschaft/seminareinstitute/osteuropaeische-geschichte/startseite/we-standwithukraine/" class="internal-link">Hilfsangebote für Flüchtlinge, Spendenmöglichkeiten und Hintergrundinformationen</a> (Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde)</li><li><a href="https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/service/faq-ukraine-krise/" target="_blank" rel="noreferrer">FAQ-Seite des MWK zur Ukraine-Krise für Hochschulen und Wissenschaft</a></li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75140</guid><pubDate>Fri, 25 Feb 2022 10:07:32 +0100</pubDate><title>Auf der Spur der Krankheitsursache: Wie entsteht das Dravet-Syndrom?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auf-der-spur-der-krankheitsursache-wie-entsteht-das-dravet-syndrom/</link><description>Am 28. Februar ist Tag der Seltenen Erkrankungen – Tübinger Hirnforschende untersuchen Krankheitsmechanismus einer früh-kindlichen Epilepsieform</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Dravet-Syndrom ist eine der häufigsten schweren frühkindlichen&nbsp;Formen der Epilepsie – und mit einer oder einem Erkrankten auf 15.000 Personen in Deutschland glücklicherweise sehr selten. Die Erkrankung ist genetisch-bedingt und geht in den häufigsten Fällen auf eine Veränderung oder einen Verlust in einem Gen auf Chromosom 2 zurück. Das führt zu einer gestörten Signalübertragung im Gehirn und in Folge zu&nbsp;epileptischen Anfällen und weiteren Begleitsymptomen. Ein Forscherteam am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität&nbsp;Tübingen untersucht nun einen bislang unerforschten Entstehungsmechanismus der Krankheit.&nbsp;</p><p>Dem Team ist wichtig zu betonen, dass Menschen mit Seltenen Erkrankungen nicht von Forschenden vergessen sind, sondern dass auch für sie an neuen Behandlungsmethoden gearbeitet wird. Anlässlich des Tags der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar möchten sie darauf aufmerksam machen, dass sich Betroffene oder ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte an spezialisierte Zentren wenden, um dort von den neuesten medizinischen Fortschritten zu profitieren.</p><p>„Beim Dravet-Syndrom entwickeln sich die Kinder nach der Geburt erst völlig normal, bis sie im Alter von 3 bis 9 Monaten den ersten epileptischen Anfall erleiden“, erklärt Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch, Biologin und eine der drei Studienleiterinnen. „Dieser tritt häufig in Verbindung mit Fieber auf. Später können die Anfälle auch durch Übermüdung, Gefühlsausbrüche oder Infektionen ausgelöst werden und lassen sich häufig nur schwer bis gar nicht mit Medikamenten behandeln.“&nbsp;</p><p>Nach Krankheitsbeginn verlangsamt sich in den meisten Fällen die Entwicklung. Es kommt zu einer Sprachverzögerung, aber auch Gangstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Die Mehrzahl der Kinder leidet im weiteren Verlauf an einer geistigen Behinderung.&nbsp;</p><p>In rund 80 Prozent der Fälle beruht die Erkrankung auf einer zufälligen Veränderung des Gens SCN1A. In Folge ist ein Natriumkanal im Gehirn nicht mehr gut durchlässig. Wie genau dieser Funktionsverlust zu epileptischen Anfällen führen kann, will das Tübinger Forschungsteam nun weiter entschlüsseln. „Der Natriumkanal befindet sich nicht nur auf hemmenden Nervenzellen, sondern auch auf speziellen Gliazellen im Gehirn, den sogenannten Oligodendrozyten. Diese umwickeln Nervenzellfasern und unterstützen sie dadurch bei der Informationsweiterleitung“, erläutert Hedrich-Klimosch. „Wir wollen erstmals die Auswirkungen des Gendefekts auf diese Zellen erforschen. Führt bei ihnen der gestörte Natriumkanal zu einer veränderten Wechselwirkung mit Nervenzellen?“&nbsp;</p><p>Diese Frage untersucht Hedrich-Klimosch anhand von Zellkulturen und Mäusen mit SCN1A-Gendefekt. Die Neurobiologin leitet die Studie gemeinsam mit Dr. Ivana Nikić-Spiegel vom Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und Dr. Friederike Pfeiffer vom Physiologischen Institut, Abteilung Neurophysiologie der Universität Tübingen. Gemeinsam haben die Forscherinnen nun für ihr Projekt eine Förderung der Gruppo Famiglie Dravet Associazione ONLUS in Partnerschaft mit anderen europäischen Dravet-Stiftungen bekommen, die sich aus Eltern betroffener Kinder zusammengeschlossen haben.&nbsp;</p><p>„Bei unserer Studie handelt es sich natürlich um Grundlagenforschung, die nicht unmittelbar in neue Therapien mündet. Trotzdem sollten auch diese Studien möglichst breit publik gemacht werden, damit Patientinnen und Patienten sehen, dass die Forschung nicht stillsteht und es immer wieder Fortschritte gibt, die ihnen langfristig helfen könnte.“&nbsp;</p><p>Lesen Sie auch das Interview, dass die Hertie-Stiftung mit Dr. Ulrike&nbsp;Hedrich-Klimosch anlässlich des Tags der Seltenen Erkrankungen geführt hat:&nbsp;<a href="https://www.ghst.de/interview-ulrike-hedrich-klimosch/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.ghst.de/interview-ulrike-hedrich-klimosch/</a>&nbsp;</p><p class="align-right">Pressemitteilung des Hertie-Instituts für Klinische Hirnforschung</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75107</guid><pubDate>Thu, 24 Feb 2022 15:26:57 +0100</pubDate><title>21-Jähriger legt landesweit bestes Jura-Examen ab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/21-jaehriger-legt-landesweit-bestes-jura-examen-ab/</link><description>Absolvent der Universität Tübingen – Juristische Fakultät registriert insgesamt hervorragende Examensergebnisse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der landesweit beste Absolvent der Ersten Juristischen Prüfung kommt aus Tübingen: Wie die Juristische Fakultät am Donnerstag mitteilte, hat der Tübinger Student Raphael Reiss im Alter von nur 21 Jahren vor Kurzem das Examen mit der Gesamtnote von 13,53 Punkten abgeschlossen. „Raphael Reiss dürfte damit einer der jüngsten Juristen sein, die in den vergangenen Jahrzehnten bundesweit die Abschlussprüfung erfolgreich abgelegt haben“, sagte der Prodekan der Fakultät, Professor Jens-Hinrich Binder.</p><p>Reiss sagte, das Vorbild seines großen Bruders habe ihn dazu motiviert, sich in Tübingen einzuschreiben. „Auch war ich als Schüler bei `Jugend debattiert´ aktiv“, erinnert sich der 21-Jährige: „Der argumentative Aspekt am Jurastudium hat mir von Anfang an gut gefallen.“ Wie den meisten anderen Studenten seines Faches sei ihm die Anfangsphase sehr schwergefallen: „Vor allem im ersten Semester Zivilrecht hatte ich das Gefühl, nicht hinterher zu kommen.“ Wie viele seiner Kommilitonen habe er sehr viel Zeit in den Lernstoff investieren müssen: „Dann aber hat es angefangen, Spaß zu machen.“</p><p>Reiss erhielt für seinen Abschluss den mit 750 Euro dotierten Examenspreis der Tübinger Juristischen Gesellschaft. Er wird der Universität Tübingen noch einige Jahre erhalten bleiben. Wie Professor Binder berichtete, wird der Absolvent an der Fakultät eine Stelle als Akademischer Mitarbeiter und Doktorand antreten.</p><p>Der Prodekan zeigte sich erfreut über das auch insgesamt sehr erfreuliche Abschneiden der Tübinger Jurastudenten bei den landesweiten Abschlussprüfungen. In der Notenstufe "gut" liege Tübingen mit neun Absolventinnen und Absolventen und einem Anteil von 5,7 Prozent aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer landesweit an erster Stelle. Ein Prädikatsexamen mit der Note "vollbefriedigend" hätten immerhin 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht. Auch hier liege Tübingen mit einem Anteil von 15,82 Prozent wieder über dem Landesdurchschnitt. Die Durchfallquote lag mit 17,72 Prozent außerordentlich niedrig; hier schnitt die Tübinger Fakultät landesweit am zweitbesten ab. „Insgesamt liegen die Tübinger Absolventinnen und Absolventen in allen Notenstufen über dem Landesdurchschnitt“, betonte Binder.</p><p>Die Tübinger Juristen führen dieses hervorragende Ergebnis unter anderem auf die in den vergangenen Jahren nochmals intensivierte Vorbereitung der Examenskandidatinnen und -kandidaten zurück. „Die Fakultät hat in den letzten Jahren sehr viel Mühe und Arbeit in die Qualität der Examensvorbereitung investiert“, sagte der Prodekan. Allen Studierenden werde die Möglichkeit eröffnet, insgesamt 66 Probeklausuren pro Jahr zu schreiben. In Fallbesprechungen und Tutorien werde der Stoff der Vorlesungen systematisch vertieft. Dazu komme ein sehr gute Lehrsituation. Es gebe seit einigen Jahren kaum noch vakante Lehrstühle. Der Kreis der Lehrenden sei vergleichsweise jung und hoch motiviert. Mit zahlreichen attraktiven Zusatzangeboten, wie dem Zertifikatsstudiengang Recht - Ethik - Wirtschaft, und internationalen Austauschprogrammen, z.B. mit der University of Chapel Hill in den USA, ziehe Tübingen in den letzten Jahren immer mehr interessierte Studierende aus der ganzen Bundesrepublik an.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-75008</guid><pubDate>Wed, 23 Feb 2022 11:55:54 +0100</pubDate><title>Mikrobielles Leben unter extremen Bedingungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mikrobielles-leben-unter-extremen-bedingungen/</link><description>Team der Universität Tübingen erforscht das mit Schwermetallen belastete Mündungsgebiet des Rio Tinto in Spanien – Parallelen zur Umgebung auf dem Mars</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Mündung des Rio Tinto im Südwesten Spaniens vermischt sich das durch den Erzabbau und Mineralverwitterung mit Schwermetallen belastete saure Flusswasser mit dem Salzwasser des Atlantischen Ozeans. Dort bildet sich eine einzigartige Gemeinschaft von Mikroorganismen aus, die die Extreme lieben. Sie leben in Wasser, das so sauer ist wie Essig, sind resistent gegenüber einem hohen Salzgehalt, und manche kommen zudem mit einem hohen Gehalt an giftigen Metallen bestens klar. Diese Lebensgemeinschaft hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Andreas Kappler und Juniorprofessorin Sara Kleindienst vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen entdeckt. Es untersuchte, woher die Mikroorganismen unter den extremen Bedingungen Energie für ihren Stoffwechsel gewinnen und welchen Einfluss sie auf die Ablagerung oder Ausschwemmung von Schwermetallen im Mündungsgebiet des Rio Tinto haben. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Applied and Environmental Microbiology</em> veröffentlicht.</p><p>Der Rio Tinto – auf Deutsch „Roter Fluss“ – trägt seinen Namen zu Recht: Stellenweise leuchtet der etwa 100 Kilometer lange Fluss in der spanischen Provinz Huelva prächtig orange bis blutrot. Warum sein Wasser so sauer ist und seine Mündung zu einem der am stärksten mit giftigen Metallen belasteten Wassersysteme der Welt gehört, ist bis heute nicht geklärt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74780</guid><pubDate>Thu, 17 Feb 2022 15:00:00 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen wählt im April neue Führung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-waehlt-im-april-neue-fuehrung/</link><description>Senat und Universitätsrat kommen zu Neuwahl eines Rektors oder einer Rektorin zusammen – Vorsitzender des Universitätsrats, Bernhard Sibold, informiert über Stand des Verfahrens</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senat und Universitätsrat der Universität Tübingen werden voraussichtlich im April 2022 einen neuen Rektor oder eine neue Rektorin wählen. Die Wahl wird notwendig, weil der bisherige Amtsinhaber, Professor Bernd Engler, zum 30. September 2022 in den Ruhestand geht. Wie der Vorsitzende des Universitätsrats, Bernhard Sibold, am Donnerstag in Tübingen erläuterte, fällt die Entscheidung über den Wahltermin in Sitzungen von Senat und Universitätsrat am 31. März. Nach dem aktuellen Stand der Planung könne die Wahl am 07. oder 27. April stattfinden.</p><p>„Für die Universität Tübingen ist der nun anstehende Führungswechsel ein tiefer Einschnitt“, sagte Sibold. „Wenn Professor Engler in den Ruhestand geht, wird er 16 Jahre an der Spitze der Universität Tübingen gestanden haben.“ In dieser Zeit habe er die Hochschule durch sein herausragendes Engagement und seinen strategischen Weitblick in die Gruppe der weltweit 100 besten Universitäten sowie bundesweit in den exklusiven Kreis der Exzellenzuniversitäten geführt. Dies unterstreiche die Bedeutung des Amtes für die weitere Entwicklung der gesamten Universität.</p><p>Sibold verwies darauf, dass die Modalitäten, nach denen die Wahl eines neuen Rektors oder einer neuen Rektorin vorbereitet und durchgeführt wird, im Landeshochschulgesetz detailliert geregelt sind. Die maßgeblichen Gremien für die Wahl sind Senat und Universitätsrat. Vorbereitet wird die Wahl von einer gemeinsamen Findungskommission unter dem Vorsitz des Vorsitzenden des Universitätsrats, in die Senat und Universitätsrat je sechs Mitglieder entsenden. Aufgabe der Findungskommission ist es, den Bewerbungsprozess zu gestalten, Vorstellungsgespräche mit den Bewerberinnen und Bewerbern zu führen, eine Kandidatenliste zu erstellen und diese mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium abzustimmen.</p><p>„Die Findungskommission war sich von Beginn an einig, dass wir die bestmögliche Besetzung für dieses wichtige Amt anstreben wollen“, sagte Sibold, der auch Vorsitzender der Findungskommission ist. Daher sei die Stelle in deutschen und internationalen Medien ausgeschrieben worden. Zudem habe die Universität eine auf die Gewinnung von exzellenten Führungskräften spezialisierte, international tätige Personalberatungsagentur engagiert, um potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten für das Rektorenamt gezielt zu identifizieren und anzusprechen. Insgesamt acht Bewerbungen seien daraufhin bis zum Ende der Ausschreibungsfrist eingegangen, davon eine aus dem Ausland. Von diesen acht Personen seien fünf zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden, die vor der Findungskommission am 15. und 16. Februar in Tübingen stattgefunden hätten. Im Anschluss daran habe die Kommission entschieden, den Wahlgremien Senat und Universitätsrat drei Kandidatinnen bzw. Kandidaten für die Wahl vorzuschlagen. „Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, bis Anfang März mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium Einvernehmen über den Wahlvorschlag herzustellen“, sagte Sibold. Sobald dieses vorliege, werde die Universität zu einer hochschulöffentlichen Informationsveranstaltung einladen, auf der sich die Bewerberinnen bzw. Bewerber vorstellen und Fragen beantworten.</p><p>Wesentliche Schritte im Findungsprozess:</p><ul><li>29.06./15.07.2021: Wahl einer Findungskommission durch Senat und Universitätsrat</li><li>19.07.2021: Konstituierende Sitzung der Findungskommission</li><li>ab 04.11.2021: Veröffentlichung der Stellenausschreibung (Die ZEIT, Staatsanzeiger BW, Deutsche Universitätszeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Indeed.com, Nature-Jobs.com)</li><li>05.12.2021: Ende der Bewerbungsfrist. Insgesamt acht Bewerbungen, davon eine aus dem Ausland</li><li>15./16.02.2022: Vorstellungsgespräche mit fünf Bewerberinnen und Bewerbern, Erstellung eines Wahlvorschlags</li><li>30. März 2022: Hochschulöffentliche Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten</li><li>31. März 2022: Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten vor Senat und Universitätsrat, Festlegung des Wahltermins</li><li>07. /27. April 2022: Wahl eines neuen Rektors oder einer neuen Rektorin</li><li>01.10.2022: Amtsantritt eines neuen Rektors oder einer neuen Rektorin</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74759</guid><pubDate>Wed, 16 Feb 2022 20:00:00 +0100</pubDate><title>Orang-Utans zeigen Voraussetzungen für das Arbeiten mit Steinwerkzeugen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/orang-utans-zeigen-voraussetzungen-fuer-das-arbeiten-mit-steinwerkzeugen/</link><description>Bei Verhaltensexperimenten setzten Zoobewohner spontan scharfe Steine ein – Verhalten vermutlich sehr früh in der Evolution angelegt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die grundlegenden Fähigkeiten zum Einsatz von Steinwerkzeugen könnten unter Primaten sehr viel weiter verbreitet sind als bisher angenommen: Eine Studie der Universität Tübingen, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Barcelona zeigt, dass Orang-Utans ohne vorheriges Training spontan in der Lage sind, scharfe Steine als Schneidewerkzeuge zu erkennen und einzusetzen. In dieser Hinsicht wären sie sogar Schimpansen überlegen, die dem Menschen näher verwandt sind, aber in entsprechenden Experimenten nicht diese Fähigkeit gezeigt hatten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr">PLOS ONE</span> veröffentlicht.</p><p>Die Ergebnisse seien ein weiteres Puzzleteil zu den technologischen Ursprüngen unserer Spezies, sagen Studienleiter Dr. Alba Motes-Rodrigo und Dr. Claudio Tennie. Im Rahmen des EU-geförderten <span lang="en" dir="ltr">STONECULT</span>-Projekts hatte das Forschungsteam Tests mit fünf untrainierten Orang-Utans in zwei verschiedenen europäischen Zoos durchgeführt. Den Orang-Utans wurden mit Futter gefüllte Puzzleboxen vorgesetzt und auch scharfe Steinabschläge angeboten. Bei ihren Versuchen, die Boxen zu öffnen, nutzte ein Orang-Utan die scharfen Steinabschläge als Werkzeuge zum Öffnen der Puzzlebox. Zudem stellten Sie selbst scharfe Steinabschläge her, indem sie Steine auf einen harten Untergrund schlugen, benutzten diese aber nicht weiter.</p><p>Die Herstellung und Verwendung scharfer Steinwerkzeuge gilt als eine der wichtigsten Innovationen in der Evolution unserer Spezies. Sie ermöglichte unseren homininen (urmenschlichen) Vorfahren, nährstoffreiche Nahrungsmittel in ihre Ernährung einzubeziehen, zudem ließen sich so möglicherweise weitere Werkzeuge herstellen und bearbeiten.</p><p>Die Forschung geht davon aus, dass sich die systematische Herstellung und Verwendung von solchen Steinwerkzeugen aus einer Reihe einfacher, grundlegender Verhaltensweisen und Fähigkeiten entwickelt hat: Um Steinwerkzeuge herstellen zu können, mussten Urmenschen, sog. Hominine, in der Lage sein, einen geeigneten Stein gegen einen anderen oder gegen eine harte Oberfläche zu schlagen, um scharfe Stücke (Steinabschläge) abzutrennen. Um einen solchen Abschlag wiederum als Werkzeug einzusetzen, mussten sie scharfe Steinkanten als potenzielle Werkzeuge erkennen und diese bearbeiten können.</p><p>Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass diese Voraussetzungen - die Verwendung scharfer Steine als Schneidewerkzeuge und die Fähigkeit, einen Stein so gegen harte Oberflächen zu schlagen, dass scharfe Steinstücke entstehen - bei Orang-Utans vorhanden sind. Eine frühere Studie war davon ausgegangen, dass dies nur möglich sei, wenn diese Tätigkeiten vorher von Menschen demonstriert wurden.</p><p>„Allerdings kombinierten die Orang-Utans der Studie diese Fähigkeiten nicht, um eigene Steinwerkzeuge herzustellen und einzusetzen“, sagt Motes-Rodrigo. „Auch nicht, nachdem Menschen dies demonstriert hatten. Diese Fähigkeit zur Kombination scheinen nur Hominine besessen zu haben.“</p><p><strong>ERC-Projekt STONECULT</strong>: <a href="https://sites.google.com/view/stonecult" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://sites.google.com/view/stonecult</a></p><h3>Publikation:</h3><p><span lang="en" dir="ltr">Alba Motes-Rodrigo, Shannon P. McPherron, Will Archer, R. Adriana Hernandez-Aguilar and Claudio Tennie: Experimental investigation of orangutans lithic percussive and sharp stone tool behaviours, PLOS ONE</span>,&nbsp;<a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0263343" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0263343</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74616</guid><pubDate>Mon, 14 Feb 2022 10:06:00 +0100</pubDate><title>Astronomen entdecken seltene Sternhochzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/astronomen-entdecken-seltene-sternhochzeit/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen stößt auf neuen Sterntyp mit ungewöhnlichen Eigenschaften – Verschmelzung zweier Weißer Zwerge vermutet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Astronomen der Universitäten Tübingen und Potsdam haben einen neuen Typ Sterne entdeckt: Auf der Jagd nach „heißen Sternen“ mit dem Large Binocular Telescope in Arizona stieß das Team auf Sterne mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Während normale Sternoberflächen aus Wasserstoff und Helium bestehen, sind die Sterne, die unter Leitung von Professor Klaus Werner von der Universität Tübingen gefunden wurden, mit Kohlenstoff und Sauerstoff bedeckt, der Asche einer Helium-Kernfusion. Die exotische Zusammensetzung ist umso rätselhafter, weil Temperaturen und Durchmesser der Sterne anzeigen, dass in ihrem Inneren weiterhin Heliumkerne fusionieren. Die Ergebnisse wurden in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society publiziert.</p><p>Der typische Lebenszyklus eines Sterns wie unserer Sonne beginnt mit der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium. Danach setzt tief im Sterninneren eine Kernreaktion ein, die Helium in Kohlenstoff und Sauerstoff umwandelt: Der Stern „stirbt“ im Laufe von Millionen Jahren und schrumpft zu einem sogenannten Weißen Zwerg.&nbsp;</p><p>„Von Sternen mit der chemischen Oberflächenzusammensetzung der entdeckten Sterne erwarten wir normalerweise, dass sie die Heliumfusion im Zentrum beendet haben und sich kurz vor dem Endstadium ihrer Entwicklung zum Weißen Zwerg befinden“, erklärt Klaus Werner vom Institut für Astronomie und Astrophysik. Dass es Sterne gebe, die statt durch Wasserstoff mit Kohlenstoff und Sauerstoff bedeckt seien, sei bekannt. Als Ursache dafür vermute man ein explosionsartiges Wiedereinsetzen der Heliumfusion, die dann die Brennasche – Kohlenstoff und Sauerstoff – an die Oberfläche bringt. „Dieses Ereignis kann jedoch nicht die neu entdeckten Sterne erklären. Sie haben größere Radien und führen die Heliumfusion friedlich in ihrem Zentrum aus.“<br> Eine mögliche Erklärung zur Entstehung dieser untypischen Sterne liefert ein parallel publizierter Artikel von Astronomen der Universität von La Plata (Argentinien), unter Leitung von Marcelo Miller Bertolami. „Wir glauben, dass die Sterne, die unsere deutschen Kollegen entdeckt haben, durch eine sehr seltene Art von Verschmelzung zweier Weißer Zwerge entstanden sind“, sagt Miller Bertolami, der Erstautor der begleitenden Publikation.&nbsp;</p><p>Die Verschmelzung Weißer Zwerge in engen Doppelsternsystemen kann vorkommen, weil der Abstand ihrer Umlaufbahnen durch die Emission von Gravitationswellen ständig abnimmt. „Dies führt normalerweise nicht zur Entstehung eines Sterns, der mit Kohlenstoff und Sauerstoff angereichert ist“, erklärt Nicole Reindl von der Universität Potsdam. „Wir glauben jedoch, dass in Doppelsternsystemen mit sehr spezifischen Sternmassen ein Weißer Zwerg mit einem Kohlenstoff-Sauerstoffkern durch Gezeitenkräfte zerrissen werden kann. Sein Material wird dann auf der Oberfläche seines Weißen-Zwerg-Begleiters abgeladen und führt so zur Entstehung dieser exotischen Sterne.“ Zur vollständigen Erklärung des vorgefundenen Phänomens brauche es allerdings noch genauere Entwicklungsmodelle.</p><p>Die Sterne wurden im Rahmen eines großangelegten Suchprogramms gefunden, in dem Forschende kurzlebige, heiße Sterne aufspüren, um die Endphasen der Sternentwicklung besser zu verstehen. Dabei werden die Spektren der Sterne erfasst und analysiert, beispielsweise um die chemische Zusammensetzung zu bestimmen. Da diese Sterne wenig Leuchtkraft haben, sind dafür große optische Teleskope nötig. Das größte, das zur neuen Entdeckung beitrug, ist das Large Binocular Telescope in Arizona, bestehend aus zwei großen Hauptspiegeln von je 8,4 Meter Durchmesser.</p><h3>Publikationen:</h3><p>Klaus Werner, Nicole Reindl, Stephan Geier, Max Pritzkuleit: Discovery of hot subdwarfs covered with helium-burning ash. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, <a href="https://academic.oup.com/mnrasl/article-lookup/doi/10.1093/mnrasl/slac005" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://academic.oup.com/mnrasl/article-lookup/doi/10.1093/mnrasl/slac005</a>&nbsp;</p><p>Marcelo M. Miller Bertolami, Tiara Battich, Alejandro H. Córsico, Leandro G. Althaus, Felipe C. Wachlin: An evolutionary channel for CO-rich and pulsating He-rich subdwarfs. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, <a href="https://academic.oup.com/mnrasl/article-lookup/doi/10.1093/mnrasl/slab134" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://academic.oup.com/mnrasl/article-lookup/doi/10.1093/mnrasl/slab134</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74403</guid><pubDate>Wed, 09 Feb 2022 09:55:17 +0100</pubDate><title>Kreative Ideen für die digitale Lehre prämiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kreative-ideen-fuer-die-digitale-lehre-praemiert/</link><description>Dr. Eberle Zentrum der Universität Tübingen zeichnet unter anderem Lernspiel für Sozialwissenschaften, Mathematik-Podcast und einen Leitfaden zur Beobachtung von Säugetieren aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen an der Universität Tübingen zeichnet fünf Projekte mit dem Förderformat „Open Educational Resources (OER)“ aus. Bereits zum zweiten Mal werden damit innovative Ideen von Tübinger Forschenden gefördert, die digitale und frei verfügbare Lehr- und Lernmaterialien entwickeln. Jedes Team erhält bis zu 10.000 Euro für die Projektentwicklung und wird die Ergebnisse über das von der Universitätsbibliothek betriebene OER-Repositorium Baden-Württemberg frei im Netz zugänglich machen. Möglich wurde die Ausschreibung des Zentrums durch die großzügige Unterstützung der Dr. K. H. Eberle Stiftung. Die OER-Preise gehen an folgende Projektideen:</p><ul><li>Das Projekt „InterSim – Ein Educational-Game zur Simulation sozialwissenschaftlicher Interviewführung“ will Kompetenzen für die Durchführung sozialwissenschaftlicher Interviews vermitteln. In sozialwissenschaftlichen Fächern gelten diese als eine der wichtigsten Erhebungsformen für Studiendaten. Das Methodenzentrum und die Digital Humanities haben dazu unter Leitung von Juniorprofessorin Ursula Offenberger und Dipl.-Inf. Kevin Körner ein Lernspiel entworfen, das aktuell in einem Kurs zu qualitativen Interviews erprobt und gemeinsam mit Studierenden weiterentwickelt wird.<br><strong>Kontakt:</strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wtuwnc0qhhgpdgtigtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ursula.offenberger<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>; <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,&apos;mgxkp0mqgtpgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kevin.koerner@uni-tuebingen.de</a></li></ul><ul><li>Im Projekt „Philosophie im Globalen Süden: Multimediale Lernmaterialien zur interkulturellen Philosophie in Lateinamerika“ entwickeln und erproben Studierende am Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies ein offenes Lehrbuch. Inhalte sind unter anderem indigene Denktraditionen Kolumbiens, der mexikanische Existenzialismus oder der Feminismus und politisches Denken im Globalen Süden. Das Lehrbuch wird mit Lernvideos ergänzt und kann in den Fächern Philosophie, Soziologie sowie Literatur- und Politikwissenschaften genutzt werden. Leitung: Dr. Fernando Wirtz, Federica González Luna Ortiz, Philosophisches Seminar; Dr. Adrian Razvan Sandru, Champalimaud Stiftung Portugal.&nbsp;<br><strong>Kontakt:</strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,hgtpcpfq0yktvbBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">fernando.wirtz<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;</li></ul><ul><li>Der Podcast "abgerechnet" will mathematische Konzepte verständlich vermitteln und macht Dinge hörbar, die man sonst eher aus Gleichungen kennt. Studiengänge von Wirtschaft bis Hirnforschung vermitteln zunehmend auch mathematische Techniken, doch gerade Nebenfach-Studierende bringen hier sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit, die den Einstieg erschweren. &nbsp;Solche Lücken will "abgerechnet" mit kurzen Erzählungen auf Deutsch und Englisch füllen, die man jederzeit mobil und unterwegs hören kann. In natürlicher Sprache und ohne Formeln vermittelt der Podcast Kerngedanken der Höheren Mathematik und ergänzt so die Vorlesungen der Universität. Leitung: Florian Dehmelt; Professor Aristides B. Arrenberg.<br><strong>Kontakt: </strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,hnqtkcp0fgjognvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">florian.dehmelt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>; <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ctkuvkfgu0cttgpdgtiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">aristides.arrenberg<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</li></ul><ul><li>Das Projekt „Informatik Interaktiv Erfahrbar Machen“ erstellt Skripte, Foliensätze und Übungsblätter zu den Vorlesungen Informatik I und Programmiersprachen I + II. Diese Vorlesungen vermitteln wichtiges Grundlagenwissen: In „Informatik I“ kommen Studierende im Haupt- wie im Nebenfach erstmals in Kontakt mit der Programmierung und den Grundideen der Informatik. Die Lernmaterialien dafür sollen nun zu digitalen und interaktiven Lehrbüchern erweitert werden, beispielsweise durch Visualisierungen, ausführbare Programme zur Übung oder interaktive Quizze zur Überprüfung von Wissen. Sie werden online öffentlich zugänglich gemacht und zu einer Plattform verknüpft, die auch Austausch unter Studierenden ermöglicht. Leitung: David Binder; Jun.-Prof. Jonathan Brachthäuser; Prof. Klaus Ostermann.<br><strong>Kontakt: </strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fcxkf0dkpfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">david.binder<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</li></ul><ul><li>Das Projekt „Säugetiere im Freiland“ plant ein neues OER-Modul, das angehende Biologielehrkräfte bei der Planung und Leitung von Schulexkursionen unterstützt: Online-Vorträge vermitteln hier unter anderem Wissen zu Säugetieren und ihren Vorkommen sowie zu Aspekten der Mensch-Wildtier-Interaktion. Studierende können zudem Methoden erlernen, um die heimischen großen Säugetiere für Forschungsarbeiten oder bei Schülerexkursionen sicher aufzuspüren, zu beobachten und auch deren Spuren zu erkennen. Leitung: Professorin Katharina Foerster.&nbsp;<br><strong>Kontakt: </strong><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvjctkpc0hqgtuvgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">katharina.foerster<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</li></ul><p>Das Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen bildet Tübinger Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für den Einsatz digitaler Medien in Forschung, Studium und Berufsleben aus. Mit der Ausschreibung „Digitale Lehr- und Lernmaterialien“ unterstützt die Universität die Entwicklung sogenannter „Open Educational Resources (OER)“. Diese digitalen Lehr- und Lernressourcen sind vielseitig in der Lehre einsetzbar, von Einzeldokumenten bis hin zu multimedial aufbereiteten Kursen. Ihre Erstellung erfordert jedoch neben Kompetenzen zur Nutzung digitaler multimedialer Werkzeuge auch geeignete didaktische Konzepte. Die neuen digitalen Module werden zur kostenfreien Nutzung im Onlinedienst „Zentrales Repositorium für Open Educational Resources der Hochschulen in Baden-Württemberg“ (ZOERR) veröffentlicht. Diesen stellt die Universitätsbibliothek im Rahmen des „Hochschulnetzwerks Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg“ zur Verfügung.&nbsp;</p><p>Die Dr. K. H. Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach hat das Zentrum bereits mit mehr als 600 000 Euro gefördert und auch die Ausschreibung des Förderformats „Digitale Lehr- und Lernmaterialien“ ermöglicht. Sie wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig. <a href="https://dreberlestiftung.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dreberlestiftung.de/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74067</guid><pubDate>Mon, 31 Jan 2022 16:02:58 +0100</pubDate><title>Neuer Dekan für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-dekan-fuer-die-wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/</link><description>Fakultätsrat wählt Sportwissenschaftler Ansgar Thiel zum Nachfolger von Josef Schmid</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professor Ansgar Thiel ist zum neuen Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät gewählt worden. Der Fakultätsrat ernannte den Direktor des Instituts für Sportwissenschaft zum Nachfolger von Dekan Josef Schmid, der nach 12-jähriger Amtszeit zum 30. September 2022 aus seinem Amt ausscheidet. „Mit Ansgar Thiel erhält die Fakultät einen hervorragenden Wissenschaftler, der unter anderem die anwendungsbezogene und interdisziplinäre Forschung auf seinem Gebiet vorangetrieben hat“, sagte Professor Bernd Engler, Rektor der Universität. „Er verfügt über das Standing, das an einer Forschungsuniversität wie Tübingen für dieses Amt benötigt wird. Ich bin mir sicher, dass er sich – wie sein Vorgänger – hoch engagiert für die Interessen seiner Fakultät einsetzen wird.“&nbsp;</p><p>Rektor Engler dankte zudem Josef Schmid, welcher der Fakultät insgesamt für zwei Amtsperioden als Dekan vorstand. „Dekan Thiel übernimmt eine Fakultät, die sein Vorgänger mit wichtigen innovativen Akzenten maßgeblich weiterentwickelt hat ‒ im Bereich der disziplinären Ausrichtung, aber auch im Bereich der interdisziplinären Vernetzung, unter anderem mit der Etablierung des ‚Methodenzentrums‘“.&nbsp;</p><p>Auf interdisziplinäre Zusammenarbeit wolle er auch in seiner Funktion als Dekan setzen, sagte Ansgar Thiel nach seiner Wahl: Er sehe es als seine Aufgabe, die Mitwirkung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in großen Forschungsnetzwerken zu fördern. „Insgesamt wünsche ich mir, das enorme Wissen und die hervorragenden Forschungsergebnisse, die in dieser Fakultät produziert werden, besser sichtbar zu machen: In der Öffentlichkeit, in beratender Funktion gegenüber der Politik aber auch international.“&nbsp;</p><p>Weitere mögliche Themen seien der Ausbau zweisprachiger Studiengänge und die Stärkung der internationalen Strategie, überfakultäre Lehrkooperationen zu Querschnittsthemen oder auch Weiterbildungsstudiengänge. „Klar ist aber, dass die Weiterentwicklung der Fakultät nur im Austausch mit den Fachbereichen sowie Vertreterinnen und Vertretern aller Statusgruppen gelingen kann.“</p><p>Ansgar Thiel wurde 1963 im baden-württembergischen Laupheim geboren. Er wurde an der Universität Bielefeld promoviert, wo er sich im Jahr 2000 an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft habilitierte. Nach einer Professur für Sportsoziologie an der Technischen Universität Chemnitz wurde er 2004 an die Universität Tübingen berufen und hat seitdem die Professur für Sportwissenschaft mit Fokus auf sozial- und gesundheitswissenschaftliche Fragen inne.&nbsp;</p><p>Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Soziologie von Sport und Gesundheit im Allgemeinen sowie im Spitzensport im Speziellen. Weitere Interessen sind der Zusammenhang von körperlicher Aktivität und biopsychosozialer Gesundheit sowie Methoden der interdisziplinären Forschung. Er ist Sprecher des 2019 mit der Sportmedizin gegründeten Interfakultären „Forschungsinstituts für Sport und körperliche Aktivität Tübingen“ und Mitglied des LEAD Graduate School and Research Networks.</p><p>Ansgar Thiel steht seit 2010 dem Sportinstitut als Direktor vor und bringt vielfältige Erfahrung aus der akademischen Selbstverwaltung mit: In der ehemaligen Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften war er bereits als Prodekan wie auch Dekan tätig. In der jetzigen WISO-Fakultät war er Prodekan für Forschung (2013-2016) und Sprecher des Fachbereichs Sozialwissenschaften (2017-2019), zudem von 2010 bis 2014 stellvertretendes Mitglied des Senats der Universität. Außerhalb der Universität war er unter anderem in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und in der European Association for the Sociology of Sport engagiert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-74028</guid><pubDate>Mon, 31 Jan 2022 11:35:02 +0100</pubDate><title>Mehr als 18.000 Tonscherben dokumentieren Leben im alten Ägypten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mehr-als-18000-tonscherben-dokumentieren-leben-im-alten-aegypten/</link><description>Funde aus dem antiken Athribis dokumentieren Handel, Unterrichtsmaterial und sogar Strafarbeiten von Schülern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ägyptologen haben im antiken Athribis mehr als 18.000 beschriftete Tonscherben geborgen – Überreste von Gefäßen ‒, die vor etwa 2000 Jahren als Schreibmaterial dienten. Auf den sogenannten „Ostraka“ sind Namenslisten dokumentiert, Geschäfte mit Lebensmitteln und Alltagsgegenständen und sogar Schriften einer antiken Schule, darunter Strafarbeiten von Schülern. Funde in dieser hohen Menge kommen äußerst selten vor. Die Ostraka wurden bei Grabungen unter Leitung von Professor Christian Leitz vom Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) der Universität Tübingen geborgen in Kooperation mit Mohamed Abdelbadia und seinem Team vom ägyptischen Ministerium für Tourismus und Antike.</p><p>In der Antike wurden Tonscherben in großen Mengen als Schreibmaterial genutzt, beschriftet wurden sie mit Tusche und einem Schreibrohr (Kalamus). Eine derart große Menge an Funden ist in Ägypten erst einmal gelungen, in der Arbeitersiedlung Deir el-Medineh, die im alten Ägypten nahe des Tals der Könige in Luxor lag. Die nun geborgenen Ostraka geben vielfältige Einblicke in das Alltagsleben der antiken Siedlung Athribis, knapp 200 Kilometer nördlich von Luxor.</p><p>Rund 80 Prozent der Tonscherben sind in Demotisch beschriftet, der gängigen Verwaltungsschrift in der Ptolemäer- und Römerzeit, die sich seit etwa 600 v. Chr. aus dem Hieratischen entwickelt hatte. Zu den zweithäufigsten Funden zählen Ostraka mit griechischer Schrift, das Team stieß aber auch auf Beschriftungen in hieratischer, hieroglyphischer und - weit seltener - koptischer und arabischer Schrift.</p><ul class="ut-list ut-list--link-list"></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73998</guid><pubDate>Mon, 31 Jan 2022 09:32:21 +0100</pubDate><title>U15-Universitäten: Anteilnahme und Solidarität mit Heidelberg, Fahnen auf Halbmast</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/u15-universitaeten-anteilnahme-und-solidaritaet-mit-heidelberg-fahnen-auf-halbmast/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Alle U15-Universitäten sind am heutigen Tage in Trauer und Solidarität mit der Universität Heidelberg vereint. Als Zeichen der Anteilnahme tragen sie heute Trauerbeflaggung. Sie stehen Seite an Seite mit allen Betroffenen des tödlichen Angriffs, mit den Studierenden und Mitarbeitenden der Universität und mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Heidelberg.</p><p>Wir denken am heutigen Tag besonders an die Opfer und Hinterbliebenen des Angriffs. Unser Dank gilt allen Helferinnen und Helfern vor Ort, den Einsatzkräften, dem medizinischen Personal und besonders auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität selbst.</p><p>Prof. Dr. Georg Krausch, Vorstandsvorsitzender von German U15 und Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz:&nbsp;</p><p>„Die tragischen Ereignisse in Heidelberg haben uns alle bestürzt und sprachlos zurückgelassen. Schock und Trauer sitzen tief. Anlässlich der heutigen Gedenkfeier möchte ich im Namen aller U15-Universitäten unsere Anteilnahme und Solidarität mit der Universität Heidelberg und ihren Studierenden und MItarbeiterinnen und Mitarbeitern bekräftigen.</p><p>Der Rektor der Universität Heidelberg, mein Kollege Bernhard Eitel, hat nach den Geschehnissen davon gesprochen, dass sich die Tat auch wie ein Angriff auf die Offenheit der Hochschulen und die akademische Tradition anfühle. Deshalb möchte ich betonen, dass alle Mitglieder von German U15 gemeinsam mit Heidelberg dafür einstehen werden, dass Universitäten Orte der Offenheit und Begegnung, der Freiheit und des Austausches bleiben. Dieses Grundverständnis spiegelt sich auch in der Losung der Universität Heidelberg wieder: semper apertus, immer offen. Dessen eingedenk sind wir sicher, dass trotz aller Trauer über die schrecklichen Ereignisse die älteste Universität Deutschlands und ihre Mitglieder auch diese Krise überstehen werden.“ &nbsp;</p><p><strong>Hinweis zum Live-Stream der Gedenkfeier</strong><br> Die Gedenkfeier kann als Stream ab 12 Uhr live verfolgt werden:<br> Eingebettet auf dem Portal heiONLINE: <a href="https://www.uni-heidelberg.de/de/heionline" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.uni-heidelberg.de/de/heionline</a><br> Auf YouTube: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ABx3yFAoR68" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=ABx3yFAoR68</a></p><p><strong>Über German U15</strong><br> German U15 vereint fünfzehn große und forschungsstarke Universitäten in Deutschland, darunter auch die älteste deutsche Universität in Heidelberg.</p><p>Pressemitteilung der German U15 e. V.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73977</guid><pubDate>Fri, 28 Jan 2022 14:36:37 +0100</pubDate><title>Schon unsere frühesten Vorfahren arbeiteten bei der Jagd eng zusammen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schon-unsere-fruehesten-vorfahren-arbeiteten-bei-der-jagd-eng-zusammen/</link><description>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie zeichnet Lucía Cobo-Sánchez aus: Die Spanierin rekonstruierte das Jagd- und Sozialverhalten vor 1, 84 Millionen Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in diesem Jahr an Dr. Lucía Cobo-Sánchez von der Universität Madrid. Die Wissenschaftlerin erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation „Taphonomic and spatial study of the archaeological site DS from Bed I in Olduvai Gorge (Tanzania)”. In dieser kombinierte sie klassische Tierknochenuntersuchungen mit Maschinenlernverfahren und konnte so zeigen, dass Menschen bereits vor 1,84 Millionen Jahren zu Planung, Kooperation und koordiniertem Handeln fähig waren.</p><p>Lucía Cobo-Sánchez studierte an den Universitäten Madrid und Tübingen Archäologie mit Schwerpunkt Vorgeschichte und Archäozoologie. Für ihren Master an der Universität Cambridge wählte sie den Studiengang “Human Evolutionary Studies“. Ihre Promotion in Vorgeschichte schloss sie 2020 an der Universität Madrid ab. Seit 2021 forscht sie an der Universität Köln in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Eleftheria Paliou und Dr. Tilman Lenssen-Erz im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Modellierung prähistorischen Jagdverhaltens“.&nbsp;</p><p>In ihrer Dissertation behandelte Cobo-Sánchez die kontrovers diskutierten Fragen, inwieweit Menschen vor knapp zwei Millionen Jahren Fleisch aßen und wie sie es sich beschafften. Als Grundlage diente ihr der außergewöhnlich gut erhaltene Fundplatz David’s Site in der Olduvai-schlucht in Tansania, an dessen Ausgrabung sie beteiligt war. Anhand der Knochen von Huftieren, Spuren ihrer Bearbeitung durch Menschen und räumlichen Verteilung untersuchte sie – unterstützt durch den Einsatz künstlicher Intelligenz – die Entstehung der Fundstelle.&nbsp;</p><p>Mit ihren Erkenntnissen kann die Wissenschaftlerin zeigen, dass kleine bis mittelgroße Beutetiere im Ganzen zum Fundort gebracht und dort mithilfe zahlreicher Steingeräte zerlegt wurden. Es gibt wenig Anzeichen, dass sich fleischfressende Tiere an den Kadavern bedienten. Dies und der hohe Anteil junger erwachsener Tiere lässt Cobo-Sánchez darauf schließen, dass die Tiere gezielt aus dem Hinterhalt gejagt wurden.&nbsp;</p><p>Darüber hinaus bietet ihre Arbeit grundlegenden Einblick in das Sozialverhalten unserer frühen Vorfahren. Das wiederholte Aufsuchen des Ortes über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren weist auf eine Nutzung als zentralen Platz hin, an dem vermutlich die Nahrung geteilt wurde. Neben Jagdbeute transportierten die Menschen auch große Mengen Rohmaterial zur Herstellung von Steingeräten dorthin. „Offensichtlich prägten in dieser frühen Zeit bereits Planung, Kooperation und koordiniertes Verhalten das enge menschliche Miteinander“, sagt die Preisträgerin. Die große Zahl von Knochen- und Gerätefunden auf engem Raum zeigen jedoch ein Verhalten, das sich sehr deutlich sowohl von dem anderer Primaten als auch moderner Menschen unterscheidet.&nbsp;</p><p>Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 24. Mal vergeben.&nbsp;</p><p>Die Verleihung findet am <strong>Donnerstag, 3. Februar 2022, um 11 Uhr im Fürstenzimmer auf Schloss Hohentübingen (Burgsteige 11)</strong> statt. Die interessierte Öffentlichkeit kann per livestream teilnehmen, eine Anmeldung ist nicht notwendig:&nbsp;</p><p><a href="https://zoom.us/j/97296100980?pwd=K3hpLy9vVjNRNEk4WURaRkd4ZGcyUT09" target="_blank" class="external-link" title="Link zum Livestream auf Zoom" rel="noreferrer">https://zoom.us/j/97296100980?pwd=K3hpLy9vVjNRNEk4WURaRkd4ZGcyUT09</a><br> Meeting-ID: 972 9610 0980<br> Kenncode: 151333</p><p>Wir weisen darauf hin, dass die Veranstaltung aufgezeichnet wird.</p><p>Für Vertreterinnen und Vertreter der Medien steht Lucía Cobo-Sánchez auf Anfrage für ein Interview bereit. Bitte melden Sie sich bei Interesse unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73968</guid><pubDate>Fri, 28 Jan 2022 14:00:03 +0100</pubDate><title>Neue Erkenntnisse zur Vorhersage der Wirksamkeit von Wirkstoffen in der Arzneimittelentwicklung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-erkenntnisse-zur-vorhersage-der-wirksamkeit-von-wirkstoffen-in-der-arzneimittelentwicklung/</link><description>Deutsch-Finnische Studie gibt Aufschluss, wie lange ein Arzneistoffmolekül an sein Ziel gebunden ist </description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arzneistoffe bestehen aus im Wirkstofflabor entwickelten Molekülen, die an ihr Ziel, meist einem Protein, binden und so ihre Wirkung entfalten. Die tatsächliche Dauer der Bindung eines Wirkstoffmoleküls an sein Zielprotein variiert je nach Wirkstoff. Die Lebensdauer des Wirkstoff-Ziel-Komplexes kann eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit eines Medikaments spielen, da eine lange Verweildauer am Ziel in einigen Fällen für die Wirkung des Medikaments entscheidend sein kann. Daher ermöglicht das Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen eine bessere Entwicklung von Arzneimitteln. In der neuen Studie die im renommierten Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, haben Forscher der University of Eastern Finland und der Universität Tübingen die Schlüsselfaktoren identifiziert, die bei sogenannten Kinaseinhibitoren für eine lange oder kurze Verweildauer am Zielort verantwortlich sind.</strong></p><p>Kinasen sind Enzyme, die entweder auf oder in Zellen an der Weiterleitung von bestimmten Signalen beteiligt sind. Sie spielen zum Beispiel bei der Zellteilung eine Rolle, indem sie „Wachstumssignale“ weitergeben. Kinaseinhibitoren sind Hemmstoffe, die diese Wachstumssignale der Enzyme unterbinden. Viele dieser Hemmstoffe sind bereits für den klinischen Einsatz zugelassen, die meisten davon in der Behandlung von Krebs. "Ursprünglich wollten wir wissen, was die Ursache für die unterschiedliche Verweildauer zweier ähnlicher Kinaseinhibitoren am Zielort ist", sagt der durchführende Forscher und Erstautor Dr. Tatu Pantsar von der University of Eastern Finland.</p><p>„Bereits in der frühen Phase der Arzneistoffentwicklung zu erkennen, welche Moleküle geeignet sind, ist ein entscheidender Faktor, da die Entwicklung von Medikamenten äußerst zeitintensiv und kostspielig ist“, sagt Prof. Dr. Stefan Laufer, Leiter der Pharmazeutischen und Medizinischen Chemie am Institut für Pharmazie der Universität Tübingen. Die Gruppe von Prof. Laufer verfügt mit dem „Tübingen Center for Academic Drug Discovery &amp; Development“ (TüCAD2) über ein eigenes akademisches Zentrum zur Wirkstoffentwicklung von Medikamenten, dessen Mitgründer und Sprecher Prof. Laufer ist. Die Forschungsgruppe um Prof. Laufer hat bereits zahlreiche niedermolekularen Kinaseinhibitoren entwickelt, synthetisiert und enzymatisch/biologisch charakterisiert, was die jetzige Forschung ermöglichte. Aus Vorgängerprojekten fanden auch schon Inhibitoren ihren Weg bis zur Erstanwendung am Menschen.&nbsp;</p><p>"In der Studie konzentrierten wir uns auf zwei niedermolekulare Kinaseinhibitoren, die in ihrer Hemmstärke am isolierten Enzymtests identisch sind, sich aber in ihrer Verweildauer am Zielenzym unterscheiden, d.h. wie lange ein einzelner niedermolekularer Kinaseinhibitor an das Zielprotein gebunden ist. Wir fanden auch heraus, dass der Inhibitor mit einer längeren Verweildauer bei Tests in Zellen wirksamer war", erläutert Dr. Pantsar.&nbsp;</p><p>In der Studie untersuchten und verglichen die Forschenden die niedermolekularen Kinaseinhibitoren zusammen mit ihrem Zielprotein mithilfe von Computersimulationen, die auf finnischen Supercomputern durchgeführt wurden. Das Protein verhält sich je nach dem gebundenen Inhibitor unterschiedlich. "Die Simulationen deuten darauf hin, dass, wenn ein niedermolekularer Inhibitor an das Protein bindet, das Protein dynamischer ist, wenn der Inhibitor mit kurzer Verweilzeit daran gebunden ist. Das bedeutet im Grunde, dass sich das Protein mehr bewegt, wenn es den Hemmstoff mit kurzer Verweilzeit bindet, und weniger, wenn es den Hemmstoff mit langer Verweilzeit bindet.", erklärt Dr. Pantsar.</p><p>Wassermoleküle haben dabei einen großen Einfluss auf die Verweildauer des Wirkstoffs am Zielort. "Diese winzigen, aber reichlich vorhandenen Wassermoleküle, die das Protein umgeben, scheinen ausschlaggebend zu sein. Ein wesentlicher Bestandteil der Bindung des Inhibitors beruht auf der Verdrängung von Wassermolekülen.</p><p>In den Simulationen war der Inhibitor mit langer Verweildauer den Wassermolekülen weniger ausgesetzt, und die erforderliche Energie für die Wassermoleküle, um die Bindungsstelle des Inhibitors mit langer Verweildauer wieder zu besetzen, war viel höher. Dies führt zu einer höheren energetischen Barriere für die Trennung des Inhibitors von seinem Ziel und damit zu einer längeren Verweildauer des Wirkstoff-Ziel-Komplexes. Die Beobachtungen zum Verhalten des Zielproteins und zur Rolle der Wassermoleküle wurden auch mit einem strukturell vielfältigen niedermolekularen Kinaseinhibitor mit extrem kurzer Verweilzeit bestätigt. Solche Berechnungen (MD-Simulationen) wurden für diesen Typ von Inhibitoren zusammen mit Wassermolekülen erstmals durchgeführt.</p><p>Die Ergebnisse können in den frühen Stadien der Medikamentenentwicklung nützlich sein. "Jetzt, da wir die Gründe für die Verweildauer eines Medikaments auf atomarer Ebene besser verstehen, können wir effektivere Moleküle entwerfen, die in der Arzneimittelentwicklung eingesetzt werden können, wenn eine lange Verweildauer gewünscht wird. Natürlich darf man nicht vergessen, dass die Verweildauer am Zielort nur ein Aspekt des sehr komplexen und schwierigen Prozesses der Entwicklung von Arzneimitteln ist, bei dem eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden muss", so Dr. Pantsar abschließend.&nbsp;</p><p>An der University of Eastern Finland wurde die Forschung an der Fakultät für Pharmazie und innerhalb der DrugTech Research Community durchgeführt. Die Forschung wurde durch die vom CSC - IT Center for Science Finland - zur Verfügung gestellten Rechenressourcen ermöglicht. Das Projekt war integraler Bestandteil des von Prof. Laufer geleiteten „TüCAD2“, einem Format der Tübinger Exzellenzstrategie. Es belegt eindrucksvoll die Vernetzung von tiefer Grundlagenforschung mit der Anwendung und unmittelbaren Überführung in die Arzneimittelforschung.</p><p>Originaltitel der Publikation: Pantsar, T., Kaiser, P.D., Kudolo, M. et al. “Decisive role of water and protein dynamics in residence time of p38α MAP kinase inhibitors”. Nat Commun 13, 569 (2022).&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1038/s41467-022-28164-4" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-022-28164-4</a></p><p>Direktlink Nature: <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-28164-4" target="_blank" class="external-link" title="Link zum Nature-Artikel" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41467-022-28164-4&nbsp;</a></p><p class="align-right">Pressemitteilung des Universitätsklinikums Tübingen und der Universität Tübingen</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73911</guid><pubDate>Thu, 27 Jan 2022 13:04:24 +0100</pubDate><title>Startschuss für das erste ELLIS-Institut in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/startschuss-fuer-das-erste-ellis-institut-in-tuebingen/</link><description>Ministerpräsident Kretschmann und Hans-Werner Hector unterzeichnen Fördervereinbarung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Stuttgart/Tübingen, 27. Januar 2022 – Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Fördervereinbarung haben Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Dr. h. c. Hans-Werner Hector, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, am Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den offiziellen Startschuss zum Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts am Cyber Valley Campus in Tübingen gegeben.</p><p>Das ELLIS-Institut wird in den kommenden zehn Jahren von der Hector Stiftung mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert. Damit wird das Cyber Valley Ökosystem um ein Institut ergänzt, das international rekrutierten und hoch qualifizierten Forschenden größtmögliche Freiräume und außergewöhnlich attraktive und flexible Rahmenbedingungen bietet. Das ELLIS-Institut wird aufgrund dieser Rahmenbedingungen auch international als ein besonders attraktives Angebot wahrgenommen werden. Ziel ist es, wissenschaftliche Talente aus der Spitzenforschung für einen Wechsel nach Baden-Württemberg zu gewinnen. Das Land Baden-Württemberg gibt weitere 25 Millionen Euro dazu und wird zusätzlich zu seinem bisherigen Engagement im Cyber Valley die bauliche Unterbringung sowie die Administration für das ELLIS-Institut bereitstellen. Mit dem ELLIS-Institut entsteht damit in Baden-Württemberg für die Erforschung der künstlichen Intelligenz (KI) ein neuer europäischer Leuchtturm mit Modellcharakter.</p><p>„Mit dem ELLIS-Institut zünden wir die nächste Stufe im Cyber Valley. Wir machen dieses Institut zu einem Knotenpunkt im gesamten ELLIS-Netzwerk, einem Netzwerk, in dem sich Spitzenforscherinnen und -forscher aus ganz Europa zusammenfinden. Dies mit genau einem festen Standort: dem Cyber Valley hier bei uns in Baden-Württemberg. Das ELLIS-Institut wird künftig die besten Köpfe der Wissenschaft aus aller Welt anziehen – die Stars der Szene, aber genauso unseren wissenschaftlichen Nachwuchs“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Wer ans ELLIS-Institut kommt, den erwartet dort größtmögliche Beinfreiheit, bestmögliche Ausstattung, ein inspirierendes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft und die heißesten Themen der KI-Szene. Mit der großzügigen Förderung der Hector Stiftung von 100 Millionen Euro über die nächsten zehn Jahre wird ELLIS ein echtes Forschungs-Eldorado in Baden-Württemberg.“</p><p>Der Stifter Dr. h. c. Hans-Werner Hector begründet sein Engagement für das ELLIS-Institut so: „KI wird zur Schlüsseltechnologie für viele Forschungsbereiche wie Medizin, Produktionsprozesse, Klimaschutz und Verkehr – um nur einige zu nennen. Aufgrund der unterschiedlichsten Anwendungsbereiche wird unser Leben zukünftig stark von ihr beeinflusst. Deutschland sollte im Forschungsbereich KI eine wichtige Rolle einnehmen. Daher möchten wir mit unserer Stiftung diese Entwicklung unterstützen.“</p><h4>Private Finanzierung kann öffentliche Forschung entscheidend voranbringen</h4><p>„Das ELLIS-Institut macht aus einem europäischen Top-Standort für künstliche Intelligenz nun den Top-KI-Standort in Europa: Hier kommen Erfahrung und Vision zusammen und treffen auf die herausragende Unterstützung von Hector Stiftung und Land – wir werden das neue ELLIS-Institut mit 25 Millionen Euro unterstützen. Mit diesen einmaligen Rahmenbedingungen wird es uns gemeinsam gelingen, im Wettbewerb um die besten Köpfe ganz vorne mitzuspielen“, betonte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.</p><p>Bernhard Schölkopf, der als Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen maßgeblich an der Gründung von Cyber Valley 2016 und dem Europäischen Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS) zwei Jahre später beteiligt war, wird dem neuen ELLIS-Institut als Gründungsdirektor vorstehen. „Zukünftige Systeme werden mit der Komplexität der Welt umgehen, indem sie aus Beobachtungen lernen – von der Astronomie über die Klimaforschung bis hin zur Medizin. Um diese zu gestalten, haben wir das Cyber Valley und die ELLIS-Initiative gegründet. Ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, mich mit Dr. Hans-Werner Hector umfassend über diesen Paradigmenwechsel austauschen zu können, und ich bin nun dankbar für seine großzügige Unterstützung. Seine Vision und Tatkraft fallen hier auf fruchtbaren Boden. Ich hoffe, dass das ELLIS-Institut viele talentierte Menschen nach Baden-Württemberg bringen wird, weit über unsere Grenzen hinaus ausstrahlt, und zu einer KI beiträgt, die auf unseren europäischen Werten beruht“, sagte Schölkopf.</p><p>„Es ist großartig, dass die Hector Stiftung mit der außerordentlich großzügigen Förderung des ELLIS-Instituts ihr Engagement am Forschungsstandort Tübingen weiter ausbaut“, ergänzte Rektor Engler. „Schon mit dem 2014 gegründeten Hector Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen zeigte die Stiftung, dass sie zukunftsweisende Akzente für die Profilbildung des Standorts zu setzen vermag und bewies, dass zusätzliche private Finanzierung öffentliche Forschung entscheidend voranbringen kann. Das ELLIS-Institut ist ein wichtiger Schritt, um den Standort Tübingen in der europäischen Spitze eines Forschungsfeldes zu positionieren, das für die weitere Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft von essentieller Bedeutung ist. Zudem wird ELLIS wesentlich dazu beitragen, das Cyber Valley Ökosystem dauerhaft zu einem Leuchtturm in der EU und darüber hinaus zu etablieren.“</p><h4>Cyber Valley in Tübingen wird weiter ausgebaut</h4><p><a href="https://uni-tuebingen.de/forschung/kooperationspartner/cyber-valley/news/newsfullview-cyber-valley/article/kabinett-macht-weg-frei-fuer-cyber-valley-campus-investition-in-standort-tuebingen-von-bis-zu-180-millionen-euro/" target="_blank" class="external-link">Vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung Baden-Württembergs mit einer Investition von 180 Millionen Euro den Weg freigemacht für den Ausbau des Cyber Valley Campus am Standort Tübingen um mehrere Gebäude.</a> Eines dieser geplanten Gebäude („Cyber Valley III“, Maria-von-Linden-Straße 8) wird künftig unter anderem die Heimat des ELLIS-Instituts sein. Mit Cyber Valley – einem zentralen Element der <a href="https://stm.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-stm/intern/dateien/publikationen/Anlage_zu_PM_114_Strategiepapier_KI.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">KI-Strategie des Landes</a> – wird seit 2016 in einer gemeinsamen Initiative von Wissenschaft und Wirtschaft in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und der Max-Planck-Gesellschaft ein international führender Forschungsstandort im Bereich des maschinellen Lernens, des maschinellen Sehens und der Robotik aufgebaut. Cyber Valley ist mit seinen Standorten in Stuttgart und Tübingen bereits an seinem fünften Geburtstag im Dezember 2021 eine der größten Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz. Exzellente Grundlagenforschung wird mit interdisziplinärer und industrieller Forschung und einer lebhaften Gründerszene zu einem Innovationsökosystem zusammengeführt.</p><p>Der Forschungsschwerpunkt in Tübingen liegt auf dem Aufbau lernender Systeme, die der Vielseitigkeit und Robustheit natürlicher intelligenter Systeme nahekommen. Viele KI-basierte Anwendungen sind auf ein spezifisches Problem festgelegt, funktionieren aber nicht mehr, wenn sich dieses Problem verändert. Sie können keine kausalen Zusammenhänge erkennen. In Tübingen wird an Ansätzen geforscht, diese Lücke zu schließen.</p><h4>ELLIS-Institut soll die weltweit besten KI-Talente anziehen</h4><p>Eines der Ziele in Tübingen ist es auch, mit dem neuen ELLIS-Institut eine Forschungseinrichtung zu gründen, die die weltweit größten Talente im Bereich des maschinellen Lernens anzieht und hält. Mit den „Hector Endowed ELLIS Fellowships“ werde es künftig noch besser möglich, hoch qualifizierte und weltweit begehrte Forschende aller Karrierestufen anzuziehen, größtmögliche Freiräume sowie flexible Rahmenbedingungen zu bieten. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen bestmögliche Bedingungen geboten werden, um zukunftweisende Grundlagenforschung zu betreiben und mit ihrer Forschung zu Durchbrüchen in Anwendungsgebieten beizutragen“, so Schölkopf.</p><p>Die geförderten Hector Endowed ELLIS Fellows finden in Cyber Valley eine hervorragende Forschungsumgebung und leistungsstarke Wirtschaftsunternehmen vor. Insbesondere ist eine enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) und der Universität Tübingen vorgesehen, etwa in Form von gemeinsamen Berufungen, Promotionen und bei der Nutzung von Infrastruktur. MPI-IS und Universität betreiben heute bereits das gemeinsam von Bund und Land geförderte KI-Kompetenzzentrum Tübingen AI Center, eines der fünf KI-Kompetenzzentren Deutschlands.</p><p>Dem ELLIS-Institut in Tübingen sollen weitere Institute im Rahmen der ELLIS-Initiative an anderen Standorten in ganz Europa folgen. Ziel von ELLIS ist es, langfristig eine pan-europäische Forschungsorganisation aufzubauen, die es mit den führenden KI-Standorten weltweit aufnehmen können und deren Institute jeweils als Nukleus eines hochgradig innovativen lokalen Ökosystems fungieren.</p><p>&nbsp;</p><h4>Über ELLIS:</h4><p>Das <a href="https://ellis.eu/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Europäische Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme</a> (ELLIS) soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KI nachhaltig sichern, indem es das Fachwissen von Spitzenforscher:innen auf dem Gebiet des maschinellen Lernens und verwandter Gebiete auf dem gesamten Kontinent bündelt. Die Ende 2018 gegründete ELLIS-Initiative hat sich schnell zu einem paneuropäischen Netzwerk entwickelt, das 34 Forschungseinheiten an erstklassigen Einrichtungen in 20 Ländern umfasst, darunter vier in Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen). Derzeit gibt es 14 ELLIS-Forschungsprogramme sowie ein pan-europäisches Doktorandenprogramm, das im September 2020 gestartet ist. Mit diesen und weiteren Initiativen wollen die Mitglieder des ELLIS-Netzwerks Exzellenz in der Grundlagenforschung fördern. Dies wird europäische Wissenschaftler:innen in die Lage versetzen, die technologische und gesellschaftliche Revolution des 21. Jahrhunderts mit menschenzentrierter, nutzbringender KI aktiv zu gestalten.</p><p>&nbsp;</p><h4>Über Cyber Valley:</h4><p><a href="https://cyber-valley.de/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Cyber Valley</a> ist Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG sind die Gründungspartner dieser Initiative. Seit 2019 ist zudem die Fraunhofer-Gesellschaft Cyber Valley Partner. Unterstützt wird Cyber Valley zudem von der Christian Bürkert Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73803</guid><pubDate>Tue, 25 Jan 2022 13:50:26 +0100</pubDate><title>Datenbank erfasst NS-Opfer in der Tübinger Anatomie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/datenbank-erfasst-ns-opfer-in-der-tuebinger-anatomie/</link><description>Forschungsprojekt trug biographische Daten zusammen – öffentlicher Launch zum Holocaustgedenktag am 27. Januar</description><content:encoded><![CDATA[<p>1078 Menschen wurden während der NS-Zeit nach ihrem Tode der Anatomie der Universität Tübingen übergeben – ohne zu Lebzeiten das Einverständnis erteilt zu haben. Die Namen und Lebensdaten sind nun in einer Forschungsdatenbank erfasst, die erste ihrer Art an einer deutschen Universität. Das Forschungsprojekt Gräberfeld X, eine Initiative der Universität Tübingen und der Universitätsstadt Tübingen, trug biographische Daten sowie alle verfügbaren Angaben aus der Anatomie zusammen. Anlässlich des Holocaustgedenktags am 27. Januar wird der aktuelle Stand der Datenbank der Öffentlichkeit vorgestellt, die noch weiterentwickelt wird.</p><p>Ein vergleichbares Werkzeug gebe es bundesweit noch zu keinem anderen anatomischen Institut, sagt Projektleiterin Professorin Benigna Schönhagen. „Die Datenbank bietet völlig neue Möglichkeiten, sich über die 1078 Menschen zu informieren.“ Von vielen Betroffenen hätten biographische Angaben gefehlt, und nur wenige Lebensgeschichten seien bekannt gewesen. „Aber einige Lücken konnten wir im Forschungsprojekt zum Gräberfeld X bereits schließen“, berichtet die Historikerin.</p><p>Fragen, die vorher einzeln recherchiert werden mussten, lassen sich nun mit wenigen Klicks und über Filterfunktionen klären. So ist beispielsweise erfasst, wie viele Hingerichtete, Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter oder Kriegsgefangene pro Jahr in die Anatomie kamen, wer sie waren und woher sie stammten. Zudem finden sich Informationen zu den Frauen und Männern, unter anderem zu Geburts- und Sterbeorten. Weitere künftige Erkenntnisse werden in die Forschungsdatenbank einfließen.</p><p>„Die Aufbereitung dieser Daten ist weit mehr als eine Sammlung von Zahlen: Die Arbeit des Forschungsprojekts gibt NS-Opfern aus dem Gräberfeld X wieder eine Geschichte und macht ihre Schicksale unvergessen“, sagt Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität an der Universität Tübingen. „Das Projekt ‚Gräberfeld X‘ leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit an der Universität wie auch im anatomischen Institut Tübingen.“</p><p>„2019 wurde durch das Stadtarchiv auf dem Gräberfeld X ein Gedenkbuch aufgestellt, das 42 fehlerhafte Namen auf den Gedenkplatten korrigiert und fehlende Opfer ergänzt. Dass diese Forschungen jetzt durch ein gemeinsam finanziertes Projekt von Stadt und Universität fortgesetzt werden und in einer Datenbank münden, zeigt die gute und verlässliche Zusammenarbeit beider Institutionen bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in unserer Stadt“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. „Mit der neuen Datenbank steht der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit nun ein außerordentlich hilfreiches Werkzeug zur Verfügung, das am lokalen Beispiel eindrücklich vor Augen führt, welch tödlichen Folgen die verbrecherische Politik des Nationalsozialismus in allen Lebensbereichen für ungezählte Menschen hatte.“</p><p>Zum <strong>digitalen Launch der Datenbank am Donnerstag, 27. Januar, um 19 Uhr</strong> sind Medienvertreterinnen und -vertreter sowie Interessierte herzlich eingeladen. Es sprechen Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität an der Universität Tübingen, sowie Boris Palmer, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen. Professorin Benigna Schönhagen und Stefan Wannenwetsch vom Forschungsprojekt Gräberfeld X werden gemeinsam mit Webdesigner Matthias Lehr die Funktionen vorstellen und Fragen zu Inhalten und Technik beantworten. Sie laden zudem ein, Wünsche und Anregungen für die Weiterentwicklung der Datenbank einzubringen.</p><p>Zudem stellt das Projekt exemplarisch erstmals die Lebensgeschichte von Josef Bukofzer vor, eines der wenigen jüdischen Opfer, die im Gräberfeld X bestattet wurden. Seine Geschichte wurde von der Studentin Antonia Wegner im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes rekonstruiert.</p><p>Den Zugangslink zur Veranstaltung erhalten Sie unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,itcgdgthgnfzBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">graeberfeldx<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br> Wir weisen darauf hin, dass die Veranstaltung aufgezeichnet wird.</p><p>Das <strong>Projekt Gräberfeld X</strong> arbeitet die Vorgänge in der Tübinger Anatomie während der NS-Zeit auf. Es ist nach dem Friedhofsareal benannt, auf dem alle Toten beigesetzt wurden, die zuvor am Anatomischen Institut der Universität Tübingen Lehr- und Forschungszwecken dienen mussten. <a href="https://graeberfeldx.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://graeberfeldx.de/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-73266</guid><pubDate>Mon, 17 Jan 2022 09:13:41 +0100</pubDate><title>Die Ideologisierung der Hochwasserkatastrophe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-ideologisierung-der-hochwasserkatastrophe/</link><description>Tübinger Forschungsteam untersucht Internetkommunikation zur Hochwasserkatastrophe: Schuldzuweisungen und utopische Weltanschauungen dominieren – Sorge um die politische Diskussionskultur in Deutschland</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Hochwasser, das im Juli dieses Jahres große Gebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz heimsuchte, kostete 181 Menschen das Leben, zerstörte zahlreiche Gebäude und richtete massive Schäden an Brücken, Straßen und Eisenbahngleisen an. Die Katastrophe wurde sofort zum Top-Thema im Internet, wo heftige Debatten über Ursachen und Konsequenzen entbrannten.</p><p>Welche Positionen wurden hier vertreten, wie wurden die Ereignisse gedeutet und was lässt sich daraus für die Diskussionskultur in diesem Land ableiten? Diese Frage haben Olaf Kühne, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Tübingen und sein Team anhand einer Analyse von tausend Kommentaren zu einer ZDF-Sendung über die Flutkatastrophe untersucht. Ihr Ergebnis: Eine sachliche Diskussion fand kaum statt, stattdessen wurde das Thema in hohem Maße moralisch aufgeladen. Statt Sachfragen seien Wertekonflikte ausgetragen worden, so das Forschungsteam. Die Studie wurde in der Open-Access-Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Sustainability</em></span> veröffentlicht.</p><h3>Wenig Vertrauen in die Wissenschaft</h3><p>So waren viele Debattenbeiträge bestimmt von pauschalen Schuldzuweisungen und drastischer Politikerschelte bis hin zu Verschwörungstheorien, denen zufolge die Flutkatastrophe absichtlich herbeigeführt wurde. „Hinter den Auseinandersetzungen werden zwei gegensätzliche Weltanschauungen jenseits des klassischen Rechts-Links-Schemas erkennbar, die beide utopistisch sind“, sagt Olaf Kühne.</p><p>Auf der einen Seite stehe die Utopie einer harmonischen Einheit von Menschen und Natur, geprägt durch Klimaneutralität, regionale Wirtschaft, vegane Ernährung und Wohngemeinschaften Gleichgesinnter. Demgegenüber stehe die ebenso utopische Vorstellung, man könne den bisherigen Wohn- und Lebensstil unverändert beibehalten und die heutigen Verhältnisse konservieren.</p><p>Gemeinsame Kriterien für die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Aussagen fand das Forschungsteam in diesen Auseinandersetzungen kaum noch. Wissenschaftliche Erkenntnisse seien nur willkommen, wenn sie die eigene Weltanschauung stützen, ansonsten würden sie als bloße Meinungen abqualifiziert, so Kühne. „Mit Blick auf künftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen, die im Zuge des Klimawandels und seiner Folgen unvermeidlich sind, stimmen diese Ergebnisse bedenklich.“</p><h3>1000 Kommentare analysiert</h3><p>Basis der Studie waren Internetdiskussionen, die der 40-minütige ZDF-Beitrag „Das Hochwasser und seine Folgen im Westen Deutschlands“ auf YouTube ausgelöst hatte. Die Sendung brachte Berichte aus den überfluteten Regionen, Interviews mit Flutopfern, Helfern, Experten und Politikern. Sie schloss mit der Prognose, dass man wegen der Fragilität des Klimasystems auch künftig mit Starkwetterereignissen rechnen müsse. Das Tübinger Forschungsteam analysierte 1000 Zuschauerkommentare, die eine repräsentative Stichprobe aller zu diesem Video veröffentlichten Kommentare bildeten.</p><p>Jeder Kommentar wurde daraufhin untersucht, in welchem Maße er als sachlich, feindselig und empathisch eingestuft werden konnte. Für jede dieser drei Kategorien gab es wiederum fünf Stufen: trifft voll zu / überwiegend zu / teilweise zu / überwiegend nicht zu / gar nicht zu. Ein Kommentar konnte also auch „teilweise sachlich“ und „teilweise empathisch“ sein. Jeder der 1000 Kommentare wurde in jeder der drei Kategorien bewertet, so dass sich insgesamt 3000 Einstufungen ergaben.</p><p>Im Ergebnis klassifizierte das Team knapp ein Drittel aller analysierten Kommentare (324) als sehr, überwiegend oder teilweise feindselig. Nur etwa die Hälfte aller Kommentare (485) passte in die Stufen voll, überwiegend oder zumindest teilweise sachlich. Ebenfalls knapp die Hälfte (447) zeigte Empathie in starkem Maß, überwiegend oder teilweise, beispielsweise in Form von Mitleidsbekundungen oder Hilfsangeboten.</p><p>Inhaltlich hätten viele Kommentare drastische Schuldzuweisungen enthalten, so das Team: an „die Politiker“ („Die eigentliche Katastrophe sind doch unsere Politverbrecher...“), die für Flächenversiegelung und Flussbegradigungen verantwortlich gemacht wurden oder die Betroffenen selbst, die in gefährdeten Gebieten gebaut hätten („Wenn man bis auf wenige Meter an Flüsse Häuser baut, kommen solche schrecklichen Bilder raus“). Kritisiert worden seien fehlende Unwetterwarnungen, angeblich leere Hilfsversprechen („Staatsversagen auf breiter Ebene“), die vermeintliche Instrumentalisierung des Themas für den Wahlkampf und die Ausrichtung der Politik auf den Klimawandel, („Vielleicht doch lieber Hochwasserschutz statt Klimaschutz?“).</p><h3>Identitäts- und Wertekonflikte statt Sachfragen</h3><p>Während das Hochwasser in einem Teil der Kommentare als Bestätigung des Klimawandels angeführt wurde („Gretahasser, Klimawandelleugner und Impfgegner! IHR HABT ES SO GEWOLLT! Das sind die Auswirkungen eines Klimasaulebensstils!“), sahen die Leugner des Klimawandels darin eine von der „Klimapropaganda“ genutzte Krise („verlogene Klima-Agenda)“. Einige Diskutanten in diesem Lager argumentierten verschwörungstheoretisch und machten gezielte Wettermanipulationen durch „geimpfte Wolken“ oder hochfrequente Radiowellen für die Überflutungen verantwortlich.</p><p>„Wir sehen hier einen irrationalen Schlagabtausch, in dem die Sach- und Verfahrenskonflikte, um die es eigentlich geht, in Identitäts- und Wertekonflikte umgedeutet werden, was wiederum eine Unversöhnlichkeit der Standpunkte zur Folge hat“, fasst Kühne zusammen. „Das ist exemplarisch für viele Internetdebatten, die die politischen Folgen von Klima- und Wetterentwicklungen zum Thema haben. Für die Zukunft gibt dies Anlass zur Besorgnis, denn produktive Konfliktregelungen sind unter solchen Bedingungen nahezu unmöglich.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Olaf Kühne, Lara Koegst, Marie-Luise Zimmer, Greta Schäffauer: “... <span lang="en" dir="ltr">Inconceivable, Unrealistic and Inhumane”. Internet Communication on the Flood Disaster in West Germany of July 2021 between Conspiracy Theories and Moralization ‒ A Neopragmatic Explorative Study. Sustainability 2021, 13, 11427</span>. <a href="https://doi.org/10.3390/su132011427" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.3390/su132011427</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72951</guid><pubDate>Fri, 07 Jan 2022 09:15:06 +0100</pubDate><title>Auf die Beziehung kommt es an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auf-die-beziehung-kommt-es-an/</link><description>Studie zeigt, wie wichtig die persönliche Beziehung im Distanzunterricht ist</description><content:encoded><![CDATA[<p>Unterrichtsmethoden, die einen persönlichen Kontakt ermöglichen und Beziehungen aufrechterhalten, haben sich als besonders günstig für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht herausgestellt. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien. Sie untersuchten, wie Lehrkräfte während der ersten Schulschließungsphase im Frühsommer 2020 aufgrund der Corona-Pandemie den Distanzunterricht gestalteten und wie die Qualität dieses Unterrichts von Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern wahrgenommen wurde.</p><p>Dabei zeigte sich, dass beispielsweise Videomeetings oder auch persönliche Treffen der Lehrkraft mit einzelnen Schülerinnen und Schülern am meisten zur Unterrichtsqualität und zur Freude am Lernen oder der Anstrengungsbereitschaft beitrugen. „Das große Bedürfnis von Schülerinnen und Schülern nach einem persönlichen Kontakt zur Lehrkraft zeigte sich auch eindrücklich an einem weiteren Ergebnis der Studie: Selbstgemachte Videos der Lehrkräfte wurden am besten beurteilt“, erklärt Bildungsforscherin Ann-Kathrin Jaekel. Schülerinnen und Schüler und auch deren Eltern legen offenbar keinen Wert auf ein perfekt gestaltetes Video. „Sie wollen lieber die eigene Lehrkraft sehen und das Gefühl haben, da hat sich jemand für uns richtig Mühe gegeben‘“, fügt Jaekel hinzu. Keine relevante Auswirkung auf die Unterrichtsqualität hingegen zeigten Lernvideos von Drittanbietern auf Plattformen wie Youtube oder Planet Schule. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift <em>AERA Open</em> veröffentlicht. &nbsp;</p><p>Rund 3.200 Schülerinnen und Schüler, 1.700 Eltern und 300 Lehrkräfte von weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg beteiligten sich an der Studie. Untersucht wurde, wie der Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch konkret gestaltet wurde, zum Beispiel mit Videomeetings, Gruppenarbeiten, Onlinepräsentationen oder Lernvideos und welche dieser Methoden Eltern und Schülerinnen und Schüler als besonders hilfreich für das Lernen auf Distanz erlebten. So wurde etwa gefragt, wie die Struktur des Unterrichts, das Feedback der Lehrkraft oder die Gestaltung der Übungsphasen wahrgenommen wurden. Schließlich wurde untersucht, wie die Unterrichtsmethoden beispielsweise mit Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft oder mit der erlebten Klassengemeinschaft zusammenhingen.</p><p>Die Ergebnisse zeigten, dass die Lehrkräfte eine große Bandbreite von Gestaltungsmöglichkeiten nutzten und diese stark vom jeweiligen Unterrichtsfach und der Lehrkraft abhängig waren. Während Videomeetings oder Treffen mit einzelnen Schülerinnen und Schülern über alle Fächer hinweg eingesetzt wurden, verwendeten Mathematiklehrkräfte verstärkt selbstproduzierte Lernvideos. In den Fächern Deutsch und Englisch hingegen spielte Gruppenarbeit eine größere Rolle. Insgesamt wurden Formate als besonders lernwirksam erachtet, wenn sie &nbsp;eine persönliche Beziehung zur Lehrkraft oder den Klassenkameradinnen und -kameraden ermöglichten und die soziale Interaktion förderten.</p><p>Der regelmäßige persönliche Austausch mit der Lehrkraft und den Mitschülerinnen und Mitschülern ist deshalb besonders im Distanzunterricht bedeutsam. „Es ist jedoch auch klar, dass dies für Lehrkräfte mitunter einen großen Aufwand bedeutet. Sie sollten ihren Schülerinnen und Schülern aber regelmäßig und verlässlich die Möglichkeit zum persönlichen Austausch geben“, rät Ann-Kathrin Jaekel. „Insbesondere mit Blick auf die Ergebnisse zu den Lernvideos liefert uns die Studie zudem interessante Ansatzpunkte, um auch den inzwischen wieder stattfindenden Präsenzunterricht durch digitale Bestandteile sinnvoll zu ergänzen. Bestimmte Elemente des digitalen Unterrichts haben durchaus Zukunftspotential“ ergänzt Richard Göllner, Professor für Educational Effectiveness und Educational Trajectories am Hector-Institut.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Jaekel, A.-K., Scheiter, K., &amp; Göllner, R. (2021). Distance Teaching During the COVID-19 Crisis: Social Connectedness Matters Most for Teaching Quality and Students’ Learning. <em>AERA Open</em>. <a href="https://doi.org/10.1177/23328584211052050" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1177/23328584211052050</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72741</guid><pubDate>Tue, 21 Dec 2021 15:15:17 +0100</pubDate><title>Wie der Schwimmfarn dem Regen standhält</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-der-schwimmfarn-dem-regen-standhaelt/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen beobachtet den Aufprall fallender Tropfen auf Blätter von Salvinia molesta mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras – Freier Luftaustausch an den Öffnungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der tropische Schwimmfarn <em>Salvinia molesta</em> hat ausgeklügelte Strukturen entwickelt, um auch bei starken Regenfällen das Wasser zügig von seinen Blättern abperlen zu lassen. Dadurch werden die an der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter entlastet, aber vor allem auch die Spaltöffnungen für den Luftaustausch frei gehalten. So kann der Farn ungehindert Kohlendioxid aufnehmen für die Fotosynthese. Das wurde in einem interdisziplinären Kooperationsprojekt zwischen Professor James Nebelsick und Dr. Dr. Wilfried Konrad aus den Geowissenschaften der Universität Tübingen und Dr. Anita Roth-Nebelsick vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart bei Experimenten mit künstlichem Regen festgestellt. Das Team verfolgte den Weg auf die Blätter aufklatschender Wassertropfen mit Hochgeschwindigkeitskameras. Die effizient an Regenfälle angepassten Blattstrukturen könnten zum starken Wachstum und der schnellen Ausbreitung des Schwimmfarns beitragen. Fern seiner Heimat Brasilien gilt er vielerorts als gefährliche invasive Pflanze, die andere Arten verdrängt. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift Journal of the Royal Society Interface veröffentlicht.</p><p><em>Salvinia molesta</em> treibt, wie alle Schwimmfarne, frei an der Wasseroberfläche. Von jedem dreiblättrigen Quirl liegen zwei Schwimmblätter oben, ein wurzelartiges Blatt streckt er nach unten. Schnell bildet er dichte und dicke Matten an der Wasseroberfläche. Er stammt ursprünglich aus feuchttropischen Regionen in Brasilien, wo er regelmäßig starken Regenfällen ausgesetzt ist. Die Schwimmblätter sind an der Oberseite von stark wasserabweisenden Härchen bedeckt, deren Struktur an winzige Schneebesen erinnert. „Diese Trichome sorgen dafür, dass die untergetauchten Blätter nicht mit Wasser benetzt werden“, berichtet Wilfried Konrad. „Das erreichen jedoch andere Wasserpflanzen mit deutlich weniger aufwendigen Strukturen. Wir haben uns daher gefragt, welchen Nutzen der Farn von den kleinen Schneebesen hat.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72519</guid><pubDate>Fri, 17 Dec 2021 11:30:00 +0100</pubDate><title>„Wenn man uns hört, dann muss man uns als ganze Menschen hören.“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wenn-man-uns-hoert-dann-muss-man-uns-als-ganze-menschen-hoeren/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik zeichnet Maren Kroymann für „Rede des Jahres“ 2021 aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Seminars für Allgemeine Rhetorik verleiht Maren Kroymann die Auszeichnung Rede des Jahres 2021 für ihre Dankesrede beim Deutschen Comedypreis, in der sie eindringlich den alltäglichen Sexismus kritisiert und ein leidenschaftliches Plädoyer für Gleichberechtigung formuliert.</p><p>Die Rede Kroymanns könne als eine kraftvolle Demonstration von Solidarität mit der deutschen #metoo-Bewegung und als herausragendes Beispiel für die Wirkungsmacht von Rhetorik gesehen werden, da sie dem Thema Sexismus große mediale Aufmerksamkeit verschafft habe, so die Jury in ihrer Begründung.</p><p>Maren Kroymann erhält am Abend des 01.10.2021 den Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises. Der Saal ist voll, das Publikum applaudiert der Ehrenpreisträgerin; Standing Ovations, während Maren Kroymann den Preis entgegennimmt. Es ist ihr Lebenswerk, das an diesem Abend ausgezeichnet wird. Der Anlass legt eine Dankesrede nahe. Doch Kroymann vollzieht einen mutigen Gattungswechsel, wandelt ihre Dankesrede in eine Anklagerede um, und begeht damit einen Bruch mit der Erwartungshaltung der Zuschauenden, der aufrüttelt: „Ich setze mich ja seit Beginn meiner Karriere dafür ein, dass die Geschichten von Frauen gehört werden. Ich werde jetzt dafür ausgezeichnet, dass ich lustige Geschichten erzähle. Und es gibt Frauen, die eben Geschichten erzählen, die ihre Geschichten sind, die nicht lustig sind und sie werden nicht so gerne gehört. Und ich möchte eigentlich nur sagen, dass ich das ein Missverhältnis finde. Wenn man uns hört, dann muss man uns als ganze Menschen hören.“</p><p>Die Reaktion des Publikums im Saal ist unmittelbar spürbar, drückende Spannung liegt in der Luft – hier passiert etwas Unerwartetes und Mutiges. Besonders nach der Rede, als die Moderation wieder in den gewohnten glatten Kommunikationsmodus fällt und Konfetti von der Studiodecke regnet, wird ersichtlich, wie groß der tatsächliche Erwartungsbruch ist. Eben hierin liegt eine der großen Stärken der ausgezeichneten Rede.</p><p>Kroymann überzeugt in ihrer Rede auch auf performativer Ebene. So setzt sie Sprechtempo und Pausentechnik gekonnt dazu ein, ihre sorgsam gewählten Worte zu betonen. Ihre Mimik und Gestik unterstützen jede Passage der Rede, sodass sie ihre volle Wirkkraft entfalten kann. Dabei wird in jeder Zeile spürbar, dass es der Rednerin mit ihrer Sache ernst ist. Kraftvoll und eindringlich adressiert Kroymann die Zuschauenden im Saal und vor den Fernsehgeräten.</p><p>Kroymanns Rede besitzt eine humoristisch-selbstironische Note, die das Publikum für die Rednerin einnimmt, ihr Autorität und Glaubwürdigkeit verleiht. Der Text ist gespickt mit ironischen Bezügen, die sprachlich und performativ auf den Punkt genau gesetzt werden. So berichtet sie etwa über Begebenheiten zu Beginn ihrer Karriere mit einer großen Portion Selbstironie: „Ich erinnere mich noch sehr gut, es war 1985 – ja, da habe ich schon gelebt“.</p><p>Die Argumentation der Rede ist durchzogen von kurzen, aber eindringlichen Narrativen. Kroymann verdichtet ihre persönlichen Erfahrungen zu eindrücklichen Skizzen und illustriert mit diesen Episoden sprachlich versiert die damalige und aktuelle Situation von Frauen in der Comedybranche. Beispielhafte Erzählungen von ihren ersten Engagements und Begegnungen mit Regisseuren, Autoren und anderen Personen der Unterhaltungsindustrie verleihen ihrer Rede Anschaulichkeit und machen sie für die Zuhörenden hoch wirksam und konkret erfahrbar.</p><p>Maren Kroymann hat der #metoo-Bewegung in der Comedybranche mit ihrer abgewandelten Dankesrede zum Erhalt des Ehrenpreises eine kraftvolle Stimme verliehen und dem Thema starke Sichtbarkeit verschafft. Ihre Rede ist damit auch ein Zeichen für einen tiefergreifenden gesellschaftlichen Wandel, der sich vor allem durch das Überwinden der Sprachlosigkeit auszeichnet. Zurückblickend stellt sie fest: „Das waren […] Frauen, die nur in einem Universum von einem Mann vorkamen, der für sie schrieb. Und auf die Bühne zu gehen mit einem eigenen Thema, mit sich selbst als Thema, das gab es nicht.“ Ihr Mut, ihre eigene Geschichte zu erzählen, und ihr Appell, es ihr gleich zu tun, sind eine Bestärkung für alle Personen, die um Sichtbarkeit ringen – und ein beeindruckendes Beispiel für die Wirkungsmacht der Rede.</p><p><strong>Jury:</strong> Lukas Beck, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Prof. Dr. Olaf Kramer, Sarah Polzer, Clara Rohloff, Prof. Dr. Dietmar Till, Viktorija Völker, Dr. Thomas Zinsmaier</p><p><strong>Text der Rede: </strong><a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/</a>&nbsp;</p><p><strong>Video der Rede:</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=SOiigtwfUsM" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=SOiigtwfUsM</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72185</guid><pubDate>Fri, 10 Dec 2021 12:57:09 +0100</pubDate><title>Ein Raum für künstliche Intelligenz mitten in der Stadt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-raum-fuer-kuenstliche-intelligenz-mitten-in-der-stadt/</link><description>Universität Tübingen richtet KI-Makerspace für Jugendliche ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Lernen, experimentieren, diskutieren und Spaß“ – so lautet des Motto des neuen KI-Makerspace in den Räumen des Casinos am Neckar in Tübingens Innenstadt. Der KI-Makerspace ist ein außerschulischer Lernort, in dem Kinder und Jugendliche in Kursen und betreutem Experimentieren erste Erfahrung mit Programmierung und künstlicher Intelligenz (KI) sammeln, sowie ihre eigenen Projekte mit Soft- und Hardware verwirklichen können.</p><p>Der KI-Makerspace lädt darüber hinaus zur Auseinandersetzung mit Funktionsweisen, Techniken, Anwendungen und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI ein. Ab dem 28. Januar 2022 werden auf knapp 250 Quadratmetern im ersten Stock des direkt am Neckar gelegenen Casinos an vier Tagen in der Woche strukturierte Programmierkurse, Soft- und Hardware, kompetente Betreuung und Freiraum für eigene Projektideen sowie Anlässe für Diskussionen zum Thema KI angeboten. Das Kursspektrum reicht dabei von Scratch- und Python-Kursen, über Design-Software, bis hin zu Podcasting und Internetsicherheit. Auch Robotik- und Sensorik-Bausätze sind eingeplant. Ziel ist es, ein vielfältiges, niederschwelliges und zielgruppengerechtes Angebot für Jugendliche zu etablieren.</p><p>„Mit dem KI-Makerspace bekommt Tübingen in zentraler Lage einen Ort, an dem sich Kinder und Jugendliche unter professioneller Anleitung mit den Chancen, aber auch mit den Grenzen künstlicher Intelligenz auseinandersetzen können. Das ist ein großer Gewinn für unsere Stadt als Bildungs- und Wirtschaftsstandort. Ich freue mich auf die Diskussionen und Projekte, die vom KI-Makerspace ausgehen werden, und danke allen Beteiligten für Ihr Engagement“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer.</p><p>Der KI-Makerspace ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Tübingen, Cyber Valley Public Engagement, des Jugendgemeinderats Tübingen sowie des Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz (BWKI) des Tübingen AI Centers. Es wird von der Vector Stiftung Stuttgart für drei Jahre gefördert.</p><p>„Künstliche Intelligenz ist alles andere als ein trockenes technisches Fach, sondern ein Thema mit vielen gesellschaftlichen Facetten, das jungen Menschen nicht zuletzt auch enorme Karrierechancen bietet“, sagt Prof. Dr. Philipp Hennig, Cyber Valley Co-Sprecher und Professor für Methoden des Maschinellen Lernens an der Universität Tübingen. Da der Weg in die Universitätsgebäude für viele junge Menschen nicht in Frage komme, hält er es für entscheidend, „dass es gelungen ist, hier im Herzen der Stadtgesellschaft einen Raum des Lernens zu schaffen, in dem man sich auch zwanglos begegnen und diskutieren kann.“</p><p>In vorbereitenden Workshops mit dem Jugendgemeinderat Tübingen wünschten sich die Jugendlichen darüber hinaus die Möglichkeit zu eher klassischem handwerklichem Arbeiten mit Holz, Siebdruck und Elektronik. In den Räumen werden den Jugendlichen dafür neben Werk- und Lötplätzen beispielsweise eigene Server, ein 3D-Drucker, ein 3D-Kamerasystem, ein Podcast-Studio aber auch eine Küche für gemeinsame Kochaktionen und ein „Wohnzimmer“ für Science-Fiction-Filmabende zur Verfügung stehen. Eine große Dachterrasse für soziale Aktivitäten im Sommer rundet die Attraktivität des KI-Makerspace ab.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72096</guid><pubDate>Thu, 09 Dec 2021 09:59:27 +0100</pubDate><title>Althistoriker Professor Mischa Meier erhält den Leibniz-Preis </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/althistoriker-professor-mischa-meier-erhaelt-den-leibniz-preis/</link><description>Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnet Tübinger Wissenschaftler für wegweisende wissenschaftliche Leistungen zur Spätantike aus – „Preis unterstreicht die Bedeutung der Tübinger Geisteswissenschaften“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Althistoriker Professor Mischa Meier erhält den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wie die DFG am Donnerstag in Bonn bekanntgab, würdigt sie damit Meiers „bahnbrechende Arbeiten zur Geschichte der Spätantike, mit denen er das Feld der Alten Geschichte und benachbarter Disziplinen national und international nachhaltig geprägt hat“. Meier lehrt seit 2004 als Professor an der Universität Tübingen. Er ist unter anderem Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Bedrohte Ordnungen“, der sich mit historischen und aktuellen Krisen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Natur befasst, sowie des Forschungsprojekts der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zur Weltchronik des Johannes Malalas. &nbsp;&nbsp;</p><p>„Der Leibniz-Preis für Mischa Meier ist eine große Ehre für die gesamte Universität und unterstreicht die traditionell hohe Bedeutung der Tübinger &nbsp;Geisteswissenschaften“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. „Seine Forschungsarbeit hat in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten ganz maßgeblich dazu beigetragen, das Profil der Geschichtswissenschaft in Tübingen zu schärfen und den Standort auch international noch sichtbarer zu machen.“ Schwerpunkte von Meiers Forschung sind unter anderem die Geschichte der Spätantike, maßgeblich des 5. und 6. Jahrhunderts n.Chr., die Völkerwanderung, ethnologische, anthropologische und volkskundliche Ansätze in der Alten Geschichte, die historische Katastrophenforschung sowie die Wirkungsgeschichte der Antike in Musik und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.&nbsp;</p><p>Mischa Meier wurde am 13. Juni 1971 in Dortmund geboren. Er studierte Klassische Philologie, Geschichte und Pädagogik an der Universität Bochum, wo er 1998 bei Karl-Wilhelm Welwei mit einer Arbeit über Sparta im 7. Jahrhundert v.Chr. promovierte. 2002 habilitierte er sich an der Universität Bielefeld mit einem Werk über die Zeit des spätantiken Kaisers Justinian. Nach Stationen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Bielefeld und Bonn wurde er 2004 auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Tübingen berufen. Aufmerksamkeit auch jenseits der Grenzen seines Faches erregte Meier mit seinem Buch „Geschichte der Völkerwanderung“, das 2019 erschien und inzwischen in der 7. Auflage vorliegt.&nbsp;</p><p>Der Althistoriker wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 2012 den Preis der Aby-Warburg-Stiftung, 2015 den Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte sowie 2021 den Sachbuchpreis der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Seit 2010 ist er zudem Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.&nbsp;</p><p>Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert. Insgesamt 17 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Tübinger Max-Planck-Institute wurden seit 1985 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet.&nbsp;</p><h3>Weblinks:&nbsp;</h3><ul><li><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/geschichtswissenschaft/seminareinstitute/alte-geschichte/personen/prof-dr-m-meier/" class="internal-link">Webseite von Professor Mischa Meier</a>&nbsp;</li><li><a href="https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung_nr_51/index.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung der DFG</a></li></ul><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>SFB-923-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71931</guid><pubDate>Tue, 07 Dec 2021 10:00:00 +0100</pubDate><title>Volkskrankheit Migräne: Dem Tsunami im Gehirn auf der Spur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/volkskrankheit-migraene-dem-tsunami-im-gehirn-auf-der-spur/</link><description>Ein Mausmodel hilft, den Auslösemechanismus von Migräne-Auren zu entschlüsseln</description><content:encoded><![CDATA[<p>Rund jeder Zehnte in Deutschland ist von ihr betroffen: Migräne. Ein Drittel der Erkrankten leidet zusätzlich unter vorübergehenden neurologischen Symptomen. Bei ihnen geht zum Beispiel ein Flimmern vor den Augen dem Kopfschmerz voraus, die sogenannte Migräne-Aura. Im Gehirn beobachtet man während der Auren ein typisches Aktivitätsmuster: Nachdem eine starke Erregungswelle wie ein Tsunami über die Hirnrinde gezogen ist, folgt eine große Stille. Ein Forschungsteam aus Tübingen und München unter Federführung von Professor Tobias Freilinger ist nun im Tiermodell einem der zugrundeliegenden Mechanismen auf die Spur gekommen. Bei sogenannten Migräne-Mäusen, die die Erkrankung beim Menschen nachbilden, ist eine bestimmte Art von Nervenzellen überaktiv, berichtet das Team in seiner aktuellen Publikation im <em>Journal of Clinical Investigation</em>. Die Studie ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert worden.</p><p>„Wir können in diesen Tieren die neuronale Entsprechung der Migräne-Auren untersuchen: eine heftige Aktivitätswelle gefolgt von einer Ruhephase“, sagt Neurologe und Co-Studienleiter Professor Tobias Freilinger vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen. Diese Migräne-Mäuse haben, wie Patientinnen und Patienten mit einer bestimmten erblichen Form der Migräne, einen Gendefekt. Der Fehler im Erbgut führt dazu, dass bestimmte Membranporen – sogenannte Natriumkanäle – stärker durchlässig werden. Die Forschenden beobachteten nun bei den Mäusen, dass Nervenzellen dadurch übermäßig aktiv wurden. „Allerdings nicht alle Neurone, sondern nur die, die Aktivität sogenannter Pyramidenzellen hemmen“, berichtet Freilinger. „Eine Überraschung für uns: Bislang hatte man überwiegend Pyramidenzellen unter Verdacht, Auslöser der Migräne-Auren zu sein“, sagt Neurowissenschaftler und Co-Studienleiter Professor Nikolaus&nbsp;Plesnila vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung&nbsp;des LMU Klinikums München.</p><p>Die krankhafte Hirnaktivität bei den Mäusen besserte sich, als die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Substanz verabreichten, die die übermäßige Natriumkanalaktivität blockiert. „Damit haben wir einen Ansatzpunkt für die medikamentöse Behandlung von Patientinnen und Patienten – zumindest bei dieser bestimmten Form der Migräne“, schlussfolgert die Tübinger Wissenschaftlerin und Co-Erstautorin Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch.</p><p>Migräne kann viele Auslöser haben. Oftmals spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Die untersuchte Unterform ist weltweit sehr selten. Auren können bei verschiedenen Migräneformen vorkommen und betreffen fast ein Drittel aller Patientinnen und Patienten. Sie gehen dem Kopfschmerz voraus und dauern typischerweise zwischen 15 und 30 Minuten an. Meist handelt es sich um Sehstörungen, wie etwa ein Flimmern vor den Augen, das langsam durch das Sehfeld wandert. Auren können sich aber auch als andere vorübergehende neurologische Symptome zeigen. „Unsere Erkenntnisse tragen dazu bei, den generellen Auslösemechanismus von Migräne-Auren zu entschlüsseln“, erklärt Dr. Eva Auffenberg, eine der Erstautorinnen der Studie.&nbsp;</p><p>Die Studie ist aus einer translationalen Kollaboration zwischen den Professoren Tobias Freilinger und Holger Lerche am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und Universität Tübingen, sowie Martin Dichgans und Nikolaus Plesnila am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD), Klinikum der Universität München, entstanden. Beteiligt war außerdem die Arbeitsgruppe von Professor Michael Pusch (Biophysics Institute, National Research Council, Genua, Italien). Gleichberechtige Erstautorinnen der Studie sind Dr. Eva Auffenberg (ISD, Klinikum der Universität München und HIH, Universität Tübingen), Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch (HIH und Universität Tübingen), Dr. Raffaela Barbieri (Biophysics Institute, National Research Council, Genua, Italien) und Daniela Miely (HIH und Universität Tübingen).</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Auffenberg E., Hedrich UB, Barbieri R, Miely D, et al. (2021) Hyperexcitable interneurons trigger cortical spreading depression in an Scn1a migraine model. <em>Journal of Clinical Investigation</em>; e142202<br> doi: 10.1172/JCI142202</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71508</guid><pubDate>Wed, 24 Nov 2021 12:59:01 +0100</pubDate><title>Eigenentwickelter Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zeigt starke Immunantwort </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eigenentwickelter-impfstoff-gegen-sars-cov-2-zeigt-starke-immunantwort/</link><description>Ergebnisse der Phase-I-Studie in Fachzeitschrift Nature publiziert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Universitätsklinikum Tübingen wurde im November 2020 unter Leitung von Prof. Dr. Juliane Walz in der KKE Translationale Immunologie der Medizinischen Klinik (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Helmut Salih) die klinische Erprobung eines eigenentwickelten Impfstoffs (CoVac-1) gegen SARS-CoV-2 begonnen. Nun liegen die Ergebnisse der Phase-I-Studie vor und belegen eine potente Aktivierung der T-Zell-Antwort gegen das Coronavirus. Die Ergebnisse sind aktuell in der renommierten Fachzeitschrift <em>Nature </em>publiziert. Derzeitig befindet sich die Studie in der zweiten Phase. Ziel ist, in Patienten und Patientinnen mit Antikörpermangel eine breite und starke T-Zell-vermittelte Immunantwort gegen SARS-CoV-2 zu induzieren, um so schwere Covid-19-Krankheitsverläufe zu verhindern.</p><p>T-Zellen spielen eine bedeutende Rolle bei der Covid-19-Erkrankung. Das konnte das Forschungsteam um Prof. Walz, Leiterin der klinischen Studie, bereits in mehreren wissenschaftlichen Publikationen belegen. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten wurden im Blut von Personen mit überstandener Covid-19-Erkrankung diejenigen Peptide identifiziert, die für eine Erkennung und Langzeitschutz durch T-Zellen speziell beim SARS-CoV-2-Virus von Bedeutung sind. „Genau die Peptide, die eine bedeutende Rolle bei der Langzeitimmunität nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion spielen, werden nun in unserem CoVac-1 Impfstoff eingesetzt“, erklärt Juliane Walz. Als Peptide werden kurze Eiweiße bezeichnet, die auf der Oberfläche von Tumorzellen, aber auch auf Virus befallenen Zellen dem Immunsystem und hier speziell den T-Zellen präsentiert werden. Dies ermöglicht dem Immunsystem, „fremde“ und infizierte Zellen zu erkennen und diese zu eliminieren. Die Idee für den Impfstoff kommt aus der Krebsimmuntherapie, einem der Hauptforschungsschwerpunkte der Tübinger Immunologen.&nbsp;</p><h3>Ergebnisse der Phase-I-Studie</h3><p>CoVac-1 wurde in einer klinischen Phase-I-Studie in gesunden Probanden und Probandinnen zwischen 18 und 80 Jahre eingesetzt. Hier konnte bei guter Verträglichkeit eine äußerst potente Aktivierung der T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2 belegt werden.&nbsp;</p><p>Insgesamt wurden 36 Probandinnen und Probanden im Rahmen der Studie einmalig geimpft. Bei wenigen Teilnehmenden wurden leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit beobachtet, schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Bei allen Probandinnen und Probanden entwickelte sich an der Impfstelle eine lokale Verhärtung. „Diese Lokalreaktion wird für unseren Impfstoff erwartet und gewünscht. Sie ist Ausdruck der Bildung eines Depots an der Impfstelle, das einen schnellen Abbau des Impfstoffs verhindert und so eine langanhaltende Immunreaktion ermöglicht“, erklärt Dr. Jonas Heitmann, einer der Erstautoren der Studie. &nbsp;</p><p>Bei allen Studienteilnehmenden lag vier Wochen nach der Impfung die gewünschte breite und starke T-Zell-Immunantwort gegen SARS-CoV-2 vor. In ersten Folgeuntersuchungen blieben diese Immunantworten in unveränderter Stärke bestehen. Darüber hinaus sind die durch CoVac-1 aktivierten T-Zell-Antworten deutlich stärker ausgeprägt als die bei Genesenen nach natürlicher Infektion und auch potenter als die T-Zell-Immunität, die durch zugelassene mRNA- oder Vektorimpfstoffe erzeugt wird. Anders als bei den bislang zugelassenen Impfstoffen richtet sich die CoVac-1-induzierte T-Zell-Immunität nicht nur gegen das Spike Protein, sondern gegen verschiedene Virusbestandteile. Die Wirksamkeit des Impfstoffes wird durch keine der bekannten SARS-CoV-2-Varianten negativ beeinflusst.&nbsp;</p><h3>Eigene Impfstoffentwicklung, Herstellung und Erprobung</h3><p>CoVac-1 wird im Wirkstoffpeptidlabor und der sogenannten GMP-Einheit des Universitätsklinikums und der Medizinischen Fakultät Tübingen hergestellt. Auch hier wird auf die langjährige Erfahrung und Expertise bei der Produktion von Impfstoffen für Krebserkrankte zurückgegriffen. Die klinische Evaluation des Impfstoffs erfolgt in der KKE Translationale Immunologie, einer deutschlandweit einzigartigen Einrichtung im Department Innere Medizin des Universitätsklinikums. Diese wurde etabliert, um innovative Immuntherapiekonzepte möglichst rasch in ersten klinischen Studien erproben zu können, damit Patienten und Patientinnen schnellstmöglich von neuen Erkenntnissen der Forschung profitieren.&nbsp;</p><h3>Weitere Entwicklung von CoVac-1</h3><p>Auf Grundlage dieser Studienergebnisse wurde bereits im Juni die Phase-II-Studie gestartet, die CoVac-1 in Patienten und Patientinnen mit angeborenem oder erworbenem Immunglobulinmangel untersucht. Hierzu gehören beispielsweise Leukämie- oder Lymphompatientinnen und -patienten, die auf Grund ihrer Erkrankung oder einer Therapie keine ausreichende durch antikörpervermittelte Immunität aufbauen können. &nbsp;</p><h3>Titel der Originalpublikation</h3><p>A COVID-19 Peptide Vaccine for the Induction of SARS-CoV-2 T-Cell Immunity; doi:&nbsp;<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-04232-5" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-021-04232-5</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71478</guid><pubDate>Wed, 24 Nov 2021 11:05:41 +0100</pubDate><title>„Nachhaltigkeits-Donut“ als Vorbild für Tübingen?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachhaltigkeits-donut-als-vorbild-fuer-tuebingen/</link><description>Universität Tübingen verleiht Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten – Kate Raworth stellt ihr Konzept einer nachhaltigen „Donut-Ökonomie“ vor</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von Postwachstum über neue Formen der Landwirtschaft bis hin zur Klimaneutralität – die Themen Nachhaltiger Entwicklung sind in aller Munde und haben in Tübingen und an der Universität einen wichtigen Stellenwert.&nbsp;</p><p>Am 30. November 2021 verleiht die Universität Tübingen die jährlichen Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten, diesmal in einem hybriden Format: live in der Alten Aula und digital via Zoom. Kanzler Dr. Andreas Rothfuß überreicht für die Universität jeweils drei Preise für Bachelor- und Masterarbeiten, die sich in herausragender Weise mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden auf der Veranstaltung bekanntgegeben und geben dem Publikum dort kurze Einblicke in ihre Arbeiten.&nbsp;</p><p>In der anschließenden Sustainability Lecture spricht in diesem Jahr Kate Raworth über ihr Konzept einer nachhaltigen „Donut-Ökonomie“. Die britische Wirtschaftswissenschaftlerin, die schon für die Vereinten Nationen und Oxfam tätig war, wird digital zugeschaltet. Wirtschaftliches Handeln muss planetare Grenzen respektieren und soziale Grundrechte sichern, so die Grundidee der Ökonomin. In ihrer Festrede “Thriving cities in the 21st century: can Tuebingen live within the Doughnut?” wird Raworth diskutieren, welche Orientierungsmöglichkeiten ihre Donut-Ökonomie für die Stadt Tübingen bietet.</p><p>Die öffentliche Veranstaltung findet am Dienstag, 30. November 2021 um 18.00 Uhr, in einem hybriden Format statt: live in der Alten Aula (2G, Voranmeldung an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pcejjcnvkiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">nachhaltig<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>) und digital via Zoom (ohne Voranmeldung; Link: <a href="https://zoom.us/j/98734840119" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://zoom.us/j/98734840119</a>). Die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/nachhaltig" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/nachhaltig</a>.</p><p>Mit der Vergabe der Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen Nachhaltiger Entwicklung. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt. „Seit mehr als zehn Jahren vergeben wir die Nachhaltigkeitspreise. Sie zeigen eindrücklich, auf welch hohem wissenschaftlichen Niveau Tübinger Studierende Themen Nachhaltiger Entwicklung beforschen und mit ihren Arbeiten innovative Anregungen für die Praxis geben. Dass wir in diesem Jahr die weltweit rezipierte Ökonomin Kate Raworth für die Sustainability Lecture gewinnen konnten, freut mich außerordentlich“, so der Juryvorsitzende Professor Thomas Potthast.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71403</guid><pubDate>Tue, 23 Nov 2021 12:37:17 +0100</pubDate><title>Neue zahnmedizinische Schausammlung in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-zahnmedizinische-schausammlung-in-tuebingen/</link><description>Die zahnmedizinische Sammlung ist künftig in sanierten Räumen und als neu eingerichtetes Museum „Dental|Things“ zu besichtigen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Museum der Universität Tübingen MUT präsentiert die zahnmedizinische Lehrsammlung im neuen Gewand. In der Tübinger Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sind künftig rund 400 Objekte in einem eigenen Museum mit dem Namen „<span lang="en" dir="ltr">Dental|Things</span>“ zu sehen: Die Dauerausstellung zeigt Exponate aus der Entwicklungsgeschichte des Faches und der Geschichte der Tübinger Zahnklinik sowie Kuriosa der Zahnmedizin und auch Kunstobjekte mit fachlichem Bezug.</p><p>Ermöglicht wurde die Einrichtung dieser ebenso seltenen wie kuriosen Ausstellung durch die enge Kooperation der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit dem Museum der Universität Tübingen MUT: In zwei Jahren Arbeit wurden die Objekte in studentischen Praxisseminaren inventarisiert und erschlossen, durch Valentin Marquardt fotografisch dokumentiert, die Sammlungsräume aufwendig saniert und erweitert sowie in einer zeitgemäßen Inszenierung durch den Ausstellungsszenografen Stephan Potengowski präsentiert.</p><p>Zur Ausstellung erscheint gleichzeitig eine 300-seitige Publikation aus der Schriftenreihe des MUT (Bd. 23). Sie wurde ebenfalls in Praxisseminaren im Rahmen des Masterprofils „Museum &amp; Sammlungen“ am MUT mit Studierenden und mit Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern erstellt:</p><p><strong>„<span lang="en" dir="ltr">Dental|Things</span>. Die zahnmedizinische Sammlung der Universität Tübingen“</strong>, herausgegeben von Ernst Seidl, David Kühner, Andreas Prutscher, Tübingen: MUT; Zu erwerben im Shop des MUT | Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen oder im Webshop des MUT unter: <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71328</guid><pubDate>Mon, 22 Nov 2021 10:00:40 +0100</pubDate><title>Gute Note in Deutsch, schlechte Bewertung des Matheunterrichts</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gute-note-in-deutsch-schlechte-bewertung-des-matheunterrichts/</link><description>Studie der Universität Tübingen zeigt: Gute Noten in einem Fach beeinflussen auch, wie Schüler andere Fächer bewerten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Schülerinnen und Schüler die Unterrichtsqualität beurteilen – was an immer mehr Schulen der Fall ist –, heißt es künftig genauer hinschauen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung fanden in einer Studie Hinweise darauf, dass Noten nicht nur die Beurteilung des Unterrichts in dem jeweiligen Fach beeinflussen, sondern sich auch auf die Bewertung in anderen Fächern auswirken können. Konkret heißt das: Vergeben Lehrkräfte überdurchschnittlich gute Noten, kann dies dazu führen, dass ihr eigener Unterricht besser bewertet wird, aber auch ihren Kolleginnen und Kollegen eine etwas schlechtere Unterrichtsbewertung einbringen. Die Studie liefert damit wichtige Hinweise zur Verwendung von Schülerurteilen in der Praxis und wurde jetzt in der Fachzeitschrift <em>Journal of Educational Psychology</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Konkret untersuchte das Team um Ann-Kathrin Jaekel, wie die Noten von rund 6.500 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 10 in den Fächern Mathematik und Deutsch mit ihrer Bewertung der Unterrichtsqualität zusammenhängen. Dabei wurde deutlich: Je besser die Note der Schülerinnen und Schüler in einem Fach, desto besser bewerteten sie dort den Unterricht.&nbsp;</p><p>Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass eine bessere Note in einem Fach mit einer schlechteren Beurteilung des jeweils anderen Fachs einhergeht – unabhängig davon, welche Note, aber auch welche tatsächliche Leistung dort erzielt wurde. Insofern werten Schülerinnen und Schüler die Unterrichtsqualität in demjenigen Fach ab, in dem sie die vergleichsweise schlechtere Note bekommen. Außerdem bedeutsam: Dieses vergleichende Bewertungsmuster konnten die Forscherinnen und Forscher nicht nur bei einzelnen Schülerinnen und Schüler feststellen, sondern es galt für ganze Klassen.</p><p>Ähnliche Effekte sind bereits aus der Forschung zum akademischen Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern bekannt: Je besser ihre Leistung beispielsweise in Mathematik, desto höher ist ihr mathematisches Selbstkonzept. Bessere Fähigkeiten in Mathematik als in Deutsch führen hingegen zu einem niedrigeren Selbstkonzept in Deutsch.&nbsp;</p><p>Das heißt, wie Schülerinnen und Schüler die Unterrichtsqualität in einem Fach bewerten, wird auch von den Noten beeinflusst, die sie in einem anderen Fach erhalten. „Dieses Phänomen sollte besonders berücksichtigt werden, wenn Schülerbewertungen für die Beurteilung von Lehrkräften im Rahmen der Unterrichtsevaluation herangezogen werden“, betont Ann-Kathrin Jaekel vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und Erstautorin der Studie. Co-Autor Richard Göllner, Professor für Educational Effectiveness am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung, erklärt: „Mit ihren Ergebnissen liefert uns die Studie ein wichtiges Puzzlestück, um die Frage zu beantworten, welchen Nutzen Schülerurteile für die Schulpraxis haben und welche Einschränkungen dabei zu berücksichtigen sind.“ In weiteren Studien soll nun untersucht werden, wie solche Beurteilungseffekte bei der Verwendung von Schülerurteilen in der Praxis bestmöglich vermieden werden können.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Jaekel, A.-K., Göllner, R., &amp; Trautwein, U. (2021). How students’ perceptions of teaching quality in one subject are impacted by the grades they receive in another subject: Dimensional comparisons in student evaluations of teaching quality. <em>Journal of Educational Psychology</em>, 113(4), 770–783. <a href="https://doi.org/10.1037/edu0000488" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1037/edu0000488</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71244</guid><pubDate>Thu, 18 Nov 2021 15:11:39 +0100</pubDate><title>Studierendenzahl an der Universität Tübingen wächst auf über 28.000</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studierendenzahl-an-der-universitaet-tuebingen-waechst-auf-ueber-28000/</link><description>Zahl der internationalen Studierenden steigt deutlich – Folgen der Corona-Pandemie in der Statistik weiter spürbar</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Zahl der Studierenden an der Universität Tübingen ist im Wintersemester 2021/22 erneut gestiegen. Zum Stichtag 12. November waren insgesamt 28.159 Personen eingeschrieben, 723 mehr als noch vor einem Jahr. Ursächlich für die Steigerung war ein Zuwachs bei der Zahl der Erst- und Neueinschreibungen sowie eine gestiegene Zahl von Rückmeldungen. Wie schon im Vorjahr sind rund 59 Prozent der Tübinger Studierenden weiblich. Die Zahl der internationalen Studierenden kletterte auf 3.927, ein Plus von rund 300.&nbsp;</p><p>Bei den Erst- und Neueinschreibungen sind gegenläufige Trends bei deutschen und internationalen Studierenden zu beobachten. Während die Zahl der Erst- und Neueinschreibungen von Personen mit deutschem Pass gegenüber dem Vorjahr um 170 auf 4.339 sank, stieg die Zahl der internationalen Studienanfänger um 266 auf 1.089. Die Zahl aller Erst- und Neueinschreibungen kletterte in der Summe gegenüber dem Vorjahr von 5.332 auf 5.428.&nbsp;</p><p>„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in der Studierendenstatistik nach wie vor erkennbar“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler am Donnerstag: „Im vergangenen Jahr war der internationale Studierendenaustausch aufgrund der Pandemie deutlich erschwert. Dies führte unter anderem zu einem Anstieg der Immatrikulationen aus dem Inland, während die Zahl der Ein-schreibungen von ausländischen Studierenden deutlich zurückging.“ Mit insgesamt 1.089 internationalen Neu- und Ersteinschreibungen sei nun nahezu das Niveau vom Herbst 2019 wieder erreicht worden. &nbsp;</p><p>Auch der Anstieg bei den Rückmeldungen lasse sich auf die Pandemie zurückführen. „Die Universität Tübingen hat in den vergangenen eineinhalb Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um ihren Studierenden trotz Corona gute Studienbedingungen zu bieten“, betonte der Rektor. Dennoch lege die gestiegene Zahl von Rückmeldungen die Vermutung nahe, dass zumindest ein Teil der Studierenden mehr Zeit benötige, um das Studium erfolgreich zu beenden. „Vor diesem Hintergrund war es die richtige Entscheidung, für das laufende Wintersemester trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf eine weitgehende Rückkehr zur Präsenzlehre zu setzen“, sagte Engler abschließend. &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71214</guid><pubDate>Thu, 18 Nov 2021 09:24:51 +0100</pubDate><title>Fachbereich Mathematik erhält Lehrpreis der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fachbereich-mathematik-erhaelt-lehrpreis-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Digitale Übungen für Studierende auf eigener Plattform entwickelt – Sonderpreis für studentisches Engagement geht an Promovierenden-Initiative „sustainAbility“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an den Fachbereich Mathematik für sein neues Lehr-Lern-Konzept zu digitalen Übungsgruppen. Auf einer eigens entwickelten Plattform können Studierende der Naturwissenschaften Aufgaben und Lösungsansätze diskutieren, die sie vorher in Eigenregie bearbeitet haben. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich für innovative Lehrformate oder besonderes Engagement in der Lehre vergeben.</p><p>Den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement 2021 vergibt die Universität an die Promovierenden-Initiative „<span lang="en" dir="ltr">sustainAbility</span>“. Doktorandinnen und Doktoranden führen im Rahmen dieser Initiative Projekte zum Thema Nachhaltigkeit durch. Der mit 300 Euro dotierte Preis wird ebenfalls jährlich verliehen.</p><h3>Informationen zum Lehrpreis</h3><p>Für Studierende der Mathematik und naturwissenschaftlicher Studiengänge ist es wichtig, sich in Übungseinheiten mit mathematischen Konzepten, Beweismethoden und Rechentechniken auseinanderzusetzen und diese zu trainieren. Damit dies auch während der Pandemie möglich war, entwickelten Dr. Stefan Keppeler, Professorin Hannah Markwig, Professor Thomas Markwig und Professor Roderich Tumulka ein digitales Lehr-Lern-Konzept und die entsprechenden Lehr-Lern-Materialien.</p><p>So schufen sie eine eigene Online-Plattform, auf der Studierende in Kleingruppen wöchentliche Aufgaben erhielten und selbst bearbeiten konnten. Mit Übungsleiterinnen und -leitern diskutierten sie in Videokonferenzen Lösungsansätze und entwickelten diese live weiter. Zudem produzierte der Fachbereich Videos, in denen Lösungsansätze erklärt wurden, und Unterstützung durch studentische Mentorinnen und Mentoren. Übungsleiterinnen und -leiter erhielten Schulungen zur Online-Lehre und es wurde ein Handbuch erarbeitet.</p><p>Mit dem neuen Konzept konnten die für das Studium unverzichtbaren Mathematikübungen digital fortgeführt werden oder klassische Lehrformate ergänzen. Es wird auch künftig ergänzend zum Präsenzstudium eingesetzt oder als Fernstudieneinheit für Studierende, die nicht vor Ort sein können.</p><p>Das Preisgeld will der Fachbereich für die Weiterentwicklung des Mentorenprogramms zu den Übungen einsetzen.</p><h4>Kontakt:</h4><p>Prof. Dr. Thomas Markwig<br> Universität Tübingen<br> Fachbereich Mathematik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29- 76702<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mgkngpBocvj0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">keilen<span style="display:none">spam prevention</span>@math.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Informationen zum Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement</h3><p>„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“: Im Geiste dieses Zitats von Mahatma Gandhi gründeten Promovierende der Universität Tübingen 2016 die Initiative „<span lang="en" dir="ltr">sustainAbility</span>“. Seitdem haben rund 30 Doktorandinnen und Doktoranden aus verschiedenen Fächern und Nationen in Tübingen Projekte angestoßen, die aus ihrer Sicht einen Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft und Universität leisten.</p><p>So schrieben sie ein „Nachhaltigkeits-Stipendium“ für Studierende der Universität Tübingen aus, die sich in ihrer Abschlussarbeit mit Themen zur Nachhaltigkeit auseinandersetzen und begleiteten diese finanziell und beratend. Sie schufen den „<span lang="en" dir="ltr">Stay Grounded Grant</span>“, bei dem sich Austauschstudierende um Reiseförderung bewerben können, wenn sie alternative Verkehrsmittel zum Flugzeug nutzen, um ein Bewusstsein für den immensen CO<sub>2</sub>-Fußabdruck von Flugreisen zu schaffen.</p><p>Im selbst produzierten „<span lang="en" dir="ltr">Sustainable Work Podcast</span>“ informiert die Initiative über Berufsfelder, die einen positiven nachhaltigen Einfluss auf die Gesellschaft haben, und im Bündnis „StuVegan“ setzte sie sich mit Partnern für pflanzliche Gerichte in Tübinger Mensen ein. Derzeit führt sie zudem eine Studie zu mentaler Gesundheit von Promovierenden durch.</p><p>Mit dem Preisgeld will „<span lang="en" dir="ltr">sustainAbility</span>“ eine weitere Runde des "<span lang="en" dir="ltr">Stay Grounded Grant</span>" finanzieren sowie technisches Equipment zur Aufnahme ihrer Podcasts anschaffen</p><h4>Kontakt:</h4><p>Cornelius Schröder<br> Initiative <span lang="en" dir="ltr">sustainAbility</span><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,eqtpgnkwu0uejtqgfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">cornelius.schroeder<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.sustainability-phd.com/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.sustainability-phd.com/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71148</guid><pubDate>Wed, 17 Nov 2021 09:38:13 +0100</pubDate><title>Wie bekamen wir den richtigen Riecher? </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-bekamen-wir-den-richtigen-riecher/</link><description>Die Nasen von Säugetieren sind eine Neuheit der Evolution – und wahrscheinlich auch für ihre Gehirnentwicklung verantwortlich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gemeinsam mit japanischen Wissenschaftlern weist Ingmar Werneburg vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen in einer neuen Studie nach, dass die für Säugetiere typische Gesichtsstruktur mit ihren prominenten Nasen evolutionär ein vergleichsweise neues Phänomen darstellt. Der hochentwickelte Geruchssinn der meisten Säugetiere hat wahrscheinlich auch die Gehirnentwicklung begünstigt. Die Studie erschien im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences”.</p><p>Im Gegensatz zu anderen Landwirbeltieren haben die meisten Säugetiere vorstehende, bewegliche Nasen, die eine erhebliche Verbesserung von Geruchs- und Tastsinn bedeuten. „Bisher sah die Wissenschaft die Entwicklung der Gesichter von Reptilien und Säugetieren dennoch als relativ vergleichbar an”, erläutert PD Dr. Ingmar Werneburg, Ko-Autor der Studie und Forscher am Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Nun können wir zeigen, dass die Schnauze der Säugetiere eine drastische Abweichung vom gemeinsamen Grundplan ist – und evolutionär eine neue Entwicklung.”</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71121</guid><pubDate>Tue, 16 Nov 2021 12:32:41 +0100</pubDate><title>Mit KI die Welt verändern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mit-ki-die-welt-veraendern-1/</link><description>Schülerinnen und Schüler finden außergewöhnliche Lösungsansätze</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aussprachefehler erkennen, intelligent Fotos aufnehmen, autonomes Fahren, Hass- und Hetzkommentare im Internet aufspüren oder einen Algorithmus zur Analyse des Brutverhaltens von Falken – am Freitag haben die diesjährigen Teilnehmenden des Bundeswettbewerbes Künstliche Intelligenz ihre Projekte in Tübingen vorgestellt. Das Gymnasium St. Augustin zu Grimma in Sachsen verteidigt seinen Titel als „KI-Schule des Jahres“.</p><p>Am Freitag wurden die Projekte der Finalistinnen und Finalisten des Bundeswettbewerbes Künstliche Intelligenz (BWKI) in Tübingen vorgestellt. Die Preisverleihung am Abend wurde Live auf YouTube übertragen. Zuvor hatte die hochkarätig besetzte Jury über die Gewinner des Wettbewerbes entschieden.</p><p>Der Hauptgewinn des Wettbewerbes ging an drei 17-Jährige des Teams „buffalo“ aus Erfurt, das einen Algorithmus entwickelt hat, der die Aussprache analysiert und Sprachauffälligkeiten erkennt. Die KI kann zukünftig in logopädischen Behandlungen eingesetzt werden oder das Erlernen von Fremdsprachen unterstützen. Die Gewinner erhielten einen Geldpreis in Höhe von 1500 Euro.</p><p>Der KI-Künstler Mario Klingemann verkündete die Gewinner des Nachwuchspreises. Das Team „SMAILE“ aus der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim überzeugte mit ihrer KI, die es ermöglicht intelligent Fotos aufzunehmen und unästhetische, verwackelte oder unzufriedenstellende Aufnahmen vermeidet. Das Team erhält einen Geldpreis in Höhe von 500 Euro und Zugang zu einem Online-KI-Kurs.</p><p>In der Sonderkategorie Umwelt und Nachhaltigkeit verkündete die Jurorin und Meeresbiologin Ute Wilhelmsen die Gewinnerin. Katharina Bade aus Magdeburg analysierte mit ihrem Projekt Siemensfalken das Brutverhalten von Turmfalken, die in den Gemäuern ihres Gymnasiums nisten. Die 17-Jährige darf sich über einen Geldpreis von 500 Euro und ein Praktikum an einem Deutschen Meeresforschungsinstitut freuen. Der Preis wurde von der Deutschen Allianz für Meeresforschung gestiftet.</p><p>Der Juror und Moderator der BWKI-Preisverleihung, Philip Häusser, kürte den Sieger in der Sonderkategorie Hardware. Maximilian Kraeft aus Stollberg, Sachsen, entwickelte in seinem Projekt „tars“ einen autonomen Roboter, der die Fähigkeit besitzt, Hindernisse zu erkennen und in seinen Weg durch ein Labyrinth zu finden. Der 17-Jährige erhält einen Geldpreis in Höhe von 750 Euro.</p><p>Am Freitagabend hatten die Zuschauenden der Livesendung (https://www.youtube.com/watch?v=fqbfwt1IxZo) die Möglichkeit, für ihre Favoriten, und somit über die Gewinnerinnen und Gewinner des Publikumspreises abzustimmen. Der diesjährige Publikumspreis ging an drei 17- bis 18-jährige Jugendliche aus Erfurt, die mit ihrer KI „hateflow“ Hass- und Hetzkommentare im Internet erkennen und ahnden. Der Preis war mit 500 Euro dotiert.</p><p>Das Gymnasium St. Augustin zu Grimma, Sachsen, verteidigte seinen Titel als „KI Schule des Jahres“. Dank der überdurchschnittlichen Teilnahme der Schülerinnen und Schüler dieser Schule am Online-KI-Kurs, konnte der Preis erneut verliehen werden. Als Preis erhält das Gymnasium einen Klassensatz eines sensorischen Bionikbaukastens (bionics4education).</p><p>Den Auftakt der BWKI-Abschlussveranstaltung hatte der Hackathon am 6. und 7. November 2021 gebildet. Gemeinsam mit dem Badischen Landesmuseum und in Kooperation mit der Initiative Hack &amp; Söhne wurden Herausforderungen unter dem Motto „Schreib Code – Schreib Geschichte“ gestellt. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert KI-Anwendungen zu entwickeln, die in Museen der Zukunft zur optimierten Wissensvermittlung eingesetzt werden. Das Gewinnerprojekt eines 16-jährigen Schülers erweckt mit Augmented Reality Museumsobjekte zum Leben. Die vier 17 bzw. 18 Jahre alten Schüler des Teams „Hyperion“ generierten auf der Grundlage von Museumsdaten neue Kunstwerke. Das siegreiche Team wird durch das Badische Landesmuseum in der Fortführung seiner Projektidee begleitet. Weiterhin wurden Buchpreise und die Teilnahme an unterschiedlichen Online-Kursen an weitere Teams vergeben.</p><p>„Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten und spannendsten Themen unserer Zeit, sie ist ein echter Game-Changer. Beim Bundeswettbewerb KI können Jugendliche und junge Erwachsene dieses wichtige Zukunftsthema aktiv mitgestalten“, erklärte Ministerin Theresia Bauer, Vorsitzende der Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung und Schirmherrin des Bundeswettbewerbes. „Kinder haben Neugier und Spaß an der Sache. Das macht sie zu idealen Forschern und das können sie im BWKI ausleben“, sagte Professor Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institutes für Intelligente Systeme und einer der Initiatoren des Wettbewerbes. „Es ist einfach großartig und inspirierend, die Kreativität, das Können und die Ausdauer der Schülerinnen und Schüler bei diesem Wettbewerb zu sehen. Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir uns noch viel mehr ermutigen, gute Ideen zu entwickeln und auszuprobieren“, ergänzte Professor Matthias Bethge, Co-Initiator des Wettbewerbes und Leiter des Tübingen AI Centers, BMBF-Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen.</p><p>In der Jury des Wettbewerbes waren in diesem Jahr vertreten: Mario Klingemann (KI-Künstler), TheMorpheus (YouTuber und Informatiker), Andrea Kranzer (Businessangel), Dr. Philip Häusser (Physiker, Fernsehmoderator, Webvideoproduzent), Dr. Ute Wilhelmsen (Meeresbiologin), Prof. Dr. Veronika Eyring (Klimawissenschaftlerin DLR und Univ. Bremen), Christoph Röscher (Bosch Center of Artificial Intelligence), Dr. Nina Gaissert (Expertin für Bionik, Festo), Marlene Prautsch (Datascientist), Prof. Dr. Matthias Bethge, Dr. Wieland Brendel (Initiatoren des Wettbewerbes, Universität Tübingen), Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Initiator des Wettbewerbes, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme).</p><p>Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler hatten 2021 ihre Projektideen beim Wettbewerb angemeldet. Im Finale stellten sich zehn Teams der Jury und dem Publikum vor. In einem kostenfreien Online-KI-Kurs des BWKI können die Grundlagen der KI erlernt werden. Bislang haben bereits mehr als 4.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Interessierte die Angebote des BWKI wahrgenommen.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Hauptförderer des Wettbewerbs ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Der Wettbewerb wurde zudem von Bosch, Festo, paperspace, Google, Verlagshaus Droemer und Knaur unterstützt und in Kooperation mit Cyber Valley, der Hochschule der Medien und der Deutschen Allianz Meeresforschung durchgeführt.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Der BWKI motiviert Schülerinnen und Schüler mit den Werkzeugen der künstlichen Intelligenz ihre eigenen Ideen für eine bessere Welt von morgen umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI-Forschungsstandort Tübingen durch das Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen ins Leben gerufen und ermöglicht Jugendlichen, ihr Können aktiv im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen. Weitere Informationen unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp;und <a href="https://ki-kurs.org" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ki-kurs.org</a>&nbsp;</p><h3>Über die Carl-Zeiss-Stiftung</h3><p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70911</guid><pubDate>Wed, 10 Nov 2021 12:10:25 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen lädt zum virtuellen Studieninfotag ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-laedt-zum-virtuellen-studieninfotag-ein/</link><description>80 Studiengänge stellen am 17. November ihr Angebot online vor ‒ Lehrende und Studierende stehen für Fragen bereit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zum virtuellen Studieninfotag am Mittwoch, 17. November 2021, ein. In diesem Jahr bietet der Studieninfotag mit einem umfassenden Online-Angebot ab 9 Uhr Gelegenheit, Einblicke in verschiedene Studienfächer zu erhalten. Die Fakultäten und zentralen Einrichtungen der Universität haben dafür ein breitgefächertes Vormittags- und Nachmittagsprogramm zusammengestellt: Rund<strong> 80 Studiengänge</strong> stellen sich über <strong>Zoom </strong>mit unterhaltsamen und informativen Live-Angeboten vor.&nbsp;</p><p>Lehrende geben an diesem Tag Einblicke in die Inhalte, Anforderungen und beruflichen Perspektiven der verschiedenen Studiengänge und Studierende erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen. Schülerinnen und Schüler können somit leicht mit Studierenden sowie Dozentinnen und Dozenten ins Gespräch kommen.&nbsp;</p><p>Parallel dazu stehen Studienberaterinnen und -berater den ganzen Tag für Fragen und Antworten bereit, und es gibt eine Reihe von fächerübergreifenden Veranstaltungen rund um das Studium. Zudem senden Studierende von CampusTV von 9-16 Uhr live aus dem TV-Studio und von anderen Orten der Universität Tübingen und berichten aus ihrem Studienalltag.&nbsp;</p><p>Bereits jetzt ist es möglich, den Studieninfotag vorzubereiten und Veranstaltungen auszuwählen. <strong>Eine Übersicht aller Live-Angebote und vorproduzierten Inhalte sind auf der Webseite der Universität zu finden</strong>: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studientag" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studientag</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70866</guid><pubDate>Tue, 09 Nov 2021 16:20:55 +0100</pubDate><title>Sprachkompetenz der Lehrkräfte entscheidend für Rechtschreibung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sprachkompetenz-der-lehrkraefte-entscheidend-fuer-rechtschreibung-2/</link><description>Neues Testinstrument ermöglicht, die „Phonembewusstheit“ von Grundschullehrkräften zu erfassen und kann Fortbildungsbedarf aufzeigen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein erfolgreicher Start beim Schreibenlernen wirkt sich langfristig positiv auf spätere Leistungen aus und Defizite können später nur schwer wieder aufgeholt werden. Deshalb müssen Grundschullehrkräfte gut auf die Vermittlung von Schriftsprachkompetenzen vorbereitet sein. Dazu gehört, dass sie sich beispielsweise darüber bewusst sind, wie Wörter aufgebaut sind und in welchem Verhältnis Buchstaben und Laute zueinander stehen. Das ist wichtig für Aufgaben zum Schreibenlernen, etwa wenn es darum geht, Wörter zu vergleichen und Ähnlichkeiten zu erkennen. Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Regensburg und eine Wissenschaftlerin der SRH Hochschule für Gesundheit in Stuttgart haben nun ein Testinstrument entwickelt, mit dem auf Basis schriftlich dargestellter Wörter die sogenannte Phonembewusstheit, das ist die Fähigkeit, Einzellaute der Sprache unterscheiden und analysieren zu können, von angehenden Lehrkräften überprüft werden kann. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Diagnostica veröffentlicht.</p><p>Die Wörter Äpfel und Ente werden beispielsweise zwar unterschiedlich geschrieben, haben aber die gleichen Anlaute. Um das zu erkennen, müssen Lehrkräfte über eine ausgeprägte Phonembewusstheit verfügen. Im englischsprachigen Raum, vor allem in den USA, wurde dies bereits gründlich erforscht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine bedeutende Anzahl von Erstklasslehrkräften nicht ausreichend qualifiziert sind, um geschriebene Wörter in ihre Einzellaute zu zerlegen. Es fehlt ihnen somit an den notwendigen Fähigkeiten, ihren Schülerinnen und Schülern eine fehlerfreie Förderung der Phonembewusstheit anzubieten. Die Leistungen der Kinder sind jedoch besser, wenn die Lehrkraft selbst über eine ausgeprägte Phonembewusstheit verfügt, weil sie dann qualitativ hochwertige Übungen zum Schreibenlernen durchführen kann.</p><p>Im deutschsprachigen Raum fehlten bislang Untersuchungen dazu, wie gut angehende oder auch bereits tätige Primarschullehrkräfte im Bereich der&nbsp;Phonembewusstheit qualifiziert sind. „Wir haben erste Hinweise darauf, dass die Ergebnisse ähnlich ausfallen“, meint Erstautorin Karin Berendes, mittlerweile Professorin an der SRH Hochschule für<br> Gesundheit in Stuttgart. „Mit unserem Test besteht nun auch für den deutschsprachigen Raum die Möglichkeit, dies systematisch zu überprüfen.“ Das Testinstrument wurde an 271 Studierenden für das Grundschullehramt in Baden-Württemberg und Bayern erprobt. Es soll zunächst für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden. „Der Einsatz des Tests in der Aus- und Fortbildung kann wichtige Informationen über den Bedarf und die Ausrichtung von Lehrkräftefortbildungen geben“, erklärt Berendes.</p><p><strong>Publikation</strong></p><p>Berendes, K.*, Wagner, W.* &amp; Böhme, R. (2021). Phonembewusstheit nach schriftsprachlichem Input - Entwicklung eines Instruments für angehende Primarschullehrkräfte. Diagnostica, 67(3), 149–160. Artikel zum Download: <a href="https://doi.org/10.1026/0012-1924/a000272" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1026/0012-1924/a000272</a>.</p><p>*geteilte Erstautor*innenschaft</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70338</guid><pubDate>Wed, 27 Oct 2021 12:02:14 +0200</pubDate><title>Veränderung der Hirnaktivität bei Rolando-Epilepsie lässt sich durch gezielte Laute im Schlaf beeinflussen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/veraenderung-der-hirnaktivitaet-bei-rolando-epilepsie-laesst-sich-durch-gezielte-laute-im-schlaf-beeinflussen/</link><description>Forschungsteam der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen entwickelt Ansatz zur Reduktion epileptischer Aktivität bei Kindern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine bei Kindern häufige Form der Epilepsie ist die Rolando-Epilepsie, bei der die Anfälle vornehmlich im Schlaf auftreten. Durch im Schlaf vorgespielte kurze Laute können die für die Epilepsie charakteristischen, in der Hirnaktivität messbaren Ausschläge teilweise unterdrückt werden. Das hat ein Forschungsteam der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen unter der Leitung von Dr. Hong-Viet Ngo und Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie festgestellt. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für künftige Forschungen an Therapien für diese Epilepsieform bilden. Zwar nimmt die Rolando-Epilepsie in der Regel einen milden Verlauf und bleibt oft unbehandelt. Doch ließen sich zum Teil mit der Erkrankung in Verbindung gebrachte Auffälligkeiten in der kognitiven Entwicklung durch eine solche Therapie möglicherweise beeinflussen. Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Cell Reports Medicine</em> veröffentlicht.</p><p>Die Rolando-Epilepsie tritt bei Kindern meist zwischen dem fünften und achten Lebensjahr erstmals auf und verschwindet um den Beginn der Pubertät. „Die Anfälle bei dieser Form der Epilepsie sind meist kurz, es kann zu Zuckungen im Bereich des Gesichtes und vorübergehenden Sprechstörungen im Rahmen der Anfälle kommen“, erklärt die an der Studie beteiligte Ärztin Dr. med. Susanne Ruf von der Kinderklinik. Auch treten die Anfälle oft nur in sehr großen zeitlichen Abständen auf. Daher entscheiden sich viele Eltern und Kinder gegen die Einnahme von Tabletten. „Problematisch ist jedoch, dass die Epilepsie die normale Hirnaktivität im Schlaf in einer wichtigen Entwicklungsphase der Kinder stören kann.“ Lern- und Sprachschwierigkeiten, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen würden mit der Rolando-Epilepsie in Verbindung gebracht.</p><h3>Unterschiede in der Hirnaktivität</h3><p>In der Studie zeichnete das Forschungsteam die elektrische Hirnaktivität von sieben an Rolando-Epilepsie erkrankten Kindern sowie sieben jeweils altersgleichen gesunden Kontrollpersonen während des Schlafs nichtinvasiv in Elektroenzephalogrammen (EEG) auf. „Wir können mit unserer Arbeit frühere Erkenntnisse bestätigen, dass es bei den kleinen Patienten im Schlaf Unterschiede in der Hirnaktivität gegenüber gesunden Kindern gibt“, sagt Dr. Jens Klinzing aus Borns Arbeitsgruppe, der Erstautor der Studie. „Dies betrifft insbesondere die sogenannten Schlafspindeln, ein Aktivitätsmuster, das wichtig für die Verarbeitung von Gedächtnis im Schlaf ist.“ Im Schlaf und in ruhigen Wachphasen wurden außerdem die zu erwartenden epileptischen Entladungen gemessen, die als Ausschlag der Kurve im EEG aufgezeichnet werden. „Man nimmt an, dass von der Rate und Stärke dieser Entladungen, die wir als Spikes bezeichnen, abhängt, wie stark ausgeprägt die Beeinträchtigung der Entwicklung der Kinder ist.“</p><p>Dass der wahrscheinliche Ursprungsort der Spikes die Verbindungen zwischen dem Zwischenhirn und der Großhirnrinde sind, brachte die Forscher auf die Idee, Experimente mit Lauten im Schlaf durchzuführen. „Diese Verbindungen sind sowohl an der Entstehung von Spikes als auch von Schlafspindeln beteiligt“, sagt Klinzing. „Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass sich Schlafspindeln durch Laute stimulieren lassen.“ Die Forscher vermuteten daher, dass sich so auch die epileptischen Entladungen beeinflussen lassen könnten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die leise abgespielten Laute bei den an Rolando-Epilepsie erkrankten Kindern sowohl die Spikefrequenz verminderten als auch die Intensität der darauffolgenden Spikes.</p><h3>Förderung der plastischen Prozesse im Gehirn</h3><p>„In Folge der Laute traten die gewünschten Schlafspindeln im EEG auf“, sagt Dr. Ngo. Diese sind ein Indikator dafür, dass plastische Prozesse im Gehirn ablaufen, die zur Festigung von Gedächtnisinhalten führen. Dies seien Funktionen, die bei der Rolando-Epilepsie beeinträchtigt sein können. „Wir hoffen, einen Ansatz gefunden zu haben, um die mit der Erkrankung verbundenen ungünstigen epileptischen Entladungen ein wenig zu unterdrücken“, sagt der Wissenschaftler. Nun müsse eine größere Studie mit mehr Patienten und längeren Behandlungszeiten die Befunde erhärten. Zu den offenen Fragen gehört, ob die Unterdrückung der Spikes zu kognitiven Verbesserungen bei den betroffenen Kindern führt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jens G. Klinzing, Lilian Tashiro, Susanne Ruf, Markus Wolff, Jan Born, Hong-Viet V. Ngo: Auditory stimulation during sleep suppresses spike activity in benign epilepsy with centrotemporal spikes. <em>Cell Reports Medicine</em>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.xcrm.2021.100432" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.xcrm.2021.100432</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70329</guid><pubDate>Wed, 27 Oct 2021 11:29:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Poetik-Dozentur findet wieder statt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-poetik-dozentur-findet-wieder-statt/</link><description>Nach einem Jahr Pause: Eva Menasse und Thomas Hettche an der Universität Tübingen – Teilnahme per Livestream möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Stiftung Würth freuen sich, in diesem Jahr wieder zur Tübinger Poetik-Dozentur einladen zu können: Eva Menasse und Thomas Hettche werden vom 15. bis zum 18. November die Poetik-Vorlesungen halten, jeweils um 19:15 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen).&nbsp;</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur versteht sich als Forum der kulturellen Begegnung. Studierende, Dozierende, Universitätsangehörige und eine breite Öffentlichkeit haben hier die Gelegenheit, herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller und ihre Werke kennen zu lernen. Sie dient damit dem inneruniversitären Dialog und lädt zum kulturellen Austausch zwischen Universität, Stadt und Region ein.&nbsp;</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein <strong>Projekt der Stiftung Würth </strong>und wird von der <strong>Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG</strong> gefördert. Einmal jährlich werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Workshops für Studierende anzubieten.</p><p>Die diesjährigen Vorlesungen können über einen Livestream verfolgt werden: <a href="https://youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx</a>&nbsp;&nbsp;</p><p>Für eine Teilnahme vor Ort ist eine Anmeldung erforderlich, die Links zur Buchung der Einzeltermine finden Sie unter poetik-dozentur.de.<br> Am Einlass ist der Nachweis des 3G-Status nötig. Ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz muss während der gesamten Veranstaltungen getragen werden.&nbsp;</p><h3>Die Termine im Überblick</h3><ul><li><strong>Lesung von Eva Menasse und Thomas Hettche</strong> am Sonntag, 14. November 2021, 16.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Anmeldung erforderlich unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mwpuvjcnngBywgtvj0eqo" data-mailto-vector="2" class="mail">kunsthalle<span style="display:none">spam prevention</span>@wuerth.com</a></li></ul><ul><li><strong>Vorlesungen an der Universität Tübingen</strong>,<br> 	jeweils 19 Uhr c. t. im Audimax,&nbsp;Neue Aula, Geschwister Scholl Platz, 72074 Tübingen. 	<ul><li>Montag, 15. November<br><strong>Eva Menasse: „Treppen, Rampen, Räume – Über Romanstrukturen“</strong></li><li>Dienstag, 16. November<br><strong>Thomas Hettche: „Schwebend in der Luft wendete ich daher wieder um Oder Vom Schreiben eines Romans“</strong></li><li>Mittwoch, 17. November<br><strong>Eva Menasse und Thomas Hettche: „Der/die Kanon:e – Lieblingsautoren und Vorbilder“</strong></li><li>Donnerstag, 18. November<br><strong>Eva Menasse und Thomas Hettche im Gespräch mit Dorothee Kimmich:&nbsp;„Techniken der Lüge. Aus der Werkstatt“&nbsp;</strong></li></ul></li></ul><p>Alle Informationen und Links zur Anmeldung unter poetik-dozentur.de.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70245</guid><pubDate>Tue, 26 Oct 2021 10:56:09 +0200</pubDate><title>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung feiert  sein 20-jähriges Bestehen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-hertie-institut-fuer-klinische-hirnforschung-feiert-sein-20-jaehriges-bestehen/</link><description>Spitzenforschung für eine optimale Krankenversorgung – Institut entwickelt künftig Strategien zur Früherkennung, Prävention und Rehabilitation </description><content:encoded><![CDATA[<p>Seit 20 Jahren werden am Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) das Gehirn und seine Erkrankungen erforscht. Ziel ist es, neue und wirksamere Strategien der Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Die enge Verknüpfung des Forschungsinstituts mit der Neurologischen Universitätsklinik unter dem Dach des Zentrums für Neurologie sorgt dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können. So profitieren etwa Patientinnen und Patienten der Neurologischen Universitätsklinik von der fortschreitenden Entdeckung krankheitsauslösender Gendefekten. Das Wissen hilft, sie mit einer maßgeschneiderten Therapie zu behandeln. Das HIH gilt bundesweit als Vorreiter einer erfolgreich gelebten Translation in der Neuromedizin. Dieses Jahr feiert es nun sein 20-jähriges Bestehen. Um auch künftig den Herausforderungen der klinischen Hirnforschung optimal zu begegnen, wird das HIH sein Forschungsspektrum erweitern.</p><p>„Seit 20 Jahren leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hertie-Instituts hervorragende Arbeit. Das Institut hat sich im Bereich der Neurowissenschaften einen exzellenten Ruf erworben. Die Förderung des Landes dokumentiert, welch hohen Stellenwert das Institut selbst, aber auch das Engagement der Hertie-Stiftung im Land genießt“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.</p><p>„Die Neuromedizin der Zukunft beruht auf einem besseren Verständnis der molekularen und elektrophysiologischen Prozesse auf Zellebene und im Gesamtsystem Gehirn“, erklärt HIH-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Thomas Gasser. „In unserer alternden Gesellschaft ist außerdem der Schritt von der kurativen zur präventiven Medizin von großer Bedeutung. Den Menschen ist am besten geholfen, wenn sie gar nicht erst krank werden.“</p><p>Das HIH plant daher künftig stärker als bisher Strategien zur Früherkennung, Prävention und Rehabilitation neurologischer Erkrankungen zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der systembasierten Neuromedizin sowie der sogenannten personalisierten Medizin. Der erste Ansatz zielt darauf ab, das erkrankte Gehirn oder Nervensystem als Ganzes zu behandeln, etwa mit Hilfe von Neuroprothesen. Im zweiten Ansatz hingegen wird die zugrundeliegende Krankheitsursache – etwa ein Gendefekt – auf die erkrankte Person zugeschnitten therapiert. Da Fortschritte in der modernen Biomedizin auf die Nutzung immer größerer Datenmengen in Labor und Klinik beruhen, wird das Institut zudem den Bereich der Digitalisierung stärken und Methoden des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz integrieren.</p><p>Seit seiner Gründung vor 20 Jahren ist das HIH stark gewachsen. Was mit Aushilfslaboren und einer Baustelle auf der grünen Wiese begann, hat sich in eine Forschungseinrichtung auf Augenhöhe mit anderen großen Zentren für Hirnforschung in Europa entwickelt. So hat sich die Zahl der Mitarbeitenden verdreifacht, das Drittmitteleinkommen vervierfacht und aus vier sind heute sechs Abteilungen geworden. Ihre Schwerpunkte reichen von Schlaganfall, Parkinson, Epilepsie über Hirntumore hin zu Alzheimer und decken die gesamte Bandbreite neurologischer Erkrankungen ab.</p><p>Die Forschenden am HIH haben mehrfach bahnbrechende Entdeckungen gemacht. So ist es ihnen etwa gelungen, einen Biomarker zu identifizieren, mit dem die Alzheimer-Erkrankung bereits in sehr frühen Phasen durch einen simplen Bluttest nachgewiesen werden kann. Sie fanden ebenfalls eine ganze Reihe von Gendefekten, die zu Epilepsien, Parkinson oder seltenen neurodegenerativen Erkrankungen führen. Fundamental neu ist auch der Ansatz, das erkrankte Gehirn zeitlich synchronisiert zu seinem inneren Erregungszustand zu stimulieren. Die Methode erwies sich bei der Rehabilitation einzelner Schlaganfallpatientinnen und -patienten mit Hand- oder Armlähmungen als sehr erfolgreich und wird aktuell in größeren Studien erprobt und ihre Anwendung für weitere Netzwerkerkrankungen des Gehirns geprüft. Langfristig soll ein Stimulationshelm entwickelt werden, mit dem Patientinnen und Patienten im Klinikalltag unkompliziert behandelt werden können.</p><p>„Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung ist die wichtigste Initiative innerhalb unseres Bereiches Gehirn erforschen“, sagt Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die das Institut seit seiner Gründung mit mehr als 55 Millionen Euro unterstützt hat. „Die Forschungserfolge und internationale Reputation bestätigen, dass mit der gemeinsamen Gründung des HIH als Public-Private-Partnership und seiner Department-Struktur ein starker Impuls zur Erneuerung der Forschungslandschaft in Deutschland gelungen ist. Ich bin überzeugt von der Zukunftsfähigkeit dieses Modells und gratuliere zu 20 Jahren Spitzenleistungen auch im Namen der gesamten Stiftung“, so Weise.</p><p>Das HIH feiert sein 20-jähriges&nbsp;Jubiläum mit einer digitalen Festwoche ab Montag, 25. Oktober 2021 auf seiner Webseite (<a href="http://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a>). Die Feierlichkeiten in Präsenzform werden aufgrund der aktuellen Situation auf nächstes Jahr verschoben.</p><p>Das <strong>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) </strong>wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Das HIH beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten Forschungsfelder der Gegenwart: der Entschlüsselung des menschlichen Gehirns. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Erkrankungen die Arbeitsweise dieses Organs beeinträchtigen. Dabei schlägt das HIH die Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung. Ziel ist, neue und wirksamere Strategien der Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Derzeit sind 19 Professorinnen und Professoren, 28 Forschungsgruppen und rund 430 Mitarbeitende am Institut beschäftigt. Mehr Informationen unter: <a href="http://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a></p><p>Das 1805 gegründete <strong>Universitätsklinikum Tübingen (UKT)</strong> gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin und trägt als eines der 35 Universitätsklinika in Deutschland zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. 2001 gründete es zusammen mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Eberhard Karls Universität das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH), mit dem Ziel, die Ergebnisse der exzellenten neurowissenschaftlichen Forschung rasch in die klinische Praxis zur Behandlung neurologischer und neurodegenerativer Erkrankungen zu überführen. Website: <a href="http://www.medizin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.medizin.uni-tuebingen.de</a></p><p>Die <strong>Universität Tübingen</strong> gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 27.600 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 330 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70128</guid><pubDate>Mon, 25 Oct 2021 15:32:15 +0200</pubDate><title>SWR verleiht Hans Bausch Mediapreis für gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/swr-verleiht-hans-bausch-mediapreis-fuer-gesellschaftliche-verantwortung-in-digitalen-oeffentlichkeiten-1/</link><description>Ausschreibung und Verleihung in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Preis für Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten</strong><br> Für den Hans Bausch Mediapreis steht das Thema „gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten“ im Fokus. Der Preis soll exzellenter Forschung, die die aktuelle Medienentwicklung einordnet und bewertet, zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Mit Hilfe von Untersuchungen zu Fragen der digitalen Ethik und den Auswirkungen der Digitalisierung der Medien sollen Debatten über den laufenden gesellschaftlichen Wandel und die Verantwortung von Medien angestoßen werden.</p><p><strong>Zusammenarbeit zwischen dem SWR und dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen</strong><br> Bei der Ausschreibung und Verleihung des Hans Bausch Mediapreises arbeitet der SWR mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen zusammen. Zum zweiten Mal wird der Preis im Mai 2022 im Rahmen der Tübinger Medientage des Instituts für Medienwissenschaft verliehen werden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.</p><p><strong>Verantwortungsvoller Umgang mit der Digitalisierung</strong><br> Der Preis verdeutlicht das besondere Engagement des SWR bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wie die Digitalisierung der Medien ethisch verantwortungsvoll und damit zugunsten des Allgemeinwohls gestaltet werden kann. Zugleich steht er für die Leitidee des Tübinger Instituts für Medienwissenschaft, gesellschafts- und kulturprägende Folgen medienvermittelter Kommunikation zu analysieren und innovative Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung zu betreiben.</p><p>“Journalistische Standards und ein konstruktiver Dialog sind auch in der digitalen Öffentlichkeit unabdingbar. Wir wollen einen positiven, fairen Austausch, bei dem Menschen nicht immer einer Meinung sind, aber sich auf Augenhöhe begegnen. Der Hans Bausch Mediapreis ist eine sichtbare Auszeichnung für die wertvollen Arbeiten und Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet. Ich freue mich, dass wir diesen Preis nun bereits zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls Universität ausschreiben können und bin gespannt auf die Einreichungen“, so SWR Intendant Professor Dr. Kai Gniffke.</p><p>Professor Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen:<br> „Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche. Die Medien sind dabei ein wesentlicher Akteur und Treiber dieses Prozesses. Daraus resultiert eine besondere Verantwortung. Die Medien wurden in der Vergangenheit oft als die Vierte Gewalt bezeichnet. Darin drückt sich Respekt aus, unterstreicht aber auch, dass die Medien die Rolle von Parlament, Regierung und Justiz in einem demokratischen Rechtsstaat ebenfalls respektieren müssen. Dies gilt angesichts des zunehmenden Einflusses digitaler Medien künftig mehr denn je. Der Hans Bausch Mediapreis kann im Hinblick auf die damit verbundenen Fragestellungen auch in diesem Jahr wieder ein wichtiges Forum der Reflexion darstellen.“</p><p><strong>Ausschreibung und Einreichung</strong><br> Ab sofort können wissenschaftlich fundierte Publikationen, auch Qualifikationsarbeiten, für den Hans Bausch Mediapreis 2022 eingereicht werden. Es sollten bereits veröffentlichte Originalbeiträge aus dem Jahr 2021 sein. Alle relevanten Informationen zur Ausschreibung finden sich auch online unter SWR.de/hansbauschmediapreis. Alle Einreichungen müssen bis zum 31.12.2021 vorliegen.</p><p><strong>Fachjury aus Medienpraxis und -forschung</strong><br> Über die Vergabe des Hans Bausch Mediapreises des SWR entscheidet eine Jury, die das Wissen von Expertinnen und Experten aus dem praktischen Medienalltag und der universitären Erforschung von Medien und Gesellschaft vereint. Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg</li><li>Thomas Dauser, SWR Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung</li><li>Professor Sascha Dickel, Arbeitsbereich Mediensoziologie und Gesellschaftstheorie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</li></ul><p><strong>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR</strong><br> Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Dies wird insbesondere durch die Verleihung des gleichnamigen Mediapreises in Höhe von 5.000 Euro verwirklicht, der einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen wird. Der Preis kann unter mehreren Personen oder Organisationen aufgeteilt werden. Im Einzelfall können zusätzlich Fördergaben vergeben werden. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die</p><ul><li>für die Entwicklung auf dem Feld der Digitalen Ethik oder auf dem Feld der Medienethik, der Medienkompetenz im Rahmen gesellschaftlicher Verantwortung oder zum Thema Medien und gesellschaftlicher Wandel von hervorragender Bedeutung erscheinen,</li><li>im Bereich der Medienpublizistik, der Digitalisierung der Medien, der Medienforschung oder Medienpädagogik in herausragender Weise zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit Medien in einer breiten Öffentlichkeit beitragen,</li><li>oder in einem den genannten vergleichbaren Themenfeld eine herausragende Bedeutung für die gesellschaftliche Fortentwicklung haben.</li></ul><p>2020 wurde Simon Strick für sein Buch „Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus“ mit dem Hans Bausch Mediapreis des SWR ausgezeichnet. Strick untersuchte in seinem Buch, mit welchen Strategien rechtes Gedankengut auf der Gefühlsebene verankert wird und welche Rolle digitale Medien dabei spielen.</p><p>Die Jahre zuvor wurde der Preis ausgesetzt und die Satzung der Stiftung in Abstimmung mit der Stiftungsbehörde aktualisiert. 2009 ging der Preis an den Medienjournalisten Stefan Niggemeier. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Harald Schmidt, der Kinderbuchautor Janosch, die Schriftstellerin Elke Heidenreich und die Medienwissenschaftlerin Hertha Sturm.</p><p>Weitere Informationen unter <a href="http://swr.li/hans-bausch-mediapreis-ausschreibung" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://swr.li/hans-bausch-mediapreis-ausschreibung</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70053</guid><pubDate>Mon, 25 Oct 2021 09:29:45 +0200</pubDate><title>Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen wird weiter gestärkt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/empirische-bildungsforschung-an-der-universitaet-tuebingen-wird-weiter-gestaerkt/</link><description>Hector Stiftung sagt Förderung von 19 Millionen Euro zu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Hector Stiftung baut die finanzielle Förderung der Empirischen Bildungsforschung an der Universität Tübingen deutlich aus: Die Stiftung der Eheleute Dr. h.c. Hans-Werner Hector und Josephine Hector sagt im Rahmen ihres Engagements für das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung 19 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre zu. Mit der weiteren Unterstützung soll die internationale Sichtbarkeit des Instituts nachhaltig gestärkt und seine Position als eine der führenden deutschen Einrichtungen der Bildungsforschung gesichert werden. „Bildung ist die wichtigste Ressource, die wir der nächsten Generation mit auf den Weg geben können. Die großzügige Zuwendung ermöglicht eine neue Generation von wissenschaftlichen Studien, die dabei helfen, Bildungsprozesse zu verstehen und zu verbessern“, sagte Professor Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts.</p><p>Bereits die Gründung des Hector-Instituts 2014 war nur dank finanzieller Unterstützung des Ehepaares Hector möglich geworden. Die Hector Stiftung hatte seinerzeit eine finanzielle Förderung in Höhe von 7,5 Millionen Euro über zehn Jahre zugesagt. „Die hervorragende Entwicklung der Universität Tübingen als eine erste Adresse in der Bildungsforschung ist nicht zuletzt auch der kontinuierlichen Entwicklung des Hector-Instituts zu verdanken“, sagte Rektor Professor Bernd Engler: „Das Institut hat erst kürzlich eine Begutachtung durch eine international besetzte Gutachterkommission mit Bravour bestanden und mit Professor Kou Murayama eine prestigeträchtige Humboldt-Professur eingeworben. Ich freue mich auf die weitere Entwicklung“. &nbsp;</p><p>Das Hector-Institut an der Universität Tübingen konnte seit seiner Gründung ein enormes Wachstum verzeichnen. Wissenschaftliche Erfolge wie Publikationen in Fachzeitschriften weltweit haben zur internationalen Sichtbarkeit beigetragen. Heute arbeiten rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Aussagen über die Qualität von Bildungsangeboten und Bildungsprozessen zu erforschen und empirisch abzusichern. Das Institut bietet einen Bachelor- und einen Masterstudiengang „Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie“ sowie den Weiterbildungsstudiengang „Schulmanagement und Leadership“ an.&nbsp;</p><p>Das Wachstum hat aber auch dazu geführt, dass das Institut mittlerweile auf mehrere Standorte in Tübingen verteilt ist. „Bis zum Jahr 2024 soll das Hector-Institut einen neuen repräsentativen Standort erhalten“, sagt Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. Der Umbau des Gebäudes der Alten Physiologie ist bereits in vollem Gange. Die Universität stellt außerdem weiterhin die Grundfinanzierung in vollem Umfang und die zur Verwaltung des Instituts nötige Infrastruktur zur Verfügung.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69978</guid><pubDate>Fri, 22 Oct 2021 09:52:13 +0200</pubDate><title>Zurab Bero kommt als Invited Artist nach Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zurab-bero-kommt-als-invited-artist-nach-tuebingen/</link><description>Der georgische Künstler lehrt im Wintersemester für sechs Wochen an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Künstler Zurab Bero kommt im Rahmen des „Invited Artist“-Programms an die Universität Tübingen. Vom 15. Oktober bis zum 30. November wird er in Tübingen lehren und arbeiten. Zur offiziellen Begrüßung und Vorstellung des Künstlers im Museum der Universität MUT auf Schloss Hohentübingen sind Medienvertreterinnen und -vertreter herzlich eingeladen:</p><p class="align-center"><strong>Am Mittwoch, 27. Oktober 2021, um 19:00 Uhr&nbsp;<br> im Rittersaal des MUT auf Schloss Hohentübingen</strong></p><p>Zur Begrüßung sprechen Rektor Prof. Dr. Bernd Engler, Dr. Ursula Schwitalla und Zurab Bero. Um Anmeldung wird gebeten: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ugmtgvctkcvBowugwo0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sekretariat<span style="display:none">spam prevention</span>@museum.uni-tuebingen.de</a>. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist nur mit 3G-Nachweis und medizinischem Mund- und Nasenschutz möglich.</p><p>Zurab Bero, 1982 in Georgien geboren, lebt und arbeitet in Berlin und Tiflis, Georgien. Er studierte Bildende Kunst, Bildhauerei und Deutsche Literatur in Berlin und Tiflis. 2010 gewann er den Diffring Preis für Skulptur der Jacqueline Diffring Foundation. Er war Gastprofessor an der Visual Arts, Architecture &amp; Design School der Freien Universität in Tiflis.</p><p>In Tübingen bietet er unter dem Titel „Feel the touch“ ein Seminar für Studierende aller Fakultäten an. Diese sollen Abformtechniken erlernen, mit deren Hilfe Oberflächen erfasst und dreidimensionale Objekte hergestellt werden können. So werden beispielsweise Körperteile, selbst modellierte oder gefundene Gegenstände abgeformt und anschließend in Gips oder Wachs gegossen.&nbsp;</p><p>Das Tasten zählt zu den wichtigsten Sinneserfahrungen des Menschen. Durch die Corona-Pandemie wurde diese Form sinnlicher Erfahrung stark reduziert, die Berührung von Oberflächen oder anderen Menschen vermieden. Das Seminar will die Beschaffenheit von Oberflächen bewusst erfahrbar machen und zu einem haptischen Dialog anregen. Mit Unterstützung des Künstlers haben Studierende die Möglichkeit, eigene kleine Projekte durchzuführen.&nbsp;</p><p>Mit dem Konzept „Invited Artist“ lädt die Universität Tübingen international renommierte und innovative Künstlerinnen und Künstler nach Tübingen ein, die Studierenden einen Zugang zur zeitgenössischen Kunst unterschiedlicher Richtungen ermöglichen. Nach dem iranischen Fotokünstler Mohammad Ghazali und der amerikanischen Konzeptkünstlerin Morgan O’Hara ist der Georgier Zurab Bero der dritte Künstler, der als Invited Artist nach Tübingen kommt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69921</guid><pubDate>Thu, 21 Oct 2021 10:18:26 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen eröffnet “Center for Religion, Culture and Society”</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-eroeffnet-center-for-religion-culture-and-society/</link><description>Zentrum erforscht fachübergreifend die Rolle von Religion in unterschiedlichen Kontexten – Festakt mit der US-Historikerin Dagmar Herzog</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen eröffnet ein „Center for Religion, Culture and Society (CRCS)“: Das neue Zentrum wird fachübergreifend die Rolle von Religion im sozialen, kulturellen und öffentlichen Leben und in historischen Zusammenhängen erforschen. Zum feierlichen <strong>Auftakt am Donnerstag, 28. Oktober 2021, um 18:15 Uhr im Festsaal der Universität</strong> ist die deutsch-amerikanische Historikerin Professorin Dagmar Herzog (City University of New York) als Festrednerin eingeladen. Sie spricht zum Thema „Behindertenrechte und reproduktive Rechte – Deutschland im Sommer 1989“. Weitere Rednerinnen sind Professorin Marion Müller (Soziologie) und Professorin Regina Ammicht Quinn (Ethik) von der Universität Tübingen.</p><p>Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, den Festakt über den Live-Stream zu verfolgen: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=juVcIc3-SYk" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=juVcIc3-SYk</a>. Die Zahl der Gäste im Festsaal der Neuen Aula ist begrenzt. Anmeldungen richten Sie bitte per Mail an: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,eteuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">crcs<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>.&nbsp;</p><p>Das CRCS nimmt religiöse, kulturelle, säkulare und gesellschaftliche Verflechtungen in den Blick. Als Plattform vernetzt es Forschende verschiedener Fachrichtungen und ermöglicht einen interdisziplinären Austausch zum Thema, innerhalb der Universität wie auch international. Geplant sind unter anderem Gastvorträge und monatliche Kolloquien. Die Universität kann eine Vielzahl religionsbezogener Disziplinen aufweisen: Zwei christlich-theologische Fakultäten (evangelisch, katholisch), das Zentrum für Islamische Theologie, eine traditionsreiche Judaistik, eine nicht-theologische Religionswissenschaft sowie Orient- und Islamwissenschaft, darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter aus den Literatur-, Kultur- sowie Geschichts- und Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit Fragestellungen, in denen religiöse Identitäten und Institutionen eine große Rolle spielen.</p><p>Dagmar Herzog ist als Distinguished Professor of History und als “Daniel Rose Faculty Scholar” am Graduate Center der City University in New York tätig. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind unter anderem die Geschichte des Holocaust und seine Folgen, sowie Religions- und Sexualitätsgeschichte. Derzeit erforscht sie den Umgang mit Behinderung in Theologie und Politik in Deutschland in der Zeit von 1900 bis 2020.</p><p>In ihrem Festvortrag spricht sie darüber, wie reproduktive Rechte und Behindertenrechte, beides Nachzügler im Menschenrechtskanon der Nachkriegszeit, als konkurrierend angesehen wurden ‒ und deckt unerwartete Folgen auf. Herzog konzentriert sich dabei auf die Kontroversen, die im Sommer 1989 über den utilitaristischen Philosophen Peter Singer in Deutschland ausbrachen und stellt diese als Überschneidung mit einer lange verzögerten historiografischen Neubetrachtung des nationalsozialistischen Mordprojekts an Behinderten dar.</p><p>Alle Informationen auch unter <a href="https://uni-tuebingen.de/crcs" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/crcs</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69630</guid><pubDate>Thu, 14 Oct 2021 16:10:10 +0200</pubDate><title>Neue Langhäuser der frühesten Bauern aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. bei Tübingen-Unterjesingen entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-langhaeuser-der-fruehesten-bauern-aus-dem-6-jahrtausend-v-chr-bei-tuebingen-unterjesingen-entdeckt/</link><description>Erfolgreiche Fortsetzung des gemeinsamen Forschungsprojekts des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und der Universität Tübingen zur frühen Jungsteinzeit im Ammertal (Landkreis Tübingen)</description><content:encoded><![CDATA[<p>Nordwestlich von Tübingen-Unterjesingen liegt in der Flur Ammenbühlen, westlich des Enzbachs, eine prähistorische Siedlung. Obwohl die Fundstelle bereits 1926 entdeckt wurde, war mit Ausnahme weniger Lesefunde kaum etwas über das Areal bekannt. Im Zuge aktueller Geländeforschungen konnten nun wichtige Erkenntnisse zur Siedlungsstruktur und Befundsituation gewonnen werden. Die Untersuchungen fanden im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart und der Universität Tübingen statt. Geleitet wurde das Projekt zur Besiedlungsgeschichte des Ammertals während der frühen Jungsteinzeit von Prof. Dr. Raiko Krauß, Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen, und Jörg Bofinger, Leiter des Referats Operative Archäologie am LAD.</p><p>„Ziel des Forschungsprojektes ist es, die zeitliche Abfolge der verschiedenen frühneolithischen Siedlungen genauer zu erfassen und mit Hilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen Umweltbedingungen und Lebensweise und damit den Landschaftswandel durch den Beginn der Landwirtschaft im 6. Jahrtausend zu untersuchen “, erläutert Prof. Raiko Krauß.</p><p>Zunächst konnte im Frühjahr 2021 das Siedlungsareal auf einer Fläche von rund sechs Hektar mittels geophysikalischer Messungen durch die Fachfirma Terrana aus Mössingen aufgenommen und erste Hinweise jungsteinzeitlicher Besiedlungsstrukturen kartiert werden. Die Magnetfeldmessungen zeigten, dass die Reste mehrerer der charakteristischen Langhäuser (die Dimensionen von über 30 Metern Länge erreichen können) noch im Boden erhalten sind und einen Siedlungsplatz der sogenannten Linienbandkeramischen Kultur, der frühesten bäuerlichen Bevölkerungsgruppe in Südwestdeutschland im 6. Jahrtausend v. Chr., belegen. Auf dieser Basis gelang es während einer vierwöchigen Grabungskampagne im Frühherbst 2021 unter der örtlichen Leitung von Veronika Stein (Universität Tübingen), Ausschnitte von einem der jungsteinzeitlichen Hausgrundrisse archäologisch zu untersuchen und zu dokumentieren. „Verfärbungen im Boden lassen die Standspuren der ehemaligen Pfosten der Hauskonstruktion erkennen, ebenso wie Gräbchenstrukturen, die als letzte Hinweise auf Wände des Hauses zu deuten sind,“ erläutert Dr. Jörg Bofinger.</p><p>Südlich von Entringen sowie nordöstlich von Pfäffingen konnten bereits Hausgrundrisse nachgewiesen werden, die auf linienbandkeramische Dörfer hinweisen. Dank der aktuellen Feldforschungen gelang es nun zweifelsfrei, ein weiteres Dorf mit mehreren Langhäusern beziehungsweise Gehöften der ersten Bauern rund 500 Meter nördlich des heutigen Ammerverlaufs zu lokalisieren. Weitere Untersuchungen wie beispielsweise 14C-Datierungen (Radiokarbonmethode zur Bestimmung des Alters von Funden) oder archäobotanische Analysen werden dazu beitragen, Fragen der absoluten Chronologie und Wirtschaftsweise besser beurteilen zu können.</p><p class="align-right">Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69519</guid><pubDate>Wed, 13 Oct 2021 17:00:00 +0200</pubDate><title>Neuer Ansatz gegen Nebenwirkungen von Antibiotika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-ansatz-gegen-nebenwirkungen-von-antibiotika/</link><description>Forschende aus Tübingen und Heidelberg analysieren Kollateralschäden, die Antibiotika im Darm verursachen – Gegenmittel könnten nützliche Bakterien besser schützen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Antibiotika helfen bei der Behandlung bakterieller Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Sie können aber auch die hilfreichen Mikroben in unserem Darm schädigen, eine der ersten Verteidigungslinien unseres Körpers gegen Krankheitserreger schwächen und die positiven Auswirkungen körpereigener Mikrobiota auf unsere Gesundheit beeinträchtigen. Häufige Nebenwirkungen dieser „Kollateralschäden“ von Antibiotika sind Magen-Darm-Beschwerden und wiederkehrende <em>Clostridioides-difficile</em>-Infektionen, aber auch die Entwicklung von allergischen, metabolischen, immunologischen oder entzündlichen Krankheiten.&nbsp;</p><p>Ein internationales Forschungsteam hat systematisch die Auswirkungen von 144 Antibiotika auf unsere häufigsten Darmbakterien untersucht. Die Arbeitsgruppen um Lisa Maier aus dem Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI) der Universität Tübingen und um Nassos Typas am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg, schlagen Strategien vor, um die negativen Auswirkungen auf das Darmmikrobiom abzuschwächen. Mit der in der Fachzeitschrift <em>Nature </em>veröffentlichte Studie lassen sich die Auswirkungen von Antibiotika auf Darmbakterien erheblich besser verstehen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69459</guid><pubDate>Tue, 12 Oct 2021 12:24:54 +0200</pubDate><title>KIBOR feiert 20-jähriges Jubiläum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kibor-feiert-20-jaehriges-jubilaeum-1/</link><description>Kultusministerin Theresa Schopper und Bischof Gebhard Fürst zu Gast im Institut für Berufsorientierte Religionspädagogik – Gründungsdirektor Albert Biesinger hält Festrede</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Katholische Institut für Berufsorientierte Religionspädagogik (KIBOR) an der Universität Tübingen feiert 20-jähriges Bestehen. 2001 gegründet, erforscht das Team unter Leitung von Prof. Dr. Reinhold Boschki und Prof. (apl.) Dr. Mathias Gronover den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen. Auf dieser Basis werden wissenschaftlich fundierte und innovative Praxismaterialien für den Religionsunterricht erarbeitet. Das KIBOR wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Land Baden-Württemberg sowie der Diözese Rottenburg-Stuttgart finanziert und von der Stiftung „Religion und Berufsbildung“ gefördert.</p><p>Die Jubiläumsfeier findet statt am Donnerstag, 14. Oktober 2021, von 16 bis 21 Uhr im Audimax der Neuen Aula (Geschwister Scholl Platz).</p><p>Zu Gast werden sein die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper, Bischof Dr. Gebhard Fürst, der Vorsitzende des Sekretariats für Bildung der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Andreas Verhülsdonk und zentrale Kooperationspartnerinnen und -partner des Instituts. Die Festrede hält Prof. Dr. Albert Biesinger, Mitinitiator und erster Leiter des KIBOR, zum Thema „Gott, Leben, Beruf: 20 Jahre Institutsarbeit als Beziehungsleben“.</p><p>Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, die Veranstaltung im livestream zu verfolgen: <a href="https://youtu.be/lb9KQps4Zcw" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/lb9KQps4Zcw</a>. Wegen der erforderlichen Hygienemaßnahmen können im Audimax leider nur geladene Gäste zugelassen werden.&nbsp;Programmablauf und weitere Informationen auf der&nbsp;<a href="http://www.kibor.uni-tuebingen.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Homepage des KIBOR</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69360</guid><pubDate>Mon, 11 Oct 2021 11:00:00 +0200</pubDate><title>Älteste Fußspuren von Vormenschen auf Kreta datiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aelteste-fussspuren-von-vormenschen-auf-kreta-datiert/</link><description>Sechs Millionen Jahre alte versteinerte Fußspuren auf der Insel ähneln in ihrer Anatomie bereits dem menschlichen Lauffuß</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die ältesten bekannten Fußspuren von Vormenschen stammen von der Mittelmeerinsel Kreta und sind mindestens sechs Millionen Jahre alt. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Forschern aus Deutschland, Schweden, Griechenland, Ägypten und England, unter Leitung der Tübinger Wissenschaftler Uwe Kirscher und Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen. Die Studie wurde im Fachmagazin<em> Scientific Reports </em>publiziert.</p><p>Die Fußspuren aus versteinerten Strandsedimenten wurden 2017 bei Trachilos bekannt. Mit geophysikalischen und mikropaläontologischen Methoden konnten sie nun auf 6,05 Millionen Jahren vor heute datiert werden und sind somit der älteste direkte Hinweis auf einen menschenähnlichen Lauffuß. „Die Spuren sind damit nahezu 2,5 Millionen Jahre älter als die <em>Australopithecus afarensis</em> (Lucy) zugeschriebenen Laufspuren aus Laetoli in Tansania“, berichtet Uwe Kirscher. Die Abdrücke kommen damit auf dasselbe Alter wie die Fossilien des bereits bekannten aufrecht gehenden <em>Orrorin tugenensis</em> aus Kenia. Von diesem Zweibeiner sind unter anderem Oberschenkelknochen erhalten, jedoch keinerlei Fußknochen oder -spuren.&nbsp;</p><p>Die Datierung der kretischen Fußspuren wirft deshalb ein neues Licht auf die frühe Evolution des menschlichen Laufens vor über sechs Millionen Jahren. „Der älteste menschliche Lauffuß besaß einen Fußballen, mit einer anliegenden und robusten Großzehe, sowie sich kontinuierlich verkürzenden Seitenzehen“, erläutert Per Ahlberg, Professor an der Universität Uppsala und Koautor der Studie. „Er hatte eine kürzere Fußsohle als <em>Australopithecus</em>. Ein Fußgewölbe war noch nicht ausgeprägt und die Ferse war schmaler.“</p><p>Die heutige Insel Kreta war vor sechs Millionen Jahren noch mit dem griechischen Festland über die Peloponnes verbunden. Nach Ansicht von Professor Madelaine Böhme „ist nicht ausgeschlossen, dass der Erzeuger der Spuren im Zusammenhang steht mit dem möglichen Vormenschen <em>Graecopithecus freybergi</em>“. Fossilien des <em>Graecopithicus </em>aus 7,2 Millionen Jahre alten Ablagerungen im nur 250 Kilometer entfernten Athen hatte Böhmes Team vor wenigen Jahren als eine vorher unbekannte Vormenschen-Art im heutigen Europa identifiziert.&nbsp;</p><p>Weitere Ergebnisse der Studie bestätigen zudem jüngste Forschungen und Thesen des Teams Böhme, nach denen vor sechs Millionen Jahren das europäische und vorderasiatische Festland durch eine kurzfristige Sahara-Ausbreitung vom feuchten Ostafrika getrennt waren. So lässt die geochemische Analyse der sechs Millionen Jahre alten Strandablagerungen Kretas darauf schließen, dass Wüstenstaub aus Nordafrika mit dem Wind dorthin transportiert wurde. Das Team kam bei der Datierung von Mineralkörnern in Staubkorngröße auf ein Alter zwischen 500 und 900 Millionen Jahren vor heute. Diese Zeiträume seien typisch für nordafrikanischen Wüstenstaub, so die Autoren.&nbsp;</p><p>Neueste Forschungen der Paläoanthropologie legten zudem nahe, dass der afrikanische Menschenaffe <em>Sahelanthropus </em>als Zweibeiner ausgeschlossen werden könne und der aus Kenia stammende, 6,1 bis 5,8 Millionen Jahre alte <em>Orrorin tugenensis</em> der älteste Vormensch Afrikas sei, so Böhme. Kurzzeitige Wüstenbildungen und die geographische Verbreitung früher Menschenvorläufer könnten daher in einem engeren Zusammenhang stehen als bisher vermutet wird: Einerseits könnte eine Wüstenbildungsphase vor 6,25 Millionen Jahren in Mesopotamien eine Migration europäischer Säugetiere und möglicherweise Menschenaffen nach Afrika initiiert haben. Andererseits könnte die zweitweise Abriegelung der Kontinente durch die Sahara vor 6 Millionen Jahren eine getrennte Entwicklung des afrikanischen Vormenschen <em>Orrorin tugenensis</em> und eines europäischen Vormenschen ermöglicht haben. Nach diesem von Böhme „Wüstenschaukel“ genannten Prinzip, steuerten aufeinanderfolgende kurzfristige Wüstenbildungen in Mesopotamien und der Sahara eine Migration von Säugetieren von Eurasien nach Afrika.</p><h3>Publikation:</h3><p>Uwe Kirscher, Haytham El Atfy, Andreas Gärtner, Edoardo Dallanave, Philipp Munz, Grzegorz Niedźwiedzki, Athanassios Athanassiou, Charalampos Fassoulas, Ulf Linnemann, Mandy Hofmann, Matthew Bennett, Per Erik Ahlberg, Madelaine Böhme. Age constraints for the Trachilos footprints from Crete. <em>Scientific Reports</em>, DOI:&nbsp;<a href="http://doi.org/10.1038/s41598-021-98618-0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://doi.org/10.1038/s41598-021-98618-0</a>; <a href="http://www.nature.com/articles/s41598-021-98618-0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.nature.com/articles/s41598-021-98618-0</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69351</guid><pubDate>Fri, 08 Oct 2021 09:19:59 +0200</pubDate><title>Bernhard Schlink hält 15. Weltethos-Rede</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bernhard-schlink-haelt-15-weltethos-rede/</link><description>Der Jurist und Schriftsteller spricht am 15. Oktober an der Universität Tübingen – Teilnahme per Livestream möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Stiftung Weltethos und die Universität Tübingen laden in diesem Jahr wieder zur Weltethos-Rede ein: Der Jurist und Schriftsteller Professor Dr. Bernhard Schlink spricht am Freitag, 15. Oktober 2021, ab 18.00 Uhr im Festsaal der Universität. Anschließend findet ein Gespräch unter Moderation der Journalistin Aline Abboud statt. &nbsp;</p><p>Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, die 15. Weltethos-Rede über den <strong>Livestream im Internet</strong> zu verfolgen: <strong><a href="https://youtu.be/wz5wyLA9qKs" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/wz5wyLA9qKs</a>&nbsp;&nbsp;</strong><br> Aufgrund der Hygienevorgaben ist die <strong>Zahl der Teilnehmer im Festsaal begrenzt, Anmeldungen sind möglich unter <a href="https://www.eventbrite.de/e/15-weltethos-rede-tickets-186514067597" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.eventbrite.de/e/15-weltethos-rede-tickets-186514067597</a></strong>. Die Teilnahme ist kostenlos, der Eintritt ist nur mit 3G-Nachweis und Ausweis möglich. Während der gesamten Veranstaltung muss ein medizinischer Nasen- und Mundschutz getragen werden.&nbsp;</p><p>Bernhard Schlink ist emeritierter Professor; er lehrte öffentliches Recht an der Humboldt-Universität zu Berlin und „Comparative Constitutionalism“ und „Jurisprudence“ an der Benjamin N. Cardozo School of Law in New York. Er war Richter am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen und ist außerdem Schriftsteller.</p><p>Die Weltethos-Reden werden seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Stiftung Weltethos und der Universität Tübingen organisiert. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln Stellung zur Weltethos-Thematik. Die Frage nach einem „Weltethos“ geht zurück auf die Programmschrift „Projekt Weltethos“ (1990) von Professor Hans Küng. Er zeigte auf, dass zwischen den großen Religionen und humanistischen Traditionen ein Grundkonsens an verbindenden Werten, Maßstäben und Grundhaltungen besteht. Diesen gilt es bewusst zu machen und zu nutzen, als Grundlage für Dialog und Verständigung der Kulturen und für ein gelingendes Miteinander in unseren Gesellschaften.</p><p>Zu den Weltethos-Rednern gehörten unter anderem Kofi Anan (2003), Shirin Ebadi (2005),&nbsp;Helmut Schmidt (2007) und weitere.</p><p>Aufgezeichnete Reden sind zu finden unter folgenden Links:&nbsp;<br><a href="https://www.weltethos.org/politik-weltethos-reden/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.weltethos.org/politik-weltethos-reden/</a>&nbsp;<br><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede.html" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69276</guid><pubDate>Wed, 06 Oct 2021 17:00:00 +0200</pubDate><title>Erster umfassender Atlas der Neuronentypen im Gehirn veröffentlicht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erster-umfassender-atlas-der-neuronentypen-im-gehirn-veroeffentlicht/</link><description>Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit untersuchen die Eigenschaften verschiedener Neuronentypen im motorischen Kortex der Gehirne von Mäusen, Affen und Menschen. Dabei nutzen sie neue experimentelle Techniken und Methoden der Datenanalyse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schon seit mehr als 100 Jahren erforschen Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die Eigenschaften der Neuronen im Gehirn. Eine der zentralen Fragen dabei ist, inwiefern sich die verschiedenen Nervenzelltypentypen voneinander unterscheiden und welchen Einfluss das auf die Hirnaktivität hat. Dem BRAIN Initiative Cell Census Network (BICCN), einer internationalen Forschungskollaboration, an der auch Forscher der Universität Tübingen beteiligt sind, ist jetzt ein Durchbruch gelungen: Sie haben einen Zellatlas erstellt, der einen einzigartigen Überblick über die verschiedenen Neuronentypen und ihre jeweiligen Eigenschaften im motorischen Kortex liefert, der Hirnregion, die unsere Bewegungsabläufe steuert ‒ und zwar im Gehirn von Mäusen, Affen und Menschen. Der Atlas wurde am Mittwoch in einer Sonderausgabe von <em>Nature </em>veröffentlicht. Die Ausgabe enthält 17 Arbeiten dazu, darunter einen Überblicksartikel, der den gesamten Atlas beschreibt.</p><p>Das Forschungsnetzwerk BICCN hatte sich zum Ziel gesetzt, die Neuronentypen im motorischen Kortex so umfassend wie möglich zu beschreiben. Dabei sollte ein Katalog auf Grundlage eines „Zellzensus“ entstehen. Dieser sollte, ähnlich wie ein Bevölkerungszensus, die verschiedenen Neuronentypen definieren, und zwar inklusive ihrer spezifischen Merkmale und ihrer Verteilung im Gehirn. Mithilfe neuer experimenteller Techniken und Datenanalyseverfahren ist es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jetzt gelungen, genetische Informationen über mehr als eine Million Zellen zu sammeln. Sie erfassten für einen Teil der Zellen ihre räumliche Lage, Form und elektrischen Eigenschaften und ermittelten ihre Verbindungen zu weiteren Neuronen in anderen Gehirnbereichen. Da die Forschenden die Zellen von Mäusen, Weißbüschellaffen und Menschen analysierten, konnten sie sogar die evolutionäre Entwicklung der verschiedenen Nervenzelltypen nachzeichnen. Das Ergebnis ist ein Zellatlas, der einen bislang nicht gekannten Überblick über den motorischen Kortex und dessen Entwicklung im Laufe der Evolution bietet.</p><p>Wissenschaftler der Universität Tübingen haben zu dieser Gemeinschaftsleistung eine Studie beigesteuert, in der sie die verschiedenen Zelltypen im motorischen Kortex der Maus auf Grund mehrerer Datentypen charakterisieren. Die Arbeit unter der Leitung von Philipp Berens, Professor am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen und Sprecher des Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen“, Prof. Andreas Tolias vom Baylor College of Medicine in Houston, Texas (USA), und Prof. Rickard Sandberg vom Karolinska Institutet in Stockholm (Schweden) liefert eine der bisher vollständigsten Beschreibungen der Vielfalt verschiedener Neuronentypen im Maushirn. Sie ist Teil der Sonderausgabe von Nature und wurde zuvor bereits online publiziert.</p><p>Neurowissenschaftler beschreiben Neuronen in der Regel anhand drei grundlegender Merkmale: ihre Anatomie oder wie sie unter dem Mikroskop aussehen, ihre Physiologie oder wie sie auf Reize reagieren, und ihr Transkriptom, das heißt die genetische Information, die in der Zelle tatsächlich abgelesen wird. Das Team verwendete eine neue, anspruchsvolle experimentelle Technik, genannt „Patch-seq“, um eine große Datenbank mit anatomischen, physiologischen und genetischen Informationen von Zellen im motorischen Kortex der Maus zusammenzustellen.</p><p>Dass die Forschenden die drei grundlegenden Eigenschaften bei über 1000 Zellen gleichzeitig messen konnten, ermöglichte ihnen ein tiefes Verständnis dafür, wie die Neuronen im motorischen Kortex miteinander in Beziehung stehen. Mit Verfahren aus dem maschinellen Lernen führten sie die anatomischen, physiologischen und genetischen Informationen zusammen und entdeckten so Beziehungen zwischen den Neuronen, die zuvor nicht bekannt waren. „Die großen genetischen Neuronenfamilien haben unterschiedliche anatomische und physiologische Eigenschaften. Aber innerhalb jeder Familie zeigen die Neuronen eine sich graduell verändernde anatomische und physiologische Vielfalt“, erklärt Dr. Dmitry Kobak von der Universität Tübingen, der zusammen mit Federico Scala vom Baylor College of Medicine der Hauptautor der Studie ist.</p><p>In Analogie zum „Baum des Lebens“, der die Beziehungen zwischen den verschiedenen Spezies beschreibt, kamen die Forschenden zu folgendem Schluss: Die Neuronen unterliegen einer Ordnung, die auf Ebene der Familien aus verschiedenen, sich nicht überschneidenden Zweigen besteht. &nbsp;Innerhalb jeder Familie weisen sie jedoch mit Blick auf ihre genetischen, anatomischen und physiologischen Eigenschaften fortlaufende Veränderungen auf, so dass der „Baum der Zelltypen“ eher einem Bananenbaum als einem Olivenbaum ähnelt. Damit schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein völlig neues Modell vor, um die Vielfalt der Neuronen im Gehirn und ihre Beziehungen zueinander zu beschreiben.</p><p>„Die Daten aus dem neuen Zellatlas unserer Forschungskooperation werden für die Neurowissenschaft eine unschätzbar wertvolle Ressource sein“, sagt Philipp Berens. „Indem wir unser Wissen aus dem maschinellen Lernen einbringen, stellen wir die Verbindung von der Genetik zur Physiologie und zur Anatomie der Neuronen her. Das kann entscheidend sein, wenn es darum geht, Krankheiten, die das Gehirn betreffen, auf Ebene der Zellen zu verstehen.“</p><h3>Publikationen:</h3><p>Scala, F., Kobak, D., Bernabucci, M. et al.: Phenotypic variation of transcriptomic cell types in mouse motor cortex. <em>Nature </em>(2020), <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-020-2907-3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41586-020-2907-3</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3>Überblicksartikel:</h3><p>BRAIN Initiative Cell Census Network (BICCN): A multimodal cell census and atlas of the mammalian primary motor cortex. <em>Nature </em>(2021),&nbsp;DOI: 10.1038/s41586-021-03950-0,&nbsp;<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-03950-0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-021-03950-0</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69240</guid><pubDate>Wed, 06 Oct 2021 09:51:56 +0200</pubDate><title>Neue Mitglieder im Universitätsrat </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-mitglieder-im-universitaetsrat-1/</link><description>Irmgard Männlein-Robert und Heike Oberlin folgen Stefanie Gropper und Sandra Kauenhowen nach</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Universitätsrat hat am Dienstag erstmals in neuer Zusammensetzung getagt. So traten Professorin Irmgard Männlein-Robert und Professorin Heike Oberlin eine dreijährige Amtszeit an. Sie folgen Professorin Stefanie Gropper und Sandra Kauenhowen nach, die zum 30. September turnusgemäß aus dem Universitätsrat ausgeschieden sind. Die neuen Mitglieder waren auf Vorschlag einer Findungskommission vom Senat der Universität Tübingen einstimmig gewählt worden.&nbsp;</p><p>Als beratender Vertreter des Wissenschaftsministeriums ist künftig Dr. Justus Lentsch tätig, in Nachfolge von Dr. Uwe Kernbach. Zudem bestätigte das Gremium Bernhard Sibold als Vorsitzenden und Professor Oliver Kohlbacher als stellvertretenden Vorsitzenden im Amt. Sie haben den Vorsitz für eine weitere Amtszeit bis zum 30. September 2024 inne.&nbsp;</p><p>Irmgard Männlein-Robert ist seit 2006 Professorin für Klassische Philologie und Gräzistik an der Universität Tübingen und wirkt in den Sonderforschungsbereichen „Bedrohte Ordnungen“, „RessourcenKulturen“ sowie „Andere Ästhetik“ mit. Sie ist unter anderem Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes, Mitglied des DFG-Fachkollegiums „Alte Kulturen“, Vice-President der internationalen Plato Society und seit 2016 ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.</p><p>Heike Oberlin ist seit 2016 außerplanmäßige Professorin für Indologie an der Universität Tübingen, Geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Indologie und war Initiatorin für die Einrichtung der Gastdozentur „Gundert Chair für Malalayam“ an der Universität. Sie ist unter anderem Stellvertretende Sprecherin des DFG-Fachkollegiats 106 „Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft“ und Sprecherin der „Landesvertretung Akademischer Mittelbau an den Universitäten in Baden-Württemberg“.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69147</guid><pubDate>Tue, 05 Oct 2021 09:49:18 +0200</pubDate><title>Schützt Nervenzellen vor dem Niedergang: ein ungewöhnliches Molekül als Schutzschild</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schuetzt-nervenzellen-vor-dem-niedergang-ein-ungewoehnliches-molekuel-als-schutzschild/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht einen Wirkstoffkandidaten, der typischen Schädigungen durch die Alzheimer-Krankheit entgegenwirken könnte</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der aus Bodenbakterien isolierte Naturstoff Collinolacton reduziert im Laborversuch künstlich verursachten Stress auf Nervenzellen und schützt sie dadurch vor Schäden, wie sie bei neurodegenerativen Erkrankungen auftreten. Das fand ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Stephanie Grond vom Institut für Organische Chemie der Universität Tübingen in einer Studie heraus, die in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie veröffentlicht wurde. Das Team wies zudem nach, dass das Molekül Collinolacton in seiner chemischen Struktur identisch ist mit dem Stoff Rhizolutin, der aus Bakterien an den Wurzeln der asiatischen Heilpflanze Ginseng isoliert wurde. Ein koreanisches Forschungsteam hatte im vergangenen Jahr entdeckt, dass Rhizolutin im Tierversuch die für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Proteinzusammenlagerungen um Nervenzellen auflösen kann.</p><p>Unter den neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen die Nervenzellen des zentralen Nervensystems nach und nach zerstört werden, spielt die Alzheimer-Demenz mit 50 bis 75 Prozent der Krankheitsfälle eine große Rolle. Typisch für diese bisher unheilbare Erkrankung sind Ablagerungen außerhalb der Nervenzellen im Gehirn, die aus fehlgefalteten Amyloid-Beta-Proteinen und verknäuelten Tau-Proteinen bestehen. Die meisten der mehr als hundert Stoffkandidaten, die seit 2003 klinisch auf die Eigenschaft getestet wurden, die Alzheimer-Plaques aufzulösen, erwiesen sich als unbrauchbar. „In der Forschung müssen wir uns daher neuen chemischen Strukturen zuwenden. Collinolacton ist interessant, da es sich mit seinem ungewöhnlichen Kohlenstoffgerüst aus drei verknüpften Ringen mit seltener 6-10-7-Kombination der Ringe grundlegend von bisher getesteten Stoffen unterscheidet“, sagt Stephanie Grond.</p><h3>Vergleich der chemischen Strukturen</h3><p>Collinolacton wurde bereits vor mehr als 20 Jahren aus dem Bodenbakterium Streptomyces collinus isoliert. Da es keine antimikrobielle Wirkung gegen andere Bakterien oder Pilze aufwies, wurde es für pharmazeutische Zwecke damals nicht näher untersucht. Als das Forschungsteam das erst kürzlich neu beschriebene Rhizolutin mit Collinolacton verglich, stellte sich heraus, dass beiden Stoffstrukturen das gleiche Kohlenstoffgerüst zugrunde liegt. „Wir haben die früher veröffentlichten Daten zu Rhizolutin neu ausgewertet und dessen chemische Struktur korrigiert. Nun ist klar, dass die korrekte Struktur identisch ist mit dem schon bekannten Collinolacton“, erklärt Julian Schmid, Erstautor der Studie und Doktorand in Gronds Arbeitsgruppe. Die Forscherinnen und Forscher der Mikrobiologie analysierten im nächsten Schritt, welche Gencluster in den Streptomyces-Bakterien für die Herstellung des Collinolactons verantwortlich sind, und entwickelten gentechnisch einen Streptomyceten-Stamm, der den Stoff in erheblich gesteigerter Menge produziert und so erst weitergehende Studien ermöglichte.</p><p>Von Collinolacton stellten die Forscherinnen und Forscher der Chemie chemische Abkömmlinge her und veränderten verschiedene Seitengruppen an der Grundstruktur. All diese Stoffe wurden im Labor auf ihren Einfluss auf künstlich in Stress versetzte Nervenzellen getestet. „Nur der unveränderte Naturstoff Collinolacton hatte die schützende Wirkung auf Nervenzellen“, berichtet Grond. Diese sei ganz unabhängig zu sehen von der zuvor belegten Wirkung des Rhizolutins, welches in Labor- und Tierversuchen die bei der Alzheimer-Krankheit typischen Plaques auflösen konnte. Nach Einschätzung des Forschungsteams lassen sich diese Ergebnisse gleichsetzen für Collinolacton. „Beide Eigenschaften zusammen machen Collinolacton interessant als Stoffkandidaten für die Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten“, sagt die Forscherin. Denn die Tierversuche mit Rhizolutin hätten bereits ergeben, dass der Stoff ins Säugerhirn gelangen und dort seine Wirkung bei den Nervenzellen entfalten kann. Weitere Tests müssten nun zeigen, ob sich Collinolacton als Wirkstoff zu einem Medikament weiterentwickeln lasse.</p><h3>Publikation:</h3><p>Julian C. Schmid, Kerstin Frey, Matthias Scheiner, Jaime Felipe Guerrero Garzón, Luise Stafforst, Jan-Niklas Fricke, Michaela Schuppe, Hajo Schiewe, Axel Zeeck, Tilmann Weber, Isabel Usón, Ralf Kemkemer, Michael Decker, and Stephanie Grond: The Structure of Cyclodecatriene Collinolac-tone, its Biosynthesis, and Semisynthetic Analogues: Effects of Monoastral Phenotype and Protec-tion from Intracellular Oxidative Stress. Angewandte Chemie – International Edition, <a href="https://doi.org/10.1002/anie.202106802" target="_blank" class="external-link" title="Link zur Publikation in Angewandte Chemie - International Edition" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/anie.202106802</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68595</guid><pubDate>Fri, 24 Sep 2021 11:41:13 +0200</pubDate><title>Genetische Abstammung und Erbe der Etrusker entschlüsselt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/genetische-abstammung-und-erbe-der-etrusker-entschluesselt/</link><description>Forschungsteam präsentiert umfassende DNA-Analysen zum genetischen Ursprung der Menschen in der eisenzeitlichen Hochkultur Mittelitaliens und ihren Einfluss auf die spätere Bevölkerung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Etrusker, deren Hochphase in der Eisenzeit in Mittelitalien rund 800 Jahre v. Chr. begann, waren eng mit ihren Nachbarn verwandt, den Latinern in der Region Roms. Große Anteile des gemeinsamen genetischen Erbes deuten auf Vorfahren aus der osteuropäischen Steppe hin, die während der Bronzezeit nach Italien und Europa kamen, und die mit der Verbreitung der indogermanischen Sprachen in Europa in Verbindung gebracht werden. Das ergab eine genetische Studie an Überresten von 82 Individuen aus zwölf etruskischen Fundstätten in Mittel- und Süditalien, die im Zeitraum von 800 v. Chr. bis 1000 n. Chr. lebten. Die Ergebnisse stehen in starkem Kontrast zu einer früheren Vermutung, nach der die Etrusker Zuwanderer aus Anatolien oder der Ägäis gewesen sein könnten. Die Forscher liefern eine mögliche Erklärung dafür, warum die Etrusker eine eigene, inzwischen ausgestorbene Sprache beibehielten, die nicht mit den bis heute in Europa vorherrschenden indogermanischen Sprachen verwandt ist.</p><p>Die Studie wurde von einem internationalen Forschungsteam durchgeführt, unter der Leitung von Professor Cosimo Posth vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen, Professor Johannes Krause von den Max-Planck-Instituten für Menschheitsgeschichte und evolutionäre Anthropologie sowie Professor David Caramelli von der Universität Florenz. Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift <span lang="en" dir="ltr"><em>Science Advances</em></span>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68553</guid><pubDate>Thu, 23 Sep 2021 13:24:37 +0200</pubDate><title>So wird CO2 zur wertvollen Ressource</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/so-wird-co2-zur-wertvollen-ressource/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen beteiligt: Internationales Forschungszentrum arbeitet an Technologien, mit denen sich Kohlendioxid in neue Rohstoffe umwandeln lässt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Umweltbiotechnologe Lars Angenent und sein Team sind an einem neuen Forschungszentrum beteiligt, das Technologien zur Abscheidung, Speicherung und Wiederaufbereitung von Kohlendioxid (CO2) entwickeln soll. Das interdisziplinäre Zentrum wird in den kommen Jahren von der dänischen „Novo Nordisk“-Stiftung mit 84,7 Millionen Euro gefördert.</p><p>Angesiedelt an der Universität von Aarhus in Dänemark wird das Zentrum mit Angenents Team in Tübingen und weiteren Forschungseinrichtungen aus den USA, Norwegen, den Niederlanden und Dänemark kooperieren. Partnerschaften mit der Industrie sollen zudem eine schnelle Umsetzung von Grundlagenforschung in die Praxis sicherstellen.</p><p>CO2 in der Atmosphäre ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel. Um den Anstieg der Temperaturen weltweit einzudämmen, muss nicht nur der CO2-Ausstoß verringert werden. Dafür müsste auch Kohlendioxid der Atmosphäre entnommen und in Produkten wiederverwendet werden, die derzeit auf Kohlenstoff basieren, also aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Kohle gewonnen werden.</p><p>Im neuen Zentrum erforschen Teams aus der Chemie, den Biowissenschaften und der Systemanalyse gemeinsam Technologien, mit denen sich CO2 aus der Atmosphäre sowie aus Industrieanlagen und Kraftwerken wieder recyceln lässt. So könnten beispielsweise Kohlendioxid, Wasser und Elektronen mit Hilfe von Bakterien und Elektrochemie in Grundstoffe für neue Kunststoffe umgewandelt werden. Forschungsgegenstand ist auch eine Anlage, die mit Mikroorganismen Kohlendioxid in Kraftstoff umwandelt und so die Verwendung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas ersetzt.</p><p>An der Universität Tübingen forscht Lars Angenent daran, wie solche CO2-Abscheidungen aus Industrie und Atmosphäre mit biologischen Systemen gekoppelt werden können: Sein Team speist diese zusammen mit Wasserstoff in „Bioreaktoren“ ein. Mithilfe von Mikrobenkulturen können dort neue Produkte entstehen. Schwerpunkt dieses Projekts ist unter anderem die Frage, wie verschiedene Mikroben optimal zusammenarbeiten können, um gezielt und auf umweltfreundliche Weise spezifische Chemikalien für die Industrie zu produzieren. Die Abläufe werden vorerst im kleinen Maßstab im Labor erprobt und sollen später auch in großen Anlagen umgesetzt werden.</p><p>Film zum neuen Forschungszentrum: <a href="https://vimeo.com/610637211" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://vimeo.com/610637211</a>&nbsp;</p><p>Universität Aarhus: <a href="https://nat.au.dk/en/about-the-faculty/news/show/artikel/new-research-centre-to-help-solve-the-climate-crisis-1/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://nat.au.dk/en/about-the-faculty/news/show/artikel/new-research-centre-to-help-solve-the-climate-crisis-1/</a>&nbsp;</p><h3>Novo Nordisk Foundation CO2 Research Center</h3><p>Das Novo Nordisk Foundation CO2 Research Center arbeitet interdisziplinär und hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimawandel abzuschwächen: durch die Erforschung und Entwicklung innovativer Technologien zur Abscheidung, Speicherung und Wiederverwertung von CO2. Das Zentrum arbeitet mit der Industrie und Entscheidungsträgern zusammen, um sicherzustellen, dass entwickelte Lösungen skalierbar und umsetzbar sind. Zunächst wird es sich auf punktuelle Kohlenstoffdioxid-Quellen konzentrieren, wie Industrieanlagen und Kraftwerke. Langfristig soll auch erforscht werden, wie sich CO2 direkt aus der Atmosphäre entnehmen lässt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68385</guid><pubDate>Fri, 17 Sep 2021 11:51:48 +0200</pubDate><title>Digitale Kinder-Uni der Hector Kinderakademien startet am 30. September </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/digitale-kinder-uni-der-hector-kinderakademien-startet-am-30-september/</link><description>12-teilige Serie im Livestream begeistert Kinder für Weltklasseforschung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der neuen digitalen Kinder-Uni der Hector Kinderakademien entdecken Kinder die Welt der Wissenschaft per Live-Stream im digitalen Hörsaal und können ihre Fragen stellen. Die 12-teilige Web-Serie startet am 30. September 2021 und zeigt: Wissenschaft ist für unsere Gesellschaft unabdingbar und macht Spaß, wenn man sie richtig verpackt.&nbsp;</p><p>„Warum gibt es Kriege?“, „Was verbirgt sich hinter Sinnestäuschungen?“ und „Warum sind Schnecken manchmal gestresst?“. Dass Suche nach Wahrheit und Erkenntnis Freude bereitet, beweist das neue Format der verfilmten Kinder-Uni. Wissenshungrige Kinder werden von Tübinger Spitzenforscherinnen und -forschern in zwölf einzigartigen Folgen auf eine Entdeckungstour durch die Welt der Wissenschaft begleitet – inklusive Special Effects, Animationen, Live-Fragen an die Professorinnen und Professoren und einer humorvollen Begleitung durch zwei Comedians. Am 30. September feiert die Kinder-Uni der Hector Kinderakademien an der Universität Tübingen Premiere: Online und für alle interessierten Kinder kostenlos zugänglich.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68346</guid><pubDate>Fri, 17 Sep 2021 01:05:00 +0200</pubDate><title>Ein indischer Fischotter in Deutschland</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-indischer-fischotter-in-deutschland/</link><description>Neue Otterart in der Hammerschmiede entdeckt: Neptuns Vishnu-Otter kam vor 11,4 Millionen Jahren aus Südasien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forscher der Universitäten Tübingen und Zaragoza sind auf eine bislang unbekannte Otterart aus 11,4 Millionen Jahre alten Schichten der Fossilfundstelle Hammerschmiede gestoßen. Die Grabungsstelle im Allgäu wurde 2019 durch Funde des sich zweibeinig fortbewegenden Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi</em> weltweit bekannt. Die im <span lang="en" dir="ltr"><em>Journal of Vertebrate Palaeontology</em></span> veröffentlichte neue Art erhielt den Namen <em>Vishnuonyx neptuni</em>, was so viel bedeutet wie Neptuns Vishnu-Otter. Die Gattung der Vishnu-Otter war bisher nur aus Asien und Afrika bekannt.</p><p>Das Forschungsteam gräbt in der Hammerschmiede unter Leitung von Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Es konnte bereits über 130 verschiedene Arten ausgestorbener Wirbeltiere aus Flussablagerungen bergen, die der Ur-Günz zugeschrieben werden. Viele dieser Arten sind an das Leben am und im Wasser angepasst. Der Nachweis eines Vishnu-Otters in Bayern kam jedoch unerwartet, denn dessen Vertreter kannte man bisher nur aus Regionen außerhalb Europas.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68244</guid><pubDate>Wed, 15 Sep 2021 12:26:21 +0200</pubDate><title>Muslime im Jugendstrafvollzug: Wissenschaftler fordern Ausbau der islamischen Gefängnisseelsorge </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/muslime-im-jugendstrafvollzug-wissenschaftler-fordern-ausbau-der-islamischen-gefaengnisseelsorge/</link><description>Wichtige Rolle bei Resozialisierung und Prävention – Befragung von Strafgefangenen, Seelsorgern und JVA-Beschäftigten in vier Bundesländern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Muslimische Jugendstrafgefangene sind bei der religiösen Betreuung gegenüber ihren christlichen Mithäftlingen benachteiligt. Das zeigt eine Studie des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Kriminologischen Dienst Baden-Württemberg und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN). Die Wissenschaftler fordern einen Ausbau der islamischen Gefängnisseelsorge.&nbsp;</p><p>Die Gefängnisseelsorge spielt für die Resozialisierung und Radikalisierungsprävention eine wichtige Rolle. Über die religiösen Bedürfnisse und seelsorgerische Betreuung muslimischer Jugendstrafgefangener gab es aber bislang nur bruchstückhafte Informationen, obwohl ihr Anteil in den deutschen Jugendstrafanstalten bei etwa 40 Prozent liegt. Die gerade abgeschlossene Studie „Muslime im Jugendstrafvollzug – Chancen und Risiken für eine gelingende Integration“ liefert nun ein detailliertes Bild der Situation.&nbsp;</p><p>Für das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt wurden Daten in insgesamt acht Justizvollzugsanstalten (JVA) in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erhoben. Befragt wurden 766 männliche und 62 weibliche Strafgefangene zwischen 15 und 25 Jahren. Einbezogen waren Mitglieder aller Konfessionen sowie Konfessionslose. Interviews mit Seelsorgern, Anstaltsleitungen und JVA-Beschäftigten ergänzen die Erhebung. Wegen des sehr geringen Frauenanteils unter den Gefangenen liegt der Fokus der Untersuchung auf den männlichen Jugendlichen.</p><p>Jeweils 41 Prozent der befragten Jugendlichen gehören muslimischen oder christlichen Religionsgemeinschaften an, weitere sechzehn Prozent rechnen sich selbst keiner Religion zu. Für die große Mehrheit der Jugendstrafgefangenen spielt der Glaube eine wichtige Rolle: 84 Prozent der Muslime und 78 Prozent der Christen schätzen sich als religiös ein. „Das Interesse an der Religion hatten wir in diesem Ausmaß nicht erwartet. Es zeigt sich, dass viele Jugendliche im Gefängnis die Religion wiederentdecken, weil sie ihnen Orientierung und ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln kann“, sagt Projektleiter Tillmann Bartsch, außerplanmäßiger Professor für Kriminologie an der Universität Tü-bingen und stellvertretender Leiter des KFN.&nbsp;</p><p>„Hinzu kommt, dass sich viele Jugendliche Seelsorgern gegenüber unbefangener äußern, weil sie sich weniger bewertet fühlen als im Gespräch mit Sozialarbeitern oder Psychologen“, ergänzt Wolfgang Stelly, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Tübingen und beim Kriminologischen Dienst Baden-Württemberg. Unterschiede gibt es bei den Gesprächsthemen: Während die Christen mit dem Seelsorger vor allem über die Familie oder den eigenen Lebensweg sprechen möchten, stehen für die Muslime Fragen nach den religiösen Geboten, der Koranauslegung und der korrekten Praktizierung des Glaubens im Vordergrund.&nbsp;</p><h3>„Wichtiges Signal für die religiöse Gleichstellung“</h3><p>Viel stärker als die Christen wünschen sich die Muslime eine Verbesserung der religiösen Angebote in der JVA. Zwar geben sie an, dass ihnen die Ausübung ihrer Religion im Prinzip möglich ist. Aber mehr als die Hälfte fühlt sich benachteiligt, weil eigene Gebetsräume fehlen oder religiöse Gebräuche wie das Fastenbrechen im Ramadan mit den festen Abläufen im Strafvollzug kollidieren. Mehr als zwei Drittel sehen sich zudem im Gefängnisalltag bei ihrer Glaubensausübung nicht hinreichend unterstützt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass muslimische Seelsorger im Gegensatz zu ihren christlichen Kollegen bislang nur als Teilzeitkräfte auf Honorarbasis beschäftigt sind. Da sie geringere Stundendeputate haben, ist vielfach keine Einzelbetreuung möglich. Manchmal können deshalb auch Gottesdienste wie das Freitagsgebet nicht stattfinden. &nbsp;</p><p>„Eine Erhöhung der Stundenzahl und klarere institutionelle Strukturen für die muslimische Seelsorge sind notwendig, um die Betreuung zu verbessern. Das wäre zudem ein wichtiges Signal für die religiöse Gleichstellung in den Justizvollzugsanstalten“, sagt Tillmann Bartsch und weist auf ein weiteres Problem hin: Anders als für die christlichen Seelsorger gibt es für ihre muslimischen Kollegen kein gesetzlich anerkanntes Schweigerecht. Voraussetzung dafür wäre, dass ein solches Gebot zunächst einmal in den muslimischen Glaubensgemeinschaften selbst verankert wird. Erst dann könnte es vom deutschen Staat anerkannt werden. &nbsp; &nbsp;</p><p>Die oft thematisierte Gefahr einer islamistischen Radikalisierung in den Jugendstrafanstalten halten die Forscher für überschätzt. „Ein verfestigtes extremistisches Weltbild verbunden mit Gewaltbereitschaft haben wir nur bei einem Prozent der Inhaftierten festgestellt und es gibt ein dichtes Kontrollnetz, das verhindert, dass sich solches Gedankengut in den Anstalten verbreitet“, sagt Jürgen Thomas vom Kriminologischen Dienst Baden-Württemberg. Zur Prävention trage die muslimische Seelsorge ganz wesentlich bei, wenn sie zum Beispiel die Rechtfertigung von Gewalt im Namen des Glaubens kritisiere. Probleme entstehen den Kriminologen zufolge vor allem nach der Haftentlassung, wenn die Jugendlichen oft sich selbst überlassen sind. „Was fehlt, ist eine Straffälligenhilfe für Muslime, wie es sie in der christlichen Sozialarbeit seit langem gibt“, sagt Tillmann Bartsch.</p><h3>Publikation:</h3><p>Wolfgang Stelly, Paulina Lutz, Jürgen Thomas, Barbara Bergmann, Tillmann Bartsch: Glaube und religiöse Praxis von (muslimischen) Jugendstrafgefangenen. Forum Strafvollzug 3/2021.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68220</guid><pubDate>Wed, 15 Sep 2021 10:27:55 +0200</pubDate><title>28. Tübinger Erbe-Lauf in den Startlöchern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/28-tuebinger-erbe-lauf-in-den-startloechern/</link><description>Am 18. und 19. September fallen wieder Startschüsse für Läuferinnen und Läufer – In diesem Jahr ohne Publikum</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Countdown läuft! Nur noch wenige Tage bis zum Laufwochenende des 28. Tübinger Erbe-Laufs, das von Samstag, 18. September, bis Sonntag, 19. September 2021, in Tübingen stattfindet. Die Läuferinnen und Läufer des Virtual Charity Runs sind sogar schon seit dem 11. September auf ihren Strecken unterwegs. Unter der Leitung von Marc Oßwald und Dieter Baumann und mit Unterstützung von Studierenden wird die Veranstaltung vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen organisiert und in Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen ausgerichtet.</p><h3>Virtual Charity Run</h3><p>Der von dem Namenssponsor Erbe Elektromedizin GmbH veranstaltete Virtual Charity Run läuft bereits seit Samstag, 11.September. Noch bis zum Sonntag, 19. September, kann jeder, egal wie, wo oder wann Kilometer für den guten Zweck sammeln. Auch Kurzentschlossene können noch teilnehmen, die Anmeldung bleibt bis zum Schluss geöffnet. Die Erbe Elektromedizin GmbH spendet 50 Cent pro Kilometer an den diesjährigen Sozialpartner Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm) mit seinem Projekt „Hospiz Tübingen“. Aktuell ist bereits eine beachtliche Strecke von über 4000 Kilometern durch Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Welt zusammengekommen. Weitere Informationen unter <a href="http://exceptional.erbe-med.com" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">exceptional.erbe-med.com</a>.</p><h3>VR-Bank Schülerlauf</h3><p>Der VR-Bank Schülerlauf findet am Samstag, 18. September, auf der Platanenallee/Neckarinsel statt. Die Neckarinsel wird für den Zeitraum der Veranstaltung für den Besucherverkehr gesperrt sein. Lediglich Eltern und Geschwister der Teilnehmenden sind, nach erfolgreicher 3G-Kontrolle und Registrierung über die Luca-App, als Publikum auf der Neckarinsel erlaubt. Von 10.00 bis 13.00 Uhr absolvieren insgesamt über 300 Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Riegen die 1000 Meter lange Strecke auf der Neckarinsel. Voraussetzung für Teilnehmende ist ebenfalls die 3G-Regelung.</p><h4>Starteinteilung der Riegen/Läufe:</h4><p><strong>Achtung: neuer Zeitplan bei den Schülerläufen!<br> Achtung: neue Einteilung der Startergruppen in Mädchen / Jungen&nbsp;</strong></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><strong>U 10</strong><br> 			10:00 Uhr U 10 Läufe - Mädchen<br> 			10:10 Uhr U 10 Läufe - Mädchen<br> 			10:20 Uhr U 10 Läufe - Mädchen<br> 			10:30 Uhr U 10 Läufe - Jungen<br> 			10:40 Uhr U 10 Läufe - Jungen<br> 			10:50 Uhr U 10 Läufe - Jungen</td><td><strong>U 12</strong><br> 			11:00 Uhr U 12 Läufe - Mädchen<br> 			11:10 Uhr U 12 Läufe - Mädchen<br> 			11:20 Uhr U 12 Läufe - Jungen<br> 			11:30 Uhr U 12 Läufe - Jungen<br> 			11:40 Uhr U 12 Läufe - Jungen</td><td><strong>U 14</strong><br> 			12:00 Uhr U 14 Läufe - Mädchen<br> 			12:10 Uhr U 14 Läufe - Jungen<br> 			12:20 Uhr U 14 Läufe - Jungen</td></tr></tbody></table></div></div>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68058</guid><pubDate>Thu, 09 Sep 2021 13:22:02 +0200</pubDate><title>Maschinelles Lernen verbessert die biologische Bildanalyse</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/maschinelles-lernen-verbessert-die-biologische-bildanalyse/</link><description>Internationales Forschungsteam entwickelt Algorithmus, der die superauflösende Mikroskopie beschleunigt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit der superauflösenden Mikroskopie gewinnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Einblicke in die Welt der Zellen und können nanometerkleine Strukturen im Zellinneren erkunden. Das Verfahren hat die Lichtmikroskopie revolutioniert und seinen Erfindern 2014 den Nobelpreis für Chemie eingebracht. Tübinger KI-Forscher haben in einem internationalen Projekt einen Algorithmus entwickelt, der diese Technologie wesentlich beschleunigt.</p><p>Eine Art der superauflösenden Mikroskopie ist die sogenannte Einzelmolekül-Lokalisationsmikroskopie (single-molecule localisation microscopy, SMLM). Dabei werden die zu erforschenden Strukturen mit fluoreszierenden Molekülen markiert, von denen zu jedem Zeitpunkt nur eine begrenzte Anzahl mit Licht aktiviert wird. Diese lassen sich dann sehr präzise lokalisieren. Mit diesem Trick werden mehrere Bilder einer einzelnen Probe generiert. Diese Rohdaten werden von einem Computerprogramm ausgewertet und zu einem einzigen aussagekräftigen Bild zusammengesetzt. Mit dieser Technik lassen sich viel höhere Auflösungen erreichen als mit der klassischen Lichtmikroskopie. Doch sie hat einen Nachteil: Es braucht eine große Menge an Bildern, was das Verfahren sehr zeitaufwändig macht.</p><p>Das Team von Jakob Macke, Professor für Maschinelles Lernen in der Wissenschaft an der Universität Tübingen, hat in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuen Algorithmus entwickelt, der diese Einschränkung der SMLM überwindet. Die gemeinsame Arbeit mit der Ries Gruppe des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) Heidelberg und dem Team von Dr. Srinivas Turaga vom Janelia Research Campus (Virginia, USA) wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Methods</em> veröffentlicht.</p><h3>Mit Deep Learning zur hochpräzisen Lokalisierung einzelner Moleküle</h3><p>Der Algorithmus DECODE (DEep COntext DEpendent) basiert auf Deep Learning: Er nutzt ein künstliches neuronales Netz, das durch Trainingsdaten lernt. Statt mit echten Bildern wird das Netz in diesem Fall jedoch mit synthetischen Daten aus Computersimulationen trainiert. Unter Einbeziehung von Informationen über den Aufbau des Mikroskops und der Physik der Bildgebung erzielten die Forschenden Simulationen, die den realen Aufnahmen sehr ähnlich sind. „Das neuronale Netz, das wir mit Simulationsdaten trainiert haben, ist so in der Lage, fluoreszierende Moleküle auch in echten Bildern zu erkennen und zu lokalisieren“, erklärt Artur Speiser, zusammen mit Lucas-Raphael Müller federführender Autor der Arbeit</p><p>Einer der Vorteile des Algorithmus DECODE: Er kann Fluoreszenzträger bei höheren Dichten lokalisieren, als bislang möglich, sodass weniger Bilder je Probe benötigt werden. Auf diese Weise kann die Bildgebungsgeschwindigkeit ohne nennenswerten Verlust an Auflösung um das bis zu Zehnfache gesteigert werden. Darüber hinaus kann DECODE die Unsicherheiten quantifizieren ‒ das Netzwerk kann also selbst erkennen, wenn es sich in seiner Lokalisierung nicht sicher ist.</p><h3>Interdisziplinarität erweitert die Perspektiven der Forschung</h3><p>„Diese Arbeit ist beispielhaft für den Ansatz unseres Exzellenclusters ‚Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft‘“, sagt Macke, dessen Lehrstuhl Teil des Tübinger Clusters ist. „Die Ideen, die diesem Ansatz zugrunde liegen, haben wir ursprünglich in einem ganz anderen Kontext entwickelt. Aber in enger Zusammenarbeit mit Experten für computergestützte Mikroskopie entstanden daraus leistungsstarke Methoden für die Analyse von SMLM-Daten.“ Das Team entwickelte zudem ein Softwarepaket, das den DECODE-Algorithmus verwendet. „Die Software lässt sich einfach installieren und ist kostenlos verfügbar, sodass wir hoffen, dass sie in Zukunft vielen Wissenschaftlern von Nutzen sein wird“, sagt Dr. Jonas Ries vom EMBL.</p><h3>Publikation:</h3><p>Artur Speiser, Lucas-Raphael Müller, Philipp Hoess, Ulf Matti, Christopher J. Obara, Wesley R. Legant, Anna Kreshuk, Jakob H. Macke, Jonas Ries &amp; Srinivas C. Turaga: Deep learning enables fast and dense single-molecule localization with high accuracy. <em>Nature Methods</em>. <a href="https://doi.org/10.1038/s41592-021-01236-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41592-021-01236-x</a>&nbsp;(2021).</p><p>Mehr zum Thema auf dem <a href="https://www.machinelearningforscience.de/maschinelles-lernen-verbessert-superaufloesende-mikroskopie/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Blog des Exzellenzclusters</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67995</guid><pubDate>Wed, 08 Sep 2021 17:00:00 +0200</pubDate><title>Zweige der pflanzlichen Immunabwehr sind eng verflochten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zweige-der-pflanzlichen-immunabwehr-sind-eng-verflochten/</link><description>Studie der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung erfordert Revision des bisherigen Modells – Widerstandskraft als wichtiges Ziel im Nutzpflanzenbau</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wie Tiere besitzen auch Pflanzen ein Immunsystem, das auf Angriffe mikrobieller Krankheitserreger reagiert. Es besteht aus zwei Zweigen: erste Abwehrmaßnahmen beginnen bei der Erkennung solcher Eindringlinge außerhalb der Zellen, ein zweiter Alarmierungsweg wird von der Pflanze selbst in der Zelle ausgelöst. In jüngster Zeit hatten sich die Hinweise vermehrt, dass diese bisher getrennt geglaubten Zweige des pflanzlichen Immunsystems verbunden sein könnten. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professor Thorsten Nürnberger vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen und Professorin Jane Parker vom Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln einen Beleg für die Verbindung gefunden. Es hat Komponenten entdeckt, die in die Signalwege beider Zweige eingeschaltet sind. Eine gute Immunabwehr und der Aufbau einer großen Widerstandskraft gegen mikrobielle Krankheitserreger sind wichtige Ziele in der Pflanzenzüchtung und im Nutzpflanzenbau. Die Ergebnisse, die zu einem neuen Modell des pflanzlichen Immunsystems führen könnten, wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature</em> veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68010</guid><pubDate>Wed, 08 Sep 2021 15:54:13 +0200</pubDate><title>Späte Neandertaler auf der Schwäbischen Alb nutzten ausgeklügelte Techniken</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/spaete-neandertaler-auf-der-schwaebischen-alb-nutzten-ausgekluegelte-techniken/</link><description>Team der Universität Tübingen belegt, dass Menschen der Mittleren Altsteinzeit mit ausgeprägtem Arbeitsgedächtnis und viel Geschick an die Herstellung von Steinwerkzeugen gingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Neandertaler, die vor mehr als 45.000 Jahren auf der Schwäbischen Alb lebten, haben bei der Herstellung von Steinwerkzeugen anspruchsvolle Techniken mit verzweigten Arbeitsgängen verwendet. Das belegen Sammlungen steinerner Artefakte von der Fundstelle Heidenschmiede, aus denen ihre Vorgehensweise rekonstruiert werden konnte. Diese Forschungsergebnisse veröffentlichten Dr. Berrin Çep, Benjamin Schürch und Dr. Jens Axel Frick vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters sowie Dr. Susanne Münzel vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie, alle von der Universität Tübingen, in der Fachzeitschrift <em>PLOS ONE</em>. Sie unterstreichen einmal mehr, dass die Neandertaler hochentwickelte Fähigkeiten besaßen.</p><p>Die Heidenschmiede, ein Felsdach oder Abri bei Heidenheim an der Brenz auf der östlichen Schwäbischen Alb, wurde 1928 von dem Amateurarchäologen Hermann Mohn als Fundstelle von frühen Menschen bearbeiteter Steine und Knochen entdeckt und ausgegraben. „Seit dem Erscheinen einer ersten Publikation über die Funde 1931 ruhte die Forschungsarbeit weitgehend. Unsere Studie ist seither die erste detaillierte Untersuchung, die sich mit den zahlreichen Funden befasst und diese näher einordnet“, berichtet Benjamin Schürch. Die Knochen- und Steinwerkzeuge stammten aus dem Mittelpaläolithikum, der Mittleren Altsteinzeit, und seien mindestens 50.000 bis 42.000 Jahre alt. „In diesem Zeitraum lebten noch keine modernen Menschen unserer heutigen Art Homo sapiens in der Region. Es waren späte Neandertaler, die sich in der Heidenschmiede aufhielten.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67921</guid><pubDate>Mon, 06 Sep 2021 09:55:33 +0200</pubDate><title>Die Aussicht vom Lochenstein genoss man schon in der Bronzezeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-aussicht-vom-lochenstein-genoss-man-schon-in-der-bronzezeit/</link><description>Tübinger Archäologen bestätigen lange Geschichte einer Siedlung zwischen Rhein und Donau</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lochenstein bei Balingen war ab dem zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Römerzeit besiedelt. Dies untermauern neue Funde einer Grabung, die Archäologen der Universität Tübingen am Freitag abgeschlossen haben. Die Wissenschaftler knüpften an eine Ausgrabung und Forschungsarbeiten an, die vor fast 100 Jahren stattgefunden hatten. Ziel war es, die Besiedlungsgeschichte des Berges mit modernen Methoden zu untersuchen – nach den Forschungen des Landesamts für Denkmalpflege aus dem Jahr 1923 reicht diese bis in die Jungsteinzeit zurück.</p><p>Zahlreiche neue Fundstücke bestätigen die vorgeschichtliche Nutzung des Berges und lassen auf eine Besiedelung ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus schließen, wie Grabungsleiter Professor Martin Bartelheim vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters sagt. So fanden die Archäologen Keramik aus der Bronze- und Eisenzeit (etwa 1000 v.Chr.), Glasperlen, die in der Eisenzeit (etwa 500 v. Chr.) als Schmuck getragen wurden, und Teile von Gläsern, die im römischen Reich hergestellt wurden. „Zudem bezeugen viele Tierknochen ein reiches Leben in dieser Siedlung“, sagt Bartelheim.</p><p>Mit seinem steilen Aufstieg zu allen Seiten war der Lochenstein ein Siedlungsplatz, der sich gut verteidigen ließ. Von dort aus sieht man nach Westen über den Schwarzwald bis zu den Vogesen; östlich und südlich liegt die Donau.</p><p>Dass unter anderem Glas aus dem römischen Reich auf dem Lochenstein benutzt wurde, zeigt, dass die Bewohner in regem Austausch mit den umliegenden Regionen standen. Die dazu notwendige Infrastruktur bildete die nahe vorbeiführende Römerstraße von Rottweil nach Bad Cannstatt.</p><p>Bartelheim vermutet, dass der Lochenstein zudem schon in der Bronze- und Eisenzeit eine wichtige Station an Verbindungswegen durch das Bära- und das Eyachtal von der oberen Donau durch die Schwäbische Alb und den Schwarzwald zum Rhein war. Durch diese relativ leichte Überwindung der europäischen Hauptwasserscheide verbanden sich die zwei großen Flusssysteme Europas als direkte Kommunikationsroute vom Schwarzen Meer zur Nordsee bereits in der Vorgeschichte. „Der Lochenstein und Umgebung werden auch weiterhin Gegenstand unserer Forschung sein.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67858</guid><pubDate>Wed, 01 Sep 2021 20:00:00 +0200</pubDate><title>Erste spezifische Arzneitherapie für eine schwere frühkindliche Form der Epilepsie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erste-spezifische-arzneitherapie-fuer-eine-schwere-fruehkindliche-form-der-epilepsie/</link><description>Medikament gegen Multiple Sklerose hilft auch bei einer seltenen Form der genetisch bedingten Epilepsie – Wirkstoff richtet sich präzise gegen zugrundeliegenden Gendefekt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Epilepsie hat viele Gesichter. Bei einer genetisch bedingten Form leiden Betroffene bereits im ersten Lebensjahr an schweren epileptischen Anfällen. Die Erkrankung geht bei ihnen mit starken Entwicklungsstörungen einher: Es fällt ihnen schwer zu laufen, sie können sich schlecht konzentrieren und haben später Probleme beim Sprechen, Rechnen und Buchstabieren. Bislang ließ sich diese Form der Epilepsie nur schlecht mit den üblichen Arzneimitteln behandeln. Tübinger Forschende setzten nun erstmals ein Medikament ein, das eigentlich gegen Multiple-Sklerose zugelassen ist. Der Arzneistoff wirkt dem zugrundeliegenden Gendefekt direkt entgegen und linderte erfolgreich die Symptome der Erkrankten, berichtet das Team um Dr. Ulrike Hedrich-Klimosch, Dr. Stephan Lauxmann und Prof. Dr. Holger Lerche vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, dem Universitätsklinikum und der Universität Tübingen. Damit steht den betroffenen Kindern und Erwachsenen zum ersten Mal eine medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift <em>Science Translational Medicine</em> veröffentlicht.</p><p>Ursache dieser Form der frühkindlichen Epilepsie ist ein seltener Gendefekt. Mutationen im <em>KCNA2</em>-Gen führen zu geschädigten Kaliumkanälen im Gehirn. „Kaliumkanäle sind kleine Poren, die in der Zellmembran von Nervenzellen sitzen und für die Weiterleitung elektrischer Signale wichtig sind“, erklärt Erstautorin und Biologin Hedrich-Klimosch. „Die Mutationen führen in manchen Unterformen der Erkrankung zu einer gesteigerten Aktivität des Kanals. In diesen Fällen wir sprechen wir von einer <em>gain of function</em>-Mutation."</p><p>Das Forschungsteam setze nun erstmals ein Medikament zur Behandlung ein, das genau an dieser Stelle angreift. „Eine ursachenbezogene Therapie muss in diesem Fall die gesteigerte Kanalaktivität hemmen," erläutert Mit-Erstautor und Neurologe Lauxmann. „Ein solcher Kanalblocker ist der Wirkstoff 4-Aminopyridin. Er hemmt spezifisch die Überaktivität der Kaliumkanäle und ist in einem Medikament enthalten, das zur Behandlung von Gangstörungen bei Multiple Sklerose Patienten zugelassen ist.“ In Kooperationen mit acht weiteren Zentren weltweilt behandelte das Team elf Patientinnen und Patienten in individuellen Heilversuchen mit der Arznei. Mit erfreulichen Ergebnissen: Bei neun von ihnen verbesserten sich die Symptome. „Die Anzahl der täglichen epileptischen Anfälle reduzierte sich oder verschwand komplett. Die Patientinnen und Patienten waren im Alltag allgemein deutlich wacher und geistig fitter. Auch ihre Sprache verbesserte sich nach Beginn der Medikamentenbehandlung.“</p><p>Der Wirkstoff wirkt nicht bei allen Unterformen der Erkrankung. Bei manchen führt die Genmutation zu einer eingeschränkten Aktivität der Kaliumkanäle. Damit behandelnde Ärzte schnell entscheiden können, ob der Wirkstoff bei einer Patientin oder einem Patienten mit neu diagnostiziertem <em>KCNA2</em>-Gendefekt helfen kann oder nicht, haben die Forschenden eine Datenbank erstellt. In ihr sind die verschiedenen Mutationen aus der <em>KCNA</em>-Genfamilie und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Kaliumkanal aufgelistet. Auf diese Weise kann schnell mit einer Therapie begonnen werden und der oft schwere Krankheitsverlauf gelindert werden.</p><p>"Bei Epilepsien, die durch <em>KCNA2</em>-Genmutationen verursacht werden, handelt es sich um sehr seltene Erkrankungen. Weltweit sind nur gut 50 Fälle bekannt,“ berichtet Studienleiter und Neurologe Lerche. Die Entwicklung eines passenden Arzneimittels sei für diese „Waisenkinder der Medizin“ meist zu teuer und zu wenig rentabel für Pharmafirmen. „Umso mehr freut es uns, wenn wir diesen Patientinnen und Patienten individuell mit dem sogenannten <em>Drug Repurposing</em> helfen können: Dem Einsatz von Medikamenten, die eigentlich für andere Erkrankungen zugelassen sind.“</p><p>Für die Durchführung des Projekts wurde das Forschungsteam mit dem Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 ausgezeichnet. Die Studie wurde zudem durch die Forschungsgruppe FOR-2715 der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Thema „Epileptogenese genetischer Epilepsien“ und dem Forschungsnetzwerk für seltene Ionenkanalerkrankungen („Treat-ION“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.</p><h3>Publikation:</h3><p>Hedrich, U.B.S., Lauxmann, S. et al. <strong>4-Aminopyridine is a promising treatment option for patients with gain-of-function <em>KCNA2</em>-encephalopathy</strong>. <em>Science Translational Medicine (2021)</em><br> DOI: 10.1126/scitranslmed.aaz4957<br><a href="https://stm.sciencemag.org/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://stm.sciencemag.org/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67789</guid><pubDate>Tue, 31 Aug 2021 10:17:37 +0200</pubDate><title>Ein früher Kaiman aus Nordamerika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-frueher-kaiman-aus-nordamerika/</link><description>Forscher der Universität Tübingen ordnen seltene Fossilfunde in die Evolutionsgeschichte der Krokodile ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwei rund 52 Millionen Jahre alte Fossilfunde aus der Green-River-Formation im US-amerikanischen Wyoming konnten in einer neuen Studie in die Evolutionsgeschichte der Krokodile eingeordnet werden: Die Biogeologen Jules Walter und Dr. Márton Rabi von der Universität Tübingen bestimmten die ausgestorbene Art Tsoabichi greenriverensis gemeinsam mit weiteren Kollegen als frühen Kaiman. Heute lebende Arten der Kaimane kommen in Nordamerika nicht vor. Ihr Stammbaum spiegelt auch die Geschichte ihrer Wanderungen und Ausbreitungsmöglichkeiten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Historical Biology veröffentlicht.</p><p>Die heute lebenden Kaimane sind etwa 1,5 bis 2,5 Meter lange Krokodile, die in tropischen Süßwasserfeuchtgebieten, Flüssen, Seen und Sümpfen in Mexiko, Zentral- und Südamerika vorkommen. Ihre engsten lebenden Verwandten sind die Alligatoren in Nordamerika und Asien. „Vollständige Skelette von Krokodilen aus der Zeit vor 50 Millionen Jahren, wie die von uns untersuchten Funde, sind auf dem Gebiet der heutigen USA sehr selten“, sagt Márton Rabi.</p><h3>Dem Massenaussterben entgangen</h3><p>Die Forscher wollten sich in ihrer Studie der Frage nähern, ob die Kaimane ursprünglich aus Nord- oder Zentralamerika stammten. „Anhand weiterer Kaimanfossilien aus Zentralamerika stellten wir fest, dass diese ausgestorbenen Arten tatsächlich zu der gleichen Gruppe gehören wie die heute lebenden Kaimane. Die ganze Artengruppe hatte sich jedoch in Nordamerika entwickelt“, sagt Jules Walter. Wahrscheinlich hätten sich die Kaimane von dort aus in der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren nach Südamerika ausgebreitet – zur Zeit des Massenaussterbens der Dinosaurier.</p><p>„Von den Dinosaurierarten blieben nur die Vorfahren heutiger Vögel erhalten. Süßwasserarten wie die Krokodile waren von dem großen Aussterben jedoch nicht so stark betroffen“, erklärt Walter. In der Kreidezeit seien Nord- und Südamerika nur durch eine Inselkette verbunden gewesen, sodass die Kaimane einige Schwierigkeiten zu überwinden hatten. „Dennoch war die Ausbreitung von Nord- nach Südamerika kein Einzelereignis; es muss zwischen beiden Subkontinenten zu weiteren Wanderungen gekommen sein“, sagt er.</p><h3>Überleben durch Ausbreitung</h3><p>Die Stammbaumstudie der Forscher legt nahe, dass entweder in Südamerika entwickelte neue Arten der Kaimane zurück nach Nordamerika wanderten und dort unter anderem Tsoabichi greenriverensis entstand oder dass es eine spätere zweite Ausbreitungswelle von Nord- nach Südamerika gab. „Aus dieser Gruppe hätten sich dann die heute lebenden Kaimanarten entwickelt“, erklärt Rabi. In der jüngeren geologischen Vergangenheit seien wieder Kaimane, dieses Mal heute noch lebender Arten, aus dem Süden nach Zentralamerika vorgedrungen. Da es in diesem Zeitraum jedoch in nördlicher Richtung keine geeigneten Korridore mit Feuchtgebieten mehr gegeben habe, gelangten sie nicht nach Nordamerika.</p><p>„Die Evolutionsgeschichte der Kaimane unterstreicht, wie entscheidend die Möglichkeiten zur Wanderung und Ausbreitung sind. Davon hängt häufig ab, ob Arten ihr Überleben bei Veränderung der Umwelt sichern können oder sich auch zu neuen Arten auffächern“, sagt Rabi. Heute führe die Zerstörung vieler Lebensräume durch den Menschen zu isolierten Populationen. Arten könnten sich oft nicht weiter ausbreiten, wenn sie zum Beispiel Klimaveränderungen dazu zwängen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jules Walter, Gustavo Darlim, Tobias Massonne, Arvid Aase, Eberhard Frey and Márton Rabi: On the origin of Caimaninae: insights from new fossils of Tsoabichi greenriverensis and a review of the evidence. Historical Biology, <a href="https://doi.org/10.1080/08912963.2021.1938563" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1080/08912963.2021.1938563</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67666</guid><pubDate>Wed, 25 Aug 2021 17:00:00 +0200</pubDate><title>Bisher ältestes Genom aus Wallacea mit ganz eigenem Verwandtschaftsprofil</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bisher-aeltestes-genom-aus-wallacea-mit-ganz-eigenem-verwandtschaftsprofil/</link><description>Internationales Forschungsteam isoliert DNA aus Überresten einer rund 7.000 Jahre alten Bestattung eines modernen Menschen auf der indonesischen Insel Sulawesi</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das bisher älteste analysierte Genom eines modernen Menschen aus dem Gebiet Wallacea, den Inseln zwischen Westindonesien und Papua-Neuguinea, weist eine bisher noch nicht beschriebene Zusammensetzung menschlicher Verwandtschaft auf. Das Individuum, aus dessen Schädelknochen das Genmaterial isoliert werden konnte, war zur Zeit der Jäger und Sammler vor mehr als 7.000 Jahren an der heutigen Fundstätte Leang Panninge (‚Fledermaushöhle‘) auf der Insel Sulawesi bestattet worden. Die meisten genetischen Übereinstimmungen bestehen mit den heutigen Bewohnern Papuas und den australischen Aborigines. Doch enthält das Genom auch Anteile, die nicht zu diesen Gruppen passen. Es bringt neue Überraschungen über die Evolution des modernen Menschen zutage.</p><p>Die internationale Studie, an der auch Forscherinnen und Forscher aus Indonesien beteiligt waren, wurde geleitet von Professor Johannes Krause von den Max-Planck-Instituten für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Menschheitsgeschichte in Jena, Professor Cosimo Posth vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Professor Adam Brumm von der Griffith University, Australien. Sie erscheint in der Fachzeitschrift Nature.</p><h3>Weitgehend vollständig erhaltenes Skelett</h3><p>Die Wallacea-Inseln bildeten Trittsteine bei der Ausbreitung der ersten modernen Menschen aus Eurasien nach Ozeanien vor wahrscheinlich mehr als 50.000 Jahren. Archäologische Funde belegen, dass die Vorfahren unserer Art sich bereits vor rund 47.000 Jahren in Wallacea aufgehalten haben. Menschliche Skelette wurden jedoch kaum gefunden. Einer der markantesten archäologischen Fundbestände aus dieser Region ist der Toalean-Technokomplex, der in eine wesentlich jüngere Zeit vor 8.000 bis 1.500 Jahren datiert wird. Die Menschen der Toalean-Kultur stellten unter anderem charakteristische Pfeilspitzen aus Stein her, die sogenannten Maros-Spitzen. Die Toalean-Kultur ist nur aus einem vergleichsweise kleinen Gebiet auf der südlichen Halbinsel Sulawesis bekannt. „In diese Kultur konnten wir auch das Begräbnis bei Leang Panninge einordnen“, sagt Adam Brumm. „Es ist der erste weitgehend vollständig erhaltene Skelettfund aus dieser Kultur.“</p><p>Selina Carlhoff, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Erstautorin der Studie, isolierte DNA aus dem Felsenbein des Schädels. „Das war eine große Herausforderung, weil die Überreste in dem Grab durch das tropische Klima stark angegriffen waren“, berichtet sie. Die Analysen ergaben, dass das Individuum mit den ersten modernen Menschen verwandt ist, die sich vor rund 50.000 Jahren von Eurasien nach Ozeanien ausbreiteten. Wie die Genome der indigenen Bewohner von Papua-Neuguinea und Australien zeigt auch dieses Genom Spuren der Einkreuzung von Denisova-Menschen. Diese ausgestorbene Menschenart ist vor allem aus Sibirien und Tibet bekannt. „Dass deren Gene in einem Genom der Jäger und Sammler aus Leang Panninge zu finden sind, stützt unsere frühere Hypothese, dass die Denisova-Menschen ein viel größeres Gebiet besiedelt haben“, sagt Johannes Krause.</p><h3>Ein Stück im großen Genpuzzle</h3><p>Ein Vergleich mit Genomdaten früher Jäger und Sammler, die ungefähr zur gleichen Zeit wie das Individuum aus Leang Panninge, aber etwas westlich von Wallacea, lebten, liefert weitere Hinweise: Bei ihnen wurden keine genetischen Spuren der Denisova-Menschen festgestellt. „In der Region Wallacea könnten sich die Verbreitungsgebiete der Denisova-Menschen und der modernen Menschen überschnitten haben. Möglicherweise ist es der Hauptort, an dem Denisova-Menschen und die Vorfahren der indigenen Australier und Papua gemeinsame Nachkommen zeugten“, sagt Cosimo Posth.</p><p>Andererseits enthält das Genom aus Leang Panninge einen großen Genanteil einer alten Population aus Asien. „Das war überraschend, da wir zwar von der Ausbreitung moderner Menschen aus Ostasien in die Region Wallacea wissen, aber dieses Ereignis fand erst deutlich später statt, vor rund 3.500 Jahren. Das war lange nach der Lebenszeit dieser Person“, sagt Johannes Krause. Außerdem habe das Forschungsteam keinen Beleg dafür gefunden, dass es von den Menschen aus Leang Panninge Nachfahren unter den heutigen Menschen in Wallacea gibt. Was aus den Menschen der Toalean-Kultur wurde, ist ungeklärt. „Insofern illustriert das neue genetische Puzzleteil aus Leang Panninge vor allem, wie wenig wir bisher über die genetische Geschichte moderner Menschen in Südostasien wissen“, fasst Posth zusammen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Selina Carlhoff, Akin Duli, Kathrin Nägele, Muhammad Nur, Laurits Skov, Iwan Sumantri, Adhi Agus Oktaviana, Budianto Hakim, Basran Burhan, Fardi Ali Syahdar, David P. McGahan, David Bulbeck, Yinika L. Perston, Kim Newman, Andi Muhammad Saiful, Marlon Ririmasse, Stephen Chia, Hasanuddin, Dwia Aries Tina Pulubuhu, Suryatman, Supriadi, Choongwon Jeong, Benjamin M. Peter, Kay Prüfer, Adam Powell, Johannes Krause, Cosimo Posth &amp; Adam Brumm:&nbsp;<br> Genome of a middle Holocene hunter-gatherer from Wallacea. Nature, <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-021-03823-6" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41586-021-03823-6</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67678</guid><pubDate>Wed, 25 Aug 2021 12:53:01 +0200</pubDate><title>Bereits in der Schule erkennen, wer Lehrer wird</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bereits-in-der-schule-erkennen-wer-lehrer-wird/</link><description>Studie der Universität Tübingen zeigt: Wunsch der Eltern und Arbeitsbedingungen spielen wichtige Rolle für Aufnahme eines Lehramtsstudiums</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Einfluss der Eltern spielt eine erhebliche Rolle bei der Berufswahl von&nbsp;Lehrkräften. Wünschen sich Eltern, dass ihre Kinder ein Lehramtsstudium&nbsp;aufnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass diese dem&nbsp;folgen. Ist ein Elternteil als Lehrkraft tätig, erhöht dies ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass die Sprösslinge in ihre Fußstapfen treten. Dies haben&nbsp;Wissenschaftler des LEAD Graduate School &amp; Research Network an der&nbsp;Universität Tübingen in einer Studie herausgefunden. Sie wurde in der&nbsp;Zeitschrift <em>Educational Researcher</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Daneben gibt es weitere Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen,&nbsp;ob Schülerinnen und Schüler ein Lehramtsstudium aufnehmen: unter anderem soziale Interessen, das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz und der Wunsch, Kinder zu haben. Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten dagegen sind von untergeordneter Bedeutung für die Wahl&nbsp;des Lehrerberufs. „Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die&nbsp;Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland trotz geringer Aufstiegsmöglichkeiten relativ hoch eingeschätzt werden“, erklärt Adam Ayaita, LEAD-Mitglied und Akademischer Rat an der RWTH Aachen.&nbsp;</p><p>Die Wissenschaftler werteten Daten aus einer Langzeitstudie von rund&nbsp;3.600 Schülerinnen und Schülern, die später ein Studium aufnahmen, sowie von deren Eltern aus. Die erstmalige Befragung fand statt, als die&nbsp;Schülerinnen und Schüler die 9. Klasse besuchten, die letzte der jährlichen Befragungen sechs Jahre später. Nun verglichen die Wissenschaftler die früheren Angaben derer, die später ein Lehramtsstudium aufnahmen, mit denen, die sich für ein anderes Studienfach einschrieben. „Mit&nbsp;unserer Studie konnten wir zeigen: Jugendliche im Alter von etwa 15 Jahren, deren Eltern den Wunsch äußerten, dass ihr Kind Lehrer wird, begannen später tatsächlich deutlich häufiger ein Lehramtsstudium als andere Jugendliche“, so Ayaita.&nbsp;</p><p>Das Ergebnis ist wichtig für die Steuerung des Bedarfs an Lehrkräften. Begabte Schülerinnen und&nbsp;Schüler, die möglicherweise nicht an eine Lehrtätigkeit denken, könnten über die Eltern in diese&nbsp;Richtung gelenkt werden, aber auch Beratungslehrerinnen und –lehrer können eine wichtige Rolle&nbsp;spielen. Durch die Veränderung der Arbeitsbedingungen, etwa das Schaffen von Aufstiegsmöglichkeiten, könnten zudem auch diejenigen für das Lehramt gewonnen werden, die durch die fehlenden&nbsp;Entwicklungsmöglichkeiten im Lehrerberuf bisher davon abgeschreckt wurden.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Savage, C., Ayaita, A., Hübner, N., &amp; Biewen, M. (2021). Who chooses teacher education and why?&nbsp;Evidence from Germany. Educational Researcher.&nbsp;<br> Online abrufbar unter: <a href="https://doi.org/10.3102/0013189x211000758" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.3102/0013189x211000758</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67189</guid><pubDate>Wed, 11 Aug 2021 11:39:58 +0200</pubDate><title>Zum Nussknacken nutzen Orang-Utans spontan einen Holzhammer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zum-nussknacken-nutzen-orang-utans-spontan-einen-holzhammer/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass die Menschenaffen keine Anleitung brauchen und das Hämmern individuell erlernen können</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Nussknacken mit einem als Hammer dienenden Gegenstand wird als einer der komplexesten Werkzeuggebräuche im Tierreich angesehen. Bisher wurden in der Wildnis nur Schimpansen, Kapuzineraffen und Makaken dabei beobachtet, wie sie mit solchen Werkzeugen Nüsse knackten. Ob auch weitere Menschenaffenarten wie Orang-Utans Nüsse mit Werkzeug knacken und wie die Tiere dies erlernen können, haben Dr. Elisa Bandini und Dr. Claudio Tennie aus der Älteren Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen in einer neuen Studie untersucht. Von zwölf in Zoos lebenden Orang-Utans, setzten vier die angebotenen Hämmer spontan und erfolgreich zu diesem Zweck ein, obwohl sie sich dieses Verhalten nicht bei anderen abschauen konnten. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>American Journal of Primatology</em> veröffentlicht.</p><p>„Nach Schimpansen sind unter den Menschenaffen die Orang-Utans diejenigen, von denen das zweitgrößte Repertoire an Werkzeuggebrauch bekannt ist. Beim Nüsseknacken wurden wildlebende Tiere bisher jedoch nicht beobachtet“, sagt Claudio Tennie. In der neuen Studie erhielten vier Orang-Utans im Leipziger Zoo, denen dieses Verhalten nicht vorgemacht wurde, harte Nüsse, Astabschnitte als Hämmer sowie einen Holzblock, der als Amboss dienen konnte.</p><h3>Erfolgreich ohne Vorbild</h3><p>Ein Orang-Utan nutzte zunächst den Amboss als Hammer. Bei späteren Versuchen wurde dieser befestigt, woraufhin das Tier spontan den Holzhammer zum Nussknacken einsetzte. Die anderen drei älteren Orang-Utans versuchten es jedoch mit den Händen oder Zähnen. „Das Aufbeißen führte bei diesen drei Tieren auch wirklich zum Ziel“, berichtet Tennie.</p><p>In ihre Analyse bezogen die Forscher eine ähnliche Untersuchung aus dem Zoo Zürich mit acht Orang-Utans ein, die bisher unveröffentlicht war. Von den insgesamt zwölf getesteten Orang-Utans haben vier Individuen, ein Tier in Leipzig und drei in Zürich, spontan und ungeübt begonnen, mit Holzhämmern Nüsse zu knacken. „Die Orang-Utans können selbst dieses komplexe Verhalten also rein durch individuelles Lernen entwickeln“, sagt Elisa Bandini. Das Nussknacken mit Werkzeugen ist damit – mindestens bei Orang-Utans – ein Verhalten, das nicht der kulturellen Weitergabe durch Kopieren bedarf. „In der Wissenschaft war man bisher von der gegenteiligen Annahme ausgegangen und hatte sogar erwartet, dass die Fertigkeit bei Menschenaffen ausstürbe, wenn sie nicht kulturell weitergegeben werden kann.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Elisa Bandini, Johannes Grossmann; Martina Funk, Anna Albiach Serrano &amp; Claudio Tennie: Naïve orangutans (Pongo abelii &amp; Pongo pygmaeus) individually acquire nut-cracking using hammer tools. <em>American Journal of Primatology</em>, <a href="https://doi.org/10.1002/ajp.23304" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/ajp.23304</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-67165</guid><pubDate>Tue, 10 Aug 2021 14:38:17 +0200</pubDate><title>Hohe Impfbereitschaft unter Studierenden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hohe-impfbereitschaft-unter-studierenden/</link><description>Corona-Impfquote bei Befragten einer Studierendenumfrage bei über 90 Prozent – Universität bietet auch allen Neuimmatrikulierten eine Vakzinierung an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Bereitschaft von Studentinnen und Studenten, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, ist offenbar deutlich stärker ausgeprägt als in der Gesamtbevölkerung Deutschlands. In einer Umfrage unter mehr als 4.000 Studierenden der Universität Tübingen gaben 74 Prozent der Befragten an, bereits vollständig geimpft zu sein. Weitere 18 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten bislang eine Impfdosis erhalten. Lediglich 3,7 Prozent der Befragten gaben an, sie wollten sich auf keinen Fall impfen lassen. Die Befragung wurde vom 22. Juli bis zum 8. August 2021 vom Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Tübingen durchgeführt.</p><p>„Die Zahlen machen deutlich, dass die übergroße Mehrheit der Studierenden den überragenden Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 sieht“, sagte der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler: „Nach drei Semestern Online-Studium wollen die Studierenden zurück auf den Campus.“ Das Ziel, deutlich mehr als 50 Prozent aller Lehrveranstaltungen wieder in Präsenz durchzuführen, sei nur dann erreichbar, wenn möglichst viele Studierende vollständig vakziniert seien. „Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass die Universität Tübingen dank der hohen Impfbereitschaft ihrer Studentinnen und Studenten mit großer Zuversicht auf das kommende Wintersemester blicken kann.“</p><p>Die Leiterin der Studie, Dr. Esther Rind, sagte, die befragten Studierenden hätten in ihren Antworten eine sehr positive Haltung gegenüber Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Hygiene an den Tag gelegt. Dazu zählen beispielsweise Abstandhalten, Händewaschen und Lüften, aber auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie der besondere Schutz von Risikogruppen oder die Durchführung von Veranstaltungen in Räumlichkeiten, in denen die Abstandsregeln eingehalten werden können: „Dass die Studierenden diese Hygienemaßnahmen im privaten wie im universitären Umfeld als wichtig erachten, dürfte eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Infektionen mit dem Coronavirus spielen, wenn der Studienbetrieb wieder vermehrt vor Ort läuft.“</p><h3>Kooperation mit Tübinger Impfzentrum&nbsp;</h3><p>Der Rektor betonte, es zahle sich nun offensichtlich auch aus, dass die Universität zu einem frühen Zeitpunkt allen Beschäftigten und Studierenden eine Impfung gegen Covid-19 angeboten habe. Nun gelte es, diejenigen in den Blick zu nehmen, die im Herbst ein Studium beginnen werden: „Um einen möglichst lückenlosen Infektionsschutz zu erreichen, haben wir uns dazu entschlossen, auch allen Neuimmatrikulierten ein Impfangebot zu machen“, sagte Engler. Die Universität habe ein hohes Interesse daran, dass möglichst alle rund 5.000 Erstsemester, die im Oktober ihr Studium beginnen werden, über einen vollständigen Impfschutz verfügen. Im Rahmen der bestehenden Kooperation mit dem staatlichen Tübinger Impfzentrum können Studienanfängerinnen und Studienanfänger wie auch alle übrigen Hochschulangehörigen noch bis Anfang September schnell und unkompliziert einen Impftermin buchen.<br> Die Impfungen finden vom 16. August bis 30. September wieder im Gebäude der Alten Archäologie, Wilhelmstraße 9, 72074 Tübingen, statt.</p><h3>Weblink:</h3><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/impfen" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/impfen</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66898</guid><pubDate>Tue, 03 Aug 2021 10:11:58 +0200</pubDate><title>Globale Studie zur Sterblichkeit in der COVID-19-Pandemie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/globale-studie-zur-sterblichkeit-in-der-covid-19-pandemie/</link><description>Forscherteam der Universität Tübingen und der Hebräischen Universität Jerusalem ermöglicht Ländervergleich unabhängig von offiziell gemeldeten Corona-Zahlen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch den Aufbau der aktuell größten Sammlung weltweiter Sterbedaten hat ein deutsch-israelisches Forscherteam die tödlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie über 103 Länder in vergleichbarer Form aufbereitet. Die Sterblichkeitsraten bezogen auf bestimmte Zeiträume der Pandemie lassen ein Bild der Lage unabhängig von der Corona-Teststrategie und -kapazität, den gemeldeten Infektionszahlen oder auch der Berichtspolitik eines Landes zu. In ihrer Studie berichten Dr. Dmitry Kobak vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen und Ariel Karlinsky von der Hebräischen Universität Jerusalem von extremen Unterschieden: Während die Todeszahlen in einigen lateinamerikanischen Ländern in der Pandemie um mehr als die Hälfte stiegen, starben in Australien und Neuseeland sogar weniger Menschen als in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie. In Deutschland blieb die Übersterblichkeitsrate – die Zahl der Toten über die zu erwartende Sterblichkeitsrate hinaus – unter der der europäischen Nachbarländer. Die Ergebnisse wurden online veröffentlicht im Fachjournal <em>eLife</em>.</p><p>Für eine bestimmte Bevölkerung lassen sich erwartete Sterbezahlen über die kommenden Monate und Jahre berechnen auf der Grundlage der entsprechenden Daten aus vergangenen vergleichbaren Zeitspannen. Pandemien, Kriege sowie Natur- oder menschengemachte Katastrophen verursachen zusätzliche Tote über die erwarteten Zahlen hinaus.</p><h3>Öffentlich verfügbare Datensammlung</h3><p>„Die Sterbedaten sind unabhängig von zahlreichen anderen Aspekten und dadurch sehr aussagekräftig“, sagt Ariel Karlinsky. „Bis jetzt gab es jedoch keine globale, aktuell gehaltene Sammlung dieser Zahlen.“ Um diese Lücke zu füllen, haben Ariel Karlinsky und Dmitry Kobak wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Sterbedaten aus 103 Ländern und Regionen gesammelt, die sie im World Mortality Dataset öffentlich verfügbar gemacht haben. Sie selbst nutzten diese Daten, um die Sterblichkeitsraten der einzelnen Länder während der COVID-19-Pandemie zu erfassen.</p><p>„Uns hat interessiert, ob eine Übersterblichkeit durch die Pandemie zu verzeichnen war, und wenn ja, in welchem Umfang – und ob die Zahlen über die Länder hinweg vergleichbar waren“, sagt Karlinsky. Die Analysen ergaben, dass in einigen der Länder, die am schlimmsten von COVID-19 betroffen waren – vor allem Peru, Ekuador, Bolivien und Mexiko – die Übersterblichkeit bei mehr als 50 Prozent der zu erwartenden jährlichen Sterblichkeitsrate lag oder bei mehr als 400 zusätzlichen Toten pro 100.000 Einwohner in Peru, Bulgarien, Nordmazedonien und Serbien. Zugleich lag die Sterblichkeit in Ländern wie Australien und Neuseeland während der Pandemie unter dem üblichen Level. Die Autoren gehen davon aus, dass dies durch die Abstands- und Hygieneregeln zustande kam, was die Tode durch andere Infektionen als COVID-19 reduzierte. Sie stellten außerdem fest, dass zwar viele Länder genaue COVID-19-Sterbedaten übermittelten, andere aber – darunter Nicaragua, Weißrussland, Ägypten und Usbekistan – nur weniger als ein Zehntel der tatsächlichen Pandemietoten meldeten.</p><h3>Relativ geringe Übersterblichkeit in Deutschland</h3><p>Der Studie zufolge lag die Übersterblichkeit in Deutschland in der Pandemie bisher bei rund 40.000 Verstorbenen. „Das sind viel weniger als die 90.000 offiziell gemeldeten Toten durch COVID-19“, sagt Kobak. Wahrscheinlich seien die Sterbezahlen bei anderen Atemwegserkrankungen während der Wintermonate gesunken. Bei 50 zusätzlichen Toten pro 100.000 Einwohnern habe Deutschland in der Pandemie eine viel geringere Übersterblichkeit erfahren als umliegende europäische Länder (Niederlande: 110; Belgien: 140; Frankreich: 110; Schweiz: 100; Österreich: 110, Tschechien: 320; Polen: 310) – ausgenommen Dänemark, das keine Übersterblichkeit verzeichnete.</p><p>„Insgesamt erhalten wir durch unsere Ergebnisse ein umfassendes Bild der Folgen der COVID-19-Pandemie. Wir hoffen, dass wir so ein besseres Verständnis der Pandemie erlangen und sich der Erfolg verschiedener Eindämmungsmaßnahmen besser erfassen lässt“, sagt Kobak. „Unser Datenbestand soll auch anderen Forschern helfen, ihre Fragen zur Pandemie zu beantworten.“ Der World Mortality Dataset solle ausgebaut und weiterhin aktualisiert werden.</p><h3>Publikation:</h3><p>Ariel Karlinsky and Dmitry Kobak: Tracking excess mortality across countries during the COVID-19 pandemic with the World Mortality Dataset. <em>eLife</em>, <a href="https://doi.org/10.7554/eLife.69336" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.7554/eLife.69336</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66787</guid><pubDate>Fri, 30 Jul 2021 10:19:22 +0200</pubDate><title>Tübinger Forschungsteam entwickelt neue Strategie gegen Sepsis </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-forschungsteam-entwickelt-neue-strategie-gegen-sepsis/</link><description>Acetat regt körpereigene Immunabwehr an – Schwere bakterielle Infektionen bei Mäusen gemildert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Manche Blutvergiftungen verlaufen mild, viele haben jedoch einen tödlichen Ausgang – die Gründe für diese Unterschiede sind trotz jahrzehntelanger Forschung im Dunklen geblieben. Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen haben nun eine mögliche Ursache entdeckt und auf dieser Grundlage eine neue experimentelle Strategie zur Bekämpfung der bakteriellen Sepsis entwickelt. Der neue Therapieansatz gegen die lebensbedrohliche Blutvergiftung kommt ohne den Einsatz von Antibiotika aus und setzt stattdessen auf die Anregung der körpereigenen Immunabwehr durch Gabe des Wirkstoffs Acetat. An der Studie, die im Fachmagazin <em>Communications Biology</em> veröffentlicht wurde, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI), des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und Infektionsforschung an der Universität Tübingen (IMIT) sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) beteiligt.&nbsp;</p><p>Als Folge einer lokalen Infektion kann es zum Eindringen von Bakterien in die Blutbahn kommen, was zu einer lebensbedrohlichen Sepsis (umgangssprachlich Blutvergiftung) und einem septischen Schock mit Organversagen führen kann. Zu den häufigsten Verursachern einer solchen Sepsis gehören Methicillin-resistente <em>Staphylococcus aureus</em> Bakterien (MRSA), welche gegen viele der gängigen Antibiotika Resistenzen gebildet haben.<br> Das Forschungsteam unter der Leitung von Professor Andreas Peschel und Dr. Dorothee Kretschmer konnte nun zeigen, dass die körpereigene Immunabwehr gegenüber Staphylokokken durch Gabe des Essigsäuresalzes Natrium-Acetat gestärkt wird, sodass der Körper besser mit der schweren Infektion fertig werden kann. In Experimenten mit Mäusen, die über das Trinkwasser oder eine Injektion Acetat erhielten, wurde der Verlauf einer bakteriellen Sepsis deutlich verbessert.&nbsp;</p><p>Eine bakterielle Infektion wird von unserem Körper durch weiße Blutkörperchen bekämpft. Die häufigsten weißen Blutkörperchen im Blutkreislauf sind sogenannte neutrophile Granulozyten, die Krankheitserreger erkennen, aufnehmen und zerstören können. Neutrophile besitzen auf ihrer Oberfläche verschiedene Mustererkennungsmoleküle, Rezeptoren, an die bakterienspezifische Komponenten binden und so die Anwesenheit von Bakterien signalisieren. Eine solche Komponente ist Acetat, das von vielen Bakterien gebildet wird, vor allem von Infektionserregern wie <em>Staphylococcus aureus</em> und von Darmbakterien beim Verdauen der Nahrung. Acetat wird vom Rezeptor GPR43 auf den Neutrophilen erkannt.</p><h3>Acetat als Aktivator</h3><p>„Wir konnten in unserer Studie zum ersten Mal eingehend untersuchen, welche Auswirkungen die Bindung des Acetats an Neutrophile hat. Es scheint ein Verstärker zu sein, der die Granulozyten sozusagen aufweckt und in Alarmbereitschaft versetzt“, berichtet Dorothee Kretschmer. „Acetat wirkt über die Aktivierung des GPR43-Rezeptors regulatorisch, sodass eine adäquate und zielgerichtete körpereigene Immunantwort auf mehreren Ebenen stattfinden kann.“ Werden Granulozyten bereits vor einer Infektion in Alarmbereitschaft versetzt, können sie effektiver auf die eindringenden Krankheitserreger reagieren. Sie wandern dann schneller aus dem Blut zum Infektionsort, nehmen mehr Bakterien auf und produzieren sogenannte Sauerstoffradikale, die die Bakterien abtöten. Dies führte dazu, dass sich die Bakterien bei einer anschließenden Sepsis durch das Bakterium <em>Staphylococcus aureus</em> weniger gut vermehren und in den Organen verteilen konnten.</p><p>In Experimenten belegte das Forschungsteam, dass eine Acetatinjektion oder die Gabe von acetathaltigem Trinkwasser bei Mäusen zu einer verbesserten Immunantwort führt. „Bei einer anschließenden Sepsis durch Infektion mit Staphylokokken konnten die Bakterien schneller und effizienter abgetötet, und so ein tödlicher Verlauf verhindert werden“, sagt Kretschmer. Die Mäuse seien schneller genesen, was unter anderem an einer rascheren Gewichtszunahme zu erkennen gewesen sei. „Interessanterweise konnten wir denselben Effekt beobachten, wenn wir das Acetat erst nach Beginn der Sepsis verabreichten“, berichtet die Erstautorin der Studie Katja Schlatterer vom CMFI. „Dies führte in gleicher Weise zu einer verbesserten Immunantwort und Infektionsabwehr.“ Das Forschungsteam hält es für denkbar, dass Acetat beim Menschen sowohl vorbeugend als auch zur Behandlung einer Sepsis zum Einsatz kommen könnte. Acetat fände bereits Anwendung im klinischen Bereich, zum Beispiel als Säure-Basen-Regulator in Infusionen, die bei Flüssigkeitsverlust gelegt werden. Die Verträglichkeit beim Menschen sei somit bereits erwiesen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Katja Schlatterer, Christian Beck, Ulrich Schoppmeier, Andreas Peschel, Dorothee Kretschmer: Acetate sensing by GPR43 alarms neutrophils and protects from severe sepsis. <em>Communications Biology </em>4:928, <a href="https://doi.org/10.1038/s42003-021-02427-0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s42003-021-02427-0</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66700</guid><pubDate>Wed, 28 Jul 2021 09:38:18 +0200</pubDate><title>Eine Million Jahre alte Werra-Lachse</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-million-jahre-alte-werra-lachse/</link><description>Weltweit erster Fossilnachweis für Atlantische Lachse in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld</description><content:encoded><![CDATA[<p>Paläontologin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen hat den ersten Fossilnachweis für Atlantische Lachse erbracht. Die von ihr beschriebenen Fossilfunde von nicht weniger als sechs Lachsen stammen aus der senckenbergischen Forschungsgrabung im thüringischen Untermaßfeld. Sie zeigen, dass die Werra bereits vor einer Million Jahre laichwandernde Lachse beheimatete. Böhme und ihr Weimarer Kollege Ralf-Dietrich Kahlke gehen davon aus, dass die Fische als Nahrungsquelle für große Bären dienten, deren Überreste ebenfalls in der Fossillagerstätte gefunden wurden. Die Studie ist Teil des vierten Bandes der Monographie „The Pleistocene of Untermassfeld near Meiningen“.</p><p>In der vorindustriellen Zeit boten zahlreiche Flüsse in Europa natürliche Laichstätten für den Atlantischen Lachs (<em>Salmo salar</em>). „Auch die Werra war einst reich an Lachsen – bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden die großen Fische hier gefangen und landeten, insbesondere bei der ärmeren Bevölkerung, auf dem Küchentisch“, erklärt Prof. Dr. Madelaine Böhme von der Universität Tübingen und fährt fort: „Es ist uns nun im thüringischen Werratal gelungen, den weltweit ersten paläontologischen Nachweis eines Atlantischen Lachses zu erbringen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66673</guid><pubDate>Tue, 27 Jul 2021 12:46:44 +0200</pubDate><title>Innovationsnetzwerk erreicht zweite Runde des BMBF „Clusters4Future“ Wettbewerb</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/innovationsnetzwerk-erreicht-zweite-runde-des-bmbf-clusters4future-wettbewerb/</link><description>Das Konzept für das Zukunftscluster TheranosticValleySTR ist einer von 15 Finalisten der zweiten Wettbewerbsrunde </description><content:encoded><![CDATA[<p>TheranosticValley<sup>STR</sup> (STR= Forschungs- und Wirtschaftsraum Stuttgart, Tübingen, Reutlingen) stellt das Konzept für ein innovatives Zukunftscluster dar, um Diagnose und Therapie von Krebs-, Infektions- und neurologischen Erkrankungen nicht nur fundamental zu verbessern, sondern auch – durch einen Paradigmenwechsel und neuartige Präventionsstrategien – zu einem wesentlichen Teil zu verhindern. Hauptakteure sind die Universität Tübingen mit ihren drei Exzellenzclustern, das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen-Stuttgart (MPI-IS) und das NMI Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut in Reutlingen.</p><p>Bereits im August 2019 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Wettbewerb „Clusters4Future“, als eine neue Maßnahme zur Stärkung des Wissens- und Technologietransfers, ins Leben gerufen. Ziel ist es, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Gründung von Innovationsnetzwerken zu bewegen, sogenannte Zukunftscluster. Im November 2020 startete bereits die zweite Runde des Wettbewerbs. Aus insgesamt 117 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen wurden 15 Konzepte für die Konzeptionsphase der zweiten Wettbewerbsrunde ausgewählt, darunter TheranosticValley<sup>STR</sup>. In dieser sechsmonatigen Phase erarbeiten die potentiellen Netzwerke Strategien, wie die Projekte ihrer jeweiligen Zukunftscluster umgesetzt werden können. Auf Basis dieser Strategieentwürfe trifft eine unabhängige Expertenjury Mitte 2022 die Entscheidung, welche Zukunftscluster für die zweite Wettbewerbsrunde ausgewählt werden. Je Förderrunde sollen bis zu sieben Innovationsnetzwerke gefördert werden.</p><p>„Mit TheranosticValley<sup>STR</sup> wollen wir bestehende exzellente Strukturen, Forschungsverbünde und Unternehmen aus der Region im Sinne einer modernen Innovationspipeline zusammenführen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei, neben der Erarbeitung von hochinnovativen personalisierten Therapien, auf der Entwicklung einer auf die Therapie abgestimmte Diagnostik – sogenannte Theranostics“, erklärt Prof. Dr. Bernd Pichler, Projektkoordinator von TheranosticValley<sup>STR</sup>. Die präzise, mittels Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) aufeinander abgestimmten Diagnostika und Therapien – Theranostica – basieren auf innovativen kleinen Molekülen, zellulären Systemen, oder neuartigen Mikrorobotern. Durch deren kombinatorische Anwendung bilden sie den nächsten Meilenstein der personalisierten Medizin.</p><p>Hochkomplexe und multikausale Erkrankungen wie Krebs sprechen kaum auf konventionelle Breitbandtherapien an. Es bedarf vielmehr eine auf die individuellen Bedürfnisse und das Krankheitsbild des Patienten zugeschnittene Therapie, mit individualisierten Arzneimitteln.&nbsp;</p><p>Deshalb ist das Ziel von TheranosticValley<sup>STR</sup> der Aufbau eines einzigartigen und international sichtbaren Standorts für personalisierte Therapie und Diagnose in den Bereichen Krebs, Infektionskrankheiten und neurologischen Erkrankungen. Beispiel für die Entwicklung solcher innovativen Therapien sind zelluläre Therapien wie etwa mit CAR (Chimärer Antigenrezeptor) T-Zellen. Diese Form der Krebsimmuntherapie basiert auf T-Zellen, die dem Patienten direkt entnommen werden. Im Labor werden die Zellen vermehrt und gentechnisch so verändert, dass sie chimäre Antigenrezeptoren auf der Zelloberfläche bilden, die gegen krebsspezifische Oberflächenproteine gerichtet sind. Die modifizierten T-Zellen werden dem Patienten injiziert und bekämpfen die Krebszellen.</p><p>An solchen Therapien forschen unter anderem Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im einzigen onkologischen Exzellenzcluster Deutschlands, dem Exzellenzcluster iFIT („Image-Guided and Functionally Instructed Tumor Therapies"). Zusammen mit dem CMFI- („Controlling Microbes to Fight Infections“) und dem ML-(“Machine Learning: New Perspectives for Science”) Cluster bietet dies Grundlagenforschung im Bereich der Onkologie, Infektiologie und Künstlicher Intelligenz auf exzellentem Niveau. Gepaart mit der Spitzenforschung des MPI-IS, dem NMI und dem Know-How erfolgreicher kleinerer und mittlerer regionaler Unternehmen wie CeGaT und Immatics, besitzt die Region Stuttgart-TübingenReutlingen ausgezeichnete Voraussetzungen für ein zukünftiges TheranosticValley<sup>STR</sup>. Ganz wesentlich ist dabei die Einbindung des Patienten und seiner Familie in den Diagnostik- und Therapieprozess.</p><p>Durch die besondere Organisationsform des TheranosticValley<sup>STR</sup> und die enge Verzahnung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird eine flexible „on-demand“-Produktion und „in-time“-Zustellung der personalisierten und kombinatorischen Theranostica realisiert. TheranosticValley<sup>STR</sup> soll damit nicht nur einen Innovationsschub für neuartige kombinierte Diagnose- und Therapieverfahren, sondern eine optimale Qualität der klinischen Befundung, unterstützt durch Methoden der KI und des Maschinellen Lernens (ML), hervorbringen.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66541</guid><pubDate>Thu, 22 Jul 2021 11:42:28 +0200</pubDate><title> Feuerstein-Artefakt belegt Großwildjagd der Neandertaler am Hohle Fels</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/feuerstein-artefakt-belegt-grosswildjagd-der-neandertaler-am-hohle-fels/</link><description>Neu entdeckte Blattspitze war Teil einer Stoßlanze – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren neue Funde</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schon in der Mittleren Altsteinzeit, vor mehr als 65.000 Jahren, jagten die Neandertaler auf der Schwäbischen Alb mit komplex hergestellten Waffen Großwild wie Rentiere oder Wildpferde. Das belegt ein neuer Fund aus der Welterbe-Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb nahe Schelklingen. Wie Professor Nicholas Conard und sein Team aus der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen bei einer Pressekonferenz am Donnerstag berichten, wurde unterhalb der Fundschichten des modernen Menschen eine exzellent erhaltene, blattförmig bearbeitete Hornsteinspitze ausgegraben. Solche Funde werden in der Forschung Blattspitzen genannt. Der neue Fund stammt aus der Zeit der Neandertaler, war Teil einer Stoßlanze gewesen und verrät viel Neues über die kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten der Neandertaler. Die Ausgrabungsergebnisse werden in den aktuellen Ausgaben der Fachzeitschriften <em>Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg </em>sowie in den <em>Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte</em> veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66514</guid><pubDate>Wed, 21 Jul 2021 11:38:39 +0200</pubDate><title>Große Artenvielfalt sorgt im Grünland für effiziente Phosphornutzung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grosse-artenvielfalt-sorgt-im-gruenland-fuer-effiziente-phosphornutzung/</link><description>Geoökologin der Universität Tübingen untersucht wechselseitige Einflüsse von Pflanzen und Bodenmikroorganismen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Artenreiches Grünland beherbergt auch im Boden viele Arten von Mikroorganismen, die im Zusammenspiel mit den Pflanzen die knappe Ressource Phosphor effizient nutzen. Dies fand die Geoökologin Professorin Yvonne Oelmann aus dem Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam heraus. Für die Landwirtschaft könnten die Erkenntnisse ein Anreiz sein, die Artenvielfalt zu fördern. Denn Phosphor wird ins Grünland vielfach als kostenintensiver Dünger eingebracht, dessen Einsatz sich durch die Förderung der ober- und unterirdischen Artenvielfalt reduzieren ließe. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Bei Grünland handelt es sich um Wiesen oder Weiden, also um landwirtschaftliche Flächen, auf denen krautige Pflanzen und Gräser für die Beweidung oder Mahd in der Viehhaltung angebaut werden. Es war bereits bekannt, dass in einer Grünlandmischung mit vielen Pflanzenarten die Pflanzen besser wachsen und die Nährstoffe effizienter nutzen. „Dadurch wird unter anderem auch die Auswaschung des Grundwasserschadstoffs Nitrat reduziert“, erläutert Yvonne Oelmann. Sie hat untersucht, ob die Artenvielfalt auch Einfluss auf das für das Pflanzenwachstum wichtige Phosphor hat und welche Rolle Bodenmikroorganismen dabei spielen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-66298</guid><pubDate>Tue, 20 Jul 2021 10:33:35 +0200</pubDate><title>Gebrauch von Steinwerkzeugen: Schimpansen leben vor der Steinzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gebrauch-von-steinwerkzeugen-schimpansen-leben-vor-der-steinzeit/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen testet, ob Menschenaffen die Fähigkeit besitzen, scharfkantige Werkzeuge herzustellen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Anders als frühe Menschenarten scheinen Schimpansen nicht in der Lage zu sein, spontan scharfe Steinwerkzeuge herzustellen und zu nutzen, auch wenn ihnen dafür alle Materialien zur Verfügung stehen und ein Anreiz besteht. Das ergab eine Studie an insgesamt elf Schimpansen in einem Zoo im norwegischen Kristansand und dem Chimfunshi Wildlife Orphanage, einer Schutzstation in Sambia. Durchgeführt wurde sie von Dr. Elisa Bandini und Dr. Alba Motes-Rodrigo von der Universität Tübingen im Rahmen des von Dr. Claudio Tennie geleiteten Projekts STONECULT, das vom Europäischen Forschungsrat finanziert wird. Die Studie, die Tennie gemeinsam mit Dr. Shannon McPherron vom Max- Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig leitete, wurde in der ERC-Fachzeitschrift <em>Open Research Europe</em> veröffentlicht.</p><p>„Scharfkantige Steinwerkzeuge, die von frühen Menschen hergestellt wurden, sind mindestens aus den vergangenen 2,6 Millionen Jahren bekannt – zu Beginn der Steinzeit“, berichtet Elisa Bandini. Das Forschungsteam wollte wissen, ob Schimpansen als einer der engsten lebenden Verwandten heutiger Menschen, die Fähigkeit zur spontanen Herstellung solcher Werkzeuge besitzen. „Das war bisher ausschließlich an sogenannten ‚kultivierten‘ Menschenaffen getestet worden, also Affen die trainiert oder vom Menschen aufgezogen wurden, und denen die Herstellungstechniken von Menschen gezeigt wurden“, sagt Alba Motes-Rodrigo.</p><h3>Eine Entwicklung der menschlichen Evolution</h3><p>In den neuen Versuchen erhielten untrainierte Schimpansen zwei verschiedene verschlossene Behälter, die – sichtbar durch eine Plexiglasscheibe – Futter enthielten. An dieses konnten sie nur gelangen, wenn sie scharfe Steinwerkzeuge herstellten. Sie erhielten einen sogenannten Steinkern und Hammersteine, um selbst scharfkantige Steine von diesem Kern abzuschlagen. Anders als in allen bisherigen Studien erhielten die&nbsp;Menschenaffen in der Studie keine Gelegenheit, sich die Herstellung solcher Werkzeuge abzuschauen. „Obwohl die Schimpansen vermutlich verstanden hatten, dass die Behälter Futter enthielten und auch klar motiviert waren, an diese Belohnung zu kommen, machte keines der Tiere im Test auch nur den Versuch, scharfe Steinwerkzeuge anzufertigen“, stellt Claudio Tennie fest. Das Team schließt daraus, dass Schimpansen diese spontane Fähigkeit nicht besitzen. „Wahrscheinlich können sie dies nur nach intensivem Kontakt mit Menschen und/oder durch Nachahmen erlernen“, sagt Tennie, und fügt hinzu „sie befinden sich also, was diese Fähigkeiten betrifft, noch vor der Steinzeit.“</p><p>Die Abstammungslinien von Menschen und Menschenaffen trennten sich vor rund sieben Millionen Jahren. Die Fähigkeit, scharfe Steinwerkzeuge herzustellen, habe sich wohl erst lange nach dieser Trennung in der menschlichen Linie entwickelt, sagt das Forschungsteam. Dafür seien bestimmte Fähigkeiten nötig, die sich erst in der Evolution unserer menschlichen Vorfahren herausbildeten.</p><h3>Publikation:</h3><p>Elisa Bandini, Alba Motes-Rodrigo, William Archer, Tanya Minchin, Helene Axelsen, Raquel Adriana Hernandez-Aguilar, Shannon P. McPherron, Claudio Tennie: Naïve, unenculturated chimpanzees fail to make and use flaked stone tools. <em>Open Research Europe 2021</em>, <a href="https://open-research-europe.ec.europa.eu/articles/1-20/v2" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://open-research-europe.ec.europa.eu/articles/1-20/v2</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65959</guid><pubDate>Tue, 13 Jul 2021 12:05:00 +0200</pubDate><title>28. Tübinger Erbe-Lauf findet hybrid statt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/28-tuebinger-erbe-lauf-findet-hybrid-statt/</link><description>Vorbereitungstraining startet am 27. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Erbe-Lauf ist “on the Road again”: Der 28. Tübinger Erbe- Lauf findet in diesem Jahr am 18. und 19. September statt. Nach einem virtuellen Lauf im vergangenen Jahr gibt es dieses Jahr eine Hybrid-Form und neue Strecken. Der Hauptsponsor, die Erbe Elektromedizin GmbH, veranstaltet zusätzlich den Virtual Charity Run. Unter Leitung von Marc Oßwald und Dieter Baumann wurde die Veranstaltung mit Unterstützung von Studierenden des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen organisiert und wird in Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen ausgerichtet. Ab sofort sind Anmeldungen auf der Webseite des Tübinger Erbe-Laufes möglich: <a href="https://www.tuebinger-erbe-lauf.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tuebinger-erbe-lauf.de/</a></p><p>Vorrausetzung für die Teilnahme an den Präsenz-Läufen sind die 3G: genesen, geimpft oder getestet.</p><h3>Hauptlauf</h3><p>Der Hauptlauf des Tübinger Erbe-Lauf, der 10 Kilometer-Lauf, findet am Sonntag, den 19. September, ab 11 Uhr statt. Nach aktuellen Corona-Verordnungen startet alle fünf Minuten eine Gruppe mit 25 Läufern. Der Lauf findet dieses Jahr im Industriegebiet „Unter dem Holz“: Ernst-Simon-Straße/ Firmengelände der Firma Erbe Elektromedizin auf Höhe Steinlachwasen statt.</p><h3>Jeder kann-Run</h3><p>Auch der Jeder kann-Run über 5 Kilometer findet im Industriegebiet „Unter dem Holz“ statt. Gleichzeitig können dort Schülerinnen und Schüler der Altersgruppe U16 an den Start gehen. Ab 9:30 Uhr starten alle fünf Minuten jeweils 25 Läufer.</p><h3>Virtual Charity Run und Sozialpartner</h3><p>Nachdem sich der letztjährige virtuelle Lauf als erfolgreich erwiesen hatte, gibt es dieses Jahr eine erneute Auflage. Beim Virtual Charity Run kann jeder weltweit im Zeitraum vom 11. bis zum 19. September für einen guten Zweck laufen. Wie im Vorjahr gilt es, so viele Kilometer wie möglich zu&nbsp;laufen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können im vorgegebenen Zeitraum täglich Kilometer sammeln. Egal wie, egal wo, egal wann. Gezählt wird eine Lauf- oder Geh-Einheit pro Tag. Die Erbe Elektromedizin GmbH spendet dabei 50 Cent pro Kilometer. Die Endsumme geht dieses Jahr an den Verein Deutsches Institut für Ärztliche Mission (Difäm), der aktuell in Tübingen ein Hospiz baut, das im Oktober fertig gestellt werden soll. Das Difäm-Hospiz ist damit auch der Sozialpartner des 28. Tübinger Erbe-Laufes. Weitere Informationen zur Anmeldung unter <a href="https://www.exceptional.erbe-med.com/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">exceptional.erbe-med.com</a></p><h3>VR Bank Schülerlauf</h3><p>Der Schülerlauf findet am Samstag, den 18. September, unter dem Motto „Gemeinsam gewinnt“ statt. Ziel ist es, bei Kindern die Lust und Freude an Bewegung zu wecken. Dieses Jahr wird eine neue Strecke rund um die Neckarinsel und Platanenallee gelaufen. Ab 10 Uhr starten alle zehn Minuten Schülerinnen und Schüler in Gruppen zu 25, um die 1000-Meter Distanz zu bestehen. Der Eingang für Teilnehmerinnen und Teilnehmer befindet sich auf der Alleenbrücke, gestartet wird auf der Höhe des Silcherdenkmals, das Ziel liegt im Bereich Neckarbrücke. Wir bitten um Verständnis, dass keine Zuschauer auf der Neckarinsel erlaubt sind.</p><h3>Vorbereitungstraining</h3><p>Auch in diesem Jahr wird es wieder ein Vorbereitungstraining geben. Am 27. Juli startet ein gezieltes Lauf- und Alternativtraining für verschiedene Leistungslevel, gefördert durch die AOK und durchgeführt von der LAV Stadtwerke Tübingen. Das Training findet dienstags und donnerstags um 19 Uhr an der Fitnessstation Sand (Falkenweg Ecke Sandweg) statt. Eine Anmeldung ist, nach aktuellen Corona-Verordnungen, nicht nötig. Das Training ist gratis. Zudem bieten die Studierenden Fitnesstraining online an: Jeweils freitags wird eine Trainingseinheit auf der Homepage des Erbe-Lauf bzw. auf den Kanälen der sozialen Medien veröffentlicht.</p><h3>Anmeldung</h3><p>Aufgrund der Pandemie-Bedingungen gibt es nur begrenzte Startplätze. Die Anmeldung zu den Läufen erfolgt über die Webseite des Tübinger Erbe-Laufes unter: <a href="https://www.tuebinger-erbe-lauf.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tuebinger-erbe-lauf.de/</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p><p>Das Organisationsteam freut sich auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 28. Tübinger Erbe-Lauf und wünscht eine gute Vorbereitung.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65812</guid><pubDate>Fri, 09 Jul 2021 09:19:44 +0200</pubDate><title>So gelingt Schule besser</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/so-gelingt-schule-besser/</link><description>Neuer Studiengang an der Universität Tübingen will zur Aus- und Weiterbildung von Führungspersonen in Schule und Bildung beitragen</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Leiten heißt Leben ermöglichen“, und Schule gut zu leiten kann das Leben von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern positiv beeinflussen. Deshalb wurde der neue Weiterbildungsstudiengang „Schulmanagement und Leadership“ an der Universität Tübingen ins Leben gerufen. „Wir möchten aktuelle wissenschaftliche Theorien der Bildungsforschung und praxisrelevante Erkenntnisse nutzen, um Führungskräften im Schul- und Bildungskontext innovative und erfolgversprechende Lösungen für die Praxis anzubieten“, erklärt Professor Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.</p><p>Der Weiterbildungsmaster „Schulmanagement und Leadership“ ist Teil eines Projekts, das von Hector-Institut und der aim-Akademie für innovative Bildung in Heilbronn entwickelt wurde. „Wir werden dabei aus einem Guss den (zukünftigen) Führungskräften im Schulsystem eine Fülle von praxisorientierten, aber immer auch wissenschaftlich fundierten Weiterbildungsmodulen anbieten“, erklärt Tatjana Linke, Geschäftsführerin der aim. Die Kooperation mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) und dem Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) ermöglicht dabei die direkte Zusammenarbeit von Wissenschaft und Bildungsverwaltung.&nbsp;</p><p>Der neue Masterstudiengang „Schulmanagement und Leadership“ an der Universität Tübingen soll angehende Führungskräfte im Schul- und Bildungsbereich und die, die das Amt bereits innehaben, auf ihre Führungs- und Leitungstätigkeit vorbereiten beziehungsweise sie darin weiterbilden. In vier Semestern beschäftigen sich die Studierenden damit, wie Schule als Institution durch die Erkenntnisse aus Bildungs- und Schulforschung weiterentwickelt und Unterrichtsqualität verbessert werden kann. Prof. Trautwein betont: „Der Weiterbildungsstudiengang zielt letztlich darauf ab, das Lernen von Schülerinnen und Schülern wirksam zu gestalten. Die Schlüsselpersonen hierfür möchten wir für diese Aufgabe mit Kompetenzen und Konzepten einer evidenzbasierten, datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung ausstatten.“&nbsp;</p><p>Neben Schulmanagement, Personalführung und Kommunikation stehen auch aktuelle Themen wie digitales Lehren und Lernen oder Globalisierung und Heterogenität als zentrale Herausforderungen für Schulen im 21.Jahrhundert im Studienplan. Der direkte Austausch der Studierenden mit führenden (internationalen) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bildungsbereich ist zentraler Bestandteil des Studiengangs. Als weitere, den Studiengang ergänzende Bausteine sind ein modular angelegtes Angebot von Fortbildungsveranstaltungen, Vortragsreihen zu aktuellen Themen sowie eine Online-Zeitschrift in Planung.</p><p>Das Lehrangebot des Studiengangs ist so gestaltet, dass Studierende mit einer Vollzeitbeschäftigung den Masterabschluss berufsbegleitend innerhalb der Regelstudienzeit von vier Semestern erlangen können. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen über mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einer Schule oder einer Bildungsinstitution mit inhaltlichem Fokus auf den Schulbereich verfügen. Die Auftaktveranstaltungen für jedes Modul finden in den Räumlichkeiten der Akademie für innovative Bildung und Management in Heilbronn oder an der Universität Tübingen statt, die anschließenden Lehrveranstaltungen online. Die Studiengebühren betragen zusätzlich zum Semesterbeitrag der Universität Tübingen 600 Euro pro Semester. Der Studiengang startet zum Wintersemester 2021/22, die <strong>Bewerbung ist bis 30. September 2021</strong> über das alma-Portal möglich:&nbsp;<a href="https://alma.uni-tuebingen.de" target="_blank" class="external-link" title="Link zum alma-Portal" rel="noreferrer">https://alma.uni-tuebingen.de</a></p><p>Online-Informationsveranstaltungen finden am 13. Juli 2021 von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr und am 29. Juli 2021 von 16.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt. Die Anmeldung zu den Informationsveranstaltungen erfolgt über <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uejwnocpcigogpvBjkd0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Link zur Anmeldung für die Informationsveranstaltungen zum Masterstudiengang Schulmanagement und Leadership">schulmanagement<span style="display:none">spam prevention</span>@hib.uni-tuebingen.de</a>, den Link zur Veranstaltung gibt es dann per E-Mail. Weitere Informationen auf der <a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/hector-institut-fuer-empirische-bildungsforschung/studium/master-schulmanagement/" class="internal-link" title="Link zur Webseite Master of Arts Schulmanagement und Leadership">Webseite Master of Arts Schulmanagement und Leadership</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65758</guid><pubDate>Thu, 08 Jul 2021 14:32:08 +0200</pubDate><title>Moorbrände setzen weniger klimaschädliche Gase frei als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/moorbraende-setzen-weniger-klimaschaedliche-gase-frei-als-gedacht/</link><description>Forscher der Universität Tübingen entdecken Mechanismus, der den Methanausstoß verringert – Neuer Faktor für globale Klimamodelle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch Klimaveränderungen entstehen in Mooren der nördlichen Breiten immer häufiger Großbrände, die gewaltige Mengen Kohlendioxid freisetzen. Allerdings geht nicht die ganze Biomasse des Moores in Rauch auf, teilweise wird sie unter Luftabschluss verkohlt. Nun haben Dr. Tianran Sun und Professor Lars Angenent aus der Umweltbiotechnologie der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Cornell University in den USA entdeckt, dass die verkohlte Biomasse den Ausstoß des natürlicherweise im Moor entstehenden Methangases verringert. Sie schätzen, dass dadurch in den Torflandschaften nach einem Feuer langfristig 13 bis 24 Prozent weniger Methan freigesetzt wird als zuvor. Methan gilt als starkes Treibhausgas bei der Klimaerwärmung. Bei der Einschätzung des globalen Kohlenstoffumsatzes und bei Modellen des künftigen Klimas sollten die neuen Ergebnisse Berücksichtigung finden, schlagen die Wissenschaftler vor. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Methan entsteht in Mooren durch die Aktivität von Mikroben, die das Gas als Abfallprodukt ihres Stoffwechsels ausscheiden. Trotz der Methanproduktion gelten intakte Moore, deren Torfschicht Jahr für Jahr weiter wächst und dabei große Mengen Kohlenstoff bindet, insgesamt betrachtet als wertvoller Kohlenstoffspeicher und nicht als Treiber der Erderwärmung. „Die Verhältnisse kehren sich jedoch bei einem Moorbrand um“, sagt der Umweltbiotechnologe Tianran Sun. „Der Kohlenstoff wird als Kohlendioxid freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre. Vor allem Schwelbrände unter der Oberfläche können in Mooren lange unbemerkt brennen und sind nur schwer zu löschen.“</p><h3>Zweierlei Effekt der verkohlten Biomasse</h3><p>In einem Laborversuch mit Proben von Moorböden und dem kontrollierten Zusatz von verkohlter Biomasse prüften die Wissenschaftler die mengenmäßige Umsetzung verschiedener Stoffe und des Gasausstoßes. „Zum einen bleibt der Kohlenstoff in der verkohlten Biomasse fürs Klima unschädlich gebunden“, sagt Sun. „Zum anderen hat die verkohlte Biomasse die Fähigkeit, Elektronen aufzunehmen.“ Dadurch wachsen die Populationen von Bakterien im Moor, die ihre Energie aus Oxidationsprozessen gewinnen können. „Die Methanproduzenten werden zurückgedrängt“, sagt der Wissenschaftler. Die verkohlte Biomasse kann die Elektronen weiter an Bestandteile des Torfbodens abgeben und steht dann zur Aufnahme weiterer Elektronen aus dem Stoffwechsel von Bakterien bereit. „Der Moorboden hat eine große Kapazität zur Aufnahme der Elektronen“, sagt Lars Angenent. So werde der Methanausstoß deutlich verringert.</p><p>Angenent will jedoch keine Missverständnisse aufkommen lassen: „Bei unseren neuen Erkenntnissen handelt es sich lediglich um eine kleine gute Nachricht in einer Fülle von vielen schlechten Meldungen. Moorbrände haben verheerende Auswirkungen und setzen immense Mengen Kohlendioxid frei, die unser zu warmes Weltklima weiter stark anheizen.“ So solle der festgestellte verringerte Methanausstoß nach Moorbränden in Modelle des künftigen Klimas eingehen, stelle deren generellen Aussagen jedoch nicht in Frage.</p><h3>Publikation:</h3><p>Tianran Sun, Juan J. L. Guzman, James D. Seward, Akio Enders, Joseph B. Yavitt, Johannes Lehmann &amp; Largus T. Angenent: Suppressing peatland methane production by electron snorkeling through pyrogenic carbon in controlled laboratory incubations. <em>Nature Communications</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-021-24350-y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-021-24350-y</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65557</guid><pubDate>Thu, 08 Jul 2021 11:00:00 +0200</pubDate><title>Klima formte die Größe unserer Körper und Gehirne unterschiedlich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/klima-formte-die-groesse-unserer-koerper-und-gehirne-unterschiedlich/</link><description>Fossilien aus einer Million Jahre zeigen: Je kälter eine Region desto schwerer die Menschen – Gehirngröße hängt von anderen Herausforderungen ab</description><content:encoded><![CDATA[<p>Klima und regional vorherrschende Temperaturen haben über einen Zeitraum von einer Million Jahre wesentlich die Körpergröße des Menschen beeinflusst und waren somit ein Haupttreiber in der menschlichen Evolution. Je kälter das Klima, desto schwerer die Menschen: Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universitäten Tübingen und Cambridge. Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus Archäologen, Anthropologen, Ökologen und Klimamodellierern, unter Leitung von Dr. Manuel Will von der Universität Tübingen, hatte die Körper- wie auch Gehirngrößen von über 300 Fossilien der Gattung <em>Homo</em> weltweit gesammelt und sie mit rekonstruierten Klimadaten abgeglichen. Die Studie wurde im Fachmagazin <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Unsere Spezies <em>Homo sapiens</em> entstand vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Die Gattung <em>Homo</em> existiert schon viel länger und umfasst die Neandertaler und andere ausgestorbene, verwandte Arten wie <em>Homo</em><em>habilis</em> und <em>Homo erectus</em>. Ein entscheidendes Merkmal der Evolution unserer Gattung ist der Trend zur zunehmenden Körper- und Gehirngröße; im Vergleich zu früheren Arten wie <em>Homo habilis</em> ist <em>Homo sapiens</em> 50 Prozent schwerer und sein Gehirn in etwa dreimal so groß. Was aber als Treiber solche Veränderungen bewirkt hat, ist bislang umstritten.</p><p>In der aktuellen Studie kombinierte das Forschungsteam über viele Jahre gesammelte Größen-Daten mit einer neu entwickelten Rekonstruktion der regionalen Klimaverhältnisse weltweit, bis zu eine Million Jahre vor unserer Zeit. So ließ sich bestimmen, in welchem spezifischen Klima die jeweils untersuchten Menschen gelebt&nbsp;hatten ‒ unter anderem wurden hierfür der jährliche Temperatur- und Niederschlagsdurchschnitt und das kälteste bzw. trockenste Quartal eines Jahres rekonstruiert. Die Studie konnte so erstmals das Verhältnis zwischen Klimaverhältnissen und der Körper- und Gehirngröße unserer Gattung analysieren.</p><p>Die Ergebnisse zeigen, dass das durchschnittliche Körpergewicht der Menschen zwischen einer Million und 10.000 Jahren vor heute erheblich schwankte und eine klare Korrelation mit Klimaverhältnissen aufweist: Menschen in kälteren Regionen waren tendenziell schwerer. Dies bot einen bessern Puffer gegen kältere Temperaturen, ein Zusammenhang, der so auch schon bei Säugetieren festgestellt wurde: Ein Körper verliert weniger Wärme, wenn seine Masse im Verhältnis zu seiner Oberfläche groß ist.</p><p>„Unsere Daten deuten darauf hin, dass das Klima - insbesondere die Temperatur - der Haupttreiber für die Veränderungen des Körpergewichts in der letzten Million Jahre war“, sagt Ko-Autor Dr. Professor Andrea Manica vom Institut für Zoologie der Universität Cambridge. Auch an heute lebenden Menschen sei zu sehen: „Menschen in wärmeren Klimazonen sind tendenziell leichter gebaut als Menschen in kälteren Klimazonen. Wir wissen jetzt, dass die gleichen klimatischen Einflüsse in den letzten Millionen Jahren am Werk waren.“</p><p>Anders ist es bei der Größe des Gehirns. Auch hier untersuchten die Forscher den Einfluss von Umweltfaktoren für die Gattung <em>Homo</em>, fanden allerdings nur schwache Korrelationen vor und keinen Gleichschritt mit der Entwicklung des Körpergewichts. Tendenziell waren die Gehirne der Menschen größer, die in Lebensräumen mit wenig Vegetation, wie offenen Steppen und Grasland, lebten, aber auch in Gebieten, die über Jahrtausende ökologisch stabil waren.</p><p>In Kombination mit archäologischen Daten liegt nahe, dass Menschen aus diesen Lebensräumen große Tiere jagten ‒ eine komplexe Aufgabe, die die Evolution größerer Gehirne vorangetrieben haben könnte. Die Forscher schließen, dass für das Wachstums des Gehirns also eher Faktoren eine Rolle spielten, die nicht-umweltbedingt sind, beispielsweise eine vielfältigere Ernährung und zusätzliche kognitive Herausforderungen durch ein zunehmend komplexes soziales Leben und höher entwickelte Technologie.&nbsp;</p><p>„Eine entscheidende Erkenntnis unserer Studie ist, dass unterschiedliche Faktoren die Gehirn- und Körpergröße bestimmen, sie stehen nicht unter demselben evolutionären Druck. Die Umwelt hatte einen viel größeren Einfluss auf unser Körpergewicht als auf unsere Gehirngröße", sagt Erstautor Dr. Manuel Will von der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen. „In stabilen und offenen Gebieten gibt es einen indirekten Umwelteinfluss auf die Gehirngröße: Die Menge an Nährstoffen aus der Umwelt musste ausreichen, um die Erhaltung und das Wachstum unserer großen und besonders energiehungrigen Gehirne zu ermöglichen.“</p><p>Auch heute entwickeln sich unsere Körper- und Gehirngröße noch weiter. Der menschliche Körperbau passt sich weiterhin unterschiedlichen Temperaturen an, dabei leben Menschen mit größerem Körperbau heute im Schnitt in kälteren Klimazonen. Die Gehirngröße wiederum scheint laut bekannter Studien bei unserer Spezies seit Beginn des Holozäns (vor etwa 11.650 Jahren) zu schrumpfen. Die zunehmende Abhängigkeit von Technik, wie z.B. die Auslagerung komplexer Aufgaben an Computer, könnte die Gehirne - aber nicht zwingend die Intelligenz des Menschen - in den nächsten paar tausend Jahren sogar weiter schrumpfen lassen. „Auch wenn es faszinierend ist, sollten wir hier mit Spekulationen zur weiteren Evolution unserer Art vorsichtig sein“, sagt Will. „Es können sich zu viele Faktoren ändern und nie ist eine einzige Variable ausschlaggebend.“</p><p>Das Forschungsprojekt wurde vom Europäischen Forschungsrat und der Antarctic Science Platform finanziert.</p><h3>Publikation:</h3><p>Will, M. et al: 'Different environmental variables predict body and brain size evolution in <em>Homo</em>.' Nature Communications, Juli 2021. DOI: 10.1038/s41467-021-24290-7</p><p><a href="https://www.cam.ac.uk/research/news/climate-changed-the-size-of-our-bodies-and-to-some-extent-our-brains" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung der University of Cambridge in englischer Sprache</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65335</guid><pubDate>Mon, 05 Jul 2021 09:00:00 +0200</pubDate><title>Die innere Schönheit des Hagelkorns</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-innere-schoenheit-des-hagelkorns/</link><description>Körner aus dem verheerenden Tübinger Unwetter von 2013 analysiert: Studie verbildlicht innere Kristallstruktur von Hagelkörnern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Hagelstürme lösten kürzlich Erinnerungen an das verheerende Unwetter von 2013 aus. Damals wurden Schäden in Milliardenhöhe angerichtet, die Schäden aus den jüngsten Unwettern werden derzeit noch erhoben. Bei allem Ärger, den Hagelkörner für Menschen bedeuten, besitzen sie jedoch gleichzeitig eine bislang unbekannte „innere Schönheit“: Die Tübinger Geowissenschaftler Professor Paul Bons und Dr. Catherine Bauer haben in einer Studie erstmals ihre Kristallstruktur sichtbar gemacht. Sie hatten dafür Körner des Tübinger Sturms von 2013 gesammelt und im Labor mit modernsten Methoden analysiert. Neben ästhetisch ansprechenden Bildern, die so noch nie erstellt wurden, liefert dies auch Erkenntnisse zum Aufbau und möglichen Schadenspotential von Hagelkörnern. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin <em>Journal of Glaciology</em> veröffentlicht.</p><p>Paul Bons und Catherine Bauer forschen beide unter anderem zum Thema „Eis“, beispielsweise in Grönland. Im Tübinger Hagelsturm von 2013 reagierten sie umgehend und sammelten Hagelkörner ein. „Wir haben diese bei minus 32 Grad gelagert“, erklärt Bons. „Eisproben sollten immer unter minus 28 Grad gelagert sein, sonst kann sich die innere Struktur innerhalb von Wochen verändern.“</p><p>Für die Studie arbeitete er mit der Glaziologin Dr. Maurine Montagnat von der Universität Grenoble, Frankreich, zusammen. Ihr Team sektionierte die Tübinger Hagelkörner zusammen mit weiteren aus Südwestfrankreich und machte mit einem „Automated Ice Texture Analyser“ deren innere Kristallstruktur - die Textur - sichtbar.</p><p>Die entstandenen Bilder zeigen die Struktur der Kristalle im Hagelkorn in verschiedenen Farben und offenbaren faszinierende Muster und eine Schönheit, die dem Auge normalerweise verborgen bleibt. Jedes Hagelkorn weist dabei eine individuelle Struktur auf.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65071</guid><pubDate>Fri, 25 Jun 2021 16:56:36 +0200</pubDate><title>Stadt und Universität erzielen Einigung zur Regionalstadtbahn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/stadt-und-universitaet-erzielen-einigung-zur-regionalstadtbahn/</link><description>„Große Bedeutung für die Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Klinikstandorts“ – Räumliche Entwicklung zugesichert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Stadtverwaltung Tübingen und die Universität Tübingen haben in der Diskussion um eine mögliche Innenstadtstrecke der geplanten Regionalstadtbahn eine weitgehende Einigung erzielt. Wie der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, und der Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen, Boris Palmer, am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, wollen beide Seiten durch ein umfangreiches Maßnahmenpaket negative Auswirkungen auf Forschungseinrichtungen der Universität und des Universitätsklinikums soweit wie möglich ausschließen.&nbsp;</p><p>„Die Universität misst der umweltfreundlichen Verkehrserschließung des Campus Tal, des Klinikums und des Campus Morgenstelle große Bedeutung für die Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Klinikstandorts Tübingen bei“, sagte Rektor Bernd Engler. „Sie unterstützt daher den Bau der Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn vorbehaltslos.“</p><p>Beide Seiten verständigten sich darauf, die Auswirkungen der mit dem Betrieb der Regionalstadtbahn verbundenen Erschütterungen und elektromagnetischen Felder auf hochempfindliche Messgeräte schon bei der Planung der Regionalstadtbahn zu berücksichtigen. So sagte die Stadtverwaltung zu, bei der Planung der Innenstadtstrecke die Beeinträchtigung von Forschungsgebäuden durch Erschütterungen und elektromagnetische Felder durch eine aufwändige Gleisbettung sowie entsprechende Vorkehrungen bei der Stromversorgung deutlich zu reduzieren.</p><p>„Die Innenstadtstrecke hat nur einen Sinn, wenn sie die Verkehrs- und Entwicklungsbedürfnisse der Universität gleichermaßen erfüllt. Mit der nun erzielten Einigung können wir das garantieren“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. „Wenn die Innenstadtstrecke kommt, werden wir in Planung und Bau alles tun, was technisch möglich ist, um die Nutzungsmöglichkeiten der Universität auch in Zukunft nicht einzuschränken.“</p><p>„Trotz aller technischen Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, wird es aber in einem Korridor von etwa 80 Metern links und rechts der geplanten Stadtbahntrasse immer noch zu Beeinträchtigungen von Forschungs- und Messgeräten kommen“, sagte der Rektor: „Wie im Gutachten des Ingenieurbüros Heiland und Mistler dargelegt, führt daher an einer Verlagerung des Werner Siemens Imaging Centers kein Weg vorbei.“ Diese auch für die Radiologie des Universitätsklinikums eminent wichtige Einrichtung müsse den aktuellen Standort räumen und in den Bereich der Kliniken Berg umziehen.</p><p>Engler verwies darauf, dass es für die Universität von enormer Bedeutung sei, im Rahmen der Diskussion um die Regionalstadtbahn auch die künftige Entwicklung im Blick zu behalten. „Der Wissenschaftsstandort Tübingen wird weiterwachsen. Daher profitiert die Universität von verbesserten Verkehrsverbindungen zwischen Tübingen und der sie umgebenden Region.“ Es dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass in den kommenden Jahren immer leistungsfähigere, aber auch zunehmend empfindlichere wissenschaftliche Geräte entwickelt würden, auf die die Universität Tübingen angewiesen sei, wenn sie ihren Rang als internationale Forschungseinrichtung beibehalten wolle. Die aktuelle Entwicklung auf dem Gebiet der Quantencomputer sei hier ein besonders evidentes Beispiel. Es müsse auch für die Zukunft sichergestellt sein, dass die Universität neue Forschungsbauten in Bereichen errichten könne, die außerhalb des Wirkungsbereichs der Regionalstadtbahn lägen.</p><p>Oberbürgermeister Boris Palmer sagte der Universität daher räumliche Entwicklungsmöglichkeiten jenseits des Campus Morgenstelle zu. „Der aktuelle Entwurf des Flächennutzungsplans sieht bereits seit mehreren Jahren eine künftige bauliche Nutzung der Flächen zwischen der Morgenstelle und dem Landgasthof Rosenau vor“, so Palmer. Auch die Regionalversammlung habe mit der jüngst erfolgten Änderung des Regionalplans die Weichen für eine entsprechende Nutzung gestellt. Palmer verwies zudem darauf, dass die Universität das Areal mit einzelnen Gebäuden wie dem Hochspannungslaboratorium Rosenau und dem Lebensphasenhaus bereits seit den 1950er Jahren nutze. Hier gebe es ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten für die Universität außerhalb des physikalischen Einflussbereichs der Stadtbahn. &nbsp;</p><p>Auch Eugen Höschele, der Vorsitzende des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, begrüßt das klare Bekenntnis der Universität zur Innenstadtstrecke: „Es freut uns sehr, dass auch wir vom Zweckverband zu dieser gütlichen Einigung zwischen der Stadt und der Universität Tübingen beitragen konnten.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-65014</guid><pubDate>Fri, 25 Jun 2021 10:46:00 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen lädt zu Science Day ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-laedt-zu-science-day-ein/</link><description>Vorträge machen Forschung erlebbar – Verleihung des Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation – Science Notes: Audiovisuelle Reise in die Wildnis</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen lädt zum ersten „Tübinger Science Day“ ein. Ob T-Killerzellen im Kampf gegen Krebs oder Provenienzforschung: Am <strong>Freitag, 2. Juli, von 15.30 Uhr bis 22.30 Uhr</strong> machen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschung am Standort Tübingen erlebbar. Zudem verleiht die Universität erstmals den Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation. Den Abschluss bilden die Science Notes auf dem Tübinger Festplatz mit einer Mischung aus wissenschaftlichen Kurzvorträgen und Musik.</p><p>Die Teilnahme ist nach Anmeldung möglich (vor Ort erforderlich: Bescheinigung über negativen Corona-Test/Impfung/überstandene Erkrankung). Alle Veranstaltungen sind zudem im Live-Stream auf YouTube zu sehen. Besucherinnen und Besuch haben live wie online die Möglichkeit, sich einzubringen und Fragen zu stellen.</p><ul class="ut-list ut-list--link-list"><li><a href="https://youtu.be/pPWQ8Spw6_8" target="_blank" class="external-link" title="Livestream zum Science Day" rel="noreferrer">Livestream über YouTube</a></li><li>Programm und Anmeldung</li></ul><h3>Das Programm im Detail:</h3><p><strong>15.30 Uhr, Hörsaal 25, Kupferbau (Hölderlinstr. 5):</strong><br> Aus dem Exzellenzcluster „Image-guided and Functionally Instructed Tumor Therapies (iFIT)“ sprechen Professorin Bettina Weigelin zum Thema „T-Killerzellen im Kampf gegen den Krebs – Erfolg erfordert Teamwork“, Dr. Judith Feucht darüber, wie sich das körpereigene Immunsystem für den Kampf gegen Krebs stärken lässt und Professor Josef Leibold über „Die Achillesferse des Krebs“.&nbsp;</p><p><strong>16.30 Uhr, Pfleghofsaal (Schulberg 2):</strong><br> Aus dem Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections (CMFI)“ stellen Professor Andreas Peschel und Professorin Heike Brötz-Oesterhelt Forschung zu “Mikrobiom, Antibiotikaforschung und Resistenzen“ vor.</p><p><strong>17.15 Uhr, Livestream:</strong><br> Professor Ernst Seidl und Dr. Fabienne Huguenin sprechen über die Arbeit des Museums: „MUT zur Recherche – Das Museum der Universität Tübingen und sein Umgang mit prekären Provenienzen.“</p><p><strong>18 Uhr, Livestream:</strong><br> Verleihung des Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation. Der Preis soll Forscherinnen und Forscher motivieren, sich verstärkt für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Themen zu engagieren. Er geht in diesem Jahr an Professor Michael Butter für die intensive Vermittlung seiner Forschung zu Verschwörungstheorien. Den Nachwuchspreis erhalten Dr. Robert Ranisch und Dr. Julia Diekämper für ihre Kommunikation zu ethischen Fragen der „Genomeditierung“.</p><p><strong>19.15 Uhr, Hörsaal 25, Kupferbau (Hölderlinstr. 5):</strong><br> Aus dem Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen für die Wissenschaft“ spricht Dr. Christian Baumgartner über die „Herausforderungen von KI in der medizinischen Bildgebung“.</p><p><strong>21 Uhr, Festplatz Tübingen:</strong><br> Die <a href="http://www.sciencenotes.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Science Notes</a> laden auf dem Tübinger Festplatz ein, sich mit Kurzpräsentationen und Musik aufzumachen in die „Wildnis“. Besucherinnen und Besucher begegnen invasiven Arten wie dem wildgewordenen Japanknöterich, treffen in Australien auf die Ökologin Katherine Moseby und fragen, ob man Tiere töten darf, um Artenvielfalt zu bewahren. Anschließend folgt das Publikum zwei Extremsportlern bei einsamen Läufen durch das Dickicht und das Eis Nordamerikas – im Kampf mit sich und der Natur. Was verraten Sie uns über unser Verhältnis zur Natur?</p><p>Begleitet wird dies durch eine audiovisuelle Reise mit Werken des Musikproduzenten, Biologen und Naturschützers Dominik Eulberg und von VJ Julius Greger, der spektakuläre Naturaufnahmen von Jan Haft, Saga Optics und Eye of Science auf die große Leinwand bringt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64813</guid><pubDate>Thu, 24 Jun 2021 17:00:00 +0200</pubDate><title>Daueraktivität kleiner Erdbeben lässt Berge wachsen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/daueraktivitaet-kleiner-erdbeben-laesst-berge-wachsen/</link><description>Geowissenschaftler messen Zusammenhang: Mega-Beben verbiegen Landschaften zyklisch und kurzzeitig ‒ die stetige Energie kleiner Beben gestaltet langsam und dauerhaft um</description><content:encoded><![CDATA[<p>Erdbeben sind aus menschlicher Perspektive die Naturkatastrophen, die den größten Schaden anrichten – in den vergangenen hundert Jahre hatten sie mehr als 200.000 Tote und enorme wirtschaftliche Schäden zur Folge. Als besondere Bedrohung gelten Mega-Erdbeben mit Stärke neun oder höher auf der Richter-Skala. Allerdings scheinen die unvorstellbaren Energien, die dabei freigesetzt werden, keinen Einfluss auf die Hebung von Gebirgen haben, wie Geowissenschaftler der Universität Tübingen in einer Studie feststellen. Wichtiger für die Landschaftsgestaltung scheint die Energie kleiner Beben, die stetig im Hintergrund arbeiten: In den Untersuchungsgebieten Chile und Japan fanden Professor Todd Ehlers und Dr. Andrea Madella (Bereich Geologie und Geodynamik) Parallelen zwischen deren seismischen Aktivitäten und dem Muster und Verlauf von Gebirgshebungen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature Geoscience</em> veröffentlicht.</p><p>Erdbeben entstehen in der Regel in den Bereichen der Erde, an denen Kontinentalplatten zusammenstoßen. Entlang der chilenischen Küste zum Beispiel wird die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte gedrückt, sodass letztere gestaucht wird und dabei über Hunderte von Jahren elastische Energie ansammelt. „Entlädt sich diese Energie in kurzer Zeit – häufig in weniger als einer Minute – kommt es zu Erdbeben bis hin zu Mega-Beben mit furchteinflößenden Erderschütterungen“, sagt Todd Ehlers, „währenddessen rutscht die ozeanische Platte unter die Kontinentale“.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64978</guid><pubDate>Thu, 24 Jun 2021 13:48:02 +0200</pubDate><title>Ausstellung zu „50 Jahre EKW“ eröffnet auf Schloss Hohentübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellung-zu-50-jahre-ekw-eroeffnet-auf-schloss-hohentuebingen/</link><description>„Die Umbenennungsfrage ist damit entschieden“: Zweite Ausstellung zum 50-jährigen Jubiläum ab 1. Juli zu sehen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Ausstellung „19. Mai 1971. ‚Die Umbenennungsfrage ist damit entschieden.‘“ hat 50 Jahre Empirische Kulturwissenschaft zum Thema: Denn am 19. Mai 1971 stimmte das Kultusministerium Baden-Württemberg der Umbenennung des „Instituts für deutsche Altertumswissenschaft, Volkskunde und Mundartenkunde“ in „Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft“ (LUI) zu. Damit war das Tübinger Institut Vorreiter einer Entwicklung, die im Fach Volkskunde – oft verbunden mit emotional ausgetragenen Debatten – im deutschsprachigen Raum bis in die Gegenwart führt.</p><p><strong>Die Ausstellung wird am Donnerstag, 1. Juli 2021, um 15.30 Uhr auf Schloss Hohentübingen im MUT eröffnet. Die Öffentlichkeit ist&nbsp;hierzu herzlich eingeladen. Es gelten die Hygieneregeln (Abstand, Tragen eines Mundschutzes).</strong></p><p>Der neue Name setzte damals in Tübingen sofort intellektuelle Energien frei, die die „empirische Kulturwissenschaft“ theoretisch, methodisch und gegenstandsbezogen in eine innovativ arbeitende Wissenschaft übersetzten. Dabei suchte man sofort mit Forschungen und Ausstellungen den Kontakt zur Öffentlichkeit.</p><p>Der Blick in die 1960er- und 1970er-Jahre illustriert somit, wie in kurzer Zeit an der Tübinger Universität ein national und international anerkanntes und gerade für die Studierenden hochattraktives Institut entstand. Der dort vertretene, weite Kulturbegriff etwa bestimmt seither nicht nur akademische Sichtweisen, sondern dient zur Klärung der Frage, wie wir uns und unsere Welt im Alltag sehen und verstehen.</p><p>Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „50 Jahre Empirische Kulturwissenschaft Tübingen“. Sie ist in Kooperation zwischen dem Museum der Universität Tübingen MUT und dem Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft entstanden und gemeinsam mit Studierenden erarbeitet worden.</p><p>„Obwohl das LUI und das MUT bereits seit einer Reihe von Jahren eng kooperieren, freut es mich besonders, dass wir gerade zum Jubiläumsereignis ‚50 Jahre EKW‘ wieder ein gemeinsames Projekt verfolgen“, sagt der Direktor des MUT, Professor Ernst Seidl. „Vor allem deshalb, da das LUI, das ja selbst auf eine lange museologische Tradition in Theorie und Praxis blickt, nun anlässlich dieses Jubiläums gleich zwei Ausstellungen organisiert – passenderweise im Haspelturm des LUI und im MUT auf Schloss Hohentübingen.“</p><p>Zur Eröffnung erscheint ein illustrierter Katalog, der diese Ausstellung mit der im Haspelturm des LUI gezeigten Ausstellung „Unser Ding. Sachgeschichte als Fachgeschichte“ dokumentiert und die Geschichte dieser 50 Jahre aus unterschiedlichen Perspektiven nachzeichnet. Er ist für 24,90 Euro an der Museumskasse erhältlich.<br> &nbsp;<br><strong>Ausstellung:</strong><br> 19. Mai 1971: „Die Umbenennungsfrage ist damit entschieden.“</p><p><strong>Eröffnung:</strong><br> 1. Juli 2021, 15.30 Uhr, Schlosshof und Kabinettraum</p><p><strong>Eröffnungsprogramm:</strong></p><p>Begrüßung: Ernst Seidl<br> Einführung: Reinhard Johler<br> Der Beitrag der Studierenden: Nathalie Skrzipczyk<br> Zur Publikation: Karin Bürkert</p><p><strong>Laufzeit der Ausstellung:</strong><br> 2. Juli bis 7. November 2021<br> &nbsp;</p><p><strong>Ort:</strong><br> MUT | Alte Kulturen | Schloss Hohentübingen<br> Burgsteige 11<br> 72070 Tübingen</p><p><strong>Info im Museum:</strong><br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> 07071/29-77579 oder -77384<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcuugBowugwo0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kasse<span style="display:none">spam prevention</span>@museum.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64846</guid><pubDate>Tue, 22 Jun 2021 16:10:02 +0200</pubDate><title>Festo und Universität Tübingen forschen gemeinsam im Bereich künstliche Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/festo-und-universitaet-tuebingen-forschen-gemeinsam-im-bereich-kuenstliche-intelligenz/</link><description>Kooperation zur anwendungsorientierten Grundlagenforschung im Bereich industrielle KI und autonome Systeme</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Festo SE &amp; Co. KG und die Universität Tübingen arbeiten künftig in der Erforschung der künstlichen Intelligenz (KI) zusammen. Kürzlich unterzeichneten die Kooperationspartner einen Vertrag über gemeinsame Forschungsaktivitäten für autonome Systeme: Im Rahmen einer „Industry on Campus“-Kooperation baut Festo ein KI-Labor an der Universität auf.</p><p>Um individuelle Produkte effizient herstellen zu können, braucht es autonome Systeme in der Produktion. Sie sind wandelbar und können Aufgaben selbstständig lösen und sich immer wieder aufs Neue anpassen: Vom Transportsystem innerhalb eines Werks, über flexible Produktionsanlagen bis hin zur Qualitätskontrolle sind autonome Systeme eine der Schlüsseltechnologien für die smarte Fabrik der Zukunft. Sogenannte kollaborative Roboter können voneinander lernen und den Menschen bei sich wiederholenden und ermüdenden Aufgaben unterstützen. Das Potenzial für KI-basierte Anwendungen, um die Gesamtanlageneffektivität in der Produktion zu erhöhen, ist enorm. Daher hat sich Festo mit seinem KI-Labor für den Forschungsschwerpunkt „Autonome Systeme“ entschieden.</p><p>Im Rahmen einer „Industry on Campus“-Kooperation ordnet Festo den KI-Experten Dr. Shahram Eivazi für fünf Jahre an die Universität Tübingen ab. Er wird eine Arbeitsgruppe aufbauen, die das selbständige Lernen komplexer Aufgaben erforscht und dabei eng mit der Arbeitsgruppe „Human-Computer Interaction“ von Prof. Dr. Enkelejda Kasneci zusammenarbeitet.</p><p>Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Deep Reinforcement Learning für Robotik, das neuronale Netze mit dem Lernen durch Bestärken kombiniert: Der Roboter versucht durch Ausprobieren (Trial-and-Error) ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Anhand der erhaltenen Rückmeldungen optimiert er nach und nach seine Aktionen, bis er die Aufgabe erfolgreich löst. Meta Learning, Edge AI, AutoMachineLearning-Ansätze, verteiltes Lernen und generative Modelle sind weitere KI-Felder, die anwendungsorientiert untersucht werden sollen. Die Ergebnisse fließen kontinuierlich in bestehende und neue KI-Anwendungen von Festo ein.</p><p>„Wir freuen uns sehr, mit dieser Kooperation unsere Innovationskraft im Bereich künstliche Intelligenz weiter auszubauen. Die Universität Tübingen ist die Anlaufstelle für KI-Wissenschaftler und Festo bietet ihnen spannende Fragestellungen aus der industriellen Praxis. So profitieren beide Seiten und formen die Produktion der Zukunft gemeinsam“, sagt Jan R. Seyler, Head of Advanced Development Analytics and Control bei der Festo SE &amp; Co. KG.</p><p>„Industry on Campus“-Kooperationen mit der Industrie schaffen eine Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsorientierung“, sagt Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. „Wir freuen uns über die neue Kooperation mit Festo, die erfolgversprechende Perspektiven für eine anwendungsinspirierte Forschung im Bereich autonomer Systeme eröffnet.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64693</guid><pubDate>Fri, 18 Jun 2021 10:10:52 +0200</pubDate><title>Mimik-Erkennung: Warum das Gehirn dem Computer (noch) überlegen ist</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mimik-erkennung-warum-das-gehirn-dem-computer-noch-ueberlegen-ist/</link><description>Unser Gehirn verarbeitet Mimik unabhängig von der Gesichtsform - So verstehen wir sogar Emotionen von Phantasiefiguren wie Meister Yoda</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Corona-Maskenpflicht macht uns derzeit bewusst: Mimik ist eines unserer wichtigsten Kommunikationssignale. Bei der Deutung von Gesichtsausdrücken machen wir erstaunlich wenig Fehler, selbst wenn unser Gegenüber kein Mensch ist. So erkennen wir sofort, dass Meister Yoda skeptisch ist – auch wenn wir keine eingefleischten Star Wars-Fans sind und ihn zum ersten Mal sehen. Menschen sind der künstlichen Intelligenz (KI) hier noch weit überlegen, die zwar menschliche Gesichter sehr gut erkennen kann, aber bei Phantasiefiguren kläglich versagt, wenn sie nicht vorher darauf trainiert wurde.</p><p>Professor Dr. Martin Giese und Professor Dr. Peter Thier vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Zentrum für Integrative Neurowissenschaft der Universität Tübingen haben nun eine mögliche Erklärung dafür, warum unser Sehsystem hier überlegen ist: Die Form des Kopfes scheint bei der Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken keine Rolle für Menschen zu spielen. Im Gegensatz dazu haben KI-Systeme Probleme, Gesichtsausdrücke auf Gesichtsformen zu erkennen, die stark von den vorher trainierten abweichen. Aktuelle Gesichtserkennungsprogramme, wie sie in Sicherheitssystemen oder in der Forensik verwendet werden, können daher Meister Yodas Mimik nicht ohne Weiteres lesen. Der Grund, warum unser Gehirn so gut Gesichtseindrücke deuten kann, liegt möglicherweise in unserer evolutionären Geschichte, wie das Team in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift eLife berichtet.</p><p>Für ihre Studie erstellten die Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dreidimensionale computeranimierte Gesichter von Menschen und Affen. „Dabei haben wir Methoden verwendet, die auch bei Hollywood-Filmen wie ‘Avatar‘ oder ‘Herr der Ringe‘ eingesetzt wurden“, sagt Nick Taubert, Erstautor der Studie. Die Forschenden konnten die Bewegung der Gesichts-Avatare kontrollieren, diese entsprachen der typischen Mimik von Menschen wie auch von Affen beim Ausdruck von „Angst“ und „Ärger“. Der Clou: der Affen-Avatar konnte auch menschliche Gesichtsausdrücke übernehmen und der Mensch-Avatar tierische Mimik zeigen.</p><p>Während des Experiments mussten menschliche Probandinnen und Probanden die wahrgenommenen Gesichtsausdrücke einordnen. Das Ergebnis: „Die Mimik wurden bei beiden Gesichts-Avataren gleich gut erkannt. Unsere Probandinnen und Probanden identifizierten die menschlichen Gesichtsausdrücke auf dem Affengesicht sofort“, erklärt Michael Stettler, der die Experimente durchgeführt hat. „Die Affenausdrücke, die sich sehr von den menschlichen unterscheiden, lernten sie wiederum nach wenigen Wiederholungen.“ Die unterschiedliche Gesichtsform des Menschen- und des Affen-Avatars scheint daher für die Erkennung der emotionalen Ausdrücke keine Rolle zu spielen.</p><p>Den Grund für dieses Ergebnis vermutet das Forschungsteam in der evolutionären Entwicklung unseres Gehirns. „Die Anatomie der Gesichtsmuskeln hat sich in den letzten 25 Millionen Jahren nur wenig verändert, so dass Affen und Menschen im Prinzip sehr ähnliche Gesichtsbewegungen ausführen können,“ erklärt Studienleiter Giese. „Die menschliche Kopfform weicht dagegen deutlich von der des Affen ab, der Affe hat etwa einen viel größeren Mund. Unser Gehirn könnte sich an diesen Unterschied angepasst haben und deshalb die Mimik unabhängig von der Kopfform verarbeiten.“&nbsp;</p><p>Das Forschungsteam will weiter untersuchen, welche Berechnungen das Gehirn bei der Mimik-Erkennung durchführt. „Sobald wir aufgeklärt haben, wie Gesichtsausdrücke unabhängig von der Kopfform verarbeitet werden, könnten wir der KI beibringen, die Mimik von Meister Yoda zu verstehen – auch ohne umfangreiches Training“, so Giese. &nbsp;</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Taubert et al. (2021): Shape-invariant encoding of dynamic facial expressions in human perception. eLife, 10:e61197<br> doi: <a href="http://10.7554/eLife.61197" target="_blank" class="external-link" title="Shape-invariant encoding of dynamic facial expressions in human perception" rel="noreferrer">10.7554/eLife.61197</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64435</guid><pubDate>Thu, 10 Jun 2021 16:29:13 +0200</pubDate><title>Rektor scheidet im Oktober 2022 aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rektor-scheidet-im-oktober-2022-aus/</link><description>Professor Bernd Engler stellt sein Amt zur Verfügung – Seit 2006 an der Spitze der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Rektor der Universität Tübingen, Professor Dr. Bernd Engler, beabsichtigt, zum Oktober 2022 aus dem Amt auszuscheiden. Wie er am Donnerstag im Senat bekannt gab, beendet er seine dritte Amtszeit damit im kommenden Jahr deutlich vor deren offiziellem Auslaufen. Die Universität wird nun eine Findungskommission einsetzen und die Neuausschreibung in die Wege leiten.&nbsp;</p><p>Bernd Engler, Professor für Amerikanistik, führt die Universität seit 2006 als Rektor. Unter seiner Ägide konnte die Universität sich zweimal erfolgreich in der Exzellenzinitiative des Bundes behaupten. Die Universität Tübingen habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und im internationalen Wettbewerb bestens positioniert. Er blicke auf erfüllte Jahre zurück, erklärte Engler. „Es war mir eine Ehre und auch stets eine Freude, mit einem hervorragenden Team an der Spitze einer Universität wirken zu dürfen, die sich exzellenter Forschung und Lehre gleichermaßen verpflichtet weiß.“&nbsp;</p><p>Nachdem die Exzellenzstrategie der Universität nun in allen zentralen Bereichen implementiert sei, sehe er seine Aufgabe als abgeschlossen an, sagte Engler. „Eine neue Rektorin beziehungsweise ein neuer Rektor soll genügend Zeit haben, in den nächsten Jahren die künftige Exzellenzstrategie auszugestalten und in der Universität breit zu verankern.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64339</guid><pubDate>Wed, 09 Jun 2021 14:13:45 +0200</pubDate><title>Stellungnahme: Forschung an Krähen war zu jeder Zeit behördlich genehmigt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/stellungnahme-forschung-an-kraehen-war-zu-jeder-zeit-behoerdlich-genehmigt/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der Mitteilung von „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ und der „Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.“ erklärt die Universität Tübingen:</p><p>Die Behauptung, an der Universität Tübingen würden Tierversuche ohne Genehmigung durchgeführt, ist nicht richtig. Die neurobiologische Forschung von Professor Andreas Nieder an Krähen war zu jedem Zeitpunkt nach den strengen Maßstäben des Tierschutzgesetzes behördlich genehmigt. Die Tierversuchsgenehmigung umfasste auch von Beginn an den Einsatz von (beispielsweise wegen Krankheit) aus der Natur entnommenen Krähen zur Zucht oder als Versuchstiere. Die Übernahme der vom Vogelschutzzentrum Mössingen und anderen Einrichtungen abgegebenen Tiere war genehmigt. Es handelte sich um Tiere, die nicht mehr hätten ausgewildert werden können.</p><p>Am Lehrstuhl für Tierphysiologie der Universität wird seit mehr als zehn Jahren mit Krähenvögeln im Bereich der Hirnforschung gearbeitet. Als Neurobiologe erforscht Professor Nieder die Arbeitsweise der Nervenzellen im Gehirn mit dem Ziel herauszufinden, wie kognitive Leistungen entstehen. Seine Arbeit zum Bewusstsein bei Krähenvögeln wurde 2020 von der American Association for the Advancement of Science als einer der „Forschungsdurchbrüche des Jahres“ ausgezeichnet. Methodisch sind dafür invasive Eingriffe unabdingbar. In der Regel werden dabei Zuchttiere eingesetzt.&nbsp;</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-steht-zu-forschung-an-kraehenvoegeln/">Stellungnahme „Universität Tübingen steht zu Forschung an Krähenvögeln“ vom 3. Mai 2021</a><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64204</guid><pubDate>Mon, 07 Jun 2021 09:56:52 +0200</pubDate><title>Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/art-der-waldnutzung-beeinflusst-lebensrhythmus-der-wildpflanzen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen vergleicht zeitliche Rhythmen der Frühjahrsblüher auf verschiedenen Flächen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit. Eine Studie der Universität Tübingen fand nun heraus, dass auch die Art und Weise der Landnutzung am Standort der Pflanzen den Takt ihrer Lebensabläufe erheblich beeinflussen kann. Ein Forschungsteam aus der Arbeitsgruppe Evolutionäre Ökologie der Pflanzen hat in einer Vergleichsstudie hundert Waldflächen unterschiedlicher Nutzung untersucht. Es stellte fest, dass in intensiv forstwirtschaftlich genutzten Wäldern die Frühjahrsblüher im Unterholz, wie Buschwindröschen, Bärlauch oder Waldveilchen, durchschnittlich zwei Wochen später zur Blüte kommen als auf naturnahen Waldflächen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Ecological Applications</em> veröffentlicht.</p><p>Zum Gedeihen und Überleben müssen wichtige Ereignisse im Leben der Pflanzen auf günstige Umweltbedingungen abgestimmt sein. Dazu gehört vor allem die Fortpflanzung. „Für Blütenpflanzen gibt es kein wichtigeres Ereignis als die Blüte. Das Timing ist entscheidend“, erklärt Franziska Willems, Hauptautorin der Studie. Nur wenn die Blüten zum richtigen Zeitpunkt bestäubt werden, wachsen Früchte mit Samen heran, die neue Pflanzen hervorbringen können.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64198</guid><pubDate>Mon, 07 Jun 2021 09:28:17 +0200</pubDate><title>Computerspielen trainiert den Zahlensinn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/computerspielen-trainiert-den-zahlensinn/</link><description>Die Fähigkeit, Mengen richtig zu schätzen, verbessert sich mit der Anzahl an Spielstunden pro Woche, berichten Tübinger Forschende</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-64006</guid><pubDate>Mon, 31 May 2021 15:01:09 +0200</pubDate><title>Förderung der Sportstätten wirkt sich positiv auf Gehälter vor Ort aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/foerderung-der-sportstaetten-wirkt-sich-positiv-auf-gehaelter-vor-ort-aus/</link><description>Forschungsteam der Universitäten Tübingen und St. Gallen deckt bisher kaum untersuchten Zusammenhang auf</description><content:encoded><![CDATA[<p>Fördert eine Gemeinde ihre Sportstätten mit vergleichsweise hohen Beträgen, hat die ansässige Bevölkerung mittel- bis langfristig mehr Geld in der Haushaltskasse. Das Nettoeinkommen der Haushalte kann bis zu 5,8 Prozent höher ausfallen als bei geringer Sportstättenförderung. Dieser Effekt geht allerdings fast ausschließlich auf Gehaltssteigerungen bei Männern zurück. Das ergab eine Untersuchung von Professor Tim Pawlowski und Tim Wallrafen (Institut für Sportwissenschaft an der Universität Tübingen) sowie Professor Michael Lechner und Dr. Carina Steckenleiter (Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität St. Gallen). Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.</p><p>Die in der Fachzeitschrift Labour Economics veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass vorrangig Männer die lokale öffentliche Sportinfrastruktur nutzen. Die dadurch erreichte Steigerung ihres gesundheitlichen und sozialen Wohlbefindens schlage sich in einem größeren Erfolg auf dem Arbeitsmarkt nieder, so das Forschungsteam.</p><p>„Die direkten Arbeitsmarkteffekte von öffentlichen Ausgaben für Bildung oder Arbeitsmarktprogramme wurden schon häufiger untersucht, nicht jedoch die indirekten Effekte von öffentlichen Ausgaben für Sport“, berichtet Tim Pawlowski. Und das, obwohl die Politik solche Ausgaben häufig mit positiven Effekten auf beispielsweise die Gesundheit oder das Sozialkapital begründe, was wiederum nachweislich positiv auf den Arbeitsmarkterfolg wirke.</p><p>Die Datengrundlage für die neue Studie bildete das Soziooekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in dem ausgewählte Privathaushalte seit 1984 jährlich wiederholt unter anderem zu soziologischen, gesundheitlichen und ökonomischen Themen befragt werden. Für den ausgewählten Zeitraum von 2001 bis 2012 wurden diese Daten mit den jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für örtliche Sporteinrichtungen der über 12.000 Gemeinden in Deutschland verbunden.</p><h3>Individuelle Vergleiche im großen Datenbestand</h3><p>„Dass in Kommunen mit hohen Ausgaben für die Sportstätten die Haushalte mehr Geld zur Verfügung haben, kann viele verschiedene Gründe haben. Daher war es sehr aufwendig, den ursächlichen Zusammenhang zu identifizieren“, erklärt Pawlowski. Vereinfacht sei die Vorgehensweise so, dass das Forschungsteam in dem großen Datenbestand jeweils Personen vergleiche, deren Merkmale sowie ihre persönlichen und lokalen Rahmenbedingungen sich zu Beginn des Beobachtungszeitraums möglichst stark ähnelten. Nur lebten sie in Kommunen, die unterschiedlich viele Finanzmittel in ihre lokalen Sportstätten stecken. „Mit dieser Methode versuchen wir zu kontrollieren, wie sich die Gehälter im zeitlichen Verlauf ohne Einfluss der Sportstättenförderung entwickeln. So können wir beispielsweise auch sicherstellen, dass das Ergebnis nicht über den Zuzug von Personen mit höheren Gehältern in die Gemeinden mit gut finanzierten Sportstätten zustandekam.“</p><p>Über den deutlichen Effekt auf den Arbeitsmarkterfolg bei hoher Sportförderung war auch das Team zunächst überrascht. „Daher haben wir zahlreiche andere Modellspezifikationen getestet und die Ergebnisse miteinander verglichen“, sagt Pawlowski. Das Hauptergebnis blieb indes gleich. Die Personen in Kommunen mit höheren Ausgaben für Sportstätten erzielten ein um mehr als fünf Prozent höheres Gehalt als in Kommunen mit weniger Ausgaben für Sportstätten. „Auch die Geschlechterdifferenz blieb bestehen“, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass die Männer stärker von den örtlichen Sportanlagen profitierten, weil Frauen dieser Altersklasse allgemein weniger Sport treiben und entsprechend auch öffentliche Sportstätten seltener nutzen.“<br> &nbsp;<br> Während ein Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Arbeitsmarkterfolg bereits bekannt war, hat das Forschungsteam erstmals die gesamte Kausalkette von der Finanzierung der Sportinfrastruktur bis zum Arbeitsmarkterfolg in den Blick genommen. „Unsere Studie zeigt, dass es auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll ist, ausreichend Geld in eine gute Sportstätteninfrastruktur zu stecken“, fasst Pawlowski die Erkenntnisse zusammen.<br> &nbsp;</p><p><strong>Publikation:</strong>&nbsp;Tim Pawlowski, Carina Steckenleiter, Tim Wallrafen, &amp; Michael Lechner: Individual labor market effects of local public expenditures on sports. Labor Economics, doi.org/10.1016/j.labeco.2021.101996&nbsp;&nbsp;<br><br><strong>Weitere Informationen auf der Webseite des Instituts für Sportwissenschaft:</strong><br> &nbsp;<a href="https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/sportwissenschaft/institut/newsfullview-aktuelles/article/arbeitsmarkteffekte-oeffentlicher-sportfoerderausgaben" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/sportwissenschaft/institut/newsfullview-aktuelles/article/arbeitsmarkteffekte-oeffentlicher-sportfoerderausgaben</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63835</guid><pubDate>Tue, 25 May 2021 10:13:50 +0200</pubDate><title>Ältester Goldfund aus Baden-Württemberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aeltester-goldfund-aus-baden-wuerttemberg/</link><description>Kleine Spirale aus Golddraht bei frühbronzezeitlicher Bestattung entdeckt – Ausgrabung der Universität Tübingen und des Landesamts für Denkmalpflege</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der bisher älteste sicher datierte Edelmetallfund in Südwestdeutschland wurde im Herbst 2020 bei der Ausgrabung eines frühbronzezeitlichen Frauengrabs nahe Ammerbuch-Reusten, Kreis Tübingen, entdeckt. Die kleine Spirale aus Golddraht ist den Analysen zufolge etwa 3.800 Jahre alt. Edelmetallfunde aus dieser Zeit sind in Südwestdeutschland sehr selten. Das Gold des Spiralröllchens stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Cornwall im Südwesten Englands. Als ungewöhnlich frühes Zeugnis der weitreichenden Kontakte der damaligen Menschen für solche Luxusobjekte misst das ausgrabende Forschungsteam dem Fund eine hohe kulturhistorische Bedeutung bei. Leiter der Grabung waren Professor Raiko Krauß vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen und Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63820</guid><pubDate>Tue, 25 May 2021 09:02:54 +0200</pubDate><title>Vom harmlosen Hautbakterium zum gefürchteten Infektionserreger</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vom-harmlosen-hautbakterium-zum-gefuerchteten-infektionserreger-1/</link><description>Internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen entdeckt, dass ein zusätzlicher Baustein in der Zellwand Staphylokokken gefährliche Eigenschaften verleiht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Bakterium <em>Staphylococcus epidermidis</em> kommt meist als harmlose Art auf der menschlichen Haut und in der Nase vor. Doch können einige Stämme schwer behandelbare Infektionen von Kathetern, künstlichen Gelenken und Herzklappen oder in der Blutbahn hervorrufen. Häufig sind sie zudem resistent gegen das besonders wirksame Antibiotikum Methicillin und zählen zu den gefürchteten Krankenhauskeimen. Wie aus den harmlosen Hautkeimen plötzlich gefährliche Infektionserreger werden konnten, war bislang weitgehend unklar.</p><p>Ein internationales Forschungsteam hat nun entdeckt, was die friedlichen Mitbewohner unter den <em>S. epidermidis</em>-Bakterien von vielen der gefährlichen Invasoren unterscheidet. Bei vielen der Letzteren identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein neues Gencluster, das den Bakterien zu zusätzlichen Strukturen der Zellwand verhilft. Damit können sich die Staphylokokken leichter an menschliche Wirtszellen in der Blutbahn anheften; sie werden dadurch zu Krankheitserregern. Möglicherweise kann über diese Zellwandstrukturen auch die Methicillinresistenz verbreitet und beispielsweise von <em>Staphylococcus epidermidis</em> auf die noch gefährlichere Schwesterart <em>Staphylococcus aureus</em> übertragen werden.</p><p>Die Studie wurde unter der Leitung von Forscherinnen und Forschern des Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) in Zusammenarbeit mit Universitäten in Kopenhagen, Hamburg, Shanghai und Hannover und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) in Borstel durchgeführt und im Fachmagazin <em>Nature Microbiology</em> veröffentlicht.</p><h3>Die Struktur macht den Unterschied</h3><p>Die Zellwand der Staphylokokken – wie auch anderer grampositiver Bakterien – besteht zu einem erheblichen Anteil aus Teichonsäuren. Sie ragen kettenartig nach außen und sind in artspezifischen Varianten mit unterschiedlicher chemischer Struktur bekannt. „Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass viele krankheitserregende Stämme von <em>S. epidermidis</em> ein zusätzliches Gencluster besitzen, das die Informationen zur Herstellung der eigentlich für <em>S. aureus</em> typischen Wandteichonsäuren enthält“, berichtet die Forscherin Xin Du vom Exzellenzcluster CMFI und vom DZIF. Experimente hätten ergeben, dass <em>S. epidermidis</em>-Bakterien mit der arttypischen Wandteichonsäure allein wenig invasiv sind und Haut- und Schleimhautoberflächen besiedeln. Komme die für <em>S. aureus</em> typische Wandteichonsäure hinzu, könnten sie dort weniger gut wachsen und drängen stattdessen erfolgreicher in die Gewebe ihres menschlichen Wirts ein. „Irgendwann haben einige<em> S. epidermidis</em>-Klone die entsprechenden Gene von <em>S. aureus</em> übernommen und sind so zu bedrohlichen Krankheitserregern geworden“, sagt Professor Andreas Peschel vom Exzellenzcluster CMFI und dem DZIF.</p><p>Seit langem ist bekannt, dass Bakterien Eigenschaften untereinander per Gentransfer übertragen können. Den Transfer übernehmen Bakteriophagen, das sind Viren, die Bakterien befallen. Dies geschieht meist innerhalb einer Art und setzt gleiche Oberflächenstrukturen voraus, an die die Bakteriophagen binden müssen. „Zwischen <em>S. epidermidis</em> und <em>S. aureus</em> verhindern die unterschiedlichen Zellwandstrukturen normalerweise den Gentransfer. Doch bei den <em>S. epidermidis</em>-Stämmen, die auch die Wandteichonsäuren von <em>S. aureus</em> herstellen können, ist so ein Genaustausch plötzlich möglich“, sagt Peschel. So ließe sich erklären, wie <em>S. epidermidis </em>eine Resistenz gegen Methicillin auf den noch bedrohlicheren – dann Methicillin-resistenten – <em>S. aureus</em> übertragen konnte. Das müsse jedoch noch genauer untersucht werden. Die neuen Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt, um bessere Therapien oder Impfungen gegen gefährliche Krankheitserreger wie den seit rund 15 Jahren bekannten <em>S. epidermidis </em>ST 23 entwickeln zu können, der zur Gruppe der HA-MRSE gehört (healthcare-associated methicillin-resistant <em>S. epidermidis</em>).</p><h3>Publikation:</h3><p>Xin Du, Jesper Larsen, Min Li, Axel Walter, Christoph Slavetinsky, Anna Both, Patricia M. Sanchez Carballo, Marc Stegger, Esther Lehmann, Yao Liu, Junlan Liu, Jessica Slavetinsky, Katarzyna A. Duda, Bernhard Krismer, Simon Heilbronner, Christopher Weidenmaier, Christoph Mayer, Holger Rohde, Volker Winstel, Andreas Peschel: <em>Staphylococcus epidermidis</em> clones express <em>Staphylococcus aureus</em>-type wall teichoic acid to shift from commensal to pathogen behavior. <em>Nature Microbiology</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41564-021-00913-z" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41564-021-00913-z</a>.</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p><a href="https://naturemicrobiologycommunity.nature.com/posts/how-emerging-staphylococcus-epidermidis-clones-learned-from-staphylococcus-aureus-how-to-be-a-pathogen?channel_id=346-behind-the-paper" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Blogbeitrag von Andreas Peschel für <em>Nature&nbsp;Portfolio Microbiology Community</em></a>,&nbsp;Kategorie "Behind the Paper"</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63715</guid><pubDate>Thu, 20 May 2021 19:00:00 +0200</pubDate><title>Dr. Simon Strick mit Hans Bausch Mediapreis des SWR für gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten ausgezeichnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dr-simon-strick-mit-hans-bausch-mediapreis-des-swr-fuer-gesellschaftliche-verantwortung-in-digitalen-oeffentlichkeiten-ausgezeichnet/</link><description>Die Verleihung erfolgt am 20.05.2021 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Preisverleihung im Rahmen der Tübinger Medientage an Simon Strick</h3><p>Der Medienwissenschaftler Dr. Simon Strick wird mit dem diesjährigen Hans Bausch Media Preis des SWR ausgezeichnet. Strick, der am Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) tätig ist, erhält die Auszeichnung für sein am 1. Mai 2021 veröffentlichtes Buch „Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus.“ Er untersucht darin, mit welchen Strategien rechtes Gedankengut auf der Gefühlsebene verankert wird und welche Rolle digitale Medien dabei spielen. Anhand von Postings, Memes, GIF’s, YouTube-Videos, Blogs oder Games macht er deutlich, wie diese Weltanschauung ganz alltäglich daherkommt, auf emotionaler Ebene die Gegen- und Jugendkultur anspricht und letztlich darauf zielt, als anschlussfähig und unbedenklich wahrgenommen zu werden. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Tübinger Medientage am 20. Mai 2021 ab 18:00 Uhr statt. Interessierte Journalistinnen und Journalisten können an der Veranstaltung unter folgendem Link teilnehmen: <a href="https://www.swr.de/unternehmen/hans-bausch-mediapreis-100.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.swr.de/unternehmen/hans-bausch-mediapreis-100.html</a>&nbsp;</p><h3>Verbreitung von rechtem Gedankengut im Netz als aktuelle Herausforderung</h3><p>Das Buch, so bilanzierte die Jury des Hans Bausch Mediapreises, könnte „angesichts vergangener und gegenwärtiger rechtsterroristischer Anschläge, aber auch alltäglicher rassistischer, sexistischer wie antisemitischer Gewalt, aktueller nicht sein. Es ist der wissenschaftlich gut begründete sowie deutlich formulierte Aufruf, den eigenen Blick für rechtes Gedankengut und die dahinterstehenden Strategien im Netz zu schärfen. Stricks Studie geht alle an, die sich aus journalistischer oder wissenschaftlicher Perspektive mit den Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigen und denen demokratische Öffentlichkeit und gerechtes Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft ein Anliegen ist.“</p><p>Simon Strick ist Gender-, Kultur- und Medienwissenschaftler und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften. Er promovierte 2011 an der Humboldt-Universität und hatte Positionen an verschiedenen Universitäten in Deutschland und den USA inne. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit konzentriert sich auf Medienwissenschaften, Gender und Race-Theorien sowie populäre Kulturen. Er ist Mitbegründer des Theaterkollektivs PKRK. Simon Strick lebt und arbeitet in Berlin.&nbsp;</p><h3>Gesellschaftliche Verantwortung von Medien in der digitalen Welt&nbsp;</h3><p>Mit dem neu belebten Hans Bausch Mediapreis richten der SWR und das Tübinger Institut für Medienwissenschaft den Fokus ganz bewusst auf die gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten. „Es ist uns wichtig, die gesellschaftliche Debatte aktiv voranzutreiben. Uns geht es um fairen Austausch auf der Grundlage von gut recherchierten Informationen, auch und gerade im digitalen Raum“, so Professor Kai Gniffke, Intendant des SWR. „Wir wollen ausloten, welchen Beitrag wir als Medienanbieter leisten können, um Diskussionen anzuregen und auch gelingen zu lassen. Simon Strick schaut in seiner Arbeit auf diese Verantwortung im Digitalen. Mit ihm haben wir einen großartigen Preisträger, der in seinem medienethischen Ansatz klar und direkt ist. So können seine Ausführungen wirklich einen Unterschied machen.“</p><p>Der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, betont: „Unser Institut für Medienwissenschaft steht für innovative Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung, und es steht als Fach programmatisch im Einklang mit den Zielen des universitären Zukunftskonzeptes Research, Relevance, Responsibility. Die Idee, Forschung im steten Austausch mit der Medienpraxis voranzutreiben und medienwissenschaftliche Einsichten und Befunde kontinuierlich in verschiedene Foren öffentlicher Kommunikation einzuspeisen, hat dabei Tradition in der Tübinger Medienwissenschaft. Dafür steht auch die langjährige Kooperation des Instituts mit dem SWR, die in diesem Jahr erstmals durch die die Verleihung des Hans Bausch Mediapreises ergänzt wird. Damit signalisieren wir auch Studierenden, die sich um einen Platz im neu geschaffenen Profil „Öffentlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ unseres Masterstudiengangs bewerben können: Medienwissenschaft in Tübingen widmet sich theoretisch fundiert und ethisch reflektiert den Herausforderungen der Digitalisierung und dies im Austausch mit der Medienpraxis.“</p><h3>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR&nbsp;</h3><p>Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Der Preis wird einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die</p><ul><li>für die Entwicklung auf dem Feld der Digitalen Ethik oder auf dem Feld der Medienethik, der Medienkompetenz im Rahmen gesellschaftlicher Verantwortung oder zum Thema Medien und gesellschaftlicher Wandel von hervorragender Bedeutung erscheinen,</li><li>im Bereich der Medienpublizistik, der Digitalisierung der Medien, der Medienforschung oder Medienpädagogik in herausragender Weise zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit Medien in einer breiten Öffentlichkeit beitragen,</li><li>oder in einem den genannten vergleichbaren Themenfeld eine herausragende Bedeutung für die gesellschaftliche Fortentwicklung haben.</li></ul><p>In den vergangenen Jahren war die Verleihung des Hans Bausch Mediapreises ausgesetzt. In dieser Zeit wurde die Satzung der Stiftung in Abstimmung mit der Stiftungsbehörde aktualisiert. Die Neuausrichtung ermöglicht nun, den Preis für wissenschaftliche Arbeiten zum Schwerpunkt gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten zu verleihen.</p><p>Bislang wurde der Hans Bausch Mediapreis des SWR an herausragende Medienpersönlichkeiten verliehen. Zuletzt wurde er im Jahr 2009 an den Medienjournalisten Stefan Niggemeier vergeben. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Harald Schmidt, der Kinderbuchautor Janosch, die Schriftstellerin Elke Heidenreich und die Medienwissenschaftlerin Hertha Sturm.</p><p>Über die Vergabe des Hans Bausch Mediapreises des SWR entscheidet eine Jury, die das Wissen von Expertinnen und Experten aus dem praktischen Medienalltag und der universitären Erforschung von Medien und Gesellschaft vereint. Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg&nbsp;</li><li>Thomas Dauser, SWR Chef Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>&nbsp;Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung&nbsp;</li><li>Junior-Professor Sascha Dickel, tätig im Arbeitsbereich Mediensoziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit dem Schwerpunkt Gesellschafts- und Medientheorie und digitale Partizipation</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63712</guid><pubDate>Thu, 20 May 2021 09:13:15 +0200</pubDate><title>Erster Lockdown: Ein Drittel aller Schüler hatte keinen Kontakt zur Schule</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erster-lockdown-ein-drittel-aller-schueler-hatte-keinen-kontakt-zur-schule/</link><description>Studie befragte im Frühjahr 2020 Schulleitungen – Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land</description><content:encoded><![CDATA[<p>Rund 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland hatten während der ersten Corona-bedingten Schulschließungen im Frühjahr 2020 keinen regelmäßigen Kontakt zu ihren Schulen. Insbesondere in ländlichen Regionen gelang es demnach nicht, den Kontakt zu halten. Nur etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den ländlichen Regionen Deutschlands erhielten darüber hinaus während der Schulschließung Lernmaterialien im Rahmen von Onlineunterricht – in Städten waren es etwa 60 Prozent. Dies zeigt die für Deutschland repräsentative Schulleitungs-Studie „Leadership in German Schools (LineS)“, die gemeinsam von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Tübingen, Lüneburg und der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt wird.</p><p>Die Corona-Krise traf Schulen in Deutschland unvorbereitet und stellte diese vor neue Herausforderungen. Vor allem wiederholte Schließungen und die Aufhebung des Präsenzunterrichts führten dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler den Kontakt zu Ihren Lehrkräften verloren. Zudem mussten kurzfristig neue Formen des Lernens und Unterrichtens eingeführt werden, die sich von den traditionellen Formen des Unterrichts unterscheiden.</p><p>In der Studie wurden zwischen April und Juni 2020 insgesamt 306 zufällig ausgewählte Schulleitungen allgemeinbildender Schulen befragt. Wie diese berichteten hatten demnach bundesweit nur etwa drei von vier Schulkindern (71 Prozent) in Deutschland während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 regelmäßigen Kontakt mit ihrer Schule, das heißt mindestens einmal pro Woche. In ländlichen Regionen (Schulstandorte mit weniger als 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern) waren es nur drei von fünf Schülerinnen und Schülern (60 Prozent), die regelmäßig Kontakt hatten.</p><p>Die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern erfolgte meist im direkten Austausch mit ihren Lehrkräften (89 Prozent), beispielsweise über Telefon, einen Messenger-Dienst oder durch das Bereitstellen von Material auf Lernplattformen (75 Prozent). Gemeinsames Lernen in Kleingruppen (41 Prozent) oder gar im Klassenverband (33 Prozent) fand während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 hingegen eher selten statt. Diesbezüglich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Schulen in ländlichen und städtischen Gebieten: So fand in ländlichen Regionen ein gemeinsames Lernen in Kleingruppen nur an 19 Prozent aller Schulen, ein gemeinsames Lernen im Klassenverband nur an 16 Prozent aller Schulen statt.</p><p>Deutliche Unterschiede während der ersten bundesweiten Schulschließungen im Frühjahr 2020 finden sich mit Blick auf den Unterricht: Während in Städten und Metropolen rund 60 Prozent aller Schulen Lernmaterialien im Rahmen von Onlineunterricht anboten, wählten nur 27 Prozent der Schulen im ländlichen Raum diesen Weg. Stattdessen versorgten Sie Schülerinnen und Schüler vor allem durch die Bereitstellung von Lernmaterialien bereits vor der Schulschließung (88 Prozent) sowie durch die Bereitstellung von Material während der Schulschließung (74 Prozent).</p><p>Bundesweit berichten Schulleitungen über alle Regionen hinweg von einer mangelnden digitalen Ausstattung in Schulen und Elternhäusern, die den Fernunterricht sehr stark beeinträchtigt habe. „Inwieweit es den Schulen zwischenzeitlich gelungen ist, aus der Situation im letzten Jahr für die jüngsten Schulschließungen 2021 zu lernen, muss sich in einer Folgestudie zeigen“, sagt Prof. Dr. Colin Cramer, der die Studie an der Universität Tübingen betreut. Eine entsprechende Studie, die voraussichtlich im Sommer oder Herbst 2021 stattfinden soll, befinde sich in Vorbereitung.</p><h3>Zum Hintergrund der Studie</h3><p>Die vorgestellten Ergebnisse sind Teil einer Ergänzung zur Studie Leadership in German Schools (LineS), die von den Universitäten Tübingen (Prof. Dr. Colin Cramer und Dr. Jana Groß Ophoff) und Lüneburg (PD Dr. Marcus Pietsch) sowie von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (Prof. Dr. Pierre Tulowitzki) durchgeführt wird. Von April bis Juni 2020 wurden die hier ausgewerteten Daten während der bundesweiten Schulschließungen im Kontext der Corona- Pandemie unter 306 zufällig ausgewählten Schulleitungen allgemeinbildender Schulen durch die forsa GmbH mittels Online-Fragebogen erhoben. Die Daten und Auswertungen sind Teil einer größeren repräsentativen Studie, die im Jahr 2019 unter Schulleitungen in Deutschland begonnen wurde. Von 405 der bereits im Jahr 2019 befragten Schulleitungen konnten 218 Schulleiterinnen und Schulleiter erneut erreicht werden. Diese Daten wurden um weitere 88 Datensätze von zusätzlich für die Erhebung gewonnenen Schulleitungen ergänzt.</p><h3>Informationen zum Download</h3><p>Ein Kurzbericht zur Studie mit weiterführenden Informationen und Grafiken zur Weiterverwendung stehen zum Download bereit unter: <a href="https://www.doi.org/10.17605/OSF.IO/VWDB8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.doi.org/10.17605/OSF.IO/VWDB8</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63607</guid><pubDate>Tue, 18 May 2021 11:00:00 +0200</pubDate><title>Wüstenbildung trieb Säugetiere aus Eurasien nach Afrika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wuestenbildung-trieb-saeugetiere-aus-eurasien-nach-afrika/</link><description>Forscherteam des Senckenberg Centre an der Universität Tübingen rekonstruiert zehn Millionen Jahre Klimageschichte der Arabischen Halbinsel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Entstehung von Wüsten auf der Arabischen Halbinsel hatte in den vergangenen Jahrmillionen entscheidende Auswirkungen auf die Wanderungsbewegungen und Evolution großer Säugetiere und unserer menschlichen Vorfahren. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen in einer neuen Studie. Die Wissenschaftler rekonstruierten die Klimageschichte der nördlichen Arabischen Halbinsel zwischen 12,5 und 2,5 Millionen Jahren vor heute anhand von Daten, die sie aus Gesteinen Mesopotamiens gewannen. Daraus ergaben sich neue Hinweise auf die Ursachen der Tierwanderungen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature Communication Earth &amp; Environment</em> veröffentlicht.</p><p>Die Evolution der heutigen afrikanischen Savannenfauna vollzog sich in den vergangenen fünf Millionen Jahren in relativer Abgeschiedenheit. Das war seit längerem bekannt – wie auch die Tatsache, dass die Vorfahren vieler Savannentiere wie Nashörner, Giraffen, Hyänen und Großkatzen aus Eurasien stammten. Was jedoch die Tiere zu diesem großräumigen Ortswechsel zwischen den Kontinenten bewog, war bisher unklar.</p><h3>Gestein speichert Klimadaten</h3><p>Die nördliche Arabische Halbinsel ist das Tor zu Afrika. Sie umfasst heute sowohl Wüstengebiete wie die Syrische Wüste, die israelische Wüste Negev und die saudische Wüste Nefud als auch feuchtere Steppen und Halbwüsten im Zweistromland Mesopotamiens, dessen größter Teil auf dem Gebiet des heutigen Irak liegt. Das Forscherteam untersuchte die 2,6 Kilometer mächtigen Gesteinsschichten am Fuße des Zagros-Gebirges im heutigen Iran, am Rand Mesopotamiens, mit chemischen, physikalischen und geologischen Methoden.</p><p>Es fand Belege für vier kurze, nur jeweils wenige Zehntausende Jahre währende Phasen der Wüstenbildung in Mesopotamien. Diese Phasen vor 8,75 Millionen, 7,78 Millionen, 7,5 Millionen und 6,25 Millionen Jahren wurden jeweils durch Abschnitte mit feuchterem Klima unterbrochen. „Vor 5,6 Millionen Jahren, zeitgleich mit der vorübergehenden Austrocknung des Mittelmeers, kam es in Mesopotamien zu einer 2,3 Millionen Jahre lang andauernden extremen Dürre“, sagt Madelaine Böhme. Diese außergewöhnlich langanhaltende Periode mit Wüstenklima – von Böhmes Team als NADX (Neogen Arabian Desert climaX) bezeichnet – sei erst durch eine globale Erwärmung vor 3,3 Millionen Jahren beendet worden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63424</guid><pubDate>Wed, 12 May 2021 09:12:06 +0200</pubDate><title>Alle profitierten vom Aufschwung vor Corona</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alle-profitierten-vom-aufschwung-vor-corona/</link><description>Tübinger Wirtschaftsstudie zum Armutsbericht der Bundesregierung: Bis 2020 stiegen die Nettoeinkommen ‒ An der Einkommensverteilung ändert sich dennoch wenig</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der lange anhaltende Aufschwung des Arbeitsmarktes nach 2005 hat vor allem den unteren Einkommensbereichen der Gesellschaft finanzielle Zuwächse beschert und zu einer gleichmäßigeren Einkommensverteilung beigetragen. Diesen Effekten wirkten allerdings andere Entwicklungen entgegen, wie beispielsweise die nach 2010 gestiegene Einwanderung sowie die stärkere Differenzierung der Gesellschaft nach Bildungsabschlüssen und Arbeitserfahrung. Das zeigen Tübinger Wirtschaftswissenschaftler in einer Studie für den aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die dem Bericht zugrunde liegenden Begleitstudien wurden bereits auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales veröffentlicht.</p><p>Eine Studie von Forschern der Universität Tübingen und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) für den 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung belegt: Durch den Arbeitsmarktaufschwung nach 2005 entstanden über weite Bereiche der Einkommensverteilung deutliche Einkommenszuwächse. Der Beschäftigungsaufschwung wurde durch steigende Vollzeitbeschäftigung von Männern und Frauen, aber in noch stärkerem Maße durch steigende Teilzeitbeschäftigung von Frauen getragen.&nbsp;</p><p>Diese langanhaltende Entwicklung wurde erst durch die Corona-Krise gestoppt. Sie führte im unteren Bereich der Verteilung zu realen Einkommenszuwächsen von drei bis fünf Prozent, im mittleren bis oberen Bereich hingegen nur zu Zuwächsen von eins bis zwei Prozent. Es handelt sich hierbei um einen Nettoeffekt: Berücksichtigt wird bei der Berechnung, dass Menschen, die bei Ausbleiben des Aufschwungs arbeitslos gewesen wären, Anspruch auf Zahlungen aus der Arbeitslosen- und Grundsicherung gehabt hätten.</p><p>Neben den positiven Effekten des Aufschwungs zeigt die Studie die stark stabilisierende Wirkung des deutschen Steuer- und Sozialversicherungssystems: Es mildert die Folgen wirtschaftlicher Abschwünge, aber auch die Folgen wirtschaftlicher Aufschwünge für das verfügbare Nettoeinkommen ab. „Unsere Ergebnisse zeigen: Selbst wenn sämtliche Beschäftigungsgewinne des Aufschwungs durch die Corona-Krise rückgängig gemacht würden, hätte dies aufgrund des starken sozialen Sicherungssystems nur begrenzte Auswirkungen auf die Einkommensverteilung“, sagt Martin Biewen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen und einer der Studienautoren. Das gelte allerdings mit Einschränkungen, so Biewen. „Von der Corona-Krise besonders betroffene Gruppen wie Selbständige und geringfügig Beschäftigte sind durch das soziale Sicherungssystem in geringerem Maße geschützt.“</p><p>Trotz des deutlichen Aufschwungs bis zur Corona-Krise, hat sich die Ungleichheit der Nettoeinkommen nur unwesentlich geändert – dies liegt an weiteren Faktoren, deren Einfluss die Autoren ebenfalls untersuchten. So zeigen sie, dass die gestiegene Einwanderung seit 2010 sowie eine stärkere Differenzierung der Gesellschaft nach Bildungsabschlüssen und Arbeitserfahrung für sich gesehen die Ungleichheit erhöhten. Diese Entwicklung überwog die günstigen Auswirkungen des Beschäftigungsaufschwungs teilweise sogar, wurde aber wieder durch einzelne politische Maßnahmen wie die Einführung der erweiterten Mütterrente oder Kindergelderhöhungen abgemildert.&nbsp;</p><p>Keinen nachweisbaren Einfluss auf Einkommensungleichheit hatten Änderungen in der Höhe der Löhne oder bei den Kapitaleinkünften sowie der Trend zu mehr Einpersonenhaushalten. Zusammengenommen führten alle betrachteten Entwicklungen dazu, dass die Ungleichheit der Nettoeinkommen und die Armutsrisikoquote auf dem Höhepunkt des Arbeitsmarktaufschwungs geringfügig höher waren als zu dessen Beginn.</p><p>Die Tübinger Studie ist Teil des Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der einmal in jeder Legislaturperiode veröffentlicht wird. Die Studie ist Teil eines umfangreichen Gutachtens, welches in Zusammenarbeit mit dem ifo Institut München verfasst wurde. Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beruht auf umfangreichen Begleitforschungen, die sich mit vielfältigen Themen der Einkommens- bzw. Vermögensverteilung und der sozialen Mobilität beschäftigen.&nbsp;</p><p><a href="https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de</a>&nbsp;</p><p><a href="https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Service/Studien/1-studie-iaw-ifo-tuebingen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Service/Studien/1-studie-iaw-ifo-tuebingen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63208</guid><pubDate>Thu, 06 May 2021 16:34:14 +0200</pubDate><title>Universität setzt kritische Prüfung ihres Namens in Gang</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-setzt-kritische-pruefung-ihres-namens-in-gang/</link><description>Historikerinnen und Historiker sollen Entscheidung des Senats vorbereiten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat eine kritische Prüfung ihres eigenen Namens in Gang gesetzt. Der Senat der Universität beauftragte am Donnerstag das Rektorat, eine Arbeitsgruppe von Historikerinnen und Historikern zu bilden, die sich mit den beiden Namensgebern der Universität, Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen von Württemberg, auseinandersetzen sollen. „Aufgabe der Fachleute wird es sein, die Quellenlage zu beiden Persönlichkeiten zu prüfen und zu einer wissenschaftlich fundierten Bewertung beider Herrscher zu kommen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. Die Leitung der Arbeitsgruppe wird die Direktorin des Instituts für Geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen, Professorin Sigrid Hirbodian, übernehmen.&nbsp;</p><p>Wie der Rektor erläuterte, sollen die Fachleute im Laufe des Wintersemesters 2021/22 einen Bericht zu Graf Eberhard und Herzog Karl Eugen von Württemberg vorlegen. Auf Basis dieses Berichts soll anschließend eine Senatskommission eine Beschlussempfehlung zum Namen der Universität erarbeiten. In dieser Senatskommission werden alle Statusgruppen der Universität vertreten sein.</p><p>Engler sagte, die Universität sei in den vergangenen Jahren maßgeblich von Studierenden immer wieder darauf angesprochen worden, ob der Name der Eberhard Karls Universität noch zeitgemäß sei. Beide Namensgeber seien nicht repräsentativ für die heutigen Werte der Universität, argumentierten die Studierenden. Graf Eberhard von Württemberg hatte die Universität Tübingen 1477 gegründet. Herzog Karl Eugen hatte 1769 den bis heute gültigen Namen der Hochschule festgelegt, die als Eberhard Karls Universität auf die Vornamen beider Herrscher Bezug nimmt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63061</guid><pubDate>Wed, 05 May 2021 09:03:00 +0200</pubDate><title>Wie die Pandemie das Nachtleben der Studierenden verändert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-die-pandemie-das-nachtleben-der-studierenden-veraendert/</link><description>Sozial und wirtschaftlich stark beeinträchtigt: Forschungsprojekt befragt Tübinger Studierende und Akteure der Nachtökonomie zur aktuellen Situation</description><content:encoded><![CDATA[<p>Geschlossene Bars, kaum noch Freunde treffen und keine Nebenjobs: In der Pandemie hat sich die Situation Studierender deutlich verschlechtert, in sozialer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Studierende des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie an der Universität Tübingen erheben in einer repräsentativen Untersuchung, wie es aktuell um das Nachtleben in Tübingen bestellt ist. Unter Leitung von Professor Sebastian Kinder befragten sie zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 online 1243 Tübinger Studierende. Zudem wurden qualitative Interviews mit Akteuren des Tübinger Nachtlebens und der sogenannten Nachtökonomie durchgeführt ‒ darunter Inhaber von Clubs und Bars, Vertreter der Stadt Tübingen sowie Ordnungsbehörden.</p><p>Die Ergebnisse präsentierte das Projektseminar am 4. Mai in einer Online-Veranstaltung. Sie stehen zum freien Download unter <a href="https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/53309" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/53309</a>.</p><p>Insgesamt habe die COVID-19-Pandemie die Aktivität der Studierenden im Nachtleben deutlich reduziert und verändert, so die Autorinnen und Autoren der Studie. Studierende waren während der Lockdowns im Frühjahr 2020 und im Winter 2020/‘21 weniger als einmal pro Monat im Nachtleben unterwegs ‒ vor der Pandemie waren es mehr als sieben Abende. Auch die durchschnittliche Gruppengröße hat sich deutlich verringert; große Gruppen sind selten geworden. Alternativ setzten Studierende verstärkt auf neue Formen der sozialen Interaktion, probierten digitale Formate wie Videokonferenzen oder Online-Spieleabende aus.</p><p>Dennoch gaben mehr als 97 Prozent der Befragten an, sich durch die Pandemie eingeschränkt zu fühlen. Mehr als 66 Prozent sagten, sie empfänden die Einschränkungen sogar als sehr stark. „Das Nachtleben spielt bei Studierenden eine wichtige Rolle. Es leidet stark durch die Pandemie und kann nicht adäquat ersetzt werden“, so Professor Sebastian Kinder.</p><p>Aufgrund der Situation reduzierten mehr als 90 Prozent der Studierenden ihre monatlichen Ausgaben für das Nachtleben während der Pandemie, 73 Prozent davon stark. Das bedeutete aber nicht unbedingt mehr Geld in der Tasche, denn gleichzeitig musste der Verlust von Einkommen kompensiert werden: So stehen jenen Studierenden, die nebenberuflich in der Gastronomie, in Bars oder Clubs tätig waren, derzeit monatlich durchschnittlich 100 Euro weniger zur Verfügung.</p><p>Stark betroffen von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind die Anbieter im Bereich der Nachtökonomie. Durch die Schließungen von Gastronomie, Bars und Clubs verzeichnen sie erhebliche Einkommenseinbußen und beklagen Probleme bei den staatlichen Hilfen. Die Maßnahmen der Stadt Tübingen hingegen werden ausdrücklich gelobt. „Die vielfältigen Verflechtungen des Nachtlebens reichen weit über das einfache abendliche Ausgehen hinaus und betreffen die Studierenden und die Stadt auf vielfältige Weisen“, sagt Jan Kosok, Co-Leiter des Projekts.</p><p>Räumlich hat sich das Nachtleben, wenn es möglich war, ins Freie verlagert. Schwerpunkte sind vor allem der Alte Botanische Garten, der Holzmarkt und die Neckarinsel. Hingegen werden die Mühlstraße, die Haaggasse und andere Bereiche der Altstadt deutlich weniger frequentiert als vor der Pandemie. Gleichzeitig gibt es aber Hinweise, dass das Nachtleben nun öfters im privaten Raum stattfinden könnte. Dies passe zu den Warnungen der „Gesellschaft für Aerosolforschung“, dass die eigentliche Ansteckungsgefahr von dem Geschehen in Innenräumen ausgehe, sagen die Autoren. „In der weiteren Planung von Pandemie-Maßnahmen sollten solche Szenarien kritisch betrachtet und einbezogen werden.“</p><p>Die Auswertung der Befragungen wurde von Studierenden unter Anleitung von Professor Kinder und seinen Mitarbeitern im Rahmen eines Projektseminars durchgeführt. „Ich habe extrem viel gelernt aus dem Projekt und der Situation. Die Änderungen im Nachtleben betreffen mich in meinem Alltag und die Betroffenheit der Anbieterinnen und Anbieter spüre ich nun deutlicher“, zieht Studentin Daniela Schröder Bilanz.</p><p>Der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen der Evolutionären Wirtschaftsgeographie, der Transformationsforschung und des Industrial Change. Der regionale Schwerpunkt der Forschungsarbeiten liegt in den Ländern Mittel- und Osteuropas sowie in Ost- und Südostasien.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-63025</guid><pubDate>Tue, 04 May 2021 15:00:00 +0200</pubDate><title>Auftaktveranstaltung des 3R-Netzwerkes Baden-Württemberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auftaktveranstaltung-des-3r-netzwerkes-baden-wuerttemberg/</link><description>Landesweites Netzwerk zur Verbesserung von Tierschutz und Forschung geht an den Start</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tierversuche tragen in der Medizin zu einem besseren Verständnis von Erkrankungen bei und helfen bei der Entwicklung vieler neuer diagnostischer Verfahren und Therapien. Trotz der Entwicklung von Alternativen werden sie auch in der biomedizinischen Forschung auf absehbare Zeit noch ein notwendiger Baustein bleiben. Dabei immer im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das 3R-Prinzip – also Tierversuche zu verbessern, zu verringern und wenn möglich zu vermeiden (Vermeidung, Verringerung, Verbesserung = Replacement, Reduction, Refinement – 3R). Mit dem Aufbau eines flächendeckenden 3R-Netzwerks, das alle wesentlichen biomedizinischen Standorte im Land einbezieht, wählt Baden-Württemberg einen neuen Ansatz, um die wissenschaftliche Forschung und den Tierschutz gleichermaßen voranzubringen. Eine virtuelle Auftaktveranstaltung gab den Netzwerkpartnern heute Gelegenheit, ihre Vorhaben vorzustellen.</p><p>„Die biomedizinische Forschung spielt bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie eine entscheidende Rolle. Nur dank der jahrzehntelangen Grundlagenforschung konnte bereits ein Jahr, nachdem sich das Virus weltweit verbreitet hatte, eine Vielzahl an Impfstoffen gegen COVID-19 entwickelt und eingesetzt werden. Diese Impfstoffe würde es ohne Tierversuche nicht geben, und auch die Entwicklung von wirksamen Therapien wird ohne sie auf absehbare Zeit nicht auskommen. Wir brauchen deshalb mehr Alternativmethoden“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Dienstag (4. Mai) in Stuttgart. Umso entscheidender sei es, sowohl die Forschung als auch den Tierschutz voranzubringen – „und das werden wir mit unserem 3R-Netzwerk Baden-Württemberg gemeinsam erreichen. Wir wollen aktiv dazu beitragen, die Anzahl der Tierversuche in der Forschung zu reduzieren.“ Als wichtiger Standort der biomedizinischen Forschung trage Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung.</p><h3>Thema auch von gesellschaftlicher Relevanz&nbsp;</h3><p>„Mit dem 3R-Netzwerk Baden-Württemberg wollen wir die Expertise in der biomedizinischen Forschung im Land bündeln, die Sichtbarkeit der Aktivitäten erhöhen und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Tierschutz in Forschung und Lehre gewährleisten“, betonte die Ministerin. Nicht nur die rund 200 Anmeldungen zur Auftaktveranstaltung zeigten die Relevanz des Themas, sondern auch das breite Teilnehmerfeld aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Tierschutzbeauftragten, Tierärzt*innen, Studierenden, Vertreter*innen aus Industrie und anderen 3R-Zentren wie auch Vertreterinnen und Vertretern von Tierschutzorganisationen.</p><p>Für den Aufbau des Netzwerks wird das Land in den nächsten fünf Jahren knapp vier Millionen Euro bereitstellen. Die beteiligten Hochschulen ergänzen diese Anschubfinanzierung des Wissenschaftsministeriums mit insgesamt fast drei Millionen Euro an Eigenmitteln, so dass in den nächsten Jahren knapp sieben Millionen Euro für das 3R-Netzwerk zur Verfügung stehen.</p><p>„Ob bessere Medikamente, sichere Operationen oder das Wissen, wie man Organe verpflanzt: Die großen Fortschritte der Medizin in den vergangenen 150 Jahren waren nur durch den Austausch zwischen biomedizinischer Grundlagenforschung und anwendungsorientierter klinischer Forschung möglich. Mit dem 3R-Netzwerk und insbesondere mit dem 3R-Center erhält die biomedizinische Forschung am Standort Tübingen einen weiteren wichtigen Impuls, in dem Bestreben, Tierschutz und Forschung noch weiter zu verbessern", betonte Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, die zusammen mit dem NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen Trägerin des 3R-Centers ist.</p><p>Zum Auftakt des neu gegründeten 3R-Netzwerks Baden-Württemberg stellten die zehn Netzwerkpartnerinnen und -partner ihre geförderten Projekte in jeweils zehnminütigen Vorträgen vor. Die Auftaktveranstaltung des Netzwerks richtete das 3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen im Auftrag des Wissenschaftsministeriums aus. „Mit unserem 3R-Center wollen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Baden-Württemberg einen möglichst einfachen Zugang zu neuartigen Alternativmethoden bieten, mit dem Ziel, die Anzahl an Tierversuchen nachhaltig auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren“, sagte die Gründungsdirektorin des 3R-Centers und Direktorin des NMI Reutlingen, Prof. Dr. Katja Schenke-Layland.</p><h3>Fünf Zentren bilden Grundgerüst des Netzwerks</h3><p>Gemeinsam mit dem bereits im Frühjahr 2020 gegründeten 3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen in Tübingen/Reutlingen werden künftig vier weitere Zentren das Grundgerüst des „3R-Netzwerk Baden-Württemberg“ bilden: das „3R-Zentrum Rhein-Neckar“ der Universität Heidelberg mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, das „3R-US Netzwerk“ der Universität Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses, das „CAAT-Europe“ (Center for Alternatives to Animal Testing in Europe) der Universität Konstanz mit der John Hopkins University und das „Interdisziplinäre Zentrum zur Erforschung von Darmgesundheit“ an der Universität Heidelberg.&nbsp;</p><h3>Aus- und Weiterbildung mit im Fokus</h3><p>Darüber hinaus werden drei weitere Forschungsprojekte gefördert, die an den Universitäten in Heidelberg, Ulm und Freiburg beheimatet sind. Zusätzlich werden noch zwei Projekte aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung an der Hochschule Reutlingen und an der Universität Ulm gefördert.</p><h3>Landesweite Forschungskompetenz: 10 Projekte in jeweils 10 Minuten</h3><p>Mit der W3-Brückenprofessur von Prof. Dr. Peter Loskill für Organ-on-a-Chip-Systeme, der ab 1. Mai auch die Leitung des <strong>3R-Center für In-Vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen Tübingen</strong> übernommen hat, erhält die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen die Expertise, neue Technologien bereitzustellen, die die Notwendigkeit von Tierversuchen reduzieren oder gar ersetzen können. Der entscheidende Vorteil ist, dass Organ-on-a-chip-Modelle die natürliche Mikro-umgebung, so wie sie in menschlichen Zellen in bestimmten Organen und Geweben gegeben ist, abbilden.&nbsp;</p><p>Dr. Marcus Meinhardt vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim wird über das <strong>3R-Zentrum Rhein-Neckar </strong>referieren, das zusammen vom Zentralinstitut und der Universität Heidelberg verantwortet wird. Hauptziel ist die Etablierung des Zentrums in der Rhein-Neckar Region mit den Schwerpunkten „Refine“ und „Reduce“, welches das Tübinger Zentrum mit dem Schwerpunkt „Replace“ sehr gut ergänzt. Das 3R-Zentrum Rhein-Neckar plant den Aufbau einer zentralen Datenbank für Tiermaterial, Aktivitäten in Weiterbildung und Lehre sowie Open Access und wird Hilfe bei der Gestaltung neuer Experimente anbieten sowie eigene 3R-Forschungs¬aktivitäten vorantreiben.</p><p>Die Leiterin des Interdisziplinären Zentrums zur Erforschung von Darmgesundheit an der <strong>Universität Heidelberg</strong>, Prof. Dr. Beate Niesler, gewährt einen Einblick in die komplexe Erforschung von Darmerkrankungen. Langfristiges Ziel ist die Generierung patientenspezifischer 3D-Organoide, um individuelle Organfunktionen nachzuahmen, um so zur Verringerung und Vermeidung von Tierversuchen beizutragen.</p><p>Beim 3R-US Netzwerk der <strong>Universität Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses</strong> geht es um die Entwicklung einer Tumorgewebe-Plattform für Medikamententests als Ersatz für Tierversuche. Prof. Dr. Monilola Olayioye vom Institut für Zellbiologie und Immunologie der Universität Stuttgart erklärt, wie Tumormodelle aus Biomaterialien und Zellen mit 3D-Druckverfahren naturgetreu als Ersatzsystem für Tierversuche aufgebaut werden.</p><p>Prof. Dr. Marcel Leist, Direktor des<strong> CAAT-Europe</strong> (Center for Alternatives to Animal Testing in Europe), das transatlantische Bündnis zwischen der <strong>Universität Konstanz </strong>und der Johns Hopkins University, erläutert, wie Forschungs- und Harmonisierungsmaßnahmen die Akzeptanz tierfreier neuer Ansatzmethoden in verschiedenen Interessengruppen fördern können.</p><p>Zum Thema „Überwindung translationaler Hürden – Verbesserung der Evidenz und des prädiktiven Wertes bei experimenteller Forschung“ hält Dr. Ralf Watzlawick der <strong>Universität Freiburg </strong>einen Vortrag.&nbsp;</p><p>„Refinement in komplexen belastenden Versuchen an Mäusen“ erläutert Prof. Dr. Jan Tuckermann von der <strong>Universität Ulm</strong>. Das Projekt hat zum Ziel, Maßnahmen zur Verringerung der Belastung von Mäusen bei Tierversuchen zu etablieren.&nbsp;</p><p>Prof. Dr. Karen Bieback und Prof. Dr. Nicole Rotter von der Universität Heidelberg referieren zur „Charakterisierung und Weiterentwicklung heterotypischer 3D-Sphäroide aus Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen“. Für die Etablierung individualisierter Therapien für Plattenepithelkarzinome sollen 3D-Sphäroide, die die Tumorarchitektur widerspiegeln, optimiert und weiterentwickelt werden.</p><p>Prof. Dr. Ralf Kemkemer von der <strong>Hochschule Reutlingen </strong>informiert über das Projekt „3R-BioMED Lab“, das zum Ziel hat, das Thema Alternativ- und Ergänzungsmethoden bei Tierversuchen systematisch in den Lehrplan des Studiengangs Biomedizinische Wissenschaften zu integrieren.&nbsp;</p><p>Mit dem Ziel, die Etablierung und Durchführung anerkannter, zertifizierter 5R-Kurse zur Verbesserung der Qualität von Tierexperimentellen Studien in der biomedizi-nischen Forschung voranzubringen, erweitert Prof. Dr. Jan Tuckermann von der <strong>Universität Ulm</strong> die Thematik um zwei Schwerpunkte und zwar „Rigour“ und „Reproducibility“. Ziel ist die Belastungen im Tierversuch zu erkennen und zu reduzieren (Rigour) und ein zeitgemäßes Qualitätsmanagement zu etablieren (Reproducibility).&nbsp;</p><p>Gemeinsam mit dem „3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen“ haben das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen zur virtuellen Auftaktveranstaltung eingeladen.</p><p>Das Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen zum 3R-Center entnehmen Sie gerne dem folgenden Link:&nbsp;<a href="https://www.3rtuebingen.de/konferenz2021.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.3rtuebingen.de/konferenz2021.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62950</guid><pubDate>Mon, 03 May 2021 15:28:18 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen steht zu Forschung an Krähenvögeln</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-steht-zu-forschung-an-kraehenvoegeln/</link><description>Grundlagenforschung untersucht Vorgänge im Gehirn – Sämtliche Versuche nach umfassenden Prüfungen behördlich genehmigt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Leitung der Universität Tübingen stellt sich ausdrücklich hinter die neurobiologische Forschung von Professor Andreas Nieder. „Die in der Kritik stehenden Experimente wurden intensiven Vorprüfungen unterzogen, sorgfältig ethisch abgewogen und durch Tierschutzbeauftragte begleitet. Die Versuche sind nach den strengen Maßstäben des Tierschutzgesetzes behördlich genehmigt. Sie werden unter tierärztlicher Begleitung verantwortungsvoll durchgeführt“, sagt Rektor Professor Bernd Engler.&nbsp;</p><p>Am Lehrstuhl für Tierphysiologie der Universität wird seit mehr als zehn Jahren mit Krähenvögeln im Bereich der Hirnforschung gearbeitet. Als Neurobiologe erforscht Professor Nieder die Arbeitsweise der Nervenzellen im Gehirn mit dem Ziel herauszufinden, wie kognitive Leistungen entstehen. Seine Arbeit zum Bewusstsein bei Krähenvögeln wurde 2020 von der American Association for the Advancement of Science als einer der „Forschungsdurchbrüche des Jahres“ ausgezeichnet.&nbsp;</p><p>Methodisch sind dafür invasive Eingriffe unabdingbar. Deren ethische Vertretbarkeit und Belastungsintensität werden im Genehmigungsverfahren intensiv unter Heranziehung von externem Sachverstand geprüft. Das gilt auch für die Herkunft der im Versuch eingesetzten Tiere. Regelhaft werden nur Zuchttiere eingesetzt. Werden Wildtiere eingesetzt, muss diese Regelabweichung genehmigt werden. Ethisch ist der Einsatz solcher Tiere nur vertretbar, wenn eine Auswilderung eines Tieres nicht in Betracht kommt. Dies war bei den Krähen, die Professor Nieder vom Naturschutzbund Deutschland erhalten hat, der Fall. Der Einsatz solcher nicht mehr auswilderungsfähigen Tiere wurde von der zuständigen Behörde genehmigt. Die Versuchsdurchführung wird engmaschig intern und behördlich überwacht.</p><p>Rektor Professor Bernd Engler: „Die Universität steht zur Notwendigkeit von Tierversuchen und weiß dabei um die Verantwortung, die der Umgang mit Tieren mit sich bringt. Grundlagenforschung wie die der Tübinger Hirnforschung halten wir für unverzichtbar. Die Universität arbeitet selbstverständlich parallel zu den für notwendig erachteten Experimenten mit Tieren intensiv daran, Tierversuche zu reduzieren und – wo immer möglich – schrittweise durch alternative Verfahren zu ersetzen sowie Versuchsabläufe so zu verbessern, dass die Tiere geringeren Belastungen ausgesetzt sind.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62923</guid><pubDate>Mon, 03 May 2021 10:40:46 +0200</pubDate><title>Zehn Jahre Deutschlandstipendium an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zehn-jahre-deutschlandstipendium-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Rund 1.600 Studierende profitierten ‒ Beispiel für gelungene Partnerschaft privater und öffentlicher Förderer</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen feiert zehn Jahre Deutschlandstipendium. Seit dem Sommersemester 2011 wird das von Bund und Ländern gemeinsam mit den Hochschulen organisierte Förderformat in Tübingen angeboten. Insgesamt 1.595 Studierende der Universität Tübingen haben bis heute vom Deutschlandstipendium profitiert. Mehr als fünf Millionen Euro wurden bis März 2021 ausgezahlt, wovon die Hälfte aus privaten Mitteln stammt: Die zunächst von der Universität eingeworbenen Gelder werden vom Bundesbildungsministerium verdoppelt.</p><p>Bewerben können sich Studierende aller Studienrichtungen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und vor allem nach ihrer fachlichen Leistung in Verbindung mit sozialen Kriterien ausgewählt werden. Sie erhalten ein Jahresstipendium von monatlich 300 Euro.</p><p>„Das Deutschlandstipendium hat sich als herausragendes Beispiel für eine gelungene Partnerschaft von staatlicher Förderung und privatem Engagement erwiesen und ist fest in unserer Förderkultur verankert“, sagte Rektor Professor Bernd Engler anlässlich des Jubiläums. Er stellte insbesondere das Engagement von Absolventen und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft heraus, von denen einzelne seit dem Start im April 2011 der Universität Tübingen die Treue halten.</p><p>Der größte Einzelspender ist der Universitätsbund, der Förderverein der Universität Tübingen. Mit mehr als 1,3 Millionen Euro steuerte er seit 2011 knapp die Hälfte der Gelder bei, davon rund 850.000 Euro aus Vereinsmitteln und mehr als 500.000 Euro aus Spendengeldern.</p><p>Viele Stipendien wurden von institutionellen Förderern wie Stiftungen und Unternehmen aufgebracht, die mit ihrem Engagement oft gezielt Studierende bestimmter Fachrichtungen unterstützen möchten. Der Anteil solcher Zweckbindungen stieg von 18 Prozent im Sommersemester 2011 auf zuletzt knapp zwei Drittel für den Jahrgang 2021/22.</p><p>Die 195 Deutschlandstipendiaten des aktuellen Jahrgangs erhalten ihre Förderung seit dem 1. April. Eine offizielle Urkundenübergabe mit Feierstunde ist geplant, aufgrund der Pandemie-Situation steht der Termin noch nicht fest.</p><p>Interessierte Förderer erhalten weitere Informationen zum Deutschlandstipendium unter <a href="/universitaet/profil/freunde-und-foerderer/deutschlandstipendium/">https://uni- tuebingen.de/de/108384</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62758</guid><pubDate>Thu, 29 Apr 2021 09:26:05 +0200</pubDate><title>Twitter als Ratgeber-Medium bei Corona-Schulschließungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/twitter-als-ratgeber-medium-bei-corona-schulschliessungen/</link><description>Studie der Universität Tübingen zeigt Potenzial von Online-Communities und legt Defizite des Digitalisierungsprozesses in Schulen offen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lehrkräfte haben während der Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie verstärkt Social-Media-Plattformen wie Twitter als Informationsquelle und zur Fortbildung genutzt. Sie vernetzten sich in der Online Community und tauschten sich über die Herausforderungen bei der Umstellung auf den digitalen Unterricht aus. Die drängendsten Themen waren guter digitaler Unterricht, die fehlende Software und unzureichendes digitales Know-How. Gleichzeitig zeigten die Twitter-Beiträge die Defizite im Bildungssystem hinsichtlich der digitalen Ausstattung und der Vermittlung entsprechender Kompetenzen an die Lehrkräfte auf. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, des Leibniz-Instituts für Wissensmedien Tübingen und des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen. Die Studie wurde kürzlich in der <em>Zeitschrift für Erziehungswissenschaft </em>veröffentlicht.</p><p>Ausgewertet wurden unter anderem über 21.000 Beiträge, sogenannte Tweets, von mehreren tausend Nutzerinnen und Nutzern im Zeitraum vom 6. Januar bis zum 3. Juni 2020, die unter den Hashtags #twitterlehrerzimmer oder #twlz veröffentlicht wurden. Hashtags können wie Schlagworte behandelt werden und vernetzen die Mitglieder einer Community. Mit Hilfe von computerlinguistischen Methoden wurden Themen der Tweets bestimmt, sowie die Reaktionen, die sie hervorriefen, zum Beispiel, wenn sie besonders häufig weiterverbreitet wurden, starke Zustimmung erhielten oder intensiv diskutiert wurden.</p><p>Es zeigte sich, dass sich die Themen vor und während der Schulschließungen wenig unterschieden und das Twitterlehrerzimmer bereits vor den Schulschließungen für Austausch und Vernetzung hinsichtlich digitalen Unterrichts genutzt wurde. Es kann angenommen werden, dass der digital gestützte Unterricht in Deutschland vor der Corona-Pandemie bisher vor allem denjenigen Medienenthusiasten überlassen war, die sich beispielsweise aus persönlicher Überzeugung in die Thematik eingearbeitet&nbsp;hatten. Während der Schulschließungen erhöhte sich die Anzahl der Tweets erwartungsgemäß und das Thema wurde noch stärker in den Fokus gerückt. Vor den Schulschließungen stand eher der Wunsch nach Veränderung im Raum, der durch die häufig in Zusammenhang verwendeten Worte <em>Bildungsnotstand</em> und <em>Bildungsrevolution</em> ausgedrückt wurde. Während der Schulschließungen wurde dann die unbekannte Situation des digitalen Distanzunterrichts diskutiert. So wurde beispielsweise das Schlagwort <em>Homeschooling</em> in Kombination mit Worten wie <em>Medienkompetenz</em> verwendet, und es standen die Werkzeuge im Vordergrund, die digitalen Unterricht ermöglichen.</p><p>Um herauszufinden, welche Herausforderungen und Chancen im Twitterlehrerzimmer während der Schulschließungen thematisiert wurden, wurden diejenigen Tweets hinsichtlich ihrer Inhalte analysiert, die das größte Echo erzeugten: Sie erhielten viele Likes und wurden häufig geteilt oder kommentiert. Als die drei drängendsten Herausforderungen wurden die Gestaltung eines guten digitalen Unterrichts, die fehlende Software zum digitalen Lehren und Lernen sowie unzureichendes digitales Know-How zur Durchführung des digitalen Unterrichts genannt. Die drei größten Chancen, die sich boten, waren die Möglichkeiten für Vernetzung und Austausch, das Angebot von digitalem Material und das Angebot von Tipps und Erklärungen. Diese Angebote wurden auch am häufigsten verbreitet.</p><p>„Dies kann als Anzeichen für den großen Bedarf an Materialien, Software sowie Tipps und Erklärungen zur Nutzung und Umsetzung im digitalen Unterricht gedeutet werden“, erklärt Dr. Tim Fütterer vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und Erstautor der Studie. Beispielsweise wurde ein Tweet, der eine kostenlose Geographie-App vorstellte, am häufigsten geteilt. Am stärksten diskutiert wurden die hohe Arbeitsbelastung durch die Umstellung auf den Fernunterricht und die fehlende Software.</p><p>„Die Bildungspolitik könnte Social-Media-Plattformen wie Twitter nutzen, um einen Eindruck drängender Probleme in Echtzeit zu erhalten“, so Fütterer. Zu bedenken gibt der Wissenschaftler jedoch, dass sich die Lehrkräfte, die in der Twitterlehrerzimmer-Community aktiv sind, wahrscheinlich durch eine hohe Medienaffiniät auszeichnen. „Diese Einschränkung lässt aber auch befürchten, dass die Defizite bezüglich der Digitalisierung an Schulen, die in unserer Studie zu Tage kamen, noch größer sind.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Fütterer, T., Hoch, E., Stürmer, K., Lachner, A., Fischer, C., &amp; Scheiter, K. (2021). Was bewegt Lehrpersonen während der Schulschließungen? – Eine Analyse der Kommunikation im Twitter-Lehrerzimmer über Chancen und Herausforderungen digitalen Unterrichts. <em>Zeitschrift für Erziehungswissenschaft</em>. Artikel zum Download: <a href="https://doi.org/10.1007/s11618-021-01013-8" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s11618-021-01013-8</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62569</guid><pubDate>Fri, 23 Apr 2021 14:06:48 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen bietet auch künftig „Kreatives Schreiben“ für Studierende an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-bietet-auch-kuenftig-kreatives-schreiben-fuer-studierende-an/</link><description>Einsparungen waren nie geplant: Das Kursangebot des Studios Literatur und Theater wird fortgeführt, die Leitung nachbesetzt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle Berichterstattung und die Mutmaßungen zur Zukunft des Studios Literatur und Theater (SLT) an der Universität Tübingen sind keineswegs zutreffend und beruhen auf nicht nachvollziehbaren Spekulationen. Die Universität Tübingen wird die Leitung des SLT wieder ausschreiben und neu besetzen. Auch das Kursangebot zu kreativem Schreiben bleibt erhalten. „Es war zu keinem Zeitpunkt geplant, an dieser Stelle Einsparungen vorzunehmen oder gar das SLT in Frage zu stellen“, sagt Rektor Professor Bernd Engler.</p><p>Bezüglich der weiteren Arbeit des SLT wünscht sich die Universitätsleitung indes eine Erweiterung des bisherigen Fokus und eine höhere Präsenz des SLT in der gesamten Universität. Der Bereich „Kreatives Schreiben“ sollte daher die Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen suchen, die ebenfalls Kontakte zu Schriftstellern und Schriftstellerinnen pflegen und die diese nach Tübingen einladen. Dabei könnte das Kursangebot des SLT in neue Formate eingebunden und enger mit anderen Angeboten der Universität verknüpft werden.</p><p>Inspiriert wurde dieser Ansatz durch eine Veranstaltung des Literaturhauses Stuttgart mit dem Fokus „Membran“. „Eine Membrane ist eine Grenze, aber eine durchlässige. Vor dem Hintergrund, dass es unterschiedliche Weltzugänge gibt und zwischen wissenschaftlichem und literarischem Schreiben durchaus Verbindungen bestehen, scheint uns dies ein produktiver Zugang zu sein“, sagt Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre.&nbsp;</p><p>Der weiterentwickelte Ansatz werde die Struktur des Studios Literatur und Theater in Details verändern, sagt Amos. Wie diese Details aussehen können, werde derzeit noch diskutiert. „Dazu braucht es noch etwas Zeit; die Universität strebt aber eine Wiederbesetzung der Leitung zum Wintersemester an“, so Rektor Bernd Engler.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62167</guid><pubDate>Thu, 15 Apr 2021 13:55:44 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen begrüßt Einigung zur Islamischen Theologie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-begruesst-einigung-zur-islamischen-theologie/</link><description>Kooperation von Beirat und Stiftung Sunnitischer Schulrat bei der Berufung künftiger Professorinnen und Professoren am Zentrum für Islamische Theologie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Stiftung Sunnitischer Schulrat haben sich auf ein abgestimmtes Verfahren bei der Berufung künftiger Professorinnen und Professoren an das Tübinger Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) verständigt. Beide Seiten schlossen eine Vereinbarung, die vorsieht, dass die Stiftung und der Beirat des ZITh in Berufungsverfahren eng zusammenwirken.</p><p>Seit der Gründung des ZITh vor zehn Jahren war alleine der siebenköpfige Beirat für die Erteilung der Lehrerlaubnis gegenüber allen Tübinger Professorinnen und Professoren der islamischen Theologie zuständig gewesen. Allerdings hatte die baden-württembergische Landesregierung im Sommer 2020 entschieden, die Zuständigkeit auf die Stiftung zu übertragen, soweit es um die Ausbildung von Lehrkräften für die baden-württembergischen Schulen geht. Die Vereinbarung sieht nun für alle Professorinnen und Professoren, die im Studiengang Islamische Religionslehre unterrichten, eine gemeinsame Verantwortung von Beirat und Stiftung im Berufungsverfahren und bei der Erteilung der Lehrerlaubnis vor.</p><p>Wie der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am Donnerstag mitteilte, sollen Beirat und Stiftung bei einem Berufungsverfahren innerhalb von drei Monaten über die Erteilung einer Lehrbefugnis entscheiden. Eine Professorin beziehungsweise ein Professor kann erst dann berufen werden, wenn beide Gremien ihre Zustimmung erteilt haben.</p><p>„Die nun erzielten Regelungen ermöglichen die weitere positive Entwicklung des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Tübingen und schaffen die Voraussetzung für ein gutes Miteinander des seit 2011 etablierten und höchst erfolgreich arbeitenden Zentrumsbeirats und der für die Ausbildung von Lehrkräften für den islamischen Religionsunterricht sunnitischer Prägung zuständigen Stiftung“, sagte Engler. „Der Beirat hat beim Aufbau des ZITh in den vergangenen Jahren eine überaus bedeutende Rolle gespielt.“ Ohne den Beirat wäre die breite gesellschaftliche Verankerung des Zentrums nicht möglich gewesen. Vor diesem Hintergrund ist es für die Universität Tübingen von zentraler Bedeutung, dass der Beirat das Zentrum auch weiterhin mitgestaltet. Zugleich erkennt sowohl die Universität als auch der seitherige Beirat die Funktion der neu gegründeten Stiftung Sunnitischer Schulrat beim Ausbau des islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen Baden-Württembergs an. Die bisherigen positiven Erfahrungen bei zwei in den letzten Monaten abgeschlossenen Berufungsverfahren mit doppelter Zuständigkeit zeigen, dass sowohl der Beirat des ZITh als auch die Stiftung Sunnischer Schulrat die jeweils erforderlichen Entscheidungen sachgerecht und zeitnah treffen und damit der Universität Tübingen die Möglichkeit geben, Berufungsverfahren in einem konstruktiven Miteinander erfolgreich abzuschließen.</p><p>Die Stiftung Sunnitischer Schulrat wurde zum 01.08.2019 errichtet. Zweck der Stiftung ist die Organisation des Islamischen Religionsunterrichts sunnitischer Prägung als ordentliches Lehrfach an den öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg im Rahmen der religionsverfassungsrechtlichen und schulrechtlichen Vorgaben. Getragen wird die Stiftung vom Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg (LVIKZ) sowie der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD).</p><p>Die Mitglieder des siebenköpfigen Beirats des Zentrums für Islamische Theologie werden vom Rektor der Universität Tübingen ernannt. Bei fünf der sieben Mitglieder haben die drei Verbände DITIB (Diyanet Isleri Türk-Islam Birligi), IGBD sowie LVIKZ ein Vorschlagsrecht. Die weiteren Mitglieder werden auf Vorschlag des Rektors ernannt. Das Beiratsmodell wurde 2011 bei der Gründung des ZITh eingeführt. Die Universität Tübingen folgte dabei den Empfehlungen des Wissenschaftsrats.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-62050</guid><pubDate>Tue, 13 Apr 2021 10:38:54 +0200</pubDate><title>Studium Generale im Sommer digital</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-im-sommer-digital/</link><description>Vorlesungsreihen diesmal online: Forschende diskutieren das Zusammenleben von Juden und Christen, Übergänge im Lebenslauf, ästhetische Phänomene und den „Fluch der Kassandra“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Studium Generale der Universität Tübingen findet im Sommersemester 2021 erstmals virtuell statt. Aufgrund der andauernden Pandemie bietet die Universität ein kleines Programm im digitalen Format an. „Nach zwei Semestern Pause freuen wir uns, das Studium Generale wiederbeleben zu können“, sagt Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre. „Wir hoffen, das Tübinger Publikum auch auf diesem Wege zu begeistern. Langfristig möchten wir jedoch wieder zu Präsenzveranstaltungen zurückkehren, sofern es die Pandemie zulässt.“</p><p>In der Reihe <strong>„How dare you!“ ‒ Kassandrarufe einst und jetzt (Montag, 20:15 Uhr)</strong> beleuchtet Professor Jürgen Wertheimer den „Fluch der Kassandra“: Die allzu menschliche Tendenz, Warnungen zu Fehlentwicklungen in der Gesellschaft in den Wind zu schlagen, sei es durch die Cassandra der griechischen Mythologie, Jeanne d’Arc oder aktuell die Schwedin Greta Thunberg.</p><p>In der Reihe <strong>Jüdisches Schwaben. Neue Perspektiven auf das Zusammenleben von Christen und Juden (Mittwoch, 18:15 Uhr)</strong> zeichnet das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften einen differenzierteren Blick auf das Zusammenleben von Juden und Christen: Im Fokus stehen bislang wenig beachtete Phasen funktionierender Koexistenz und eines regen kulturellen Austausches im Mittelalter und in der Neuzeit. In der Schlussdiskussion mit Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft und dem Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus wird die aktuelle Situation von Juden in Baden-Württemberg thematisiert.</p><p>Das DFG-Graduiertenkolleg „Doing Transitions“ präsentiert in der Reihe <strong>Doing Transition ‒ wie sich Übergänge im Lebenslauf herstellen (Donnerstag, 18:15 Uhr) </strong>seine Forschung. Promovierende der Universität Tübingen und der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersuchen hier die vielfältigen Übergänge, die wir im Laufe unseres Lebens meistern&nbsp;müssen – von „Klassikern“ wie Elternschaft oder Ruhestand bis zu den weniger stark institutionalisierten Übergänge wie Partner(innen)losigkeit, die beginnende kindliche Mobilität oder Übergänge ins Sprechen über Erfahrungen sexualisierter Gewalt in der Kindheit.</p><p>In der Reihe <strong>Aesthetic turn ‒ Perspektiven einer „Anderen Ästhetik“ der Vormoderne (Donnerstag, 18:15 Uhr)</strong> diskutiert der Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik" Fragen der Kunst und Ästhetik. Der Verbund beschäftigt sich mit ästhetischen Phänomenen – Objekten, Texten, Artefakten – von der griechischen Antike bis an die Schwelle zur Moderne. Was ist und wo beginnt Kunst? Wozu ist sie gut und was darf sie? Welche Kontinuitäten zeichnen sich in der historischen und kulturellen Vielfalt des Ästhetischen ab? Die Vorlesungsreihe soll vormoderne Ästhetik einem breiteren Publikum bekannt machen und einen neuen Blick für Debatten der Gegenwart eröffnen.</p><p>Das Studium Generale steht allen Interessierten offen, die Teilnahme ist kostenlos. Die Zugangslinks zu den jeweiligen Veranstaltungen sowie der Programmflyer sind auf der Seite <a href="/universitaet/im-dialog/studium-generale/">www.uni-tuebingen.de/studium-generale</a>&nbsp;hinterlegt. Der Flyer kann auch in gedruckter Form unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ugmtgvctkcv/mqoowpkmcvkqpBbx0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sekretariat-kommunikation<span style="display:none">spam prevention</span>@zv.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;bestellt werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61675</guid><pubDate>Wed, 07 Apr 2021 17:05:00 +0200</pubDate><title>Bisher ältestes Genom moderner Menschen rekonstruiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bisher-aeltestes-genom-moderner-menschen-rekonstruiert/</link><description>Team zweier Max-Planck-Institute und der Universität Tübingen datiert fossilen Schädel aus Tschechien anhand von eingekreuzten Neandertalergenen – Alter von mehr als 45.000 Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aus einem fossilen Frauenschädel, der 1950 am Berg Zlatý kůň (deutsch: Goldenes Pferd) in Tschechien gefunden wurde, hat ein Forschungsteam das bisher älteste bekannte Genom moderner Menschen rekonstruiert. Danach lebte die Frau vor mehr als 45.000 Jahren im Herzen Europas. Sie stammte aus einer später ausgestorbenen Population, die sich herausbildete, noch bevor sich die Vorfahren heutiger Menschen in europäische und asiatische Populationen trennten. Zum Team gehörten Forscherinnen und Forscher der Max-Planck-Institute (MPI) für Menschheitsgeschichte in Jena, für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Tübingen. Ihre Studie erschien in der Fachzeitschrift <em>Nature Ecology &amp; Evolution</em>.</p><p>Vor rund 50.000 Jahren verließen moderne Menschen der Art <em>Homo sapiens</em> Afrika. Früheren Analysen alter DNA zufolge trafen sie im Gebiet des Nahen Ostens auf Neandertaler, mit denen sie sich kreuzten. „Als Folge tragen alle heutigen Menschen außerhalb von Afrika ungefähr zwei bis drei Prozent Neandertaler-DNA in sich“, berichtet Cosimo Posth, der vor Kurzem vom MPI für Menschheitsgeschichte als Juniorprofessor an die Universität Tübingen wechselte. In den Genomen moderner Menschen seien die Abschnitte der Neandertaler-DNA über lange Zeiträume immer kürzer geworden. „Über ihre Länge können wir abschätzen, wie viele Generationen zwischen der Vermischung mit Neandertalern und der Lebenszeit eines Individuums liegen“, erklärt Kay Prüfer vom MPI für evolutionäre Anthropologie. Das nun aus dem fast vollständig erhaltenen Frauenschädel von Zlatý kůň rekonstruierte Genom enthalte besonders lange Abschnitte der Neandertaler-DNA. Es müsse daher noch älter sein als das vormals älteste bekannte Genom des 2008 im russischen Dorf Ust-Ischim in Sibirien entdeckte Individuum, das auf ein Alter von rund 45.000 Jahren datiert wurde.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61693</guid><pubDate>Tue, 06 Apr 2021 17:16:44 +0200</pubDate><title>Theologe Hans Küng verstorben</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/theologe-hans-kueng-verstorben/</link><description>Die Universität Tübingen trauert um international renommierten Professor für ökumenische Theologie und prominenten Kirchenkritiker</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen trauert um Professor Dr. Dr. h.c. mult. Hans Küng. Er starb am heutigen 6. April im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen.</p><p>„Mit Hans Küng verliert die Universität Tübingen einen produktiven Forscher, einen überaus schöpferischen Gelehrten und einen exzellenten Theologen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. „Küng hat mit dem Institut für Ökumenische Forschung und dem Weltethos-Institut an unserer Hochschule Einrichtungen von bleibender Bedeutung geschaffen und damit die Universität tiefgreifend geprägt. Mit seinem weltweit anerkannten Einsatz für Kirchenreformen und für den Dialog der Religionen hat er maßgeblich zum internationalen Ansehen der Universität Tübingen beigetragen.“</p><p>Küng wurde 1928 im schweizerischen Sursee (Kanton Luzern) geboren. Er studierte an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und promovierte am Institut Catholique in Paris. 1954 erhielt er die Priesterweihe. 1960 wurde Küng als ordentlicher Professor für Fundamentaltheologie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen berufen. Drei Jahre später wurde er zusätzlich Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Ökumenische Forschung.</p><p>Der Theologe äußerte wiederholt Kritik am Papst und an der katholischen Kirche. Zur Jahreswende 1979/80 reagierte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart auf Druck von Papst Johannes Paul II. und der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis. Um Küng eine weitere Lehrtätigkeit an der Universität Tübingen zu ermöglichen, einigten sich die Landesregierung, die Universitätsleitung und der Theologe auf einen Kompromiss: Die Hochschule gliederte sein Institut für Ökumenische Forschung aus der Katholisch-Theologischen Fakultät aus und unterstellte es direkt dem Senat – ein einmaliges Modell in der Geschichte der Universität Tübingen.&nbsp;</p><p>1980 begründete Küng gemeinsam mit seinem Freund Walter Jens das Studium Generale an der Universität Tübingen. In jedem Semester werden seither in mehreren Reihen wissenschaftliche Themen allgemeinverständlich präsentiert. Die Veranstaltungen haben zahlreiche treue Zuhörer aus der Stadt und ihrer Umgebung.&nbsp;</p><p>Als Pionier des interreligiösen Dialogs und für seinen Einsatz für ein Kulturen und Religionen übergreifendes Menschheitsethos, ein „Weltethos“, erlangte Hans Küng weltweites Ansehen in allen Weltreligionen. Unter seiner Federführung verabschiedete das „Parlament der Weltreligionen“ im Jahr 1993 die „Erklärung zum Weltethos“, 1995 wurde in Tübingen die Stiftung Weltethos gegründet, deren Präsident Küng bis 2013 war. Mithilfe seiner herausragenden Kontakte gelang es Küng mehrfach, hochrangige Weltethos-Redner nach Tübingen einzuladen, darunter den damaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan, den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu oder die Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Mary Robinson.&nbsp;</p><p>2012 gründete die Stiftung Weltethos mit maßgeblicher Förderung der Karl Schlecht Stiftung das Weltethos-Institut als An-Institut der Universität Tübingen. Dort forschen Wissenschaftler zu Fragen der Globalisierungsethik, Wirtschaftsethik und des Interkulturellen Lernens. Gleichzeitig organisiert es Lehrveranstaltungen zu ethischen Fragen, besonders in den Bereichen Wirtschaft und Religion.</p><p>Für seine Forschung und sein Engagement erhielt Küng zahlreiche Ehrungen und Preise, darunter 1998 den Theodor-Heuss-Preis, 2002 den Göttinger Friedenspreis und 2003 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.&nbsp;</p><ul><li><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/attempto-online/newsfullview-attempto/article/hans-kueng-wissenschaftler-kirchenreformer-visionaer/">Nachruf auf Hans Küng</a> (Prof. Dr. Hermann Häring und Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel)</li><li><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/zum-tode-von-prof-hans-kueng-1928-2021/">Nachruf auf Hans Küng</a> (Prof. Dr.&nbsp;Matthias Möhring-Hesse, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät)</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61578</guid><pubDate>Wed, 31 Mar 2021 11:37:49 +0200</pubDate><title>Jäger und Sammler, aber keine Fischer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/jaeger-und-sammler-aber-keine-fischer/</link><description>Eine Eiszeit trieb Menschen vor 27.000 Jahren nach Südeuropa – Anhand detaillierter Knochenanalysen konnte nun ihr Speiseplan rekonstruiert werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Fisch stand vor 27.000 Jahren nicht auf dem Speiseplan der Jäger und Sammler Südeuropas: Überaschenderweise ernährten sich die Menschen auf der iberischen Halbinsel in der Periode des späten Gravettien stattdessen von Pflanzen und Landtieren wie Hasen, Rotwild oder Pferden. Dies konnte ein internationales Forscherteam erstmals anhand einer Isotopenstudie an menschlichen Fossilien aus den Höhlen von Serinyà in Katalonien nachvollziehen. Die Forschungsteams von Dr. Dorothée Drucker, Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen, und Joaquim Soler, Institut für Historische Forschung der Universität Girona veröffentlichen ihre Ergebnisse im Fachmagazin <em>Journal of Human Evolution</em>.</p><p>In der kulturellen Periode des Gravettien (33.000-25.000 Jahre vor heute) ernährten sich die Jäger und Sammler entsprechend den lokalen Umweltbedingungen: Stand in Mitteleuropa das Mammut auf dem Speiseplan, so waren es in Großbritannien Pferd und Rentier; an der französischen und italienischen Mittelmeerküste wurden Meerestiere verspeist. Im letzten glazialen Maximum (27.000-23.000 Jahre vor heute) zwang das sehr kalte und trockene Klima die Menschen zum Rückzug in südliche Regionen. Besonders die iberische, italienische und griechische Halbinsel wurden verstärkt besiedelt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61545</guid><pubDate>Tue, 30 Mar 2021 13:44:28 +0200</pubDate><title>Das Ei im Röntgenstrahl</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-ei-im-roentgenstrahl/</link><description>Forschungsteam des DESY sowie der Universitäten Tübingen und Siegen untersucht Netzwerkbildung und Dynamik von Proteinen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit DESYs Röntgenlichtquelle PETRA III hat ein Forschungsteam die Strukturänderungen in Eiern beim Kochen analysiert. Die Untersuchung zeigt, wie sich die Proteine im Hühnereiweiß beim Erhitzen entfalten und vernetzen, um eine feste Struktur zu bilden. Die innovative Untersuchungsmethode ist sowohl für die Lebensmittelindustrie interessant als auch für das große Feld der Proteinanalysen in der Forschung, wie die Kooperation der Gruppen von Professor Frank Schreiber von der Universität Tübingen und Professor Christian Gutt von der Universität Siegen gemeinsam mit Forschern von DESY und vom Europäischen Röntgenlaser European XFEL mit zwei Fachveröffentlichungen im Fachblatt <em>Physical Review Letters </em>zeigt.</p><p>Eier gehören zu den vielfältigsten Zutaten für Lebensmittel. Sie können Gel oder Schaum bilden oder vergleichsweise fest sein und dienen auch als Grundlage für Emulsionen. Bei etwa 80 Grad Celsius wird Eiweiß, auch Eiklar genannt, fest und auch optisch undurchsichtig. Das liegt daran, dass die Proteine im Eiweiß bei Erhitzen eine Netzstruktur ausbilden. Um die genaue molekulare Struktur von Eiweiß zu untersuchen, ist kurzwellige Strahlung wie Röntgenlicht nötig, die das undurchsichtige Eiweiß durchdringt und deren Wellenlänge nicht größer ist als die zu untersuchenden Strukturen.</p><h3>Kontrolliertes Erhitzen</h3><p>„Um die Strukturänderung im Detail zu verstehen, muss man das Phänomen auf der Mikrometer-Skala untersuchen“, erläutert die Hauptautorin der ersten Studie, die Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin Dr. Nafisa Begam aus Schreibers Gruppe. Die Forscherinnen und Forscher benutzten die sogenannte Röntgenphotonen-Korrelationsspektroskopie (XPCS) in einer bestimmten Geometrie, sodass sich damit Struktur und Dynamik der Proteine im Eiweiß zugleich bestimmen ließen.</p><p>Für ihre Versuche an der Messstation P10 an PETRA III verwendeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein handelsübliches Hühnerei und füllten das Eiweiß in ein Quarzröhrchen mit 1,5 Millimetern Durchmesser. „Darin wurde das Eiweiß kontrolliert erhitzt, während wir es mit Röntgenlicht analysiert haben“, berichtet Ko-Autor Fabian Westermeier von DESY. „Der Röntgenstrahl war dabei auf 0,1 mal 0,1 Millimeter aufgeweitet, sodass die Strahlungsdosis die Proteinstrukturen nicht geschädigt hat.“</p><h3>Exponentielle Vernetzung im Drei-Minuten-Ei</h3><p>Die Messung zeigt die Proteindynamik im Eiweiß über rund eine Viertelstunde. In den ersten knapp drei Minuten wuchs das Proteinnetzwerk demnach exponentiell und erreichte nach etwa fünf Minuten ein Plateau, auf dem sich nahezu keine weiteren Proteinverknüpfungen mehr formten. Die mittlere Maschengröße des Proteinnetzes lag nach dieser Zeit bei ungefähr 0,4 Mikrometern (tausendstel Millimetern).</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61515</guid><pubDate>Tue, 30 Mar 2021 11:29:37 +0200</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2021 geht an den Philosophen Bernhard Waldenfels</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2021-geht-an-den-philosophen-bernhard-waldenfels/</link><description>Feier zur Preisverleihung findet erst 2022 statt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Dr.-Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen geht 2021 an den Philosophen Bernhard Waldenfels. Das Vergabekomitee würdigt damit sein Werk, das die Bedingungen und Möglichkeiten des Verstehens von Fremdem auslotet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät verliehen. Die Preisverleihung kann auch 2021 aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Sie wird, ebenso wie die Preisverleihung des Jahres 2020, mit der Preisver- leihung 2022 verbunden.</p><p>Bernhard Waldenfels (geb. 1934 in Essen) ist emeritierter Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Er gehört zu den bedeu- tendsten Autoren im Bereich der zeitgenössischen Phänomenologie. Sein Werk, das mehr als 20 Bände umfasst und interdisziplinär rezipiert wor- den ist, widmet sich hauptsächlich der Entwicklung einer „Phänomenologie des Fremden“. Waldenfels gelinge es, die „Kategorie“ der Alterität, also des kulturellen Andersseins, durch die Perspektive der Fremdheit neu zu lesen, sagte die Jury. „Er stellt sich der Herausforderung, einen phänomenologischen Diskurs zu entwickeln, mit dem sich erfassen lässt, inwiefern sich das Fremde im instabilen und pluralistischen Terrain der Erfahrung auf eine authentische Weise offenbart und dadurch erkennbar bleibt.“</p><p>Waldenfels gilt als wichtige Figur in der zeitgenössischen Philosophie. Seine Arbeit habe sich explizit und in origineller Weise dem Projekt eines „genuinen“ Dialogs zwischen Nationen und Ländern gewidmet, so die Jury weiter. „Die Pluralität der Bereiche, in denen sich das Fremde offenbart, veranlasst Waldenfels dazu, sich nicht lediglich auf die Ergebnisse der phänomenologischen Forschung im engeren Sinne zu beschränken. Vielmehr erweitert er das Spektrum seiner Auseinandersetzung in unterschiedlichste Forschungsfelder wie etwa Sozialphilosophie, politische Philosophie, Recht und Ethik, den ethnologischen Diskurs sowie die&nbsp;Psychologie und die Psychoanalyse. Darüber hinaus widmet er Kunst und Literatur besondere Aufmerksamkeit.“</p><p>In seinem Werk spielt die jüdische zeitgenössische Philosophie eine besondere Rolle, die ihn zur Bedeutung des „radikalen Gesprächs“ geführt hat: Dieses bezieht das Fremde als eigenen Faktor des Verstehens ein. Aus dieser Perspektive des Fremden hat sich Waldenfels‘ Philosophie im Zeichen eines Dialogs zwischen philosophischen Traditionen Europas entwickelt, vor allem in seinem Versuch, die französische und deutsche philosophische Tradition in ein fruchtbares Gespräch zu bringen.</p><p>Der Dr. Leopold-Lucas-Preises zeichnet Menschen aus, deren wissenschaftlich fundiertes Werk die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht hat. Der Preis wurde 1972 zum Gedenken an den jüdischen Gelehrten und Rabbiner Dr. Leopold Lucas gestiftet, der 1943 in Theresienstadt als Opfer des NS-Staates starb.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61506</guid><pubDate>Tue, 30 Mar 2021 10:05:38 +0200</pubDate><title>Virtueller Marktplatz für Gründer: Erste Startup:con Tübingen – Online-Veranstaltung des Startup Centers am 15. April</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/virtueller-marktplatz-fuer-gruender-erste-startupcon-tuebingen-online-veranstaltung-des-startup-centers-am-15-april-1/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Wer gründen will, braucht das richtige Umfeld: Arbeitsräume für die Bedürfnisse von Startups, maßgeschneiderte Weiterbildungen und den Zugang zu Fördermitteln. Nicht zuletzt der Austausch mit erfahrenen Gründerinnen und Gründern hilft durch die anfänglich holprige Zeit. Tübingen hat für Startups viel zu bieten ‒ nur sichtbar ist das bisher nicht. Die Startup:con Tübingen, organisiert vom Startup Center der Universität Tübingen, soll das ändern: Als Plattform, auf der Interessierte sich informieren und Akteure sich vernetzen können.</p><p>Oberbürgermeister Boris Palmer gibt mit einem Grußwort den Startschuss: <strong>Die erste Startup:con Tübingen findet am Donnerstag, den 15. April von 16.30 bis 18.30 Uhr online statt. Die Registrierung bis zum 9. April über die Website <a href="/forschung/innovation/startup-center/">uni-tuebingen.de/gruenden</a> möglich. Die Veranstaltung ist kostenlos.</strong></p><p>Nach der Eröffnung stellen die Akteure in 90-sekündigen Pitch-Vorträgen sich und ihre Angebote vor. Ab 17.15 Uhr steht der digitale Marktplatz allen Besuchern offen. An virtuellen Ständen präsentieren zahlreiche Akteure aus der Region Angebote für angehende Gründerinnen und Gründer. Dabei sind unter anderem Cyber Valley, IHK Reutlingen, die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen sowie Anbieter von Startup- spezifischen Dienstleistungen wie Coworking Spaces, Workshops und Beratungen. Junge Startup-Teams aus Tübingen wie Cytolytics, Eye2you, Look! oder Your Company berichten aus der Praxis.</p><p>Sandra Gässler vom Startup Center der Universität Tübingen freut sich über die gute Resonanz: „Die Reaktionen auf unsere Initiative sind durchweg positiv. Unser Ziel ist es, dem Startup-Ökosystem in Tübingen mehr Sichtbarkeit zu verleihen und damit die Gründungskultur zu stärken und die Gründerszene zu beleben.“</p><p>Um den regelmäßigen Austausch zu fördern, soll die Startup:con Tübingen alle zwei Monate stattfinden. Weitere Informationen sowie ein&nbsp;Anmeldeformular sind auf der Website des Startup Centers zu finden: <a href="/forschung/innovation/startup-center/">www.uni-tuebingen.de/gruenden</a> &nbsp;&nbsp;</p><h3>Programm der Online-Veranstaltung Startup:con Tübingen</h3><p>Donnerstag, 15. April 2021&nbsp;</p><ul class="ut-list ut-list--link-list"><li>16.30 Uhr – Eröffnung durch Oberbürgermeister Boris Palmer<br> 	&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;Einführung durch das Startup Center der Universität Tübingen&nbsp;</li><li>16.50 Uhr – 90-Sekunden-Pitches der Akteure und Anbieter &nbsp;&nbsp;</li><li>17.20 Uhr – Eröffnung des digitalen Marktplatzes &nbsp;&nbsp;</li></ul><p>Registrierung unter: <a href="/forschung/innovation/startup-center/">uni-tuebingen.de/gruenden</a></p><h3>Über das Startup Center der Universität Tübingen&nbsp;</h3><p>Das Team des Startup Center unterstützt sowohl Studierende als auch Forschende der Universität Tübingen dabei, ihre innovativen Ideen aus der Wissenschaft in die wirtschaftliche Anwendung zu bringen. Das Angebot richtet sich an alle Studierenden, Forschenden, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie ALUMNI der Universität Tübingen. (<a href="/forschung/innovation/startup-center/">uni-tuebingen.de/gruenden</a>)</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61452</guid><pubDate>Mon, 29 Mar 2021 10:00:00 +0200</pubDate><title>Affen erfinden das Rad immer wieder neu</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/affen-erfinden-das-rad-immer-wieder-neu/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen weist nach, dass Menschenaffen ihre Verhaltensmuster in jeder Generation neu erlernen müssen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschenaffen geben ihre Verhaltensweisen nicht an die nächste Generation weiter. Sie kopieren das Wissen ihrer Artgenossen nicht, sondern lernen es in jeder Generation neu – im Gegensatz zum Menschen. Dies zeigt eine Studie von Dr. Alba Motes-Rodrigo und Dr. Claudio Tennie von der Arbeitsgruppe „Werkzeuge und Kultur bei frühen Homininen“ der Universität Tübingen. „Affen sind darauf angewiesen, das sprichwörtliche Rad immer wieder neu zu erfinden. Die Form des Rades ändert sich dabei aber nicht“, erklärt Tennie.</p><p>Das Team aus dem Fachbereich Ältere Urgeschichte und Quartärökolo- gie suchte in allen veröffentlichten Berichten über Menschenaffen nach Aussagen über lokal einzigartige Verhaltensmuster, wie zum Beispiel über Schimpansen, die Blätter als Löffel zum Wassertrinken einsetzten. Anschließend wurden diese systematisch auf Richtigkeit untersucht. Auf diese Weise wurde auf indirektem Wege überprüft, ob Menschenaffenkulturen auf den gleichen Mechanismen wie menschliche Kulturen aufgebaut sind. Die Studie wurde im Fachmagazin Biological Reviews veröffentlicht.</p><p>In der menschlichen Kultur werden Verhaltensweisen dadurch erlernt, dass Menschen sich gegenseitig beobachten und kopieren. So wird wertvolles Wissen an die nächste Generation weitergegeben. Hierbei werden Verhaltensweisen oft leicht abgewandelt, denn Menschen machen beim Kopieren Fehler oder fügen selbst Aspekte hinzu. Auf diese Weise verändert sich menschliche Kultur von Generation zu Generation. Alba Motes vergleicht dies mit dem Spiel „Stille Post“, bei dem ein Spieler seinem Nachbarn einen Begriff ins Ohr flüstert. Der Begriff wird von Mitspieler zu Mitspieler weitergegeben, was durch Hörfehler am Ende häufig zu einem anderen Begriff führt als dem Ursprungswort.</p><p>Wann genau die Mechanismen des Kopierens, die der menschlichen Kultur zugrunde liegen, entstanden sind, wird kontrovers diskutiert. Eine&nbsp;These besagt, dass die Fähigkeit, Verhalten zu kopieren, schon Millionen von Jahren zurückreicht und dass auch Menschenaffen einander kopieren. Eine andere These geht davon aus, dass Menschenaffen und auch viele Vorfahren der Menschen einander nicht kopieren.</p><p>Alba Motes-Rodrigo und Claudio Tennie suchten mit einer neuen Herangehensweise nach Beweisen für den Prozess des Kopierens bei Menschenaffen. Sie versuchten, Verhaltensweisen in Affenpopulationen zu identifizieren, die Veränderungen von Generation zu Generation durchlaufen haben. „Beruht das Verhalten der Menschenaffen wirklich auf Nachahmung, wie es bei Menschen der Fall ist, würden wir erwarten, dass sich ihr Auftreten kulturell verändert hat und es deshalb inzwischen einzelne Verhaltensweisen geben müsste, die nur auf eine Population an einem Ort beschränkt sind“, erklärt Motes.</p><p>Das Team suchte deshalb nach regional einzigartigen Verhaltensmustern von Menschenaffen, sowohl in allen veröffentlichten Berichten über Menschenaffen sowie in Gesprächen mit Experten für Menschenaffen. Ihr Ergebnis: Die überwältigende Mehrheit der Verhaltensweisen von Menschenaffen ist nicht regional begrenzt. Aus hunderten Verhaltensmustern konnten lediglich drei nicht andernorts nachgewiesen werden.</p><p>Diese Ergebnisse zeigen dem Forschungsteam zufolge, dass die Kultur der Affen durch andere Lernmechanismen aufrechterhalten wird als die menschliche Kultur. Im Gegensatz zum Menschen kopieren sich Affen nicht gegenseitig, sondern erfänden jede ihrer Verhaltensweisen in jeder Population und in jeder Generation immer wieder neu. „Dabei werden sie lediglich durch andere zu diesen Neuerfindungen angeregt, ohne dass die jeweilige Form der Verhaltensweise kopiert wird. Diese Erkenntnis erscheint überraschend, wird aber von neuesten Studien der vergleichenden Kognitionswissenschaften gestützt“, sagt Tennie. In diesen Untersuchungen kopierten Menschenaffen nur dann neue Verhaltensweisen, wenn sie vorher durch Menschen auf Verhaltenskopien trainiert worden waren.</p><h3>Publikation:</h3><p>Alba Motes-Rodrigo and Claudio Tennie: The Method of Local Restriction: in search of potential great ape culture-dependent forms. <em>Biological Reviews</em>, DOI 10.1111/brv.12710</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61380</guid><pubDate>Thu, 25 Mar 2021 11:00:00 +0100</pubDate><title>Erhebliche Auswirkungen der geplanten Regionalstadtbahn auf die Universität </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erhebliche-auswirkungen-der-geplanten-regionalstadtbahn-auf-die-universitaet/</link><description>„Verkehrssystem darf Entwicklung des Forschungsstandortes nicht blockieren“ – Innenstadtstrecke erzwingt Verlagerung von hochempfindlichen Geräten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bau und Betrieb einer Regionalstadtbahn durch die Tübinger Innenstadt hätten erhebliche Auswirkungen auf Forschungseinrichtungen der Universität. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Universität beauftragtes Gutachten des Bochumer Ingenieurbüros Baudynamik Heiland und Mistler. „Wir müssen bereits bei der Errichtung der geplanten Innenstadtstrecke, spätestens aber beim Betrieb der Regionalstadtbahn mit erheblichen Problemen rechnen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag.&nbsp;</p><p>Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Bernd Pichler, ergänzte, insbesondere Forschungseinrichtungen in den Lebenswissenschaften seien stark betroffen: „Die Probleme dürften mit der künftigen technischen Entwicklung weiter zunehmen, da analytische Systeme, wissenschaftliche Messgeräte sowie bildgebende Verfahren zunehmend leistungsfähiger, aber damit auch empfindlicher werden.“ Ganz offensichtlich seien die daraus resultierenden Probleme den politisch Verantwortlichen bislang nicht hinreichend klar. Die Interessen von Universität und Medizinischer Fakultät müssten bei Planung und Realisierung der Regionalstadtbahn deutlich stärker als in der Vergangenheit berücksichtigt werden.&nbsp;</p><p>Die wesentlichen Ergebnisse der Gutachter lauten wie folgt:&nbsp;</p><ol><li>Der Betrieb der Stadtbahn führt zu Erschütterungen und elektromagnetischen Feldveränderungen. Diese werden voraussichtlich dazu führen, dass empfindliche technische Geräte, Anlagen und Messinstrumente nicht mehr funktionieren und genutzt werden können. Ohne technische Kompensationsmaßnahmen wären bis zu einer Entfernung von jeweils 180 Metern links und rechts der Trasse Beeinträchtigungen feststellbar.&nbsp;</li><li>Um die Beeinträchtigungen zu begrenzen, sind umfangreiche Schutzmaßnahmen auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Hörsaalgebäude „Kupferbau“ bis zum Arboretum des Botanischen Gartens auf der Morgenstelle erforderlich. Dazu zählen primär eine hochelastische Schienenlagerung sowie besonders hochwertige elektromagnetische Kompensationsmaßnahmen auf dem gesamten Streckenabschnitt. Darüber hinaus sind in Teilabschnitten noch höherwertige Maßnahmen am Oberbau in Form von Masse-Feder-Systemen vorzusehen.</li><li>Selbst bei einer Realisierung der genannten Schutzmaßnahmen ist weiterhin eine Beeinträchtigung von einzelnen Forschungslaboren und den dort befindlichen Messinstrumenten durch elektromagnetische Strahlung und Erschütterungen zu erwarten.&nbsp;</li><li>Durch die Realisierung der Innenstadtstrecke wird das Werner Siemens Imaging Center im Gebäudekomplex Röntgenweg 11-17 den Standort räumen müssen. Notwendig wird dadurch der Bau eines neuen Forschungsgebäudes auf einem unbeeinträchtigten Baufeld sowie der Rückbau des bestehenden Gebäudes.&nbsp;</li><li>Universität und Medizinische Fakultät verlieren in einem Korridor von jeweils 80 Meter links und rechts der Stadtbahntrasse in erheblichem Umfang Bau- und Entwicklungsflächen für künftige Forschungsgebäude mit hochempfindlicher Nutzung.</li></ol><p>„Der Forschungsstandort Tübingen hat inzwischen nicht nur wissenschaftliche, sondern auch wirtschaftspolitische Bedeutung für ganz Deutschland“, sagte Engler. „Die wachsende Zahl von Forschungseinrichtungen des Bundes wie das Nationale Tumorzentrum oder das KI-Kompetenzzentrum machen das ebenso deutlich wie der Einstieg der bundeseigenen KfW beim Impfstoffhersteller CureVac.“ In dieser Situation bekenne sich die Universität zu einer klimafreundlichen Verkehrspolitik als Teil einer nachhaltigen Entwicklungsstrategie für Stadt und Region. „Allerdings muss gewährleistet sein, dass ein künftiges Verkehrssystem die weitere Entwicklung des Forschungsstandorts Tübingen befördert und nicht blockiert“, sagte der Rektor. Dementsprechend müssten bei der künftigen Planung einer Regionalstadtbahn vitale Interessen der Universität deutlich stärker als bislang berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund forderten Universität und Medizinische Fakultät die Stadt Tübingen und die Betreiber der Regionalstadtbahn dazu auf, bei einer Realisierung der Innenstadtstrecke folgende Bedingungen erfüllen:&nbsp;</p><p>A. Erschütterungen: Zur Reduktion der Erschütterungen sind bestmögliche Schutzmaßnahmen am Gleis vorzusehen. Neben einer hochelastischen Schienenlagerung in Kombination mit einem verstärkten Oberbau entlang des gesamten hier betrachteten Streckenabschnitts (Kupferbau-Arboretum) sind in Teilabschnitten zusätzlich tiefabgestimmte Masse-Feder-Systeme umzusetzen.&nbsp;<br><br> B. Elektromagnetische Feldveränderungen: Zur Reduktion des Einflusskorridors der elektromagnetischen Feldveränderungen müssen die bestmöglichen Kompensationsmaßnahmen am Gleis („besonders hochwertig“ vergleichbar mit System Ulm) entlang des gesamten Trassenabschnitts (Kupferbau-Arboretum) vorgesehen werden.&nbsp;<br><br> C. Passive Schutzmaßnahmen: Die Betreiber der Regionalstadtbahn müssen die Kosten für passive Schutzmaßnahmen an Gebäuden der Universität übernehmen. Dazu gehören neben Maßnahmen zur elektromagnetischen Abschirmung von Geräten auch geeignete Maßnahmen gegen Straßenbahnlärm in Kurvensituationen, beispielsweise in der Nähe der Gebäude Neue Aula, Alte Physik, Alte Archäologie.&nbsp;<br><br> D. Werner Siemens Imaging Center (Forschungsgruppe präklinische Bildgebung): Vollständige Finanzierung eines Neubaus mit rund 2.000 Quadratmeter Nutzfläche für Büros und Labore, die teilweise Reinraum- und Strahlenschutzanforderungen genügen müssen, sowie Kostenübernahme für den Rückbau des bestehenden Gebäudes.&nbsp;<br><br> E. Entwicklungsflächen: Mit dem Bau der Regionalstadtbahn wird die rechtlich verbindliche Ausweisung neuer Entwicklungsflächen für Universität und Medizinische Fakultät aufgrund der absehbaren Verluste von nutzbaren Bauflächen in naher Zukunft zwingend erforderlich. Dabei ist eine Ausweisung von Flächen im Umfang der genannten Verluste sowie entsprechend künftig erwartbarer Bedarfe unabdingbar. Bisher vorgesehene Entwicklungsflächen wie Teile der Morgenstelle oder der Sarchhalde liegen in der unmittelbaren Einflusszone der Regionalstadtbahn und sind daher für den Bau neuer Forschungsgebäude keine realistische Option mehr. Als erster Schritt muss daher die Planung und der Bau der Südtangente Richtung Rosenau/Hagelloch zeitnah angegangen werden, damit die bereits jetzt im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Sonderflächen baulich entwickelt werden können. Weitere Forschungsbauten der Universität, die in naher Zukunft realisiert werden müssen, können nur in neu ausgewiesenen Arealen gebaut werden.<br><br> F. Bauphase: Bereits während der Errichtung der Stadtbahntrasse müssen geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Lärm, Erschütterungen und elektromagnetischen Feldveränderungen ergriffen werden.&nbsp;</p><p>Universität und Medizinische Fakultät seien nicht gegen den Bau einer Regionalstadtbahn, betonte der Rektor: „Die regionale Verkehrspolitik darf aber die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes nicht gefährden.“ In dieser Situation sei sowohl die Stadt Tübingen als auch die baden-württembergische Landesregierung in der Pflicht. Das Land verfüge in Tübingen über umfangreiche Flächen, die bereits vor Jahrzehnten für die langfristige Entwicklung der Universität angekauft worden seien. Diese Flächen müssten jetzt aktiviert werden.&nbsp;</p><p>Prof. Pichler betonte, die Tübinger Lebenswissenschaften und hier insbesondere die Medizinische Fakultät stünden in Konkurrenz zu führenden Forschungsstandorten weltweit. „Wir haben in diesem Wettbewerb hervorragende Chancen. Wenn wir aber erfolgreich sein wollen, brauchen unsere Forschungseinrichtungen räumliche Entwicklungspotenziale und eine entsprechende Planungssicherheit.“&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61050</guid><pubDate>Tue, 16 Mar 2021 14:00:00 +0100</pubDate><title>Hass im Netz – verändert das Internet unsere Debattenkultur?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hass-im-netz-veraendert-das-internet-unsere-debattenkultur-1/</link><description>Tübinger Universitätsdialoge laden zur Diskussion ein – Livestream mit Medienwissenschaftlerin Martina Thiele, Rhetoriker Olaf Kramer und Medienrechtler Tobias Keber</description><content:encoded><![CDATA[<p>Hasserfüllte Kommentare zu Texten im Internet, Beleidigungen und Mobbing per Twitter und Co. – das Internet scheint unsere Debattenkultur nicht zum Besten verändert zu haben. Woran liegt das? Wie können Betroffene reagieren und wie sind sie rechtlich gestellt?</p><p>Diese Fragen werden bei der nächsten Ausgabe des virtuellen Formats „Tübinger Universitätsdialoge“ der Universität Tübingen diskutiert. Am <strong>Freitag, 19. März, ab 17 Uhr</strong> sind Interessierte eingeladen, online mit zu debattieren und Fragen zu stellen.</p><p>Studiogäste sind die Medienwissenschaftlerin Professorin Martina Thiele und der Rhetoriker Professor Olaf Kramer, beide Universität Tübingen, sowie Professor Tobias Keber, Experte für Medienrecht an der Hochschule der Medien Stuttgart. Es moderieren Janina Dax und Elias Raatz.</p><p>Zu sehen ist die Sendung auf YouTube unter:<br><a href="https://www.youtube.com/watch?v=JU688ae-GUc" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=JU688ae-GUc</a>&nbsp;&nbsp;</p><p>Während der Veranstaltung können Fragen und Kommentare über die Chatfunktion auf YouTube oder per Email an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtcpuvcnvwpigpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">veranstaltungen<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;ins Studio geschickt werden.</p><p>Die Tübinger Universitätsdialoge sind eine Veranstaltung im Rahmen der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-61032</guid><pubDate>Tue, 16 Mar 2021 09:21:41 +0100</pubDate><title>Erstaunlich: Wie das Gehirn sich selbst reguliert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erstaunlich-wie-das-gehirn-sich-selbst-reguliert/</link><description>Internationales Forschungsteam zeigt, wie neuronale Schaltkreise ein Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung erreichen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forscherteam aus Tübingen und Israel hat entschlüsselt, wie Hirnstrukturen auch unter ungewöhnlichen Bedingungen ihre Funktion und eine stabile Dynamik aufrechterhalten können. Die Ergebnisse könnten helfen, Krankheiten wie Epilepsie und Autismus besser zu verstehen und zu behandeln. Die Studie wurde im Fachmagazin <em>PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences)</em> veröffentlicht.</p><p>Die Neuronen in unserem Gehirn sind über Synapsen miteinander verbunden und bilden kleine Funktionseinheiten, neuronale Schaltkreise. Man unterscheidet zwischen erregenden Neuronen und hemmenden Neuronen. Erregende Neuronen senden über Signale Informationen an ein zweites Neuron und veranlassen dieses, weitere Signale zu feuern bzw. im neuronalen Schaltkreis zu versenden. Hemmende Neuronen mit der entgegengesetzten Aufgabe sind ebenso wichtig für die Funktionalität unseres Gehirns: Sie verringern die Wahrscheinlichkeit, dass mit ihnen verbundene Neuronen Signale an andere senden.</p><p>Das Zusammenspiel von Erregung und Hemmung ist entscheidend für die normale Funktionalität von neuronalen Netzwerken. Seine Dysregulation wird mit vielen neurologischen und psychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht, darunter Epilepsie, Alzheimer und Autismus-Spektrum-Störungen.</p><h3>Von Zellkulturen im Labor ...</h3><p>Interessanterweise bleibt der Anteil der hemmenden Neuronen an allen Neuronen in verschiedenen Hirnstrukturen (wie dem Neokortex oder dem Hippocampus) während der gesamten Lebenszeit eines Individuums bei 15-30 Prozent konstant. „Das hat uns neugierig gemacht: Wie wichtig ist dieser bestimmte Anteil?“, erinnert sich Anna Levina, Forscherin am Institut für Informatik der Universität Tübingen und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. „Können neuronale Schaltkreise mit einem anderen Verhältnis von erregenden und hemmenden Neuronen noch normal funktionieren?“</p><p>Kolleginnen und Kollegen Levinas am Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) entwickelten ein neuartiges Experiment, um diese Fragen zu beantworten. Sie züchteten Kulturen, die unterschiedliche, sogar extreme Verhältnisse von erregenden und hemmenden Neuronen enthielten. Anschließend maßen sie die Aktivität dieser künstlich angelegten Hirngewebe.</p><p>„Wir waren überrascht, dass Netzwerke mit verschiedenen Verhältnissen von erregenden und hemmenden Neuronen aktiv blieben, auch wenn diese Verhältnisse sehr weit von den natürlichen Bedingungen entfernt waren“, sagt Levinas Doktorand Oleg Vinogradov. „Ihre Aktivität ändert sich nicht dramatisch, solange der Anteil der hemmenden Neuronen irgendwo im Bereich von 10 bis zu 90 Prozent bleibt.“ Es scheint, dass die neuronalen Strukturen einen Weg haben, ihre ungewöhnliche Zusammensetzung zu kompensieren, um stabil und funktionell zu bleiben.</p><h3>... zu einem theoretischen Verständnis</h3><p>Doch mit welchem Mechanismus passt sich das Hirngewebe an diese unterschiedlichen Bedingungen an? Das Forschungsteam hat die Theorie, dass Netzwerke dies bewerkstelligen, indem sie die Anzahl der Verbindungen anpassen: Gibt es wenige hemmende Neuronen, müssen diese eine größere Rolle übernehmen, indem sie mehr Synapsen mit den anderen Neuronen bilden. Umgekehrt gilt: Ist der Anteil der hemmenden Neuronen groß, müssen die erregenden Neuronen dies ausgleichen, indem sie mehr Verbindungen aufbauen.</p><p>Mit dem theoretischen Modell der Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lassen sich die experimentellen Befunde ihrer Kollegen in Rehovot erklären und die Mechanismen zeigen, mit denen die Dynamik in einem Gehirn stabil bleibt. Die Ergebnisse können zudem das Verständnis dafür verbessern, wie das Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung in lebenden neuronalen Netzwerken erhalten bleibt und wo es versagt. Auf lange Sicht könnte dies auch im aufstrebenden Feld der Präzisionsmedizin nützlich sein: Aus normalen Körperzellen gewonnene Stammzellen könnten verwendet werden, um neuronale Kulturen zu generieren, mithilfe derer man Mechanismen neuropsychiatrischer Störungen sowie neuartige Medikamente finden kann.</p><h3>Publikation:</h3><p>Nirit Sukenik, Oleg Vinogradov, Eyal Weinreb, Menahem Segal, Anna Levina,<br> and Elisha Moses: Neuronal circuits overcome imbalance in excitation and inhibition by adjusting connection numbers. PNAS, <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.2018459118" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.2018459118</a>&nbsp;</p><p><a href="https://www.kyb.tuebingen.mpg.de/excitation-inhibition-de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung des&nbsp;Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60606</guid><pubDate>Mon, 08 Mar 2021 12:17:00 +0100</pubDate><title>Botanischer Garten und MUT „Alte Kulturen“ im Schloss öffnen wieder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/botanischer-garten-und-mut-alte-kulturen-im-schloss-oeffnen-wieder/</link><description>Jetzt Besichtigungstermin buchen: Ältestes Riesenfass bis Mitte März zu besichtigen – Außenanlagen des Bota wieder zugänglich</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60360</guid><pubDate>Thu, 04 Mar 2021 11:00:00 +0100</pubDate><title>Als aus Wölfen Hunde wurden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/als-aus-woelfen-hunde-wurden/</link><description>Ursprung des europäischen Haushundes im Südwesten Deutschlands vermutet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen hat gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen die Anfänge der Domestizierung von Wölfen in Europa untersucht. Sie analysierten mit einem multimethodischen Ansatz mehrere <em>Canidae</em>-Fossilien aus einer Höhle im südwestlichen Deutschland. In ihrer heute im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie kommen sie zu dem Schluss, dass in dieser Region vor 16.000 bis 14.000 Jahren der Übergang von Wölfen zu gezähmten Hunden stattgefunden haben könnte.</p><p>Hunde gelten gemeinhin als die ältesten bekannten Haustiere. „Wann genau die Domestizierung von Wölfen zu Haus- und Hütehunden erfolgte, ist aber nach wie vor unklar. Wissenschaftliche Schätzungen variieren zwischen etwa 15.000 bis 30.000 Jahren vor heute“, erklärt Dr. Chris Baumann vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Und auch der Ort dieses Übergangs vom Wild- zum Haustier ist bislang nicht geklärt.“</p><p>Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat Baumann mit einem internationalen Team mehrere fossile Knochen aus der Familie der Hunde (<em>Canidae</em>) – zu welcher neben heutigen Haushunden auch Wölfe und Füchse gehören – aus einer Höhle im Südwesten Deutschlands untersucht. „Die Gnirshöhle ist eine kleine Höhle mit zwei Kammern im Süden Baden-Württembergs, die in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Höhlen aus dem Zeitalter des Magdalénien, einer archäologischen Kulturstufe im jüngeren Abschnitt des Jungpaläolithikums, liegt“, ergänzt Baumann.</p><p>Die aus der Gnirshöhle stammenden fossilen <em>Canidae</em>-Knochen wurden mit verschiedenen kombinierten Methoden untersucht. Der Tübinger Biogeologe hierzu: „Wir haben Morphologie, Genetik und Isotopie verknüpft und konnten so feststellen, dass die untersuchten Knochen aus vielen verschiedenen genetischen Linien stammen&nbsp;und die daraus neu sequenzierten Genome die ganze genetische Bandbreite von Wolf bis Hund abdecken.“</p><p>Das Forschungsteam geht daher davon aus, dass die Menschen des Madgaléniens Tiere gezähmt und aufgezogen haben, die aus verschiedenen Wolfslinien stammten. „Die Nähe der Tiere zu den Menschen sowie die Hinweise auf deren recht eingeschränkte Ernährung lassen uns annehmen, dass vor 16.000 bis 14.000 Jahren Wölfe bereits zu Haushunden domestiziert wurden. Ein Ursprung der europäischen Hunde könnte demnach im Südwesten Deutschlands liegen“, fasst Baumann zusammen.</p><h3>Publikation</h3><p>Chris Baumann et.al. (2021): A refined proposal for the origin of dogs: the case study of Gnirshöhle, a Magdalenian cave site. Scientific Reports. <a href="http://www.nature.com/articles/s41598-021-83719-7  " target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.nature.com/articles/s41598-021-83719-7</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60423</guid><pubDate>Wed, 03 Mar 2021 11:42:46 +0100</pubDate><title>Michael Butter erhält Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/michael-butter-erhaelt-tuebinger-preis-fuer-wissenschaftskommunikation/</link><description>„Mutiges Eintreten gegen Verschwörungstheorien“ – Julia Diekämper und Robert Ranisch erhalten Nachwuchspreis für Kommunikation zu Chancen und Risiken der Genomveränderung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Amerikanist Professor Michael Butter erhält den neu geschaffenen Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation des Jahres 2021. Der 43-Jährige wird ausgezeichnet für die intensive Vermittlung seiner Forschung zu Verschwörungstheorien in der breiten Öffentlichkeit. Den diesjährigen Nachwuchspreis für Wissenschaftskommunikation erhalten die Medizinethikerin Dr. Julia Diekämper und der Medizinethiker Dr. Robert Ranisch für „ZukunftMensch“, ein gemeinsames Projekt des Berliner Museums für Naturkunde und der Universität Tübingen. Der Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung ist Teil der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen und soll den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern. &nbsp;&nbsp;</p><p>„Michael Butter verbindet in vorzüglicher Weise internationale Spitzenforschung mit einer engagierten und breit angelegten Kommunikation seiner wissenschaftlichen Arbeit“, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichten Begründung der Jury: „Sein mutiges Eintreten gegen Verschwörungstheorien leistet einen außerordentlich wichtigen Beitrag gegen einen zerstörerischen Diskurs, der das Vertrauen in unsere öffentlichen Institutionen untergräbt und damit den gesellschaftlichen Frieden massiv bedroht.“</p><p>Der Aufstieg populistischer Bewegungen weltweit und die zunehmende Präsenz von Verschwörungstheorien stehen in engem Zusammenhang. Michael Butter und sein Team erforschen das Thema seit mehreren Jahren, derzeit im Rahmen des Projekts „Populism and Conspiracy Theory (PACT)“, das durch einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert wird. Im Projekt arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Politikwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Anthropologie und Geschichtswissenschaft zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen zeitgenössische Verschwörungstheorien in Europa, den USA und Südamerika. Die Ergebnisse seiner Forschung vermittelt Butter seit mehreren Jahren in zahlreichen Interviews und öffentlichen Vorträgen. Darüber hinaus berät er Parteien, Ministerien sowie die Bundeszentrale für politische Bildung. Im vergangenen Jahr war der Amerikanist für Medien im In- und Ausland ein gefragter Gesprächspartner im Hinblick auf Verschwörungstheorien zu Ursachen und Verlauf der Corona-Pandemie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60111</guid><pubDate>Tue, 23 Feb 2021 15:51:37 +0100</pubDate><title>Otter jonglieren gerne mit Steinen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/otter-jonglieren-gerne-mit-steinen/</link><description>Tübinger Forschende untersuchen Spiel- und Werkzeugverhalten der Otter: Fast alle Arten weltweit wurden dabei beobachtet, sich intensiv mit Steinen zu beschäftigen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Otter lieben Steine. Sie rollen und stapeln sie, schlagen sie gegeneinander, hämmern und jonglieren mit ihnen. Ein Forschungsprojekt der Universität Tübingen zeigt nun, dass sich dieses Verhalten bei Otterarten weltweit feststellen lässt, sowohl in freier Wildbahn als auch in Gefangenschaft. Die Ergebnisse wurde im Fachmagazin Animal Behavior &amp; Cognition veröffentlicht.</p><p>Bislang gab es nur verstreute Berichte und Videos von Ottern, die mit Steinen hantieren. Um herauszufinden, wie weit verbreitet dies tatsächlich ist, haben Dr. Elisa Bandini, Margherita Bandini und Dr. Claudio Tennie vom Institut für Ur- und Frühgeschichte Otter-Experten rund um den Globus nach ihren Beobachtungen befragt. Die Auswertung der Berichte zeigt: Zehn der dreizehn weltweit existierenden Otterarten wurden dabei beobachtet, Steine zu benutzen: zum Jonglieren, Klopfen, Hämmern oder Rollen. „Sehr wahrscheinlich gibt es diese Aktivitäten auch bei den drei übrigen Arten. Aber da sie in schwer zugänglichen Gebieten leben, wurde so etwas bei ihnen bislang noch nicht beobachtet“, sagt Elisa Bandini.&nbsp;</p><p>Im Tierreich ist diese Vorliebe für das Hantieren mit Steinen eine Rarität. Bislang ist sie nur bei Makaken bekannt, einer in Asien und Nordafrika lebenden Affengattung. Die meisten Otter benutzen Steine spielerisch. Nur Seeotter setzen – als einzige Otterspezies – Steine gezielt als Werkzeuge ein, mit denen sie Muscheln, Austern und Krebse „knacken“.&nbsp;</p><p>Welchen biologischen Sinn demgegenüber die spielerischen Verwendungsweisen haben, wird gerade erforscht. Möglicherweise unterstützt das Spiel mit Steinen in jungen Jahren die motorische Entwicklung der Tiere, während es im Alter dem Abbau der kognitiven Leistung vorbeugt. Bei Seeottern könnte es zudem wichtig sein, um den Gebrauch von Werkzeuge zu erlernen. Diese These knüpft an eine Studie zu wild lebenden Makaken in Thailand an: Diese zeigte, dass heranwachsende Makaken, die sich mit Steinen beschäftigen, diese später mit größerer Wahrscheinlichkeit auch als Werkzeuge einsetzen – im Gegensatz zu ihren Artgenossen, die im Jugendalter nicht mit Steinen spielten.&nbsp;</p><p>Dass der Umgang mit Steinen unter Ottern so weit verbreitet ist, lässt jedenfalls auf eine genetische Veranlagung dafür schließen, meint Forscherin Bandini. „Spannend ist, dass mit den Ottern eine Gattung ein solches Verhalten zeigt, die nicht zu den Primaten gehört – vor allem vor dem Hintergrund, dass Steine die ersten Werkzeuge der frühen Menschen waren. Wenn wir untersuchen, wie so unterschiedliche Tierarten mit Steinen umgehen, können wir möglicherweise auch rekonstruieren, wie unsere Vorfahren anfingen, den Nutzen von Steinen zu begreifen.“&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Elisa Bandini, Margherita Bandini &amp; Claudio Tennie: A short report on the extent of stone handling behavior across otter species. Animal Behavior and Cognition 2021, 8(1), 15-22. <a href="https://doi.org/10.26451/abc.08.01.02.2021" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.26451/abc.08.01.02.2021</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59949</guid><pubDate>Mon, 22 Feb 2021 09:16:17 +0100</pubDate><title>Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/biologische-bodenkrusten-bremsen-erosion/</link><description>Tübinger Forschungsteam untersucht, wie natürliche „Teppiche“ Böden gegen das Wegschwemmen durch Regen schützen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch Erosion gehen jährlich weltweit Milliarden von Tonnen an wertvollem Boden verloren, vieles davon lagert sich in Gewässern ab, die dadurch versanden oder verschlammen. Die in Deutschland gemessenen Bodenverluste reichen von 1,4 bis 3,2 Tonnen pro Hektar und Jahr, bei Extremwetter können es bis zu fünfzig Tonnen sein. Einen Schutzschirm gegen die Erosion bieten biologische Bodenkrusten, wie ein Forschungsprojekt von Geowissenschaftlern an der Universität Tübingen zeigt. Diese natürlichen „Teppiche“ bestehen aus Bakterien, Moosen, Flechten, Pilzen und anderen Organismen, die Erdpartikel zu zusammenhängenden Schichten verbinden.</p><p>Biokrusten sind nur wenige Millimeter dick, aber sie stabilisieren die Bodenoberfläche und schützen sie gegen den Abtrag durch Regen und Wind. Bislang wurden sie vor allem in trockenen Regionen erforscht, wo sie wegen ihrer Speicherfähigkeit für den Wasserhaushalt und als Schutz gegen Winderosion sowie als Staubfang besonders wichtig sind. Unter Leitung von Dr. Steffen Seitz vom Lehrstuhl für Bodenkunde und Geomorphologie untersuchten die Tübinger Wissenschaftler im baden-württembergischen Naturpark Schönbuch bei Stuttgart die Entwicklung biologischer Bodenkrusten auf kurz zuvor befahrenen „Rückegassen“.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59716</guid><pubDate>Fri, 12 Feb 2021 09:05:00 +0100</pubDate><title>Nanokugeln zum Kräftemessen mit Zellmotoren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nanokugeln-zum-kraeftemessen-mit-zellmotoren/</link><description>Tübinger Forschende entwickeln Kraftmikroskope für den Nanobereich ‒ Das Motorprotein Kinesin macht Tippelschritte und rutscht </description><content:encoded><![CDATA[<p>Motorproteine erzeugen die Kräfte für mechanische Prozesse in unseren Zellen. Auf einer Größenskala von Nanometern, also einem millionstel Millimeter, treiben sie unsere Muskeln an oder transportieren unter anderem Stoffe innerhalb einer Zelle. Solche Bewegungen, mit bloßem Auge nicht zu sehen, kann Erik Schäffer sichtbar machen: Der Professor für zelluläre Nanowissenschaften an der Universität Tübingen verfolgt mit eigens entwickelten Spezialmikroskopen, „optischen Pinzetten“, die Arbeit der molekularen Maschinen. Diese Technologie hat sein Team am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen nun weiter verfeinert. Mit höher auflösenden, speziellen Sonden, den Germanium-Nanokugeln, lassen sich sowohl Bewegungen als auch die Kräfte eines Motorproteins messen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Science</em> veröffentlicht.</p><p>Die untersuchten Motorproteine sind mit einer Größe von lediglich 60 Nanometern echte Winzlinge, aber für Zellprozesse unverzichtbar. Unter anderem helfen sie bei der Zellteilung, Chromosomen mechanisch auseinanderzuziehen, oder sie transportieren „Pakete“ innerhalb der Zelle. Funktionieren diese Motorproteine nicht, kann dies beispielsweise in Nervenzellen zu neurologischen Krankheiten wie Alzheimer beitragen.&nbsp;</p><p>Um den Mechanismen dieser molekularen Maschinen auf die Spur zu kommen, entwickelte Biophysiker Erik Schäffer ultragenaue optische Pinzetten. Sie beruhen auf Prinzipien, die bereits der Astronom Johannes Kepler 1609 entdeckte und für die der Physiker Arthur Ashkin 2018 den Nobelpreis erhielt. Dabei wird der Strahlungsdruck von Licht ausgenutzt, um mit Laserstrahlen berührungslos kleine Kugeln festzuhalten und kleinste Kräfte zu messen. Mit diesem Werkzeug konnte Schäffer in den vergangenen Jahren bereits nachweisen, dass sich beispielsweise das Motorprotein Kinesin tanzenderweise fortbewegt: Mit zwei „Füßen“ macht es acht Nanometer große Schritte und dabei jeweils eine Halbdrehung – ähnlich wie bei einem Wiener Walzer.&nbsp;</p><p>Seine Doktorandin Swathi Sudhakar hat die Technologie der optischen Pinzetten nun weiterentwickelt. Mit sogenannten Germanium-Nanokugeln, viel kleinere und höher auflösende Sonden, kommt man gerade noch gegen die fünf Pikonewton starken Kräfte der biologischen Motoren an ‒ dies entspricht fünf Billionstel der Gewichtskraft einer Tafel Schokolade. Somit lassen sich auch kleinste und schnelle Bewegungen messen. Bisher konnten diese wegen der für kleine Teilchen typischen, ruckartigen Wärmebewegung nicht exakt beobachtet werden.&nbsp;</p><p>So ließ sich Kinesin in Echtzeit beobachten und Sudhakar konnte einen weiteren „Zwischenschritt“ in seiner Fortbewegung nachweisen, die den Walzer fast perfekt machen. „Ob es diesen Zwischenschritt gibt, wurde unter Wissenschaftlern seit 20 Jahren diskutiert“, sagt Schäffer. „Wir konnten dies erstmals direkt mit optischen Pinzetten messen.“ Zudem zeigte sich durch die Nanokugeln ein bislang unbekannter „Rutschmechanismus“ des Motorproteins: „Das ist eine Art Sicherungsleine, die den Motor in der Schiene hält, sollte die Last zu hoch sein“, sagt Schäffer. Dieser Mechanismus erkläre die hohe Effizienz des Stofftransports in Zellen. „Weiß man, wie Kinesin-Motoren im Detail funktionieren, versteht man auch die lebenswichtigen Zellprozesse, die sie antreiben, und Fehlfunktionen, die zu Krankheiten führen können, besser.“</p><p>Der Wissenschaftler vergleicht die neue Technologie mit einem vertieften Blick, sozusagen „unter die Haube“ der molekularen Maschinen. So könne man nicht nur einzelne Bewegungen von Motorproteinen exakt beobachten, sondern auch besser verstehen, wie beispielsweise Eiweiße ihre Struktur erhalten. „Die Nanokugeln haben als Halbleiter weitere spannende optische und elektrische Eigenschaften und könnten auch in anderen Bereichen der Nano- und Materialwissenschaften eingesetzt werden, beispielsweise für bessere Lithium-Ionen-Akkus.“</p><h3>Video – Visualisierung eines Motorproteins:</h3><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=plvQCOE9s_k" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=plvQCOE9s_k</a>&nbsp;</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Swathi Sudhakar, Mohammad Kazem Abdosamadi, Tobias Jörg Jachowski, Michael Bugiel, Anita Jannasch, Erik Schäffer: „Germanium nanospheres for ultraresolution picotensiometry of kinesin motors.“ Science, DOI: 10.1126/science.abd9944&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59575</guid><pubDate>Tue, 09 Feb 2021 09:39:57 +0100</pubDate><title>Neuer Schnelltest zum Nachweis von Corona-Antikörpern entwickelt </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-schnelltest-zum-nachweis-von-corona-antikoerpern-entwickelt/</link><description>Ergebnis in nur zwölf Minuten – Neues Testverfahren übertrifft ELISA-Methode – „Meilenstein in der Entwicklung der immunologischen Diagnostik“ </description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam der Universitäten Paraná (Brasilien) und Tübingen hat einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von Minuten Antikörper gegen den Covid-19 Erreger SARS-Cov2 im Blut zuverlässig nachweisen kann. Wie die Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift ACS Sensors berichteten, lässt sich das neue Verfahren aufgrund eines einfachen Messprinzips ohne teure Instrumente durchführen und ist daher auch für mobile Teststationen oder für Labore in wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen geeignet. Die neue Diagnosemethode sei zudem deutlich schneller als das sogenannte ELISA-Verfahren, das in der Labordiagnose von Antikörpern seit Jahrzehnten als Goldstandard gilt.&nbsp;</p><p>„Nur eine kleine Probenmenge wird für den Test benötigt: gerade mal ein Tropfen reicht aus, der zwei Mikroliter Serum enthält“, sagte der Erstautor der Studie, Professor Luciano F. Huergo von der Universität Paraná: „Zudem ist es möglich, Vollblut einzusetzen, das heißt die normalerweise notwendige Abtrennung der löslichen Blutbestandteil kann für die Diagnose entfallen.“ Das ermögliche den Einsatz des Tests an Pflege- und Teststationen vor Ort. „Ein ausgestattetes Labor sowie der Einsatz spezieller Geräte ist für die Durchführung nicht unbedingt erforderlich“ Darüber hinaus sei die Gesamtreaktionszeit 15-mal kürzer als die des klassischen ELISA-Tests, wie Huergo erläutet: „Dadurch können Hunderte von Proben in wenigen Stunden getestet werden.“</p><p>Das neue Testverfahren basiert auf magnetischen Nanopartikeln, die mit viralen Antigenen beschichtet sind. Zur Durchführung des Tests wird Blutserum oder Blut auf die Testoberfläche aufgetragen. Nach ungefähr zwei Minuten werden die Nanopartikel gewaschen und mit einer Entwickler-Reagenz behandelt. Weist die Blutprobe Antikörper gegen das Coronavirus auf, kommt es zu einem Farbumschlag. Während beim&nbsp;traditionellen ELISA-Test das Ergebnis nach etwa drei Stunden vorliegt, benötigt die neue Methode nach den Ergebnissen der Studie nur zwölf Minuten. &nbsp;</p><h3>Einsatz bei akut Erkrankten und bei Genesenen möglich</h3><p>Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bilden sich im Allgemeinen elf bis 16 Tage nach Auftreten der Symptome aus. Einige Patienten produzieren jedoch bereits zwei bis vier Tage nach den ersten Krankheitssymptomen Antikörper in nachweisbaren Konzentrationen. Immunologische Tests können daher als zusätzliche Instrumente zur Identifizierung von Patienten in der akuten Phase der Covid-19-Erkrankung beitragen oder von Patienten, die in der PCR-Untersuchung als falsch negativ getestet wurden.</p><p>„Unser Test schnitt insbesondere bei Proben mit niedrigen Antikörpertitern besser ab als das ELISA-Verfahren.“, sagte Professor Karl Forchhammer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. „Die Methode arbeitete mit einer Sensitivität von 87 Prozent sowie einer Spezifität von 99 Prozent der getesteten Covid-19-Proben.“ Bereits mit dem bloßen Auge könnten positive und negative Ergebnisse festgestellt werden. Durch den Einsatz zusätzlicher Instrumente, wie eines Microplate-Readers, könne die Präzision des Tests weiter gesteigert werden. „Ein weiterer Vorteil gegenüber dem ELISA-Vefahren besteht darin, dass das Farbergebnis unseres neuen Verfahrens direkt proportional zur Antikörperkonzentration ist“, sagte Huergo. „Mit anderen Worten, die neue Methode liefert Daten über die Menge an Antikörpern und nicht nur über ihr Vorhandensein oder Nichtvorhandensein.“</p><p>Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die neue Technologie auch auf die serologische Diagnose anderer Krankheiten angepasst werden kann. Professor Huergo sagte, das neue Verfahren habe das Potenzial, den seit den 1970er Jahren verwendeten ELISA-Test zu ersetzen: „Wir glauben, dass diese Technik einen Meilenstein in der Entwicklung der immunologischen Diagnostik darstellt.“ In der Forschungsliteratur gebe es keine Berichte über einen immunologischen Test für Covid-19, der so schnell, mit so hoher Genauigkeit und vor allem so geringen Kosten Daten liefere.&nbsp;</p><p>Die Autorinnen und Autoren der Studie gehen davon aus, dass das neue Verfahren künftig zu vergleichbaren Kosten für jeweils eine Diagnose wie der ELISA-Test angeboten werden kann. „Der Test erfordert nur minimale Instrumentierung in allen Produktionsphasen und soll nun mit einer größeren Anzahl von Proben sowie für die Massenproduktion evaluiert werden“, sagt Dr. Khaled Selim, der Leiter des deutschen Teams an der Universität Tübingen. „Wir glauben, dass unsere schnelle und quantitative Methode zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern dabei helfen kann, Fälle von Covid-19 zu verfolgen, insbesondere in Entwicklungsländern wie Brasilien, die nicht den Luxus haben, regelmäßige PCR-basierte Tests im Rahmen der Krankenversorgung durchzuführen.“ Die Technologie steht für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationspartnerschaften über die Innovationsagentur der Universität Paraná zur Verfügung, die über die gesetzlichen und Patentrechte verfügt.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Luciano F. Huergo, Khaled A. Selim, Marcelo S. Conzentino, Edileusa C. M. Gerhardt, Adrian R. S. Santos, Berenike Wagner, Janette T. Alford, Nelli Deobald, Fabio O. Pedrosa, Emanuel M. de Souza, Meri B. Nogueira, Sônia M. Raboni, Dênio Souto, Fabiane G. M. Rego, Dalila L. Zanette, Mateus N. Aoki, Jeanine M. Nardin, Bruna Fornazari, Hugo M. P. Morales, Vânia A. Borges, Annika Nelde, Juliane S. Walz, Matthias Becker, Nicole Schneiderhan-Marra, Ulrich Rothbauer, Rodrigo A. Reis, and Karl Forchhammer. Magnetic Bead-Based Immunoassay Allows Rapid, Inexpensive, and Quantitative Detection of Human SARS-CoV-2 Antibodies.&nbsp;<br> ACS Sens, January 26, 2021; <a href="https://doi.org/10.1021/acssensors.0c02544" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1021/acssensors.0c02544</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59503</guid><pubDate>Mon, 08 Feb 2021 09:20:09 +0100</pubDate><title>Quantenoptik verfeinert medizinische Diagnose</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/quantenoptik-verfeinert-medizinische-diagnose/</link><description>Forschungspreis 2020 der Dr. K. H. Eberle Stiftung für neue Mikroskopiemethode – Neues Förderformat prämiert kreative Ideen für die digitale Lehre</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wie in den Vorjahren hat die Dr. K. H. Eberle Stiftung auch im Jahr 2020 den mit 250.000 Euro dotierten Forschungspreis für innovative Projekte an der Universität Tübingen vergeben. Im Jahr 2020 ging die Auszeichnung an das interdisziplinäre Projekt „Mikroskopie des Stoffwechsels“: Die Biochemiker Dr. Sabrina Hoffmann und Dr. André F. Martins (Werner Siemens Imaging Center) planen gemeinsam mit den Physikern Dr. Lőrinc Sárkány und Professor József Fortágh (Center for Quantum Science) die Entwicklung einer innovativen Mikroskopiemethode, mit der sich selbst kleinste Veränderungen des Stoffwechsels im Gewebe lokal und in Echtzeit abbilden lassen. Die Methode könnte so als neues Diagnoseverfahren Teil der präklinischen Bildgebung werden.</p><p>„Uns hat das Projekt überzeugt. Sollte dieses Diagnoseverfahren funktionieren, hätten wir einen weiteren Leuchtturm, um im Bereich der personalisierten Medizin voranzukommen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Dr. Eberle Stiftung, Thomas Schwind. Die Übergabe an die Preisträger konnte aufgrund der Pandemie noch nicht im feierlichen Rahmen stattfinden, soll aber nachgeholt werden, sobald die Infektionslage dies zulässt.</p><p>Zudem hat das an der Universität Tübingen angesiedelte Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen im Jahr 2020 Jahr erstmals ein Förderformat für die Entwicklung digitaler und frei verfügbarer Lehr- und Lernmaterialien ausgeschrieben, sogenannte Open Educational Resources (OER). Fünf der eingereichten Projektideen werden mit jeweils bis zu 10.000 Euro gefördert. Mit den Mitteln will die Dr. K. H. Eberle Stiftung Projekte unterstützen, die neue digitale Formate in der universitären Lehre erproben und Lehr- und Lernmaterien zur Ergänzung der Präsenzlehre entwickeln.</p><p>Die Stiftung verleihe nicht nur Preise, sondern lege auch viel Wert auf eine dauerhafte institutionelle Förderung, betonten die Vorstände Dr. Alexandra Zoller und Dr. Georg von Schönau. „Das Zentrum für digitale Kompetenzen soll Studierenden und der Professorenschaft einen wichtigen Baustein zur Weiterentwicklung der digitalen Kompetenzen an der Hochschule an die&nbsp;Hand geben. Auch vor dem Hintergrund der Pandemie eine richtige Entscheidung“, unterstrichen die beiden Vorstände.</p><h3>Forschungspreis: Den Stoffwechsel in Echtzeit verfolgen</h3><p>Der Stoffwechsel eines Gewebes ist charakteristisch für dessen Gesundheitszustand und eignet sich damit hervorragend für die medizinische Diagnostik. Krankheitsbedingte Veränderungen des Stoffwechsels im Körper können durch die modernen Bildgebungsverfahren Positronen-Emissions- Tomographie (PET) und Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) erkannt werden. Diese Methoden sind jedoch hinsichtlich der Sensitivität, Auflösung und Verfolgung der endogenen Stoffwechseldynamik begrenzt – die Preisträger sehen deshalb dringenden Bedarf an neuen Methoden, die eine kontinuierliche Echtzeit-Diagnose ermöglichen.</p><p>In der Quantenoptik ist die mikroskopische Detektion einzelner Atome und Moleküle anhand ihrer optischen Eigenschaften, Schwingungs- und Rotationsspektren sowie deren Beobachtung in Echtzeit Standard. Auf dieser Grundlage werden aktuell Quanten- und Sensortechnologien entwickelt, die nun mit diesem interdisziplinären Projekt auch in der medizinischen Diagnostik angewendet werden sollen. Durch die Kombination faseroptischer Lasertechniken und moderner spektroskopischer Verfahren soll eine Mikroskopiemethode entwickelt werden, die bei minimalem Eingriff und kombiniert mit den bildgebenden Methoden PET/MRT bisherige diagnostische Einschränkungen überwinden und ein ganzheitliches, dynamisches Bild des Stoffwechsels erstellen kann.</p><h3>OER-Förderung: Mit diesen Programmen macht Lernen im Netz Spaß</h3><p>Mit dem neuen Förderformat „Digitale Lehr- und Lernmaterialien“ ruft das Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen der Universität Tübingen dazu auf, Konzepte für Online-Formate einzureichen ‒ von einzelnen Modulen bis zu multimedial aufbereiteten Kursen. Diese sollen in Lehrveranstaltungen einsetzbar sein und als „Open Educational Resources (OER)“ national wie international zur Verfügung stehen. Möglich wird dies über den Onlinedienst „Open Educational Resources der Hochschulen in Baden-Württemberg“, den die Universitätsbibliothek Tübingen im Rahmen des Hochschulnetzwerks „Digitalisierung der Lehre“ zur Verfügung stellt. (<a href="https://www.oerbw.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.oerbw.de/</a>)</p><p>Das Zentrum wurde von der Dr. K. H. Eberle Stiftung bisher mit 600.000 Euro finanziert und soll auch weiterhin gefördert werden. Als Lehr- und Lernzentrum bildet es Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler für den Einsatz digitaler Medien in Forschung und Studium aus. Die OER-Preise gehen in diesem Jahr an folgende Projektideen:</p><ul><li>Im Projekt <strong>„Computational Thinking als kognitive Grundlage des Programmierens“ </strong>entwickelt Katerina Tsarava vom Hector Institut für Empirische Bildungsforschung (HIB) ein Unterrichtsmodul für angehende Lehrkräfte im Bereich Informatik. Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse können damit spielerisch an die Grundlagen des Programmierens her- angeführt werden. Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen HIB (Prof. Ulrich Trautwein) und dem Fachbereich Informatik (Prof. Klaus Ostermann). Es baut auf einem Modul für Grundschulen auf, entwickelt von Katerina Tsarava, Dr. Manuel Ninaus (Leibniz Institut für Wissensmedien) und Prof. Korbinian Moeller (Loughborough University).<br> 	&nbsp;</li><li>Im Projekt <strong>„MuseumVirtuell“</strong> erarbeitet Stefan Krmnicek, Juniorprofessor für Antike Numismatik am Institut für Klassische Archäologie, ein Modul, das Studierende der kunst- und kulturwissenschaftlichen Fächer für den Einsatz von „Virtual Reality“ im Museumsbereich schult. In einem Seminar lernen diese, wie sich aus digitalisierten Museumsobjekten eine virtuelle Ausstellung im Internet konzipieren und praktisch umsetzen lässt.<br> 	&nbsp;</li><li>Mit dem Projekt <strong>„Geo-dig online – praxisnahe Lernelemente in Lehrveranstaltungen der Geoinformatik“</strong> erweitern Dr. Andreas Braun und Dr. Hans-Joachim Rosner vom Lehrstuhl „Physische Geographie und Geoinformatik“ Lehrinhalte der Geoinformatik durch anwendungsbezogene Lern- und Prüfungsinhalte. Das Geographische Institut vermittelt Studierenden bereits Kompetenzen in Kartographie, Statistik, räumlicher Datenanalyse und der Auswertung von Satellitenbildern. Nun werden diese Module durch praktische digitale Aufgaben und geleitete Übungen (z.B. durch Videos) zu Themen der Geo-Visualisierung, der Verwendung von Programmiersprachen oder des Cloud Computings erweitert.<br> 	&nbsp;</li><li>PD Dr. Sebastian Bücking und Edith Scheifele, M.A., vom Deutschen Seminar/Sonderforschungsbereich 833 gestalten ein Lehr-Lern-Modul<strong> „Natürliche und formale Sprachen“</strong>, das in den Zusammenhang von natürlichen und formalen Sprachen einführt. Formale Sprachen werden in der Sprachwissenschaft dazu genutzt, natürliche Sprachen wie das Deutsche oder Englische zu beschreiben und deren Funktionsweise zu erklären. Sie finden aber auch als Programmiersprachen (z.B. R, Latex) Anwendung. Das Modul will dazu befähigen, formale Sprachen zu verstehen, zu erlernen und für die theoretische und praktische Arbeit mit natürlichen Sprachen nutzbar zu machen. (Homepage: <a href="https://bit.ly/3eQpStu)" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bit.ly/3eQpStu)</a><br> 	&nbsp;</li><li>Im Lehrprogramm <strong>„Embryologie-Lernspiele“</strong> hat PD Dr. Ingmar Werneburg aus der Paläontologischen Sammlung der Universität seltene historische Embryonen-Zeichnungen aufbereitet. Für das Verständnis der Stammbaumforschung entwickelte er – zusammen mit Schweizer Kollegen – ein interaktives Online-Programm für Studierende. Mit der OER-Förderung soll dieses weiter ausgebaut und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (Programm: <a href="http://www.msanchezlab.net/phylotool/tool/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.msanchezlab.net/phylotool/tool/</a>).</li></ul><p><br> Die Dr. K. H. Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig. <a href="https://dreberlestiftung.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dreberlestiftung.de/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59248</guid><pubDate>Wed, 03 Feb 2021 09:30:00 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-10/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen vier Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59296</guid><pubDate>Tue, 02 Feb 2021 09:33:10 +0100</pubDate><title>Cyanobakterien könnten die Plastikindustrie revolutionieren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cyanobakterien-koennten-die-plastikindustrie-revolutionieren/</link><description>Klimaneutral und schnell abbaubar: Mikrobiologen der Universität Tübingen ermöglichen Produktion von klimafreundlichem Bioplastik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Als Nebenprodukt der Fotosynthese stellen Cyanobakterien Plastik auf natürlicher Basis her – und das nachhaltig und umweltschonend. Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen ist es nun erstmals gelungen, den Stoffwechsel der Bakterien so zu verändern, dass sie den Naturstoff in Mengen produzieren, die eine industrielle Nutzung ermöglichen. Das natürliche Plastik könnte dem umweltschädlichen Kunststoff auf Erdölbasis Konkurrenz machen. Die Forschungsgruppe unter Leitung von Professor Karl Forchhammer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin legte ihre Ergebnisse vor kurzem in mehreren Studien vor, die in den Fachjournals <em>Microbial Cell Factories</em> und <em>PNAS</em> erschienen.</p><p>„Die industrielle Relevanz dieser Form von Bioplastik kann kaum überschätzt werden“, sagte Forchhammer. Rund 370 Millionen Tonnen Kunststoffe werden derzeit pro Jahr produziert. Laut Prognosen wird die weltweite Plastikproduktion im nächsten Jahrzehnt um weitere 40 Prozent zunehmen. Zwar ist Kunststoff vielfältig einsetzbar und preisgünstig, beispielsweise als Verpackung von Lebensmitteln. Andererseits ist er Ursache für zunehmende Umweltprobleme. Immer mehr Plastikmüll landet in der Natur, wo die Kunststoffe zum Teil die Meere verschmutzen oder in Form von Mikroplastik in die Nahrungskette gelangen. Zudem wird Plastik überwiegend aus Erdöl hergestellt, was bei der Verbrennung zusätzliches CO2 in die Atmosphäre freisetzt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59239</guid><pubDate>Mon, 01 Feb 2021 09:34:18 +0100</pubDate><title>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte geht an australische Forscherin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-geht-an-australische-forscherin/</link><description>Anna Florin zeigt an 65.000 Jahre alten Pflanzenresten, dass die ersten Menschen Australiens viel Zeit mit der Essenszubereitung verbrachten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in diesem Jahr an Dr. Anna Florin von der University of Queensland in Brisbane. Die Australierin wird für ihre Dissertation „Archaeobotanical investigations into 65,000 years of plant food use at Madjedbebe, Mirarr Country, northern Australia“ ausgezeichnet. Sie untersuchte 65.000 Jahre alte Pflanzenmakrofossilien, die in Madjedbebe in Nordaustralien gefunden wurden, um so Veränderungen in der Ernährung und Landnutzung der Menschen nachzuvollziehen. Sie zeigte in ihrer Arbeit, dass die ersten Menschen geschickte Sammler waren, die komplexe Verarbeitungstechniken für pflanzliche Lebensmittel beherrschten.</p><p>Anna Florin studierte an der University of Queensland in Brisbane Archäologie und promovierte dort auch. Sie ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am <em>ARC Centre of Excellence for Australian Biodiversity and Heritage</em> an der University of Wollongong.</p><p>In ihrer Forschung setzten Florin und ihr Team Hochleistungs- Lichtmikroskopie und Rasterelektronenmikroskopie ein, um verkohlte Pflanzenreste aus alten Feuerstellen der Madjedbebe-Stätte zu analysieren. Es sind weggeworfene Reste von Mahlzeiten, die vor Zehntausenden von Jahren gekocht und geteilt wurden. Es zeigte sich, dass die Proben konservierte Reste von Früchten, Nüssen, Samen, Palmstämmen sowie Wurzeln und Knollen enthielten. „Für viele der gefundenen pflanzlichen Nahrungsmittel benötigte man viel Zeit und gute Kenntnisse für die Zubereitung“, erklärt Florin. Die Ergebnisse stellen frühere Theorien in Frage, die davon ausgingen, dass die frühen modernen Menschen sich mit möglichst wenig Aufwand ernährten und keine abwechslungsreiche Ernährung hatten.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59233</guid><pubDate>Mon, 01 Feb 2021 09:09:14 +0100</pubDate><title>Europäische Universitätsallianz CIVIS nimmt University of Glasgow auf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/europaeische-universitaetsallianz-civis-nimmt-university-of-glasgow-auf/</link><description>Einbindung schottischer Spitzenuniversität stärkt Beziehungen zu Großbritannien nach dem Brexit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die University of Glasgow ist neuer assoziierter Partner im europäischen Universitätsverbund CIVIS, der seit 2019 im Rahmen der „European Universities“-Initiative der Europäischen Kommission gefördert wird. Die Kommission hatte im Dezember einen entsprechenden Antrag der acht Gründungspartner des Netzwerks bewilligt, zu dem auch die Universität Tübingen gehört. CIVIS ist ein Verbund führender Universitäten aus ganz Europa, die innovative Lehre und Forschung sowie zivilgesellschaftliches Engagement fördern und den Austausch von Studierenden und Beschäftigten voranbringen wollen. Zudem sollen Verbindungen in den Nahen Osten und nach Afrika aufgebaut werden.</p><p>Als Spitzenuniversität von Weltrang ergänzt die University of Glasgow die CIVIS-Allianz in hervorragender Weise. Zudem stärkt die Zusammenarbeit mit der schottischen Universität die Beziehungen der CIVIS-Partner nach Großbritannien und eröffnet neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch nach dem Brexit.</p><p>„Mit der Aufnahme der University of Glasgow setzen wir ein Zeichen, dass Großbritannien für uns nach wie vor zu Europa gehört,“ sagt Professorin Monique Scheer, Prorektorin für Internationales und Diversität der Universität Tübingen. Dieses europäische Selbstverständnis teilt auch ihre Amtskollegin in Glasgow, Rachel Sandison: „Auch nach dem Brexit sieht sich Glasgow weiterhin als stolze europäische Institution, die viel zu einer Zusammenarbeit mit europäischen Partnern beitragen und davon profitieren kann."</p><p>Die University of Glasgow gehört laut Times Higher Education Ranking und QS World University Ranking zu den Top 100 der Universitäten welt- weit. Bereits seit fünf Jahren arbeitet die Universität Tübingen mit Glasgow und weiteren europäischen Hochschulen im Rahmen von „The Guild“ zusammen, einem Verbund führender Forschungsuniversitäten.</p><p>„Für Tübingen ist die University of Glasgow ein vertrauter und bewährter Partner,“ erklärt Professorin Scheer. „Solche etablierten Partnerschaften sind für die CIVIS-Allianz eine wichtige Grundlage.“ Innerhalb von CIVIS ist Tübingen federführend dabei, auch Partnerschaften mit Universitäten in der Region Afrika-Nahost zu erschließen. „Die Stärken, die Glasgow in diesem Bereich mitbringt, sind für CIVIS ein enormer Gewinn,“ so die Prorektorin.</p><p>Mit der Aufnahme der University of Glasgow umfasst die CIVIS-Allianz nun eine Community von rund 450.000 Studierenden und 65.000 Beschäftigten, darunter mehr als 30.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Mit ihrer gebündelten Expertise wollen die Partner neue Wege in der Hochschulbildung gehen – lokal verwurzelt mit guten Beziehungen in die Gesellschaft vor Ort, aber zugleich mit dem Ziel, globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen.</p><h3>Weitere Informationen zu CIVIS</h3><p>Gründungsmitglieder der Allianz: Universität Aix-Marseille (Frankreich), Nationale und Kapodistrias- Universität Athen (Griechenland), Universität Bukarest (Rumänien), Freie Universität Brüssel (Belgien), Autonome Universität Madrid (Spanien), Sapienza Universität Rom (Italien), Universität Stockholm (Schweden), Universität Tübingen</p><p>Informationen im Internet: <a href="http://www.civis.eu" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.civis.eu</a> und <a href="/international/universitaet/netzwerke/civis/">https://uni-tuebingen.de/de/148059</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59161</guid><pubDate>Thu, 28 Jan 2021 17:00:00 +0100</pubDate><title>Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/beweglicher-daumen-ebnete-den-weg-zur-menschlichen-kultur/</link><description>Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Beweglichkeit seines Daumens verschaffte dem Menschen entscheidende Vorteile in der Evolution. Präzises Zugreifen machte es den frühen Menschen möglich, bessere Werkzeuge herzustellen und unter anderem ihr Nahrungsspektrum zu erweitern. Dass diese Entwicklung vor rund zwei Millionen Jahren begonnen haben könnte, zeigt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter Leitung von Katerina Harvati, Professorin für Paläoanthropologie am Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment (SHEP) der Universität Tübingen. In einer Studie berechnete das Team, ausgehend von fossilen Daumenknochen, mit virtuellen Modellierungen erstmals die Fingerfertigkeit und händische Geschicklichkeit verschiedener Menschenformen. Die Arbeit wurde in Kooperation mit dem Hertie Institut für Klinische Hirnforschung (HIH), dem Naturhistorischen Museum Basel und der Medical School of Athens durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag in der Fachzeitschrift <em>Current Biology</em> veröffentlicht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58666</guid><pubDate>Mon, 18 Jan 2021 13:59:31 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen will Verbleib von anatomischen Präparaten aufklären</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-will-verbleib-von-anatomischen-praeparaten-aufklaeren/</link><description>Fachartikel wirft Fragen zum Umgang mit sterblichen Überresten aus der NS-Zeit in den Jahren 1989 und 1990 auf</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat zugesagt, in einem jüngst publizierten medizinhistorischen Forschungsbeitrag neu aufgeworfene Fragen zum Umgang mit anatomischen Präparaten aus der NS-Zeit systematisch aufzuarbeiten. Die Universität werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Sachverhalt aufzuklären, sagte Rektor Professor Bernd Engler: „Ich habe daher umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Historikerin und Leiterin des aktuellen Forschungsprojekts zum so genannten Gräberfeld X, Professorin Benigna Schönhagen beauftragt, den Aktenbestand im Archiv der Universität zu sichten, um so die offenen Fragen zu beantworten.“ Sollte sich der Sachverhalt anhand der Aktenlage nicht klären lassen, werde die Universität mit der Stadt Tübingen über eine mögliche Exhumierung der im Juli 1990 auf dem Gräberfeld X bestatteten sterblichen Überreste beraten.</p><p>Der britische Medizinhistoriker Professor Paul Weindling hat in einem jüngst veröffentlichten Fachartikel den Verdacht geäußert, dass Verantwortliche der Universität im Juli 1990 sterbliche Überreste von minderjährigen Euthanasieopfern in Tübingen bestattet haben sollen. Der Vorgang sei seinerzeit gegenüber der Öffentlichkeit und auch gegenüber einer externen, von der Universität beauftragten Untersuchungskommission verschwiegen worden. Die sterblichen Überreste – überwiegend oder ausschließlich Teile von Gehirnen – sollen zusammen mit anderen anatomischen Präparaten aus der NS-Zeit auf dem Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs beigesetzt worden sein.&nbsp;</p><p>„Der von Professor Weindling recherchierte Vorgang wirft auch aus Sicht der Universität eine Vielzahl von Fragen auf“, sagte der Rektor. Die Prüfung des Aktenbestands aus den Jahren 1989/90 – darunter auch die Protokolle von Dienstbesprechungen der damaligen Universitätsleitung – laufe derzeit, habe allerdings bislang keine Klarheit erbracht. Engler erklärte, die Universität werde alle verfügbaren Quellen heranziehen, um den Verbleib der sterblichen Überreste aufzuklären.&nbsp;</p><p>Die Universität war im Jahr 1988/89 mit der Tatsache konfrontiert worden, dass präparierte Körperteile aus der NS-Zeit sich noch immer in verschiedenen medizinischen Lehr- und Schausammlungen befanden. Die Universität richtete daraufhin eine Untersuchungskommission ein, die eine vollständige Bestandsaufnahme vornehmen sollte. In ihrem Abschlussbericht, der im Sommer 1989 vorgelegt wurde, empfahl die Kommission, alle Präparate aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 aus dem Anatomischen Institut und sämtlichen anderen medizinischen Einrichtungen der Universität zu entfernen und in würdiger Form zu bestatten. Die Beisetzung auf dem Gräberfeld X erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 4. Juli 1990. Eine öffentliche Gedenkfeier fand vier Tage später statt. Laut einem Sachstandsbericht, den Universitätspräsident Adolf Theis am Tag der Beisetzung an das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gesandt hat, wurden zwei Urnen sowie „vier Marmor-Behältnisse mit gläsernen Objektträgern“ bestattet. Unklar bleibt bislang aber, was sich in welchem Behältnis befand und aus welchem Institut die beigesetzten Präparate stammten. &nbsp;</p><p>Nach den Recherchen von Professor Weindling sollen ebenfalls am 4. Juli 1990 die sterblichen Überreste von Euthanasieopfern beigesetzt worden sein. Die Präparate sollen aus der so genannten Kinderfachabteilung Wiesengrund in Berlin-Wittenau stammen, in der während des Zweiten Weltkriegs eine Vielzahl von psychisch kranken Kindern ermordet wurde. An der Einrichtung tätige Ärzte entnahmen den getöteten Kindern die Gehirne und präparierten diese für Forschungszwecke. Der in Wiesengrund tätige Pathologe Berthold Ostertag soll die Hirnpräparate von insgesamt 106 Opfern nach dem Krieg nach Tübingen gebracht haben. Ostertag baute an der Universität Tübingen nach Kriegsende das Institut für Hirnforschung auf und leitete dieses bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1964. Weindling stützt sich in seinen Recherchen maßgeblich auf Aussagen von Ostertags Nachfolger an der Spitze des Tübinger Instituts für Hirnforschung, Professor Jürgen Peiffer, der im Dezember 2006 verstarb. &nbsp; &nbsp;</p><p>Wie aus dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission hervorgeht, hatte die Universitätsleitung 1989 alle medizinischen Institute darauf verpflichtet, ihre Sammlungsbestände zu überprüfen und Präparate zu melden, die mutmaßlich von NS-Opfern stammten. Die damalige Leitung des Instituts für Hirnforschung hatte daraufhin schriftlich erklärt, dass sich – auch nach Aussagen von Professor Peiffer – in den Beständen des Instituts keinerlei Präparate aus der Zeit vor Kriegsende befänden. Dementsprechend finden die Hirnpräparate der ermordeten Kinder im Abschlussbericht der Senatskommission keine Erwähnung.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Paul Weindling, Hiding in Plain View: Burial and Commemoration of Children’s Specimens from Wittenau in the “Gräberfeld/Cemetery X” Tübingen, 4 and 8 July 1990. Medizinhistorisches Journal, 56, 2021. <a href="https://doi.org/10.25162/mhj-2020-0016" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.25162/mhj-2020-0016</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58309</guid><pubDate>Mon, 04 Jan 2021 10:06:52 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen verleiht Lehrpreis für  innovativen Webcomic</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verleiht-lehrpreis-fuer-innovativen-webcomic-1/</link><description>Masterseminar erzählt Geschichte der Sozialwissenschaft in Comicform</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen für das Jahr 2020 geht&nbsp;an Juniorprofessorin Ursula Offenberger (Schwerpunkt Lehre, Methodenzentrum der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars „Chicagoer Pragmatismus in Theorie und Praxis: Ursprünge empirischer Sozialforschung in den USA“ am Institut für Erziehungswissenschaften. Das Team wird für die Entwicklung eines Webcomics ausgezeichnet, in dem die Geschichte der Sozialwissenschaften erzählt wird. Der Comic kann auch künftig in Seminaren eingesetzt werden.</p><p>Die öffentliche Verleihung des Lehrpreises musste im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Seit 2007 wird der Lehrpreis jährlich für besonders nachhaltige Lehrleistungen und Engagement für Studierende vergeben. Das Auswahlverfahren findet durch die Senatskommission Studium und Lehre statt.</p><h3>Informationen zum Lehrpreis:</h3><p>In dem Masterseminar entwickelten Ursula Offenberger und ihre Studierenden gemeinsam das Konzept für einen Webcomic. Dieser erzählt die Geschichte von den Anfängen der empirischen Sozialforschung in den USA. Im Mittelpunkt steht dabei eine Form von Sozialforschung, in der Sozialwissenschaft, Politik und praktische Sozialarbeit noch nicht getrennt waren, sondern eine Einheit bildeten. Außerdem geht es um wegweisende Beiträge von Frauen zur Geschichte der Sozialwissenschaft – eine Perspektive, die sich in den gängigen Klassikerkanones häufig nicht widerspiegelt.</p><p>Der Webcomic wurde mit Unterstützung einer Illustratorin fertiggestellt und wird seit Dezember 2020 in Etappen veröffentlicht. Ziel des Projekts ist dabei einerseits Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern zu ermöglichen, mit kreativen Schreibtechniken zu experimentieren. Andererseits soll das Produkt bei anderen Studierenden das Interesse für die Geschichte der Sozialwissenschaften wecken. Die Comicszenen werden mit Hyperlinks zu vielfältigen Quellen angereichert, zum Beispiel mit Originaltexten, Bildern und Videos. Dies soll eine multimediale Annäherung an die Geschichte ermöglichen. Das innovative Projekt zeichnet sich durch die Wahl eines für Wissenschaftskommunikation und Lehre gleichermaßen ungewöhnlichen Mediums aus.&nbsp;</p><p>Das gesamte Projekt lässt sich erkunden unter:<br><a href="https://digital-humanities.uni-tuebingen.de/webcomics/pragmatism-reloaded/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://digital-humanities.uni-tuebingen.de/webcomics/pragmatism-reloaded/</a><br> sowie bei Instagram: <a href="https://www.instagram.com/pragmatism_reloaded/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.instagram.com/pragmatism_reloaded/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58123</guid><pubDate>Thu, 17 Dec 2020 17:28:34 +0100</pubDate><title>Über 100 Millionen Euro zusätzlich für KI-Forschung in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ueber-100-millionen-euro-zusaetzlich-fuer-ki-forschung-in-tuebingen/</link><description>Bundeskanzlerin Merkel spricht von echtem „Gamechanger“ für KI der nächsten Dekade und gibt Startschuss für „AI Breakthrough Hub“ – Förderung von Bund, Land und Hector-Stiftung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesregierung und das Land Baden-Württemberg bauen ihre Förderung des KI-Standortes Tübingen massiv aus. Insgesamt wird in den kommenden Jahren ein dreistelliger Millionenbetrag zusätzlich in die Erforschung und Entwicklung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) fließen – darunter 100 Millionen Euro von einer Stiftung des SAP-Gründers Hans-Werner Hector, unter anderem zur Schaffung von „Hector Endowed ELLIS Fellowships“. „Die Bundesregierung wird die KI-Forschung und den Transfer in die Anwendung weiter intensiv unterstützen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in einer Videokonferenz zum Startschuss für den „AI Breakthrough Hub“. „Kürzlich haben wir die Fortschreibung der KI-Strategie beschlossen und im Rahmen des Zukunftspakets haben wir zusätzliche zwei Milliarden Euro für KI zugesagt. Beides zusammen soll als Katalysator wirken: für modernste Recheninfrastrukturen, attraktive Bedingungen für Spitzentalente und zukunftsgerichtete KI-Ökosysteme.“</p><p>Das von Bund, Land und privater Seite finanzierte Projekt „AI Breakthrough Hub“ wird rund um das Tübinger AI Center verwirklicht, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen von Universität Tübingen und dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Dieses wachsende KI-Ökosystem, zu dem neben Cyber Valley auch das European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) gehört, soll die Anziehungskraft Deutschlands für internationale Talente auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz deutlich erhöhen. Hierzu gehören ein Fellowship-Programm für hochrangige Gastwissenschaftler, der Ausbau der Rechnerleistung, eine Coding School &nbsp;zur Programmierausbildung, der Aufbau einer Plattform für künftige KI-Startups&nbsp;und sowie eine verstärkte Forschung auf dem Gebiet von KI-Anwendungen für die Medizin.</p><p>EU-Vizepräsidentin Margrethe Vestager verwies auf die Notwendigkeit, Industrieanwendungen in das KI-Zeitalter zu überführen. „Die Verknüpfung der industriellen Basis mit der Spitzenforschung im Bereich der künstlichen Intelligenz ist der beste Weg nach vorn“, sagte die EU-Kommissarin für Digitales und Wettbewerb, die ebenfalls an der Videokonferenz teilnahm. „Wir müssen auch die Zusammenarbeit verstärken, was dieses neue AI Breakthrough Hub im Kern ausmacht. Unser europäischer Ansatz beruht auf unseren Werten – und dieser neue Hub wird ein Eckpfeiler sein, um die künstliche Intelligenz in Europa voranzubringen.“</p><p>„Heute ist das Cyber Valley eine der größten Forschungskooperationen in Europa und ein internationaler Leuchtturm in der KI-Forschung. Und das dank eines gemeinsamen Kraftakts von Bund, Land, Wissenschaft, Wirtschaft und privaten Stiftern“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. 140 Millionen Euro habe das Land Baden-Württemberg bereits in den erfolgreichen Weg von Cyber Valley investiert. „Zuletzt an diesem Dienstag einen zweistelligen Millionenbetrag, um die gemeinsame Förderung des KI-Kompetenzzentrums durch Bund und Land abzusichern. Gemeinsam mit dem Bund und Cyber Valley haben wir mit dem ,AI Breakthrough Hub‘ ein hervorragendes Konzept zur Förderung der KI hierzulande erstellt. Außerdem freue ich mich, dass auch die Hector Stiftung die Berufung von KI-Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern im Cyber Valley mit einem Betrag von bis zu 100 Millionen Euro fördern wird.“</p><p>„Cyber Valley hat es in wenigen Jahren geschafft, international beste KI-Talente anzuziehen und sich hervorragend mit den bedeutendsten Standorten der KI-Forschung in der Welt zu vernetzen“, sagte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Mit einer großen gemeinsamen Anstrengung können wir jetzt den Durchbruch schaffen und Cyber Valley weltweit in die Spitzenliga bringen und dort halten. Denn wir wollen bei der Entwicklung einer europäischen KI schnell vorankommen.“</p><p>„Seit vier Jahren bauen wir hier mit herausragenden Kolleginnen und Kollegen etwas Neues auf. Wir haben Cyber Valley gegründet, ein regionales KI-Ökosystem mit internationaler Anziehungskraft. Dann sind wir Teil der KI-Strategie des Bundes geworden – und in den vergangenen beiden Jahren haben wir uns daran gemacht, auch zu einem Motor der europäischen KI zu werden“, sagte Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. „Der offizielle Launch der ersten 30 ELLIS-Forschungseinrichtungen im September, darunter auch Tübingen, war ein Meilenstein auf dem Weg dorthin, dass Europa mit den KI-Hotspots der Welt konkurrieren kann, insbesondere den USA und China. Mit der Gründung des neuen ,AI Breakthrough Hubs‘ geben der Bund und das Land Baden-Württemberg nun den Startschuss in eine neue Ära. Ich persönlich empfinde es als Privileg, dass wir gemeinsam die Exzellenz in Forschung und Innovation weiterentwickeln dürfen, um so Baden-Württemberg, Deutschland und Europa voranzubringen.“</p><h3>Über Cyber Valley:</h3><p>Cyber Valley ist Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG sind die Gründungspartner dieser Initiative. Darüber hinaus ist die Fraunhofer-Gesellschaft Cyber Valley Partner. Unterstützt wird Cyber Valley zudem von der Christian Bürkert Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung.<br> Website: <a href="https://cyber-valley.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://cyber-valley.de/</a></p><h3>Über ELLIS:</h3><p>Das im Dezember 2018 gegründete European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) ist eine paneuropäische wissenschaftliche Organisation, die sich auf die Erforschung und Weiterentwicklung der modernen KI konzentriert, die sich stark auf Methoden des maschinellen Lernens stützt, mit denen Computer aus Daten und Erfahrungen lernen können.&nbsp;<br> Website: <a href="https://ellis.eu/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ellis.eu/</a>&nbsp;</p><h3>Über das Tübingen AI Center:</h3><p>Das Tübingen AI Center ist eines der fünf durch das Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Kompetenzzentren für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Das Zentrum wird seit Oktober 2018 vom BMBF gefördert. In ihrer Sitzung am 13. November 2020 beschloss die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) die dauerhafte institutionelle Förderung von Nationalen Kompetenzzentren für Künstliche Intelligenz (KI), darunter das Tübinger AI Center. Website: <a href="https://tuebingen.ai/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://tuebingen.ai/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58120</guid><pubDate>Thu, 17 Dec 2020 16:38:03 +0100</pubDate><title>„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/es-ist-ernst-nehmen-sie-es-auch-ernst/</link><description>Bundeskanzlerin Merkel erhält die Auszeichnung „Rede des Jahres“ 2020
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen verleiht die Auszeichnung „Rede des Jahres“ 2020 an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Sie erhält die Auszeichnung für ihre historische Fernsehansprache zur Coronapandemie vom 18. März 2020. Die Rede sei ein eindrucksvoller Appell an Verantwortung und Miteinander, verbinde die anschauliche Darstellung komplexer wissenschaftlicher Erkenntnisse mit Empathie und politischer Umsicht, sagte die Jury.&nbsp;</p><p>Mit der im Ersten und Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache stellt sich die Bundeskanzlerin einer denkbar schweren Aufgabe, gilt es doch, komplexe epidemiologische Modelle zu erklären und die Bevölkerung zu radikalen Verhaltensänderungen zu bewegen. Rhetorisch nutzt Merkel dafür alle Register: Die Rede ist anschaulich geschrieben und gut strukturiert, engagiert vorgetragen und sorgt durch Wiederholungen und Variationen zentraler Gedanken für Eindringlichkeit. Durch bemerkenswertes Empathievermögen gelingt es Merkel, für Verständnis und Verantwortung zu werben. Sie formuliert einen großartigen und überzeugenden&nbsp;Appell an Vernunft und Einsicht, an Gemeinsinn und Solidarität: „Wir werden als Gemeinschaft zeigen, dass wir einander nicht allein lassen.“</p><p>Als Leitmotiv zieht sich die Forderung nach Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft durch die Rede. So macht die Kanzlerin immer wieder deutlich, dass Corona-Verordnungen alleine nicht ausreichten, um die Pandemie einzudämmen: „Alle staatlichen Maßnahmen gingen ins Leere, wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst.“ Immer wieder spricht Merkel einzelne Bevölkerungsgruppen direkt an und erzeugt so Nähe, nutzt ein breites Repertoire rhetorischer Stilmittel, um ihrer Botschaft Nachdruck zu verleihen und deutlich zu machen, wie ernst die Lage ist. Überzeugend bringt sie eigene Erfahrungen ein, nutzt ihre eigene Biografie und Autorität, um als Rednerin für ihre Sache einzustehen. „Für jemandem wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen.“&nbsp;</p><p>Auch im Kontext der Reden anderer europäischer Regierungschefs sticht Merkels Rede heraus: Während Emmanuel Macron in seiner ersten Fernsehansprache zu autoritären Ansagen und einer ausladenden Kriegsmetaphorik tendiert, ein Boris Johnson die Gefahren eher herunterspielt, verwendet Kanzlerin Merkel eine sachlich informierende Sprache und eine wissenschaftlich fundierte Argumentation. Dabei gelingt ihr der Spagat zwischen Vernunft und Einfühlungsvermögen in einer vorbildlichen Art und Weise, die auch international große Anerkennung gefunden hat.&nbsp;</p><p>Mit großem rhetorischem Können verdeutlicht Merkel die Allgegenwärtigkeit des Virus und die damit verbundenen Gefahren und erreicht dabei eine starke emotionale Wirkung, indem sie die Konsequenzen der Pandemie deutlich macht: „Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik, sondern das ist ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder Partner, es sind Menschen. Und wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“</p><p>Kanzlerin Merkel demonstriert eindrucksvoll, wozu öffentliche Rede fähig ist, wie Vernunft mit Hilfe von Rhetorik handlungsmächtig werden kann und auf welche Weise gute Rhetorik Gemeinsinn und Zusammenhalt befördern kann. Merkel gelingt damit eine historische Rede, die für die erfolgreiche Bewältigung der ersten Corona-Welle von zentraler Bedeutung ist. Wie kaum eine andere Rede in den vergangenen Jahren dürfte die Fernsehansprache die deutsche Bevölkerung unmittelbar beeinflusst haben.&nbsp;</p><p>Dass Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme immer wieder neu beschworen werden müssen, zeigen freilich die aktuellen Entwicklungen: Nachdem die Politik der zweiten Corona-Welle zunächst nicht mit der nötigen Entschiedenheit entgegentrat, ist es in dieser Situation wiederum Merkel, die sich mit ihrer ungewöhnlich emotionalen Rede zum Bundeshaushalt Anfang Dezember für Verantwortung und Miteinander stark macht, mit großem persönlichen Engagement dafür kämpft, dass wir als Gesellschaft der Bedrohung durch die Corona-Pandemie konsequent entgegentreten.</p><p><strong>Jury:</strong> Lukas Beck, Nico Bosler, Dr. Simon Drescher, Dr. Gregor Kalivoda, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Sebastian König, Prof. Dr. Olaf Kramer, Clara Rohloff, Viktorija Romascenko, Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Dr. Thomas Zinsmaier</p><p><strong>Text der Rede:</strong><br><a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fernsehansprache-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-1732134" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fernsehansprache-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-1732134</a>&nbsp;</p><p><strong>Video der Rede:</strong><br><a href="https://www.youtube.com/watch?v=caUFMAipVYI&amp;list=PLgxOHsdLsxQNT7M2dNi_J26-WNZxXq-0-&amp;index=97" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=caUFMAipVYI&amp;list=PLgxOHsdLsxQNT7M2dNi_J26-WNZxXq-0-&amp;index=97</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58060</guid><pubDate>Thu, 17 Dec 2020 09:09:32 +0100</pubDate><title>Neues Konzept für den Physik-Unterricht: Stromkreise besser verstehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-konzept-fuer-den-physik-unterricht-stromkreise-besser-verstehen/</link><description>Forscher der Universitäten Frankfurt und Tübingen entwickeln erfolgreiche Unterrichtssequenz für das Schulfach Physik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Thema Elektrizität bereitet vielen Schülerinnen und Schülern im Physikunterricht Schwierigkeiten. Physikdidaktiker der Goethe-Universität und der Universität Tübingen haben ein neues, intuitives Lehrkonzept entwickelt und in einer großen Vergleichsstudie an Schulen getestet. Das Ergebnis: Nicht nur die Schülerinnen und Schüler verstanden elektrische Schaltkreise besser, auch die Lehrkräfte waren mit ihrem Unterricht zufriedener.</p><p>Ein Leben ohne Elektrizität ist heute kaum mehr vorstellbar. Egal ob Smartphone, Haartrockner oder die Deckenlampe – unsere liebgewonnenen technischen Errungenschaften benötigen Elektrizität. Zwar lernt jedes Kind in der Schule, dass Strom nur bei einem geschlossenen Stromkreis fließen kann, aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Strom und Spannung? Warum ist eine Steckdose lebensgefährlich, eine einfache Batterie hingegen nicht? Und warum wird eine an eine Mehrfachsteckdose angeschlossene Lampe nicht dunkler, wenn eine zweite Lampe an die Mehrfachsteckdose angeschlossen wird?</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-58030</guid><pubDate>Wed, 16 Dec 2020 14:40:53 +0100</pubDate><title>Neuer Dekan an der Spitze der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-dekan-an-der-spitze-der-mathematisch-naturwissenschaftlichen-fakultaet/</link><description>Fakultätsrat wählt Biochemiker Thilo Stehle zum Nachfolger von Wolfgang Rosenstiel – „Forscher mit exzellenter Reputation und großer Gremienerfahrung“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Biochemiker Professor Thilo Stehle wird neuer Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Tübingen. Der Fakultätsrat wählte den 58-Jährigen am Mittwoch zum Nachfolger von Professor Wolfgang Rosenstiel, der im August verstorben war. Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, würdigte Stehle als außergewöhnlich profilierten Forscher mit internationaler Erfahrung: „Mit Thilo Stehle tritt erneut ein Forscher mit exzellenter Reputation und großer Gremienerfahrung an die Spitze der größten Tübinger Fakultät“, sagte Engler: „Seine Vita als Wissenschaftler im In- und Ausland, seine reiche Erfahrung in der akademischen Selbstverwaltung, aber auch seine Fähigkeit zu Dialog und Ausgleich machen ihn zu einer hervorragenden Besetzung für dieses wichtige Amt.“&nbsp;</p><p>Stehle, der seit 2004 an der Universität Tübingen tätig ist, sagte nach der Wahl, die Fakultät stehe vor immensen Herausforderungen. So gelte es, die drei Tübinger Exzellenzcluster so zu unterstützen und weiterzuentwickeln, dass der Exzellenzstatus der Universität im Jahre 2025 nachhaltig gesichert werden könne. Als weitere Ziele nannte der neue Dekan eine verbesserte strategische Planung, eine bessere Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden sowie eine verstärkte Internationalisierung im Hinblick auf Studierende und Forschende. Der neue Dekan wird sein Amt am 1. April 2021 antreten.&nbsp;</p><p>„Wir verlieren immer noch zu viele vielversprechende Nachwuchskräfte an die Industrie oder andere nicht-universitäre Einrichtungen, oder auch an ausländische Institutionen“, sagte Stehle. Gleichzeitig sei es für internationale Nachwuchsforscher nach wie vor schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. „Hier sehe ich großen Handlungsbedarf. Wir müssen über Konzepte nachdenken, die vielversprechenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einer frühen Karrierephase noch bessere Perspektiven bieten.“</p><p>Professor Thilo Stehle wurde 1962 in Stuttgart geboren. Nach dem Studium der Chemie an der Universität Freiburg wurde Stehle dort 1992 in Strukturbiologie promoviert und ging anschließend in die USA. Bis 1997 forschte er als Postdoktorand an der Harvard University. Anschließend war er bis 2004 als Assistenzprofessor an der Harvard Medical School tätig. Seit 2004 ist er Professor für Biochemie an der Universität Tübingen, seit 2005 zudem außerordentlicher Professor an der Vanderbilt University School of Medicine im US-amerikanischen Nashville.&nbsp;</p><p>Seit seiner Berufung war Stehle in leitender Funktion an vielen Verbundforschungsprojekten beteiligt. Aktuell ist er einer der Projektleiter im Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) und Sprecher der DFG-Forschungsgruppe 2327 ViroCarb, welche die Rolle von so genannten Glykanen bei Virusinfektionen untersucht. Zudem ist er an Verbundprojekten der US-Gesundheitsbehörde NIH beteiligt. &nbsp;&nbsp;</p><p>Der 58-Jährige engagiert sich seit vielen Jahren in der akademischen Selbstverwaltung. So war Stehle von 2005 bis 2016 Direktor des Interfakultären Instituts für Biochemie sowie von 2007 bis 2009 Prodekan der damaligen Fakultät für Chemie und Pharmazie. Seit 2016 fungiert er zudem als Prodekan für Forschung an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57853</guid><pubDate>Thu, 10 Dec 2020 17:17:58 +0100</pubDate><title>Tübinger Wissenschaftlerin erhält Leibniz-Preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-wissenschaftlerin-erhaelt-leibniz-preis/</link><description>Paläoanthropologin Katerina Harvati mit Deutschlands wichtigstem Forschungspreis ausgezeichnet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübinger Paläoanthropologin Katerina Harvati-Papatheodorou erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Forschungspreis geht in diesem Jahr an zehn deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die DFG am Donnerstag verkündete. Preisträgerin Katerina Harvati, Professorin für Paläoanthropologie am Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universität Tübingen, gilt als Pionierin ihres Faches. Ihre Forschung ermöglichte neue Einsichten in die Abläufe der menschlichen Evolution und eine neuartige Perspektive auf den Neandertaler und sein Verhaltensrepertoire.</p><p>Harvati hat die Erforschung menschlicher Fossilien entscheidend weiterentwickelt, indem sie Feldforschung mit modernsten computergestützten, bildgebenden Techniken der 3D-Morphologie kombinierte. So trug sie zur Klärung der Artenzugehörigkeit des Neandertalers bei, aber auch zur Beschreibung und Analyse der frühesten modernen Menschen. Mit von ihrem Team entwickelten Methoden&nbsp;gelang ihr zudem die Rekonstruktion vergangener Verhaltensmuster und die Widerlegung der Vorstellung, Neandertaler seien grobschlächtige Wesen mit einem unterlegenen Verhaltensrepertoire gewesen.&nbsp;</p><p>In der Feldforschung konzentrierte sich die Paläoanthropologin auf die bisher wenig erforschte Region Südosteuropa. Hier konnte sie unter anderem für Fossilfunde aus Griechenland nachweisen, dass dort schon vor 210.000 Jahren frühe moderne Menschen siedelten. Diese hatten Europa somit rund 150.000 Jahre früher erreicht, als bislang angenommen.&nbsp;</p><p>Katerina Harvati-Papatheodorou wurde 2001 an der City University of New York promoviert. 2004 wechselte sie an das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Seit 2009 ist sie an der Universität Tübingen als Professorin für Paläoanthropologie tätig und gehört zum später gegründeten Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment. Zu ihren zahleichen eingeworbenen Drittmittelprojekten zählen ein Starting Grant und ein Consolidator Grant der des europäischen Forschungsrates (ERC). Sie ist zudem Co-Sprecherin der DFG-geförderten For-schungsgruppe „Words, Bones, Genes, Tools: Tracking Linguistic, Cultural and Biological Trajectories of Human Past.“</p><p>Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland und wird seit 1986 jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen. Ziel des Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57751</guid><pubDate>Wed, 09 Dec 2020 15:11:21 +0100</pubDate><title>eROSITA findet riesige Blasen im Halo der Milchstraße</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erosita-findet-riesige-blasen-im-halo-der-milchstrasse/</link><description>Großräumige Strukturen aus heißem Gas über- und unterhalb der galaktischen Scheibe sind wahrscheinlich auf Schockwellen zurückzuführen, die von früheren, energiereichen Ausbrüchen im Innern unserer Milchstraße stammen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die erste vollständige Himmelsdurchmusterung mit dem Röntgenteleskop eROSITA an Bord des SRG-Observatoriums hat eine große Struktur in der Milchstraße aufgezeigt, die wie eine gigantische Sanduhr aussieht. Diese "eROSITA-Blasen" zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Fermi-Blasen, die vor einem Jahrzehnt bei noch höheren Energien entdeckt wurden. Die wahrscheinlichste Erklärung für diese Gasblasen ist, dass vor langer Zeit aus dem galaktischen Zentrum ein massiver Energieeintrag in die heiße Gashülle um unsere Galaxie stattfand, der zu riesigen Schockwellen führte.</p><p>Astronomen haben in der ersten vollständigen Himmelskarte des Röntgenteleskops eROSITA an Bord des SRG-Observatoriums eine auffallende Entdeckung gemacht: eine riesige kreisrunde Struktur aus heißem Gas unterhalb der Milchstraßenebene, die den größten Teil des südlichen Himmels einnimmt. Eine ähnliche Struktur am Nordhimmel, der sogenannte Nordpolar-Sporn, ist seit langem bekannt und man nahm an, dass er von einer frühen Supernova-Explosion stammte. Zusammengenommen scheinen die nördliche und die südliche Struktur stattdessen beide aus dem galaktischen Zentrum auszutreten und erinnern in ihrer Form an eine Sanduhr.</p><p>„Dank seiner Empfindlichkeit sowie Energie- und Winkelauflösung kann eROSITA den gesamten Röntgenhimmel mit bisher unerreichter Tiefe kartieren und so auch die südliche Blase eindeutig nachweisen“, erklärt Michael Freyberg, der als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) schon viele Jahre an eROSITA arbeitet. Das Röntgenteleskop durchmustert alle sechs Monate den gesamten Himmel, und die Daten ermöglichen es den Wissenschaftlern, nach großräumigen Strukturen zu suchen.</p><h3>Scharfe Grenzflächen</h3><p>Die Röntgenemission, die von eROSITA in seinem mittleren Energieband (0,6-1,0 keV) beobachtet wird, zeigt, dass die Blasen eine Ausdehnung von mehreren Kiloparsec (oder bis zu 50.000 Lichtjahren) im Durchmesser haben, und damit fast so groß sind wie die Milchstraße selbst. Diese ‚eROSITA-Blasen‘ zeigen auffallende morphologische Ähnlichkeiten mit den bereits bekannten ‚Fermi-Blasen', die das Fermi-Teleskop im Bereich der Gammastrahlen entdeckte, sie sind aber größer und energiereicher.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57514</guid><pubDate>Wed, 02 Dec 2020 10:04:38 +0100</pubDate><title>Bedrohte Ordnung? Geschichtsunterricht in der Pandemie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bedrohte-ordnung-geschichtsunterricht-in-der-pandemie/</link><description>Forschende der Universität Tübingen entwickeln digitale Lernplattform für innovativen Geschichtsunterricht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende der Universität Tübingen gehen mit einer neuen digitalen Schulplattform online: Unter <a href="http://www.offene-geschichte.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.offene-geschichte.de</a>&nbsp;unterstützt diese historisches Lernen und ermöglicht Schulen, Geschichtsunterricht auch unter den schwierigen Pandemiebedingungen zu einem spannenden Lernerlebnis zu machen. Sie wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Tübinger Sonderforschungsbereichs (SFB) 923 „Bedrohte Ordnungen“ in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtsdidaktik und Public History entwickelt.&nbsp;</p><p>Die Plattform startet mit fünf historischen Situationen, darunter etwa „Deutschland nach dem Kriegsende 1945“, „die Pest“ oder „die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl“. Sie wird regelmäßig durch neue Lernmodule ergänzt sowie durch neue Funktionen und Aufgabenformate erweitert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler orientierten sich an den Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler. „Geschichtsunterricht soll spannender werden“, meint Projektleiter Professor Bernd-Stefan Grewe vom Institut für Geschichtsdidaktik und Public History. „Genau dafür bieten die dramatischen Krisen, die der Sonderforschungsbereich ‘Bedrohte Ordnungen‘ erforscht, den perfekten Ausgangspunkt.“&nbsp;</p><p>Seit knapp zehn Jahren untersucht der Tübinger Forschungsverbund, wie Menschen mit existentiellen Bedrohungen ihrer sozialen Ordnung umgehen. Im Jahr 2020 gefährdet das Corona-Virus nicht nur unsere Gesundheit, die Pandemie bedroht unsere gesamte Ordnung, die Wirtschaft, das tägliche Miteinander – alles wird in einer solchen Situation in Frage gestellt.&nbsp;Daher hat der SFB im Sommer die Forschungsinitiative „Fokus:Corona“ eingerichtet, in der Forschungsaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen zur Corona-Pandemie gebündelt werden – wie der Launch der Schulplattform unter außergewöhnlichen Bedingungen. Denn die tiefgreifenden Einschnitte im öffentlichen Leben hätten gerade junge Menschen als dramatisch erfahren, so Grewe: „Die Lernenden erleben derzeit hautnah das, was der SFB historisch untersucht.“ Das Erkenntnismodell des SFB könne Schülerinnen und Schülern helfen, das komplexe Gegenwartsgeschehen besser einzuordnen, indem sie selbst andere Fälle bedrohter Ordnungen systematisch vergleichen und lernen, dass die eigene Zukunft nicht von historischer Entwicklung vorgezeichnet sei.&nbsp;</p><p>„Unter Pandemiebedingungen und dem zeitweiligen Verlust des Präsenzunterrichts waren herkömmliche Unterrichtsformate und analoge Formate von heute auf morgen beinahe überflüssig“, sagt Rainer Lupschina, Lehrer an einem Reutlinger Gymnasium und einer der Entwickler der Plattform. Diese bietet ein multimediales, didaktisch innovatives Lernerlebnis, das Geschichte als etwas Offenes und im Entstehen Begriffenes vermittelt, an dem wir selbst teilhaben. Ihr Verlauf wird nicht als alternativlos und zwangsläufig präsentiert. Stattdessen lernen Schülerinnen und Schüler, dass die Folgen von Entscheidungen in der Vergangenheit meist ungewisser waren als in vielen Schulbüchern dargestellt.&nbsp;</p><p><a href="http://www.offene-geschichte.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.offene-geschichte.de</a>&nbsp;bietet historische Einblicke in die Ängste und Unsicherheiten einer Bedrohungslage, in der Menschen unter hohem Zeitdruck weitreichende Entscheidungen fällen mussten. Welche Entscheidung war die richtige? Die Geschichte bedrohter Ordnungen zeigt: Es hätte auch anders kommen können. In Alternativen zu denken, öffnet Lernenden neue Deutungshorizonte und hilft bei der Orientierung in einer unübersichtlichen Gegenwart.</p><p>Die Plattform regt offenes historisches Denken an. Sie konfrontiert nicht mit fertigen Interpretationen, sondern animiert durch spezielle Aufgaben zu eigenständigem Denken. „Im Unterricht trauen wir unseren Schülerinnen und Schülern zu wenig zu. Zum Großteil findet lediglich Faktenvermittlung statt“, sagt Grewe. Die Plattform soll Lernende in die Lage versetzen, eine eigensinnige, spannende Geschichte zu verfassen und – noch wichtiger – zu einem triftigen historischen Urteil zu kommen.</p><p>Hintergrundinformation: Der Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“ startete 2011 und wird bis zum Sommer 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit circa 2 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Knapp 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen in derzeit 19 Teilprojekten, die interdisziplinär, historisch oder gegenwartsnah angelegt sind und unterschiedliche geographische Räume in den Blick nehmen. Beteiligt sind die Fächer Geschichtswissenschaft, Soziologie, Germanistik, Amerikanistik, Empirische Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Theologie, Philologie, Rechtswissenschaft sowie die Medizin.&nbsp;</p><h3>Weitere Informationen:</h3><ul><li>Video über die Arbeit des SFB: <a href="https://youtu.be/w1Fme9G5O8k" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/w1Fme9G5O8k</a>&nbsp;</li><li>Video zur Erklärung der Schulplattform: <a href="https://youtu.be/0XAT_-feBZU" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/0XAT_-feBZU</a></li><li>Podcast zur Geschichtsplattform: <a href="https://spoti.fi/3fX2cor" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://spoti.fi/3fX2cor</a>&nbsp;</li><li>Informationen zu Fokus:Corona: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/196949" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/de/196949</a></li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>SFB-923-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57370</guid><pubDate>Fri, 27 Nov 2020 09:19:13 +0100</pubDate><title>Alltagsrassismus macht Geflüchteten das Leben schwer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alltagsrassismus-macht-gefluechteten-das-leben-schwer/</link><description>Hindernis für Integration in den Arbeitsmarkt: Studie der Tübinger Politikwissenschaft berichtet von Diskriminierungen bei Ausbildung und Wohnungssuche </description><content:encoded><![CDATA[<p>Rassismus und Diskriminierung erschweren Geflüchteten in Deutschland die Integration in den Arbeitsmarkt. Zu diesem Schluss kommt eine politikwissenschaftliche Studie der Universität Tübingen: Ein Team um Dr. Nikolai Huke hatte 64 Interviews mit Geflüchteten, Behörden, Beratungsstellen, Ehrenamtlichen und Gewerkschaften in sechs Regionen Deutschlands geführt. In den Gesprächen wurde wiederholt von Rassismuserfahrungen in Behörden, Berufsschulen, Betrieben oder bei der Wohnungssuche berichtet, die Betroffene als sehr belastend empfanden. Die Studie ist Teil des Verbundprojekts „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Herausgegeben wird sie in Kooperation mit der Initiative Pro Asyl und der Gewerkschaft IG Metall (Ressort Migration und Teilhabe).</p><p>Geht es in öffentlichen Debatten um die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt, ist Rassismus nur selten Thema. Im Mittelpunkt stehen meist Sprachkenntnisse, die Anerkennung von Qualifikationen, bürokratische Hürden oder Probleme mit dem Aufenthaltsstatus. In den qualitativen Interviews des Verbundprojekts – Gespräche, die Einzelschicksale untersuchen und offene Antworten ermöglichen – wurde deutlich, dass Rassismus im Alltag ebenfalls ein Integrationshindernis sein kann: Die Gesprächspersonen berichteten von abfälligen Bemerkungen, Pöbeleien und Ausgrenzung bis hin zu handfesten Auseinandersetzungen.</p><p>In Berufsschulen könnten Rassismuserfahrungen psychosomatische Beschwerden und Bildungsabbrüche verursachen, so Autor Nikolai Huke. In den Betrieben komme es zu Konflikten zwischen Beschäftigen. „In einigen Fällen wurden die von Diskriminierung Betroffenen entlassen, während diejenigen, die sich rassistisch äußerten, keine Sanktionen befürchten mussten. In Behörden erschweren Vorurteile und fehlende Sprachkenntnisse den Geflüchteten immer wieder Zugang zu Unterstützungsleistungen und machten sie von externer Unterstützung (z.B. durch Ehrenamtliche) abhängig.“&nbsp;</p><p>Auch hätten Geflüchtete es besonders schwer, eine Wohnung zu finden und müssten oft länger als nötig in Flüchtlingsunterkünften wohnen. Der Alltag dort sei mit zahlreichen Stressfaktoren verbunden, wie beispielsweise fehlenden Lern- und Rückzugsräumen. Das wirke psychisch belastend und erschwere eine berufliche Qualifizierung.&nbsp;</p><p>„Eigentlich sind Migration und Herkunftsverschiedenheit in den meisten Betrieben normaler Alltag. Die betriebliche Sozialintegration von Geflüchteten verläuft in der Regel konfliktarm“, sagt Huke. „Dennoch beobachten wir in unserer Forschung, dass Geflüchtete in verschiedenen Lebensbereichen Rassismuserfahrungen machen, die eine stabile Integration in die Arbeitswelt deutlich erschweren.“ Die Tatsache, dass ein Verlust des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes unter Umständen das Aufenthaltsrecht bedrohe, erschwere es Geflüchteten zusätzlich, sich gegen Rassismus in der Schule oder im Betrieb zu wehren.&nbsp;</p><p>„Wo es keinen gleichberechtigten Zugang gibt, stehen die Türen für ausgrenzende und rassistische Handlungen in Betrieben weit offen“, sagt Andrea Kothen von der Organisation Pro Asyl. „Ein Staat, der einen Teil der Bevölkerung diskriminierenden Regelungen unterwirft, muss wissen, dass das System in den Betrieben alltäglich Wirkung entfaltet.“ Rassismus, betont Petra Wlecklik von der IG Metall (Ressort Migration und Teilhabe), ist „ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass in unseren institutionalisierten und auch in nicht-formalen Wegen des Zusammenlebens begründet ist und keinesfalls lediglich das Problem der Menschen ist, die davon betroffen sind. Nicht-rassistische Bildungsarbeit und interkulturelle Arbeit sollten von Unternehmensleitungen in den Mittelpunkt gestellt werden.“</p><p>Als Gegenmaßnahmen schlägt die Studie unter anderem vor, professionelle Antidiskriminierungs- und Rechtsberatungsstellen flächendeckend aufzubauen, die ehrenamtliche Begleitung von Flüchtlingen im Alltag zu fördern und Arbeitsmarktakteure wie Behörden und Berufsschulen für dieses Thema zu sensibilisieren.&nbsp;</p><p>Die <a href="http://www.welcome-democracy.de/arbeitsmarktintegration" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Studie „Ganz unten in der Hierarchie. Rassismus als Arbeitsmarkthindernis für Geflüchtete</a>“ ist&nbsp;kostenlos als Download verfügbar.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Nikolai Huke<br> Universität Tübingen<br> Institut für Politikwissenschaft<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkmqnck0jwmgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">nikolai.huke<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 (0)1578-7414416</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank" title="Alle News der Universit‰t">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57325</guid><pubDate>Thu, 26 Nov 2020 10:01:14 +0100</pubDate><title>Wie Kinder und Jugendliche unter der Pandemie leiden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-kinder-und-jugendliche-unter-der-pandemie-leiden/</link><description>53 Prozent der Grundschüler fast ohne Kontakt zu Lehrpersonen – COVID KIDS-Studie der Universitäten Tübingen und Luxemburg
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Seit der Pandemie geht es Kindern und Jugendlichen in Deutschland deutlich schlechter. Gaben für die Zeit vor der Pandemie mehr als 95 Prozent der Befragten aus Deutschland an, mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden gewesen zu sein, so waren dies für die Zeit während der Pandemie nur noch 53 Prozent. Dies zeigt die internationale Studie COVID KIDS, die von Forscherinnen und Forschern der Universitäten Tübingen und Luxemburg durchgeführt wurde. Ein besonders beunruhigendes Ergebnis ist, dass mehr als die Hälfte der befragten deutschen Grundschulkinder während der Schulschließungen vor den Sommerferien fast nie Kontakt zu ihren Lehrpersonen hatte.</p><p>Professor Sascha Neumann vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen und Claudine Kirsch und Pascale Engel de Abreu von der Universität Luxemburg befragten im Frühjahr online mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche zu ihren Erfahrungen in der Corona-Zeit. Die Befragten kamen aus Brasilien, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz und waren im Alter zwischen 6 und 16 Jahren. Über 1.700 Kinder und Jugendliche füllten den Fragebogen in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz aus. „Es war uns wichtig, die Kinder selbst zu Wort kommen zu lassen“, sagt Kindheitsforscher Neumann.</p><p>Die Studie ergab, dass die Lebenszufriedenheit der Kinder und Jugendlichen während der Pandemie deutlich zurückging, am stärksten in Brasilien. Auch in Deutschland war der Rückgang stärker als etwa in Luxemburg und der Schweiz. In allen Ländern waren es Freunde und Personen aus dem familiären Umfeld, die den Befragten am meisten gefehlt haben. Angesichts der drastischen Abnahme der Lebenszufriedenheit um 42 Prozentpunkte in Deutschland zeigten sich die Forscher besorgt. „Auch im Vergleich zu früheren repräsentativen Erhebungen ist dies ein enormer Rückgang. In der Regel ergeben sich bei Kindern und Jugendlichen sehr hohe Werte bei der Lebenszufriedenheit“, sagt Neumann.</p><h3>Über die Hälfte der Grundschulkinder nahezu ohne direkten Kontakt zu Lehrpersonen</h3><p>Auch mit der Schule und dem Umfang, der dort zu erledigenden Aufgaben sind Kinder und Jugendliche seit Beginn der Pandemie weniger zufrieden: Gaben unter den in Deutschland Befragten vor Corona über 90&nbsp;Prozent an, mit der Schule zufrieden oder sehr zufrieden gewesen zu sein, so sagten dies für die Zeit seit Beginn der Krise nur noch etwas mehr als 50 Prozent. In der Schweiz lag die Zufriedenheits-Quote mit mehr als 70 Prozent deutlich höher.</p><p>Als besorgniserregend bezeichneten die Forschenden, dass 53 Prozent der befragten Grundschulkinder in Deutschland angaben, während der Zeit der Schulschließung fast nie Kontakt zu ihren Lehrpersonen gehabt zu haben. In der Schweiz liegt der unter Grundschülern ermittelte Wert nur bei etwa 18 Prozent. Auch bei den Befragten von weiterführenden Schulen aus Deutschland gaben mehr als 22 Prozent an, fast nie in direktem Kontakt zu Lehrpersonen gewesen zu sein. „Der Aufgabe, wie Lehrpersonen den Kontakt aufrechterhalten, wird man sich stellen müssen, wenn die Schulen wieder zum Wechselunterricht zurückkehren und auch bei Schülerinnen und Schülern in Quarantäne“ sagt Neumann.</p><h3>Auch in der Pandemie sind nicht alle jungen Menschen gleich</h3><p>Die Studie zeigt weitere Unterschiede beim subjektiven Wohlbefinden: Mädchen berichteten häufiger, mit ihrem Leben seit der Pandemie unzufrieden zu sein als Jungen. Sie äußerten auch öfter Sorgen oder negative Gefühle wie etwa Traurigkeit oder Einsamkeit. Ein ähnliches Muster zeigt sich beim Vergleich von Kindern mit eher bildungsnahem und eher bildungsfernem Familienhintergrund: Letztere berichten häufiger über Sorgen und negative Gefühle sowie eine generell geringere Lebenszufriedenheit.</p><p>Die Online-Befragung fand von Mai bis Juli 2020 statt. Neben der Lebenszufriedenheit und den Erfahrungen mit „Homeschooling“ erkundigten sich die Forschenden auch nach Veränderungen im Alltag sowie den Gefühlen und Sorgen junger Menschen in der Corona-Zeit. Die Studie orientierte sich am Konzept des subjektiven Wohlbefindens. Zur Beteiligung aufgerufen wurde über soziale Medien sowie Tageszeitungen. Für rund zwei Drittel der Befragten aus Deutschland waren die Schulen bei Teilnahme noch geschlossen.</p><h3>Womit hängt das subjektive Wohlbefinden während der Pandemie zusammen?</h3><p>Das Team untersuchte mehrere potentielle Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen. Es zeigte sich, dass Kinder und Jugendliche, die Angst haben wegen Corona zu erkranken, mit höherer Wahrscheinlichkeit eher Sorgen oder negative Emotionen entwickeln. Gerade bei den Befragten in Deutschland ergab sich, dass Kinder und Jugendliche, die ihre eigene Freiheit während der Pandemie als zufriedenstellend erleben, auch mit ihrem Leben insgesamt zufriedener sind. Außerdem fühlen sich Kinder, die sich positiv darüber äußern, wie Erwachsene ihnen zuhören, insgesamt sicherer und auch zuversichtlicher im Hinblick auf ihre eigene Gesundheit. „Es ist nicht ein einzelner Faktor, der die Unterschiede im subjektiven Wohlbefinden erklärt“, sagt Neumann. „Wichtig ist aber, dass wir in unserer Studie auch solche gefunden haben, die durch das Verhalten von Eltern oder Lehrpersonen beeinflussbar sind.“ Die Ergebnisse können einen wichtigen Beitrag leisten, um angemessen mit der Situation von Kindern und Jugendlichen umzugehen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57256</guid><pubDate>Tue, 24 Nov 2020 09:22:03 +0100</pubDate><title>Corona-Krise hält Studierende nicht ab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/corona-krise-haelt-studierende-nicht-ab/</link><description>Mehr Erstsemester an der Universität Tübingen – Internationaler Austausch geht während der Pandemie leicht zurück</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität Tübingen sind im aktuellen Wintersemester insgesamt 27.436 Studierende eingeschrieben, darunter 16.133 Frauen und 11.303 Männer. Damit stieg die Zahl der Studierenden im Vergleich zum Vorjahr (WS 2019/20: 27.196 Studierende) um 240. Mit 5.332 Erstsemestern liegt die Zahl der Neu- und Ersteinschreibungen um rund 100 über der des Vorjahres. (WS 2019/20: 5.219)</p><p>Insgesamt scheinen die erschwerten Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie Studieninteressierte aus Deutschland also nicht abzuhalten. Lediglich in der Gruppe der internationalen Studierenden macht sich die Situation bemerkbar: Mit 3.622 Eingeschriebenen, darunter 2.199 Frauen und 1.423 Männern, sind 157 Studierende weniger immatrikuliert als im Vorjahr (WS 2019/20: 3.779).</p><p>Mit rund 170 Austauschstudierenden hielte sich derzeit nur etwa ein Drittel der üblichen Anzahl in Tübingen auf (WS 2019/20: 500), sagt Thomas Bonenberger, Leiter des Dezernats Studierende. Der Austausch mit den USA, Südamerika und Afrika sei in diesem Semester komplett ausgesetzt. Für Studierende aus diesen Regionen habe das International Office der Universität das kostenlose Online-Programm „TÜ-VIPP“ aufgelegt, das Sprachkurse, ein Buddy-Programm und Kurse zu interkulturellem Austausch sowie Nachhaltigkeitsthemen anbietet. „Das Programm dient auch der Vorbereitung auf einen Austausch im Sommer und wird derzeit von 86 Studierenden weltweit wahrgenommen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57217</guid><pubDate>Mon, 23 Nov 2020 09:37:11 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-9/</link><description>Kurzvorstellung neuer Professorinnen</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57211</guid><pubDate>Mon, 23 Nov 2020 09:19:50 +0100</pubDate><title>Globalisierung in Zeiten von Corona: Präsidentin von Brot für die Welt hält „Sustainability Lecture“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/globalisierung-in-zeiten-von-corona-praesidentin-von-brot-fuer-die-welt-haelt-sustainability-lecture/</link><description>Universität Tübingen verleiht Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten – Festrednerin spricht über Auswirkungen der Corona-Pandemie weltweit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 26. November 2020 verleiht die Universität Tübingen zum zehnten Mal den Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten. Aufgrund der Pandemie-Situation findet die Veranstaltung digital statt. Kanzler Dr. Andreas Rothfuß überreicht für die Universität jeweils drei Preise für Bachelor- und Masterarbeiten, die sich in herausragender Weise mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden auf der Veranstaltung bekanntgegeben und geben dem Publikum dann kurze Einblicke in ihre Arbeiten.</p><p>Die Festrede dieser Veranstaltung ist die Sustainability Lecture „Nachhaltige Entwicklung unter Druck: Wie gestalten wir Globalisierung in Zeiten von Corona?“. Die Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe, Prof. Dr. h. c. Cornelia Füllkrug-Weitzel, spricht über die Auswirkungen der Corona-Pandemie weltweit. Damit verknüpft wird der Stand der globalen Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die vor fünf Jahren mit viel Hoffnung für die Entwicklung zu einer nachhaltigen, sozial gerechten Welt verabschiedet worden waren.</p><p>Die öffentliche Veranstaltung findet am Donnerstag, 26. November 2020, um 18.30 Uhr als Webinar statt. Die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Der Link zum Webinar lautet <a href="https://us02web.zoom.us/j/84208773471" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://us02web.zoom.us/j/84208773471</a>, weitere Informationen unter <a href="/universitaet/profil/werte-und-visionen/nachhaltige-entwicklung/aktuelles-ueberblick-zu-ne/">www.uni-tuebingen.de/nachhaltig</a>.</p><p>Mit der Vergabe der Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen Nachhaltiger Entwicklung. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt. Auch in diesem Jahr&nbsp;gingen beim Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung wieder zahlreiche Bewerbungen aus unterschiedlichsten Fächern ein. „Wir vergeben diesen Preis jetzt seit zehn Jahren. Das Interesse daran ist enorm und es freut mich besonders, dass das Fächerspektrum, aus dem wir Bewerbungen erhalten, immer breiter wird. Nachhaltige Entwicklung ist ein Thema, das junge Menschen bewegt und für das sie sich engagiert einsetzen. Dass Studierende an unserer Universität die Möglichkeit haben und nutzen, auf höchstem wissenschaftlichem Niveau selbst für eine Nachhaltige Entwicklung zu forschen, ist großartig“, so der Juryvorsitzende Professor Thomas Potthast.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57193</guid><pubDate>Thu, 19 Nov 2020 15:41:56 +0100</pubDate><title>Große Resonanz auf ersten digitalen Studieninformationstag</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grosse-resonanz-auf-ersten-digitalen-studieninformationstag/</link><description>Universität Tübingen kann Besucherzahl mehr als verdoppeln – Mehr als 1,4 Millionen Zugriffe auf Webseite</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der erste digitale Studieninformationstag an der Universität Tübingen am 18. November ist auf eine hervorragende Resonanz gestoßen. „Nach den uns vorliegenden Daten wurde die Webseite, auf der Schülerinnen und Schüler sich über das Studienangebot unserer Universität informieren konnten, am Mittwoch von knapp 16.000 Personen genutzt“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler: „Das entspricht etwa einem Drittel aller angehenden Abiturientinnen und Abiturienten in Baden-Württemberg.“</p><p>Zudem deuten die Zahlen auf eine intensive Nutzung des digitalen Informationsangebots hin. Das Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) der Universität habe am Mittwoch mehr als 1,4 Millionen Zugriffe auf die Webseite zum Studieninformationstag registriert, betonte Engler: „Das bedeutet, dass Angebote wie die siebenstündige Live-Sendung von Campus TV, der virtuelle Rundgang durch Tübingen oder die zahlreichen interaktiven Beratungsformate der Studienfächer rege nachgefragt wurden.“ Im Vergleich zu den Studieninformationstagen der Vorjahre habe sich die Zahl der Besucherinnen und Besucher mehr als verdoppelt.</p><p>Die Schülerinnen und Schüler konnten aus Beratungsangeboten von insgesamt 70 Fächern auswählen. Vorträge und Beratungsgespräche fanden in Form von mehr als 200 Webkonferenzen statt. In stark nachgefragten Fächern wie Medizin oder Jura überstieg die Zahl der Interessenten zeitweise die technische Kapazitätsgrenze von bis zu 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Webkonferenz. „Der Studieninformationstag ist alljährlich ein Kraftakt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Fachbereiche sowie der Zentralen Studienberatung“, sagte der Rektor: „In diesem Jahr kamen durch den Zwang, die gesamte Veranstaltung zu digitalisieren, zahlreiche Aufgaben dazu.“</p><p>So wurden eigens für den Studieninformationstag sowie die Werbekampagne im Vorfeld knapp 90 Videobeiträge produziert. Allein im Zentrum für Medienkompetenz, einer zentralen Einrichtung der Universität, waren 22 Personen an der Produktion unterschiedlichster medialer Inhalte beteiligt. „Der digitale Studieninformationstag war eine besondere Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Fachbereichen, den zentralen Einrichtungen und der Verwaltung der Universität“, erklärte Engler: „Allen Mitwirkenden möchte ich ganz herzlich für das Geleistete danken.“ Die Erfahrungen aus der Veranstaltung hätten gezeigt, dass eine engagierte und professionelle Digitalisierung zu deutlich sichtbaren Erfolgen führe, allerdings auch mit spürbarem Mehraufwand verbunden sei.</p><p>Der Studieninformationstag dient allen angehenden Abiturientinnen und Abiturienten in Baden-Württemberg dazu, sich an Hochschulen über die verschiedenen Studienangebote zu informieren. Der Termin wird von der Landesregierung festgelegt und findet alljährlich Mitte November statt. Der Studieninformationstag wird an den landesweit rund 70 Hochschulen regulär als Präsenzveranstal-tung durchgeführt, musste dieses Jahr aber aufgrund der Corona-Pandemie ins Internet verlegt werden.</p><p>Die Webseite zum Studieninformationstag finden Sie hier:<br><a href="https://uni-tuebingen.de/studientag" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/studientag</a></p><p>Den 360-Grad-Rundgang durch Tübingen finden Sie hier:&nbsp;<br><a href="https://www.unistadt-tuebingen-360.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.unistadt-tuebingen-360.de/</a></p><p>Instagram-Kanal der Universität Tübingen<br><a href="https://www.instagram.com/universitaet.tuebingen/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.instagram.com/universitaet.tuebingen/</a></p><p>Livesendung zum Studieninformationstag<br><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GqcqeAsPy0E" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=GqcqeAsPy0E</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57064</guid><pubDate>Tue, 17 Nov 2020 11:00:00 +0100</pubDate><title>Der lange Weg zur Alzheimer-Demenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-lange-weg-zur-alzheimer-demenz/</link><description>Die Kettenreaktion, die zu den toxischen Protein-Ablagerungen führt, setzt viel früher ein als bisher gedacht. Tübinger Forschende zeigen, wie dieser Prozess frühzeitig gestoppt werden könnte.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine Alzheimer-Erkrankung schaukelt sich über Jahrzehnte hoch. Sie beginnt mit einer fatalen Kettenreaktion, bei der massenhaft falsch gefaltete Beta-Amyloid-Proteine entstehen, die das Gehirn am Ende regelrecht überschwemmen. Forschende um Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigen in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“, dass diese Kettenreaktion bei Mäusen sehr viel früher beginnt als bisher angenommen. Damit gibt es neben der bekannten Frühphase der Erkrankung mit Protein-Ablagerungen aber ohne Demenz-Symptome eine noch viel frühere Phase, in der winzige, unsichtbare Aggregationskeime die Kettenreaktion in Gang setzen. Wenn sich das auch beim Menschen bestätigt, müsste eine an den Ursachen ansetzende Behandlung diese Aktion unterbinden. Die Forschenden haben bereits einen ersten Antikörper identifiziert, der das vielleicht leisten könnte.</p><p>Dafür haben sie unter den bereits bekannten Antikörpern gegen falsch gefaltete Beta-Amyloid-Proteine nach solchen gesucht, die auch diese frühen Aggregationskeime erkennen und möglicherweise beseitigen können. Von den sechs verwendeten Antikörpern zeigte nur der Antikörper Aducanumab eine Wirkung: Sogenannte Alzheimer-Mäuse, die noch vor dem Auftreten der ersten Proteinablagerungen für lediglich fünf Tage damit behandelt worden waren, wiesen später nur die Hälfte der sonst üblichen Menge an Ablagerungen im Gehirn auf. „Die kurze Behandlung mit Aducanumab hat die vorhandenen Aggregationskeime offensichtlich beseitigt und da die Bildung neuer Aggregationskeime Zeit braucht, werden in den Wochen und Monaten nach der Behandlung viel weniger Ablagerungen gebildet“, kommentiert Mathias Jucker die Ergebnisse. „Das Gehirn der Mäuse war am Ende zu 50 Prozent weniger geschädigt“.&nbsp;</p><p>Obwohl sich die Alzheimer-Forschung schon länger mit den Aggregationskeimen beschäftigt, weiß niemand so recht, wie sie aussehen. Sie werden derzeit nur über ihre Rolle als Auslöser für diese Kettenreaktion definiert. Damit ähneln sie den sogenannten Prionen, die bei Rindern BSE, bei Schafen Scrapie und beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen. Krankmachende Prionen zwingen ihren richtig gefalteten Artgenossen ihre abnorme Form auf. Jucker und sein Team nutzen den Antikörper Aducanumab deshalb auch dazu, um mehr über die Struktur der Aggregationskeime zu erfahren. Dabei konnten sie zeigen, dass Aducanumab Proteinaggregate erkennt, aber keine einzelnen Beta-Amyloid-Ketten. Die Wissenschaftler hoffen nun, den Antikörper als Angelhaken nutzen zu können, um diese Aggregationskeime zu isolieren und besser zu beschreiben.&nbsp;</p><p>„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass wir uns mehr auf diese absolute Frühphase einer Alzheimer-Erkrankung konzentrieren und nach Biomarkern dafür suchen müssen. Wir brauchen auch weitere Antikörper, die unterschiedliche Typen der Aggregationskeime erkennen und uns helfen, zu verstehen, wie sie die Kettenreaktion auslösen und wie sie für eine Therapie eingesetzt werden können“, so Jucker.&nbsp;</p><p>In der Medizin besteht derzeit kein Zweifel darüber, dass die Behandlung einer Alzheimer-Erkrankung früher einsetzen muss, nicht erst, wenn das Vergessen schon begonnen hat. Die Ergebnisse der Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler definieren jetzt allerdings den Begriff der „Frühzeitigkeit“ bei Mäusen neu. Bisher gilt die Phase mit Protein-Ablagerungen aber ohne Demenz-Symptome als frühzeitig, die neuen Untersuchungen legen nahe, dass eine an den Ursachen ansetzende Behandlung von Alzheimer noch viel eher beginnen sollte.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Uhlmann R.E., Rother C., Rasmussen, J. et al (2010): Acute targeting of pre-amyloid seeds in transgenic mice reduces Alzheimer-like pathology later in life, Nature Neuroscience. DOI: 10.1038/s41593-020-00737-w</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-57085</guid><pubDate>Mon, 16 Nov 2020 14:54:36 +0100</pubDate><title>Schüler finden außergewöhnliche Lösungsansätze mit Hilfe von KI</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schueler-finden-aussergewoehnliche-loesungsansaetze-mit-hilfe-von-ki/</link><description>Vermisste Haustiere finden, ein intelligenter Blindenstock, Grundrissplananalyse und Erkennung von Blatterkrankungen – am Wochenende wurden die diesjährigen Gewinner des Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz gekürt. Der Titel der KI-Schule des Jahres geht in diesem Jahr an das Gymnasium St. Augustin zu Grimma in Sachsen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI) hat am Samstag die besten Projekte gekürt und die Gewinner am Abend in einer Livesendung verkündet. Zuvor hatte die hochkarätig besetzte Jury über die Gewinner des Wettbewerbes entschieden, nachdem sie am Vormittag jedes Team einzeln in einer Online-Konferenz zu dem jeweiligen Projekt befragt hatte.</p><p>In der Alterskategorie bis einschließlich 16 Jahre verkündete die Jurorin Suzanna Randall, Astrophysikerin und angehende Astronautin, das Gewinnerteam CatLab. Die 16-jährigen Schüler Jonas Thumbs und Leonard Prokisch vom Gymnasium Parsberg in der Oberpfalz entwickelten einen Algorithmus, der die Suche von vermissten Katzen in einer Datenbank von Tierschutzorganisationen beschleunigt.</p><p>Der Juror und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar kürte den Sieger in der Alterskategorie 17 Jahre und älter. Der 19-jährige Thomas Bayer von der Technischen Schule Aalen, Baden-Württemberg, hat einen intelligenten Blindenstock entwickelt. Die KI vom Team BlindGuide erkennt Hindernisse und gibt ein sensorisches Signal an den Nutzer oder Nutzerin, so dass diese sicher durch den Alltag kommt.&nbsp;</p><p>Alle Finalisten erhielten einen kleinen leistungsstarken Computer für KI-Anwendungen von NVIDIA (JetsonNano). Die Gewinner konnten sich zusätzlich über einen Geldpreis in Höhe von 1.500 € pro Team freuen.</p><p>Am Abend hatten die Zuschauer der Livesendung (https://youtu.be/gpNNUA7R4KM) die Möglichkeit, für ihre Favoriten, und somit über die Gewinner des Publikumspreises abzustimmen. Der diesjährige Publikumspreis ging an Annika Nassel vom Team LivingAI. Die 17-jährige Schülerin vom Hector-Seminar Pforzheim und dem Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein, Baden-Württemberg, entwickelte einen Algorithmus zur Analyse von Grundrissplänen von Wohnungen. Mit Hilfe ihrer KI können Wohnungsannoncen in Sekundenschnelle anhand von Grundrissplänen entwickelt werden. Als Preis erhält sie eine Drohne der Marke Tello Edu.</p><h3>Sonderpreis für ökologische Relevanz</h3><p>Darüber hinaus zeichnete die Jury überraschend ein weiteres Team mit einem Sonderpreis aus. Die KI vom Team InformaticTeens überzeugte die Jury aufgrund ihrer besonderen ökologischen Relevanz. Das Projekt von Mario Schweikert vom Leibniz-Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße und Maria-Theresa Licka vom Elisabeth-von-Thadden-Schule aus Heidelberg, beide 17 Jahre alt, entwickelten eine KI zur Erkennung von Blattkrankheiten an Rebstöcken. Der Einsatz solch einer KI könnte in weiteren Entwicklungsschritten zukünftig für verschiedene Pflanzensorten genutzt werden und den flächendeckenden Einsatz von Pestiziden reduzieren.</p><p>Das Gymnasium St. Augustin zu Grimma, Sachsen, wurde mit dem Titel „KI Schule des Jahres“ ausgezeichnet. Mehr als 70 Schüler/innen haben durch ihre Teilnahme am Online-KI-Kurs der Schule zum Sieg verholfen. Als Preis erhält das Gymnasium einen Klassensatz Bionik-Baukästen (bionics4education) und einen durch das Unternehmen Festo gesponserten Workshop zur Nutzung dieser Baukästen.</p><p>Auftakt des großen „KI-Tages“ am 14. November bildete der virtuelle BWKI-Hackathon, an dem mehr als 100 Personen zwischen 13 und 25 Jahren teilnahmen. Zum Start des Hackathons wurden die Themen („Challenges“) verkündet: Lebensmittelverschwendung, plastikfrei Leben, Selbstversorgung/regionale Produkte, CO2-Reduzierung sowie Re-use/Recycle. Nachdem die Jugendlichen ihr Thema ausgewählt hatten, wurde acht Stunden lang programmiert und teilweise sogar ein Prototyp konzipiert. Die entwickelten Konzeptideen reichten von Vorhersage von Waldbränden bis zu einem smarten Mülleimer, der analysiert, welche Lebensmittel weggeworfen und in Zukunft in kleinerer Menge eingekauft werden sollten. Die Gewinner werden derzeit ausgewählt und auf den Social-Media-Kanälen des BWKI bekanntgegeben. Zu gewinnen gibt es Buchpreise und Gutscheine für die Online-Kursplattform udemy.</p><h3>Ministerin Bauer: „KI stellt Gesellschaft vor neue Herausforderungen“</h3><p>„Die Schülerinnen und Schüler haben einmal mehr gezeigt, auf welch hohem Niveau sie sich mit dem Thema KI beschäftigen und eigene Lösungen entwerfen. Das ist heute wichtiger denn je. KI wird unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen stellen. Die Antworten darauf wird diese Generation finden müssen“, erklärte Theresia Bauer, Wissenschaftsministerin Baden-Württembergs, Vorsitzende der Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung und Schirmherrin des Wettbewerbes. „Unsere Zukunft wird von unseren Kindern gestaltet, daher muss unsere Förderung schon hier anfangen“, sagte Professor Bernhard Schölkopf, Direktor des Max-Planck-Institutes für Intelligente Systeme und einer der Initiatoren des Wettbewerbes. „Ich bin begeistert von der Kreativität, der Wissbegierde und dem Durchhaltevermögen der Schüler dieses Wettbewerbes. Es ist schön zu sehen, wie die Schüler lernen, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Diese Fähigkeit wird in Zukunft immer wichtiger werden“, ergänzte Professor Matthias Bethge, Co-Initiator des Wettbewerbes und Leiter des Tübingen AI Centers, BMBF-Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen.</p><p>In der Jury des Wettbewerbs waren in diesem Jahr vertreten: Dr. Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist), Julian Janssen (TV-Moderator), Dr. Sibylle Anderl (Wissenschaftsjournalistin, FAZ), Dr. Philip Häusser (Physiker, Fernsehmoderator, Webvideoproduzent), Dr. Ute Wilhelmsen (Meeresbiologin), Dr. Suzanna Randall (Astrophysikerin, Astronautin), Prof. Christiane Zarfl (Universität Tübingen), Christoph Röscher (Bosch Center of Artificial Intelligence), Dr. Nina Gaissert (Expertin für Bionik, Festo), Prof. Dr. Matthias Bethge, Dr. Wieland Brendel (Initiatoren des Wettbewerbes, Universität Tübingen), Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Initiator des Wettbewerbes, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme).</p><p>Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler hatten 2020 ihre Projektideen beim Wettbewerb eingereicht. Im Finale stellten sich zehn Teams der Jury und dem Publikum vor. Mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Interessierte haben die Angebote des BWKI in diesem Jahr wahrgenommen. In einem kostenfreien Online-KI-Kurs wurden die Grundlagen der KI vermittelt. Eine wöchentliche Programmieraufgabe gab die Gelegenheit, während der Corona-bedingten Schulschließungen die eigenen Programmierkenntnisse zu vertiefen. Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Hauptförderer des Wettbewerbs ist die Carl-Zeiss-Stiftung.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Der BWKI motiviert Schülerinnen und Schüler mit den Werkzeugen der künstlichen Intelligenz ihre eigenen Ideen für eine bessere Welt von morgen umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI-Forschungsstandort Tübingen durch das Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen ins Leben gerufen und ermöglicht Jugendlichen ihr Können aktiven im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen.<br> Weitere Informationen unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56968</guid><pubDate>Thu, 12 Nov 2020 19:36:20 +0100</pubDate><title>Fragwürdige Absprachen vor Gericht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fragwuerdige-absprachen-vor-gericht/</link><description>Tübinger Kriminologen beteiligt: Bundesweite Studie untersucht Verständigungspraxis in deutschen Strafprozessen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Geständnis gegen Strafmilderung: Absprachen dieser Art kürzen Gerichtsprozesse oft ab. Nicht immer halten sich die Beteiligten dabei an den gesetzlichen Rahmen, wie eine bundesweite Studie zeigt. Im Auftrag des Bundesjustizministeriums hatte ein Forschungsprojekt der Universitäten Tübingen, Düsseldorf und Frankfurt am Main zwei Jahre lang untersucht, wie „Verständigungen“ im deutschen Gerichtsalltag ablaufen. Ein Team um Professor Jörg Kinzig vom Tübinger Institut für Kriminologie befragte dabei mehr als 1.500 Strafrichter, Staatsanwälte und Strafverteidiger zu ihren Erfahrungen. Die Ergebnisse wurden im Open Access unter <a href="http://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748922094" target="_blank" rel="noreferrer">www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748922094</a>&nbsp; veröffentlicht.</p><p>Verständigungen in Strafverfahren sind seit mehr als 30 Jahren Teil des gerichtlichen Alltags und unterliegen seit 2009 festen gesetzlichen Regeln: So muss eine solche Übereinkunft der Transparenz wegen dokumentiert werden. Geständnisse sind zwingend zu überprüfen. Auch darf das genaue Strafmaß nicht von vorneherein feststehen, möglich ist vorab nur die Festlegung eines „Korridors“, in dem die Strafe liegen soll.</p><p>Die Befragung der 1.500 Fachleute ergab nun, dass gegen die gesetzlichen Vorgaben häufig verstoßen wird: Rund 58 Prozent der Befragten gaben an, dass allen Beteiligten bereits mit der Verständigung klar sei, welche Strafe am Ende der Verhandlung stehen werde. Dabei vermuteten die Befragten, dass ein Geständnis und ein somit abgekürztes Verfahren mit einem Strafrabatt von rund 20 Prozent für die Angeklagten honoriert werde.</p><p>Darüber hinaus förderte die Befragung zutage, dass auch die sogenannten „informellen Absprachen“, also solche außerhalb der Vorgaben der Strafprozessordnung, weiter praktiziert werden. Nicht einmal die Hälfte aller Richter, Staatsanwälte und Strafverteidiger gab an, auf derartige „Deals“ in der eigenen Praxis vollständig zu verzichten. Entsprechende Praktiken werden vor allem bei Betrugsdelikten (29 Prozent), Wirtschaftsstrafsachen (27 Prozent), Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (22 Prozent) und Steuerstrafsachen (20 Prozent) genutzt. Häufig oder sogar sehr häufig wird eine solche Vorgehensweise bei Strafrichter (35 Prozent) und Schöffengericht (27 Prozent) an Amtsgerichten vermutet, eher weniger dagegen am Schwurgericht bei Landgerichten (nur 1 Prozent).</p><p>Kinzig sieht in den Ergebnissen einen Beleg dafür, dass die derzeitige Regelung nur bedingt praxistauglich und daher reformbedürftig ist: „Der Gesetzgeber sollte sich nun genau anschauen, an welchen Stellen und aus welchen Motiven die am Strafprozess Beteiligten den normativen Vorgaben die Gefolgschaft verweigern. Wenn vor allem an Amtsgerichten ‚gedealt‘ wird, ist das auch ein Hinweis darauf, dass es an den nötigen personellen Ressourcen fehlt.“</p><p>Das Bundesjustizministerium will auf Grundlage der Ergebnisse prüfen, ob weitere gesetzliche Vorgaben nötig sind, um Verständigungsverfahren besser zu regeln. (Stellungnahme unter: <a href="https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2020/110420_Evaluation_Verstaendigung.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2020/110420_Evaluation_Verstaendigung.html</a>)</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Karsten Altenhain, Matthias Jahn, Jörg Kinzig: <strong>Die Praxis der Verständigung im Strafprozess</strong>. Eine Evaluation der Vorschriften des Gesetzes zur Regelung der Verständigung im Strafverfahren vom 29. Juli 2009, 1. Auflage 2020, ISBN print: 978-3-8487-7805-8, <em>ISBN online</em>: 978-3-7489-2209-4, <a href="https://doi.org/10.5771/9783748922094" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5771/9783748922094</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56911</guid><pubDate>Thu, 12 Nov 2020 17:00:00 +0100</pubDate><title>Mit Methan als Nahrungsquelle setzen Bakterien giftiges Arsen frei</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mit-methan-als-nahrungsquelle-setzen-bakterien-giftiges-arsen-frei/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt bisher unbekannten Mechanismus, der in Vietnam eine wichtige Rolle bei der natürlichen Verunreinigung des Grundwassers spielt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Giftiges Arsen belastet großflächig Flüsse und Grundwasser in vielen südostasiatischen Ländern wie Bangladesch und Vietnam. Es wird durch die Aktivität von Mikroorganismen freigesetzt, über deren Nahrungsquellen jedoch bisher wenig bekannt war. Ein Team aus der Geomikrobiologie der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Andreas Kappler wies kürzlich nach, dass die Arsen freisetzenden Bakterien ihre Nahrung in den tieferen Bodenschichten finden und nicht von der Wasseroberfläche zum Beispiel aus Algen oder Pflanzen beziehen. Nun entdeckte das Team, dass neben den an Sedimenten abgelagerten organischen Stoffen Methangas als Nahrungsquelle eine wichtige Rolle bei der Freisetzung des Arsens durch Bakterien spielt. Damit lässt sich die hohe Ar-senkonzentration des Wassers in vielen Gebieten Südostasiens besser als bisher erklären. Die neue Studie erscheint in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications Earth &amp; Environment</em>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56773</guid><pubDate>Tue, 10 Nov 2020 09:34:18 +0100</pubDate><title>Tempel von Esna wieder in Farbe zu sehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tempel-von-esna-wieder-in-farbe-zu-sehen/</link><description>Deutsch-ägyptisches Forschungsprojekt legt Originalfarben rund 2.000 Jahre alter Inschriften frei</description><content:encoded><![CDATA[<p>Über 200 Jahre nach der Wiederentdeckung eines ägyptischen Tempels hat ein deutsch-ägyptisches Forschungsteam die Originalfarben rund 2.000 Jahre alter Inschriften freigelegt: Von dicken Schichten aus Ruß und Schmutz befreit, sind Reliefszenen und Inschriften nun wieder in bunten Farben zu bestaunen. Das von dem Ägyptologen Professor Christian Leitz geleitete Projekt stieß zudem auf neue Inschriften, die unter anderem erstmals die Namen altägyptischer Sternbilder offenbaren. Die Restaurationsarbeiten finden in einer Kooperation des Instituts für die Kulturen des Alten Orients (IANES) an der Universität Tübingen und des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer statt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56770</guid><pubDate>Tue, 10 Nov 2020 09:17:10 +0100</pubDate><title>Rechtschreibschwächen spielerisch überwinden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rechtschreibschwaechen-spielerisch-ueberwinden/</link><description>Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Lese- Rechtschreibschwäche – Tübinger Forschungsprojekt hat Lernapp für Kinder entwickelt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen fünf und zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Etwa 40.000 Kinder pro Jahrgang sind davon betroffen. Die massiven Schwierigkeiten beim Erlernen der Schriftsprache überschatten bei vielen den Schulalltag. Ihr Selbstbewusstsein leidet so, dass sie oft die Lust am Lernen verlieren.</p><p>Um Betroffenen zu helfen, haben Linguisten, Informatiker und Psychologen der Universität Tübingen und des Tübinger Instituts für Lerntherapie (TIL) das digitale Lernspiel „Prosodiya“ für Tablets und Smartphones entwickelt. „Viele Kinder mit einer LRS haben Probleme, den Sprachrhythmus wahrzunehmen und die Betonungen der Wortsilben zu erkennen“, sagt Heiko Holz, einer der Entwickler. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Sprachwissenschaft und Doktorand des LEAD Graduate School &amp; Research Network an der Universität Tübingen.</p><p>Das sei ein echter Hemmschuh beim Schreibenlernen, denn die Silbenbetonung spiele eine große Rolle für die Anwendung wichtiger Rechtschreibregeln. So wird in den betonten Silben vieler Wörter der Vokal durch zusätzliche Buchstaben begleitet: Lange Vokale werden zum Beispiel durch h oder ie gekennzeichnet (fehlen, Biene), während kurze Vokale zum Beispiel durch ck (packen) oder doppelte Konsonantenbuchstaben (rennen) angezeigt werden. Wer diese Regeln zur Markierung der Vokallängen nicht beherrscht, dem fehlt ein entscheidender Baustein der deutschen Orthographie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56755</guid><pubDate>Mon, 09 Nov 2020 16:45:48 +0100</pubDate><title>Schüler gestalten mit Künstlicher Intelligenz die Welt von morgen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schueler-gestalten-mit-kuenstlicher-intelligenz-die-welt-von-morgen/</link><description>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz präsentiert am 14. November Finalistinnen und Finalisten im Livestream: von Fake News bis zum smarten Hühnerstall ‒ Virtueller Hackathon bildet Auftakt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Bundeswettbewerbs Künstliche Intelligenz (BWKI) 2020 steuert auf sein Finale zu. Am 14. November steht die Abschlussveranstaltung an, die in diesem Jahr einen virtuellen Hackathon mit der offiziellen Preisverleihung für die besten KI-Projekte verbindet. Am großen „KI-Tag“ werden Jugendliche ihre Kreativität und Coding Skills in einem virtuellen Hackathon unter Beweis stellen. Im Team entwickeln sie innerhalb von acht Stunden ein Konzept und einen Prototypen. Organisiert und betreut wird der Hackathon unter anderem durch die Vorjahresgewinner des Wettbewerbs.</p><p>Ab 18:00 Uhr werden die Projekte der diesjährigen Finalisten des BWKI in einer Livesendung vorgestellt (YouTube-Livestream: <a href="https://youtu.be/gpNNUA7R4KM" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://youtu.be/gpNNUA7R4KM</a>). Die Jury verkündet die Gewinner und ehrt die KI-Schule des Jahres. Über die Vergabe des Publikumspreises entscheiden die Zuschauer durch eine Live-Abstimmung.</p><p>Am BWKI sind Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahre mit einem selbst entwickelten Projekt rund um das Thema maschinelles Lernen teilnahmeberechtigt. In diesem Jahr haben mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Interessierte die Angebote des BWKI wahrgenommen. In einem kostenfreien Online KI-Kurs wurden die Grundlagen der KI vermittelt und eine wöchentliche Programmieraufgabe gab die Chance, während der Corona-bedingten Schulschließungen die eigenen Programmierkenntnisse zu vertiefen. Mehr als 150 Schüler haben ihre Projektideen beim Wettbewerb eingereicht.</p><p>Die Finalisten des diesjährigen Wettbewerbs haben unter anderem KI-Systeme entwickelt, die Fake News erkennen, Blattkrankheiten an Weinreben bestimmen oder gesprochene Worte durch Lippenlesen für gehörlose Menschen in einen geschriebenen Text übersetzen. Weiterhin wurden Prototypen wie ein intelligenter Blindenstock oder ein smarter Futterapparat für den heimischen Hühnerstall entwickelt.</p><p>Die Jury des Wettbewerbs 2020 ist hochkarätig besetzt: Dr. Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist), Julian Janssen (TV-Moderator), Dr. Sibylle Anderl (Wissenschaftsjournalistin, FAZ), Dr. Philip Häusser (Physiker, Fernsehmoderator, Webvideoproduzent), Dr. Ute Wilhelmsen (Meeresbiologin), Dr. Suzanna Randall (Astrophysikerin, Astronautin), Prof. Christiane Zarfl (Universität Tübingen), Christoph Röscher (Bosch Center of Artificial Intelligence), Dr. Nina Gaissert (Expertin für Bionik, Festo), Prof. Dr. Matthias Bethge, Dr. Wieland Brendel (Initiatoren des Wettbewerbs, Universität Tübingen), Prof. Dr. Bernhard Schölkopf (Initiator des Wettbewerbs, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme).</p><p>„Mit dem Bundeswettbewerb KI kommt eines der wichtigsten Themen unserer Zeit in die Schulen. Künstliche Intelligenz verändert in atemberaubendem Tempo unsere Gesellschaft und unser Leben. Wir brauchen dringend viele junge, engagierte Menschen, die sich aktiv mit KI auseinandersetzen und neue Ideen entwickeln“, erklärt Ministerin Theresia Bauer, Vorsitzende der Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung und Schirmherrin des Wettbewerbs.</p><p>„Es ist einfach großartig und inspirierend, die Kreativität, das Können und die Ausdauer der Schüler bei diesem Wettbewerb zu sehen. Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir uns noch viel mehr ermutigen, gute Ideen zu entwickeln und auszuprobieren“, schwärmt Professor Matthias Bethge, Organisator und Juror des Wettbewerbs.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist eine Initiative des Tübingen AI Centers, BMBF Kompetenzzentrums für Maschinelles Lernen, in Kooperation mit Cyber Valley. Hauptförderer ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Weitere Sponsoren sind BOSCH, Festo, paperspace und NVIDIA.</p><h3>Über den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</h3><p>Der BWKI motiviert Schülerinnen und Schüler mit den Werkzeugen der künstlichen Intelligenz ihre eigenen Ideen für eine bessere Welt von morgen umzusetzen. Der Bundeswettbewerb wurde 2018 am KI Forschungsstandort Tübingen durch das Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen ins Leben gerufen und ermöglicht Jugendlichen ihr Können aktiven im KI-Forschungsumfeld unter Beweis zu stellen.</p><p>Weitere Informationen unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Caroline Schmidt<br> Universität Tübingen<br> Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-70880<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ectqnkpg0uejokfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">caroline.schmidt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Lennart Schmid<br> Pressereferent Cyber Valley<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon &nbsp;+49 7071 29-70794<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ngppctv0uejokfBeadgt/xcnnga0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">lennart.schmid<span style="display:none">spam prevention</span>@cyber-valley.de</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56476</guid><pubDate>Wed, 04 Nov 2020 12:30:00 +0100</pubDate><title>Eine App als Schweizer Taschenmesser und Türöffner für die zukünftige multimodale Mobilität?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-app-als-schweizer-taschenmesser-und-tueroeffner-fuer-die-zukuenftige-multimodale-mobilitaet/</link><description>Ergebnisse einer wissenschaftlichen Umfrage liegen jetzt vor </description><content:encoded><![CDATA[<p>Wie unsere Mobilität in zwei, fünf oder zehn Jahren aussehen wird, darüber gibt es viele Meinungen. Unabhängig von der Frage, welche Antriebsarten in Zukunft dominieren könnten, zeigen sich Tendenzen, dass die Vielfalt an Mobilitätsformen und -angeboten wachsen wird. Digitale Technik soll dabei helfen, den Überblick zu behalten und Mobilität so einfach wie möglich zu machen. Ein Projekt mit dem Titel „Multimodal Mobility Tübingen 2025 (MOMENT)“ erforscht, wie eine sogenannte multimodale App zum Schlüssel für vernetzte Mobilitätsnutzung werden und den Weg zu weniger Individualverkehr öffnen kann.</p><p>Projektpartner sind die Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalentwicklung des Fachbereichs Geowissenschaften/Forschungsbereichs Geografie der Universität Tübingen, die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Tübingen als Auftraggeber. Eine wissenschaftliche Erhebung bildete den Schwerpunkt in der ersten Projektphase. Ihre Ergebnisse liegen nun vor. Befragt wurden 325 Personen im Februar und März 2020 per Online-Umfrage, 325 vollständige Fragebögen kamen in die Auswertung.&nbsp;</p><p>Die Ergebnisse stärken die Ausgangsthese, dass eine multimodale App Potentiale birgt, um Veränderungsprozesse im Mobilitätsverhalten anzustoßen. 84 Prozent der Befragten sehen die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel und Mobilitätsangebote als positiv. Gleichzeitig wünschen sie sich einen Ausbau der Infrastrukturen und der Mobilitätsangebote, insbesondere bei Bussen (75,5 Prozent) und bei Sharing-Angeboten (Car-Sharing (62,7 Prozent, E-Autos 57,3 Prozent, Leihräder 55,2 Prozent). Während mehr E-Roller von 47,1 Prozent gewünscht sind, besteht eher mäßiges Interesse an mehr E-Kick-Scootern (25,4 Prozent).&nbsp;</p><h3>Gefragt ist eine einfache, nahtlose, flexible und zuverlässige Mobilität</h3><p>Entscheidend ist in Zukunft nicht mehr – so eine häufig kolportierte These – mit welchem Verkehrsmittel man von A nach B kommt, sondern dass man pünktlich, zuverlässig, flexibel und komfortabel von A nach B kommt – unabhängig von den genutzten Fahrzeugarten. Um die für den Klimaschutz essenziellen Fortschritte im Mobilitäts- und Verkehrssektor zu erzielen und CO2-Emissionen zu senken, soll der Individualverkehr verringert werden. Weniger Individualverkehr in den Innenstädten bei uneingeschränkten und optimal austarierten Mobilitätsoptionen, das könnte zukünftig urbane Räume mit hoher Lebensqualität auszeichnen.&nbsp;</p><h3>Eine weitere These formuliert Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen:</h3><p>„Möglichst alle Hürden für eine uneingeschränkte, plattform- und angebotsübergreifende, flexible Mobilität müssen fallen. Die kombinierte Nutzung von Mobilitätsangeboten und ÖPNV müssen vor allem in den Städten eindeutige Vorteile gegenüber dem Individualverkehr haben. Dann besteht eine größere Chance, dass die Menschen sich überzeugen lassen, anstatt auf das eigene Auto den multimodalen Mobilitätsangeboten zu vertrauen und sie dauerhaft zu nutzen.“&nbsp;</p><p>Dass für dieses Ziel noch viel Überzeugungsarbeit nötig ist, zeigt die Umfrage auch: aktuell wären nur 34 Prozent bereit, mit Hilfe einer gut funktionierenden multimodalen App auf den eigenen PKW zu verzichten. Auf 41 Prozent steigt dieser Zustimmungswert, wenn die App auch noch eine Möglichkeit zur Direktbuchung der Verkehrsmittel bzw. Mobilitätsangebote bieten würde. Für 39 Prozent kommt ein PKW-Verzicht derzeit nicht in Frage.&nbsp;</p><p>„Eine App muss einfach zu bedienen sein“, sagt Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne, Projektleiter der Arbeitsgruppe an der Universität Tübingen. „Um auf dem Markt konkurrenzfähig zu sein muss sie zudem in der Ermittlung von Echtzeit, Preisen und der genauen Zielangabe mindestens eine vergleichbare Leistung zu bereits vorhandenen Mobilitätsapps aufweisen.“&nbsp;</p><h3>Digitale Vernetzung als Chance zukünftiger Mobilität</h3><p>So gut wie alle Mobilitätsanbieter sind heute mindestens mit einer digitalen Plattform vertreten, viele von ihnen mit einer eigenen App. Kompliziert wird es, wenn Reisende mehrere verschiedene Verkehrsmittel und Angebote flexibel im Wechsel nutzen wollen. Die Aussicht, nicht mehr verschiedene Anbieter-Apps mit jeweils eigenen Logins, Bedienkonzepten und Zahlungssystemen verwenden zu müssen, verbessert die Bereitschaft für die kombinierte Nutzung verschiedener Mobilitätsangebote. Entsprechend fallen die Wünsche aus, die sich an eine multimodale App richten: eine genaue Navigation bis zum Ziel (93 Prozent), die (Gesamt-)Preisermittlung (93 Prozent), Auskünf-te und Aktualisierungen in Echtzeit (92 Prozent) sowie die In-App-Bezahlung (81 Prozent) erzielen große Zustimmungswerte. 85 Prozent bewerten die Möglichkeit einer Kombi-Ticket-Buchung über die App als positiv, 72 Prozent bevorzugen die Bezahlung direkt über die App. &nbsp;</p><p>Eine multimodale App könnte also in mehrfacher Hinsicht den Weg für eine veränderte Mobilitätsnutzung ebnen. Wie ein Schweizer Taschenmesser soll sie idealerweise alle verfügbaren Mobilitätsangebote in Tübingen und der Region bündeln und mit nur einer App nahtlos zugänglich machen. Wie eine solche App aussehen könnte, was sie leisten muss, wo die Chancen und Grenzen liegen und welche Empfehlungen sich für eine App-Entwicklung ergeben, daran arbeiten die Projektpartner noch bis mindestens März 2021.&nbsp;</p><h3>Projekt gefördert durch Bundesministerium für Bildung und Forschung</h3><p>Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema „MobilitätsWerkStadt 2025 zur Förderung systemischer, transdisziplinärer und umsetzungsorientierter Mobilitätsforschung“. Im Frühjahr 2021 entscheidet sich, ob das Projekt in einer nächsten Projektphase weitergeführt werden kann.&nbsp;</p><p>Das diesem Bericht zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung unter dem Förderkennzeichen 01UV2027 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin/beim Autor.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56518</guid><pubDate>Wed, 04 Nov 2020 08:41:54 +0100</pubDate><title>SWR verleiht Hans Bausch Mediapreis für gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/swr-verleiht-hans-bausch-mediapreis-fuer-gesellschaftliche-verantwortung-in-digitalen-oeffentlichkeiten/</link><description>Ausschreibung und Verleihung in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Neu aufgelegter Preis für Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten</h3><p>Bei der Neuausrichtung des Hans Bausch Mediapreises steht das Thema „gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten“ im Fokus. Der Preis soll exzellenter Forschung, die die aktuelle Medienentwicklung einordnet und bewertet, zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Mit Hilfe von Untersuchungen zu Fragen der digitalen Ethik und den Auswirkungen der Digitalisierung der Medien sollen Debatten über den laufenden gesellschaftlichen Wandel und die Verantwortung von Medien angestoßen werden.</p><h3>Zusammenarbeit zwischen dem SWR und dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen</h3><p>Bei der Ausschreibung und Verleihung des Hans Bausch Mediapreises arbeitet der SWR künftig mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen zusammen. Erstmals soll der neue Preis im Mai 2021 im Rahmen der Tübinger Medientage des Instituts für Medienwissenschaft verliehen werden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.</p><h3>Verantwortungsvoller Umgang mit der Digitalisierung</h3><p>Der Preis verdeutlicht das besondere Engagement des SWR bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wie die Digitalisierung der Medien ethisch verantwortungsvoll und damit zugunsten des Allgemeinwohls gestaltet werden kann. Zugleich steht er für die Leitidee des Tübinger Instituts für Medienwissenschaft, gesellschafts- und kulturprägende Folgen medienvermittelter Kommunikation zu analysieren und innovative Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung zu betreiben.</p><p>„Die Digitalisierung der Medien eröffnet den Medienhäusern, aber vor allem den Nutzerinnen und Nutzern von Medieninhalten einen unglaublichen Schatz an Möglichkeiten“, so SWR Intendant Professor Kai Gniffke. „Wir können uns so schnell und so unkompliziert wie nie zuvor informieren, Neues lernen oder uns zugeschnitten auf unseren persönlichen Geschmack unterhalten lassen. Im SWR schreiben wir digitalen Wandel deshalb groß. Dabei sehen wir&nbsp;aber auch, welche Herausforderungen sich dabei ergeben: Für uns als Medienhaus, aber auch für die gesamte Gesellschaft. Gemeinsam müssen wir darum ringen, dass fairer Dialog und faktenbasierte Meinungsbildung jeden Tag neu gelingen. Dem SWR ist es wichtig, diese gesellschaftliche Debatte aktiv voranzutreiben. Der Hans Bausch Mediapreis des SWR soll dazu künftig einen wichtigen und sichtbaren Beitrag leisten.”</p><p>Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, zeigte sich erfreut über die Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk: „Seit vielen Jahren kooperieren wir mit dem SWR bei der Tübinger Mediendozentur, die mit bahnbrechenden Vorträgen immer wieder auf fundamentale Veränderungen auf dem Gebiet der Medien hinweist.“ Umso mehr begrüße er die nun beschlossene Kooperation beim Hans Bausch Mediapreis: „Die ethische Reflexion der wachsenden Digitalisierung im Medienbereich ist und bleibt eine der großen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte.“</p><h3>Ausschreibung und Einreichung</h3><p>Ab sofort können Arbeiten wie Essays, Masterarbeiten oder Dissertationen für den Hans Bausch Mediapreis des SWR 2021 eingereicht werden. Alle relevanten Informationen zur Ausschreibung finden sich auch online unter SWR.de/hansbauschmediapreis. Alle Einreichungen müssen bis zum 15.01.2021 vorliegen.</p><h3>Fachjury aus Medienpraxis und -forschung</h3><p>Über die Vergabe des Hans Bausch Mediapreises des SWR entscheidet eine Jury, die das Wissen von Expertinnen und Experten aus dem praktischen Medienalltag und der universitären Erforschung von Medien und Gesellschaft vereint. Mitglieder des Vorstandes der Stiftung sowie der personenidentischen Jury sind:</p><ul><li>Professor Kai Gniffke, SWR Intendant sowie Vorsitzender Vorstand und Jury des Hans Bausch Mediapreises des SWR</li><li>Stefanie Schneider, SWR Landessenderdirektorin Baden-Württemberg</li><li>Thomas Dauser, SWR Chef Innovationsmanagement und Digitale Transformation</li><li>Professorin Tanja Thomas, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Transformation der Medienkultur</li><li>Professorin Martina Thiele, Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung</li><li>Junior-Professor Sascha Dickel, tätig im Arbeitsbereich Mediensoziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit dem Schwerpunkt Gesellschafts- und Medientheorie und digitale Partizipation</li></ul><h3>Hintergrund: Der Hans Bausch Mediapreis des SWR</h3><p>Die gemeinnützige Stiftung Hans Bausch Mediapreis des SWR dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation im Medienbereich. Dies wird insbesondere durch die&nbsp;Verleihung des gleichnamigen Mediapreises in Höhe von 5.000 Euro verwirklicht, der einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen wird. Der Preis kann unter mehreren Personen oder Organisationen aufgeteilt werden. Im Einzelfall können zusätzlich Fördergaben vergeben werden. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die</p><ul><li>für die Entwicklung auf dem Feld der Digitalen Ethik oder auf dem Feld der Medienethik, der Medienkompetenz im Rahmen gesellschaftlicher Verantwortung oder zum Thema Medien und gesellschaftlicher Wandel von hervorragender Bedeutung erscheinen,</li><li>im Bereich der Medienpublizistik, der Digitalisierung der Medien, der Medienforschung oder Medienpädagogik in herausragender Weise zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit Medien in einer breiten Öffentlichkeit beitragen,</li><li>oder in einem den genannten vergleichbaren Themenfeld eine herausragende Bedeutung für die gesellschaftliche Fortentwicklung haben.</li></ul><p>In den vergangenen Jahren war die Verleihung des Hans Bausch Mediapreises ausgesetzt. In dieser Zeit wurde die Satzung der Stiftung in Abstimmung mit der Stiftungsbehörde aktualisiert. Die Neuausrichtung ermöglicht nun, den Preis für wissenschaftliche Arbeiten zum Schwerpunkt gesellschaftliche Verantwortung in digitalen Öffentlichkeiten zu verleihen.</p><p>Bislang wurde der Hans Bausch Mediapreis des SWR an herausragende Medienpersönlichkeiten verliehen. Zuletzt wurde er im Jahr 2009 an den Medienjournalisten Stefan Niggemeier vergeben. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Harald Schmidt, der Kinderbuchautor Janosch, die Schriftstellerin Elke Heidenreich und die Medienwissenschaftlerin Hertha Sturm.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56470</guid><pubDate>Tue, 03 Nov 2020 10:10:11 +0100</pubDate><title>Schon Grundschulkinder verstehen Wissenschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schon-grundschulkinder-verstehen-wissenschaft/</link><description>In Zeiten von Corona wichtiger denn je: Studie der Universität Tübingen bestätigt, wie Grundschulkinder ein Verständnis für wissenschaftliche Prozesse entwickeln können</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schon Grundschulkinder der dritten und vierten Klasse können lernen, wie Wissenschaft funktioniert. Dies zeigt eine neue Studie des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen: Nach speziellen Kursen, in denen Kinder selber forschen durften, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass diese dabei ein Verständnis für grundlegende Abläufe von Wissenschaft entwickelt hatten. Gerade in Pandemie-Zeiten sei ein grundlegendes Verständnis insbesondere der Naturwissenschaften unerlässlich, um politische Entscheidungen, die unseren Alltag unmittelbar betreffen, zu verstehen und einzuordnen, erklärt Autorin Dr. Julia Schiefer. Die Ergebnisse wurden im <em><a href="https://psycnet.apa.org/record/2020-66878-001?doi=1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Journal of Educational Psychology</a></em> veröffentlicht.</p><p>„Viele Kinder, aber auch Erwachsene, haben zunächst eine vereinfachte Vorstellung davon, was Wissenschaft leisten kann und was nicht“, sagt Julia Schiefer. „Sie gehen beispielsweise häufig davon aus, dass Forschungsergebnisse endgültig sind oder eine absolute Wahrheit liefern.“ Dies sei ein Trugschluss, wie aktuell die Erforschung von SARS-coV-2 zeige.</p><p>Mit Kolleginnen und Kollegen hatte sie die Förderung des Wissenschaftsverständnisses in Kursen an den Hector Kinderakademien untersucht, die ein Förderprogramm für besonders begabte und hochbegabte Kinder anbieten. Insgesamt nahmen 310 Kinder der dritten und vierten Klasse an 28 Standorten in ganz Baden-Württemberg an der Studie teil. Dabei wurden die Kinder nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Hälfte besuchte den Kurs „Kleine Forscher – Wir arbeiten wie Wissenschaftler“ sofort, die andere Hälfte (die Kontrollgruppe) besuchte den Kurs erst später.</p><p>In dem Kurs schlüpften die Kinder zehn Wochen lang selbst in die Rolle eines Forschenden, indem sie unter anderem ihre eigenen Sinne oder unbekannte Objekte erforschen oder Versuche zu elektrischen Fischen im Schülerlabor Neurowissenschaften der Universität Tübingen durchführen konnten. Neben dem aktiven Experimentieren und Beobachten standen die Vermittlung von naturwissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen, das kritische Hinterfragen von Ergebnissen sowie der intensive Austausch zwischen den Kindern ‒ beispielweise im Rahmen von sogenannten „Forscherkongressen“ ‒ im Vordergrund. Wie der anschließende Vergleich mit den Kindern aus der Kontrollgruppe zeigte, verstanden die Kinder nach dem Besuch des Kurses den Ablauf eines Forschungsprozesses besser, hatten eine genauere Vorstellung über die Natur von Wissen und waren insgesamt motivierter, sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen. Hierbei profitierten die Mädchen durch den Kurs insgesamt stärker als die Jungen. Die Ergebnisse runden eine Serie von zuvor durchgeführten kleineren Studien ab, bei denen bereits ähnliche Effekte gefunden wurden. Die jetzt publizierte Studie zeigt jedoch zum ersten Mal, dass der Kurs auch in seinem flächendeckenden Einsatz in der Praxis wirksam ist.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56422</guid><pubDate>Tue, 03 Nov 2020 09:15:00 +0100</pubDate><title>In der Pandemie kommt zu wenig Bewegung in die Pflegeheime</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-der-pandemie-kommt-zu-wenig-bewegung-in-die-pflegeheime/</link><description>Corona-Lockdown bringt strukturelle Probleme der Einrichtungen zu Tage – Aktuelle Teilstudie zu Bewegungsförderungsprojekt der Sportwissenschaft der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bewegung erhält die Mobilität, Autonomie und das Wohlbefinden älterer Menschen. Der Bewegungsförderung kommt vor allem auch in Pflegeheimen besondere Bedeutung zu. Wie es damit während des Corona-Lockdowns aussah, hat ein Team des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen unter der Leitung von Dr. Annika Frahsa und Professor Ansgar Thiel in acht Einrichtungen in der Tübinger Region untersucht. Danach waren die Bewegungsmöglichkeiten und -angebote in Pflegeheimen – wie für viele andere Bevölkerungsgruppen – stark eingeschränkt. Doch stellte das Forschungsteam fest, dass dieses Defizit auf ein strukturelles Problem der Einrichtungen zurückzuführen ist: Bewegungsförderung ist in den internen Leitlinien der Heime nicht vorgesehen. Diese Aufgabe wird großenteils von externen Dienstleistern erfüllt, die während des Lockdowns keinen Zutritt zu den Heimen hatten. Das Forschungsteam will neue Konzepte entwickeln, um die Bewegungsförderung – nicht nur unter Pandemiebedingungen – intern in Pflegeheimen zu etablieren. Diese Teilstudie eines größeren Forschungsprojekts zur Bewegungsförderung in Heimen wurde in der Fachzeitschrift <em>Frontiers in Sports and Active Living</em> veröffentlicht.</p><p>Das Forschungsprojekt BaSAlt des Tübinger Forschungsteams – Verhältnisorientierte Bewegungsförderung und individuelle Bewegungsberatung im Setting ‚Altenwohnheim‘ – ein biopsychosoziales Analyse- und Beratungsprojekt – lief bereits vor der Corona-Pandemie. Erforscht wird, wie Gesundheit und Lebenszufriedenheit von Menschen in Pflegeheimen optimal gefördert werden können. Die Teilstudie über die Bedingungen im Corona-Lockdown wurde aktuell eingeschoben. „Wir haben die acht Heime in den Stadt- und Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Esslingen einbezogen, die von Anfang an am Projekt BaSAlt teilgenommen haben“, berichtet Annika Frahsa.</p><h3>Mangel an institutionalisierten Angeboten</h3><p>Das Forschungsteam interviewte in diesen Einrichtungen die Pflegedienstleitungen und befragte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Angehörigen der Heimbewohnerinnen und -bewohner mithilfe von Fragebögen zu den Veränderungen von Tagesabläufen aufgrund der Kontaktbeschränkungen während des Corona-Lockdowns. Außerdem analysierte das Forschungsteam die Pflegekonzepte, Leitbilder und wöchentlichen Aktivitätspläne aus organisationssoziologischer Perspektive.</p><p>„Die Bewegungsförderung in den Heimen wurde durch die Covid-19-bedingten Verhaltenseinschränkungen erheblich behindert“, sagt Frahsa. Zwar würden aus Sicht der Führungskräfte der Heime Bewegungsangebote und -anreize auch in Zeiten der Pandemie als wichtig angesehen. „Doch ist das in Heimen wenig institutionalisiert. Durch den eingeschränkten Zugang konnte die Bewegungsförderung nicht wie üblich an externe Dienstleister delegiert werden“, erklärt Ansgar Thiel. Die Aufgabe sei daher an durchaus motivierte, aber in diesem Bereich wenig qualifizierte interne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überantwortet worden, ohne dass aber zusätzliche Ressourcen zur Verfügung standen. Da die Arbeitskapazität des Pflegepersonals durch die Pandemie selbst überbeansprucht war, wurde die Bewegungsförderung in vielen Fällen zurückgefahren.</p><p>Im Projekt BaSAlt hat sich das Forschungsteam das Ziel gesetzt, gemeinsam mit dem Pflegepersonal der an der Studie beteiligten Heime die Bewegungsförderung in den Einrichtungen selbst aufzubauen. „Wir arbeiten dabei im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Thiel. „Wir wollen zum Beispiel prüfen, inwieweit die Heimbewohnerinnen und -bewohner bei Alltagsabläufen wie dem Waschen zu mehr körperlichen Übungen angeregt werden können.“ Langfristig soll die Bewegungsförderung in den Strukturen der Heime verankert werden, dass sie künftig auch in herausfordernden Zeiten wie einer Pandemie umgesetzt werden kann.</p><h3>Mehr Informationen zum BaSAlt-Projekt:&nbsp;</h3><p>BaSAlt ist eines von acht Forschungsprojekten, die im neuen Förderschwerpunkt „Bewegung und Bewegungsförderungsforschung“ des Bundesministeriums für Gesundheit deutschlandweit gefördert werden. Dabei sollen die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung in unterschiedlichen Umfeldern untersucht werden.<br><a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/sportwissenschaft/institut/arbeitsbereiche/sozialwissenschaften-des-sports/forschung/abgeschlossene-projekte/basalt/">https://uni-tuebingen.de/basalt/</a></p><h3>Publikation:</h3><p>Annika Frahsa, Dorothee Altmeier, Jannika M. John, Hannes Gropper, Hanna Granz, Rebekka Pomiersky, Daniel Haigis, Gerhard W. Eschweiler, Andreas M. Nieß, Gorden Sudeck and Ansgar Thiel: „I Trust in Staff’s Creativity“ – The Impact of COVID-19 Lockdowns on Physical Activity Promotion in Nursing Homes Through the Lenses of <em>Organizational Sociology. Frontiers in Sports and Active Living</em>, <a href="https://doi.org/10.3389/fspor.2020.589214" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.3389/fspor.2020.589214</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-56074</guid><pubDate>Thu, 22 Oct 2020 14:50:56 +0200</pubDate><title>Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bissspuren-und-ausgefallene-zaehne-bringen-licht-ins-fressverhalten-von-dinosauriern/</link><description>Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Kadaver eines rund 20 Meter langen Langhalssauriers im Junggar-Becken im Nordwesten Chinas diente mehreren anderen Dinosauriern als Nahrung. Davon zeugen Bissspuren auf den Knochen sowie mehrere zu den Spuren passende Dinosaurierzähne, die neben den Knochen gefunden wurden. Ein Forscherteam unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Professors Hans-Ulrich Pfretzschner aus den Geowissenschaften der Universität Tübingen geht aufgrund der immensen Zahl an Bissspuren davon aus, dass der Kadaver über einen längeren Zeitraum als Fressplatz diente. Die Knochen und Zähne blieben durch günstige klimatische und geologische Bedingungen über 160 Millionen Jahre im Zusammenhang erhalten. Für die Paläontologen ist das ein seltener Glücksfall, denn über das Fressverhalten großer fleischfressender Raubsaurier ist bisher wenig bekannt. Ihre Studie ist in der Fachzeitschrift Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology erschienen</p><p>„An dem Kadaver des Langhalssauriers aus der Familie der Mamenchisauriden haben mindestens ein großer fleischfressender Saurier von rund 7,5 Metern Länge und ein kleinerer von etwa drei Metern Länge gefressen“, sagt Felix Augustin, der Erstautor der Studie. Die meisten Bissspuren auf den Knochen und vier Zähne stammten von dem großen Fleischfresser, einem Carnosaurier. „Teilweise passen die Zähne genau in die Löcher in den Knochen hinein“, berichtet er. Anzunehmen sei, dass den Tieren die Zähne beim Fressen ausgefallen seien. Der kleinere Landsaurier, der zu dem Fressplatz kam, ließ sich aufgrund eines weiteren Zahnfunds den Coelurosauriern zuordnen, einer diversen und global verbreiteten Sauriergruppe. Deutlich kleinere Bissspuren am selben Gerippe des Langhalssauriers hatte das Forscherteam in einer früheren Studie bereits als früheste bekannte Nachweise beschrieben, dass Säugetiere Dinosaurierfleisch fraßen (Pressemitteilung vom 31. Juli 2020).</p><h3>Zertrampelte Knochen</h3><p>Die Funde stammen aus dem heutigen Junggar-Becken in der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas. Dort hatten Forscherinnen und Forscher einer chinesisch-deutschen Expedition im Jahr 2000 zahlreiche Fossilien von Wirbeltieren wie Schildkröten und Krokodilen, Dinosauriern und Säugetieren aus dem Jura, der Zeit etwa 160 Millionen Jahre vor heute, ausgegraben. Die Knochen und Zähne werden zurzeit in Tübingen aufbewahrt und wurden seit dem vergangenen Jahr in der Wirbeltierpaläontologie erneut gesichtet.</p><p>Viele Knochen des Langhalssauriergerippes waren vielfach gebrochen, teilweise sogar zersplittert. „Ein großes Tier muss beim Besuch am Fressplatz die Knochen regelrecht zertrampelt haben, vermutlich waren das die großen fleischfressenden Saurier“, sagt Augustin. Anders hätten sich die Funde aus dem Oberjura vor 160 Millionen Jahren nicht erklären lassen. Manche der Knochen seien möglicherweise teilweise oder ganz gefressen worden. „Beides kommt bei fleischfressenden Dinosauriern selten vor. Bisher ist es hauptsächlich von Tyrannosauriern bekannt.“</p><h3>Publikation:</h3><ul><li>Felix J. Augustin, Andreas T. Matzke, Michael W. Maisch, Hans-Ulrich Pfretzschner: A theropod dinosaur feeding site from the Upper Jurassic of the Junggar Basin, NW China. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, <a href="https://doi.org/10.1016/j.palaeo.2020.109999" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.palaeo.2020.109999</a>&nbsp;</li></ul><h3>Frühere Publikation:</h3><ul><li>Pressemitteilung <a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/bisher-aelteste-bissspuren-von-saeugetieren-auf-dinosaurierknochen-entdeckt/">„Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt“</a> vom 31. Juli 2020</li><li>Felix J. Augustin &amp; Andreas T. Matzke &amp; Michael W. Maisch &amp; Juliane K. Hinz &amp; Hans-Ulrich Pfretzschner: The smallest eating the largest: the oldest mammalian feeding traces on dinosaur bone from the Late Jurassic of the Junggar Basin (northwestern China). The Science of Nature, 107, 4 (32), 1–5; <a href="https://doi.org/10.1007/s00114-020-01688-9" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s00114-020-01688-9</a></li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55925</guid><pubDate>Mon, 19 Oct 2020 13:15:22 +0200</pubDate><title>Poetik-Dozentur 2020 entfällt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/poetik-dozentur-2020-entfaellt/</link><description>Eva Menasse und Thomas Hettche sind dieses Jahr in einem Interview-Film zu sehen ‒ im Herbst 2021 dann in Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübinger Poetik-Dozentur muss aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr entfallen. Als Gäste waren für dieses Jahr die Schriftstellerin Eva Menasse und der Schriftsteller Thomas Hettche eingeladen. Die für November geplanten Veranstaltungen werden nun um ein Jahr verschoben. Das betrifft auch die für Sonntag, den 15. November, geplante Lesung von Eva Menasse in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.</p><p>„Wir bedauern dies sehr und hoffen, im Herbst 2021 Eva Menasse und Thomas Hettche in Tübingen begrüßen zu können“, sagte Professorin Dorothee Kimmich vom Deutschen Seminar, die mit ihrem Team die Poetik-Dozentur ausrichtet. Als kleiner Vorgeschmack werde jedoch ein Interview-Film die Autorin und den Autor im Gespräch zeigen und einen Ausblick auf die Poetik-Dozentur 2021 geben.</p><p>Der Film wird Ende November auf der Homepage der Poetik-Dozentur verlinkt; weitere Informationen zur Poetik-Dozentur finden Sie ebenfalls unter:&nbsp;<a href="/universitaet/campusleben/kunst-und-kultur/tuebinger-poetik-dozentur/">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/kunst-kultur-und-freizeit/tuebinger-poetik-dozentur/</a></p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth und wird von der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG gefördert. Einmal jährlich werden zwei Autoren oder Autorinnen eingeladen, öffentliche Vorlesungen zu halten sowie Seminare und Workshops für Studierende anzubieten.</p><h3>Die Gäste der Poetik-Dozentur 2020 /2021</h3><p><strong>Eva Menasse</strong>, geboren 1970 in Wien, lebt seit 2003 als freie Schriftstellerin in Berlin.</p><p><strong>Publikationen (Auswahl)</strong></p><p><em>Der Holocaust vor Gericht</em>, Siedler, Berlin, 2000 / Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2017<br><em>Vienna</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2005<br><em>Lässliche Todsünden</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2009<br><em>Quasikristalle</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2013<br><em>Tiere für Fortgeschrittene</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2017<br><em>Gedankenspiele über den Kompromiss</em>, Droschel, Graz, 2020</p><p><strong>Pressestimmen</strong></p><p>„Vom Glück der Lektüre: Eva Menasse schreibt kristallklare Prosa über die Vergeblichkeit des sehnsuchtsvollen Miteinanders – große Literatur!“ (Die Zeit, über <em>Quasikristalle</em>)<br> „Eva Menasses Spezialität sind die saturierten alternativ-bürgerlichen Milieus in Wien und in Berlin, ein smartes Biotop von Künstlern, Kreativen, Medienleuten und Urban Intellectuals, das sie intim kennt und mit genüsslicher Biestigkeit beschreiben kann.“ (Sigrid Löffler, Deutschlandfunk Kultur)<br> „Eva Menasses Erzählungen <em>Tiere für Fortgeschrittene</em> sind charmante Anti-Fabeln [...]: das heißt nicht zuletzt, im großen Symbiosentheater sowohl dem Traurigen als auch dem Komischen einen Platz zu geben.“ (Die Zeit, über <em>Tiere für Fortgeschrittene</em>)</p><p><strong>Thomas Hettche</strong>, 1964 am Rand des Vogelsbergs geboren, lebt als freier Schriftsteller in Berlin und in der Schweiz.</p><p><strong>Publikationen (Auswahl)</strong></p><p><em>NOX </em>(1995)<br><em>Der Fall Arbogast.</em> Kriminalroman, DuMont Verlag, Köln, 2001<br><em>Totenberg</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2012<br><em>Pfaueninsel. </em>Roman, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2014<br><em>Unsere leeren Herzen.</em> Über Literatur, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2017<br><em>Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 2020</p><p><strong>Pressestimmen</strong></p><p>„Hettche erweist sich erneut als einer der elegantesten und raffiniertesten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.“ (Jury des Deutschen Buchpreises 2014, über <em>Pfaueninsel</em>)<br> „Hettche erzählt [...] in einer virtuosen und dramaturgisch sogkräftigen Mischung aus Selbst- und Fremdporträt, aus Beschreibung, schwebender Assoziation und detailgenauem, stechendem Erinnerungsbild [...].“ (NZZ , 23. April 2013, über <em>Totenberg</em>)<br> „Es ist eine grandios vergnügliche Wiedersehensfeier mit der eigenen Kindheit. [...] Ein literarischer Triumph.“ (Denis Scheck, ARD druckfrisch, über <em>Herzfaden</em>)</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55742</guid><pubDate>Wed, 14 Oct 2020 14:26:18 +0200</pubDate><title>Tübingen festigt seinen Ruf als weltweites Zentrum für Covid-Impfstoffentwicklung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-festigt-seinen-ruf-als-weltweites-zentrum-fuer-covid-impfstoffentwicklung/</link><description>Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert Forschungstransfer-Projekt mit 18 Millionen Euro.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Gründerteam des EXIST-Forschungstransfer-Projekts der Abteilung Immunologie der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen arbeitet an einer vielversprechenden plattformbasierten Technologie zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS-CoV-2. Über sein Programm EXIST fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Projekt mit 18 Millionen Euro. Besonderheit des Projekts ist der sogenannte polyvalente Vektor-Ansatz, um einen hochwirksamen Impfstoff zu entwickeln, der gegen mehrere Antigene des Corona-Virus gleichzeitig wirksam ist. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit des Impfstoffs, auch gegen zukünftige Mutationen des Virus zu schützen.</p><p>Der Ansatz vom Tübinger Projekt unterscheidet sich dabei maßgeblich von vielen derzeit verfolgten Impfstoffentwicklungen: Das Forscherteam rund um Gruppenleiter Dr. Ralf Amann zielt bei seinem Impfstoff darauf ab, neben einer starken und breiten antikörperbasierten Immunantwort, auch SARS-CoV-2-spezifische T-Zellen-Antworten auszulösen. Das Projekt wird bereits seit April vom BMWi gefördert und hat sich seit Ausbruch der COVID-19 Pandemie in Deutschland gänzlich der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neuartige Virus verschrieben.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher des Projekts greifen bei der Entwicklung des Impfstoffs auf ihre Plattformtechnologie zurück. Diese Technologie ermöglicht die individuelle Anpassung von Impfvektoren an verschiedene Anforderungen: Die Impfvektoren sind genetisch modifizierte Partikel, die mit dem genetischen Material gezielt in die Empfängerzelle transportiert werden. Die genetischen Informationen können dann in dem zu impfenden Organismus abgelesen werden und als Antigene das Immunsystem aktivieren. „Die Daten der präklinischen Versuche sind äußerst vielversprechend und bestärken uns in unserem Vorhaben - unter Verwendung unserer einzigartigen Plattformtechnologie - einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten“, so Dr. Ralf Amann Gruppenleiter des EXIST-Forschungstransfer-Projekts der Abteilung Immunologie. Sein Team arbeitet an der Entwicklung des Impfstoffs in den Laboren des Interfakultären Instituts für Zellbiologie, Abteilung Immunologie der Universität Tübingen.</p><p>Dabei ist die Forschergruppe nicht das einzige Impfstoffprojekt aus Tübingen, das vielversprechende Daten liefert. Bereits im Juni startete die erste klinische Studie am Universitätsklinikum Tübingen zur Testung des von CureVac entwickelten mRNA-Impfstoffs.</p><p>Leiter der Studie, die sich bereits in Phase zwei befindet, ist Prof. Dr. Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie. Parallel ist eine Arbeitsgruppe um Dr. Juliane Walz von der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie am Universitätsklinikum Tübingen gemeinsam mit der Abteilung für Immunologie dabei eine klinischen Studie zu entwickeln, die einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 auf Basis von T-Zell-Epitopen zum Ziel hat. „Obwohl alle drei Studien unterschiedliche Ansätze verfolgen, ist genau dieser Umstand ein großer Vorteil für die erfolgreiche Entwicklung gleich mehrerer Impfstoffe und zeugt vom exzellenten Forschungsstandort Tübingen“, so Prof. Dr. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen.</p><p>Als weitere Ausgründung (unter anderem CureVac) aus der Abteilung Immunologie, ist bereits das EXIST-Start-up Prime Vector Technologies (PVT) entstanden, das sich um Fertigstellung, Zulassung und die Markteinführung des Impfstoffs bemühen wird. „Die Abteilung Immunologie arbeitet aktuell an der Entwicklung neuer diagnostischer, prophylaktischer und therapeutischer Maßnahmen bei COVID-19. Dabei kommen uns unsere Erfahrungen aus der Krebsimmuntherapie zu Gute“, sagt Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, Leiter der Abteilung Immunologie des Interfakultären Institutes für Zellbiologie der Universität Tübingen.</p><p>Mit dem Programm EXIST „Existenzgründungen aus der Wissenschaft" fördert das BMWi seit 20 Jahren erfolgreich Startup-Ausgründungen aus der deutschen Hochschul- und Wissenschaftslandschaft.</p><p>Weitere Informationen in der <a href="https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/10/20201014-bmwi-gefoerdertes-impfstoffprojekt-entwickelt-einen-covid-19-impfstoff-der-zweiten-generation.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung des BMWi zur Förderung</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55688</guid><pubDate>Tue, 13 Oct 2020 09:15:24 +0200</pubDate><title>Digitales Semester: Tübinger Studierende ziehen positives Fazit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/digitales-semester-tuebinger-studierende-ziehen-positives-fazit/</link><description>Universitätsweite Umfrage zeigt: Studierende waren technisch gut gerüstet und absolvierten das Sommersemester trotz aller Hindernisse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Studierende ziehen ein positives Fazit für das digitale Sommersemester 2020. In einer Umfrage der Universität Tübingen gaben zwei Drittel der Befragten dem digitalen Lehrangebot die Note „Sehr gut“ oder „Gut“. Aufgrund der Pandemie hatte die Universität im Frühjahr das gesamte Lehrangebot in kürzester Zeit auf Online-Formate umgestellt. Im Juli bat sie Studierende in einer universitätsweiten Erhebung um Feedback, wie sie das Semester bewältigt hatten – rund 5.200 Studierende aus allen Fächern beteiligten sich.</p><p>Als „gelungen“ beurteilte die große Mehrheit der Befragten die Umstellung auf digitale Lehrformate und würdigte zudem in offenen Nennungen das Engagement der Lehrenden. Die Studierenden selbst waren bereits gut ausgerüstet: Rund 80 Prozent der Befragten verfügten schon zu Semesterbeginn über einen ausreichend starken Internetzugang sowie über die technische Ausstattung für die Teilnahme am digital gestützten Lehrangebot.</p><p>Die Hälfte der Befragten lebte auch im digitalen Semester in Tübingen. 46 Prozent nahmen von auswärts an der Online-Lehre teil, beispielsweise an ihrem Heimatort, zwei Prozent hielten sich im Ausland auf. 40 Prozent der Befragten unterzogen sich Online-Prüfungen ‒ zwei Drittel aller Klausuren wurden aber auch im Sommersemester 2020 in Präsenz durchgeführt.</p><p>Als beste Unterstützung für den eigenen Lernprozess empfanden gut zwei Drittel der Befragten eine Mischung aus synchronen und asynchronen Lehrveranstaltungen: Synchrone Veranstaltungen (in Echtzeit) böten die Möglichkeit für Fragen und direkten Austausch. Asynchrone (aufgezeichnete) Veranstaltungen ermöglichten ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen.</p><p>Trotz dieser überwiegend positiven Einschätzung forderte die neue Situation auch heraus: So fehlte vielen Studierenden der persönliche Kontakt zu Mitstudierenden (82 Prozent) und Lehrenden (72 Prozent). Sie empfanden den Umgang mit einer eingeschränkten Infrastruktur der Universität als schwierig, darunter die Schließung der Mensen und der begrenzte Zugang zu Bibliotheken (65 Prozent). Zudem gaben viele an, der Arbeitsaufwand habe sich im digitalen Semester spürbar erhöht.</p><p>Für das kommende Wintersemester wünschten die Studierenden sich deshalb einen gemäßigteren Arbeitsaufwand und leichteren Zugang zu Bibliotheken und Arbeitsplätzen an der Universität. Zudem freuten sich viele wieder auf die Rückkehr zur Präsenzlehre für Seminare, Sprachkurse und Praktika, möglichst in Kleingruppen.</p><p>Für das Wintersemester 2020 plant die Universität Tübingen eine deutliche Ausweitung von Veranstaltungen, die in Präsenzlehre durchgeführt werden. Vor allem Veranstaltungen mit begrenzten Teilnehmerzahlen wie Seminare und Kurse können unter Einhaltung der Hygienevorschriften wieder vor Ort stattfinden. „Die Universität freut sich darauf, wieder Studierende auf dem Campus zu begrüßen“, sagte Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre. Die plötzliche Umstellung der Lehre auf reine Online-Formate habe sowohl Lehrenden als auch Studierenden einiges abverlangt. „Gleichzeitig war die Situation eine Chance: Wir werden die Erfahrungen aus dem Sommersemester nützen, um unser digitales Lehrangebot weiter zu verbessern.“</p><p>Die Studierendenbefragung wurde durch das Zentrum für Evaluation und Qualitätsmanagement (ZEQ) der Universität Tübingen durchgeführt. Die Ergebnisse finden Sie hier: <a href="/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/zentrum-fuer-evaluation-und-qualitaetsmanagement/aktuelles/">https://uni-tuebingen.de/de/1755</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55685</guid><pubDate>Tue, 13 Oct 2020 09:06:45 +0200</pubDate><title>Aus der Corona-Pandemie für die Eindämmung anderer Infektionen lernen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aus-der-corona-pandemie-fuer-die-eindaemmung-anderer-infektionen-lernen/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern ein konsequentes Umdenken in der Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien </description><content:encoded><![CDATA[<p>Krankenhausinfektionen nehmen seit Jahren stetig zu und fordern jährlich hunderttausende vermeidbarer Todesopfer. Die Ursache sind vor allem Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent geworden sind. Trotz alarmierender Zahlen ist das Thema Antibiotikaresistenz bisher jedoch in der Politik ohne Priorität geblieben. Das muss sich ändern, mahnen Expertinnen und Experten aus dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), dem Exzellenzcluster Controlling Microbes to Fight Infections (CMFI) der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen und anderen internationalen Forschungseinrichtungen in der aktuellen Ausgabe von <em>Lancet Infectious Diseases</em> und rufen zu einem Richtungswechsel auf. Obwohl COVID-19 durch Viren verursacht wird, könne man aus der Erfahrung mit der Pandemie viel für das Management und die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten übernehmen. &nbsp;</p><p>„Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass durch unzureichende Hygiene, zu geringes Wissen über die Ausbreitungswege der Erreger, mangelnde ärztliche Ausbildung und fehlendes Interesse der Pharmaindustrie an Antibiotikaforschung viele unserer Risikopatienten schwer erkranken und sterben.“ Mit dieser Mahnung wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professorin Maria Vehreschild (Köln), Professor Andreas Peschel (Tübingen), Professorin Evelina Tacconelli (Verona/Tübingen) und Professor Christian Giske (Stockholm) eine breite Diskussion anstoßen. Maria Vehreschild, Evelina Tacconelli und Andreas Peschel forschen auch gemeinsam im DZIF-Schwerpunkt „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“.</p><p>„Mit vergleichsweise geringem Aufwand könnten große Fortschritte in der Eindämmung von Krankenhausinfektionen erzielt werden“, so die Überzeugung der Wissenschaftler in ihrem Meinungsbeitrag in der Fachzeitschrift. „Die Frage, mit welchem Engagement und welchen Ressourcen wir lebensbedrohliche, aber vermeidbare Infektionskrankheiten über COVID-19 hinaus künftig behandeln, wird immer drängender.“&nbsp;</p><p>Das Team aus Infektionsmedizinern und Wissenschaftlern des DZIF, des Tübinger Exzellenzclusters CMFI und renommierter Forschungseinrichtungen anderer Länder hat hiermit einen an die weltweite Öffentlichkeit gerichteten Aufruf zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Krankenhausinfektionen gestartet. Obwohl die Risikogruppen für COVID-19 und für Krankenhausinfektionen fast deckungsgleich sind, werde das Thema der Antibiotikaresistenzen seit Jahren sträflich vernachlässigt, so das Team, es mangele bislang an der nötigen gesellschaftlichen Wahrnehmung. &nbsp;</p><p>„Die Corona-Pandemie hat die Infektionskrankheiten zu einem Thema der Politik gemacht. „Wir sollten nach Corona nicht wieder zur Tagesordnung zurückkehren, sondern auch bei anderen schweren, aber vermeidbaren Infektionserkrankungen eine neue Richtung einschlagen“, betont DZIF-Wissenschaftlerin Maria Vehreschild, die den Aufruf mit verfasst hat. Die Verfasser sind davon überzeugt, dass mit vergleichsweise geringem Aufwand große Fortschritte in der Eindämmung von Krankenhausinfektionen erzielt werden können.</p><h3>Veröffentlichung</h3><p>Vehreschild MJGT, Tacconelli E, Giske CG, Peschel A: Beyond COVID-19 – a paradigm shift in infection management? <em>Lancet Infectious Diseases</em>, 9.10.2020, DOI: <a href="https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30789-1" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30789-1</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55661</guid><pubDate>Mon, 12 Oct 2020 13:19:17 +0200</pubDate><title>Gasthörer können sich online zuschalten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gasthoerer-koennen-sich-online-zuschalten/</link><description>Universität Tübingen lässt Gaststudierende für digitale Veranstaltungen zu – Studium Generale entfällt im Wintersemester</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Wintersemester 2020/21 öffnet sich die Universität Tübingen wieder für interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich als Gaststudierende einschreiben möchten. Im kommenden Semester stehen nun zumindest Online-Veranstaltungen den Gasthörerinnen und Gasthörern offen. Interessierte Personen können sich bis zum 2. November über die Studierendenabteilung anmelden. Die Gebühr beträgt weiterhin 50 Euro pro Semester. Im vergangenen Sommersemester hatte die Universität die Gasthörerschaft aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt.</p><p>Präsenzveranstaltungen bleiben vorerst regulären Studierenden vorbehalten. „Wegen der einzuhaltenden Abstandsregelungen haben wir in diesem Semester deutlich geringere Raumkapazitäten und können nur kleinere Gruppen für Lehrveranstaltungen zulassen“, sagte Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studium, Studierende und Lehre.</p><p>Die öffentlichen Vorlesungen des Studium Generale bleiben auch im Wintersemester 2020/21 ausgesetzt. „Auch das kommende Wintersemester mit seinem Mix aus Präsenzlehre und Online- Veranstaltungen wird für die Lehrenden erneut zu erheblichen Mehrbelastungen führen“, sagte Prorektorin Amos: „Vor diesem Hintergrund haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, auf das zusätzliche Angebot eines Studium Generale zugunsten des curricular unerlässlichen Lehrangebots zu verzichten.“</p><p>Weitere Informationen für Gasthörerinnen und Gasthörer: <a href="/studium/bewerbung-und-immatrikulation/sonderfaelle-bewerbung/gasthoerer/">https://uni- tuebingen.de/studium/bewerbung-und-immatrikulation/sonderfaelle- bewerbung/gasthoerer/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55463</guid><pubDate>Wed, 07 Oct 2020 09:19:56 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen für vorbildliche Verwendung von Recyclingpapier ausgezeichnet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-fuer-vorbildliche-verwendung-von-recyclingpapier-ausgezeichnet/</link><description>Bundesumweltministerin würdigt Engagement ‒ Papieratlas 2020: Recyclingpapier in Hochschulen immer beliebter</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen ist von Bundesumweltministerin Svenja Schulze für herausragendes Engagement bei der Verwendung von Recyclingpapier ausgezeichnet worden. Seit fünf Jahren erbringt sie Bestleistungen im Papieratlas-Hochschulwettbewerb der Initiative Pro Recyclingpapier (IPR): Am Dienstag nahm Kanzler Dr. Andreas Rothfuß dafür die Auszeichnung „Mehrfachsieger“ im Bundesumweltministerium Berlin entgegen. Weitere Preise gingen an die FernUniversität in Hagen als „Recyclingpapierfreundlichste Hochschule“ und die Universität zu Köln als „Aufsteiger des Jahres“.&nbsp;</p><p>Die Universität Tübingen erhält die Auszeichnung damit im fünften Jahr in Folge: Seit 2015 nutzt sie zu 100 Prozent Recyclingpapier. Die Umstellung erfolgte im Rahmen ihres Umweltmanagementsystems EMAS (Eco Management and Audit Scheme), mit dem sie seit 2011 daran arbeitet, sämtliche Ablaufprozesse nachhaltig auszurichten. So konnte unter anderem der Papierverbrauch in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent reduziert werden. Auch wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 18,3 Millionen Liter Wasser und über 3,7 Millionen Kilowattstunden Energie eingespart – und dies, obwohl die Universität stetig wächst.</p><p>Der Papieratlas bildet seit fünf Jahren den Papierverbrauch und die Recyclingpapierquoten deutscher Hochschulen ab. Partner sind das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und der Deutsche Hochschulverband. In diesem Jahr beteiligten sich 43 Hochschulen an dem Wettbewerb. Durchschnittlich verwenden sie bereits über 75 Prozent Papier mit dem Blauen Engel und stellen damit einen neuen Rekord auf.</p><p>Informationen unter <a href="http://www.papieratlas.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.papieratlas.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55396</guid><pubDate>Fri, 02 Oct 2020 08:50:03 +0200</pubDate><title>27. Tübinger Erbe-Lauf: Virtuelle Premiere ein voller Erfolg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/27-tuebinger-erbe-lauf-virtuelle-premiere-ein-voller-erfolg/</link><description>2775 Teilnehmer sammeln gemeinsam über 30.000 Kilometer</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Erbe-Lauf 2020 war auch in virtueller Form ein Erfolg: Insgesamt 2275 Läuferinnen und Läufer nahmen in diesem Jahr teil und sammelten gemeinsam mehr als 30.000 Kilometer. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der 27. Tübinger Erbe-Lauf dieses Jahr nicht in gewohntem Format stattfinden. Das Organisationsteam um Judith Wais vom Institut für Sportwissenschaft hatte deshalb in enger Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen den ersten virtuellen Erbe-Lauf konzipiert. Ermöglicht wurde dies auch durch die Unterstützung der Partner des Erbe-Laufes, die ihr Engagement bei der virtuellen Premiere fortsetzten.</p><p>Vom 20. bis zum 27. September 2020 hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, auf selbstgewählten Strecken verschiedene Distanzen, auch mehrmals, zu absolvieren – gehend, laufend oder mit dem Handbike. Die eigene Aktivität wurde über eine beliebige App erfasst und auf einem Online-Portal eingetragen. Die virtuelle Premiere eröffnete dabei auch neue Möglichkeiten des miteinander Wetteiferns. So stand erstmals ein Wettbewerb Walking/Nordic-Walking zur Auswahl, für den auf Anhieb 275 Anmeldungen eingingen. Insgesamt meldeten sich 1.771 Personen online an. Dabei gingen Anmeldungen aus der ganzen Welt ein, unter anderem auch aus den USA, Korea und Indien.</p><p>Für Grundschülerinnen und -schüler gab es ein gesondertes Angebot. Hier wurden klassenweise Laufwettbewerbe an der jeweiligen Schule mit begrenzten Teilnehmerzahlen durchgeführt, an denen insgesamt 1.004 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. „So erreichte der Erbe-Lauf mit insgesamt 2.775 Anmeldungen fast die Zahl aus dem Vorjahr– ein toller Erfolg“, sagte Judith Wais.</p><p>Die Einzelwertung des Erbe-Laufs über zehn Kilometer gewann bei den Herren Timo Göhler (LAV Stadtwerke Tübingen) in schnellen 30:05 Minuten, gefolgt von seinen Vereinskollegen Robert Baumann (30:16) und Lorenz Baum (30:30). Bei ihren Vereinskolleginnen verwies Katja Fischer (34:22) &nbsp;Hanna Klein (38:12) und Luisa Wöhrmann (44:16) auf die Plätze zwei und drei. Auch die Teamwertung entschied die LAV Stadtwerke Tübingen für sich. 80 LAVler erliefen zusammen knapp 4.000 Kilometer. Insgesamt nahmen an der Teamwertung 110 Teams teil. Das größte Team stellte der Haupt- und Namenssponsor, die Erbe Elektromedizin GmbH. 174 „Erbe Roadrunners“ und zahlreiche weitere internationale Mitarbeiter sammelten sehr motiviert Kilometer um Kilometer.</p><p>Für jeden gelaufenen Kilometer sowohl der Einzel- als auch der Teamwertung spendet die Erbe Elektromedizin GmbH zehn Cent an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V. Am Ende kamen 30.846 Kilometer zusammen - das gesetzte Gesamtziel von 27.000 Kilometern wurde somit sogar übertroffen.</p><p>Der diesjährige Sozialpartner hat nun Grund zu doppelter Freude, wie Christian O. Erbe, geschäftsführender Gesellschafter und Chief Executive Officer der Erbe Elektromedizin GmbH, verkündete: „Wir freuen uns sehr über den Erfolg des diesjährigen Erbe-Laufs und die Beteiligung unserer internationalen Mitarbeiter. Daher haben wir uns entschlossen, die Spende für unseren Sozialpartner, den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e. V., zu verdoppeln.“</p><p>„Das Organisationsteam zieht ein sehr positives Fazit“, sagte Judith Wais. „Wir sind überwältigt von so viel Zuspruch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55339</guid><pubDate>Wed, 30 Sep 2020 13:40:22 +0200</pubDate><title>Keramiken zeigen 3000 Jahre altes Handelsnetz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/keramiken-zeigen-3000-jahre-altes-handelsnetz/</link><description>Archäometrische Analysen verraten genaue Herkunft: Auf der Insel Tavolara tauschten Einwohner Sardiniens Waren mit Festlandbewohnern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die sardische Insel Tavolara war in der frühen Eisenzeit (zwischen 900-700 v.Chr.) möglicherweise Handelsplatz für die Ureinwohner Sardiniens, die Nuragier, und die Festlandbewohner Mittelitaliens aus der Villanova-Kultur. Archäometrische Analysen ca. 3000 Jahre alter Keramik-Funde aus der Grabungsstelle Spalmatore di Terra auf Tavolara zeigen, dass diese aus mehreren unterschiedlichen Produktionsstätten des damaligen Etruriens (heutige Regionen Toskana und Latium) stammen. Die Ergebnisse werfen neues Licht auf die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nuragiern und Proto-Etruskern der Villanova-Kultur im 9. Jahrhundert v.Chr., wie das Team unter Leitung von Dr. Silvia Amicone am Competence Center Archaeometry – Baden-Wuerttemberg (CCA-BW) der Universität Tübingen berichtete. Sie wurden im <em>Journal of Archaeological Science: Reports</em> veröffentlicht.</p><p>Die heutigen italienischen Regionen Toskana und Latium gehörten im 9. und 8. Jahrhundert v.Chr. zum Kernland der sogenannten Villanova-Kultur, aus der sich später die Kultur der Etrusker entwickelte. Die Proto-Etrusker kontrollierten die Kupfer- und Eisenbergwerke der Toskana und waren versierte Metallarbeiter. Als Nuragier bezeichnet man die Einwohner Sardiniens, die in der Bronzezeit ab 1600 v.Chr. die gemeinsame „Nuraghen-Kultur“ entwickelten – sie errichteten rund 8000 Steintürme, genannt Nuraghen, die bis heute als Wahrzeichen der Insel gelten.&nbsp;</p><p>Dass Nuragier und Proto-Etrusker Beziehungen unterhielten, ist durch Metallfunde und Keramiken aus Sardinien dokumentiert, die häufig aus Villanova-Gräbern geborgen wurden. Umgekehrt gab es bislang nur wenige Funde der Villanova-Kultur auf Sardinien, meist in Form von Metallgegenständen wie Broschen. Die Keramiken von Tavolara, einer kleinen Insel vor Sardinien, deuten darauf hin, dass Nord-Etrurien ‒ die heutige Toskana ‒ Zentrum des damaligen Handels war. Sie wurden bereits 2011 und 2013 von der italienischen Forscherin Dr. Paola Mancini geborgen und von Dr. Francesco di Gennaro als erster Nachweis proto-etruskischer Keramik auf Sardinien identifiziert.</p><p>Die archäometrischen Analysen wurde am CCA-BW der Universität Tübingen von Dr. Silvia Amicone und Dr. Christoph Berthold sowie Dr. Kyle Freund (Forschungsgruppe Fernöstliche Anthropologie, Indian River State College, USA) durchgeführt. Dabei wurden Keramik-Scherben mit petrographischen und chemischen Methoden auf Herkunft und Zusammensetzung des Materials sowie die Herstellungstechnik analysiert. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Keramik nach Sardinien eingeführt wurde – und zwar aus unterschiedlichen Produktionszentren entlang der Mittelmeerküste des heutigen Italiens.</p><p>Daraus lasse sich schließen, dass die gesamte Region Etrurien im Handelsaustausch stand, von der Toskana bis in das nördliche Latium, sagen die Autoren. „Vorstellbar wäre sogar ein ‚Handelsabkommen‘ zwischen Nuragiern und Proto-Etruskern – Tavolara könnte als Treffpunkt für den Austausch von Gütern gedient haben.“ Die kleine sardische Insel sei der erste bekannte Ort dieser Art auf Sardinien – vermutlich habe es aber mehrere Treffpunkte gegeben, die für den Austausch von Waren genutzt wurden. Weitere Forschung dort und an den archäologischen Funden soll die Rolle Tavolaras innerhalb dieses Übersee-Netzwerks der Eisenzeit im Mittelmeerraum klären.</p><p>Die Grabungen auf Spalmatore di Terra wurden von der Area Marina Protetta Tavolara finanziert und unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Rubens D'Oriano als ehemaligem Funktionär der Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio per le Province di Sassari e Nuoro durchgeführt. Die keramischen Funde werden von Dr. Francesco di Gennaro, Dr. Paola Mancini und Dr. Silvia Amicone untersucht.</p><h3>Publikation:</h3><p>Silvia Amicone, Kyle P. Freund, Paola Mancini, Rubens D'Oriano, Christoph Berthold: New insights into Early Iron Age connections between Sardinia and Etruria: Archaeometric analyses of ceramics from Tavolara, <em>Journal of Archaeological Science: Reports</em>,&nbsp;DOI: <a href="https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2020.102452" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2020.102452</a></p><p>Die Publikation zum Download:&nbsp;<a href="https://authors.elsevier.com/a/1bm3H,rVDBVSDV" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://authors.elsevier.com/a/1bm3H,rVDBVSDV</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55153</guid><pubDate>Thu, 24 Sep 2020 20:00:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Forscher weisen erstmals Bewusstseinsprozesse im Gehirn von Vögeln nach</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-forscher-weisen-erstmals-bewusstseinsprozesse-im-gehirn-von-voegeln-nach/</link><description>Hirnaktivität von Krähen belegt deren subjektive Wahrnehmung ‒ Publikation im Fachmagazin Science</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch Messung von Hirnsignalen ist einer Forschungsgruppe der Universität Tübingen erstmals der neurowissenschaftliche Nachweis gelungen, dass Rabenvögel über subjektives Erleben verfügen. Durch gleichzeitige Aufzeichnung von Verhalten und Hirnaktivität konnte die Gruppe um Professor Andreas Nieder zeigen, dass Krähen dazu fähig sind, Sinneseindrücke bewusst wahrzunehmen. Bisher konnte diese Art des Bewusstseins nur bei Menschen und anderen Primaten nachgewiesen werden, die über völlig anders aufgebaute Gehirnen verfügen als Vögel. „Die Ergebnisse unserer Studie eröffnen eine neue Sichtweise auf die Evolution des Wahrnehmungsbewusstseins und seiner neurobiologischen Randbedingungen“, sagte Nieder. Die Studie ist am 24. September 2020 im Fachmagazin <em>Science</em> erschienen.</p><p>Bei Menschen und unseren nächsten Verwandten im Tierreich, den Affen, wird die Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung in der Großhirnrinde lokalisiert. In der Forschung wird seit vielen Jahren diskutiert, ob auch Tiere mit einem völlig anders aufgebauten Gehirn ohne Großhirnrinde über ein derart wahrnehmendes Bewusstsein verfügen. Bislang aber fehlten dazu experimentelle neurologische Daten.</p><p>Um den Bewusstseinsprozessen bei Vögeln auf die Spur zu kommen, trainierten die Tübinger Wissenschaftler zwei Krähen: Per Kopfbewegung sollten sie anzeigen, ob sie einen Reiz auf einem Bildschirm gesehen hatten oder nicht. Die meisten Reize waren eindeutig; in solchen Versuchsdurchläufen wurden entweder deutliche Lichtpunkte gezeigt oder gar keine Reize präsentiert ‒ die Krähen zeigten die An- und Abwesenheit dieser Reize zuverlässig an. Manche Reize waren allerdings konstant so schwach, dass sie an der Wahrnehmungsschelle lagen: Manchmal zeigten die Krähen an, den schwachen Reiz gesehen zu haben, in anderen Fällen, dass kein Reiz vorhanden sei. Hier kam also die subjektive Wahrnehmung der Krähen ins Spiel.</p><p>Während die Krähen auf die optischen Reize reagierten, registrierten die Forscherinnen und Forscher zugleich die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn. Berichteten die Krähen, etwas gesehen zu haben, waren die Nervenzellen im Zeitraum zwischen Reizpräsentation und Verhaltensantwort aktiv. Nahmen sie keinen Reiz wahr, blieben die Nervenzellen stumm. Aufgrund der Aktivität der Nervenzellen ließ sich also vorhersagen, welches subjektive Erleben die Krähen hinsichtlich des Reizes hatte. „Nervenzellen, die Seheindrücke ohne subjektive Komponente repräsentieren, sollten auf einen gleichbleibenden visuellen Reiz immer gleich antworten“, erklärte Nieder: „Unsere Ergebnisse dagegen lassen nur den Schluss zu, dass Nervenzellen auf höheren Verarbeitungsstufen des Krähengehirns durch subjektives Erleben beeinflusst werden, oder genauer gesagt, subjektive Erlebnisse hervorbringen.“</p><p>Evolutionsgeschichtlich könnten die Ursprünge des Bewusstseins somit viel älter und im Tierreich weiter verbreitet sein, als bisher angenommen. „Die letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Krähe lebten vor 320 Millionen Jahren“, sagte Nieder. „Das Wahrnehmungsbewusstsein könnte möglicherweise bereits damals entstanden sein und sich seither weiter vererbt haben.“ Ein alternatives Szenario sei, dass sich das Wahrnehmungsbewusstsein bei diesen entfernt verwandten Arten völlig unabhängig voneinander entwickelt habe, erklärte der Neurobiologe: „In jedem Fall ist die Fähigkeit zu bewusstem Erleben mit verschieden gebauten Gehirnen und unabhängig von der Großhirnrinde realisierbar.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Andreas Nieder, Lysann Wagener, Paul Rinnert: A neural correlate of sensory consciousness in a corvid bird. <em>Science</em>, <a href="https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.abb1447" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.abb1447</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55102</guid><pubDate>Tue, 22 Sep 2020 10:29:48 +0200</pubDate><title>Cyber Valley: Neue Initiative zu KI in der Medizin gestartet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cyber-valley-neue-initiative-zu-ki-in-der-medizin-gestartet/</link><description>„Bietet die Chance, alle Kräfte zu bündeln und Baden-Württemberg zum weltweit sichtbaren Standort zu machen“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen sowie die Max-Planck-Institute für biologische Kybernetik und für Intelligente Systeme haben eine neue Initiative zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Medizin und Lebenswissenschaften gestartet. „Die aktuelle Pandemie zeigt, dass wir bei der Bekämpfung globaler Gesundheitsgefahren schneller und effizienter werden müssen. Zu diesem Zweck müssen wir die Potenziale der KI künftig deutlich stärker nutzen. Die neue Initiative bietet die Chance, alle Kräfte zu bündeln und Baden-Württemberg zu einem weltweit sichtbaren Standort für KI-Anwendungen in der Medizin zu machen“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, die die Initiative zur engeren Kooperation im Bereich KI und Medizin mit Nachdruck begrüßt, am Dienstag.</p><p>Die neue Initiative sei offen für weitere profilierte Akteure aus dem Kreis der Universitäten, der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. „Insbesondere streben wir eine enge Kooperation an mit der Universität Stuttgart, die eine erste Adresse für Themen wie Datenintegration und Simulationstechnik ist“. Beide Universitäten könnten sich zudem auf die Zusammenarbeit im Cyber Valley stützen, Europas größtem Forschungsverbund auf dem Gebiet der modernen KI.</p><p>Wichtige Partner seien zudem das Deutsche Krebsforschungszentrum, das European Molecular Biology Laboratory (EMBL), die Universität Heidelberg und alle medizinführenden Universitäten in Baden-Württemberg sowie Unternehmen aus dem Kreis der weltweit hoch angesehenen baden-württembergischen Medizintechnikindustrie. Das Forschungsfeld biete darüber hinaus ein gewaltiges Potenzial für die Entstehung von neuen Start-Ups in den Bereichen Diagnostik, Medizintechnik, Pharmazie sowie medizinnaher Dienstleistungen.</p><p>Engler kündigte an, dass die Universität und ihre Medizinische Fakultät in einem ersten Schritt noch in diesem Jahr vier zusätzliche Professuren auf diesem zukunftsträchtigen Forschungsfeld einrichten werden. Die künftigen Lehrstühle sollen sich unter anderem mit der Auswertung von medizinischen Bilddaten, Sequenzier- und Metadaten sowie Zeitreihen oder Statistiken mit den Methoden des Maschinellen Lernens befassen und damit neue KI-gestützte Instrumente für Diagnose, Therapieentscheidung und die Entwicklung neuer Arzneimittel schaffen. „Mit der bereits in konkreter Planung befindlichen Errichtung des Cyber Valley-Gebäudes im Tübinger Technologiepark haben Max-Planck-Gesellschaft und Universität im zweiten Bauabschnitt Vorsorge für die mögliche Unterbringung der neuen Professuren und ihrer Forschungsgruppen getroffen“, sagte der Rektor.</p><p>Das Vorhaben von Universität, Fakultät und Max-Planck-Instituten wird unter anderem auch von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt. Die Stiftung hat sich vorgenommen, am Standort Tübingen den Aufbau eines weiteren wissenschaftlichen Leuchtturmprojekts zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Neurowissenschaften zu fördern. Bereits seit 20 Jahren fördert die Stiftung in Tübingen das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, das mittlerweile als Modell für den Transfer von Erkenntnissen aus modernster Grundlagenforschung in die klinische Anwendung gilt.</p><p>Bereits heute forschen in Tübingen rund 15 Professorinnen und Professoren am Einsatz von Methoden der Informatik in Medizin und Lebenswissenschaften. Dazu kommen zahlreiche Forschungsgruppen. Einrichtungen der Universität wie das Exzellenzcluster „Maschinelles Lernen in der Wissenschaft“ und das von der Bundesregierung finanzierte KI-Kompetenzzentrum machen Tübingen schon heute zum führenden deutschen Standort für Grundlagenforschung im Maschinellen Lernen. Darüber hinaus sind immer mehr Tübinger Medizin-Start-Ups Teil des Cyber Valley Start-Up Networks.</p><p>„Mit unserer KI- und Medizin-Initiative bauen wir auf einem starken Fundament auf“, sagte Professor Michael Black, Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen. „Von der Patientenversorgung über die Diagnose bis hin zur personalisierten Medizin gibt es endlose Möglichkeiten, die moderne Medizin mit KI und Robotik zu stärken. Indem wir unsere Stärken vereinen, wollen wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Felder von Künstlicher Intelligenz und Medizin voranzubringen.“</p><p>„Unsere Arbeiten in der Grundlagenforschung bilden ein solides Fundament dieser sehr vielversprechenden Initiative mit wegweisenden Vorhaben an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Anwendung“, kommentierte Professor Peter Dayan, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. „Wegweisende Erkenntnisse aus Analysen hochauflösender bildgebender Verfahren ermöglichen es uns beispielweise, die neuronale Organisation im Gehirn auch im Zusammenhang mit Krankheitsbildern besser zu verstehen; das Potenzial Künstlicher Intelligenz erlaubt es uns etwa, die Komplexität menschlichen Entscheidungsverhaltens besser zu durchdringen, um uns so auch über Wesen und Verlauf typischer psychischer Erkrankungen ein klareres Bild machen zu können.“</p><p>Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Bernd Pichler, verwies darauf, dass beim Einsatz moderner medizinischer Diagnoseverfahren gewaltige Datenmengen entstehen, deren Auswertung mit herkömmlichen Methoden kaum noch zu bewältigen ist: „Ähnliche Herausforderungen treten bei einer Vielzahl von Fragestellungen in den Lebenswissenschaften auf, von der Grundlagenforschung bis hin zur Translation von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung, etwa in der personalisierten Medizin. Daher bin ich davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bahnbrechende Erfolge in der medizinischen Forschung und der Versorgung von Patienten mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz einhergehen werden.“ Die Auswertung und intelligente Interpretation von Gesundheitsdaten werde nicht nur die Prognose von Krankheitsverläufen vereinfachen oder die Prävention und die Früherkennung von Krankheiten verbessern, sondern unterstütze auch die Suche nach neuen Medikamenten und Therapieoptionen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-55072</guid><pubDate>Mon, 21 Sep 2020 09:51:57 +0200</pubDate><title>IWM und Universität Tübingen weisen Kritik des Vereins Digitalcourage zurück</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/iwm-und-universitaet-tuebingen-weisen-kritik-des-vereins-digitalcourage-zurueck/</link><description>Stellungnahme zu „Big Brother Award“ – „Keine Forschungsprojekte, die auf eine Totalüberwachung von Schülerinnen und Schülern abzielen“
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Verein Digitalcourage e.V. hat dem Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen (WCT) am 18. September den so genannten Big Brother Award in der Kategorie Bildung verliehen. Bei dem Award handelt es sich um einen Negativpreis für „Datensünder”, der jährlich an Behörden, Personen, Unternehmen und Organisationen verliehen wird.</p><p>Den beteiligten Forscherinnen und Forschern des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) und der Universität Tübingen wird dabei unter anderem vorgeworfen, sie arbeiteten an einer Technik, die eine vollständige Überwachung des Lernverhaltens von Schülerinnen und Schülern im Unterricht mit Hilfe von EEG und Eyetracking möglich mache. Darüber hinaus wird den Forscherinnen und Forschern vorgeworfen, sie würden Bildung einer „maschinell überprüfbaren Leistung“ opfern. Es drohe eine „Dressur mittels Lernsoftware“. Die Rolle von Lehrerinnen und Lehrern werde abgewertet.&nbsp;</p><p>IWM und Universität Tübingen weisen diese Vorwürfe als falsch zurück. „Es gab und gibt an beiden Einrichtungen keine Forschungsprojekte, die auf eine Totalüberwachung und Dressur von Schülerinnen und Schülern im täglichen Unterricht abzielen“, sagte die Direktorin des Leibniz-Instituts, Professorin Ulrike Cress: „Derartige Projekte würden nicht nur unserem Menschenbild, sondern auch unserer Vorstellung von gutem Unterricht diametral widersprechen.“ Der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, betonte: „Ziel unserer Universität ist es, angehenden Lehrerinnen und Lehrern das notwendige Rüstzeug für guten Unterricht an die Hand zu geben. Dazu aber ist es wichtig zu verstehen, wie guter Unterricht gelingen kann.“</p><p>Am Leibniz-Institut für Wissensmedien und der Universität Tübingen wird in zahlreichen Projekten erforscht, welche Elemente auf dem Weg zu guter Bildung eine wesentliche Rolle spielen.&nbsp;„Hierzu sind Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und der Kognitionspsychologie ebenso von Bedeutung wie die Entwicklung digitaler Lernmedien und eine wissenschaftlich fundierte Fachdidaktik“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Multimodale Interaktion am IWM, Professor Peter Gerjets: „Um die Frage beantworten zu können, wie Bildung gelingen kann, sind wir auf belastbare Daten angewiesen. In diesem Zusammenhang helfen uns technische Verfahren wie EEG, Eyetracking oder Kamerabeobachtung wesentlich dabei zu verstehen, wie guter Unterricht funktioniert.“</p><p>Der Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung, Professor Ulrich Trautwein, sagte, die Kritiker gingen von einer falschen Vorstellung der Tübinger Projekte sowie guten Unterrichts aus: „Wir sind uns alle einig, dass wir Schülerinnen und Schüler darin stärken müssen, selbstreguliert zu lernen und bestmögliche Teilhabe an einer demokratischen, lebenswerten Gesellschaft zu erwerben“. Nachgewiesenermaßen scheiterten Schule und Unterricht jedoch viel zu oft an diesem Anspruch. Die Forschung der vergangenen Jahre habe deutlich aufgezeigt, an welchen Stellen im Schulalltag Hürden existieren, die guten Unterricht insbesondere auch für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler erschweren. „Eine fundamentale Erkenntnis: Viele Lehrkräfte erkennen nicht, woran das Lernen bei einzelnen Schülerinnen und Schülern oder ganzen Klassen scheitert, und sie nutzen zu selten individuelles Feedback, nicht nur in Corona-Zeiten.“ Die Tübinger Arbeiten erforschen in diesem Sinne letztlich, wie Lehrkräfte darin gestärkt werden können, pädagogisch sinnvoll auf die Lernsituation von Kindern und Jugendlichen einzugehen, um allen ein möglichst selbstreguliertes und gelingendes Lernen zu ermöglichen – mit oder ohne Unterstützung durch digitale Medien. &nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54979</guid><pubDate>Mon, 14 Sep 2020 14:56:20 +0200</pubDate><title>Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/weinpresse-aus-der-eisenzeit-gibt-aufschluss-ueber-bautechnik-der-phoenizier/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wein hatte im Mittelmeergebiet schon in der Eisenzeit eine große Bedeutung. Insbesondere durch die Phönizier, die Bewohner der östlichen Mittelmeerküste, wurde das Getränk beliebt und über ihre Handelswege verbreitet. Nun wurde bei Ausgrabungen im phönizischen Tell el-Burak die erste eisenzeitliche Weinpresse auf dem Gebiet des heutigen Libanon entdeckt – bislang waren keine Anlagen zur Herstellung von Wein in dieser Region bekannt. Den Aufbau der Presse aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und die verwendeten Baumaterialien haben Dr. Adriano Orsingher und Professor Jens Kamlah vom Biblisch-Archäologischen Institut sowie Dr. Silvia Amicone und Dr. Christoph Berthold vom Competence Center Archaeometry - Baden-Württemberg (CCA-BW) der Universität Tübingen gemeinsam mit Professorin Hélène Sader von der American University in Beirut näher untersucht. Sie fanden heraus, dass die Phönizier beim Bau der Weinpresse einen Putz verwendeten, der aus Kalk und gemahlenen recycelten Tonscherben gemischt wurde. Diese Technik zur Herstellung eines Estrichmörtels wurde später von den Römern weiterentwickelt. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Antiquity</em> veröffentlicht.</p><p>Die Stätte Tell el-Burak wird seit 2001 als libanesisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt archäologisch ausgegraben. Dort konnten die Überreste einer kleinen phönizischen Siedlung aus dem späten achten bis in die Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. freigelegt werden. Wahrscheinlich wurde die Siedlung zur Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten von der nahe gelegenen Stadt Sidon aus gegründet. Tell el-Burak war südwestlich und südöstlich von einer 2,5 Meter breiten Terrassenmauer eingegrenzt. „Südlich einer dieser Mauern haben wir eine gut erhaltene Weinpresse entdeckt. Sie war am Hang des Hügels angelegt worden“, berichten die Autoren.</p><h3>Wasserresistentes und widerstandsfähiges Material</h3><p>Analysen des Tübinger CCA-BW im Rahmen des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen (1070) lieferten nun neue Daten zur Zusammensetzung und Technologie der eisenzeitlichen Kalkputzherstellung, aus dem auch die Weinpresse besteht. „Einen qualitativ guten Kalkputz herzustellen war aufwendig“, sagen die Autoren. „Die Phönizier haben die Technik weiterentwickelt, indem sie recycelte Keramikscherben verwendeten. Damit ließ sich besser und zugleich stabiler bauen.“ Im südlichen Phönizien habe sich eine lokale und innovative Tradition der Putzherstellung entwickelt. „Der Putz war wasserresistent und widerstandsfähig. Die Römer haben diese Technologie für den Gebäudebau übernommen.“ Das Forschungsteam will die Bauweise der Weinpresse auch mit zwei weiteren Anlagen in Tell el-Burak vergleichen, die aber auch anderen Zwecken gedient haben könnten.</p><p>Frühere Forschungen in Tell el-Burak hatten ergeben, dass in der Umgebung des Orts großflächig Trauben angebaut wurden. „Wir gehen davon aus, dass dort für einige Jahrhunderte in großem Stil Wein hergestellt wurde. Für die Phönizier hatte er große Bedeutung, sie nutzten Wein auch in religiösen Zeremonien“, sagen die Autoren. Der frühere Fund einer großen Zahl von Amphoren, die häufig als Transportgefäße genutzt wurden, weise darauf hin, dass die Phönizier den Wein auch handelten. „Die Stadt Sidon lag an Meereshandelsrouten des östlichen Mittelmeergebiets. Phönizier spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Weins im Mittelmeergebiet, ihre Tradition des Weinkonsums gaben sie bis nach Europa und Nordafrika weiter.“ Bisher habe es kaum Nachweise für die Weinherstellung in Phönizien gegeben, so Orsingher. „Die neue Entdeckung liefert zahlreiche Hinweise, wie die Weinpioniere das Getränk herstellten.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Adriano Orsingher, Silvia Amicone, Jens Kamlah, Hélène Sader &amp; Christoph Berthold: Phoenician lime for Phoenician wine: Iron Age plaster from a wine press at Tell el-Burak, Lebanon. <em>Antiquity </em>2020 Vol. 94 (377): 1–21, <a href="https://doi.org/10.15184/aqy.2020.4" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.15184/aqy.2020.4</a>&nbsp;</p><h3>Ausgrabungsprojekt:</h3><p>Tell el-Burak Archaeological Project. Gemeinschaftsprojekt der American University of Beirut, Prof. Dr. Hélène Sader; der Universität Tübingen unter Beteiligung des Sonderforschungsbereichs 1070, Prof. Dr. Jens Kamlah; der Universität Mainz, Dr. Aaron Schmitt, und der Orient Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, Dr. Dr. Margarete van Ess.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54808</guid><pubDate>Mon, 07 Sep 2020 09:11:01 +0200</pubDate><title>Das Westallgäu als Brücke im europäischen Wirtschaftsraum der Bronzezeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-westallgaeu-als-bruecke-im-europaeischen-wirtschaftsraum-der-bronzezeit/</link><description>Schon vor mehr als 3.000 Jahren investierten Menschen in Regionen, um vom Handel zu profitieren, sagt ein Team des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Westallgäu in der Region um die heute wachsende Stadt Leutkirch war bereits vor mehr als 3.000 Jahren, in der Bronzezeit, dichter besiedelt als bislang angenommen. Das ergaben jüngste Arbeiten von Forscherinnen und Forschern aus der Archäologie und Geografie im Sonderforschungsbereich 1070 RessourcenKulturen der Universität Tübingen. Dabei sei die Region mit feuchtem Klima und langen harten Wintern kein besonders günstiger Siedlungsraum gewesen, so das Team. Die schmelzenden Gletscher der letzten Eiszeit hätten kiesige Böden hinterlassen und die Region liege höher als die angrenzenden Gebiete im Norden und Westen, die wärmer seien und über bessere Böden verfügten. Diese Nachteile wurden aus Sicht der prähistorischen Menschen offenbar durch die günstige Lage an großen Fernhandelsrouten wieder wettgemacht. Erste Ergebnisse der Nachforschungen wurden in der neuesten Ausgabe der <em>Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg</em>, dem Jahrbuch der Landesdenkmalpflege, veröffentlicht.</p><p>Das Forschungsteam führt seit 2017 Ausgrabungen bei Leutkirch durch, die unter anderem eine befestigte Bergkuppe zutage brachten; Grabhügel markieren ein zugehöriges Gräberfeld, und im darunter liegenden Tal befanden sich weitere Siedlungen. Bodenanalysen zeigten weit verbreitete Erosion in dieser Zeit, was darauf hindeutet, dass um 1500 v. Chr. Wälder abgeholzt wurden, um Nahrung für eine Bevölkerung beträchtlicher Größe anzubauen.</p><p>„Der Umfang der bronzezeitlichen Besiedlung, der jetzt deutlich wurde, verändert unser ganzes Bild von der Region zu dieser Zeit“, sagt Benjamin Höpfer, Doktorand im Teilprojekt „Gunst – Ungunst? Ressourcenerschließung in Marginalräumen“. „Das prähistorische Allgäu war keineswegs menschenleer. In der Bronzezeit dürfte es – ähnlich wie heute – viele einzelne Höfe und einige kleine Dörfer gegeben haben.“</p><h3>Wachsende Bedeutung des Fernhandels</h3><p>Warum aber entschieden sich die Menschen der Bronzezeit für ein Leben an einem kalten, nassen Ort auf steinigem Boden? Das habe mit der günstigen Lage des Allgäus zwischen Alpen, Donau, Iller, Rhein und Bodensee zu tun – allesamt wichtige Verkehrsadern, so das Forschungsteam. Es habe eine Brücke zwischen den Regionen in einem breiten, gesamteuropäischen prähistorischen Wirtschaftsraum gebildet. „Selbst die Alpen waren nicht nur ein Hindernis, sondern auch eine wichtige Handelsdrehscheibe. Der Fernhandel wurde immer wichtiger, und dabei spielten Flusstäler als Wegstrecken und Höhenzüge als Orientierungspunkte eine wichtige Rolle“, erklärt Höpfer. Im ganzen Alpenvorland gibt es entlang der Flüsse und an den Seen viele Fundstellen, an denen auch Importwaren nachgewiesen wurden, etwa Kupfer aus den Ostalpen und Zinn aus Cornwall für die damaligen Bronzelegierungen. Kupfer, Zinn, Bernstein – diese und viele andere Rohstoffe seien entlang der hier verlaufenden Routen gehandelt worden. Neu sei, dass im Westallgäu parallel dazu nun auch eine dauerhafte bäuerliche Besiedlung nachgewiesen wurde.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54748</guid><pubDate>Mon, 31 Aug 2020 16:37:35 +0200</pubDate><title>Forscher in der Radiologie erhält Sofja Kovalevskaja-Preis der Humboldt-Stiftung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forscher-in-der-radiologie-erhaelt-sofja-kovalevskaja-preis-der-humboldt-stiftung/</link><description>André Martins entwickelt am Universitätsklinikum Tübingen die biomedizinische Bildgebung des Stoffwechsels von Tumorzellen weiter – Neue Ansätze für die personalisierte Medizin</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dr. André Martins aus der Radiologischen Universitätsklinik Tübingen ist einer der diesjährigen Träger des Sofja Kovalevskaja-Preises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Mit diesem Preis, einem der höchstdotierten Wissenschaftspreise in Deutschland, werden junge internationale Forschertalente ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von bis zu 1,65 Millionen Euro können die Preisträgerinnen und -träger eine unabhängige Forschungsgruppe an einem deutschen Gastinstitut einrichten und ein fünfjähriges Forschungsprojekt realisieren. Martins, ein Experte für nicht-invasive biomedizinische Bildgebung, leitet bereits seit 2019 eine Arbeitsgruppe unter dem Titel „Hyperpolarized Metabolism &amp; Multimodal-Imaging Sciences“ in der Abteilung für Präklinische Bildgebung und Radiopharmazie. Diese Abteilung unter der Leitung von Professor Bernd Pichler ist auch Gastinstitution für das mit dem Kovalevskaja-Preis ausgezeichnete Projekt.</p><p>André Martins und sein Team wollen die relevanten Mechanismen der menschlichen Pathologie und Physiologie verstehen und die Rolle des Stoffwechsels bei verschiedenen Erkrankungen aufklären. Dafür nutzen die Forscherinnen und Forscher detaillierte nicht-invasive biomedizinische Bildgebungsverfahren. Martins Forschungsarbeiten haben Schnittstellen zu verschiedenen Feldern, zur Onkologie, der biomedizinischen Bildgebung sowie auch den Grundlagenwissenschaften wie der Biophysik, Biochemie und Chemie. Das Team um Martins forscht außerdem an der Entwicklung einer neuen Generation von nicht-invasiven Stoffwechselsensoren für die biomedizinische Bildgebung, zum Beispiel Biomarkern des Stoffwechsels von seneszenten Tumoren, bei Diabetes, Schlaganfall oder Entzündungen und in der Immunologie.</p><h3>Projekt in der Krebsforschung</h3><p>Mit der Förderung von 1,65 Millionen Euro aus dem Sofja Kovalevskaja-Preis will Martins die Heterogenität des Tumorstoffwechsels erforschen. Das Umfeld von Tumoren zeichnet sich durch starke Unterschiede in der Zusammensetzung von Zellen, Stoffwechselprodukten und anderen Molekülen aus. Diese können dem Tumor evolutionäre Vorteile verschaffen. Weiterhin führt der anomale Stoffwechsel der Tumorzellen zu Veränderungen im direkten Umfeld des Tumors. Martins will den Einfluss von Stoffwechselfaktoren auf die Aggressivität der Tumore aufklären und diese als potenzielle Indikatoren für die Bösartigkeit einer Krebserkrankung nutzen. Dafür setzt er nicht-invasive Hightech-Bildgebungsverfahren, das maschinelle Lernen und klinisch anwendbare smarte Stoffwechselsensoren ein. Das Projekt soll neue Wege in der personalisierten Medizin eröffnen, um die Rolle der Verschiedenartigkeit von Tumoren im Hinblick auf Therapieresistenzen zu verstehen.</p><p>André Martins wurde an der Universität Coimbra in Portugal und der Universität Orléans in Frankreich in der Chemie und Biochemie promoviert. Anschließend arbeitete er als Wissenschaftler an der University of Texas (UT) in Dallas und am UT Southwestern Medical Center in Texas in den USA. In dieser Zeit spezialisierte sich Martins auf den Bereich der molekularen Bildgebung und auf die Entwicklung reaktionsfähiger Sensoren in der Magnetresonanztomografie. Unter anderem entwickelte er innovative Zinksensoren, die bei Diabetes und Prostatakrebs eingesetzt werden. Im Jahr 2019 wechselte er als Arbeitsgruppenleiter an das Universitätsklinikum Tübingen.</p><p>Der Sofja Kovalevskaja-Preis wird seit 2002 an Nachwuchswissenschaftlerinnen und&nbsp;-wissenschaftler vergeben. Ziel ist es, international umworbene Forschertalente bereits zu Beginn einer vielversprechenden Karriere in Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland einzubinden. Ausgezeichnet werden herausragendes Talent und kreative Forschungsansätze. Der Preis wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert und wurde nach der 1850 geborenen russischen Mathematikerin Sofja Kovalevskaja benannt. Sie wurde 1874 an der Universität Göttingen mit einer Dissertation „Zur Theorie der Partiellen Differentialgleichungen“ promoviert und erhielt 1889 eine ordentliche Professur für Mathematik an der Universität in Stockholm.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. André F. Martins&nbsp;<br> Universitätsklinikum Tübingen&nbsp;<br> Abteilung für Präklinische Bildgebung und Radiopharmazie in der Radiologie<br> Telefon <span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-87487<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftg0octvkpuBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andre.martins<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong><br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Mail an Janna Eberhardt">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" title="Alle News der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></p><p><strong>Universitätsklinikum Tübingen</strong><br> Kommunikation und Medien<br> Bianca Hermle<br> Leitung<br> Telefon <span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-81032<br> Telefax +49 7071 29-25024<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dkcpec0jgtongBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">bianca.hermle<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;<br><a href="https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/kontakt/Medienkontakt" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/kontakt/Medienkontakt</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54691</guid><pubDate>Thu, 27 Aug 2020 09:46:12 +0200</pubDate><title>Schnelle Evolution unter Klimawandel</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schnelle-evolution-unter-klimawandel/</link><description>Team der Universität Tübingen erforscht, wie sich Pflanzen an geringere Niederschläge anpassen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bestimmte Pflanzenarten können unter Dürre sehr schnell evolvieren. Das bedeutet, dass die Pflanzen veränderte Eigenschaften unter neuen Umweltveränderungen in ihren Genen festschreiben und diese weitervererben können. Das hat ein Forschungsteam um Professorin Katja Tielbörger mit weiteren Kolleginnen und Kollegen der Universität Tübingen sowie den Universitäten Hildesheim, Münster und Köln in einer neuen Studie belegt. Allerdings waren die Pflanzen im Experiment nicht in der Lage, alle wichtigen Merkmale schnell und dauerhaft an den Wassermangel anzupassen. Die Studie erscheint in der Fachzeitschrift Ecology Letters.</p><p>Der durch Menschen verursachte Klimawandel schreitet immer schneller voran und führt neben höheren Temperaturen zu veränderten Niederschlägen. Für viele Regionen, die bereits heute sehr trocken sind, wie Wüsten oder Halbwüsten, werden in den Klimaszenarien noch geringere Niederschläge vorausgesagt. Um unter den neuen Vorzeichen zu überleben, müssen Lebewesen sich sehr schnell anpassen.</p><h3>Auswertung eines Langzeitexperiments</h3><p>Für die Untersuchung, ob und wie Pflanzen solche Anpassungen bewältigen, machte sich Tielbörgers Arbeitsgruppe ein Langzeitexperiment in Israel zunutze. Dabei manipulierte sie zwölf Jahre lang die Niederschläge von Pflanzengemeinschaften im Feld, indem entweder zusätzlich bewässert oder der Regen mit Hilfe von speziellen Dächern reduziert wurde. „Solche Langzeitexperimente werden nur selten durchgeführt. Daher gibt es kaum Studien, in denen sich die Evolution von Pflanzen unter naturnahen Bedingungen erforschen lässt“, sagt Tielbörger. In einer früheren Studie hatte die Wissenschaftlerin bereits festgestellt, dass die Pflanzengemeinschaften extrem resistent gegenüber Dürre sind, und hatte schon damals vermutet, dass dies zum Teil auf eine schnelle Anpassung der überwiegend sehr kurzlebigen Arten zurückzuführen sein muss.</p><p>In seinen Experimenten hat sich das Team um Tielbörger auf das Brillenschötchen (Biscutella didyma) konzentriert, eine Art, die in extremen Wüsten bis hin zu mediterranen Gebieten vorkommt. „Wir haben hier eine große Zahl von Eigenschaften betrachtet, deren genetische Informationen gut erforscht sind und die großen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Pflanze haben“, sagt Tielbör-ger. Eine Besonderheit des Langzeitexperiments war, dass es an vier Stellen entlang eines sehr steilen Regengradienten stattfand. Dort untersuchte das Forschungsteam, welche Eigenschaften sich entlang des Gradienten verändern.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54283</guid><pubDate>Fri, 07 Aug 2020 09:37:17 +0200</pubDate><title>Lehrerfortbildung über Social Media</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/lehrerfortbildung-ueber-social-media/</link><description>Studie der Universität Tübingen untersucht, wie professionelle Fortbildung für Lehrkräfte auf Twitter gelingen kann</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Austausch in Interessensgemeinschaften auf Social Media Plattformen wie Twitter kann der professionellen Lehrkräftefortbildung dienen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und der University of Michigan in einer Studie herausgefunden. Dafür werteten sie rund 2.000 Beiträge aus Twitter-Communities über eine Zeitspanne von rund drei Jahren aus, denen 93 Biologielehrerinnen und –lehrer aus den USA angehörten. Dabei teilten die Lehrkräfte Links zu Informationsquellen, besprachen curriculare Veränderungen, tauschten sich über Prüfungen aus und organisierten Chats, in denen sie unter anderem bestimmte fachliche Inhalte diskutierten. Flachere Hierarchiestrukturen als in traditionellen Fortbildungen können es begünstigen, dass neue Community-Mitglieder sich schnell sicher fühlen, um sich mit allen anderen Mitgliedern auszutauschen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift <em>AERA Open</em> veröffentlicht.</p><p>Der Austausch über Soziale Medien könnte dazu führen, dass Lehrkräfte, die in ihrem Kollegium beispielsweise eine Sonderstellung einnehmen, weil sie die Einzigen in ihrem Fach sind, sich weniger isoliert fühlen. „Übertragen auf die Situation in der Corona-Krise können soziale Netzwerke durchaus dafür sorgen, dass einzelne Lehrkräfte sich in ihrem Homeoffice nicht im Stich gelassen fühlen und sich schnell und unkompliziert von Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Republik individuellen Rat einholen können“, sagt Christian Fischer, Professor für Educational Effectiveness am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.</p><p>In der Studie wurde untersucht, welche Teilnehmerstrukturen in den Communities vorherrschten, ob die Beiträge, sogenannte Tweets, eine eher positive oder eher negative Stimmung verbreiteten, wieviel Zeit die Lehrkräfte in den Communities verbrachten und in welcher Zeitspanne sie aktiv waren. Es zeigte sich, dass es zwar einige Lehrkräfte gab, die Termine organisierten, mehr Fachwissen mit den anderen teilten oder neue Mitglieder anwarben, diese jedoch nicht mehr Ansehen oder Einfluss in der Gruppe hatten.</p><p>Der Großteil der Beiträge, fast 65 Prozent, war neutral, rund 29 Prozent waren positiv und rund 6 Prozent negativ. Die positiven Tweets bekamen mehr Zustimmung und wurden öfter retweetet, das heißt weiterverbreitet, als die neutralen Tweets. Bezüglich des zeitlichen Verlaufs gab es große Unterschiede: manche Lehrkräfte waren sehr wenig aktiv, andere dagegen nutzten das Medium sehr oft und sehr intensiv.</p><p>„Die intensive Nutzung des Mediums wäre ein Minimalstandard, um Twitter als effektive Lehrkräftefortbildung sehen zu können, da Studien gezeigt haben, dass diese erst ab einer gewissen Dauer effektiv sind“, so Christian Fischer. Er sieht jedoch durchaus Potential in Fortbildungsangeboten über soziale Medien und auch deren Vorteile wie schnelle individuelle Beantwortung von Fragen oder die zeitliche Unabhängigkeit. Ob und wie Schülerinnen und Schüler von Lehrkräften profitieren, die sich über soziale Medien austauschen und wie Lehrkräfte in Deutschland Twitter-Communities zur Fortbildung nutzen, sind Pläne für weitere Studien.</p><h3>Publikation:</h3><p>Fischer, C., Fishman, B., &amp; Schoenebeck, S. (2019). New contexts for professional learning: Analyzing high school science teachers’ engagement on Twitter. <em>AERA Open, </em>5(4), 1-20. <a href="https://doi.org/10.1177/2332858419894252" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1177/2332858419894252</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54244</guid><pubDate>Thu, 06 Aug 2020 09:44:13 +0200</pubDate><title>Drei Sonderausstellungen gehen in die Verlängerung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-sonderausstellungen-gehen-in-die-verlaengerung/</link><description>Das Museum der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen reagiert auf Schließungszeiten durch die Corona-Pandemie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gleich drei Sonderausstellungen im Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen hatte das Museum der Universität Tübingen MUT in den ersten Monaten dieses Jahres eröffnet: „UDO. Der erste Fußgänger“ mit dem Sensationsfund des ältesten aufrecht gehenden Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi</em> aus dem Allgäu; die besondere Such-Sonderschau in der Dauerausstellung unter dem Titel „Die unsichtbare Ausstellung“, für die der Regensburger Künstler Stefan Göler Objekte versteckte, sowie die Werksschau „Life and Meaning … it’s personal“ von Studierenden gemeinsam mit der New Yorker Künstlerin Morgan O’Hara. Wegen der Corona-Beschränkungen mussten alle Ausstellungen am 28. März geschlossen werden.</p><p>Seit dem 9. Mai sind sie unter Berücksichtigung der Infektionsschutzmaßnahmen wieder für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Um die monatelange Arbeit aller Beteiligten an den Ausstellungen anzuerkennen und allen Interessierten Gelegenheit zur Besichtigung zu geben, geht das MUT mit den drei Ausstellungen in die Laufzeitverlängerung:</p><ul><li>Die Werksschau <strong>„Life and Meaning... it's personal“</strong> im Kabinett-raum des Schlosses läuft bis zum 6. September 2020;</li><li>die Sonderausstellung <strong>„UDO. Der erste Fußgänger“</strong> bleibt bis zum 1. November 2020 im Rittersaal;</li><li>die Sonderschau<strong> „Die unsichtbare Ausstellung“</strong>, für die der Regensburger Künstler Stefan Göler Objekte zwischen den Sammlungsgegenständen im Museum Alte Kulturen versteckt hat, wird sogar bis zum 10. Januar 2021 zu sehen sein.</li></ul><p>Noch in den ersten beiden Märzwochen hatten Studierende der Universi-tät Tübingen gemeinsam mit der New Yorker Künstlerin Morgan O'Hara intensiv im Kabinettraum des Schlosses an der Werksschau „Life and Meaning... it's personal“ gearbeitet. Die ausgestellten Kunstwerke hatten die Studierenden im Herbst 2019 geschaffen, als Morgan O’Hara als „Invited Artist“ an die Universität kam. Mit dem Konzept „Invited Artist“ lädt&nbsp;die Universität jährlich international renommierte und innovative Künstlerinnen und Künstler nach Tübingen, um Studierenden Einblick in die zeitgenössische Kunst unterschiedlicher Kulturkreise zu ermöglichen. Die für den 19. März geplante Vernissage musste wegen der Corona-Beschränkungen um einen Tag verschoben werden und konnte nur im kleinen Kreis mit Rektor Professor Bernd Engler zu Ehren von Morgan O'Hara symbolisch eröffnet werden. Während des Corona-Lockdowns hat das MUT die Sonderausstellung in ein digitales Format transferiert. Sowohl die Kunstwerke der Studierenden als auch die Szenografie der Ausstellung von Stephan Potengowski können in einer 360-Grad-Tour auf der Website des MUT besichtigt werden.</p><p>Mehr unter <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a></p><p><strong>„Life and Meaning... it's personal“</strong><br> bis 6. September 2020<br><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/life-and-meaning-its-personal.html" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/life-and-meaning-its-personal.html</a></p><p><strong>„UDO. Der erste Fußgänger“</strong><br> bis 1. November 2020<br><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/udo-der-erste-fussgaenger.html" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/udo-der-erste-fussgaenger.html</a></p><p><strong>„Die unsichtbare Ausstellung“</strong><br> bis 10. Januar 2021<br><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/die-unsichtbare-ausstellung.html" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/die-unsichtbare-ausstellung.html</a></p><p>Öffnungszeiten im MUT | „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen:<br> Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr<br> Donnerstag 10 bis 19 Uhr</p><p>Info Kasse:<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon 07071 29-77579<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcuugBowugwo0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kasse<span style="display:none">spam prevention</span>@museum.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br> Eintritt: 5/3/0 Euro; Familienkarte: 12 Euro</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54172</guid><pubDate>Mon, 03 Aug 2020 14:06:12 +0200</pubDate><title>Ein Riesenkranich aus dem Allgäu</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-riesenkranich-aus-dem-allgaeu/</link><description>Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranichs in Europa</description><content:encoded><![CDATA[<p>Den Schädel eines sehr großen Kranichs haben Frankfurter und Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der mehr als elf Millionen Jahre alten Fossilienfundstelle Hammerschmiede im Allgäu, Bayern, entdeckt und beschrieben. Es handelt sich um den frühesten Nachweis eines solch großen Kranichs in Europa. Insgesamt ähnele das Fossil dem Schädel des heutigen, sehr langschnäbeligen Sibirischen Kranichs, berichten Dr. Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg Frankfurt sowie Thomas Lechner und Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Die Fundstelle Hammerschiede hatte Ende letzten Jahres durch die Entdeckung des zweibeinigen Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi</em> mit dem Spitznamen ‚Udo‘ Schlagzeilen gemacht. Der neu entdeckte Kranich dürfte der größte Vogel zu dessen Lebzeiten gewesen sein.</p><p>Unter den zahlreichen Überresten von Tieren aus der Fundstelle Hammerschmiede stammen viele Fossilien von Vögeln. Erst kürzlich hatte dasselbe Forschungsteam Fossilfunde von tropischen Schlangenhalsvögeln beschrieben. Heute kommt in Europa nur eine einzige Kranichart vor, der Eurasische Kranich. „Fossilfunde zeigen, dass es in der Vergangenheit viel mehr Kranicharten gegeben haben muss“, sagt der Studienleiter Gerald Mayr. „Allerdings stammen die meisten Belege aus dem Mittelmeergebiet, während Nachweise aus Mitteleuropa sehr spärlich sind.“ Weltweit gibt es heute 15 Kranicharten.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54100</guid><pubDate>Fri, 31 Jul 2020 10:12:15 +0200</pubDate><title>Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bisher-aelteste-bissspuren-von-saeugetieren-auf-dinosaurierknochen-entdeckt/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-54082</guid><pubDate>Thu, 30 Jul 2020 09:46:30 +0200</pubDate><title>Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-die-landwirtschaft-ins-ammertal-einzog/</link><description>Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtgebiet zur Flussaue und zog Siedler an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Ammertal zwischen Tübingen und Pfäffingen in Baden-Württemberg, heute ein Gebiet intensiver Landwirtschaft, war während der Mittelsteinzeit über viele tausend Jahre ein ausgedehntes Feuchtgebiet. Als sich die Region vor etwa 8.000 Jahren in eine trockene Flussaue verwandelte, ließen sich die ersten Siedler aus dem Karpatenbecken nieder und führten die Agrarwirtschaft ein. Welche Umweltbedingungen und Nahrungsressourcen sie vorfanden, ist nun erstmals in einem geoarchäologischen Archiv erfasst. Ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen und des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege hat rekonstruiert, wie sich das Ammertal über lange Zeiträume und im Wechselspiel mit dem Menschen landschaftlich veränderte. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Quaternary International veröffentlicht.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SHEP hatten in einer Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Sonderforschungsbereich 1253 „CAMPOS“ der Universität Tübingen Sedimentkerne aus dem Ammertal analysiert, um herauszufinden, wie sich paläo-ökologische Veränderungen vor mehr als 8.000 Jahren auf den Lebensunterhalt des Menschen auswirkten. Doktorandin Shaddai Heidgen extrahierte und analysierte dafür aus den Sedimentkernen organische Ablagerungen wie Pollen, Sporen und winzige Holzkohle-Partikel nahe einer archäologischen Ausgrabungsstätte in Pfäffingen. Das Projekt wurde von Annett Junginger geleitet, Juniorprofessorin für Mikropaläontologie am SHEP.</p><p>Als ausgedehntes Feuchtgebiet zog das Ammertal im Südwesten Deutschlands seit der Mittelsteinzeit Jäger und Sammler an. In seinen Sedimenten sind Umwelt und Klima dieser Zeit überliefert. So konnte das Forschungsteam drei Hauptperioden der Vegetationsentwicklung ausmachen: Vor 10.600 bis 10.100 Jahren dominierten zunächst offene Wälder aus Eiche, Linde, Ulme und Esche sowie eine große Vielfalt verschiedener Kräuter die Landschaft rund um das Feuchtgebiet. Später, vor 10.100 bis 8.400 Jahren, entwickelte sich die Haselnuss zur dominierenden Baumart. Vor 8.200 bis 7.800 Jahren deutet die Zusammensetzung der Sedimentbohrkerne sowie der Pollen und Sporen dann auf eine dramatische Änderung hin: Das Feuchtgebiet verschwand, gemischte Eichenwälder dehnten sich aus. Das Ammertal verwandelte sich in eine Flussaue, die nur noch sporadisch von der Ammer überschwemmt wurde.</p><p>Nach der Wandlung zur Flussaue brachten Siedler aus dem östlichen Mitteleuropa die sogenannte Kultur der Linearbandkeramik (LBK) nach Südwestdeutschland. Die LBK gilt als älteste neolithische Kultur Mitteleuropas und ist mit dem Beginn der Landwirtschaft und der Viehzucht verbunden. Ihre Verbreitung in Südwestdeutschland ist unter anderem aus zahlreichen archäologischen Fundstellen bekannt. Eine der ältesten Siedlungen, an der aktuell Geländeforschungen laufen, liegt bei Ammerbuch-Pfäffingen und weist auf einen Beginn der sesshaften Besiedlung vor 7.300 Jahren hin. Die Erkenntnisse der dortigen Grabungen unter Leitung von Professor Raiko Krauß (Universität Tübingen) und Dr. Jörg Bofinger (Landesamt für Denkmalpflege) flossen in die aktuelle Studie ein. Zudem legen die Ergebnisse botanischer Untersuchungen durch Dr. Elena Marinova und Dr. Oliver Nelle (beide Landesamt für Denkmalpflege) nahe, dass das zu diesem Zeitpunkt in Schwemmland verwandelte Feuchtgebiet wertvolle Nahrungsressourcen lieferten. Unter anderem konnten die Menschen wilde Früchte, beispielsweise Äpfel, sowie Haselnüsse ernten. Zudem bot die nährstoffreiche Auenlandschaft eine gute Grundlage für die älteste Landwirtschaft. Aus den Funden lässt sich schließen, dass diese auf geschältem Weizen ‒ meistens Emmer und Einkorn ‒ und Hülsenfrüchten wie Erbsen und Linsen basierte.</p><p>„Diese Studie aus dem Südwesten ist eine der wenigen in Deutschland, in denen lokale, kontinuierliche Umweltinformationen der Vergangenheit aus Sedimentkernen direkt neben einer Ausgrabungsstätte gewonnen und in den archäologischen Kontext integriert werden konnten“, sagt Annett Junginger. „Mit dieser Kombination konnten wir unser Wissen und Verständnis erweitern, wie eine sich verändernde Umwelt und die Menschen sich gegenseitig beeinflussten.“</p><p>&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Shaddai Heidgen, Elena Marinova, Raiko Krauß, Oliver Nelle, Martin Ebner, Tanja Märkle, Tatiana Miranda, Jörg Bofinger, Stefan Klingler, Annett Junginger: “Palaeoenvironment and potential resources for early Holocene subsistence in the Ammer River Valley (Germany) based on palaeoecological and bioarchaeological evidence.” Quaternary International, <a href="https://doi.org/10.1016/j.quaint.2020.05.038" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.quaint.2020.05.038</a>&nbsp;</p><p>Die Publikation ist Teil des Sonderbandes „LBK &amp; Vinča – Formation and Transformation of Early Neolithic Lifestyles in Europe in the second half of the 6th millennium BC“ der Fachzeitschrift Quaternary International. Dieser wurde von Professor Raiko Krauß (Universität Tübingen), Dr. Jörg Bofinger (LAD) und Dr. Bernhard Weninger (Universität Köln) ediert und fasst die wichtigsten Beiträge einer internationalen Tagung zusammen, die vom 21.-23. März 2019 an der Universität Tübingen stattfand. Die Konferenz wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land Baden-Württemberg finanziert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53989</guid><pubDate>Tue, 28 Jul 2020 09:20:50 +0200</pubDate><title>27. Tübinger Erbe-Lauf findet virtuell statt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/27-tuebinger-erbe-lauf-findet-virtuell-statt/</link><description>Am 20. September fällt der Startschuss</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund der Covid-19-Pandemie kann der 27. Tübinger Erbe-Lauf in diesem Jahr nicht im gewohnten Format stattfinden. Um dennoch ein tolles Event zu bieten, hat das Organisationsteam um Judith Wais vom Institut für Sportwissenschaft in enger Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen den <em>ersten virtuellen Erbe-Lauf</em> konzipiert. Ermöglicht wird dies auch durch die Unterstützung der Partner des Erbe-Laufes, die Ihr Engagement bei der virtuellen Premiere fortsetzen.</p><p>Bereits für das Vorbereitungstraining werden verschiedene Inhalte online bereitgestellt. Über die Veranstaltungswebseite und Kanäle der sozialen Medien stehen neben Trainings- und Streckenplänen auch Videosequenzen zu ergänzenden funktionellen Trainingseinheiten zur Verfügung. Zudem werden Expertentipps zu laufspezifischen Themen, wie z.B. Grundlagen der Trainingslehre, Ernährung, Verletzungsprophylaxe beim Laufen etc., veröffentlicht. Im Rahmen des virtuellen Vorbereitungstrainings wird es jede Woche eine Challenge mit attraktiven Preisen geben.</p><p>Zusätzlich zur virtuellen Ausrichtung werden ab dem 30. Juli auch reale Trainingseinheiten angeboten. Dies ermöglicht die ab dem 1. Juli 2020 gültige Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums, die Sport in Kleingruppen mit bis zu 20 Personen wieder erlaubt. Für das Vorbereitungstraining werden drei Trainingsgruppen mit unterschiedlichem Leistungsniveau gebildet. Die fachkundige Betreuung erfolgt in bewährter Form durch erfahrene Trainer und Athleten der LAV Stadtwerke Tübingen. Das Training findet donnerstags um 19 Uhr statt. Gelaufen wird von der Fitnessstation Sand aus (Sandweg Ecke Falkenweg). Die Teilnahme ist kostenlos, aber nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Die Teilnehmerzahl ist limitiert.</p><p>Der virtuelle Erbe-Lauf findet im Zeitraum vom 20.09. – 27.09.2020 statt. Die Anmeldung erfolgt über ein Online-Anmeldportal. Mit Zusendung der Anmeldebestätigung erhält man eine Startnummer zum Selbstausdruck. Das Anmeldeportal ist über die Veranstaltungswebseite zu erreichen und wird voraussichtlich ab Mitte August freigeschaltet.</p><p>Mit dem symbolischen Startschuss am 20. September haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Woche Zeit, eine selbstgewählte Strecke in Angriff zu nehmen. Dabei können verschiedene Distanzen, auch mehrmals, absolviert werden – gehend, laufend oder mit dem Handbike. Die eigene Aktivität wird über eine beliebige App erfasst und im Online-Portal eingetragen. Auch eine Teamwertung wird angeboten. Das Ziel besteht darin, innerhalb des Zeitraumes möglichst viele Kilometer für das Team (z.B. Firmen-, Vereins-, Schulteams) zu sammeln. Hierbei sind tagesaktuelle Zwischenstände im Online-Portal einsehbar. Ebenso stehen dort Urkunden zum Herunterladen bereit.</p><p>Für Grundschülerinnen und -schüler gibt es ein gesondertes Angebot. Hier werden Laufwettbewerbe an der jeweiligen Schule mit begrenzten Teilnehmerzahlen durchgeführt.</p><p>Das Organisationsteam freut sich auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am <em>virtuellen Erbe-Lauf</em> und wünscht eine gute Vorbereitung.</p><h3>Weitere Informationen</h3><p>Der Anmeldezeitraum für den virtuellen Erbe-Lauf ist vom<strong> 17.08. – 17.09.2020</strong>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53902</guid><pubDate>Wed, 22 Jul 2020 20:00:00 +0200</pubDate><title>Sag‘ mir, was der Fuchs fraß, und ich sage dir, wie der Mensch zu ihm stand</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sag-mir-was-der-fuchs-frass-und-ich-sage-dir-wie-der-mensch-zu-ihm-stand/</link><description>Forschungsteam untersucht, was Knochen des Kulturfolgers über sein Lebensumfeld vor rund 40.000 Jahren verraten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Füchse passten sich schon vor 40.000 Jahren an Menschen an und änderten ihr Nahrungsspektrum. Diese Entwicklung fiel mit dem Auftreten des modernen Menschen in Südwestdeutschland zusammen, als die Höhlen der Schwäbischen Alb stärker genutzt wurden. Die hauptsächliche Ernährungsweise des Fuchses und seine Beziehungen zum Menschen untersuchte ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen für den Zeitraum vor 42.000 bis 32.000 Jahren. Dafür haben die Teammitglieder Chris Baumann, Professor Hervé Bocherens, Dr. Dorothée Drucker und Professor Nicholas Conard Isotopenanalysen von Fuchsknochen aus verschiedenen Fundstellen Südwestdeutschlands, mehreren Höhlen auf der Schwäbischen Alb, herangezogen. Neben den Füchsen, die in der Nähe von Menschen lebten, gab es auch solche, die unabhängig waren und selbst auf die Jagd gingen oder sich an der Beute großer Raubtiere bedienten. Die Ergebnisse hat das Forschungsteam in der Fachzeitschrift<em> PlosONE</em> veröffentlicht.</p><p>Menschen nahmen schon früh Einfluss auf ihre Umwelt. So wird vermutet, dass sie durch ihr Jagdverhalten im späten Pleistozän das Aussterben großer Pflanzenfresser mit verursachten. „Wir haben nun untersucht, ob die Jagdaktivitäten der Menschen manchen Tierarten auch Vorteile verschafft haben könnten“, sagt Chris Baumann. Ursprünglich hätten Rotfuchs und Polarfuchs <em>(Vulpes vulpes</em> und <em>Vulpes lagopus</em>) hauptsächlich von der Jagd auf kleine Säugetiere gelebt. „So war es im Mittelpaläolithikum vor mehr als 42.000 Jahren“, sagt der Wissenschaftler. „Das war in Südwestdeutschland die Zeit der Neandertaler, und die Schwäbische Alb war kaum besiedelt.“</p><h3>Eine neue ökologische Nische</h3><p>Als seit dem Jungpaläolithikum, in den Kulturperioden des Aurignacien (42.000 bis 34.000 Jahre vor heute) und Gravettian (34.000 bis 30.000 Jahre vor heute) der moderne Mensch in die Region einwanderte und die Höhlen auf der Schwäbischen Alb stärker genutzt wurden, ergab sich für die Füchse eine neue ökologische Nische. „Die Daten aus den Isotopenanalysen der Fuchsknochen deuten darauf hin, dass sich die Nahrungszusammensetzung etlicher Tiere änderte. Wir gehen davon aus, dass diese Füchse sich nun überwiegend von Fleischabfällen ernährten, die Menschen hinterlassen hatten, oder vielleicht sogar von ihnen gefüttert wurden“, sagt Hervé Bocherens. Dabei handelte es sich um Fleisch von großen Tieren, die die Füchse nicht selbst erbeuten konnten wie Mammuts und Rentiere.</p><p>„Die Menschen brachten erlegte Rentiere im Ganzen in ihre Höhlen. Dagegen wurden die riesigen Mammuts vor Ort zerlegt, dort wo sie getötet wurden“, erklärt Baumann. Die Füchse nutzten wahrscheinlich beides als Nahrungsquelle. Sie seien sehr flexibel und stellten sich schnell auf das am leichtesten zu erreichende Futter ein. Auch heute sei bei Füchsen zu beobachten, dass sie sich in der Nähe von menschlichen Siedlungen überwiegend von Abfällen ernährten. Umgekehrt seien in der Vogelherd-Höhle bei Niederstotzingen im Lonetal Unterkiefer von Füchsen mit Schnittspuren aus dem Jungpaläolithikum gefunden worden, die zeigten, dass Menschen Fleisch und Fell der Füchse nutzten.</p><h3>Hund, Fuchs und Wolf</h3><p>In einer vorhergehenden Publikation hatte das Forschungsteam das Nahrungsspektrum von Hund, Fuchs und Wolf im Zeitraum zwischen 17.000 und 13.000 Jahren vor heute, der Kulturperiode des Magdalenien, von mehreren Fundstätten in Südwestdeutschland und der Schweiz untersucht. „Die Wölfe ernährten sich von einem weiten Spektrum von Beutetieren, während Hunde bei ihrem Futter von Menschen abhingen“, fasst Baumann die Ergebnisse zusammen. Die meisten Füchse besetzten eine eigene ökologische Nische und ernährten sich von kleinen Säugetieren. „Es gab jedoch einen Rotfuchs, der ein ähnliches Nahrungsspektrum hatte wie die Hunde. Er lebte in der Nähe von Menschen, wie heutige Füchse in den Städten.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53811</guid><pubDate>Mon, 20 Jul 2020 12:51:19 +0200</pubDate><title>Werkzeug-Satz aus Elfenbein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/werkzeug-satz-aus-elfenbein/</link><description>Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren neue Funde</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Hohle Fels am Rande der Schwäbischen Alb war in der jüngeren Altsteinzeit eine bedeutsame Elfenbeinwerkstatt: Große Mengen an Spänen und Splittern von Mammutstoßzähnen, aber auch spektakuläre Schnitzarbeiten wie die weltberühmte Venus wurden in der Höhle geborgen. Neue Funde könnten nun genaueren Aufschluss darüber geben, welche Werkzeugtechniken die Menschen vor 38.000 Jahren anwandten: Professor Nicholas Conard und Dr. Sibylle Wolf vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen präsentierten am Montag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren drei Meißel aus Mammutelfenbein, die vermutlich unterschiedlichen handwerklichen Zwecken dienten. Die Fundstücke werden im Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2019“ des Landesamts für Denkmalpflege vorgestellt, das diese Woche erscheint.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53787</guid><pubDate>Fri, 17 Jul 2020 14:40:06 +0200</pubDate><title>„Dental Things“ gehen online</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dental-things-gehen-online/</link><description>MUT zeigt Ausstellung im Internet: Studierende bearbeiten in Praxisseminar die Zahnmedizinische Sammlung der Universität </description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Zahnmedizinische Sammlung der Universität Tübingen kann ab sofort in einer virtuellen Ausstellung auf der Homepage des Museums der Universität Tübingen MUT besucht werden. Im Rahmen des Praxisseminars „Dental|Things – eine zahnmedizinische Ausstellung“ haben Studierende des Masterprofils „Museum und Sammlungen“ die Sammlung der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Tübingen aufgearbeitet. Nach einer intensiven zweisemestrigen Vorarbeit wurde die Online-Ausstellung nun freigeschaltet.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53781</guid><pubDate>Fri, 17 Jul 2020 12:17:12 +0200</pubDate><title> Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-8/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen vier Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53661</guid><pubDate>Tue, 14 Jul 2020 10:30:40 +0200</pubDate><title>Katzen: Unabhängig seit 6000 Jahren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/katzen-unabhaengig-seit-6000-jahren/</link><description>Urahnen der Hauskatzen lebten opportunistisch</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende des Senckenberg Centers for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team die Nahrungsgewohnheiten der Vorfahren heutiger Hauskatzen untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die ersten aus Europa bekannten Katzen sich nicht vom Menschen abhängig machten. Stattdessen ernährten sich die Tiere vor 6200 bis 4300 Jahren sowohl von Wildtieren, als auch von Nagetieren, die im Zusammenhang mit menschlicher Landwirtschaft standen. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „PNAS“.</p><p>Die Falbkatze (<em>Felis silvestris lybica</em>) ist der Urahn aller heutigen Hauskatzen. Ursprünglich stammen die sandfarbenen Tiere vom afrikanischen Kontinent. „Vor etwa 6000 Jahren etablierten sich &nbsp;die Tiere auch in Europa und breiteten sich dort als Hauskatzen aus“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Die ältesten Fossilien sind ungefähr 6200 Jahre alt und wurden in Polen gefunden. Uns hat interessiert wie es zu der Domestizierung der Tiere nach ihrer Einwanderung kam.“</p><p>Um diesen Fragen auf die Spur zu kommen, hat Bocherens mit Erstautorin Magdalena Krajcarz von der Nikolaus-Kopernikus- Universität im polnischen Toruń und einem internationalen Team stabile Isotope im Knochenkollagen der Katzenfossilien gemessen. Anhand der unterschiedlichen Isotopenverhältnisse lassen sich Rückschlüsse auf die Ernährung der Tiere schließen. „Insgesamt haben wir sechs Katzenfossilien aus polnischen Fossilfundstätten untersucht. Um einen Vergleich zu haben, wurden &nbsp;zudem Fossilien der ältesten aus Polen bekannten domestizierten Katzen, sowie 34 weitere Tiere, die mit den Katzen vor etwa 6000 Jahren in Europa lebten, gemessen“, erläutert der Tübinger Wissenschaftler. Ziel der Studie sei es, auch mit der Erforschung der Ökologie und Soziologie der eingewanderten Falbkatzen, die historische Verbindung von Mensch und Katze zu rekonstruieren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53658</guid><pubDate>Tue, 14 Jul 2020 10:00:29 +0200</pubDate><title>Selbst bei Bakterien können sich Geschwister unterscheiden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/selbst-bei-bakterien-koennen-sich-geschwister-unterscheiden/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht, wie Krankheitserreger durch genetische Variation die Immunreaktion ihres Wirtes beeinflussen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Fortpflanzung des Menschen werden die Gene von Mutter und Vater in unzähligen Variationen kombiniert und vermischt. Ihre Nachkommen können sich untereinander stark unterscheiden. Dagegen vermehren sich Bakterien durch einfache Zellteilung, bei der die beiden Tochterzellen das gleiche Erbgut tragen wie die Mutterzelle. Nun hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Simon Heilbronner vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entdeckt, wie krankheitserregende Bakterien dennoch genetische Varianten unter Geschwisterzellen erzeugen: Bestimmte Abschnitte des Erbguts werden verdoppelt oder vervielfacht. Das verleiht den Bakterien neue Fähigkeiten, die sie in die Lage versetzen, das Immunsystem ihres Wirts zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die Studienergebnisse, die in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht wurden, liefern wichtige Hinweise, wie sich Krankheitserreger im Kampf mit dem menschlichen Immunsystem entwickeln und anpassen.</p><p>Wenn sich Bakterien durch einfache Teilung vermehren, entstehen Klone. Die Zellen haben die gleiche Genausstattung und gleiche Eigenschaften. „Die Bakterien müssen aber flexibel bleiben, ihre Umweltbedingungen ändern sich ständig. Das trifft besonders auf Krankheitserreger zu, die im Kampf mit dem menschlichen Immunsystem bestehen und auch eventuell verabreichte Antibiotika überleben wollen“, sagt Simon Heilbronner. Sein Team hat an dem bakteriellen Krankheitserreger <em>Staphylococcus aureus</em>, der verschiedene Entzündungen verursachen kann, erforscht, wie sich Varianten entwickeln, wenn ein Genaustausch mit anderen Bakteriengemeinschaften nicht möglich ist.</p><h3>Akkordeon-Gene erweitern die Möglichkeiten</h3><p>„Wir haben festgestellt, dass bei <em>Staphylococcus aureus</em> manche Teile des Erbguts als exakte Kopien mehrfach vorliegen können. Dabei variierte&nbsp;die Anzahl solcher Kopien stark zwischen eng verwandten Bakterien“, sagt Heilbronner. Genetische Mechanismen während der Zellteilung führten dazu, dass sich Duplikate im Erbgut der Bakterien multiplizieren können. „Sie können sich ausdehnen und wieder verkürzen ähnlich wie eine Ziehharmonika. Dadurch entstehen im Verlaufe von wenigen Generationen vielfältige Tochterzellen mit unterschiedlichen Eigenschaften.“ Ein erweitertes Erbgut habe eine stärkere Proteinherstellung in der Bakterienzelle zur Folge. „Sind das zum Beispiel zufällig Proteine, die Antibiotika aus der Zelle heraus transportieren oder das Immunsystem beeinflussen, verbessern diese Bakterien ihre Überlebenschancen“, erklärt der Forscher.</p><p>Die Tübinger Forscherinnen und Forscher zeigten nun, dass solche genetischen Prozesse bei <em>Staphylococcus aureus</em> häufig auftreten. „Durch die Gabe von Antibiotika werden sie noch verstärkt. Die Krankheitserreger haben nun bessere Möglichkeiten, auf die menschlichen Immunzellen zu reagieren.“ Das Team geht davon aus, dass diese Prozesse bei der Evolution von erfolgreichen und somit für den Menschen gefährlichen Krankheitserregern von Bedeutung sind. Ihre Erkenntnisse sollen in die Entwicklung neuer Therapieformen im Rahmen des Tübinger Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ einfließen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Darya Belikova, Angelika Jochim, Jeffrey Power, Matthew T. G. Holden &amp; Simon Heilbronner: “Gene accordions“ cause genotypic and phenotypic heterogeneity in clonal populations of <em>Staphylococcus aureus. Nature Communications</em>, <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-020-17277-3" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41467-020-17277-3</a>&nbsp;&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53502</guid><pubDate>Thu, 09 Jul 2020 09:14:49 +0200</pubDate><title>Vom Kommen und Gehen eines Mega-Sees</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vom-kommen-und-gehen-eines-mega-sees/</link><description>Hydrologische Untersuchungen am ostafrikanischen Chew Bahir in der „Wiege der Menschheit“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team in einem abgelegenen Tal in Südäthiopien die 20.000 Jahre zurückreichende Geschichte des Mega-Sees Chew Bahir rekonstruiert. Unter der Leitung von Annett Junginger zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass der See in seiner Geschichte rapiden Wasserspiegelschwankungen unterlag, welche sich direkt auf die vor Ort lebenden Menschen auswirkten. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Earth Science“.</p><p>Wasser ist das wichtigste Grundnahrungsmittel des Menschen. Menschen aller Kulturen strebten und streben danach, sich an Orten anzusiedeln, die nicht zu weit von sauberem Trinkwasser entfernt liegen – so auch seit 20.000 Jahren im Süden Äthiopiens am heutigen Chew Bahir-See.</p><p>Derzeit ist dieser See nahezu vollständig ausgetrocknet. „In der Vergangenheit führte der See aber immer wieder enorme Mengen an Wasser und erreichte Ausdehnungen von der fünffachen Größe des Bodensees!“, erklärt Markus Fischer, Erstautor und Doktorand an der Universität Tübingen und fährt fort: „Wir konnten anhand von hydrologischen Modellierungen und den Sedimenten des&nbsp;Sees enorme und schnell wechselnde Seespiegelschwankungen in dessen Vergangenheit aufzeigen.“</p><p>Die Modellbefunde und Seesedimente des internationalen Forschungsteams belegen eindrucksvoll, dass die ostafrikanische Landschaft immer wieder zwischen wüstenartigen Bedingungen und einem riesigen See wechselten, wobei zwischen dem Austrocknen und Wiederbefüllen des Sees oftmals nur wenige Jahrzehnte lagen. In den immer wieder auftretenden Feuchtphasen seien zwischen 20 und 30 Prozent mehr Regen im Vergleich zu heute gefallen. „Wer als Kind an einem See aufgewachsen ist und vielleicht dort den Fischfang gelernt hat, war im Erwachsenenalter eventuell mit einem ausgetrockneten See konfrontiert“, ergänzt Fischer.</p><p>Inwiefern die damaligen Menschen auf die Umweltveränderungen reagiert haben ist auf Grund der sehr lückenhaften archäologischen Datengrundlage weitestgehend unklar. Jedoch diskutieren Fischer und seine Koautorinnen und -autoren die Beobachtung, dass während der kurzzeitigen, nur wenige zehn bis hundert Jahren dauernden,&nbsp;Austrocknungen des Chew-Bahir-Sees die Siedlungsaktivitäten in den angrenzenden äthiopischen Hochländern zugenommen haben. „Dies könnte darauf hindeuten, dass die damaligen Menschen in die kühleren und feuchteren Berge auswichen&nbsp;und womöglich ihre Nahrungsbeschaffung kurzfristig ändern mussten. Mit dem Eintreten feuchterer Bedingungen könnten sie jedoch in die tiefer gelegenen Täler des Grabenbruchs mit seinen großen Seen zurückgekehrt sein“, erläutert Junginger.</p><p>Laut der Studie könnte erst eine über mehrere hunderte von Jahren dauernde Zeit klimatischer Instabilität in Richtung immer trockener werdenden Klimas zu einem kulturellen Umbruch führen, bei welchem ein Übergang von hauptsächlich Jägern und Sammlern zur sesshaften Viehhaltung vollzogen wurde. Umweltveränderungen als Stressfaktor und daraus resultierende Migration könnten also einen Rahmen gegeben haben, in welchem sich neue Verhaltensstrategien entwickeln und durchsetzen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53457</guid><pubDate>Wed, 08 Jul 2020 17:00:00 +0200</pubDate><title>Neue Wege zu gesunden Proteinen außerhalb der Zelle</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-wege-zu-gesunden-proteinen-ausserhalb-der-zelle/</link><description>Team der Universität Tübingen identifiziert Regulatoren der extrazellulären Proteinqualität, die eine Rolle bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen spielen könnten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit steigendem Alter und vor allem bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer treten falsch gefaltete Proteine auf, die innerhalb und außerhalb der Zellen schädliche Ablagerungen bilden. Aus den Zellen ausgeschiedene Proteine spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Körperfunktionen und bei der Bekämpfung von Infektionen. Nun hat ein Forschungsteam der Universität Tübingen Mechanismen entdeckt, die Proteine außerhalb der Zelle daran hindern, Ablagerungen zu bilden. Das Team wird geleitet von der Altersforscherin Dr. Della David vom Interfakultären Institut für Biochemie und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Die neuen Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Aufrechterhaltung von in Körperflüssigkeiten befindlichen Proteinen in ihrer korrekten Form sowohl vor Alterung als auch vor Infektionen schützen. Die Studie wurde in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift <em>Nature </em>veröffentlicht.</p><p>Proteine sind im Körper Baustoffe der Zellen, sie sind aber zum Beispiel als Enzyme auch für viele Abläufe des Stoffwechsels zuständig. Dafür müssen die langen Aminosäureketten, aus denen Proteine bestehen, korrekt in ihre dreidimensionale Form gefaltet werden. „Jahrzehntelang haben sich Forscherinnen und Forscher auf Kontrollmechanismen der Proteinqualität in der Zelle konzentriert, mit denen sich schädliche Ablagerungen vermeiden lassen“, sagt Della David. Doch träten Ablagerungen fehlgefalteter Proteine auch außerhalb der Zellen auf. „Bisher wusste man sehr wenig über ihre Regulation, da der Prozess an Versuchstieren, wie zum Beispiel Mäusen, schwer zu untersuchen ist“, sagt sie.</p><h3>Ein neues Modell für die extrazelluläre Proteinablagerung</h3><p>An dem winzigen Fadenwurm <em>Caenorhabditis elegans</em> entwickelten David, ihre Kolleginnen und Kollegen ein neues Modell zur Untersuchung der extrazellulären Proteinablagerung. Bei dem Fadenwurm entdeckten sie 57 Regulatoren der Proteinablagerung außerhalb der Zellen. Gemeinsam mit Dr. Martin Haslbeck von der TU München identifizierten sie den ersten extrazellulären Regulator in den Würmern, der an ausgeschiedene falsch gefaltete Proteine bindet und sie stabilisiert. „Wir wussten, dass eine bessere Kontrolle der Proteinqualität in der Zelle den Tieren zu einem längeren Leben verhilft. Nun konnten wir belegen, dass dies auch bei der extrazellulären Kontrolle der Fall ist“, sagt David. „Erstaunlicherweise mobilisieren die Würmer diese extrazellulären Regulatoren in Antwort auf eine Infektion mit Krankheitserregern.“ Ivan Gallotta, der Erstautor der Studie, setzt hinzu: „Wir waren überrascht, dass Würmer, die über eine bessere Kontrolle der extrazellulären Proteinqualität verfügten, einen Angriff von Krankheitserregern bis zu 30 Prozent länger überlebten.“ Dass die extrazellulären Regulatoren die Immunantwort der Tiere verstärken, stellten die Forscher in einer Kooperation mit Professor Ralf Sommer vom Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie fest.</p><p>„Viele Mechanismen und Proteinfunktionen sind bei Würmern und Menschen sehr ähnlich“, sagt Maximilian Peters von der Hebrew University in Jerusalem, der auch an der Studie beteiligt war. Er identifizierte die menschlichen Proteine, die den extrazellulären Regulatoren beim Wurm am ähnlichsten sind. „Als nächstes wollen wir untersuchen, ob diese Regulatoren aktiv werden können gegen extrazelluläre Beta-Amyloid-Proteinablagerungen, wie sie im Gehirn von Alzheimerpatienten zu finden sind“, sagt David. Sie will über die Ergebnisse neue Wege für die Suche nach effektiven Alzheimertherapien öffnen. „Bessere Kenntnisse über die extrazelluläre Proteinqualitätskontrolle könnten auch dazu beitragen, mehr über das gesunde Altern und den Schutz vor Infektionen zu erfahren.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Gallotta I., Sandhu A., Peters M., Haslbeck M., Jung R., Agilkaya S., Blersch J. L., Rödelsperger C., Röseler W., Huang C., Sommer R.J., David D.C.: Extracellular proteostasis prevents aggregation during pathogenic attack. Nature, DOI 10.1038/s41586-020-2461-z; <a href="https://dx.doi.org/10.1038/s41586-020-2461-z" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1038/s41586-020-2461-z</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53442</guid><pubDate>Tue, 07 Jul 2020 13:28:07 +0200</pubDate><title>Verbotene Kräuter? Die Wirkung von Cannabis war schon vor 250 Jahren Streitthema</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/verbotene-kraeuter-die-wirkung-von-cannabis-war-schon-vor-250-jahren-streitthema/</link><description>Tübinger Historikerin rekonstruiert einen Legalisierungsdiskurs zwischen Wissenschaft und Kirche aus dem 18. Jahrhundert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Soll Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert werden oder bleibt es eine illegale Droge? Dies wird seit Jahren in vielen Ländern diskutiert ‒ und ist doch schon wesentlich länger Streitpunkt als gedacht: Bereits im Mexiko des 18. Jahrhunderts warb der Priester und Wissenschaftler José Antonio Alzate y Ramírez für die heilende Wirkung der umstrittenen Pflanze – und legte sich dabei mit der spanischen Kolonialmacht und der Inquisition an. Die Historikerin Dr. Laura Dierksmeier vom Sonderforschungsbereich RessourcenKulturen an der Universität Tübingen untersucht die damalige öffentliche Auseinandersetzung dazu in Mexiko. Ihre Studie „Forbidden herbs: Alzate’s defense of ‚pipiltzintzintlis‘“ wurde am 07. Juli im Journal <em>Colonial Latin American Review</em> veröffentlicht.</p><p>In einem Zeitungsartikel von 1772 verteidigte Alzate Cannabis, das er unter dem Namen „Pipiltzintzintlis“ aus eigenen Anbau kannte: Er schrieb ihm einen wertvollen medizinischen Nutzen für die Behandlung von Husten, Gelbsucht, Tinnitus, Tumoren, Depressionen und vielem mehr zu. Zudem hielt er die Hanfpflanze für einen hervorragenden Rohstoff zur Herstellung von Seilen für Segelschiffe. Die Spanische Inquisition betrachtete das Halluzinogen hingegen als ein Mittel, um mit dem Teufel in Verbindung zu treten und hatte es daher verboten ‒ genauso wie viele andere psychoaktive Pflanzen oder Verhaltensweisen, die christlichen Grundsätzen angeblich widersprachen.</p><p>José Antonio Alzate y Ramírez (1737 - 1799) hatte eine Mission: er wollte der mexikanischen Öffentlichkeit wissenschaftliche und vor allem naturkundliche Erkenntnisse näher bringen. Im Laufe seines Lebens war er Herausgeber vier verschiedener Zeitungen, Mitglied des königlichen botanischen Gartens in Madrid und korrespondierendes Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53418</guid><pubDate>Mon, 06 Jul 2020 15:01:38 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen bestätigt Rektoratsmitglieder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-bestaetigt-rektoratsmitglieder/</link><description>Wahl in Senat und Universitätsrat: Karin Amos, Peter Grathwohl und Monique Scheer gehören für eine weitere Wahlperiode der Universitätsleitung an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senat und Universitätsrat der Universität Tübingen haben am Montag die Prorektorinnen und Prorektoren der Universität gewählt: Alle drei derzeitigen Amtsinhaber wurden mit großer Mehrheit für eine weitere Wahlperiode bestätigt. Gegenkandidaten hatten sich nicht zur Wahl gestellt. Mit dem Votum des Senats bleibt Professorin Dr. Karin Amos als nebenamtliche Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre für weitere vier Jahre im Amt. Professor Dr. Peter Grathwohl wurde von Senat und Universitätsrat für weitere acht Jahre als hauptamtlicher Prorektor für Forschung und Innovation bestätigt. Professorin Dr. Monique Scheer wurde ebenfalls von Senat und Universitätsrat als Prorektorin für Internationales wiedergewählt. Da sie künftig hauptamtlich tätig ist, beträgt ihre Amtszeit nun acht Jahre; ihr Amt wird um die Zuständigkeit für den Bereich „Diversität“ erweitert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-53025</guid><pubDate>Tue, 23 Jun 2020 08:59:16 +0200</pubDate><title>Jede fünfte Schulleitung will ihre Schule verlassen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/jede-fuenfte-schulleitung-will-ihre-schule-verlassen/</link><description>Forschungsteam befragte Führungskräfte an Schulen in ganz Deutschland: Ideal und Berufsalltag klaffen oft weit auseinander</description><content:encoded><![CDATA[<p>Jede fünfte Schulleitung in Deutschland würde lieber den Arbeitsplatz wechseln. Dies zeigt die für Deutschland repräsentative Studie „Leadership in German Schools (LineS2020)“ zu den Karrieren von Schulleiterinnen und Schulleitern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Lüneburg und der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz hatten 405 Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen befragt. Unter anderem wollten sie herausfinden, warum Menschen eine Schulleitung annehmen (oder eben nicht), ob und warum sie einen Arbeitsplatzwechsel in Betracht ziehen und in welchem Maße dies einen Einfluss darauf hat, Schulen in Deutschland fit für die Zukunft zu machen.</p><p>Deutschlandweit sind derzeit etwa 1.000 Schulleitungen unbesetzt, insbesondere an Grundschulen. Aber auch vergebene Stellen sind oft Wackelkandidaten: Die Studie zeigt, dass 20 Prozent aller Schulleiterinnen und Schulleiter darüber nachdenken, nochmals die Stelle zu wechseln. Insbesondere an Haupt- und Realschulen (24%) sowie an Grundschulen (23%) ist die Wechselbereitschaft hoch. Als Gründe gaben die Befragten einen Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung an (52%), aber häufig auch die als unangemessen erachtete Bezahlung (44%) oder fehlende Unterstützung (31%).</p><p>„Unsere Befragung zeigt: Die Gründe für die Berufswahl und die Arbeitsrealität von Schulleitungen klaffen weit auseinander“, sagt Professionsforscher Professor Colin Cramer, der an der Universität Tübingen für die Studie verantwortlich ist. Mit 93 Prozent hätten nahezu alle Schulleitungen in Deutschland als Motivation für ihre Tätigkeit angegeben, das Amt eröffne die Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln und zu erproben. In der Praxis verbrächten sie jedoch die meiste Zeit damit, einen reibungslosen Alltag an Schulen sicherzustellen, so 67 Prozent der Befragten. Nur 16 Prozent bestätigten, ausreichend Zeit für neue Ideen und die Umsetzung von Innovationen zu haben.</p><p>Die Motivation scheint hoch: 95 Prozent der Schulleitungen berichten, Freude an ihrer Arbeit zu haben, 88 Prozent erleben ihre Tätigkeit als inspirierend. Dennoch gibt mehr als die Hälfte (53%) an, unter Stress und Überlastung zu leiden. Rund jede vierte Schulleitung (24%) empfindet ein Missverhältnis von beruflicher Verausgabung einerseits und beruflicher Entlohnung durch Einkommen und Anerkennung andererseits ‒ die Wissenschaft spricht hier von einer „beruflichen Gratifikationskrise“. Bei etwa jeder sechsten Schulleitung (16%) fand das Forschungsteam darüber hinaus Hinweise auf einen Burnout.</p><p>„Schulleitungen in Deutschland sind grundsätzlich zufrieden mit ihrer Aufgabe und haben Freude daran. Es bleibt ihnen angesichts vielfältiger Verwaltungsaufgaben aber wenig Zeit, ihre Schule weiterzuentwickeln und sie damit auf künftige Herausforderungen vorzubereiten“, sagt Cramer. So nehme die Arbeitszufriedenheit gerade in besonders fordernden Situationen wie der Corona-Krise merklich ab. Innovationen, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung, müssten unter Hochdruck nachgeholt werden. „Zukunftsfähige Schulen brauchen offenbar Schulleitungen, die mehr Freiraum für die erforderlichen Innovationen haben ‒ hier kommt Schulleitungen in Deutschland eine besondere Chance und zugleich Verantwortung zu.“</p><h3>Die Studie</h3><p>Grundlage der Studie Leadership in German Schools (LineS2020) ist ein für Deutschland repräsentativer Datensatz (n = 405) zu Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen, der über den Felddienstleister forsa GmbH von Oktober bis November 2019 durch eine Online-Befragung erhoben wurde. Das Projekt nutzt ein Messwiederholungsdesign, um Schulleitungen wiederholt zu befragen. Eine erste Folgeerhebung wurde während der bundesweiten Schulschließungen im April und Mai 2020 realisiert. Verantwortet wird die Studie von Forschenden an den Universitäten Tübingen (Prof. Dr. Colin Cramer, Dr. Jana Groß Ophoff) und Lüneburg (PD Dr. Marcus Pietsch) sowie von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (Prof. Dr. Pierre Tulowitzki).</p><h3>Bericht und Grafiken zum Download</h3><p>Ein Kurzbericht zur Studie mit weiterführenden Informationen und Grafiken zur Weiterverwendung stehen zum Download bereit unter: <a href="https://www.doi.org/10.17605/OSF.IO/GNCFU" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.doi.org/10.17605/OSF.IO/GNCFU</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52908</guid><pubDate>Wed, 17 Jun 2020 12:16:55 +0200</pubDate><title>27. Tübinger Erbe-Lauf in neuem Format </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/27-tuebinger-erbe-lauf-in-neuem-format/</link><description>Premiere für virtuellen Erbe-Lauf: Sportveranstaltung findet im September online statt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund der durch die Covid-19-Pandemie bedingten Einschränkungen kann der 27. Tübinger Erbe-Lauf in diesem Jahr nicht im gewohnten Format stattfinden. Mit über 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, mehreren Tausend Zuschauerinnen und Zuschauern entlang der Strecke sowie den zahlreichen Helferteams lassen sich Abstands- und Hygieneauflagen nicht umsetzen. Das Risiko einer Gesundheitsgefährdung aller Beteiligten wäre zu hoch.&nbsp;</p><p>Um den Läuferinnen und Läufern dennoch ein tolles Event zu bieten, erarbeitet das Organisationsteam um Judith Wais vom Institut für Sportwissenschaft in enger Kooperation mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen derzeit ein Konzept für den ersten virtuellen Erbe-Lauf.&nbsp;</p><p>Die Entscheidung für ein virtuelles Konzept wurde gemeinsam von der Universität Tübingen mit dem Institut für Sportwissenschaft, der LAV und dem Hauptsponsor, der Erbe Elektromedizin GmbH, getroffen. Christian O. Erbe, geschäftsführender Gesellschafter und Chief Executive Officer der Erbe Elektromedizin GmbH, betont, wie wichtig es gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist, sich körperlich zu betätigen und hat sein Engagement als Hauptsponsor auch für die virtuelle Premiere zugesichert: „Gerade in Zeiten einer Pandemie dürfen wir nicht am Spielfeldrand stehen. Wir müssen selber aktiv werden um engagiert gegen die Krise zu kämpfen. Dazu zählt in besonderem Maße die Gesundheit und der Sport um diese zu erhalten.“&nbsp;</p><p>Geplant sind verschiedene Online-Angebote und Challenges für einzelne Personen und Teams (z.B. Firmen-, Vereins-, Schulteams) sowie unterschiedliche Leistung- und Altersgruppen. Auch das Vorbereitungstraining auf den Erbe-Lauf findet dieses Jahr virtuell statt. Unter bewährter und qualifizierter Anleitung der LAV sind verschiedene Online-Angebote (z.B. Trainingsgestaltung, Funktionstraining, Expertentipps) angedacht.&nbsp;</p><p>Das finale Konzept wird voraussichtlich Mitte Juli vorgestellt. Bis dahin bitten wir um Geduld. Wir freuen uns bereits jetzt auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am virtuellen Erbe-Lauf.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52779</guid><pubDate>Fri, 12 Jun 2020 09:27:04 +0200</pubDate><title>Frühstück mit Claus Kleber</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehstueck-mit-claus-kleber/</link><description>Nachrichtenmoderator spricht in der Morgensendung der Medizinischen Fakultät über Wissenschafts- und Boulevardjournalismus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 15. Juni, um 8 Uhr ist Moderator Claus Kleber aus dem ZDF heute journal zu Gast im Frühstücksfernsehen der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. Professor Bernhard Hirt wird mit dem Journalisten über Wissenschafts- und Boulevardjournalismus, den Pressekodex, „gefährliche“ Fake-News und Corona-Verschwörungstheorien sprechen.</p><p>Seit Mitte April sendet die Fakultät ein tägliches Frühstücksfernsehen unter der Moderation von Bernhard Hirt. In der Sendung werden aktuelle Informationen zu Studium und Lehre präsentiert sowie ein täglich wechselnder Gast, der über seine Arbeit und Erfahrungen in der Coronakrise berichtet.</p><p>Bisherige Gäste beim Frühstücksfernsehen waren unter anderem Schauspieler Jan Josef Liefers, Professor Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, und Professor Thomas Walter, Dekan des Fachbereichs Informatik.</p><p>YouTube-Kanal der Core Facility Medientechnik Medizin Tübingen (CoMMT): <a href="https://www.youtube.com/c/commt" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/c/commt</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52758</guid><pubDate>Wed, 10 Jun 2020 12:46:36 +0200</pubDate><title>Affen reagieren auf Animationen im Hollywood-Stil </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/affen-reagieren-auf-animationen-im-hollywood-stil/</link><description>Rhesusaffen akzeptieren einen naturalistisch aussehenden Affen-Avatar als Artgenossen und begegnen ihm mit ihrer artspezifischen Mimik. Unrealistische Avatare ignorieren sie dagegen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wer mehr über das soziale Miteinander von Affen lernen möchte, muss den Tieren die Gesichtsausdrücke ihrer Artgenossen in kontrollierter Weise präsentieren. Das ist mit Videos von echten Affen allein nicht möglich. Deshalb haben Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler der Arbeitsgruppen von Professor Peter Thier und Professor Martin Giese vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen einen Affen-Avatar entwickelt, der diesen Anforderungen genügt. &nbsp;</p><p>Allerdings gibt es den sogenannten „Uncanny Valley“-Effekt. Dieser Effekt besagt, dass menschenähnliche Avatare bei menschlichen Betrachtern Befremden hervorrufen, wenn die Avatare zu realistisch sind. Dieser Effekt ist auch bei Affen nachgewiesen worden. Das ist ein starkes Argument dafür, dass die Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken bei Menschen und Affen auf ähnlichen Mechanismen beruht. Die Tübinger Wissenschaftler zeigen nun in der Online-Fachzeitschrift eNeuro, dass der „Uncanny Valley“-Effekt bei Rhesusaffen überwunden werden kann. Die Tiere lehnen Avatare ab, die dem natürlichen Vorbild nicht nahekommen, akzeptieren jedoch eine natürlich anmutende Version und eine völlig fremde Form. „Wir bestätigen nicht nur, dass es den „Uncanny-Valley“-Effekt bei Rhesusaffen tatsächlich gibt, sondern zeigen auch, dass die Affen auf einen sehr natürlich anmutenden Avatar mit arttypischem Verhalten reagieren“, sagt Professor Thier.&nbsp;</p><p>Er und Professor Giese werden den akzeptierten Avatar nutzen, um zu verstehen, wie Rhesusaffen den Gesichtsausdruck ihrer Artgenossen wahrnehmen und angemessen darauf reagieren. „Solche Untersuchungen können uns helfen, herauszufinden, warum Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung Schwierigkeiten haben, den Gesichtsausdruck und den Blick des anderen zu verstehen und damit umzugehen“, sagt Ramona Siebert, die Erstautorin der Studie. „Gesichtsausdrücke zu interpretieren ist eine Kernfunktion menschlicher Kommunikation“, so Professor Thier. &nbsp;„Wir haben durch die Verwendung des Avatars die Chance, zu verstehen, worauf das Kommunikationsdefizit beim menschlichen Autismus beruht“.&nbsp;</p><p>Die Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben mit vier verschiedenen Avataren gearbeitet, die Nick Taubert entwickelt hat: einem natürlich aussehenden Avatar mit Fell und Gesichtsdetails, einem Avatar ohne Fell, einem Graustufen-Avatar und einem Gittermodell-Avatar. Zudem zeigten sie den Versuchstieren auch Videoaufnahmen von Gesichtsausdrücken ihrer Artgenossen. Die Rhesusaffen schauten auf das Gittermodell, vermieden allerdings den Blick auf den Graustufen-Avatar und den Avatar ohne Fell, was dem „Uncanny-Valley-Effekt“ entspricht. Dabei ging es um fünf Gesichtsausdrücke: um einen neutralen Gesichtsausdruck, eine Drohgebärde, einen ängstlichen Ausdruck, ein freundlich-entgegenkommendes Schmatzen und um einen artifiziellen Ausdruck, den es im Verhaltensrepertoire der Tiere gar nicht gibt.&nbsp;</p><p>Am längsten schauten die Rhesusaffen auf die Drohgebärde, interessierten sich aber auch für den freundlichen und den ängstlichen Ausdruck, für den artifiziellen Ausdruck dagegen kaum. Die Tiere reagierten auf die Videoaufnahmen der lebenden Artgenossen und den natürlichen Avatar am ehesten mit einer freundlichen Geste. Die unnatürlichen Avatare lehnten sie noch stärker ab, wenn diese den jeweiligen Gesichtsausdruck als Bewegung präsentierten, nicht als statisches Bild. Das ist auch beim Menschen so. Nicht gemochte Avatare werden als Animationen noch weniger akzeptiert als in Form eines statischen Bildes. Die Tübinger Wissenschaftler haben mit dem Avatar ein wichtiges Instrument für die weitere Forschung in der Hand.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Siebert, R., Taubert, N., Spadacenta, S. et al. (2020): A naturalistic dynamic monkey head avatar elicits species-typical reactions and overcomes the uncanny valley.&nbsp;Online-Veröffentlichung in eNeuro, doi:10.1523/eneuro.0524-19.200&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52539</guid><pubDate>Fri, 29 May 2020 12:23:21 +0200</pubDate><title>Professor Bernd Pichler neuer Dekan der Medizinischen Fakultät</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/professor-bernd-pichler-neuer-dekan-der-medizinischen-fakultaet/</link><description>Fakultätsrat wählte Nachfolger von Professor Ingo Autenrieth – „Exzellenter Forscher mit hervorragenden internationalen Kontakten“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professor Bernd Pichler ist neuer Dekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Tübingen. Der Fakultätsrat wählte den Direktor der Abteilung für Präklinische Bildgebung und Radiopharmazie am Universitätsklinikum zum Nachfolger von Professor Ingo Autenrieth, der am 1. April Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg geworden war.</p><p>Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, würdigte Pichler als „exzellenten Forscher mit hervorragenden internationalen Kontakten“. Der 50-Jährige habe ganz entscheidenden Anteil daran gehabt, dass Tübingen heute als einer der weltweit führenden Standorte in der präklinischen und translationalen Bildgebung wahrgenommen werde. Der neu gewählte Dekan kündigte an, in den kommenden Jahren die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät weiterentwickeln zu wollen.&nbsp;</p><p>Wichtig sei ihm zudem eine gezielte Förderung von translationaler und klinischer Forschung, von Nachwuchskräften in der Wissenschaft, die Stärkung der exzellenten Lehre und die vermehrte Rekrutierung von leistungsstarken Forscherinnen und Forschern aus dem Ausland, sagte Pichler. Der neue Dekan bekannte sich ausdrücklich zu einer teamorientierten Führung: „Es geht nicht um einzelne Personen, sondern um die Zukunft der Fakultät und ihrer internationalen Strahlkraft in Forschung und Lehre.“ Jede Studentin und jeder Student, jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter müsse stolz sein können, an der Medizinischen Fakultät Tübingen zu studieren, zu promovieren, zu forschen und zu arbeiten.&nbsp;</p><p>Mit Blick auf die künftige enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum – der Dekan der Medizinischen Fakultät ist auch Teil des Klinikumsvorstandes – ist Professor Michael Bamberg zuversichtlich: „Bernd Pichler ist mit seinem Institut bereits heute eng mit unseren Klinik-Direktoren verbunden“, betonte der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Tübingen. Die Etablierung neuer Zentren für Gesundheitsforschung seien Ausdruck der Leistungsfähigkeit von Forschung und Krankenversorgung am Tübinger Standort.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52377</guid><pubDate>Fri, 22 May 2020 14:20:27 +0200</pubDate><title>Wie bei Pflanzen Hilfe in Konkurrenz umschlägt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-bei-pflanzen-hilfe-in-konkurrenz-umschlaegt/</link><description>Biologin und Biologe der Universität Tübingen entwickeln und testen erfolgreich ein neues Modell zur Auswirkung von Stress auf Populationen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Je dichter Gewächse stehen, desto geringer sind die Chancen der einzelnen Pflanze auf gutes Gedeihen – so lautet eine allgemeine Erkenntnis in der Ökologie. Nun haben Dr. Ruichang Zhang und Professorin Katja Tielbörger vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen die Allgemeingültigkeit dieses Zusammenhangs in Frage gestellt. Sie haben ein neues theoretisches Modell entwickelt, in dem sich Pflanzen an einem Standort in Stresssituationen gegenseitig auch positiv beeinflussen können. Die Vorhersagen, die sich aus ihrem mathematischen Modell ergeben, fanden sie in Experimenten mit Pflanzen bis ins Detail bestätigt. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Konkurrenz führt bei allen Lebewesen dazu, dass für jeden Einzelnen weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. „Wenn die Drängelei zu groß wird, können einzelne Pflanzen sogar sterben“, sagt Katja Tielbörger. Es gebe jedoch viele empirische Arbeiten, die zeigten, dass sich Pflanzen untereinander auch helfen können. Dies sei besonders häufig der Fall, wenn Pflanzen unter stressreichen Bedingungen wachsen, etwa wenn der Boden sehr salzig oder die Temperaturen sehr hoch sind. „Bei großer Hitze können zum Beispiel große Pflanzen den kleineren Schatten spenden, die dann besser wachsen können“, sagt die Forscherin. Es sei bereits früher gefolgert worden, dass solche Beziehungen unter bestimmten Bedingungen in Konkurrenz umschlagen können.</p><h3>Experimente mit der Ackerschmalwand</h3><p>Das Tübinger Team aus der Ökologie hat die Faktoren Dichte und Stress in einem neuen mathematischen Modell kombiniert. „Daraus ergab sich, dass es unter intensivem Stress vorteilhaft sein kann, viele Nachbarn zu haben. Erst bei sehr hoher Dichte tritt Konkurrenz auf“, fasst Tielbörger die Ergebnisse zusammen. Aus dem Blickwinkel einer Einzelpflanze verlaufe die Beziehung zwischen Dichte und Gedeihen wie eine Optimumskurve. Ihre Ergebnisse überprüften die Forscherin und der Forscher in Experimenten mit der Ackerschmalwand, einer in der molekularbiologischen Forschung häufig verwendeten Pflanze. „Wir konnten alle Vorhersagen unseres Modells im Experiment bestätigen“, sagt Tielbörger. Die Pflanzen litten deutlich weniger unter künstlich herbeigeführtem Salzstress, wenn sie viele Nachbarn hatten. Wenn die Pflanzen nicht unter solchem Stress standen, erschienen jedoch die Nachbarn als Konkurrenten, die sie beeinträchtigten.</p><p>Wegen der Komplexität von ökologischen Systemen seien Modelle in der Forschung eine beliebte Methode, um die Natur besser zu verstehen. „Unser eigentlich recht einfaches Modell hat sich als robust und allgemeingültig erwiesen. Eine solch genaue Übereinstimmung zwischen Theorie und Wirklichkeit sind in der ökologischen Forschung schwer zu erreichen“, sagt sie. Das Modell könne helfen, die Reaktion von Pflanzen auf Stress besser vorherzusagen – auch auf steigende Temperaturen oder Dürren, wie sie durch die fortschreitende Klimaerwärmung zu erwarten sind.</p><h3>Publikation:</h3><p>Zhang, R. &amp; Tielbörger, K. 2020. Density-dependence tips the change of plant-plant interactions under environmental stress. <em>Nature Communications</em>. doi 10.1038/s41467-020-16286-6</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52323</guid><pubDate>Wed, 20 May 2020 13:37:53 +0200</pubDate><title>Was Kinder zur Corona-Krise sagen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-kinder-zur-corona-krise-sagen/</link><description>Sechs- bis 16-Jährige für internationale Online-Studie der Universitäten Tübingen und Luxemburg über den veränderten Alltag gesucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schulen öffnen erst nach und nach wieder, viele Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche waren oder sind seit Wochen geschlossen, Kontakte zu Großeltern, Freundinnen und Freunden nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Die Krise und Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen Kinder in besonderem Maße. Wie sie damit zurechtkommen und welche Auswirkungen die Maßnahmen auf ihr Wohlbefinden haben, wird derzeit in der internationalen Online-Studie COVID-KIDS erhoben. Dafür werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Schulalter von sechs bis 16 Jahren gesucht, die Fragen zu ihrem Alltag in der Corona-Krise wie dem Homeschooling, der Internetnutzung, dem Familienleben und ihren Freundschaftsbeziehungen beantworten.</p><p>Konzipiert hat die Studie Professor Sascha Neumann vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen gemeinsam mit den Professorinnen Claudine Kirsch und Pascale Engel de Abreu von der Universität Luxemburg. „Unser zentrales Anliegen ist es, Kindern als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt auch in dieser Phase Gehör zu verschaffen“, sagt Neumann. Schon in den ersten Tagen nach dem Studienstart am 7. Mai 2020 hätten rund 1.200 Kinder und Jugendliche aus 16 Ländern teilgenommen: „Von der großen Resonanz waren wir positiv überrascht, möchten aber bis zum Ende der Befragung am 21. Juni möglichst viele weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbeziehen.“</p><p>Die Befragung der Teilnehmenden erfolgt anonym und ist in fünf Sprachversionen verfügbar. „Die Ergebnisse werden wichtige Informationen darüber liefern, wie Kinder diese Zeit in verschiedenen Ländern durchlebt haben und wie sich politische Entscheidungen zur Eindämmung des Pandemiegeschehens auf die befragte Altersgruppe auswirken“, erklärt der Wissenschaftler.</p><p>Die Online-Befragung COVID-KIDS unter <a href="http://covid-kids-survey.uni.lu" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">covid-kids-survey.uni.lu</a>&nbsp;läuft noch bis 21. Juni 2020. Die Teilnahme dauert etwa 25 Minuten.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52287</guid><pubDate>Tue, 19 May 2020 16:00:00 +0200</pubDate><title>300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/300000-jahre-alter-elefant-aus-schoeningen-fast-vollstaendig-erhalten/</link><description>Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im niedersächsischen Schöningen tummelten sich vor 300.000 Jahren Elefanten. Aus der altsteinzeitlichen Grabungsstelle wurden in den vergangenen Jahren Fossilien von mindestens zehn Elefanten geborgen. Nun haben Archäologen vom Senckenberg-Zentrum für menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege erstmals ein nahezu vollständiges Skelett eines eurasischen Waldelefanten (<em>Palaeoloxodon antiquus</em>) freigelegt. Das Tier starb am damaligen Seeufer von Schöningen ‒ was genau geschah und wie die Umgebung vor 300.000 Jahren beschaffen war, rekonstruiert das Team nun durch Analysen und weitere Grabungen. Die ersten Erkenntnisse werden im Fachmagazin <em>Archäologie in Deutschland</em> veröffentlicht und wurden am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler in Schöningen präsentiert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52299</guid><pubDate>Tue, 19 May 2020 14:13:08 +0200</pubDate><title>Neue Humboldt-Professur im Bereich Bildungsforschung für die Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-humboldt-professur-im-bereich-bildungsforschung-fuer-die-universitaet-tuebingen/</link><description>Kou Murayama kommt aus Großbritannien mit Deutschlands höchstdotiertem internationalen Forschungspreis</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat in der Ausschreibungsrunde 2021 eine neue Alexander von Humboldt-Professur eingeworben. Mit Deutschlands höchstdotiertem internationalen Forschungspreis wird der Psychologe und Experte für Bildungsforschung Professor Kou Murayama an den Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Tübingen wechseln. Bisher forscht er an der University of Reading in Großbritannien. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert die gleichnamige Professur über fünf Jahre mit fünf Millionen Euro. Murayama wird auf einen Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung berufen.</p><p>„Kou Murayama verbindet in seinen Forschungsansätzen unterschiedliche Disziplinen von der Bildungs-, Sozial- und Entwicklungspsychologie bis hin zur Neurowissenschaft. In all diesen Bereichen ist die Universität Tübingen bereits sehr umfangreich aufgestellt. Durch seine Berufung werden die Schwerpunkte in neuer Weise vernetzt und erhalten frische Impulse“, sagt Rektor Professor Bernd Engler.</p><p>Mit dem Blick auf Lernprozesse erforscht Murayama, was Menschen motiviert und was die Motivation stärken oder schwächen kann. So ergab eine seiner gemeinsam mit Kollegen veröffentlichten Studien, dass beim Lernen in der Mathematik die Motivation langfristig wichtiger ist als die Intelligenz. Diese Studie fand international viel Beachtung. Murayama greift in seinen Arbeiten zum Lernerfolg eine Vielzahl von Aspekten auf, die auch für die Bildungsforschung zentrale Bedeutung haben: Er untersucht unter anderem den Einfluss der Familie sowie von intrinsischer und extrinsischer Belohnung, die Rolle von Wettbewerb, Neugier oder Interessen. Dass die Lernleistungen von Kindern messbar schlechter werden, wenn Eltern zu hohe oder gar unerreichbare Erwartungen an sie haben, ergab eine weitere viel beachtete Untersuchung Murayamas. International gilt er als eine der treibenden Kräfte bei der Weiterentwicklung der Motivationsforschung. Die Datengrundlagen von Murayamas Arbeiten gelten als besonders vielfältig. Er stützt sich auf psychologische Experimente ebenso wie auf Längsschnittstudien oder Neuroimaging-Studien.</p><p>Kou Murayama wurde in Japan geboren, wo er auch studierte und promoviert wurde. Murayama forscht seit 2013 an der University of Reading in Großbritannien. Dort ist er Forschungsprofessor und leitet das von ihm gegründete Motivation Science Lab. Zuvor verbrachte er Forschungsaufenthalte in den USA und in Deutschland, unter anderem als Humboldt-Forschungsstipendiat an der Ludwig-Maximilians-Universität München und als Gastprofessor an der Universität Tübingen. Murayama erhielt für seine Forschungsarbeiten zahlreiche Auszeichnungen, darunter Awards der American Psychological Association und der Japanese Psychological Association.</p><p>Mit der Humboldt-Professur werden internationale Spitzenforscherinnen und -forscher nach Deutschland berufen. Die Preisträgerinnen und -träger werden von Universitäten vorgeschlagen und von einem Ausschuss der Humboldt-Stiftung ausgewählt. In der Runde 2021 wählte die Stiftung bisher fünf Preisträger aus. Die offizielle Preisverleihung soll im Mai 2021 stattfinden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52272</guid><pubDate>Tue, 19 May 2020 10:05:31 +0200</pubDate><title>Frühstück mit Jan Josef Liefers</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehstueck-mit-jan-josef-liefers/</link><description>Schauspieler spricht in der Morgensendung der Medizinischen Fakultät über seine Rolle als Rechtsmediziner</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, 20. Mai, um 8 Uhr ist Schauspieler, Regisseur und Musiker Jan Josef Liefers zu Gast im Frühstücksfernsehen der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. Seit Mitte April sendet die Fakultät ein tägliches Frühstücksfernsehen unter der Moderation von Professor Bernhard Hirt. In der Sendung werden aktuelle Informationen zu Studium und Lehre präsentiert sowie ein täglich wechselnder Gast, der über seine Arbeit in der Coronakrise berichtet.</p><p>Das Thema der Sendung am Mittwoch lautet „Arzt schauspielern vs. schauspielender Arzt“. Bernhard Hirt spricht mit dem beliebten „Tatort“- Schauspieler Jan Josef Liefers via Skype über aktuelle Herausforderungen für Kunstschaffende und seine Rolle als Professor Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner „Tatort“.</p><p>Bisherige Gäste beim Frühstücksfernsehen waren unter anderem Professor Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Professor Thomas Walter, Dekan des Fachbereichs Informatik und Lisa Federle, Leitende Notärztin des Landkreis Tübingen.</p><p>Live oder in der Mediathek - YouTube-Kanal der Universität Tübingen:&nbsp;<br><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI4omwoQSKYszJoS3eRiqO0G" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI4omwoQSKYszJoS3eRiqO0G</a></p><p>YouTube-Kanal der Core Facility Medientechnik Medizin Tübingen (CoMMT):<br><a href="https://www.youtube.com/channel/UCTat5GgXHFVMsp44Nmw9X5w" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/channel/UCTat5GgXHFVMsp44Nmw9X5w</a><span style="font-size:11.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,&quot;sans-serif&quot;"></span></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52221</guid><pubDate>Mon, 18 May 2020 09:36:21 +0200</pubDate><title>Technologien für die Proteinproduktion: Wege zur Ernährung der Weltbevölkerung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/technologien-fuer-die-proteinproduktion-wege-zur-ernaehrung-der-weltbevoelkerung/</link><description>Team der Universität Tübingen untersucht, wie Eiweiße ohne Tierhaltung und Pflanzenbau hergestellt werden könnten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Proteine (auch: Eiweiße) bilden einen essenziellen Teil der menschlichen Ernährung. Bisher nehmen wir sie in der Regel mit Fleisch, tierischen Produkten wie Milch und Eiern oder auch aus Pflanzen auf. Die Herstellung, insbesondere die Tierhaltung, verschlingt immense Ressourcen und verursacht schwerwiegende Umweltprobleme. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen unter der Leitung des Umweltbiotechnologen Professor Lars Angenent vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften hat nun theoretisch untersucht, wie die wachsende Weltbevölkerung unter Umgehung der Tierhaltung mit Proteinen versorgt werden könnte. Mit dem Ansatz „Power-to-Protein“, bei dem Eiweiße direkt unter Energieeinsatz aus Grundzutaten wie Kohlendioxid und Ammoniak produziert werden, diskutiert das Team theoretische Überlegungen, bestehende Verfahren der industriellen Proteinerzeugung und Berechnungen für dieses Ziel. Es kommt in seinem Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift <em>Joule</em> zu dem Schluss, dass elektrochemische und biotechnologische Verfahren in Kombination erhebliche Proteinmengen für die menschliche Versorgung liefern könnten – bei vergleichsweise sehr geringem Energieeinsatz.</p><p>„Wir befinden uns mit der derzeitigen Nahrungsmittelproduktion in einer vielschichtigen Krise“, sagt Lars Angenent. „Vor allem die Viehhaltung zur Herstellung von tierischem Protein verbraucht viel Landfläche, fossile Rohstoffe, Phosphor und Wasser. Sie führt außerdem zu riesigen Mengen klimaschädlicher Emissionen.“ Die Produktion tierischer Proteine sei teuer und für viele Menschen, vor allem in sehr armen Ländern, unerschwinglich. Angenent setzt daher das Ziel, die Proteinproduktion kostengünstig zu gestalten und sie in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft einzubinden, die ohne fossile Rohstoffe auskommt.</p><h3>Vielseitige Lebewesen</h3><p>Proteine bestehen aus den chemischen Elementen Kohlen-, Sauer-, Wasser- und Stickstoff. Der menschliche Körper ist jedoch nicht in der Lage, alle Proteinbestandteile aus einfachen Verbindungen selbst zu bilden, daher müssen wir sie mit der Nahrung aufnehmen. Die chemische Synthese wäre sehr aufwendig. Doch es gibt Lebewesen, die von Natur aus sehr große Mengen Proteine bilden, welche in ihrer Zusammensetzung nahrhaft für uns Menschen sind, vor allem Hefen und Pilze. „Bei den Power-to-Protein-Verfahren haben andere Forscher, aber auch der Gruppenleiter Dr. Bastian Molitor und ich in Tübingen, elektrochemische und biologische Prozesse in unterschiedlicher Weise verkettet. Uns interessiert, wie effizient einzelne Verfahren sind und ob sie sich für unsere Zwecke eignen“, erklärt Angenent. Das Tübinger Team konzentrierte sich dabei auf Verfahren, die ohne Lichtenergie und ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Mikroben auskommen. Zum Beispiel lässt sich elektrochemisch Strom aus erneuerbarer Energie nutzen, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Bestimmte Bakterien können anschließend den Wasserstoff zu Wasser oxidieren und mit der freiwerdenden Energie Kohlendioxid und Ammoniak zu anderen organischen Stoffen umsetzen, die die Proteinbausteine bilden. Einige der Proteinproduzenten wie Hefe und manche Pilze können vom Menschen direkt verzehrt werden.</p><h3>Gesammelte Ideen und Ansätze</h3><p>Bereits in den 1960er-Jahren hätten sich Forscher Gedanken gemacht, wie aus Ausscheidungen des Menschen in Form von Kohlendioxid und Ammoniak Proteine hergestellt werden können, sagt Angenent: „Dort ging es um eine geschlossene Kreislaufwirtschaft im kleinen Maßstab, um Menschen auf eine lange Raumfahrtmission zu schicken.“ Erste industrielle Erfahrungen mit der Proteinherstellung aus einfachen Stoffen und Energie gebe es aus der Produktion von Fleischersatz. „Wir haben Ideen und Ansätze auf eine zügige praktische Weiterentwicklung geprüft und sehen darin ein großes Potenzial. Einer Studie zufolge benötigt man nur rund 2,5 Prozent aller erzeugten Energie, um die Menschen weltweit mit Proteinen aus Power-to-Protein-Verfahren zu ernähren“, sagt er.</p><p>Allerdings erfordere eine solche Strategie ein radikales Umdenken in den Produktionsabläufen. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, so der Wissenschaftler, brauche die Menschheit mehr Möglichkeiten zur Erzeugung erneuerbarer Energie und eine Infrastruktur zum Einfangen und Speichern von Kohlendioxid – dem Gas, das heute eher als schädliches Abfallprodukt bekannt ist. Am wichtigsten sei, dass die Landwirte wirtschaftlich gestärkt werden, damit sie sich auf die nachhaltige Produktion von Weizen, Gemüse, Obst, Nüssen und anderen proteinersetzenden Produkten konzentrieren und zugleich die Natur schützen können.</p><h3>Publikation:</h3><p>Akanksha Mishra, Jean Nepomuscene Ntihuga, Bastian Molitor, and Largus T. Angenent: Power-to-Protein: Carbon Fixation with Renewable Electric Power to Feed the World. <em>Joule</em>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.joule.2020.04.008" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.joule.2020.04.008</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52188</guid><pubDate>Thu, 14 May 2020 13:29:42 +0200</pubDate><title>Barbara Scholkmann-Preis fördert junge Archäologen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/barbara-scholkmann-preis-foerdert-junge-archaeologen/</link><description>Abteilung Archäologie des Mittelalters zeichnet Doktorarbeiten aus: Wie stellten sich Adlige bei Reiterspielen dar und was verrät Laserscanning über die österreichische Burg Scharfeneck?</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Barbara Scholkmann-Preis der Historischen Archäologie geht in diesem Jahr an Dr. Fabian Brenker und Dr. Roland Filzwieser. Der an der Universität Tübingen vergebene Preis würdigt herausragende Arbeiten, mit denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler einen erkennbaren Forschungsfortschritt für die Historische Archäologie anstoßen. Er ist in diesem Jahr mit insgesamt 3.000 Euro dotiert und wird 2020 zum zweiten Mal von der Abteilung Archäologie des Mittelalters der Universität und dem Verein zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloss Hohentübingen verliehen. Der Festakt wird aufgrund der Corona- Pandemie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-52119</guid><pubDate>Wed, 13 May 2020 09:20:22 +0200</pubDate><title>Arzneimittelfälscher nutzen Angst vor Corona-Epidemie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/arzneimittelfaelscher-nutzen-angst-vor-corona-epidemie/</link><description>Gefälschte Chloroquin-Tabletten in Afrika identifiziert ‒ Universität Tübingen unterstützt lokale Pharmazeuten bei der Analyse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Arzneimittelfälscher nutzen die Corona-Pandemie offensichtlich, um in Afrika mit völlig wirkungslosen oder sogar schädlichen Tabletten Geschäfte zu machen: In Kamerun und im Kongo sind in den vergangenen Wochen fünf verschiedene Arten gefälschter Chloroquin-Tabletten aufgetaucht, die viel zu wenig Wirkstoff enthielten, oder gar völlig andere. Nachgewiesen wurden die Fälschungen von der Arbeitsgruppe von Professor Lutz Heide am Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit afrikanischen Pharmazeuten und dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm). Die Ergebnisse wurden im <em>American Journal of Tropical Medicine &amp; Hygiene</em> veröffentlicht.</p><p>Vor wenigen Wochen wurde weltweit vermeldet, der Arzneistoff Chloroquin helfe möglicherweise gegen die Krankheit COVID-19. Chloroquin wird seit Jahrzehnten gegen Malariaparasiten eingesetzt – dass es Patienten mit Viruskrankheiten hilft, konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Experten warnen daher vor einer Anwendung bei COVID-19-Patienten, auch wegen möglicher ernsthafter Nebenwirkungen. Infolge der intensiven Berichterstattung über die mögliche Wirksamkeit bei Corona-Infektionen stieg die weltweite Nachfrage nach Chloroquin sprunghaft an. „Damit gingen auch die Preise nach oben und riefen Arzneimittelfälscher auf den Plan“, sagt Lutz Heide.</p><p>Bereits Ende März hatten kirchliche Arzneimittel-Versorgungsstellen in Kamerun und im Kongo, die mit dem Difäm aus Tübingen und dem Ecumenical Pharmaceutical Network (EPN) aus Kenia zusammenarbeiten, über gefälschte Chloroquin-Tabletten berichtet. Diese waren nicht nur bei illegalen Händlern sondern auch in lizensierten Apotheken entdeckt worden und hatten sich bei der Untersuchung mit einem mobilen Labor als Fälschungen herausgestellt. Es gelang, Proben an die Universität Tübingen zu schicken, wo sie von den Pharmazie-Doktorandinnen Gesa Gnegel und Cathrin Hauk untersucht wurden. Die Analysen zeigten, dass eines der Präparate weniger als ein Viertel der behaupteten Wirkstoffmenge enthielt – zu wenig, um Patienten zu heilen, aber geeignet, um die Entwicklung von Chloroquin-resistenten Malariaerregern zu begünstigen.</p><p>In einer zweiten Fälschung fanden die Tübinger Pharmazeutinnen anstelle von Chloroquin das Schmerzmittel Paracetamol. In drei weiteren Präparaten entdeckten sie eine unbekannte Substanz, die von der Chemikerin Dr. Dorothee Wistuba mit Hilfe von Massenspektrometrie als das Antibiotikum Metronidazol identifiziert werden konnte. „Dieser bittere Arzneistoff wurde vermutlich benutzt, um den bitteren Geschmack des Chloroquins nachzuahmen“, sagt Gesa Gnegel. Im Vergleich zu üblichen Metronidazol-Tabletten hätten die Fälschungen allerdings viel zu geringe Mengen des Antibiotikums enthalten und könnten somit wiederum die Entstehung von Antibiotika-resistenten Krankheitskeimen begünstigen. „Die gefälschten Tabletten enthalten also wenig oder gar kein Chloroquin, aber dafür andere Wirkstoffe mit jeweils eigenen Risiken und Nebenwirkungen, von denen weder Arzt noch Patient wissen. Dies ist eine der gefährlichsten Formen der Arzneimittelfälschung.“</p><p>Das Tübinger Forschungsteam und ihre afrikanischen Kolleginnen und Kollegen informierten die Weltgesundheitsorganisation, die daraufhin eine internationale Warnmeldung mit Fotos der gefälschten Arzneimittel veröffentlichte. Sie gehen davon aus, dass diese Fälschungen nur Vorbote weiterer Probleme sind. „Bereits kürzlich haben wir mit insgesamt 55 Wissenschaftlern aus 20 Ländern im britischen Fachjournal ‚The Lancet‘ davor gewarnt“, sagt Heide. „Jeder potenzielle Wirkstoff oder Impfstoff, für den eine Wirksamkeit gegen COVID-19 berichtet wird, kann eine verzweifelt hohe Nachfrage auslösen.“ In allen Ländern, besonders in den ärmsten, werde dies Arzneimittelfälscher auf den Plan rufen, deren Produkte Leben und Gesundheit von Millionen Menschen gefährdeten.</p><p>Arzneimittelfälschungen sind in der Geschichte vielfach dokumentiert, gerade in den Zeiten von Epidemien: Quacksalberei grassierte während der Pestepidemien in Mittelalter und Neuzeit. Als die Chinarinde im 17. Jahrhundert zur Behandlung von Malaria eingeführt wurde, wurde sie in großem Umfang verfälscht. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Mangel an Penicillin zu weit verbreiteten Arzneimittelfälschungen.</p><p>Das aktuelle Problem werde sich nicht auf Arzneimittel gegen COVID-19 beschränken, so das Forschungsteam. Der Lock-down in China und Indien habe internationale Arzneimittel-Lieferketten zerstört und vor allem Entwicklungsländer stünden vor Engpässen in der Versorgung. Das massenhafte Auftreten gefälschter Medikamente werde eine Folge sein. Vor allem zwei Maßnahmen seien erforderlich, so das Fazit. „Einerseits muss in den kommenden Monaten die Versorgung von Entwicklungsländern mit preisgünstigen, qualitätsgesicherten Medikamenten so gut wie möglich sichergestellt werden“, sagt Heide. „Und es müssen dort einfach durchzuführende Testmöglichkeiten etabliert werden, mit denen verdächtige Arzneimittel rasch identifiziert und einer genauen Untersuchung zugeleitet werden können.“</p><h3>Publikationen:</h3><p>G. Gnegel, C. Hauk, R. Neci, G. Mutombo, F. Nyaah, D. Wistuba, C. Häfele-Abah, L. Heide: The identification of falsified chloroquine tablets in Africa at the time of the COVID-19 pandemic. American Journal of Tropical Medicine &amp; Hygiene, Epub ahead of print. <a href="https://www.ajtmh.org/content/journals/10.4269/ajtmh.20-0363" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.ajtmh.org/content/journals/10.4269/ajtmh.20-0363</a></p><p>WHO. Medical Product Alert N°4/2020. Falsified chloroquine products circulating in the WHO region of Africa. Available at: <a href="https://www.who.int/news-room/detail/09-04-2020-medical-product-alert-n4-2020" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.who.int/news-room/detail/09-04-2020-medical-product-alert-n4-2020</a></p><p>Newton P, Bond KC, Heide L and 50 further signatories. COVID-19 and risks to the supply and quality of tests, drugs, and vaccines. Lancet Glob Health 2020 Apr 9. <a href="https://doi.org/10.1016/S2214-109X(20)30136-4" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/S2214-109X(20)30136-4</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51939</guid><pubDate>Tue, 12 May 2020 09:14:46 +0200</pubDate><title>Höhlenbär: Vegetarischer Fleischfresser</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hoehlenbaer-vegetarischer-fleischfresser/</link><description>Nachweis für rein pflanzliche Ernährung des ausgestorbenen Höhlenbären in Europa erbracht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine rein vegetarische Ernährung der ausgestorbenen Höhlenbären in Europa erbracht. Bislang deuteten Untersuchungen daraufhin, dass sich die großen Bären im heutigen Rumänien auch teilweise von Fleisch oder Fisch ernährten. Das Forscher*innen-Team konnte dies nun in einer kürzlich im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie mit einer neuen Methode widerlegen.</p><p>Höhlenbären (Ursus spelaeus) lebten in der letzten Kaltzeit vor etwa 100.000 bis 25.000 Jahren in Europa. Mit bis zu 3,50 Meter Länge und 1,7 Meter Schulterhöhe waren die in Europa weit verbreiteten Tiere deutlich größer als ihre heutigen Verwandten, die Braunbären. „Umso erstaunlicher ist die Erkenntnis, dass sich die Tiere – trotz ihrer Größe und zudem in einer kalten und trockenen Umgebung – nur von Pflanzen ernährten“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Während diese vegetarische Ernährungsweise für die allermeisten Höhlenbären Europas schon belegt ist, gab es bei Fossilfunden aus Rumänien zuletzt rege wissenschaftliche Diskussionen, ob sich die Bären dort auch von Fleisch ernährt haben könnten.“ Im Knochenkollagen der rumänischen Höhlenbären wurden isotopische Werte von Stickstoff gemessen, die sowohl denen einiger Fleischfresser, als auch denen reiner Pflanzfresser, wie Mammute, ähneln.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51849</guid><pubDate>Fri, 08 May 2020 12:00:51 +0200</pubDate><title>Coronavirus-Forschung mit vereinten Kräften</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/coronavirus-forschung-mit-vereinten-kraeften/</link><description>Genomforscherinnen und -forscher schließen sich zur Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) zusammen – Beteiligung der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wie verändert das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) seine Erbinformation? Welche weiteren Infektionen bei Patienten mit COVID-19 treten auf? Gibt es genetische Risikofaktoren, die eine Infektion begünstigen? Zahlreiche Genomforscherinnen und -forscher sind intensiv damit beschäftigt, ihre Expertise und Sequenzier-Infrastruktur zu bündeln, um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Diese Aktivitäten werden nun offiziell in der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) zusammengeführt, um die Forschung zu beschleunigen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an mehr als 22 Institutionen sind aktiv an DeCOI beteiligt – und es werden mehr.</p><p>Die zentrale Koordination von DeCOI liegt zurzeit bei Professor Joachim Schultze von der Universität Bonn. Von der Universität Tübingen beteiligen sich Professor Oliver Kohlbacher vom Interfakultären Institut für Biomedizinische Informatik und Dr. Sven Nahnsen vom Quantitative Biology Center. Am Universitätsklinikum Tübingen sind Professor Olaf Rieß und Professor Stephan Ossowski, beide vom Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik, sowie Professorin Julia Frick vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Mitglieder der Initiative.</p><p>An vielen Stellen in der Welt wird inzwischen das Genom von SARS-CoV-2 sequenziert, um damit Veränderungen der Erbinformation des Virus zu charakterisieren. Je mehr solche Virusgenome sequenziert werden, desto besser können Wissenschaftler die Variation des Virus verstehen. Mit der Analyse der Verwandtschaftsstruktur einzelner Viren lassen sich Rückschlüsse auf deren Herkunft und auf unterschiedliche Formen des Virus in der Bevölkerung ziehen.&nbsp;</p><p>Neben der Sequenzierung der Virusgenome werden auch sogenannte Metagenome bestimmt, die etwas darüber aussagen, welche weiteren Infektionen bei Patienten mit COVID-19 möglicherweise auftreten. „Außerdem könnten bestimmte körpereigene Mikroorganismen die Empfänglichkeit eines Menschen für eine COVID-19-Infektion mit beeinflussen“, erklärt Julia Frick. Um der Frage nachzugehen, wie solche Mikroorganismen oder Begleitinfektionen die Schwere der Erkrankung beeinflussen, wollen Wissenschaftler des DeCOI bis zu 2000 Metagenome bei COVID-19 Patienten in Deutschland sequenzieren.</p><p>Eine andere DeCOI-Gruppe vermutet, dass es auch genetische Risikofaktoren gibt, die die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren oder die Schwere der Erkrankung beeinflussen können. „Um genetische Risikofaktoren zu erkennen, müssten wir von vielen tausend Patienten deren Genom sequenzieren, eine Aufgabe, die besonders effektiv nur in internationalen Verbünden erfolgen kann“, sagt Professor Olaf Rieß vom Universitätsklinikum Tübingen. Deshalb habe man sich mit DeCOI frühzeitig mit europäischen und internationalen Kollegen weltweit vernetzt.</p><p>Ziel der funktionellen Genomik ist es, ganze Organsysteme funktionell zu charakterisieren. Häufig werden dabei mehrere molekulare Ebenen der Regulation erfasst und kombiniert (Multi-Omics-Analysen). An mehreren Standorten in Deutschland werden diese Verfahren im Rahmen klinischer Studien genutzt, um zum Beispiel die Wirksamkeit neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 zu testen. Weitere Einsichten in das komplexe Geschehen im Körper von Erkrankten ermöglicht die noch sehr junge Methode der Einzelzell-Sequenzierung. DeCOI-Forscher sind in großen internationalen Konsortien unter anderem daran beteiligt, die Verteilung der Rezeptoren auf den Zellen des Körpers zu bestimmen, die für den Eintritt des SARS-CoV-2 verantwortlich gemacht werden. Ziel ist herauszubekommen, welche Immunzellen in Prozesse involviert sind, die besonders bei Patienten mit schweren Verläufen vorkommen, um neue Therapiemöglichkeiten zu erkennen.</p><p>Die Genomforschung produziert in all ihren Bereichen immense Datenmengen, die zur Auswertung der Forschungsergebnisse computergestützt analysiert werden. „Nur wenn wir klinische Daten und Genomdaten sinnvoll miteinander verknüpfen, werden wir möglichst viel zum Verständnis von COVID-19 beitragen können“, sagt Oliver Kohlbacher. Durch den Zusammenschluss zur DeCOI wollen die Forscherinnen und Forscher parallel viele Fragen gemeinsam und schneller beantworten können. DeCOI soll mit weiteren Initiativen eng vernetzt werden, um weltweit fundiertes Wissen zur Bewältigung der Krise beizutragen.</p><h3>Die Mitglieder der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI):</h3><p>Robert Bals (Universität des Saarlandes), Ezio Bonifacio (TU Dresden), Maria Colome-Tatche (Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt/HMGU), Andreas Diefenbach (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Alex Dilthey (Universitätsklinik Düsseldorf), Nicole Fischer (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Julia Frick (Universitätsklinikum Tübingen), Konrad Förstner (ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften), Julien Gagneur (TU München), Michael Hummel (Charité; German Biobank Node), Birte Kehr (Charité), Andreas Keller (Uni des Saarlandes), Sarah Kim-Hellmuth (TU München), Oliver Kohlbacher (Universität Tübingen), Ingo Kurth (RWTH Aachen), Markus Landthaler (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin/MDC), Kerstin Ludwig (Universitätsklinikum Bonn/UKB), Alice McHardy (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig), Christian Mertes (TU München), Markus Nöthen (UKB), Peter Nürnberg (Universität zu Köln), Uwe Ohler (MDC), Klaus Pfeffer (Uniklinik Düsseldorf), Nikolaus Rajewsky (MDC), Markus Ralser (Charité), Olaf Rieß (Universitätsklinikum Tübingen), Stephan Ripke (Charité), Philip Rosenstiel (Universität Kiel), Joachim Schultze (Universität Bonn/DZNE), Oliver Stegle (Deutsches Krebsforschungszentrum), Fabian Theis (HMGU), Janne Vehreschild (Uni Köln), Max von Kleist (Robert Koch-Institut), Jörn Walter (Uni des Saarlandes) und Dagmar Wieczorek (Uniklinik Düsseldorf).</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Oliver Kohlbacher<br> Universität Tübingen<br> Interfakultäres Institut für Biomedizinische Informatik (IBMI)<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-70457<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,qnkxgt0mqjndcejgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">oliver.kohlbacher<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Sven Nahnsen<br> Universität Tübingen<br> Quantitative Biology Center<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071-29-72163<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uxgp0pcjpugpBsdke0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">sven.nahnsen<span style="display:none">spam prevention</span>@qbic.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Olaf Rieß<br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76408<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,qnch0tkguuBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">olaf.riess<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Stephan Ossowski<br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72279<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uvgrjcp0quuqyumkBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">stephan.ossowski<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p><p>Professorin Julia Frick<br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lwnkc/uvghcpkg0htkemBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">julia-stefanie.frick<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51873</guid><pubDate>Fri, 08 May 2020 10:57:00 +0200</pubDate><title>Sommeruni entfällt im Sommersemester</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sommeruni-entfaellt-im-sommersemester/</link><description>Universität Tübingen und Universitätsstadt Tübingen setzen öffentliche Vorlesungsreihe aus
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Universitätsstadt Tübingen setzen in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe „Sommeruni“ aus. Die öffentlichen Vorlesungen finden üblicherweise in den ersten beiden Augustwochen statt und geben Einblicke in aktuelle Tübinger Forschungsprojekte. Die Absage des Kooperationsprojekts dient sowohl dem Gesundheitsschutz der Besucherinnen und Besucher als auch der veranstaltenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es lässt sich zurzeit nicht abschätzen, ab wann Präsenzveranstaltungen mit einem größeren Publikum wieder möglich sein werden.</p><p>Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen organisiert. Die Veranstalter bitten um Verständnis, die Universität informiert auf ihrer Homepage unter:&nbsp;<br><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/sommeruniversitaet/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/sommeruniversitaet/</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51780</guid><pubDate>Thu, 07 May 2020 11:01:14 +0200</pubDate><title>Wiedereröffnung der Ausstellung „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wiedereroeffnung-der-ausstellung-alte-kulturen-auf-schloss-hohentuebingen/</link><description>Nach der Schließung wegen des Coronaschutzes ist das Museum der Universität Tübingen von Samstag, 9. Mai 2020, an wieder zugänglich – mit neuen Regeln</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Museum der Universität Tübingen MUT „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen öffnet am Samstag, 9. Mai 2020, um 10 Uhr wieder seine Türen für Besucherinnen und Besucher – mit neuen Regeln zur Einhaltung der vorgeschriebenen Infektionsschutzmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts. Im Kabinettraum wird die derzeitige Werkschau „Life and Meaning ... it's personal“ der New Yorker Künstlerin Morgan O'Hara (Invited Artist der Universität Tübingen 2019) mit Kunstwerken von Tübinger Studentinnen und Studenten zu sehen sein sowie die Sonderausstellungen „Die unsichtbare Ausstellung. Versteckte Objekte von Stefan Göler“ und „UDO. Der erste Fußgänger“.</p><h3>Wie der Ausstellungsbesuch möglich wird</h3><p>Bereits vor dem Eingang ins Museum „Alte Kulturen“ legen die Besucherinnen und Besucher Mund- und Nasenschutz an. Sie werden durch ein Leitsystem unter Berücksichtigung der 1,5 Meter-Abstandsregel zur Kasse geführt, wo sie das Personal hinter Plexiglas erwartet. In den Sanitärbereichen, im Eingang und Ausgang steht Desinfektionsmittel bereit.</p><p>Dann wird der Museumsbesuch zur Einbahnstraße: Über ein Wegeleitsystem können Besucherinnen und Besucher alle Sammlungsobjekte und die drei Sonderausstellungen besichtigen. Eingang und Ausgang sind dabei voneinander getrennt. Die kleineren Räume innerhalb des Museums weisen zusätzliche Zugangsbeschränkungen auf, die über Aushänge oder Kundenstopper genauer erläutert werden, so der Eiszeitraum mit Exponaten aus dem UNESCO-Weltkulturerbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.</p><p>Allgemein gilt die Faustregel: eine Person pro 15 Quadratmeter, ausgenommen Familien und Lebenspartnerschaften. Das Aufsichtspersonal wird all diese Regelungen im Blick haben.</p><h3>Was noch nicht wieder geht</h3><p>Aus Infektionsschutzgründen sind Gruppenführungen, Führungen mit dem Audioguide und Workshops weiterhin nicht möglich. Auch die regelmäßigen Themenvorträge und Highlight-Führungen des Museums können bis auf Weiteres nicht stattfinden. Alle Großveranstaltungen auf dem Schloss Hohentübingen sind abgesagt, darunter die 8. Tübinger Kulturnacht am 9. Mai 2020 und der Familientag am 10. Mai 2020.</p><h3>Was immer geht: Digitaler Ausstellungsbesuch</h3><p>Das MUT bietet drei verschiedene Formate zum digitalen Ausstellungsbesuch an:</p><p>Das <strong><em>eMuseum</em></strong> gibt einen Ein- und Überblick über die Vielfalt der Objekte und über die 70 Sammlungen an der Universität Tübingen – den meisten an einer deutschen Universität.<br> eMuseum: <a href="https://www.emuseum.uni-tuebingen.de/objects/images" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.emuseum.uni-tuebingen.de/objects/images</a>&nbsp;</p><p>Das <strong><em>3D-Museum</em></strong> zeigt alle Details ausgewählter Objekte: Hier können die gescannten Stücke – etwa auch die Eiszeitfiguren – von allen Seiten betrachtet werden, wie es selbst in der analogen Ausstellung nicht möglich ist.<br> 3D-Museum: <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/sammlungen/3d-museum.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/sammlungen/3d-museum.html</a>&nbsp;</p><p>Die <strong>360°-Ausstellungen</strong> des MUT bieten den Schritt in die nächste Dimension: Sie bieten Eintritt in die virtuelle räumliche Welt einer Ausstellung – so etwa in die letztjährige Leonardo-Ausstellung oder die ganz aktuelle zu Morgan O’Haras Studierenden-Projekt „Life and meaning… It’s personal“. Man betritt die Ausstellung und kann selbst entscheiden, wohin man geht, welches Bild man ansehen und welches Modell oder welchen Text man aufrufen möchte.<br> 360°-Ausstellungen: <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/online-ausstellungen/360-ausstellungen.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/online-ausstellungen/360-ausstellungen.html</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51750</guid><pubDate>Wed, 06 May 2020 20:00:00 +0200</pubDate><title>Tropischer Schlangenhalsvogel lebte im Allgäu</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tropischer-schlangenhalsvogel-lebte-im-allgaeu/</link><description>Paläontologen bergen 11,5 Millionen Jahre alte Fossilien in der Menschenaffen-Fundstelle Hammerschmiede</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Hammerschmiede im Allgäu (Bayern), Fundstelle des ersten zweibeinig laufenden Menschenaffen <em>Danuvius guggenmosi</em>, liefert auch spektakuläre Fossilien von Vögeln: Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt und der Universität Tübingen haben dort Knochen eines Schlangenhals-Vogels geborgen, wie sie im Fachmagazin PLOS One berichten. <em>Anhinga pannonica</em> lebte vor rund 11,5 Millionen Jahren und war deutlich größer als seine heutigen Verwandten in den Tropen.</p><p>Schlangenhalsvögel (Gattung <em>Anhinga</em>) sind Tauchvögel tropisch-subtropischer Seen und Flüsse. Heute leben insgesamt vier Arten in Süd- und Mittelamerika, Afrika südlich der Sahara sowie dem tropischen Asien und Australien. Beim Tauchen ragt nur ihr sehr langer, schlanker Hals samt Kopf aus dem Wasser, was den Eindruck einer schwimmenden Schlange vermittelt. Die im englischen <em>darter </em>genannten Vögel besitzen einen spitzen, pfeilartigen Schnabel. Dieser wird mithilfe einer unter Vögeln einmaligen Anatomie der Halswirbel blitzschnell nach vorn katapultiert: Einem Dart-Pfeil gleich, spießen die Vögel so mit ihrem Schnabel Fische und andere Beutetiere auf.</p><p>Der Schlangenhalsvogel der Hammerschmiede gehört zu der ausgestorbenen Art <em>Anhinga pannonica</em>, von der bislang allerdings nur wenige einzelne Knochen bekannt waren. „Durch die neuen Funde ist es nun möglich, die Anatomie dieser seit 1916 bekannten Art detaillierter zu untersuchen und ihre Biologie besser zu verstehen“, sagt der Ornithologe und Studienleiter Dr. Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt.</p><p>Mit einer Flügelspannweite von wahrscheinlich mehr als 150 Zentimetern war die fossile Art etwa 30 Prozent größer als heutige Schlangenhalsvögel. Mit etwa 3,3 Kilo Körpergewicht war <em>Anhinga pannonica</em> sogar mehr als doppelt so schwer wie lebende Arten. „Sehr große ausgestorbene Schlangenhalsvögel sind vor allem aus Südamerika bekannt, doch die neuen Funde dokumentieren, dass diese Vögel deutlich weiter verbreitet waren als bisher vermutet“, erklärt Mayr. „Das Vorkommen dieser heute nur in den Tropen lebenden Vogelgruppe belegt zudem eindrücklich die Unterschiede zwischen der heutigen Vogelwelt im Voralpenland und dem mehr als 11 Millionen Jahre alten Ökosystem der Hammerschmiede.“</p><p>Schlangenhalsvögel gelten als Spezialisten im Flachtauchen, heutige Arten jagen selbst in Gewässern mit weniger als 50 Zentimetern Wassertiefe. „Das passt gut zu den Fließgewässern der Hammerschmiede, der Bachlauf der die Knochen von <em>Danuvius </em>lieferte, hatte eine mittlere Tiefe von etwa 80 Zentimetern“, ergänzt Thomas Lechner, Grabungsleiter und Doktorand am Senckenberg Zentrum für Menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen. „Ein höheres Gewicht, verbunden mit einer geringeren Pneumatisierung der Knochen ‒ also weniger luftgefüllten Hohlräumen in den Knochen ‒ und einer vollständigen Durchnässung des Gefieders verringert ihren Auftrieb und unterstützt Schlangenhalsvögel beim Tauchen“, sagt die ebenfalls beteiligte Professorin Madelaine Böhme. Und Mayr fügt hinzu: „Um wieder flugfähig zu sein, müssen heutige Schlangenhalsvögel nach jedem Tauchgang ihr Gefieder mit gespreizten Flügeln trocknen. Die hohen Verdunstungsraten in warmen Klimaten sind ein wesentlicher Grund, warum sie in tropischen Regionen leben.“</p><p>In ihrer Studie identifizieren die Wissenschaftler auch weitere Funde von <em>Anhinga pannonica</em> aus Bayern, die bislang für Kormorane gehalten wurden. Sie sind 16 Millionen Jahre alt und damit die ältesten Vertreter dieser Art der Schlangenhalsvögel, die vor sechs Millionen Jahren ausstarb.<em> Anhinga pannonica</em> lebte somit geographisch weiter verbreitet und sehr viel länger auf der Erde als bislang bekannt. „Mit etwa zehn Millionen Jahren ist diese Spezies außergewöhnlich langlebig, eine Art Methusalem selbst unter Vögeln. Säugetierarten erreichen hingegen nur eine Existenzdauer von etwa 2,5 Millionen Jahren“, erläutert Böhme. „Die geographische Verbreitung einer wärmeliebenden Art über 50 Breitengrade, nachgewiesen vom Tagebau Hambach bei Köln bis zum Äquator in Kenia, zeigt, dass das Erdklima im Miozän (23-5 Millionen Jahre vor heute) deutlich wärmer war als heute.“&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Gerald Mayr, Thomas Lechner, and Madelaine Böhme. The large-sized darter <em>Anhinga pannonica</em> (Aves, Anhingidae) from the late Miocene hominid Hammerschmiede locality in Southern Germany. PLoS ONE, Mai 2020. DOI <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232179" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">10.1371/journal.pone.0232179</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51693</guid><pubDate>Tue, 05 May 2020 11:03:08 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen startet Vorlesungsreihen zur Covid-19-Pandemie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-startet-vorlesungsreihen-zur-covid-19-pandemie/</link><description>Mediziner, Naturwissenschaftler, Rhetoriker, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler berichten über den aktuellen Stand der Forschung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen wird im aktuellen Sommersemester mehrere Vorlesungsreihen zur Covid-19-Pandemie anbieten, die sich an Studierende, aber auch an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger richten. Veranstaltet werden die Vorlesungsreihen von der Medizinischen Fakultät, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie vom Seminar für Allgemeine Rhetorik.</p><p>„Wir sehen ein enormes Interesse in der breiten Öffentlichkeit an verlässlichen Informationen über die Besonderheiten des neuartigen Coronavirus, Krankheitsbilder, Therapiemöglichkeiten sowie die möglichen Folgen der Pandemie“, sagte der Studiendekan der Medizinischen Fakultät, Professor Stephan Zipfel. „Deswegen haben wir uns spontan entschlossen, diese zusätzliche Vorlesungsreihe anzubieten.“&nbsp;</p><p>Themen der von der Medizinischen Fakultät veranstalteten Reihe sind unter anderem mögliche Medikamententherapien gegen Covid-19, Impfstoffentwicklung, psychische Folgen einer Infektion sowie ethische Fragen. Die Vorlesungen werden bis zum 27. Juli jeweils dienstags um 12.00 Uhr live über die Webseite der Sectio Chirurgica ausgestrahlt und können auch von Personen, die nicht Studierende oder Beschäftigte der Universität sind, ohne Login mitverfolgt werden. In der 25. Kalenderwoche gibt es zwei Vorlesungstermine, am Dienstag, den 16. Juni, und zusätzlich am Donnerstag, den 18. Juni. Alle diejenigen, die die Live-Ausstrahlung über die Webseite der Sectio Chirurgica verpasst haben, können sich die Vorlesungen zeitversetzt auf dem Youtube-Kanal der Universität ansehen. Dort wurde für die Vorlesungsreihe eine eigene Playlist eingerichtet.&nbsp;</p><p>Eine zweite Vorlesungsreihe zu den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bereitet derzeit die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen vor. Diese werden voraussichtlich am 29. Juni 2020 beginnen und wochentags allabendlich um 18.30 Uhr stattfinden. Die letzte Vorlesung ist für den 15. Juli 2020 geplant. Professorinnen und Professoren aus der Fakultät werden in kurzen Vorträgen ausgewählte Aspekte der Covid-19-Pandemie vor dem Hintergrund ihrer Forschung beleuchten, gefolgt von einer Diskussion von Fragen aus dem virtuellen Publikum. Auch diese Vorlesungsreihe kann von Interessierten, die nicht Studierende oder Beschäftigte der Universität sind, ohne Login mitverfolgt werden.</p><p>Am Seminar für Allgemeine Rhetorik hat sich Professor Olaf Kramer der Corona-Krise angenommen. In seiner Vorlesung „Rhetorik der Corona Krise“ geht es um die politischen, sozialen und kulturellen Folgen der Corona-Epidemie: Wie reden Politikerinnen und Politiker über die Krise? Welche Strategien und Techniken werden eingesetzt, um Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen? Warum befördert die Krise nationalistische und autoritäre Antworten? Wie lassen sich effektive Epidemiebekämpfung und demokratische Freiheitsrechte versöhnen? Was lernen wir durch die Krise über effektive Wissenschaftskommunikation? Das sind Fragen, die in der Vorlesung an Hand aktueller Beispiele allgemeinverständlich diskutiert werden. Die Vorlesung wird jeweils donnerstags auf YouTube veröffentlicht.</p><p>Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, begrüßte die Initiativen: „Im Zuge unserer Exzellenzstrategie wollen wir aktuelles, gesellschaftlich relevantes Wissen künftig verstärkt auch mit Menschen teilen, die keinen direkten Zugang zur Wissenschaft haben.“ Gerade in Krisen wie der aktuellen Corona-Pandemie steige das Bedürfnis nach zuverlässigen Informationen aus erster Hand: „Dieser Aufgabe werden die Vorlesungsreihen in bester Weise gerecht.“ &nbsp;</p><p>Bislang stehen folgende Termine und Themen in der Reihe der Medizinischen Fakultät fest: &nbsp;</p><p>21.4.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Nisar Malek&nbsp;&nbsp; &nbsp;Klinischer Verlauf bei Covid-19 (abrufbar im Youtube-Kanal der Universität)<br> 28.4.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Thomas Iftner&nbsp;&nbsp; &nbsp;Grundlagen zum speziellen Sars-2-Virus und Testung (abrufbar im Youtube-Kanal der Universität)<br> 5.5.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Karl Oliver Kagan&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Schwangerschaft und Covid<br> 12.5. &nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Peter Kremsner&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Medikamentöse Strategien<br> 19.5.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Peter Rosenberger&nbsp;&nbsp; &nbsp;Intensivmedizinische Herausforderungen<br> 26.5.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Dr. Jan Liese&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Hygiene<br> 2.6.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Andreas Birkenfeld &nbsp;&nbsp; &nbsp;Diabetes und Covid<br> 9.6.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Konstantin Nikolaou&nbsp;&nbsp; &nbsp;Radiologische Befunde<br> 16.6.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Meinrad Gawaz&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Kardiologische Befunde<br> 18.6. &nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Thilo Stehle&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Die Strukturaufklärung des SARS-CoV2 zeigt Ansatzpunkte für eine antivirale Therapie<br> 23.6&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professorin Ghazaleh Tabatabai&nbsp;&nbsp; &nbsp;Neurologische Befunde<br> 30.6.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Stephan Zipfel / Dr. Florian Junne&nbsp;&nbsp; &nbsp;Mental Health<br> 2.7.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Peter Martus&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Biometrie und Epidemiologie<br> 7.7.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Oliver Kohlbacher&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Bioinformatik-basierte Forschungsansätze<br> 14.7.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Hans-Georg Rammensee&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Impfstoffentwicklung und immunologische Aspekte<br> 21.7.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Urban Wiesing&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Mortalität und Moral. Ethische Aspekte der Corona-Pandemie<br> 27.7.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Professor Falko Fend&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Pathologie und Reflektion des 1. Covid-Patienten am UKT</p><h3>Weblinks:&nbsp;</h3><p>Youtube-Kanal der Universität:<br><a href="https://www.youtube.com/channel/UCfqmh9cUkSo--IVhnO7Lo2A" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/channel/UCfqmh9cUkSo--IVhnO7Lo2A</a>&nbsp;</p><p>Vorlesungsreihe der Medizinischen Fakultät:<br><a href="https://www.sectio-chirurgica.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.sectio-chirurgica.de/</a>&nbsp;</p><p>Vorlesungsreihe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät:<br> https://uni-tuebingen.de/de/177084&nbsp;</p><p>Vorlesungsreihe der Allgemeinen Rhetorik:<br><a href="https://www.youtube.com/channel/UCIzxcRo54I8na9EjQd5Njsw" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/channel/UCIzxcRo54I8na9EjQd5Njsw</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51687</guid><pubDate>Tue, 05 May 2020 10:44:43 +0200</pubDate><title>Schon der falsche Ort kann eine allergische Reaktion auslösen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schon-der-falsche-ort-kann-eine-allergische-reaktion-ausloesen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entschlüsselt Mechanismus des Lernens fehlangepasster allergischer Antworten auf eine neutrale Umgebung und die entscheidende Rolle des Schlafs</description><content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51630</guid><pubDate>Mon, 04 May 2020 18:21:39 +0200</pubDate><title>Forscher durchleuchten 2600 Jahre alten unterirdischen Friedhof aus dem alten Ägypten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forscher-durchleuchten-2600-jahre-alten-unterirdischen-friedhof-aus-dem-alten-aegypten/</link><description>In Sakkara wurden Priester einer geheimnisvollen Schlangengöttin bestattet: Deutsch-ägyptisches Team untersucht Grabanlage mit modernsten Methoden und stößt immer wieder auf Überraschungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler der Universität Tübingen sind im ägyptischen Sakkara einem 2600 Jahre alten Kult um die Schlangengöttin Niut-schies auf der Spur ­– mit modernsten chemischen und digitalen Methoden. Bereits seit 2016 erforscht das deutsch-ägyptische Team die ausgedehnte unterirdische Grabanlage rund 20 Kilometer südlich von Kairo. Sarkophage aus sechs Grabkammern seien inzwischen geöffnet, zahlreiche Mumien und Objekte untersucht, sagt Grabungsleiter Dr. Ramadan Badry Hussein. Gemeinsam mit dem ägyptischen Antikenministerium präsentierte er der Öffentlichkeit die jüngsten Ergebnisse.</p><p>Wie schon 2018 berichtet, war das Team der Universität Tübingen in Sakkara auf eine gut erhaltene Mumifizierungswerkstatt mit einer Grabanlage aus der 26. Dynastie (ca. 664-525 v.Chr.) gestoßen. Die Grabanlage besteht aus mehreren Grabkammern, die in die Seitenwände eines tiefen Schachtes geschlagen wurden. In 30 Meter Tiefe fanden die Wissenschaftler insgesamt sechs unberührte Grabkammern mit 17 Mumien vor. Nach einem Jahr Ausgrabungsarbeiten und Dokumentation gehen sie davon aus, dass es sich um einen unterirdischen Friedhof für Priester und Priesterinnen handelt: Durch Texte auf Sarkophagen und Särgen habe man die meist weiblichen Mumien als Priester(innen) einer geheimnisvollen Schlangengöttin namens Niut-schies (wörtlich übersetzt: „Die Stätte ihres Sees“) identifiziert, berichtet Hussein. Es gebe Hinweise darauf, dass Niut-schies während der 26. Dynastie eine prominente Göttin wurde, ihr war ein großer Tempel in Memphis, der Verwaltungshauptstadt des alten Ägypten geweiht.</p><h3>Reiche Grabbeigaben für Priester der Schlangengöttin</h3><p>Offensichtlich hatten die wirtschaftlichen Einnahmen dieses Tempels den Priesterinnen und Priestern einen hohen sozialen und ökonomischen Status verschafft. Mindestens zwei Generationen von ihnen wurden im gleichen Grabkomplex beigesetzt. Sie erhielten wertvolle Grabbeigaben wie Sarkophage, Holzsärge, sogenannte Kanopen-Krüge aus Alabaster, Statuetten und eine vergoldete Silbermaske.</p><p>Die sechste Grabkammer war erst im Jahr 2019 hinter einer unscheinbaren Steinmauer entdeckt worden. Dort war unter anderem eine Frau namens Didibastet beerdigt, die offensichtlich eine herausragende Stellung einnahm: Bei ihr fanden die Wissenschaftler erstmals in einem ägyptischen Grab insgesamt sechs Kanopenkrüge. Üblicherweise bewahrten die alten Ägypter bei der Mumifizierung Lunge, Magen/Milz, Darm und Leber einbalsamiert in vier eigenen Krügen auf, die in der Grabkammer unter dem Schutz der „vier Söhne des Horus“ aufgestellt wurden. Wie die Durchleuchtung der zusätzlichen Krüge per Computertomographie (CT) ergab, enthalten diese ebenfalls menschliches Gewebe. Ein Radiologe arbeitet an der Identifizierung der Organe. Demnach wäre bei Didibastet eine spezielle Form der Mumifizierung angewandt worden, bei der sechs Organe ihres Körpers erhalten blieben.</p><p>Eine Besonderheit sind auch die Herkunft einer Priesterin und eines Priesters aus der gleichen Grabkammer: Sie waren möglicherweise Einwanderer, denn ihre Namen, Ayput und Tjanimit, waren in der libyschen Gemeinschaft verbreitet, die sich ab der 22. Dynastie (ca. 943-716 v. Chr.) in Ägypten niederließ. Das alte Ägypten gilt als multikulturelle Gesellschaft, die Einwanderer aus verschiedenen Teilen der antiken Welt aufnahm, darunter Griechen, Libyer und Phönizier.</p><h3>Maske aus reinem Silber</h3><p>An weiteren Funden wurden inzwischen detaillierte Analysen durchgeführt, so auch an der vergoldeten Silbermaske, die das Team ebenfalls 2018 präsentiert hatten. Sie bedeckte das Gesicht der Mumie einer Priesterin und gilt als Sensation: Von ihrer Art sind weltweit insgesamt nur drei erhaltene Masken bekannt, die letzte wurde 1939 in Ägypten gefunden. „Durch Röntgenfluoreszenz konnten wir feststellen, dass hier außerordentlich wertvolles Material verwendet wurde“, sagt Hussein. Das Silber weise eine Reinheit von 99,07 Prozent auf, das sei sogar mehr als die üblichen 92,5 Prozent bei einem Sterling Silber.</p><p>Die in Schalen und Töpfen der Mumifizierungswerkstatt konservierten Fette, Öle und Harze werden derzeit von Archäologen und Chemikern der Universität Tübingen, der Ludwigs-Maximilians-Universität München sowie des ägyptischen Nationalen Forschungszentrums in Kairo analysiert. Die Erkenntnisse zeigen, welche Substanzen im alten Ägypten zur Mumifizierung verwendet wurden, darunter Bitumen, Pistazienharz, Bienenwachs und Tierfett. „Diese Funde aus Sakkara ermöglichen einen einmaligen Einblick in die Balsamierungspraktiken der alten Ägypter“, sagt Professor Philipp Stockhammer, Projektpartner an der LMU München. Die Erkenntnisse seien auch für die moderne Anatomie und deren Konservierungspraktiken von Interesse.</p><p>Zudem erfassen die Wissenschaftler seit einigen Jahren die gesamte unterirdische Grabanlage mit einer Kombination aus Laserscanning und bildbasierten 3D-Verfahren: So konnte eine hochpräzise 3D-Dokumentation erstellt werden, mit der die räumlichen Zusammenhänge sichtbar wurden.</p><h3>Ausgrabungen gehen weiter</h3><p>Die Funde aus Sakkara werden die Forscher noch eine Weile beschäftigen: Aus den Gräbern wurden insgesamt 54 Mumien und Skelette, fünf große Sarkophage, ein Dutzend Kanopenkrüge aus Kalzit (ägyptischer Alabaster) und tausende von Shawabtis-Figuren geborgen. Ab Winter 2020 wollen die Wissenschaftler wieder vor Ort weiterarbeiten. Über die bisherigen Grabungen der Universität Tübingen in Sakkara startet der amerikanische Sender National Geographic ab 12. Mai eine vierteilige Dokumentation, die ab dem 28. Juni auch in Deutschland ausgestrahlt werden soll.</p><p>Englischsprachiger Beitrag zu den Ausgrabungen bei&nbsp;National Geographic: <a href="https://www.nationalgeographic.com/history/2020/05/ancient-egyptian-funeral-home-one-stop-shop-afterlife/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nationalgeographic.com/history/2020/05/ancient-egyptian-funeral-home-one-stop-shop-afterlife/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51537</guid><pubDate>Wed, 29 Apr 2020 10:19:50 +0200</pubDate><title>Museumsbesuch auf dem Sofa</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/museumsbesuch-auf-dem-sofa/</link><description>Im virtuellen Museum des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen reisen Besucher um die Welt und durch die Zeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was haben über 3000 Jahre alte Kunstgegenstände aus der Königsgruft von Qaṭna im heutigen Syrien, der ca. 1000 Jahre alte Wall im nordeuropäischen Haithabu und die mittelalterlichen Burgen Staufeneck und Ramsberg im Filstal gemeinsam? Sie alle repräsentieren Macht. Und sie alle sind Teil der Ausstellung „Symbole der Macht - (Un)sichtbare Repräsentation“ im virtuellen Museum des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen an der Universität Tübingen, das seit März online zu besichtigen ist.&nbsp;</p><p>Drei „Räume“ erwarten die Besucher: Man kann durch die Ausstellung schlendern, sich interessante Objekte, wie Donut-Steine aus dem Iran, antike Zisternen auf Mittelmeerinseln und Wikingerkatzen in der Schausammlung ansehen oder man klickt sich durch die vielen Projekte im Depot, in denen der Sonderforschungsbereich aktiv ist. An einer Timeline entlang können Projekte von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart durchwandert werden, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Archäologie, Ethnologie, Geschichts- und Geowissenschaft, sowie vielen Fachrichtungen mehr, interdisziplinär arbeiten.</p><p>„Die Idee für das Museum entstand vor etwa zwei Jahren“, sagt Professor Thomas Thiemeyer, der die Projektgruppe rund um das virtuelle Museum geleitet hat. „Wir möchten nicht nur das Fachpublikum ansprechen, sondern einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, wie Wissenschaft arbeitet und wie wir über die Analyse von Fundstücken, die zum Teil tausende Jahre alt sind, zu neuen Erkenntnissen kommen, die auch heute relevant sind.“ „Es war natürlich auch eine Herausforderung, mit den über 60 Mitgliedern unseres Sonderforschungsbereichs an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten“, meint Dr. Sandra Teuber, die wissenschaftliche Koordinatorin des SFB 1070 und ergänzt: „Das Beeindruckende war aber, dass wirklich alle sich mit Ihren Ideen, Fotos, Videos und Texten eingebracht haben, und das neben ihrer eigentlichen Forschung.“</p><p>Das virtuelle Museum des Sonderforschungsbereichs 1070 RessourcenKulturen macht den&nbsp;Museumsbesuch von zu Hause aus möglich und ist damit gerade jetzt der richtige „Besuchertipp“.</p><p>Zum Museum: <a href="https://museum-ressourcenkulturen.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://museum-ressourcenkulturen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51435</guid><pubDate>Fri, 24 Apr 2020 14:56:12 +0200</pubDate><title>Geburt eines „Schneemanns“ am Rand des Sonnensystems</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/geburt-eines-schneemanns-am-rand-des-sonnensystems/</link><description>Astrophysiker des israelischen Technion und der Universität Tübingen erforschen die Entstehung des asteroidähnlichen Objekts Arrokoth im Kuipergürtel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das asteroidähnliche Objekt Arrokoth im Kuipergürtel ist das erdfernste Objekt am Rand unseres Sonnensystems, das von einer Sonde besucht und ins Bild gesetzt wurde. Sein Aufbau aus zwei ungleich großen rundlichen Teilen, die durch einen schmalen Hals verbunden sind, trug ihm den Spitznamen „Schneemann“ ein. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Evgeny Grishin, Dr. Uri Malamud und Professor Hagai Perets von Technion, dem Israel Institute of Technology, hat untersucht, wie sich die ursprünglich zwei Körper von Arrokoths Gestalt aneinanderfügten, ohne in einer Kollision zerstört zu werden. Oliver Wandel und Dr. Christoph Schäfer vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen haben die Simulationen entwickelt, mit denen die Wissenschaftler ihre Hypothesen überprüft haben. Danach gehen sie davon aus, dass Arrokoth im komplexen Dreiersystem mit der Sonne durch die langsame Annäherung zweier kleiner Körper entstanden ist. Mit ihrem Modell lässt sich allgemein die Entstehung vieler Doppelsysteme im Kuipergürtel erklären. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.</p><p>Arrokoth erhielt am 1. Januar 2019 Besuch von der Raumsonde der NASA New Horizons, die 2006 zur Erforschung von Pluto gestartet war. Die Sonde kam bis auf 5.500 Kilometer an Arrokoth heran. Noch unter den früheren Namen 2014 MU69 und Ultima Thule (lateinisch: „Der Rand der Welt“) war Arrokoth als geeignetes, nicht zu weit von Pluto entfernt liegendes Objekt zur näheren Erforschung bei dieser Mission ausgewählt worden. Arrokoth bedeutet „Himmel“ oder „Wolke“ in der inzwischen ausgestorbenen Sprache Powhatan eines amerikanischen Stammes.</p><h3>Objekt mit merkwürdigen Eigenschaften</h3><p>Der Zwergplanet Pluto ist das größte Objekt am Rand des Sonnensystems. Daneben finden sich in der Region jenseits von Neptun, die als Kuipergürtel bezeichnet wird, zahllose asteroidähnliche Objekte, die eine Größe von wenigen Metern bis zu Tausenden von Kilometern haben. Die Bedingungen in diesem Bereich unterscheiden sich stark von denen des Schwester-Asteroidengürtels weiter innen im Sonnensystem. Vor allem ist es im Kuipergürtel viel kälter, und die dortigen Objekte bestehen typischerweise zu großen Teilen aus Eis. Die Sonde New Horizons lieferte eine ganze Reihe von Bildern und Informationen über Arrokoth: Es handelt sich um ein rund 30 Kilometer langes Doppelsystem aus sich berührenden Körpern. „Arrokoth hat einige merkwürdige Eigenschaften“, sagt Evgeny Grishin. „Er rotiert mit langsamer Geschwindigkeit um sich selbst, sein ‚Tag‘ dauert knapp 16 Stunden. Außerdem ist sein Neigungswinkel – relativ zu seiner Umlaufbahn um die Sonne – mit 98 Grad sehr groß.“ Der Schneemann liegt fast auf der Seite.</p><p>Die Forscher sind sicher, dass Arrokoth aus zwei kleineren Kuipergürtelobjekten entstanden ist. Doch bisher war der genauere Ablauf unklar. „Eine zufällige direkte Kollision zweier Objekte im Kuipergürtel mit hoher Geschwindigkeit würde die Objekte zerstören, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit hauptsächlich aus weichem Eis bestehen“, erklärt Grishin. „Würden sich zwei Körper in einer kreisförmigen Umlaufbahn umeinander drehen – ähnlich wie der Mond die Erde umrundet –, sich dann langsam spiralförmig annähern und bei geringer Geschwindigkeit aneinander stoßen, müsste die Eigenrotationsgeschwindigkeit von Arrokoth extrem hoch sein. Das entspricht jedoch nicht der gemessenen langsamen Eigenrotation.“ Die israelischen Forscher haben daher ein Modell entwickelt, das die Bedingungen im Kuipergürtel besser wiedergibt. „Unserem Modell zufolge umkreisen sich die beiden Körper, doch weil sie gemeinsam die Sonne umkreisen, handelt es sich nicht um ein Doppel-, sondern um ein Dreiersystem. Solche Systeme, bei denen sich drei Objekte gegenseitig anziehen, haben eine komplexe Dynamik, dies ist in der Physik als das Drei-Körper-Problem bekannt“, sagt Grishin. „Das System von Arrokoth verhielt sich aber weder völlig chaotisch, wie es bei komplexen Dreiersystemen zu erwarten war, noch aber in einfacher und geordneter Weise.“</p><h3>Hunderte von Simulationen</h3><p>Die Forscher haben dieses Szenario für die Entstehung von Arrokoth aufgestellt: „Die beiden Objekte umrundeten sich anfangs in einer weiten, weitgehend kreisförmigen Umlaufbahn, die sich in einem langdauernden Prozess in eine stark exzentrische, elliptische Umlaufbahn weiterentwickelte“, beschreibt Hagai Perets die Abläufe. „Wir konnten belegen, dass solche Bewegungsbahnen zu einer Kollision führen können, die einerseits langsam ist und die Objekte nicht zerstört, aber andererseits ein langsam rotierendes, stark geneigtes Objekt zum Ergebnis hätte, in gleicher Weise, wie Arrokoths Eigenschaften beobachtet wurden.“ Für die detaillierten Simulationen haben die Tübinger Forscher spezielle Computercodes entwickelt, die auf dem Bioinformatik/Astrophysik-Cluster BinAc des Zentrums für Datenverarbeitung der Universität laufen. „Wir mussten Hunderte von Simulationen durchführen, um alle Messdaten aus dem All konsistent zusammenzuführen“, sagt Christoph Schäfer. Oliver Wandel ergänzt: „Die Feldforschung im All ist noch im Frühstadium. Die Körper, aus denen Arrokoth aufgebaut ist, haben eine hohe Porosität, die Eigenschaften des Körperinnern sind aber nicht genau bekannt. Daher mussten wir mit einer Vielzahl unterschiedlicher Annahmen arbeiten.“</p><p>Die Forscher gehen davon aus, dass solche Prozesse, die zur Entstehung von Arrokoth führten, recht verbreitet sind. Bis zu 20 Prozent der Doppelsysteme im Kuipergürtel könnten auf ähnlichem Weg entstanden sein. Auch das System von Pluto und seinem Mond Charon könnte durch einen ähnlichen Prozess entstanden sein. „Wahrscheinlich spielen solche Abläufe allgemein eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Doppelsystemen und Mondsystemen in unserem Sonnensystem“, sagt Uri Malamud. Christoph Schäfer setzt hinzu: „Die Objekte im Kuipergürtel sind Überbleibsel aus der Zeit, in der die Planeten entstanden sind. Sie sind mehr als 4,5 Milliarden Jahre alt. Durch die Untersuchung dieser Objekte können wir möglicherweise auch viel über die Entstehung der Planeten erfahren.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Evgeni Grishin, Uri Malamud, Hagai B. Perets, Oliver Wandel, Christoph M. Schäfer: Origin of (2014) MU69-like Kuiper-belt contact binaries from wide binaries. Nature, <a href="https://dx.doi.org/10.1038/s41586-020-2194-z" target="_blank" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1038/s41586-020-2194-z</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51402</guid><pubDate>Thu, 23 Apr 2020 10:45:00 +0200</pubDate><title>Kinder-Uni und Kinder-Uni-Forschertag entfallen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kinder-uni-und-kinder-uni-forschertag-entfallen/</link><description>Universität Tübingen setzt kindgerechte Vorlesungsreihe und Workshops dieses Jahr aus </description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen setzt dieses Jahr die Kinder-Uni und den&nbsp;Kinder-Uni-Forschertag aus. Die geplanten Veranstaltungen sind aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Die Maßnahme dient sowohl dem Gesundheitsschutz der Kinder und Eltern als auch der veranstaltenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es lässt sich zurzeit nicht abschätzen, ab wann Präsenzveranstaltungen mit einem größeren Publikum wieder möglich sein werden.&nbsp;</p><p>„Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, sagte Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre. Der Vorschlag, die Veranstaltungsreihe im Internet anzubieten, sei diskutiert aber letztlich verworfen worden. „Der Charme der Kinder-Uni liegt in der Live-Erfahrung eines echten Hörsaals und in dem direkten Kontakt zu Professorinnen und Professoren“, sagte Amos: „Vor diesem Hintergrund kam für die Universität eine digitale Veranstaltungsreihe nicht infrage.“ Das Rektorat bittet die Kinder aus Tübingen und der Region um Verständnis für die Entscheidung.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51345</guid><pubDate>Tue, 21 Apr 2020 11:00:10 +0200</pubDate><title>Wie ziegenähnliche Gorale im Himalaja besser geschützt werden können</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-ziegenaehnliche-gorale-im-himalaja-besser-geschuetzt-werden-koennen/</link><description>Forscher der Universität Tübingen schlagen vor, den Tieren in Südostasien mehr offene Graslandschaften als Lebensraum zu bieten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Graue Goral, der Chinesische Goral und der Südliche Serau, drei Arten, die zu den ziegenartigen Tieren zählen, leben heute in hochgelegenen Gebieten und Bergwäldern Südostasiens. Nun ergab eine neue Studie, dass dies womöglich nicht ihre bevorzugten Lebensräume sind, sondern dass es sich um ihre letzten, weniger geeigneten Rückzugsorte handelt. Darauf deuten Untersuchungen zur Lebensweise früherer Populationen der Gorale und Seraue vor einigen Hunderttausend bis Zehntausend Jahren hin. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Kantapon Suraprasit von der Chulalongkorn University in Thailand und der Universität Tübingen sowie Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen durchgeführt. Um die gefährdeten und teilweise vom Aussterben bedrohten Gorale besser zu schützen, empfehlen die Wissenschaftler, ihre Restbestände ins offene Tiefland zu verlagern. Die Studie wurde in der Zeitschrift <em>Frontiers in Ecology and Evolution</em> veröffentlicht.</p><p>Das Forschungsteam untersuchte Zähne von früheren Populationen der Gorale und Seraue mit einem Alter von 400.000 bis 6.000 Jahren aus fünf Fossilienfundstätten in Thailand: Pha Bong, Khok Sung, Tham Wiman Nakin sowie den Höhlen Tham Lod und Ban Rai. Isotopenanalysen von Kohlenstoff und Sauerstoff am Zahnschmelz sind anerkannte Verfahren, um indirekt mehr über die Ernährung und Lebensweise fossiler und heutiger Tiere zu erfahren. So lagert der Zahnschmelz bei Blätterkost von Bäumen andere Kohlenstoffisotope ein als bei Gras als hauptsächlichem Futter.</p><p>Die Isotopenmessungen ergaben, dass der Südliche Serau (Capricornis sumatraensis) im Pleistozän ein Generalist war. „Diese Art ernährte sich sowohl von Blättern als auch Gras. Sie kam offenbar mit verschiedenen Lebensräumen wie Wäldern und Grasland zurecht“, sagt Kantapon Suraprasit. Die heutigen Populationen des Südlichen Seraus lebten nur noch in hochgelegenen Wäldern. Die Messergebnisse zeichnen für das Leben des Grauen Gorals (Naemorhedus goral) und des Chinesischen Gorals (Naemorhedus griseus) im Pleistozän ein anderes Bild: „Wir waren überrascht, dass diese beiden Arten sich ganz überwiegend von Gras ernährten und wohl nur in offenen Landschaften vorkamen“, sagt der Wissenschaftler. Heute fänden sich die Gorale in niedrig bis hochgelegenen Bergwäldern, an steilen Hängen und Felsklippen oder in extrem hohen Berggraslandschaften bis zu 3.000 Meter über dem Meeresspiegel.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51327</guid><pubDate>Tue, 21 Apr 2020 10:10:11 +0200</pubDate><title>Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-menschliche-gebiss-als-spiegel-unserer-evolution/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können</description><content:encoded><![CDATA[<p>Genetische Verwandtschaftsbeziehungen zwischen individuellen Menschen oder auch Menschengruppen lassen sich anhand ihrer Zahnformen teilweise rekonstruieren. Dr. Hannes Rathmann und Dr. Hugo Reyes-Centeno von der Kolleg-Forschungsgruppe „Words, Bones, Genes, Tools“ an der Universität Tübingen haben nun mithilfe eines Algorithmus herausgearbeitet, welche der zahlreichen Zahnmerkmale sich für Verwandtschaftsanalysen besonders gut eignen und welche Zahnmerkmale weniger die Verwandtschaft, sondern eine ähnliche Anpassung an gleiche Umweltbedingungen widerspiegeln. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift <em>Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS)</em>.</p><p>Die Form menschlicher Zähne ist stark variabel und unterscheidet sich im Detail von Person zu Person. Merkmale sind zum Beispiel die Größe der Zahnhöcker, das Furchenmuster in Zahnkronen, die unterschiedliche Anzahl von Zahnwurzeln oder das Vorhandensein beziehungsweise Fehlen von Weisheitszähnen. Solche Zahnmerkmale sind erblich. Bestimmte Ausprägungen treten familiär gehäuft auf und lassen sich weltweit mit unterschiedlicher Häufigkeit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen beobachten. „Zahnmerkmale lassen sich alternativ zum genetischen Material der DNA für populationsgenetische Studien verwenden“, sagt Hannes Rathmann. Zähne seien härter als Knochengewebe und Zahnreste verstorbener Individuen meist noch gut erhalten, selbst wenn Knochen und DNA längst zerfallen sind.</p><h3>Neutrale Merkmale geben wertvolle Hinweise</h3><p>„Die globale Vielfalt an Zahnmerkmalen entstand wahrscheinlich hauptsächlich durch die sogenannte Gendrift“, sagt Rathmann. „Das ist ein evolutionärer Prozess, bei dem sich neutrale Mutationen, also Genveränderungen, die keine Vor- oder Nachteile beinhalten, zufällig in einer Population festsetzen.“ Anders sei es, wenn bestimmte Merkmale vorteilhaft sind. Dann können sie sich durch Selektion und Anpassung an veränderte Umweltbedingungen in einer Population ausbreiten wie zum Beispiel bei einer anderen Nahrung, die eine Anpassung beim Kauen erfordert. „Für die Rekonstruktion genetischer Verwandtschaften eignen sich neutrale Zahnmerkmale am besten“, erklärt Reyes-Centeno. Um neutrale und nicht-neutrale Zahnmerkmale voneinander zu trennen, haben die Forscher die Variation von zahlreichen Zahnmerkmalen im Zusammenhang mit der genetischen Variation diverser Bevölkerungsgruppen der Welt untersucht.&nbsp;</p><p>„Wir haben einen Algorithmus entwickelt, der DNA-Sequenzen mit allen gängig verwendeten Zahnmerkmalen und Merkmalskombinationen vergleicht“, erklärt Rathmann. Die Forscher testeten in umfangreichen Berechnungen mehr als 130 Millionen mögliche Merkmalskombinationen. Sie konnten dadurch eine bestimmte Kombination an Zahnmerkmalen identifizieren, die dem Muster neutraler genetischer Variation am ehesten entspricht und sich somit am besten für die Rekonstruktion von Verwandtschaftsbeziehungen eignet.</p><h3>Anwendungsmöglichkeiten in der Gerichtsmedizin, Archäologie und Paläoanthropologie</h3><p>Gängige Anwendungsbereiche der Verwandtschaftsbestimmung mithilfe von Zahnmerkmalen seien die Identifizierung unbekannter Toter, die Untersuchung von Mobilität und Bevölkerungsstruktur vergangener Kulturen in archäologischen Studien und die Rekonstruktion der Abstammungsgeschichte des Menschen anhand von Fossilien. „In solchen Zusammenhängen ist die DNA für nähere Untersuchungen manchmal zu schlecht erhalten oder vom Untersuchungsmaterial darf keine Probe genommen werden, um es nicht zu zerstören“, erläutert Reyes-Centeno. Dann sei die Bestimmung der Zahnmerkmale eine gute Alternative. „Wir empfehlen, nur die Merkmale und Merkmalskombinationen zu nutzen, die wir in unserer Studie als besonders effektiv herausstellen konnten. Sie erlauben genaue Rückschlüsse auf die genetische Verwandtschaft.“ Die Einbeziehung nicht-neutraler Zahnmerkmale könne dagegen das Ergebnis der Analysen verfälschen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Hannes Rathmann and Hugo Reyes-Centeno. 2020. Testing the utility of dental morphological trait combinations for inferring human neutral genetic variation. <em>Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America</em>. <a href="https://dx.doi.org/10.1073/pnas.1914330117" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1073/pnas.1914330117</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51285</guid><pubDate>Mon, 20 Apr 2020 17:00:00 +0200</pubDate><title>300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/300000-jahre-alter-wurfstock-dokumentiert-die-evolution-der-jagd/</link><description>Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die eiszeitlichen Jäger waren geschickt, hocheffizient und verwendeten ein Arsenal verschiedener Holzwaffen: Dies zeigt ein rund 300.000 Jahre alter „Wurfstock“ aus der Freilandfundstelle Schöningen in Niedersachsen, den Archäologen vom Senckenberg-Zentrum für menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen und der Universität Liége (Belgien) geborgen und im Detail analysiert haben. <em>Homo heidelbergensis </em>verwendete ihn vermutlich, um Wasservögel zu jagen und größere Säugetiere bei der Jagd vor sich her zu treiben. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Nature Ecology &amp; Evolution</em> veröffentlicht.</p><p>Bereits vor 300.000 Jahren hätten Jäger unterschiedliche hochwertige Waffen wie Wurfstöcke, Wurfspeere und Stoßlanzen in Kombination eingesetzt, erklärt Professor Nicholas Conard. „Nur dank der fabelhaft guten Erhaltungsbedingungen in wassergesättigten Seeufersedimenten in Schöningen können wir die Evolution der Jagd und die vielfältige Nutzung von Holzwerkzeugen dokumentieren.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51288</guid><pubDate>Mon, 20 Apr 2020 11:11:15 +0200</pubDate><title>Alte Genome deuten auf Parallelgesellschaften in der Schweizer Steinzeit hin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alte-genome-deuten-auf-parallelgesellschaften-in-der-schweizer-steinzeit-hin/</link><description>Altansässige und neue Einwanderer lebten bis zur frühen Bronzezeit der heutigen Schweiz vermutlich nebeneinander – Auch wurde einer der frühesten laktosetoleranten Menschen in der Schweiz entdeckt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch die Einwanderung von Nomaden aus der eurasischen Steppe kam es in Europa zum Ende der Jungsteinzeit, rund 2800 Jahre v. Chr., zu einer umfassenden Bevölkerungsumwälzung. Das haben umfangreiche genetische Analysen ergeben. Bisher war jedoch über den genauen Zeitpunkt dieser Änderungen und den Ablauf der Vermischung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Zentraleuropa wenig bekannt. In einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht wird, hat ein Forschungsteam 96 alte Genome analysiert, die neue Einblicke in die Abstammung heutiger Europäer geben.</p><h3>Zahlreiche Fundstätten in der Schweiz</h3><p>In der Schweiz wurden jungsteinzeitliche Siedlungen an Seeufern und im Sumpfland gefunden genauso wie in inneren Alpentälern und auf hohen Bergpässen. Die reichhaltigen archäologischen Funde machen die Schweiz zu einem herausragenden Ort zur Erforschung der Bevölkerungsgeschichte Zentraleuropas. Auf das Ende der Jungsteinzeit ca. 2800 v. Chr. wird das erste Auftreten archäologischer Funde aus dem Kulturkomplex der sogenannten Schnurkeramik datiert. Im gleichen Zeitraum lassen sich in der genetischen Abstammung der Menschen Spuren finden, die ihren Ursprung in der pontisch-kaspischen Steppe, auf dem Gebiet des heutigen Russlands, haben.</p><p>Ein internationales Forschungsteam aus den Universitäten Tübingen und Bern sowie dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI-SHH) ist den Spuren genauer nachgegangen. Die Forscherinnen und Forscher interessierte, wie sich die Bevölkerungsgruppen aus der pontisch-kaspischen Steppe mit den in Europa bereits ansässigen Menschen vermischten. Sie sequenzierten die Genome von 96 Individuen aus 13 Ausgrabungsstätten aus der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit in der Schweiz, in Süddeutschland und dem französischen Elsass. Sie stellten fest, dass die neue Abstammungsgruppe bereits 2800 Jahre v. Chr. einwanderte. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Gene der neuen und altansässigen Bevölkerungsgruppen erst allmählich mischten. Sie identifizierten zudem auf dem Gebiet der heutigen Schweiz aus der Fundstätte Spreitenbach einen der bisher ältesten bekannten Menschen weltweit, der laktosetolerant war und sich daher von größeren Mengen unvergorener Milch und Milchprodukten ernähren konnte. Er lebte rund 2100 Jahre v. Chr.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51261</guid><pubDate>Fri, 17 Apr 2020 11:52:56 +0200</pubDate><title>CoroNotes: Neue App unterstützt medizinische Studien zu COVID-19</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/coronotes-neue-app-unterstuetzt-medizinische-studien-zu-covid-19/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübinger Kompetenzzentrums für Machine Learning haben zusammen mit Medizinerinnen und Mediziner der Uniklinik Tübingen eine App entwickelt, die anhand von anonymen Gesundheitsdaten zu einem besseren Verständnis des neuartigen Coronavirus beiträgt.</description><content:encoded><![CDATA[<h5>Aufgrund technischer Probleme ist die App derzeit nicht verfügbar</h5><p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, haben zusammen mit Medizinerinnen und Mediziner der Universitätsklinik Tübingen <em>CoroNotes</em> entwickelt, eine App, die dringend benötigte Daten zu COVID-19 schnell und effizient erhebt. Ziel des Projekts ist es, medizinische und wissenschaftliche Studien zum neuartigen Coronavirus zu unterstützen und damit wichtige Einblicke in die Ausbreitung und Verläufe der durch das Virus hervorgerufenen Krankheit COVID-19 zu gewinnen. Die kostenlose App ist ab sofort im GooglePlay verfügbar. Eine Veröffentlichung im Apple App-Store erfolgt in Kürze.</p><p>„Mit <em>CoroNotes</em> haben wir eine Plattform geschaffen, die Nutzern die Möglichkeit bietet, jeden Tag an der Erforschung des Virus teilzuhaben. Sie bleiben dabei völlig anonym. Täglich beantworten die App-User ein paar Fragen zu ihrem Gesundheitszustand und zu eventuellen Symptomen. Aus diesen Daten können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann Rückschlüsse auf Krankheitsverläufe ziehen, die im Zusammenhang mit COVID-19 stehen könnten. So können alle User einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung dieses Virus leisten,“ sagte Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Co-Direktor des Tübinger AI Center. „Wir hoffen, mithilfe der erfassten Daten zur Beantwortung wichtiger Fragestellungen beitragen zu können – beispielsweise, welche Behandlungen am wirksamsten sind, wie möglichst zuverlässige Diagnosen gestellt werden können, oder auch wie die Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden kann.“</p><p>Anhand eines einfachen Fragebogens, den die Nutzerinnen und Nutzer der App täglich in weniger als einer Minute auf ihrem Smartphone oder Tablet ausfüllen, werden wichtige Informationen über die COVID-19 Pandemie gewonnen. Zum Beispiel, ob ich mich heute wohl fühle oder aber Kopf- und Gliederschmerzen habe, eventuell sogar Fieber. Jeder Tag zählt, auch wenn ich mich gesund fühle. Die Forscherinnen und Forscher hoffen, mit den Daten bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe identifizieren zu können, oder geeignete Personen für medizinische Studien ansprechen zu können, die einen besonders großen Erkenntnisgewinn für den Umgang mit COVID-19 versprechen. Auch sollen die Daten helfen, Epizentren der Pandemie früher ausfindig zu machen.</p><p>Die Plattform soll in Zukunft auch anderen Forschenden&nbsp;und Medizinerinnen und Mediziner&nbsp;zur Verfügung stehen, um in Studien Hypothesen zum Beispiel zum Einfluss bestimmter Medikamente oder den Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen zu überprüfen. Dafür können bei Bedarf zusätzliche Informationen abgefragt und mit der bisher erfassten Gesundheitshistorie zusammengeführt werden. Dieses Zusammenspiel erlaubt es, bestimmte Fragestellungen innerhalb sehr kurzer Zeit beantworten zu können.</p><p>„Die COVID-19-Pandemie entwickelt sich sehr dynamisch. Damit die Wissenschaft möglichst schnell Lösungen entwickeln kann, ist die Verfügbarkeit von Daten entscheidend,“ sagt Matthias Bethge, Professor für Computational Neuroscience und Machine Learning der Universität Tübingen und Co-Direktor des Tübingen AI Center. Sein Spezialgebiet ist es, aus vielen Daten Muster und Zusammenhänge zu erkennen. „Es zählen also die Beiträge jedes Einzelnen. Daher hoffen wir, dass viele Menschen <em>CoroNotes</em> herunterladen und nutzen,“ so Bethge.</p><p>Er betont: „Besonders wichtig ist uns dabei, dass die Nutzer der App keine unnötigen Daten preisgeben, die sie nicht preisgeben möchten.“ <em>CoroNotes</em> wird den strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gerecht. Zum einen erhebt <em>CoroNotes</em> nur Daten von Nutzern, die sich aktiv zum Teilen gewisser Daten entscheiden – Daten werden nicht automatisch erfasst. <em>CoroNotes</em> ist keine Tracking- oder Tracing-App, und erfasst keine Bewegungsprofile oder Kontakte mit anderen Personen. Darüber hinaus bekommen Nutzer bei der Anmeldung ein zufällig ausgewähltes Pseudonym und müssen weder Telefonnummer noch Emailadresse angeben. Damit bleiben sie anonym und die App erhebt ausschließlich die selbst angegebenen Gesundheitsdaten. Nutzerinnen und Nutzer können jederzeit ihre eigenen Daten herunterladen oder nachträglich löschen.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen diese anonymisierten Daten mit in Europa ansässigen öffentlichen Gesundheitsorganisationen, akademischen Forschungseinrichtungen oder gemeinnützigen Organisationen – wieder unter den strengen Datenschutzrichtlinien der DSGVO. Die Daten dürfen dabei ausschließlich für Forschungs- und Analyseprojekte mit direktem Bezug zu COVID-19 verwendet werden.</p><p>Weitere Informationen zu <em>CoroNotes</em> finden Sie unter: <a href="https://coronotes.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://coronotes.de</a>&nbsp;</p><p>Die Forscher des Tübinger AI Centers engagieren sich auch im Rahmen des europäischen Exzellenz-Netzwerks ELLIS (European Laboratory for Learning and Intelligent Systems) für die Bekämpfung von COVID-19: <a href="https://ellis.eu/covid-19" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ellis.eu/covid-19</a>&nbsp;</p><h3>Über das Tübingen AI Center:</h3><p>Das Tübingen AI Center ist ein Verbundprojekt der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme innerhalb der Cyber Valley Initiative. Das vom BMBF mit insgesamt 14,7 Mio Euro geförderte Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen erforscht robuste Lernsysteme und trägt zu gesellschaftlichem Nutzen bei, insbesondere durch Bildungsinitiativen wie dem Bundeswettbewerb für Künstliche Intelligenz (<a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>) und Ausgründungen von Start-Ups.</p><p>Forscherinnen und Forscher des Tübingen AI Centers haben sich zusammen mit anderen europäischen Spitzenforscherinnen und Forscher&nbsp;zur ELLIS Initiative zusammengeschlossen (<a href="https://ellis.eu" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ellis.eu</a>). ELLIS steht für European Laboratory for Learning and Intelligent Systems. Inzwischen gibt es bereits 11 überregionale Fellowship Programme und 17 regionale Forschungsgruppen (ELLIS Units), die führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der lernenden KI zusammenbringen, die die Entwicklungen in den letzten Jahren maßgeblich vorangetrieben haben. Das längerfristige Ziel von ELLIS ist es, aus diesem Netzwerk heraus eine Forschungseinrichtung zu schaffen, die mit bekannten Spitzenforschenden weltweit junge Talente anzieht und ausbildet, um die KI der Zukunft zu entwickeln.</p><h3>Über Cyber Valley:</h3><p>2016 in Baden-Württemberg gegründet, ist heute Cyber Valley Europas größte Forschungskooperation im Bereich der Künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Partnerschaft stärkt die Forschung und Lehre in den Bereichen Maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotik sowie die Verbindungen zwischen diesen Wissenschaftsbereichen.</p><p>Partner sind das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS), die Universität Stuttgart, die Universität Tübingen, das Land Baden-Württemberg, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die folgenden sieben Industriepartner: Amazon, die BMW Group, die IAV GmbH, die Daimler AG, die Porsche AG, die Robert Bosch GmbH und die ZF Friedrichshafen AG.</p><p>Mit zehn neu eingerichteten Forschungsgruppen und zehn neuen Professuren am Max-Planck-Institut sowie an den Universitäten Stuttgart und Tübingen steht Cyber Valley für unabhängige Grundlagenforschung. Die Initiative zielt darauf ab, die besten jungen Köpfe aus aller Welt anzuziehen und zu halten: ein wesentlicher Bestandteil ist die in 2017 gegründete International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS), die bereits heute weit über 100 Doktorandinnen und Doktoranden&nbsp;an den Cyber Valley-Institutionen ausbildet.</p><p>Ziel ist es auch, Start-Ups zu fördern. Eine Gründungskultur in der Wissenschaft soll dazu führen, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zügig zur Anwendung zu bringen. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Forschungsprojekte zwischen den Partnern, um den Technologietransfer in diesem Zukunftsgebiet zu stärken. Der rege Austausch zwischen anwendungsbezogener Industrieforschung und Neugier getriebener Grundlagenforschung soll neue Impulse für beide Seiten schaffen und den idealen Nährboden für Ausgründungen schaffen.</p><p><a href="http://www.cyber-valley.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.cyber-valley.de</a></p><p class="align-right">Eine Pressemitteilung von&nbsp;Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-51144</guid><pubDate>Tue, 14 Apr 2020 17:27:00 +0200</pubDate><title>Neuer Ansatz auf dem Weg zum Quantencomputer</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-ansatz-auf-dem-weg-zum-quantencomputer/</link><description>Übergroße Ionen machen Rechnen auf Quantenbasis zuverlässiger und schneller ‒ Tübinger Physiker an internationalem Forschungsprojekt beteiligt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen, vielversprechenden Weg zu einem zuverlässigen und praktisch nutzbaren Quantencomputer aufgezeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten bei ihrem Experiment so genannte Rydberg-Ionen des Elements Strontium, die durch Laserpulse in hoch-angeregte elektronische Zustände versetzt wurden. Diese übergroßen Ionen wechselwirken außerordentlich stark und erlauben den Austausch der in den Ionen abgespeicherten Quanteninformation mithilfe von Photonen. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im Fachmagazin <em>Nature </em>veröffentlicht.</p><p>Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von den bislang existierenden Quantenrechnern auf Ionenbasis. Diese bestehen aus Ionen, die einen Kristall bilden, und der Austausch von Quanteninformation erfolgt in der Regel über Kristallschwingungen. Gerade in großen Ionenkristallen mit sehr komplizierten Schwingungsmustern ist diese Methode allerdings sehr langsam. Komplexe Rechenoperationen können daher nicht schnell genug durchgeführt werden, so dass die gespeicherte Quanteninfor-mation zerfällt. Die Nutzung von übergroßen Ionen umgeht dieses Problem, und ermöglicht den schnellen Ablauf von Quantenrechnungen selbst in großen Systemen.&nbsp;</p><p>„Quantencomputer auf Ionenbasis gelten unter Fachleuten seit langem als vielversprechend, da sie im Prinzip mit Fehlerraten von weniger als 0,1 Prozent rechnen können“, sagte Professor Igor Lesanovsky vom Institut für theoretische Physik der Universität Tübingen. Ionen lassen sich mithilfe elektrischer Felder einfangen und kontrollieren sowie sehr gut von der Umgebung abschirmen. Allerdings traten in der Vergangenheit Probleme bei der Skalierung eines solchen Rechners auf. Wurde die Zahl der eingesetzten Ionen schrittweise erhöht, um den Quantenrechner größer und leistungsfähiger zu machen, mussten Wissenschaftler feststellen, dass die Rechenoperationen anschließend langsamer abliefen und die Fehlerrate stieg. „Um Quanteninformationen zu übertragen, müssen die Ionen in Schwingungen versetzt werden“, erklärte Lesanovsky: „Erhöht man die Zahl der eingesetzten Ionen, führt das aber dazu, dass die Schwingungsmuster zunehmend komplizierter werden und immer schwieriger zu kontrollieren sind.“ Die Ionen stören sich gewissermaßen gegenseitig beim Rechnen. &nbsp;</p><p>Einem Forscherteam der Universität Stockholm gelang es nun, die beschriebenen Probleme durch den Einsatz von Rydberg-Ionen zu lösen. Professor Lesanovsky begleitete das aktuelle Experiment gemeinsam mit Dr. Weibin Li von der Universität Nottingham durch theoretische Berechnungen und die Untersuchung möglicher Fehlerquellen. Herkömmliche Ionen zeichnen sich dadurch aus, dass die Elektronen im engen Abstand um den Atomkern kreisen. Bei Rydberg-Ionen zirkuliert dagegen ein Elektron in einem weiten Abstand um den Kern. Ionen in Rydberg-Zuständen sind dadurch nicht nur weitaus größer als herkömmliche Atome oder Ionen, sie zeichnen sich auch durch besondere physikalische Eigenschaften aus.&nbsp;</p><p>„Rydberg-Ionen bilden gewissermaßen kleine Antennen und erlauben dadurch, besonders schnelle Quantengatter zu realisieren, die die „Grundbausteine“ eines Quantencomputers darstellen“, erklärt Professor Markus Hennrich von der Universität Stockholm. Da die Wechselwirkung zwischen Rydberg-Ionen nicht auf Kristallschwingungen, sondern auf dem Austausch von Photonen basiert, erwarten die Forscher, dass ein Quantenrechner auf Basis von Rydberg-Ionen auch bei einer großen, dreidimensionalen Ionenstruktur funktioniert, die für die Schaffung eines leistungsstarken und breit einsetzbaren Quantencomputers notwendig wäre.&nbsp;</p><p>Eine wesentliche Größe für jeden Quantencomputer ist die so genannte Kohärenzzeit. Der Begriff bezeichnet den Zeitraum, über welchen sich Quanteninformation stabil speichern und verarbeiten lässt. „Auch bei der derzeit besten Abschirmung ist diese Kohärenzzeit immer begrenzt, da Quantenzustände bereits beim kleinsten Kontakt mit der Umwelt zerstört werden“, erklärte Lesanovsky. Die Wissenschaftler erwarten, dass mit dem von ihnen gewählten experimentellen Ansatz bis zu 100 Millionen Rechenoperationen pro Kohärenzzeit durchgeführt werden können. Quantenprozessoren basierend auf Festkörpern oder supraleitenden Schaltkreisen erlauben im Moment etwa 1.000 Rechenoperationen pro Kohärenzzeit. „Ein Quantenrechner auf der Basis von Rydberg-Ionen hat damit vor allem das Potenzial, deutlich zuverlässiger zu arbeiten als andere Systeme auf Quantenbasis.“</p><p>Quantencomputer gelten als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Während herkömmliche Computer nach den Gesetzen der klassischen Physik funktionieren, arbeiten Quantencomputer nach den Regeln der Quantenmechanik. Die Fähigkeit von miteinander verschränkten Quanten, Informationen ohne zeitliche Verzögerung auszutauschen, macht sie sehr schnell und leistungsfähig. Quantencomputer könnten in der Zukunft überall dort zum Einsatz kommen, wo gewaltige Datenmengen verarbeitet werden müssen, so zum Beispiel in der Personalisierten Medizin oder bei der Künstlichen Intelligenz. Die Bundesregierung startete Ende Januar 2020 eine strategische Initiative zum Quantencomputing und stellte dafür 300 Millionen Euro bereit. Große Konzerne wie IBM oder Google haben in der Vergangenheit bereits experimentelle Quantencomputer vorgestellt. Fachleute gehen aber davon aus, dass bis zur Schaffung eines alltagstauglichen Quantencomputers noch mindestens zehn Jahre Forschung und Entwicklung notwendig sind.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Chi Zhang, Fabian Pokorny, Weibin Li, Gerard Higgins, Andreas Pöschl, Igor Lesanovsky, Markus Hennrich, Sub-microsecond entangling gate between trapped ions via Rydberg interaction. Nature 2019, DOI 10.1038/s41586-020-2152-9, <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-020-2152-9" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-020-2152-9</a>&nbsp;</p><p><a href="https://www.fysik.su.se/english/about-us/news/speeding-up-quantum-computing-using-giant-atomic-ions-1.495081" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Englische Pressemitteilung der Universität Stockholm</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50946</guid><pubDate>Tue, 07 Apr 2020 10:39:32 +0200</pubDate><title>Panzerpuzzle: Weiteres Teil der Schildkrötenevolution hinzugefügt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/panzerpuzzle-weiteres-teil-der-schildkroetenevolution-hinzugefuegt/</link><description>Zusammenhang zwischen Schädel- und Hals-Evolution bei Schildkröten aufgeklärt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Ursprung von Schildkröten gilt als eine der am häufigsten geführten Debatten innerhalb der Evolutionsbiologie. In einer kürzlich im Fachjournal „Nature Scientific Reports“ veröffentlichten Studie hat Senckenberger Ingmar Werneburg mit einem internationalen Team von Forschenden bestehende Hypothesen widerlegt und neues Licht auf die Evolution der Schädelarchitektur geworfen. Die Ergebnisse zeigen eine enge Verknüpfung der Evolution des Schädels und des hochflexiblen Halses bei den Panzerträgern.</p><p>Neben ihren Panzern gehören die flexiblen Hälse und kleinen Köpfe zu den charakteristischen Merkmalen von Schildkröten. „Auch wenn Schildkröten zu den Reptilien zählen, unterscheidet sich ihr Schädel stark von dem anderer Kriechtiere – dies erschwert, zusammen mit dem einzigartigen Panzerskelett, die Beurteilung ihres stammesgeschichtlichen Ursprungs“, erklärt PD Dr. Ingmar Werneburg vom ‚Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP)‘ an der Universität Tübingen.</p><p>Fossilien lassen darauf schließen, dass eine Reihe von Modifikationen während der Evolution der Schildkröten dazu geführt hat, dass sich der zunächst in sich bewegliche Schädel zu einer unbeweglichen Struktur umbildete. Dabei schlossen sich auch die Schläfenfenster in der Wangenregion und formten so den sogenannten anapsiden Schädel, wie er sonst bei keinen anderen lebenden Reptilien vorhanden ist.&nbsp;Gleichzeitig entwickelte sich eine einzigartige, mit einem Seilzug vergleichbare Anordnung der Kiefermuskulatur. „Bislang wurde vermutet, dass diese Modifikationen bei Schildkröten zu einer Steigerung der Beißkraft geführt haben und es sich bei dieser Entwicklung um eine funktionelle Anpassung an ein verändertes Fressverhalten handelte“, ergänzt Werneburg.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50796</guid><pubDate>Thu, 02 Apr 2020 11:59:50 +0200</pubDate><title>Studium Generale entfällt im Sommersemester</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-entfaellt-im-sommersemester/</link><description>Universität Tübingen setzt öffentliche Vorlesungsreihen aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen setzt im Sommersemester die Vorlesungsreihen des „Studium Generale“ aus. Die geplanten abendlichen Veranstaltungen sind abgesagt und werden, sofern möglich, auf das Wintersemester verschoben. Die Maßnahme dient sowohl dem Gesundheitsschutz der Besucherinnen und Besucher als auch der veranstaltenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zudem lässt sich derzeit nicht abschätzen, ab wann Präsenzveranstaltungen mit einem größeren Publikum wieder möglich sein werden.</p><p>Die Universität bittet um Verständnis und informiert auf ihrer Homepage unter:<br><a href="/universitaet/im-dialog/studium-generale/">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale- veranstaltungen/studium-generale/&nbsp;</a><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50646</guid><pubDate>Mon, 30 Mar 2020 09:37:57 +0200</pubDate><title>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz startet in die nächste Runde</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-startet-in-die-naechste-runde/</link><description>Ab 30. März können Projektideen eingereicht werden ‒ Neuer Online-Kurs vermittelt Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. März geht der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (BWKI) in die nächste Runde: Schülerinnen und Schüler können ‒ allein oder im Team ‒ Projektideen für Algorithmen einreichen und bis Oktober 2020 an ihren kreativen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zukunft arbeiten. Neben vielen attraktiven Preisen gibt es einen Besuch bei der Konferenz AI Con zu gewinnen, ermöglicht durch die Firma Bosch.</p><p>Im BWKI entwickeln Schülerinnen und Schüler Algorithmen mit ökologischem, medizinischem, technischem oder gesellschaftlichem Anwendungspotential. Nach einer hohen Resonanz mit mehr als 2500 Teilnehmenden im Vorjahr, wird der Wettbewerb in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Die Veranstalter sind das Tübingen AI Center der Universität Tübingen und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Kooperation mit der Cyber Valley Initiative.</p><p>Der BWKI bietet allen Interessierten ab April die Möglichkeit, über social media Kanäle (facebook, instagram und twitter) eine sog. Programmieraufgabe der Woche zu lösen.</p><p>Erstmals gibt es zudem die Möglichkeit, einen umfangreichen KI-Kurs online zu besuchen. In diesem werden die Grundlagen Künstlicher Intelligenz durch Programmier-Tutorials vermittelt und eine Auseinandersetzung mit ethischen Grundfragen angeboten. Abschließend können Teilnehmende sich an einem der Finalisten- Projekte des Vorjahres ausprobieren. Der Kurs eignet sich besonders für Schulen und bietet die Möglichkeit, zukunftsweisende Methoden in den Schulalltag einzubinden. <strong>Die Schule mit den meisten und aktivsten Teilnehmenden am KI-Kurs wird im November zur <em>KI-Schule des Jahres</em> ernannt</strong> und erhält Bionik-Bildungsbaukästen (bionics4education), gestiftet von der Firma Festo.</p><p>Im November werden die Finalisten zur Preisverleihung an das Max- Planck-Institut für Intelligente Systeme eingeladen. Die nominierten Projekte werden dort einer hochrangigen Jury mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Medien vorgestellt. Zu den diesjährigen Jurymitgliedern gehört unter anderem der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und international bekannte KI-Forscher (<a href="https://bw-ki.de/jury/" target="_blank" rel="noreferrer">https://bw-ki.de/jury/</a>). Die Veranstaltung wird wieder durch Fernsehmoderator und Webvideoproduzent Philip Häusser moderiert.</p><p>Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist Hauptförderer des Wettbewerbs. Weitere Unterstützer sind die Unternehmen Bosch, Amazon, Festo und NVIDIA.</p><p>Informationen und Anmeldung unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp; und <a href="https://ki-kurs.org" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ki-kurs.org</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50592</guid><pubDate>Thu, 26 Mar 2020 11:45:16 +0100</pubDate><title>Digitales Unterrichten leicht gemacht </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/digitales-unterrichten-leicht-gemacht/</link><description>Universität Tübingen stellt nützliche Tipps und Tools zum Online- Unterrichten und -Lernen vor 
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Auf der ganzen Welt sind derzeit Lehrkräfte und Lernende vor die Herausforderung gestellt, von heute auf morgen online unterrichten oder lernen zu müssen. Tipps im Internet dazu gibt es zahlreiche, doch sind diese unstrukturiert und fokussieren meist nur einen bestimmten Teilbereich. Das LEAD Graduate School &amp; Research Network an der Universität Tübingen veröffentlicht nun in Kooperation mit dem Online Learning Research Center (OLRC) an der University of California, Irvine auf der Webseite LEAD.schule evidenzbasierte Anleitungen, wie Unterrichten und Lernen online strukturiert angegangen werden kann.&nbsp;</p><p>Die Anleitungen zeigen beispielsweise, wie man Kursmaterialien aufbereitet und übersichtlich gestaltet, Kurse für die Lernenden strukturiert oder mit ihnen kommunizieren und sie in ihrer Selbstregulation unterstützen kann. Alle Erkenntnisse stützen sich auf Studienergebnisse des OLRC und des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen. Für Lernende an Schulen und Universitäten gibt es Tipps, wie sich das Lernen zu Hause organisieren lässt. Die Webseite orientiert sich an der amerikanischen Seite des OLRC. Das Angebot wurde übersetzt, die Verlinkungen führen zu den englischsprachigen Seiten. Die Inhalte sollen nach und nach um deutschsprachige Angebote ergänzt werden.&nbsp;</p><p>Website der Universität Tübingen: <a href="https://lead.schule/digitales-lernen/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://lead.schule/digitales-lernen/</a>&nbsp;<br> Website der amerikanischen Bildungsforscher: <a href="https://www.olrc.us/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.olrc.us/</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50505</guid><pubDate>Tue, 24 Mar 2020 09:28:39 +0100</pubDate><title>Vor 47 Millionen Jahren schrumpften kleine Pferde, große Tapire legten noch zu</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vor-47-millionen-jahren-schrumpften-kleine-pferde-grosse-tapire-legten-noch-zu/</link><description>Wissenschaftler gewinnen anhand von Fossilien aus dem Geiseltal bei Halle Einblick in die Evolution der frühen Säugetiere
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im früheren Braunkohleabbaugebiet im Geiseltal westlich von Merseburg in Sachsen-Anhalt wurde im vergangenen Jahrhundert eine riesige Zahl außergewöhnlich gut erhaltener Tierfossilien geborgen. Sie geben der Paläontologie einen einzigartigen Einblick in die Evolution der Säugetiere vor 47 Millionen Jahren. In dieser Zeit, dem Mittleren Eozän, war das Erdklima viel wärmer als heute und das Gebiet ein morastiger subtropischer Wald, zu dessen Bewohnern Urpferde, frühe Tapire, große landlebende Krokodile sowie Riesenschildkröten, Eidechsen und bodenlebende Vögel gehörten. Die Funde aus dem Geiseltal sind so zahlreich und umfassend, dass sie Forschern ein Bild der Evolutionsdynamik bis auf die Ebene von Tierpopulationen mit bisher unerreichter Detailgenauigkeit geben.</p><p>Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Márton Rabi von der Universität Tübingen und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hat entdeckt, dass die Körpergröße zweier Säugetierarten sich in gegensätzliche Richtungen entwickelte. Die Studie, die in der Fachzeitschrift <em>Scientific Reports</em> veröffentlicht wurde, ist in Zusammenarbeit mit Simon Ring und Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Universität Tübingen sowie mit Dr. Oliver Wings von der MLU entstanden.</p><p>„Am Anfang haben wir uns vor allem für die Evolution der Urpferde interessiert, die ungefähr die Größe eines Labradors hatten. Von ihnen gibt es besonders viele unter den Geiseltal-Fossilien“, sagt Rabi. Die Forscher gingen zunächst davon aus, dass es dort mehrere Arten früher Pferde gegeben hat. „Wir stellten jedoch fest, dass es sich im Geiseltal nur um eine einzige Art handelt, deren Körpergröße mit der Zeit deutlich abnahm“, erklärt Rabi. Das Forschungsteam wollte wissen, ob diese Veränderung durch das Klima ausgelöst worden sein könnte, da frühere globale Warmphasen zu einer Reduktion der Körpergröße bei frühen Säugetieren geführt hatten.</p><p>Informationen über das lokale Klima im Mittleren Eozän des Geiseltals erhielten die Forscher über Kohlenstoff- und Sauerstoff-Isotopen-Untersuchungen an fossilen Zähnen. „Sie deuten auf ein feuchtes Tropenklima hin. Wir fanden jedoch keine Hinweise auf Klimaänderungen im Geiseltal im untersuchten Zeitraum“, sagt Bocherens. Um ihre Ergebnisse weiter zu erhärten, versuchte das Team herauszubekommen, ob der Schrumpfungsprozess nur bei Pferden auftrat. Zum Vergleich untersuchten sie die Evolution früher Tapire der Gattung Lophiodon. „Wir hatten Anhaltspunkte, die gleichbleibenden Klimadaten in Frage zu stellen; daher erwarteten wir, dass andere Säugetiere die gleichen Trends bei der Entwicklung der Körpergröße zeigen würden wie die Pferde“, erklärt Simon Ring. Doch erstaunlicherweise hätten die Ergebnisse bei den Tapiren, bei denen es sich ebenfalls nur um eine Art handelt, einen gegensätzlichen Trend aufgewiesen. Sie wurden größer, statt zu schrumpfen. Während die Vorfahren der Pferde ihr durchschnittliches Körpergewicht innerhalb von einer Million Jahren von 39 Kilogramm auf rund 26 Kilo verringerten, legten die Tapire im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 124 Kilo Körpergewicht auf 223 Kilo zu.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50445</guid><pubDate>Fri, 20 Mar 2020 11:49:22 +0100</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2020 geht an Linda Woodhead und Adam Seligman</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2020-geht-an-linda-woodhead-und-adam-seligman/</link><description>Feier zur Verleihung wird auf 2021 verschoben – Preis für Nachwuchswissenschaftler erhält Johannes Reich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der mit 50.000 Euro dotierte Dr. Leopold Lucas-Preis 2020, der jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen vergeben wird, geht 2020 zu gleichen Teilen an Linda Woodhead (England) und Adam Seligman (USA). Mit der Entscheidung zur Teilung des Preises würdigt das Vergabekomitee zwei unterschiedliche und doch im Kern aufeinander bezogene Zugänge zum Zusammenhang zwischen Religion und Gesellschaft in der Gegenwart. Die Preisverleihung findet wegen der aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie nicht in diesem Jahr statt, sondern wird mit der Preisverleihung 2021 verbunden.</p><p>Professor Adam B. Seligman forscht am Institut für Kultur, Religion und Weltgeschehen der Universität Boston und ist vor allem in Israel und den USA tätig. Seine Arbeiten kreisen um die Frage, welchen Stellenwert Religion in einer pluralen Gesellschaft besitzen kann. Er schreitet das Feld zwischen klassischen religiösen Kompetenzen – im Bereich des Rituals, der Tradition und des Vertrauens – und der Notwendigkeit gegenseitiger Achtung in der multireligiösen Gesellschaft ab. Vor diesem Hintergrund engagiert er sich in gegenwärtigen Debatten über Religion und Toleranz.</p><p>Auch Linda Woodhead, Professorin für die Soziologie der Religion an der Universität Lancaster, ist eine gesellschaftlich engagierte Intellektuelle. Sie geht in zahlreichen Studien der Frage nach, wie sich Phänomene neuer Religiosität oder auch das Bewusstsein eines Verzichts auf Religion zu der traditionell in Europa und Großbritannien dominierenden und immer mehr zurückgehenden christlichen Religion verhalten. Von hier aus entwickelt sie einen angesichts der Vielfalt und Komplexität der Religionen nur noch selten gewagten, weiten Blick auf sehr unterschiedliche religiöse Phänomene – und doch auch, unter Beachtung der jeweiligen Rückwirkungen, speziell auf das Christentum.</p><p>Beide Preisträger entsprechen laut Jury in besonderer Weise der Intention des Dr. Leopold-Lucas-Preises, der Menschen auszeichnet, deren wissenschaftlich fundiertes Werk die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern fördert und sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht hat. Der Preis wurde 1972 zum Gedenken an den jüdischen Gelehrten und Rabbiner Dr. Leopold Lucas gestiftet, der 1943 in Theresienstadt als Opfer des NS-Staates starb.</p><p>Seit 1986 ist er mit der Verleihung des Dr. Leopold Lucas-Nachwuchswissenschaftlerpreises verbunden, der für 2020 an den katholischen Theologen Dr. Johannes Reich geht. In seiner moraltheologischen Dissertation hat er durch den Vergleich von Kants frühen Vorlesungen und seiner späten Religionsschrift wichtige neue Erkenntnisse zur Kontinuität der kantischen Religionstheorie zu Tage gefördert und die ethische Diskussion hierdurch bereichert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50388</guid><pubDate>Thu, 19 Mar 2020 20:00:00 +0100</pubDate><title>Wie Pflanzen Berge formen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-pflanzen-berge-formen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen Vegetation, Niederschlag und Bodenerosion in den Anden </description><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzenbewuchs kann Hänge stabilisieren, Regenfälle verstärken hingegen häufig die Bodenerosion. Bisher war das Zusammenspiel dieser Einflüsse auf die Gebirgsbildung nur für einige kleinere Regionen der Erde bekannt. Professor Todd Ehlers, Dr. Jessica Starke und Dr. Mirjam Schaller aus dem Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen haben die Wechselwirkung von Pflanzen und Klima auf die Gebirgsbildung nun in einer großangelegten Studie untersucht. Bei ihrer Forschungsarbeit entlang des 3.500 Kilometer langen Westrands der Anden in Peru und Chile stellten sie fest, dass der Einfluss von Pflanzen auf Landschaft und Erosion je nach Region gegensätzlich ausfallen kann. Entscheidende Faktoren sind Klimazonen und Pflanzenbewuchs. Während zum Beispiel in der trockenen Atacama-Wüste die spärliche Vegetation den Boden festhält, ist im Gegensatz dazu in gemäßigten feuchteren Regionen mit einer dichteren Pflanzendecke eine höhere Erosionsrate zu beobachten. Die Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift <em>Science</em> veröffentlicht.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50247</guid><pubDate>Tue, 17 Mar 2020 12:47:42 +0100</pubDate><title>Eine molekulare Landkarte für die Pflanzenforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-molekulare-landkarte-fuer-die-pflanzenforschung/</link><description>Erstmalige umfassende Kartierung des Proteoms der Modellpflanze Arabidopsis thaliana</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pflanzen sind für das Leben auf der Erde unerlässlich. Sie liefern die Nahrung für praktisch alle Lebewesen, den Sauerstoff zum Atmen, und sie regulieren das Klima des Planeten. Proteine haben eine Schlüsselstellung bei der Steuerung der Lebensvorgänge in Pflanzen. Unter Beteiligung&nbsp;des&nbsp;Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)&nbsp;der Universität Tübingen und der Federführung der Technischen Universität München (TUM) hat ein Wissenschaftsteam nun rund 18.000 der in der Modellpflanze Arabidopsis thaliana vorkommenden Proteine kartiert.</strong></p><p>Jede Zelle eines Organismus enthält die komplette genetische Information, den „Bauplan“ eines Lebewesens, verpackt in der Abfolge der so genannten Nukleotidbausteine der DNS. Doch wie entstehen daraus so unterschiedliche Gewebe wie ein Blatt, das über die Photosynthese Lichtenergie in chemische Energie umwandelt und Sauerstoff produziert oder eine Wurzel, die Nährstoffe aus dem Boden aufnimmt?&nbsp;</p><p>Die Antwort darauf liegt in dem Proteinmuster der Zellen des jeweiligen Gewebes. Proteine sind die wichtigsten Akteure in jeder Zelle. Sie sind Biokatalysatoren, leiten Signale innerhalb und zwischen Zellen weiter, bilden die Zellstruktur und vieles mehr.&nbsp;</p><p>„Für das Proteinmuster ist nicht nur bedeutend, welche Proteine in einem Gewebe vorkommen, sondern vor allem in welchen Mengen“, erklärt Bernhard Küster, Professor für Proteomik und Bioanalytik an der TUM. So finden sich Proteine der Photosynthese-Maschinerie zum Beispiel vor allem in Blättern, aber in nur tausendfach geringerer Menge auch in Blüten und Samen.&nbsp;</p><h3>Laborpflanzen als Modell für die Grundlagenforschung</h3><p>Das Team um Dr. Julia Mergner und Prof. Bernhard Küster hat die Modellpflanze Arabidopsis thaliana, zu Deutsch „Ackerschmalwand“, mit biochemischen und analytischen Hochdurchsatz-Methoden untersucht, um mehr über die molekulare Zusammensetzung zu erfahren.&nbsp;</p><p>Seit 40 Jahren ist das unscheinbare Unkraut mit kleinen weißen Blüten die „Labor-Maus“ der Pflanzenbiologie. Sie ist klein, anspruchslos im Wachstum und einfach zu züchten. Diese Eigenschaften haben ihr den Weg in die Labore der Genetik und Molekularbiologie geebnet. Dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung an Arabidopsis sich oft auch auf Nutzpflanzen übertragen lassen, macht die Pflanzenart zudem für die Züchtungsforschung interessant.&nbsp;</p><p>Als Messmethoden verwendete das Team die so genannte Flüssigchromatographie-gekoppelte- Tandem-Massenspektrometrie die es ermöglicht, tausende von Proteinen in einem Experiment zu analysieren. Methoden der Bioinformatik halfen bei der Analyse der sehr großen Datenmengen.</p><h3>Arabidopsis-Atlas für die globale Forschungsgemeinschaft</h3><p>„Erstmalig haben wir das Proteom, also alle Proteine der Gewebe der Modellpflanze Arabidopsis, umfassend kartiert“, erklärt Bernhard Küster. „Das lässt neue Einblicke in die komplexe Biologie von Pflanzen zu.“</p><p>Alle Ergebnisse der Forschungsarbeit wurden in einem virtuellen Atlas zusammengefasst, der&nbsp;Antworten darauf liefert,&nbsp;</p><ul><li>wie viele der etwa 27.000 Gene in der Pflanze als Proteine existieren (&gt;18.000),&nbsp;</li><li>wo sie sich befinden (z.B. Blüte, Blatt oder Stengel) und</li><li>in welchen ungefähren Mengen sie dort auftreten.&nbsp;</li></ul><p>Diese Informationen sind frei in der online Datenbank ProteomicsDB abrufbar, die bereits einen Protein-Katalog für das menschliche Proteom enthält, welches das gleiche Team der TUM im Jahr 2014 entschlüsselt hat.&nbsp;</p><h3>Forschungsergebnisse als Grundlage künftiger Analysen von Nutzpflanzen</h3><p>Es ist zu erwarten, dass es Ähnlichkeiten zwischen Arabidopsis und den molekularen Landkarten anderer Pflanzen gibt. „Der Atlas soll daher auch die Forschung an anderen Pflanzen befeuern“, so Küster.&nbsp;</p><p>Die Forscherinnen und Forscher werden sich zukünftig mit der Analyse von Nutzpflanzen beschäftigen. Interessant wird dabei vor allem sein, wie sich das Proteom verändert, wenn die Pflanzen von Schädlingen angegriffen werden, oder wie sich Pflanzen an den Klimawandel anpassen können.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Julia Mergner, Martin Frejno, Markus List, Michael Papacek, Xia Chen, Ajeet Chaudhary, Patroklos Samaras, Sandra Richter, Hiromasa Shikata, Maxim Messerer, Daniel Lang, Stefan Altmann, Philipp Cyprys, Daniel P. Zolg, Toby Mathieson, Marcus Bantscheff, Rashmi R. Hazarika, Tobias Schmidt,&nbsp;Corinna Dawid, Andreas Dunkel, Thomas Hofmann, Stefanie Sprunck, Pascal Falter-Braun, Frank Johannes, Klaus F. X. Mayer, Gerd Jürgens, Mathias Wilhelm, Jan Baumbach, Erwin Grill, Kay Schneitz, Claus Schwechheimer und Bernhard Kuster Mass-spectrometry-based draft of the Arabidopsis proteome. <em>Nature</em>. DOI: 10.1038/s41586-020-2094-2. URL:&nbsp;<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-020-2094-2" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-020-2094-2</a>.</p><h3>Links:&nbsp;</h3><p><a href="https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/35907/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/35907/</a>&nbsp;<br><a href="https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/31545/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/31545</a><br><a href="https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/34677/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/34677/</a></p><h3>Mehr Informationen:</h3><ul><li>Der interaktive Zugang zu dieser einzigartigen Datenquelle für die Pflanzenforschung wird über die kostenlose Datenbank ProteomicsDB bereitgestellt. Diese umfasst leistungsstarke bioinformatische Werkzeuge zur Analyse von Arabidopsis-Proteinen, deren Modifikationen und Wechselwirkungen: <a href="https://www.proteomicsdb.org" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.proteomicsdb.org</a>&nbsp;&nbsp;</li><li>Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 924 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Molekulare Mechanismen der Ertragsbildung und Ertragssicherung bei Pflanzen durchgeführt. Dieser wird von Claus Schwechheimer, Professor für Systembiologie der Pflanzen an der TUM koordiniert: <a href="https://sfb924.wzw.tum.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://sfb924.wzw.tum.de</a>&nbsp;</li><li>Am Projekt beteiligt waren die TUM (federführend), das Helmholtz Zentrum München, die Ludwigs-Maximilians-Universität München, die Universität Regensburg, die Universität Tübingen und die Cellzome GmbH in Heidelberg.</li></ul><p class="align-right"><strong>Eine Pressemitteilung der Technischen Universität München</strong></p><ul></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-50016</guid><pubDate>Wed, 11 Mar 2020 19:58:47 +0100</pubDate><title>Erster Covid-19-Fall an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erster-covid-19-fall-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Student positiv getestet – Zwei weitere Studenten und zwei Mitarbeiter als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität Tübingen gibt es einen ersten bestätigten Covid-19-Fall. Ein Student der Informatik, der an einer Blockveranstaltung teilgenommen hatte, wurde positiv auf das neue Corona-Virus getestet, wie die Universität am Mittwoch mitteilte. Zwei weitere Studenten gelten als Verdachtsfälle. Bei ihnen stand das Testergebnis am Mittwochabend noch aus. An der Blockvorlesung im Fach Informatik hatten insgesamt 28 Studierende sowie ein Professor und zwei Nachwuchswissenschaftler als Lehrende teilgenommen.</p><p>Der positiv auf Corona-Virus getestete Student befindet sich in häuslicher Quarantäne. Die beiden Studenten, die als Verdachtsfälle eingestuft sind, sowie die beiden Nachwuchswissenschaftler galten am Mittwoch als Kontaktpersonen der Kategorie 1 und befinden sich derzeit ebenfalls in häuslicher Quarantäne. Der Informatik-Professor sowie alle übrigen Kursteilnehmer gelten derzeit als Kontaktpersonen der Kategorie 2. Sie sollen ihre sozialen Kontakte reduzieren und von ihren Mitmenschen Abstand halten. Sollten sie typische Krankheitssymptome entwickeln, müssen sie umgehend Kontakt mit den Gesundheitsbehörden aufnehmen.</p><p>Die Lehrveranstaltung hatte seit dem 5. März in einem Hörsaal sowie in einem Computerpool-Raum der Universität stattgefunden. Beide Räume wurden am Mittwoch für die Nutzung gesperrt und werden in Absprache mit dem betriebsärztlichen Dienst der Universität und dem Gesundheitsamt vor einer erneuten Nutzung desinfiziert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Coronavirus-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49965</guid><pubDate>Wed, 11 Mar 2020 09:01:00 +0100</pubDate><title>Wie giftiges Arsen ins Grundwasser Vietnams gelangt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-giftiges-arsen-ins-grundwasser-vietnams-gelangt/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt in Hanoi, dass Bakterien bei der Freisetzung von Arsen Nahrungsquellen aus tiefen Gesteinsschichten nutzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Giftiges Arsen im Grund- und Trinkwasser ist ein riesiges Problem für mehr als hundert Millionen Menschen weltweit, insbesondere in Ländern Südostasiens wie Bangladesch und Vietnam. Freigesetzt wird es durch die Aktivität von Mikroorganismen. Nun hat ein Forschungsteam in der Geomikrobiologie unter der Leitung von Professor Andreas Kappler von der Universität Tübingen herausgefunden, dass die Nahrungsquellen dieser Bakterien nicht, wie vermutet, von der Erdoberfläche stammen, sondern aus tiefen Gesteinsschichten. Das Wissen über die hauptsächlichen Wege und Prozesse der Arsenfreisetzung soll helfen, künftige Trinkwasserkontaminationen präzise vorherzusagen und nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Environmental Science and Technology</em> veröffentlicht.</p><p>Im Untergrund vieler Regionen Südostasiens sind große Mengen arsenhaltiger Eisenminerale zu finden. Dort im Sediment der Grundwasserleiter leben Gemeinschaften von Mikroorganismen, die die Eisenminerale auflösen können und dabei das problematische Arsen freisetzen. Dazu benötigen sie organisches Material als Nahrung. „Bisher ging man davon aus, dass organisches Material von der Oberfläche, zum Beispiel Pflanzenablagerungen oder Algen aus kleinen Tümpeln und Seen, die Mikroorganismen antreibt, die arsenhaltigen Eisenminerale aufzulösen und so das Arsen freizusetzen“, sagt Andreas Kappler. Doch habe es in vielen Grundwassersystemen Hinweise gegeben, dass das organische Material von der Oberfläche gar nicht bis in die arsenhaltigen Schichten eindringt.</p><p>In der neuen Studie untersuchten die Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen aus Zürich, Karlsruhe und Berlin die Zusammenhänge in einem Dorf mit arsenbelastetem Wasser, in VanPhuc, 15 Kilometer südöstlich von Hanoi in Vietnam. Dort wurde bei Bohrungen frisches Untergrundmaterial aus bis zu mehr als 40 Metern Tiefe gewonnen. Das Forschungsteam prüfte, wie viel organisches Material in den tiefen Gesteinsschichten zu finden war, woher es stammte und ob die vorhandenen Mikroorganismen es als Nahrungs- und Energiequelle verwenden können. In kontrollierten Experimenten, die in den Tübinger Laboren durchgeführt wurden, konnten die ablaufenden Stoffwechselprozesse und die jeweiligen Energiequellen der verschiedenen Bakterien identifiziert werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49929</guid><pubDate>Mon, 09 Mar 2020 13:04:38 +0100</pubDate><title>Wann Verschwörungstheorien gefährlich sind und was dagegen hilft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wann-verschwoerungstheorien-gefaehrlich-sind-und-was-dagegen-hilft/</link><description>EU-Projekt veröffentlicht Erkenntnisse und umfangreiche Unterrichtsmaterialien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Mondlandung, Chemtrails oder der Coronavirus: Verschwörungstheorien sind allgegenwärtig, vor allem in den Sozialen Netzwerken. An der Universität Tübingen veröffentlicht ein EU-gefördertes Forschungsprojekt nun umfangreiche Forschungsergebnisse zum Thema. Unter Koordination von Professor Michael Butter hatten sich im Projekt „Comparative Analysis of Conspiracy Theories” (COMPACT)&nbsp;seit April 2016 insgesamt 160 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Ländern mit Verschwörungstheorien auseinander gesetzt.</p><p>Die Erkenntnisse und Materialien dazu werden der Öffentlichkeit ab 16. März auf der Website des Projekts <a href="https://conspiracytheories.eu/ " target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://conspiracytheories.eu/</a>&nbsp;zugänglich gemacht. Die Broschüre „Guide to Conspiracy Theories“ fasst auf 20 Seiten zusammen, was die Forschung über Verschwörungstheorien weiß: unter anderem, was eine Verschwörungstheorie ausmacht, wen sie anspricht und ab wann es gefährlich werden kann. Erklärt wird auch, wie sich mit Anhängern und „Unentschiedenen“ über Verschwörungstheorien diskutieren lässt.</p><p>Die Broschüre soll besonders Lehrkräften, Medien und der Politik zur Verfügung stehen. In einem „Education Pack“ werden zusätzlich Unterrichtsmaterialien und Planspiele für Schulen und Universitäten zur kritischen Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien angeboten.</p><p>Am 30. März geht der erste Teil des fünfteiligen Podcasts The Expert Guide to Conspiracy Theories online <a href="https://theconversation.com/uk" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://theconversation.com/uk</a>, zudem bietet das Routledge Handbook of Conspiracy Theories einen Überblick über das Forschungsfeld: <a href="https://www.routledge.com/Routledge-Handbook-of-Conspiracy-Theories-1st-Edition/Butter-Knight/p/book/9780815361749" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.routledge.com/Routledge-Handbook-of-Conspiracy-Theories-1st-Edition/Butter-Knight/p/book/9780815361749</a>.</p><p>Alle Materialien werden auch bei der Veranstaltung „Understanding conspiracy theories, and what to do about them” am Montag, 16. März in Brüssel präsentiert. Mitglieder des Netzwerks diskutieren hier mit Vertreterinnen und Vertretern der Weltgesundheitsorganisation WHO, der EU-Kommission, von Journalisten ohne Grenzen und anderen Organisationen. Veranstaltungsprogramm auf der Projekt-Website unter <a href="https://conspiracytheories.eu/activity/brussels-stakeholder-workshop/ " target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://conspiracytheories.eu/activity/brussels-stakeholder-workshop/&nbsp;</a></p><p>Die Projektbeteiligten haben bereits weitere Forschungsvorhaben in Planung. Es bleibe ein Anliegen, dieses Thema systematisch und wissenschaftlich aufzuarbeiten, sagt Michael Butter: „Nicht alle Verschwörungstheorien sind gefährlich und beileibe nicht alle, die an sie glauben. Doch wie die Anschläge von Christchurch und Halle zeigen, können manche zur Radikalisierung beitragen und Gewalt legitimieren“, so der Wissenschaftler. Medizinische Verschwörungstheorien, wie z.B. zum Coronavirus, seien ebenfalls oft gefährlich: „Sie behaupten entweder, es bestehe gar keine Gefahr, sodass Menschen sich womöglich nicht ausreichend schützen. Oder sie übertreiben die Gefahr maßlos und tragen so zur allgemeinen Panik bei.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49407</guid><pubDate>Wed, 26 Feb 2020 10:59:54 +0100</pubDate><title>Klassische Archäologie vergibt zum zweiten Mal Ernst von Sieglin-Forschungspreis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/klassische-archaeologie-vergibt-zum-zweiten-mal-ernst-von-sieglin-forschungspreis/</link><description>Nachwuchswissenschaftler der Universität Tübingen ausgezeichnet: Arbeit über Alexander den Großen und seine Bildnisse</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Institut für Klassische Archäologie hat den diesjährigen Ernst von Sieglin-Preis an den Nachwuchswissenschaftler Martin Kovacs vergeben. Er wird für seine Habilitationsschrift „Vom Herrscher zum Heros. Die Bildnisse Alexanders des Großen und die Imitatio Alexandri“ ausgezeichnet. Der Forschungspreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde zum zweiten Mal vergeben.&nbsp;</p><p>Dr. Martin Kovacs studierte in Göttingen und Köln Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Christliche Archäologie sowie die Archäologie der Römischen Provinzen. Er wurde an der Universität Göttingen promoviert und war danach an den Universitäten Freiburg, Würzburg und Saarbrücken tätig. Seit 2017 forscht er an der Universität Tübingen im Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“. Dort untersucht er, wie ästhetische Praktiken in der Antike (7.-4. Jahrhundert v.Ch.) in der sozialen und politischen Kommunikation eingesetzt wurden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.</p><p>In seiner an der Universität Freiburg verfassten Habilitation hatte er archäologisch und kulturgeschichtlich die Darstellungen von Alexander dem Großen analysiert. Wie präsentierte dieser sich visuell und wie wurde er von späteren Herrschern und Eliten abgebildet? Ob als mythologische Figur, göttlicher Übermensch oder energischer und potenziell nahbarer Feldherr: In seiner methodisch innovativen Arbeit erarbeite Kovacs die unterschiedlichen Konzeptualisierungen und setze sie wieder in einen historischen und kulturgeschichtlichen Kontext, so die Jury. Dies stelle die erste umfassende Untersuchung aller Bildnisse Alexander des Großen dar sowie eine breite Grundlage für künftige weitere Forschung.</p><p>Der Forschungspreis war 2018 von Gunter und Kerstin Sieglin ausgelobt worden, den Enkeln des Stuttgarter Unternehmers und Kunstmäzens Ernst von Sieglin. Er fördert herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler der Klassischen Archäologie. Die Preisträger werden von den Herausgebern der wissenschaftlichen Reihe „Tübinger Archäologische Forschungen“ und der Familie Sieglin gemeinsam ausgewählt.&nbsp;</p><p><a href="/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/altertums-und-kunstwissenschaften/institut-fuer-klassische-archaeologie/ernst-von-sieglin-preis/" class="internal-link" title="Informationen zum Ernst von Sieglin-Forschungspreis">Informationen zum Ernst von Sieglin-Forschungspreis</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-49116</guid><pubDate>Wed, 12 Feb 2020 13:22:54 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-7/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen zwei Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48843</guid><pubDate>Fri, 31 Jan 2020 10:49:31 +0100</pubDate><title>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht an italienische Forscherin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-und-quartaeroekologie-geht-an-italienische-forscherin/</link><description>Flavia Venditti zeigt, wie Menschen schon vor 400.000 Jahren Werkzeuge recycelten </description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in diesem Jahr an Dr. Flavia Venditti von der Sapienza Universität in Rom. Die Italienerin wird für ihre Dissertation „The recycling phenomenon during the Lower Palaeolithic: the case study of Qesem Cave (Israel)“ ausgezeichnet. Darin untersucht sie die gezielte Herstellung kleiner Schneidgeräte aus unbrauchbar gewordenen größeren Geräten und deren vielfältige Verwendung vor 400.000 Jahren.&nbsp;</p><p>Flavia Venditti hat an der Sapienza Universität in Rom Archäologie studiert und spezialisierte sich danach mit einem Master Course auf das Thema „Kulturerbe“. Dort schloss sie ihre Promotion mit Auszeichnung ab. Sie arbeitet heute an der Universität von Tel Aviv in Israel mit Professor Ran Barkai an der Fortsetzung des Themas ihrer Doktorarbeit an Werkzeugen der noch älteren Freilandfundstelle Revadim.</p><p>Recycling, also die Wiederverwertung von Abfall, ist keineswegs eine Erfindung des Industriezeitalters. Sowohl archäologische als auch historische Aufzeichnungen zeigen, dass es bereits in frühen Gesellschaften und Jäger- und Sammlerpopulationen gängige Praxis war. In den altpaläolithischen Schichten der Qesem-Höhle in Israel kann gezieltes Recycling bereits für den Zeitraum 420.000 bis 200.000 Jahre vor heute durchgehend nachgewiesen werden: Steingeräte, die in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr nutzbar waren, wurden nicht weggeworfen, sondern dienten als Rohmaterial für die Fertigung kleiner, sehr scharfer Werkzeuge.&nbsp;</p><p>Archäologen betrachteten diese in ihrer Form nicht besonders markanten Stücke lange Zeit als Notlösungen ‒ geschuldet einem Mangel an geeignetem Rohmaterial zur Herstellung ausgefeilter Werkzeuge. Die Arbeit von Flavia Venditti zeigt nun, dass die kleinen Abschläge ein gängiger und bedeutender Bestandteil des altsteinzeitlichen Werkzeugkastens in manchen Fundstellen waren.&nbsp;</p><p>Unterschiedliche Gebrauchsspuren weisen auf die Verwendung der Recyclingprodukte hin. Für die Qesem-Höhle konnte die Preisträgerin die Bearbeitung vor allem von Fleisch, Häuten und Knochen beim Zerlegen von Tieren, aber auch von pflanzlichen Materialien wie Knollen belegen. Durch die besonders günstigen Erhaltungsbedingungen der Höhle blieben zudem Rückstände der bearbeiteten Materialien konserviert. Mithilfe mikroskopischer und chemischer Analysen, die im „Laboratory of Technological and Functional Analyses of Prehistoric Artefacts“ unter Leitung von Professorin Cristina Lemorini (Sapienza Universität Rom) durchgeführt wurden, konnten Überreste von Knochen, fleischlichem Gewebe und Fett nachgewiesen werden. In Experimenten eigneten sich die kleinen scharfen Geräte besonders zum Enthäuten von Jagdbeute und zum Zerschneiden der gesäuberten Häute. Die Untersuchung der Verteilung der unscheinbaren Artefakte in der Fundstelle weist auf eine deutliche räumliche Gliederung der Aktivitäten in unterschiedliche Bereiche der Höhle hin.&nbsp;</p><p>„Flavia Venditti hat mit ihrem breiten Repertoire von Untersuchungsansätzen deutlich gemacht, wie viel bewusstes Handeln schon unseren Vorfahren vor 400.000 Jahren zu eigen war“, sagt die Archäologin PD Dr. Miriam Noël Haidle, Laudatorin und wissenschaftliche Koordinatorin der Forschungsstelle „The Role of Culture in Early Expansions of Humans“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. „Ihre Arbeit ist richtungweisend für ein besseres Verständnis einer zielgerichteten Ressourcennutzung in der Altsteinzeit, und es wird spannend, wie tief in der Vergangenheit sich Ähnliches mit ihren Methoden nachweisen lassen wird.“</p><p>Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 22. Mal verliehen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48582</guid><pubDate>Fri, 24 Jan 2020 11:16:05 +0100</pubDate><title>Siehst du, was ich sehe? Neu entdeckte Nervenzellen verarbeiten gezielt Blickbeobachtungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/siehst-du-was-ich-sehe-neu-entdeckte-nervenzellen-verarbeiten-gezielt-blickbeobachtungen/</link><description>Lenkung der gemeinsamen Aufmerksamkeit ist Grundlage sozialer Interaktion – Fähigkeit ist bei Autismus gestört</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ich sehe das, was du siehst: Die Fähigkeit, die Blickrichtung von anderen zu verfolgen und ein gemeinsames Ziel der Aufmerksamkeit zu entwickeln ist eine wichtige Grundlage, um mit Mitmenschen zu interagieren. Bei Personen mit Autismus ist diese Leistung gestört. Neurowissenschaftler vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen berichten nun, dass im Gehirn ein bestimmter Bereich für diese Aufgabe zuständig ist. Nervenzellen im sogenannten „Blickfolge-Areal“ helfen uns, den Aufmerksamkeitsfokus anderer zu entschlüsseln, so das Forscherteam. Das Areal befindet sich im hinteren Schläfenlappen, der damit eine Schlüsselrolle einnimmt, um soziale Interaktionen zu kontrollieren. Die Studie ist in der Fachzeitschrift <em>PNAS</em> erschienen.</p><p>In ihrer Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit Rhesusaffen. Wie wir Menschen verfolgen die Tiere den Blick anderer, um ihre Aufmerksamkeit auf gemeinsame Ziele auszurichten. In ihren Experimenten zeigten die Forscher den Affen Gesichter von Artgenossen auf einem Computermonitor, die in Richtung bestimmter Objekte schauten. Die Versuchsaffen hatten die Aufgabe, ihren Blick auf das Objekt auszurichten, auf das ihr digitales Gegenüber gerade schaute.</p><p>„Sobald die Affen die Aufgabe mit hoher Sicherheit bewältigten, analysierten wir die Aktivität ihrer Nervenzellen im hinteren Schläfenlappen mit Mikroelektroden“, erklärt Erstautor Dr. Hamid Ramezanpour. „Dieses Hirnareal war aufgrund vorheriger kernspintomographischer Studien unserer Arbeitsgruppe ein heißer Kandidat für die Kontrolle von Blickbeobachtungen.“ Eine richtige Vermutung, wie sich herausstellte: ein großer Teil der Nervenzellen im Blickfolgeareal feuerte immer dann, wenn die Tiere ihren Blick auf das Objekt ausrichteten, auf das auch der andere gerade blickte. „Daraus können wir schließen, dass das getestete Hirnareal eine wichtige Rolle bei der Etablierung gemeinsamer Aufmerksamkeit übernimmt,“ sagt Studienleiter Prof. Dr. Hans-Peter Thier.</p><p>Die Blickrichtung von anderen löst beim Beobachter eine reflektorische Blickfolgebewegung aus. Wie die Forscher berichten, waren die Tiere jedoch in der Lage, diese Bewegung zu kontrollieren und ihr Verhalten auf unterschiedliche Situationen abzustimmen. „Es ist zum Beispiel höchst unangebracht, dem Blick eines anderen zu folgen, wenn plötzlich etwas Gefährliches auf der Szene auftaucht, das unsere volle Aufmerksamkeit erfordert“, erläutert Thier. „Hier hat die Natur vorgesorgt und ermöglicht unserem Gehirn, die Folgen einer Handlung zu beurteilen und die Initiierung der Blickbeobachtung entsprechend anzupassen.“ Dabei spielen ebenfalls die Nervenzellen im „Blickfolge-Areal“ eine Rolle, so die Erkenntnis des Forscherteams.</p><p>Die Studie der Tübinger Wissenschaftler gibt Aufschluss darüber, wie unser Gehirn soziale Aufmerksamkeit und Interaktionen kontrolliert. In einer Reihe von Untersuchungen an menschlichen Versuchspersonen war es der Arbeitsgruppe bereits gelungen, eine dem „Blickfolge-Areal“ von Rhesusaffen entsprechende Struktur im menschlichen Gehirn zu kartieren. „Die Analyse auf Ebene einzelner Nervenzellen beim Rhesusaffen verbessert unser Verständnis der Informationsverarbeitung in diesem Areal. Das wiederum wird Licht auf die Störungen werfen, die Ursache der Blickfolgestörung beim Autismus sind“, so Thier.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Ramezanpour, H. und Thier, P. (2020): Decoding of the other´s focus of attention by a temporal cortex module, <em>PNAS</em>, Online-Veröffentlichung.&nbsp;<br><a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1911269117" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.1911269117</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48450</guid><pubDate>Wed, 22 Jan 2020 10:23:10 +0100</pubDate><title>Kleine Fische orten Fressfeinde durch Licht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kleine-fische-orten-fressfeinde-durch-licht/</link><description>Meeresbewohner lenkt Sonnenlicht um ‒ Augenreflexion warnt vor lauernden Raubfischen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Kleine Fische nutzen „aktive Lichtortung“, um potenzielle Räuber frühzeitig zu entdecken. So kann der „gelbe Spitzkopf-Schleimfisch“ (<em>Tripterygion delaisi</em>) mit seiner Iris seitlich Sonnenlicht reflektieren und damit seine unmittelbare Umgebung ausleuchten. Dass er dies auch dazu nutzt, seinen Fressfeind, den „Drachenkopf“ (<em>Scorpaena porcus</em>), zu lokalisieren, konnten Professor Nico Michiels vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen und sein Team nun erstmals in Experimenten nachweisen. Denn trifft das umgelenkte Licht auf die Augen eines Drachenkopfs, wird es zurückreflektiert ‒ und warnt so die Fische, Abstand zu halten. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Proceedings of the Royal Society B</em> veröffentlicht.</p><p>Manche Tierarten senden aktiv Signale aus und können aus den Reflexionen naher Objekte ihre Umgebung oder Beutetiere ausmachen. So verwenden beispielsweise Fledermäuse Ultraschall-Laute, um sich per Echoortung zu orientieren. Lichtortung, also das Aussenden von Licht um sichtbare Reflexionen auszulösen, war bislang nur von in der Tiefsee lebenden Laternenfischen bekannt. Diese nutzen chemisch erzeugtes Licht, um in der Dunkelheit besser sehen zu können.</p><p>Die Lichtortung tagaktiver Fische wie des Spitzkopf-Schleimfisches ist hingegen kaum erforscht. Der vier Zentimeter lange Fisch lebt in zehn Metern Tiefe im Atlantik und Mittelmeer. Durch Kippen und Drehen seines Auges ist er in der Lage, das einfallende Sonnenlicht mit der Iris umzulenken. Die Tübinger Biologen konnten bereits zeigen, dass er auf diese Weise „Augenblitze“ aussendet, um seine Beute, Kleinkrebse, zu finden.&nbsp;</p><p>Dass er so auch Fressfeinde wie den Drachenkopf ortet, zeigt nun die aktuelle Studie. Der gut getarnte Raubfisch wartet reglos am Boden auf seine Beute. Trifft das umgelenkte Licht auf seine retroflektierenden Augen, erzeugt dies ein Augenleuchten: Wie reflektierende Katzenaugen warnt es den Spitzkopf-Schleimfisch vor der Gefahr. In Experimenten in Korsika, im Labor und auf dem Meeresboden, hinderten die Tübinger Biologen die Fische mit kleinen, schattierenden Hütchen daran, Sonnenlicht seitlich umzulenken. Dies hatte zur Folge, dass die Fische einem (hinter Glas präsentierten) Drachenkopf wesentlich näher kamen als ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe. Wurde stattdessen ein Stein als visuelles Objekt präsentiert, näherten sich alle Fische gleich stark an, ob mit oder ohne Hütchen.</p><p>„Das umgelenkte Licht ist zwar schwach“, sagt Professor Nico Michiels. „Visuelle Modellierungen im Computer zeigen aber, dass es in den Augen der Drachenköpfe eine Reflexion erzeugt, die ausreichend stark ist, um vom Spitzkopf-Schleimfisch wahrgenommen zu werden.“ Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Fische diese Änderung der Pupillenhelligkeit über Entfernungen von sieben Zentimetern und mehr erkennen können. Dies reicht aus, um einen bis dahin unentdeckten Drachenkopf rechtzeitig zu umgehen. „Wir vermuten, dass diese Form der aktiven Wahrnehmung bei kleinen Fischen weit verbreitet ist“, so Michiels.</p><h3>Publikation:</h3><p>Matteo Santon, Pierre-Paul Bitton, Jasha Dehm, Roland Fritsch, Ulrike K. Harant, Nils Anthes und Nico K. Michiels. Redirection of ambient light improves predator detection in a diurnal fish. <em>Proceedings of the Royal Society B</em>, <a href="https://doi.org/10.1098/rspb.2019.2292" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1098/rspb.2019.2292</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48336</guid><pubDate>Mon, 20 Jan 2020 10:35:16 +0100</pubDate><title>Erster Inklusionssporttag in Tübingen am Samstag, 1. Februar 2020</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erster-inklusionssporttag-in-tuebingen-am-samstag-1-februar-2020/</link><description>Buntes Sportprogramm für Menschen mit und ohne Behinderung – Rollstuhlrugby mit Vertretern aus Stadt und Universität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Hochschulsport der Universität Tübingen lädt <strong>am Samstag, 1. Februar 2020</strong>, zum ersten Inklusionssporttag ein. Unter dem Motto „Einfach Mit-Machen“ können Interessierte <strong>von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr </strong>auf dem Gelände des Instituts für Sportwissenschaft (Alberstr. 27 und Wilhelmstraße 124) erleben und ausprobieren, wie sich Inklusion im Sport umsetzen lässt: Unter anderem werden Sitzvolleyball, Rollstuhlrugby, Tanz, Klettern, Tauchen und Blindenfußball angeboten. An den Informationsständen stellen sich im Foyer der Alberstraße die Partner des Hochschulsport Inklusionssporttages vor und beraten Interessierte, darunter der DAV Tübingen, die Lebenshilfe Tübingen und Sportvereine.&nbsp;</p><p><strong>Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig. Programm unter <a href="https://www.hsp.uni-tuebingen.de/inklusionssporttag" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.hsp.uni-tuebingen.de/inklusionssporttag</a>&nbsp;</strong></p><h3>Weitere Programmpunkte:</h3><p>Von 10:15 bis 11:30 Uhr nehmen in der Alberstraße Vertreter der Stadt und der Universität aktiv am Rollstuhlrugby teil:</p><ul><li>Prof. Dr. Karin Amos, Prorektorin der Universität Tübingen &nbsp; &nbsp; &nbsp;</li><li>Dr. Daniela Harsch, Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur der Universitätsstadt Tübingen</li><li>Prof. Dr. Ansgar Thiel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen</li><li>Uwe Seid, Beauftragter für Senioren und Inklusion, der Universitätsstadt Tübingen &nbsp;</li><li>Ingrid Arzberger, Leiterin des Hochschulsports der Universität Tübingen</li><li>Uta Schwarz-Österreicher, 1. Vorsitzende der Lebenshilfe Tübingen</li></ul><p>Um 13 Uhr hält Professor Ansgar Thiel, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft (IfS) im IfS-Hörsaal den Vortrag „Sport als Motor für Inklusion“. Übungsleiter, Trainer und Interessierte sind hierzu herzlich eingeladen.&nbsp;</p><h3>Zehn Jahre Erklärung von Barcelona</h3><p>Bisher treiben im Hochschulsport nur sehr wenige Menschen mit sichtbaren und wahrnehmbaren Behinderungen Sport. Dies sind Menschen mit geistiger Behinderung im Kraft- und Fitnessraum, Frauen mit Brustkrebs, Lernbehinderte aufgrund von Hirnerkrankungen beim Freien Fußballspiel, Hörgeschädigte in den Aikido-Kursen, Studierende mit Behinderungen im Muskel- und Skelettapparat beim Freien Schwimmen. Der Hochschulsport möchte solche Angebote weiter ausbauen und etablieren.</p><p>Der bisher einmalige Inklusionssporttag findet in Kooperation mit der Universitätsstadt Tübingen und dem Rollstuhlsport- und Kulturverein RSKV Tübingen statt und wurde ein Jahr lang vom „Lenkungskreis Inklusion“ der Stadt Tübingen vorbereitet. Er soll für das gesellschaftlich wichtige Thema Inklusion sensibilisieren und konkrete Möglichkeiten aufzeigen, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. Zudem setzt er ein Zeichen für die Weiterentwicklung des Inklusionssports und ist in die Tübinger Veranstaltungsreihe 2020 zum Jubiläum „10 Jahre Erklärung von Barcelona“ eingebettet. In dieser verpflichtete die Stadt Tübingen sich 2010, Menschen mit Behinderung zu integrieren und die Entwicklung zu einer Barrierefreien Stadt voranzutreiben. (<a href="https://www.tuebingen.de/10-jahre-barcelona" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.tuebingen.de/10-jahre-barcelona</a>)</p><h3>Die Partner des Inklusionssporttages:</h3><p>DAV Tübingen; Fachabteilung Jugendarbeit der Universitätsstadt Tübingen; Habila GmbH; Jump4Fit; Karate Dojo; Lebenshilfe Tübingen; Orthopädie Brillinger GmbH &amp; Co. KG; Rollstuhlsport- und Kulturverein (RSKV) Tübingen; Abteilung Tanz Cheerleading The blue Poisons; Schützenverein Derendingen; Volleyball-Landesverband Württemberg e.V.; Württembergischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband e.V.; Württembergischer Landessportbund e.V.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-48300</guid><pubDate>Fri, 17 Jan 2020 10:37:27 +0100</pubDate><title>Neues Auswahlverfahren für Psychologie in Baden-Württemberg </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-auswahlverfahren-fuer-psychologie-in-baden-wuerttemberg/</link><description>Bewerber können Chancen auf Studienplatz durch einen Eignungstest erhöhen – Anmeldung bis zum 14. Februar auf zentraler Plattform</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universitäten Tübingen, Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Ulm führen ab dem Wintersemester 2020/2021 ein neues Auswahlverfahren für den Bachelorstudiengang Psychologie ein. Das Verfahren besteht nun aus einem verpflichtendem Online Self-Assessment und einem freiwilligen Studieneignungstest, der zentral an den Standorten durchgeführt wird. Dieser zählt neben der Abiturnote und kann künftig die Chance auf einen Studienplatz erhöhen. Für den Test ist eine Anmeldung bis 14. Februar 2020 auf der zentralen Anmeldeplattform erforderlich.</p><p>Jedes Jahr ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf einen Studienplatz im Fach Psychologie weitaus höher als die Anzahl an Studienplätzen. Entsprechend hoch ist der Numerus Clausus für Psychologie. Bisher hatten Interessierte mit weniger guten Abiturnoten so fast keine Chance auf einen der begehrten Studienplätze. Das Bundesverfassungsgericht erklärte eine Auswahl nur anhand der Abiturnote im Dezember 2017 für verfassungswidrig und forderte weitere Auswahlkriterien für Bewerber. Deshalb werden die Grundlagen der Studierendenauswahl auch für den Bachelorstudiengang Psychologie auf neue Beine gestellt.&nbsp;</p><p>Es gilt folgender Zeitplan, alle Informationen sind auch auf der zentralen Website <a href="http://www.stav-psych.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.stav-psych.de</a> zu finden:</p><ul><li>7. Januar bis 14. Februar 2020, 18.30 Uhr: Anmeldung für das Bewerbungsverfahren unter<br><a href="https://cip.dmed.uni-heidelberg.de/stavp-info/stav-psych-koordination-und-organisation/stav-psych-anmeldeportal/ " target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://cip.dmed.uni-heidelberg.de/stavp-info/stav-psych-koordination-und-organisation/stav-psych-anmeldeportal/</a><br> 	&nbsp;</li><li>Bis 21. Februar Überweisung der Teilnahmegebühr für den Studieneignungstext STAV-Psych<br> 	&nbsp;</li><li>16. Mai 2020 Studieneignungstest STAV-Psych an den jeweils teilnehmenden Universitäten. Der Eignungstest besteht aus den Bereichen schlussfolgerndes Denken (verbal, numerisch und figural), Mathematik, Biologie, Englischverständnis und Psychologieverständnis.<br> 	&nbsp;</li><li>Das Online-Assessment OSA-Psych ist verpflichtend und kann bis zum Bewerbungsschluss am 15. Juli 2020 online bearbeitet werden.&nbsp;</li></ul><p>Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zum Thema: <a href="https://www.dgps.de/uploads/media/DGPs-Pressemitteilung_20200108.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.dgps.de/uploads/media/DGPs-Pressemitteilung_20200108.pdf</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47919</guid><pubDate>Wed, 08 Jan 2020 13:40:40 +0100</pubDate><title>Fossiler Krokodilverwandter entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fossiler-krokodilverwandter-entdeckt/</link><description>Funde aus Vietnam bestätigen neuen Abstammungszweig der Alligatoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Senckenberg-Wissenschaftler haben eine neue fossile Gruppe innerhalb der Krokodilverwandten entdeckt. Anhand von knapp 30 Fossilfunden aus der eozänen Fundstelle Na Duong in Vietnam konnten die Forschenden den neuen Abstammungszweig beschreiben. Die zwischen 39 und 35 Millionen Jahre alten Fossilien geben zudem Auskunft über die Verbreitung der damaligen Krokodilverwandtschaft. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „PeerJ “.</p><p>Die bis zu sechs Meter langen Mississippi-Alligatoren und die südamerikanischen Kaimane gelten als typische heutige Vertreter der Gruppe der Alligatoroidea – einer Überfamilie innerhalb der Krokodile. Diese Krokodilverwandten haben ihren Ursprung in der späten Kreidezeit und breiteten sich von Nordamerika nach Europa, Asien und Südamerika aus.&nbsp;„Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse der Alligatoroidea untereinander sind aber bislang nicht eindeutig geklärt“, erklärt Tobias Massonne vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Wir konnten nun eine neue fossile Gruppe der Alligatoroidea bestimmen und damit dem ‚Familienpuzzle’ ein weiteres Teil hinzufügen.“</p><p>Insgesamt 29 gut erhaltene Schädelfossilien grub das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Madelaine Böhme während Grabungskampagnen in den Jahren 2009 und 2012 im „asiatischen Messel“ aus, einer fossilienreichen Fundstelle im nördlichen Vietnam. „Die Kombination verschiedener morphologischer Merkmale, wie beispielsweise ein vergrößerter fünfter Zahn im Oberkiefer der Tiere oder Knochenwülste entlang des Nasenbeins, lässt uns darauf schließen, dass die Fossilien zu einer bislang unbekannten Gruppe aus der Zeit des Eozäns vor 39 bis 35 Millionen Jahren gehören“, so Massonne.</p><p>Die neuentdeckte Gruppe Orientalosuchina gelangte laut der Studie bereits in der späten Kreidezeit nach Asien und breitete sich dort aus. „Wir gehen daher von mindestens zwei getrennten Ausbreitungsereignissen der Reptilien von Nordamerika nach Asien aus. Die bereits bekannte und noch heute lebende Linie <em>Alligator&nbsp;sinensis</em> kam erst später, während des Känozoikums (vermutlich vor etwa 20 Millionen Jahren), auf den asiatischen Kontinent“, resümiert Massonne.</p><h3>Publikation:</h3><p>Massonne T, Vasilyan D, Rabi M, Böhme M. 2019. A new alligatoroid from the Eocene of Vietnam highlights an&nbsp;extinct Asian clade independent from extant Alligator sinensis. PeerJ 7:e7562 DOI 10.7717/peerj.7562</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47811</guid><pubDate>Thu, 02 Jan 2020 09:37:36 +0100</pubDate><title>Neu entdeckte Moleküle sind für Fibrosen verantwortlich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-entdeckte-molekuele-sind-fuer-fibrosen-verantwortlich/</link><description>Forschungsteam unter Tübinger Leitung identifiziert Molekülgruppe, die Gewebeverhärtungen steuert – Möglicher Ansatz zu Behandlung von Leberkrebs</description><content:encoded><![CDATA[<p>Molekularbiologen haben RNA-Moleküle identifiziert, die für die Entstehung von Fibrosen verantwortlich sind: Krankhafte Verhärtungen im Gewebe von Organen, die deren Funktion beeinträchtigen und unter anderem bei Patienten mit Leberzirrhose und Krebs auftreten. Die Erkenntnisse könnten neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Professor Alfred Nordheim vom Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen hatte die Studie gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Heidelberg, Dortmund, Braunschweig und Aachen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Wissenschaftsjournal <em>Proceedings of the National Academy of Sciences</em> (PNAS) publiziert.</p><p>Fibrosen entstehen durch Erkrankungen, aber auch im Alterungsprozess oder durch eine ungesunde Lebensweise. Dabei lagern sich in den Zellen des Organgewebes Proteine, vor allem Kollagene ab, die zu einer Verhärtung des Gewebes und bis zum Organversagen führen können. Dies kann Lunge, Herz, Niere oder Leber betreffen. Bei Krebspatienten geht der Bildung von Tumoren oft eine Fibrose am betroffenen Organ voraus, besonders bei Leberkarzinomen wie dem hepatozellulären Karzinom (HCC), einer meist tödlich verlaufenden Krebserkrankung.</p><p>Alfred Nordheim und sein Team hatten die Entstehung und das Fortschreiten von Leberkrebs an Mäusen untersucht und dabei die beteiligte RNA-Molekülgruppe entdeckt. Diese sogenannten microRNA-Moleküle unterbinden die Bildung von Kollagenen und anderen Proteinen, die mit Fibrose in Zusammenhang gebracht werden. Unter normalen Umständen verhindern sie die Bildung von Fibrosen in der Leber. Im Verlauf der Krebsbildung werden sie jedoch „ausgeschaltet“. So setzt die Fibrosebildung ein und fördert dadurch beispielsweise das Fortschreiten des Leberkarzinoms. Zusätzlich wertete das Team bereits vorhandene Datenbanken aus und stellte fest, dass die Bildung der fraglichen RNA-Moleküle auch bei Brust- und Lungenkrebs beim Menschen unterdrückt ist. &nbsp;</p><p>Wie die Tübinger Doktorandinnen Ivana Winkler und Catrin Bitter in weiteren Forschungen feststellten, kooperieren die Moleküle dabei in einer Art Netzwerk unterschiedlicher microRNAs. Erst das Zusammenwirken verhindert die Bildung von Verhärtungen. Koordiniert wird dies von einem sogenannten Regulatorprotein namens „PPARγ“. An Mäusen überprüfen die Wissenschaftler derzeit, ob diese zentrale Steuerung durch PPARγ neue therapeutische Möglichkeiten eröffnet: Bei gezielter pharmakologischer Aktivierung könnte sich die Entstehung fibrotischen Gewebes bei Patienten reduzieren lassen, so die Hoffnung.&nbsp;</p><p>Das Projekt führte die Arbeitsgruppe Nordheim gemeinsam mit Kollegen aus der Tübinger Bioinformatik sowie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, vom Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, vom Braunschweiger Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung sowie vom Institut für Pathobiochemie am Universitätsklinikum Aachen durch. Die Arbeiten wurden unter anderem von der Deutschen Krebshilfe (Projekt 109886) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG; SFB/TR 209 (Projekt-ID 314905040), Teilprojekt B02) finanziert.</p><h3>Publikation:</h3><p>Winkler I, Bitter C, Winkler S, Weichenhan D, Thavamani A, Hengstler JG, Borkham-Kamphorst E, Kohlbacher O, Plass C, Geffers R, Weiskirchen R and A Nordheim. Identification of Pparγ-modulated miRNA hubs that target the fibrotic tumor microenvironment. <em>Proceedings of the National Academy of The Sciences of the United States of America </em>2019,&nbsp;<a href="https://www.pnas.org/content/early/2019/12/20/1909145117" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.pnas.org/content/early/2019/12/20/1909145117</a>.<span style="font-size:11pt"><span style="font-family:Calibri,sans-serif"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,&quot;sans-serif&quot;"></span></span></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47661</guid><pubDate>Wed, 18 Dec 2019 10:05:30 +0100</pubDate><title>Dekan der Medizinischen Fakultät wechselt nach Heidelberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dekan-der-medizinischen-fakultaet-wechselt-nach-heidelberg/</link><description>Professor Ingo Autenrieth leitet künftig Universitätsklinikum</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professor Dr. Ingo Autenrieth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, wird neuer Vorstandsvorsitzender und Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg. Er war im Jahr 2000 als Professor für Medizinische Mikrobiologie an die Universität Tübingen berufen worden. Seit 2006 führt er als Dekan die Medizinische Fakultät Tübingen.</p><p>Die Universität Tübingen gratuliert Prof. Dr. Ingo Autenrieth &nbsp;zu seiner Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden und Leitenden Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg. Rektor Prof. Dr. Bernd Engler bedankt sich für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit: „Ingo Autenrieth hat mich als Dekan der Medizinischen Fakultät über meine gesamte Amtszeit begleitet. Seine vorzügliche Arbeit eröffnete der Fakultät hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten und brachte eine erfolgreiche Profilbildung auf den Weg. Dies hat zu einem Höchststand an Verbund-Forschungsprojekten geführt und maßgeblich zu den Erfolgen in der Exzellenzstrategie beigetragen. In seiner neuen Position am Universitätsklinikum Heidelberg wird er gewiss ebenfalls bedeutsame Akzente setzen. Er ist für die neuen Aufgaben bestens qualifiziert und wird die Herausforderungen, die ihn dort erwarten, meistern. Die Universität Tübingen wünscht ihm dabei viel Erfolg und alles Gute.“<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47454</guid><pubDate>Fri, 13 Dec 2019 09:30:00 +0100</pubDate><title>Ursula von der Leyen hielt „Rede des Jahres 2019“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ursula-von-der-leyen-hielt-rede-des-jahres-2019/</link><description>„Europa einen und stärken“: Seminar für Rhetorik würdigt eindrucksvolles und glaubwürdiges Bekenntnis zu Europa</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen verleiht die Auszeichnung „Rede des Jahres“ 2019 an Ursula von der Leyen. Sie erhält die Auszeichnung für ihre Wahlrede vor dem Europäischen Parlament am 16. Juli 2019. Die Rede sei ein eindrucksvolles und glaubwürdiges Bekenntnis zu Europa, ein Beweis für die Integrationskraft der Idee „Europa“ und ein engagiertes Plädoyer für eine europäische Wertegemeinschaft, so die Jury in ihrer Begründung.&nbsp;</p><p>Ursula von der Leyen hatte nicht die besten Ausgangsbedingungen für ihre Bewerbung zur EU-Kommissionspräsidentin. Bis zur Abstimmung war offen, wie sich das Europäische Parlament entscheiden würde. In dieser krisenhaften Situation gelingt es von der Leyen jedoch in vorbildlicher Weise, Überzeugungsarbeit zu leisten, für ihr Programm zu argumentieren und für Europa zu werben.&nbsp;</p><p>In ihrer halbstündigen Rede kämpft sie für eine Erneuerung Europas und bezieht deutlich Position zu aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Brexit. Pointiert deutet sie die Einigung Europas als ein „gewaltiges Werk“ und beschwört das Parlament, Europa zu einen und zu stärken. Unter Beifall erklärt sie den Klimaschutz zu einer zentralen Herausforderung und wirbt überzeugend für einen „Green Deal“. In der sorgsam durchkomponierten Rede spannt sie einen weiten Bogen von Sachthemen, um schließlich einen emotionalen Appell für Europa zu formulieren: „The world needs more Europe“.&nbsp;</p><p>Von der Leyen spricht engagiert und wohl artikuliert, sie zeigt mit einer akzentuierten Gestik und Körperhaltung, wie wichtig ihr Europa ist. Ihre in drei Sprachen gehaltene Rede (Französisch, Englisch, Deutsch) ist ein Muster für die Realität der politischen Rede in der vielsprachigen Europäischen Union und illustriert damit die kulturelle Vielfalt des Kontinents in souveräner Weise. In Zeiten von starker Polarisierung setzt von der Leyen auf die integrative Kraft Europas, wirbt für Einheit und Zusammenhalt. Ihr Einsatz für Europa wird dabei plausibel aus der eigenen Biographie abgeleitet: „Deshalb bin ich in Brüssel geboren und Europäerin gewesen, bevor ich später gelernt habe, dass ich Deutsche bin und Niedersächsin.“&nbsp;</p><p>In Straßburg etabliert sich von der Leyen als „leidenschaftliche Kämpferin“ für Europa, die eindrucksvoll für die Idee Europa streitet, Rechtstaatlichkeit und moralische Standards hochhält. Dabei macht es sich die Rednerin nicht leicht, weil sie Probleme und Schwierigkeiten in ihrer Rede eben nicht ausspart. Ein Zitat ihres Vaters weist dabei den Weg: „Europa ist wie eine lange Ehe. Die Liebe wird nicht größer als am ersten Tag, aber sie wird tiefer.“ Am Ende steht der emotionale Ausruf „Es lebe Europa!“, ein Appell, der aus tiefstem Herzen zu strömen scheint. Damit war ihr nicht nur der Applaus der Abgeordneten sicher, sondern auch die Mehrheit der Stimmen (383 von 747).&nbsp;</p><p>Jury: Jutta Beck, Nico Bosler, Dr. Simon Drescher, Dr. Gregor Kalivoda, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Sebastian König, Prof. Dr. Olaf Kramer, Michael Pelzer, Clara Rohloff, Viktorija Romascenko, Pia Rox, Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Dr. Thomas Zinsmaier, Peter Weit</p><p>Text der Rede: <a href="https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/SPEECH_19_4230" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/SPEECH_19_4230</a>&nbsp;</p><p>Video der Rede: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dR3k4fTmX5Y" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=dR3k4fTmX5Y</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47289</guid><pubDate>Mon, 09 Dec 2019 14:08:17 +0100</pubDate><title>In der Spitze wird die Architektur der Pflanze angelegt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-der-spitze-wird-die-architektur-der-pflanze-angelegt/</link><description>Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen erstellt einen Atlas der Gene, die der Maispflanze Gestalt geben – Grundlage für biotechnologische Eingriffe</description><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzen wachsen ihr Leben lang. Dafür sorgt ein kleiner Bereich teilungsfähigen Bildungsgewebes an der Sprossspitze, auch Meristem genannt. Dort sitzt die Steuerzentrale für die Aufrechterhaltung der in alle Zellarten wandelbaren Stammzellen und der Bildung von Pflanzenorganen wie Seitentrieben oder Blättern. Obwohl alle Pflanzen diese Grundaufgaben haben, sieht das Meristem bei verschiedenen Arten, wie etwa Mais und Ackerschmalwand, in Form und Größe unterschiedlich aus. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Marja Timmermans vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen herausgefunden, dass die Aufgaben des Meristems weiter gehen als gedacht: Es steuert aus der Spitze heraus die Architektur der ganzen Pflanze. Bei der Kartierung der an diesen Funktionen beteiligten genetischen Schaltkreise bei Mais hat das Team entscheidende Ansatzpunkte zur technologischen Verbesserung von Nutzpflanzen entdeckt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Genome Research</em> veröffentlicht.</p><p>Bei vielzelligen Lebewesen müssen die Zellen untereinander kommunizieren, um die Entwicklung zu koordinieren. Über die Bildung und Wahrnehmung von Signalmolekülen erkennen sie ihre relative Position im Organismus und entscheiden so, welche Zellarten am jeweiligen Ort gebildet werden. „Pflanzen können sich nicht von der Stelle bewegen, doch reagieren sie auf Änderungen in ihrer Umgebung mit bemerkenswerter Flexibilität“, sagt Marja Timmermans. Sie wollte herausfinden, welche Rolle das Meristem an der Sprossspitze dabei spielt.</p><h3>Anpassung an Umweltbedingungen</h3><p>Das Meristem an der Sprossspitze berücksichtigt zahlreiche Entwicklungs- und Umweltsignale. Bisher hatte man angenommen, dass es nur entscheidet, ob neue Stammzellen oder Organe gebildet werden sollen. Gemeinsam mit ihrem Team hat Timmermans die molekularen Schaltkreise, die in den Zellen des Meristems wirken, in einem Atlas präzise beschrieben und ihre jeweilige Funktion bestimmt. „Dort in der äußersten Sprossspitze reguliert das Meristem die Einstellungen so, dass die individuelle Pflanze unter den jeweiligen Bedingungen zur optimalen Gestalt heranwächst“, fasst die Wissenschaftlerin die Ergebnisse zusammen. „Wir haben Mechanismen gefunden, die speziell die Stammzellen bei Mais steuern, und entdeckt, dass sie die Architektur der ganzen Pflanze bestimmen.“</p><p>Die neuen Ergebnisse lassen sich für Pflanzenzucht und -anbau nutzen. „Die Erträge im Maisanbau konnten im Laufe des letzten Jahrhunderts ständig gesteigert werden. Es wurden jedoch nicht bedeutend mehr Körner pro Pflanze produziert“, sagt Timmermans. „Vielmehr hat man Maishybride gezüchtet, die in dichteren Pflanzungen gedeihen.“ Dabei spiele die Architektur der Maispflanzen über den Winkel der Blattstellung und die Blattform eine entscheidende Rolle, um einen effizienten Lichteinfall und eine hohe Fotosyntheseleistung zu erzielen. „Die genetischen Schaltkreise, die wir identifiziert haben, lassen sich nun für die weitere Optimierung nutzen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Steffen Knauer, Marie Javelle, Lin Li, Xianran Li, Xiaoli Ma, Kokulapalan Wimalanathan, Sunita Kumari, Robyn Johnston, Samuel Leiboff, Robert Meeley, Patrick S. Schnable, Doreen Ware, Carolyn Lawrence-Dill, Jianming Yu, Gary J. Muehlbauer, Michael J. Scanlon, and Marja C.P. Timmermans: A high-resolution gene expression atlas links dedicated meristem genes to key architectural traits. <em>Genome Research</em>, 29, 1962. <a href="https://dx.doi.org/10.1101/gr.250878.119" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1101/gr.250878.119</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47226</guid><pubDate>Fri, 06 Dec 2019 11:14:28 +0100</pubDate><title>Staudämme gefährden Artenvielfalt in Flüssen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/staudaemme-gefaehrden-artenvielfalt-in-fluessen/</link><description>Studie der Universität Tübingen ermittelt, wo Süßwasser-Ökosysteme besonders von Dammprojekten beeinträchtigt werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Binnengewässer zählen zu den vielfältigsten Ökosystemen weltweit, vergleichbar tropischen Regenwäldern und Korallenriffen. Zugleich sind Flüsse und Seen besonders gefährdet: Durch den ungebremsten Bau von Staudämmen steigt der Druck auf den Lebensraum von Süßwassertieren zusätzlich, deren einzigartige biologische Vielfalt nimmt weiter ab. Unter Leitung von Professorin Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen hat ein internationales Forscherteam diejenigen Regionen identifiziert, deren Vielfalt an Süßwasserarten durch Staudämme besonders gefährdet sein könnte.</p><p>Das Team mit Partnern unter anderem vom Institut für Umweltsystemforschung Osnabrück, dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin und der Weltnaturschutzunion (IUCN) untersuchte die Standorte weltweit geplanter und im Bau befindlicher großer Staudammprojekte. Dabei bezog es die Vorkommen von Süßwasser-Megafauna-Arten und der bedrohten Arten unter ihnen mit ein. So konnten sie künftige Standorte nach ihren potenziellen Auswirkungen auf diese Arten klassifizieren. Zur Süßwasser-Megafauna zählen alle Tierarten, die vorwiegend in Flüssen oder Auen leben und 30 Kilogramm oder mehr schwer sind, etwa Flussdelfine, Krokodile, Riesensalamander und Störe. Die Erkenntnisse weisen auf mögliche Konflikte zwischen Klimaschutz und Artenschutz hin.</p><p>Viele Regierungen forcieren den Ausbau der Wasserkraft zur Bekämpfung des Klimawandels, da dies eine Quelle erneuerbarer Energie ist. Der Dammbau ist eine etablierte Technologie zur Erzeugung von Elektrizität. Weltweit sind mehr als 3.700 mittlere und große Wasserkraftwerke im Bau oder in Planung. Global boomt der Staudammbau vor allem in Südamerika, im Amazonas- und La-Plata-Flusseinzugsgebiet, in Süd- und Ostasien, im Ganges-Brahmaputra- und Jangtse-Einzugsgebiet sowie in Afrika. Dies ist auf das noch vorhandene große Wasserkraftpotenzial in den Ländern des Globalen Südens zur Unterstützung von Industrie und Entwicklung zurückzuführen. In Europa ist besonders die Balkanregion vom Ausbau betroffen – zugleich ist dies die artenreichste Region in Europa.</p><p>Zwar trägt die Energiegewinnung aus Wasserkraft zur Lebensgrundlage für Millionen Menschen bei, sie birgt gleichzeitig viele negative Folgen für wassergebundene Ökosysteme. Dazu zählen Konflikte der Bevölkerung über die Wassernutzung, aber auch Veränderungen im Sedimenttransport, eine Verschlechterung der Wasserqualität, sowie Veränderungen der Lebensraumbedingungen für Süßwassertiere. Staudämme gefährden die einzigartige Süßwasser-Megafauna: Sie blockieren die Wanderwege für Megafische wie Störe und Riesenwelse, erschweren den Zugang zu Laichgebieten und reduzieren oder verschlechtern die Lebensräume von Süßwassertierarten sowohl flussauf- und abwärts. Dadurch sind die Dämme Mitverursacher für den Rückgang der Süßwasser-Megafauna, darunter bereits massiv bedrohter Arten wie der Indusdelfin, der Chinesische Stör und weitere Störarten.</p><p>In der aktuellen Studie diente das Vorkommen von Süßwasser-Megafauna-Arten als Indikator, um den Zustand der Süßwasserbiodiversität zu bewerten. Es wird vermutet, dass der Verlust solcher Arten gleichzeitig auf einen Rückgang kleinerer Arten hinweist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben geplante Standorte für Staudämme weltweit mit dem Vorkommen von Megafauna-Arten und dem jeweiligen Anteil bedrohter Arten abgeglichen. So konnten sie Staudammprojekte hinsichtlich ihrer möglichen Folgen für die Vielfalt von Süßwasserarten kategorisieren und quantifizieren, in welchen Regionen Ökosysteme und Artenvielfalt besonders gefährdet sein könnten. Die Analysen beziehen dabei das gesamte Einzugsgebiet eines Flusses, also Flusslauf und Nebenflüsse mit ein, da ein Staudamm nicht isoliert betrachtet werden kann. Viele der geplanten Staudämme sollen in Gebieten mit der größten Artenvielfalt an Süßwassertieren gebaut werden, wie etwa an den Flüssen Amazonas, Kongo, Mekong und Ganges.</p><p>Mit den Ergebnissen lassen sich jene Staudammprojekte innerhalb eines Flusseinzugsgebiets identifizieren, die ein nachhaltiges Management von Flusseinzugsgebieten erschweren. „Die biologische Vielfalt muss in die Entscheidungsfindung über neue Staudämme einbezogen werden“, so Christiane Zarfl, „damit Klimaschutz nicht auf Kosten von Artenschutz vorangebracht wird.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Zarfl C., Berlekamp J., He F., Jähnig S.C., Darwall W., Tockner K.: Future large hydropower dams impact global freshwater megafauna. <em>Scientific Reports</em>.&nbsp;DOI 10.1038/s41598-019-54980-8</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47157</guid><pubDate>Tue, 03 Dec 2019 16:32:14 +0100</pubDate><title>Tübingen für exzellentes Netzwerk der Hertie-Stiftung ausgewählt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-fuer-exzellentes-netzwerk-der-hertie-stiftung-ausgewaehlt/</link><description>Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience unterstützt Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in klinische Praxis</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübingen ist einer von deutschlandweit sechs Spitzenstandorten, die ab sofort im Rahmen des neu initiierten „Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience“ gefördert werden. Das mit fünf Millionen Euro geförderte Netzwerk und Nachwuchsförderprogramm der gemeinnützigen Hertie-Stiftung zielt darauf ab, im Bereich der klinischen Neurowissenschaften die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die klinische Praxis zu erleichtern. Insgesamt fließen in den nächsten drei Jahren rund 660.000 Euro in den Tübinger Standort, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen beteiligt sind.&nbsp;</p><p>Neben Tübingen wurden Berlin, Bonn, Hamburg, Heidelberg/Mannheim und München als weitere Standorte des Hertie Network ausgewählt. Das Network ermöglicht den eingebundenen Einrichtungen neue Chancen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, etwa in Form gemeinsamer Projekte. Zusätzlich werden pro Ort vier Nachwuchswissenschaftler im Rahmen einer Hertie Academy of Clinical Neuroscience gefördert. Diese will die jungen Talente befähigen, in den nächsten Jahren zentrale Leitungspositionen einzunehmen.&nbsp;</p><p>„Der Schwerpunkt der klinischen Neurowissenschaften in Tübingen lag schon immer in der translationalen Forschung. Umso mehr freut es uns, dass wir durch die hervorragende Initiative der Hertie-Stiftung die Möglichkeit haben, exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler vor Ort noch besser zu fördern und uns mit anderen Spitzenstandorten in Deutschland vertieft zu vernetzen“, erklärt Standortsprecher Prof. Dr. Thomas Gasser.</p><p>In Tübingen wurden Dr. Stefanie Nicole Hayer (Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und Universität Tübingen), Dr. Dr. Randolph Helfrich (Hertie-Institut für klinische Hirnforschung), Dr.&nbsp;Marion Inostroza (Exzellenzcluster Centrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Institut für&nbsp;Medizinische Psychologe und Verhaltensneurobiologie und Universität Tübingen), sowie Dr. Jonas Neher (Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen) in die Hertie Academy aufgenommen.</p><p>Mit dem Hertie Network initiiert die Hertie-Stiftung ein innovatives Forschungs- und Karrierenetzwerk, das beispielgebend für andere Forschungsfelder sein kann. „Um die international nur punktuell wettbewerbsfähige medizinische Forschung in Deutschland voranzubringen und den Patienten schneller neue Therapieformen zu ermöglichen, braucht es einen Strukturwandel, der die translationale Forschung durch strategische Partnerschaften stärkt und exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern für ihre Karriere neue Perspektiven bietet“, erklärt Dr. Astrid Proksch, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung für den Bereich „Gehirn erforschen“.&nbsp;</p><p>Für das Hertie Network haben sich in diesem Sommer bundesweit 15 Universitätsstandorte beworben. Eine internationale Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, hat daraus die sechs überzeugendsten Standorte ausgewählt. „Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Standorte waren einerseits herausragende Leistungen in Forschung und Krankenversorgung, andererseits die Nachwuchsförderprogramme. Besonders beeindruckt waren wir von den vorgeschlagenen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern für das Programm. An allen sechs Standorten ist es gelungen, wirklich kluge Köpfe für die klinische Hirnforschung zu begeistern“, sagt Wiestler.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47121</guid><pubDate>Tue, 03 Dec 2019 08:37:49 +0100</pubDate><title>Pilz als Untermieter produziert Wirkstoff der Heilpflanze</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/pilz-als-untermieter-produziert-wirkstoff-der-heilpflanze/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen und der TU Dresden entdeckt, dass ein Pilz in der Tataren-Aster die bioaktiven Stoffe bildet – Grundlagen für biotechnologische Herstellung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tataren-Aster wird in der traditionellen chinesischen Medizin wegen des enthaltenen Astins als Heilpflanze genutzt; dem Stoff werden auch in der Krebsforschung vielversprechende Eigenschaften zugeschrieben. Doch die Astine produziert die Pflanze nicht selbst, wie lange angenommen wurde, sondern sie stammen von einem Pilz, der im Gewebe ihrer Blütenstände lebt. Das haben Dr. Thomas Schafhauser und Professor Wolfgang Wohlleben von der Universität Tübingen gemeinsam mit Dr. Linda Jahn, Professorin Jutta Ludwig-Müller und Professor Karl-Heinz van Pée von der Technischen Universität Dresden in einem internationalen Team herausgefunden. Dem Team ist es gelungen, den betreffenden Pilz <em>Cyanodermella asteris</em> zu isolieren und unabhängig von der Wirtspflanze in Nährlösung zu kultivieren. Dadurch hat es die Grundlagen für eine biotechnologische Herstellung der Astine in größerem Maßstab gelegt. Die Studie wird in der Zeitschrift<em> Proceedings of the National Academy of Sciences</em> veröffentlicht.</p><p>Werden Arzneipflanzen wild gesammelt, kann das ihren Bestand gefährden. Selbst wenn Pflanzen für die Naturstoffproduktion gezüchtet werden, ergeben sich viele Schwierigkeiten: Das Pflanzenwachstum ist vergleichsweise langsam, die Stoffe werden häufig nur in geringen Mengen produziert und müssen in aufwendigen Verfahren aus der Pflanze extrahiert werden. „Ziel ist daher vielfach, wie auch bei den Astinen, eine kostengünstige biotechnologische Produktion“, sagt Thomas Schafhauser. Astine binden an ein wichtiges menschliches Regulatorprotein, wodurch sie möglicherweise zur Unterdrückung von Immunreaktionen und gegen das Wachstum von Tumoren eingesetzt werden könnten.</p><p>„Für die Entwicklung eines biotechnologischen Verfahrens muss man die beteiligten Gene und den Stoffwechselweg kennen, über den ein Naturstoff gebildet wird“, sagt der Wissenschaftler. Astine hätten eine ungewöhnliche komplexe chemische Struktur. „Vergleiche mit teilweise ähnlichen Naturstoffen deuteten auf Bakterien oder Pilze als Produzenten des Astins hin.“ So stießen die Forscher auf den in der Pflanze lebenden Pilz <em>C. asteris</em>. Bei den Experimenten des Forschungsteams ließ sich der Pilz problemlos vermehren und kultivieren. Er stellte zudem anhaltend große Mengen Astin her. „Außerdem wurde das Pilzgenom vollständig sequenziert“, sagt Schafhauser. Im entschlüsselten Genom fand das Team die Gene, die für den Aufbau des Astins zuständig sind. Somit seien wichtige Voraussetzungen gegeben, um biotechnologische Verfahren zur kommerziellen Herstellung von Astin zu entwickeln.</p><h3>Zusammenarbeit verschiedener Arten</h3><p>In Experimenten belegten die Forscherinnen und Forscher, dass Individuen der Tataren-Aster (<em>Aster tataricus</em>) ohne den Pilz<em> C. asteris</em> kein Astin produzierten. Durch erneute Infektion mit dem Pilz ließ sich die Funktion wiederherstellen. „Außerdem enthielten diese Pflanzen die Variante Astin A, die der Pilz, wenn er einzeln kultiviert wurde, nicht bilden konnte“, berichtet Linda Jahn. „Wir gehen davon aus, dass Pilz und Pflanze hier im Sinne einer Symbiose zu beiderseitigem Vorteil zusammenarbeiten und die Pflanze ein Signal zur Herstellung des Astins A gibt oder selbst das Astin aus dem Pilz weiter verarbeitet.“</p><p>Solche über eine Art hinausgehenden Stoffwechselwege, die die Symbiose zwischen zwei oder mehr biologischen Partnern erfordern, seien bisher weitgehend unerforscht. „Möglicherweise sind sie stark verbreitet, aber darüber wissen wir bisher zu wenig“, sagt die Wissenschaftlerin. Bei der Tataren-Aster sei unklar, inwiefern ihr der komplexe Stoff Astin Vorteile bringt. Er könnte bei der Verteidigung gegen Fressfeinde oder Krankheitserreger eine Rolle spielen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47061</guid><pubDate>Mon, 02 Dec 2019 09:07:40 +0100</pubDate><title>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz zeichnete Sieger aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-zeichnete-sieger-aus/</link><description>Schülerteams entwickelten Algorithmen zur Identifizierung von Malaria-infizierten Zellen, zur Lokalisierung von Proteinen und zur Voraussage von Zugverspätungen – „KI-Schule des Jahres“ aus dem Saarland</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit der feierlichen Preisverleihung ist der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz 2019 zu Ende gegangen. Vier Schülerteams aus Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen wurden von der Jury prämiert. Die Auszeichnung „KI-Schule des Jahres“ erhielt das Saarpfalz-Gymnasium in Homburg/Saar. Insgesamt waren mehr als 2.500 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahren dem Aufruf des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und der Universität Tübingen gefolgt. Beide Einrichtungen sind Teil des Cyber Valley Projekts zur Erforschung von Künstlicher Intelligenz.&nbsp;</p><p>„Mit dem Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz bringt das Cyber Valley die Methoden der KI mitten in die Gesellschaft“, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei der Preisverleihung am Samstag in Tübingen: „Es freut mich außerordentlich, dass der Wettbewerb gleich im ersten Jahr bei der Jugend auf so großes Interesse gestoßen ist. Er bringt Jugendliche und junge Erwachsene schon früh in Kontakt mit Künstlicher Intelligenz – und zwar nicht nur als passive Konsumenten, sondern als aktive Gestalter.“</p><p>In der Altersklasse 14 bis 15 Jahre siegte Luca Abele vom Ulrichsgymnasium im ostfriesischen Norden mit einem Projekt zur Identifizierung von Malaria-Erregern im menschlichen Körper. Er hat einen Algorithmus programmiert, der infizierte Zellen von nicht-infizierten Zellen unterscheiden kann. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz auf diesem Gebiet könnte künftig medizinische Diagnosemethoden unterstützen.&nbsp;</p><p>In der Altersklasse 16 bis 19 Jahre gab es mit CellTorch aus Göttingen und Underscore aus Tübingen gleich zwei Siegerteams. Adrian Dobbelstein und Christian Helms vom Max-Planck-Gymnasium beziehungsweise vom Hainberg-Gymnasium in Göttingen entwickelten im Projekt CellTorch einen Algorithmus, der die genaue Position von Proteinen in fluoreszenz-gefärbten Mikroskop-Aufnahmen von Zellen bestimmen kann. Eine effiziente Lokalisierung der Proteine könnte Hinweise auf biologische Mechanismen geben, die unter anderem für die gezielte Entwicklung und den Einsatz von Medikamenten wichtig sind.</p><p>Im Projekt Underscore befassten sich Theo Döllmann und Marius de Kuthy Meurers vom Tübinger Kepler-Gymnasium mit der Voraussage von Zugverspätungen. Die Schüler sammelten einen gewaltigen Datensatz über den tatsächlichen Verlauf von Bahnreisen. Basierend auf diesen Daten sowie Informationen über Wetter, Ferienzeiten und vielem mehr trifft die Künstliche Intelligenz eine Voraussage, ob eine Bahnverbindung Verspätung haben wird. Bahnfahrer können ihre geplante Zugverbindung in eine eigens programmierte Webseite eingeben und sich errechnen lassen, wie wahrscheinlich eine Verspätung ist.&nbsp;</p><p>Alle Finalisten erhielten einen kleinen leistungsstarken Computer für KI Anwendungen von NVIDIA (JetsonNano). Die Preisträger können zudem ein Jahr lang das Journal Technology Review kostenlos beziehen.&nbsp;</p><p>Der Publikumspreis schließlich ging an das Team RISCkant vom Hardenberg-Gymnasium im fränkischen Fürth. Samuel Arpert, Sebastian Fritsch, Simon Klier, Christian Künzle und Jan-Niklas Weghorn präsentierten einen Chip, der mithilfe von KI schneller und zugleich energieeffizienter arbeitet. Als Preis erhielt das Team ein Arduino-Starterset –&nbsp;ein kleiner PC für die Programmierung spezifischer Aufgaben.&nbsp;</p><p>Zudem wurde das Saarpfalz-Gymnasium aus Homburg mit dem Titel „KI Schule des Jahres“ ausgezeichnet. Mit fast 80 Teilnehmern in der ersten Runde des Wettbewerbes und der höchsten Punktzahl lag das Gymnasium vor allen anderen Mitbewerbern. Stellvertretend für die Schule nahmen Michael Bergau, Fachkoordinator Informatik am Saarpfalz-Gynasium, sowie die ehemaligen Schüler Benedikt Lothschütz und Nico Mansion die Auszeichnung entgegen. Die Schule erhielt als Preis zwei Drohnen, um zukünftig Luftaufnahmen mit KI in kreativen Projekten einzusetzen. &nbsp;&nbsp;</p><p>Am Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz 2019 hatten mehr als 2.500 Schülerinnen und Schüler teilgenommen: In einer ersten Runde lösten sie unterschiedliche Programmieraufgaben. In der zweiten Runde fanden sich Teams zusammen, die über einen Zeitraum von fünf Monaten eigene Projektideen umsetzten. Insgesamt 50 Projekte zu medizinischen, technischen und ökologischen KI-Lösungen wurden in der Final-Runde eingereicht, unter anderem in Form von Webseiten und Apps. Acht Finalisten-Teams stellten ihre Projekte bei der Abschlussveranstaltung in Tübingen live einer Jury aus Forschung, Wirtschaft und Medien vor.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46920</guid><pubDate>Thu, 28 Nov 2019 09:28:00 +0100</pubDate><title>Noten vor und nach Schulreformen: Vergleich von Äpfeln mit Birnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/noten-vor-und-nach-schulreformen-vergleich-von-aepfeln-mit-birnen/</link><description>Oberstufenreformen können die Vergleichbarkeit von Noten erschweren, zeigt eine Studie der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Oberstufenreformen können die Vergleichbarkeit von Schulnoten vor und nach der Reform erschweren. Dies zeigen Wissenschaftler der Universität Tübingen, der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt in einer Studie. Sie verglichen die Mathematik- und Englischnoten von Oberstufenschülerinnen und -schülern mit deren Leistungen, die anhand standardisierter Tests ermittelt wurden – vor und nach Oberstufenreformen in Baden-Württemberg und Thüringen. Die Ergebnisse zeigen: Ändert sich im Zuge einer Reform die leistungsbezogene Zusammensetzung von Kursen, beispielsweise durch die Einführung oder Abschaffung von obligatorischen Kernfächern, erhalten Schülerinnen und Schüler trotz gleicher Leistungen andere Noten als in den Kursen vor der Reform. Die Ergebnisse sind im <em>Journal of Educational Psychology</em> erschienen.</p><p>Oberstufenschülerinnen und -schüler können in diesem Schuljahr in den meisten Bundesländern wieder zwischen Grund- und Leistungskursen wählen. Müssen nur zwei Leistungskurse belegt werden, werden diese mindestens fünf Stunden pro Woche unterrichtet, stehen mehr als zwei Leistungskurse zur Auswahl, müssen sie mindestens vierstündig unterrichtet werden. Damit setzen die Länder einen Beschluss der Kultusministerkonferenz um, um die Abiturnoten in Deutschland vergleichbarer zu machen.&nbsp;</p><p>Für die Studie wurden die Oberstufennoten sowie die Leistungen in standardisierten Tests in Mathematik und Englisch von insgesamt rund 7.800 Schülerinnen und Schülern vor und nach den Oberstufenreformen in Baden-Württemberg (2002) und in Thüringen (2010) herangezogen. Vor den Reformen konnten diese zwischen Grund- und Leistungskursen wählen, die zwei bis vier bzw. fünf oder sechs Stunden pro Woche unterrichtet wurden. Nach den Reformen mussten in beiden Bundesländern Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache als Kernfächer mit jeweils vier Wochenstunden belegt werden. &nbsp;</p><p>Erwartungsgemäß schnitten Schülerinnen und Schüler mit besseren Noten auch in den Leistungstests besser ab. Allerdings zeigten sich bei Schülerinnen und Schülern, die in einem Kurs die gleichen Noten erhalten hatten, erstaunliche Leistungsunterschiede, je nachdem ob sie – wie vor der Reform – ein Fach als Grund- oder Leistungskurs oder – wie nach der Reform – ein Fach als Kernfach belegt hatten. So erreichten Schülerinnen und Schüler aus dem Grundkurs vor der Oberstufenreform weniger Punkte im Leistungstest als diejenigen im Kernfach nach der Oberstufenreform. Analog dazu waren Schülerinnen und Schüler, die vor der Reform den Leistungskurs besucht hatten, im Leistungstest besser als diejenigen aus dem Kernfach. Die Leistungsunterschiede bei gleicher Note fanden sich in Baden-Württemberg für Mathematik und Englisch und ließen sich auch für Mathematik und teilweise für Englisch in Thüringen nachweisen.</p><p>Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Reformen, die die leistungsbezogene Zusammensetzung von Schülerinnen und Schülern in Kursen der Sekundarstufe II verändern, auch die von Lehrkräften vergebenen Noten verändern können. Das liegt besonders daran, dass Lehrkräfte häufig die Leistungen innerhalb einer Klasse oder eines Kurses miteinander vergleichen. Sind diese eher hoch, wie in einem Leistungskurs, erhalten durchschnittliche Schülerinnen und Schüler schwerer eine gute Note als in einem leistungsschwächeren Kurs. Deshalb ist es nicht nur schwierig, die Noten zwischen Bundesländern mit unterschiedlichen Oberstufensystemen zu vergleichen, sondern auch die Noten innerhalb eines Bundeslandes, besonders vor und nach Oberstufenreformen.</p><p>Die erschwerte Vergleichbarkeit hat Folgen für die Selektionsfunktion von Oberstufennoten, besonders bei der Vergabe von Studienplätzen oder bei Bewerbungen um Ausbildungsplatz oder Job. Denn hier werden einzelne Fachnoten, beispielsweise in Mathematik, oft als zentrales Kriterium zur Beurteilung des Leistungspotenzials herangezogen. „Wie die Studie zeigt, haben Bewerberinnen und Bewerber mit einer identischen Note in Mathematik nicht unbedingt die gleichen Kenntnisse in Mathematik. Dass auch strukturelle Veränderungen im Schulsystem diesen Zusammenhang systematisch beeinflussen können, ist bisher weitgehend ignoriert worden“, sagt Dr. Nicolas Hübner, Erstautor der Studie. Diejenigen, die die Personalauswahl treffen, müssten sich dieser Problematik bewusst sein. „Da Reformen die Bedeutung von Noten verändern können, sollten derartige Reformeffekte zukünftig routinemäßig untersucht werden. Darüber hinaus sollten Möglichkeiten zur stärkeren Standardisierung von Benotungsprozessen diskutiert werden“, so Hübner.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Hübner, N., Wagner, W., Hochweber, J., Neumann, M., &amp; Nagengast, B. (2019). Comparing apples and oranges: Curricular intensification reforms can change the meaning of students' grades! <em>Journal of Educational Psychology</em>. doi:&nbsp;<a href="http://10.1037/edu0000351" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">10.1037/edu0000351 </a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46866</guid><pubDate>Tue, 26 Nov 2019 14:35:32 +0100</pubDate><title>Seltene Erbkrankheit: Ein kleines Botenmolekül zeigt große Wirkung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/seltene-erbkrankheit-ein-kleines-botenmolekuel-zeigt-grosse-wirkung/</link><description>Tübinger Forscher entwickeln erste Ansätze einer Gentherapie bei hereditärer spastischer Spinalparalyse (HSP)</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Hirnforscher haben einen neuen Ansatz zur Behandlung der hereditären spastischen Spinalparalyse (HSP) entwickelt. Eine Gentherapie soll die seltene neurologische Erbkrankheit direkt am Ort ihrer Entstehung behandeln. Der Therapieansatz zielt auf die Unterform SPG5 ab, deren Abkürzung von der englischen Bezeichnung spastic paraplegia gene type 5 stammt. Bei ihr führt ein defektes Gen zum Anstieg bestimmter Stoffwechselprodukte im Gehirn, die tödlich auf Nervenzellen wirken. Langfristig verlieren die betroffenen Patienten dadurch die Fähigkeit zu laufen. In einem Tiermodell konnte der Gendefekt erstmals erfolgreich durch die wiederholte Gabe eines Botenmoleküls (mRNA) ins Blut umgangen werden. Dadurch normalisierte sich die Konzentration der neurotoxischen Stoffwechselprodukte im Gehirn, berichtet das Forscherteam vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen sowie dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Er-krankungen in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen und der Firma CureVac. Das Team plant nun die Methode für die therapeutische Anwendung bei Patientinnen und Patienten zu optimieren.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46734</guid><pubDate>Fri, 22 Nov 2019 08:41:07 +0100</pubDate><title>CIN Dialogues: Künstliche Intelligenz und Moral</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cin-dialogues-kuenstliche-intelligenz-und-moral/</link><description>Der Philosoph Julian Nida-Rümelin diskutiert mit dem Hirnforscher Wolf Singer über moralische Entscheidungen im Zeitalter der Digitalisierung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Wissenschaft und Technik, sondern dringt immer tiefer in unseren Alltag ein und wirft deshalb auch zahlreiche ethische Fragen auf. Intelligente Maschinen übernehmen jetzt schon Entscheidungen, die bisher ausschließlich von Menschen getroffen wurden. Besonders brisant ist das, wenn die Entscheidungen moralische Urteile implizieren. Aus einer ethischen Perspektive stellt sich deshalb die Frage, ob oder inwiefern Systeme maschinellen Lernens als moralische Akteure beschrieben werden können. Darüber diskutieren der Philosoph Julian Nida-Rümelin und der Hirnforscher Wolf Singer im diesjährigen CIN-Dialogue, der gemeinsam vom Forum Scientiarum und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen organisiert wird. Das Gespräch moderiert Gero von Randow von der ZEIT.</p><p><strong>Der CIN-Dialogue findet am Montag, 25. November 2019, um 19 Uhr c. t. im Audimax der Neuen Aula statt (Geschwister-Scholl-Platz, Tübingen). Die interessierte Öffentlichkeit und Medien sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.</strong></p><p>Die Methoden des Maschinellen Lernens gelten als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien für moderne KI-Anwendungen. Insbesondere erfahren künstliche neuronale Netze aktuell beträchtliche Aufmerksamkeit. Sie kommen erfolgreich bei der automatischen Sprachverarbeitung, Bilderkennung oder medizinischen Diagnostik zum Einsatz. Die verwendeten Algorithmen können aus „Erfahrung“ neues Tatsachen- und Regelwissen ableiten und so „lernen“, aus Trainingsdaten entwickeln sie ein Entscheidungsmodell, das auf statistischer Wahrscheinlichkeit beruht.&nbsp;</p><p>Aber: Was bedeutet es, eine moralische Entscheidung an eine Maschine zu delegieren? Was sind die Bedingungen dafür, eine künstliche Intelligenz als moralischen Akteur anzuerkennen? Wie treffen Menschen eigentlich moralische Entscheidungen? Was sollte eine „moralische Maschine“ leisten, der wir Verantwortung über ihre Entscheidungen zusprechen wollen?</p><h3>Die Experten</h3><p>Julian Nida-Rümelin ist seit 2004 Professor für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie seit 2001 Honorarprofessor der Humboldt Universität zu Berlin. Im Jahr 2001 wurde Nida-Rümelin zum Staatsminister mit dem Aufgabengebiet Kultur und Medien ernannt. Seine Forschungsgebiete liegen in der Rationalitätstheorie, Ethik und politischen Philosophie.</p><p>Wolf Singer ist Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Gründungsdirektor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) sowie des Ernst Strüngmann Instituts (ESI) for Neuroscience in Kooperation mit der Max Planck Gesellschaft in Frankfurt am Main. Singer ist seit 1998 Mitglied der Leopoldina und wurde 1992 zum Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Seine Forschung ist der Aufklärung der neuronalen Grundlagen kognitiver Funktionen gewidmet: Kognitive Funktionen beruhen auf der gleichzeitigen Verarbeitung einer Vielzahl unterschiedlicher Sinnessignale in weit verteilten Regionen der Hirnrinde.</p><h3>Der Moderator</h3><p>Gero von Randow ist Journalist und Publizist. Er war zunächst freier Wissenschaftsjournalist und arbeitet seit 1992 vor allem für die ZEIT, mit einer zweijährigen Pause, in der er das Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung leitete. Bei der ZEIT war er unter anderem Herausgeber von ZEIT Wissen, Chefredakteur von ZEIT ONLINE sowie Korrespondent in Frankreich. Heute ist er Politikredakteur der ZEIT in Hamburg. Randow beschäftigt sich mit zahlreichen Themen wie Politik, Atomkraft, Physik, Mathematik sowie Gesellschaft, Technologie, Philosophie und Geschichte des Linksradikalismus.</p><p>Zudem wird der eintägige Workshop „Limits of Automatization in Machine Learning” angeboten: Am Montag, 25. November, von 9.00 bis 17 Uhr im Hörsaal Forum Scientiarum. Als Redner sind Prof. Dr. Benjamin Jantzen (Virginia Tech), Prof. Dr. Jörg Strübing (Universität Tübingen), Prof. Dr. Philipp Berens (Universität Tübingen), Dr. Andreas Kaminski (Universität Stuttgart), Dr. Fabian Sinz (Universität Tübingen) und Gero von Randow (DIE ZEIT) eingeladen. Der Workshop findet in englischer Sprache statt und steht Interessierten zur Teilnahme offen. Um Anmeldung wird gebeten unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kphqBhuek0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">info<span style="display:none">spam prevention</span>@fsci.uni-tuebingen.de</a>.&nbsp;</p><p>Weitere Informationen: www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/veranstaltungen/cin-dialogues/&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46587</guid><pubDate>Mon, 18 Nov 2019 14:08:24 +0100</pubDate><title>Wieder mehr als 27.000 Studierende an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wieder-mehr-als-27000-studierende-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Zahl der Neu- und Ersteinschreiber bleibt auf hohem Niveau – Nach wie vor deutlich mehr Studierende als noch vor zehn Jahren</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität Tübingen studieren im Wintersemester 2019/20 insgesamt 27.196 Studierende, darunter 15.988 Frauen und 11.208 Männer. Am Stichtag, dem 11. November 2019, lag die Gesamtzahl damit um 369 Studierende unter dem Wert des Vorjahres (WS 2018/19: 27.565 Studierende). Mit 5.219 Erstsemestern liegt die Zahl der Neu- und Ersteinschreibungen exakt um 100 unter des vergangenen Jahres (WS 2018/19: 5.319).</p><p>3.869 internationale Studierende sind für dieses Semester in Tübingen eingeschrieben (WS 2018/19: 3.924), darunter 2.367 Frauen und 1.502 Männer. Auch hier liegt die Zahl der Neu- und Ersteingeschriebenen mit 1.107 leicht unter der des Vorjahres (WS 2018/19: 1.170).</p><p>Der Kanzler der Universität Tübingen, Dr. Andreas Rothfuß, wies darauf hin, dass die Universität dennoch weiterhin eine Überlast bewältigen müsse. Insbesondere in den zulassungsbeschränkten Fächern übersteige die Zahl der Studierenden die rechnerische Kapazität deutlich. Grund dafür sei die Zulassungszahlenverordnung, die die hohen Werte des Studienjahrgangs 2012/13&nbsp;fortschreibe. „Damals musste der doppelte Abiturjahrgang bewältigt werden. Seitdem geht die Überlast leicht zurück, dies verläuft aber sehr viel langsamer als noch vor wenigen Jahren erwartet.“ Vor diesem Hintergrund gebe es keinen Grund zur Entwarnung, die personellen und räumlichen Kapazitäten der Universität seien weiterhin aufs höchste ausgelastet.</p><p>„Aufschlussreich ist der Vergleich mit der Situation vor zehn Jahren“, sagte Rothfuß. „Sowohl die Gesamtzahl der Studierenden als auch die Zahl der Studienanfänger lag im Wintersemester 2009/10 noch deutlich unter den aktuellen Werten.“ Im genannten Wintersemester waren an der Universität Tübingen insgesamt 24.105 Studierende eingeschrieben. Die Zahl der Erst- und Neueinschreiber belief sich damals auf 4.892.&nbsp;</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p><a href="/einrichtungen/verwaltung/iv-studierende/studierendenabteilung/statistiken/" class="internal-link" title="Studierendenzahlen und -statistiken">Studierendenstatistiken der Universität Tübingen</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46557</guid><pubDate>Mon, 18 Nov 2019 10:33:52 +0100</pubDate><title>Sustainability Lecture am 27. November 2019: Ein Leben ohne Müll ist möglich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sustainability-lecture-am-27-november-2019-ein-leben-ohne-muell-ist-moeglich/</link><description>Universität Tübingen verleiht Nachhaltigkeitspreise –  Bloggerin Shia Su und ihr Mann Hanno sprechen über „Zero Waste“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 27. November 2019 verleiht die Universität Tübingen zum neunten Mal den Nachhaltigkeitspreis für herausragende Abschlussarbeiten. Kanzler Dr. Andreas Rothfuß zeichnet jeweils drei Bachelor- und drei Masterarbeiten aus, die sich mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung beschäftigen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden auf der Veranstaltung bekanntgegeben und stellen ihre Arbeiten kurz vor. Im Anschluss halten Shia und Hanno Su die „Sustainability Lecture“ zum Thema „Zero Waste – Ein Leben ohne Müll?“.</p><p><strong>Zur Preisverleihung am Mittwoch, 27. November 2019, um 18.00 Uhr im Festsaal der Alten Aula (Münzgasse 30) sowie zur nachfolgenden „Sustainability Lecture“ sind die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter herzlich eingeladen.&nbsp;</strong></p><p>Die Bloggerin Shia Su und ihr Mann Hanno Su leben seit 2014 nahezu müllfrei. Sie sind der Überzeugung, dass dieser Lebensstil nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern das eigene Leben bereichert. Ihr gesamter Rest- und Plastikmüll eines Jahres passt in ein Einmachglas. „Das ist keine schwarze Magie“, sagt Shia Su. „Es gibt jede Menge überraschender Alternativen, die viele von uns einfach nicht kennen“, ergänzt Hanno Su. (Blog: <a href="https://wastelandrebel.com/de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://wastelandrebel.com/de/</a>)</p><p>Mit der Vergabe der Nachhaltigkeitspreise setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Nachhaltiger Entwicklung. Auch dieses Jahr gingen wieder zahlreiche Bewerbungen ein. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt. „In Zeiten von ‚Fridays for Future‘ können wir als Universität die junge Generation auf dem Weg der Transformation unterstützen, indem wir Kompetenzen vermitteln, die zu kritischer Reflexion ermuntern“, sagt Juryvorsitzender Professor Thomas Potthast. „Wir freuen uns sehr, dass sich viele unserer Studierenden in ihren Abschlussarbeiten mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46374</guid><pubDate>Wed, 13 Nov 2019 11:08:04 +0100</pubDate><title>Schadstoffkatastrophe an der Jagst liefert Erkenntnisse für die Wissenschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schadstoffkatastrophe-an-der-jagst-liefert-erkenntnisse-fuer-die-wissenschaft/</link><description>Forscherinnen der Universität Tübingen untersuchen anhand des Unfalls von 2015 Folgen von hohen Stickstoffeinträgen in Gewässer</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim Brand einer Mühle im baden-württembergischen Lobenhausen gelangten im August 2015 größere Mengen mit Kunstdünger verunreinigten Löschwassers in die Jagst, einen Zufluss des Neckars. Dadurch verendeten Tausende von Fischen. Gleichzeitig bewirkte die in den Düngemitteln enthaltene Stickstoffverbindung Ammoniumnitrat eine massenhafte Vermehrung der Algen. Nun haben Dr. Julia Kleinteich und Professorin Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen eine Untersuchung zu den zeitlichen Abläufen dieser Algenblüte wie auch den Auswirkungen dieses Ereignisses auf die Kleinstlebewesen im Wasser abgeschlossen.</p><p>Sie arbeiteten mit Dr. Sabine Hilt vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin sowie Andreas Hoppe von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg zusammen. Ihre Ergebnisse machen deutlich, dass auch in einem ohnehin sehr nährstoffreichen Fluss wie der Jagst zusätzlicher Stickstoff eine Massenvermehrung von Algen bewirken kann. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift <em>Limnology and Oceanography</em> veröffentlicht.</p><p>Algenblüten in Meeren, Seen und Flüssen, die das Wasser in beeindruckenden Farbspielen rot, blau oder grün leuchten lassen können, stellen in mehrfacher Hinsicht eine Bedrohung dar: Teilweise produzieren die massenhaft auftretenden Arten von Algen oder Cyanobakterien Stoffe, die auf andere Lebewesen – auch den Menschen – giftig wirken. Außerdem wird dem Wasser bei der Zersetzung der immensen Biomasse aus der Algenblüte Sauerstoff entzogen, was Flora und Fauna der Gewässer zusätzlich schädigt.</p><h3>Klimaerwärmung macht Algenblüten wahrscheinlicher</h3><p>Die Häufigkeit von Algenblüten steigt mit höheren Wassertemperaturen und der höheren Verfügbarkeit von Nährstoffen. Bei diesen Faktoren spielen der Einfluss des Menschen und die Klimaerwärmung eine Rolle. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen könnte der pulsartige Eintrag großer Mengen von Nährstoffen in Gewässer künftig häufiger auftreten – auch ohne Unfall. „Extreme Wetterereignisse nehmen zu. So kann etwa ein Starkregen die Böden in kurzer Zeit auswaschen“, erklärt Julia Kleinteich. Wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Gülle aus intensiver Viehhaltung gedüngt werden, könnten die umliegenden Gewässer plötzlich mit großen Mengen Stickstoff belastet werden. Daher nutzt die Forscherin die Daten aus dem Jagstunfall wie ein Experiment in natürlicher Umgebung.</p><p>Christiane Zarfl und Julia Kleinteich nahmen nach dem Jagstunfall im September 2015 Wasserproben sowohl vor als auch in sowie hinter der Ammoniumnitratfahne, die flussabwärts gespült wurde. Dabei diente die Konzentration des Chlorophylls, des grünen Farbstoffs, der die Algen zur Fotosynthese befähigt, als Indikator für ihre Biomasse. „Das Wasser war grasgrün“, erinnert sich Kleinteich. „Die Algenblüte hat sich mit dem Düngemittel flussabwärts verlagert, bis die Ammoniumnitratfahne an der Mündung der Jagst durch den Neckar stark verdünnt wurde.“</p><h3>Starke Vermehrung</h3><p>Die Forscherinnen untersuchten in den Proben die Menge wie auch die Zusammensetzung des Mikroplanktons. Dazu zählen Bakterien, einzellige Algen und andere Kleinstlebewesen. Sie setzten dabei Methoden der genetischen Hochdurchsatzsequenzierung ein, um die Arten und relative Individuenzahlen zu bestimmen. Gesteuert werden die Vermehrung und das Wachstum der Organismen durch ein Zusammenspiel vieler Faktoren, eine Hauptrolle spielt dabei die Verfügbarkeit von Nährstoffen. „Der massive Eintrag von Ammoniumnitrat in die Jagst hatte zur Folge, dass sich die Artengemeinschaft, wie sie sich normalerweise im Sommer herausbildet, stark verschoben hat“, fasst Kleinteich zusammen. „Wenige Arten vermehrten sich stark und dominierten die Gemeinschaft.“ Insgesamt habe der Dünger die Menge des pflanzlichen Planktons deutlich gesteigert. „Die Jagst war von vornherein ein sehr nährstoffreiches Gewässer. Wir hatten nicht erwartet, dass zusätzliche Nährstoffe aus den Düngemitteln das Algenwachstum so stark fördern“, sagt die Wissenschaftlerin.</p><p>Bisher wurde die Massenvermehrung von Algen im Süßwasser in vielen Fällen durch das verfügbare Phosphat begrenzt. Seit den 1970er Jahren seien Kläranlagen im großen Maßstab gebaut worden, die Nährstoffe und insbesondere das Phosphat zurückhalten können, berichtet Kleinteich. Vor allem beim Phosphor habe man punktuelle Einträge durch verbesserte Kläranlagen deutlich verringern können. Dadurch verschiebe sich aber nun das Verhältnis in der Umwelt zu anderen Nährstoffen, insbesondere dem Stickstoff. „Der Jagstunfall, bei dem nur zusätzlicher Stickstoff, nicht aber Phosphor ins Wasser gelangte, macht deutlich, dass möglicherweise auch der Stickstoffeintrag begrenzt werden muss, um problematische Algenblüten zu vermeiden“, sagt Kleinteich.</p><p>Aufgrund der erfolgreichen Studienergebnisse beteiligt sich das Land Baden-Württemberg auch an einem Folgeprojekt an der Jagst. Der Fluss wurde 2019 weiter beprobt, um die natürliche Nährstoffdynamik und Biodiversität genauer zu untersuchen. Ziel ist unter anderem, die langfristigen Folgen der Schadstoffkatastrophe besser zu verstehen.</p><h3>Informationen zum Renaturierungsprogramm der Jagst:</h3><p><a href="https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/schutz-natuerlicher-lebensgrundlagen/wasser/jagst/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/schutz-natuerlicher-lebensgrundlagen/wasser/jagst/</a></p><h3>Publikation:</h3><p>Julia Kleinteich, Sabine Hilt, Andreas Hoppe, Christiane Zarfl: Structural changes of the microplankton community following a pulse of inorganic nitrogen in a eutrophic river. Limnology and Oceanography, <a href="https://doi.org/10.1002/lno.11352" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1002/lno.11352</a><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46359</guid><pubDate>Wed, 13 Nov 2019 10:11:10 +0100</pubDate><title>Studientag 2019 an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studientag-2019-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Studieninteressierte erhalten Einblick in viele Studiengänge – 7.000 Schülerinnen und Schüler werden erwartet
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim <strong>Studientag am Mittwoch, den 20. November 2019</strong>, können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zum Studienangebot der Universität Tübingen informieren. Erwartet werden etwa 7.000 Studieninteressierte aus ganz Baden-Württemberg. Mit einem umfassenden Angebot bietet der Studientag Gelegenheit, sich erste Einblicke in Themen, Voraussetzungen sowie berufliche Möglichkeiten von unterschiedlichen Fächern zu verschaffen.</p><p>Vormittags können die Schülerinnen und Schüler an drei zentralen Veranstaltungsorten (Neue Aula, Kupferbau, Hörsaalzentrum Morgenstelle) 77 Kurzvorträge und 38 Infostände der Fachbereiche besuchen. Es gibt auch Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie zum Beispiel Auslandssemester und BAföG. Das Programm beginnt um 9.00 Uhr im Talbereich mit dem Infomarkt und Vorträgen zu Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Ab 9.30 Uhr starten Infomarkt und Vorträge zu den Natur- und Lebenswissenschaften im Hörsaalzentrum Auf der Morgenstelle.</p><p>Von 13.00 bis 16.00 Uhr können die Studieninteressierten sich intensiver mit einem oder zwei Fächern beschäftigen. Hierzu laden die Fakultäten, Fachbereiche und Seminare zu Infovorträgen, der Teilnahme an Lehrveranstaltungen, Laborführungen sowie Gesprächen mit Lehrenden und Studierenden ein.</p><p>Ein kostenloser Bus-Shuttle zwischen Hauptbahnhof über die Neue Aula bis zum Hörsaalzentrum Morgenstelle steht zur Verfügung. Reisebusse können in der Europastraße auf der Busparkspur parken.&nbsp;</p><p>Das Programm sowie Hinweise zur Anreise finden Sie unter <a href="/studium/studieninteresse/angebote-fuer-studieninteressierte/studieninfotag/" class="internal-link">www.uni-tuebingen.de/studientag</a>.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46299</guid><pubDate>Tue, 12 Nov 2019 16:54:52 +0100</pubDate><title>Entscheidung für den Forschungsstandort notwendig</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/entscheidung-fuer-den-forschungsstandort-notwendig/</link><description>Universitätsleitung positioniert sich in der Debatte um Ansiedlung des Internetkonzerns Amazon</description><content:encoded><![CDATA[<p>In der Debatte um die Ansiedlung von Amazon hat die Universität an alle politisch Verantwortlichen in der Stadt Tübingen appelliert, sich für eine Stärkung des Forschungsstandortes zu entscheiden. „Der KI-Standort Tübingen ist in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich gewachsen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am Dienstag: „Dennoch sind wir immer noch ein gutes Stück davon entfernt, zu den Top-Standorten in der Welt aufschließen zu können.“ Vor diesem Hintergrund seien die Folgen einer ablehnenden Entscheidung gegenüber Amazon derzeit unübersehbar.&nbsp;</p><p>„Die im Oktober 2017 von Amazon verkündete Entscheidung, dem Cyber Valley Verbund beizutreten und zusätzlich ein eigenes Forschungszentrum in Tübingen aufzubauen, hat seither entscheidend zur Sichtbarkeit des Cyber Valley beigetragen“, sagte Engler. Werde dem US-Konzern die Ansiedlung eines Forschungszentrums nun verwehrt, wäre dies ein verheerendes Signal an KI-Forscherinnen und -Forscher weit über Deutschland hinaus.&nbsp;</p><p>Der Rektor verwies darauf, dass Bundesregierung und Alexander von Humboldt-Stiftung ein Programm aufgelegt haben, um bis zu 30 internationale Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Bereich der KI-Forschung nach Deutschland zu holen. „Die Universität unternimmt erhebliche Anstrengungen, damit ein nennenswerter Anteil der prestigeträchtigen Humboldt-Professuren nach Tübingen geht. Wir wollen so sicherstellen, dass die klügsten Köpfe künftig in einem Umfeld forschen und lehren, das sich zur gesellschaftlichen Verantwortung von KI-Forschung bekennt“, sagte Engler: „Zur Stärkung eines solchen Umfeldes trägt maßgeblich auch die Einbindung gesellschaftlicher Akteure bei, die sich mit ethischen Fragen der KI befassen. Ich appelliere daher an alle Mitglieder des Gemeinderats, keine Entscheidung zu treffen, die im In- und Ausland in erster Linie als Ablehnung der KI-Forschung verstanden werden dürfte.“</p><p>Engler warnte davor, die Entscheidung über die Ansiedlung des Amazon-Forschungszentrums mit sachfremden Erwägungen zu verknüpfen. „Die Auseinandersetzung um die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung in Amazon-Logistikzentren wird nicht in Tübingen entschieden. Gleiches gilt für die Frage der Besteuerung von multinationalen Internetkonzernen.“ Die Entscheidung des Gemeinderats werde aber einen erheblichen Einfluss auf die Frage haben, wie sich der KI-Standort Tübingen in der weiteren Zukunft entwickele: „Die Universität tritt dafür ein, dass wir künftig mehr und nicht weniger KI-Forschung in Tübingen haben.“</p><p>Engler sagte, Stadt und Universität hätten eine gemeinsame Verantwortung für Wohlstand und Beschäftigung in der Region: „Wenn die Industrie in Baden-Württemberg in den kommenden Jahrzehnten weiterhin prosperieren soll, führt an der intensiven Nutzung der Künstlichen Intelligenz kein Weg vorbei“, betonte der Rektor. „Alle Unternehmen von der mittelständischen Elektro-, Metall- und Textilindustrie bis hin zu großen Konzernen müssen sich dieser Herausforderung stellen.“ Vor diesem Hintergrund sei es eminent wichtig, den KI-Standort Tübingen mit seinem enormen Potenzial in Forschung und Technologietransfer, aber auch in der Ausbildung künftiger Fach- und Führungskräfte weiter zu stärken. &nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-46296</guid><pubDate>Tue, 12 Nov 2019 16:32:55 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-6/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size:11pt"><span style="line-height:115%"><span style="font-family:Calibri,sans-serif"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,&quot;sans-serif&quot;" lang="DE">Im Folgenden möchten wir Ihnen zwei Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</span></span></span></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45984</guid><pubDate>Wed, 06 Nov 2019 19:00:00 +0100</pubDate><title>Neuer Vorfahr des Menschen in Europa entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-vorfahr-des-menschen-in-europa-entdeckt/</link><description>Bislang unbekannte Primatenart lebte vor fast zwölf Millionen Jahren in Süddeutschland – Aufrechter Gang entwickelte sich offenbar deutlich früher als bisher angenommen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der aufrechte Gang und die gemeinsamen Vorfahren des Menschen und der Menschenaffen haben sich möglicherweise nicht in Afrika, sondern in Europa entwickelt. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen in einer am Mittwoch im Fachmagazin <em>Nature</em> veröffentlichten Studie. Böhme hat in Süddeutschland Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt: Die versteinerten Überreste des <em>Danuvius guggenmosi</em>, der vor 11,62 Millionen Jahren lebte, lassen den Schluss zu, dass er sich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegen konnte. Die Fähigkeit, aufrecht zu gehen, gilt als zentrales Merkmal von Menschen.&nbsp;</p><p>Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Menschenaffen bereits vor rund zwölf Millionen Jahren über die Fähigkeit verfügten, auf zwei Beinen zu gehen. Das wäre doppelt so alt wie bisher vermutet: Die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang sind sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia. „Die Funde aus Süddeutschland sind ein Meilenstein der Paläoanthropologie, denn sie stellen unsere bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage“, sagte Böhme. An der Studie waren neben der Forscherin der Universität Tübingen weitere Wissenschaftler aus Bulgarien, Deutschland, Kanada und den USA beteiligt.</p><p>Seit Darwin wird die frühe Evolution des Menschen und seiner Cousins, der großen Menschenaffen, intensiv diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Ursprung der menschlichen Fähigkeit, sich auf zwei Beinen fortzubewegen. Entwickelte sich diese aus einer vierbeinigen Fortbewegung ähnlich der Meerkatzen oder bei Affen, die sich hangelnd fortbewegten wie Orang-Utans, oder aus dem so genannten Knöchelgang der Schimpansen und Gorillas? Für die zahlreichen Hypothesen der vergangenen 150 Jahre fehlen oft fossile Beweise.</p><p>Die Fossilien von <em>Danuvius guggenmosi</em> wurden zwischen 2015 und 2018 entdeckt. Böhme und ihr Team bargen aus der Tongrube „Hammerschmiede“ im Landkreis Ostallgäu mehr als 15.000 fossile Wirbeltierknochen. Der Lebensraum von <em>Danuvius</em> waren feuchte und bewaldete Ökosysteme, die vor etwa 12 Millionen Jahren in Süddeutschland vorherrschten. Die Fossilfunde konnte das Team mindestens vier Individuen zuordnen. Das am besten erhaltene Skelett eines männlichen <em>Danuvius</em> verfügt über Proportionen, die einem Bonobo ähneln. Dank vollständig erhaltener Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen ließ sich rekonstruieren, wie sich <em>Danuvius</em> fortbewegte. „Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke ‒ darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk ‒ in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen“, erklärt Böhme. „Zu unserem Erstaunen ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45960</guid><pubDate>Tue, 05 Nov 2019 15:14:13 +0100</pubDate><title>Sinkende Erträge und steigende Arsenbelastung gefährden die Versorgung mit Reis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sinkende-ertraege-und-steigende-arsenbelastung-gefaehrden-die-versorgung-mit-reis/</link><description>Forscher der Universitäten Stanford, Tübingen und Bayreuth gehen von Rückgang der Ernte um bis zu 40 Prozent bis zum Jahr 2100 aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Durch die Klimaerwärmung könnte die Reisernte weltweit deutlich geringer ausfallen als bisher angenommen. Der Reis könnte zudem deutlich über die heutigen EU-Grenzwerte hinaus mit dem giftigen Halbmetall Arsen belastet sein. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam an den Universitäten Stanford, Tübingen und Bayreuth unter der Leitung von Dr. Eva Marie Muehe, Forscherin an den Universitäten Stanford und Tübingen. Den Szenarien des Forschungsteams zufolge könnte die Reisproduktion bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 40 Prozent zurückgehen. Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.</p><p>Für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung stellt Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel dar. Global gesehen liefert er die meisten Kalorien pro Kopf und Tag. Schon lange wird befürchtet, dass der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und erhöhtem Kohlendioxidgehalt der Luft sowie Wasserknappheit die Ernteerträge um bis zu 15 Prozent mindern könnte. In der neuen Studie berücksichtigten die Forscherinnen und Forscher neben den Klimadaten die steigende Schadstoffbelastung der Böden und errechneten weit dramatischere Ernteeinbußen – und das bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung, deren Ernährung sichergestellt werden sollte.</p><h3>Wechselwirkungen verstärken die Probleme</h3><p>In Asien, wo 97 Prozent der weltweiten Reisernte produziert werden, kommt das giftige Halbmetall Arsen vielfach natürlicherweise im Grundwasser vor. Durch die Bewässerung der Reisfelder reichert sich Arsen immer stärker im Boden an. „Wir haben festgestellt, dass das Arsen aus dem Boden bei höheren Temperaturen und höherem Kohlendioxidgehalt der Luft verstärkt von den Reispflanzen aufgenommen wird“, sagt Eva Marie Muehe. Das Arsen schädige die Bildung der Reiskörner und verringere somit den durch die Bedingungen der Klimaerwärmung bereits verminderten Ertrag weiter.</p><p>Mit Hilfe von Gewächshausstudien konnten die Wissenschaftler basierend auf bisherigen Simulationsmodellen zeigen, dass die Klimaerwärmung allein bei der kalifornischen Reisvariante M206 einen Ertragsverlust von 16 Prozent verursacht. „Wenn wir die erhöhte Verfügbarkeit von Arsen im Boden mit einbeziehen, kommen wir auf einen Ertragsverlust von insgesamt 42 Prozent“, sagt Muehe. Dies bedeute, dass Prognosen zum künftigen Reisertrag deutlich zu hoch seien. Der künftig produzierte Reis werde zudem mehr des für den Menschen giftigen Arsens enthalten. Die ständige Aufnahme größerer Mengen Arsen kann zu Hautverletzungen, Krebs, einer Verschlimmerung von Lungenerkrankungen und sogar zum Tod führen.</p><p>Die Wissenschaftlerin will in Zusammenarbeit mit anderen Forschungsteams die Modelle zur künftigen Reisproduktion unter Berücksichtigung der Effekte von Schadstoffen wie Arsen weiter verbessern. „Die neuen Studienergebnisse haben eine immense Bedeutung für die Einschätzung der Ernährungssicherheit großer Teile der Weltbevölkerung“, sagt Eva Marie Muehe.</p><h3>Publikation:</h3><p>E. M. Muehe, T. Wang, C. F. Kerl, B. Planer-Friedrich, S. Fendorf: Rice production threatened by coupled stresses of climate and soil arsenic. Nature Communications, <a href="https://doi.org/10.1038/s41467-019-12946-4" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1038/s41467-019-12946-4</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45852</guid><pubDate>Mon, 04 Nov 2019 10:14:07 +0100</pubDate><title>Tübinger Universitätsrat fordert Nachbesserungen bei Hochschulfinanzierung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-universitaetsrat-fordert-nachbesserungen-bei-hochschulfinanzierung/</link><description>„Befürchten Abbau von Professuren und Mitarbeiterstellen“ – Universität zu vermehrten Anstrengungen für Klimaschutz bereit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Aufsichts- und Kontrollgremium der Universität Tübingen hat vom Land Baden-Württemberg spürbare Nachbesserungen im Hinblick auf die Hochschulfinanzierung gefordert. Das Land verhandelt derzeit mit den Hochschulen über einen neuen Finanzierungsvertrag für die Jahre 2021 bis 2025. „Die Grundfinanzierung der Universitäten muss deutlicher als bisher geplant aufgestockt werden“, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats, Bernhard Sibold in Tübingen. Der Universitätsrat sei in großer Sorge angesichts der strukturellen Unterfinanzierung der Hochschulen: „Wir befürchten, dass es in den Jahren 2021 bis 2025 zu einem spürbaren Abbau von Professuren und Mitarbeiterstellen kommen wird, wenn die Landesregierung nicht umsteuert.“ Dies werde unmittelbar auch zu einem Rückgang der Zahl der Studienplätze führen.</p><p>„Die bisher auf dem Tisch liegenden Vorschläge der Landesregierung sind in jeder Hinsicht unzureichend und geben den Hochschulen nicht die erforderliche Planungssicherheit“, sagte Sibold. Es sei dringend geboten, den Landeszuschuss an die baden-württembergischen Hochschulen 2021 in einem ersten Schritt um mindestens 1.000 Euro pro Studentin und Student zu erhöhen. Anschließend müsse der Landeszuschuss pro Jahr um drei Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus müsse Baden-Württemberg die von der Bundesregierung mit dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ zugesagten Mittel an die Hochschulen weiterreichen und – wie im Zukunftsvertrag vereinbart – um Landesmittel in gleicher Höhe ergänzen.&nbsp;</p><p>Der Vorsitzende des Universitätsrats sagte, das Aufsichtsgremium könne nicht nachvollziehen, dass die Politik von den Hochschulen immer neue Leistungen erwarte, im Gegenzug aber nur zeitlich befristete Mittel bereitstelle. „Der rasante Anstieg der Studierendenzahlen in den vergangenen zehn Jahren ist maßgeblich von der Politik zu verantworten“, erklärte Sibold. Bis heute habe die Landesregierung die notwendigen finanziellen Konsequenzen aus dieser Entwicklung nicht gezogen. Zudem würden die Hochschulen regelmäßig auf neue anspruchsvolle Ziele verpflichtet. Dazu zählten die Digitalisierung der Lehre, die Förderung von Start-Ups und Innovationen, Diversität und Barrierefreiheit sowie verstärkte Anstrengungen für den Klimaschutz.&nbsp;</p><p>„Die Universität Tübingen ist bereit, sich den genannten Herausforderungen zu stellen“, betonte Sibold. „Die Politik muss dazu aber die finanziellen Grundlagen legen.“ Das Auflegen immer neuer, kurzfristiger Projektfinanzierungen verschärfe die strukturellen Probleme der Universität und führe nicht zu nachhaltigen Lösungen. „Die Hochschulen brauchen endlich eine auskömmliche Grundfinanzierung, die ihnen ein gesundes Wachstum ermöglicht“, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats. Gerade in Anbetracht des wirtschaftlichen Abschwungs und einer drohenden massiven Strukturkrise im Automobilsektor müsse Baden-Württemberg jetzt in die Zukunft investieren. „Ein Großteil der von der Daimler AG geleisteten Strafzahlung in Höhe von 870 Millionen Euro sollte unbedingt in die Hochschulen und damit in die Sicherung unserer Zukunft fließen“, sagte der Vorsitzende des Universitätsrats. &nbsp;</p><p>Sibold verwies auch auf die Ankündigung der bayerischen Landesregierung, in den kommenden fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro in Forschung und Technologie zu investieren. Ein Großteil der Summe soll offenbar in die Hochschulen fließen, unter anderem um 1.000 neue Professuren und 10.000 zusätzliche Studienplätze zu schaffen. „Bayern hat klar erkannt, dass nur spürbar stärkere Investitionen in die Hochschulen die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region und damit die Arbeitsplätze von morgen schaffen.“ Baden-Württemberg habe die finanziellen Möglichkeiten, mit dem Nachbarland mitzuhalten, müsse aber dazu auch entsprechende Prioritäten setzen. &nbsp; &nbsp; &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45687</guid><pubDate>Wed, 30 Oct 2019 09:30:00 +0100</pubDate><title>Wikingerfrauen standen Männern kaum nach</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wikingerfrauen-standen-maennern-kaum-nach/</link><description>Forscher der Universität Tübingen werten Gesundheitsdaten in ländlichen Regionen Skandinaviens seit dem späten 8. Jahrhundert als Hinweis auf relativ günstige Stellung der Frauen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die skandinavischen Länder gelten heute als Vorbild bei der Gleichstellung von Mann und Frau. Eine neue Studie weist darauf hin, dass die Wurzeln für diese Entwicklung bereits früh gelegt worden sein könnten. Dr. Laura Maravall und Professor Jörg Baten aus der Wirtschaftsgeschichte vom Sonderforschungsbereich RessourcenKulturen an der Universität Tübingen verglichen bei Männern und Frauen aus den vergangenen tausend Jahren bestimmte Gesundheitswerte, die auch lange nach dem Tod an Zähnen und Skeletten erhoben werden können. Ergaben sich in einer Population gleich gute oder sogar bessere Werte für die Frauen, gingen die Forscher von relativ gleichem Zugang zu Nahrung und anderen Ressourcen für Mädchen und Jungen aus. Aus den Ergebnissen schlossen sie, dass skandinavische Frauen in ländlichen Regionen bereits in der Wikingerzeit im späten 8. bis 11. Jahrhundert und dem darauf folgenden Mittelalter eine vergleichsweise günstige Stellung hatten. Allgemein ermöglichte diese höhere Geschlechtergleichstellung langfristig eine bessere Entwicklung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Economics and Human Biology </em>veröffentlicht.</p><p>Grundlage der Studie waren Daten aus dem europäischen Teil des Global History of Health Project (GHHP), in dem Untersuchungen an menschlichen Skeletten von mehr als hundert europäischen Fundorten aus den vergangenen 2.000 Jahren zusammengetragen wurden. Die Forscher werteten vor allem die Daten zum Zustand der Zähne aus: Bei Mangelernährung und Krankheit während der frühen Kindheit entstehen dauerhafte linienartige Schäden auf den Zähnen, der Befund heißt lineare Schmelzhypoplasie. „Wir haben die Hypothese aufgestellt, dass bei Mädchen und Frauen relativ mehr solcher Schädigungen zu finden sein müssten, wenn sie weniger Nahrung und Pflege erhielten als die männlichen Mitglieder der Gesellschaft“, erklärt Laura Maravall. „Wie stark sich die Werte bei Männern und Frauen unterscheiden, ist daher auch ein Maß für die Gleichstellung innerhalb der Population.“ Dass ein enger Zusammenhang zwischen der relativen Häufigkeit der Zahnschmelzschäden und dem allgemeinen Gesundheitszustand besteht, belegten die parallel erhobenen Längenmessungen der Oberschenkelknochen. Dieses Maß gibt Auskunft über die Körperlänge, die bei guter Ernährung und Gesundheit größer ausfällt.</p><h3>Viehhaltung als Frauensache</h3><p>Die detaillierte Analyse der Zahndaten für skandinavische Männer und Frauen auf dem Land ließ auf eine weitgehende Gleichstellung schon zu Zeiten der Wikinger schließen. „Diese Frauen in den nordischen Ländern könnten populäre Mythen über die Walküren genährt haben: Sie waren stark, gesund und hochgewachsen“, sagt Jörg Baten. Ein anderes Bild ergeben die Analysen für größere Städte Skandinaviens. „Im schwedischen Lund und Sigtuna, der Vorgängersiedlung des heutigen Stockholms, wie auch im norwegischen Trondheim hatten sich im frühen Mittelalter bereits verschiedene Stände herausgebildet. Die Frauen erreichten dort nicht die Gleichstellungswerte wie auf dem Land.“ Dort könnte die frühe Gleichstellung mit der Spezialisierung auf Viehhaltung zusammenhängen. „Anders als beim Ackerbau, der wegen der höheren Muskelkraft vor allem von Männern betrieben werden musste, konnten Frauen bei der Viehhaltung viel zum Familieneinkommen beitragen. Das hob wahrscheinlich ihre Stellung in der Gesellschaft“, sagt der Forscher. Auch im europäischen Vergleich standen die skandinavischen Frauen besonders gut da. Deutlich weniger Gleichstellung erfuhren Frauen in der Mittelmeerregion und in osteuropäischen Städten.</p><p>„Aus der Forschung kennen wir mittlerweile viele Belege zum Zusammenhang zwischen der Gleichstellung der Geschlechter und der Wirtschaftsentwicklung eines Landes. Die Gleichstellung steigert nicht nur den Wohlstand der Frauen, sondern beeinflusst allgemein das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung positiv“, sagt Baten. Seine Kollegin Maravall und er gehen davon aus, dass die skandinavischen Frauen ihre starke Rolle in der Gesellschaft bis in die Industrialisierung und danach weiter fortsetzen konnten. Daher sei es kein Zufall, dass Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland bis heute wohlhabende und wirtschaftlich stabile Nationen seien.</p><h3>Publikation:</h3><p>Laura Maravall Buckwalter, Joerg Baten: Valkyries: Was gender equality high in the Scandinavian periphery since Viking times? Evidence from enamel hypoplasia and height ratios. <em>Economics and Human Biology</em>, 34 (2019) 181-193, <a href="https://doi.org/10.1016/j.ehb.2019.05.007" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.ehb.2019.05.007</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45480</guid><pubDate>Wed, 23 Oct 2019 13:59:37 +0200</pubDate><title>Neue Kunst aus der Eiszeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-kunst-aus-der-eiszeit/</link><description>15.000 Jahre alte Frauenfigur im Ostalbkreis geborgen ‒ Tübinger Archäologen präsentieren Fund aus Waldstetten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Archäologen der Universität Tübingen haben ein Fundstück aus der Gemeinde Waldstetten als 15.000 Jahre altes Kunstwerk aus der Eiszeit identifiziert. Die Frauenfigur vom Typ Gönnersdorf zeigt gleichzeitig einen stark vereinfachten Frauenkörper und einen Phallus. Figuren dieser Art sind bereits aus Fundstätten in Europa bekannt, erstmals wurde nun ein Exemplar im Ostalbkreis gefunden. In einer Pressekonferenz präsentierten am Mittwoch Professor Harald Floss (Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen) und sein Team den Fund gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Waldstetten und des „Arbeitskreis Steinzeit Schwäbisch Gmünd“.&nbsp;</p><p>Geborgen wurde die Figur durch den Amateurarchäologen Adolf Regen. Insgesamt hatte er an die Wissenschaftler ca. 2000 Funde übergeben, von denen ein Teil aus dem Magdalénien stammt, einer Kulturstufe zum Ende der Altsteinzeit (ca. 18.000-12.000 v. Chr.) und vom Ende der letzten Eiszeit. Die Figur ist knapp sechs Zentimeter groß und besteht aus einem Quarzitgeröll, das so auf der Fundstelle nicht vorkommt. Der Form nach entspricht sie den so genannten Frauenfiguren vom Typ Gönnersdorf, die nach einer Fundstelle am Mittelrhein benannt wurden und stark stilisiert sind: Von der natürlichen Form des Gerölls inspiriert, machen hier nur wenige eingravierte Linien aus einem typisch geformten Stein ein Kunstwerk. Die Darstellung reicht von anatomisch annähernd vollständigen Darstellungen bis hin zu Figuren, die nur aus Rumpf und Gesäß bestehen.&nbsp;</p><p>So zeigt der Fund aus Waldstetten nur einen Oberkörper ohne Kopf, einen dominanten Mittelteil mit Gesäß und einen verkürzten Unterkörper im Profil. Mit einer umlaufenden Gravierung im oberen Bereich folgt er zudem einer Tradition der zweigeschlechtlichen Darstellung, die aus der europäischen Eiszeitkunst bekannt ist ‒ die Figur kann gleichzeitig als männliches Geschlechtsteil interpretiert werden.&nbsp;</p><p>„Diese Art der Abstrahierung zeichnet die Kunst am Ende der Eiszeit aus. Unser Typ Frauenfigur hat wenig mit den üppigen so genannten Venusfiguren aus der früheren Epoche des Gravettien gemein“, sagte Archäologe Harald Floss. Frauenfiguren des Typs Gönnersdorf folgten in ihrer geografischen Verbreitung der des Magdalénien und fänden sich von den Pyrenäen bis nach Osteuropa. In Süddeutschland kenne man sie zum Beispiel vom Petersfels bei Engen im Hegau. „Die Figur von Waldstetten ist als ein solches Kunstwerk einzuordnen. Dafür sprechen die absolut typische Form, die Lage in einer Konzentration von magdalénienzeitlichen Funden und mehrere umlaufende Gravierungen, die von Menschen angebracht wurden.“&nbsp;</p><p>Harald Floss leitet ein archäologisches Großprojekt zur Erforschung des Freilandpaläolithikums in Baden-Württemberg, das vom Landesamt für Denkmalpflege, der baden-württembergischen Förderstiftung Archäologie und dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg gefördert wird. Eine Schwerpunktregion ist der Ostalbkreis, der in der Altsteinzeitforschung bislang wenig im Mittelpunkt stand. Durch eine Kooperation mit dem „Arbeitskreis Eiszeit in Schwäbisch Gmünd“ waren Floss und sein Team auf die Fundstelle in Waldstetten aufmerksam geworden. Die Frauenfigur ist erst der zweite Fund eines Eiszeitkunstwerkes im Ostalbkreis, nach der Skulptur einer Dasselfliegenlarve aus Gagat von der Kleinen Scheuer im Rosenstein (Stadt Heubach). Die Waldstettener Funde werden derzeit von den Doktoranden Simon Fröhle und Stefan Wettengl an der Universität Tübingen untersucht. Eine Intensivierung der Forschungen in der Region ist geplant.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Regen, A., Naak, W., Wettengl, S., Fröhle, S., Floss, H. 2019: Eine Frauenfigur vom Typ Gönnersdorf aus der Magdalénien-Freilandfundstelle Waldstetten-Schlatt, Ostalbkreis, Baden-Württemberg. In: H. Floss (Hrsg.), Das Magdalénien im Südwesten Deutschlands, im Elsass und in der Schweiz. Eine Internationale Fachtagung zum 100-jährigen Grabungsjubiläum in der Kleinen Scheuer im Rosenstein. Tübingen Publications in Prehistory, Kerns-Verlag, Tübingen, S. 267-276.<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45207</guid><pubDate>Wed, 16 Oct 2019 16:28:10 +0200</pubDate><title>„Programmieren? Kein Problem!“ ‒ Universität Tübingen verleiht Lehrpreis </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/programmieren-kein-problem-universitaet-tuebingen-verleiht-lehrpreis/</link><description>Projekt vermittelt digitale Kompetenzen ‒ Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement geht an das „iGEM“ Team für Innovationen in der synthetischen Biologie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Johannes Bleher, Dr. Thomas Dimpfl und Professor Joachim Grammig vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaft. Das Team wird für die innovative Vermittlung von Methodenkompetenz ausgezeichnet. &nbsp;In ihrem Projekt erlernen Studierende der Wirtschaftswissenschaften gleich zu Beginn ihres Studiums Grundkenntnisse des Programmierens und werden so an die Datenanalyse herangeführt. Bereits jetzt konnten Verbesserungen in den Klausurergebnissen der Vorlesungen festgestellt werden. Darüber hinaus verleiht die Universität den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement an das interdisziplinäre studentische iGEM (International Genetically Engineered Machine Competition) Team Tübingen. Für den internationalen Wettbewerb iGEM forschen 16 Tübinger Studierende an Innovationen im Bereich der synthetischen Biologie.</p><p>Die Preise werden <strong>am Donnerstag, 17. Oktober 2019, ab 17 Uhr im Hörsaalzentrum Morgenstelle, Hörsaal 6</strong> von Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre, übergeben. Die Verleihung ist Teil der Erstsemesterbegrüßung am Dies Universitatis, die jährlich zu Beginn des Wintersemesters stattfindet. Beim anschließenden Markt der Möglichkeiten können sich neue Studierende über studentische Projekte und Initiativen in Tübingen informieren.</p><h3>Informationen zum Lehrpreis:</h3><p>Das Projekt „Computergestützte Methodenkompetenzvermittlung für Studienanfänger in den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen“ hat zwei Ziele: Studierende ab dem ersten Semester sollen die Programmiersprachen R und Phyton erlernen, die wichtig für ihre Datenkompetenz sind. Zudem soll ihnen eine möglichst einfache Einführung in die praktische Datenarbeit anhand konkreter Beispiel-Datensätze ermöglicht werden. Dafür hat das Projektteam eine Open-Source-Datenanalyse-Werkstatt, einen sogenannten JupyterHub, eingerichtet. Auf diesen können Studierende mit einem internetfähigen Computer oder Smartphone zugreifen und Aufgaben überall, zu jeder Zeit und im individuellen Lerntempo bearbeiten. Zudem muss keine Software installiert werden.&nbsp;</p><p>Die Studierenden können zuhause auf die gleiche Umgebung zugreifen, die in der Vorlesung verwendet wird. Dies senkt die Hemmschwelle, die Programme zu benutzen. Videos ergänzen und erklären die Fragestellungen aus den Vorlesungen und erläutern die Programmierung. Anhand von &nbsp;Skripten können Studierende die Programmierung in R sowie die Vorlesungsinhalte &nbsp;verinnerlichen und &nbsp;verstehen. Außerdem wurde ein Online-Spiel zum täglichen Üben von einfachen Aufgaben aus der linearen Algebra integriert. Das Projekt kann schon Erfolge vorweisen: Sowohl die Evaluationen der begleiteten Veranstaltungen als auch die Klausuren fielen im Wintersemester 2018/19 besser aus als in den Vorjahren.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>PD Dr. Thomas Dimpfl<br> Universität Tübingen<br> Fachbereich Wirtschaftswissenschaft<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29- 76417<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjqocu0fkorhnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">thomas.dimpfl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Informationen zum Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement:</h3><p>Das iGEM Team Tübingen 2019 besteht aus 16 Studierenden der Bereiche Biochemie, Biotechnologie, Chemie, Bioinformatik, Molekulare Medizin und Nanoscience. iGEM (International Genetically Engineered Machine Competition) ist ein internationaler Wettbewerb, der ursprünglich vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston ins Leben gerufen wurde. Der studentische Wettbewerb möchte anregen, &nbsp;Innovation im Bereich der synthetischen Biologie und Lösungen für aktuelle Probleme zu suchen. Im Zuge des iGEM Wettbewerbes wird ein selbst entwickeltes Projekt aus dem Bereich der synthetischen Biologie über 12 Monate verfolgt und eigenständig bearbeitet.</p><p>Ein interdisziplinäres studentisches Team vertritt die Universität Tübingen seit 2011 jährlich in Boston bei der Abschlusskonferenz und Preisverleihung. Die Teilnahme bei iGEM und das Engagement der Studierenden basiert auf Eigeninitiative und steht allen Fachrichtungen offen. Durch eine erfolgreiche Teilnahme am iGEM-Wettbewerb erlangt die Universität Tübingen positive internationale Aufmerksamkeit. Zudem stärkt die Teilnahme die Vernetzung verschiedener Fachrichtungen innerhalb der Universität und fördert den offenen Dialog unter Studierenden.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Patrick Müller<br> Universität Tübingen<br> iGEM-Wettbewerb, Team Tübingen<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcvtkem0owgnngtBkigo/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">patrick.mueller<span style="display:none">spam prevention</span>@igem-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45096</guid><pubDate>Mon, 14 Oct 2019 10:02:08 +0200</pubDate><title>Universität reagiert auf Kritik am Zentrum für Islamische Theologie und stößt Diskussionsprozess an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-reagiert-auf-kritik-am-zentrum-fuer-islamische-theologie-und-stoesst-diskussionsprozess-an/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erarbeiten Leitlinien und Verfahrensweisen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) an der Universität Tübingen sah sich in den vergangenen Monaten wiederholt Vorwürfen ausgesetzt, Kontakte zu Personen und Einrichtungen aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft zu pflegen. Eine interne Überprüfung habe bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Belege erbracht, dass es – so der zentrale Vorwurf – ein „Netzwerk der Muslimbrüder“ am ZITh gebe, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am Montag. Alle entsprechenden Anschuldigungen bewegten sich im Reich der Spekulation. Trotzdem könne die Universität nicht ignorieren, dass die Vorwürfe das Ansehen des noch jungen Zentrums beschädigt hätten.&nbsp;</p><p>„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unseres Zentrums genießen ein hohes Vertrauen, nicht zuletzt im politischen Raum“, sagte Engler: „Dies wird unter anderem sichtbar durch die langjährige Mitarbeit islamischer Theologen unserer Universität in der Islamkonferenz und dem Integrationsgipfel der Bundesregierung oder beim so genannten Runden Tisch der Religionen, der von der baden-württembergischen Landesregierung moderiert wird.“ Dieses Vertrauen müsse erhalten und gestärkt werden. Die Universität Tübingen und das ZITh sehen daher die Notwendigkeit, einen internen Diskussionsprozess zum Umgang mit Personen und Einrichtungen anzustoßen, die dem radikalen Spektrum zugeordnet werden können.</p><p>Der Rektor erklärte nach Gesprächen mit dem Vorstand des Zentrums, das ZITh werde im Laufe des Wintersemesters entsprechende Leitlinien erarbeiten und diskutieren. Für das Zentrum sei es von größter Bedeutung, dass die gelungene Aufbauarbeit der letzten Jahre und die wissenschaftlichen Leistungen des Zentrums nicht in Abrede gestellt werden könnten. Zeitgleich werde mit Beschäftigten und Studierenden ein Verhaltenskodex erarbeitet, der das alltägliche Zusammenleben im ZITh regeln solle.&nbsp;</p><p>Um den national und international hervorragenden Ruf des ZITh und seiner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu schützen, werden die Beschäftigten des Zentrums vor Besuchen von wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Einrichtungen, Konferenzen oder Tagungen im In- und Ausland künftig noch umfassender überprüfen, ob diese dem radikalen Spektrum zuzuordnen sind. Ähnliches gilt vor der Einladung von Gastrednerinnen und Gastrednern an das Zentrum.</p><h3>„Freiheit schließt Verantwortung ein“</h3><p>„Ich erwarte, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Zentrum auch in Zukunft mit Theologinnen und Theologen in einen Diskurs treten werden, die ein breites Spektrum unterschiedlicher Positionen abdecken“, sagte Rektor Professor Bernd Engler. „Dies schließe im Einzelfall auch die kritische Auseinandersetzung mit Positionen ein, die von uns nicht geteilt werden. Ich erwarte aber auch, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in jedem Fall klar Stellung beziehen und sich nicht für fremde Zwecke instrumentalisieren lassen. Alle Beteiligten müssen künftig genauer als in der Vergangenheit hinsehen.“&nbsp;</p><p>„Die vom Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehre gilt für alle Fächer, auch für die islamische Theologie“, sagte Engler. „Diese in Deutschland sehr weit reichende Freiheit schließt aber ein ebenso hohes Maß an Verantwortung ein.“ Das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen nehme eine wichtige Aufgabe bei der Integration muslimischer Bürgerinnen und Bürger wahr, nicht zuletzt durch die Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern. Diese bedeutsame Rolle könne das Zentrum aber nur spielen, wenn es sich neben seiner wissenschaftlichen Reputation auch das breite Vertrauen der Gesellschaft erarbeite.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-45090</guid><pubDate>Mon, 14 Oct 2019 09:27:50 +0200</pubDate><title>Neue Erkenntnisse zur frühen Jungsteinzeit in Württemberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-erkenntnisse-zur-fruehen-jungsteinzeit-in-wuerttemberg/</link><description>Archäologische Ausgrabungen bei Ammerbuch-Pfäffingen bringen Gräben und Bestattungen aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. ans Licht</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart und der Universität Tübingen</h3><p>Bei Forschungsgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart und der Universität Tübingen wurden im Bereich einer großen Siedlung der ältesten bäuerlichen Kultur in Mitteleuropa (Linearbandkeramik, 2. Hälfte 6. Jahrtausend vor Christus) bei Ammerbuch-Pfäffingen neue Siedlungsstrukturen aufgedeckt. Aktuelle naturwissenschaftliche Analysen der bei den Ausgrabungen gewonnenen Funde geben neue Einblicke zum Beginn von Ackerbau und Viehzucht in Südwestdeutschland. Die damit verbundene sesshafte Lebensweise bietet die Grundlage für die Entwicklung einschneidender neuartiger Kulturtechniken, die unser heutiges Leben prägen, darunter die Keramik- und Textilproduktion sowie schließlich auch die Entwicklung von Rad und Wagen in einem späteren Stadium der Jungsteinzeit (Neolithikum).</p><p>Auf der Basis geomagnetischer Messungen wurde in der Flur „Lüsse“ am nordwestlichen Ortsrand von Ammerbuch-Pfäffingen erstmals ein Grabensystem identifiziert, welches während einer frühen Phase große Teile einer jungsteinzeitlichen Siedlung umgab. Derartige Siedlungsumfassungen sind zwar typisch für neolithische Siedlungen, waren aber bislang im Neckarraum noch nicht nachweisbar. Durch die laufenden archäologischen Grabungen, die unter der Leitung von Professor Dr. Raiko Krauß, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters Uni Tübingen, und Dr. Jörg Bofinger vom LAD durchgeführt werden, konnte die Anlage eines Grabens bereits auf Beginn des 53. Jahrhunderts vor Christus bestimmt werden. Die Verfüllung dieser Siedlungsumfassung mit dem Schutt von abgebrannten Häusern und mit großen Mengen verkohlter Getreidekörner, in erster Linie Emmer und Einkorn,deuten auf ein einschneidendes Ereignis während der frühen Phase des neolithischen Dorfes hin.</p><p>Im Laufe des 52. Jahrhunderts vor Christus wurde das Siedlungsareal dann offenbar auch als Bestattungsplatz genutzt. Bereits bei den Grabungen im Vorjahr konnte das Grab eines drei bis vier-jährigen Mädchens identifiziert werden, das in einer Nische innerhalb des Grabens in Hockerlage bestattet worden ist. Aus der Verfüllung des Grabens stammt auch der Schädel einer weiteren Person. Während der Grabungskampagne im Frühjahr dieses Jahres wurde nun das Grab einer Frau, die im Alter von 30 bis 40 Jahren verstorben ist, entdeckt und dokumentiert. Aufgrund von Radiokarbonmessungen kann das Alter dieser Bestattung nun ebenfalls in das 52. Jahrhundert vor Christus eingeordnet werden.</p><p>Die Tote trug am Hals eine Kette aus 16 kleinen, doppelkonischen marmorartigen Kalksteinperlen, die in dieser Form aus der frühen Jungsteinzeit in Süddeutschland bislang nicht bekannt waren und die hohe Kunstfertigkeit und Sorgfalt bei der Schmuckherstellung belegen. Großräumig lassen sich diese Perlen allerdings mit Funden aus dem Karpatenbecken und dem Balkanraum vergleichen, also denjenigen Gebieten, aus denen die ersten Bauern mit ihren Haustieren und Kulturpflanzen nach Mitteleuropa eingewandert sind. Dass der Prozess der Sesshaftwerdung in Mitteleuropa zum Großteil auf die Einwanderung einer neuen Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist, bestätigen genetische Analysen am menschlichen Skelettmaterial. Welche Rolle der einheimischen, mesolithischen Bevölkerung zukam, die nachweislich noch sehr lange in der Region als Jäger und Sammler lebten, ohne allerdings die neuartige Wirtschaftsweise zu übernehmen, wird Gegenstand der weiteren Untersuchungen im Umfeld der jungsteinzeitlichen Siedlung sein.</p><p>Von den neolithischen Siedlungsresten wurde eine Serie neuer Radiokarbon- Datierungen (14C) erstellt, die zusammen mit der Auswertung des Fundmaterials die Grundlage für ein Entwicklungsmodell der Besiedlungsabfolge in der Region bietet. Die Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte der ersten sesshaften Bevölkerungsgruppen im Oberen Neckar- und im Ammertal steht beispielhaft für die Neolithisierung Mitteleuropas und hilft zu verstehen, wie sich unsere heutige Art zu leben kulturhistorisch durchsetzen konnte.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44985</guid><pubDate>Thu, 10 Oct 2019 08:34:48 +0200</pubDate><title>Soziale Ungleichheit in bronzezeitlichen Haushalten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/soziale-ungleichheit-in-bronzezeitlichen-haushalten/</link><description>Archäogenetische Analysen ermöglichen neue Einblicke in soziale Ungleichheit vor 4.000 Jahren: Wohlhabende Familien lebten mit zugezogenen Frauen und sozial niedriger gestellten Personen im selben Haushalt zusammen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität München</strong></h3><p>Soziale Ungleichheit gab es in der Vorgeschichte Süddeutschlands bereits vor 4.000 Jahren, und das sogar innerhalb eines Haushalts. Das ergab eine neue Studie, die im Fachjournal <em>Science</em> veröffentlicht wurde. Archäologische und archäogenetische Auswertungen von bronzezeitlichen Gräberfeldern im Lechtal bei Augsburg zeigen, dass Familien biologisch miteinander verwandter Personen mit höherem Status zusammenlebten mit nichtverwandten Frauen, die aus der Ferne kamen und den Grabbeigaben nach zu schließen ebenfalls einen hohen Status innehatten. Zusätzlich fand sich eine größere Anzahl von Einheimischen, aber offensichtlich armen Individuen in den Gräberfeldern. Die Forscher schließen daraus, dass es in den Haushalten dieser Zeit und Region bereits soziale Ungleichheit gab. Ob es sich bei den ärmeren Individuen um Gesinde oder Sklaven handelt, lässt sich nur spekulieren.</p><p>Das archäologisch-naturwissenschaftliche Projekt an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde von Philipp Stockhammer von der LMU in München zusammen mit Johannes Krause und Alissa Mittnik vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und der Universität Tübingen geleitet. Die Ausgrabungen südlich von Augsburg ermöglichen es den Archäologen, auf bislang ungeahnte Weise tief in die Bronzezeit hinein zu zoomen und zu untersuchen, wie sich der Umbruch von der Steinzeit zur Bronzezeit auf die Zusammensetzung der damaligen Haushalte auswirkte. „Reichtum korrelierte entweder mit biologischer Verwandtschaft oder Herkunft aus der Ferne. Die Kernfamilie vererbte ihren Besitz und Status weiter. Aber in jedem Bauernhof haben wir auch arm ausgestattete Personen lokaler Herkunft gefunden", sagt Philipp Stockhammer, Professor für Prähistorische Archäologie an der LMU und einer der Leiter der Studie. Dieser Befund spricht für eine komplexe Sozialstruktur von Haushalten, wie sie aus dem klassischen Griechenland und Rom bekannt ist. So waren zu römischer Zeit auch die Sklaven Teil der Familie, hatten aber einen anderen sozialen Status. Die Menschen im Lechtal lebten jedoch mehr als 1.500 Jahre früher. „Das zeigt erstmals, wie weit die Geschichte sozialer Ungleichheit in Familienstrukturen zurückreicht", so Stockhammer weiter.&nbsp;</p><p>Die Bronzezeit umfasst in Mitteleuropa den Zeitraum von 2.200 bis 800 vor Christus. Damals erwarben die Menschen die Fähigkeit, Bronze zu gießen. Dieses Wissen führte zu einer frühen Globalisierung, da die Rohstoffe durch Europa transportiert werden mussten. In einer früheren Studie hatte das Team gezeigt, dass die Mehrheit der Frauen im Lechtal vor 4.000 Jahren aus der Fremde kam und ihnen beim Transfer von Wissen eventuell eine entscheidende Rolle zukam. Überregionale Netzwerke wurden offenbar durch Heiraten und institutionalisierte Formen von Mobilität gepflegt.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44958</guid><pubDate>Wed, 09 Oct 2019 09:24:51 +0200</pubDate><title>Attempto-Preise für Forschung zur Gedächtnisbildung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/attempto-preise-fuer-forschung-zur-gedaechtnisbildung/</link><description>Die Promovierenden Svenja Brodt und Anuck Sawangjit werden für herausragende Arbeiten zur Hirnforschung ausgezeichnet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die diesjährigen Attempto-Preise der Tübinger Attempto-Stiftung gehen an Svenja Brodt und Anuck Sawangjit vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen. Die beiden forschen an unterschiedlichen Aspekten der Gedächtnisbildung und erhalten mit dem Preis jeweils 7.500 Euro für ihre weitere Arbeit.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44860</guid><pubDate>Mon, 07 Oct 2019 15:13:49 +0200</pubDate><title>Wie den letzten Mammuts eine einsame Insel zum Verhängnis wurde</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-den-letzten-mammuts-eine-einsame-insel-zum-verhaengnis-wurde/</link><description>Ein isolierter Lebensraum, Wetterextreme und die mögliche Ankunft der Menschen führten vermutlich vor 4.000 Jahren zum Aussterben der Pflanzenfresser</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Wollhaarmammuts lebten auf der Wrangelinsel im arktischen Ozean und starben vor 4.000 Jahren innerhalb kürzester Zeit aus. Ein internationales Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Helsinki sowie der Russischen Akademie der Wissenschaften hat nun das Szenario rekonstruiert, das zu ihrem Aussterben geführt haben könnte. Das Forschungsteam geht davon aus, dass eine Kombination aus der isolierten Insellage und extremen Wetterereignissen sowie die Ausbreitung der Urmenschen für das Verschwinden der Mammuts verantwortlich sind. Professor Hervé Bocherens und Dr. Dorothée Drucker vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universität Tübingen waren an der Studie beteiligt, die in der Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews veröffentlicht wurde.</p><p>Mammuts waren während der letzten Eiszeit, vor etwa 100.000 bis 15.000 Jahren, auf der Nordhalbkugel von Spanien bis Alaska weit verbreitet. Aufgrund der Klimaerwärmung, die vor 15.000 Jahren begann, verkleinerte sich ihr Lebensraum auf Nordsibirien und Alaska. Auf der Wrangelinsel wurden einige Mammuts durch den steigenden Meeresspiegel vom Festland abgeschnitten. Diese Population überlebte um mehrere tausend Jahre länger als ihre Verwandten auf dem Kontinent.</p><p>Das Forschungsteam aus Deutschland, Finnland und Russland untersuchte die Isotopenzusammensetzung von Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel und Strontium von mehr als 170 Mammutknochen und -zähnen aus Nordsibirien, Alaska, dem Yukon und der Wrangelinsel. Die Funde waren zwischen 40.000 und 4.000 Jahre alt. Ziel war es, mögliche Veränderungen der Ernährung und des Lebensraums der Mammuts zu dokumentieren, um Störungen in der Umwelt belegen zu können. Danach änderten sich die Kollagen-Kohlenstoff- und Stickstoffisotopenzusammensetzungen der Mammuts von der Wrangelinsel während der Klimaerwärmung vor rund 10.000 Jahren nicht. Die Werte blieben stabil, bis die Mammuts verschwanden – anscheinend mitten aus unverändert günstigen Lebensbedingungen.</p><p>Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den Erkenntnissen über Wollhaarmammuts aus der ukrainisch-russischen Ebene, die vor 15.000 Jahren ausstarben, und zu den Mammuts der Insel Saint-Paul in Alaska, die vor 5.600 Jahren verschwanden. In beiden Fällen zeigten die letzten Vertreter dieser Populationen deutliche Veränderungen in ihrer Isotopenzusammensetzung. Dies weist auf eine Veränderung ihrer Umwelt kurz vor dem lokalen Aussterben hin.</p><p>Frühere DNA-Studien weisen darauf hin, dass der Fettstoffwechsel der Mammuts auf der Wrangelinsel durch Mutationen beeinträchtigt wurde. Bocherens und sein Team fanden einen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Wrangelinsel-Mammuts und ihren sibirischen Vorgängern: Bestimmte Kohlenstoffisotopenwerte offenbarten Unterschiede in den Fetten und Kohlenhydraten, von denen sich die Mammuts ernährten. „Wir nehmen an, dass die sibirischen Mammuts eher von ihren Fettreserven zehrten, um die extrem harten Eiszeitwinter zu überstehen. Die Mammuts von der Wrangelinsel lebten hingegen unter milderen Bedingungen, sie brauchten keine Fettreserven“, sagt die Teamleiterin Dr. Laura Arppe vom Finnischen Museum für Naturgeschichte an der Universität Helsinki. Zudem wiesen die Knochen Schwefel- und Strontiumwerte auf, die darauf hindeuteten, dass das Grundgestein zum Ende der Mammutpopulation stärker verwitterte. Dies könnte sich auf die Qualität des Trinkwassers ausgewirkt haben.</p><p>Warum also verschwanden die letzten Wollhaarmammuts so plötzlich? Die Forscher vermuten, dass sie durch kurzfristige Ereignisse ausgestorben sind. Zum Beispiel könnten extreme Wetterereignisse wie Regenfälle auf Schnee dazu geführt haben, dass der Boden von einer dicken Eisschicht bedeckt wurde, sodass die Tiere nicht genügend Nahrung fanden. Solche Szenarien hätten einen dramatischen Populationsrückgang zur Folge, der schließlich bis zum Aussterben geführt haben könnte. „Es ist vorstellbar, dass die Population, die vielleicht durch genetische Mutationen und schlechte Trinkwasserqualität geschwächt war, durch Einwirkung von extremen Wetterbedingungen ausgestorben ist“, sagt Bocherens. Ein weiterer möglicher Faktor könnte die Ausbreitung der Menschen gewesen sein. Die frühesten archäologischen Zeugnisse von Menschen auf der Wrangelinsel sind nur wenige hundert Jahre jünger als der jüngste Mammutknochen. Die Chance, Spuren der Jagd durch Menschen auf die Mammuts zu finden, ist sehr gering. Die Möglichkeit, dass auch Menschen zum Aussterben der Mammuts beigetragen haben, kann dennoch nicht ausgeschlossen werden.</p><p>Diese Studie zeigt, warum isolierte kleine Populationen großer Säugetiere besonders gefährdet sind, durch extreme Umwelteinflüsse oder menschliches Verhalten auszusterben. Die Erhaltung von großen, nicht voneinander isolierten Populationen kann helfen, das Aussterben von Tierarten zu verhindern. Dies ist eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf den Artenschutz.</p><h3>Publikation:</h3><p>Arppe, L., Karhu, J.A., Vartanyan, S., Etu-Sihvola, H., Drucker, D.G., Bocherens, H., 2019. Thriving or surviving? The isotopic record of the Wrangel Island woolly mammoth population. Quaternary Science Reviews 222, 105884. <a href="https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.105884" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.105884</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44320</guid><pubDate>Fri, 20 Sep 2019 09:41:45 +0200</pubDate><title>Statement der Universität Tübingen zur Entscheidung der DFG vom 19. September 2019</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/statement-der-universitaet-tuebingen-zur-entscheidung-der-dfg-vom-19-september-2019/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität sieht die Entscheidung der DFG im Hinblick auf die Vorwürfe gegen zwei Tübinger Hirnforscher als Bestätigung ihrer bereits Ende Mai abgeschlossenen internen Prüfung an. Die von der DFG beauftragten Gutachter sind mithilfe anderer methodischer Zugänge und Prüfverfahren letztlich zur gleichen Beurteilung der erhobenen Vorwürfe gekommen wie die unabhängige Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten der Universität Tübingen. Dies macht deutlich, dass die Kontrollmechanismen in der Wissenschaft auf unterschiedlichsten Ebenen zuverlässig funktionieren. Die Entscheidung macht zudem deutlich, dass ein mangelhaftes Datenmanagement ein wissenschaftliches Fehlverhalten darstellt, das nicht toleriert werden kann.&nbsp;</p><p>Die Universität macht sich die Forderung der DFG zu eigen, dass die betroffenen Wissenschaftler die beiden strittigen Artikel im Fachmagazin PLOS Biology aus Januar 2017 und April 2019 zurückziehen müssen. Auch diese Forderung war zuvor bereits von der Untersuchungskommission der Universität erhoben worden.&nbsp;</p><p>Die Universität Tübingen hat zwischenzeitlich gegen einen der beiden betroffenen Hirnforscher – einen Seniorprofessor – ein formelles Disziplinarverfahren eingeleitet. In diesem Verfahren ist dem Betroffenen nochmals ausführlich die Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt worden. Die Universität wird nun die Entscheidung der DFG dahin gehend prüfen, ob und inwieweit sie Einfluss auf das Disziplinarverfahren hat.&nbsp;</p><p>Dem Betroffenen war 2013 zeitlich befristet der Status eines Seniorprofessors verliehen worden. Dieser Status läuft zum 30. September 2019 aus. Eine Verlängerung wurde vom Betroffenen nicht beantragt. Einem entsprechenden Antrag würde seitens der Universität auch nicht stattgegeben.</p><p>Die Freigabe von Forschungsgeldern, die der Seniorprofessor von verschiedenen Förderorganisationen im Hinblick auf Forschungsprojekte mit Completely-Locked-In-Patienten eingeworben hat, wird die Universität künftig von einer positiven Stellungnahme der Geldgeber abhängig machen.&nbsp;</p><p>Für eine internationale Forschungsuniversität ist die Einhaltung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis von fundamentaler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund unternimmt die Universität Tübingen seit vielen Jahren erhebliche Anstrengungen, allen Forschenden und Studierenden die Prinzipien guter Wissenschaft nahezubringen. Die Universität wird daher auch in Zukunft alles dafür tun, um die Beachtung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis sicherzustellen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44155</guid><pubDate>Thu, 12 Sep 2019 08:05:18 +0200</pubDate><title>Die Digitalisierung verändert die Medizin</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-digitalisierung-veraendert-die-medizin/</link><description>Öffentliche Podiumsdiskussion zu „KI &amp; Medizin“ an der Universität Tübingen – Veranstaltungsreihe „Gehirn der Zukunft“ wird von Hertie-Stiftung und Partnern des Cyber Valley ausgerichtet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Digitalisierung verändert auch die Medizin: So könnten maschinelle Algorithmen helfen, Krankheitsdiagnosen zu verbessern oder die geeignete Therapie zu finden. Computerspiele werden längst auch für therapeutische Anwendungen genutzt und in der neurowissenschaftlichen Forschung wird der Einsatz von „Virtual Reality“ immer wichtiger.</p><p>Entwicklungen dieser Art werden beim Vortragsabend <strong>„KI &amp; Medizin“</strong> an der Universität Tübingen diskutiert. Im Rahmen der Reihe „Das Gehirn der Zukunft“ laden die gemeinnützige Hertie-Stiftung, Partner des Cyber Valley und die Frankfurter Allgemeine Zeitung die interessierte Öffentlichkeit ein:</p><p>Am <strong>Montag, 30. September 2019, um 18 Uhr im Audimax</strong> (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz). Auf dem Podium sitzen Professor Philipp Berens (Universität Tübingen), Professorin Linda Breitlauch (Hochschule Trier), Dr. Roman Klinger (Universität Stuttgart) und Dr. Nadine Diersch (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Magdeburg).</p><p>Nach einführenden Kurzvorträgen ist das Publikum zum Gespräch eingeladen. Der Abend wird von Joachim Müller-Jung (FAZ) moderiert. Der Eintritt ist frei. Alle Infos unter <a href="https://www.ghst.de/ki-medizin/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.ghst.de/ki-medizin/</a>&nbsp;</p><h3>Das Podium</h3><p><strong>Prof. Dr. Linda Breitlauch: Therapeutisches Spielen für die Gesundheit</strong><br> Über Computerspiele für die Unterhaltung wird viel diskutiert ‒ weniger bekannt sind die Potenziale sogenannter Health Games, Computerspiele für therapeutische Anwendungen. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, ebenso die Chancen, die sich für die Verbesserung der medizinischen Versorgung ergeben.&nbsp;</p><p>Linda Breitlauch wurde 2007 zur ersten Professorin für Gamedesign Europas nach Düsseldorf berufen. Seit 2015 lehrt und forscht sie zu „Intermedia Design“ im Bereich Game Design an der Hochschule Trier.&nbsp;</p><p><strong>Dr. Nadine Diersch: Früherkennung von Alzheimer-Demenz mit Hilfe virtueller Realität</strong><br> Die Bedeutung virtueller Realität (VR) hat in der neurowissenschaftlichen Forschung enorm zugenommen. VR-Technologien werden z. B. eingesetzt, um das räumliche Orientierungsvermögen unter realitätsnahen Bedingungen zu testen und Schwierigkeiten bei der räumlichen Navigation aufzudecken, möglicherweise als Anzeichen für eine beginnende Demenz.&nbsp;</p><p>Nadine Diersch ist seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg. Unter Anwendung von VR, Bayesian computational modeling und bildgebender Verfahren untersucht sie altersbedingte Veränderungen beim Erlernen räumlicher Umgebungen.&nbsp;</p><p><strong>Dr. Roman Klinger: Machine reading: Von der Schwarmintelligenz zu individualisiertem Medizinwissen</strong><br> Welche Therapieverfahren sind für eine bestimmte Krankheit hilfreich, verursachen aber nicht zu viele Nebenwirkungen? Auf der Suche nach Antworten in wissenschaftlichen Zeitschriften, sozialen Medien und Internetforen hilft Machine Reading: Es strukturiert automatisch Wissen in Texten so, dass dieses in Datenbanken abgelegt werden kann und damit besser durchsuchbar wird.&nbsp;</p><p>Roman Klinger leitet am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung der Universität Stuttgart eine Arbeitsgruppe zum automatischen Verstehen von Text. Er forschte unter anderem zum Einsatz Maschinellen Lernens in Therapieverfahren zu Rückenmarksverletzungen, in der Emotionsanalyse und in politischer Entscheidungsfindung.</p><p><strong>Prof. Dr. Philipp Berens: Wann ändern KI-Algorithmen die Medizin?</strong><br> KI-Algorithmen können in vielen Fällen Krankheiten bereits sehr genau diagnostizieren. Dennoch bleiben viele Forschungsfragen offen: Wie können Algorithmen ihre Diagnosen erklären? Können sie angeben, wie viel Vertrauen sie in die eigene Entscheidung haben?<br> &nbsp;<br> Philipp Berens ist Professor für „Data Science in der Sehforschung“ am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen. Er erforscht die neuronalen Schaltkreise der Netzhaut, um die Prinzipien neuronaler Berechnungen beim Sehen zu entschlüsseln. Seine Forschungsgruppe entwickelt Maschinelle Lernalgorithmen, die in der klinischen Diagnostik solcher Krankheiten eingesetzt werden können.</p><h3>Veranstaltungsreihe „Das Gehirn der Zukunft“</h3><p>Künstliche Intelligenz, neuronale Netze und autonome intelligente Systeme stehen im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltungsreihe der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit Partnern aus dem Cyber Valley. Die Vortragsabende zum Thema „Das Gehirn der Zukunft“ finden in Frankfurt, an den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) statt. Eine <strong>weitere Veranstaltung am 16. Oktober an der Universität Stuttgart widmet sich dem Thema „KI &amp; Ethik“</strong>. Der Diskussion stellen sich Professorin Regina Ammicht-Quinn (Universität Tübingen), Professor Markus Frings (Evangelisches Klinikum Niederrhein), Dr. Christoph Peylo (Robert Bosch GmbH) und Professor Michael Sedlmair (Universität Stuttgart).</p><p>Mehr zur Veranstaltungsreihe finden Sie unter <a href="http://www.ghst.de/GehirnDerZukunft" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ghst.de/GehirnDerZukunft</a>&nbsp;oder <a href="https://cyber-valley.de/de/events/das-gehirn-der-zukunft" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://cyber-valley.de/de/events/das-gehirn-der-zukunft</a>&nbsp;</p><p>Die Arbeit <strong>der Hertie-Stiftung</strong> konzentriert sich auf zwei Leitthemen: Gehirn erforschen und Demokratie stärken. Die Projekte der Stiftung setzen modellhafte Impulse innerhalb dieser Themen. Im Fokus stehen dabei immer der Mensch und die konkrete Verbesserung seiner Lebensbedingungen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung wurde 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und ist heute eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland. <a href="http://www.ghst.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ghst.de</a>&nbsp;</p><p><strong>Cyber Valley</strong> besteht seit 2016 als Forschungsverbund zu Künstlicher Intelligenz und wird getragen vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, den Universitäten Tübingen und Stuttgart, sieben Industriepartnern und dem Land Baden-Württemberg. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Cyber Valley forschen an Maschinellem Lernen, Robotik sowie Computer Vision. Insgesamt investieren die Cyber Valley Partner in einem ersten Schritt 165 Mio. Euro.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-44071</guid><pubDate>Mon, 09 Sep 2019 12:59:50 +0200</pubDate><title>26. Tübinger Erbe-Lauf: Das „Wir“ im Vordergrund</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/26-tuebinger-erbe-lauf-das-wir-im-vordergrund/</link><description>Erstmals mit neuem Wettbewerb der 10 Kilometer Staffel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 15. September 2019 startet der 26. Tübinger Erbe-Lauf. Letztes Jahr wurde er mit Unterstützung des Hauptsponsors Erbe Elektromedizin organisatorisch auf neue Beine gestellt: Veranstalter des Laufes ist seit 2018 die Universität Tübingen mit ihrem Institut für Sportwissenschaft (IfS), Ausrichter die Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen. Der 26. Erbe Lauf wurde unter Leitung von Judith Wais (IfS) und in enger Kooperation mit der LAV Stadtwerke Tübingen organisiert. Wieder waren Studierende der Studiengänge Sportwissenschaft mit den Profilen Sportmanagement, Gesundheitsförderung und Sportpublizistik beteiligt.</p><p>Die exakt vermessene 10-Kilometer-Laufstrecke des 1. und 2. Erbe-Laufs führt in drei Runden durch die Tübinger Altstadt: von der Mensa Wilhelmstraße durch Altstadt und Fahrradtunnel zum Anlagenpark und über die Mühlstraße zurück zum Zieleinlauf an der Neuen Aula. An der Grundidee des 1. Tübinger Stadtlaufs, Breitensport und Spitzensport in einer Veranstaltung zu vereinen, wird auch mit der 26. Auflage festgehalten: Mit dem „Jeder kann-Run“ über 3,3 Kilometer, ist es möglich, nur eine Runde durch die Altstadt zu absolvieren. In diesem Jahre feiert zudem ein neu geschaffener Wettbewerb Premiere: Die 10 km Staffel, bei der der Teamgedanke im Vordergrund steht: Ein Staffelteam besteht dabei aus drei Personen, so dass jeder nur eine Runde läuft und die 10 Kilometer im Team bewältigt werden.</p><p>Die ersten Startschüsse fallen ab 9.30 Uhr für den VR Bank Schülerlauf „Gemeinsam gewinnt“. Die jüngsten Schülerinnen und Schüler unter zehn Jahren laufen eine Strecke von 700 Metern, Teilnehmende unter zwölf Jahren 1.500 Meter und Teilnehmende unter 14 und 16 Jahren eine Strecke von 3.300 Metern. Bereits zum vierten Mal findet die BG Handbike Challenge „Bring was ins Rollen“ statt. Das Rollstuhl-Rennen richtet sich an ambitionierte Breitensportler und auch Handbike-Einsteiger sind herzlich willkommen. Die Teilnehmenden messen sich in unterschiedlichen Wettkampfklassen und fahren dabei einen technisch anspruchsvollen&nbsp;Rundkurs, der sich etwas von der Hauptlaufstrecke unterscheidet. Der Start ist sowohl mit Adaptivbike als auch mit Rennbike möglich.</p><p>Über 250 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden im Einsatz sein und den Erbe-Lauf erst möglich machen. Auch dieses Jahr verkehrt von 10 bis 15.00 Uhr ein Bus-Shuttle des Business Premium Partners Mey Generalbau GmbH zwischen der Universitätssporthalle Alberstraße 27 (Umkleide- und Duschmöglichkeit) und der Mensa Wilhelmstraße. Neben den Freigetränken der Partner Imnauer Mineralquellen und Alpirsbacher Klosterbräu im Zielbereich vor der Universitätsbibliothek, wird es einen Getränkestand auf der Hauptlauf-Strecke im Anlagenpark geben: Hier ist die Zeltwanger Holding GmbH erneut Business Team Partner des Erbe-Laufs.</p><p>Bis Anmeldeschluss hatten sich 1830 (2018: 1826) Läuferinnen und Läufer für den Hauptlauf angemeldet. Im VR Bank Schülerlauf sind 902 (742) Nachwuchsläuferinnen und -läufer angemeldet. Für die BG Handbike Challenge gehen 15 (16) Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start. Beim „Jeder kann-Run“ sind bislang 168 (123) Läuferinnen und Läufer gemeldet. 23 Staffelteams möchten sich die Premiere nicht entgehen lassen, so dass bis Anmeldeschluss insgesamt 2984 (2707) Personen gemeldet sind. Damit ist die Zahl der Gesamtmeldungen mit 2965 (inkl. Nachmeldungen) aus dem letzten Jahr bereits zum jetzigen Zeitpunkt übertroffen.</p><p>Für den VR Bank Schülerlauf ist das Teilnehmerlimit erreicht, es sind keine Nachmeldungen mehr möglich. Für alle anderen Wettbewerbe (Erbe-Lauf 10km, Jeder kann-Run 3,3 km, 10 km Staffel und BG Handbike Challenge) werden am Samstag, 14. September, im Clubhaus in der Wilhelmstraße 30 (gegenüber der Neuen Aula) von 10 bis 18 Uhr Nachmeldungen angenommen. Hier wird eine zusätzliche Gebühr erhoben, es sind nur Barzahlungen möglich.</p><p>Diesjähriger Sozialpartner ist der Tübinger Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni. Deren Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen einen aktiven, kreativen und sozialen Raum für ihr Aufwachsen zu eröffnen. Der Zirkus bietet vielfältige zirkuspädagogische Angebote, darunter Zirkuskurse, Workshops mit Kitas und Schulen und Aufführungen im eigenen Zirkuszelt. Ein wichtiges Anliegen war von Anfang an die inklusive Ausrichtung ‒ Ob mit oder ohne Handicap, alle Kinder und Jugendliche sollen miteinander Zirkuskunst betreiben können. Läuferinnen und Läufer können den Zirkus am Sonntag unterstützen indem sie durch das Spendentor in der Mühlstraße laufen ‒ pro Durchlauf gehen fünf Euro an den Zirkus Zambaioni.</p><p>Die Studierenden des Bachelorstudiengangs Sportwissenschaft mit den Profilen Sportmanagement, Gesundheitsförderung und Sportpublizistik absolvieren ihr Pflichtpraktikum in der Organisation des Erbe-Laufs. Sie sammeln erste berufspraktische Erfahrungen und lernen, was es bei Konzeption, Planung, Durchführung und Evaluation sportlicher Veranstaltungen zu beachten gilt. Sie verhandeln unter anderem mit Wirtschaftspartnern, betreiben Online-Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, erstellen eine Sonderbeilage zum Lauf und koordinieren die Logistik der Großveranstaltung sowie das Wettkampfbüro und alle zeitlichen Abläufe.</p><p>Alle Informationen unter <a href="http://www.tuebinger-erbe-lauf.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.tuebinger-erbe-lauf.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43861</guid><pubDate>Mon, 09 Sep 2019 09:55:09 +0200</pubDate><title>Pflanzenfresser im Holozän – ene, mene, muh und tot bist Du!</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/pflanzenfresser-im-holozaen-ene-mene-muh-und-tot-bist-du/</link><description>Auswirkung der Umweltveränderungen im Holozän auf Megaherbivoren untersucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Team hat unter Beteiligung von Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen die Auswirkungen der holozänen Umweltveränderungen in Europa auf die großen Pflanzenfresser Wisent, Elch und Auerochse untersucht. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Auerochsen sich an die veränderten Bedingungen – Ausbreitung von Wäldern und Menschen – nicht anpassen konnten und daher ausstarben. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Global Change Biology“.</p><p>Zahlreiche große Pflanzenfresser wie Mammute, Riesenhirsche und Wollnashörner überlebten die letzte Eiszeit nicht. „Von diesen sogenannten Megaherbivoren blieben im darauffolgenden erdgeschichtlichen Zeitabschnitt, dem Holozän, nur noch drei Arten übrig in Europa – Wisente, Elche und Auerochsen“, erläutert Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Bis in die heutige Zeit haben aber nur Wisent und Elch überlebt.“</p><p>Die Gründe für das Aussterben der Auerochsen und das Fortbestehen von Wisent und Elch hat Bocherens mit seinem Kollege Rafał Kowalczyk von der Polish Academy of Sciences und einem internationalen Team nun in einer großangelegten Studie untersucht.</p><p>„Seit dem Beginn des Holozäns vor etwa 11.700 Jahren waren diese Tiere großen Umweltveränderungen unterworfen – einerseits der Vegetationswechsel von offenen Steppenlandschaften zu Wäldern, anderseits die Ausbreitung des Menschen“, so Bocherens.</p><p>Die Forschenden bestimmten im Knochen-Kollagen von 295 Fossilien aus 14 europäischen Ländern das Kohlenstoff-Stickstoff-Isotopenverhältnis. Die Ergebnisse zeigen, dass alle drei Pflanzenfresser gezwungen waren ihr Nahrungsgewohnheiten zu wechseln. Am flexibelsten dabei war laut der Studie das Wisent, gefolgt von den Elchen. Der Auerochse mit seiner spezialisierten Nahrung tat sich dagegen mit dem Wechsel schwer.</p><p>Bocherens und Co vermuten, dass die Tiere in den Wäldern nicht genug zu fressen fanden und diese gleichzeitig wegen der Ausbreitung des Menschen und einem höheren Bejagungsdruck auch nicht verlassen konnten. „Dies führte dann letztlich zum Aussterben der Auerochsen im frühen 17. Jahrhundert“, schließt der Tübinger Wissenschaftler.&nbsp;</p><p><strong>Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</strong></p><h3>Publikation</h3><p>Hofman-Kamińska E., Bocherens H., Drucker G.D., Fyfe R.M. Gumiński W., Makowiecki D., Pacher M., Piličiauskienė G., Samojlik T., Woodbridge J., Kowalczyk R. 2019. Adapt or die - response of large herbivores to environmental changes in Europe during the Holocene. Global Change Biology DOI: 10.1111/gcb.14733&nbsp;<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.14733" target="_blank" rel="noreferrer">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.14733</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43819</guid><pubDate>Fri, 06 Sep 2019 12:55:30 +0200</pubDate><title>Alfons Auer Ethik-Preis: Universität Tübingen zeichnet die irische Politikerin Mary McAleese aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alfons-auer-ethik-preis-universitaet-tuebingen-zeichnet-die-irische-politikerin-mary-mcaleese-aus/</link><description>Katholisch-Theologische Fakultät ehrt ehemalige Präsidentin für ihr Engagement zu Frauenrechten und zur moralischen Erneuerung der katholischen Kirche</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die frühere Präsidentin der Republik Irland, Professor Mary McAleese, erhält den „Alfons Auer Ethik-Preis“ der Universität Tübingen. &nbsp;Die Katholisch-Theologische Fakultät würdigt damit ihr Engagement als Christin und Wissenschaftlerin bei der Umsetzung ethischer Werte in der politischen Praxis. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch ethisches Engagement im religiösen, wissenschaftlichen und/oder gesellschaftlichen Bereich auszeichnen. Er wurde 2015 vom Unternehmer Siegfried Weishaupt zum Gedenken an den Moraltheologen Alfons Auer gestiftet.&nbsp;</p><p>Mary McAleese habe sich besonders am Schnittpunkt von Ethik und Politik engagiert und Impulse zur moralischen Erneuerung in der Katholischen Kirche gesetzt, so die Begründung des Kuratoriums. Nach ihren Möglichkeiten arbeite sie daran, das Evangelium in den Konflikten der Gegenwart als eine Botschaft der Nicht-Diskriminierung, der Versöhnung und des Friedens zu entfalten. <strong>Der öffentliche Festakt zur Übergabe findet am Mittwoch, 30. Oktober 2019, um 18:30 Uhr im Hörsaal des Theologciums (Liebermeisterstr. 12) statt.</strong> Die Laudatio hält Professorin Hille Haker von der Loyola University Chicago (USA).&nbsp;</p><p>Mary McAleese wurde 1951 im nordirischen Belfast geboren. Aufgewachsen mit einem Bürgerkrieg „vor der Haustür“ wurden Friedensbildung, Demokratisierung und Versöhnung zu ihren Lebensthemen. Sie studierte Jura an der Queen’s University Belfast und wurde 1975 Professorin für Criminal Law, Criminology and Penology am Trinity College Dublin. Ab 1987 war sie Professorin an der Queen’s University, wo sie 1994 als erste Frau das Amt der Prorektorin übernahm.&nbsp;</p><p>Von 1997 bis 2011 amtierte Mary McAleese als 8. Präsidentin der Republik Irland. Danach studierte sie Katholisches Kirchenrecht an der Gregoriana in Rom und ist nach einer Promotion im Fach Kirchenrecht seit 2018 „Professor of Children, Law and Religion“ an der University of Glasgow, Scotland. Als Präsidentin verstand sie sich stets als Brückenbauerin: zwischen Nord- und Südirland, zwischen Gewinnern und Verlierern des wirtschaftlichen Aufschwungs und zwischen allen Teilen der Gesellschaft, in denen sich Spannungen und Brüche auftun. In ihrer Amtszeit wurden der „Employment Equality Act“ (1998) und der „Equal Status Act“ (2000) eingeführt, welche Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbieten. Heute gehört sie dem Council of Women World Leaders an, ein Netzwerk aus Premierministerinnen und Präsidentinnen, das sich für Frauenrechte einsetzt.&nbsp;</p><p>Mit diesen Themen engagiert sie sich auch für Reformen in der Katholischen Kirche. Sie thematisiert Kinderrechte und die Diskriminierung von Frauen, fordert eine Anerkennung von LBGT-Lebensweisen und kritisiert den strukturellen Klerikalismus der Kirche. In den letzten Jahren tritt McAleese immer stärker für Veränderungen in der Bewertung der Sexualmoral ein: für die Korrektur der Enzyklika Humanae Vitae, für Veränderungen in der Bewertung von Homosexualität und für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen. Diese Themen verbinden sie mit Alfons Auer, der Mitglied der päpstlichen Kommission zur Empfängnisregelung war. Er arbeitete dort an dem breit unterstützen Mehrheitsvotum mit, dem sich der Papst bekanntlich nicht anschloss. Damals setzte sich eine kleine Minderheit mit Hilfe der päpstlichen Autorität durch. Alfons Auer hat sich später die Frage gestellt: Ist die Kirche heute noch „ethisch bewohnbar“?</p><h3>Der Alfons Auer Ethik-Preis&nbsp;</h3><p>Der Alfons Auer Ethik-Preis wurde 2015 erstmals von der Katholisch-Theologischen Fakultät an den kanadischen Sozialphilosophen Professor Charles Taylor vergeben, 2017 an den Menschenrechtler Heiner Bielefeldt. Die Auszeichnung ist dem Tübinger Theologen Alfons Auer gewidmet (1915-2005), der Gründungsdirektor der Katholischen Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart&nbsp;(1951-53) war, bevor er 1955 auf den Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Würzburg berufen wurde. Von 1966 bis zu seiner Emeritierung 1981 war er Ordinarius für Moraltheologie an der Universität Tübingen. Auer gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Moraltheologen des 20. Jahrhunderts, der sich um einen Dialog von Kirche und Welt im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils bemühte. Kennzeichnend für seinen ethischen Ansatz war die zentrale Stellung der menschlichen Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre, die er in einer positiven Sicht von Mensch und Schöpfung verankerte.&nbsp;</p><p>Den gleichnamigen Preis stiftete der Unternehmer Siegfried Weishaupt zu Auers 100. Geburtstag. Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter der Max Weishaupt GmbH. Das weltweit tätige Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern und Hauptsitz im schwäbischen Schwendi wurde von seinem Vater Max Weishaupt, Ehrensenator der Universität Tübingen, gegründet. Seit mehr als 50 Jahren ist Weishaupt zudem leidenschaftlicher Kunstsammler, die „Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt“ ist seit 2007 in der Kunsthalle Weishaupt in Ulm zu sehen.&nbsp;</p><p><a href="/fakultaeten/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/auer-preis/" class="internal-link">Internetseite Alfons Auer Ethik-Preis</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43753</guid><pubDate>Tue, 03 Sep 2019 16:44:47 +0200</pubDate><title>Stellungnahme zum Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 2. September 2019</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/stellungnahme-zum-bericht-der-stuttgarter-nachrichten-vom-2-september-2019/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen tritt dem Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 2. September 2019 entschieden entgegen, wonach am Zentrum für Islamische Theologie (ZITH) Mitglieder der „Muslimbrüder predigen“. Die Universitätsleitung und der Direktor des ZITH, Professor Erdal Toprakyaran, distanzieren sich nachdrücklich von allen Versuchen, den Islam für politische Zwecke zu missbrauchen sowie von &nbsp;islamistischen und salafistischen Bewegungen, wie den Muslimbrüdern, aber zugleich auch von Versuchen, das Zentrum mit Pauschalangriffen in den „Dunstkreis“ solcher Bewegungen zu rücken.&nbsp;</p><p>Grundsätzlich gilt, dass am ZITH nicht gepredigt, sondern Wissenschaft betrieben wird. Dazu gehört auch die Einladung muslimischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Vorträgen, deren Inhalte und Ansichten die Tübinger Wissenschaftler(innen) nicht in allen Punkten teilen mögen. Einen Freiraum für fundamentalistische Ansichten bietet das Zentrum aber keineswegs.&nbsp;</p><p>Klare Voraussetzung für alle Beiträge von Referenten ist, dass sich die Redner(innen) an der Universität Tübingen dabei in allen ihren Ausführungen ohne Abstriche auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen; Hassreden und politische Agitation werden nicht geduldet. Die Universi-tätsleitung geht davon aus, dass diese Grundsätze bei allen Vorträgen am Zentrum für Islamische Theologie stets gegeben waren.&nbsp;</p><p>Zu den im Artikel erhobenen Vorwürfen im Einzelnen:</p><ul><li><strong>Vortrag von Professor Jasser Auda&nbsp;im November 2015:&nbsp;</strong><br> 	Die Wissenschaftler des ZITH, die an diesem Abend teilgenommen haben, erklären dass die im Artikel zitierten Äußerungen so nicht gefallen sind. Prof. Auda&nbsp;habe über seine Theorie der Gerechtigkeit und Maqasid: (Vortragstitel: "Maqāṣid between Sharia and Secular Law") gesprochen. Unter anderem seien seine Gerechtigkeitstheorie und die Ehe zwischen Muslimen und Nichtmuslimen diskutiert worden. Prof. Khalfoui vertritt dazu keine laue, sondern eine dezidiert progressive Position und verwahrt sich gegen anderslautende Vorwürfe. Die im Artikel zitierte „Dekadenz der westlichen Welt“ sei kein Thema des Abends gewesen.&nbsp;<br> 	&nbsp;</li><li><strong>Professor Mutaz Al Khatib</strong><br> 	Prof. Mutaz Al Khatib war Fellow des Programms „Europe in the Middle East - The Middle East in Europe“ am Forum Transregionale Studien sowie Visiting Fellow des Leibniz Zentrums Moderner Orient (Berlin) und wurde eingeladen, zu seinem Buch „Islam and Violence“ zu sprechen. In dem Vortrag sprach er sich unter anderem gegen einen gewaltsamen Islam aus und rief zu einem friedlichen Miteinander der Religionen auf.<br> 	&nbsp;</li><li><strong>Professorin Sohaira Siddiqui</strong><br> 	Prof. Sohaira Siddiqui forscht an der amerikanischen Georgetown University und ist für ihren feministischen Ansatz bekannt. Am ZITH diskutierte sie mit Studierenden über Frauenrechte und Emanzipation, gemeinsam mit Prof. Shaheen Serdar Ali von der Universität Warwick (UK).<br> 	&nbsp;</li><li><strong>Professor Mohammad Ghaly</strong><br> 	Prof. Mohammad Ghaly &nbsp;hat an der Universität Leiden promoviert und ist einer der wenigen Experten, der zu „Islam und Behinderung“ forscht. Er wurde eingeladen, um über seine Arbeiten zur Islamischen Bioethik zu sprechen.&nbsp;<br> 	&nbsp;</li><li><strong>Summer School des IIIT in Sarajewo</strong><br> 	Die genannte „Summer School“ wurde an der Universität Sarajewo organisiert, das ZITH war nicht beteiligt. Es ist richtig dass eine Doktorandin und eine Studentin der Universität Tübingen in Eigeninitiative daran teilgenommen haben. Nach ihren Schilderungen war die Summer School wissenschaftlich ausgerichtet, eine Nähe zu den Muslimbrüdern nicht erkennbar.&nbsp;</li></ul><p>Das ZITH wird weiterhin sorgfältig darauf achten, seine Aktivitäten auch im Hinblick auf wissenschaftliche Partner kritisch zu überprüfen. Die Studierenden und Mitarbeiter(innen) werden stets dazu angehalten, wissenschaftliche Aktivitäten mit Partnerinstitutionen genau zu überprüfen. Auch ist es nicht gestattet, politische oder kulturelle Aktionen im Namen des Zentrums durchzuführen. Die Universität wird umgehend auf erkennbare und belegte Fehlentwicklungen reagieren und diese umgehend unterbinden. Zurzeit sieht sie indes keinen Anlass, von solchen Entwicklungen auszugehen. Die Informationen, auf die sich der Zeitungsartikel stützt, scheinen der Universität weder fundiert noch hinreichend überprüft.</p><ul><li><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/kein-platz-fuer-islamisten-an-der-universitaet-tuebingen/">Stellungnahme "Kein Platz für Islamisten an der Universität Tübingen" vom 29. Juli 2019</a> zum Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 27. Juli 2019</li></ul><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43615</guid><pubDate>Thu, 29 Aug 2019 15:35:02 +0200</pubDate><title>Klimawandel bedroht genetische Vielfalt europäischer Pflanzen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/klimawandel-bedroht-genetische-vielfalt-europaeischer-pflanzen/</link><description>Extreme Temperaturen und Trockenheit durch den Klimawandel könnten die genetische Vielfalt von Pflanzen in Europa bedrohen. Eine gerade in Nature veröffentlichte Studie unter Beteiligung der Universität Tübingen hat herausgefunden, dass nur wenige Individuen der Ackerschmalwand, Arabidopsis thaliana, die notwendigen Genvarianten besitzen, um dem im Jahr 2050 in Europa erwarteten Klima trotzen zu können. Aufgrund dessen erwarten die Forscher eine starke Reduktion der genetischen Vielfalt in Europa.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forscherteam am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, der Universität Tübingen, der Technischen Universität Madrid und der UC Berkeley untersuchte natürliche Populationen der Ackerschmalwand, einer häufig für Grundlagenforschung in der Biologie verwendeten Pflanze. Die Forscher zogen Ackerschmalwand-Pflanzen von mehr als 500 Standorten in Europa unter kontrollierten Versuchsbedingungen in Spanien und Deutschland an, um ihre Anpassungsfähigkeit an Hitze und Trockenheit zu testen. Sie waren insbesondere daran interessiert, inwieweit die jeweils individuelle Kombination unterschiedlicher Genvarianten der Pflanzen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaextremen beeinflusste. Die aus den Feldversuchen gewonnen Daten kombinierten die Forscher mit Modellen zur Klimaentwicklung der kommenden Jahrzehnte, um vorherzusagen, wie die vom Menschen verursachten Temperatur- und Niederschlagsveränderungen die genetische Vielfalt der Pflanzen verändern wird.</p><h3>Modelle sagen Rückgang der genetischen Vielfalt voraus</h3><p>Wie sie herausfanden, werden zwar einige Individuen der Ackerschmalwand auch bei starker Trockenheit und Hitze überleben können. Die meisten werden aber die für 2050 prognostizierte Trockenheit auf der iberischen Halbinsel, in Frankreich, Italien und Südosteuropa nicht überstehen. Die genetische Vielfalt der wenigen überlebenden Arabidopsis-Individuen wird dann in diesen Gegenden deutlich geringer sein als heute.</p><p>„Unserer Berechnungen zeigen, dass die heutige genetische Vielfalt der Ackerschmalwand bis zum Jahr 2050 schwinden wird. Es werden sich vor allem die Mutationen durchsetzen, die die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber den künftigen Klimaextremen in Süd- und Südosteuropa machen“, so Moises-Exposito-Alonso, der Erstautor der Studie. „Erstaunt hat uns, wie sehr sich die Individuen einer bestimmten Pflanzenart innerhalb des europäischen Raums unterscheiden, so dass einige unter den künftigen Klimabedingungen überleben werden, andere aber nicht“, so Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, wo die Studie koordiniert wurde.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43525</guid><pubDate>Tue, 27 Aug 2019 13:16:20 +0200</pubDate><title>Universitäten und Hochschulen besorgt um ihre Zukunftsfähigkeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaeten-und-hochschulen-besorgt-um-ihre-zukunftsfaehigkeit/</link><description>Gemeinsame Pressemitteilung der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg und der HAW Baden-Württemberg</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Gegenwärtig werden im Land die Eckpunkte der künftigen Hochschulfinanzierung verhandelt. Eine neue Vereinbarung soll ab Januar 2021 den jetzigen Hochschulfinanzierungsvertrag ersetzen. Jetzt schlagen die Rektorinnen und Rektoren in großer Übereinstimmung Alarm: Neue Entwicklungen lassen befürchten, dass sich die schwierige Finanzierungsituation aller Hochschularten weiter verschärfen wird.</h3><p>Bisher haben die Hochschulen und Universitäten die gestiegenen Studierendenzahlen der vergangenen Jahre vor allem mit temporären Programmen und Zusatzbelastungen bewältigt. Dadurch haben sich die Rahmenbedingungen für die Studierenden und die Forschung stetig verschlechtert und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich erschwert. Gleichzeitig sagen die Prognosen der Kultusministerkonferenz bis 2030 eine unvermindert hohe Nachfrage an Studienplätzen an den baden-württembergischen Hochschulen voraus. Deshalb schlagen die Universitäten und Hochschulen unisono Alarm: Ohne ausreichende Finanzierung müssen spätestens im Jahr 2021 Einsparungen durch die Reduktion von Leistungen erfolgen, signifikante Qualitätseinbußen müssen dann in Kauf genommen werden. Dies bedeutet auch, dass Studienplätze in größerem Umfang zur Streichung anstehen könnten.</p><p>Um die klaffende Finanzierungslücke zu schließen, fordern die Spitzen der Rektorenkonferenzen das Land zu folgenden Maßnahmen auf:</p><ol><li>Die Erhöhung der Grundausstattung aller Hochschulen um mindestens 1.000 Euro je Studierendem und Jahr, unter anderem zur 	<ul><li>Verbesserung der Betreuungsrelationen und Sicherung der Studienqualität,</li><li>Digitalisierung von Forschung und Lehre,</li><li>Verbesserung der Infrastruktur,</li><li>Finanzierung neuer Aufgaben, wie Innovation, Förderung der Gründerkultur, Weiterbildung, Transfer, Internationalisierung;</li></ul></li><li>Die Überführung der Ausbauprogramme in die Grundhaushalte der Hochschulen;</li><li>Die jährliche Dynamisierung der Etats um drei Prozent zum Ausgleich der allgemeinen Kostensteigerung, insbesondere beim Personal, den die außeruniversitären Forschungsinstitute im Land bereits seit Jahren erhalten;</li><li>Eine transparente und gerechte Weitergabe aller Mittel aus dem kürzlich zwischen Bund und Ländern geschlossenen „Zukunftsvertrag Studium und Lehre“ an die Hochschulen nach den vereinbarten vertraglichen Kriterien, ohne Sonderabzüge durch das Land:</li><li>Hochschulautonomie beim Einsatz der Mittel, um die Hochschulen in der Weiterentwicklung ihres Studienangebots und ihrer gesellschaftsrelevanten Leistungen zu stärken.</li></ol><p>„Baden-Württemberg muss jetzt die Weichen für die Zukunft stellen“, sagte der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Prof. Dr. Bernhard Eitel. Wenn man nicht konsequent in die Universitäten und Hochschulen investiere, werde dies mittel- und längerfristig für das Land schmerzhafte Konsequenzen haben. Die Wirtschaftskraft sei zwar gegenwärtig hoch, könne das aber nur bei beständiger Innovationsleistung bleiben. „Hochqualifizierte Absolventen und Forschungsleistungen sind die Schlüsselfaktoren, um den anstehenden Strukturwandel zu bewältigen. Wenn die Landespolitik diese Aufgabe vernachlässigt, wird Baden-Württemberg in zwanzig Jahren auf der Empfängerseite des Länderfinanzausgleichs stehen.“</p><p>Bisher hat das Land die Zahl der Studienplätze zwar ausgebaut, dabei aber erwartet, dass die Studierendenzahl nach Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs und der Abschaffung der Wehrpflicht wieder abnimmt. Entgegen früherer Voraussagen werden in den nächsten zehn Jahren die Studierendenzahlen weiter auf hohem Niveau bleiben.</p><p>„Es gibt keine Alternative zur Verstetigung des Studienplatzangebotes bei der prognostizierten hohen Nachfrage“, erklärte der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Bastian Kaiser, „und die Hochschulfinanzierung muss an die gewachsenen Studierendenzahlen angepasst werden. Wir fordern für jeden Studierenden zumindest das Finanzierungsniveau, das wir in Baden-Württemberg im Jahr 2007 hatten.“</p><p>Prof. Dr. Stephan Dabbert, stellvertretender Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Universitäten und Rektor der Universität Hohenheim, sagte: „Trotz steigender Ansprüche an die Qualität der Lehre bekommen wir an den Universitäten ein Drittel weniger Geld pro Studentin bzw. pro Studenten vom Land als vor 20 Jahren. Diese Lücke – die in ähnlicher Weise auch die HAWen betrifft - muss schrittweise geschlossen werden. Sichtbare Schritte, um dies zu erreichen sind nun notwendig.“</p><p>Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen und stellvertretender Vorsitzender der Rektorenkonferenz für angewandte Wissenschaften, erläuterte: „Die Hochschulen haben in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben übernommen, ohne dafür zusätzliche Ressourcen zu erhalten. Die zusätzlichen Studienangebote durch die Einführung der Bachelor- und Master- Abschlüsse oder der Wissens- und Technologietransfer sind nur Beispiele dafür, was die Hochschulen heute bewältigen. Während Ausgaben für andere Bereiche gestiegen sind, sind die Mittel laut einer Berechnung des MWK pro Studierenden und Jahr um 1500 EUR seit 2001 gesunken. Das Ministerium hat jetzt die Verantwortung, das Finanzierungsniveau des Hochschulsystems zu korrigieren und den drohenden Kollaps im System abzuwenden.“</p><p>Gemeinsam fordern die Vertreter aller Hochschularten, dass Baden-Württemberg im Landeshaushalt einen Schwerpunkt auf den Erhalt der Zukunftsfähigkeit des Hochschulsystems setzt. Der Anteil von Hochschulen und Wissenschaft an den Landesausgaben ist in den letzten Jahren geringer geworden. Eine bedarfsgerechte Finanzierung des Hochschulsystems würde einen Zuwachs ihres Anteils am Landeshaushalt um weniger als ein Prozent bedeuten und die dringend notwendige Trendumkehr zugunsten von Bildung und Innovation bewirken. Baden-Württemberg muss auch in Zukunft ein Wissenschaftsstandort und Bildungsland bleiben.</p><p>Stuttgart, 27. August 2019</p><h3>Sachinformation:</h3><ul><li>In der Landesrektorenkonferenz der Universitäten (LRK) sind die neun Landesuniversitäten mit über 170 000 Studierenden, ca. 2.800 Professor*innen, 29.500 Wissenschaftler*innen und 41.000 Beschäftigten organisiert.</li><li>In der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW BW e.V.) sind die 21 staatlichen Hochschulen und drei kirchlichen HAW zusammengeschlossen. Sie vertritt damit die Interessen von rd. 3.000 Professor*innen, über 100.000 Studierenden und mehr als 10.000 Beschäftigten.</li><li>Der gemeinsame öffentliche Appell der beiden Rektorenkonferenzen, dem sich auch die anderen Hochschularten (Pädagogische Hochschulen, Duale Hochschule sowie Kunst- und Musikhochschulen) mit nahezu gleichlautenden Forderungen angeschlossen haben, ist ein bis dato einmaliger Vorgang. Er unterstreicht aus Sicht der Universitäten und Hochschulen den Ernst der Lage.</li></ul>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43510</guid><pubDate>Tue, 27 Aug 2019 09:58:57 +0200</pubDate><title>Retina-on-a-Chip: Aussagekräftiges Modell zur Untersuchung von Augenerkrankungen und Medikament-Nebenwirkungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/retina-on-a-chip-aussagekraeftiges-modell-zur-untersuchung-von-augenerkrankungen-und-medikament-nebenwirkungen/</link><description>Pressemitteilung des Journals eLife und des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mithilfe der neuartigen Organ-on-a-Chip-Technologie ist es Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und der Universität Tübingen gelungen, die Komplexität der menschlichen Netzhaut in einem mikrophysiologischen System nachzubilden. Die Retina-on-a-Chip kann helfen, Augenerkrankungen zu untersuchen und augenschädigende Nebenwirkungen von Medikamenten zu testen.</p><p>Im Open-Access-Journal eLife wird die Entwicklung einer Retina-on-a-Chip beschrieben, die lebende menschliche Zellen in einem künstlichen mikrophysiologischen System integriert und so eine funktionelle Gewebestruktur erzeugt.</p><p>Als innovatives Werkzeug stellt die Retina-on-a-Chip eine vielversprechende Alternative zu bestehenden Modellen für die Untersuchung von Augenerkrankungen und für die Testung von Medikamenten dar.</p><p>Die Netzhaut ist ein dünnes, hochkomplexes, mehrschichtiges Gewebe, das auf der Innenseite des Auges das einfallende Licht sammelt und visuelle Informationen an das Gehirn weitergibt. Schädigungen der Netzhaut sind häufig integraler Bestandteil von Erkrankungen, die zu Blindheit führen. Die Netzhaut ist darüber hinaus anfällig für schädigende Nebenwirkungen von Medikamenten, die zur Behandlung anderer Krankheiten wie etwa Krebs, verabreicht werden. Derzeit ziehen Wissenschaftler in der Regel Tiermodelle heran, um Augenkrankheiten und Nebenwirkungen von Medikamenten zu untersuchen. In den letzten Jahren wurde große Hoffnung in Forschung an Retina-Organoiden – winzigen, aus menschlichen Stammzellen gewachsene, retinaähnliche Strukturen – gesteckt. Allerdings können beide Modelle die Physiologie der menschlichen Netzhaut nicht oder nur ansatzweise widerspiegeln, sodass sich die Ergebnisse dieser präklinischen Studien nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen lassen.&nbsp;</p><p>Eine der Besonderheiten von Retina-Gewebe ist, dass es viele unterschiedliche Zelltypen beinhaltet, die in einem komplexen Zusammenspiel miteinander wechselwirken; zudem ist es mit kleinen Blutgefäßen durchzogen. »Es ist äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, die komplexe Gewebestruktur der menschlichen Netzhaut ausschließlich mit technischen Ansätzen nachzuempfinden«, erklärt Dr.-Ing. Christopher Probst, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart und Co-Erstautor der aktuellen Veröffentlichung.</p><p>Um diese Herausforderungen zu bewältigen, kombinierten die Wissenschaftler Organ-on-a-Chip- und Organoid-Technologien: Zunächst brachten sie menschliche pluripotente Stammzellen dazu, sich zu den verschiedenen Arten von Netzhautzellen zu entwickeln, etwa den Stäbchen und Zapfen als Fotorezeptoren und den Bipolar- und Horizontalzellen als informationsverarbeitende Zellen. Basierend auf Erkenntnissen der entwicklungsbiologischen Forschung konnten die Zellen zudem angeregt werden, sich in einer physiologischen Struktur – in der Form von Retina-Organoiden – selbst anzuordnen. Unter Einsatz technischer Hilfsmittel ließen sich dann die noch fehlenden Zelltypen sowie wichtige blutgefäßähnliche Strukturen ergänzen, über die die Zellen mit Nährstoffen und Medikamenten versorgt werden.</p><p>»Durch Kombination biologischer und technischer Prozesse ist es uns gelungen, eine komplexe mehrschichtige Struktur zu schaffen, die alle in Retina-Organoiden vorhandenen Zelltypen und -schichten umfasst und erstmals auch die physiologische Interaktion der Photorezeptoren mit dem umliegenden retinalen Pigmentepithel ermöglicht«, sagt Co-Erstautor Dr. Kevin Achberger, Postdoc am Lehrstuhl für Neuroanatomie und Entwicklungsbiologie der Universität Tübingen. »Mit unserer Retina-on-a-Chip können wir erstmals ein dreidimensionales Netzhautmodell vorweisen, das einen Großteil der strukturellen Merkmale und Funktionalität der menschlichen Netzhaut nachbildet.«&nbsp;</p><p>So behandelte das Team ihr Retina-on-a-Chip-System mit dem Malariamedikament Chloroquin und dem Antibiotikum Gentamicin, die beide für die menschliche Netzhaut bekannte Nebenwirkungen aufweisen. Die Untersuchungen zeigen, dass die Medikamente diese Nebenwirkungen auch bei den Netzhautzellen im Retina-on-a-Chip-Modell auslösen. Dies unterstreicht das Potenzial, welches die Retina-on-a-Chip als aussagekräftiges Werkzeug für die Untersuchung schädigender Nebenwirkungen hat.</p><p>»Ein Vorteil dieses winzigen Modells ist, dass es als Teil eines automatisierten Systems verwendet werden könnte, um Hunderte von Medikamenten sehr schnell auf schädigende Wirkungen auf die Netzhaut zu testen«, sagt Achberger. »Außerdem ermöglicht es Wissenschaftlern, Stammzellen eines bestimmten Patienten zu entnehmen und sowohl die Krankheit als auch mögliche individuelle Behandlungen zu untersuchen.«</p><p>»Dieser neue Ansatz kombiniert zwei vielversprechende Technologien – Organoide und Organ-on-a-Chip – und hat das Potenzial, die Medikamentenentwicklung zu revolutionieren und eine neue Ära der personalisierten Medizin einzuleiten«, sagt Senior-Autor Peter Loskill, Juniorprofessor für Experimentelle Regenerative Medizin an der Universität Tübingen und Leiter der Attract-Gruppe Organ-on-a-Chip am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Sein Labor, das beide Forschungsstandorte umfasst, hat bereits ähnliche Organ-on-a-Chip-Systeme für Herzmuskel, Fettgewebe und Bauchspeicheldrüse entwickelt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Kevin Achberger, Christopher Probst, Jasmin Haderspeck, Silvia Bolz, Julia Rogal, Johanna Chuchuy, Marina Nikolova, Virginia Cora, Lena Antkowiak, Wadood Haq, Nian Shen, Katja Schenke-Layland, Marius Ueffing, Stefan Liebau, Peter Loskill: Merging organoid and organ-on-a-chip technology to generate complex multi-layer tissue models in a human Retina-on-a-Chip platform. eLife, <a href="https://doi.org/10.7554/eLife.46188" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.7554/eLife.46188</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43429</guid><pubDate>Thu, 22 Aug 2019 10:14:53 +0200</pubDate><title>Savannenkorridor in der Eiszeit förderte die Ausbreitung großer Säugetiere in Südostasien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/savannenkorridor-in-der-eiszeit-foerderte-die-ausbreitung-grosser-saeugetiere-in-suedostasien/</link><description>Tübinger Forschungsteam findet Hinweise auf eine früher offene Landschaft auf der Malaiischen Halbinsel, die Mensch und Tier den Weg auf die heutigen Inseln Indonesiens öffnete</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Malaiische Halbinsel, deren Gebiete heute zu Myanmar, Thailand und Malaysia gehören, muss in der Eiszeit zumindest teilweise von einer offenen Savannenlandschaft geprägt gewesen sein. Sie gehörte damals zu einem sehr viel größeren Landstück, dem Sundaland. Über die offene Landschaft konnten große Säugetiere vermutlich erstmals vor 120.000 bis 70.000 Jahren wie durch einen Korridor vom südostasiatischen Festland auf die heutigen Inseln Sumatra, Borneo und Java gelangen. Zu diesem Schluss kommen der Alexander von Humboldt-Stipendiat an der Universität Tübingen Dr. Kantapon Suraprasit, der als Wissenschaftler an der Chulalongkorn University (Thailand) arbeitet, und Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen im Team mit weiteren thailändischen Forscherinnen und Forschern. Das Team führte Isotopenanalysen an Säugetierzähnen aus der Eiszeit durch, die bei Ausgrabungen auf der Malaiischen Halbinsel geborgen wurden. Wie die Wanderungsbewegungen von Tieren und frühen Menschen zwischen dem Festland und den Inseln Südostasiens verliefen, ist in der Wissenschaft stark umstritten. Die neuen Ergebnisse stärken die Hypothese von einem Savannenkorridor in der Eiszeit, über den Mensch und Tier relativ leicht vom südostasiatischen Festland weiter Richtung Süden und Osten gelangen konnten. Die Studie ist in den Quaternary Science Reviews erschienen.</p><p>Die Höhle Yai Ruak, die auf der Malaiischen Halbinsel in der Provinz Krabi liegt, wurde 2017 von einem thailändischen Paläontologenteam der Chulalongkorn University und dem Department of Mineral Resources (Bangkok) mit Unterstützung der Bevölkerung vor Ort ausgegraben. Aus den Höhlensedimenten bargen die Ausgräberinnen und Ausgräber einige weitgehend vollständige Unterkieferknochen, einzelne Zähne und Knochen. Die Fossilien konnte das Forschungsteam dem Malaiischen Stachelschwein, dem Java-Nashorn, dem Sambarhirsch und ausgestorbenen Verwandten der Tüpfelhyäne zuordnen. „Für diese Art der Tüpfelhyäne ist das der am weitesten südlich gefundene Nachweis in Südostasien“, sagt Hervé Bocherens. Dies stütze die Hypothese, dass sich im Pleistozän die Säugetiere weiter nach Süden ausbreiten konnten. Die heutigen Inseln Sumatra, Borneo und Java auf der Sundaplatte waren in der Eiszeit aufgrund des deutlich niedrigeren Meeresspiegels über Landbrücken zugänglich. Menschliche Fossilien seien in den Höhlensedimenten aus der Eiszeit nicht gefunden worden, wahrscheinlich habe es jedoch zu dieser Zeit anatomisch moderne Menschen in dem Gebiet gegeben, sagen die Wissenschaftler.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43402</guid><pubDate>Tue, 20 Aug 2019 09:24:03 +0200</pubDate><title>Pech für den Neandertaler</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/pech-fuer-den-neandertaler/</link><description>Forscher der Universität Tübingen und New York University entdecken, dass der Steinzeit-Klebstoff Birkenpech einfacher herzustellen ist als gedacht – Kein Beweis für höhere geistige Fähigkeiten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dass Neandertaler und andere frühe Menschen Birkenpech herstellen konnten, ist kein Beleg für höhere geistige Fähigkeiten oder eine komplexe kulturelle Entwicklung. Neandertaler nutzten Birkenpech als Klebstoff, um Steinkratzer oder -spitzen an Holzgriffen zu befestigen und so Werkzeuge herzustellen. Bisher ging man in der Forschung davon aus, dass Birkenpech nur in einem aufwendigen Prozess hergestellt werden kann, bei dem die Baumrinde unter Luftabschluss erhitzt werden muss. Nun konnte jedoch ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Patrick Schmidt und Dr. Claudio Tennie von der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen nachweisen, dass es auch einen sehr einfachen Weg gibt, an den nützlichen Klebstoff zu kommen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.</p><p>Um Birkenpech herzustellen, experimentierten Forscher bisher mit Gruben, Lehmaufbauten, Aschehügeln, metallenen oder Keramikgefäßen. „Nur so kann man erreichen, dass die Birkenrinde unter Sauerstoffabschluss erhitzt wird“, sagt Patrick Schmidt. Dabei war jedoch unklar, welche Hilfsmittel die Neandertaler bereits zur Verfügung hatten und wie sie das nötige Wissen erworben und weitergegeben haben könnten.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43390</guid><pubDate>Mon, 19 Aug 2019 15:33:29 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen fordert deutlich höhere Grundfinanzierung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-fordert-deutlich-hoehere-grundfinanzierung/</link><description>Senat nimmt Stellung zu Verhandlungen über neuen Hochschulfinanzierungsvertrag – „Mindestens 1.000 Euro mehr pro Studentin und Student“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat vom Land Baden-Württemberg eine deutliche Erhöhung der staatlichen Grundfinanzierung gefordert. „Während das Bruttoinlandsprodukt Baden-Württembergs seit 1998 um real 40 Prozent und die Steuereinnahmen sogar um 49 Prozent gestiegen sind, liegt der Zuschuss des Landes pro Studierendem heute um real 3.540 Euro unter dem Landeszuschuss des Jahres 1998“, kritisierte der Senat der Universität in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme. „Daher verlangen wir, die staatliche Grundfinanzierung der Universität Tübingen endlich an die stark gestiegenen Anforderungen anzupassen und die strukturelle Unterfinanzierung dauerhaft zu beenden.“</p><p>Dazu sei es notwendig, den Landeszuschuss an die baden-württembergischen Hochschulen 2021 in einem ersten Schritt um mindestens 1.000 Euro pro Studentin und Student zu erhöhen, erklärte das Gremium. Anschließend müsse der Landeszuschuss pro Jahr um drei Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus forderte der Senat, Baden-Württemberg müsse die von der Bundesregierung mit dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ zugesagten Mittel an die Hochschulen weiterreichen und&nbsp;wie im Zukunftsvertrag vereinbart – um Landesmittel in gleicher Höhe ergänzen.</p><p>Die Hochschulen verhandeln derzeit mit der Landesregierung über einen neuen Finanzierungsvertrag. Die Laufzeit des bisherigen Vertragswerks endet im Jahr 2020. „Die Signale, die wir im Rahmen der Verhandlungen derzeit erhalten, lassen befürchten, dass die Investitionen in die Hochschulen eingefroren oder gar gekürzt werden sollen“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. Angesichts der ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen, vor denen Baden-Württemberg in den kommenden Jahren stehe, wäre dies folgenschwer.</p><p>„Die Anforderungen und Erwartungen, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an die Hochschulen herantragen, wachsen kontinuierlich“, betonte der Senat der Universität in seiner Stellungnahme. „Deutlich mehr junge Menschen als noch vor 20 Jahren streben heute ein Studium an.“ Zahllose Unternehmen, die ihre Arbeitskräfte noch vor wenigen Jahren überwiegend selbst ausgebildet hätten, würden heute zunehmend darauf setzen, dass Ausbildung von den Hochschulen geleistet werde: „Politische Entscheidungen – etwa zur Akademisierung von Gesundheitsberufen – haben den generellen Trend zum Hochschulstudium als Regelfall nochmals deutlich verstärkt.“</p><p>Alle Industrienationen stünden vor dramatischen Veränderungen: „Globalisierung, technologischer und demographischer Wandel, Umweltzerstörung und Klimawandel fordern jeden Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt. Es wird in den nächsten Jahrzehnten mehr denn je auf die Universitäten und ihre Leistungen in Forschung und Lehre ankommen“, erklärte das Gremium: „Nur mit den Universitäten, mit ihrer Fähigkeit, das Wissen zu erweitern und weiterzugeben, ihrer Fähigkeit zu Dialog und Ausgleich sowie nicht zuletzt ihrer Fähigkeit zur transnationalen und interkulturellen Verständigung wird unsere Gesellschaft in der Lage sein, diese Herausforderungen zu meistern. Die Universitäten brauchen dazu aber ein solides finanzielles Fundament.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43297</guid><pubDate>Thu, 15 Aug 2019 10:00:00 +0200</pubDate><title>Karl Ove Knausgård und Judith Schalansky bei der Tübinger Poetik-Dozentur 2019</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/karl-ove-knausgaard-und-judith-schalansky-bei-der-tuebinger-poetik-dozentur-2019/</link><description>Der norwegische Schriftsteller und die deutsche Schriftstellerin sind von 1. bis 6. Dezember 2019 an der Universität Tübingen 
zu Gast</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Schriftsteller Karl Ove Knausgård und die Schriftstellerin Judith Schalansky sind dieses Jahr von 1. bis 6. Dezember Gäste der von der Stiftung Würth geförderten Tübinger Poetik-Dozentur. Die literarische Veranstaltungsreihe findet zum 33. Mal an der Universität Tübingen statt. Die Vorlesungen im Audimax und in der Alten Aula stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.</p><p>Karl Ove Knausgård beginnt die Reihe mit einer Lesung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall am Sonntag, den 1. Dezember. Am Montag, den 2. Dezember, eröffnet der norwegische Schriftsteller dann mit einer Vorlesung über sein Schreiben die Tübinger Veranstaltungen. Am Dienstag, den 3. Dezember, wird er in einer zweiten Vorlesung seine literarischen Anliegen darlegen, die sich auf die Übersetzung des eigenen Lebens in seine Texte richten. Judith Schalansky beschäftigt sich in einer Vorlesung am Mittwoch, den 4. Dezember, und in einem zweiten Vortrag am Donnerstag, den 5. Dezember, mit der Frage, wie sich mittels genauer Recherche Wissen nicht nur in Literatur übersetzen, sondern auch bibliophil gestalten lässt. Diesen Prozess der Recherche und Gestaltung wird sie zudem am Donnerstag und Freitag Studierenden in einem Schreibworkshop näherbringen.&nbsp;</p><h3>Die Termine im Überblick</h3><p><strong>Lesung von Karl Ove Knausgård</strong> am Sonntag, 1. Dezember 2019, 11.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Die Lesung ist ausgebucht.</p><p><strong>Vorlesungen von Karl Ove Knausgård und Judith Schalansky an der Universität Tübingen</strong><br> Montag, 2. Dezember: Vorlesung von Karl Ove Knausgård (Audimax)<br> Dienstag, 3. Dezember: Vorlesung von Karl Ove Knausgård (Audimax)<br> Mittwoch, 4. Dezember: Vorlesung von Judith Schalansky (Alte Aula)<br> Donnerstag, 5. Dezember: Vorlesung von Judith Schalansky (Alte Aula)<br> Die Veranstaltungen in Tübingen finden um 20 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz, 72074 Tübingen) und in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) der Universität Tübingen statt.</p><p><strong>Schreibworkshop mit Judith Schalansky</strong><br> Donnerstag, 5. Dezember und Freitag, 6. Dezember: Workshop für Studierende mit Judith Schalansky. Anmeldung unter sara.bangert@uni-tuebingen.de&nbsp;</p><h3>Kurzbiografien:</h3>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43210</guid><pubDate>Mon, 12 Aug 2019 15:04:39 +0200</pubDate><title>Erst der Einschlag von Meteoriten machte Leben auf der Erde möglich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erst-der-einschlag-von-meteoriten-machte-leben-auf-der-erde-moeglich/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass ein Großteil des Wassers und Kohlenstoffs im Erdmantel aus dem äußeren Sonnensystem stammt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Meteoriten aus dem äußeren Sonnensystem brachten in der späten Entwicklung unserer Erde Wasser, Kohlenstoff und andere flüchtige Stoffe in großer Menge in den Erdmantel ein. Erst dadurch wurde die Erde bewohnbar. Für dieses Szenario liefern Dr. María Varas-Reus, Dr. Stephan König, Aierken Yierpan und Professor Ronny Schönberg aus der Isotopengeochemie der Universität Tübingen gemeinsam mit Dr. Jean-Pierre Lorand von der Université de Nantes in ihrer Studie neue Belege. Den Nachweis führen sie über Isotopenmessungen des chemischen Elements Selen mit einem Verfahren, das kürzlich an der Universität Tübingen entwickelt wurde. Gleiche Isotopensignaturen im Gestein des Erdmantels und bei bestimmten Typen von Meteoriten verrieten den Forschern die Herkunft des Selens sowie von großen Mengen Wasser und anderer lebensnotwendiger Stoffe. Das Forschungsteam veröffentlichte die neue Studie in der Fachzeitschrift <em>Nature Geoscience</em>.</p><p>Eigentlich dürfte Selen im Erdmantel nicht zu finden sein. „Es wird von Eisen angezogen. Daher ging es in der Frühgeschichte unseres Planeten in den eisenreichen Kern der Erde ein“, erklärt María Isabel Varas-Reus. Dem Erdmantel sei es dadurch entzogen worden. „Die vorherigen Selensignaturen wurden dort vollständig gelöscht.“ Das Selen, das heute im Erdmantel zu finden ist, müsse daher nach der Entstehung des Erdkerns hinzugekommen sein. „Sozusagen im letzten Moment der Erdentstehung, nachdem sich auch unser Mond gebildet hatte“, ergänzt die Wissenschaftlerin. Eine genaue Zeitangabe sei schwierig, dies könne zwischen 4,5 und 3,9 Milliarden Jahren vor heute gewesen sein.</p><h3>Aufwendiges Messverfahren</h3><p>Das Forschungsteam nahm an verschiedenen Stellen Proben von Erdmantelgestein, das durch plattentektonische Prozesse an die Oberfläche gelangte und dort hinsichtlich seiner Selenisotopie seit der Erdentwicklung unverändert geblieben war. Darin bestimmten sie die Isotopensignaturen des Selens. Als Isotope werden Atome des gleichen chemischen Elements mit unterschiedlichem Gewicht bezeichnet. „Selenisotopenmessungen bei hohen Konzentrationen sind schon länger möglich, etwa bei Proben aus Flüssen“, sagt Varas-Reus. „Im Gestein ist jedoch die Selenkonzentration sehr gering. Es muss bei hohen Temperaturen herausgelöst werden, und Selen ist flüchtig. Das macht die Messungen schwierig.“ Erst seit kurzem ist mit einem neuartigen Verfahren die Messung der Selenisotope aus Gestein möglich geworden. Stephan König hat das aufwendige Aufbereitungsverfahren gemeinsam mit seiner Forschergruppe im Rahmen seines ERC Grants, dem vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekt O2RIGIN, entwickelt.</p><p>Dass Meteoriten dem Erdmantel Stoffe hinzugefügt haben, wurde schon seit langer Zeit vermutet. „Man hat aber eher auf Meteoriten aus dem inneren Sonnensystem gesetzt“, berichtet Varas-Reus. „Daher waren wir sehr überrascht, dass die Selenisotopensignaturen aus dem Erdmantelgestein sehr präzise mit einem bestimmten Steinmeteoritentyp aus dem äußeren Sonnensystem übereinstimmten.“ Dies seien kohlige Chondriten, die aus dem Sonnensystem jenseits des Asteroidengürtels, aus dem Bereich der Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, stammen. Die Selenisotopensignaturen verschiedener Meteorite hatte der Geologe Dr. Jabrane Labidi, ein früherer O2RIGIN Mitarbeiter in einer früheren Studie erhoben.</p><p>Was die kohligen Chondriten beim Einschlag auf der frühen Erde außer Selen sonst noch mitbrachten, konnte das Forschungsteam auch quantifizieren: „Nach unseren Berechnungen stammen rund 60 Prozent des heute auf der Erde vorhandenen Wassers aus dieser Quelle. Nur so konnten sich Ozeane bilden“, sagt Varas-Reus. Weitere flüchtige Stoffe aus den Meteoriten trugen zur Entstehung der schützenden Erdatmosphäre bei. „So wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass sich auf der Erde das Leben in seiner heutigen Form entwickeln konnte.“</p><h3>Publikation:</h3><p>María Isabel Varas-Reus, Stephan König, Aierken Yierpan, Jean-Pierre Lorand and Ronny Schoenberg: Selenium isotopes as tracers of a late volatile contribution to Earth from the outer Solar System. <em>Nature Geoscience</em>, <a href="https://dx.doi.org/10.1038/s41561-019-0414-7" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1038/s41561-019-0414-7</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-43141</guid><pubDate>Wed, 07 Aug 2019 11:04:28 +0200</pubDate><title>Tübinger Wissenschaftler prüfen Vergleichbarkeit verschiedener Hirnsignale</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-wissenschaftler-pruefen-vergleichbarkeit-verschiedener-hirnsignale/</link><description>Äußerliche Messungen am Kopf lassen Schlüsse auf die zugrundeliegende Nervenzellaktivität zu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Studie von Tübinger Wissenschaftlern zeigt, dass sich Messergebnisse verschiedener gängiger Methoden zur Bestimmung der Hirnaktivität weitgehend in direkten Zusammenhang bringen lassen. Zwei davon – die Elektroenzephalografie (EEG) und die Magnetoenzephalographie (MEG) – sind nicht-invasive Verfahren, bei denen die Hirn-tätigkeit an der Kopfoberfläche gemessen wird und kein operativer Eingriff notwendig ist. Die dritte Methode ist die invasive Elektrophysiologie, bei der Mikroelektroden die Aktivität einzelner bis tausender Nervenzellen direkt im Gewebe aufnehmen. Forscher um Professor Markus Siegel am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen setzten gemeinsam mit Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology (USA) nun alle drei Verfahren parallel in einem Sehexperiment ein. Sie wiesen nach, dass EEG, MEG und invasive Elektrophysiologie bei der Verarbeitung eines Sehreizes sehr ähnliche Informationen erfassen, wie etwa die Farbe und Bewegungsrichtung von Punkten. Erkenntnisse aus invasiven und nicht-invasiven Experimenten lassen sich somit künftig besser in Zusammenhang bringen.&nbsp;</p><p>„Im weiteren Sinne kann nun auch die Forschung an menschlichen Probanden besser mit Untersuchungen an Versuchstieren verglichen werden“, sagt Studienleiter Siegel. Um die Funktionsweise des Gehirns auf der Ebene einzelner Nervenzellen untersuchen zu können, müssen Hirnforscher auf Untersuchungen an Versuchstieren zurückgreifen. EEG und MEG werden wiederum bevorzugt an menschlichen Versuchspersonen eingesetzt, etwa in der klinischen Hirnforschung.&nbsp;</p><p>„Es ist jedoch nicht ganz einfach, EEG- und MEG-Daten mit den zugrundeliegenden neuronalen Schaltkreisen in Beziehung zu setzen“, berichtet Florian Sandhäger, Mitarbeiter von Siegel und Erstautor der Studie. Beide Verfahren messen großflächige elektrische sowie magnetische Felder, die aufgrund der Hirnaktivität entstehen, an der Kopfoberfläche. Mit ihrer Hilfe lassen sich die örtlichen Quellen der Signale bestimmen, nicht jedoch die Aktivität einzelner Zellen. Diese können nur mithilfe der invasiven Elektrophysiologie geklärt werden. Die hauchdünnen Mikroelektroden messen die Nervenzellaktivität direkt am Ort des Geschehens im Gehirn und bieten so eine sehr hohe räumliche Auflösung.&nbsp;</p><p>Ziel von Siegel und seinen Mitarbeitern war es, die außerhalb des Kopfs gemessenen elektrischen und magnetischen Felder mit der konkreten Nervenzellaktivität in Verbindung zu bringen. Dafür entwickelten sie ein Experiment, bei dem verschiedenfarbige Punktmuster auf einem Bildschirm gezeigt wurden, die sich in unterschiedlichen Richtungen bewegten. Zunächst untersuchten die Wissenschaftler die Hirnaktivität menschlicher Versuchspersonen beim Betrachten dieser Muster. Dafür verwendeten sie das MEG. Parallel dazu entwickelten sie ein spezielles EEG, mit dem sie die vergleichbare Hirnaktivität während der Aufgabe an Rhesusaffen messen konnten. In einem dritten Schritt führten sie mit den Tieren das Sehexperiment durch, während sie dabei die Nervenzellaktivität mittels Mikroelektroden maßen.</p><p>Das Ergebnis: Die gemessenen Signale enthielten bei allen drei Verfah-ren Informationen über Farbe und Bewegungsrichtung der Punktmuster. Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler spezifische Muster im MEG und EEG, die sie in Bezug zu den Eigenschaften einzelner Nervenzellen in bestimmten Hirnarealen setzen konnten. „Unsere Studie hilft, nicht-invasive Messverfahren in engen Bezug zu den unterliegenden zellulären Mechanismen zu setzen“, erläutern Siegel und Sandhäger. „Dieser Brückenschlag trägt nicht nur zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Gehirns bei, sondern kann langfristig auch eine genauere Interpretation von EEG- und MEG-Messungen im klinischen Kontext ermöglichen.“ Die aktuelle Studie ist in der Fachzeitschrift eLife erschienen.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Sandhaeger et al. (2019): Monkey EEG links neuronal color and motion information across species and scales, eLife, 8: e45645.&nbsp;<a href="http://doi.org/10.7554/eLife.45645" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">doi.org/10.7554/eLife.45645</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42883</guid><pubDate>Thu, 01 Aug 2019 10:07:43 +0200</pubDate><title>Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/weibliche-und-maennliche-sexualstraftaeter-unterscheiden-sich/</link><description>Studie der Universität Tübingen untersucht erstmals Sexualkriminalität von Frauen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weibliche und männliche Sexualstraftäter unterscheiden sich in ihrem Tatvorgehen und der Wahl ihrer Opfer. So stellte eine Studie über Sexualstraftäterinnen beispielsweise fest, dass diese häufig gemeinsam mit Männern Taten begehen, ohne dass es zu Körperkontakt zwischen Opfer und Täterin kommt. Die Juristin Dr. Ulrike Hunger hat in einer am Institut für Kriminologie (IFK) der Universität Tübingen entstandenen Untersuchung Strafakten von 104 Täterinnen analysiert, die aufgrund eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Sie verglich diese mit einer männlichen Gruppe von 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern. Es ist die erste Studie, die sich in Deutschland mit der Gruppe der verurteilten Sexualstraftäterinnen auseinandersetzt. Die Arbeit ist im Duncker &amp; Humblot Verlag erschienen. Die Erkenntnisse können helfen, individuelle Therapiekonzepte zu entwickeln.</p><p>Bei sexuellen Missbrauchsdelikten werden Machtverhältnisse ausgenutzt, dazu zählt zum Beispiel der sexuelle Missbrauch von Kindern. Dagegen wird bei sexuellen Gewaltdelikten Gewalt angewendet oder angedroht, um sexuelle Handlungen zu erzwingen. Darunter fallen die sexuelle Nötigung sowie die Vergewaltigung.&nbsp;</p><p>Ulrike Hunger fand in ihrer kriminologischen Studie „Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte“ deutliche Unterschiede, was die Sexualkriminalität von Männern und Frauen betrifft: So waren bei mehr als der Hälfte der Täterinnen, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden, an den Straftaten Mittäter beteiligt – 95 Prozent davon waren Männer. Als Motive nannten die Frauen die sexuelle Befriedigung der Mittäter, ihre Liebesbeziehung zu diesen sowie das eigene Bedürfnis nach Nähe. Typischerweise kam es bei vielen Taten nicht zu Körperkontakt zwischen den Täterinnen und ihren Opfern. Charakteristisch für die Frauen war zudem, dass sie gleichermaßen männliche und weibliche Opfer missbrauchten und ein großer Anteil der Geschädigten mit ihnen verwandt waren. Die Männer der Vergleichsgruppe hingegen verübten die Missbrauchstaten fast alle alleine und hauptsächlich zur eigenen sexuellen Befriedigung. Als Opfer wählten sie größtenteils weibliche Betroffen aus, wobei sie kaum verwandte Opfer missbrauchten, fasst die Studienautorin zusammen.&nbsp;</p><p>Auch in der Gruppe der sexuellen Gewalttäterinnen waren typischerweise bei fast allen Taten weitere Personen beteiligt. Die Täterinnen hatten selbst oftmals keinen Körperkontakt zu ihrem Opfer, sondern forderten zu sexuellen Handlungen auf oder sahen dabei zu. Als Hauptbeweggründe nannten sie die Angst, vom Mittäter verlassen oder körperlich misshandelt zu werden. Über drei Viertel der Opfer waren weiblich. Sämtliche Opfer waren mit den Frauen bekannt oder verwandt ‒ bei sexuellen Gewalttaten von Männern hingegen kannten sich Täter und Opfer in etwa einem Drittel der Fälle vor der Tat nicht. Die Männer präferierten fast ausschließlich weibliche Opfer.</p><p>Die Juristin verglich unter anderem die demographischen Merkmale der Täterinnen, ihren familiären Hintergrund, Geschlecht und Alter der Opfer, die an der Tat Mitwirkenden, die Tathandlung und die Urteile. Danach waren in der Gruppe der sexuellen Missbrauchsdelikte die Täterinnen durchschnittlich 33 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Opfer lag bei nur zwölf Jahren. Die Männer hingegen waren durchschnittlich 37 Jahre alt. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern waren hohe Bildungsabschlüsse selten, etwa dreiviertel beider Tätergruppen lebten in Partnerschaften und hatten eigene Kinder.&nbsp;</p><p>In der Gruppe der sexuellen Gewaltdelikte waren die Täterinnen mit durchschnittlich 23 Jahren deutlich jünger, viele waren zur Tatzeit noch Jugendliche. Die Opfer waren durchschnittlich 22 Jahre alt. In der männlichen Vergleichsgruppe hingegen waren die Täter älter, ihr Durchschnittsalter lag bei 39 Jahren. Die Geschädigten waren durchschnittlich 25 Jahre alt.</p><p>Den empirischen Hintergrund bildete eine Aktenanalyse zu 104 Täterinnen, die von 2003 bis 2012 in Bayern und Baden-Württemberg wegen eines sexuellen Missbrauchs- oder Gewaltdeliktes verurteilt wurden. Die männliche Vergleichsgruppe setzte sich aus 98 sexuellen Missbrauchs- und Gewalttätern aus den gleichen Bundesländern und demselben Zeitraum zusammen.</p><p>Frauen, die Sexualstraftaten begehen, sind zwar in Statistiken immer noch ein seltenes Phänomen, geraten aber immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Über den „Staufener Missbrauchsfall“ wurde viel berichtet: Die Täterin wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. „In dieser Studie liegt zum ersten Mal der Fokus auf der kleinen Gruppe der Sexualstraftäterinnen, die sich durch ganz eigene Täter-, Opfer- und Tatmerkmale auszeichnet“, sagt Hunger. „Die Erkenntnisse über die Täterinnen können für die Prävention hilfreich sein, indem auf dieses Thema aufmerksam gemacht wird. Außerdem lassen sich mit Hilfe der Ergebnisse individuelle Therapiekonzepte entwerfen“.</p><h3>Publikation:</h3><p>Ulrike Hunger: Verurteilte Sexualstraftäterinnen – eine empirische Analyse sexueller Missbrauchs- und Gewaltdelikte, Duncker &amp; Humblot Berlin, 2019.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42808</guid><pubDate>Wed, 31 Jul 2019 11:00:00 +0200</pubDate><title>Wie Meeressedimente zur Bildung von Treibhausgasen beitragen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-meeressedimente-zur-bildung-von-treibhausgasen-beitragen/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht Mikroben und chemische Prozesse an Küsten als natürliche Quelle für Lachgas</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lachgas (Distickstoffmonoxid) ist als Treibhausgas fast 300 Mal so schädlich wie Kohlendioxid. Neben menschengemachten Einflüssen wie der Freisetzung aus Düngemitteln sowie Auto- und Industrieabgasen gibt es auch natürliche Quellen. Bisher kennt man jedoch längst nicht alle Prozesse der Lachgasbildung und deren Größenordnung. Nun hat ein Forschungsteam in der Geomikrobiologie unter der Leitung von Professor Andreas Kappler und Dr. Caroline Schmidt vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen eine bedeutende Quelle für das klimaschädliche Gas ausgemacht. Es fand heraus, dass nicht allein die Aktivität von Bakterien, sondern auch chemische Prozesse in Sedimenten der Meeresküste zur Bildung von Lachgas führen. Dieser Quelle ist dort bis zu einem Viertel des gebildeten Lachgases zuzuschreiben. Herkunft und Umfang der Produktion klimaschädlicher Gase sind wichtige Informationen, um die künftige Klimaentwicklung einzuschätzen. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Scientific Reports</em> veröffentlicht.</p><p>„Bisher ging man davon aus, dass in klassischen marinen Küstensedimenten Lachgas hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Umsetzung von Nitrat durch Bakterien entsteht“, sagt Andreas Kappler. Doch habe man damit nicht den ganzen Umfang der Gasbildung erklären können. Ungeklärte Lachgasquellen hätten sich auch bei verschiedenen Studien an natürlichen Systemen wie den Böden von Reisfeldern und an Flusssedimenten ergeben. In der neuen Studie nahm das Forschungsteam Sedimentproben von der dänischen Ostseeküste und stellte im Labor in einem künstlichen Mikrokosmos die draußen herrschenden Bedingungen nach. In der kontrollierten Umgebung ließen sich die ablaufenden Einzelprozesse identifizieren und mengenmäßig erfassen.</p><h3>Nur die Ausgangssubstanzen stammen von Mikroorganismen</h3><p>Dabei zeigte sich, dass für einen erheblichen Teil der Lachgaserzeugung die chemische Denitrifika-tion (Chemodenitrifikation) verantwortlich ist. Als Denitrifikation wird ansonsten die mikrobielle Um-wandlung des im Nitrat gebundenen Stickstoffs zu molekularem Stickstoff und Stickoxiden wie dem Lachgas bezeichnet. „Zwar werden die Ausgangssubstanzen der Chemodenitrifikation, zweiwertiges Eisen und Nitrit, ebenfalls durch mikrobielle Prozesse im Sediment gebildet“, erklärt Caroline Schmidt. Doch die Umsetzung zu Lachgas geschehe ohne Beteiligung von Mikroorganismen. Die chemische Reaktion laufe spontan ab. „Dabei wird extrem schnell Lachgas gebildet und freigesetzt“, sagt die Forscherin. Der Umfang der Lachgasbildung durch diese Reaktion könne die bisher rätsel-hafte Herkunft des klimaschädlichen Gases erklären.</p><p>„Wir müssen alle durch Menschen verursachten und natürlichen Quellen der Bildung von Treib-hausgasen verstehen, um die künftige Klimaentwicklung abschätzen zu können“, betont Kappler. Schmidt ergänzt: „Die Studie verdeutlicht, wie Prozesse auf kleinster Skala – Interaktionen zwischen Mikroorganismen und der Sedimentchemie – massive Auswirkungen auf globale Umwelt-phänomene wie die Treibhausgasemission haben können.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Otte JM, Blackwell N, Ruser R, Kappler A, Kleindienst S, Schmidt C. 2019. Cause and effects of N2O formation by nitrite-induced (chemo)denitrification in coastal marine sediment. <em>Scientific Reports</em>, 31. Juli 2019, <a href="https://dx.doi.org/10.1038/s41598-019-47172-x" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1038/s41598-019-47172-x</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42805</guid><pubDate>Tue, 30 Jul 2019 15:00:35 +0200</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-5/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen eine Wissenschaftlerin und zwei Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42727</guid><pubDate>Mon, 29 Jul 2019 09:54:26 +0200</pubDate><title>Kein Platz für Islamisten an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kein-platz-fuer-islamisten-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Stellungnahme zum Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 27. Juli 2019</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen ist einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten entgegengetreten, wonach es am Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) ein wachsendes „Netzwerk der Muslimbrüder“ gebe. „Das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Tübingen ist kein Vorposten von Islamisten“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler: „Zudem liegen uns keine Hinweise vor, die darauf schließen lassen, dass Professoren oder Dozenten Kontakte zu den Muslimbrüdern pflegen. Im Artikel der Stuttgarter Nachrichten werden für diese schwer wiegenden Behauptungen im Übrigen keine Belege vorgelegt.“&nbsp;</p><p>Die Universitätsleitung und der Direktor des ZITh, Professor Erdal Toprakyaran, distanzieren sich von allen Versuchen, den Islam für politische Zwecke zu missbrauchen. „Ziel der Universität Tübingen ist es, mit dem ZITh eine Institution aufzubauen, in der Forschung und Lehre auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau geleistet werden. Dies schließt islamistische und extremistische Positionen von vornherein aus“, sagte Engler. Dementsprechend hält das Zentrum konsequent Abstand zu islamistischen oder salafistischen Organisationen, wie beispielsweise den Muslimbrüdern. „Seit Jahren wird immer wieder versucht, das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen zu diskreditieren und in die Nähe von radikalen oder gar verfassungsfeindlichen Positionen zu rücken. Alle Vorwürfe dieser Art haben sich in der Vergangenheit als substanzlos erwiesen.“</p><h3>Zu den im Artikel erhobenen Vorwürfen im Einzelnen:&nbsp;</h3><ul><li><h4>Zu den Vorwürfen gegen Professor Omar Hamdan:</h4></li></ul><p>Der Autor des Artikels unterstellt Professor Hamdan Kontakte zur Muslimbruderschaft. Als Beleg dienen ihm die Tätigkeit von Herrn Hamdan für das Avicenna-Studienwerk sowie für die Zeitschrift „HIKMA“.&nbsp;</p><p>Laut Homepage des Avicenna-Studienwerks engagiert sich Professor Hamdan im Vorstand dieser Einrichtung. Das Begabtenförderungswerk ist seit 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung anerkannt und wird seither maßgeblich von der Bundesregierung finanziert. Laut Homepage des Studienwerks engagieren sich namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft in den Gremien des Studienwerks. Dazu zählen die ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Aydan Özoguz (SPD); der Grünen-Politiker Cem Özdemir, der CDU-Politiker Dr. Yaşar Bilgin oder der Schriftsteller Navid Kermani.&nbsp;</p><p>Die Universität Tübingen geht davon aus, dass das öffentlich anerkannte Studienwerk seriös und mit angemessener Distanz zu extremistischen Strömungen arbeitet. Die Universität kann hier keinen Anhaltspunkt für nicht vertretbare Aktivitäten Professor Hamdans feststellen.</p><p>Laut der Homepage der Zeitschrift „HIKMA“ gehört Professor Hamdan zum Kreis der Mitherausgeber. „HIKMA“ ist nach den uns vorliegenden Informationen eine seriöse wissenschaftliche Fachzeitschrift für islamische Theologie und Religionspädagogik. Die Gründung der Zeitschrift geht vor allem auf islamische Theologen der Universität Osnabrück zurück. Nach der Homepage der Zeitschrift umfasst der Beirat 30 Personen, die ein breites wissenschaftliches Spektrum abdecken, von der islamischen Theologie über die Orientwissenschaft bis hin zu den christlichen Theologien. Zu den Mitgliedern des Beirats gehören auch namhafte deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie etwa die Orientalistin Angelika Neuwirth (FU Berlin). Allein aus der Tatsache, dass Tarik Ramadan ebenfalls als einer von 30 Beiratsmitgliedern gelistet wird, lassen sich keine Rückschlüsse auf die Haltung von Professor Hamdan ziehen.</p><p>Die Universität Tübingen sieht im Fall von Professor Hamdan nach dem aktuellen Stand der Dinge keine Anhaltspunkte für Aktivitäten, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren sind.</p><ul><li><h4>Zu den Vorwürfen gegen Professor Mouez Khalfaoui:</h4></li></ul><p>Besuch am International Institute of Islamic Thought (IIIT): Professor Khalfaoui hat 2014 einen Gastvortrag am IIIT gehalten. Dieser Vortrag erfolgte im Rahmen einer Tagung, an der auch namhafte US-amerikanische Wissenschaftler teilnahmen, wie bspw. Professor Carl W. Ernst von der University of North Carolina at Chapel Hill oder Professor David Vishanoff von der University of Oklahoma. Seit 2014 pflegt Professor Khalfaoui keinen Kontakt zum International Institute of Islamic Thought.&nbsp;Vor seinem Besuch im Jahr 2014 hatte Professor Khalfaoui nach eigenen Angaben ebenfalls keinen Kontakt zum IIIT.</p><p>Prof. Khalfaoui distanziert sich ausdrücklich von salafistischen und islamistischen Positionen. Die Universität Tübingen sieht im Fall von Professor Khalfaoui bezüglich der erhobenen Vorwürfe keinerlei Anhaltspunkte für Aktivitäten, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren sind.</p><ul><li><h4>Angebliche Besuche von Muslimbrüdern im ZITh:</h4></li></ul><p>Der Bericht behauptet pauschal, dass es im ZITh &nbsp;zu „Besuchen von Wissenschaftlern, die den MB zugeordnet werden können“, gekommen sei. Konkret benannt wird im Artikel lediglich ein Fall. So habe das Zentrum im November 2015 einen „Gelehrten der Muslimbrüder“ eingeladen: Bei der fraglichen Person handelt es sich um einen international bekannten islamischen Rechtsgelehrten. Dieser Wissenschaftler wurde im Wintersemester 2015/2016 zu einem Gastvortrag im Rahmen eines interdisziplinären Seminars nach Tübingen eingeladen. In dem Seminar, an dem Studierende der katholischen, der evangelischen und der islamischen Theologie teilnahmen, ging es um »Interreligiöse Zugänge zur Gerechtigkeit«. Das Seminar wurde von Professor Khalfaoui zusammen mit Professor Matthias Möhring-Hesse von der Katholisch-Theologischen Fakultät durchgeführt. Der Vortrag hatte – auch nach Angaben von Prof. Möhring-Hesse – einen rein wissenschaftlichen Charakter. Ob der eingeladene Wissenschaftler der Muslimbruderschaft angehört, ist nach den uns vorliegenden Informationen nicht belegt. Zum Zeitpunkt der Einladung lagen den Verantwortlichen keinerlei Hinweise vor, die den Rückschluss erlaubt hätten, dass es sich bei der fraglichen Person um ein Mitglied der Muslimbrüder handelte. &nbsp;</p><ul><li><h4>Zu den Verbindungen des ZITh nach Katar:&nbsp;</h4></li></ul><p>Theologinnen des ZITh und der US-amerikanischen Georgetown Universität in Katar haben 2019 ein Kooperationsprojekt zum Thema „Weiblichkeit im Islam“ gestartet. Gefördert wird das Projekt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amts. Die Universität Tübingen hat über das Projekt Anfang dieses Jahres mit einer <a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/theologinnen-starten-diskurs-zur-weiblichkeit-im-islam/" title="Link zur Pressemitteilung Theologinnen starten Diskurs zur „Weiblichkeit im Islam“">Pressemitteilung</a> informiert.&nbsp; &nbsp;</p><p>Zudem gibt es einzelne Kontakte zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des ZITh und Universitäten in Katar. Weitere Kooperationsprojekte sind der Universitätsleitung und der Leitung des Zentrums nicht bekannt.&nbsp;</p><p>Die Universität Tübingen sieht auch in diesem Fall keine Anhaltspunkte für Aktivitäten, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren sind.</p><ul><li><h4>Gebetspraxis am ZITh</h4></li></ul><p>Die Universität Tübingen respektiert, dass gläubige Muslime zum regelmäßigen Gebet verpflichtet sind. Wann und wie Lehrende und Studierende ihre Gebete verrichten, ist aber die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen. Die Universitätsleitung hat daher gemeinsames Beten in Lehrveranstaltungen des ZITh untersagt.&nbsp;</p><ul><li><h4>Einhaltung des Ramadan</h4></li></ul><p>Der im Artikel erhobene Vorwurf, auf eine Mitarbeiterin des Zentrums sei Druck ausgeübt worden, weil sie während des Ramadan Wasser getrunken habe, war dem Rektorat der Universität und der Leitung des ZITh bislang nicht bekannt. „Die Universitätsleitung wird diesem Vorwurf nachgehen“, sagte Engler. „Es ist absolut unzulässig, wenn auf Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter Druck ausgeübt wird, weil sie islamische Glaubensvorschriften nicht eingehalten haben. Dies gilt unabhängig davon, ob die Betroffenen Muslime oder Nicht-Muslime sind. Ein solches Verhalten kann arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“&nbsp;</p><ul><li><h4>Konfrontation unter Studierenden</h4></li></ul><p>Die Universität Tübingen bestätigt, dass es in jüngster Zeit zu Konfrontationen zwischen einem Studenten und mehreren Studentinnen der islamischen Theologie um die Sitzordnung bei Lehrveranstaltungen gekommen ist. „Die Universitätsleitung kennt diesen Konflikt und wird zu Beginn des Wintersemesters auf den genannten Studenten in geeigneter Form einwirken“, sagte der Rektor. „Derartige Verhaltensweisen werden an einer staatlichen Universität in Baden-Württemberg nicht toleriert.“</p><p>Professor Bernd Engler: „Die am Zentrum für Islamische Theologie tätigen Professorinnen und Professoren sind Beamte des Landes Baden-Württemberg und als solche auf die Prinzipien des Grundgesetzes verpflichtet. Eine Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft oder auch eine Zusammenarbeit mit der Bruderschaft oder einer ihrer Tochterorganisationen ebenso wie mit anderen extremistischen Vereinigungen hätte für jeden Beamten sofortige und erhebliche dienstrechtliche Konsequenzen zur Folge. Für Extremisten ist am Zentrum für Islamische Theologie kein Platz.“ &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42700</guid><pubDate>Fri, 26 Jul 2019 11:09:16 +0200</pubDate><title>Universität und Robert Bosch GmbH vertiefen Kooperation</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-und-robert-bosch-gmbh-vertiefen-kooperation/</link><description>Weitere Industry on Campus-Professur zur künstlichen Intelligenz ‒ Experte für autonome Systeme lehrt und forscht künftig auf Tübinger Campus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Robert Bosch GmbH vertiefen ihre Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz mit einer weiteren Industry on Campus-Professur: Gerhard Neumann, Experte für autonome Systeme und maschinelles Lernen am Bosch Center for Artificial Intelligence, wird auf dem Campus eine eigene Forschungsgruppe aufbauen, mit Forscherinnen und Forschern der Universität kooperieren sowie Lehrveranstaltungen anbieten.&nbsp;</p><p>Die Kooperation ermöglicht eine enge Zusammenarbeit beider Partner und verknüpft Grundlagenforschung mit Erfahrungen und Fragestellungen aus der Praxis. Gerhard Neumann hat an der TU Graz promoviert und forschte anschließend an der TU Darmstadt zu lernenden und autonomen Systemen. 2016 wurde Neumann Professor für Computational Learning an der Universität Lincoln in Großbritannien und Mitglied des Lincoln Center for Autonomous Systems. Im Frühjahr 2019 wechselte er zu Bosch.&nbsp;</p><p>Sein Interesse gilt vor allem der Weiterentwicklung selbst-lernender Systeme. Wie können diese nicht nur einfache Arbeitsschritte, sondern auch vielseitigere Aufgabestellungen erlernen und anwenden, zum Beispiel bei der Handhabung von Objekten oder beim Ernten von Früchten? Hierfür kombiniert er verschiedene Ansätze: Grundlagen des maschinellen Lernens wie beispielsweise Lernen durch „Trial and Error“ (Reinforcement Learning Algorithmen) und durch Imitation des Menschen, Erkenntnisse aus der Roboterwahrnehmung (Robot Vision) wie auch aus der Modellierung von Bewegungsabläufen.&nbsp;</p><p>Die Industry on Campus-Professur von Gerhard Neumann ist bereits die zweite Kooperation dieser Art zwischen Bosch und der Universität Tübingen. Seit 2018 leitet der Physiker Dr. Björn Andres ebenfalls eine Arbeitsgruppe an der Universität Tübingen. Andres forscht im Bereich des Maschinellen Lernens für Computer Vision unter anderem an Verfahren für die robuste Erkennung und Verfolgung von Personen und Fahrzeugen im Straßenverkehr.</p><p>Im Rahmen der Industry on Campus-Professur bringen Unternehmen ihre Praxiserfahrungen aus Entwicklung und Anwendung von Technologien an der Universität Tübingen ein. Davon sollen Studierende wie auch der Forschungsstandort profitieren: Gemeinsame, intensive Forschungsaktivitäten sollen Entwicklungen schneller zur Marktreife bringen und Impulse für weiterführende Forschung geben. „Wir freuen uns über diese weitere Kooperation mit der Robert Bosch GmbH“, sagt der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler. „Industry on Campus-Formate ermöglichen eine gegenseitige Befruchtung von Wissenschaft und Praxis und fördern die anwendungsinspirierte Grundlagenforschung. Dies entspricht dem Anspruch der Universität, und auch dem Grundgedanken des Forschungsverbunds Cyber Valley zur künstlichen Intelligenz.“</p><p>„Das Kernelement von Industry on Campus ist der Austausch zwischen Top-Experten aus Wissenschaft und Industrie. Diese Gruppen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bosch und der Universität Tübingen weiter auszubauen“, sagt Dr. Michael Bolle, Geschäftsführer und CDO/CTO von Bosch.</p><p>Bosch und die Universität Tübingen gehören zu den Gründungsmitgliedern des Cyber Valley. Die Initiative ist eines der größten KI-Projekte Europas und verbindet Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Region Stuttgart und Tübingen. Bosch unterstützt das Cyber Valley unter anderem mit einer eigenen Stiftungsprofessur zu Maschinellem Lernen. An der Universität Tübingen werden fünf neue Professuren etabliert, rund 30 Arbeitsgruppen forschen rund um das Thema Maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotik.</p><p><a href="https://cyber-valley.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://cyber-valley.de/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42640</guid><pubDate>Thu, 25 Jul 2019 11:33:00 +0200</pubDate><title>Neue Einblicke in die Nutzung von Ocker in der Altsteinzeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-einblicke-in-die-nutzung-von-ocker-in-der-altsteinzeit/</link><description>Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren seltenen Reibestein – Unscheinbarer, aber sehr aussagekräftiger Fund</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schon die Jäger und Sammler der Altsteinzeit nutzten Naturfarben wie Ocker: Sie bemalten damit Gegenstände und Körper, gerbten Leder, schützten sich vor Insekten und Sonne oder nutzten es als Zusatz im Klebstoff bei der Werkzeugherstellung. Ein unscheinbarer, kleiner Geröllstein von der Schwäbischen Alb gibt wichtige Aufschlüsse darüber, wie sie die Farben herstellten. Professor Nicholas Conard, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, hat den Fund aus der Welterbe-Höhle Hohle Fels am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) präsentiert. Die Ergebnisse wurden im heute erschienenen Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2018“ veröffentlicht.</p><p>Der Stein ist 7,8 Zentimeter lang, 7,1 Zentimeter breit, 4,1 Zentimeter dick und wiegt gut 300 Gramm. Rote Farb- und Abriebspuren und Schlagnarben deuten darauf hin, dass er als Schlagstein für die Werkzeugherstellung und als Reibstein zur Farbaufbereitung diente: Offensichtlich rieben die Menschen der Altsteinzeit geeignete Gesteinsbrocken mit solchen Steinen zu feinem Pulver. Anschließend konnte dieses mit Wasser zu einer Paste gebunden und aufgetragen werden. Darauf weisen Steinfunde von der Schwäbischen Alb hin, auf die vermutlich mit kleinen Stöcken Punktreihen getupft wurden.</p><p>„Der Reibestein zählt zu den wenigen Artefakten, die uns über die Bearbeitung und Herstellung von Ockerpulver Auskunft geben“, sagt Professor Conard, „und obwohl wir im Hohle Fels mehr als 850 Ockerartefakte gefunden haben, sind vergleichbare Stücke, die die Aufbereitung von mineralischen Farbbrocken hin zu nutzbarer Farbe belegen, hier – aber auch im Rest Deutschlands – selten.“ Derzeit entstehe anhand der Funde aus dem Hohle Fels die erste tiefergehende Studie zur Ockernutzung über das gesamte Jungpaläolithikum hinweg, von einer Zeitspanne von 44.000 bis 14.500 Jahren vor heute. Hierbei zeichne sich ab, dass unterschiedliche altsteinzeitliche Epochen unterschiedliche Ockertypen bevorzugt hatten, sagt Conard weiter: „Vor etwa 40.000 Jahren im Aurignacien wurden hellere Farbtöne bevorzugt, während später im Gravettien und Magdalénien die Farbtöne dunkler werden. Ob dies mit der Nutzung neuer Ockerquellen oder mit einer Art neuen Zeitgeschmacks zu tun hat, wissen wir nicht mit Sicherheit.“&nbsp;</p><p>Der Reibestein wird bis Anfang Januar 2020 im urmu als „Fund des Jahres“ präsentiert – begleitet von anderen Exponaten mit Bezug zu Farbe. Das urmu wird in den Sommerferien donnerstags von 11.00 bis 12.00 Uhr ein Sonderprogramm zum Fund des Jahres anbieten: Am 1., 8. und 15. August können sich Besucher nach einer Führung intensiv mit Ocker und Rötel auseinandersetzen und selbst mit Naturfarben experimentieren. Am 22.und 29. August sowie am 5. September wird es in einer Schwerpunktführung um das Thema „Rituelles Rot“ gehen. Außerdem findet von Dienstag bis Sonntag um 14.30 Uhr eine Führung zum Welterbe statt.</p><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO im Juli 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Als das Museum für Altsteinzeit in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren vor. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“. (<a href="http://www.urmu.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.urmu.de</a>)</p><h3>Publikation:</h3><p>Nicholas J. Conard, Alexander Janas: „Weiterführende Ausgrabungen im Hohle Fels und neue Einblicke in die Nutzung von Ocker im Jungpaläolitikum.“ ArchäologischeAusgrabungen in Baden-Württemberg 2018 (2019), S. 56-59.</p><p>Velliky EC, Porr M, Conard NJ (2018), Ochre and pigment use at Hohle Fels cave: Results of the first systematic review of ochre and ochre-related artefacts from the Upper Palaeolithic in Germany. PLoS ONE 13(12): e0209874.&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0209874" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0209874</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42625</guid><pubDate>Thu, 25 Jul 2019 09:00:00 +0200</pubDate><title>Archäologen dokumentieren älteste bekannte Vorstufe der Fresko-Malerei im Mittelmeerraum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/archaeologen-dokumentieren-aelteste-bekannte-vorstufe-der-fresko-malerei-im-mittelmeerraum/</link><description>Forscherinnen und Forscher der Universitäten Beirut und Tübingen analysieren 4.000 Jahre alte Wandmalereien in einem Palast aus der Bronzezeit</description><content:encoded><![CDATA[<p>Archäologinnen und Archäologen der American University of Beirut und der Universität Tübingen haben die ältesten großflächig erhaltenen Wandmalereien im Vorderen Orient dokumentiert. Erste Teile der Malereien wurden bereits 2005 in den Ruinen eines Palasts aus der Bronzezeit im Süden des Libanon, an der Mittelmeerküste südlich von Sidon, entdeckt. In den Folgejahren konnten die Malereien auf großen Wandflächen aufgedeckt und konserviert werden, und nun haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse in Buchform publiziert. Wie Professor Jens Kamlah vom Biblisch-Archäologischen Institut der Universität Tübingen berichtete, wurden die Bilder in einer frühen Entwicklungsstufe der Fresko-Malerei auf die Wände aufgebracht und entstanden um 1900 v.Chr. Es handele sich damit um den ältesten derzeit bekannten Beleg für eine Vorform dieser Maltechnik im gesamten Mittelmeerraum. Das Projekt wurde von Kamlah und der libanesischen Archäologin Professorin Hélène Sader geleitet. Als Kooperationspartner war das Deutsche Archäologische Institut unter der Leitung der wissenschaftlichen Direktorin Dr. Dr. Margarete van Ess beteiligt.</p><p>Das deutsch-libanesische Archäologenteam hatte den Palast 2001 an der Fundstätte Tell el-Burak südlich von Sidon entdeckt und bis 2011 vollständig ausgegraben. Im größten Raum, der sieben auf 14 Meter misst, wurden die Malereien an den Innenwänden gefunden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Palast um 1900 v.Chr. erbaut und rund 200 Jahre lang genutzt wurde.</p><p>Die Malereien zeigen einen geometrischen Fries sowie eine Jagdszene, eine Prozession und einen sogenannten Lebensbaum. Vergleichbare Motive sind aus der altorientalischen und ägyptischen Bildsprache bekannt, wie Julia Bertsch von der Universität Tübingen herausstellte, die im Team für die Untersuchungen der Malereien zuständig ist. Die Maltechnik könne als Vorstufe zur Fresko-Technik verstanden werden, weil die Vorzeichnungen auf den noch feuchten Kalkputz aufgetragen wurden, sagte Bertsch. Im Unterschied dazu werden bei der voll entwickelten Fresko-Technik, auch Al-fresco-Technik genannt, die Malereien im Ganzen auf frischen Kalkputz aufgetragen. Während der Putz trocknet, verbinden sich die Farben dauerhaft mit dem Untergrund: „Von dieser Technik nahm man bisher an, dass sie mehrere Jahrhunderte später in der minoisch-ägäischen Palastmalerei entwickelt wurde. Die Befunde aus Tell el-Burak weisen darauf hin, dass zumindest wichtige Schritte zur Entwicklung der Technik im Vorderen Orient gemacht wurden.“</p><p>Bei der Analyse der Farben zeigte sich, dass die Maler unter anderem „Ägyptisch Blau“ einsetzten. Dieser Farbstoff kommt in der Natur kaum vor, wurde aber im alten Ägypten seit dem dritten Jahrtausend v.Chr. hergestellt und verwendet. „Dies zeigt, dass zwischen dem heutigen Südlibanon und dem Pharaonenreich damals enge Beziehungen bestanden“, betonte Kamlah. „Die Malereien könnten von ägyptischen Künstlern geschaffen worden sein. In jedem Fall bezeugen sie eine frühe Form des kulturellen Austauschs und des Wissenstransfers im östlichen Mittelmeerraum.“</p><h3>Anspruchsvolle Architektur und statische Probleme</h3><p>Die Palastwände sind teilweise in ihrer Originalhöhe von circa 3,5 Metern erhalten. „Das ist besonders beachtlich, da sie aus rund 4.000 Jahre alten luftgetrockneten Lehmziegeln bestehen“, erklärte der Tübinger Wissenschaftler. Die vollständige Erhaltung sei ein Glücksfall und nur möglich gewesen, weil der Raum circa 1800 v.Chr. vollständig vom Boden bis zur Decke mit Sand, Kies und Lehm zugeschüttet wurde. Die Türen wurden mit Lehmziegeln zugemauert. „Der Palast erhob sich auf einem künstlich angelegten, 17 Meter hohen Berg direkt am Strand. Der meerseitige Gebäudetrakt lag ursprünglich auf einer tieferen Terrasse als die übrigen Räume. Wir gehen davon aus, dass dies zu statischen Problemen führte. Die Wände in der unteren Ebene, zu der auch der Raum mit den Wandmalereien gehörte, waren durch den Druck der höher liegenden Terrasse verformt. Zur Stabilisierung wurden die unteren Räume verfüllt“, sagte Kamlah. Dadurch haben sich die Malereien großflächig erhalten, doch die Bemalungsreste auf den Wänden seien sehr fragil. „Sie mussten von speziell ausgebildeten Fachleuten in kleinen Abschnitten und sehr vorsichtig freigelegt werden.“</p><p>Nach und nach ergab sich für die Forscherinnen und Forscher ein Gesamtbild: Ein geometrischer Fries teilt die Langseite des Raums in ein oberes und ein unteres Register. Er wird aus Rauten gebildet und ist von zwei Bändern mit Flächen wechselnder Farben, sogenannten ägyptischen Farbleitern, eingerahmt. Im oberen Register ist eine Jagdszene zu sehen, bei der zwei Jagdhunde in schnellem Lauf eine Gazellenherde auf einen Jäger zutreiben, der eines der Tiere bereits erlegt hat. Im unteren Register sind drei schreitende Männer und weitere Personen in einer Prozessionsszene zu erkennen. Eine dritte Szene ist dreidimensional in einer Raumecke mit ansteigendem Boden angelegt. Die Bemalung zeigt einen Baum auf einem Hügel, in den ein blaues Tier seine Vorderhufe gesetzt hat und frisst. Der Tierkopf ist nicht erhalten. Die Malerei umfasst auch Teile des Bodens, und in der Raumecke verzweigen sich die Äste des Baums auf beiden Wänden. „Das Motiv entspricht altorientalischen Darstellungen des sogenannten Lebensbaums, das für die Fruchtbarkeit der göttlich geschaffenen Ordnung steht“, erklärte Kamlah. Für alle drei Motive fänden sich Vergleiche aus der altorientalischen und ägyptischen Bildsprache, die zur idealisierenden Darstellung von Königen, Herrschern und Angehörigen der Eliten dienten.</p><p>Die fast 4.000 Jahre alten Wandmalereien bezeugten eine Epoche der besonderen Blüte im Süden des heutigen Libanon in der mittleren Bronzezeit (ca. 2000-1550 v. Chr.). „Über die damaligen Menschen war bislang nur sehr wenig bekannt. Die deutsch-libanesischen Ausgrabungen zeigen, dass es in Sidon ein wirtschaftlich und kulturell blühendes Stadtkönigtum gegeben haben muss. Da wir keine Anzeichen für größere Umwälzungen in der Bevölkerung gefunden haben, können wir davon ausgehen, dass die Menschen Vorfahren der Phönizier waren, die das Gebiet später bewohnten“, sagte Kamlah abschließend.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jens Kamlah and Hélène Sader (eds.): Tell el-Burak I: The Middle Bronze Age. Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins 45/1. Wiesbaden 2019.&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42373</guid><pubDate>Fri, 19 Jul 2019 14:33:00 +0200</pubDate><title>Tübingen bei Exzellenzstrategie erfolgreich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-bei-exzellenzstrategie-erfolgreich/</link><description>Universität verteidigt Exzellenzstatus und wird bis 2026 gefördert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bleibt exzellent. Eine Kommission aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Vertreterinnen und Vertretern von Bund und Ländern hat am Freitag entschieden, dass Tübingen für weitere sieben Jahre den Status einer Exzellenzuniversität erhält und entsprechend finanziell gefördert wird. „Mit diesem hart erkämpften Erfolg ist die Grundlage gelegt, um Tübingen dauerhaft in der kleinen Gruppe der weltweit besten Universitäten zu etablieren“, sagte Rektor Professor Bernd Engler. Die finanzielle Förderung durch Bund und Länder eröffne die Möglichkeit, die Universität nicht nur in einzelnen Forschungsgebieten, sondern strukturell und in einer großen thematischen Breite weiterzuentwickeln.</p><p>„Die Welt wandelt sich derzeit rasch und die Wissenschaft macht da keine Ausnahme“, sagte Engler. „Genome Editing, Personalisierte Medizin, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind hier nur einige Beispiele für Entwicklungen, deren Auswirkungen langfristig die Gesellschaft insgesamt verändern werden. Angesichts dieser Situation muss die Universität in der Lage sein, rascher als bisher auf die damit verbundenen Herausforderungen zu reagieren.“ Die Mittel aus der Exzellenzstrategie werde die Universität daher nutzen, um neue, vielversprechende Forschungsfelder an der Universität zu implementieren und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren. Dazu würden unabhängige Nachwuchsforschungsgruppen und Tenure-Track-Professuren eingerichtet sowie das bewährte Instrument der „Exploration Funds“ eingesetzt. So könne die Universität junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hohem Potenzial nach Tübingen holen beziehungsweise hier halten.</p><p>Engler sagte, zahlreiche der in der ersten Förderphase gestarteten Projekte und Initiativen hätten sich bewährt und würden daher fortgesetzt. Dazu zählten etwa das Athene-Programm für Wissenschaftlerinnen, die „Innovation Grants“ für junge Postdocs zur Förderung des Wissenstransfers oder auch die „Exploration Funds“ für Forscherinnen und Forscher in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Auch die Forschungsplattformen und die sogenannten Core Facilities wie QBiC, LISA+ und das eScience Center hätten sich bestens etabliert und blieben erhalten.</p><p>Die Universität werde mit den Mitteln aus der künftigen Exzellenzförderung aber auch eine Reihe neuer Projekte starten. Darunter seien zum Beispiel:&nbsp;</p><ul><li><strong>„Tübingen Structural Microscopy“ (TSM)</strong> wird als Core Facility in Zukunft die Kapazitäten der Universität Tübingen auf dem Gebiet der Elektronen- und Ionen-Mikroskopie bündeln. Einen Schwerpunkt der Arbeit wird der Einsatz modernster Untersuchungsverfahren auf der Mikro- und Nanoebene bilden.<br> 	&nbsp;</li><li>Als neue Core Facility in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird das <strong>Methodenzentrum für empirische Forschung</strong> in erster Linie die Grundlagenforschung auf dem Gebiet quantitativer und qualitativer Methoden voranbringen. Das Zentrum wird zu interdisziplinären Methoden und neuen Techniken der Datenanalyse forschen und Lösungsansätze für unterschiedliche Modelle in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Psychologie entwickeln, nicht zuletzt unter Einsatz von Techniken des Maschinellen Lernens.<br> 	&nbsp;</li><li>Die Universität Tübingen wird ein <strong>College of Fellows</strong> für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gründen und damit die Internationalisierung der Universität in Forschung und Lehre vorantreiben. Das College richtet sich insbesondere an internationale Postdoktoranden, die eine Chance erhalten, bis zu zwei Jahre lang in Tübingen an einem Projekt zu forschen und sich über Fachgrenzen hinweg auszutauschen. Während dieser Zeit werden die Fellows in das akademische Leben ihres gastgebenden Fachbereichs integriert und leisten auch Aufgaben in der Lehre.<br> 	&nbsp;</li><li>Die Universität hat in den vergangenen Jahren ihre Aktivitäten in den Bereichen Innovation und Wissenstransfer erheblich ausgebaut. Beispielgebend dafür ist die Cyber Valley-Initiative, eine Kooperation von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Aufbauend auf diesen Erfahrungen werden wir in der nächsten Förderphase ein universitäres <strong>Innovationszentrum </strong>gründen, in dem alle Start-up-Aktivitäten gebündelt werden. Forscherinnen und Forschern, die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse zu neuen Dienstleistungen und Produkten weiterentwickeln wollen, wird hier eine Infrastruktur geboten.&nbsp;<br> 	&nbsp;</li><li>Mit der Forschungsplattform <strong>„Global Encounters“</strong> wird sich die Universität auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften verstärkt auf globale Handlungsräume ausrichten. Aufbauend auf bereits bestehenden Forschungskooperationen wird die Plattform Forscherinnen und Forscher zusammenbringen, um die sozialen und kulturellen Auswirkungen von Globalisierung, Mobilität und Systemveränderungen im Bereich der Politik und Ökonomie zu untersuchen.<br> 	&nbsp;</li><li>Die Universität will ihre Studierenden durch ein <strong>„Global Awareness Education Program“</strong> ermutigen, sich stärker für die globalen Horizonte ihrer Studien und auch ihrer künftigen Arbeitswelt zu öffnen und interkulturelle Kompetenzen stärker zu entwickeln. Dazu wird die Universität die Zahl der fremdsprachigen Lehrveranstaltungen deutlich erhöhen und verstärkt auf globale Themen setzen. Das Kursangebot zu interkultureller Kompetenz und ökologischer Nachhaltigkeit werden wir ausweiten und das Angebot auch den Beschäftigten zugänglich machen.</li></ul><p>Der Rektor betonte, die Exzellenzentscheidung werde positive Auswirkungen auf die gesamte Region haben: „Universitäten sind im 21. Jahrhundert die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung.“ Mit dem Erfolg Tübingens im Exzellenzwettbewerb sei die Region in einer hervorragenden Position, um die demographischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte meistern zu können.&nbsp;</p><p>Engler dankte allen, die in den vergangenen drei Jahren an der erfolgreichen Exzellenzbewerbung mitgewirkt haben. „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, nicht zuletzt aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Forschungsdezernat haben eine enorme Leistung vollbracht und sich weit über das Selbstverständliche hinaus für das große Ziel engagiert“, sagte der Rektor. „Darüber hinaus gilt unser Dank unserem International Advisory Board und unserem weltweiten Netzwerk aus Hochschulexpertinnen und -experten, die uns auf diesem langen Weg zur Exzellenz mit ihrem Rat zur Seite gestanden haben.“ Sie alle hätten sich um die Universität Tübingen verdient gemacht.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42322</guid><pubDate>Thu, 18 Jul 2019 09:04:15 +0200</pubDate><title>„Handwriting the Constitution“: Mit der New Yorker Künstlerin Morgan O’Hara das Grundgesetz schreiben</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/handwriting-the-constitution-mit-der-new-yorker-kuenstlerin-morgan-ohara-das-grundgesetz-schreiben/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Die New Yorker Konzeptkünstlerin Morgan O’Hara lädt für <strong>Dienstag, 23. Juli 2019</strong>, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie die Medien zu einer neuen Ausgabe ihres sozialen Kunstkonzepts „<strong>Handwriting the Constitution</strong>“ ein. Anlass ist die Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vor 70 Jahren. Die Kunstaktion findet <strong>von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr auf Schloss Hohentübingen</strong> statt.</p><p>Mit „Handwriting the Constitution“ will Morgan O’Hara Menschen zu gemeinsamen friedlichen, kreativen und demokratischen Aktionen anregen. Sie will andere ermutigen, in allen Sprachen die in verschiedenen Verfassungen garantierten Grund- und Menschenrechte handschriftlich niederzulegen: „Wenn du etwas schreibst, kommt es auf eine tiefere Weise in deinen Kopf und deinen Körper“, sagt O’Hara. Die Konzeptkünstlerin wirkt im Sommersemester 2019 als „Invited Artist“ an der Universität Tübingen.</p><p>Ausgehend von einer Protestaktion gegen US-Präsident Donald Trump im Januar 2017 entwickelte sich „Handwriting the Constitution“ zu einer globalen Veranstaltungsreihe. Morgan O‘Hara lädt Menschen an unterschiedlichen Orten ein, die amerikanische Verfassung oder die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beziehungsweise hier in Tübingen auch das Grundgesetz handschriftlich nachzuschreiben. Bis heute hat sie 108 dieser Sessions mit 1.500 Personen weltweit initiiert und veranstaltet.&nbsp;</p><p>Mit dem Konzept „Invited Artist“ lädt die Universität jährlich international renommierte Künstlerinnen und Künstler nach Tübingen ein, um Studierenden Einblick in die zeitgenössische Kunst unterschiedlicher Kulturkreise zu ermöglichen. Morgan O’Hara bietet im Sommersemester 2019 für Studierende aller Fakultäten den Workshop „Life and Meaning“ an.&nbsp;</p><p>Die Aktion „Handwriting the Constitution – session 109“ findet in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen, dem Weltethos-Institut Tübingen und der Kunsthalle Göppingen statt. Es werden die Texte des Grundgesetzes, die amerikanische Verfassung, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie Papier und Schreibgeräte bereitliegen. Diese Utensilien können jedoch gerne auch selbst mitgebracht werden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42292</guid><pubDate>Wed, 17 Jul 2019 15:35:15 +0200</pubDate><title>„Erfolg für den Gesundheitsstandort Deutschland“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erfolg-fuer-den-gesundheitsstandort-deutschland/</link><description>Universität und Universitätsklinikum Tübingen begrüßen positive Entscheidung für Ausbau der Personalisierten Medizin</description><content:encoded><![CDATA[<p>Als großen Erfolg für den Gesundheitsstandort Deutschland haben Universität und Universitätsklinikum Tübingen die Entscheidung der baden-württembergischen Landesregierung für den landesweiten Ausbau der Personalisierten Medizin gewürdigt. „Mit dem nun beschlossenen Aufbau von Zentren für Personalisierte Medizin schafft Baden-Württemberg eine bundesweit einmalige Struktur und macht das Land zum Vorreiter für Diagnose und Therapie der Zukunft“, sagte der Sprecher des Tübinger Zentrums für Personalisierte Medizin und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik I, Professor Nisar Peter Malek, am Mittwoch.&nbsp;</p><p>„In den vergangenen vier Jahren haben wir in Baden-Württemberg Methoden und Strukturen für den Einsatz der Personalisierten Medizin entwickelt und erfolgreich erprobt. Nun werden wir die neu entwickelten diagnostischen und therapeutischen Verfahren schrittweise allen Patienten in Baden-Württemberg anbieten können“, erklärte Malek. Die Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) sollen nach dem Beschluss des Stuttgarter Kabinetts zunächst an den Standorten der Universitätskliniken in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm entstehen. Die ZPM sollen sich zunächst auf die Entwicklung zukunftsweisender Diagnoseverfahren und Therapien bei Krebserkrankungen konzentrieren.</p><p>In einer zweiten Ausbauphase sollen schrittweise Partnerstandorte auch an weiteren, leistungsstarken Krankenhäusern aufgebaut werden, wie Malek berichtet. Zudem ist geplant, das Leistungsspektrum schrittweise auch auf entzündliche Erkrankungen, Infektionskrankheiten und neurolo-gische Erkrankungen auszuweiten. Personalisierte Medizin basiert vor allem auf sehr leistungsstarken Diagnoseverfahren. Dazu gehören hochpräzise bildgebende Verfahren ebenso wie beispielsweise Genomanalysen, um Schwachstellen eines Tumors identifizieren zu können. Die so entstehenden Daten werden anschließend zur Entwicklung einer personalisierten, also auf den einzelnen Patienten exakt zugeschnittenen Therapie genutzt.&nbsp;</p><p>Wie der Sprecher des Tübinger ZPM berichtete, wollen die vier baden-württembergischen Zentren eine gemeinsame Datenstruktur aufbauen. „Dies ist ein ganz wesentliches Element, um im Bereich der Personalisierten Medizin erfolgreich sein zu können. Um Krankheiten effektiver als in der Vergangenheit erkennen und behandeln zu können, muss die Medizin den einzelnen Patienten aber auch die Krankheit in ihren vielfältigen Erscheinungsformen besser und vollständiger begreifen.“ Dies sei nur möglich durch die Analyse und Auswertung großer Datenmengen. Dabei werde dem Datenschutz höchste Priorität eingeräumt.&nbsp;<br> &nbsp;&nbsp;<br> Das Tübinger Zentrum für Personalisierte Medizin wurde 2015 gegründet und in den vergangenen Jahren als Forschungsplattform der Universität maßgeblich mit Mitteln der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42082</guid><pubDate>Fri, 12 Jul 2019 09:10:56 +0200</pubDate><title>Kontrollierter Stoffaustausch zwischen den Zellen fädiger Cyanobakterien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kontrollierter-stoffaustausch-zwischen-den-zellen-faediger-cyanobakterien/</link><description>Forschungsteam der ETH Zürich und der Universität Tübingen klärt hochaufgelöst die Struktur und Funktion der Zell-Zell-Verbindungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Bakterien sind Einzeller. Dagegen bilden manche Cyanobakterien, auch als Blaualgen bekannt, vielzellige Fäden, die bereits auf bestimmte Aufgaben spezialisierte Zellen besitzen. Sie gehören damit zu den komplexesten Lebewesen im Bakterienreich. Bisher war wenig darüber bekannt, über welche Verbindungen sich die einzelnen Zellen untereinander austauschen. Das haben Gregor Weiss und Professor Martin Pilhofer von der ETH Zürich gemeinsam mit Ann-Katrin Kieninger, Dr. Iris Maldener und Professor Karl Forchhammer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen genauer untersucht. Mit einem speziellen Verfahren der Elektronen- und Fluoreszenzmikroskopie belegte das Team, dass die Verbindungen zwischen den Zellen aus einer Proteinröhre bestehen, die an beiden Enden mit einem Stopfen verschlossen werden kann. Damit fügen die Forscher dem Wissen über Cyanobakterien sowie der Entwicklung von Kommunikationsstrukturen bei Mehrzellern ein weiteres Puzzleteil hinzu. Die Studie wird in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht.</p><p>Cyanobakterien besiedelten die Erde bereits vor 2,5 Milliarden Jahren. Dank ihrer Fähigkeit zur Sauerstoff freisetzenden Fotosynthese ebneten sie höherem Leben den Weg in der Evolution. In den fädigen Cyanobakterien sind die einzelnen Zellen perlschnurartig zu Ketten verbunden. Fotosynthese treibende Zellen ernähren ihre Stickstoff fixierenden Schwesterzellen mit Zucker, in umgekehrter Richtung fließen Stickstoffverbindungen. „Für diesen regen Stofftransport haben Cyanobakterien spezielle Zellverbindungen, sogenannte Septalverbindungen, entwickelt“, erklärt Iris Maldener.</p><h3>In dünne Schichten zerlegt</h3><p>„Mit herkömmlicher Elektronenmikroskopie konnte man die Details dieser Zellverbindungen bisher nicht klären. Dank einer Erweiterung der KryoElektronenmikroskopie ist es uns gelungen, Einblicke in bislang unerreichter Genauigkeit zu erhalten“, sagt Martin Pilhofer. Pilhofers Doktorand Gregor Weiss entwickelte ein Verfahren, um die Cyanobakterien so zu präparieren, dass die Kanäle sichtbar gemacht werden konnten. Dazu „fräste“ Weiss in gefrorenen Cyanobakterien die Verbindungsstelle zwischen zwei Zellen schichtweise ab, bis seine Probe dünn genug war. Die kugeligen Zellen wären ohne Vorbehandlung für eine Anwendung in der Kryo-Elektronenmikroskopie zu dick. Mit dieser Methode zeigten die Forscherinnen und Forscher, dass die Proteinröhren, die die Zellinhalte benachbarter Zellen verbinden, durch Membran und Poren in den jeweiligen Zellwänden verlaufen. Jede Röhre mit einem Innendurchmesser von sieben Nanometern ist an den Enden mit fünfarmigen Proteinelementen überdacht, die ähnlich einer Kamerablende angeordnet sind. Zwischen benachbarten Zellen gibt es Dutzende solcher Verbindungskanäle.</p><p>„Aufgrund der komplexen Struktur der Verbindungskanäle vermuteten wir einen Mechanismus, der die Kanäle öffnet und schließt“, berichtet Forchhammer. Die Doktorandin Ann-Katrin Kieninger untersuchte daher den Stoffaustauch unter Stressbedingungen. Cyanobakterienketten wurden mit einem fluoreszierenden Farbstoff gefärbt und anschließend einzelne Zellen gezielt mit Hilfe eines Lasers gebleicht. Die Forscher maßen den Farbstoffeinstrom aus benachbarten Zellen. So konnten sie zeigen, dass die Kanäle bei Behandlung mit bestimmten Chemikalien oder im Dunkeln tatsächlich dicht machen.</p><h3>Schutz für den gesamten Zellverband</h3><p>Das Forschungsteam entdeckte, dass sich die filigrane Kappenstruktur des Kanals dabei wie eine Irisblende verschließt. Der Stoffaustausch zwischen den Zellen wird unterbrochen. „Ein solcher Schließmechanismus schützt den gesamten Zellverband“, sagt Forchhammer. So könne eine Zelle verhindern, dass sie beispielsweise Schadstoffe an ihre Nachbarzellen weitergebe. „Auch kann bei einem Angriff von Fressfeinden oder bei mechanischer Beschädigung das Auslaufen der Zellinhaltsstoffe des gesamten Zellverbundes verhindert werden.“</p><p>Die hier aus dem Bakterienreich beschriebenen Zell-Zell-Verbindungen seien die ältesten molekularen Strukturen für Vielzelligkeit, berichtet Maldener. Zellverbindungen seien in verschiedenen vielzelligen Lebewesen im Lauf der Evolution mehrmals erfunden wurden und hätten sich parallel entwickelt. „Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, dass ein mehrzelliger Organismus den Warentransport zwischen einzelnen Zellen kontrollieren kann“, sagt Pilhofer.</p><h3>Publikation:</h3><p>Weiss GL, Kieninger A-K, Maldener I, Forchhammer K, Pilhofer M. Structure and function of a bacterial gap junction analog. <em>Cell</em>, 11. Juli 2019. <a href="https://doi.org/10.1016/j.cell.2019.05.055" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cell.2019.05.055</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42037</guid><pubDate>Wed, 10 Jul 2019 16:36:01 +0200</pubDate><title>Heterotaxie: Wenn das Herz nicht am richtigen Fleck sitzt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/heterotaxie-wenn-das-herz-nicht-am-richtigen-fleck-sitzt/</link><description>Forscherteam untersucht die Rolle der Zellkraftwerke bei angeborenen Herzfehlern</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pressemitteilung der Universität Ulm</strong></p><p>Im menschlichen Körper haben alle Organe ihren vorbestimmten Platz. Gerät diese asymmetrische Anordnung während der Embryonalentwicklung durcheinander („Heterotaxie“), drohen schwere Fehlbildungen wie Herzdefekte. Professorin Melanie Philipp, die kürzlich von der Universität Ulm an die Universität Tübingen wechselte, und ihr Ulmer Kollege PD Dr. Martin Burkhalter haben nun gemeinsam mit internationalen Kollegen die genetischen und molekularen Ursachen von Herzdefekten bei solchen Heterotaxiepatienten untersucht. In der Fachzeitschrift <em>The Journal of Clinical Investigation</em> nehmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insbesondere die Zellkraftwerke („Mitochondrien“) in den Blick.</p><p>Dafür, dass das Herz und andere Organe nicht nur sprichwörtlich am rechten Fleck sitzen, sorgen Zilien. Mittlerweile gilt es als wissenschaftlich gesichert, dass diese antennenartigen Gebilde auf der Oberfläche bestimmter Zellen sehr früh in der Entwicklung die spätere asymmetrische Anordnung der menschlichen Organe regulieren. Doch bei einem geringen Anteil der Bevölkerung (1: 15 000) läuft bei der Embryonalentwicklung etwas schief. Im optimalen Fall sind alle Organe spiegelbildlich verortet, wodurch keine gesundheitlichen Probleme entstehen. Allerdings kann die Anordnung der Organe auch komplett durcheinander geraten und Betroffene entwickeln eine sogenannte Heterotaxie: Solche Patienten leiden oft an schweren Herzfehlern, die in vielen Fällen unmittelbar nach der Geburt operiert werden müssen. Nun haben die Forscherinnen und Forscher Hinweise gefunden, dass die „Zellkraftwerke“ Mitochondrien einen entscheidenden Einfluss auf die Bildung von Zilien haben. Somit scheinen sie bei der Entstehung heterotaxieassoziierter Herzfehler eine Rolle zu spielen. Bei Mitochondrien handelt es sich um Organellen, die Zellen unter anderem mit Energie versorgen.</p><p>Konkret konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass Heterotaxiepatienten eine erheblich geringere Anzahl an Mitochondrien in ihren Blutzellen aufweisen. Darüber hinaus haben sie bei den Betroffenen häufiger eine schwere Genmutation nachgewiesen, die zu einer beeinträchtigten Mitochondrienfunktion im Vergleich zu gesunden Probanden führt. Auch im Zebrafischmodell bestätigte sich der Einfluss der Zellkraftwerke bei der Entwicklung von Asymmetrie- und Herzdefekten: „Zebrafischembryonen, in denen Mitochondrien gehemmt oder verstärkt aktiv sind, weisen signifikant häufiger Fehlbildungen des Herzens auf als Kontrollgruppen“, erklärt Melanie Philipp von der Universität Tübingen, die viele Jahre am Ulmer Institut für Biochemie und molekulare Biologie geforscht hat.</p><p>Aber wie wirken Zilien und Mitochondrien bei der Entwicklung von Asymmetriedefekten zusammen? Mittels Elektronenmikroskopie hat die internationale Forschergruppe tatsächlich eine physische Verbindung in Form einer Mikrotubuli-Brücke zwischen den Zellkraftwerken und Zilien nachgewiesen. Darüber hinaus konnten sie in Fibroblasten der Haut von Heterotaxiepatienten und Zebrafischembryonen zeigen, dass die Zilienlänge invers mit der Mitochondrienfunktion korreliert: Zellen, die eine geringere Mitochondrienfunktion haben, weisen demnach längere Zilien auf. Ihre Funktionsfähigkeit ist jedoch im Vergleich zu normal langen Zilien deutlich eingeschränkt.&nbsp;Und auch Zebrafisch-Embryonen, bei denen genetische Veränderungen von Heterotaxiepatienten nachgestellt werden, bilden sowohl Asymmetrie- als auch Ziliendefekte aus. Aus der Summe dieser Ergebnisse ziehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen klaren Schluss: „Während der Embryonalentwicklung und lange bevor sich ein Herz gebildet hat, haben Mitochondrien einen entscheidenden Einfluss auf Zilien und die spätere Herzentwicklung.“</p><p>Diese Erkenntnisse könnten die Diagnostik von heterotaxieassoziierten Herzfehlern vereinfachen und womöglich eines Tages zu neuen Therapien von sogenannten Ziliopathien beitragen – etwa durch die Manipulation von Mitochondrien. Aber nicht nur Patienten mit defekten Zilien dürften von diesen Erkenntnissen profitieren: „Menschen, die erblich bedingt nur schlecht funktionierende Mitochondrien haben, können Erkrankungen entwickeln, die bisher dysfunktionalen Zilien zugeordnet wurden“, so Martin Burkhalter. Das neu gewonnene Wissen erleichtert daher nicht nur das Erkennen von ‚mitochondrialen’ Erkrankungen, sondern gibt diesen Patienten auch eine mögliche Erklärung für einzelne Symptome ihrer Erkrankung.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher von den Universitäten Ulm, Indiana (Indianapolis, USA), Lissabon (Universidade Nova de Lisboa), vom Kompetenznetz&nbsp;Angeborene Herzfehler (gefördert durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung Berlin, DZHK) sowie von den Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Münster sind von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)&nbsp;und durch das Boehringer Ingelheim Ulm University Biocenter (BIU) gefördert worden. Weiterhin unterstützten die „National Institutes of Health“ (NHS) und die University of Indiana das Forschungsprojekt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Martin D. Burkhalter, Arthi Sridhar, Pedro Sampaio, Raquel Jacinto, Martina S. Burczyk, Cornelia Donow, Max Angenendt, Competence Network for Congenital Heart Defects Investigators, Maja Hempel, Paul Walther, Petra Pennekamp, Heymut Omran, Susana S. Lopes, Stephanie M. Ware, and Melanie Philipp. Imbalanced mitochondrial function provokes heterotaxy via aberrant ciliogenesis. The Journal of Clinical Investigation 2019.&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1172/JCI98890" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1172/JCI98890</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-42013</guid><pubDate>Wed, 10 Jul 2019 10:57:13 +0200</pubDate><title>Alfried Krupp-Förderpreis für künftigen Tübinger Experimentalphysiker</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alfried-krupp-foerderpreis-fuer-kuenftigen-tuebinger-experimentalphysiker/</link><description>Eine Million für Forschung zur Quantenphysik ‒ Dr. Christian Groß tritt im September eine Heisenberg-Professur in Tübingen an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Experimentalphysiker Dr. Christian Groß erhält den mit einer Million Euro dotierten Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer 2019. Groß, der im vergangenen Herbst auf eine Professur an der Universität Tübingen berufen wurde, erhält den Preis für seine Leistungen in der experimentellen Untersuchung ultrakalter Quantengase, wie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kürzlich mitteilte. Der Preisträger war von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen für die Auszeichnung vorgeschlagen worden.&nbsp;</p><p>Groß leitet zurzeit eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Quantentoptik (MPQ) in Garching bei München und wird im September in Tübingen eine Heisenberg-Professur für Experimentelle Vielteilchen-Quantenphysik antreten. Der Alfried Krupp-Förderpreis, der jährlich von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergeben wird, soll herausragenden jungen Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern eine unabhängige Forschung ermöglichen. Die Auszeichnung wird im November dieses Jahres in der Villa Hügel in Essen verliehen.&nbsp;</p><p>Dr. Christian Groß (geb. 1980) hat Physik an der Universität Mainz studiert und promovierte 2010 an der Universität Heidelberg im Bereich Quantenmetrologie. Seit 2011 ist er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching beschäftigt. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der experimentellen Untersuchung sogenannter ultrakalter Quantengase, insbesondere mit Blick auf die Vielteilchen-Physik. Eine Herausforderung ist hier das Zusammenspiel vieler Quantenteilchen: Die quantenmechanische Beschreibung einiger weniger Teilchen ist heute sehr gut verstanden, allerdings lässt sich dieses Verständnis nicht immer auf Systeme vieler stark wechselwirkender Teilchen übertragen. So stellt das detaillierte Verständnis sowie die Kontrolle vieler Quantenteilchen eine der großen Fragen der modernen Physik dar.&nbsp;</p><p>Ultrakalte Quantengase bieten hier eine einzigartige Plattform, um solche komplexen Systeme mikroskopisch zu designen und auf dem Level einzelner Atome zu untersuchen. Die heutige Grundlagenforschung in diesem Bereich hat großes Potential als Basis künftiger Technologien, die auf Vielteilchen-Quanteneffekten beruhen.</p><p>In Tübingen wird Groß seine Forschung zu Wechselwirkungen zwischen ultrakalten Atomen fortsetzen. Durch Kontrolle dieser Wechselwirkungen über Reichweiten von mehreren Mikrometern können räumlich getrennte Atome oder Moleküle miteinander in Kontakt gebracht werden. Dies wäre ein vielversprechender Ansatz für die Entwicklung besonders effizienter Informationsverarbeitung in sogenannten Quantencomputern.&nbsp;</p><p>Der Experimentalphysiker erhielt für seine Arbeiten bereits den Dissertationspreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2011). Er konnte Förderung durch einen „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrates einwerben und wurde mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet ‒ beide Formate unterstützen herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei Forschungsvorhaben. An der Universität Tübingen wird er auf eine Heisenberg-Professur der DFG berufen, mit der besonders ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Option für eine Professur auf Lebenszeit erhalten.</p><p>Pressemitteilung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung:&nbsp;<br><a href="https://www.krupp-stiftung.de/presse/christian-gross-erhaelt-alfried-krupp-foerderpreis-fuer-junge-hochschullehrer-2019/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.krupp-stiftung.de/presse/christian-gross-erhaelt-alfried-krupp-foerderpreis-fuer-junge-hochschullehrer-2019/</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41998</guid><pubDate>Wed, 10 Jul 2019 09:41:05 +0200</pubDate><title>Frühester Homo sapiens außerhalb Afrikas in Griechenland gefunden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehester-homo-sapiens-ausserhalb-afrikas-in-griechenland-gefunden/</link><description>Forscher der Universitäten Tübingen und Athen ordnen 210.000 Jahre alten Schädel dem frühen modernen Menschen zu</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der <em>Homo sapiens</em> hat Afrika eher verlassen als bislang angenommen und Europa damit schon 150.000 Jahre früher erreicht als gedacht – darauf weisen Forschungsergebnisse der Universitäten Tübingen und Athen hin. Nach umfassenden Analysen datierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Schädel aus dem Fundort Apidima in Südgriechenland auf ein Alter von rund 210.000 Jahren und ordneten ihn frühen modernen Menschen zu. Damit handle es sich um den ältesten modernen Mensch, der außerhalb Afrikas gefunden wurde, sagte das Team unter Leitung von Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Die Studie wurde im Fachmagazin <em>Nature </em>veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Der menschliche Schädel Apidima 1 wurde bereits in den 1970er Jahren in Südgriechenland zusammen mit einem weiteren Exemplar, Apidima 2, bei Untersuchungen des Museums für Anthropologie der Universität Athen entdeckt. Das Forscherteam untersuchte die Schädel nun mit modernsten Methoden, unter anderem rekonstruierte es virtuell die beschädigten Partien. Es führte Vergleichsanalysen mit verschiedenen menschlichen Fossilien durch und bestimmte anhand einer hochgenauen radiometrischen Datierungsmethode das Alter. „Apidima 2 ist ungefähr 170.000 Jahre alt. Den Schädel konnten wir Neandertalern zuordnen“, sagt Katerina Harvati. „Überraschenderweise ist Apidima 1 noch älter, etwa 210.000 Jahre, weist aber keine Neandertalermerkmale auf.“ Vielmehr habe die Untersuchung eine Mischung aus Merkmalen des modernen Menschen und solchen älterer Arten gezeigt, was auf einen frühen <em>Homo sapiens</em> hindeute.</p><h3>Komplexe Abstammungsgeschichte</h3><p>„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass im Mittelpleistozän im heutigen Süden Griechenlands mindestens zwei Menschengruppen lebten: Erst eine frühe Population des <em>Homo sapiens</em> und später eine Gruppe Neandertaler“, sagt die Wissenschaftlerin. Dies stütze die Hypothese, dass sich die frühen modernen Menschen vielfach und in verschiedenen Wellen außerhalb von Afrika ausbreiteten. Nach der Datierung des Adipima-1-Schädels, könnte diese erste Ansiedelung moderner Menschen nun früher und schon bis nach Europa stattgefunden haben: Der Schädel ist über 150.000 Jahre älter als bislang bekannte <em>Homo sapiens</em> Funde in Europa.&nbsp;</p><p>„Wir gehen davon aus, dass die frühe Population anatomisch moderner Menschen ‒ repräsentiert durch Schädel Apidima 1 ‒ wie im Nahen Osten von Neandertalern abgelöst wurde“, zeichnet Harvati ein mögliches Szenario. Deren Anwesenheit in Südgriechenland ist gut dokumentiert, auch durch den Apidima-2-Schädel. „Die Neandertaler mussten wiederum im Spätpaläolithikum, vor etwa 40.000 Jahren, weichen, als sich neu angekommene anatomisch moderne Menschen in der Region und in ganz Europa niederließen. Auch dies ist unter anderem durch Funde bearbeiteter Steinwerkzeuge dokumentiert.“ Ungefähr zu dieser Zeit starben die Neandertaler aus. „Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung Südosteuropas für die menschliche Evolution“, zieht Harvati Bilanz.&nbsp;</p><p>Die Ausgrabungen in der Apidima-Höhle wurden in den 1970er und -80er Jahren vom Museum für Anthropologie der Medizinischen Schule an der Universität Athen durchgeführt. Wichtige Fundstücke sind heute im Museum zu sehen, das 1886 gegründet wurde und zu den Ältesten seiner Art gehört. Es spielte nicht nur in der Forschung – vor allem bei den Ausgrabungen in Apidima – eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Wissensvermittlung an die Öffentlichkeit.</p><p>Die Wissenschaftler planen nun weitere Untersuchungen der Funde aus Apidima, die nach den neuen Erkenntnissen eine noch wichtigere Rolle für die menschliche Evolution spielte als bereits angenommen. „Das Museum für Anthropologie beherbergt diese wichtigen Funde unserer Apidima-Ausgrabungen. Diese Publikation ist die erste einer Reihe detaillierter Untersuchungen, die wir gemeinsam mit dem Team von Katerina Harvati durchführen wollen“, sagt Museumsdirektorin Professorin Mirsini Kouloukoussa. Vassilis G. Gorgoulis, Leiter der Abteilung Histologie und Embryologie an der Universität Athen fügt hinzu: „Dies ist ein weiteres Beispiel für die Spitzenforschung der Universität Athen. Wir freuen uns sehr, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit unserer Institutionen nun zur internationalen Anerkennung dieser Funde führt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Katerina Harvati, Carolin Röding, Abel M. Bosman, Fotios A. Karakostis, Rainer Grün, Chris Stringer, Panagiotis Karkanas, Nicholas C. Thompson, Vassilis Koutoulidis, Lia A. Moulopoulos, Vassilis G. Gorgoulis &amp; Mirsini Kouloukoussa: Apidima Cave fossils provide earliest evidence of Homo sapiens in Eurasia. Nature, DOI 10.1038/s41586-019-1376-z,&nbsp;<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-019-1376-z" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41586-019-1376-z</a>&nbsp;</p><p>Diese Studie wurde durch den Europäischen Forschungsrat gefördert (ERC Consolidator Grant „Human Evolution at the Crossroads“, eingeworben von Professor Harvati) sowie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG (Forschergruppe “Words, Bones, Genes, Tools Tracking Linguistic, Cultural and Biological Trajectories of the Human Past”).&nbsp;</p><p>Der Europäische Forschungsrat, 2007 von der EU ins Leben gerufen, fördert europäische exzellente und kreative Spitzenprojekte aus allen Mitgliedsstaaten für eine Förderung ausgewählt. Der ERC schreibt vier Förderformate aus: Starting Grant, Consolidator Grant, Advanced Grant and Synergy Grant. Mit seinem Proof of Concept-Format unterstützt der ERC Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, die Lücke zwischen bahnbrechender Grundlagenforschung und einer Vermarktung zu schließen. <a href="https://erc.europa.eu" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://erc.europa.eu</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41884</guid><pubDate>Mon, 08 Jul 2019 15:12:46 +0200</pubDate><title>Archäometrie stärken!</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/archaeometrie-staerken/</link><description>Universität Tübingen und Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie vereinbaren gemeinsame Infrastruktur für Forschung, Lehre und Weiterbildung - Klaus Tschira Stiftung fördert mit 900 000 Euro</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) in Mannheim, eine Einrichtung der Curt-Engelhorn-Stiftung, vertiefen ihre Zusammenarbeit im Bereich Archäometrie. Das CEZA ist ein An-Institut der Universität Tübingen. Es wird nun gemeinsam mit dem Competence Center Archaeometry - Baden-Württemberg (CCA-BW) der Universität eine gemeinsame Infrastruktur aufbauen und Lehrveranstaltungen für Studierende sowie außeruniversitäre Weiterbildungen anbieten. Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert das Projekt mit fast 900.000 Euro für drei Jahre.</p><p>„Mit Hilfe der Archäometrie können Wissenschaftler vergangene Ereignisse oder Gegenstände mit höchster naturwissenschaftlicher Präzision zeitlich einordnen“, sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung. „Wir fördern die Arbeit des CEZA bereits seit 2006 und freuen uns, nun auch Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten auf diesem wichtigen Gebiet unterstützen zu können.“ Das Programm startet zum Wintersemester 2019/20 (<a href="http://www.archaeometrie-kolleg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.archaeometrie-kolleg.de</a>).&nbsp;</p><p>„Archäometrie“ - Archäologie mit naturwissenschaftlichen Methoden und Inhalten ist heute unverzichtbar, sei es für die Bestimmung von Herkunft, Alter oder Echtheit von Grabungsfunden oder zur Aufklärung technischer oder kognitiver Entwicklungen in der Geschichte der Menschheit. Archäologen nutzen beispielsweise Datierungsverfahren wie die Radiokarbonmethode oder die Dendro-Chronologie, vermehrt aber auch chemische, physikalische und biologische Analyseverfahren der Materialcharakterisierung. „Die Attraktivität der Archäometrie für Studierende beruht auf der großen interdisziplinären Bandbreite des Faches, das die Universität Tübingen in Zukunft abzudecken beabsichtigt, und auf dem Potential des CEZA als international agierender und renommierter Forschungseinrichtung“, sagt Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen.</p><p>Eine fundierte Interpretation archäometrischer Analysen und Bestimmungen bedingt ein Verständnis von den Grundlagen und Einschränkungen dieser naturwissenschaftlichen Methoden. Deren Vermittlung ist noch nicht selbstverständlicher Ausbildungsbestandteil in den Kultur- und Altertumswissenschaften. So steigt die Nachfrage nach Praktika und Qualifikationsarbeiten zu archäometrischen Themen sowohl unter Studierenden als auch unter berufstätigen Archäologen und Kulturwissenschaftlern. Diese Lücke soll durch den Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur für Forschung, Lehre und eine fächerübergreifende Weiterbildung in der Archäometrie geschlossen werden, die die Universität Tübingen und das CEZA Mannheim anstreben.</p><p>Mit dem CCA-BW, dem Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie (INA) und dem Studiengang „Naturwissenschaftliche Archäologie“ ist die Universität schon jetzt in der materialwissenschaftlichen Analytik und der Geoarchäologie sowie in biologisch orientierten Bereichen wie der Paläoanthropologie, Archäobotanik oder der Archäozoologie breit aufgestellt</p><p>„Das CEZA ergänzt dieses Portfolio mit wichtigen Kompetenzen, insbesondere in der Archäometallurgie sowie in den unterschiedlichsten Datierungsverfahren, die wir einsetzen, um Erkenntnisse zu Ernährung und Migration unserer Vorfahren sowie zur Untersuchung prähistorischer Textilien zu gewinnen“ wie Roland Schwab, der wissenschaftliche Direktor des CEZA hervorhebt. Die jetzt neu geförderte Infrastruktur wird zusammen mehrtägige Fort- und Ausbildungsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen anbieten. In Intensivkursen und Workshops können alle Interessierten Grundkenntnisse archäometrischer Methoden erlernen. Neben theoretischen Grundlagen gehören konkrete Beispiele und eigene Laborarbeit zur Ausbildung.&nbsp;</p><h3>Die Partner</h3><p>Die Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gemeinnützige GmbH (CEZA) in Mannheim ist eine Tochter der Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen. Als national und international agierendes Forschungsinstitut beantwortet CEZA natur- und kulturhistorische Fragestellungen mit modernster innovativer Technik und Forschung. Neben der Rolle als renommierte Forschungseinrichtung agiert CEZA zugleich als Dienstleister für öffentliche Einrichtungen, Firmen und Privatpersonen. Das Portfolio der naturwissenschaftlichen Untersuchungen umfasst die Bereiche Echtheit, Materialidentifizierung, Herkunft, Technologie, Altersbestimmung sowie Bioarchäologie und Klimaforschung. Durch Beteiligung an EU-Projekten, internationalen Kooperationen und Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften wird die Arbeit des CEZA auch international sichtbar. <a href="http://www.ceza.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ceza.de</a></p><p>Der Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940 – 2015) rief 1995 mit privaten Mitteln die Klaus Tschira Stiftung (KTS) ins Leben. Heute gehört die KTS zu den großen Stiftungen Europas. Sie fördert Naturwissenschaften, Mathematik sowie Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Die Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung spiegelt sich in den drei Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation wider. Besonderen Wert legt sie dabei auf neue Formen der Vermittlung und Einordnung wissenschaftlicher Themen. Die KTS ist bundesweit tätig in Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und eigenen Instituten. Für die Verwirklichung all dieser Ziele engagieren sich seit mehr als 20 Jahren Menschen innerhalb und außerhalb der Klaus Tschira Stiftung.&nbsp;<a href="http://www.klaus-tschira-stiftung.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.klaus-tschira-stiftung.de&nbsp;</a></p><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die 2012 als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 27.600 Studierende aus aller Welt sind aktuell eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von mehr als 330 Studiengängen zur Verfügung. <a href="http://www.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Das Fach Naturwissenschaftliche Archäologie wird als Haupt- und Nebenfach angeboten. 2016 wurde das Competence Center Archaeometry - Baden-Württemberg (CCA-BW) gegründet, das Artefakte mit speziell auf archäologische Bedarfe zugeschnittenen Analyseverfahren und modernsten Messmethoden untersucht. Das CCA-BW wird vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium und der Firma Helmut Fischer Institut für Elektronik und Messtechnik GmbH in Sindelfingen gefördert. <a href="http://www.cca-bw.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.cca-bw.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3>Kontakte für die Medien:</h3><p>Klaus Tschira Stiftung<br> Medien und Kommunikation, Renate Ries<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> 06221-533102; <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgpcvg0tkguBmncwu/vuejktc/uvkhvwpi0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">renate.ries<span style="display:none">spam prevention</span>@klaus-tschira-stiftung.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;<br> CEZA<br> Benjamin Kalberlah<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;0151 65162655; <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgplcokp0mcndgtncjBegbc0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">benjamin.kalberlah<span style="display:none">spam prevention</span>@ceza.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation, Antje Karbe<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> 07071 29-76789; <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41722</guid><pubDate>Thu, 04 Jul 2019 09:44:50 +0200</pubDate><title>30.000 Jahre alter Mord geklärt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/30000-jahre-alter-mord-geklaert/</link><description>Frühester moderner Europäer war Opfer einer Gewalttat</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati hat gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen eine uralte Gewalttat aufgeklärt. Das wissenschaftliche Team untersuchte mit modernsten forensischen Methoden den Schädel eines 33.000 Jahre alten modernen Frühmenschen. Das altsteinzeitliche Fossil stammt aus der rumänischen Cioclovina Höhle und gilt als einer der ältesten Vertreter&nbsp;der modernen Europäer. Der Schädelknochen des Fossils weist mehrere Verletzungen auf, die bisher als post mortem entstandene Strukturen interpretiert wurden. Harvati und ihr Team zeigen in der heute im Fachjournal „PLOS ONE “ veröffentlichten Studie, dass diese Frakturen gewaltvoll zugefügt wurden und vermutlich zum Tod führten.</p><p>Zwei kleine Narben und eine größere Fraktur verlaufen über den 33.000 Jahre alten Frühmenschen-Schädel, der in der rumänischen Cioclovina-Höhle gefunden wurde. „Bislang ist man davon ausgegangen, dass diese Risse nach dem Tod, als Folge von Verwitterungsprozessen, entstanden sind“, erklärt Prof. Dr. Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Wir haben das männliche Fossil nun mit modernen forensischen Methoden untersucht und können eine Entstehung dieser Frakturen nach dem Ableben ausschließen.“</p><p>Vielmehr schlussfolgern Harvati und ihr/e Kollege/in&nbsp;Dr. Elena F. Kranioti von der Universität Kreta und Prof. Dr. Dan Grigorescu von der Universität Bukarest, dass der fossile Vertreter der frühesten modernen Menschen in Europa Opfer einer Gewalttat wurde. „Sowohl unsere forensische Knochentrauma-Analyse als auch experimentelle Modelle zeigen, dass die Frakturen von zwei Vorfällen stumpfer Gewalt herrühren – der zweite eindeutig mit einem keulenartigen Objekt!“ Das Ausmaß der Verletzungen sowie die fehlenden Anzeichen einer Heilung weisen auf einen Schlag mit Todesfolge hin.</p><p>Das Team rund um die Tübinger Wissenschaftlerin kann sogar nähere Auskünfte über den Täter oder die Täterin und den Tathergang geben: Das Muster der Fraktur deutet darauf hin, dass sich Opfer und Angreifer oder Angreiferin&nbsp;frontal gegenüberstanden und der Schlag mit der linken Hand ausgeführt wurde. „Eventuell wurde das Opfer auch in einer knienden Position von einer Art Knüppel getroffen“, erläutert die Forensische Anthropologin Kranioti und ergänzt: „Wir gehen hier von einem persönlichen Konflikt aus, der mit Gewalt und wahrscheinlich sogar mit dem Tod endete.“<br> Das Altpaläolithikum ist für technologische Innovationen, kulturelle Komplexität und gesteigertes symbolisches Verhalten bekannt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Verhalten der frühesten modernen Europäer/innen aber auch gewalttätige Konflikte und sogar Morde beinhaltete“, schließt Harvati.</p><h3>Publikation:</h3><p>Kranioti EF, Grigorescu D, Harvati K (2019) State of the art forensic techniques reveal evidence of interpersonal violence ca. 30,000 years ago. PLOS ONE 14(7): e0216718. <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0216718" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1371/journal.pone.0216718</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Katerina Harvati<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment<br> Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071-29-76516<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvgtkpc0jctxcvkBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">katerina.harvati<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 69 7542-1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41647</guid><pubDate>Wed, 03 Jul 2019 10:18:09 +0200</pubDate><title>Wahrnehmungssteuerung: Wie das „Obere Hügelchen“ im Gehirn hilft, eine Nadel einzufädeln</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wahrnehmungssteuerung-wie-das-obere-huegelchen-im-gehirn-hilft-eine-nadel-einzufaedeln/</link><description>Forscher des Tübinger Hertie-Instituts schreiben dem Areal im Hirnstamm eine größere Funktion zu als bislang angenommen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wir sehen nur rund ein bis zwei Prozent unserer Umwelt wirklich scharf – und zwar den Ausschnitt, der in die Sehgrube (lat.: <em>Fovea Centralis</em>) der Netzhaut fällt. Um knifflige Handlungen auszuführen, wie etwa einen Faden durch ein Nadelöhr zu ziehen, müssen unsere Augen daher viele kleine und sehr präzise Bewegungen ausführen. Nur so können wir den ganzen Vorgang hochaufgelöst sehen – und vermeiden, dass wir uns in den Finger stechen. Doch wie kontrolliert unser Gehirn diese Bewegungen? Dieser Frage sind Neurowissenschaftler um Professor Ziad M.&nbsp;Hafed am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen nachgegangen. Ihren Ergebnissen zufolge spielt dabei das sogenannte Obere Hügelchen (lat.: <em>Superior Colliculum</em>) im Hirnstamm die Hauptrolle. Darüber berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift <em>Current Biology</em>. Die Erkenntnisse helfen, das Sehsystem und seine Störungen besser zu verstehen.</p><p>„Wir wussten vom Oberen Hügelchen, dass diese Region präzise Augenbewegungen kontrollieren kann“, sagt Studienleiter Hafed. „Was unklar war: Trifft dies auch auf Augenbewegungen zu, die von einer hohen Sehschärfe abhängig sind, wie wir sie etwa beim Einfädeln einer Nadel benötigen?“. Um diese Frage zu beantworten, maßen Hafed und sein Team die Aktivität von Nervenzellen im Oberen Hügelchen des Gehirns von Rhesusaffen. Die Tiere mussten dabei auf hochaufgelöste Bildern mit kleinen und präzisen Augenbewegungen reagieren. Anschließend verglichen die Wissenschaftler das Muster der Nervenzellaktivität mit dem anatomischen Aufbau des Oberen Hügelchens.&nbsp;</p><p>„Wir beobachteten, dass rund ein Viertel bis ein Drittel aller Nervenzellen im Oberen Hügelchen für die Verarbeitung von Informationen aus der Sehgrube zuständig ist“, so Hafed. „In anderen Worten: 30 bis 40 Prozent der dortigen Nervenzellen verarbeiten ein bis zwei Prozent des visuellen Bildes.“ Es vergrößert sich also drastisch die Zahl der Nervenzellen, die an der Verarbeitung von hochaufgelösten Bildbereichen beteiligt sind. Hafeds Schlussfolgerung: „Damit eignet sich das Obere Hügelchen perfekt, um auch präzise Augenbewegungen zu lenken.“ Das stelle einen Wendepunkt für die Sehforschung dar: Bislang sei man davon ausgegangen, dass das Obere Hügelchen nur dazu notwendig ist, die Augen aus dem Bereich des schärfsten Sehens wegzubewegen.&nbsp;</p><p>Die Entschlüsselung der Sehverarbeitung in tieferen Hirnstrukturen hilft Hirnforschern auch, bestimmte Sehstörungen besser zu verstehen. So ist beim sogenannten Blindsehen die primäre visuelle Großhirnrinde etwa durch einen Schlaganfall verletzt. Diese Patienten sind erblindet, können jedoch auf manche visuellen Reize unbewusst reagieren und zum Beispiel einen heranfliegenden Ball fangen oder ihm ausweichen. „Parallele Sehbahnen, wie sie etwa über das Obere Hügelchen laufen, verleihen hier die Restfähigkeit“, erklärt Hafed. „Erkenntnisse über diese Wege können in Zukunft genutzt werden, um sie spezifisch zu stimulieren und dadurch spezielle Sehprobleme zu lindern“.</p><p>Die Studie ist in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Klaus-Peter Hoffmann und Privatdozentin Dr. Claudia Distler von Ruhr-Universität Bochum entstanden.</p><p><strong>Pressemitteilung des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung</strong></p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Chen et al. (2019): The Foveal Visual Representation of The Primate Superior Culliculus, <em>Current Biology</em>, 29, 1-11.&nbsp;<a href="http://doi.org/10.1016/j.cub.2019.05.040" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">doi.org/10.1016/j.cub.2019.05.040</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ziad M. Hafed<br> Universität Tübingen<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Abteilung Kognitive Neurologie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-88819<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,bkcf0o0jchgfBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ziad.m.hafed<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong><br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p><strong>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung</strong><br> Kommunikation<br> Dr. Mareike Kardinal<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-88800<br> Telefax&nbsp;+49 7071 29-25004<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41608</guid><pubDate>Tue, 02 Jul 2019 15:01:52 +0200</pubDate><title>Morgan O’Hara lehrt als Invited Artist in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/morgan-ohara-lehrt-als-invited-artist-in-tuebingen/</link><description>Konzeptkünstlerin aus New York ist im Sommer 2019 Gastdozentin an der Universität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Konzeptkünstlerin Morgan O’Hara wird in den kommenden Wochen als „Invited Artist“ an der Universität Tübingen wirken. Die US-Amerikanerin bietet für Studierende aller Fakultäten den Workshop „Life and Meaning“ an. Mit dem Konzept „Invited Artist“ lädt die Universität jährlich international renommierte und innovative Künstlerinnen und Künstler nach Tübingen, um Studierenden Einblick in die zeitgenössische Kunst unterschiedlicher Kulturkreise zu ermöglichen. Die Universität begrüßte O´Hara am Montag mit einem Empfang.</p><p>Morgan O’Hara, geboren in Los Angeles und aufgewachsen in Japan, lebt heute in New York. Als Konzeptkünstlerin hat sie sich dem performativen Zeichnen und sozialer Praxis verschrieben. Bei sogenannten „Live Transmissions“ zeichnet sie mit beiden Händen gleichzeitig und in Echtzeit wie ein Seismograph Bewegungen und Geräusche auf. „Mich interessiert vor allem die menschliche Wahrnehmung von Zeit und Raum“, sagt die Künstlerin.&nbsp;</p><p>Mit ihrer ersten Ausstellung trat Morgan O‘Hara 1978 in der Schweiz auf. Heute sind ihre Werke in öffentlichen Sammlungen wie der National Gallery of Art in Washington, dem British Museum oder dem Metropolitan Museum of Art in New York vertreten. Wandzeichnungen befinden sich in Macau (China), Kobe (Japan) und Amsterdam. Für ihre künstlerischen Leistungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lee Krasner Award für ihr Lebenswerk, benannt nach der US-amerikanischen Malerin Lee Krasner. O‘Hara lehrt zudem Zeichnen und die „Psychologie der Kreativität“ an Kunsthochschulen in den USA, Europa und Asien. <a href="https://www.morganohara.com/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.morganohara.com/</a></p><p>Morgan O’Hara ist die zweite Künstlerin, die als Invited Artist nach Tübingen kommt. Im Sommer 2018 führte der Fotokünstler Mohammad Ghazali aus Teheran zwei Workshops mit Tübinger Studierenden durch und konzipierte eine <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/archiv/ich-kann-nicht-nichtschoen-sein.html." target="_blank" class="external-link" title="Link zur Ausstellung Ich kann nicht nichtschön sein" rel="noreferrer">Ausstellung für das Museum der Universität</a> mit. In diesem Rahmen erschien auch der erste Band einer neuen Publikationsreihe der Universität, „Invited Artist“. Welche Spuren das Engagement von Morgan O’Hara in Tübingen hinterlässt, wird der Sommer zeigen.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Ernst Seidl&nbsp;<br> Museum der Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74134<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41586</guid><pubDate>Mon, 01 Jul 2019 15:14:31 +0200</pubDate><title>Universität korrigiert Bericht zu Porträt von Professorin Evamarie Sander</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-korrigiert-bericht-zu-portraet-von-professorin-evamarie-sander/</link><description>Fehler in 14 Jahre alter Mitteilung entdeckt – Falsche Angabe auch in der deutschen Wikipedia-Ausgabe  
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat eine knapp 14 Jahre alte Mitteilung zu einem Gemälde der emeritierten Professorin Evamarie Sander PhD korrigiert. Wie der Leiter der Hochschulkommunikation, Dr. Karl G. Rijkhoek, am Montag mitteilte, hatten die „Tübinger Universitätsnachrichten“ am 15. August 2005 über einen Neuzugang in der Tübinger Professorengalerie berichtet, einer Porträtsammlung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern. Im Sommer 2005 war die Sammlung, die bis in die frühe Neuzeit zurückreicht, um das Porträt der emeritierten Professorin für Phythopathologie und Phythovirologie erweitert worden. Das Gemälde von Susanne Höfler hängt seitdem im Kleinen Senat der Universität. &nbsp;&nbsp;</p><p>Auf dem Gemälde hält Professorin Sander in der rechten Hand ein Tabakblatt, während sich die linke Hand auf ein Modell des Tabakmosaikvirus stützt. Unter dem Modell sind drei Bücher zu sehen. Die „Tübinger Universitätsnachrichten“ hatten seinerzeit berichtet, bei den Büchern handele es sich um Werke von Aristoteles, Plinius dem Älteren und dem Mikrobiologen Henning Brandis. Tatsächlich ist aber auf dem obersten der drei Bücher nicht Brandis, sondern der britische Pflanzenpathologe Sir Frederick Charles Bawden als Autor vermerkt. Frau Professorin Sander machte die Hochschulkommunikation vor kurzem auf den Fehler aufmerksam.</p><p>„Über die Tübinger Universitätsnachrichten und den Internetauftritt der Universität hat der Fehler offenbar schon vor einigen Jahren Eingang in die deutsche Version der Wikipedia gefunden“, sagte Rijkhoek. „Selbstverständlich haben wir sofort versucht, die falsche Angabe zu korrigieren. Unglücklicherweise befindet sich die fragliche Mitteilung aber schon lange nicht mehr auf der Homepage der Universität.“ Sie sei aber immer noch im so genannten Internet Archive, einem US-amerikanischen Repositorium für Webseiten online verfügbar. Auf dieses Archiv habe die Universität keinen Einfluss. Eine direkte Korrektur der Mitteilung von 2005 sei also nicht mehr möglich. Um den Fehler aus der Welt zu schaffen, blieb der Universität nur die Option, eine neue Mitteilung zu veröffentlichen. „Wir werden nun die Wikipedia-Community auf den Fehler im Artikel zu Frau Professorin Sander hinweisen und sind zuversichtlich, dass der Eintrag in diesem wichtigen Online-Lexikon bald korrigiert sein wird“, sagte Rijkhoek abschließend.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leiter Stabsstelle Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76788<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" title="Alle News der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41552</guid><pubDate>Mon, 01 Jul 2019 10:55:25 +0200</pubDate><title>Sommeruniversität 2019 gibt Einblicke in Spitzenforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sommeruniversitaet-2019-gibt-einblicke-in-spitzenforschung/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Stadt Tübingen: Zehn Vorträge thematisieren unter anderem maschinelles Lernen, den Klimawandel und die Kinderstube der Sterne</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität öffnet zur Tübinger Sommeruniversität wieder ihre Tore für alle, die Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte bekommen möchten. In den ersten beiden Augustwochen berichten zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über neue Erkenntnisse, unter anderem aus den Bereichen Gesundheit, Geschichte, Biologie und Informatik.</p><p><strong>Vom 29. Juli bis zum 9. August 2019 wird an jedem Werktag ein Vortrag angeboten. Er beginnt jeweils um 10.15 Uhr im Hörsaal des Theologicums (Dauer 45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72074 Tübingen)</strong>. Anschließend kann das Publikum mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsfragen diskutieren und eigene Fragen stellen. Die Vorträge sind in einer allgemein verständlichen Sprache gehalten. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p>Professor Lars Zender, Sprecher des Exzellenzclusters iFIT, eröffnet die Vortragsreihe mit einer Vorlesung über interdisziplinäre Krebsforschung, deren Herausforderungen und Chancen. iFIT ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus den Bereichen molekulare Tumortherapien, Immuntherapien und Bildgebungstechnologie. Weitere Themen sind Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen, die Grundprinzipien des maschinellen Lernens, das Nichtlesen im Bildungskontext, die Kriminalitätsentwicklung in Deutschland, „Motivation und Faulheit“ in der Schule, der Klimawandel im Zuge der Menschheitsentwicklung, Jane Austens Romane und ihre Fan Fiction, nordkoreanische Propagandaliteratur und die Kinderstube der Sterne.</p><p>Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet. Sie ist Teil des Tübinger Kultursommers: Sommernachtskino, die Stadtführungsreihe „Kennen Sie Tübingen?“, Sommertheater und der umbrisch-provenzalische Markt laden ein, den Sommer in Tübingen zu genießen, Neues zu entdecken und Bekanntes mit anderen Augen zu sehen.</p><p>Ein Programmheft liegt ab sofort an vielen öffentlichen Stellen aus und ist im Internet zu finden unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" class="external-link" title="Programm der Sommeruniversität" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Alisa Koch<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76724<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Cnkuc0MqejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">Alisa.Koch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41537</guid><pubDate>Mon, 01 Jul 2019 09:59:07 +0200</pubDate><title>Frauen in Chefetagen tun dem Unternehmen gut</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/frauen-in-chefetagen-tun-dem-unternehmen-gut/</link><description>Studie der Universität Tübingen untersucht betriebswirtschaftliche Effekte von mehr Frauen in Führungspositionen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Unternehmen mit einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte gelingt es besser, ihre Risiken zu senken und nachhaltigen Erfolg sicherzustellen: Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftswissenschaftler Jan Riepe und Philip Yang von der Universität Tübingen in einer neuen Studie. Dies wird insbesondere deutlich, wenn die Wirkung von mehr weiblichen Führungskräften auf den Wert des gesamten Unternehmens untersucht wird, und nicht nur der Effekt auf den Wert des Eigenkapitals, oft als „Börsenwert“ bezeichnet. Um dies zu zeigen analysierten Riepe und Yang anhand von Marktpreisen börsennotierter Unternehmensanleihen die Wechselwirkung zwischen dem Anteil weiblicher Führungskräfte in Kontrollgremien, dem Unternehmensrisiko und dem Wert der Unternehmensverschuldung. Dabei konnten sie zeigen, dass Unternehmensanleihen an Wert gewinnen, wenn der Anteil von Frauen in diesen Gremien steigt. Mit diesen Erkenntnissen vollzogen sie zudem zwei ältere Studien zum Thema nach und kamen zu einem neuen, positiven Ergebnis, was die Frauenquote betrifft. Die Studie ist im Social Science Research Network abrufbar.</p><h3>Sind Frauen in Führungspositionen „gut fürs Geschäft“?</h3><p>Norwegen hat bereits 2006 eine verbindliche Geschlechterquote für mehr Frauen in Leitungsgremien eingeführt. 2018 erließ Kalifornien als erster US-Bundesstaat eine ähnliche Regelung. Der Effekt ist umstritten. Befürworter von Geschlechterquoten-Gesetzen nutzen häufig das „Business Case“ Argument: Geschlechtervielfalt sei gut für die gesamte Wirtschaft wie auch Unternehmen. Auch Bundesfamilienministerin Giffey warb dafür, dass Frauen in Führungsspitzen „gut fürs Geschäft“ seien. Studien scheinen diese Behauptung auf den ersten Blick jedoch nicht zu stützen. Einige dieser Studien stellten fest, dass sich Gremien mit Geschlechterquoten negativ auf die Gewinne von Unternehmen auswirken. In ihrer früheren Studie „Women Directors, Firm Performance and Firm Risk: A causal perspective“ hatten auch Riepe und Yang gemeinsam mit Koautorinnen zumindest kurzfristig einen negativen Effekt auf den Unternehmensgewinn und den Eigenkapitalwert an den Börsen gefunden. Gleichzeitig zeigten die Forscher aber schon damals, dass mit steigendem Frauenanteil im Aufsichtsrat das Unternehmensrisiko sinkt. Dies stärkt die Position der Fremdkapitalgeber, die sich häufig mehr für ein niedrigeres Risiko als für kurzfristig höhere Gewinne interessieren. Die neue Studie von Riepe und Yang konzentriert sich nun auf die Wechselwirkung zwischen Unternehmensrisiko und der Bewertung der Unternehmensverschuldung, zwei wichtige Bestandteile der Unternehmensperformance. Anhand von Daten US-amerikanischer Unternehmen wiesen die Wissenschaftler einen positiven Zusammenhang zwischen mehr Frauen in Führungsgremien und dem Wert von Unternehmensanleihen nach. Die positiven Auswirkungen auf den Wert der Unternehmensverschuldung hatten sich in ihrer früheren Studie bereits abgezeichnet.&nbsp;</p><h3>Negative Effekte auf Messverzerrungen zurückzuführen</h3><p>Im zweiten Schritt werteten die Forscher die empirische Literatur aus. Sie stellten fest, dass Studien, die einen Zusammenhang zwischen Frauen in Leitungsgremien und negativer Unternehmensperformance aufzeigten, alle die positiven Auswirkungen von mehr Frauen auf den Wert der Unternehmensverschuldung vernachlässigten. Die negativen Marktwertveränderungen für die Aktionäre aus niedrigerem Risiko werden dort selektiv herausgegriffen, die positiven Auswirkungen auf den Wert der Unternehmensverschuldung werden ignoriert, indem lediglich die Buchwerte des Fremdkapitals betrachtet werden. Diese Vernachlässigung der Wertveränderung der Unternehmensschulden verzerrt die Ergebnisse wesentlich: die so genannte „Book Value Bias of Debt“. Die Buchwert-Verzerrung kann leicht zu falschen statistischen Schlussfolgerungen führen. Mit diesen Erkenntnissen berechneten die Forscher zwei große Studien neu. Nach Bereinigung der Ergebnisse konnten sie keinen signifikanten Zusammenhang mehr zwischen Frauen in Leitungsgremien und einer negativen Unternehmensperformance feststellen.</p><p>„Der messbare negative Effekt auf den Börsenwert des Unternehmens ist sehr schwach. Im Hinblick auf die Erkenntnis, dass mit dem Anstieg des Frauenanteils im Aufsichtsrat das Unternehmensrisiko sinkt, kann eher von einem positiven als von einem negativen Effekt auf die Unternehmensperformance ausgegangen werden“, sagt Riepe. „Insgesamt führen wir einen großen Teil des in Studien festgestellten Zusammenhangs zwischen Frauen in Leitungsgremien und negativem Börsenwert auf diese Messverzerrungen zurück. Der Effekt auf eine Senkung des Risikos, der den nachhaltigen Unternehmenserfolg beeinflusst, bleibt jedoch bestehen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Empirical Studies on Gender Diverse Boards: Be Aware of the Value Bias in Corporate Debt, Jan Riepe und Philip Yang, <a href="https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3329966" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3329966</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Jan Riepe<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29- 78207&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,l0tkgrgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">j.riepe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" title="Alle News der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41381</guid><pubDate>Thu, 27 Jun 2019 10:00:00 +0200</pubDate><title>Archäologen entdecken einen Palast aus der Zeit des Mittani-Reichs in der Provinz Duhok der Region Kurdistan-Irak</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/archaeologen-entdecken-einen-palast-aus-der-zeit-des-mittani-reichs-in-der-provinz-duhok-der-region-kurdistan-irak/</link><description>Deutsch-kurdisches Wissenschaftlerteam macht eine überraschende Entdeckung, als Ruinen aus den Fluten des Tigris auftauchen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche und kurdische Archäologen und Archäologinnen haben am Ostufer des Tigris in der Region Kurdistan-Irak einen Palast aus der Bronzezeit entdeckt. Wie das internationale Forscherteam berichtete, lässt sich die Anlage am Fundort Kemune in die Zeit des Mittani-Reiches datieren, das vom 15. bis 14. Jahrhundert vor Christus weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens beherrschte. Das Reich von Mittani ist einer der am wenigsten erforschten Staaten des Alten Orients. Die Wissenschaftler hoffen nun, durch die Auswertung von im Palast entdeckten Keilschrifttafeln neue Informationen über Politik, Wirtschaft und Geschichte dieses Reiches zu erhalten.</p><p>Im zurückliegenden Herbst brachte der sinkende Wasserspiegel des Mosul-Stausees im Nordirak unerwartet Überreste einer antiken Stadtanlage zum Vorschein. An den vom Wasser freigespülten, offenliegenden Ruinen wurde spontan eine archäologische Rettungsgrabung unternommen. Diese wurde im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts der Universität Tübingen mit der Kurdistan Archaeology Organization (KAO) in Zusammenarbeit mit der Antikendirektion Duhok gemeinsam von Dr. Hasan Ahmed Qasim (Duhok) und Dr. Ivana Puljiz (Tübingen) geleitet. Der kurdische Archäologe Hasan Ahmed Qasim erläutert: „Der Fund ist eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte in der Region und veranschaulicht den Erfolg der kurdisch-deutschen wissenschaftlichen Zusammenarbeit“. Das Projekt wurde größtenteils durch die KAO und deren Sponsor, dem kurdischen Geschäftsmann Hersh Isa Swar, finanziert.&nbsp;</p><p>Wie Ivana Puljiz vom Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) berichtete, handelt es sich um ein planmäßig angelegtes Gebäude mit massiven, bis zu zwei Meter dicken Innenmauern aus Lehmziegeln. Einige Wände seien über 2 Meter hoch und die Innenräume teilweise verputzt. „Wir haben zudem Reste von Wandmalereien in leuchtenden Rot- und Blautönen gefunden“, sagte Puljiz: „Wandmalereien dürften im 2. Jahrtausend vor Christus im Alten Orient ein typisches Ausstattungsmerkmal von Palästen gewesen sein, sie haben sich aber nur sehr selten erhalten. Deshalb stellt die Entdeckung von Wandmalereien in Kemune eine archäologische Sensation dar.“&nbsp;</p><p>Wie Puljiz berichtete, sind die Überreste des Palastes mindestens sieben Meter hoch erhalten. Klar erkennbar seien zwei Nutzungsphasen, die anzeigen, dass das Gebäude über einen sehr langen Zeitraum benutzt wurde. Im Inneren des Palastes konnte das Team mehrere Räume identifizieren, von denen acht teilweise ausgegraben wurden. In einzelnen Bereichen wurden große, gebrannte Ziegel gefunden, die als Bodenplatten verwendet wurden. In den Palasträumen wurden zehn mittanische Keilschrifttafeln aus Ton entdeckt, die momentan von der Philologin Dr. Betina Faist (Universität Heidelberg) übersetzt und ausgewertet werden. Der Inhalt einer Schrifttafel deutet darauf hin, dass der Ort Kemune höchstwahrscheinlich die alte Stadt Zachiku war, die bereits in einer altorientalischen Quelle der Mittleren Bronzezeit (ca. 1800 v. Chr.) genannt ist. Dies würde bedeuten, dass die Stadt mindestens 400 Jahre bestanden hat. Zukünftige Textfunde werden zeigen, ob diese Identifikation zutreffend ist.&nbsp;</p><p>Der Palast stand während des Altertums auf einer Anhöhe am Rand des Flusstales, die vor der Flu-tung des Stausees nur 20 Meter vom Ostufer des Tigris entfernt gelegen war. Um das abschüssige Gelände zum Fluss hin abzustützen, wurde in der Mittanischen Zeit eine monumentale, aus Lehmziegeln erbaute Terrassenmauer vor der Westfront des Palastes angelegt. Der Palast thronte also über dem Tigristal.</p><p>Geländebegehungen, die durch den Tübinger Survey des SFB 1070 unter der Leitung von Dr. Paola Sconzo (Tübingen) im Umfeld des Palastes durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass sich eine größere Stadt in nördlicher Richtung an den Palast anschloss. Hasan Ahmed Qasim erläutert: „Wir hatten den Fundort Kemune bereits 2010 bei einem Niedrigwasserstand des Sees entdeckt. Bereits damals haben wir eine mittanische Kleischrifttafel gefunden und Überreste von Wandmalereien in rot und blau gesehen. Aber erst jetzt können wir hier ausgraben“. Eine Ausgrabung war bislang nicht möglich, da das Gelände seit Mitte der 1980er Jahre von den Wassern des Mosul-Stausees überflutet war. Aufgrund ausbleibender Niederschläge und Wasserknappheit im südlichen Irak war der Pegelstand des Sees im Sommer und Herbst des letzten Jahres so stark gesunken, dass erstmals mit einer Ausgrabung begonnen werden konnte.&nbsp;</p><p>„Das Mittani-Reich ist eines der am wenigsten erforschten altorientalischen Reiche“, erläutert Puljiz: „Informationen über Paläste der Mittani-Zeit liegen bisher nur aus Tell Brak in Syrien sowie aus den an der Peripherie des Reiches gelegenen Städten Nuzi und Alalach vor.“ Auch sei es bislang nicht gelungen, die Hauptstadt des Mittani-Reiches zweifelsfrei zu lokalisieren. Die Entdeckung eines mittanischen Palastes in Kemune ist deshalb von unschätzbarer wissenschaftlicher Bedeutung.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41372</guid><pubDate>Thu, 27 Jun 2019 07:48:31 +0200</pubDate><title>CIVIS-Allianz ist Pilotprojekt für den europäischen Bildungsraum</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/civis-allianz-ist-pilotprojekt-fuer-den-europaeischen-bildungsraum/</link><description>Universität Tübingen beteiligt: Verbund aus acht Hochschulen wird mit fünf Millionen durch EU gefördert ‒ Zivilgesellschaft stärken und gemeinsame Studienprogamme starten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die CIVIS-Allianz, in der sich die Universität Tübingen mit sieben weiteren europäischen Universitäten zusammengeschlossen hat, ist von der Europäischen Kommission als Pilotprojekt ausgewählt worden. Wie die EU-Kommission am Mittwoch bekannt gab, wird der Verbund im Netzwerk „Europäische Hochschulen“ mit fünf Millionen Euro über drei Jahre gefördert. Damit wollen die Partner-Universitäten gemeinsame Studienprogramme entwickeln, um die Mobilität ihrer Studierenden zu verbessern, und die Kooperationen mit Afrika und dem Nahen Osten ausbauen. Zugleich wollen die beteiligten Hochschulen verstärkt soziale Verantwortung in ihrer jeweiligen Heimatregion übernehmen, um globalen Herausforderungen auch mit lokalem Engagement zu begegnen.</p><p>Die Initiative war von der Kommission ausgeschrieben worden, um den europäischen Bildungsraum auszubauen. Insgesamt 54 Allianzen (bestehend aus mehr als 300 Hochschuleinrichtungen) aus 28 Mitgliedstaaten hatten sich beworben. Für die Förderung wählte die Kommission 17 Hochschulverbünde aus, an denen insgesamt 24 EU-Länder beteiligt sind.</p><p>Mitglieder von „CIVIS ‒ a European Civic University“ sind neben Tübingen die Universitäten Aix-Marseille, die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen, die Universität Bukarest, die Freie Universität Brüssel, die Autonome Universität Madrid, die Sapienza Universität Rom und die Universität Stockholm. Das CIVIS-Leitbild entspreche dem Selbstverständnis und den Zielen der Universität Tübingen, sagte die Prorektorin für Internationales, Professorin Monique Scheer: „Wir wollen uns in die Gesellschaft einbringen, relevante Forschung leisten und verantwortlich handeln.“ Thematisch will der Verbund sich auf folgende Bereiche konzentrieren: Gesundheit, Städte, Räume und Verkehr, Klima, Umwelt und Energie, digitaler und technischer Wandel, Gesellschaft, sowie Kulturen und kulturelles Erbe.&nbsp;</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Monique Scheer&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Prorektorin für Internationales<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72373<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,oqpkswg0uejggtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">monique.scheer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank" title="Überblick über die aktuellen Pressemitteilungen der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41321</guid><pubDate>Wed, 26 Jun 2019 12:10:25 +0200</pubDate><title>An der Spitze der Nahrungspyramide</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/an-der-spitze-der-nahrungspyramide/</link><description>Zahnschmelz-Analysen geben Aufschluss über Ernährung und Lebensraum des Trex-Verwandten Tarbosaurus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler Hervé Bocherens hat mit Kollegen und Kolleginnen des Institute of Palaeobiology an der Polish Academy of Science die fossilen Zähne des fleischfressenden Dinosauriers <em>Tarbosaurus bataar</em> untersucht. Anhand von stabilen Isotopen können die Forschenden Rückschlüsse auf den Lebensraum und die Freßgewohnheiten des vor etwa 70 Millionen Jahren lebenden <em>Trex</em>-Verwandten schließen. Bei der Wahl ihrer Beutetiere waren die Fleischfresser laut der kürzlich im Fachjournal „Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology“ erschienenen Studie nicht wählerisch.</p><p>Die Wüste Gobi in der südlichen Mongolei ist ein bekannter Fundort für Dinosaurier-Fossilien. „Zu diesen kreidezeitlichen Fossilien gehört auch <em>Tarbosaurus bataar</em>, ein Vertreter der Tyrannosauriden und Verwandter des berühmten <em>Tyrannosaurus rex</em>“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.&nbsp;Die fossilen Zähne dieses – zwischen zehn und zwölf Meter langen – Dinosauriers hat das Wissenschaftlerteam rund um Bocherens untersucht, um anhand von Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen im Zahnschmelz Rückschlüsse auf die Freßgewohnheiten und die damaligen Umweltverhältnisse schließen zu können.</p><p>„Es ist schon erstaunlich welche Informationen dieser etwa 70 Millionen Jahre alte Zahnschmelz bereit hält“, freut sich Bocherens und fährt fort: „Unsere Auswertungen zeigen, dass der Lebensraum der fleischfressenden Reptilien etwa 10 Grad Celsius wärmer, als heutzutage war und die Niederschlagsmengen stark saisonal schwankten. Wir gehen davon aus, dass die Saurier in geschlossenen Wäldern lebten – in einem monsungeprägten Klima mit kalten, trockenen Wintern und heißen, niederschlagsreichen Sommern.“</p><p>Und auch die Ernährung der Tarbosaurier konnten die Forschenden anhand der Zähne von fünf&nbsp;unterschiedlich alten Individuen rekonstruieren. Bei der Wahl ihrer Beutetiere waren die Fleischfresser demnach nicht wählerisch: Sowohl die als „Entenschnabelsaurier“ bekannten Hadrosauridae, als auch verschiedenen Arten der pflanzenfressenden Sauropoden standen auf ihrem Speiseplan. „Unsere Isotopie bestätigt damit die Fossilfunde und zeigt, dass Tarbosaurus an der Spitze der Nahrungspyramide stand“, fasst Bocherens zusammen.</p><p><strong>Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</strong></p><h3>Publikation</h3><p>Krzysztof Owocki, Barbara Kremer, Martin Cotte, Hervé Bocherens,&nbsp;Diet preferences and climate inferred from oxygen and carbon isotopes of tooth enamel of Tarbosaurus bataar (Nemegt Formation, Upper Cretaceous, Mongolia), Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology,&nbsp;2019, <a href="https://doi.org/10.1016/j.palaeo.2019.05.012" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.palaeo.2019.05.012</a></p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Tel. 07071- 29-76988<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong><br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p><strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</strong><br> Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41312</guid><pubDate>Wed, 26 Jun 2019 09:28:45 +0200</pubDate><title>Neue Lehrkraft, neue Chance?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-lehrkraft-neue-chance/</link><description>Ein Lehrerwechsel birgt Chancen und Risiken ‒ aber nicht in jedem Fach, wie eine Studie der Universität Tübingen zeigt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Fleiß und Interesse der Schülerinnen und Schüler sind davon abhängig, welche Lehrkraft sie unterrichtet, so die gängige Meinung. Wechselt diese, können sich innerhalb einer Klasse auch der Fleiß Einzelner und ihr Interesse am Unterricht verändern. Im Extremfall werden aus Musterschülern plötzlich Arbeitsverweigerer und umgekehrt. Aber ist das wirklich so? Bislang fehlte es an aussagekräftigen Studien, die überprüft haben, wie stark sich innerhalb von Klassen nach einem Wechsel der Lehrkräfte die „Rangliste“ der Persönlichkeitsmerkmale in Punkto Fleiß, Interesse oder Selbstkonzept verändert. Genau das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Illinois und Maryland untersucht und herausgefunden, dass sich bei einem Wechsel der Lehrkraft die Anstrengungsbereitschaft in den Fächern Deutsch und Englisch am meisten veränderte. Im Fach Mathematik hingegen änderte sich nichts. Ein Lehrerwechsel scheint also in der Tat Chancen und Risiken für die Schülerinnen und Schüler darzustellen, wenn auch die Effekte weniger stark sein dürften, als deren Berichte und Erinnerungen nahe legen. Die Ergebnisse sind im Journal of Personality erschienen.</p><p>Anhand von Daten zu rund 5.600 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse aus der PISA-Studie und rund 2.500 Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klassen der Langzeitstudie TRAIN untersuchte das Team, wie sich ein neuer Lehrer oder eine neue Lehrerin auf Anstrengungsbereitschaft, Interesse und weitere Merkmale der Schülerinnen und Schüler auswirkte. Dabei verglichen sie die Selbsteinschätzungen derjenigen, die eine neue Lehrkraft erhielten und derjenigen, die ihre Lehrkräfte beibehielten. Die Anstrengungsbereitschaft in Deutsch oder Englisch in Klassen mit Lehrkraftwechsel veränderte sich erwartungsgemäß mehr &nbsp;als in Klassen, die ihre Lehrkraft behielten. „Ob die Chemie zwischen Lehrer und Schüler stimmt, scheint also tatsächlich einen spürbaren Effekt zu haben“, kommentiert Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, den Befund. Für das Interesse in Deutsch und Englisch zeigten die Ergebnisse in dieselbe Richtung, erwiesen sich aber nicht als statistisch signifikant. Merkmale, die sich auf das Fach Mathematik bezogen, veränderten sich hingegen grundsätzlich nicht.&nbsp;</p><p>Die Ergebnisse sind aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht von großem Interesse und werfen weitere Fragen auf, denen die Studienautoren nachgehen wollen: Wie kommt es, dass bestimmte Lehrkräfte offenbar besser passen für manche Schülerinnen und Schüler? Welche Mechanismen werden bei einem Lehrkraftwechsel in Gang gesetzt? Und: Lässt es sich vermeiden, dass die Anstrengungsbereitschaft bestimmter Schüler nach einem Wechsel nachlässt, beispielsweise durch eine bessere Absprache der Lehrkräfte untereinander?</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Rieger, S., Göllner, R., Spengler, M., Trautwein, U., Nagengast, B., Harring, J.R, &amp; Roberts, B. (2018). The effects of getting a new teacher on the consistency of personality. Journal of Personality. doi:10.1111/jopy.12410</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29 73931&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0vtcwvygkpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ulrich.trautwein<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank" title="Überblick über die aktuellen Pressemitteilungen der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41198</guid><pubDate>Mon, 24 Jun 2019 09:51:08 +0200</pubDate><title>Strategie gegen Resistenzen: Das Antibiotikum Lugdunin greift auf mehreren Ebenen an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/strategie-gegen-resistenzen-das-antibiotikum-lugdunin-greift-auf-mehreren-ebenen-an/</link><description>Team der Universität Tübingen klärt, warum antimikrobielle Wirkstoffe aus der Natur den chemisch produzierten überlegen sind</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das natürliche Antibiotikum Lugdunin, das vor drei Jahren von Tübinger Forschern entdeckt wurde, greift krankheitserregende Bakterien gleichzeitig auf mehreren unterschiedlichen Wegen an. Dabei wirkt es auch mit Abwehrmechanismen des menschlichen Körpers zusammen. Diese neuen Erkenntnisse gewann ein Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Birgit Schittek von der Universitäts-Hautklinik Tübingen und Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen sowie dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Die aktuelle Studie wird von der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht. Die Forscher vermuten, dass Lugdunin wegen seiner vielseitigen Angriffsfähigkeit über einen langen Zeitraum bis heute wirksam blieb und sich keine Resistenzen gegen das Antibiotikum bilden konnten.</p><p>Die Entwicklung von Antibiotika zählt zu den großen Erfolgsgeschichten der Medizin, sie retten jährlich Millionen von Menschen das Leben und haben entscheidend zur enormen Erhöhung der Lebenserwartung beigetragen. Viele Experten befürchten jedoch, dass wir schon bald in eine Ära ohne Antibiotika eintreten könnten, weil immer mehr der verfügbaren Medikamente ihre Wirkung aufgrund von Resistenzen verlieren. Antibiotika sind jedoch keine Erfindung der pharmazeutischen Industrie. „Vielmehr bilden zahlreiche Bakterien solche Wirkstoffe natürlicherweise, vermutlich bereits über lange evolutionäre Zeiträume hinweg, ohne dass sie ihre Effektivität verlieren“, sagt Birgit Schittek. Das Antibiotikum Lugdunin produziert&nbsp;gutartige Bakterien auf der menschlichen Nasenschleimhaut, um den Infektionserreger <em>Staphylococcus aureus</em> fernzuhalten. „Warum Lugdunin bis heute hochwirksam ist, war bislang völlig rätselhaft“, sagt die Forscherin.</p><h3>Unerwartete Eigenschaften</h3><p>Erst kürzlich hatten Chemikerinnen der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift <em>Angewandte Chemie</em> berichtet, dass Lugdunin den Energiehaushalt von krankheitserregenden Bakterien stören und sie dadurch töten kann. In der aktuellen Arbeit entdeckten die Wissenschaftler, dass Lugdunin nicht nur direkt antimikrobiell auf <em>S. aureus</em> wirkt, sondern noch zwei weitere, völlig unerwartete Eigenschaften aufweist: „Zum einen wirkt es im Verein mit antimikrobiellen Peptiden, die unsere menschlichen Zellen bilden“, sagt Andreas Peschel. Das erhöhe die Wirksamkeit und erschwere die Resistenzbildung. „Zum anderen bindet es an ein menschliches Rezeptorprotein namens TLR2“, sagt er. „Dadurch werden die Immunzellen stimuliert und die Immunantwort so aktiviert, dass <em>S. aureus</em> keine Chance hat, sich anzusiedeln und Infektionen zu verursachen.“ Die weitgehend voneinander unabhängigen Angriffsebenen machten deutlich, warum ein natürliches Antibiotikum wie Lugdunin einem chemisch hergestellten Stoff, der nur ein einzelnes Angriffsziel in der Bakterienzelle hat, in Sachen Resistenzvermeidung überlegen ist, fassen Schittek und Peschel ihre Erkenntnisse zusammen.</p><p>Sie können den Forschern helfen, neue therapeutische Wirkstoffe zu entwickeln, die ähnlich effektiv funktionieren und kaum Resistenzen hervorrufen. Die Erkenntnisse wurden auch über Kooperationen im Sonderforschungsbereich Transregio „Die Haut als Sensor und Initiator von lokaler und systemischer Immunität“ (SFB/TRR 156) erzielt. Im Rahmen des seit Anfang 2019 laufenden Tübinger Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ werden sie aufgegriffen, um die natürlichen Abwehrmechanismen des Mikrobioms, das ist die Gesamtheit der den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, genauer aufzuklären. Beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) wird das von der Universität patentierte Lugdunin weiterentwickelt, damit es künftig therapeutisch eingesetzt werden kann.</p><h3>Publikation:</h3><p>Katharina Bitschar, Jule Focken, Hanna Dehmer, Sonja Moos, Martin Konnerth, Nadine Schilling, Stephanie Grond, Hubert Kalbacher, Florian C. Kurschus, Friedrich Götz, Bernhard Krismer, Andreas Peschel and Birgit Schittek. Lugdunin amplifies innate immune responses in the skin in synergy with host- and microbiota-derived factors. <em>Nature Communications</em>, <a href="https://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-10646-7" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-10646-7</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Birgit Schittek<br> Universitäts-Hautklinik Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon + 49 7071 29-80832<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dktikv0uejkvvgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">birgit.schittek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;<br> &nbsp;<br> Prof. Dr. Andreas Peschel<br> Universität Tübingen – Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin<br> Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-75935<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0rguejgnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.peschel<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong><br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p><strong>Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)</strong><br> Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br> Karola Neubert<br> Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 531 6181-1154<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguugBfbkh0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">presse<span style="display:none">spam prevention</span>@dzif.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41133</guid><pubDate>Fri, 21 Jun 2019 09:21:00 +0200</pubDate><title>Archäologie: Was die Kelten tranken</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/archaeologie-was-die-kelten-tranken/</link><description>Eine neue Studie deckt die kulinarischen Gewohnheiten der Kelten auf und zeigt, was vor 2600 Jahren auf dem Speiseplan stand.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Neue Einblicke in den Speiseplan der Kelten: Einem internationalen Team von Forschern angeführt von der LMU und der Universität Tübingen ist es gelungen, die Ess- und Trinkgewohnheiten der Kelten aufzudecken, die im ersten Jahrtausend vor Christus Mitteleuropa besiedelten.<br> &nbsp;<br> Die Forscherinnen und Forscher untersuchten 99 Trinkgefäße und Transportbehälter aus Keramik, die am ehemaligen keltischen „Fürstensitz“ Mont Lassois im französischen Burgund gefunden worden waren und aus der Zeit um 500 vor Christus stammen. Dazu gehörten auch importierte griechische Gefäße. „Das war eine Zeit des Wandels. Damals kamen erstmals in großer Zahl Gefäße aus Griechenland und Italien in die Region nördlich der Alpen. Bislang ging man davon aus, dass die Kelten den mediterranen Lebensstil imitierten und nur die Elite mediterranen Wein bei ihren festlichen Gelagen trank“, sagt LMU-Archäologe Professor Philipp Stockhammer, der die entsprechenden Forschungen geleitet hat. „Unsere Analysen bestätigen, dass sie importierten Wein tranken, aber sie nutzten die griechischen Trinkschalen auch zum Biertrinken. Die Kelten haben also die fremden Traditionen nicht einfach nur übernommen. Sie nutzten die Gefäße und Produkte auf ihre eigene Weise und für ganz unterschiedliche Zwecke.“ Wein war anscheinend nicht den höheren Schichten vorbehalten. „Auch die Handwerker hatten Zugang zum Wein. Sie haben aber damit anscheinend wohl auch gekocht, während die Eliten den Wein beim Gelage becherten. Das Ergebnis zeigt, wie dynamisch interkultureller Kontakt ist und wie leicht Gefäße ihre Funktion und damit ihre Bedeutung wandeln können.“<br> &nbsp;<br> Was Menschen vor Tausenden von Jahren getrunken und gegessen haben, lässt sich heute besonders gut mithilfe sogenannter Nahrungsrückstandsanalysen ermitteln. Die Forscherinnen und Forscher an der Universität Tübingen untersuchten die Lebensmittelreste, die bis heute in den Gefäßen erhalten geblieben sind. „Wir haben in der Keramik unter anderem Rückstände von Olivenöl und Milch, importiertem Wein und einheimischen alkoholischen Getränken, aber auch Reste von Hirse und Bienenprodukten gefunden“, sagt Dr. Maxime Rageot von der Universität Tübingen, der die chemischen Analysen durchgeführt hat. Zu unterschiedlichen Anlässen wurden am Mont Lassois offensichtlich neben Traubenwein vor allem Hirse- und Gerstenbier getrunken. Seine Tübinger Kollegin Professor Cynthianne Spiteri ergänzt: „Wir sind so begeistert, dass wir endlich die alte Frage beantworten können, ob die frühen Kelten mediterrane Trinksitten übernahmen. Die Antwort ist: ja, aber auf kreative Weise!“<br> &nbsp;<br> Die Ergebnisse der Studie, die im Rahmen des Projekts „BEFIM“ (Bedeutungen und Funktionen mediterraner Importe im früheisenzeitlichen Mitteleuropa) durchgeführt wurden, sind ganz aktuell im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlicht. Zu dem internationalen Team zählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LMU München, der Universität Tübingen, des Landesmuseums Württemberg, des Landesamts für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart, der Universität Zürich und der Universität von Burgund.<br> &nbsp;</p><h3>&nbsp;&nbsp;<br> Kontakt (für die deutschsprachige Presse)</h3><p>Prof. Philipp Stockhammer<br> LMU München<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rjknkrr0uvqemjcoogtBnow0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">philipp.stockhammer<span style="display:none">spam prevention</span>@lmu.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p><h3>Kontakt (für die englischsprachige Presse)</h3><p>Prof. Cynthianne Spiteri<br> University of Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 (0) 157 84753904<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,eapvjkcppg0fgdqpq/urkvgtkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">cynthianne.debono-spiteri<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;<br> &nbsp;</p><h3>Kontakt (für die französischsprachige Presse)</h3><p>Dr. Maxime Rageot<br> Université Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 (0) 157 53625554<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,oczkog0tcigqvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">maxime.rageot<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>M. Rageot/A. Mötsch/B. Schorer/D. Bardel/A. Winkler/F. Sacchetti/B. Chaume/P. &nbsp;Della Casa/S. Buckley/S. Cafisso/J. Fries-Knoblach/D. Krausse/T. Hoppe/P. W. Stockhammer/C. Spiteri (2019), New insights into Early Celtic consumption practices: Organic residue analyses of local and imported pottery from Vix-Mont Lassois. PLOS ONE.<br> &nbsp;</p><h3>Mehr zum Forschungsprojekt:</h3><p><a href="http://www.befim.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.befim.de</a>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><h3>Mehr zur Forschung von Philipp Stockhammer:</h3><p>Im Video: „Frauen waren schon immer sehr mobil“<br><a href="https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2018/stockhammer_video.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2018/stockhammer_video.html</a>&nbsp;<br> &nbsp;</p><h3>Im Porträt: Rückwärts in die Zukunft</h3><p><a href="https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/stockhammer.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/stockhammer.html</a>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-41109</guid><pubDate>Wed, 19 Jun 2019 09:39:09 +0200</pubDate><title>Natürliches Insektizid schadet dem Grasfrosch nicht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/natuerliches-insektizid-schadet-dem-grasfrosch-nicht/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen prüft Alternative zu künstlichen Insektiziden als Mittel zur Stechmückenbekämpfung ‒ Kein Hinweis auf Schädigung von heimischen Amphibien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weltweit ist ein starker Rückgang der Amphibien zu beobachten. Dazu tragen unter anderem künstliche Insektizide bei, die eigentlich Insekten als Pflanzenschädlinge oder Krankheitsüberträger eindämmen sollen. Eine Alternative bieten natürliche Insektizide, die von Bakterienstämmen produziert und bereits seit Jahrzehnten gezielt gegen Schadinsekten eingesetzt werden. Zuletzt kamen jedoch Zweifel auf, ob die von <em>Bacillus thuringiensis</em>-Bakterien produzierten Wirkstoffe für Frösche und andere Lurche tatsächlich harmlos sind. Dies ist der Fall, wie nun eine Studie bestätigt: Dr. Mona Schweizer, Lukas Miksch, Professor Heinz Köhler und Professorin Rita Triebskorn vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen haben am Beispiel von Grasfröschen aus dem Oberrhein die Verträglichkeit eines natürlichen Insektizids in Laborversuchen überprüft.</p><p>Sie stellten bei dem Mittel, das in der Region gegen Stechmücken eingesetzt wird, keine negativen Auswirkungen auf die Kaulquappen des Grasfrosches fest. Die Forscher halten die Insektizide aus Stämmen von <em>Bacillus thuringiensis</em> deshalb weiterhin für eine sinnvolle Alternative zu künstlichen Mitteln. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Ecotoxicology and Environmental Safety</em> veröffentlicht.</p><p>Künstliche Insektizide, die weltweit in großen Mengen ausgebracht werden, sind häufig nicht auf einzelne Schädlingsarten abgestimmt und beeinträchtigen so andere Wildtiere. Zudem fördert ihr Einsatz die Ausbildung von Resistenzen bei den Schädlingen, die bekämpft werden sollen. „Am Oberrhein werden seit Jahrzehnten natürliche Gifte gegen die Larven von Stechmücken eingesetzt“, sagt Rita Triebskorn. In den Feuchtgebieten entwickeln sich zur gleichen Zeit mit den Mücken, häufig im März, die Kaulquappen des Grasfrosches aus dem abgelegten Laich. „Es lässt sich daher nicht vermeiden, dass auch die Frösche mit den Insektengiften in Kontakt kommen.“</p><h3>Laborversuche mit stark erhöhter Dosis</h3><p>Das Forschungsteam setzte Kaulquappen des Grasfrosches im Labor üblichen Mengen des Insektizids aus dem Bakterienstamm <em>Bacillus thurigiensis israelensis</em> aus, wie sie auch im Freiland eingesetzt werden, sowie der zehnfachen und hundertfachen Menge. Die Kaulquappen wurden auf Biomarker untersucht, die Stress, negative Effekte auf das Nervensystem oder den Stoffwechsel anzeigen. Außerdem prüften die Wissenschaftler, ob das Darmgewebe Veränderungen aufwies. „Wir konnten keine negativen Einflüsse des Bakterienwirkstoffs auf Gesundheit oder Entwicklung der Kaulquappen feststellen“, fasst Triebskorn die Ergebnisse zusammen. Es sei wichtig, eventuelle Nebeneffekte der Insektenbekämpfung vor allem auch bei Amphibien zu überprüfen. Durch ihren Lebenslauf ‒ vom Larvenstadium im Wasser bis zum Erwachsenenleben an Land ‒ seien sie Stresseinflüssen in vielen Lebensräumen ausgesetzt. „Nach unseren Ergebnissen halten wir die am Oberrhein eingesetzten natürlichen Insektenbekämpfungsmittel für sicher“, sagt die Wissenschaftlerin.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Mona Schweizer, Lukas Miksch, Heinz-R. Köhler, Rita Triebskorn: Does Bti (<em>Bacillus thuringiensis var. israelensis</em>) affect <em>Rana temporaria</em> tadpoles? <em>Ecotoxicology and Environmental Safety</em>, <a href="https://doi.org/10.1016/j.ecoenv.2019.05.080" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.ecoenv.2019.05.080</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Rita Triebskorn<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Evolution und Ökologie – Physiologische Ökologie der Tiere<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>Telefon +49 7071 29-78892<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tkvc0vtkgdumqtpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">rita.triebskorn<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Biologie-Willkommen-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40881</guid><pubDate>Fri, 14 Jun 2019 09:17:05 +0200</pubDate><title>Studiengang kombiniert erstmals Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studiengang-kombiniert-erstmals-empirische-bildungsforschung-und-paedagogische-psychologie/</link><description>Bildung verstehen und mitgestalten: Neuer Bachelor bildet Expertinnen und Experten im Bereich Lehren und Lernen aus</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bietet ab dem Wintersemester den neuen Bachelorstudiengang „Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie“ an. Dieser kombiniert erstmals in Deutschland zwei Bereiche, die wesentlich sind, um Prozesse des Lehrens und Lernen zu verstehen: Die Pädagogische Psychologie betrachtet Prozesse der Entwicklung und des Lernens bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ihre fundierten Kenntnisse sind für die Lösung schulischer oder bildungsbezogener Probleme unabdingbar. Die Empirische Bildungsforschung bringt zusätzlich eine interdisziplinäre Perspektive ein. Der neue Studiengang soll Expertinnen und Experten dafür ausbilden, pädagogische Maßnahmen und Prozesse zur Verbesserung des Bildungssystems zu bewerten und zu überprüfen sowie Einrichtungen und Systeme im Bildungswesen zu beurteilen. Bewerbungen sind noch bis 15. Juli möglich.</p><p>In sechs Semestern lernen Studierende, wie die Erkenntnisse aus der Pädagogischen Psychologie und der Empirischen Bildungsforschung dazu beitragen können, Lernprozesse, Schulen und Bildungseinrichtungen oder Bildungssysteme zu verbessern. Es werden grundlegende Kenntnisse in pädagogisch-psychologischer Diagnostik, in quantitativen Forschungsmethoden sowie in der Konzeption, Durchführung und Evaluation von Trainingsmaßnahmen und Interventionen vermittelt. Studierende können aus sechs Schwerpunkten wählen, die aktuelle gesellschaftliche Fragen und Herausforderungen widerspiegeln: Bildung und Erziehung; Bildung, Politik und Wirtschaft; Bildung und Gesellschaft; Bildung, Digitalisierung und Medien; Bildung und Gesundheit sowie Bildung und Sprache.&nbsp;</p><p>Mit dem Abschluss Bachelor of Science in Empirischer Bildungsforschung und Pädagogischer Psychologie sind die Absolventinnen und Absolventen gefragte Experten im Bereich Lehren und Lernen. Typische Tätigkeiten sind die Entwicklung, Auswahl, Bewertung, Anwendung und Auswertung diagnostischer Testverfahren. Potentielle Berufsfelder liegen beispielsweise im Bereich der pädagogisch-psychologischen Diagnostik in staatlichen Beratungsstellen und kommerziellen Instituten, aber auch in Ministerien, Landes- und Forschungsinstituten. Weitere mögliche Tätigkeitsfelder sind die Konzeption, Entwicklung und Durchführung von Trainingsmaßnahmen und Interventionen im Bereich der schulischen Förderung, die Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung oder die Beratung von Entscheidungsträgern, Geldgebern und Förderern im Bildungswesen. Der Bachelorstudiengang bereitet außerdem auf den gleichnamigen Masterstudiengang an der Universität Tübingen vor und legt &nbsp;den Grundstein für eine mögliche Promotion und Karriere in der Forschung.&nbsp;</p><p><a href="/fakultaeten/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/faecher/fachbereich-sozialwissenschaften/hector-institut-fuer-empirische-bildungsforschung/studium/bachelor-ebpp/" class="internal-link" title="Info und Bewerbung zum Studiengang Bachelor of Science Empirische Bildungsforschung und Pädagogische Psychologie">Informationen und Bewerbungen</a></p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Universität Tübingen<br> Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung&nbsp;</p><p><strong>Dr. Gundula Stoll</strong><br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon&nbsp;+49 7071 29-74130<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,iwpfwnc0uvqnnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">gundula.stoll<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><strong>Prof. Dr. Ulrich Trautwein</strong><br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon&nbsp;+49 7071 29-73931&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0vtcwvygkpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ulrich.trautwein<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" title="Überblick über die aktuellen Pressemitteilungen der Universität">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40785</guid><pubDate>Tue, 11 Jun 2019 09:08:16 +0200</pubDate><title>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz: Schüler programmieren eigenen Algorithmus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-schueler-programmieren-eigenen-algorithmus/</link><description>Mehr als 2.500 Teilnehmende bundesweit ‒ In Runde 2 werden eigene Projektideen umgesetzt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (KI) geht in die zweite Runde. Seit dem Start am 28. Februar haben mehr als 2.500 Schülerinnen und Schüler in über 1.700 Schulteams aus ganz Deutschland teilgenommen. Die meisten Teams kamen aus Nordrhein-Westfalen (355), gefolgt von Baden-Württemberg (332). Unter den Schulen belegt das Saarpfalz Gymnasium aus Homburg (Saarland) den Spitzenplatz mit 83 angemeldeten Teams, dicht gefolgt vom Gymnasium Heide-Ost (Schleswig-Holstein) mit 70 Teams. Die Teilnehmenden waren zwischen 14 und 19 Jahren alt, die größte Gruppe stellten mit einem Drittel die 17-Jährigen.</p><p>Um die erste Runde zu bestehen, musste mindestens eines dieser drei Kriterien erfüllt sein: Die Teilnehmenden mussten eine ausreichende Punktzahl in den Quiz- und Programmieraufgaben erreichen, unter die besten 50 Prozent der Programmier-Challenge kommen oder eine überzeugende Projektidee liefern. Insgesamt 159 Teams reichten Projektvorschläge ein, die von einer unabhängigen Jury auf ihre praktische Relevanz, die Lösbarkeit durch KI, den Innovationsgehalt und die Durchführbarkeit bewertet wurden.</p><p>In der zweiten Runde setzen Schülerinnen und Schüler nun die von ihnen eingereichten Projektideen um. Zugelassen wurden 398 Teams und 642 Schülerinnen und Schüler. Für die Teilnahme an dieser Runde genügt, dass mindestens ein Teammitglied die erste Runde bestanden hat: Dieses kann nun auch neue Mitstreiter ins Boot holen, um die Projektidee weiter zu bearbeiten. „Mit unserer offenen Bewertungsmatrix wollen wir sicherstellen, dass neben talentierten Programmierern auch kreative Denker ohne Coding Skills weiterkommen“, sagt Dr. Wieland Brendel, Wissenschaftler am Tübinger Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen.&nbsp;<br> Im November 2019 endet der Schülerwettbewerb mit einer Abschlussfeier und Preisverleihung in Tübingen. Die viel-versprechendsten Projekte werden im Vorfeld zur AI CON 2019 eingeladen, einer vom Bosch Center for Artificial Intelligence in Kooperation mit dem Cyber Valley ausgerichteten Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz. Zudem wird Microsoft einen KI-Workshop für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte anbieten. Als „KI-Schule des Jahres“ wird die Schule mit den meisten und erfolgreichsten Teilnehmenden geehrt.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist eine gemeinsame Veranstaltung des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und der Universität Tübingen im Rahmen der Cyber Valley Initiative. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die sich für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Informatik oder Physik interessieren.</p><p>Der baden-württembergische Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann hat die Schirmherrschaft für den Wettbewerb übernommen. Hauptsponsor des Wettbewerbs ist die Robert Bosch GmbH. Weitere Sponsoren sind die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Google, Amazon, Microsoft, die Alexander von Humboldt Stiftung und die Hochschule der Medien.</p><p>Informationen unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a></p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Wieland Brendel<br> Universität Tübingen<br> Tübinger Kompetenzzentrum AI<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-70863<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ykgncpf0dtgpfgnBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">wieland.brendel<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40671</guid><pubDate>Thu, 06 Jun 2019 10:44:20 +0200</pubDate><title>Neuer Humboldt-Professor passt perfekt in die Tübinger Forschungslandschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-humboldt-professor-passt-perfekt-in-die-tuebinger-forschungslandschaft/</link><description>Peter Dayan verhilft zu einer engen Kooperation zwischen Universität und Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen erhält eine neue Alexander von Humboldt-Professur: Peter Dayan, einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der theoretischen und experimentellen Neurowissenschaft, wird künftig im Fachbereich Informatik forschen. Dayan kam kürzlich als Direktor an das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik nach Tübingen, wo er die Abteilung „Computational Neuroscience“ aufbaut und als Geschäftsführender Direktor die Neuausrichtung des Instituts maßgeblich prägt. Die Nähe und die möglichen Kooperationen mit Universität, Kliniken und weiteren Forschungseinrichtungen in Tübingen trugen entscheidend zu seinem Kommen bei. Daher erhält er überdies die Alexander von Humboldt-Professur um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Vorher war er am University College London (UCL) tätig. Die Humboldt-Professur ist Deutschlands höchstdotierter Forschungspreis, sie wird von der Alexander von Humboldt-Stiftung mit fünf Millionen Euro über fünf Jahre hinweg gefördert.</p><p>Dayan forscht an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, Medizin und Maschinellem Lernen. Zu seinen Forschungsinteressen gehört die Frage, wie das Gehirn Entscheidungen trifft. Anhand theoretischer Modelle untersuchte er verschiedene Lernformen, darunter das verstärkende Lernen, bei dem das Gehirn frühere positive und negative Erfahrungen zusammenführt und berücksichtigt. Er analysierte unter anderem, wie sogenannte Neuromodulatoren ‒ Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Acetylcholin ‒ die Entscheidungsprozesse beeinflussen.</p><p>Darüber hinaus untersucht er, wie eine gestörte Entscheidungsfindung zu Krankheiten wie Depression, Sucht, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen führen kann. Damit verbindet er den psychologischen und den neuronalen Blick auf solche Erkrankungen und erhofft sich Erkenntnisse über deren Ursachen und eine mögliche Behandlung.&nbsp;</p><p>Dayan hat Statistik- und Programmiermethoden entwickelt, mit denen sich Entscheidungsprozesse des Gehirns im Computer simulieren lassen. Damit hat er wichtige Grundlagen für die Entwicklung künstlicher neuronaler Netze geschaffen. Sein Wissen und seine Erfahrung wird der 53-Jährige auch in die Tübinger Forschung zu Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen einbringen.&nbsp;</p><p>„Peter Dayans Felder fügen sich perfekt in die Tübinger Forschungslandschaft ein“, sagte der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler. „Er verbindet mehrere, bereits vorhandene Forschungsschwerpunkte des Standorts: die Neurowissenschaften, die klinische Forschung und die Forschung zu Maschinellem Lernen. Seine Professur in der Informatik vertieft die Zusammenarbeit der Universität mit dem Max-Planck-Campus und weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen.“&nbsp;</p><p>„Ich fühle mich sehr geehrt, diese Professur zu erhalten. Die vielseitigen Leistungen Alexander von Humboldts können nur beeindrucken. Es ist mir eine besondere Freude, einen Beitrag zu seinem 250. Geburtstag zu leisten“, sagt Dayan. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, mich so intensiv sowohl mit normalem als auch dysfunktionalem Lernverhalten und der Entscheidungsfindung befassen zu können. Darüber hinaus in einer so reichen intellektuellen Umgebungen wie die der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik."</p><p>Die Humboldt-Professur ist eine Brücke nach Deutschland für internationale Spitzenforscherinnen und -forscher. Die Auszeichnung erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im Ausland bereits in ihrem Fachgebiet etabliert sind und sich bereit erklären, für mindestens fünf Jahre in Deutschland zu forschen. Universitäten nominieren die Preisträger, die dann von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgewählt werden. An der Universität Tübingen ist Dayan der vierte Humboldt-Professor. Weitere Preisträger sind der Linguist Professor Rolf Harald Baayen, die Pflanzengenetikerin Professorin Marja Timmermans und der Geo- und Umweltforscher Professor Lars T. Angenent.&nbsp;</p><p>Im Frühjahr 2019 ernannte die Stiftung vier Preisträger, weitere Preisträger werden Ende des Jahres ausgewählt. Die offizielle Auszeichnung aller Preisträger 2019 findet im Mai 2020 statt.&nbsp;</p><h3>Über Peter Dayan:&nbsp;</h3><p>Peter Dayan (geb. 1965) hat an der Universität Cambridge Mathematik studiert und promovierte an der Universität Edinburgh im Fach Informatik. Nach Forschungsaufenthalten am Salk Institut und an der Universität Toronto forschte er ab 1995 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. 1998 trat er eine Professur am University College London an, wo er die Gatsby Computational Neuroscience Einheit mit aufbaute, eine der renommiertesten theoretischen neurowissenschaftlichen Institutionen. Dort war er von 2002 bis 2017 Direktor und zugleich stellvertretender Direktor des Max Planck/UCL Centers for Computational Psychiatry and Ageing Research. Seit 2018 ist Peter Dayan Mitglied der Royal Society. Er erhielt 2012 den „Rumelhart Prize“ für Kognitionswissenschaften und 2017 den „Brain Prize“, die wichtigste europäische Auszeichnung für Neurowissenschaftler.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Peter Grathwohl<br> Universität Tübingen<br> Prorektor für Forschung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72502<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,itcvjyqjnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">grathwohl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40659</guid><pubDate>Thu, 06 Jun 2019 09:30:40 +0200</pubDate><title>Untersuchungskommission stellt wissenschaftliches Fehlverhalten durch Tübinger Hirnforscher fest</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/untersuchungskommission-stellt-wissenschaftliches-fehlverhalten-durch-tuebinger-hirnforscher-fest/</link><description>Gremium der Universität Tübingen kritisiert Wissenschaftler für Umgang mit Untersuchungsdaten und fordert Konsequenzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine Untersuchungskommission der Universität Tübingen hat im Fall zweier Hirnforscher wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt. Die Kommission kam nach der Überprüfung einer im Fachmagazin PLOS Biology veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass Untersuchungsdaten in relevantem Umfang nicht ausgewertet beziehungsweise nicht berücksichtigt wurden. Die Kriterien für den Ausschluss dieser Daten seien von den Forschern nicht transparent gemacht worden. Darüber hinaus ließen sich die in der Studie publizierten Ergebnisse in vielen Fällen nicht auf das vorhandene Datenmaterial zurückführen. Das Rektorat der Universität kündigte Konsequenzen an.</p><p>Eine Forschergruppe unter der Leitung eines Seniorprofessors der Universität Tübingen hatte im Jahr 2014 Untersuchungen an insgesamt vier Patienten durchgeführt, die an fortgeschrittener Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt waren. ALS ist eine neurodegenerative Erkrankung, die dazu führt, dass Betroffene schrittweise die Fähigkeit verlieren, ihre Muskulatur zu steuern. Im Endstadium sind Patienten vollständig gelähmt und nicht mehr in der Lage, sich ihrer Umgebung mitzuteilen. Man spricht dann von einem „Completely Locked-In Status“. Die Hirnforscher hatten in der Vergangenheit versucht, eine Technik zu entwickeln, um mit diesen vollständig gelähmten Patienten wieder kommunizieren zu können. Dazu wurde die Hirnaktivität mit Hilfe von Infrarotspektroskopie und Elektroenzephalographie (EEG) gemessen. Die Wissenschaftler nahmen an, dass aus diesen Messdaten Rückschlüsse auf die Gedanken der Patienten möglich sind.&nbsp;<br> &nbsp;&nbsp;<br> Wie die Kommission für Fehlverhalten in der Wissenschaft in ihrem Beschluss feststellt, stieß das Untersuchungsgremium auf eine Reihe von Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis:&nbsp;</p><ol><li>Selektive Datenauswahl bei der Datenerhebung<br> 	Die Wissenschaftler haben nach dem Ergebnis der Kommission einen Teil ihrer Datensätze bei der Auswertung nicht berücksichtigt, ohne klar definierte und nachprüfbare Kriterien für ihre Auswahl festzulegen. Vielmehr blieben Daten teils aufgrund von angeführten technischen Problemen bei der Erhebung, teils aufgrund persönlicher Entscheidungen des Seniorprofessors unberücksichtigt. Diese Praxis stellt nach Einschätzung der Kommission eine „Verfälschung von Daten durch Zurückweisen unerwünschter Ergebnisse ohne Offenlegung“ dar und steht zudem im Widerspruch zu Angaben, die beide Wissenschaftler in ihrem Fachartikel selbst gemacht haben.<br> 	&nbsp;</li><li>Fehlende Offenlegung von Daten und Skripten<br> 	In ihrem Fachartikel haben die Wissenschaftler Internet-Links gesetzt, die den Leser zu verschiedenen Datensätzen führen sollen. Darunter fehlt nach dem Ergebnis der Kommission jedoch das Skript, mit welchem einem Computerprogramm Vorgaben zur Auswertung der Daten gemacht wurden. Nach Aufforderung der Kommission hat einer der beiden Hirnforscher dem Gremium zwar Daten zur Verfügung gestellt. Auch aus diesen Daten ließen sich die im Artikel gemachten Angaben jedoch nicht nachvollziehen. Bis zum Abschluss der Untersuchung haben die beiden Wissenschaftler keinen vollständigen Datenbestand nachgewiesen. So fehlen beispielsweise auch die im Artikel dargestellten EEG-Daten. Die Kommission erkennt darin eine „Verfälschung von Daten durch Unterdrücken von relevanten Belegen“.&nbsp;<br> 	&nbsp;</li><li>Fehlende Daten&nbsp;<br> 	Die Wissenschaftler haben nach eigener Darstellung die von ihnen entwickelte Technik einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) bei insgesamt vier Patienten eingesetzt. Die Zahl der Tage, an denen BCI bei den einzelnen Patienten eingesetzt wurde, variiert nach den Angaben im genannten Fachartikel zwischen 6 und 17 Tagen pro Patient. Nach den Ermittlungen der Kommission stimmt die Anzahl der Tage, zu denen Daten vorliegen, mit der Anzahl der Tage, für die im Artikel Auswertungen dargestellt werden, in keinem Fall überein. Beispielsweise wurden bei einem Patienten in PLOS Biology Ergebnisse für zwölf Tage aufgeführt. Der Kommission lagen jedoch nur Daten für acht Tage vor. Bei einem weiteren Patienten werden im Artikel Ergebnisse für 14 Tage aufgeführt, obwohl der Kommission nur Daten für zwölf Tage vorlagen. Die Kommission schloss daraus, dass im Artikel Ergebnisse dargestellt wurden, zu denen keine Daten vorliegen.&nbsp;<br> 	&nbsp;</li><li>Mögliche Datenverfälschung durch fehlerhafte Analyse<br> 	Die beim Einsatz am Patienten mittels BCI erzeugten Rohdaten sind von den Wissenschaftlern mithilfe elektronischer Datenverarbeitung analysiert worden. Wesentliche Software-Komponenten der eingesetzten EDV-Systeme wurden von den Wissenschaftlern gegenüber der Kommission nicht offengelegt, so dass eine Beurteilung der eingesetzten Methoden nicht möglich war. Ob die computergestützte Auswertung der Daten korrekt validiert wurde, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Die Kommission konnte allerdings ermitteln, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Seniorprofessors diesen bereits im November 2015 darauf hingewiesen hatte, dass sich aus den Daten in statistisch korrekter Auswertung keine signifikanten Ergebnisse belegen lassen. Diese Informationen legen nach Ansicht der Kommission nahe, dass eine Datenverfälschung stattfand.</li></ol><h3>Universität kündigt Anlaufstelle für Patienten an</h3><p>Die Kommission hat dem Rektorat der Universität in ihrem Beschluss eine Reihe von Konsequenzen vorgeschlagen. So forderte das Gremium, die beiden Wissenschaftler müssten die umstrittene Studie in PLOS Biology zurückziehen. Ergänzend müssten die Herausgeber der Zeitschrift ebenfalls aufgefordert werden, die Studie zurückzuziehen. Alle Organisationen, die die Studie finanziell gefördert hätten, sowie die Spitzenverbände der deutschen Krankenkassen seien ebenfalls über das Ergebnis zu informieren. Für alle Publikationen, an denen die beiden betroffenen Wissenschaftler seit 2014 mitgewirkt haben, schlägt das Gremium eine nachträgliche Überprüfung durch externe Gutachter vor. Darüber hinaus forderte die Kommission das Rektorat auf, den Status des Seniorprofessors der Universität Tübingen zu überprüfen. Nicht zuletzt wird in dem Beschluss angeregt, eine Anlaufstelle für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen zu schaffen.&nbsp;</p><p>Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, sagte, die Hochschulleitung werde über die Empfehlungen der Kommission beraten und sehr zeitnah die nun gebotenen Schritte einleiten. Wichtigste Aufgabe sei es, zügig ein Beratungsangebot &nbsp;für die betroffenen Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen zu schaffen. Die Betroffenen könnten sich in dieser Angelegenheit an das Dekanat der Medizinischen Fakultät wenden. Engler dankte den Kommissionsmitgliedern und den Vertrauensleuten für ihre zielstrebige Arbeit. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hätten sich akribisch und mit hohem Aufwand in eine komplizierte Materie eingearbeitet und ihre Untersuchungen sehr zeitnah abgeschlossen. „Kommission und Vertrauensleute haben unter Beweis gestellt, dass die Kontrolle der Wissenschaft durch unabhängige Forscherinnen und Forscher an der Universität Tübingen funktioniert“, sagte der Rektor.</p><p>Die Überprüfung der in PLOS Biology publizierten Studie war im Frühjahr 2018 durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität ausgelöst worden, der sich an die Vertrauensleute der Medizinischen Fakultät gewandt hatte. Die Vertrauensleute untersuchten die Vorwürfe rund ein halbes Jahr lang intensiv und übergaben ihren Bericht schließlich am 22. November 2018 an die universitäre Kommission für Fehlverhalten in der Wissenschaft. Die Kommission beschloss daraufhin Anfang 2019, ein förmliches Verfahren einzuleiten.&nbsp;</p><p>Engler betonte, für eine internationale Forschungsuniversität sei die Einhaltung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis von fundamentaler Bedeutung: „Vor diesem Hintergrund unternehmen wir seit vielen Jahren erhebliche Anstrengungen, allen Forschenden und Studierenden die Prinzipien guter Wissenschaft nahezubringen.“ Die Universität werde den aktuellen Fall – unabhängig von den weiteren Schritten – zum Anlass nehmen, ihre Anstrengungen nochmals zu erhöhen: „Wir werden künftig innerhalb der Universität noch deutlicher kommunizieren, dass wir über ein klares Regelwerk und verlässliche Strukturen verfügen, auf die jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler &nbsp;zurückgreifen kann, &nbsp;sobald ein begründeter Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt.“ Hinweisgeber, die sich an Vertrauenspersonen wenden, hätten in solchen Fällen selbstverständlich ein Anrecht darauf, vor Repressalien geschützt zu werden. Jedes Mitglied der Universität habe hier Verantwortung gegenüber der Wissenschaft und ihrer Glaubwürdigkeit zu übernehmen. &nbsp;&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40416</guid><pubDate>Wed, 29 May 2019 10:53:00 +0200</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-4/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40353</guid><pubDate>Tue, 28 May 2019 10:41:15 +0200</pubDate><title>Antibiotikum aus dem Mikrobiom tötet Bakterien durch Störung des Energiestoffwechsels </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/antibiotikum-aus-dem-mikrobiom-toetet-bakterien-durch-stoerung-des-energiestoffwechsels/</link><description>Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Göttingen gewinnt Einblick in den Wirkmechanismus von Fibupeptiden</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pressemitteilung der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung</strong></p><p>Ein Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Göttingen sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung hat die Wirkungsweise einer neuen Klasse von Antibiotika untersucht, die gegen multiresistente Krankheitserreger hochwirksam ist. Wie Dr. Nadine Schilling vom Institut für Organische Chemie der Universität Tübingen erklärte, beeinträchtigen die sogenannten Fibupeptide die Energieversorgung der Bakterienzelle, was zu deren Tod führt. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im Wissenschaftsjournal Angewandte Chemie veröffentlicht.</p><p>Tübinger Wissenschaftler hatten 2016 in einer weithin beachteten Studie ein erstes Fibupeptid entdeckt, das von unserem Mikrobiom selbst gebildet wird. Die Wissenschaftler nannten den Stoff Lugdunin, nach seinem Produzenten, dem Bakterium Staphylococcus lugdunensis, das die menschliche Nasenschleimhaut besiedelt. Lugdunin hat eine ungewöhnliche chemische Struktur und ist damit möglicherweise ein Prototyp für eine völlig neue Klasse von Antibiotika. Es wirkt unter anderem gegen die für Menschen besonders gefährlichen Methicillin-resistenten Bakterien der Art Staphylococcus aureus (MRSA). Besonders gefürchtet ist MRSA in Kliniken, da er häufig immungeschwächte Patienten befällt. Nach einer im November 2018 im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie gab es in der EU allein im Jahr 2015 rund 670.000 Infektionen durch multiresistente Erreger, an deren Folgen 33.000 Patienten starben.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher haben nun verschiedene Lugdunin-Substanzen mittels chemischer Synthese produziert und die für die Wirkung von Lugdunin notwendigen chemischen Strukturelemente bestimmt. Damit wurden Hinweise auf den Wirkmechanismus des Antibiotikums erlangt. „Jede Bakterienzelle braucht zum Leben eine sogenannte Transmembranspannung“, erklärt Schilling. „Das heißt, für den Krankheitserreger ist es entscheidend, dass sich die Konzentrationen elektrisch geladener Teilchen im Inneren der Zelle und im umgebenden Milieu unterscheiden.“ Fibupeptide wie Lugdunin sind dazu in der Lage, positiv geladene Wasserstoffionen durch die Membran zu transportieren und den Ladungsunterschied aufzuheben. „Dadurch kommt es zu einer Art Energiestillstand“, sagt die Forscherin. Die Bakterienzelle stirbt.</p><h3>Test mit dem strukturellen Spiegelbild</h3><p>Die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen macht die Behandlung von bakteriellen Infektionen zunehmend schwieriger. Viele der zurzeit verwendeten neuen Antibiotika unterscheiden sich nur geringfügig von solchen, gegen die schon mehrere Resistenzen bekannt sind. Womöglich ist es nur eine Frage kurzer Zeit, bis auch jene neuen Medikamente unwirksam werden. „Daher ist das Interesse an neuen antibiotischen Strukturen wie dem Lugdunin und deren Wirkungsweise enorm“, betont Stephanie Grond, Professorin für Organische Chemie und Naturstoffforschung an der Universität Tübingen. Lugdunin habe eine einzigartige chemische Struktur, erklärt Grond. Es bestehe aus einem Ring von Aminosäurebausteinen (eine Peptidstruktur), in den eine charakteristische ringförmige Schwefel-Stickstoffverbindung, Thiazolidin genannt, wie eine Schmuck-Schnalle (lateinisch fibula) eingebaut ist. Daher erhielt die neue Stoffklasse den Namen Fibupeptide. Der besondere Thiazolidinring gehört zu den Bausteinen im Lugdunin, die für die antibakterielle Wirkung unverzichtbar sind.</p><p>Um die für die antibiotische Wirkung notwendigen Strukturen des Lugdunins zu identifizieren, hat das Forschungsteam eine Vielzahl von Abkömmlingen hergestellt. Nach und nach wurden Teile der chemischen Struktur verändert und jeweils die antibiotische Aktivität bestimmt. „Viele bisher bekannte Peptidantibiotika wirken in der Regel sehr spezifisch“, erklärt Nadine Schilling. Beispielsweise könnten sie sich durch ihre räumliche Struktur an ein Enzym binden, notwendige Prozesse blockieren und so die Entstehung neuer Bakterienzellen verhindern. Das ist anders beim Lugdunin, wie vor allem der Test mit seinem strukturellen Spiegelbild ergab.</p><p>„Einen Stoff und sein strukturelles Spiegelbild kann man sich vorstellen wie eine rechte und eine linke Hand, die nicht deckungsgleich sind. Die linke Hand passt nicht in einen rechten Handschuh, daher wirken die spiegelverwandten Stoffe räumlich nicht gleich“, erklärt die Forscherin. „Beim gespiegelten Lugdunin, das mittels chemischer Synthese produziert wurde, blieb jedoch dessen antibiotische Wirkung erhalten. Wir konnten also ausschließen, dass sie auf einer räumlichen Interaktion beruht.“ Für die Resistenzentwicklung ist das Fehlen einer solchen räumlichen Interaktion vorteilhaft, und Resistenzen gegenüber Lugdunin konnten in Laborversuchen bisher nicht erzeugt werden.</p><p>Um zu klären, ob sich die Fibupeptide zukünftig als Wirkstoffkandidaten für die therapeutische Anwendung eignen, werden in Zukunft umfangreiche präklinische und klinische Studien erforderlich sein. Ob Lugdunin und verwandte Stoffe in Zukunft wirksam und sicher zur Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Keimen eingesetzt werden können, wollen die beteiligten Forscherinnen und Forscher unter anderem im Rahmen des seit Anfang 2019 laufenden Tübinger Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ herausfinden.</p><h3>Publikation:</h3><p>Nadine A. Schilling, Anne Berscheid, Johannes Schumacher, Julian S. Saur, Martin C. Konnerth, Sebastian N. Wirtz, José M. Beltrán-Beleña, Alexander Zipperer, Bernhard Krismer, Andreas Peschel, Hubert Kalbacher, Heike Brötz-Oesterhelt, Claudia Steinem, Stephanie Grond: Synthetic Lugdunin Analogues Reveal Essential Structural Motifs for Antimicrobial Action and Proton Translocation Capability. Angewandte Chemie (2019). <a href="https://dx.doi.org/10.1002/anie.201901589&amp;nbsp" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org/10.1002/anie.201901589&amp;nbsp</a>;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Nadine Schilling<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Organische Chemie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72159<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pcfkpg/cppc0uejknnkpiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">nadine-anna.schilling<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;<br> Prof. Dr. Stephanie Grond<br> Universität Tübingen<br> Institut für Organische Chemie<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uvgrjcpkg0itqpfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">stephanie.grond<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40335</guid><pubDate>Tue, 28 May 2019 09:57:19 +0200</pubDate><title>Der Botanische Garten feiert 50-jähriges Jubiläum und lädt zum Mitfeiern ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-botanische-garten-feiert-50-jaehriges-jubilaeum-und-laedt-zum-mitfeiern-ein/</link><description>Einladung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Vor 50 Jahren, 1969, eröffnete der Botanische Garten der Universität Tübingen auf der Morgenstelle. Mit einer Fläche von zehn Hektar Freiland und 3000 Quadratmetern Gewächshausfläche ist er eine wichtige Einrichtung für Lehre und Forschung und zugleich Erholungs- und Bildungsort für Besucherinnen und Besucher.</p><p>Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laden zum Mitfeiern des Jubiläums ein: <strong>Am Sonntag, 2. Juni, um 10 Uhr findet ein Festakt im Hörsaal N10 (Auf der Morgenstelle 3) statt</strong>. &nbsp;Es spricht Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen; den Festvortrag zum Thema „Alte und neue Aufgaben Botanischer Gärten im 21. Jahrhundert“ hält Professor Max Weigend, Präsident des Verbands der Botanischen Gärten. Anschließend gibt es einen Sektempfang und die Fotokunstausstellung von Anne Nisch wird im Botanischen Garten am Seerosenteich eröffnet.</p><p><strong>Den ganzen Tag über finden Vorträge, Führungen und viele Aktionen statt.</strong> Es gibt unter anderem Führungen durch das Sukkulenten- und Kanarenhaus und zur Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb, die Künstlerin Anne Nisch beantwortet Fragen zur Ausstellung und am Seerosenteich tritt das Jazz-Trio „Face to Face“ mit zwei Konzerten auf. Kinder können ein Wüstengärtchen pflanzen, Kakteensamen aussäen oder erhalten bei der Kinderführung „Die Wüste lebt“ spannende Einblicke in die Pflanzenwelt der Wüste.</p><p><strong>Die interessierte Öffentlichkeit und Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.</strong></p><ul><li><a href="/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/botanischer-garten/aktuelles/" target="_blank" class="internal-link">Link zum detaillierten Programm</a>&nbsp;</li></ul><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Alexandra Kehl&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Botanischer Garten der Universität Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-76161<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cngzcpftc0mgjnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">alexandra.kehl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40248</guid><pubDate>Mon, 27 May 2019 11:14:00 +0200</pubDate><title>Kinder-Uni-Forschertag: Fleischfressende Pflanzen und Astronomie zum Anfassen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kinder-uni-forschertag-fleischfressende-pflanzen-und-astronomie-zum-anfassen/</link><description>Universität lädt kleine Forscherinnen und Forscher am 6. Juli in mehr als 20 Workshops zum Mitmachen ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Samstag, 6. Juli 2019</strong>, findet an der Universität Tübingen wieder der Kinder-Uni-Forschertag statt, die Anmeldung dafür beginnt am <strong>Montag, 3. Juni 2019</strong>. Er ist der zweite Teil der Tübinger Kinder-Uni, bei der Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren Uni-Luft schnuppern dürfen. In den kommenden Wochen finden mehrere Vorlesungen speziell für Kinder statt; beim Forschertag am 6. Juli ist Mitmachen und selber Forschen angesagt.</p><p>Ab 10 Uhr bieten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität auf dem Universitätscampus mehr als 20 Workshops an. Die einzelnen Kurse dauern zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Kinder bekommen beispielsweise Einblicke in die Welt der Astronomie, betrachten fleischfressende Pflanzen unter dem Mikroskop, erfahren in der Notfallmedizin, wie sie im Ernstfall Leben retten können, untersuchen Kristalle und vieles mehr.</p><p>Das Programm wird ab 3. Juni unter folgendem Link bekanntgegeben: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/2626</a>. Die Anmeldung für die einzelnen Kurse erfolgt per Mail an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mkpfgtwpkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">kinderuni<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>. Bitte unbedingt den exakten Kurstitel, Uhrzeit, Name und Alter der Kinder sowie eine Notfall-telefonnummer angeben. Kinder unter sieben Jahren können leider noch nicht teilnehmen.</p><p>Programm der Kinder-Uni und weitere Informationen unter:<br><a href="https://www.uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" class="internal-link" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de/de/2626</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Alisa Koch<br> Universität Tübingen<br> Stabsstelle Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76724<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cnkuc0mqejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">alisa.koch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-40161</guid><pubDate>Fri, 24 May 2019 16:30:00 +0200</pubDate><title>Moleküle fangen Sonnenlicht ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/molekuele-fangen-sonnenlicht-ein/</link><description>Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung: Chemiker arbeiten an alternativen Energiespeichern ‒ Schlüsselübergabe für neues Lehr- und Lernzentrum zu digitalen Kompetenzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung geht in diesem Jahr an Professor Holger Bettinger und Juniorprofessorin Ivana Fleischer aus dem Institut für Organische Chemie. In einem gemeinsamen Projekt arbeiten sie an der Weiterentwicklung einer alternativen Speicherform für Sonnenlicht: Bei der Molekularen Solarthermie (MOST) wird Solarenergie in Form von chemischer Energie in einem Molekülpaar gespeichert.&nbsp;</p><p>Die Stiftung zeichnet seit 2017 jährlich innovative Forschungsprojekte an der Universität Tübingen aus, die sich drängenden Zukunftsfragen widmen. Der mit 300.000 Euro dotierte Preis wurde am Freitag im Rahmen des „Tübinger Fensters für Forschung (TÜFFF)“ der Universität überreicht.</p><p>Bei der Molekularen Solarthermie fungiert als Energiespeicher ein Stoff (Molekül A), der durch Sonnenlicht in eine energiereichere Form (Molekül B) umgewandelt wird. Ein Katalysator setzt die in Molekül B gespeicherte Energie wieder frei und macht sie als Wärme nutzbar. Weil es dafür Molekülpaare mit speziellen Eigenschaften brauche ‒ zum Beispiel eine hohe Energiespeicherdichte ‒ seien MOST-Systeme noch nicht auf dem Markt etabliert, sagt Holger Bettinger. Seine Arbeitsgruppe stieß auf ein Molekülpaar, das sehr gut geeignet scheint. In einem nächsten Schritt will das Team für eine bessere Absorption des Sonnenlichts sorgen und entsprechende Katalysatoren optimieren. „Wir wollen Langlebigkeit und Effizienz des Systems erforschen und so ein anwendbares MOST-System entwickeln“, erklärt der Chemiker. „Dies ist unser Beitrag zu einer CO2-neutralen und ressourcenschonenden Energieversorgung.“</p><p>„Das Projekt ist aus Sicht der Stiftung von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Die Steigerung des Einsatzes von erneuerbaren Energien ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, begründeten die Vorstandsmitglieder Dr. Alexandra Zoller und Dr. Georg von Schönau die Auszeichnung.</p><p>Im Rahmen der Preisverleihung übergab Vorstandsvorsitzender Thomas Schwind zudem den Schlüssel für das neue „Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen“ an die Universität. Das Lehr- und Lernzentrum wird ab 2019 Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Einsatz digitaler Medien für Forschung und Studium ausbilden. Es wird von der Stiftung für zunächst fünf Jahre mit jährlich 200.000 Euro gefördert.&nbsp;</p><p>Die Dr. K. H. Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig. <a href="https://dreberlestiftung.de/" target="_blank" rel="noreferrer">dreberlestiftung.de</a></p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Holger Bettinger<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Organische Chemie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72072<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jqnigt0dgvvkpigtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">holger.bettinger<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39924</guid><pubDate>Mon, 20 May 2019 13:04:04 +0200</pubDate><title>3D-Technologie ermöglicht Blick in die Vergangenheit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/3d-technologie-ermoeglicht-blick-in-die-vergangenheit/</link><description>Studie identifiziert Fischarten anhand vier Millionen Jahre alter Karpfenzähne – Modell zur Evolution der Biodiversität bei Süßwasserfischen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und aus der Schweiz haben hunderte fossile Karpfenfischzähne erstmals mit 3D-Technologien untersucht. Dabei fanden sie unter den vier Millionen Jahre alten Seeablagerungen aus dem heutigen armenischen Hochland eine erstaunlich hohe Artenvielfalt von Karpfenfischen vor. Dank der „virtuellen Paläontologie“ konnten die Forscher vier sehr nahe miteinander verwandte Arten von Kratzbarben identifizieren. Sie vermuten, dass die Arten gemeinsam in einem Mega-Seesystem lebten und gehen von einem Artenschwarm aus: eine Gruppe sehr nah miteinander verwandter Arten, die dasselbe Biotop besiedeln. Es ist das erste Mal, dass ein Artenschwarm von Süßwasserfischen in Westasien nachgewiesen wurde. Heute leben diese Karpfenarten jedoch in getrennten Regionen. Solche Erkenntnisse können Grundlage dafür sein, evolutionäre Entwicklungen nachzuvollziehen und die Entstehung von Artenvielfalt besser zu verstehen.</p><p>Das Projekt wurde durchgeführt von Anna Ayvazyan und Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen in Kooperation mit Dr. Davit Vasilyan vom Jurassica Museum in Porrentruy (Schweiz). Die Ergebnisse wurden im Journal <em>PLOS ONE</em> publiziert.</p><p>Kratzbarben (Gattung Capoeta) sind eine ökologisch besondere Karpfenfischgruppe. In ihrer Ernährung sind sie auf Algen spezialisiert, die sie von Steinen abkratzen. Sie leben in Flüssen trockener Landschaften. In West-Asien kommen heute mehr als 30 Arten der Kratzbarben vor. Warum es so viele Arten gibt, war bisher schwer erklärbar –&nbsp;die Identifizierung fossiler Karpfenarten war vor der 3D-Technologie nicht möglich.&nbsp;</p><p>Die 3D-Modelle wurden mit Hilfe von Computertomographie erstellt und dienten als Grundlage für Untersuchungen von Struktur und Form der Karpfenzähne. Die 3D-Technologie liefert hochauflösende Bilder von räumlichen Details der Zahnstrukturen lebender Arten. „Diese Methode ermöglicht deshalb zum ersten Mal die Identifikation fossiler Arten“, sagt die Erstautorin der Studie, Doktorandin Anna Ayvazyan. „Wir konnten erst jetzt die erstaunliche Arten-Diversität feststellen, die bereits vor vier Millionen Jahren bestand.“</p><h3>Wie die Artenvielfalt der Fische im Kaukasus entstand</h3><p>Auf Grundlage der genauen Artenbestimmung können nun erstmals evolutionäre Modelle für Fischfaunen des Nahen Ostens und des Kaukasus erstellt werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Evolution der Kratzbarben ein Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen geologischen, biologischen und umweltbasierten Prozessen ist. Diese Faktoren steuern in einer Region Artbildungsprozesse und die geographische Verbreitung von Arten über mehrere Millionen Jahre.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen an, dass sich in West-Asien vor fünf Millionen Jahren in einem riesigen Seesystem ein Artenschwarm von Kratzbarben entwickelte. Durch die Kollision der Afro-Arabischen Kontinentalplatte mit Eurasien begann sich damals das heutige Armenische Hochland um einige Kilometer zu heben. Es umfasst heute Ost-Anatolien, Nordwest-Iran, Armenien, Süd-Georgien und West-Aserbaidschan und ist zwischen 1.500 und 5000 Meter hoch. Diese Gebirgsbildungsprozesse zerteilten das Mega-Seesystem, die einzelnen Kratzbarben-Arten überlebten in getrennten Gebieten der im Hochland entspringenden westasiatischen Flüsse Euphrat, Tigris, Kura und Arax. Die geologischen Prozesse führten zur weiteren Ausdifferenzierung und Entstehung neuer Arten von Kratzbarben.&nbsp;</p><p>Weltweit ist die Biodiversität durch den Menschen bedroht. Der kürzlich erschienene Bericht des UN-Biodiversitätsrates listet jede dritte Art der über 15.000 bekannten Süßwasserfische als gefährdet, insbesondere durch Umweltverschmutzung, Klimawandel, Überfischung und Staudammprojekte. Das trifft vor allem für Karpfenfische zu, die weltweit artenreichste Familie der Süßwasserfische. Sie kommen nur in stark eingegrenzten Gebieten vor (Endemismus), ihre Verbreitung hängt von Verbindungen zwischen Wasserbecken ab. Um ihrem Artensterben entgegen zu wirken, ist es wichtig zu verstehen, welche evolutiven Mechanismen diese Biodiversität erst entstehen ließen.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>A. Ayvazyan, D. Vasilyan, M. Böhme: Possible species-flock scenario for the evolution of the cyprinid genus Capoeta (Cypriniformes: Cyprinidae) within late Neogene lake systems of the Armenian Highland. PLOS ONE, 8. Mai 2019 <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0215543" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0215543</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Anna Ayvazyan<br> Universität Tübingen<br> Terrestrische Paläoklimatologie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-77551<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cppc0caxcbacpBuvwfgpv0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">anna.ayvazyan<span style="display:none">spam prevention</span>@student.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong><br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe@uni-tuebingen.d</a>e</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p><strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</strong><br> Stabsstelle Kommunikation<br> Dr. Sören Dürr<br> Leitung</p><p>Judith Jördens<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 69 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lwfkvj0lqgtfgpuBugpemgpdgti " data-mailto-vector="2" class="mail">judith.joerdens@senckenberg&nbsp;</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.senckenberg.de/presse" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.senckenberg.de/presse</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39861</guid><pubDate>Fri, 17 May 2019 12:06:29 +0200</pubDate><title>Tübinger Fenster für Forschung präsentiert spannende Wissenschaft</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-fenster-fuer-forschung-praesentiert-spannende-wissenschaft/</link><description>Unterhausdebatte zu Genomeditierung bewegt Publikum – Science Slam bringt Forschung auf die Bühne</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwei spannende Veranstaltungen rahmen das diesjährige "Tübinger Fenster für Forschung" (TÜFFF) ein. Den Auftakt bildet die <strong>Unterhausdebatte "Genomchirurgie – neue Allzweckwaffe gegen Krankheiten?"</strong>, die am <strong>Donnerstag, 23. Mai, um 18 Uhr im Pfleghofsaal (Schulberg 2)</strong> stattfindet. Der abschließende Höhepunkt des TÜFFF ist der <strong>Science Slam</strong> am <strong>Freitag, 24. Mai</strong>, <strong>um 20 Uhr im Hörsaal N6 (Auf der Morgenstelle 16, 72076 Tübingen)</strong>. Der Eintritt ist für beide Veranstaltungen frei.</p><p>Bei der Unterhausdebatte zum Thema Gentherapie zeigt das Publikum – nach Vorbild des britischen Unterhauses – mit der Wahl des Sitzplatzes, ob es einer Position zustimmt. Der Abend wird von der Journalistin Kathrin Zinkant (Süddeutsche Zeitung) moderiert und findet in Kooperation mit "Wissenschaft im Dialog"&nbsp;und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften statt. Es geht bei der Debatte um medizinische und ethische Aspekte der Gentherapie. Die medizinische Gentherapie steht vor einer Revolution: Mithilfe der neuen Genschere CRISPR-Cas ist es möglich, Gene schnell, kostengünstig und zuverlässig zu verändern. Die neue Methode könnte in Zukunft dabei helfen, Krebs oder sogar Erbkrankheiten zu heilen. Doch die Genomchirurgie greift auch in unser Erbgut ein. Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden?<br> Weitere Informationen unter <a href="http://www.genomchirurgie.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.genomchirurgie.de</a>&nbsp;</p><h3>Nachwuchsforscher messen sich im Science Slam</h3><p>Als Finale des TÜFFF findet der <strong>Science Slam</strong> statt. Sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler präsentieren hier ihre Forschung. Die Slammerinnen und Slammer stellen spannende wissenschaftliche Themen vor wie Reispflanzen, die rosten, Schlafforschung an Meeresschnecken oder Darmmikrobiota. Am Ende kürt das Publikum den Sieger des Abends.&nbsp;</p><p>Bei einem Science Slam werden auf der Bühne Forschungsthemen für ein Publikum ohne Fachkenntnisse vorgestellt und das innerhalb einer festgelegten Zeit. Für die Präsentation ist alles erlaubt: Powerpoint, Bilder, Videos, Requisiten, Musik oder Pantomime. Die Vorträge sollen unterhaltsam sein und zeigen, dass Wissenschaft für jeden verständlich sein kann.</p><p>Beim <strong>"Tübinger Fenster für Forschung"&nbsp;(TÜFFF) am Freitag, den 24. Mai</strong>, präsentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universität, Uniklinikum und außeruniversitären Forschungsinstituten zwischen 15 und 22 Uhr ihre Forschungsprojekte. Besucher sind eingeladen, selbst Versuche durchzuführen, auf dem Programm stehen Workshops, Führungen und Vorträge. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig; bei einigen Programmpunkten sind die Teilnehmerzahlen begrenzt: www.uni-tuebingen.de/tuefff</p><h3>Kontakt zum TÜFFF:</h3><p>Simona Steeger<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-77825<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ukoqpc0uvggigtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">simona.steeger<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39738</guid><pubDate>Wed, 15 May 2019 21:00:00 +0200</pubDate><title>Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schimpansen-graben-mit-werkzeugen-nach-futter/</link><description>Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Um essbare Wurzeln und Knollen auszugraben, nutzen Schimpansen nicht nur ihre Hände, sondern auch spontan Werkzeuge ‒ selbst dann, wenn sie diese Verhaltensweise nie erlernt haben. Dies konnte ein Team der Universitäten Tübingen, Oslo (Norwegen), Linköping (Schweden) und Wisconsin-Madison (USA) mit einer im Zoo durchgeführten Studie zeigen. Dabei wurde auch erstmals gefilmt, wie Schimpansen Werkzeuge zum Graben benutzen. Die Studie wurde im Fachmagazin <em>PLOS ONE</em> veröffentlicht.</p><p>Alba Motes-Rodrigo vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen und Kollegen führten die Experimente im Zoo von Kristiansand (Norwegen) unter Leitung von &nbsp;Dr. Hernandez-Aguilar (Universität Oslo) durch: In einem ersten Durchlauf vergruben sie (in diesem Fall) Früchte und stellten Aststücke als mögliche Werkzeuge zur Verfügung. Die Schimpansen, die vorher noch nie nach Futter gegraben hatten, zeigten ein Repertoire verschiedener Verhaltensweisen, um an die Früchte zu kommen, beispielsweise durch Graben, Schaufeln, Bohren oder das Vergrößern der Ausgrabungsstelle. Sie nutzten dafür die Aststücke, die sie sorgfältig auswählten ‒ bevorzugt wurden längere Werkzeuge. Sie fertigten auch eigene Werkzeuge an, hauptsächlich aus der im Gehege vorkommenden Vegetation. In einem zweiten Experiment wurde wieder Futter für die Schimpansen vergraben, sie erhielten aber keine fertigen Werkzeuge. In diesem Fall nutzten die Schimpansen beim Ausgraben die Hände häufiger und länger als etwaige Werkzeuge.&nbsp;</p><p>Zwar nahm man bisher an, dass wilde Schimpansen Werkzeuge einsetzen, um unterirdische Speicherorgane von Pflanzen wie Wurzeln und Knollen auszugraben ‒ dies wurde aber nie direkt beobachtet. Die Studie von Motes-Rodrigo und Kollegen hält dieses Verhalten erstmals per Kamera fest.&nbsp;</p><p>Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Einsatz von Werkzeugen bei der Suche nach Knollen und Wurzeln in der menschlichen Evolution entscheidend war. „Lebensmittel aus der Erde waren in der Nahrung der Frühmenschen, während des Übergangs von bewaldeten zu trockenen Lebensräumen, vermutlich reichlich vorhanden“, sagt Motes-Rodrigo. Leider wisse man bisher wenig über damalige Werkzeuge oder das Vorgehen der Frühmenschen. „Die Daten unserer Studie tragen zu einem besseren Verständnis des frühen menschlichen Verhaltens bei. Schimpansen dienen uns hier als Verhaltensmodelle.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Motes-Rodrigo, A., Majlesi, P., Pickering, T.R., Laska, M., Axelsen, H., Minchin, T. C., Tennie, C. and Hernandez-Aguilar, R. A. “Chimpanzee Extractive Foraging with Excavating Tools: Experimental Modeling of the Origins of Human Technology”.&nbsp;<br> PLOS ONE, <a href="http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0215644" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0215644</a>&nbsp;</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Alba Motes-Rodrigo<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Ur- und Frühgeschichte<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29- 78550<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cndc0oqvgu/tqftkiqBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">alba.motes-rodrigo<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39654</guid><pubDate>Tue, 14 May 2019 08:35:56 +0200</pubDate><title>Ranga Yogeshwar bei der 16. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ranga-yogeshwar-bei-der-16-tuebinger-mediendozentur/</link><description>Der Physiker und vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist erklärt, wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern unser Leben auf radikale Weise. Algorithmen erkennen Krankheiten. Sie entscheiden über die Kreditwürdigkeit des Einzelnen. Sie helfen bei der Fahndung nach Verbrechern – und perfektionieren gleichzeitig die Systeme der Überwachung. Social Bots erlauben die massenhafte Verbreitung von Falschnachrichten. Und KI-Programme ermöglichen die spurlose Fälschung von Ton- und Videodokumenten.&nbsp;</p><p>Was bedeuten diese gleichermaßen faszinierenden und riskanten Entwicklungen? Wo liegen die Chancen, wo die Gefahren? Welche Entscheidungen muss der Mensch treffen und welche kann er der Maschine überlassen? Wie sieht unsere Zukunft mit Robotern aus? Wer gehört zu den Gewinnern des Fortschritts, wer zu den Verlierern?</p><p>Diesen Fragen widmet sich der Physiker Ranga Yogeshwar in einem öffentlichen Vortrag aus Anlass der 16. Tübinger Mediendozentur, der am Dienstag, den 21.Mai 2019, um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz) stattfinden wird. Mit Ranga Yogeshwar kommt einer der bekanntesten Wissenschaftsjournalisten nach Tübingen, der mit über 50 Ehrungen und Preisen ausgezeichnet wurde. Er moderierte und entwickelte zahlreiche Sendungen („Quarks &amp; Co“, „Die große Show der Naturwunder“ und „Wissen vor acht“), in denen er komplexe und knifflige Probleme der Wissenschaft auf eine gleichermaßen anspruchsvolle und unterhaltende Weise vermittelt.</p><p>In seiner Tübinger Rede berichtet der Bestsellerautor und Filmemacher von seinen Reisen in die Zentren der KI-Forschung in Europa, den USA und China und skizziert ein umfassendes Panorama der laufenden Forschungsarbeiten. Er analysiert die Vorzüge der Künstlichen Intelligenz und beschreibt die Gefahr, dass wir im „Zeitalter der besseren Messbarkeit“ allmählich in eine „Diktatur der Transparenz“ hinein driften. Ranga Yogeshwar: „Wir brauchen jetzt vor allem eine Debatte, wozu Künstliche Intelligenz sinnvoll genutzt wird.“</p><p>Die thematische Einführung zur 16. Tübinger Mediendozentur am 21. Mai übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Es moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Dr. Andreas Narr. Ein Mitschnitt der Rede zur Mediendozentur wird in SWR Aktuell Radio am 1. Juni von 14 bis 15 Uhr und am 2. Juni von 10 bis 11 Uhr gesendet; Interessierte können die Rede auch über einen Livestream verfolgen (<a href="https://youtu.be/aa-TBX1faBc" target="_blank" rel="noreferrer">https://youtu.be/aa-TBX1faBc</a>). Das Institut für Medienwissenschaft publiziert den Text gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.</p><p>Die Rede wird auch in das Audimax der Universität übertragen.</p><p>Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Mathias Döpfner, Miriam Meckel, Sascha Lobo und Juli Zeh nach Tübingen.&nbsp;&nbsp;</p><p>Kontakt:&nbsp;</p><p>Dr. Andreas Narr&nbsp;<br> Südwestrundfunk&nbsp;<br> Studioleiter Studio Tübingen&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 209-38101&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0pcttBUYT0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.narr<span style="display:none">spam prevention</span>@SWR.de</a><br> &nbsp;<br> Professor Bernhard Pörksen<br> Universität Tübingen<br> Institut für Medienwissenschaft<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72798<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgtpjctf0rqgtmugpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">bernhard.poerksen<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39399</guid><pubDate>Wed, 08 May 2019 20:00:00 +0200</pubDate><title>Zahlensinn ergibt sich spontan aus der Erkennung sichtbarer Objekte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zahlensinn-ergibt-sich-spontan-aus-der-erkennung-sichtbarer-objekte/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen nutzen künstliche neuronale Netze als Hirnmodell des Sehsystems</description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschen und Tiere haben einen „Zahlensinn“, eine angeborene Fähigkeit, die Anzahl sichtbarer Objekte in ihrem Blickfeld intuitiv zu erfassen. Als neuronale Grundlage dieser Fähigkeit gelten sogenannte Zahlenneurone, die bevorzugt auf bestimmte Anzahlen antworten und im Gehirn von Mensch und Tier nachgewiesen wurden. Ob und wie sich solche Zahlenneurone allein durch die Sehfähigkeit im Gehirn herausbilden können, war bislang unbekannt. Wie der Zahlensinn entsteht, hat ein Forscherteam unter der Leitung von Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen anhand eines künstlichen neuronalen Netzes untersucht. Den Ergebnissen zufolge geht er spontan und ohne Zählübung aus dem Sehsystem hervor. Die Studie wird in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.</p><p>Die Forscher trainierten zunächst ein künstliches neuronales Netz, ein sogenanntes ‚deep learning’-Netzwerk, Objekte wie Tennisbälle, Halsschmuck, Spinnen oder Hunde auf Fotos zu erkennen. „Das Netzwerkmodell beruhte auf einem System, das in seiner Architektur dem frühen Entwicklungszustand der menschlichen Sehhirnrinde nachempfunden ist“, erklärt Andreas Nieder. „Dort hatte man entdeckt, wie Nervenzellen in verschiedenen Hierarchieebenen beim Sehen zusammenarbeiten.“ Das künstliche Netz trainierte die Objekterkennung anhand von 1,2 Millionen Bildern, die in tausend Kategorien klassifiziert wurden. Nach dem Training konnte das Netzwerk Tausende von neuen Bildern mit hoher Trefferquote richtig klassifizieren.&nbsp;</p><h3>Rückgriff auf bestehende neuronale Netzwerke</h3><p>Gegliedert ist das Netzwerk in zwei Teile: Der eine extrahiert aus den Bildern die Merkmale des gezeigten Objekts und verwandelt diese in eine abstrakte Repräsentation; der zweite Teil ordnet die Objekte anhand der Repräsentation mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einer Kategorie zu. „Die beiden Netzwerkteile haben wir voneinander getrennt und präsentierten nun dem ersten Teil statt Fotos von Objekten einfache Punktmuster mit ein bis 30 Punkten“, sagt Nieder. In folgenden Durchläufen wurden die Muster mit unterschiedlicher Punktform und -dichte in Variationen wiederholt. Die Forscher analysierten nun, ob die künstlichen Neurone des Netzwerks unabhängig von sonstigen Merkmalen auf die jeweils gleiche Anzahl der dargestellten Punkte reagierten. „Fast zehn Prozent der künstlichen Neurone hatten sich auf jeweils eine bestimmte Anzahl spezialisiert, obwohl das Netzwerk nie auf die Unterscheidung von Anzahlen trainiert wurde. Das Netzwerk hatte sozusagen spontan einen Zahlensinn entwickelt“, beschreibt der Wissenschaftler das Ergebnis.</p><p>Wissenschaftler hätten bereits zuvor vermutet, dass sich die Zählfähigkeit aus dem Sehsystem ent-wickelt. Grundsätzlich sei das Sehsystem mit der Erkennung sichtbarer Objekte beschäftigt. Die neue Studie zeige nun auf, wie sich aus einem künstlichen Sehsystem, das nur auf die Erkennung sichtbarer Objekte trainiert war, spontan Neurone des Zahlensinns entwickeln können. Diese ähnel-ten zudem in ihrem Funktionsverhalten echten Zahlenneuronen bei Tier und Mensch. „Der Zahlen-sinn scheint also nicht von einem bestimmten spezialisierten Hirnbereich abzuhängen, sondern greift auf neuronale Netzwerke zurück, die sich durch das Sehen gebildet haben. Dadurch lässt sich nun erklären, warum auch schon Neugeborene oder untrainierte Wildtiere einen Zahlensinn besitzen“, sagt Nieder.</p><h3>Publikation:</h3><p>Khaled Nasr, Pooja Viswanathan, Andreas Nieder: Number detectors spontaneously emerge in a deep neural network designed for visual object recognition. Science Advances 2019; 5:eaav7903, 8. Mai 2019</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Andreas Nieder<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Neurobiologie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-75347</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0pkgfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.nieder<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39405</guid><pubDate>Wed, 08 May 2019 19:00:00 +0200</pubDate><title>Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-viertel-der-fluesse-weltweit-durch-menschliche-eingriffe-in-ihrem-lauf-beeintraechtigt/</link><description>Globale Studie unter Beteiligung der Universität Tübingen erfasst den Zustand von Flussökosystemen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weniger als ein Viertel aller Flüsse weltweit fließt auf der gesamten Länge ungehindert durch Staudämme oder menschengemachte Regulierungen ins Meer. Unter den mehr als tausend Kilometer langen Flüssen kann nur rund ein Drittel dem von der Natur vorgegebenen Lauf folgen. Das ergab eine umfangreiche Studie eines großen internationalen Wissenschaftlerteams aus Mitgliedern der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) und von Forschungseinrichtungen. An der Studie waren maßgeblich Professorin Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen sowie auch Klement Tockner, langjähriger Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und Professor für aquatische Ökologie an der Freien Universität Berlin, beteiligt.</p><p>Das Team bezog zwölf Millionen Flusskilometer weltweit in die Studie ein. Untersucht wurde vor allem jeweils die Vernetzung des Flusses mit seinem Überschwemmungsgebiet und dem Grundwasser sowie der Stoffaustausch mit den verbundenen Biotopen – die Forscher fassen diese Eigenschaften als Konnektivität des Flusses zusammen. Diese kann als Maß gelten für den Zustand eines Flusses, der mit ihm verbundenen Ökosysteme und deren Artenvielfalt. Die Quantifizierung und Kartierung sollen außerdem als Grundlage für den Erhalt der letzten naturbelassenen Flüsse dienen und eine Priorisierung von Renaturierungsmaßnahmen unterstützen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.</p><h3>Ökosysteme mit großer Artenvielfalt</h3><p>Frei fließende Flüsse lassen global die Ökosysteme mit der größten Artenvielfalt und Dynamik entstehen, vergleichbar tropischen Regenwäldern und Korallenriffen. Zugleich bieten Flüsse zum Beispiel für die Süßwassernutzung, Bewässerung in der Landwirtschaft, durch Fischfang und Energiegewinnung aus Wasserkraft wichtige Lebensgrundlagen für viele Millionen von Menschen. So zählte das Wissenschaftlerteam in der neuen Studie allein rund 2,8 Millionen Dämme, hinter denen Reservoire von mindestens tausend Quadratmetern Wasserfläche entstanden sind, auf den zwölf Millionen untersuchten Flusskilometern. „Das führt zur Fragmentierung des Flusslaufs und hat teilweise schwerwiegende Auswirkungen auf das ganze Flusssystem“, sagt Christiane Zarfl. Durch die Weiterentwicklung der Infrastruktur für eine steigende Zahl von Menschen seien Flüsse und ihre Ökosysteme weltweit zunehmend bedroht.</p><h3>Konnektivität als Maß</h3><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten in ihrer Studie eine neue Methode, um den Zustand eines Flusses zu beurteilen. Zentrales Maß ist dabei die Konnektivität eines Flusses mit Bewertungen zum freien Wasserfluss, zu den Bewegungsmöglichkeiten von Organismen sowie zum Transport von Sedimenten, organischen Stoffen, Nährstoffen und Energie. In die umfassende Untersuchung gingen vier Dimensionen ein: in Fließrichtung, flussauf- und abwärts im Flussbett; über die Flussufer hinaus, zwischen dem Hauptbett des Flusses und der Aue; in vertikaler Richtung zwischen dem Grundwasser, dem Fluss und der Atmosphäre sowie in zeitlicher Abhängigkeit bedingt durch die Jahreszeiten. Darüber beurteilte das Wissenschaftlerteam, welche Flüsse noch als frei fließend betrachtet werden können. „Heute sind sie weitgehend auf abgelegene Regionen wie die Arktis, das Amazonasbecken und das Kongobecken beschränkt“, sagt Christiane Zarfl. „In dicht bevölkerten Erdregionen wie Nordamerika, Europa und Südasien sind nur noch wenige sehr lange Flüsse frei fließend, allen voran der Irrawaddy und der Saluen.“</p><p>2015 verabschiedeten zahlreiche Nationen beim UNO-Nachhaltigkeitsgipfel in New York Nachhaltigkeitsziele, die auch den Schutz beziehungsweise die Wiederherstellung wassergebundener Ökosysteme vorsehen. Dennoch seien zurzeit mehr als 3.700 neue und große Dämme zur Wasserkraftnutzung in Planung, sagt die Wissenschaftlerin, zum Beispiel in den Balkanstaaten, im Amazonasgebiet, vor allem aber in Asien, in China und im Himalaja. Außerdem seien etwa in Indien, China und Brasilien große Bewässerungsvorhaben geplant oder bereits im Bau, die das Ausbaggern von Flüssen, ihre Kanalisierung oder den Bau von Talsperren oder Dämmen erfordern. „Wir haben nun erstmals ein umfassendes Informationssystem mit hoher Auflösung zu den Flüssen der Erde angelegt. Es soll auch dazu dienen, die Zusammenhänge und Abhängigkeiten der Ökosysteme und die Folgen künftiger Eingriffe deutlich zu machen“, erklärt Christiane Zarfl. Übergeordnetes Ziel sei die Erhaltung der letzten frei fließenden Flüsse der Erde.</p><h3>Publikation:</h3><p>G. Grill, B. Lehner, M. Thieme, B. Geenen, D. Tickner, F. Antonelli, S. Babu, P. Borrelli, L. Cheng, H. Crochetiere, H. Ehalt Macedo, R. Filgueiras, M. Goichot, J. Higgins, Z. Hogan, B. Lip, M. McClain, J-H. Meng, M. Mulligan, C. Nilsson, J.D. Olden, J. Opperman, P. Petry, C. Reidy Liermann, L. Saenz, S. Salinas-Rodríguez, P. Schelle, R.J.P. Schmitt, J. Snider, F. Tan, K. Tockner, P.H. Valdujo, A. van Soesbergen, C. Zarfl: Mapping the world’s free-flowing rivers. Nature, 9. Mai 2019,&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1038/s41586-019-1111-9" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41586-019-1111-9</a>.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Christiane Zarfl<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften – Umweltsystemanalyse<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76076<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ejtkuvkcpg0bcthnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">christiane.zarfl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Prof. Dr. Klement Tockner<br> Freie Universität Berlin<br> Aquatische Ökologie<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mngogpv0vqempgtBhyh0ce0cv" data-mailto-vector="2" class="mail">klement.tockner<span style="display:none">spam prevention</span>@fwf.ac.at</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39471</guid><pubDate>Wed, 08 May 2019 13:49:28 +0200</pubDate><title>„Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/seid-mutig-und-bringt-mit-von-den-fruechten-des-landes/</link><description>Öffentliche Antrittsvorlesung zur Landwirtschaft im antiken Palästina ‒ Professur für Biblische Archäologie an der Universität Tübingen wiederbesetzt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Biblisch-Archäologische Institut der Universität Tübingen ist wieder mit einer ordentlichen Professur ausgestattet: Jens Kamlah wurde im August 2018 auf die Professur an der Evangelisch-Theologischen Fakultät berufen, er hatte das Institut seit 2010 als außerordentlicher Professor geleitet. Am Freitag, 17. Mai 2019, 16 Uhr c. t., hält er nun seine öffentliche Antrittsvorlesung. Im Hörsaal des Theologicums wird er über Geschichte und Aufgaben des Biblisch-Archäologischen Instituts sprechen. Am Beispiel des Granatapfels und weiterer Früchte des „gelobten Landes“ werden die gegenwärtigen Forschungen des Instituts zur Landwirtschaft im antiken Palästina vorgestellt. Die interessierte Öffentlichkeit, Medienvertreterinnen und -vertreter sind dazu herzlich eingeladen.</p><p>Das Institut wurde 1960 als erstes seiner Art in Deutschland gegründet, um mit wissenschaftlich-archäologischen Methoden das Altertum Palästinas und die Lebenswelt der Bibel zu erforschen. Unter anderem beteiligten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am „Tübinger Atlas des Vorderen Orients“ und erstellten eine dreibändige Dokumentation zur Baugeschichte Jerusalems, die heute als Standardwerk gilt. Ausgrabungen des Instituts in Hirbet ez-Zeraqon in Nordjordanien standen von 1984-1994 unter der Leitung von Siegfried Mittmann. Nach dessen Emeritierung 1999 blieb die Professur unbesetzt, Jens Kamlah übernahm 2010 die Institutsleitung. (Mehr zur Institutsgeschichte unter <a href="/fakultaeten/evangelisch-theologische-fakultaet/lehrstuehle-und-institute/altes-testament/biblisch-archaeologisches-institut/institut/geschichte-des-bai/" target="_blank" class="internal-link">https://uni-tuebingen.de/de/52747</a>)</p><p>Dem Biblisch-Archäologischen Institut ist er schon viel länger verbunden: Während seines Studiums der Evangelischen Theologie, Altorientalistik, Ägyptologie und Vor- und Frühgeschichte war er dort als wissenschaftliche Hilfskraft beschäftigt und nahm an Ausgrabungen teil. 1999 wurde er mit einer Arbeit über die archäologischen Untersuchungen in der Region von Hirbet ez-Zeraqon promoviert. Nach seiner Habilitation an der Universität Kiel kehrte er nach Tübingen zurück. Neben der Religionsgeschichte und Archäologie in den Ländern des östlichen Mittelmeerraums erforscht er auch die Welt und Umwelt des Alten Testaments sowie Landwirtschaft und Sozialgeschichte im antiken Palästina.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor&nbsp;Dr. Jens Kamlah<br> Universität Tübingen<br> Biblisch-Archäologisches Institut<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72879<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lgpu0mconcjBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">jens.kamlah<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39390</guid><pubDate>Tue, 07 May 2019 17:30:00 +0200</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2019 geht an Diarmaid MacCulloch</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2019-geht-an-diarmaid-macculloch/</link><description>Evangelische Fakultät der Universität Tübingen zeichnet britischen Historiker aus ‒ Nachwuchswissenschaftlerpreis für Alexa von Winning</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Historiker Sir Diarmaid MacCulloch hat am Dienstag den Dr. Leopold Lucas-Preis der Universität Tübingen erhalten. Der anglikanische Theologe und Professor für Kirchengeschichte an der Universität Oxford gilt als führend im Bereich der Reformationsforschung. Die Evangelisch-Theologische Fakultät zeichnete ihn für seine wissenschaftlichen Verdienste um ein umfassendes Verständnis von Religion und europäischer Geschichte aus. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis würdigt hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Theologie, Geistesgeschichte, Geschichtsforschung sowie der Philosophie. Er ehrt besonders Persönlichkeiten, die sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht und so die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern fördern.</p><p>Den Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhielt auf Vorschlag der Philosophischen Fakultät Alexa von Winning vom Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen. In ihrer Promotion „Leaving Home. The Noble Family, Imperial Russia, and Global Orthodoxy, 1855-1936” setzt sie sich mit dem Zusammenspiel von Politik und Privatleben im Russischen Reich auseinander. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.</p><p>Rev. Professor Diarmaid MacCulloch (geb. 1951) war nach seinem Theologiestudium als Diakon der anglikanischen Kirche tätig. 1997 wurde er als Professor für Kirchengeschichte an die Universität Oxford berufen und erforscht dort vor allem die Reformation und das England zur Tudor-Zeit. Er war für zwei Jahrzehnte Mitherausgeber des Journal of Ecclesiastical History und hat für die BBC Historienfilme begleitet. 2012 wurde er in den Ritterstand erhoben. Foto: Barry Jones</p><p>Seine mehrfach ausgezeichneten Arbeiten zur englischen Reformationsgeschichte zeigen diese als Prozess, der zwischen 1490 und 1700 die kirchliche, politische und gesellschaftliche Landkarte Europas umpflügte. Er habe damit die Perspektive auf die Frühe Neuzeit nachhaltig verändert, sagte die Jury in ihrer Begründung. „Reformation geht hier nicht nur vom Universitätsstädtchen Wittenberg aus, sondern ist ein konfessionsübergreifender Vorgang mit vielschichtigen Dynamiken, dessen Anfänge ausgerechnet in Spanien und der Inquisition liegen: Die europäischen Staaten organisierten sich straffer als im Mittelalter und formten ihre Gesellschaften nach religiösen Leitlinien um. Diarmaid MacCulloch zeichnet ein polyzentrisches Europa der Frühen Neuzeit, in dem unterschiedliche Kräfte eine Modernisierung vorantrieben, die die europäische Gesellschaft bis heute prägt. In großer Gelehrsamkeit und doch mit leichter erzählerischer Hand verabschiedet er sich so von gängigen Mustern nationaler Geschichtsschreibung und dient als Historiker eben jenem Toleranzgedanken, dem der Leopold-Lucas-Preis gewidmet ist.“</p><p>Alexa von Winning (geb. 1984) studierte Neuere Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen und Kazan (Russische Föderation). In ihrer Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen erforschte sie das historische Zusammenspiel von Politik und Privatleben. Im russischen Reich wirkten hochmobile Elitefamilien als Bindeglieder zwischen der Russisch Orthodoxen Kirche und der globalisierten Welt des 19. Jahrhunderts. Dies brachte Chancen und Risiken mit sich: Mobile Familien trieben die internationale Präsenz des Reichs und der Kirche voran und waren zugleich Einfallstore für Ideen, die staatliche und kirchliche Autoritäten nur schwer kontrollieren konnten. Die Dissertation zeigt, dass Familien nicht immer häuslich und Politik auch im 19. Jahrhundert nicht immer männlich war.&nbsp;</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis wird von der Dr. Leopold Lucas-Stiftung finanziert (Trägerverein: Universitätsbund Tübingen) und wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet. Anlass war der 100. Geburtstag seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas. Dieser wirkte als Rabbiner in Glogau und zuletzt an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der zu seinem Gedächtnis ins Leben gerufene Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen.</p><p>Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gelehrte wie Schalom Ben-Chorin (1974), Karl Raimund Popper (1981), Karl Rahner (1982), Fritz Stern und Hans Jonas (1984), Paul Ricoeur (1989), Moshe Zimmermann (2002), Dieter Henrich (2008) und Seyla Benhabib (2012) aber auch Repräsentanten religiösen Lebens wie der 14. Dalai Lama (1988), der polnische Erzbischof Hendrik Muszynski (1997) und der evangelische Bischof Eduard Lohse (2007). Geehrt wurden auch Vertreter aus Kultur und Politik wie der senegalesische Dichter und Staatspräsident Léopold Sédor Senghor (1983), der polnische Lyriker und Essayist Adam Zagajewski und die Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker (2000) und Joachim Gauck (2017).&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly<br> Universität Tübingen<br> Evangelisch-Theologische Fakultät<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72538<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gx0vjgqnqikgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ev.theologie<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39312</guid><pubDate>Mon, 06 May 2019 10:48:09 +0200</pubDate><title>Universität baut Forschung im Bereich Ethik und Künstliche Intelligenz aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-baut-forschung-im-bereich-ethik-und-kuenstliche-intelligenz-aus/</link><description>Exzellenzcluster richtet &quot;Ethics &amp; Philosophy Lab&quot; ein Öffentliches Forschungsseminar am Weltethos-Institut ‒ Studium Generale-Reihe &quot;Maschinelles Lernen&quot;</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Standort Tübingen baut seine Forschung und Aktivitäten im Bereich Ethik und Künstliche Intelligenz (KI) aus. Das Spektrum reicht dabei von der Einrichtung eines "Ethics &amp; Philosophy Labs"&nbsp;als Forschungseinrichtung des Exzellenzclusters "Maschinelles Lernen"&nbsp;bis hin zu einer öffentlichen Vorlesungs-Reihe im Rahmen des Studium Generale im kommenden Sommersemester. Die folgenden Maßnahmen sind geplant oder bereits umgesetzt:</p><h3>Ethics &amp; Philosophy Lab&nbsp;</h3><p>Zum 1. April hat an der Universität das "Ethics &amp; Philosophy Lab"&nbsp;im Rahmen des Exzellenzclusters "Maschinelles Lernen"&nbsp;seine Arbeit aufgenommen. Es widmet sich ethischen und philosophischen Fragen bei der Erforschung und Anwendung von Techniken Künstlicher Intelligenz in Wissenschaft und Gesellschaft. Untersucht wird u. a., was Maschinen lernen können und welche Rolle Wissenschaftler in einem von Maschinen mitgestalteten Erkenntnisprozess spielen. Das Labor startet zunächst mit drei Fellows: Dr. Thilo Hagendorff befasst sich mit Aspekten der Ethik Maschinellen Lernens (ML) mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz, wie zum Beispiel die potenzielle Diskriminierung durch Algorithmen. Dr. Thomas Grote forscht zu Fragestellungen der Verteilung von Verantwortung bei algorithmischer Entscheidungsfindung. Dr. Eric Raidl untersucht die Erkenntnistheorie und Logik von Maschinellem Lernen in der Wissenschaft und dabei besonders, wie sich das in ML-Systemen dargestellte Wissen bei neuen Erkenntnissen verändert.&nbsp;</p><p>Als Mentoren werden Professorin Regina Ammicht-Quinn vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) und der Wissenschaftsphilosoph Wolfgang Spohn die Arbeit begleiten, der als Seniorprofessor an die Universität Tübingen berufen wurde. Spohn studierte Philosophie, Logik &amp; Wissenschaftstheorie und Mathematik an der LMU München. Dort habilitierte er sich 1984 und hatte danach Professuren an den Universitäten Regensburg und Bielefeld inne. Bis 2018 war er Professor an der Universität Konstanz. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Wissenschafts-&nbsp;und Erkenntnistheorie, unter besonderer Berücksichtigung der Logik. Er wird zudem am Exzellenzcluster den Aufbau des Bereichs Wissenschaftstheorie und Maschinelles Lernen unterstützen.<br> Infos zum "Ethics &amp; Philosophy Lab"&nbsp;unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/151218" target="_blank" class="internal-link">https://uni-tuebingen.de/de/151218</a>&nbsp;.</p><h3>Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur</h3><p>Bereits im Januar hat die Universität Tübingen mit Unterstützung der Udo Keller Stiftung die "Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur für Theorie und Geschichte der Wissenschaften"&nbsp;eingerichtet. Professor Reinhard Kahle erforscht hier, in der philosophischen Tradition Carl Friedrich von Weizsäckers unter anderem Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung wissenschaftlicher Forschung. In einem ersten Schwerpunkt geht es dabei vor allem um Verantwortung in der KI.</p><p>So behandelt ein von der Volkswagen-Stiftung gefördertes Projekt die Frage, inwiefern Software 'verantwortlich'&nbsp;sein kann. Ziel ist es, die Verantwortung für Entscheidungen, die von Computerprogrammen getroffen werden, in der Hierarchie der Beteiligten –&nbsp;Programmierer, Auftraggeber, Anbieter und Nutzer –&nbsp;zuweisen zu können. Zudem wird untersucht, wie Verantwortungen zugeordnet werden müssen, damit eine gesellschaftliche Akzeptanz von KI im Alltag erreicht wird. Das sind auch Schlüsselfragen für ein geplantes "Zentrum für Ethik in der digitalen Gesellschaft" mit Professor Reinhard Kahle und Seniorprofessor Klaus Mainzer. Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Mainzer war unter anderem Gründungsdirektor des Munich Center for Technology in Society und beschäftigt sich mit den Grundlagen Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Herausforderungen. In Tübingen wird er im Juli einen Kurs zu den "Grundlagen des maschinellen Lernens und der KI" auf der Hilbert-Bernays-Sommerschule halten, die von der Stiftungsprofessur organisiert wird.<br> Infos unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/143985" target="_blank" class="internal-link">https://uni-tuebingen.de/de/143985</a>&nbsp;.</p><h3>Veranstaltungen für die Öffentlichkeit</h3><p>Unter verschiedenen Lehrveranstaltungen für Studierende gibt es auch Angebote für die interessierte Öffentlichkeit. Im Sommersemester 2019 bietet Dr. Christopher Gohl am Weltethos-Institut das Forschungsseminar "Was bedeutet 'Cyber Valley'&nbsp;für die Tübinger Demokratie"&nbsp;an. Das Weltethos-Institut organisiert bereits seit 2017 Konferenzen, öffentliche Veranstaltungen und Lehrveranstaltungen zum Thema Ethik und KI, ausgehend von der Grundlage: KI braucht Dialog. Es geht um Fragen wie "Machen digitale Erfindungen unser Leben besser?"&nbsp;und "Wer ist daran beteiligt und wer profitiert davon?". "Für die Beantwortung braucht es einen Austausch, bei dem sich alle Beteiligten zu Chancen, Gefahren, Entwicklungen und ihren Konsequenzen verständigen", sagt Gohl. "Tübingen ist für die kritische Begleitung von Forschung rund um die KI gut geeignet, weil die Universität über Institutionen zur ethischen Reflexion verfügt und die Stadt durch eine kritische Stadtgesellschaft mit gut entwickelter Dialog– und Streitkultur geprägt wird."&nbsp;<br> Infos unter <a href="http://www.weltethos-institut.org/institut/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.weltethos-institut.org/institut/</a>&nbsp;, <a href="https://bit.ly/2UcNmxy" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bit.ly/2UcNmxy</a>&nbsp;</p><p>Im Rahmen des Studium Generale findet im Sommersemester die Ringvorlesung Maschinelles Lernen (Donnerstag, 20 Uhr, Hörsaal 21) statt. Die Reihe wird einen fundierten Überblick über das Forschungsgebiet und dessen Anwendungen geben. Interessierte sollen sich ein realistisches Bild davon machen können, was Maschinelles Lernen derzeit kann und was nicht – und was in naher Zukunft möglich sein könnte. Die Referentinnen und Referenten sprechen auf Einladung der Informatiker Professor Matthias Hein, Professor Philipp Hennig und Dr. Gabriele Schweikert.&nbsp;<br> Infos zum Studium Generale: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/63" target="_blank" class="internal-link">https://uni-tuebingen.de/de/63</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Ethics &amp; Philosophy Lab&nbsp;<br> Prof. Dr. Philipp Berens<br> Universität Tübingen<br> Forschungsinstitut für Augenheilkunde<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-88833<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rjknkrr0dgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">philipp.berens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur<br> Prof. Dr. Reinhard Kahle<br> Universität Tübingen<br> Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-75333<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgkpjctf0mcjngBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">reinhard.kahle<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Weltethos–Institut<br> Dr. Christopher Gohl<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Weltethos Institut<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 54940-33<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,iqjnBygnvgvjqu–kpuvkvwv0qti" data-mailto-vector="2" class="mail">gohl<span style="display:none">spam prevention</span>@weltethos–institut.org</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39276</guid><pubDate>Fri, 03 May 2019 13:58:44 +0200</pubDate><title>Wissenschaft erleben an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wissenschaft-erleben-an-der-universitaet-tuebingen-1/</link><description>Spitzenforschung auf Augenhöhe und zum Mitmachen gibt es am 24. Mai beim Tübinger Fenster für Forschung (TÜFFF)</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was passiert bei einer Impfung im Körper? Wie kann eine Maschine eigenständig neue Verhaltensweisen erlernen? Wie entsteht Epilepsie? Wie kommt Mikroplastik ins Badezimmer? Was hat ein E-Bike mit Da Vinci zu tun? Woher kommen wir? Für kleine und große Neugierige gibt es Antworten auf diese und viele weitere Fragen beim vierten <strong>„Tübinger Fenster für Forschung“ (TÜFFF)</strong>. <strong>Am Freitag, &nbsp;24. Mai 2019,</strong> können Besucherinnen und Besucher aller Altersstufen <strong>von 15 bis 22 Uhr</strong>&nbsp;<strong>im Hörsaalzentrum der Naturwissenschaften (Auf der Morgenstelle 16)</strong> einen Blick hinter die Kulissen von Universität, Klinikum und außeruniversitären Forschungsinstituten werfen.&nbsp;</p><p>Den Auftakt zum diesjährigen TÜFFF bildet am <strong>Donnerstag, 23. Mai, um 18 Uhr die Unterhausdebatte „Genomchirurgie – neue Allzweckwaffe gegen Krankheiten?“ im Pfleghofsaal (Schulberg 2)</strong>. Bei diesem Format zeigt das Publikum – nach Vorbild des britischen Unterhauses – mit der Wahl des Sitzplatzes, ob es einer Position zustimmt. Der Abend wird von der Journalistin Kathrin Zinkant (Süddeutsche Zeitung) moderiert und findet in Kooperation mit „Wissenschaft im Dialog“ und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften statt. <strong>Die Eröffnung des vierten TÜFFF</strong> findet am <strong>Freitag, 24. Mai, um 15.30 Uhr</strong> im Hörsaalzentrum Auf der Morgenstelle statt. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung im Hörsaal N3 wird auch der diesjährige Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung verliehen.</p><p>Wissenschaft zum Ausprobieren und Mitmachen gibt es beim Markt der Möglichkeiten. Zwischen 15 und 21 Uhr stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an über 60 Stationen ihre Forschungsprojekte vor und laden ein zum Experimentieren, Ausprobieren und Fragenstellen. Die Besucherinnen und Besucher können beispielsweise Nervenzellen in der Hirnrinde genauer unter die Lupe nehmen oder durch den Vergleich von Grabungsobjekten und Symbolen nachvollziehen, wie Menschen während der Eiszeit kommunizierten. Zudem können herkömmliche Fotos mithilfe eines Algorithmus in Gemälde verwandelt werden und vieles mehr.</p><p>Bei sechs Themenführungen zwischen 16 und 19 Uhr dürfen Neugierige die Forschungsräume vor Ort erkunden. Bei einem Rundgang durch die Labore des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen (IMIT) beispielsweise können die Teilnehmenden Mikroben live beim Wachsen zusehen. Ein hochauflösendes Massenspektrometer kommt bei der Führung durch das Proteom Centrum Tübingen zum Einsatz.</p><p>Außerdem werden fünf Workshops angeboten: Die Besucherinnen und Besucher können zum Beispiel mit dem Sonderforschungsbereich 833 die Bedeutung von Sprache erkunden. Ein Quiz informiert über witzige, verblüffende und erstaunliche Aspekte verschiedener Sprachen. Der Workshop „Alltagskultur erforschen“ gibt Gelegenheit, mit Forscherinnen und Forschern des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft darüber zu sprechen, wie Alltägliches erforscht werden kann und was das Interessante am vermeintlich „Normalen“ ist.</p><p>Verschiedene Vorträge zu Themen wie Genom-Editierung, Freiheitsstrafen, Arsen im Trinkwasser, YouTube und Spotify sowie Therapie von Tumorerkrankungen runden das Programm ab.</p><p>Ein Science Slam ist der abschließende Höhepunkt des diesjährigen Tübinger Fensters für Forschung: kreativ und bunt stellen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 20 bis 22 Uhr im Hörsaal N6 im Hörsaalzentrum ihre Forschungsergebnisse vor. Von PowerPoint bis Pantomime ist alles möglich – am Ende entscheidet das Publikum, welcher Vortrag am besten gefallen hat.</p><p>Alle Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig; bei einigen Programmpunkten sind die Teilnehmerzahlen begrenzt.&nbsp;</p><p>Das gesamte Programm finden Sie unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/tuefff" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/tuefff</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Simona Steeger<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-77825<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ukoqpc0uvggigtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">simona.steeger<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-39225</guid><pubDate>Thu, 02 May 2019 16:37:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Kinder-Uni beginnt am 28. Mai</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-kinder-uni-beginnt-am-28-mai/</link><description>Sechs Vorlesungen für kleine Nachwuchsforscherinnen und -forscher</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ab 28. Mai halten bei der Tübinger Kinder-Uni wieder sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Vorlesungen für Kinder. Auf kindgerechte Weise beantworten sie jeweils eine Frage aus ihrem Fachbereich ‒ und weil es an der Kinder-Uni fast so zugeht wie an der Universität für Erwachsene, gibt es Studierendenausweise, die vor jeder Vorlesung abgestempelt werden. Wer mindestens vier Stempel gesammelt hat, erhält am Ende ein Kinder-Uni-Diplom.&nbsp;</p><p>Die Vorlesungen finden <strong>ab 28. Mai</strong> jeweils <strong>dienstags um 17 Uhr im Hörsaal 25</strong> im Kupferbau (Hölderlinstraße 5) statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei. Die Vorlesungen richten sich an Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren und dauern rund eine Dreiviertelstunde. Erwachsene sind bei der Kinder-Uni nur in Begleitung eines Kindes zugelassen, die Sitzplätze sind für Kinder reserviert.</p><h3>Programm:&nbsp;</h3><p>In der ersten Vorlesung am<strong> 28. Mai</strong> lädt Professorin Ellen Widder zu einer Reise durch die mittelalterliche Geschichte ein und fragt <strong>„Warum gibt es Städte und Dörfer?“</strong>&nbsp;</p><p>Die Immunologin Professorin Sandra Beer-Hammer beschäftigt sich mit dem körpereigenen Sicherheitsdienst, dem Immunsystem. Sie gibt am <strong>4. Juni</strong> Antworten auf die Frage <strong>„Warum brauchen wir ein Immunsystem?“</strong>&nbsp;</p><p>Das nächste Thema verspricht Abkühlung: Minus 30 Grad sind für die Eisforscherin (Glaziologin) Dr. Ilka Weikusat nichts Ungewöhnliches, sie untersucht die Eigenschaften des Eises auf Grönland und in der Antarktis. In ihrer Vorlesung am <strong>25. Juni</strong> fragt sie gemeinsam mit den Kindern, <strong>„Warum kann Eis Geschichten erzählen?“</strong>.&nbsp;</p><p>Wie viel kostet eine Kinokarte plus eine Portion Popcorn? Jeder muss im Alltag hin und wieder seine Rechenkünste unter Beweis stellen. Viele haben sich hierbei sicher schon gefragt <strong>„Warum nehmen wir beim Rechnen die Finger zur Hilfe?“</strong> Professor Korbinian Möller aus der Angewandten Wissenspsychologie beantwortet diese Frage am <strong>2. Juli</strong>.</p><p>Der Wecker klingelt morgens, es ist Zeit zum Aufstehen, doch man ist immer noch müde – diese Situation kennt vermutlich jeder. Aber <strong>„Warum sind wir morgens immer so müde?“</strong> Am <strong>9. Juli</strong> geht Professor Christoph Randler zusammen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern dieser Frage auf den Grund.</p><p>Am <strong>16. Juli</strong> ist der Direktor der Wilhelma, Dr. Thomas Kölpin, zu Besuch an der Universität Tübingen. Thomas Kölpin ist von Elefanten fasziniert und beschäftigt sich mit dem Sozialverhalten der Dickhäuter. In seiner Vorlesung fragt er gemeinsam mit den Kindern <strong>„Warum leben Elefanten in Familien?“</strong></p><h3>Kinderkonzert:</h3><p>Im Rahmen der Kinderuni findet zudem ein <strong>Kinderkonzert am Sonntag, 21. Juli, um 17 Uhr</strong> im <strong>Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz)</strong> statt. Es wird die Orchester-Fantasie Scheherazade des Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow vom Orchester der Universität und dem Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung vorgestellt und anschließend vorgespielt. Das Werk beruht auf den Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ und beschreibt gleich zu Beginn, wie das Schiff von Sindbad, dem Seefahrer, aufs Meer hinausfährt. Danach können die Kinder optional noch das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms anhören. Das Konzert richtet sich an Kinder ab sechs Jahren und dauert rund 90 Minuten. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.</p><h3>Kinder-Uni-Forschertag:</h3><p>Beim Kinder-Uni-Forschertag am <strong>Samstag, 6. Juli</strong>, werden Kinder selbst zu Forscherinnen und Forschern und können in Workshops Wissenschaft hautnah erleben. Das Programm und die Kontaktdaten für eine Anmeldung werden am Montag, den 3. Juni, auf der Homepage der Universität Tübingen (<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/75881" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/75881</a>) bekannt gegeben.</p><p>Die Kinder-Uni-Vorlesungsreihe wird seit 2002 gemeinsam von der Universität Tübingen und dem Schwäbischen Tagblatt veranstaltet. Die Idee wurde in den darauffolgenden Jahren von über 200 Universitäten in ganz Europa aufgegriffen und 2005 mit einem Preis der Europäischen Union ausgezeichnet, die Gründer erhielten das Bundesverdienstkreuz.&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Alisa Koch<br> Universität Tübingen<br> Stabsstelle Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76724<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cnkuc0mqejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">alisa.koch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38799</guid><pubDate>Thu, 25 Apr 2019 08:50:04 +0200</pubDate><title>Schlaf macht den Hippocampus frei für neue Gedächtnisinhalte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schlaf-macht-den-hippocampus-frei-fuer-neue-gedaechtnisinhalte/</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen verfolgt, wie die Großhirnrinde als langfristiger Informationsspeicher arbeitet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Regionen unseres Gehirns werden zur Speicherung von Gedächtnisinhalten verwendet: der Hippocampus und die Großhirnrinde. Während ersterer vor allem kurzfristig zur Aufnahme neuer Informationen benötigt wird, kann letztere große Informationsmengen für lange Zeit speichern. Lea Himmer, Dr. Monika Schönauer und Professor Steffen Gais vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen haben gemeinsam mit ihrem Team untersucht, wie sich die Gehirnbereiche die Aufgaben bei der Verfestigung von neu Gelerntem teilen und welche Rolle Schlaf dabei spielt. Das Forschungsteam wies mithilfe bildgebender Verfahren nach, dass in der Großhirnrinde durch wiederholtes Üben schon innerhalb kurzer Zeit neue Gedächtnisspuren aufgebaut werden können. Allerdings sind diese nur dann allein ausreichend, wenn auf das Lernen eine Schlafphase folgt – anderenfalls muss das Gehirn zur dauerhaften Speicherung der neuen Gedächtnisinhalte zusätzlich auf den Hippocampus zurückgreifen. Die Studie der Tübinger Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler erscheint im Fachjournal <em>Science Advances</em>.</p><p>In der neuen Studie stellten die Wissenschaftler ihren Probanden eine Lernaufgabe, in der diese sich in sieben Wiederholungen eine Wortliste einprägen sollten. Während sie diese Aufgabe ausführten, wurde ihre Gehirnaktivität in einem Magnetresonanztomografen (MRT) aufgezeichnet. Zwölf Stunden später wiederholten die Probanden die gleiche Aufgabe mit der bereits gelernten und einer neuen Wortliste. Die Hälfte der Personen hatte in dieser Zeit geschlafen, die andere Hälfte war wach geblieben. Wiederholtes Üben führte schon innerhalb einer Stunde dazu, dass das Gelernte mithilfe des hinteren Parietallappens, einer Region der Großhirnrinde, abgerufen wurde. Entsprechend verringerte sich die Beteiligung des Hippocampus.&nbsp;</p><h3>Schnelle Bildung von Gedächtnisspuren</h3><p>„Dieses Muster weist auf eine schnelle Bildung von Gedächtnisspuren in der Großhirnrinde hin“, sagt Monika Schönauer. „Außerdem zeigt der Parietallappen auch nach zwölf Stunden eine stärkere Aktivität bei gelernten Wörtern im Vergleich zu neuen Wörtern, was für eine Langzeitstabilität dieser Spuren spricht.“ Allerdings blieb der Hippocampus nur dann unbeteiligt, wenn die Probanden nach der ersten Sitzung mehrere Stunden lang schliefen. Blieben sie wach, wurde er auch bei bereits bekannten Wörtern wieder benötigt, ebenso wie bei neuen Wörtern. „Damit zeigen wir, dass im Schlaf Gedächtnisprozesse ablaufen, die über das reine Wiederholen hinausgehen. Lernwiederholungen können langfristige Gedächtnisspuren anlegen. Ob die Inhalte unabhängig vom Hippocampus dauerhaft gespeichert werden können, hängt jedoch entscheidend von einer Schlafphase ab“, sagt Lea Himmer.</p><p>Der Schlaf wirkte sich im Experiment also vor allem auf den Hippocampus aus. „Wie Hippocampus und Großhirnrinde genau zusammenspielen, bleibt noch offen“, stellt Steffen Gais, der Leiter der Arbeitsgruppe, fest. „Diese Interaktion zu verstehen, ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der gängigen Theorien zur Gedächtnisbildung.“ Das Wissen, unter welchen Bedingungen Gedächtnisinhalte direkt in der Großhirnrinde gespeichert werden und welche Rolle der Hippocampus dabei spielt, sei auch zum grundlegenden Verständnis von Lern- und Gedächtnisstörungen von Bedeutung.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>L. Himmer, M. Schönauer, D. P. J. Heib, M. Schabus, S. Gais (2019): Rehearsal initiates systems memory consolidation, sleep makes it last. Science Advances, <a href="https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aav1695" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aav1695</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Lea Himmer<br> Universität Tübingen<br> Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-73264<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ngc0jkoogtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">lea.himmer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38763</guid><pubDate>Wed, 24 Apr 2019 11:44:58 +0200</pubDate><title>Minerale in Bergflüssen geben Aufschluss über frühere Erdrutsche</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/minerale-in-bergfluessen-geben-aufschluss-ueber-fruehere-erdrutsche/</link><description>Forscher der Universitäten Helsinki und Tübingen rekonstruieren Erdbewegungen im Gebirge aus einer Handvoll Sand</description><content:encoded><![CDATA[<p>Erdrutsche in hügeligen oder bergigen Landschaften werden häufig durch extreme Niederschläge oder Erdbeben ausgelöst. So wird geschätzt, dass das Erdbeben in Nepal im April 2015 mit einem Wert von 7,8 auf der Richterskala und seine Nachbeben mehr als 25.000 Erdrutsche ausgelöst haben. Noch schwieriger als solche dramatischen Einzelereignisse ist jedoch der langfristige Umfang von Erdbewegungen in einer Region zu vermessen. Solche Erhebungen helfen Forschern zu verstehen, wie sich die Topografie, die Gestalt der Landschaft, herausgebildet hat und wie die Risiken durch neue Erdrutsche einzuschätzen sind. Denn in Regionen wie dem Himalaja zählen Erdrutsche für die dort lebenden Menschen zu den größten natürlichen Gefahren.</p><p>Bisher hatte man kaum Ansatzpunkte, um Erdbewegungen genauer zu erfassen. Nun ist es Professor David Whipp von der Universität Helsinki und Professor Todd Ehlers von der Universität Tübingen gelungen, Daten zum Alter und der Herkunft von Flusssedimenten zu bestimmen und daraus den Umfang der Erdrutsche in der jeweiligen Region zu rekonstruieren. Außerdem konnten sie feststellen, dass die Sedimente, die aus Erdrutschungen in Bergflüsse gelangen, in der Regel nur wenige Jahre bis Jahrzehnte liegen bleiben, bis sie flussabwärts weggespült werden. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Science Advances</em> veröffentlicht.</p><p>Während Flüsse und Gletscher über einen langen Zeitraum stetig das Gestein auswaschen, gehören Erdrutsche zu den regellosen, stochastischen Prozessen, die aber stark zur Erosion und Sedimentation in einer Region beitragen können. „In steilen Bergregionen wie dem Himalaja könnten sogar mehr als die Hälfte des Gerölls in den Flüssen aus Erdrutschen stammen“, beschreibt Todd Ehlers, der Ko-Autor der Studie, eins der Forschungsergebnisse. „Unser Ansatz basiert ganz einfach darauf, aus einer Handvoll Sand aus dem Fluss über chemische und physikalische Messungen das Alter und die Herkunft der Sedimente festzustellen“, erklärt er.&nbsp;</p><p>Gestein, das ursprünglich aus dem Erdinnern stammt, kühlt über die Jahrtausende auf dem Weg an die Erdoberfläche immer weiter ab. Unterhalb fester Temperaturgrenzen schließt das Gestein die Isotopenverhältnisse bestimmter Elemente, also der Verteilung von Atomkernen mit unterschiedlicher Masse, ein. Diese verändern sich nicht mehr. Über die Messung der Isotopenverhältnisse in Verbindung mit umfangreichen bestehenden Erfahrungswerten zur Verteilung der Elemente im Gestein können die Wissenschaftler mithilfe von Computersimulationen Aufschluss über das Alter und die Herkunft der Flusssedimente gewinnen. Daraus wiederum können sie die Erdbewegungen in der Region stromaufwärts von der Stelle der Probennahme auch quantitativ rekonstruieren. In früheren Studien sei es nicht möglich gewesen zu bestimmen, wie oft Erdrutsche auftreten und welchen Anteil sie an der Erosion im Vergleich mit anderen Erosionsprozessen wie Flüssen oder Gletschern haben. „Wir konnten in unserer Studie diese Grenzen überwinden“, sagt Ehlers.</p><h3>Starker Monsunregen wäscht die Landschaft rein</h3><p>Durch Messdaten, die aus Proben von der gleichen Entnahmestelle stammen, aber in zeitlichem Abstand gewonnen wurden, konnten die Forscher auch die Verweildauer der Sedimente im Fluss errechnen. „Das Sediment in diesen steilen Gegenden wird überraschend schnell stromabwärts transportiert“, sagt David Whipp, der Hauptautor der Studie. „Während Sedimente in vielen Flusssystemen für Zehntausende von Jahren abgelagert werden, legen unsere Ergebnisse nahe, dass das Geröll in den steilen Bergen des Himalajas nicht länger als zehn Jahre im Flusssystem bleibt.“ Diese Befunde lassen die immensen Kräfte des Wassers erkennen, das in den Bergen des Himalajas in der jährlichen Monsunzeit riesige Sedimentmassen flussabwärts transportiert.</p><h3>Publikation:</h3><p>D. M. Whipp, T. A. Ehlers: Quantifying landslide frequency and sediment residence time in the Nepal Himalaya. Science Advances, Online-Veröffentlichung 24. April 2019, <a href="https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aav3482" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aav3482</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Todd Ehlers<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Fachbereich Geowissenschaften<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-73152<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vqff0gjngtuBwpk/vwgdkpigp" data-mailto-vector="2" class="mail">todd.ehlers<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38754</guid><pubDate>Wed, 24 Apr 2019 10:30:14 +0200</pubDate><title>Warum der moderne Mensch aus Afrika kommt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/warum-der-moderne-mensch-aus-afrika-kommt/</link><description>Forscher berechnen in Computersimulationen die statistische Wahrscheinlichkeit von Wanderbewegungen wie der des Homo sapiens</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika. Von dort aus besiedelte der anatomisch moderne Mensch die Welt, dies gilt als gesichert. Unklar ist noch, warum der Ursprung in Afrika lag und warum sich <em>Homo sapiens</em> gegen Arten wie den Neandertaler oder den Denisova-Mensch durchsetzen konnte. Möglicherweise sind die Ursachen weniger die oft angeführten Umweltfaktoren, als vielmehr zufällige Prozesse. Zu diesem Schluss kommt der Tübinger Geowissenschaftler Professor Paul Bons in einer Studie: Mit einem internationalen, multidisziplinärem Team hatte er evolutionäre Prozesse und Wanderungsbewegungen virtuell im Computer nachvollzogen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.</p><p>Das Team hatte Computersimulationen durchgespielt, um die Muster grundlegender Evolutionsprozesse zu untersuchen. Dazu gehören die allmähliche Verbreitung genetischer Veränderungen &nbsp;und die menschliche Neigung, sich bei der Partnerwahl eher mit ähnlichen &nbsp;Partnern fortzupflanzen. Zudem tendieren Menschen dazu, ihren Lebensraum zu erweitern und dabei in das Territorium benachbarter Gruppen vorzudringen. Auch wiederholte Simulationen dieser Parameter zeigten, dass schon solch grundlegende evolutionäre Gesetzmäßigkeiten zu Wanderbewegungen führen könnten, sagt Paul Bons.</p><p>Darüber hinaus errechnete das Team den statistisch gesehen wahrscheinlichsten Ausgangspunkt einer Wanderbewegung: In der größten zusammenhängenden besiedelten Fläche. „Dies war während der Eiszeit im Mittelpleistozän (vor mehr als 126 000 Jahren) der afrikanische Kontinent“, sagt Bons. Andere Kontinente hätten kleinere und weniger kompakte Flächen aufgewiesen, die beispielsweise durch Berge und Küstenlinien unterbrochen wurden. „Demzufolge war Afrika der wahrscheinlichste Ausgangspunkt für unsere Spezies, und deshalb gehen die Wanderrouten dieser Zeit überwiegend von Zentralafrika aus.“</p><p>Äußere Faktoren, wie beispielsweise Veränderungen des Klimas, wurden in der Studie bewusst außen vor gelassen, um zu zeigen, dass diese nicht zwingend die Verbreitung des modernen Menschen erklären ‒ auch wenn sie den Verlauf möglicherweise beeinflusst haben. „Migration tritt immer wieder auf, ohne notwendigerweise von Umweltfaktoren abhängig zu sein“, erklärt Bons. „Jeder großen Wanderbewegung gehen viele kleine voraus ‒ und dies konnte dazu führen, dass sich eine Menschenart weltweit verbreitete.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Bons, P.D., Bauer, C.C., Bocherens, H., de Riese, T., Drucker, D.G., Francken, M., Menéndez, L., Uhl, A., van Milligen, B.P., Wißing, C. (2019) Out of Africa by spontaneous migration waves. PLOS ONE. &nbsp;<a href="http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0201998" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0201998</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Paul D. Bons<br> Universität Tübingen<br> Geowissenschaften, Arbeitsgruppe Strukturgeologie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76469<br> oder <span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49-160-5515482<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0dqpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">paul.bons<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38430</guid><pubDate>Wed, 17 Apr 2019 11:26:46 +0200</pubDate><title>Flexibel gewinnt: Asiatischer Elefant überlebt Stegodon</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/flexibel-gewinnt-asiatischer-elefant-ueberlebt-stegodon/</link><description>Asiatischer Elefant durch vielseitige Ernährung im Vorteil</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler haben mit chinesischen Kolleginnen und Kollegen die Ernährungsgewohnheiten des Asiatischen Elefanten und dessen ausgestorbenen Verwandten Stegodon während des Pleistozäns untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich die Asiatischen Elefanten vielfältiger ernährten und sich dadurch einen Vorteil verschafften. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Quaternary Science Reviews“.</p><p>Stegodon orientalis ist eine ausgestorbene Art aus der Familie der Rüsseltiere und – trotz seines relativ langen, niedrigen Körpers – ein naher Verwandter des heutigen Asiatischen Elefanten (Elephas maximus). „Zur Zeit des Pleistozäns, vor etwa 700.000 Jahren, lebten in Südostasien Stegodon- und Elefantenherden in überraschender Koexistenz“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Doch nur der Asiatische Elefant hat bis in die heutige Zeit überlebt – wir sind nun den Gründen hierfür nachgegangen.“&nbsp;</p><p>Gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftler*innen hat der Tübinger Wissenschaftler fossile, etwa 80.000 Jahre alte Zähne der beiden Rüsselträger aus der südchinesischen Höhle Quzai untersucht. „Wir konnten anhand von Kohlen- und Sauerstoffisotopie im Zahnschmelz der Tiere zeigen, dass sich die Asiatischen Elefanten flexibler ernährten, als Stegodonten“, erläutert Jiao Ma, Erstautorin der Studie von der Chinese Academy of Sciences.&nbsp;</p><p>Sogenannte C4-Pflanzen, wie krautige Gewächse in der Savanne, hinterlassen im Gewebe von Pflanzenfressern eine andere Signatur, als Gehölz- oder C3-Pflanzen aus bewaldeten Gebieten.&nbsp;<br> Diese über Jahrmillionen erhaltenen Signale zeigen, dass Stegodon die Nahrungsaufnahme in dichten Wäldern bevorzugte, während die Asiatischen Elefanten sich sowohl in der Savanne, als auch in den bewaldeten Gebieten ernährten.&nbsp;</p><p>„Diese unterschiedliche Ernährungsmethode könnte sowohl eine Erklärung für die parallele Existenz der beiden Rüsseltiere im Pleistozän, als auch einer der Gründe für das Aussterben von Stegodon sein. Während ihres gemeinsamen Auftretens besetzten die Tiere unterschiedliche Nischen und der Konkurrenzdruck war nicht so hoch. Der Asiatische Elefant konnte sich aber aufgrund seiner flexiblen Ernährung besser auf veränderte Umweltbedingungen einstellen – dies war dann wahrscheinlich der ausschlaggebende Faktor für sein Überleben“, schließt Bocherens.&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Jiao Ma, Yuan Wang, Changzhu Jin, Yaowu Hu, Hervé Bocherens (2019): Ecological flexibility and differential survival of Pleistocene Stegodon orientalis and Elephas maximus in mainland southeast Asia revealed by stable isotope (C, O) analysis. Quaternary Science Reviews, Volume 212, 2019, Pages 33-44 <a href="https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.03.021" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.03.021</a>.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)&nbsp;<br> Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49&nbsp;7071 29-76988<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> +49 69 7542-1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38199</guid><pubDate>Thu, 11 Apr 2019 12:52:31 +0200</pubDate><title>Rückenmarksverletzung: Abwechslungsreicher Lebensstil vor Schädigung verstärkt den Heilungsprozess</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rueckenmarksverletzung-abwechslungsreicher-lebensstil-vor-schaedigung-verstaerkt-den-heilungsprozess/</link><description>Geschädigte Nervenzellen heilen bei Nagetieren besser, wenn sie in Käfigen mit anregenden Umgebungsreizen gehalten werden. Ein Molekül kann den positiven Umwelteffekt nachahmen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei Nagetieren hat die Umgebung, in der sie gehalten werden, Einfluss auf die Heilung von geschädigten Nervenzellen. Wachsen die Tiere mit vielen Artgenossen in großen Käfigen auf, die mit Spielzeug, Tunnel, Schaukeln und Laufrädern ausgestattet sind, so zeigten ihre Nervenzellen ein verstärktes Wachstum nach einer Verletzung. Das berichtet ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Dr. Simone Di Giovanni, der kürzlich vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen zum englischen Imperial College London wechselte, in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins <em>Science Translational Medicine</em>. Die Wissenschaftler identifizierten darüber hinaus mehrere Moleküle, die bei diesem Mechanismus eine Schlüsselrolle innehatten. Wurden sie im Körper künstlich aktiviert, erholten sich verletzte Nervenzellen ebenfalls in einem größeren Ausmaß.</p><p>Für ihre Studie teilten die Forscher Mäuse in zwei Gruppen ein. Eine davon wurde in Standardkäfigen mit einem Laufrad gehalten, die andere in einer besonders stimulierenden Umgebung (Englisch: <em>enriched environment</em>). „Dabei handelt es sich um große Käfige, die neben einem Laufrad mit weiterem Spielzeug ausgestattet sind und die durch die vielen Umweltreize anregend auf das Gehirn wirken“, erklärt Studienleiter Di Giovanni. Bei allen Mäusen wurden operativ das Rückenmark und der Ischiasnerv verletzt. Fünf Wochen später untersuchten die Wissenschaftler den Zustand der verletzen Nerven. „Bei den Mäusen, die in einer anregenden Umgebung lebten, sahen wir wesentlich mehr Nervenzellfortsätze, die in die Läsion hineinwuchsen. Diese Axone waren auch wesentlich länger als bei Mäusen, die in Standardkäfigen gehalten wurden.“</p><p>Doch was führte zu dem verbesserten Heilungsprozess? Mithilfe von verschiedenen Labortechniken gingen die Wissenschaftler den biologischen Mechanismen auf den Grund. Sie fanden mehrere Moleküle, die bei der verstärkten Regenerierung eine Rolle spielen. Eines davon, das<em> CREB&nbsp;Binding Protein</em>, programmiert ausgewachsene Nervenzellen in regenerierbare Zellen um. Den Hirnforschern gelang es, durch Injektion eines Mittels dieses körpereigene Protein zu aktivieren. Das Ergebnis: Bei Mäusen, denen das Mittel gespritzt wurde, erholten sich verletzte Nervenzellen ebenfalls in einem größeren Ausmaß.</p><p>„Damit haben wir ein Medikament gefunden, mit dem der regenerative Effekt einer stimulierenden Umgebung nachgeahmt werden kann“, so Di Giovanni. Er betont: „Wir injizierten die Substanz erstmals sechs Stunden nach der Verletzung und anschließend in einem wöchentlichen Rhythmus – genauso, wie es im Klinikalltag gut umsetzbar ist.“ Bis das Mittel erstmals an Patienten mit Querschnittslähmung getestet werden kann, müssen jedoch weitere Untersuchungen an Tiermodellen durchgeführt werden.</p><p>Die Studie deutet allerdings an, dass ein aktiver Lebensstil generell den Heilungsprozess nach Nervenverletzungen unterstützen kann. „Von Fallbeschreibungen weiß man, dass Personen, die vor ihrer Querschnittslähmung einen aktiven Lebensstil geführt haben, sich besser erholen als Patienten, die weniger aktiv gelebt haben. Ein gesunder Lebensstil scheint somit nicht nur die allgemein bekannten Vorteile zu haben – er scheint auch Nervenzellen auf ein Wachstum vorzubereiten oder wie wir Wissenschaftler sagen, zu ‚primen‘.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Hutson et al., (2019): Cbp-dependent histone acetylation mediates axon regeneration induced by environmental enrichment in rodent spinal cord injury models. <em>Science Translational Medicine</em>, <a href="https://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.aaw2064" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.aaw2064</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Dr. Mareike Kardinal<br> Leitung Kommunikation<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.hih-tuebingen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a></p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38058</guid><pubDate>Tue, 09 Apr 2019 14:01:34 +0200</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2019 für Historiker Diarmaid MacCulloch</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2019-fuer-historiker-diarmaid-macculloch/</link><description>Professor für Kirchengeschichte an der Universität Oxford erhält Auszeichnung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der diesjährige Dr. Leopold Lucas-Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät geht an Diarmaid MacCulloch, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Oxford. Der anglikanische Theologe gilt als einer der weltweit bedeutendsten Reformations- und Frühneuzeithistoriker und erhält die Auszeichnung für seine wissenschaftlichen Verdienste um ein umfassendes Verständnis des komplexen Verhältnisses von Religion und europäischer Geschichte.</p><p>Diarmaid MacCulloch (geb. 1951) wurde nach seinem Theologiestudium Diakon der anglikanischen Kirche. Seit 1997 ist er Professor für Kirchengeschichte an der Universität Oxford und erforscht dort vor allem die Reformation und das England zur Tudor-Zeit. Er war für zwei Jahrzehnte Mitherausgeber des Journal of Ecclesiastical History und hat für die BBC Historienfilme begleitet. 2012 wurde er in den Ritterstand erhoben.</p><p>In einer Gesamtdarstellung zur Geschichte der Reformation zeige er meisterhaft, wie diese in den Jahren 1490 bis 1700 die kirchliche, politische und gesellschaftliche Landkarte Europas umpflügte, so die Jury. Er beschreibe den Reformationsprozess als vielschichtig und konfessionsübergreifend und zeichne ein polyzentrisches Bild vom Europa der frühen Neuzeit. Damit verabschiede er sich von den gewohnten Mustern nationaler Geschichtsschreibung und verbreite eben jenen Toleranzgedanken, dem der Leopold-Lucas-Preis gewidmet wurde.&nbsp;</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler geht in diesem Jahr an Alexa von Winning (Philosophische Fakultät / Geschichtswissenschaft) für ihre Promotion „Leaving Home. The Noble Family, Imperial Russia, and Global Orthodoxy, 1855-1936“ im Fach Neuere und Neueste Geschichte.</p><p>Die öffentliche Preisverleihung findet am Dienstag, den 7. Mai 2019, um 17.15 Uhr im Festsaal der Universität Tübingen (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen) statt.&nbsp;</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis wird von der Dr. Leopold Lucas-Stiftung finanziert und wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas gestiftet. Er ist mit 50.000 EUR dotiert und würdigt hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Theologie, Geistesgeschichte, Geschichtsforschung und Philosophie. Er ehrt Persönlichkeiten, die sich auch um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht und die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern erkennbar gefördert haben.&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly<br> Universität Tübingen<br> Evangelisch-Theologische Fakultät<br> Telefon +49 7071 29-72538<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gx0vjgqnqikgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ev.theologie<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-38037</guid><pubDate>Tue, 09 Apr 2019 10:50:08 +0200</pubDate><title>Preisträger des Würth-Literaturpreises 2019 nominiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/preistraeger-des-wuerth-literaturpreises-2019-nominiert/</link><description>„Am Grab von Joseph Brodsky“: Autor Uwe Timm stellte Thema für Nachwuchsschriftsteller</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Würth-Literaturpreises hat die Preisträger 2019 bekannt gegeben. Der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte Preis wird von der Stiftung Würth an Sven Amtsberg aus Neustadt in Holstein für seinen Text „Rakete Schmidt“ (1. Preis, 5.000 Euro) und an Silke Andrea Schuemmer aus Berlin für ihren Text „Borschtsch in Venedig“ (2. Preis, 2.500 EUR) verliehen.&nbsp;</p><p>Das Thema der Ausschreibung stellte der Autor Uwe Timm während der Tübinger Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen 2018. Es lautete: Am Grab von Joseph Brodsky. Der Würth-Literaturpreis ist ein für den Nachwuchs geschaffener Preis. Prämiert werden Prosa-Texte mit einer Länge von ca. 10.000 Zeichen, die überzeugend eigene sprachliche Wege gehen. Die Texte werden der Jury in anonymisierter Form vorgelegt.&nbsp;</p><p>Die Jury des Würth-Literaturpreises bilden: Hans-Ulrich Grunder (Erziehungswissenschaftler, Basel); Dorothee Kimmich (Literaturwissenschaftlerin und Organisatorin der Poetik-Dozentur, Universität Tübingen); Karl-Heinz Ott (Schriftsteller, Freiburg); Manfred Papst (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag); Thomas Scheuffelen (Literaturwissenschaftler, TU Darmstadt) sowie Philipp Alexander Ostrowicz (Copenhagen Business School, Kopenhagen, Dänemark).</p><p>Weitere zwölf Erzählungen aus dem Wettbewerb werden zusammen mit den Texten der Preisträger in die Anthologie des Würth-Literaturpreises aufgenommen. Der Band erscheint im Oktober 2019 im Swiridoff-Verlag, Künzelsau. Die Preisverleihung wird am 20. Oktober 2019 im Museum Würth in Künzelsau stattfinden. Weitere Informationen unter: <a href="http://www.poetik-dozentur.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.poetik-dozentur.de</a>&nbsp;</p><p>Der Würth-Literaturpreis ist ein Projekt der Stiftung Würth.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Philipp A. Ostrowicz – Vorsitzender der Jury&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Deutsches Seminar<br> Telefon +49 7071 29-74261<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,quvtqykebBrqgvkm/fqbgpvwt0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ostrowicz<span style="display:none">spam prevention</span>@poetik-dozentur.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37908</guid><pubDate>Fri, 05 Apr 2019 13:12:30 +0200</pubDate><title>Ex Machina: Leonardo da Vincis Maschinen zwischen Wissenschaft und Kunst</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ex-machina-leonardo-da-vincis-maschinen-zwischen-wissenschaft-und-kunst/</link><description>Museum der Universität Tübingen MUT widmet Jahresthema 2019 mit großer Ausstellung dem 500. Todestag des Universalgenies</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 2. Mai jährt sich der Todestag Leonardo da Vincis zum 500. Mal. Das Museum der Universität Tübingen widmet ihm eine umfangreiche Ausstellung: Im Zentrum dieser einzigen größeren Präsentation in Deutschland zum Jahrestag stehen knapp 50 große Nachbauten der Maschinenentwürfe nach den Zeichnungen Leonardos. Die Schau zeigt die von italienischen Handwerkern rekonstruierten Objekte in Werkstatträumen, ergänzt mit modernem Equipment. Kontrastiert wird dies durch rund 300 Abgüsse antiker Skulpturen im Rittersaal, die ihrerseits Vorbilder der italienischen Renaissancekunst waren. Inspirationsquelle hierfür waren auch die Kunstinstallationen des 2006 verstorbenen US-amerikanischen Künstlers Jason Rhoades, der als „moderner Leonardo“ bezeichnet wurde. Kuratiert wurde die Ausstellung von Professor Ernst Seidl und Dr. Frank Dürr in Kooperation mit dem Szenografen Stephan Potengowski.</p><p>Medienvertreter sind zu einer Vorabbesichtigung eingeladen: Am Montag, 29. April, um 14 Uhr im Rittersaal (Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11). Wir bitten um Anmeldung unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>.</p><p>Werkstattcharakter, Erfindungslabor und Erfahrungsraum als Präsentationsorte enzyklopädisch motivierter Forschung verweisen auf den „Mythos Leonardo“ als wissensdurstiges Universalgenie und als Idealtyp des Renaissance-Menschen. Sein Lebenswerk schließt Wissenschaft, Kunst und innovative Technik ein und machte ihn zu einer Ikone der Interdisziplinarität und Universalität. Diese Korrelation unterschiedlicher Bildungs- und Wissenschaftssysteme zeigt sich ebenso in den 70 Forschungs-, Lehr- und Schausammlungen der Eberhard Karls Universität. Sie wurde 1477 gegründet, in dem Jahr, als der 25-jährige Leonardo die Gunst Lorenzo il Magnificos, des Stadtherrn von Florenz, errang.&nbsp;</p><p>„Unsere Absicht war weder, die Mystifizierung oder gar Vergöttlichung des Universalgenies weiter zu treiben, noch Leonardo nachzuweisen, welche Entwürfe fehlerhaft sind oder wo er gescheitert ist, wie es derzeit Mode ist. Ziel war, sein universales Schaffen näher an die historische Realität des wissenschaftlichen Denkprozesses zu holen“, sagt der Direktor des MUT, Professor Ernst Seidl.</p><p>Die Ausstellung eröffnet zum Todestag Leonardos, am 2. Mai um 19 Uhr auf Schloss Hohentübingen. Als Gäste werden unter anderem der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, und der Generalkonsul der italienischen Republik, Dott. Massimo Darchini, erwartet. Den Abendvortrag über Leonardos umstrittenste Gemälde, den „Salvator mundi“, hält Professor Frank Zöllner vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, einer der renommiertesten Leonardo-Forscher.</p><p>Die Ausstellung ist bis zum 1. Dezember 2019 zu sehen und wird von einer 300 Seiten starken Publikation begleitet. Zum Begleitprogramm gehören „Leos Erfinderwerkstatt da Winzig“ für Familien, Kinder und Schulklassen, ein Quiz-Booklet ‒ beides von Studierenden der Universität im Rahmen eines Praxisseminars des Masterprofils „Museum &amp; Sammlungen“ erarbeitet ‒ sowie Workshops, ein Leonardo-Familientag, Vorträge, Musikinszenierungen, Zeichenkurse und Sonderführungen.</p><h3>Wo</h3><p>Ausstellung im Museum Alte Kulturen, Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen</p><h3>Wann</h3><p>3. Mai bis 1. Dezember 2019 | Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr</p><h3>Infos und Anmeldung&nbsp;</h3><p>Telefon +49 7071 29-77579 oder -77384; museum@uni-tuebingen.de oder kasse@museum.uni-tuebingen.de.&nbsp;</p><p>Programm unter <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ernst Seidl&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Museum der Universität Tübingen MUT<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-74134 oder Mobil 0172/7475040<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Frank Dürr<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Museum der Universität Tübingen MUT<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74127<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">frank.duerr@uni-tuebingen.de</a></p><h3>&nbsp;</h3><h3>&nbsp;</h3><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37842</guid><pubDate>Wed, 03 Apr 2019 10:40:07 +0200</pubDate><title>Studium Generale der Universität Tübingen im Sommersemester 2019</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-der-universitaet-tuebingen-im-sommersemester-2019/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen thematisieren unter anderem die Lage in der Türkei, Rechtspopulismus, Genom-Editierung und maschinelles Lernen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Sommersemester 2019 startet das Studium Generale der Universität Tübingen mit neun Vorlesungsreihen, die allen Interessierten offenstehen. Thematisiert werden in diesem Sommer „heiße Eisen“ wie die Genom-Editierung oder Strategien des Rechtspopulismus. Mit einer Reihe „Maschinelles Lernen“ löst die Universität das Versprechen ein, immer wieder Diskussionsplattformen zum Forschungsbereich künstliche Intelligenz zu bieten. Weitere Reihen thematisieren hochaktuelle Entwicklungen in der Türkei, in China und in der Krebsforschung. Historische und kulturgeschichtliche Einblicke liefern Reihen zum Roman der Neuzeit, zur europäischen Kulturgeschichte und zur politischen Vergangenheit Schwabens.</p><h3>Das Programm im Einzelnen:</h3><p>In der Reihe <strong>Die Rückkehr des Sultans? Zur politischen Ökonomie des Autoritarismus in der Türkei (Montag, 18 Uhr, Hörsaal 21)</strong> analysiert Professor Peter Pawelka aktuelle politische Entwicklungen in der Türkei. Nach Jahrzehnten der Demokratisierung scheint sie derzeit zu einem autoritären System orientalischer Prägung zurückzukehren. Für ein besseres Verständnis wirft der Politikwissenschaftler einen Blick auf die Geschichte des Landes, Gastreferentinnen und -referenten beleuchten verschiedene Aspekte des politischen Wandels unter der AKP-Regierung.</p><p>Die Ringvorlesung <strong>Liebe und Gesellschaft im Roman der Neuzeit (Montag, 18 Uhr, Hörsaal 22)</strong> geht der Frage nach, inwiefern Liebes- und Gesellschaftsroman ineinander verschränkt sind. Ob Don Quijote, Madame Bovary oder Effi Briest: Womöglich entfaltet sich der Gesellschaftsroman als Genre erst mit einer Liebesgeschichte und umgekehrt gewinnt die Liebesgeschichte ihre Konturen erst in der Konfrontation mit der Gesellschaft? Organisiert wird die Reihe von Professor Eckart Goebel vom Lehrstuhl für Komparatistik, Neuere Deutsche Literatur.</p><p>Europa war weder geografisch noch kulturell, weder sprachlich noch religiös je eine Einheit: Vor diesem Hintergrund analysiert Professor <strong>Jürgen Wertheimer Kapitel der europäischen Kulturgeschichte (Montag, 20 Uhr, Hörsaal 21)</strong>. Literarische und philosophische Texte, Bilder, Plastiken und Architektur sollen helfen, Mythen und Narrative Europas zu dechiffrieren. Gäste der abschließenden Podiumsdiskussion sind die Friedenspreisträgerin Professorin Aleida Assmann, Dr. Barbara Honrath vom Goethe-Institut Paris, Beque Cufaj, der Botschafter des Kosovo, und Andreas von Geyr, der Abteilungsleiter Politik im Bundesverteidigungsministerium.</p><p>China befindet sich im Aufstieg ‒ was bedeutet dies für das Weltgeschehen? Die Reihe<strong> China: Gestern ‒ Heute ‒ Morgen. Die Dynamik einer Weltveränderung (Dienstag, 18 Uhr, Hörsaal 22)</strong> analysiert gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen des großen Reiches. Professor Helwig Schmidt-Glintzer und das ChinaForum Tübingen laden Referentinnen und Referenten ein, Chinas Geschichte und Gegenwart zu beleuchten und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Es spricht unter anderem am 7. Mai Dr. Hubert Lienhard, der ehemalige Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zum Thema „China in der Weltwirtschaft“. Durch einen Termintausch gegenüber dem gedruckten Studium-Generale-Programm findet die Podiumsdiskussion zum Thema „China and the Future of Africa“ am 2. Juli statt. Sie wird moderiert von dem Journalisten und Autor Frank Sieren. Der ursprünglich zu diesem Termin geplante Vortrag „China und seine Nachbarn – Zwischen Kooperation und Konflikt“ (Professor John Neelsen, Universität Tübingen) wird vorgezogen auf den 18. Juni.</p><p>Wachsende rechtspopulistische Bewegungen europaweit wie auch eine zunehmende Enthemmung und Tabubrüche in Sozialen Medien fordern Demokratien derzeit heraus. In der Ringvorlesung <strong>Gesellschaft im Stresstest: Strategien und Themen des Rechtspopulismus (Dienstag, 18 Uhr, Hörsaal 21)</strong> stellen Professor Markus Rieger-Ladich (Erziehungswissenschaft) und Professor Matthias Möhring-Hesse (Theologische Sozialethik) gemeinsam mit Referentinnen und Referenten die Frage: Mit welchen Strategien und Themen gelingt es rechtspopulistischen Akteuren, Aufmerksamkeit zu binden und öffentliche Debatten zu dominieren? Dabei soll die Vermutung geprüft werden, dass sich hier gesellschaftliche Probleme und Verwerfungen zeigen, auf die in demokratischen Gesellschaften bessere Antworten gefunden werden müssen.</p><p>Im Januar 2019 hat das Bundesforschungsministerium die „Nationale Dekade gegen Krebs“ ausgerufen. Das Comprehensive Cancer Center (CCC) Tübingen-Stuttgart nimmt dies zum Anlass, in der Reihe <strong>Personalisierte Onkologie: Diagnostik, Therapie und das Leben mit und nach dem Krebs (Dienstag, 20 Uhr, Hörsaal 22) </strong>über neue Perspektiven und Ansätze moderner Krebsmedizin zu berichten. Die Referentinnen und Referenten geben aktuelle Einblicke in die Tübinger Krebsforschung und diskutieren präventive, psychosoziale, ethische und gesundheitspolitische Aspekte.</p><p>In der Reihe <strong>Zentren der Macht in Schwaben (Mittwoch, 18 Uhr, Hörsaal 21)</strong> spürt das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der politischen Vergangenheit Schwabens nach. Zwar währte das Herzogtum Schwaben nur kurze Zeit, aber dennoch wurde die Region über die Jahrhunderte durch eine Dichte bedeutender Machtzentren geprägt. Professorin Sigrid Hirbodian hat Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Disziplinen eingeladen, darauf einen Blick zu werfen: Von der Heuneburg und dem Augsburg der Fugger bis zur Stuttgarter Villa Reitzenstein und dem Global Player Daimler.</p><p>Die Genom-Editierung gilt als Revolution in den Laboren. Wie die jüngste Meldung um die Geburt des ersten gentechnisch veränderten Babys zeigt, verbinden sich mit dieser Technologie aber auch ernsthafte Bedenken. Die Reihe <strong>Genom-Editierung: Technologische und ethische Herausforderungen (Donnerstag, 18 Uhr, Hörsaal 21) </strong>diskutiert auf Einladung der Forschungsstelle „Ethik der Genom-Editierung“ (Dr. Robert Ranisch; Professor Urban Wiesing) und des Lehrstuhls für Ethik, Theorie und Geschichte der Biowissenschaften (Professor Thomas Potthast) technische Möglichkeiten sowie ethische, soziale und rechtliche Aspekte. Am 11. Juli (Achtung: korrigiertes Datum) spricht <strong>die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer</strong> im Rahmen der Reihe über „Genom-Editierung: Politik zwischen Risiken und Chancen.“ Am 23. Mai können Interessierte bei der <strong>„Unterhausdebatte Genomchirurgie ‒ neue Allzweckwaffe gegen Krankheiten?“</strong> ins Gespräch kommen: Bei diesem Format zeigt das Publikum – nach Vorbild des britischen Unterhauses – mit der Wahl des Sitzplatzes, ob es einem Thema zustimmt. Der Abend wird von der Journalistin Kathrin Zinkant (Süddeutsche Zeitung) moderiert und findet in Kooperation mit „Wissenschaft im Dialog“ und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften statt.</p><p>Das Forschungsfeld des maschinellen Lernens, einer der Haupttreiber im Gebiet der künstlichen Intelligenz, wird derzeit kontrovers diskutiert: Sowohl Chancen wie potenzielle Risiken werden oft übertrieben oder nur verkürzt dargestellt. Die Ringvorlesung <strong>Maschinelles Lernen (Donnerstag, 20 Uhr, Hörsaal 21) </strong>will einen fundierten Überblick über das Forschungsgebiet und dessen Anwendungen geben. Interessierte sollen sich ein realistisches Bild davon machen können, was maschinelles Lernen derzeit kann und was nicht – und was in naher Zukunft möglich sein könnte. Die Referentinnen und Referenten sprechen auf Einladung von Professor Matthias Hein, Professor Philipp Hennig und Dr. Gabriele Schweikert.</p><p>Die Vorlesungen können kostenlos und ohne Anmeldung besucht werden, Studierenden wird der Besuch einer Reihe mit ECTS-Punkten angerechnet. Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstr. 5, statt.</p><p>Das Programm für das Studium Generale liegt an der Universität Tübingen und im Buchhandel aus. Es kann zudem unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Ugmtgvctkcv/MqoowpkmcvkqpBxgtycnvwpi0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">Sekretariat-Kommunikation<span style="display:none">spam prevention</span>@verwaltung.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;oder unter Telefon 07071 29-77851 bestellt werden. Im Internet unter: <a href="/universitaet/im-dialog/studium-generale/" target="_blank" class="internal-link">www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuell" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/aktuell</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37545</guid><pubDate>Mon, 25 Mar 2019 13:39:48 +0100</pubDate><title>Erster universitärer Masterstudiengang zu maschinellem Lernen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erster-universitaerer-masterstudiengang-zu-maschinellem-lernen/</link><description>Universität Tübingen etabliert internationales Studienprogramm zum Forschungsschwerpunkt Künstliche Intelligenz</description><content:encoded><![CDATA[<p>Als erste deutsche Universität startet Tübingen zum kommenden Wintersemester ein Masterprogramm zum maschinellen Lernen. Studierende aus aller Welt können in dem vollständig auf Englisch unterrichteten Studiengang „Machine Learning“ in vier Semestern die Grundlagen des Faches erwerben und aus vielfältigen Spezialisierungen in Theorie und Anwendung wählen. Tübingen ist im Bereich maschinelles Lernen einer der führenden Standorte weltweit und bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich schon früh im Studium an aktueller Forschung zu beteiligen.</p><p>Von der Werbung im Internet bis zur personalisierten Medizin: Autonom lernende Maschinen machen nicht nur Schlagzeilen, sie prägen auch längst unseren Alltag. Ihr Einsatz lässt auf wichtige Fortschritte beispielsweise in Fahrzeugsicherheit oder Krebstherapie hoffen und verschafft Wissenschaftlern neue Einblicke in die Geheimnisse des Lebens und des Kosmos. Das maschinelle Lernen beschäftigt sich mit Algorithmen, die aus Daten „Erfahrungen“ sammeln und so Muster und Gesetzmäßigkeiten identifizieren. Es ist somit Haupttreiber der aktuellen Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz.</p><p>Der forschungsorientierte Studiengang ist eng an die Forschung vor Ort angebunden und bietet Studierenden die Möglichkeit, sich auf konkrete Anwendungsbereiche in der Informatik und Teilbereichen wie Computer Vision, Bioinformatik, Neurowissenschaften, Medizininformatik, Kognitionswissenschaften, Linguistik oder Robotik zu spezialisieren. „Im maschinellen Lernen entwickeln sich die Dinge gerade sehr schnell. Ein heute vielversprechender Ansatz kann morgen schon passé sein“, erklärt die Informatikerin Ulrike von Luxburg. „Daher gestalten wir den Studiengang so flexibel wie möglich. Es gibt nur wenige Pflichtveranstaltungen, Studierende können ihre Schwerpunkte frei setzen.“ Zudem können sie auch überfachliche Qualifikationen erwerben, etwa durch Vorlesungen in Jura, Philosophie oder Ethik.</p><p>Als eine der Sprecherinnen des neuen Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ hat Luxburg gemeinsam mit ihren Kollegen Matthias Hein, Philipp Hennig und Kay Nieselt die Initiative ergriffen, für das boomende Fach das Lehrangebot in Form eines Masterstudiengangs zu bündeln. „Die Universität Tübingen hat sich Forschung mit gesellschaftlicher Verantwortung und Relevanz zur Maxime gemacht. Wir wollen Fachleute ausbilden, die nicht nur die Chancen der neuen Technologien, sondern auch ihre Risiken verstehen, bedenken, und minimieren können“, sagt Philipp Hennig. „Intelligente Maschinen werden die Welt verändern. Diesen Prozess dürfen wir nicht anderen überlassen. Unsere Studierenden sollen den Anspruch haben, ihn selber zum Guten mit zu gestalten.“&nbsp;</p><p>Voraussetzung für Studierende sei ein gutes mathematisches Grundlagenwissen, erklärt Kay Nieselt, Studiendekanin im Fachbereich Informatik, wo der Studiengang angesiedelt sein wird. „Es ist nicht wesentlich, ob jemand einen Bachelor in Informatik, Mathematik oder Physik mitbringt. Hauptsache, die Grundlagen sind da: Programmieren, Algorithmen, Datenstrukturen und sehr viel Mathematik.“ Da alle Lehrveranstaltungen des internationalen Studienganges ausschließlich auf Englisch angeboten würden, seien entsprechende Sprachkenntnisse ebenfalls eine Zugangsvoraussetzung.&nbsp;</p><p>Tübingen gehört zu Deutschlands führenden Forschungsstandorten für maschinelles Lernen. Etwa 40 Prozent der deutschen Fachveröffentlichungen in diesem Bereich kommen aus der schwäbischen Universitätsstadt. Die Universität Tübingen ist Teil des Forschungsverbunds Cyber Valley Initiative und Standort des Kompetenzzentrums für Maschinelles Lernen, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.&nbsp;</p><p>Bewerbungen zum Start im Wintersemester 2019/20 sind bis 30. April 2019 möglich, alle Informationen zum Studiengang „Maschinelles Lernen“ unter&nbsp;<a href="https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/mathematisch-naturwissenschaftliche-fakultaet/fachbereiche/informatik/studium/studiengaenge/machine-learning/" target="_blank" class="external-link">https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/mathematisch-naturwissenschaftliche-fakultaet/fachbereiche/informatik/studium/studiengaenge/machine-learning/</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Matthias Hein<br> Universität Tübingen<br> Fachbereich Informatik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-70831<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ocvvjkcu0jgkpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">matthias.hein<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuell" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/aktuell</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-37467</guid><pubDate>Thu, 21 Mar 2019 11:49:32 +0100</pubDate><title>Möglicher Ur-Stoffwechsel in Bakterien entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/moeglicher-ur-stoffwechsel-in-bakterien-entdeckt/</link><description>Mikrobiologen aus Braunschweig, Tübingen und Konstanz entdecken, wie Bakterien Eisen-Schwefel-Minerale als Energiequelle nutzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mikroorganismen haben die bemerkenswerte Fähigkeit, aus fast jeder chemischen Reaktion Energie zu gewinnen, solange sie einen Bruchteil der zellinternen „Energiewährung“ ATP liefert. Dies gelingt ihnen selbst in unwirtlichster Umgebung. Nun hat ein Konsortium aus Umweltmikrobiologen des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig, der Universität Konstanz und der Universität Tübingen entdeckt, dass Mikroorganismen die Bildung des Minerals Pyrit aus Eisensulfid und Schwefelwasserstoff katalysieren können. Dieser Prozess läuft seit Anbeginn der Erdgeschichte in Sedimenten und Tiefsee-Hydrothermalquellen ab und wurde als erster energieliefernder Prozess für die Entstehung von Leben postuliert. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift PNAS.</p><p>Pyrit, besser als Katzengold bekannt, ist das häufigste Eisen-Schwefel-Erz unserer Erde. Pro Jahr werden schätzungsweise fünf Millionen Tonnen Pyrit hauptsächlich in marinen Sedimenten gebildet. Über geologische Zeiträume und komplexe biogeochemische Mechanismen führte dies zu einer Stabilisierung des heutigen Sauerstoffgehalts in der Luft. Gleichzeitig ist bekannt, dass Pyrit bereits auf der Ur-Erde in marinen Hydrothermalquellen gebildet wurde, die derzeit als die wahrscheinlichste&nbsp;Wiege des Lebens angenommen werden. Hier wird die Pyritbildung als der entscheidende energieliefernde Prozess für einen autokatalytischen Stoffwechsel diskutiert, aus dem später Leben hervorging. Bisher war die Pyritbildung als ein rein (geo-)chemischer Prozess bekannt. Doch jetzt hat das Forscherteam entdeckt, dass auch Bakterien aus der Umwandlung von Eisensulfid und Schwefelwasserstoff zu Pyrit Energie zum Leben gewinnen können. Dies haben Professor Michael Pester vom Leibniz-Institut DSMZ zusammen mit Joana Thiel sowie Professor Bernhard Schink von der Universität Konstanz und Dr. James M. Byrne sowie Professor Andreas Kappler von der Universität Tübingen unter Laborbedingungen genauer untersucht.</p><p>Die Wissenschaftler reicherten unter Sauerstoffausschluss Umweltmikroorganismen aus verschiedenen Sedimenten und Kläranlagen an, wobei sie die chemischen Verbindungen Eisensulfid, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid als einzige Substrate anboten. Mithilfe modernster Messmethoden konnten die Wissenschaftler feststellen, dass daraus Pyrit sowie Methan gebildet wurden. Dies geschah allerdings nicht über Nacht, sondern über sehr lange Zeiträume von mehreren Monaten bis zu einem halben Jahr, was auf die magere Energieausbeute aus diesem Prozess schließen lässt. Dabei waren die Prozesse der Pyrit- und Methanbildung eng miteinander verwoben und voneinander abhängig. Interessanterweise zeigten die Anreicherungen aus Kläranlagen die höchsten Aktivitäten und können jetzt als Modellsystem für die Entschlüsselung dieses wahrscheinlich sehr alten Stoffwechsels herangezogen werden, der auch heute noch Mikroorganismen, die tief in marinen Sedimenten begraben sind, vor dem Hungertod rettet.</p><h3>Publikation:</h3><p>Thiel J., Byrne J. M., Kappler A., Schink B., Pester M. (2019) Pyrite formation from FeS and H2S is mediated through microbial redox activity. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A., in press.&nbsp;<br><a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1814412116" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.1814412116</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Andreas Kappler<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für angewandte Geowissenschaften (ZAG)<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74 992<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0mcrrngtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.kappler<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> &nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566</p><p>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36798</guid><pubDate>Thu, 14 Mar 2019 14:24:30 +0100</pubDate><title>Neandertaler und moderne Menschen hatten ähnliche Speisezettel</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neandertaler-und-moderne-menschen-hatten-aehnliche-speisezettel/</link><description>Internationale Studie findet mehr gemeinsame Nahrungsvorlieben als angenommen ‒ Rätselhafte Spuren von Kannibalismus </description><content:encoded><![CDATA[<p>Neandertaler und der frühe moderne Mensch ernährten sich vermutlich sehr ähnlich: Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie und widerspricht damit der Annahme, die Neandertaler seien ausgestorben, weil ihr Ernährungsspektrum eingeschränkt war. Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass moderne Menschen dennoch einen Vorteil hatten, weil sie vermutlich mobiler und besser vernetzt waren, berichtet das Team um Dr. Christoph Wißing von der Universität Tübingen. Gemeinsam mit Kollegen vom Tübinger Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) sowie aus Belgien, Frankreich, Spanien, Japan und den USA hatte er Isotopenwerte aus fossilen Knochen der letzten Neandertaler, früher moderner Menschen sowie von Tieren verglichen. Die Analyse der Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwefelisotope im Knochenkollagen ließ neue Rückschlüsse auf Ernährung und Wanderungsbewegungen der untersuchten Menschen sowie die damaligen Ökosysteme zu. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.</p><p>Während der letzten Eiszeit, im Spätpleistozän, teilten sich in Europa mindesten zwei Menschentypen den Lebensraum, der Neandertaler und der moderne Mensch <em>Homo Sapiens</em>. Die Neandertaler lebten über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren zeitgleich mit den ersten modernen Menschen, bevor sie vor etwa 40.000 Jahren ausstarben. Als mögliche Gründe für ihr Verschwinden nahm man bislang unter anderem an, dass sie weniger flexibel in der Wahl ihrer Nahrung waren und vermutlich weniger mobil als moderne Menschen, sich also in einem kleineren Radius bewegten.</p><p>In der aktuellen Studie verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stabile Isotopenwerte von menschlichen und tierischen Knochenresten aus den Höhlen von Troisième caverne of Goyet, Spy und Scladina in Belgien sowie die Fundstätte Lommersum in Nordrhein-Westfalen.</p><p>Isotopen sind Varianten eines Atoms mit unterschiedlichem Gewicht, ihre Anreicherung im Knochenkollagen reflektiert die Ernährung, gemäß des Ausspruchs „Man ist was man isst“. Das Verhältnis von Stickstoffisotopen zeigt beispielsweise, ob sich jemand pflanzlich oder mit Fleisch ernährte. Außerdem lässt sich durch die sogenannte „Isotopensignatur“ die regionale Herkunft eines Nahrungsmittels nachvollziehen.</p><p>Goyet ist die einzige Grabungsstelle Europas, an der sowohl Skelettreste von letzten Neandertalern als auch von sehr frühen modernen Menschen gefunden wurden. „Wir konnten hier die Ökologie beider Menschenformen detailliert rekonstruieren und vergleichen“, sagt Christoph Wißing. Zudem untersuchte er fossile Reste der jüngsten datierten Neandertaler aus der naheliegenden Grabungsstelle Spy; die deutsche Grabungsstelle Lommersum lieferte Hinweise zum damaligen Ökosystem.</p><p>Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Ernährungsspektrum von Neandertalern und modernen Menschen weniger unterschied als gedacht: Beide jagten bevorzugt große Pflanzenfresser wie Mammuts und Nashörner, aber auch Rentiere. Besonders das Mammut war als Beutetier sehr wichtig. „Es war zu dieser Zeit scheinbar ‚Ernährungstrend‘, sich auf die riesigen, an Kälte angepassten Großsäuger zu spezialisieren“, sagt Wißing. „Andere Fundstellen in Europa deuten auf ähnliche Ergebnisse hin.“&nbsp;</p><p>Zudem weisen die Analysen auf ein relativ intaktes Ökosystem während der Zeit der letzten Neandertaler hin. Massive Veränderungen, sogenannter ökologischer Stress, können erst festgestellt werden, als der moderne Mensch die europäische Bühne betritt. Von da an lasse sich erhöhter Druck besonders auf Mammutpopulationen nachweisen. „Diese Herdentiere mit relativ langsamen Reproduktionszyklen wurden vermehrt gejagt, wohl auch von den in größerer Zahl auftretenden, modernen Menschen. Der Einfluss des modernen Menschen auf das Ökosystem war bereits mit dem frühen Auftreten in Europa intensiver als der des Neandertalers.“</p><p>Auch stellte das Team prägnante Unterschiede im Mobilitätsverhalten der Menschengruppen fest, die an den verschiedenen Fundstellen gelebt hatten: So jagten die Neandertaler von Spy als „Einheimische“ ihrer Beutetiere im Umkreis. Die Goyet-Neandertaler hatten nur wenig Beutetiere aus dem direkten Umfeld auf dem Speiseplan und waren offensichtlich „Ortsfremde“. An ihren Skeletten finden sich zudem Belege für intensiven Kannibalismus, die noch Rätsel aufgeben. Ein Großteil der menschlichen Knochen ist mit Schnittspuren und Markern versehen, die auf eine Entfleischung deuten; einige wurden als Werkzeuge genutzt. Im Gegensatz dazu sind die Knochen der Spy-Neandertaler unfragmentiert erhalten. „Die Opfer des Kannibalismus kamen nicht aus dem lokalen Ökosystem“, erklärt Wißing. „Es ist unklar, wer sich hier kannibalistisch ernährte, aus welcher Gegend die Neandertaler von Goyet ursprünglich kamen und ob sie in Goyet starben oder nur ihre Knochen dorthin transportiert wurden.“</p><p>Eine These bestätigte sich jedoch in der aktuellen Studie: Scheinbar bewegten sich Neandertaler aus beiden Orten eher homogen in Gruppen, während die modernen Menschen individuell mobiler waren. Die Wissenschaftler vermuten, dass sie eventuell auch über die Region hinweg vernetzt waren. „Dies führte zu einer intensiveren Ressourcennutzung und den genannten Eingriffen in Ökosysteme, aber auch zu einem effizienteren Austausch von Ideen und Menschen“, sagt Wißing. „Vielleicht verschaffte dieses andere Konzept der Landschaftsnutzung bzw. der Verbund durch große soziale und kulturelle Netzwerke dem modernen Menschen den entscheidenden Vorteil.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Christoph Wißing, Hélène Rougier, Chris Baumann, Alexander Comeyne, Isabelle Crevecoeur, Dorothée G. Drucker, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Mietje Germonpré, Asier Gómez-Olivencia, Johannes Krause, Tim Matthies, Yuichi I. Naito, Cosimo Posth, Patrick Semal, Martin Street, Hervé Bocherens. Stable isotopes reveal patterns of diet and mobility in the last Neandertals and first modern humans in Europe. Scientific Reports, <a href="http://www.nature.com/articles/s41598-019-41033-3" target="_blank" rel="noreferrer">www.nature.com/articles/s41598-019-41033-3</a></p><h3>Animationen:</h3><p><a href="https://sketchfab.com/models/d4f3871fb3dc478091b514d1c21d22ee/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://sketchfab.com/models/d4f3871fb3dc478091b514d1c21d22ee/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0</a></p><p><a href="https://sketchfab.com/models/079c28c25413470bab15f2be26d2aec8/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://sketchfab.com/models/079c28c25413470bab15f2be26d2aec8/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0</a></p><p><a href="https://sketchfab.com/models/c11409b1afa6404ba10425e5af91c773/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://sketchfab.com/models/c11409b1afa6404ba10425e5af91c773/embed?autospin=0.3&amp;autostart=1&amp;preload=1&amp;transparent=1&amp;ui_infos=0&amp;ui_related=0</a></p><p>Animationen: Pictures &amp; 3D: Eric Dewamme, Copyright: RBINS / DIGIT-3 Belspo, Licence: CC BY NC ND&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Christoph Wißing<br> Universität Tübingen<br> Biogeologie&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-73055<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ejtkuvqrj0ykuukpiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">christoph.wissing<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36774</guid><pubDate>Thu, 14 Mar 2019 12:52:02 +0100</pubDate><title>Zarenurkunde geht zurück an Ukraine</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zarenurkunde-geht-zurueck-an-ukraine/</link><description>Originalurkunde Peters des Großen gelangte Ende der 1950er Jahre an die Universität Tübingen ‒ Rückgabe für den 14. März geplant</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Land Baden-Württemberg und die Universität Tübingen geben eine Urkunde Peters des Großen an die Ukraine zurück: Die Originalurkunde war seit den 1950er Jahren im Bestand der Bibliothek des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde. Eine deutsch-ukrainische Forschungsgruppe ermittelte, dass die für die ukrainische Kirchengeschichte äußerst bedeutsame Urkunde mit höchster Wahrscheinlichkeit 1941 als Kriegsbeute aus Kiew entwendet wurde. Aufgrund der vorliegenden Indizien hat die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und der Universität Tübingen entschieden, die Restitution der Ernennungsurkunde an die Ukraine einzuleiten. Sie wird am 14. März im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes an den Botschafter der Ukraine, Dr. Andrij Melnyk, übergeben.<br> &nbsp;<br> „Ich bin den Forscherinnen und Forschern aus Tübingen und der Ukraine dankbar für ihre wertvolle Arbeit und ihre Erkenntnisse, wie die Zarenurkunde an die Universität Tübingen gekommen ist. Dass wir diese symbolisch höchst bedeutsame Urkunde, die gewaltsam nach Deutschland gebracht wurde, nun an die Ukraine zurückgeben können, ist zugleich ein Zeichen: Das Land stellt sich seiner historischen Verantwortung“, sagte Kunstministerin Theresia Bauer.<br> &nbsp;<br> Seit Ende der 1950er Jahre befindet sich die farbige und prunkvoll gestaltete Originalurkunde Peters I. im Besitz der Universität Tübingen. Mit dieser kirchengeschichtlich bedeutsamen Urkunde von 1708 bestätigte der russische Zar die Ernennung des Metropoliten (Erzbischof) von Kiew. Die Urkunde mit Siegelkapsel schmückte jahrzehntelang die Bibliothek des Instituts. Über die Umstände ihres Ankaufs war nur mündlich überliefert, dass Professor Werner Markert, der Gründungsdirektor des Instituts (1953-1965), sie Ende der 1950er Jahre erworben hatte.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Tübinger Osteuropa-Forscherinnen hatten im Frühsommer 2016 ein Projekt zur Erforschung der Provenienz der Urkunde initiiert, bei der es sich um ein Einzelstück handelt. Das Vorhaben wurde vom Auswärtigen Amt gefördert. Die Frage, wie die Zarenurkunde ihren Weg nach Tübingen fand, sollte geklärt werden ‒ besonders vor dem Hintergrund, dass Werner Markert Kontakte zu Personen hatte, die während der NS-Zeit mit der Beschlagnahmung von Kulturgut befasst waren. Ein deutsch-ukrainisches Forschungsteam recherchierte von Juli bis Oktober 2016 intensiv in Archiven in Kiew, Berlin, Freiburg und Tübingen.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Die Historikerinnen und Historiker konnten nachweisen, dass sich die Ernennungsurkunde im Juni 1931 noch in der Vernads’kyj-Nationalbibliothek in Kiew befunden hatte. Vermutlich wurde sie im Oktober 1941 während der deutschen Besatzung mit anderen Bibliotheksbeständen durch das dem Auswärtigen Amt unterstellten Sonderkommando Künsberg (seit Herbst 1942 SS-Sonderkommando Künsberg) abtransportiert. Nach 1945 erfolgte keine Restitution; die Urkunde gelangte in den Verkauf und wurde 1958/59 von Werner Markert für die Universität Tübingen erworben.<br> &nbsp;<br> Die Projektgruppe empfahl, die Urkunde an die Ukraine zu restituieren. Das Rektorat der Universität Tübingen hat dem zugestimmt. Auf der Grundlage der Empfehlung hat das baden-württembergische Wissenschaftsministerium nach einer rechtlichen Prüfung entschieden, die Urkunde zurückzugeben.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Katharina Kucher, Corinna Kuhr-Korolev, Tetiana Sebta, Nataliia Sinkevych: Kriegsbeute in Tübingen. Eine Urkunde Peters des Großen, Seilschaften der Osteuropaforscher und die Restitution, Osteuropa, 66. Jg., 11-12/2016, S. 149-167 (erschien auch in ukrainischer Sprache in Kiew: Bibliotečnyj visnik. 2017. No 1 (237), S. 39-54); Katharina Kucher, Thorsten Zachary: Feindforschung mit alten Wehrmachtsbeständen, in: F.A.Z., 13.09.2017, 213, N3.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Klaus Gestwa<br> Dr. Katharina Kucher<br> Universität Tübingen<br> Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72388&nbsp;<br> &nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mncwu0iguvycBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">klaus.gestwa<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvjctkpc0mwejgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">katharina.kucher<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><h3><br> Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Histsem-OsteuroGesch-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36705</guid><pubDate>Tue, 12 Mar 2019 19:51:32 +0100</pubDate><title>Ausstellung „Steinzeitdorf und Keltengold. Archäologische Entdeckungen zwischen Alb und Neckar.“ vom 15. März bis 28. April 2019 auf Schloss Hohentübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellung-steinzeitdorf-und-keltengold-archaeologische-entdeckungen-zwischen-alb-und-neckar-vom-15-maerz-bis-28-april-2019-auf-schloss-hohentuebingen/</link><description>Eröffnung am Donnerstag, 14. März 2019, um 19 Uhr</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am „Hegelesberg“ südwestlich der Stadt Kirchheim unter Teck (Landkreis Esslingen) wurden zwischen Sommer 2014 und Frühherbst 2015 auf einer Fläche von 2,5 Hektar die Reste eines jungsteinzeitlichen Dorfes aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends vor Christus ausgegraben. Die Ausgrabung erfolgte anlässlich der Erschließung eines Gewerbegebiets und wurde unter Einsatz modernster Methoden der archäologischen Feldforschung durchgeführt. Eine Überraschung ergab sich kurz vor Abschluss der Geländearbeiten im Spätsommer 2015, als das Grab einer reich mit Goldschmuck ausgestatteten keltischen Frau (ca. Mitte 6. Jahrhundert vor Christus) aufgedeckt werden konnte. Der Fund stellte eine kleine Sensation dar.</p><p>Seit 2018 werden die Ergebnisse und Funde der Ausgrabungen am „Hegelesberg“ in Kirchheim unter Teck in der <strong>Wanderausstellung „Steinzeitdorf und Keltengold. Archäologische Entdeckungen zwischen Alb und Neckar.“</strong> der Öffentlichkeit präsentiert. Ergänzt werden diese um wichtige Vergleichsfunde aus zwei weiteren, mit exotischen Materialien ausgestatteten Frauengräbern, von anderen Fundstellen aus der Region Mittlerer Neckar. Nach einem erfolgreichen Auftakt in Kirchheim unter Teck im vergangenen Jahr, ist die Ausstellung ab Mitte März in Tübingen zu sehen. Sie ist ein Ausstellungsprojekt des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und des Museums der Universität Tübingen (MUT). Die <strong>Eröffnung findet am Donnerstag, 14. März 2019, um 19 Uhr</strong>, auf Schloss Hohentübingen statt.&nbsp;</p><p>In der Tübinger Ausstellung werden weiterhin erstmals die Ergebnisse aktueller archäologischer Forschungen zur frühen Jungsteinzeit im Ammertal bei Tübingen präsentiert. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen und des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart werden seit 2017 mit neuen Geländeforschungen unter der Leitung von Raiko Krauß und Jörg Bofinger in der Altsiedellandschaft des Oberen Gäus zwischen Tübingen und Herrenberg durchgeführt.</p><h3>Hintergrundinformationen:</h3><p>Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart untersuchten in der Flur „Hegelesberg“ in Kirchheim unter Teck (Landkreis Esslingen) eine Siedlung der Linearbandkeramik, der ältesten jungsteinzeitlichen Kulturgruppe in Südwestdeutschland. Neben den Siedlungsspuren aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v. Chr. in Form von über 20 Langhäusern konnten am Fundplatz auch unerwartet jüngere Befunde nachgewiesen werden.</p><p>Die Ausstellung wird vom 15. März bis 28. April 2019 im MUT „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen gezeigt.&nbsp;<br> Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr sowie Donnerstag 10-19 Uhr</p><p>Begleitend zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Publikation von elf Autorinnen und Autoren in der Reihe Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Band 78, erschienen und an der Museumskasse erhältlich.</p><p>Die Ausstellung und das Buch wurden gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg als Oberste Denkmalschutzbehörde.</p><p>Ab Mai werden die Funde im Keltenmuseum der Heuneburg in Herbertingen gezeigt.</p><p class="align-right"><strong>Eine Pressemitteilung des&nbsp;Regierungspräsidiums Stuttgart</strong></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36681</guid><pubDate>Tue, 12 Mar 2019 16:53:56 +0100</pubDate><title>Große Resonanz für neuen Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grosse-resonanz-fuer-neuen-bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz/</link><description>Bisher fast 1500 Teilnehmer am Schülerwettbewerb ‒ Mehr als 900 Schulteams sind bereits dabei</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz (KI) stößt auf große Resonanz. Seit dem Start am 28. Februar nehmen bereits 1451 Schülerinnen und Schüler und 930 Schulteams aus ganz Deutschland am neu geschaffenen Wettbewerb teil. Noch bis 29. April können sich Interessierte unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp;für die erste Runde des neunmonatigen Wettbewerbs anmelden.</p><p>„Wir freuen uns riesig über dieses großartige Echo auf den Bundeswettbewerb“, sagt Professor Matthias Bethge, Direktor des Kompetenzzentrums für Maschinelles Lernen an der Universität Tübingen. „Beim Thema KI ist es wichtig, dass gerade auch unsere jungen Leute Gelegenheiten bekommen, sich möglichst früh damit beschäfitgen zu können. Professor Bernhard Schölkopf vom Max-Planck-Institut ergänzt: „Wir wollen Schüler für Wissenschaft begeistern und sie in die Lage versetzen, unsere Zukunft mit zu gestalten.“</p><p>In der ersten Phase des Wettbewerbs lösen Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzelne Programmieraufgaben und beantworten Wissensfragen. Dabei bekommen sie Unterstützung von kurzen, begleitenden Tutorials, die an die wichtigsten Grundbegriffe aus KI und Maschinellem Lernen heranführen. Im Mai startet die zweite Phase, in der die Teilnehmer alleine oder im Team eigene Ideen entwickeln und umsetzen, wie KI die Welt verbessern kann. Dabei werden die in der ersten Runde erlernten Methoden kreativ zur Lösung der selbstgewählten Problemstellung eingesetzt.</p><p>„KI wird als Zukunftstechnologie all unsere Lebensbereiche verändern“, sagt Christoph Peylo, Leiter des Bosch Center for Artificial Intelligence. „Bosch unterstützt den Bundeswettbewerb daher aus der Überzeugung heraus, dass es sich lohnt, junge Menschen für KI zu begeistern. Ich bin sehr gespannt auf die Ideen, die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Wettbewerbs entwickeln werden.“</p><p>Im November 2019 endet der Schülerwettbewerb mit einer Abschlussfeier und Preisverleihung in Tübingen. Die vielversprechendsten Projekte werden im Vorfeld zur AI CON 2019 eingeladen, einer von dem Bosch Center for Artificial Intelligence in Kooperation mit dem Cyber Valley ausgerichteten Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz. Als „KI-Schule des Jahres“ wird die Schule mit den meisten und erfolgreichsten Teilnehmern geehrt.</p><p>Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz ist eine gemeinsame Veranstaltung des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und der Universität Tübingen im Rahmen der Cyber Valley Initiative. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die sich für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Informatik oder Physik interessieren.</p><p>Der baden-württembergische Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann hat die Schirmherrschaft für den Wettbewerb übernommen. Hauptsponsor des Wettbewerbs ist die Robert Bosch GmbH.</p><p>Informationen unter <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Isabel Suditsch<br> Universität Tübingen<br> Cyber Valley Unit for Artificial Intelligence<br> Telefon +49 7071 29-70880<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kucdgn0uwfkvuejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">isabel.suditsch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36660</guid><pubDate>Tue, 12 Mar 2019 13:17:16 +0100</pubDate><title>Alles durchdringende Digitalisierung – Veranstaltungsreihe des Cyber Valley und der Hertie-Stiftung zu Künstlicher Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alles-durchdringende-digitalisierung-veranstaltungsreihe-des-cyber-valley-und-der-hertie-stiftung-zu-kuenstlicher-intelligenz/</link><description>Visionärinnen und Visionäre aus Wissenschaft und Industrie werfen einen Blick auf das Gehirn von morgen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübingen/Stuttgart – Künstliche Intelligenz (KI), neuronale Netze sowie autonome intelligente Systeme stehen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe des Cyber Valley und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Insgesamt vier Vortragsabende zum Thema „Das Gehirn der Zukunft“ werden an den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) abgehalten. Alle drei Forschungseinrichtungen bilden das Herzstück des Cyber Valley, der größten Forschungskooperation im Bereich KI in Europa. An jede Vortragsrunde mit Frauen und Männern aus Wissenschaft und Wirtschaft schließt sich eine Podiumsdiskussion an, in der es um die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf unsere Gesellschaft, unser Leben und Arbeiten gehen wird. Medienpartner ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).</p><p>Die Auftaktveranstaltung am 13. März dreht sich um <strong>KI &amp; Neurorobotik</strong> und findet an der Universität Tübingen statt. Auf dem Podium sitzen Dr. Daniel Häufle vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Prof. Dr. Catrin Misselhorn von der Universität Stuttgart, PD Dr. Florian Röhrbein von der Alfred Kärcher SE &amp; Co. KG und Prof. Dr. Surjo Soekadar von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung statt.</p><p>Am 13. Mai rückt <strong>KI &amp; Autonomes Fahren</strong> in den Mittelpunkt mit einer Vortragsrunde am MPI-IS in Stuttgart. Die Expertenrunde besteht aus Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Basel, Dr. Corinna Bernarding von der Universität des Saarlandes, Dr. Sebastian Söhner von der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG sowie Prof. Dr. Andreas Geiger vom MPI-IS und der Universität Tübingen.</p><p>Um <strong>KI &amp; Medizin</strong> geht es am 30. September. Prof. Dr. Philipp Berens von der Universität Tübingen, Prof. Dr. Linda Breitlauch von der Hochschule Trier, Dr. Nadine Diersch vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg sowie Dr. Roman Klinger von der Universität Stuttgart kommen auf dem Podium des Audimax in Tübingen zusammen.</p><p>Die Entwicklung künstlicher intelligenter Systeme wirft viele ethische Fragen auf, die in unserer Gesellschaft offen diskutiert werden müssen. Deshalb steht am 16. Oktober an der Universität Stuttgart das Thema <strong>KI &amp; Ethik</strong> im Fokus. Prof. Dr. Regina Ammicht-Quinn von der Universität Tübingen, Prof. Dr. Markus Frings vom Evangelischen Klinikum Niederrhein, Dr. Christoph Peylo von der Robert Bosch GmbH sowie Prof. Dr. Michael Sedlmair von der Universität Stuttgart stellen sich der Diskussion.</p><p>Cyber Valley besteht seit 2016 als Forschungsverbund zu Künstlicher Intelligenz und wird getragen vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, den Universitäten Tübingen und Stuttgart, sieben Industriepartnern und dem Land Baden-Württemberg. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Cyber Valley forschen an Maschinellem Lernen, Robotik sowie Computer Vision. Insgesamt investieren die Cyber Valley Partner in einem ersten Schritt 165 Mio. Euro.</p><p>Die Arbeit der Hertie-Stiftung konzentriert sich auf zwei Leitthemen: Gehirn erforschen und Demokratie stärken. Die Projekte der Stiftung setzen modellhafte Impulse innerhalb dieser Themen. Im Fokus stehen dabei immer der Mensch und die konkrete Verbesserung seiner Lebensbedingungen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung wurde 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und ist heute eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland.</p><p>Mehr zur Gemeinnützige Hertie-Stiftung finden Sie hier: <a href="http://www.ghst.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ghst.de</a></p><p>Mehr zur Veranstaltungsreihe finden Sie unter <a href="http://www.ghst.de/GehirnDerZukunft" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.ghst.de/GehirnDerZukunft</a>&nbsp;oder <a href="https://cyber-valley.de/de/events/das-gehirn-der-zukunft" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://cyber-valley.de/de/events/das-gehirn-der-zukunft</a></p><p><em>Gemeinsame Pressemitteilung des Cyber Valley und der Gemeinnnützigen Hertie-Stiftung</em></p><h3>Pressekontakte:</h3><p>Linda Behringer<br> Max-Planck-Institute für Intelligente Systeme<br> Pressestelle<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;0711 689-3552<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Nkpfc0dgjtkpigtBku0ori0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">Linda.behringer<span style="display:none">spam prevention</span>@is.mpg.de</a></p><p>Dr. Hans-Herwig Geyer<br> Universität Stuttgart<br> Leiter Hochschulkommunikation und Pressesprecher<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> 0711 685-82 555<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ngkvwpi0jmqoBjmqo0wpk/uvwvvictv0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">leitung.hkom<span style="display:none">spam prevention</span>@hkom.uni-stuttgart.de</a></p><p>Dr. Mareike Kardinal<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Leitung Kommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;07071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Leiter Stabsstelle Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> 07071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36363</guid><pubDate>Fri, 01 Mar 2019 18:06:40 +0100</pubDate><title>Dōshisha University eröffnet Außenstelle an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dooshisha-university-eroeffnet-aussenstelle-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Repräsentanz der japanischen Universität soll Zusammenarbeit mit Tübingen vertiefen und europaweite Kooperationen anstoßen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem internationalen Symposium ist am Mittwoch, 27. Februar 2019, eine dauerhafte Repräsentanz der Dōshisha University an der Universität Tübingen eröffnet worden. Der „Dōshisha EU-Campus“ ist jetzt die europaweit einzige Außenstelle der renommierten japanischen Privatuniversität in Kyoto. Sie koordiniert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen der Dōshisha University und der Universität Tübingen. Darüber hinaus initiiert und begleitet sie Kooperationen und Projekte mit Partnern in ganz Europa.</p><p>Zur Eröffnung der Außenstelle unterzeichneten der Präsident der Dōshisha University, Professor Takashi Matsuoka, und der Tübinger Rektor Professor Bernd Engler eine Absichtserklärung. Sie sieht vor, die Zusammenarbeit zwischen beiden Universitäten weiter auszubauen. Geplant sind unter anderem gemeinsame Konferenzen, Semesterprogramme mit Sprachkursen und interkulturellem Training für japanische Studierende sowie der Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In der Forschung sollen bestehende Kooperationen vertieft und neue Projekte initiiert werden, insbesondere in den Natur- und Lebenswissenschaften sowie in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Mit einer Vereinbarung zur strategischen Zusammenarbeit sollen die Aktivitäten des „Dōshisha EU-Campus“ im Laufe des Jahres 2020 weiter präzisiert werden.</p><p>Rektor Engler zeigte sich hocherfreut über die neue Einrichtung: „Mit der Dōshisha University verbindet uns eine jahrzehntelange enge Partnerschaft. Dass Tübingen nun zentrale Koordinationsstelle für alle Aktivitäten der Dōshisha in Europa ist, unterstreicht die Bedeutung unserer Universität in der Kooperation mit Japan.“ Die Universität Tübingen stellt der Dōshisha University Büro- und Seminarräume zur Verfügung; eine Mitarbeiterin aus Japan hat die Repräsentanz in der Keplerstraße 2 bezogen.</p><p>Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Tübingen und Kyoto wurde bereits mit dem Eröffnungssymposium des EU-Campus am 27. und 28. Februar vorangetrieben. Die interdisziplinäre Veranstaltung widmete sich verschiedenen Aspekten des Themas „Herausforderungen für alternde Gesellschaften“ aus japanischer, deutscher und europäischer Perspektive. Neben Forscherinnen und Forschern aus Kyoto und Tübingen nahmen auch der Prorektor für Internationale Angelegenheiten der Dōshisha University, Professor Dr. Gregory Poole, und Professor Dr. Yoshihiko Wada, Direktor des „Dōshisha EU-Campus“, an dem Symposium teil.</p><p>Die Partnerschaft zwischen der Dōshisha University und der Universität Tübingen besteht seit 1990. Seit 1993 unterhält Tübingen eine Außenstelle an der Dōshisha University in Kyoto, das Tübingen Center for Japanese Studies. Auch das Tübinger Zentrum ist bis heute die einzige Außenstelle einer europäischen Universität an einer Universität in Japan. Der „Dōshisha EU-Campus“ in Tübingen ist nun das Gegenstück. Die Gründung dieser Außenstelle der Dōshisha University erfolgt im Rahmen einer Initiative zur Internationalisierung der Universitäten in Japan, die durch die japanische Regierung gefördert wird.</p><p>Zu den jüngsten gemeinsamen Projekten der Dōshisha University und der Universität Tübingen gehört der Austausch von Lehrenden in Kurz- und Langzeitaufenthalten, der im Oktober 2018 vereinbart wurde und im Spätsommer 2019 startet. Unmittelbar vor dem Symposium wurden am 25. Februar 2019 zudem zwei Abkommen in der Sportwissenschaft geschlossen. Neben einer allgemeinen Vereinbarung zu Austausch und Zusammenarbeit in Forschung und Lehre wurde dabei auch ein konkretes Vorhaben zum Studierendenaustausch in der Sportwissenschaft vereinbart.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Karin Moser v. Filseck<br> Universität Tübingen<br> Dezernat Forschung<br> Internationale Forschungskooperationen<br> Telefon +49 7071 29-77353<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctkp0oqugtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karin.moser<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36300</guid><pubDate>Thu, 28 Feb 2019 20:00:00 +0100</pubDate><title>Tibetische Hochebene hob sich später als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tibetische-hochebene-hob-sich-spaeter-als-gedacht/</link><description>Forscherin der Universität Tübingen setzt die Höhe des Plateaus im Eozän vor 40 Millionen Jahren 1.500 Meter niedriger als heute an</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die tibetische Hochebene liegt heute auf einer Höhe von durchschnittlich 4.500 Metern über dem Meeresspiegel und ist die größte aktive Gebirgsbildungszone der Erde. Bisherige Analysen hatten meist ergeben, dass das Plateau bereits im Eozän vor rund 40 Millionen Jahren annähernd so hoch war wie heute. Dr. Svetlana Botsyun vom Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen hat gemeinsam mit internationalen Kollegen diese Annahme mithilfe umfangreicher Simulationen überprüft, in die sie zahlreiche Paläoklimadaten einfließen ließ. Die Forscher kamen dabei zu einem anderen Ergebnis: Demnach hatte die Hochebene im Eozän nur eine Höhe von weniger als 3.000 Metern. Das neue Szenario hilft den Wissenschaftlern zu verstehen, welche geologischen Kräfte bei der Gebirgsbildung an den Grenzen tektonischer Platten wirken. Ihre Studie wird in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.</p><p>Die tibetische Hochebene liegt am Rand der Eurasischen Kontinentalplatte, die mit der Indischen Platte zusammenstößt. Das führte in den vergangenen Jahrmillionen zur Hebung des Plateaus. Um die Höhe von Bergen und Gebirgen im Verlauf der Erdgeschichte zu bestimmen, bedienen sich Wissenschaftler häufig eines besonderen geologischen Archivs, dem vor Jahrmillionen im Boden gespeicherten Wasser. Die Methode beruht auf dem Verhältnis verschiedener stabiler Sauerstoffisotope, das sind Sauerstoffatome unterschiedlicher Masse. Die zugrundeliegende Theorie besagt – und das konnte so auch beobachtet werden –, dass Regen mit steigender Höhe geringere Anteile an schweren Isotopen enthält. Umgekehrt schließen Wissenschaftler von der Isotopenverteilung in einer Wasserprobe auf die frühere Höhe des Orts der Probennahme. Für die tibetische Hochebene ergab sich aus solchen Messungen eine Höhe von rund 4.000 Metern im Eozän. „Diese Ergebnisse wollten wir in Frage stellen, denn die Verteilung der Sauerstoffisotope gibt nicht nur die Höhe über dem Meeresspiegel wieder, sondern auch viele Einflüsse des Paläoklimas“, erklärt Svetlana Botsyun.&nbsp;</p><h3>Einfluss zahlreicher Faktoren</h3><p>So sei im Eozän, der erdgeschichtlichen Periode vor rund 56 bis 33,9 Millionen Jahren, die Konzentration an Kohlendioxid und anderen sogenannten Treibhausgase in der Atmosphäre deutlich höher gewesen als heute. Die ganze Temperaturverteilung und Geografie in Asien habe anders ausgesehen: Am Rand der Eurasischen Platte befand sich ein großes flaches Meer, die Paratethys. Außerdem habe die Indische Kontinentalplatte damals im Vergleich mit der heutigen Position zehn Breitengrade weiter südlich gelegen. „All diese Bedingungen im Eozän, die Einfluss auf das Verhältnis der Sauerstoffisotope haben, haben wir in unsere Klimasimulationen einbezogen“, erklärt Botsyun. Daraus hätten sich völlig andere Muster ergeben.</p><p>„Unsere Simulationen zeigen, dass sich durch die südlichere Lage Tibets im Eozän die Isotopenverhältnisse im Regenwasser sogar umgekehrt haben. Entlang der südlichen Flanke regnete mit steigender Höhe schwereres Wasser herab“, erklärt sie. „Wir müssen daher die allgemeine Annahme verwerfen, dass in früheren Erdzeitaltern zwischen der Höhe über dem Meer und dem Anteil schwerer Sauerstoffisotope im Regenwasser eine stabile Beziehung bestand.“ Die neu errechneten Daten des Forscherteams passten zu einem Szenario, dem zufolge die tibetische Hochebene im Eozän weniger als 3.000 Meter hoch gewesen sein muss. „Künftig sollten wir Klimamodelle mit den Isotopendaten aus den geologischen Archiven kombinieren, um verlässliche Daten über die Höhen in erdgeschichtlichen Zeiten zu gewinnen“, sagt sie.</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Svetlana Botsyun, Pierre Sepulchre, Yannick Donnadieu, Camille Risi, Alexis Licht, Jeremy K. Caves Rugenstein: Revised paleoaltimetry data show low Tibetan Plateau elevation during the Eocene. Science, Ausgabe vom 1. März 2019, www.sciencemag.org&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Svetlana Botsyun<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Fachbereich Geowissenschaften<br> Telefon +49 7071 29-73146<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uxgvncpc0dqvuawpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">svetlana.botsyun<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-36291</guid><pubDate>Thu, 28 Feb 2019 18:04:49 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-3/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-35901</guid><pubDate>Mon, 25 Feb 2019 09:50:27 +0100</pubDate><title>Theologinnen starten Diskurs zur „Weiblichkeit im Islam“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/theologinnen-starten-diskurs-zur-weiblichkeit-im-islam/</link><description>Kooperationsprojekt soll Forscherinnen weltweit vernetzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen und die Georgetown Universität in Katar erforschen in einem neuen Kooperationsprojekt das Konzept der „Weiblichkeit im Islam“. Islamische Theologinnen wollen sich dafür mit Wissenschaftlerinnen weltweit vernetzen und eine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Zudem soll es fester Bestandteil der universitären Lehre werden. Gefördert wird das Projekt „Exploring the Feminine within Islam“ 2019 im Programm „Hochschuldialog mit der Islamischen Welt“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amts.&nbsp;</p><p>Während es Fortschritte in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu „Islam und Gender“ gibt, insbesondere in der Soziologie und Anthropologie, steckt eine theologische Auseinandersetzung zur „Weiblichkeit im Islam“ noch im Anfangsstadium. „In Anbetracht unserer unruhigen internationalen Welt ist es wichtiger denn je, dass muslimische Frauen nicht nur der Gegenstand laufender Diskussionen im Islam sind“, sagt Projektleiterin Lejla Demiri, Professorin für Islamische Glaubenslehre an der Universität Tübingen. „Vielmehr sollten sie als Theologinnen selbst zu den wichtigen Gesprächen über Gender und Religion beitragen.“&nbsp;</p><p>Mit dem Projekt wollen das Tübinger Zentrum für Islamische Theologie (ZITH) und die Georgetown Universität Katar Wissenschaftlerinnen aus vielen Ländern zum Forschungs- und Lehrthema „Weiblichkeit im Islam“ zusammenbringen. Geplant ist unter anderem, Forscherinnen aus mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern jährlich zu einer Fachtagung nach Tübingen einzuladen. Von Tübingen und Katar aus soll ein intrareligiöser Dialog zwischen rund 30 Wissenschaftlerinnen der islamischen Theologie und verwandter Studienfächer angeregt werden. Diese könnten sich wiederum mit weiteren Theologinnen und Theologen an anderen Hochschulstandorten vernetzen, so die Idee.&nbsp;</p><p>Das Projekt wird unterstützt und mitentwickelt vom Forscher-Alumni-Netzwerk der Universität Tübingen und ist Teil der hochschulweiten Internationalisierungsstrategie. Wissenschaftlerinnen, Studierende und Alumnae sollen als Multiplikatorinnen in den jeweiligen Teilnehmerländern eingebunden werden, unter anderem in Marokko, im Libanon und im Iran.</p><p>Ziel ist ein Wissensaustausch und die gegenseitige Entsendung von Wissenschaftlerinnen für Lehrtätigkeiten zunächst nach Tübingen oder Katar. Langfristig sollen Mentoring-Strukturen zwischen verschiedenen Karrieregraden entstehen, um Nachwuchsforschende als gleichberechtigte Gesprächspartner in den Diskurs einzubeziehen. „Auf lange Sicht möchten wir Frauen eine Stimme verleihen, die sich ernsthaft für die Verbesserung ihrer Welt(en) durch ihre Arbeit, ihren Aktivismus und ihren Dienst an der Humanität einsetzen“, sagt die Wissenschaftlerin Sohaira Siddiqui, Theologie-Professorin an der Georgetown Universität in Katar. „Wir hoffen, dass unser Projekt nicht nur den Beteiligten des Diskurses nützt, sondern auch den Gesellschaften, in denen wir leben.“</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Amina Nawaz<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für Islamische Theologie (ZITH)<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cokpc0pcycbBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">amina.nawaz<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Weiterführende Informationen:</h3><ul><li><a href="/fakultaeten/zentrum-fuer-islamische-theologie/zentrum/">Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen</a></li><li><a href="https://www.qatar.georgetown.edu/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Georgetown University Qatar</a></li><li><a href="http://www.uni-tuebingen.de/trace" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Tübingen Research Alumni Network TRACe</a></li><li><a href="https://www.daad.de/hochschulen/programme-regional/arabischer-raum/de/12825-hochschuldialog-mit-der-islamischen-welt-informationen-zum-programm/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">DAAD-Programm „Hochschuldialog mit der islamischen Welt“</a></li></ul><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-35826</guid><pubDate>Thu, 21 Feb 2019 17:00:00 +0100</pubDate><title>Eine Art selektive Wahrnehmung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eine-art-selektive-wahrnehmung/</link><description>Wie kommen von der Retina aufgenommene Bilder ins Gehirn? Tübinger und Münchner Neurobiologen zeigen, dass bereits in der ersten Schaltstation auf dem Weg zum Großhirn visuelle Reize verrechnet werden ‒ aber nicht alle erfahren die gleiche Gewichtung.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Sehsinn ist beim Menschen für bis zu 80 Prozent der Informationen über die Umgebung zuständig. Dafür speisen in der Retina rund 130 Millionen lichtempfindliche Zellen ihre Signale in ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen ein. Wie das Gehirn es schafft, diese optischen Signale in sinnvolle Informationen zu übersetzen, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Ein besseres Verständnis der neuronalen Verarbeitung aber ist beispielsweise für die Entwicklung von besseren visuellen Prothesen wichtig. Ein Team um die LMU-Neurobiologin Laura Busse hat in Kooperation mit Thomas Euler und Philipp Berens vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde und dem Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen eine bisher kontrovers diskutierte Frage untersucht: Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass schon in der ersten neuronalen Schaltstation zwischen Retina und Großhirn eine Verarbeitung und Gewichtung der Signale stattfindet. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Neuron veröffentlicht.</p><p>In der Netzhaut der Maus wird der Seheindruck von über 30 spezialisierten retinalen Ganglienzellentypen aufgenommen, durch die das Photorezeptorsignal in mehrere parallele Kanäle zerlegt zum Gehirn transportiert wird: Manche Zelltypen reagieren beispielsweise bevorzugt auf dunkle Kontraste, andere auf bestimmte räumliche Muster. „Eine ähnliche Diversität scheint es auch im Primaten zu geben, und damit wahrscheinlich auch beim Menschen“, sagt Busse. „Wir haben nun im Mausmodell untersucht, welche der Ganglienzell-Typen in den visuellen Thalamus ziehen, und ob die dort ankommende Information nur weitergeleitet oder bereits transformiert wird.“ Der visuelle Thalamus stellt die erste Umschaltstation für Signale auf dem Weg zur Großhirnrinde dar, und dieser Verarbeitungspfad ist unter anderem verantwortlich für Formsehen, visuelle Wahrnehmung und Objekterkennung. Beide Fragestellungen wurden in der Wissenschaft in den letzten Jahren kontrovers diskutiert: Einerseits sprachen funktionelle Befunde gegen eine weitere Verarbeitung der Signale. Andererseits zeigten neue anatomische Studien, dass eine einzelne Thalamus-Zelle Signale von mehr als 90 verschiedenen retinalen Ganglienzellen aufnehmen kann, was sehr starke Kombination nahelegt.&nbsp;</p><p>In enger Zusammenarbeit untersuchten die Münchner und Tübinger Wissenschaftler nun die Signalverarbeitung bei der Maus. Die Forscher setzten dabei einen kontrollierten visuellen Stimulus ein, der viele Antworteigenschaften gleichzeitig testet – etwa Dunkel-Hell- und Hell-Dunkel-Veränderungen, Kontraständerungen oder Änderungen in der Schnelligkeit eines Flackerns – und analysierten die Reaktion sowohl der Retina- als auch der Thalamuszellen. Dabei fanden sie, dass die meisten Typen der retinalen Ganglienzellen Informationen zum visuellen Thalamus leiten.&nbsp;</p><p>Auf Basis ihrer Messungen entwickelten die Wissenschaftler anschließend ein Computer-basiertes Modell, das Rückschlüsse darauf ermöglicht, welche und wie viele Zellen jeweils an der Zellantwort aus dem Thalamus beteiligt sind. „Dieses Modell zeigt, dass eine einzelne Thalamus-Zelle nur von maximal fünf verschiedenen retinalen Zelltypen angesteuert wird“, sagt Busse. Die Signale dieser fünf Typen werden in der Thalamus-Zelle kombiniert, wobei allerdings zwei Typen sehr stark dominieren. Die Eingangssignale der anderen Typen haben nur einen geringen Einfluss, sodass das resultierende Signal dem der retinalen Ganglienzelle oft stark ähnelt.&nbsp;</p><p>Nach Ansicht der Wissenschaftler tragen die schwachen Signale der nicht-dominierenden Typen möglicherweise dazu bei, das Sehen „robuster“ zu machen, etwa indem die Zellen besser miteinander vernetzt werden, wenn eine retinale Zelle Signale an viele Thalamus-Zellen schickt. Möglicherweise kann die Gewichtung der Signale auch variiert werden, sodass etwa bei Lernprozessen neue Verarbeitungs-Kombinationen errechnet werden können. „Auf jeden Fall ist der Thalamus nicht nur eine passive Verschaltungsstation zwischen der Netzhaut und dem Gehirn, sondern es finden auch dort schon Neuberechnungen statt“, sagt Busse. „Dabei spielt die Gewichtung der Signale eine wichtige Rolle.“&nbsp;</p><p>Die Arbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1233 „Robust Vision“ an der Universität Tübingen gefördert.</p><h3>Publikation:</h3><p>Miroslav Román Rosón, Yannik Bauer, Ann H. Kotkat, Philipp Berens, Thomas Euler, Laura Busse: Mouse dLGN receives functional input from a diverse population of retinal ganglion cells with limited convergence. Neuron 2019, DOI: 10.1016/j.neuron.2019.01.040</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Philipp Berens<br> Universität Tübingen<br> Forschungsinstitut für Augenheilkunde<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-88833<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rjknkrr0dgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">philipp.berens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Thomas Euler<br> Universität Tübingen<br> Forschungsinstitut für Augenheilkunde<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-85028<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjqocu0gwngtBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">thomas.euler<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-35445</guid><pubDate>Tue, 12 Feb 2019 17:11:05 +0100</pubDate><title>Wie das Ebola-Virus das Immunsystem  in die Irre führt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-das-ebola-virus-das-immunsystem-in-die-irre-fuehrt/</link><description>Cleveres Ablenkungsmanöver durch virale Täuschkörper - Aktuell publiziert in Cell Reports</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forscherteam aus Tübingen und Göttingen hat im renommierten Fachjournal Cell Reports einen neuen Mechanismus beschrieben, wie das Ebola-Virus der Immunabwehr entkommt. Das Virus bringt infizierte Zellen dazu sogenannte „Täuschkörper“ freizusetzen. Diese führen das Immunsystem in die Irre, indem sie dessen neutralisierende Antikörper inaktivieren und verhindern, dass Immunzellen wichtige Botenstoffe freisetzen. Diese Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Impfstoffe gegen hämorrhagische Fieberviren führen.</p><p>Wie das Team um den Virologen Prof. Michael Schindler vom Universitätsklinikum Tübingen berichtet, bringt das Hüllprotein des Ebola-Virus Zellen dazu, kleine Vesikel freizusetzen, auf deren Oberfläche sich das Hüllprotein des Ebola-Virus befindet. Diese sogenannten Virosomen binden Antikörper, die gegen das Ebola-Virus gerichtet sind. Sie könnten dadurch die Bekämpfung der Infektion durch die Antikörperantwort behindern. Außerdem unterdrücken die Virosomen die Freisetzung von Zytokinen und Chemokinen durch Makrophagen. Makrophagen sind Immunzellen, die Botenstoffe freisetzen und damit die Immunabwehr des Körpers gegen Viren koordinieren.</p><p>Warum kommt es nun aber trotzdem in den meisten Infizierten zu einer Immunantwort gegen das Ebola-Virus? Auch hierfür haben die Virologen eine Erklärung: „Das Immunsystem hat Gegenmaßnahmen gegen die Täuschkörper entwickelt“, erläutert Schindler. „So konnten wir zeigen, dass ein anderes zelluläres Protein, welches eine wichtige Rolle bei der angeborenen Immunabwehr spielt, die Freisetzung der Virosomen verhindert.“</p><h3>Immunisieren mit Virosomen</h3><p>Neben der Bedeutung der Erkenntnisse für die Grundlagenforschung ergeben sich auch potentielle Anwendungen aus den neu entdeckten Eigenschaften der Virosomen. „Die Virosomen tragen offensichtlich funktionell intaktes Ebola-Hüllprotein auf ihrer Oberfläche, sind aber ansonsten nicht infektiös“, erklärt Prof. Stefan Pöhlmann, Koautor der Studie und Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. „Damit sind Virosomen attraktive Kandidaten für die Entwicklung eines Impfstoffs.“</p><p>Die Forscher wollen nun in weiteren Experimenten untersuchen, ob andere hämorrhagische Fieberviren ebenso Virosomen freisetzen und ob diese zur Herstellung von Impfstoffen genutzt werden können.</p><h3><br> Titel der Originalpublikation:</h3><p>Release of immunomodulatory Ebola virus glycoprotein-containing microvesicles is suppressed by tetherin in a species-specific manner.<br> Autoren: Julia Nehls, Ramona Businger, Markus Hoffmann, Constantin Brinkmann, Birgit Fehrenbacher, Martin Schaller, Brigitte Maurer, Caroline Schönfeld, Daniela Krämer, Stephan Hailfinger, Stefan Pöhlmann, Michael Schindler<br> DOI-Nummer: <a href="https://doi.org/10.1016/j.celrep.2019.01.065" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.celrep.2019.01.065</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Universitätsklinikum Tübingen<br> Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten<br> Prof. Dr. Michael Schindler<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-87459<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Okejcgn0UejkpfngtBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">Michael.Schindler<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-35439</guid><pubDate>Tue, 12 Feb 2019 17:03:58 +0100</pubDate><title>Wie Schlaf das Immunsystem stärkt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-schlaf-das-immunsystem-staerkt/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen weisen neuen Mechanismus nach, mit dem unser Abwehrsystem im Schlaf unterstützt wird</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ausreichend Schlaf ist für unser Immunsystem und die Abwehr von Krankheitserregern wichtig ‒ das wird allgemein angenommen und erscheint intuitiv richtig. Wie genau Schlaf jedoch bestimmte Immunfunktionen beeinflusst, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck haben nun in einer Studie einen neuen Mechanismus nachgewiesen, über den Schlaf das Immunsystem fördert. Das Team um Dr. Luciana Besedovsky und Dr. Stoyan Dimitrov vom Tübinger Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie und Dr. Tanja Lange aus der Lübecker Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie konnte an Probanden zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der sogenannten T-Zellen beeinträchtigt war, der weißen Blutzellen, die für die Bekämpfung von Erregern zuständig sind. Die Studie wurde im Journal of Experimental Medicine veröffentlicht.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten mit Probanden ein 24-stündiges Experiment durch: Eine Gruppe konnte nachts für acht Stunden schlafen, eine zweite Gruppe blieb über den gesamten Zeitraum wach. Während des Experiments wurde den Teilnehmern regelmäßig Blut abgenommen. Dabei überprüfte das Forschungsteam vor allem die Bindungsstärke der T-Zellen an ein Molekül namens ICAM-1 (intercellular adhesion molecule-1), das es ihnen ermöglicht, sich an andere Zellen anzuheften, die sogenannte Adhäsion.&nbsp;</p><p>Dies ist für ihre Funktion wichtig: „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov. Wie die Studie zeigt, war die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen bei den Probanden ohne Schlaf sichtlich reduziert.&nbsp;</p><p>Um weiter zu untersuchen, wie Schlaf die T-Zellfunktion beeinflusst, wurde zudem Plasma ‒ der Teil des Blutes, in dem sich lösliche Substanzen wie Hormone befinden ‒ von schlafenden sowie von wach geblieben Probanden entnommen. Dieses Plasma wurde für wenige Minuten auf isolierte T-Zellen gegeben. Stammte es von den Probanden ohne Schlaf, senkte es signifikant die Adhäsionsfähigkeit, verglichen mit dem Plasma der Probanden, die geschlafen hatten.&nbsp;</p><p>Diese Unterdrückung der T-Zellfunktion konnte das Team in einem weiteren Experiment rückgängig machen, indem es eine bestimmte Rezeptorklasse blockierte, sogenannte Gαs-gekoppelte Rezeptoren: Über diese wirken unter anderem das Stresshormon Adrenalin und Prostaglandine, Hormone die bei Entzündungen eine Rolle spielen. „Dies zeigt, dass bereits bei kurzem Schlafentzug lösliche Stoffe diese Rezeptoren aktivieren und darüber auch die Adhäsion der T-Zellen beeinträchtigen“, so die Studienleiterin Luciana Besedovsky.</p><p>In parallel laufenden Experimenten konnten die Forscher zudem zeigen, dass einige der löslichen Moleküle, die an diese Rezeptorklasse binden, wie beispielsweise Adrenalin, Prostaglandine und der Botenstoff Adenosin, die Adhäsion stark beeinträchtigen, wenn sie direkt auf T-Zellen gegeben wurden. Dieselben Substanzen sind auch bei einer Reihe pathologischer Zustände stark erhöht, beispielsweise bei chronischem Stress oder Krebs. „Das heißt, dass unsere Befunde auch außerhalb der Schlafforschung klinische Relevanz haben. Sie könnten erklären, warum das Immunsystem bei manchen Erkrankungen unterdrückt ist“, sagt Lange und Besedovsky fasst zusammen: „Bereits drei Stunden ohne Schlaf sind ausreichend, um die Funktion wichtiger Immunzellen zu reduzieren. Unsere Ergebnisse zeigen einen möglichen, grundlegenden Mechanismus, über den Schlaf uns beim alltäglichen Kampf gegen Infektionen unterstützt.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Stoyan Dimitrov, Tanja Lange, Cécile Gouttefangeas, Anja T.R. Jensen, Michael<br> Szczepanski, Jannik Lehnnolz, Surjo Soekadar, Hans-Georg Rammensee, Jan Born<br> and Luciana Besedovsky: “Gαs-coupled receptor signaling and sleep regulate integrin activation of<br> human antigen-specific T cells.” Journal of Experimental Medicine:&nbsp;<br> &nbsp;<a href="http://jem.rupress.org/cgi/doi/10.1084/jem.20181169" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://jem.rupress.org/cgi/doi/10.1084/jem.20181169</a></p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Universität Tübingen<br> Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie<br> Dr. rer. nat. Luciana Besedovsky<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-88928<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,nwekcpc0dgugfqxumaBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">luciana.besedovsky<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. rer. nat. Stoyan Dimitrov<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-88927<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uvqacp0fkokvtqxBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">stoyan.dimitrov<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Universität zu Lübeck<br> Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie<br> Priv.-Doz. Dr. med. Tanja Lange<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 451 500 75491<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vcplc0ncpigBwmuj0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">tanja.lange<span style="display:none">spam prevention</span>@uksh.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-35184</guid><pubDate>Thu, 07 Feb 2019 09:44:24 +0100</pubDate><title>T. rex: Flexibler Kopf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/t-rex-flexibler-kopf/</link><description>Fleischfressender Dinosaurier besaß einzigartigen Schädel</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler Ingmar Werneburg hat mit einem internationalen Team erstmalig die Schädelkonstruktion des Tyrannosaurus rex untersucht. &nbsp;Mit Hilfe einer "Anatomischen Netzwerk Analyse" zeigen sie in ihrer heute im Fachjournal "Scientific Reports" erschienenen Studie, dass die Schädelstruktur des fleischfressenden Dinosauriers sehr komplex war. Verschiedene Knochenmodule führten zu einer Flexibilität des Schnauzenteils, welche beim Zerlegen von Beutetieren hilfreich war.&nbsp;</p><p>Tyrannosaurus rex - der "König der Schreckensechsen" trägt seinen Namen auch aufgrund seines beeindruckenden Gebisses und Schädels. Letzteren hat ein internationales Team aus Deutschland der Schweiz, Großbritannien, Spanien und den USA nun genauer unter die Lupe genommen. "Wir haben den Schädel des T. rex mit Schädelkonstruktionen heutiger Landwirbeltiere verglichen und mit Hilfe einer ,Anatomischen Netzwerk Analyse' untersucht, welche Schädelknochen miteinander in Verbindung stehen", erläutert Erstautor der Studie PD Dr. Ingmar Werneburg vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.&nbsp;</p><p>Die Analyse ergab, dass der große Fleischfresser unter allen untersuchten Tiergruppen die meisten "Schädelmodule" - Schädelknochen, die Einheiten mit umliegenden Knochen bilden -besaß. Daraus resultierte eine besonders hohe Beweglichkeit des Schädels. "Besonders überrascht waren wir von der Entdeckung eines oberen und unteren Schnauzenmoduls, welche sich wohl unabhängig voneinander bewegen konnten", ergänzt der Tübinger Wissenschaftler.&nbsp;</p><p>Die Forschenden gehen davon aus, dass die Nahrungsgewohnheiten des Tyrannosaurus rex zur Komplexität seines Schädels führten. Die Unterteilung in ein unteres und oberes Schnauzenmodul ermöglichte eine gewisse Flexibilität des zahntragenden Schnauzenteils beim kraftvollen Herausreißen von Nahrungsteilen aus den Beutetieren. "Diese Eigenschaft gepaart mit den in Zahntaschen verankerten Zähnen und zwei großen Schläfenfenstern als Ansatzflächen für eine kräftige Kiefermuskulatur machten T. rex zum ,idealen Fleischfresser'", fasst Werneburg zusammen.&nbsp;</p><h3>Publikation</h3><p>Ingmar Werneburg, Borja Esteve-Altava, Joana Bruno, Marta Torres Ladeira &amp; Rui Diogo (2019): Unique skull network complexity of Tyrannosaurus rex among land vertebrates. Scientific Reports volume 9, Article number: 1520 (2019) DOI: 10.1038/s41598-018-37976-8</p><h3>Kontakt</h3><p>PD Dr. Ingmar Werneburg<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) Eberhard Karls Universität<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-73068<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kpioct0ygtpgdwtiBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ingmar.werneburg<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 69 7542-1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><br><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34935</guid><pubDate>Fri, 01 Feb 2019 11:17:18 +0100</pubDate><title>Ungewöhnlicher Zucker aus Cyanobakterien wirkt als natürliches Herbizid</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ungewoehnlicher-zucker-aus-cyanobakterien-wirkt-als-natuerliches-herbizid/</link><description>Chemiker und Mikrobiologen der Universität Tübingen entdecken Zuckermolekül, das Pflanzen und Mikroorganismen hemmt und für menschliche Zellen ungefährlich ist ‒ Eine Alternative für das umstrittene Glyphosat?</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen haben einen Naturstoff entdeckt, der dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Konkurrenz machen könnte: Das neu gefundene Zuckermolekül aus Cyanobakterien hemmt das Wachstum verschiedener Mikroorganismen und Pflanzen, ist aber für Menschen und Tiere ungefährlich. Die gemeinsame Studie wurde unter Leitung von Dr. Klaus Brilisauer, Professorin Stephanie Grond (Institut für Organische Chemie) sowie Professor Karl Forchhammer (Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin) durchgeführt. Sie ist am Freitag im Fachjournal <em>Nature Communications</em> erschienen.</p><p>Wirkstoffe für den pharmazeutischen oder landwirtschaftlichen Gebrauch haben ihren Ursprung oft in Naturstoffen. Diese können aus komplexen chemischen Strukturen bestehen, aber auch verhältnismäßig einfach aufgebaut sein. Oft liegt die Genialität solcher Wirkstoffe in ihrer Einfachheit: Sogenannte „Antimetabolite“ (von Metabolimus=Stoffwechsel) treten in Wechselwirkung mit lebenswichtigen Prozessen in der Zelle, indem sie Stoffwechselprodukte nachahmen. Das Ergebnis ist eine Störung des betroffenen biologischen Prozesses, was zur Wachstumshemmung oder gar zum Tod der betroffenen Zelle führen kann.</p><p>Das Tübinger Forschungsteam aus der Chemie und Mikrobiologie stieß nun auf einen sehr ungewöhnlichen Antimetaboliten mit bestechend einfacher chemischer Struktur: Ein Zuckermolekül mit dem wissenschaftlichen Namen „7-desoxy-Sedoheptulose (7dSh)“. Anders als gewöhnliche Kohlenhydrate, die in der Regel als Energiequelle für Wachstum dienen, hemmt diese Substanz das Wachstum verschiedener Pflanzen und Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien und Hefen. Der Zucker blockiert dabei ein Enzym des sogenannten Shikimatwegs, eines Stoffwechselweges, der nur in Mikroorganismen und Pflanzen vorkommt. Aus diesem Grund stufen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den&nbsp;Wirkstoff als unbedenklich für Menschen und Tiere ein und wiesen dies auch bereits in ersten Untersuchungen nach.</p><p>Der seltene Desoxy-Zucker wurde aus Kulturen des Süßwasser-Cyanobakteriums <em>Synechococcus elongatus</em> isoliert, das in der Lage ist, das Wachstum verwandter Bakterienstämme zu hemmen. Auf der Suche nach der Ursache für diese Wachstumshemmung gelang es den Forschern, die Struktur des Naturstoffes zu entschlüsseln. Dank einer neu entwickelten Methode zur Herstellung von 7dSh, einer sogenannten chemoenzymatischen Synthese, konnten umfangreiche Studien zur Aufklärung des molekularen Wirkprinzips durchgeführt werden.</p><p>Im Detail lieferte eine moderne Technik, die sogenannte gekoppelte hochauflösende Massenspekt-rometrie, genaue Einblicke in die Wirkweise des entdeckten Hemmstoffes (Inhibitors): 7dSh blockiert die DHQS (Dehydrochinatsynthase), ein Enzym des Shikimatwegs. Einer der bislang bekanntesten Inhibitoren dieses Stoffwechselwegs ist das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. „Anders als bei Glyphosat handelt es sich bei dem neu entdeckten Desoxy-Zucker um ein reines Naturprodukt. Wir erwarten für 7dSh eine gute Abbaubarkeit und eine geringe Ökotoxizität“, sagt Dr. Klaus Brilisauer. 7dSh hemme das Pflanzenwachstum vielversprechend. „Wir sehen hier eine hervorragende Chance, es als natürliches Herbizid einzusetzen.“</p><p>Langfristiges Ziel sei, umstrittene Herbizide und damit auch deren gesundheitlich bedenklichen Abbauprodukte langfristig ersetzen zu können, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Wirksamkeit im Feld, Abbaubarkeit im Boden und Unbedenklichkeit gegenüber Nutztieren und Mensch müssten für 7dSh jedoch in umfassenden Langzeitstudien weiter erforscht werden.</p><h3>Publikation:</h3><p>Klaus Brilisauer, Johanna Rapp, Pascal Rath, Anna Schöllhorn, Lisa Bleul, Elisabeth Weiß, Mark&nbsp;Stahl, Stephanie Grond, Karl Forchhammer. Cyanobacterial antimetabolite 7-deoxy-sedoheptulose&nbsp;blocks the shikimate pathway to inhibit the growth of prototrophic organisms. Published in <em>Nature&nbsp;Communications</em> (February 1st, 2019). DOI: 10.1038/s41467-019-08476-8</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. rer nat. Klaus Brilisauer<br> Universität Tübingen<br> Institut für Organische Chemie<br> Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74642<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dkqoqnejgokgBqtiejgo0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">biomolchemie<span style="display:none">spam prevention</span>@orgchem.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Karl Forchhammer (Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin)<br> Prof. Dr. Stephanie Grond (Institut für Organische Chemie)</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34836</guid><pubDate>Wed, 30 Jan 2019 09:20:37 +0100</pubDate><title>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht in die Niederlande</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-und-quartaeroekologie-geht-in-die-niederlande/</link><description>Universität Tübingen zeichnet Andrew Sorensen für seine Forschung zu den Ursprüngen der Feuerherstellung aus – Einladung zum Pressegespräch</description><content:encoded><![CDATA[<p>Den Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie erhält in diesem Jahr Dr. Andrew C. Sorensen von der Universität Leiden in den Niederlanden. Der aus den USA stammende Archäologe wird für seine Dissertation „Beyond Prometheus: Pursuing the origins of fire production among early humans” ausgezeichnet. Darin beschäftigte er sich mit der Frage nach der Feuerherstellung in Europa schon vor der Ankunft anatomisch moderner Menschen um 40.000 Jahre vor heute.</p><p>Andrew C. Sorensen absolvierte 2004 seinen Bachelor in Geologie und Geschichte am Cornell College in Mt. Vernon, Iowa, USA. Nach sechs Jahren praktischer Tätigkeit als Feldarchäologe und Geomorphologe an der University of Iowa wechselte er für ein Masterstudium in Paläolithischer Archäologie an die Faculty of Archaeology der Universität Leiden, das er 2012 beendete. 2018 wurde er dort promoviert und forscht seither als Postdoc im Rahmen der „Human Origins Group“.</p><p>Feuer ist bis heute eine bedrohliche und gleichzeitig faszinierend Urgewalt. Seine Kontrolle und erst recht die gezielte Herstellung waren wichtige Schritte auf dem Weg der menschlichen Entwicklung, heute gründet ein Großteil unserer Lebenswelt auf der Beherrschung von Energiequellen. Doch die Ursprünge dieses menschlichen Verhaltens liegen weitgehend im Dunkeln. Sorensen hat sich der Frage gewidmet, wann Menschen anfingen Feuer herzustellen. Sichere Hinweise gibt es in Europa nur für anatomisch moderne Menschen; häufig wird bezweifelt, dass auch Neandertaler in der Lage waren, Feuer herzustellen.</p><p>Sorensen hat diese Frage aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Er untersuchte kritisch die Annahme, Neandertaler hätten nur das Feuer von Blitzeinschlägen genutzt und auch dies nur selten, weil in der Eiszeit Gewitter weniger häufig vorkamen. Zudem entwickelte er mit einem Kollegen das computergestützte Model „fiReproxies“, mit dem sich bewerten lässt, ob erhitzte Steine ein Hinweis auf Feuernutzung sind, wenn sonstige Spuren für Feuerstellen fehlen.</p><p>Der wichtige dritte Teil seiner Arbeit war die Suche nach direkten Hinweisen auf die Herstellung von Feuer. Einer der frühesten Belege dafür war bislang eine Knolle aus dem Mineral Schwefelkies (auch Pyrit genannt) mit Gebrauchsspuren: Sie wurde in den ca. 40.000 Jahre alten Aurignacienschichten des Vogelherd gefunden, eine der 2017 als UNESCO-Welterbestätten ausgezeichneten Höhlen der Schwäbischen Alb. Teile steinzeitlicher Feuerzeuge wie diese Knolle sind allerdings in der Regel schlecht erhalten. Sorensen nahm sich daher Feuersteingeräte vor, die ergänzend zum Schlagen von Funken gedient haben könnten. Ein von ihm mitentwickeltes Modell geht davon aus, dass Neandertaler nicht bestimmte Werkzeugtypen als Feuerschläger benutzten, sondern Feuersteinstücke, die gerade zur Hand waren. Sorensen suchte hier nach mikroskopisch feinen Spuren und fand schließlich ‒ nach Rückschlägen ‒ an Steingeräten von Neandertalern geringe Überreste von Pyrit &nbsp;sowie Gebrauchsspuren, die auf das Schlagen harter Mineralien zurückzuführen sind.</p><p>„Es ist das große Verdienst von Andrew Sorensen, mit verschiedenen neuen Ansätzen Bewegung in eine lange und festgefahrene Kontroverse gebracht zu haben“, sagt die Archäologin PD Dr. Miriam Noël Haidle, Laudatorin und Wissenschaftliche Koordinatorin der Forschungsstelle „The Role of Culture in Early Expansions of Humans“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. „Seine Herangehensweise bietet das Potenzial, Hinweise auf Feuerherstellung nicht nur bei Neandertalern während der letzten Eiszeit festzustellen, sondern Spuren möglicherweise auch noch in früheren Zeiten zu finden.“</p><p>Der Förderpreis wird am <strong>Donnerstag, 7. Februar um 11 Uhr im Fürstenzimmer </strong>auf Schloss Hohentübingen (Burgsteige 11) verliehen. Medienvertreterinnen und -vertreter sind dazu herzlich eingeladen. Im Vorfeld besteht die Möglichkeit zu einem <strong>Pressegespräch mit dem Preisträger: Um 10 Uhr im Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters </strong>(Büro Professor Nicholas Conard, Schloss Hohentübingen, Eingang gegenüber Fürstenzimmer). Dafür bitten wir um kurze Anmeldung unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>.</p><p>Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 21. Mal verliehen.&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Nicholas Conard<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-72416<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkejqncu0eqpctfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">nicholas.conard<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><span style="font-size:1rem"><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></span><br><a href="https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34725</guid><pubDate>Mon, 28 Jan 2019 17:09:36 +0100</pubDate><title>Auf dem Weg zur risikoarmen Reparatur fehlerhafter genetischer Information</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auf-dem-weg-zur-risikoarmen-reparatur-fehlerhafter-genetischer-information/</link><description>Forscher der Universität Tübingen entwickeln die RNA-Editierung weiter als Grundlage für medizinische Therapien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Anwendung der Crispr/Cas-Methode beim Menschen, bei der mit einer Art Genschere die Erbinformation DNA dauerhaft verändert wird, steht stark in der Kritik. Zwar ist die Methode prinzipiell zur Gentherapie bei erblichen Krankheiten geeignet. Wenn bei der Behandlung jedoch Fehler auftreten, bleiben diese in der DNA verankert und werden an Nachkommen weitergegeben. Professor Thorsten Stafforst vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen arbeitet gemeinsam mit seinem Team an einer risikoärmeren Methode zur Reparatur fehlerhafter genetischer Information: der RNA-Editierung. Dabei werden Änderungen jeweils nur an einer Arbeitskopie der DNA vorgenommen, die zeitnah abgebaut wird. So bleibt eine Behandlung zeitlich befristet. Die Forscher hatten bereits im Juli gemeldet, dass sie an Zellkulturen im Labor Gendefekte mit hoher Effizienz und Präzision ausgleichen konnten. Nun ist ihnen ein weiterer entscheidender Schritt für die Nutzung der Methode als Therapie gelungen: Statt künstliche Proteine zuzusetzen, können sie auf körpereigene Enzyme zugreifen. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology veröffentlicht.</p><p>In der DNA sind Bauanleitungen für unzählige Proteine als lange Abfolgen von vier verschiedenen Buchstaben kodiert. Werden bestimmte Proteine in der Zelle benötigt, wird der betreffende DNA-Abschnitt in ein chemisch ähnliches RNA-Molekül umkopiert, die sogenannte Boten-RNA. Diese wandert aus dem Zellkern ins Zellplasma, wo nach ihrer Anleitung das Protein zusammengesetzt wird.&nbsp;</p><p>Stafforst und sein Team arbeiten unter anderem mit der erblichen Stoffwechselerkrankung Antitrypsinmangel, die zu Leberzirrhose, Leberkrebs oder einem Lungenemphysem führen kann. Ursache ist hier nur ein falscher Buchstabe in der Bauanleitung der DNA – und entsprechend in der Boten-RNA. Dieser Fehler kann jedoch schwerwiegende Folgen haben, weil die betreffenden Proteine nicht funktionsfähig sind. Die Forscher können den falschen Buchstaben korrigieren. „Wir schleusen ein künstlich erzeugtes Molekül in die Zellen ein, ein sogenanntes Antisense-Molekül, das sich gegengleich an die Boten-RNA anlagert, bis auf die eine fehlerhafte Stelle, die wir durch den korrekten Buchstaben ersetzen“, erklärt Erstautor Tobias Merkle aus dem Team von Stafforst.&nbsp;</p><p>Außerdem trägt das zugegebene Molekül eine Bindungsstelle für ein bestimmtes körpereigenes Enzym, das in der Zelle vorhanden ist und sich anheftet. Es ist darauf spezialisiert, den Paarungskomplex von Antisense-Molekül und der Boten-RNA zu erkennen und zu reparieren. „Dabei wird gezielt der Fehler bereinigt und anschließend ein korrektes Protein hergestellt“, sagt der Forscher.</p><h3>Hohe Effizienz und Präzision</h3><p>„Dass wir nun für diesen Schritt ein körpereigenes Enzym nutzen können, ist ein großer Erfolg“, erklärt Thorsten Stafforst. „Vorher haben wir dafür unseren Zellkulturen ein künstliches Protein mit einer Führungs-RNA zugesetzt. Das funktionierte zwar im Labor sehr gut. Es wäre jedoch schwierig, dieses Konstrukt als Medikament in die Leberzellen zu transportieren.“ Die Forscher arbeiten weiter daran, die Effizienz zur Korrektur des Genfehlers zu steigern. „Möglicherweise wäre Menschen mit schwerem Antitrypsinmangel bereits gut zu helfen, wenn wir die Hälfte der fehlerhaften Boten-RNAs korrigieren könnten“, sagt Merkle. Die Präzision der Methode sei bereits sehr gut: Auch wenn das zugegebene künstliche Molekül in alle Körperzellen gelangte, griffe es nur dort an, wo die passende Boten-RNA zu finden ist.</p><p>Die Forscher beobachten in einigen Fällen, dass auch an anderen Stellen als beabsichtigt ein Buchstabe ausgetauscht wird. Negative Folgen seien bisher nicht zu erkennen, sagt Stafforst. Die Universität Tübingen hat auf die Methode zur RNA-Editierung, die auch auf andere genetisch bedingte Erkrankungen angewendet werden kann, ein Patent angemeldet. Bis zur Entwicklung von Medikamenten für den Menschen sei es jedoch noch ein langer Weg, so die Wissenschaftler.</p><h3>Publikation:</h3><p>Tobias Merkle, Sarah Merz, Philipp Reautschnig, Andreas Blaha, Qin Li, Paul Vogel, Jacqueline Wettengel, Jin Billy Li and Thorsten Stafforst: Precise RNA editing by recruiting endogenous ADARs with antisense oligonucleotides. Nature Biotechnology, DOI : 10.1038/s41587-019-0013-6</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Thorsten Stafforst<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Interfakultäres Institut für Biochemie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-75376<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjqtuvgp0uvchhqtuvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">thorsten.stafforst<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br> &nbsp;&nbsp;<br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Biochemie-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34593</guid><pubDate>Thu, 24 Jan 2019 17:59:00 +0100</pubDate><title>In der ersten Reihe lernt man besser</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-der-ersten-reihe-lernt-man-besser/</link><description>Der Sitzplatz wirkt sich auf die Lernleistung aus – das zeigt eine Studie der Universität Tübingen in einem virtuellen Klassenzimmer </description><content:encoded><![CDATA[<p>Schülerinnen und Schüler lernen nicht auf jedem Platz im Klassenzimmer gleich gut: Eine Tübinger Studie zeigt erstmals, dass Schülerinnen und Schüler mehr lernen, wenn sie nahe bei der Lehrkraft und nicht in der letzten Reihe des Klassenzimmers sitzen. Das gilt für alle Schulkinder gleichermaßen und es gibt keinen stärkeren Effekt bei Kindern mit Schwierigkeiten bei der Selbstregulation von Aufmerksamkeit und Verhalten. Die Forscherinnen und Forscher der Graduiertenschule und des Forschungsnetzwerkes LEAD an der Universität Tübingen nutzten ein für die Studie eigens programmiertes virtuelles Klassenzimmer. Alle Kinder erlebten darin mittels Virtual Reality (VR-) Brillen die exakt gleiche Unterrichtssituation: entweder von einem Sitzplatz nahe bei der Lehrkraft oder in der letzten Reihe. Die Studie wurde in der Zeitschrift<em> Learning and Instruction</em> veröffentlicht.</p><p>Die Ergebnisse dieser experimentellen Untersuchung zeigen, dass die Nähe zur Lehrkraft einen Unterschied für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern machen kann. „Nach der gemeinsamen Mathematikstunde im Virtuellen Klassenzimmer lösten die Schülerinnen und Schüler der vorderen Sitzreihen Mathematikaufgaben schneller als die der hinteren Reihe“, sagt Erstautorin Friederike Blume, die im Bereich Schulpsychologie forscht. „Wichtig ist nun, zu überlegen, wie in einem echten Klassenzimmer alle Kinder gleichermaßen von der Nähe zur Lehrkraft profitieren können.“ Dies könne beispielsweise erreicht werden, indem sich die Lehrkraft während des Unterrichts im Klassenraum bewege oder die Sitzposition der Schülerinnen und Schüler während eines Schuljahres regelmäßig wechsle.</p><p>Die Studie mache außerdem deutlich, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen profitieren; bei Kindern mit Selbstregulationsschwierigkeiten gab es – anders als erwartet – keinen stärkeren Effekt. „Diese Kinder benötigen weitere Unterstützung, wie gezielte Ansprache, um ihnen das Lernen zu erleichtern. Dieser Aspekt sollte in den existierenden Empfehlungen für Lehrkräfte betont werden“, so Blume.</p><p>Insgesamt 81 Jungen und Mädchen aus fünften und sechsten Klassen, vornehmlich von Gymnasien, nahmen an der Studie teil. Mittels virtueller Realität wurde eine typische Klassensituation geschaffen, in die die Schülerinnen und Schüler mithilfe einer VR-Brille eintauchten. Sie wurden zufällig auf Plätze in der ersten Reihe, nahe bei der Lehrkraft oder in der hinteren Reihe verteilt. Dabei hatten sie virtuelle Mitschülerinnen und Mitschüler im Blick, die ab und zu den Unterricht störten, indem sie flüsterten oder sich umdrehten. In der virtuellen Lernsituation erklärte die Lehrkraft eine Lösungsstrategie für eine Mathematikaufgabe. Im Anschluss sollten die Schülerinnen und Schüler in einem Test zeigen, ob sie diese Inhalte verstanden hatten. Die Jungen und Mädchen, die in der Nähe der Lehrkraft saßen, konnten die Aufgaben deutlich schneller lösen. Das lässt den Schluss zu, dass sie den Unterricht aufmerksamer verfolgt und einen größeren Lernerfolg hatten als diejenigen, die in der letzten Reihe saßen.&nbsp;</p><p>In zukünftigen Studien am Arbeitsbereich Schulpsychologie soll im virtuellen Klassenzimmer untersucht werden, welche Unterstützungsmaßnahmen den Kindern helfen, sich weniger ablenken zu lassen oder ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Dabei sollen auch Blickbewegungen oder die Hirnaktivität erfasst werden, was in realen Versuchsanordnungen nur schwer möglich wäre. Der Bildungsforscher und Mitautor Richard Göllner möchte vor allem weitere Klassenzimmerszenarien in den Blick nehmen: „Wir werden die Bedeutung anderer Unterrichtsabläufe und -bedingungen für das Lernen von Schülerinnen und Schülern untersuchen: Beispielsweise das Verhalten von Mitschülerinnen und Mitschülern oder die didaktischen Methoden einer Lehrerin oder eines Lehrers.“ Es sei sehr aufwändig Experimente solcher Art in realen Schulklassen durchzuführen, mit virtuellen Umwelten könne man unterschiedliche Einflussgrößen dagegen systematisch und unkompliziert betrachten. „Auf welche Weise komplexere Klassenzimmerszenarien in einer virtuellen Umgebung am besten umgesetzt werden können, ist daher ein weiteres wichtiges Ziel unserer Arbeit“, so Göllner.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Blume, F., Göllner, R., Möller, K., Dresler, T., Ehlis, A.-C., &amp; Gawrilow, C. (2018). Do students learn better when seated close to the teacher? A virtual classroom study considering individual levels of inattention and hyperactivity-impulsivity. <em>Learning and Instruction</em>. <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959475217305716?via%3Dihub" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">doi:10.1016/j.learninstruc.2018.10.004</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen<br> Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD<br> Arbeitsbereich Schulpsychologie<br> Dr. Friederike Blume<br> Telefon +49 7071 29 - 75633<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,htkgfgtkmg0dnwogBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">friederike.blume<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34428</guid><pubDate>Tue, 22 Jan 2019 10:44:30 +0100</pubDate><title>Verlauf von Alzheimer zeichnet sich schon frühzeitig im Blut ab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/verlauf-von-alzheimer-zeichnet-sich-schon-fruehzeitig-im-blut-ab/</link><description>Veröffentlichung in „Nature Medicine“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Jahre bevor erste Symptome einer Alzheimer-Erkrankung auftreten, verändert sich das Gehirn und Nervenzellen werden langsam abgebaut. Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und des Universitätsklinikums Tübingen zeigen nun, dass sich anhand eines im Blut vorkommenden Eiweißstoffes der Krankheitsverlauf lange vor dem Auftreten der ersten klinischen Anzeichen genau verfolgen lässt. Dieser Bluttest bietet neue Möglichkeiten in der Therapieforschung. Die Studie wurde gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam durchgeführt und in der Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht.</p><p>„Dass es noch keine wirksame Therapie gegen Alzheimer gibt, hängt vermutlich damit zusammen, dass die bisherigen Therapien viel zu spät einsetzen“, sagt Mathias Jucker, Forscher am Tübinger DZNE-Standort, am HIH und Leiter der aktuellen Studie. Um bessere Behandlungsverfahren zu entwickeln, brauchen Wissenschaftler daher eine verlässliche Methode, mit der sie den Krankheitsverlauf verfolgen und vorhersagen können, bevor Symptome wie Gedächtnisstörungen einsetzen. Ein Bluttest eignet sich dazu viel besser, als beispielsweise teure Gehirnscans.</p><p>In jüngster Zeit wurden bei der Entwicklung solcher Bluttests einige Fortschritte erzielt. Die meisten dieser Verfahren beruhen auf dem Nachweis sogenannter Amyloid-Proteine. Bei einer Alzheimer-Erkrankung sammeln sich diese Proteine im Gehirn an und sie treten auch im Blut auf. Jucker und Kollegen verfolgen jedoch einen anderen Ansatz. „Unser Bluttest misst nicht das Amyloid, sondern das, was es im Gehirn anrichtet, nämlich Neurodegeneration. Anders gesagt: den Tod von Nervenzellen“, sagt Jucker.</p><h3>Spuren im Blut</h3><p>Wenn Hirnzellen absterben, lassen sich ihre Überreste im Blut nachweisen. „Normalerweise werden solche Proteine im Blut aber schnell abgebaut und eignen sich daher nicht sehr gut als Marker für eine neurodegenerative Erkrankung“, erklärt Jucker. „Eine Ausnahme bildet jedoch ein kleines Stückchen eines sogenannten Neurofilaments, das gegen diesen Abbau erstaunlich resistent ist“. Auf diesem Eiweißstoff basiert der Bluttest von Jucker und Kollegen. In der aktuellen Studie zeigen die Wissenschaftler, dass sich das Filament schon lange vor dem Auftreten klinischer Symptome – also bereits in der sogenannten präklinischen Phase – im Blut anreichert, dass es sehr empfindlich den Verlauf der Krankheit widerspiegelt und Vorhersagen über künftige Entwicklungen ermöglicht.</p><p>Die Studie beruht auf Daten und Proben von 405 Personen, die im Rahmen eines internationalen Forschungsverbunds – dem „Dominantly Inherited Alzheimer Network“ (DIAN) – erhoben wurden. Beteiligt sind neben dem DZNE, dem HIH und dem Universitätsklinikum Tübingen auch die Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) sowie weitere Einrichtungen in aller Welt. Dieses Netzwerk untersucht Familien, bei denen aufgrund genetischer Veränderungen eine Alzheimer-Erkrankung schon im mittleren Alter auftritt. Genetische Analysen erlauben recht genaue Vorhersagen darüber, ob und wann ein Familienmitglied an Demenz erkranken wird.</p><h3>Vorboten einer Demenz</h3><p>Bei diesen Personen verfolgten Jucker und Kollegen die Entwicklung der Filament- Konzentration von Jahr zu Jahr. Dabei stellten sie fest: Bis zu 16 Jahre vor dem errechneten Eintreten von Demenzsymptome gab es im Blut auffällige Veränderungen. „Es ist nicht der absolute Wert der Filament-Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung, die wirklich aussagekräftig ist und Vorhersagen über den weiteren Krankheitsverlauf erlaubt“, sagt Jucker. In weiteren Untersuchungen zeigten die Wissenschaftler, dass die Veränderung der Neurofilament-Konzentration den neuronalen Abbau sehr exakt widerspiegelt und gute Prognosen darüber erlaubt, wie sich das Gehirn in den nächsten Jahren entwickeln wird. „Wir konnten Vorhersagen über den Verlust von Hirnmasse und über kognitive Beeinträchtigungen machen, die dann zwei Jahre später tatsächlich eingetreten sind“, so Jucker.</p><p>Während sich also herausstellte, dass die Veränderungsrate der Filament-Konzentration und der Abbau von Hirngewebe eng miteinander korrelierten, war der Zusammenhang mit der Ablagerung toxischer Amyloid-Proteine weit weniger ausgeprägt. Diese Beobachtung stützt die Annahme, dass Amyloid-Proteine zwar ein Auslöser der Erkrankung sind, der neuronale Abbau im weiteren Verlauf jedoch unabhängig erfolgt.</p><h3>Werkzeug für die Therapieforschung</h3><p>Nicht nur bei Alzheimer, auch im Zuge weiterer neurodegenerativer Erkrankungen kommt es im Blut zur Anreicherung von Neurofilamenten. Damit eignet sich der Test nur bedingt zur Diagnose von Alzheimer. „Der Test zeigt aber sehr genau den Krankheitsverlauf an und ist damit ein ausgezeichnetes Werkzeug, um in klinischen Studien neue Alzheimer-Therapien zu erforschen“, sagt Jucker.</p><p>Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen, des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung und des Universitätsklinikums Tübingen<br> &nbsp;</p><h3>Originalveröffentlichung</h3><p>Preische O, Schultz SA, Apel A, et al. (2019): „Serum neurofilament dynamics predicts neurodegeneration and clinical &nbsp;progression &nbsp;in &nbsp;presymptomatic &nbsp;Alzheimer’s &nbsp;Disease“, Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-018-0304-3</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Dr. Marcus Neitzert, Wissenschaftsredakteur<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Tel.: +49 228 43302-267<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octewu0pgkvbgtvBfbpg0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">marcus.neitzert<span style="display:none">spam prevention</span>@dzne.de</a>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br><br> Dr. Mareike Kardinal, Leitung Kommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de </a><br><br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Claudia Löwe, Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-81020<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguugBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">presse<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-34260</guid><pubDate>Fri, 18 Jan 2019 13:54:04 +0100</pubDate><title>Britische und deutsche Universitäten wollen trotz Brexit kooperieren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/britische-und-deutsche-universitaeten-wollen-trotz-brexit-kooperieren/</link><description>Die Rektoren der zur Russell Group und zur German U15 zählenden Universitäten haben eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie sich verpflichten, Spitzenforschung, Innovation und studentische Ausbildung nach dem Brexit zu fördern.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien ist stärker als die mit allen übrigen Ländern im Rahmen des EU-Förderprogramms „Horizon 2020“. Jedes dritte Horizon-2020-Projekt an Universitäten der German U15 umfasst ein Mitglied der Russell Group. 2.250 Studenten von Universitäten der Russell Group haben 2015/16 im Rahmen des Erasmus-Programms der EU in Deutschland studiert oder gearbeitet.</p><h3>Gemeinsame Erklärung der German U15 und der Russell Group</h3><p>Die 24 Universitäten der Russell Group in Großbritannien und die 15 Universitäten der German U15 blicken auf eine lange Geschichte der Zusammenarbeit in Spitzenforschung, Spitzeninnovationen und exzellenter Lehre zurück.</p><p>Das Vereinigte Königreich wird die EU voraussichtlich Ende März 2019 verlassen. In diesem Zusammenhang ist es wichtiger denn je, dass unsere jeweiligen Universitäten weiterhin so reibungslos wie möglich zusammenarbeiten können. Wir glauben, dass dies nicht nur für Wirtschaft und Gesellschaft unserer beiden Länder, sondern auch für Europa im weitesten Sinne sowie für das globale Wissenschaftssystem von Nutzen sein wird.</p><p>Wir fordern unsere jeweiligen Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass die fruchtbaren Verbindungen zwischen unseren Institutionen aufrechterhalten und in Zukunft verstärkt werden können durch:</p><ol><li>die Förderung und Erleichterung von Partnerschaften und Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Innovation: Staatliche und regionale Regierungen sollten bestrebt sein, die Zusammenarbeit zu unterstützen, zum Beispiel durch gemeinsame Forschungsprogramme und -projekte, gemeinsame Universitätskurse, Workshops, Ausbildung und Austausch wissenschaftlicher Informationen, indem sie sicherstellen, dass angemessene Mittel zur Verfügung stehen und regulatorische Hindernisse, soweit vorhanden, minimiert werden.</li><li>die Gewährleistung einer möglichst einfachen Mobilität von Studierenden und Forschenden zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland: Spitzenforschung und Spitzenuniversitäten sind auf einen dynamischen Austausch von Ideen und Talenten angewiesen. Auch wenn es in Zukunft neue Einwanderungsregelungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland geben könnte, sollten beide Regierungen darauf achten, dass die Mobilität gefördert und erleichtert werden kann. Ein fortgesetztes britisches Engagement im Rahmen des Erasmus-Programms der EU, das noch von Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Kommission abhängig ist, wäre für die Universitäten der Russell Group und der U15 sowie deren Studierenden von Vorteil.</li><li>die Zusammenarbeit, um sicherzustellen, dass „Horizont Europa“, das nächste EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, so effektiv wie möglich ist und eine faire und angemessene Beteiligung britischer Organisationen unterstützt: Zu diesem Zweck müssen Regelungen zu möglichen Kooperationsformaten rechtzeitig vereinbart werden und bereits Gegenstand der Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Kommission sein, um dem Vereinigten Königreich die Möglichkeit zu geben, sich vollständig an dem Programm zu beteiligen.</li></ol><p>Die Russell Group und die German U15 setzen sich weiterhin für die Aufrechterhaltung der bestehenden, höchst erfolgreichen Beziehungen ein und werden nach neuen Wegen suchen, um in Zukunft enger zusammenzuarbeiten.</p><h3>Weitere Informationen:</h3><p><a href="https://www.german-u15.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.german-u15.de/</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33891</guid><pubDate>Wed, 09 Jan 2019 17:09:00 +0100</pubDate><title>Die perfekte Welle: Wann ist das Gehirn besonders empfänglich?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-perfekte-welle-wann-ist-das-gehirn-besonders-empfaenglich/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler erforschen die Schwankungen der Hirnerregbarkeit ‒ Gezielte Stimulation ermöglicht neue Therapien für gelähmte Patienten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Unser Gehirn ist unterschiedlich empfänglich für neue Reize und Informationen: Manchmal wird ein Signal schnell und effektiv verarbeitet und weitergeleitet. Wenig später kann der gleiche Impuls schon deutlich weniger wirksam sein. Über die verantwortlichen Mechanismen ist bislang wenig bekannt. Der Neurochirurg Professor Alireza Gharabaghi und sein Team haben die zugrundeliegenden Hirnzustände in einer Studie an der Universität Tübingen aufgeschlüsselt. Ein besseres Verständnis solcher Prozesse kann helfen, neue Therapien für gelähmte Patienten, beispielsweise nach einem Schlaganfall, zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Brain Stimulation</em> veröffentlicht.</p><p>Selbst wenn wir uns in Ruhe befinden, unterliegt unsere Hirnaktivität einem ständigen Auf und Ab, vergleichbar dem Wellengang eines aufgewühlten Meeres. Seit etwa 100 Jahren kann man diese elektrischen Aktivitäten des Gehirns, auch als Oszillationen bezeichnet, messen: Im Elektroenzephalogramm (EEG) werden die dadurch ausgelösten Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche aufgezeichnet. Die Stärke der EEG-Oszillationen – also die Höhe des Wellenganges – beeinflusst die Weiterleitung von Signalen. Hier konnten die Tübinger Forscher bereits in der Vergangenheit zeigen, dass Impulse besonders schnell vom Gehirn über das Rückenmark an die Muskeln weitergeleitet werden, wenn etwa Hirn-Oszillationen mit bis zu etwa 17 Hertz relativ schwach ausgeprägt sind.</p><p>Für die aktuellen Forschungsergebnisse nutzte das Team um den Arzt und Wissenschaftler Alireza Gharabaghi die transkranielle Magnetstimulation (TMS), um die Aktivitätszustände der Nervenzellen zu erforschen, wenn sie besonders gut miteinander kommunizieren. Die schmerzfreie Diagnose- und Behandlungsmethode TMS erzeugt ohne Berührung ein Magnetfeld über dem Kopf und dadurch neuronale Signale im Gehirn, die von Nervenzelle zu Nervenzellen weitergeleitet werden bis sie in einem Muskel eine Bewegung auslösen.</p><p>Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass neben der Stärke der EEG-Oszillationen besonders wichtig ist, in welcher Phase einer Welle der Impuls eintrifft: „Bei ‚ruhiger See‘, also bei schwachen Oszillationen, werden die Signale bereits um 40 bis 70 Prozent besser weitergeleitet als bei ‚hohem Wellengang‘ “, erklärt der Neurochirurg. Treffe der Impuls jedoch genau im aufsteigenden Schenkel einer Welle ein, steigere sich die Effektivität sogar um ca. 180 Prozent. Dadurch wird der gleiche Impuls um ein mehrfaches wirksamer weitergeleitet und steigert den Wirkungsgrad der Hirnstimulation.</p><p>„Es kommt aber auf Millisekunden an, diese perfekte Welle zu erwischen“, so Gharabaghi weiter. Deshalb beeinflussten die Forscher in einem zweiten Projekt die Hirn-Oszillationen von Schlaganfall-Patienten so, dass der Wellengang vorhersehbarer wurde. Dazu brachten sie von außen über der Kopfhaut sehr schwachen und ungefährlichen Wechselstrom über den Hirnarealen an, die für Bewegung zuständig sind. So konnten sie im Gehirn die Schwankung der Hirnaktivität insgesamt bedeutend reduzieren.</p><p>Patienten könnten damit Therapieansätze, bei denen es genau auf diese Hirnaktivität ankommt, in Zukunft besser nutzen. „Die Kombination dieser beiden Ansätze könnte uns helfen, individuelle Therapien für Patienten zu erforschen, die nach einem Schlaganfall beispielsweise ihre Hand nicht mehr bewegen können.“ Eine klinische Anwendung soll nun in Studien untersucht werden.</p><h3>Publikationen:</h3><p>Khademi F, Royter V, Gharabaghi A. State-dependent brain stimulation: Power or phase? Brain Stimul. 2018. pii: S1935-861X(18)30363-2. doi:10.1016/j.brs.2018.10.015.</p><p>Naros G, Gharabaghi A. Physiological and behavioral effects of β-tACS on brain self-regulation in chronic stroke. Brain Stimul. 2017;10 (2):251-259. doi: 10.1016/j.brs.2016.11.003.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. med. Alireza Gharabaghi<br> Universität Tübingen / Medizinische Fakultät<br> Universitätsklinikum Tübingen / Sektion Funktionelle und Restaurative Neurochirurgie&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br> Telefon +49 7071 29-85197&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br><a href="#" target="_blank" data-mailto-token="ocknvq,cnktgbc0ijctcdcijkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">alireza.gharabaghi<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33837</guid><pubDate>Tue, 08 Jan 2019 16:38:00 +0100</pubDate><title>Silberbecher von 1677 kehrt nach Tübingen zurück</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/silberbecher-von-1677-kehrt-nach-tuebingen-zurueck/</link><description>Sammler vermachen dem Museum der Universität Gefäß aus historischem Bestand</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dank einer Schenkung gehört ein historischer Silberbecher nun wieder zum Schatz der Universität Tübingen: Die langjährige Gönnerin Dr. Dr. h.c. Marie Luise Zarnitz vermachte den sogenannten Tübinger Universitätsbecher zum Weihnachtsfest 2018 der Universität. Im Jahr 1677 bei Christian Schließer in Augsburg gefertigt, war er von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg zum 200-jährigen Jubiläum der Universität gestiftet worden und wurde vermutlich für offizielle Anlässe benutzt. Marie Luise Zarnitz hatte ihn bereits im November 2016 im Auktionshaus Lempertz in Köln für eine hohe Summe wiederersteigert.</p><p>Das aus Silber bestehende, getriebene und gravierte Objekt weist innen noch Reste der Vergoldung auf; es ist 10,5 Zentimeter hoch und hat ein Gewicht von 192 Gramm. Eine Inschrift um das Wappen der Herzöge von Württemberg belegt die Geschichte des Bechers: <em>Eberhardus Ludovicus D.G.D.W. dono misit Universitati Tubingensi in memoriam Anno jubilari 1677</em>.</p><p>Das Sammlerpaar Marie Luise Zarnitz und Dr. Claus Pelling aus Tübingen betätigt sich seit vielen Jahren als Gönner der Universität. Unter anderem ist ihm eine der weltweit umfangreichsten islamisch-numismatischen Sammlungen zu verdanken sowie eine großzügige Förderung der Forschungsstelle für Islamische Numismatik in Tübingen (FINT).</p><p>Die aktuelle Spende ergänzt den Silberschatz der Universität: Dazu zählen neben seltenen Zeptern aus dem 15. und 16. Jahrhundert auch verschiedene Tafelaufsätze (Tischschmuck). Von einst rund zwei Dutzend Universitätsbechern sind nun wieder zehn im Bestand des Silberschatzes. Ein identisches Exemplar des gestifteten Bechers gehört zur Sammlung des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart.</p><p>Rektor Professor Bernd Engler und Professor Ernst Seidl, Direktor des Museums der Universität Tübingen, statteten den Stiftern einen persönlichen Dankesbesuch ab. Er hoffe, die Bestände des Universitätsschatzes könnten spätestens bis zum 550. Universitätsjubiläum im Jahr 2027 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagte Seidl. „Ideal wäre eine Dauerausstellung zur Universitätsgeschichte mit dem Schatz, vielleicht in einer der beiden Aulen. Die Bestände könnten hierzu erforscht, publiziert und im Rahmen von Praxislehrprojekten mit Studierenden öffentlich zugänglich gemacht werden.“&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ernst Seidl<br> Direktor Museum der Universität Tübingen MUT<br> Telefon +49 7071 29-74134<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.unimuseum.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33633</guid><pubDate>Thu, 03 Jan 2019 10:59:12 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen richtet Carl Friedrich von Weizsäcker-Stiftungsprofessur ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-richtet-carl-friedrich-von-weizsaecker-stiftungsprofessur-ein/</link><description>Förderung durch die Udo Keller Stiftung – Professor Reinhard Kahle als erster Lehrstuhlinhaber berufen – Auseinandersetzung mit Herausforderungen einer globalisierten und technisierten Welt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Udo Keller Stiftung „Forum Humanum“ haben eine neue Stiftungsprofessur für Theorie und Geschichte der Wissenschaften ins Leben gerufen. Wie Stiftung und Universität am Donnerstag mitteilten, wird der Inhaber des Lehrstuhls sich mit philosophischen und sozialen Fragestellungen in einer globalisierten und technisierten Welt auseinandersetzen. Auf die Professur wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2019 der Mathematiker, Informatiker und Philosoph Reinhard Kahle berufen. Die Udo-Keller-Stiftung finanziert die Professur, die nach dem Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker benannt wurde.&nbsp;</p><p>Wie Rektor Professor Bernd Engler erklärte, soll Kahle in den kommenden Jahren ein neues Zentrum für internationale Gastwissenschaftler aufbauen, das „College of Fellows“. Das College werde sich mit seinem Programm maßgeblich an internationale Postdoktoranden und Juniorprofessoren wenden und so die an der Universität bereits bestehenden Angebote des Leibniz Kollegs und des Forum Scientiarum ergänzen. „Unser Ziel ist es, mit dem College eine Einrichtung zu schaffen, die als kreatives und lebendiges Zentrum des wissenschaftlichen Austauschs kluge Köpfe aus aller Welt anlockt und die Universität Tübingen in ihrer Gesamtheit befruchtet“, sagte Engler. &nbsp;</p><p>Professor Reinhard Kahle wurde 1967 in Dortmund geboren. Er studierte Mathematik, Informatik und Philosophie in Göttingen, Zürich und München. 1997 promovierte er an der Universität Bern in Informatik mit einer Arbeit über applikative Theorien und Frege-Strukturen. Anschließend lehrte und forschte er in Tübingen, München und Lissabon, seit 2003 als Professor im portugiesischen Coimbra. 2007 habilitierte er sich im Fach Informatik an der Universität Tübingen. Eine zweite portugiesische Habilitation, diesmal im Fach Mathematik, folgte im Jahr darauf an der Universität Coimbra. Seit 2008 war er Inhaber einer Professur für mathematische Logik an der Neuen Universität Lissabon.</p><p>Verstärkt wird das College of Fellows durch die Berufung des Philosophen und Wissenschaftstheoretikers Klaus Mainzer zum Seniorprofessor der Universität Tübingen. Mainzer war von 1981 bis 1988 Professor für Grundlagentheorie und Wissenschaftsgeschichte an der Universität Konstanz. 1988 wechselte er an die Universität Augsburg. Von 2008 bis zu seiner Emeritierung 2016 war er Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Universität München sowie Direktor der Carl von Linde-Akademie. 2012 bis 2014 war er Gründungsdirektor des Munich Center for Technology in Society. Seit seiner Emeritierung ist er Emeritus of Excellence an der TU München. Mainzer beschäftigt sich unter anderem mit den Grundlagen Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Herausforderungen.</p><p>„Wir stehen am Beginn einer Epoche, die dem Menschen überaus mächtige Werkzeuge zur Verfügung stellt“, sagte Engler: „Genom-Editierung und Künstliche Intelligenz sind zwei dieser neuen Technologien, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ersonnen wurden, und einen erheblichen Einfluss auf die Zukunft der gesamten Menschheit haben werden.“ Es sei eine zentrale Aufgabe von Universitäten, rechtzeitig nicht nur auf mögliche Nutzanwendungen, sondern auch auf das zerstörerische Potenzial neuer Werkzeuge hinzuweisen: „Für diese kritische Reflexion ist die Universität Tübingen der richtige Ort.“&nbsp;</p><p>„Die Udo Keller Stiftung fördert den interdisziplinären und interreligiösen Dialog in Forschung, Lehre und Praxis“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Dr. Cai Werntgen: „Die Stiftung ist dabei insbesondere dem Werk und der Person ihres Gründungskurators Carl Friedrich von Weizsäcker verpflichtet. Als Mitglied jener Spitzengruppe von Forschern, die in den 1930er und 1940er Jahren die Grundlagen der modernen Kernphysik schufen, begegnete von Weizsäcker früh auch der möglichen Destruktivität von Wissenschaft .“ Der Physiker und Philosoph habe auf diese Erfahrung gleichermaßen wissenschaftlich und politisch reagiert, beispielsweise durch die Göttinger Erklärung gegen die atomare Bewaffnung der Bundesrepublik. Carl Friedrich von Weizsäcker sei ein Vorbild, an dem sich die Menschen der Gegenwart angesichts neuer technologischer Herausforderungen orientieren könnten.&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Reinhard Kahle &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> „Carl Friedrich von Weizsäcker“-Stiftungsprofessur<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgkpjctf0mcjngBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">reinhard.kahle<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33489</guid><pubDate>Thu, 20 Dec 2018 13:46:06 +0100</pubDate><title>Turkmenische Teppiche für Tübinger Universitätssammlungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/turkmenische-teppiche-fuer-tuebinger-universitaetssammlungen/</link><description>Museum der Universität MUT erhält 49 Webstücke als Schenkung aus einer Schweizer Privatsammlung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Johanna und Gotthold Ephraim Lessing aus Winterthur haben dem Museum der Universität Tübingen MUT 49 turkmenische Teppiche und Stoffobjekte geschenkt. Die Zuwendung ist der Vermittlung des Arabisten und Numismatikers Dr. Lutz Ilisch zu verdanken; er war Kustos einer der weltweit umfangreichsten islamisch-numismatischen Sammlungen und Leiter der Forschungsstelle für Islamische Numismatik in Tübingen.</p><p>Turkmenen sind eine Volksgruppe, die noch heute häufig als Nomaden in Vorder- und Zentralasien leben. Die Herstellung und Pflege von Textilien bestimmte ihr Alltagsleben bis in das 20. Jahrhundert hinein. Nicht nur Kleidung, sondern das ganze Wohnumfeld wie Zelt, Taschen, Decken, Betten und anderes Mobiliar bestand aus gewebten Textilien. Die Neuzugänge am MUT sind daher nicht nur Beleg für die kunsthandwerklichen Fähigkeiten der Nomaden, sondern auch wichtige kulturhistorische Zeugnisse.</p><p>Das Sammlerehepaar Lessing erwarb die Stücke 1964 bis 1996 auf dem Deutschen und Schweizer Kunstmarkt. Zur der handverlesenen Sammlung turkmenischer Handwerkskunst zählen Teppichen sowie Taschen und Zeltbahnfragmente. Sie wurden mehrheitlich im 19. Jahrhundert unter anderem in Afghanistan, Iran und kurdischen Gebieten gefertigt.&nbsp;</p><p>Die Schenkung Lessing erweitert die Sammlung Schmalzriedt, bestehend aus 93 Turkmenischen Teppichen, die Igidius Schmalzriedt der Universität 2010 vermacht hat. „Beide Sammlungen stehen bald der Forschung zur Verfügung und dienen beispielsweise in Praxisseminaren der studentischen Ausbildung“ meint der Direktor des MUT, Professor Ernst Seidl.&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ernst Seidl<br> Direktor Museum der Universität Tübingen MUT<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74134<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.unimuseum.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33393</guid><pubDate>Wed, 19 Dec 2018 11:14:58 +0100</pubDate><title>Megakanäle weltweit im Vergleich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/megakanaele-weltweit-im-vergleich/</link><description>Wassertransfer-Megaprojekte sollen in Zukunft Süßwasserversorgung weltweit gewährleisten – Forschende haben bestehende und geplante Kanäle erstmals erfasst und gegenüber gestellt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt immer mehr große Kanäle und Rohrleitungen, die Süßwasser aus wasserreichen Regionen dorthin transportieren, wo es als Trinkwasser oder für Industrie und Landwirtschaft benötigt wird. 34 Mega-Anlagen existieren bereits, 76 weitere sind in Planung oder werden gebaut; doch neben den Vorteilen des Wassertransfers sind die Auswirkungen auf Mensch und Ökosysteme enorm. Christiane Zarfl, Professorin für Umweltsystemanalyse von der Universität Tübingen, hat gemeinsam mit ihrer Doktorandin Oleksandra Shumilova vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und weiteren Forschungseinrichtungen diese sogenannten Wassertransfer-Megaprojekte (WTMP) nun erstmals systematisch erfasst. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Frontiers in Environmental Science veröffentlicht.</p><p>„Künstliche Flüsse“ und riesige Rohre, also gewaltige Wassertransferanlagen, sollen in Zukunft die weltweite Wasserversorgung gewährleisten, denn Klimawandel, Industrie und Landwirtschaft lassen in manchen Regionen das Wasser knapp werden. In einigen Ländern, beispielsweise in China und den USA, sind WTMP bereits heute ein wichtiger Faktor. Zum Beispiel verbindet der knapp 1500 km lange Süd-Nord-Kanal Chinas wasserreichen Süden mit dem durstigen Norden, in dem sich unter anderem die Hauptstadt Peking befindet.&nbsp;</p><p>„Wassertransfer-Megaprojekte können für die Menschen in den betroffenen Regionen viele Vorteile bringen“, erklärt Shumilova. „Gleichzeitig gibt es aber häufig auch negative Auswirkungen auf sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Ebene; vor allem in den Gebieten, denen Wasser entnommen wird.“ Wasser gehe verloren durch Verdunstung oder Lecks, Regionen versalzten, Schadstoffe und invasive Arten könnten sich besser ausbreiten. Außerdem gebe es ein höheres Konfliktpotential zwischen Ländern, die dasselbe Flusseinzugsgebiet teilten.&nbsp;</p><p>„Wir haben Informationen zu allen aktuell bestehenden und bis zum Jahr 2050 geplanten Wassertransfer-Megaprojekten in einer Datenbank gesammelt“, erklärt Zarfl. „Wichtige Daten waren für uns beispielsweise die Wassermenge, die transferiert wird, die zu überwindende Entfernung, die geplanten und tatsächlichen Kosten und der Zweck des Wassertransfers“. Als WTMP gelten Bauprojekte, die über 1 Milliarde US-Dollar kosten, mindestens 190 Kilometer überwinden oder mehr als 0,23 km³ Wasser pro Jahr transportieren. Wenn alle im Bau befindlichen und geplanten Großprojekte fertiggestellt sind, werden die WTMP zusammen 1910 km³ Wasser transportieren; das ist etwa die 26-fache jährliche durchschnittliche Wassermenge des Rheins. Hintereinandergelegt sind sie etwa doppelt so lang wie der Äquator, über 80.000 Kilometer. Die Gesamtkosten aller Bauvorhaben schätzen die Forscherinnen und Forscher auf voraussichtlich 2700 Milliarden US-Dollar.</p><p>Bislang wurden allerdings weder die Parameter der WTMP noch die Auswirkungen von einer zentralen Stelle gesammelt. Diese Lücke schließt das Forschungsprojekt und schafft damit eine Voraussetzung für international vereinbarte Kriterien, die den Aufbau, die Leistungsfähigkeit und die Auswirkungen der künstlichen Flüsse auf Mensch und Umwelt vergleichbarer machen. „Bei der Planung künftiger Megaprojekte wird es somit leichter, Kosten und Umweltfolgen einzuschätzen und dem Nutzen gegenüberzustellen“, erläutert Zarfl. „In künftigen Forschungen möchten wir vor allem die Auswirkungen dieser gewaltigen Projekte untersuchen und die Risiken, die damit verbunden sind.“</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Oleksandra Shumilova, Klement Tockner, Michele Thieme, Anna Koska, Christiane Zarfl: Global Water Transfer Megaprojects: A Potential Solution for the Water-Food-Energy Nexus? In: Frontiers in Environmental Science. <a href="https://doi.org/10.3389/fenvs.2018.00150&amp;nbsp" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.3389/fenvs.2018.00150&amp;nbsp</a>;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Christiane Zarfl&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Umweltsystemanalytik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76076<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ejtkuvkcpg0bcthnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">christiane.zarfl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33164</guid><pubDate>Thu, 13 Dec 2018 14:47:39 +0100</pubDate><title>Cem Özdemir hielt „Rede des Jahres 2018“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cem-oezdemir-hielt-rede-des-jahres-2018/</link><description>Seminar für Rhetorik würdigt engagiertes Plädoyer für Pressefreiheit und offene Gesellschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen verleiht Cem Özdemir den Preis „Rede des Jahres 2018“. Özdemir erhält die Auszeichnung für seinen fulminanten Debattenbeitrag im Deutschen Bundestag vom 22. Februar 2018. Darin rechnet er mit einem von der AfD gestellten Antrag ab, der darauf abzielte, den kurz zuvor freigelassenen Deniz Yücel zu maßregeln. Vehement verteidigt Özdemir den Verfassungsgrundsatz der freien Meinungsäußerung und weist die AfD in die Schranken. Seine Rede ist ein eindrückliches Plädoyer für eine offene Gesellschaft, gegen Ausgrenzung und Spaltung.</p><p>Scharfzüngig und emotional begegnet Cem Özdemir dem Antrag der AfD, den er mit großer Verve und rednerischem Können pariert. In jeder Sekunde des kurzen Beitrags sind Leidenschaft und Engagement des Redners zu hören und zu sehen. Özdemir schafft es, eine entschlossene Verteidigung des Grundgesetzes mit einem Angriff auf den vermeintlichen Patriotismus der AfD zu verbinden und umreißt Grundzüge eines Verfassungspatriotismus, der ohne Spaltung und Ausgrenzung auskommt.</p><p>Özdemir stellt sich mit seiner Rede vehement gegen eine Missbilligung von Texten des Journalisten Deniz Yücel, die von der AfD beantragt worden war, und erinnert an das Grundprinzip der Pressefreiheit: „Bei uns in der Bundesrepublik Deutschland ist das Parlament keine oberste Zensurbehörde.“ Mit seinem Hinweis auf die Pressefreiheit offenbart Özdemir die Tragweite der Debatte um den Antrag der AfD und verteidigt das Grundgesetz in engagierter Weise. Dabei nimmt er die AfD-Auseinandersetzung mit Patriotismus und Identität auf, hält der Partei jedoch entgegen: „Sie verachten alles, wofür dieses Land in der ganzen Welt geachtet und respektiert wird.“ Vielfalt, Erinnerungskultur, parlamentarische Demokratie sind für Özdemir Kennzeichen der Bundesrepublik. Der AfD hält er vor, dass sie sich hingegen mit einem Deutschland identifiziere, das so nicht existiere, und spricht der Partei nachdrücklich das Recht ab, zu „bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht“.&nbsp;</p><p>Stilistisch bringt Özdemir sein Anliegen mit Pointen, Zuspitzungen und anschaulichen Beispielen zum Ausdruck. Emotional und gleichzeitig argumentativ fundiert entkräftet er Positionen der AfD und erhält dafür die Zustimmung aller anderen Fraktionen. Mit ciceronianischer Wucht vermittelt er sein Anliegen äußerst lebendig, wirkt dabei authentisch und glaubwürdig. Er stellt den politischen Gegner, indem er den Antrag der AfD ernst nimmt, ihn nicht als Lappalie abtut, sondern als einen nicht zu akzeptierenden Angriff auf das Grundgesetz entlarvt.</p><p>Mit seinem Debattenbeitrag hat Özdemir gezeigt, wie wirksam und kraftvoll eine Parlamentsrede sein kann, wenn ein Redner mit Überzeugung und Leidenschaft antritt – ein herausragendes Beispiel dafür, wie man den Populisten im Parlament die Stirn bieten kann.&nbsp;</p><h3>Jury:</h3><p>Simon Drescher, Pia Engel, Dr. Gregor Kalivoda, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Sebastian König, Prof. Dr. Olaf Kramer, Viktorija Romascenko, Oliver Schaub, Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Dr. Thomas Zinsmaier</p><h3>Ansprechpersonen:</h3><p>Rebecca Kiderlen &amp; Frank Schuhmacher &nbsp; &nbsp; &nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Seminar für Allgemeine Rhetorik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-74660/-74253<br> Mobil 0176 21191544 / 0178 1822091<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgdgeec0mkfgtngpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">rebecca.kiderlen<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> / <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,htcpm/jqnigt0uejwjocejgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">frank-holger.schuhmacher<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> &nbsp;<br><a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.rhetorik.uni-tuebingen.de</a> &nbsp;</p><h3>Text der Rede:</h3><p><a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/19/19014.pdf#P.1189" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/19/19014.pdf#P.1189&nbsp;</a></p><h3>Video der Rede:</h3><p><a href="https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7203273#url=bWVkaWF0aGVrb3ZlcmxheT92aWRlb2lkPTcyMDMyNzM=&amp;mod=mediathek" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7203273#url=bWVkaWF0aGVrb3ZlcmxheT92aWRlb2lkPTcyMDMyNzM=&amp;mod=mediathek</a>&nbsp;</p><h3>Hintergrund „Rede des Jahres“:</h3><p>Die Auszeichnung „Rede des Jahres“ wird seit 1998 vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen vergeben und ging seitdem unter anderem an Margot Käßmann, Marcel Reich-Ranicki und Navid Kermani. Mit diesem Preis würdigt das Seminar für Allgemeine Rhetorik jährlich eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat. Neben das Kriterium der Wirkungsmächtigkeit treten bei der Auswahl weitere Bewertungsmaßstäbe wie argumentative Leistung und stilistische Qualität der Rede. Ziel ist es, das gesamte rhetorische Kalkül des Redners zu betrachten und zu bewerten.</p><p>Die Jury der „Rede des Jahres“ setzt sich aus Mitarbeitenden des Seminars für Allgemeine Rhetorik zusammen. Dieses Jahr war mit Oliver Schaub erstmals auch ein von den Studierenden bestimmtes studentisches Mitglied Teil der Jury.&nbsp;</p><p>Den Kriterienkatalog und ehemalige Reden des Jahres finden Sie unter: <a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-33016</guid><pubDate>Mon, 10 Dec 2018 15:20:48 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen: Bernd Engler als Rektor wiedergewählt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-bernd-engler-als-rektor-wiedergewaehlt/</link><description>Senat und Universitätsrat bestätigen Amtsinhaber</description><content:encoded><![CDATA[<p>Professor Bernd Engler bleibt Rektor der Universität Tübingen: Senat und Universitätsrat bestätigten ihn am Montag mit großer Mehrheit im Amt. Es gab keinen Gegenkandidaten. Die neue Amtszeit beginnt am 01. Oktober 2020. Engler ist seit 2006 Rektor der Universität Tübingen und tritt damit seine dritte Amtszeit an.</p><p>Engler dankte den Gremien für das Vertrauen und versprach, seine ganze Kraft in den Dienst der Universität zu stellen: „Unser wichtigstes Ziel muss es nun sein, in den kommenden Monaten den Exzellenzstatus der Universität Tübingen zu erhalten. Denn an diesem Punkt wird sich die Frage entscheiden, ob wir uns dauerhaft in der Spitzengruppe der 100 besten Universitäten weltweit etablieren können oder in die Zweitklassigkeit absteigen.“ Die anstehenden Herausforderungen könne ein Rektor niemals alleine bewältigen: „Ich bitte daher heute um die Unterstützung der gesamten Universität, von den Studierenden über die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Beschäftigten im wissenschaftsunterstützenden Dienst bis hin zu den Professorinnen und Professoren.“&nbsp;</p><p>Die Universität Tübingen stehe aktuell gut da. So sei der Gesamtetat der Hochschule in den vergangenen zehn Jahren um rund 230 Millionen auf über 600 Millionen Euro gestiegen, die Zahl der Studierenden um rund 4.000 auf derzeit 27.500 und die Zahl der Beschäftigten um etwa 2.500 auf über 7.000. Tübingen werde ab dem kommenden Jahr über drei neue Forschungscluster verfügen und sei damit aktuell die erfolgreichste baden-württembergische Universität im Exzellenzwettbewerb. „Es wäre allerdings fatal zu glauben, die Tübinger Bewerbung um den Exzellenzstatus sei damit quasi in trockenen Tüchern“, mahnte Engler. Es seien weiterhin erhebliche Anstrengungen erforderlich. „Der Wille, der Universität in dieser von Herausforderungen geprägten Phase Verlässlichkeit und Stabilität zu geben, war für mich der entscheidende Grund, erneut für das Amt des Rektors zu kandidieren.“ &nbsp;</p><p>Bernd Engler (geb. 1954) hat an der Universität Freiburg Germanistik, Anglistik und Philosophie studiert. Nach der Promotion in Freiburg habilitierte er sich 1989 im Fach Englische Literaturwissenschaft. Nach Tätigkeiten an der University of Sussex (Großbritannien), der Universität Erlangen-Nürnberg, der University of North Carolina (Chapel Hill, USA) sowie der University of Massachusetts (Amherst, USA) trat er 1992 eine Professur für Amerikanistik in Tübingen an. 2006 wurde er erstmals zum Rektor gewählt.&nbsp;</p><p>In seine Amtszeit fällt der Erfolg Tübingens in allen drei Förderlinien der Exzellenzinitiative. Eine wichtige Grundlage war in den Jahren zuvor gelegt worden durch die Implementierung neuer Leitungsstrukturen mit hauptamtlichen Dekanen oder die stärkere Vernetzung der Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie den Tübinger Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz- und der Leibniz-Gemeinschaft. Sichtbares Zeichen dieser Entwicklung war unter anderem die Einrichtung des bundesweit ersten Leibniz-Wissenschaftscampus &nbsp;„Bildung in Informationsumwelten“. Eine treibende Kraft war die Universität unter Englers Ägide auch in der Cyber Valley Initiative, mit der die Region Stuttgart-Tübingen zu einem internationalen Zentrum für die Erforschung und Entwicklung Künstlicher Intelligenz werden soll. &nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32933</guid><pubDate>Fri, 07 Dec 2018 16:55:00 +0100</pubDate><title>Kein Verdrängungswettbewerb durch Cyber Valley</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kein-verdraengungswettbewerb-durch-cyber-valley/</link><description>Gegner der gemeinsamen KI-Initiative von Politik, Industrie und Wissenschaft verbreiten falsche Zahlen über Zuzug von Fachkräften</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität ist Behauptungen entgegengetreten, durch das Cyber Valley Projekt stehe der Stadt Tübingen in den kommenden Jahren ein Zuzug von mehreren Tausend Menschen und ein Verdrängungswettbewerb auf dem Wohnungsmarkt bevor. „Zahlen von mehr als 3.000 Arbeitsplätzen, die in naher Zukunft allein aufgrund von Cyber Valley in Tübingen geschaffen werden sollen, sind fernab jeder Realität“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler. Der reale Zuwachs werde sich auf wenige Hundert Personen belaufen.&nbsp;</p><p>„Nach Berechnungen der französischen Software-Firma Element AI gibt es in ganz Deutschland weniger als 700 promovierte KI-Wissenschaftler“, sagte Engler. Ein Zuzug von mehreren Tausend Fachleuten nach Tübingen sei schon aus diesem Grund völlig ausgeschlossen. „Kern des Cyber Valley Projekts am Standort Tübingen ist der Aufbau von sieben Forschungsgruppen, davon fünf am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und zwei an der Universität“, sagte Engler. „Darüber hinaus wurden und werden fünf Professuren an der Universität neu eingerichtet.“&nbsp;</p><p>Selbst wenn sich der Standort in den nächsten Jahren sehr gut entwickle, sei mit nicht mehr als 500 Arbeitsplätzen im KI-Bereich zu rechnen. „Viele dieser Arbeitsplätze werden von Menschen eingenommen werden, die bereits vor Ort sind“, sagte Engler: „Es sind unsere eigenen Studierenden und Doktoranden, die wir gemeinsam mit dem MPI auf Forschungsfeldern wie Künstlicher Intelligenz und Maschinelles Lernen ausbilden.“&nbsp;</p><p>Die immer wieder genannte Zahl von bis zu 3.500 Arbeitsplätzen beziehe sich auf sämtliche Ansiedlungen im Technologiepark, betonte der Rektor: „Nur ein Bruchteil davon steht in Zusammenhang mit dem Cyber Valley.“ Dies gehe aus einer Vorlage der städtischen Fachabteilung Projektentwicklung für den Planungsausschuss der Stadt klar hervor. In der Zahl von bis zu 3.500 Beschäftigten seien im Übrigen bis zu 1.100 Personen einberechnet, die derzeit bereits im Technologiepark arbeiten. Darüber hinaus werde in der Diskussion oft ausgeblendet, dass Arbeitsplätze teilweise innerhalb von Tübingen verlagert werden. So werde die Universität große Teile der Informatik vom Standort „Sand“ in den Technologiepark verlagern. Den Standort „Sand“ wolle die Universität perspektivisch komplett aufgeben. &nbsp;</p><p>„Niemand kann leugnen, dass der Wohnungsmarkt in Tübingen angespannt ist und die Mieten steigen“, sagte Engler: „Diese Entwicklung läuft seit Jahren und sie steht in keinem Zusammenhang mit der Cyber Valley Initiative.“&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29-76788<br> Mobil 01520/1517079<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32795</guid><pubDate>Wed, 05 Dec 2018 16:02:43 +0100</pubDate><title>Gemälde für Tübinger Universitätssammlungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gemaelde-fuer-tuebinger-universitaetssammlungen/</link><description>Die Kieler Künstlerin Silke Radenhausen vermacht dem Museum der Universität Tübingen MUT drei Leinwandobjekte</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen zählt künftig drei Werke von Silke Radenhausen mehr zu ihrem Bestand: Die 1937 in Kiel geborene Künstlerin übergab der Universität drei großformatige Leinwandobjekte aus ihrem Besitz. Sie hatte diese im Jahr 2001 eigens für die Tübinger Ausstellung „Silke Radenhausen – Hybride Topografien, Leinwandobjekte einer Reise nach Tübingen zu den Shipibo-Conibo“ in der Ethnologischen Sammlung auf Schloss Hohentübingen angefertigt. In diesem Rahmen war eine Kooperation mit dem damaligen Kurator der Ausstellung und Kustos der Ethnologischen Sammlung, Dr. Volker Harms, entstanden. Zur Organisation ihres Nachlasses entschied die Künstlerin nun, die in Tübingen ausgestellten Arbeiten ganz an die Universität zu übergeben. Die drei großen Gemälde sind unter anderem im E-Museum des MUT zu sehen.</p><p>Silke Radenhausens Werke sind der feministischen Kunst und dem Genderdiskurs zuzuordnen. Themen ihrer Kunst sind die Ornamentik, die Stoffdraperie und der Körper hinter dem Gewand. Zudem finden sich vielfältige Anknüpfungspunkte zur außereuropäischen Kunst in ihren Arbeiten. Damit vertrat sie eine richtungsweisende Position in der deutschen Nachkriegskunst und wurde zur Vordenkerin junger Künstlerinnen. Museumsdirektor Professor Ernst Seidl freut sich besonders über die Bilder: „Die drei Leinwandobjekte verbinden den Ansatz von Radenhausen sowohl mit der Ornamentsprache der Shipibo-Conibo-Objekte der Tübinger Sammlung als auch mit ganz spezifischen Tübinger Motiven wie dem Fachwerk oder dem Schloss. Die Leinwände fügen sich deshalb hervorragend in den Sammlungskontext der Universität ein.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32618</guid><pubDate>Mon, 03 Dec 2018 11:30:03 +0100</pubDate><title>Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz gestartet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bundeswettbewerb-kuenstliche-intelligenz-gestartet/</link><description>Veranstaltung im Rahmen der Cyber Valley Initiative – Schülerinnen und Schüler sollen deutschlandweit eigene KI-Prototypen entwickeln –  Registrierung ab sofort möglich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme haben im Rahmen der Cyber Valley Initiative den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz, den ersten bundesweiten Schülerwettbewerb für KI, gestartet. Der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wird rund sieben Monate dauern und richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die Stärken in naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Informatik oder Physik mitbringen – und Interesse daran haben, kreative Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. Hauptsponsor des Wettbewerbs ist das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Robert Bosch GmbH, eines der Partnerunternehmen der Cyber Valley Forschungskooperation. Vorbereitet wurde der Wettbewerb in Zusammenarbeit mit Professor Jürgen Seitz von der Hochschule der Medien in Stuttgart.</p><p>Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren viele Bereiche unseres Lebens prägen – und die Arbeitsplätze der Zukunft formen. Mit dem Bundeswettbewerb für Künstliche Intelligenz erhalten Jugendliche früh die Gelegenheit, sich auf diesem zukunftsträchtigen Feld auszuprobieren. Denn Künstliche Intelligenz könnte der Schlüssel zur Lösung einiger wichtiger Probleme sein: Zum Beispiel wird mit ihr schon jetzt daran gearbeitet, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern (zum Beispiel mit autonomen Fahrzeugen), pflegebedürftigen Menschen zu helfen oder neue medizinische Methoden zu entwickeln.&nbsp;</p><p>„Für die Zukunft unserer Gesellschaft brauchen wir dringend junge und talentierte Menschen, die sich dieses Themas mit Spaß und Pioniergeist annehmen. Deshalb möchten wir Schülern die Möglichkeit bieten, mit eigenen Projekten spannende KI-Anwendungen selbst zu entwickeln“, sagt Professor Matthias Bethge, Direktor des Kompetenzzentrums für Künstliche Intelligenz an der Universität Tübingen. „Der Wettbewerb schafft ein Bewusstsein für die wichtige Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz“, sagt Christoph Peylo, Leiter des Bosch Center for Artificial Intelligence. „Aus Schülern werden so im besten Fall die Experten von morgen.“ Professor Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen und einer der weltweit führenden Wissenschaftlern im Bereich Machine Learning, fügt hinzu: „Wir wollen mit dem Wettbewerb dazu beitragen, dass die Menschen Möglichkeiten und Grenzen von KI verstehen – angefangen bei den heutigen Schülern, die morgen unsere Zukunft gestalten werden.“&nbsp;</p><p>Seit dem 19. November 2018 können sich alle interessierten Schülerinnen und Schüler auf der Webseite <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" rel="noreferrer">bw-ki.de</a> registrieren. Richtig los geht es dann ab Februar 2019: In Phase 1 tasten sich die Jugendlichen an Künstliche Intelligenz (KI) heran, sie erlernen spielerisch mit Aufgaben und Wissensfragen die Grundlagen von Maschinellem Lernen – das ist die Technik, auf der zum Beispiel digitale Sprachassistenten beruhen.</p><p>Danach können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alleine oder im Team ihre eigenen Ideen entwickeln, wie sie mit einem solchen intelligenten System die Welt ein kleines Stückchen besser machen möchten. Diese Idee arbeiten sie dann in Phase 2 ab Mai 2019 in Form eines eigenen Prototypen aus. Der Wettbewerb endet mit der Abschlussfeier und Preisverleihung im November 2019 in Tübingen. Die vielversprechendsten Projekte erhalten im Anschluss weitere Unterstützung von den Tübinger KI-Forschern und werden zur AI CON 2019 eingeladen, einer Konferenz für Künstliche Intelligenz, die von Bosch in Zusammenarbeit mit Cyber Valley veranstaltet wird. Als „KI-Schule des Jahres“ wird die Schule mit den meisten und erfolgreichsten Teilnehmern geehrt.</p><p>Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier: <a href="https://bw-ki.de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://bw-ki.de</a>. &nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Isabel Suditsch<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Max-Planck-Ring 4<br> 72076 Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 601 1924<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kucdgn0uwfkvuejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">isabel.suditsch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32538</guid><pubDate>Thu, 29 Nov 2018 20:00:00 +0100</pubDate><title>Großhirnrinde lernt schneller als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grosshirnrinde-lernt-schneller-als-gedacht/</link><description>Tübinger Forscher machen Gedächtnisspuren beim Menschen sichtbar</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Speicherung von Informationen im Gehirn ist die Großhirnrinde offenbar deutlich früher und stärker beteiligt als von der Wissenschaft bislang angenommen. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen und des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik um Svenja Brodt, Professor Steffen Gais und Dr. Monika Schönauer konnte mit hochauflösenden bildgebenden Verfahren nachweisen, dass die Großhirnrinde schon früh bei Lernvorgängen hinzugezogen wird. Damit muss das Modell revidiert werden, nach dem dieser Bereich des Gehirns nur langsam lernt. Die Studie der Tübinger Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler wurde im Fachjournal <em>Science </em>veröffentlicht.</p><p>Seit Jahrhunderten sind Forscher dem Gedächtnis auf der Spur – und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Prozesse, die bei der Bildung einer Gedächtnisspur ablaufen, blieben lange Zeit unaufgeklärt. Traditionelle Modelle gehen davon aus, dass es im Gehirn zwei Gedächtnissysteme gibt: zum einen den Hippocampus, der große Informationsmengen schnell aufnimmt, und zum anderen die Großhirnrinde, in der sich Gedächtnisspuren, also dauerhafte Änderungen durch Speicherung und Festigung neuer Informationen nur langsam, aber stabil entwickeln.&nbsp;</p><h3>Untersuchung der physischen Spuren des Lernens</h3><p>In der neuen Studie stellten die Wissenschaftler ihren Probanden eine Lernaufgabe, in der sie sich in mehreren Runden Objektpaare und deren räumliche Anordnung auf einem Bildschirm einprägen mussten, ähnlich wie bei dem Gesellschaftsspiel „Memory“. Während sie diese Aufgabe ausführten, wurde ihre Gehirnaktivität in einem Magnetresonanztomografen (MRT) aufgezeichnet. Zusätzlich führten die Wissenschaftler eine spezielle Messung durch, die die Feinstruktur des Gewebes abbildet. Sie setzten dabei den sogenannten Diffusions-MRT ein, bei dem die Stärke der Bewegung von Wassermolekülen im Gehirn quantitativ dargestellt wird. Da die Wasserbewegungen durch Zellmembranen eingeschränkt werden, erhalten die Wissenschaftler aus dem Bewegungsbild im Rückschluss detaillierte Informationen über die Gewebestruktur. Die Messungen wurden zu drei Zeitpunkten durchgeführt: unmittelbar vor der Lernaufgabe, 90 Minuten und zwölf Stunden danach. „Durch den Vergleich der Diffusionsaufnahmen vor und nach dem Lernen mit einer Kontrollbedingung können wir Rückschlüsse auf kleinste Veränderungen in der Gewebestruktur ziehen, die durch den Lernvorgang verursacht wurden“, erklärt Svenja Brodt, die Erstautorin der Studie. Dadurch ließen sich Gedächtnisspuren auch später noch im inaktiven Zustand beobachten, nachdem die Lernaufgabe abgeschlossen ist.</p><p>„Wir bewegen uns weg von reinen Momentaufnahmen, die während des Aufnehmens oder Abrufens von Informationen durch funktionelle Magnetresonanztomografie gemacht werden können, hin zur Untersuchung der physischen Spuren, die die Speicherung von Informationen in unserem Gehirn hinterlässt“, so Brodt. Mithilfe der Diffusionsbildgebung konnten die Forscher bereits 90 Minuten nach dem Lernprozess strukturelle Veränderungen in der Großhirnrinde messen und zwar in genau jenen Regionen, die während der Lernaufgabe starke gedächtnisbezogene Aktivität gezeigt hatten. Die größten Veränderungen zeigte der hintere Teil des Scheitellappens, der posteriore Parietalkortex. Je stärker diese Veränderungen waren, desto besser konnten sich die Probanden die Objektpaare langfristig merken.</p><h3>Stabile Veränderungen in der Großhirnrinde</h3><p>„Diese Strukturveränderungen sind kein kurzfristiges Nebenprodukt einer erhöhten Zellaktivität während des Lernens, da sie über mindestens zwölf Stunden stabil bleiben“, sagt die Studienleiterin Monika Schönauer. Aus Studien an Tieren wisse man, dass diese Veränderungen mit Prozessen einhergehen, die direkt mit einer Verstärkung der Schaltstellen zwischen Nervenzellen zusammenhängen, den sogenannten synaptischen Verbindungen. „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Großhirnrinde schon früh im Lernvorgang hinzugezogen wird, und unmittelbar an der physischen Speicherung der Informationen beteiligt ist“, sagt Schönauer. „Die frühere Annahme, dass die Großhirnrinde nur langsam lernt, ist nun nicht mehr haltbar.“</p><p>Steffen Gais, der Leiter der Arbeitsgruppe, setzt hinzu: „Unsere Befunde der letzten Jahre haben große Bedeutung für die Weiterentwicklung der gängigen Theorien zur Gedächtnisbildung.“ Die neuen Erkenntnisse böten eine Erklärung dafür, dass es selbst Patienten mit Schädigungen im Hippocampus teilweise möglich ist, neue Informationen zu lernen und zu behalten. Die weitere Erforschung der Bedingungen, unter denen Informationen direkt in der Großhirnrinde gespeichert werden, könne langfristig zur Entwicklung von neuen Lernstrategien bei bestimmten Gedächtnisstörungen beitragen.</p><h3>Publikation:</h3><p>S. Brodt, S. Gais, J. Beck, M. Erb, K. Scheffler, M. Schönauer: Fast track to the neocortex: A memory engram in posterior parietal cortex. <em>Science</em>, 30. November 2018.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Svenja Brodt<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie<br> Telefon +49 7071 29-73264<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uxgplc0dtqfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">svenja.brodt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br> &nbsp;&nbsp;<br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32274</guid><pubDate>Fri, 23 Nov 2018 16:36:57 +0100</pubDate><title>Sonderausstellung im MUT: Antike Rollenbilder</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sonderausstellung-im-mut-antike-rollenbilder/</link><description>Wertvorstellungen in Münzbildern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Sonderausstellung im Museum der Universität Tübingen MUT im Schloss Hohentübingen widmet sich vom Freitag, 30. November 2018, bis Freitag, 8. Februar 2019, den Rollenbildern und Wertvorstellungen der antiken Welt. Im Zentrum der Ausstellung stehen griechische und römische Objekte aus den Sammlungen der Universität Tübingen.&nbsp;</p><p>Zur Vernissage am Donnerstag, 29. November, um 18 Uhr im Rittersaal von Schloss Hohentübingen sprechen der Dekan der Philosophischen Fakultät Professor Jürgen Leonhardt, MUT-Direktor Professor Ernst Seidl und Kurator Professor Stefan Krmnicek.&nbsp;</p><p>Bei aktuellen Debatten um Chancengleichheit, Gleichstellung sowie Familie und Beruf sind Rollenbilder und Wertvorstellungen wichtige Schlüsselbegriffe. Hier setzt die Ausstellung an und zeichnet den Blick der griechisch-römischen Antike auf gesellschaftliche Werte und Geschlechterrollen nach. Die Münzen und Objekte zeigen: die vermeintlich vertrauten Wurzeln der westlichen Zivilisation unterscheiden sich von heutigen europäischen Auffassungen zuweilen deutlich und scheinen uns überraschend fremd. Das schärft den Blick dafür, dass unser Verhalten von sozialen und kulturellen Normen bestimmt ist, die sich ständig verändern.&nbsp;</p><p>In der Ausstellung werden Darstellungen auf griechischen und römischen Münzen erstmals in Bezug auf Rollenbilder und Wertvorstellungen wissenschaftlich aufbereitet. Zahlreiche Objekte aus den Beständen der Tübinger Universitätsmünzsammlung und der Abguss- und Originalsammlung des Instituts für Klassische Archäologie werden zum ersten Mal öffentlich zu sehen sein.</p><p>Wissenschaftlich gerahmt wird die Ausstellung durch die internationale Tagung „Gender Numismatics. Fluid Identities and Ancient Coinage“ vom 29. bis 30. November 2018. Das Institut für Klassische Archäologie der Universität Tübingen hat sie gemeinsam mit der Cornell University (Ithaca/New York) organisiert. Die Vorträge sind für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Das Programm und weitere Informationen sind unter <a href="https://uni-tuebingen.de/gendernumismatics" target="_blank">uni-tuebingen.de/gendernumismatics</a> einsehbar.&nbsp;</p><p>Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Begleitband. An der Ausstellung und dem begleitenden Katalog haben auch Studierende der klassischen Archäologie mitgewirkt, unter anderem in einem Praxisseminar.&nbsp;</p><h3>Öffnungszeiten:</h3><p>Mi bis So 10–17 Uhr, Do 10–19 Uhr&nbsp;<br> Führungstermine: auf Anfrage&nbsp;<br> Adresse: MUT | Alte Kulturen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen</p><h3>Eintritt:</h3><p>Erwachsene: 5 €<br> Ermäßigt: 3 €<br> Familienkarte: 12 €<br> Tübinger Studierende: frei</p><p>Mehr Informationen unter <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32276</guid><pubDate>Fri, 23 Nov 2018 15:47:00 +0100</pubDate><title>Die Wahl für Schulbank oder Ausbildung beeinflusst unsere Persönlichkeit </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-wahl-fuer-schulbank-oder-ausbildung-beeinflusst-unsere-persoenlichkeit/</link><description>Das Berufsleben macht gewissenhafter, schmälert aber das Interesse an anderen Dingen, zeigt eine Studie der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob Jugendliche nach dem Besuch der zehnten Klasse weiterhin die Schulbank drücken oder sich für eine Ausbildung und damit den Eintritt in das Berufsleben entscheiden, wirkt sich auf ihre Persönlichkeit, aus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen haben in einer Studie herausgefunden, dass Jugendliche, die sich für das Arbeitsleben entschieden hatten, zwar gewissenhafter wurden, ihr Interesse an forschenden, unternehmerischen und sozialen Tätigkeiten jedoch abnahm, verglichen mit Gleichaltrigen, die bis zum Abitur die Schule besuchten. Die Ergebnisse wurden nun in der Zeitschrift <em>Psychological Science</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Die Entscheidung, welchen Weg wir wählen, ist von unserer Persönlichkeit abhängig, das ist seit langem bekannt. Aber auch der von uns gewählte Weg beeinflusst, wie sich unser Denken, Fühlen und Verhalten, also unsere „Persönlichkeit“, verändert. Dies ist das Ergebnis der komplexen Datenanalysen. Dabei konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hilfe von statistischen Verfahren in den Ausgangsvoraussetzungen vergleichbare Gruppen herstellen. „Damit konnten wir nun zeigen, dass sich Kernaspekte unserer Persönlichkeit verändern, je nachdem, welchen Weg wir einschlagen“, erklärt Ulrich Trautwein, einer der Autoren der Studie. „Die Wahl zwischen Beruf und Schulbank beeinflusst unser späteres Denken, Fühlen und Handeln.“</p><p>Grundlage war eine Langzeitstudie, bei der Jugendliche zunächst zum Zeitpunkt der Entscheidung für eine weiterführende Schule oder berufliche Ausbildung und dann sechs Jahre später befragt wurden. Knapp 2.100 Schülerinnen und Schüler aus 46 Realschulen und Gymnasien nahmen zum ersten Zeitpunkt an der Umfrage teil, bei der zweiten Befragung nach sechs Jahren waren es noch 508 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 224 von ihnen entschieden sich dafür, die Schule bis zum Abitur zu besuchen, 284 für eine berufliche Ausbildung.&nbsp;</p><p>Es zeigte sich zum einen, dass die Entscheidung für Schule oder Beruf abhängig war von der Schulleistung, dem schulischen Selbstkonzept und dem familiären Hintergrund. Hatten die Eltern selbst einen niedrigeren Bildungsabschluss, waren die Schulleistungen schlechter und war das Vertrauen in die eigenen schulischen Fähigkeiten geringer, wurde eher der berufliche Weg eingeschlagen.&nbsp;</p><p>Zum anderen zeigte sich, dass die beiden verschiedenen Lebenswege einen substanziellen Einfluss auf die Persönlichkeit hatten. Die Jugendlichen, die sich für den Eintritt in das Berufsleben entschieden hatten, wurden gewissenhafter: Die sogenannten Sekundärtugenden wie Fleiß und Disziplin wurden ausgeprägter als bei denjenigen, die weiterhin zur Schule gingen. Der Grund dafür könnte sein, dass Auszubildende eine Umwelt erleben, in denen es klar definierte Anforderungen und strengere Verhaltensregeln als in der Schule gibt und die Zuverlässigkeit einzelner Personen für das gesamte Team wichtig ist. Hinsichtlich anderer Persönlichkeitsmerkmale wie emotionale Stabilität, Verträglichkeit oder Offenheit konnten keine Unterschiede festgestellt werden.&nbsp;</p><p>Dafür interessierten sich die Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung entschieden hatten, nach sechs Jahren weniger für forschende Tätigkeiten, zum Beispiel in einem Labor zu arbeiten oder Sachverhalte zu beobachten und zu analysieren. Auch zeigten sie weniger Interesse an sozialen Tätigkeiten, wie sich um andere Menschen zu kümmern oder sie zu unterrichten und sie waren weniger an unternehmerischen Tätigkeiten interessiert, die man Geschäftsführern oder Managern zuschreibt, wie beispielsweise ein Team zu führen oder mit anderen zu verhandeln. Diese Entwicklung dürfte in vielen Fällen nicht im Interesse der jeweiligen Arbeitgeber liegen.&nbsp;</p><p>„Dass die Gewissenhaftigkeit steigt und sich die Interessen an bestimmten Tätigkeiten verändern, könnte daran liegen, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die plötzlich im Berufsleben stehen, in neue Rollen hineinwachsen müssen, für die bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen erforderlich sind und auch belohnt werden“, erklärt Ulrich Trautwein. „Die Befunde zeigen erneut die Bedeutung der Lernumgebung auf die Entwicklung von Kindern und jungen Erwachsenen auf – auch jenseits der erworbenen Fähigkeiten.“ Und: „Wissenschaft und Praxis sind deshalb gefordert, ein noch besseres Verständnis von der Qualität und den Effekten von Schule und Ausbildung zu bekommen.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Golle, J., Rose, N., Göllner, R., Spengler, M., Stoll, G., Hübner, N., Rieger, S., Trautwein, U., Lüdtke, O., Roberts, B., &amp; Nagengast, B. (2018). School or work? The choice may change your personality. <em>Psychological Science</em>. doi:10.1177/0956797618806298</p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen, Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung&nbsp;<br> Prof. Dr. Ulrich Trautwein&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>Telefon +49 7071 29-73931<a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0vtcwvygkpBwpk/vwgdkpigp0fg " data-mailto-vector="2" class="mail">ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32102</guid><pubDate>Wed, 21 Nov 2018 19:00:00 +0100</pubDate><title>Tübinger Forscher decken Tarnkappenstrategie multiresistenter Keime auf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-forscher-decken-tarnkappenstrategie-multiresistenter-keime-auf/</link><description>Durchbruch in der Erforschung gefürchteter Krankheitserreger – Bislang unbekanntes Protein in einer Schlüsselrolle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ist ein Durchbruch bei der Entschlüsselung multiresistenter Krankheitskeime gelungen. Das Team um Professor Andreas Peschel und Professor Thilo Stehle konnte Struktur und Funktion eines bislang unbekannten Proteins aufklären, mit dessen Hilfe sich gefürchtete Erreger wie <em>Staphylococcus aureus </em>gegenüber dem menschlichen Immunsystem wie mit einer Tarnkappe schützen. Die Studie wurde am Mittwoch im Fachmagazin <em>Nature</em> veröffentlicht.&nbsp;</p><p>Infektionen durch Bakterien wie <em>Staphylococcus aureus </em>verursachen weltweit zahlreiche Todesfälle. In Krankenhäusern gefürchtet sind vor allem die gegen das Antibiotikum Methicillin resistenten Staphylococcus aureus-Stämme, kurz MRSA genannt. Nach einer Anfang November veröffentlichten Untersuchung gab es allein im Jahr 2015 in der EU rund 670.000 Erkrankungen durch multiresistente Erreger. 33.000 Patienten starben.&nbsp;</p><p>In aller Regel kommt unser Immunsystem mit Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren gut zurecht. Bei manchen Keimen aber versagen die Abwehrstrategien des menschlichen Körpers, besonders bei immungeschwächten Patienten. Antibiotika sind gegen resistente Erreger leider wirkungslos. Effektive Ersatzantibiotika und ein protektiver Impfstoff gegen MRSA sind bislang nicht in Sicht. Ein genaues Verständnis der Abwehrmechanismen könnte neue Therapien gegen die Bakterien ermöglichen.</p><p>Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen haben nun beschrieben, wie sich MRSA-Keime für das Immunsystem unsichtbar machen. Sie konnten zeigen, dass viele der besonders häufigen MRSA-Keime ein bislang unbekanntes Protein erworben haben, das dazu führt, dass die Erreger nicht mehr durch Antikörper des Immunsystems erkannt werden. Die Tübinger Wissenschaftler gaben dem Protein den Namen TarP (kurz für <em>teichoic acid ribitol P</em>).</p><p>„TarP verändert das Muster von Zuckermolekülen auf der Erregeroberfläche auf eine bislang unbekannte Weise“, erklärte Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. „Dies führt dazu, dass das Immunsystem keine Antikörper gegen das wichtigste MRSA-Antigen, die Teichonsäure, bilden kann.“ Das Immunsystem werde so nicht nur „blind“. Es verliere auch die wichtigste Waffe gegen den Erreger.&nbsp;</p><h3>Von Phagen umprogrammiert</h3><p>Die Tübinger Forscher gehen davon aus, dass die bakterielle Tarnkappe das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen den Krankheitserregern und ihren natürlichen Feinden, den sogenannten Phagen, ist. Als Bakteriophagen wird eine Klasse von Viren bezeichnet, die Bakterien befällt, diese als Wirtszelle nutzt und sich von ihnen ernährt. Im vorliegenden Fall haben Phagen offenbar ihren Wirt mit Hilfe des TarP-Proteins umprogrammiert und so die Oberfläche des Bakteriums verändert.</p><p>Den Erstautoren der Arbeit, David Gerlach und Yinglan Guo, gelang es, den Mechanismus und die Struktur von TarP genau aufzuklären. „Wir verstehen jetzt detailliert, wie das Protein auf der molekularen Ebene als Enzym funktioniert“, sagte Gerlach. Die Struktur-Funktionsanalyse von TarP bilde eine exzellente Basis, um neue Wirkstoffe zu entwickeln, die TarP blockieren und die Erreger wieder für das Immunsystem erkennbar machen. Besonders wichtig für den Erfolg dieser Arbeiten war ein interdisziplinärer Ansatz, an dem auch weitere Wissenschaftler aus Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Südkorea beteiligt waren.„Die Entdeckung von TarP kam für uns völlig überraschend. Sie erklärt sehr gut, warum das Immunsystem oft keine Chance gegen MRSA hat“, sagte Professor Thilo Stehle vom Interfakultären Institut für Biochemie. „Die nun vorliegenden Ergebnisse werden uns helfen, bessere Therapien und Impfstoffe gegen die Erreger zu entwickeln.“ Peschel verwies auf den kürzlich bewilligten Tübinger Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections“ und die enge Einbindung in das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung: „Diese hervorragende Vernetzung wird uns helfen, die Erforschung von MRSA und von TarP weiter voranzutreiben.“&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>Gerlach, Guo et al, 2018, Methicillin-resistant Staphylococcus aureus alters cell wall glycosylation to evade immunity. <em>Nature</em>, DOI : 10.1038/s41586-018-0730-x (Freischaltung nach Ablauf des Embargos)</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Andreas Peschel<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon: +49 7071 29-78855<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0rguejgnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.peschel<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Thilo Stehle<br> Universität Tübingen<br> Interfakultäres Institut für Biochemie<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon: +49 7071 29-73043<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjknq0uvgjngBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">thilo.stehle<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-32033</guid><pubDate>Mon, 19 Nov 2018 13:06:45 +0100</pubDate><title>Studierende im Wintersemester 2018/19</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studierende-im-wintersemester-2018-19/</link><description>Mehr Erstsemester und Internationale an Universität Tübingen ‒ insgesamt leicht sinkende Studierendenzahlen</description><content:encoded><![CDATA[<p>An der Universität Tübingen studieren im Wintersemester 2018/19 wieder mehr Studienanfänger und internationale Studierende. Dennoch ist die Gesamtzahl der Studierenden weiterhin tendenziell rückläufig: Zum Stichtag 15. November 2018 verzeichnete die Universität 27.565 Einschreibungen, darunter 16.147 Frauen und 11.418 Männer. Dies sind 176 Studierende oder rund 0,6 Prozent weniger als im Wintersemester 2017/18 (27.741).&nbsp;</p><p>Mit 5.319 neuen Studierenden (Erst- und Neueinschreiber) stieg die Zahl um 122 Personen oder rund 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (5.197). Auch die Zahl der internationalen Studierenden erhöhte sich mit 3.924 leicht (2017/18: 3.891) ‒ darunter waren mit 1.170 Neu- und Ersteingeschriebenen 79 Personen oder rund 7,2 Prozent mehr eingeschrieben als im Vorjahr (2017/18: 1091).</p><p>Der tendenzielle Rückgang sei auf eine höhere Zahl an Absolventen zurückzuführen, die ihr Studium abgeschlossen hätten, sagte Kanzler Dr. Andreas Rothfuß. „An der aktuellen Entwicklung kann man erkennen, dass die starken Kohorten wie der Doppelte Abiturjahrgang nun allmählich zum Studienabschluss kommen.“ Im Arbeitsalltag sei dies aber noch nicht zu spüren. „Unsere Kapazitäten ‒ räumlich wie personell ‒ werden noch für viele Jahre stark ausgelastet sein.“</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31973</guid><pubDate>Fri, 16 Nov 2018 09:07:43 +0100</pubDate><title>Tübinger Poetik-Dozentur 2018</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-poetik-dozentur-2018/</link><description>Uwe Timm und Frank Witzel sind von 25. bis 30. November 2018 als Poetik-Dozenten an der Universität Tübingen zu Gast</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 26. November beginnt an der Universität Tübingen die 32. Poetik-Dozentur mit einer Vorlesung von Uwe Timm unter dem Titel „Utopische Orte/Utopische Räume“ die Reihe der Tübinger Veranstaltungen. Am zweiten Abend (Dienstag, 27. November) wird er im Gespräch mit Dorothee Kimmich vom Deutschen Seminar über seine literarischen Anliegen sprechen und seine Reflexionen zu Literatur, Philosophie und Politik vorstellen. Frank Witzel beschäftigt sich in seinen beiden Vorträgen (Mittwoch, 28. November und Donnerstag, 29. November) und im Gespräch mit dem Philosophen Marcus Steinweg (Freitag, 30. November) mit möglichen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Schreib- und Denkweisen von Erzählen und Theorie.</p><p><em>Heißer Sommer</em>&nbsp;(1974) und <em>Die Erfindung der Currywurst</em>&nbsp;(1993) von Uwe Timm genauso wie <em>Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969</em>&nbsp;(2015) von Frank Witzel erzählen Geschichten aus der Vergangenheit der alten Bundesrepublik, die für manche noch als Teil eigener Biographien präsent sind und zugleich für viele schon zu einer verblassenden Vergangenheit gehören. Wer sich wie, woran erinnert, was bleibt, was vergessen und was dezidiert verschweigen wird, ist nicht nur eine Frage des individuellen Erinnerungsvermögens, sondern immer auch eine der jeweiligen gesellschaftlichen Erinnerungspolitiken. Literatur kann die Übersehenen und Vergessenen zu Zeitgenossen machen. Timm und Witzel gehören zweifellos zu den Virtuosen auf diesem Gebiet.</p><p>Die Vorlesungen im Audimax und in der Alten Aula stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31822</guid><pubDate>Wed, 14 Nov 2018 19:00:00 +0100</pubDate><title>Langzeitgedächtnis im Gehirn: Nicht ohne den Hippocampus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/langzeitgedaechtnis-im-gehirn-nicht-ohne-den-hippocampus/</link><description>In einer Studie der Universität Tübingen erweist sich die Bildung langfristiger Gedächtnisinhalte jeglicher Art als ganzheitlicher Prozess mit übergeordneter Schaltzentrale</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Hippocampus, eine Seepferdchen-ähnliche Struktur innerhalb des Gehirns, überführt bewusst gelernte Gedächtnisinhalte wie zum Beispiel neue Vokabeln vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis, und dies passiert vor allem im Schlaf. Bisher gingen Forscher jedoch davon aus, dass der Hippocampus nicht an allen Gedächtnisleistungen beteiligt ist und etwa motorische Fähigkeiten wie Klavierspielen ohne sein Zutun gelernt werden können. Nun haben Experimente mit Ratten ergeben, dass auch bei der Formung von Inhalten des Langzeitgedächtnisses, die ursprünglich ohne Beteiligung des Hippocampus entstanden waren, im Schlaf auf den Hippocampus zurückgegriffen wird. Die neue Studie unter der Leitung von Dr. Marion Inostroza und Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie sowie dem Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen wird in der Fachzeitschrift <em>Nature </em>veröffentlicht. Aus den neuen Ergebnissen entwickeln die Forscher die Vorstellung, dass die Gedächtnisbildung nicht in verteilten Systemen organisiert ist, die für sich arbeiten, sondern als ganzheitlicher Prozess abläuft, mit dem Hippocampus als übergeordneter Schaltzentrale.</p><p>In der Hirnforschung teilt man die Gedächtnisleistungen ein in solche, die vom Hippocampus abhängen wie zum Beispiel das Auswendiglernen eines Gedichts, und solche, an denen er nicht beteiligt ist, wie Skifahren oder Tennisspielen als Fertigkeiten, bei denen die einzelnen Bewegungen unbewusst ablaufen. Diese Unterscheidung geht vor allem auf den Patienten Henry Molaison zurück, dem in den 1950er Jahren wegen einer nicht behandelbaren Epilepsie große Teile des Hippocampus aus beiden Hirnhälften entfernt wurden. Die eingehende Untersuchung des Mannes ergab, welche Gedächtnisleistungen ohne Hippocampus erhalten bleiben und bei welchen Defizite auftreten. Forschungen insbesondere auch der Gruppe um Jan Born hatten gezeigt, dass für Hippocampus-abhängige Inhalte das langfristige Gedächtnis im Schlaf gebildet wird. „In den neuen, sehr aufwendigen Studien wollten wir wissen, ob das Hippocampus-unabhängige Gedächtnis in ganz ähnlicher Weise vom Schlaf profitiert und vor allem, ob dem Hippocampus dabei möglicherweise auch eine Bedeutung zukommt“, sagt Marion Inostroza.</p><h3>Den Unterschied macht nicht der Schlaf allein</h3><p>In den Experimenten lernten die Ratten entweder in einem Hippocampus-unabhängigen Prozess neue Objekte zu erkennen oder sie sollten sich beim Hippocampus-abhängigen Lernen die Positionen von ihnen gut bekannten Objekten in einem Raum merken. Es folgten zwei Stunden, in denen sie schliefen oder wach blieben. Dann wurde ihr Gedächtnis getestet, und zwar entweder sofort nach der zweistündigen Schlaf- beziehungsweise Wachphase oder eine Woche oder drei Wochen später. „Wie erwartet, wurde das Hippocampus-abhängige Lernen der räumlichen Positionen durch Schlaf gefestigt, die Tiere erzielten nach einer Schlafphase zu allen Testzeiten bessere Ergebnisse beim Erinnerungsvermögen als die Tiere, die nach dem Experiment wach geblieben waren“, sagt Marion Inostroza. Anders beim Gedächtnis für die Objekte: Hier ließ sich der Vorteil einer Schlaf- gegenüber einer Wachphase nach der Lernphase erst nach drei Wochen erkennen. „Den Unterschied macht aber nicht der Schlaf allein. Wenn wir in der Schlafphase nach dem Lernen den Hippocampus vorübergehend chemisch ausgeschaltet hatten, hatten die Ratten nach drei Wochen die Objekte wieder völlig vergessen, genauso wie die Tiere, die nach dem Lernen wach geblieben waren.“</p><p>„Die Inhalte des Hippocampus-unabhängigen Lernens kamen nur ins Langzeitgedächtnis, wenn der Hippocampus im Schlaf aktiv war“, fasst Jan Born die Ergebnisse zusammen. Er hält die seit rund 50 Jahren geltende Einteilung in Hippocampus-abhängige und -unabhängige Gedächtnisleistungen dennoch nicht für überholt. „Vielmehr gibt uns die Studie neue Einblicke in die arbeitsteiligen Strukturen im Gehirn. Zwar laufen einige der Lern- und Gedächtnisleistungen in eigenen Systemen. Doch müssen wir nun von dem Hippocampus als übergeordnete Instanz bei jeder Art der Bildung eines Langzeitgedächtnisses ausgehen.“ Die Wissenschaftler erläutern es so: Das Hippocampus-abhängige Lernen ist ans Bewusstsein gebunden, der Hippocampus tagsüber im wachen Zustand praktisch immer beschäftigt und ausgelastet. „Im Schlaf, in dem unser Bewusstsein ausgeschaltet ist, hat der Hippocampus Kapazitäten frei und organisiert die langfristige Gedächtnisbildung aller Inhalte, auch von denen, an deren Entstehung er zunächst nicht beteiligt war.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31825</guid><pubDate>Wed, 14 Nov 2018 19:00:00 +0100</pubDate><title>Von wegen wild und gefährlich: Keine Häufung von Kopfverletzungen bei Neandertalern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/von-wegen-wild-und-gefaehrlich-keine-haeufung-von-kopfverletzungen-bei-neandertalern/</link><description>Forscherteam der Universität Tübingen widerlegt langgehegte Vorstellungen durch Vergleiche mit frühen modernen Menschen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Kopfverletzungen waren bei Neandertalern nicht häufiger als bei frühen anatomisch modernen Menschen in Eurasien. Das fand ein Forscherteam unter der Leitung von Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Universität Tübingen heraus. Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu bisherigen Annahmen, denen zufolge Fossilien von Neandertalern eine ungewöhnlich hohe Zahl von Verletzungen aufwiesen. Das frühere Image des Neandertalers als grobschlächtigem oder gar gewalttätigem Frühmenschen muss weiter revidiert werden. Die neue Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Nature</em> veröffentlicht.</p><p>Das Leben der Neandertaler, die vor ungefähr 400.000 bis 40.000 Jahren das westliche Eurasien besiedelten, wurde lange Zeit als rau und gefährlich dargestellt. Diese Vorstellung beruhte zumindest teilweise auf einer vermeintlich ungewöhnlich hohen Verletzungsrate, die durch Fossilien von Neandertalern belegt schien. Meistens finden sich die Verletzungen am Kopf. Als mögliche Gründe wurden ein gewaltgeprägtes Sozialverhalten, der Lebensstil als Jäger und Sammler in der Eiszeit, der ein hohes Unfallrisiko mit sich brachte, oder Angriffe von Raubtieren wie Höhlenbären oder Höhlenhyänen vermutet. „Man glaubt außerdem, dass Neandertaler Kurzdistanzwaffen wie Stoßspeere für die Jagd nutzten, mit denen sie ihrer Beute gefährlich nahe kamen“, erklärt Katerina Harvati. „All diese Annahmen über die Neandertaler und ihr verletzungsreiches Leben basierten jedoch bisher vor allem auf der Untersuchung von Einzelfällen.“</p><h3>Untersuchung von mehreren Hundert Fossilien</h3><p>In seiner neuen Studie untersuchte das Tübinger Forscherteam in einer quantitativen, populationsweiten Analyse die Häufigkeit von Schädelverletzungen von Neandertalern und modernen Menschen des Jungpaläolithikums aus dem westlichen Eurasien. Die Wissenschaftler trugen einen neuen Datenbestand an Knochen von mehreren Hundert Fossilien mit und ohne Verletzungsspuren zusammen, und analysierten die Daten mittels statistischer Modelle. Sie bezogen dabei das Geschlecht, das Sterbealter, die geografische Verteilung der Funde sowie den Erhaltungszustand der Knochen ein. Der fundierte Vergleich der Verletzungsraten ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. „Entgegen früherer Annahmen müssen wir nun die Hypothese verwerfen, nach der Neandertaler häufiger an Kopfverletzungen litten als moderne Menschen“, sagt Katerina Harvati. „Daher müssen auch die Vorstellungen überdacht werden, dass Neandertaler gewalttätig waren oder gefährlichere Jagdmethoden nutzten.“</p><p>Sowohl bei Neandertalern als auch bei frühen modernen Menschen stellten die Forscher mehr Verletzungen bei Männern als bei Frauen fest. „Ein solches Muster kennen wir von zeitlich späteren Populationen. Es lässt sich zum Beispiel durch Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen erklären, durch die Männer möglicherweise eine größere Verletzungsgefahr hatten, oder durch andere kulturell bedingte geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Aktivitäten“, erläutert die Forscherin.</p><h3>Unterschiedliche Verletzungsraten bei jungen Menschen</h3><p>Bei der Auswertung ihrer Daten stießen die Forscher jedoch auch auf einen bemerkenswerten Unterschied: „Während die Verletzungshäufigkeit der beiden Menschenarten insgesamt gleich ist, stellten wir altersabhängige Unterschiede bei der Verletzungshäufigkeit fest“, sagt Judith Beier, die Erstautorin der Studie. Eine mögliche Erklärung sei, dass junge Neandertaler größeren Verletzungsgefahren ausgesetzt waren als ihre Altersgenossen unter den modernen Menschen des Jungpaläolithikums. „Denkbar ist aber auch, dass sich die langfristige Lebenserwartung nach einer nicht-tödlichen Verletzung zwischen den Arten unterschied.“ Dieses altersabhängige Muster sei ein neuer Befund, sagt Katerina Harvati. „Insgesamt legen unsere Ergebnisse jedoch nahe, dass der Lebensstil der Neandertaler nicht gefährlicher war als der unserer Vorfahren, den frühen modernen Europäern.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31866</guid><pubDate>Wed, 14 Nov 2018 11:12:55 +0100</pubDate><title>Höhlenkunst aus der Eiszeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hoehlenkunst-aus-der-eiszeit/</link><description>Tübinger Archäologen entdecken mindestens 12.000 Jahre alte Tierdarstellungen in Frankreich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler der Universität Tübingen haben im Osten Frankreichs zwei Höhlen mit prähistorischer Wandkunst entdeckt. Die Gravierungen und Malereien entstanden vor mindestens 12.000 Jahren, frühe moderne Menschen stellten hier unter anderem die Silhouette eines Pferdes und eines hirschartigen Tieres dar. Professor Harald Floss von der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie und seine Arbeitsgruppe konnten das Alter gemeinsam mit spanischen Kollegen und dank ausgeklügelter Methoden nachweisen. Die Tübinger Wissenschaftler erforschen seit mehr als zwanzig Jahren die Altsteinzeit (Paläolithikum) im Osten Frankreichs, insbesondere in der südlichen Bourgogne ‒ eine Region, in der sich Neandertaler und moderne Menschen vermutlich tatsächlich begegneten.</p><p>Die Höhlen liegen in der Gemeinde Rully im Départment Saône-et-Loire. „Weil die Dichte paläolithischer Fundstellen hier besonders hoch ist, vermuteten die Forscher schon eine Weile eine Bilderhöhle (franz. grotte ornée) in der Region“, erklärt Archäologe Floss. Erstmals in 150 Jahren Urgeschichtsforschung in dieser Region sei nun der Nachweis gelungen, dass die frühen modernen Menschen sich in den dortigen Höhlen zu Eiszeitkunst inspirieren ließen. In den „Grottes d’Agneux“ hinterließen sie mit Steinwerkzeugen und in Form von Malerei Darstellungen von Tieren, darunter ein Pferd und sogenannte Cerviden, hirschartige Tiere.</p><p>Gemeinsam mit dem Archäologen Juan Ruiz von der Universität Cuenca in Spanien, einem Spezialisten für prähistorische Wandkunst, analysierte das Team die Felswände mit modernen Messtechniken. Weil die Darstellungen durch jüngere Graffiti aus dem 16. bis 19. Jahrhundert überdeckt waren, benutzte es zudem spezielle bildbearbeitende Computerprogramme, um die ursprünglichen Werke unter den Schichten zu rekonstruieren. Außerdem wurden in einer photogrammetrischen Dokumentation viele Einzelfotos der Werke im Computer zusammengesetzt, um einen „plastischen“ Eindruck zu erhalten.</p><p>Mithilfe der Radiokohlenstoffmethode konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Holzkohlen aus der Höhle und damit auch die Entstehung der Bilder auf das Jungpaläolithikum vor mindestens ca. 12.000 Jahren datieren. Bei dieser Methode wird der Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops <sup>14</sup>C gemessen. Die Bedeutung der Höhlenkunst wurde im Sommer 2018 offiziell von den zuständigen französischen Behörden begutachtet, weitere Forschungen dazu sind geplant.</p><p>Im Département Saône-et-Loire erforschen die Tübinger Wissenschaftler die Übergangsphase von den letzten Neandertalern zu den ersten anatomisch modernen Menschen des Kontinents. Sie fanden dabei unter anderem in der Höhle Verpillière I in Germolles Hinterlassenschaften der letzten Neandertalerkultur (Châtelperronien) in Westeuropa sowie in Saint-Martin-sous-Montaigu ein umfangreiches jungpaläolithisches Jagdlager aus der Zeit vor 25.000 Jahren. Gleichzeitig konnten sie auch die erste europaweite Besiedelung des modernen Menschen in Europa (Aurignacien) in der Region nachweisen. „Die modernen Menschen orientierten sich bei ihrer Ausbreitung an Flüssen“, sagt Harald Floss. „Vermutlich wanderten sie vom Osten über die Donau und vom Süden über die Rhône nach Europa ein. Unsere Daten legen nahe, dass sich Neandertaler und moderne Menschen hier, im Osten Frankreichs, direkt begegnet sein könnten.“</p><p>An den langjährigen Ausgrabungen des Tübinger Archäologen in Frankreich haben über die Jahre insgesamt ca. 600 Studierende der Universität Tübingen teilgenommen. Rund 30 Abschlussarbeiten entstanden im Rahmen dieser Forschung, von der Bachelorarbeit bis zur Dissertation.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31744</guid><pubDate>Tue, 13 Nov 2018 15:14:06 +0100</pubDate><title>Studientag 2018 an der Universität Tübingen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studientag-2018-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Die Universität Tübingen bietet Studieninteressierten einen Einblick in viele Studiengänge – Rund 7.000 Besucher erwartet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim <strong>Studientag am Mittwoch, 21. November 2018,</strong> können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zum Studienangebot der Universität Tübingen informieren. Erwartet werden etwa 7.000 Studieninteressierte aus ganz Baden-Württemberg. Mit einem umfassenden Angebot bietet der Studientag Gelegenheit, sich erste Einblicke in Themen, Voraussetzungen und Ziele sowie berufliche Chancen und Möglichkeiten zu verschaffen.&nbsp;</p><p>Vormittags können die Schülerinnen und Schüler an drei zentralen Veranstaltungsorten (Neue Aula, Kupferbau, Hörsaalzentrum Morgenstelle) insgesamt 76 Kurzvorträge und 36 Infostände der Fachgebiete besuchen. Zudem gibt es Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie z.B. Auslandssemester und BAföG. Das Programm beginnt um 9.00 Uhr im Talbereich mit dem Infomarkt und Vorträgen vor allem zu Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Ab 9.30 Uhr starten Infomarkt und Vorträge zu den Natur- und Lebenswissenschaften im Hörsaalzentrum <em>Auf der Morgenstelle</em>.</p><p>Am Nachmittag (13.00– 16.00 Uhr) können Studieninteressierte sich intensiver mit einzelnen Fächern beschäftigen. Hierzu laden die Fakultäten, Fachbereiche und Seminare zu vielfältigen Aktivitäten ein: Infovorträge, Teilnahme an Lehrveranstaltungen, (Labor-) Führungen, Gespräche mit Lehrenden und Studierenden aus dem höheren Semester etc.</p><p>Ein kostenloser Bus-Shuttle vom Hauptbahnhof über die Neue Aula bis zum Hörsaalzentrum Morgenstelle (und zurück) steht zur Verfügung. Reisebusse können in der Europastraße auf der Busparkspur parken.&nbsp;</p><p>Das Programm sowie Hinweise zur Anreise finden Sie unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/studientag" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/studientag</a>.&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Universität Tübingen<br> Zentrale Studienberatung&nbsp;<br> Christoph Jäckle<br> Telefon +49 7071 29-72562<br> christoph.jaeckle@uni-tuebingen.de&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de&nbsp;</p><p>www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31619</guid><pubDate>Fri, 09 Nov 2018 16:30:00 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-2/</link><description>Kurzvorstellung der neuen Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31577</guid><pubDate>Fri, 09 Nov 2018 09:00:00 +0100</pubDate><title>Analyse alter Genome zeigt bislang unbekannten Genfluss zwischen Nord- und Südamerika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/analyse-alter-genome-zeigt-bislang-unbekannten-genfluss-zwischen-nord-und-suedamerika/</link><description>Internationales Forschungsteam enthüllt unerwartete Details zur Besiedlungsgeschichte Mittel- und Südamerikas</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die erste umfangreiche Analyse alter Genome aus Mittel- und Südamerika belegt einen bedeutenden, bislang unbekannten frühen Bevölkerungsaustausch. Untersucht wurden dafür die Genome von bis zu 11.000 Jahre alten menschlichen Überresten von 49 prähistorischen Individuen. Die in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Studie zeigt, dass ein markanter DNA-Typ, der mit der ersten weit verbreiteten archäologischen Kultur Nordamerikas (Clovis) verbunden ist, vor 11.000 bis 9.000 Jahren auch in Chile, Brasilien und Belize auftrat. Das heißt, dass die Menschen, welche die Clovis-Kultur verbreiteten, auch weiter südlich großen demografischen Einfluss hatten. Diese mit der Clovis-Kultur verbundene Linie fehlt jedoch bei späteren Südamerikanern. Das deutet auf einen Austausch der Bevölkerung des Subkontinents hin, der vor mindestens 9.000 Jahren begann.</p><p>Eine in dieser Woche in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Studie liefert neue Details über die Besiedlungsgeschichte Mittel- und Südamerikas. Ein internationales Forschungsteam analysierte für diese Studie die Genome von 49 Individuen aus Mittel- und Südamerika, die vor bis zu 11.000 Jahren lebten. Bisher waren die einzigen Genome aus dieser Region, für die Daten in ausreichender Qualität vorlagen, weniger als 1.000 Jahre alt. Das Forschungsteam konsultierte lokale Regierungsbehörden und indigene Gemeinschaften und erhielt die offizielle Genehmigung, die menschlichen Überreste zu analysieren. Die Arbeiten des Tübinger Teams konzentrierten sich auf die Ausgrabungen eines Felsüberhangs in extremer Höhenlage in den peruanischen Anden. Unter der Leitung von Kurt Rademaker (Universität Tübingen/Michigan State University) wurden dort zahlreiche menschliche Skelette geborgen, die im Rahmen dieser Studie anthropologisch und genetisch untersucht wurden. Durch den Vergleich alter und heutiger Genome aus Amerika und anderen Teilen der Welt konnte das Team neue Erkenntnisse über die Frühgeschichte Mittel- und Südamerikas gewinnen.</p><p>Die Leitung der Studie lag beim Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, der Harvard Medical School, der University of California, Santa Cruz, der Pennsylvania State University, der University of New Mexico und der University of São Paulo. Darüber hinaus waren Mitglieder der DFG-Kollegforschergruppe „Words, Bones, Genes, Tools“ an der Universität Tübingen und Institutionen aus Argentinien, Australien, Belize, Brasilien, Chile, der Europäischen Union, Peru und den Vereinigten Staaten beteiligt.&nbsp;</p><h3>Verbindung zwischen der "Clovis-Kultur" und frühen Mittel- und Südamerikanern</h3><p>„Eine Schlüsselentdeckung war, dass ein etwa 12.800 Jahre altes, mit der Clovis-Kultur verbundenes Individuum aus Nordamerika eindeutige Abstammungsmerkmale mit den ältesten analysierten chilenischen, brasilianischen und belizischen Individuen teilt“, erklärt Cosimo Posth vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Erstautor der Studie. „Dies stützt die These, dass die Menschen, welche die Clovis-Kultur in Nordamerika verbreiteten, auch nach Mittel- und Südamerika gelangten.“</p><p>Diese Individuen aus dem Gebiet der heutigen Länder Chile, Brasilien und Belize lebten vor mehr als 9.000 Jahren. Individuen, die nach dieser Zeit lebten, und auch heutige Südamerikaner teilen die mit der Clovis-Kultur verbundenen Abstammungsmerkmale jedoch nicht. Ko-Studienleiter David Reich von der Harvard Medical School sagt: „Dies ist unsere zweite wichtige Entdeckung: Wir haben gezeigt, dass es auf dem gesamten Subkontinent einen Austausch der Bevölkerung gab, der vor mindestens 9.000 Jahren begann.“ Von dieser Zeit an gab es eine bemerkenswerte genetische Kontinuität von den bis zu 9.000 Jahre alten Individuen bis hin zu den heutigen Menschen in mehreren südamerikanischen Regionen. Im Gegensatz dazu gibt es in Westeurasien und Afrika nur wenige Regionen mit solch einer langen genetischen Kontinuität.</p><h3>Mehr als 4.000 Jahre alte Verbindung zwischen Santa-Barbara-Inseln und südperuanischen Anden</h3><p>Eine zweite bislang unbekannte Ausbreitungswelle von Menschen offenbarte sich durch eine weitere Analyse. Diese zeigte, dass die früheren Bewohner der kalifornischen Santa-Barbara-Inseln (auch Kanalinseln genannt) unverkennbar eine gemeinsame Abstammung mit den Menschen hatten, die sich vor mindestens 4.200 Jahren großflächig in den südperuanischen Anden ausbreiteten. Wahrscheinlich spiegelt dies jedoch nicht eine Migration der Menschen von den Kanalinseln nach Südamerika wider. Stattdessen nimmt das Forschungsteam an, dass die genetische Verbindung zwischen beiden Regionen auf einer Migration von Menschen beruht, die Tausende von Jahren zuvor stattfand. Erst in Folge späterer Ereignisse, so die Vermutung; breitete sich diese Abstammungslinie dann in den Anden weiter aus.</p><p>Nathan Nakatsuka von der Harvard Medical School, der zweite Hauptautor der Studie, sagt: „Es könnte sein, dass diese Abstammungslinie vor Tausenden von Jahren nach Südamerika gelangte und dass wir einfach keine älteren menschlichen Überreste haben, die das beweisen. Es gibt archäologische Belege dafür, dass die Bevölkerung der zentralen Anden sich in den letzten 5.000 Jahren weiter ausgebreitet hat. Ausbreitungen bestimmter Untergruppen während dieser Ereignisse könnten der Grund sein, warum wir diese Abstammung dann später erkennen.“ Hugo Reyes-Centeno, wissenschaftlicher Koordinator der Kollegforschergruppe Words, Bones, Genes, Tools“ fügt hinzu: „Es wird spannend sein, die Zusammenhänge zwischen Kalifornien und den Anden weiterhin mit linguistischen Daten zu beleuchten, da bereits in der Vergangenheit von historischen Sprachwissenschaftlern auf derartige Verbindungen hingewiesen wurde.“</p><h3>Vielversprechende Aussichten durch Forschung an alter DNA in Amerika</h3><p>Das Forschungsteam betont, dass seine Studie nur einen kleinen Eindruck davon gibt, welche Entdeckungen durch künftige Studien gelingen können. Um mehr über die anfänglichen Migrationen von Menschen nach Mittel- und Südamerika zu erfahren, wäre es notwendig, DNA von Individuen zu erhalten, die vor mehr als 11.000 Jahren lebten. Darüber hinaus ist das Bild selbst für den in dieser Studie am besten abgedeckten Zeitraum zwischen 11.000 und 3.000 Jahren vor heute bei weitem nicht vollständig. „Uns fehlen Daten aus Amazonien, dem Norden Südamerikas und der Karibik, so dass wir nicht untersuchen konnten, in welchem Verhältnis die Menschen aus diesen Regionen zu den von uns analysierten Individuen standen“, erklärt Reich. „Diese Lücken zu schließen, sollte eine Priorität unserer zukünftigen Forschung sein.“</p><p>„Wir freuen uns über das Potenzial der Forschung auf diesem Gebiet“, sagt Ko-Studienleiter Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. „Mit regional ausgerichteten Studien und großen Stichproben werden wir in Zukunft das Potenzial der Archäogenetik nutzen können, um zu zeigen, wie die menschliche Vielfalt entstanden ist, die wir heute in dieser Region sehen.“ Ko-Autorin Katerina Harvati, Mit-Projektleiterin der Kollegforschergruppe „Words, Bones, Genes, Tools“ in Tübingen, ergänzt: „Derartige Forschungen sind nur möglich durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der verschiedensten Fächer, darunter Linguisten, Anthropologen, Genetiker und Archäologen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31564</guid><pubDate>Thu, 08 Nov 2018 15:27:39 +0100</pubDate><title>Unsere Vorfahren waren gesünder als erwartet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unsere-vorfahren-waren-gesuender-als-erwartet/</link><description>Bioarchäologische Studie liefert erstmals Gesamtdarstellung zur Gesundheit der Europäer über einen Zeitraum von 2000 Jahren </description><content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl das frühe Mittelalter (zwischen 500 und 1000 n.Chr.) oft als „dunkles Zeitalter“ beschrieben wird, waren die Menschen damals gesünder als in den folgenden Zeiten – sogar bis in das industrialisierte 19. Jahrhundert hinein. Nicht nur die historischen Vorbilder der Sagenkönige Artus und Siegfried erfreuten sich guter Gesundheit, sondern auch die Mittel- und Unterschichten dieser frühen Zeit. Zu diesem Schluss kommt ein Team aus Wirtschaftswissenschaftlern, Archäologen und Anthropologen, die erstmals in einer bioarchäologischen Überblicksstudie Daten zur menschlichen Gesundheit in Europa aus 2000 Jahren zusammengestellt haben. Die Ergebnisse wurden in der Publikation „The Backbone of Europe - Health, Diet, Work and Violence over Two Millennia“ veröffentlicht.</p><p>Wirtschaftshistoriker Professor Jörg Baten von der Universität Tübingen wertete dafür zusammen mit Richard H. Steckel und Clark Spencer Larsen von der Ohio State University sowie Charlotte A. Roberts von der University of Durham und zahlreichen Kolleginnen und Kollegen eine große Datenbasis aus einem breiten Länderquerschnitt des europäischen Kontinents aus. Die Studie stellt zudem verschiedene Dimensionen der Gesundheit und anderer Komponenten des Lebensstandards nebeneinander, die bisher so nicht betrachtet wurden. Damit förderte diese für Europa einzigartige Studie erstaunliche Erkenntnisse zutage und lässt erstmals einen Vergleich mit den amerikanischen Kontinenten zu, wo solche Studien bereits ausgeführt wurden.</p><p>Um zu einem ganzheitlichen Verständnis der Geschichte und Entwicklung menschlicher Gesundheit, Gewalt und Arbeitsbelastung zu kommen, nahmen Baten und ein Team aus 75 Bioarchäologinnen und&nbsp;<br> –archäologen ein Jahrzehnt lang Untersuchungen an mehr als 15.000 menschlichen Skeletten vor. Diese stammten aus mehr als 100 Regionen Europas und wurden zwischen dem 3. Jahrhundert n. Chr. und Mitte des 19. Jahrhunderts beigesetzt. Die Grundfrage dabei war: Welchen Einfluss hatten klimatische, geographische, aber auch sozioökonomische Entwicklungen auf die menschliche Gesundheit?</p><p>Die Wissenschaftler betrachteten die Gesundheit der Zähne, die Körpergröße sowie verschiedene andere Messgrößen zur Ernährungsqualität und Arbeitsbelastung. Sie zählten sogar die gewaltsam eingeschlagenen Schädel und stellten sie denen friedlicher verstorbenen Europäern gegenüber. Dabei fanden sie z.B. heraus, dass die Justinianische Pest in der Spätantike (6. Jahrhundert) indirekt einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung hatte: Die Generationen, die direkt nach der Pest geboren wurden, hatten eine deutlich größere Auswahl an Ressourcen, was zu besseren Lebensbedingungen des Einzelnen führte. Erstaunlicherweise nahm die Gesamtgesundheit anschließend, also seit dem Frühmittelalter bis zur Phase der Industrialisierung, konstant ab. Baten und seine Team führen dies auf eine wachsende Bevölkerungsdichte, steigende soziale Ungleichheit, sowie die kleine Eiszeit in Spätmittelalter und früher Neuzeit (16.-19. Jahrhundert) zurück.&nbsp;</p><p>Die staatliche Aktivität in Europa &nbsp;seit dem 15. Jahrhundert wirke diesem Trend jedoch entgegen, so die Wissenschaftler. Die dadurch entstandene Sicherheit habe für weniger Gewalt innerhalb der Gesellschaften gesorgt. Einen ähnlichen Zusammenhang von Organisationsgrad und niedrigerer Gewaltbereitschaft stellte Richard H. Steckel bereits früher für die mexikanischen Hochkulturen im Vergleich zu den kriegerischen Ureinwohnern Nordamerikas fest.</p><p>Das Team leistet mit „The Backbone of Europe“ einen Beitrag zum Verständnis dafür, welchen Einfluss ökonomische, klimatische und gesellschaftliche Veränderungen auf die menschliche Gesundheit haben und damit die Grundlage, aus unserer Geschichte zu lernen.</p><p>Professor Jörg Baten leitet zusammen mit Professor Jörn Staecker und Professor Joachim Wahl den Projektbereich B06 „Mensch und Ressourcen in der Wikingerzeit. Anthropologische und bioarchäologische Analysen zur Nutzung von Nahrungsressourcen und Detektion von Mobilität“ des Sonderforschungsbereichs 1070 RessourcenKulturen an der Universität Tübingen.</p><h3>Publikation:</h3><p>„The Backbone of Europe - Health, Diet, Work and Violence over Two Millennia“. Richard H. Steckel, Clark Spencer Larsen, Charlotte A. Roberts, Joerg Baten (Hrsg.). Cambridge University Press 2018</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Jörg Baten<br> Universität Tübingen<br> Institut für Wirtschaftswissenschaften<br> joerg.baten@uni-tuebingen.de<br> Tel.: +49 7071 29-78167</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de&nbsp;</p><p>www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31511</guid><pubDate>Wed, 07 Nov 2018 15:09:35 +0100</pubDate><title>CIN Dialogues: Haben wir ein Recht auf Rausch?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cin-dialogues-haben-wir-ein-recht-auf-rausch/</link><description>Cannabis: Drogenpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Kriminologe und  Mediziner im Streitgespräch</description><content:encoded><![CDATA[<p>Während Teile der Gesellschaft das Ideal einer drogenfreien Gesellschaft hochhalten, plädieren die Befürworter einer Freigabe für ein Recht auf Rausch. Der CIN-Dialog 2018 fragt: Welche Argumente überzeugen? Das Werner Reichardt Centrum für integrative Neurowissenschaften und das Forum Scientiarum haben zwei Experten zum Thema eingeladen. Der Kriminologe Lorenz Böllinger und der Mediziner und Suchtexperte Rainer Thomasius führen ein interdisziplinäres Streitgespräch und beantworten Fragen aus dem Publikum. Moderiert wird der Abend vom SWR-Journalisten Gábor Paál.&nbsp;</p><p><strong>Der CIN-Dialogue findet am Montag, 12. November 2018, um 19 Uhr c. t. im Audimax der Neuen Aula statt (Geschwister-Scholl-Platz, Tübingen). Die interessierte Öffentlichkeit und Medien sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.</strong></p><p>Anfang des Jahres 2017 hat der Deutsche Bundestag Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert. Eine Freigabe auch zu Genusszwecken bleibt dagegen heftig umstritten. Die Diskussionen über einen liberaleren Umgang mit Cannabis sind von einem drogenpolitischen Konsens weit entfernt. Drogenfreie Gesellschaft versus Recht auf Rausch: Die Debatte wird emotional und wertbeladen geführt.<br> Auch in der Wissenschaft werden verschiedene Standpunkte vertreten. Gestritten wird weniger über die grundsätzliche Ablehnung von Drogen als über den richtigen Weg zur Eindämmung ihres Genusses. Juristen argumentieren häufig, ein strafrechtliches Verbot sei nicht geeignet, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Statt einer Stigmatisierung durch das Recht plädieren sie für eine begrenzte Freigabe von Cannabis zum privaten Konsum bei gleichzeitiger Regulierung von Herstellung und Vertrieb. Ein striktes Verbot, so die Befürchtung, senke das Schutzniveau eher ab.&nbsp;</p><p>Auf der anderen Seite sind es vor allem die Mediziner, die erhebliche Bedenken gegen eine Freigabe von Cannabis haben und Gefahren für den Jugend- und Konsumentenschutz sehen. Viele stufen Cannabis als Einstiegsdroge mit hoher Gefahr der Suchtentwicklung ein, die verboten bleiben sollte. Zudem hat der Konsum von Cannabis selbst offensichtlich schädigende Wirkung auf die körperliche, psychische und geistige Gesundheit.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31481</guid><pubDate>Wed, 07 Nov 2018 11:17:39 +0100</pubDate><title>Magnetfeld heizt Weißen Zwergen ein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/magnetfeld-heizt-weissen-zwergen-ein/</link><description>Universität Tübingen an internationaler Studie beteiligt: Erstmals lässt sich erklären, warum mancher der Sternreste besonders heiß wird</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Astronomen-Team hat erstmals eine sogenannte Magnetosphäre um einen Weißen Zwerg entdeckt, den Überrest eines Sterns vergleichbar unserer Sonne. In dem Magnetfeld um den Stern befindet sich ein extrem heißes Gas. Dies löst ein Jahrzehnte altes Rätsel: Nun kann sich die Forschung erklären, wie im Umfeld mancher Weißer Zwerge Prozesse ablaufen können, für die sehr hohe Temperaturen notwendig sind. An der Studie war Professor Klaus Werner vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen beteiligt, geleitet wurde sie von der ehemaligen Tübingerin Dr. Nicole Reindl an der Universität von Leicester. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin<em> Monthly Notices of the Royal Astronomical Society</em> veröffentlicht.</p><p>Weiße Zwerge sind die Überreste sonnenähnlicher Sterne, im Endstadium ihres Daseins. In der letzten Lebensphase stoßen sie ihre äußere Hülle ab und hinterlassen einen heißen, kompakten und dichten Kern, der über Jahrmilliarden hinweg abkühlt. Die Temperatur auf ihren Oberflächen beträgt typischerweise 100.000 Grad Celsius ‒ zum Vergleich: die Sonne hat eine Oberflächentemperatur von 5.800 Celsius.</p><p>Einige Weiße Zwerge gaben bislang Rätsel auf: Sie zeigten Anzeichen hoch ionisierter gasförmiger Metalle. Mit „Metallen” werden in der Astronomie alle Elemente schwerer als Helium bezeichnet. Eine hohe Ionisation bedeutet, dass sich nur noch ein Elektron in ihren äußeren Atomhüllen befindet, alle anderen wurden abgestreift. Für diesen Prozess ist eine Temperatur von einer Million Grad Celsius notwendig, also weit mehr als die Oberflächentemperatur der heißesten Weißen Zwerge.&nbsp;</p><p>In ihrer Studie hatte die Forschungsgruppe mit einem 3,5-Meter-Teleskop auf dem Calar Alto in Spanien einen Weißen Zwerg im Sternbild „Dreieck“ entdeckt und beobachtet – er wurde unter dem Namen GALEXJ014636.8+323615 katalogisiert und ist 1.200 Lichtjahre entfernt. Mit einer Methode, die als Spektroskopie bekannt ist, analysierte sie sein Licht. Als dieses in seine Farbbestandteile zerlegt wurde, traten die Signaturen hoch ionisierter Metalle zu Tage. Erstaunlicherweise veränderten sich diese über eine Zeitspanne von sechs Stunden hinweg, das ist exakt die Zeit, die der Weiße Zwerg für eine Drehung um seine eigene Achse braucht.</p><p>Aus ihren Beobachtungen konnten die Forscher schließen, dass der Stern von einem Magnetfeld umgeben ist. Diese fängt gasförmiges Material ab, das von seiner Oberfläche abströmt. Schockwellen innerhalb dieser sogenannten Magnetosphäre heizen das Material drastisch auf und streifen somit fast alle Elektronen von den Metallatomen ab. „Man kann sich die Gashülle als eine Art Donut aus ultra-heißem Material vorstellen, der den sowieso schon heißen Stern umgibt”, erklärt Nicole Reindl. Die Achse des Magnetfelds sei dabei relativ zur Rotationsachse des Sterns verkippt. „Das heißt, dass die Menge des schock-geheizten Materials, das wir sehen, sich mit der Drehung des Sterns verändert.”&nbsp;</p><p>In den vergangenen 20 Jahren seien immer mehr dieser merkwürdigen Sterne mit hoch ionisierten Metallen gefunden wurden, ohne dass die Forschung einen Anhaltspunkt dafür hatte, woher diese kamen, erklärt die Wissenschaftlerin. „Unser Modell einer schock-geheizten Magnetosphäre erklärt nun endlich ihren Ursprung.“Magnetosphären wurden auch um andere Sterntypen gefunden, aber dies ist erste die Beobachtung einer solchen Umgebung um einen Weißen Zwerg. Die Entdeckung könnte weitreichende Konsequenzen haben. „Die Forschung hat das bisher einfach nicht berücksichtigt”, sagt Klaus Werner. „Das könnte bedeuten, dass Messungen anderer Eigenschaften Weißer Zwerge bisher stark verfälscht waren, etwa deren Temperatur und Masse.” In der Tat könnte ein Viertel aller Weißen Zwerge eine solche Entwicklungsphase durchlaufen, in der Material in einer Magnetosphäre gefangen und super-geheizt wird, vermuten die Wissenschaftler. Das Team plant nun, dieses Phänomen im Detail zu modellieren und weitere dieser faszinierenden Objekte zu erforschen.&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31431</guid><pubDate>Tue, 06 Nov 2018 14:34:34 +0100</pubDate><title>Globale Sprachenvielfalt reflektiert die natürliche Umwelt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/globale-sprachenvielfalt-reflektiert-die-natuerliche-umwelt/</link><description>Linguisten der Universität Tübingen untersuchen Umweltfaktoren, die Einfluss auf die Evolution von Sprachen nehmen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weltweit werden heute mehr als 7.000 Sprachen gesprochen. Wie es zu dieser immensen Vielfalt kam, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Nun hat ein internationales Forscherteam untersucht, ob soziale und geografische Faktoren sowie das Klima Einfluss auf die Auffächerung von Sprachfamilien hatten. Zu dem Team gehörten Christian Bentz und Gerhard Jäger vom Seminar für Sprachwissenschaft der Universität Tübingen, Dan Dediu vom Collegium de Lyon und dem Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen sowie Annemarie Verkerk vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. Die Forscher untersuchten 46 Sprachfamilien im statistischen Zusammenhang mit Umwelt- und Klimadaten aus den jeweiligen Regionen. In den meisten Fällen ließ sich die Entstehung der Sprachenvielfalt nicht allein durch eine konstante Änderungsrate erklären, wie sie etwa durch Zufallseinflüsse zu erwarten wäre. Vielmehr spielen in den Weltregionen unterschiedliche Umweltfaktoren eine Rolle bei der Frage, wie schnell sich eine Sprachenlinie weiterentwickelt und wie stark sie sich verzweigt. Solche Faktoren können zum Beispiel die Größe der Bevölkerung sein, die die Sprache spricht, oder auch die Lage der Siedlungsorte. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Nature Human Behaviour </em>veröffentlicht.</p><p>Sprachenvielfalt entsteht über individuelle Abweichungen im Sprachgebrauch und über die geografisch wie auch zeitlich eingegrenzte Bildung sozialer Gruppen. Soweit sind sich die Forscherinnen und Forscher einig. Doch darüber hinaus variieren die Einschätzungen stark. „Manche Linguisten betrachten Sprachenvielfalt sogar als ein Randphänomen und interessieren sich nur für den Ursprung und die Gemeinsamkeiten, die alle Sprachen vereinen“, berichten die Autoren. Andere sähen als Motor der Ausdifferenzierung vor allem zufällige Prozesse am Werk. Das Forscherteam wollte daher prüfen, ob Einflüsse der sozialen und physischen Umgebung auf die Sprachevolution messbar sind.</p><h3>Komplexes Bild der Sprachevolution</h3><p>„Schon bei oberflächlicher Betrachtung gibt es eine ganze Palette an sprachlichen Welten: Einige Sprachen werden von mehreren Größenordnungen mehr an Sprechern genutzt als andere. Manche verbreiten sich über riesige Regionen oder ‒ wie Englisch, Spanisch, Hocharabisch und Mandarin ‒ über mehrere Kontinente“, sagen die Wissenschaftler. Das Bild werde noch komplexer, wenn man Sprachfamilien betrachte. Das sind Gruppen von Sprachen, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, einer Sprache, die meist vor mehreren Tausend Jahren gesprochen wurde. „Manche dieser Ursprungssprachen explodierten geradezu in eine riesige Vielfalt von Nachfolgern und bildeten Familien mit Tausenden von Mitgliedern, die große Gebiete überspannen wie die Atlantik-Kongo-Sprachfamilie, die weite Teile von Afrika umfasst, oder die austronesische Sprachfamilie im Pazifik.“Für die aktuelle Studie sammelten die Forscher mehr als 6.000 Abstammungsbäume aus 46 Sprachfamilien. Sie wurden in ihrer Verbreitung mit geografischen Daten, der Höhe über dem Meeresspiegel, der Entfernung zu Ozeanen, Seen oder Flüssen und Klimadaten unterlegt, um potenzielle Zusammenhänge zwischen Umweltfaktoren und der Sprachenauffächerung aufzuspüren. „Kern unserer Befunde ist die Feststellung, dass ein Standardmodell der Sprachenevolution mit einer konstanten Änderungsrate die tatsächliche Entwicklung nicht abdeckt“, sagt Christian Bentz. Das Zusammenspiel von Umwelt und Sprachstrukturen sei mit dem Standardmodell nicht fassbar. „Vermutlich lässt sich auch kein Modell der Sprachendiversifikation aufstellen, das auf alle Sprachfamilien und Sprachen anwendbar wäre.“ Weltweit sei es unterschiedlich, welche Umweltfaktoren die Entwicklung am stärksten geprägt haben. „Zum Beispiel zeigt sich bei Sprachen aus afrikanischen und eurasischen Sprachfamilien eine steigende Auffächerung auf einer Ost-West-Achse, bei den Sprachen Nord- und Südamerikas dagegen von Norden nach Süden.“ Bei den sino-tibetischen und austronesischen Sprachen spielten weitere Faktoren wie Berg- oder Tallagen der Verbreitungsorte der Sprachen und die Zahl der Sprecher eine Rolle.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Philosophie-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31386</guid><pubDate>Mon, 05 Nov 2018 16:30:00 +0100</pubDate><title>Fotokünstler Mohammad Ghazali aus Teheran präsentiert als erster „Invited Artist“ der Universität Tübingen die Ergebnisse seines Sommerworkshops mit Studierenden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fotokuenstler-mohammad-ghazali-aus-teheran-praesentiert-als-erster-invited-artist-der-universitaet-tuebingen-die-ergebnisse-seines-sommerworkshops-mit-studierenden/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>nur für sehr kurze Zeit, vom 10. bis 18. November 2018, zeigt das Museum der Universität Tübingen MUT die Ausstellung „Ich kann nicht nichtschön sein“ im Kabinettraum von Schloss Hohentübingen. Dabei handelt es sich um die Präsentation der künstlerischen Ergebnisse von Studierenden, die am Workshop des „Foto-Arbeiters“ Mohammad Ghazali aus Teheran teilnahmen.</p><p>Zur <strong>Vernissage am Freitag, dem 9. November, um 18 Uhr im Rittersaal von Schloss Hohentübingen </strong>ist der deutsch sprechende Künstler anwesend. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Zur Eröffnung im Rittersaal wird neben dem Künstler auch Prorektorin Professor Dr. Karin Amos sowie der Direktor des MUT, Professor Dr. Ernst Seidl, die Anwesenden in die Idee des Invited-Artist-Formats als Erweiterung des Angebotes des Zeicheninstituts und in das Experiment dieses Studierenden-Workshops einführen.</p><p>Mohammad Ghazali steht als aufstrebender Fotograf zweifellos für die Expansion der zeitgenössischen Kunstszene im Iran. Er war bisher unter vielen anderen, vor allem in Teheran, auch an Ausstellungen in Los Angeles, Berlin, Moskau, Paris oder Istanbul beteiligt. Als „Invited Artist“ der Universität Tübingen präsentiert er nun die Ergebnisse seines Workshops mit Studierenden vom Spätsommer 2018.&nbsp;<br> Nachdem er seinen ersten Workshop im Sommersemester an der Universität Tübingen veranstaltete lud ihn der Rektor der Universität Tübingen, Professor Dr. Bernd Engler, dazu ein, den Studierenden bis Oktober 2018 eine zweite Aufgabe zu stellen. Die Ergebnisse dieses Workshops unter dem Titel „Ich kann nicht nichtschön sein“, der sich auf ein Gedicht des iranischen Poeten Ahmad Shamlou aus dem Jahr 1983 bezieht und die vier Elemente in den Blick nimmt, werden nun kurzfristig im Schloss gezeigt. Dazu wird auch eine Kunstpublikation erscheinen – die erste der neuen Reihe „Invited Artist“ des MUT.Ernst Seidl nennt die Aufgabe, in so wenigen Tagen eine Ausstellung sowie eine Publikation zu erstellen „… ein dreifaches Experiment, denn es war nicht nur völlig unklar, welche Inhalte und Ergebnisse uns in buchstäblich letzter Minute erreichen würden, sondern auch, wie wir es technisch bewältigen sollten, eine Ausstellung so rasch auf die Beine zu stellen und zudem auch noch eine neue Buchreihe zu gründen. Aber ich bin mir sicher, es hat sich gelohnt. Denn die Kooperation mit Momo Ghazali war inhaltlich äußerst interessant und persönlich sehr bereichernd!“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31351</guid><pubDate>Mon, 05 Nov 2018 11:22:34 +0100</pubDate><title>Alfred Ritter hält „Sustainability Lecture“ 2018</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alfred-ritter-haelt-sustainability-lecture-2018/</link><description>Universität Tübingen verleiht Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten – Unternehmer spricht zur Verantwortung der Wirtschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 15. November 2018 verleiht die Universität Tübingen zum achten Mal den Nachhaltigkeitspreis für herausragende Abschlussarbeiten. Kanzler Dr. Andreas Rothfuß zeichnet insgesamt sechs Bachelor- bzw. Master – und Zulassungsarbeiten arbeiten aus, die sich in herausragender Weise mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung beschäftigen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden auf der Veranstaltung bekanntgegeben und stellen dann in kurzen Präsentationen ihre prämierten Arbeiten vor. Im Anschluss wird Alfred T. Ritter als Festredner die “Sustainability Lecture” zum Thema „Nachhaltige Entwicklung als Perspektive für Unternehmen: Das Beispiel (der Firma) Ritter“ halten.</p><p>Zur Preisverleihung am Donnerstag, 15. November 2018, um 18 Uhr im Festsaal der Alten Aula (Münzgasse 30) sowie zur nachfolgenden Sustainability Lecture sind die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter herzlich eingeladen.&nbsp;</p><p>Festredner Alfred T. Ritter war neun Jahre lang Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ritter Sport. In dieser Zeit prägte er die strategische Richtung des mittelständischen Unternehmens und erhielt die Auszeichnungen „Europäisch-Chinesischer Umweltpreis 2006“, den „B.A.U.M.-Umweltpreis 2010“ und den „Business Award 2012“. Dies spiegelt seine Überzeugung wider: „Die Industriegesellschaft muss lernen, naturverträglich zu wirtschaften, ansonsten wird sie untergehen.“</p><p>Mit der öffentlichen Vergabe der Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Themen und Facetten Nachhaltiger Entwicklung. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt. Auch dieses Jahr gingen zahlreiche Bewerbungen ein, die Nachhaltige Entwicklung aus unterschiedlichsten Perspektiven und Fachrichtungen beleuchten.&nbsp;</p><p>„Studierende darin zu bestärken, sich Themen und Problemen Nachhaltiger Entwicklung zu widmen ist eine sehr wichtige Aufgabe von Universitäten“, sagt Juryvorsitzender Professor Thomas Potthast. „Denn mit Hilfe von Forschung für Nachhaltige Entwicklung können wir Herausforderungen angehen, die sich uns auf dem Weg in ein nachhaltigeres Leben unweigerlich stellen. Dass so viele Studierende aus den unterschiedlichsten Disziplinen dies seit nunmehr acht Jahren genauso sehen, erfüllt uns mit großer Freude.“ &nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Thomas Potthast, Kerstin Schopp<br> Universität Tübingen<br> Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29 - 77986<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pcejjcnvkiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">nachhaltig<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;<br><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31225</guid><pubDate>Wed, 31 Oct 2018 15:57:48 +0100</pubDate><title>Skulptur inter Skulptur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/skulptur-inter-skulptur/</link><description>Markus Daum sucht im Rittersaal des MUT den Dialog mit Skulpturen der Klassischen Antike</description><content:encoded><![CDATA[<p>Vom 9. November 2018 bis zum 15. Februar 2019 zeigt das Museum der Universität Tübingen MUT die Ausstellung „Skulptur inter Skulptur“ von Markus Daum. Der in Berlin und Radolfzell lebende Künstler stellt eine Auswahl seiner Plastiken in den Dialog mit den Skulpturen der klassischen Antike aus der dortigen Abguss-Sammlung. Dabei umkreist er immer wieder die menschliche Existenz mit ihren Licht- und Schattenseiten und stellt die Frage nach Vertrautheit und Fremde.</p><p>Zur <strong>Vernissage am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr im Rittersaal von Schloss Hohentübingen</strong> ist der Künstler anwesend. Die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreterinnen und –vertreter sind herzlich eingeladen.&nbsp;</p><p>Die begleitenden Veranstaltungen sind wie die Ausstellung eine Kooperation mit der Universitätsstadt Tübingen und finden alle im Museum im Schloss Hohentübingen statt. Vier Vorträge befassen sich mit Hölderlins Fremdheitserfahrung und seinen bis heute aktuellen Überlegungen zur Kultur. Am Freitag, 23. November, liest um 20 Uhr die Berliner Schauspielerin Blanche Kommerell aus Hölderlins Roman »Hyperion«, einem Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem Griechen. Jonathan Gray begleitet Blanche Kommerell am Cello.&nbsp;</p><p>Der Berliner Schriftsteller Michael Roes, der sich in seinen Romanen und Essays mit dem Körper des Fremden als Projektionsfläche befasst, kommt am Mittwoch, 28. November, um 19 Uhr ins Gespräch mit Künstler Markus Daum.</p><p>Der Lyriker Farhad Showghi, Peter-Huchel-Preisträger 2018, liest am Freitag, 8. Februar 2019, um 19 Uhr aus seinem aktuellen Buch »Wolkenflug spielt Zerreißprobe«. Zur Finissage am 15. Februar 2019 tanzt das Tanztheater Treibhaus »Hölderlins Strümpf‘«, Jürgen Jonas liest dazu „seinen Hölderlin“.&nbsp;</p><p>Weitere Informationen unter <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>&nbsp;&nbsp;</p><p>Das Begleitprogramm ist als Folder erhältlich oder auf der <a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/fileadmin/content/01_Ausstellungen/01_Sonderausstellungen/skulptur-inter-skulptur/Folder-6seitig-SKULPTUR_INTER_SKULPTUR_2018-10-10.pdf" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Homepage des MUT</a>.</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Frank Dürr<br> Museum der Universität Tübingen&nbsp;<br> Telefon +49 7071 29-74127<br> frank.duerr@uni-tuebingen.de</p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-31190</guid><pubDate>Tue, 30 Oct 2018 17:15:17 +0100</pubDate><title>Frauen in der Mathematik: Ausstellung zeigt weibliche Perspektive auf eine faszinierende Welt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/frauen-in-der-mathematik-ausstellung-zeigt-weibliche-perspektive-auf-eine-faszinierende-welt/</link><description>Die faszinierende wissenschaftliche Welt der Mathematik wird nach wie vor zum großen Teil von Männern erforscht. Der geringe Anteil von Wissenschaftlerinnen in der Mathematik legt nahe, dass der Weg in die wissenschaftliche Welt für Frauen wesentlich steiniger sein kann als für ihre männlichen Kollegen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Fachbereich Mathematik und das Museum der Universität Tübingen MUT zeigen in der Wanderausstellung „Women of Mathematics“ Frauen, die es geschafft haben: Dreizehn europäische Mathematikerinnen teilen ihre Erfahrungen in Form von Fotografien (von Noel Tovia Matoff) und Interview-Auszügen (geführt von Sylvie Paycha und Sara Azzali). Der Zuschauer erhält Einblicke in die Welt der Mathematik aus weiblicher Perspektive ‒ nicht nur Studentinnen und Wissenschaftlerinnen kann dies motivieren, ihrem Potential zu vertrauen und den Schritt in die spannende &nbsp;Mathematik zu wagen.</p><p>Die Ausstellung ist vom 6. bis zum 16. November 2018 im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle der Universität Tübingen zu sehen. Eine feierliche Eröffnung mit verständlichen wissenschaftlichen Vorträgen findet am Montag, 5. November, ab 17 Uhr statt. Die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen.</p><h3>Vernissage:</h3><ul class="ut-list ut-list--link-list"><li>Wann: 5. November, 17 Uhr&nbsp;</li><li>Wo: Auf der Morgenstelle 10 C-Bau, N14, 72076 Tübingen</li><li>Programm: 	<ul><li>Begrüßung durch die Organisatorinnen</li><li>Grußworte: Prof. Dr. Józef Fortágh, Prodekan Forschung, Math.-Nat. Fakultät, und &nbsp;Prof. Dr. Ingrid Hotz-Davies, Gleichstellungsbeauftragte der Universität</li><li>Vorträge:&nbsp; 		<ul><li>„Trügerische Landkarten – warum Landkarten nicht das zeigen, was man erwartet“, Prof. Dr. Ilka Agricola, Philipps-Universität Marburg</li><li>„Frauen in der Mathematik – gestern und heute“, Prof. Dr. Andrea Blunck, Universität Hamburg</li></ul></li></ul></li></ul><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Carla Cederbaum&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Fachbereich Mathematik<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> Telefon +49 7071 29- 74318<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,egfgtdcwoBocvj0wpk/vwgdkpigp0fg " data-mailto-vector="2" class="mail">cederbaum@math.uni-tuebingen.de&nbsp;</a></p><p>Prof. Dr. Hannah Markwig<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Fachbereich Mathematik<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jcppcjBocvj0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">hannah<span style="display:none">spam prevention</span>@math.uni-tuebingen.de</a><br> Fachbereich Mathematik: <a href="https://uni-tuebingen.de/de/34383" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/34383</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg " data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe@uni-tuebingen.de&nbsp;</a></p><p>www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30782</guid><pubDate>Mon, 22 Oct 2018 16:35:22 +0200</pubDate><title>Bernhard Sibold neuer Vorsitzender des Universitätsrats </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bernhard-sibold-neuer-vorsitzender-des-universitaetsrats/</link><description>Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Baden-Württemberg folgt auf Professor Antonio Loprieno</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Universitätsrat hat Bernhard Sibold, Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Baden-Württemberg, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 64-Jährige folgt auf Professor Antonio Loprieno, der zum 30. September 2018 turnusgemäß aus dem Universitätsrat ausgeschieden ist. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wählte das Gremium Professor Oliver Kohlbacher, Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Bioinformatik an der Universität Tübingen. &nbsp;</p><p>Rektor Professor Bernd Engler gratulierte Sibold zur Wahl: „Der Universitätsrat vereint akademischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sachverstand und ist damit ein unverzichtbarer Impulsgeber für die Hochschulleitung der Universität Tübingen. Ich freue mich außerordentlich auf die Zusammenarbeit mit diesem Gremium unter der Leitung von Bernhard Sibold.“ Sibold bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen: „Mir liegt viel daran, das bewährte Miteinander im Gremium, mit Rektorat und Senat fortzuführen und die Universität Tübingen auf dem sehr erfolgreich eingeschlagenen Weg konstruktiv in die Zukunft zu begleiten.“ Der neue Vorsitzende des Universitätsrats stammt aus dem badischen Laufenburg am Hochrhein. Sibold machte nach dem Abitur zunächst eine Banklehre, studierte dann Betriebswirtschaftslehre in Mannheim und startete 1980 seine Karriere bei der Bundesbank. Seit 2005 ist er Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung in Baden-Württemberg.&nbsp;</p><p>Zugleich dankte Engler dem ausgeschiedenen Vorsitzenden des Universitätsrats für die langjährige Zusammenarbeit: „Antonio Loprieno ist als ehemaliger Rektor der Universität Basel sowie als Präsident der Schweizer Akademien der Wissenschaften und des europäischen Dachverbandes der Wissenschaftsakademien ein hervorragender Kenner des internationalen Wissenschaftssystems. Er war in den vergangenen Jahren stets ein hervorragender Berater des Rektorats im Zuge der Internationalisierung und der Entwicklung hin zu einer weithin sichtbaren Exzellenzuniversität.“</p><p>Neben Loprieno sind auch Professor Andreas Busch von der Shire GmbH Berlin und Dr. Thomas Nielebock vom Institut für Politikwissenschaft turnusgemäß aus dem Universitätsrat ausgeschieden. Für sie rückten zum 1. Oktober 2018 Dr. Michael Bolle, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH sowie verantwortlicher Chief Digital Officer und Chief Technology Officer und der Schweizer Biologe und ehemalige Präsident der ETH Zürich, Professor Ernst Hafen, nach. Neues internes Mitglied ist Sandra Kauenhowen, Leiterin der Geschäftsstelle der Tübingen School of Education. Die neuen Mitglieder waren auf Vorschlag einer Findungskommission vom Senat der Universität Tübingen einstimmig gewählt worden.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30674</guid><pubDate>Thu, 18 Oct 2018 18:00:00 +0200</pubDate><title>Standortübergreifend und digital: Universität Tübingen verleiht Lehrpreis für innovatives Seminarformat</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/standortuebergreifend-und-digital-universitaet-tuebingen-verleiht-lehrpreis-fuer-innovatives-seminarformat/</link><description>Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement geht an die Initiative „Week of Links“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Dr. Thomas Nielebock, Alexander Kobusch und Natalie Pawlowski vom Institut für Politikwissenschaft. Das Team wird für ein innovatives Seminarformat ausgezeichnet, das per Videokonferenztechnik und Lernplattform standortübergreifend stattfindet. Für das Projekt kooperieren acht deutsche Universitäten miteinander. Es richtet sich an Studierende, die an der Schnittstelle von Friedens- und Konfliktforschung und Europaforschung interessiert sind. Darüber hinaus verleiht die Universität den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement an die Initiative „Week of Links“, die jährlich eine Akademie für Nachhaltige Entwicklung organisiert: Studienanfänger aller Fachrichtungen setzen sich hier mit sozialen, ökologischen und ökonomischen Fragen zur Nachhaltigkeit auseinander.&nbsp;</p><p>Die Preise werden am <strong>Donnerstag, den 18. Oktober, ab 17 Uhr im Hörsaalzentrum Morgenstelle, Hörsaal 6</strong> von Professorin Karin Amos, Prorektorin für Studierende, Studium und Lehre, übergeben. Die Verleihung ist Teil der Erstsemesterbegrüßung am Dies Universitatis, die jährlich zu Beginn des Wintersemesters stattfindet. Beim anschließenden Markt der Möglichkeiten können sich neue Studierende über studentische Projekte und Initiativen in Tübingen informieren.&nbsp;</p><p>Informationen zum Lehrpreis:<br> In den Ringseminaren „Gefährdungen des Friedens in Europa?“ (Sommersemester 2017) und „Der Security-Migration-Development-Nexus” (Sommersemester 2018) setzten sich Studierende mit aktuellen Krisenereignissen wie beispielsweise Rechtsnationalismus, der Finanzkrise, dem Brexit (2017) sowie der Migrationskrise und den EU-Beziehungen zu Afrika (2018) auseinander. Die Krisenauswirkungen auf den Frieden in Europa und die Handlungsstrategien der EU im globalen Kontext standen dabei im Fokus. Internationale Expertinnen und Experten erstellten in Vorbereitung auf die Sitzungen Vortragsvideos. Die Studierenden bereiteten in standortübergreifenden Arbeitsgruppen Kommentare und Fragen vor, die dann in wöchentlichen Videokonferenzen mit allen Standorten und den jeweiligen Referentinnen und Referenten diskutiert wurden. Zudem sammelten die Studierenden auf der Lernplattform ILIAS gemeinsam Arbeitsmaterialien (mehr als 7500 Zugriffe) und initiierten die öffentliche e-Learning-Plattform „Frieden in Europa“ (www.elearning-europa.politik.uni-freiburg.de).</p><p>„Das Seminar zeigt beispielhaft, welche beeindruckenden Möglichkeiten die Digitalisierung der Lehre eröffnet“, sagte Professorin Karin Amos. „Zudem ermöglicht die Kooperation verschiedener Hochschulstandorte vielfältige Zugänge zu hochaktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen, die eine einzelne Universität nicht bieten könnte.“&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Alexander Kobusch&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Institut für Politikwissenschaft<br> Telefon +49 29-78365<br> alexander.kobusch@ifp.uni-tuebingen.de</p><h3>Informationen zum Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement:</h3><p>In der Initiative „Week of Links“ wollen Studierende und Promovierende verschiedener Fachbereiche ihre Kommilitonen für Themen der sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit sensibilisieren und für ein Engagement in diesen Bereichen zu begeistern. Seit 2014 veranstalten sie jeweils zu Semesterbeginn eine Projektwoche an der Universität Tübingen, die allen Interessierten offen steht: In Workshops werden Themen wie der Klimawandel, soziale Ungleichheit, die Wirtschafts- und Finanzkrise, globale Armut oder die Ausbeutung natürlicher Ressourcen diskutiert. Junge Forschende stellen ihre Projekte vor, auf dem Programm stehen zudem Vorträge, Podiumsdiskussionen, Exkursionen und Formate wie der Poetry Slam.&nbsp;</p><p>Für die Projektwoche sind die Studierenden ehrenamtlich im Einsatz, finanziell wird sie von Universität Tübingen und weiteren Sponsoren unterstützt. Die „Week of Links“ konnte in jedem Jahr steigende Anmeldezahlen verzeichnen und hat bislang rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht. Neben dem ursprünglichen Format im Wintersemester findet inzwischen auch eine Sommer-Edition der „Week of Links“ statt.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Moritz Koch<br> Week of Links<br> moritz.koch@gmx.de</p><p><a href="http://weekoflinks.org/&amp;nbsp" target="_blank" rel="noreferrer">weekoflinks.org/&amp;nbsp</a>;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30661</guid><pubDate>Thu, 18 Oct 2018 12:18:01 +0200</pubDate><title>Schlaf stärkt die aktive Vorhersage regelmäßiger Abläufe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schlaf-staerkt-die-aktive-vorhersage-regelmaessiger-ablaeufe/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen erforschen, ob das Gehirn durch eine Ruhephase zuvor gelernte Abfolgen besser behalten kann</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schlaf festigt zuvor erworbenes Wissen und trägt dadurch zur Bildung des Langzeitgedächtnisses bei. In einer neuen Studie untersuchten Nicolas Lutz, Ines Wolf und Stefanie Hübner unter der Leitung von Professor Jan Born und Dr. Karsten Rauss vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen, ob Schlaf auch die Lernleistung bei vorhersehbaren Abläufen beeinflusst. Dazu ließen sie zwei Personengruppen an einem Bildschirm festgelegte Sequenzen von visuellen Mustern lernen. Nach entweder einer Schlaf- oder einer Wachphase testeten die Wissenschaftler, wie die Probanden auf Abweichungen in den gelernten Abläufen reagierten. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe mit Schlafphase die Abläufe stärker verinnerlicht hatte und sicherer beherrschte, auch wenn die Sequenzen in schnellerer Abfolge präsentiert wurden. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>The Journal of Neuroscience </em>veröffentlicht.</p><p>Wissenschaftler haben viele Belege dafür, dass unser Gehirn die Regeln oder Prinzipien vorhersehbarer Abläufe abspeichert. „Bisher weiß man jedoch wenig darüber, wie Vorhersagen aus zuvor erworbenem Wissen generiert und über längere Perioden aufrechterhalten werden“, sagt Nicolas Lutz, der Erstautor der Studie. In der aktuellen Studie hat das Tübinger Forscherteam untersucht, ob der Schlaf zur Bildung, Festigung und der Abstraktion interner Modelle einfacher Aufgaben beiträgt. Bei den Experimenten sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Testphase entsprechend zur Position der Muster auf dem Schirm nummerierte Knöpfe drücken. Im Vergleich mit den zuvor gelernten Sequenzen waren hier einzelne Abweichungen eingebaut. Die Wissenschaftler erhoben die Fehlerquote beim Knopfdruck nach einem abweichenden Reiz und dem direkt darauffolgenden Reiz.</p><h3>Um die Ecke gedacht: Höhere Fehlerquote belegt bessere Lernleistung</h3><p>„Die Fehlerquote für den abweichenden Reiz war bei der Probandengruppe, die zwischendurch geschlafen hatte, gegenüber der wach gebliebenen Gruppe deutlich erhöht“, sagt Lutz. „Dies war mitunter darauf zurückzuführen, dass die Probanden nach Schlaf irrtümlich öfter die Taste für den erwarteten statt für den tatsächlich präsentierten Reiz drückten“, so Lutz weiter. Dies sei ein Beleg dafür, dass die Schlafgruppe die ursprünglichen Abläufe stärker verinnerlicht habe und daraus bessere Vorhersagen treffen konnte als die Gruppe, die zuvor eine gleiche Zeitspanne wach verbracht hatte. Auch seien die Probanden der Schlafgruppe beim darauffolgenden Reiz, der wieder der gelernten Sequenz entsprach, gleich wieder in der Spur gewesen.&nbsp;</p><p>Im Alltag sind Vorhersagen zeitlich-räumlicher Abfolgen allgegenwärtig. „Im Straßenverkehr oder bei Mannschaftssportarten ist es immens wichtig, die Bewegungen von Akteuren und Objekten zu antizipieren. Nur so können wir auch bei hohen Geschwindigkeiten auf Unvorhergesehenes adäquat reagieren“, sagt Studienleiter Karsten Rauss. „In Folgestudien werden wir der Frage nachgehen, wie Schlaf auf neuronaler Ebene zur Generierung und Speicherung solcher Vorhersagen beiträgt.“„Die Bildung interner Modelle, die Regeln in den äußeren Geschehnissen finden und entsprechend abbilden, erleichtert es uns, unerwartete Ereignisse zu registrieren und aus ihnen zu lernen“, sagt Lutz. Die neue Studie habe ergeben, dass der Schlaf auf diesen sinnvollen Lernprozess positiven Einfluss nimmt. „Unsere Umwelt unterliegt einem stetigen Wandel. Um uns schnell zurechtzufinden, brauchen wir effiziente interne Modelle, die komplexe Regelmäßigkeiten abbilden und gleichzeitig die Flut der auf uns einwirkenden Reize sinnvoll vereinfachen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30651</guid><pubDate>Thu, 18 Oct 2018 12:00:00 +0200</pubDate><title>Sensor des Immunsystems als Schlüsselstelle für Pilzinfektionen und Hausstauballergie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sensor-des-immunsystems-als-schluesselstelle-fuer-pilzinfektionen-und-hausstauballergie/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen entdecken, wie der Körper das Alarmsignal Chitin erkennt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Chitin stützt die Zellwand von Pilzen, wie zum Beispiel dem Schimmelpilz <em>Aspergillus</em> und der Hefe <em>Candida</em>, die beide gefährliche Infektionen beim Menschen hervorrufen können. Chitin bildet auch das Außenskelett von Insekten und Spinnentieren, zu denen die Milben gehören, und ist daher wichtiger Bestandteil von Hausstauballergenen. In Säugetieren selbst kommt Chitin nicht vor, sodass das Immunsystem des Menschen den Naturstoff als körperfremd erkennen und mit Abwehrmaßnahmen darauf reagieren sollte. Bisher ließ sich eine direkte Bindung von Chitin an einen Rezeptor des Immunsystems jedoch nicht belegen. Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Professor Alexander Weber vom Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen ist es nun gelungen, einen Rezeptor der angeborenen Immunabwehr als Chitinsensor zu identifizieren. Die Aufklärung der Chitin-Rezeptor-Bindung bietet Angriffsziele für die Entwicklung neuer Therapien für Erkrankungen und Infektionen, die mit Chitin in Verbindung stehen. Die Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift<em> EMBO Reports </em>veröffentlicht.</p><p>Nach Zellulose, dem Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände, gilt Chitin als das zweithäufigste natürliche Polysaccharid, auch Vielfachzucker genannt. Chitin besteht aus flexiblen Ketten oder Flächen des immer gleichen Grundbausteins, der in den Zellwänden der Pilze oder im Außenskelett von Tieren zu steifen Strukturen vernetzt wird. Partikel um einen Millimeter aktivieren das Immunsystem nicht, doch tausendmal kleinere Teilchen im Mikrometerbereich sind seit langem als Immunaktivatoren bekannt. „In bisherigen Experimenten zur Immunerkennung von Chitin wurden zwar häufig Mikrometerpartikel verwendet. Diese waren jedoch teilweise verunreinigt und immer noch größer als eine menschliche Zelle, geschweige denn als ein winziger einzelner Rezeptor“, sagt Alexander Weber. Folglich habe Unklarheit darüber bestanden, wodurch genau eine Immunreaktion ausgelöst wurde.</p><p>Bei seinen Experimenten verwendete das Forscherteam daher nun erstmals sehr viel kleinere Chitinmoleküle in definierter Zusammensetzung und Größe. Die Experimente ergaben, dass das Chitin aus mindestens sechs Untereinheiten bestehen muss, damit es den Rezeptor des Immunsystems (Toll-ähnlicher Rezeptor TLR2) aktivieren und so die Immunreaktion in Gang setzen kann. „Wir waren überrascht, dass Chitinketten aus fünf oder weniger Grundbausteinen keine Immunreaktion auslösten und möglicherweise sogar die Immunreaktion mildern können“, sagt Weber. Dies sei das Ergebnis für die Chitinsensoren nicht nur beim Menschen und der Maus, „sondern diese Größenabhängigkeit gibt es erstaunlicherweise sogar bei Pflanzen, wie unsere Kollegen in der Pflanzenbiochemie feststellen konnten“.</p><h3>Ansatzpunkt für Therapien</h3><p>Neben Pilzinfektionen ist auch die Hausstauballergie eine wirtschaftlich gesehen wichtige Erkrankung, die mit Chitin in Zusammenhang steht. Das eigentliche Allergen ist der Kot der Hausstaubmilbe, auf den viele Menschen mit Atemwegsentzündungen bis hin zu allergischem Asthma reagieren. „Vermutlich fördern Stoffe wie Chitin die Immunreaktion gegen diese Ausscheidungsprodukte, ähnlich wie ein Impfstoff, der das Immunsystem auf ein bestimmtes Antigen ‚scharf‘ macht“, sagt der Wissenschaftler. Bei einer Pilzinfektion sei es gut, wenn das Immunsystem durch Chitin aktiviert wird. Definierte Chitinketten könnten möglicherweise in Impfstoffen Verwendung finden. Anders bei der Hausstaubmilbe, die vergleichsweise harmlos ist für den Menschen: Die allergische Erkrankung entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems, zu der das im Hausstaub enthaltene Chitin beiträgt. Sie sollte unterdrückt werden.Blockierten die Forscher im Experiment die Bindung von Chitin an den Rezeptor TLR2, folgte keine durch das Chitin vermittelte Entzündung, das Immunsystem wurde also nicht alarmiert. „Für beide Zwecke, die Stärkung der Immunreaktion gegen krankheitserregende Pilze als auch die potenzielle Verhinderung der Immunreaktion gegen Hausstaubmilben, haben wir mit dem Chitin-Rezeptor TLR2 eine wichtige Ansatzstelle gefunden“, fasst Weber zusammen. Bis zur Nutzung dieses Wissens für gezielte Therapien sei es jedoch noch ein weiter Weg.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30624</guid><pubDate>Thu, 18 Oct 2018 10:34:30 +0200</pubDate><title>Forschungspreis für den Kampf gegen Masern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschungspreis-fuer-den-kampf-gegen-masern/</link><description>Dr. K. H. Eberle Stiftung zeichnet innovative Forschung an der Universität Tübingen aus: 300.000 Euro für die Entwicklung neuartiger Masern-Hemmstoffe</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Forschungspreis der Dr. K. H. Eberle Stiftung geht in diesem Jahr an die Arbeitsgruppe „Virotherapie“ des Mediziners Professor Ulrich Lauer. In der Abteilung Klinische Tumorbiologie am Universitätsklinikum Tübingen entwickelt das Team seit längerem Virotherapeutika gegen Krebs und aktuell auch Hemmstoffe gegen lebensbedrohliche Virus-Infektionen. Die Stiftung zeichnete bereits zum zweiten Mal ein innovatives Forschungsprojekt an der Universität Tübingen aus, das sich drängenden Zukunftsfragen widmet. Der mit 300.000 Euro dotierte Preis wurde am Mittwoch im Rahmen des Festakts zum Dies Universitatis vergeben.&nbsp;<br> &nbsp;<br> Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten am Universitätsklinikum in einer klinischen Studie bereits erfolgreich den Einsatz von Pocken-Impfviren gegen den schwer zu behandelnden Bauchfellkrebs getestet. Derzeit arbeitet die Forschergruppe zusätzlich auch an neuartigen Masern-Virostatika, also Wirkstoffen, die diese Viren bei der Vermehrung hemmen. Die hochansteckenden Masern gälten in Asien und Afrika immer noch als eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern, sagte Lauer, Leiter des Virotherapie-Zentrums Tübingen und stellvertretender Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin VIII. In Europa und den USA sei die Krankheit zwar in den letzten Jahren immer weiter zurückgedrängt worden. Da aber die öffentliche Akzeptanz der Impfung schwinde, befürchte man einen kritischen Rückgang der Immunitätsrate. „Dadurch ist auch in entwickelten Ländern der ‚Herdenschutz‘ nicht mehr ausreichend, unter anderem kommt es auch in Deutschland wieder zu größeren lokalen Masern-Epidemien ‒ zuletzt vor wenigen Monaten in Köln.“&nbsp;<br> &nbsp;<br> Ziel der Forschergruppe ist es deshalb, Masern-Virostatika in naher Zukunft klinisch verfügbar zu machen. So könnten speziell bei Menschen ohne Impfung bereits laufende Masern-Erkrankungen möglichst frühzeitig gestoppt werden oder sogar bei noch nicht erkrankten Kontakt-Personen ganz verhindert werden. „Mit dieser Strategie könnten einzelne lokale Masern-Ausbrüche so rasch wie möglich eingedämmt werden“, sagte der Mediziner. „Dies bietet uns eine Perspektive, Impf-Lücken mit dem Einsatz von Masern-Virostatika zu kompensieren. Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO vor Jahren ausgegebene Ziel einer weltweiten Ausrottung der Masern ‒ so wie die bereits in den 70er Jahren erreichte Pocken-Eradikation ‒ könnte damit in greifbare Nähe rücken.“<br> &nbsp;<br> Die Dr. K. H. Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet und engagiert sich in der Forschungs- und Innovationsförderung in Tübingen und anderen Hochschulen. Eberle, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren starb, hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert und war danach erfolgreich in der Immobilienbranche tätig.&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Ulrich Lauer<br> Universität Tübingen / Universitätsklinikum Tübingen<br> Tübingen Abteilung Innere Medizin VIII - Virotherapie-Zentrum<br> Telefon +49 7071 29-83190<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0ncwgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ulrich.lauer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30619</guid><pubDate>Thu, 18 Oct 2018 10:20:09 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen stärkt digitale Lehre </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-staerkt-digitale-lehre/</link><description>„Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen“ schult ab 2019 Studierende und Nachwuchswissenschaftler</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein neues Lehr- und Lernzentrum an der Universität Tübingen wird ab 2019 Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Einsatz digitaler Medien für Forschung und Studium ausbilden. Die Dr. K. H. Eberle Stiftung aus dem badischen Lörrach fördert das „Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen“ für zunächst fünf Jahre mit jährlich 200.000 Euro.&nbsp;</p><p>„Ähnlich wie in den Natur- und Lebenswissenschaften entstehen auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften inzwischen umfangreiche Datenbestände, die nur noch mit sehr leistungsfähigen digitalen Methoden ausgewertet und dauerhaft verfügbar gemacht werden können“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler: „Mit dem neuen Zentrum können wir nun entsprechende Angebote für unsere Studierenden zur Verfügung stellen und eine Brücke zu bereits bestehenden Strukturen in der Forschung schlagen.“ Schwerpunkte des neuen Zentrums werden das Forschungsdatenmanagement, die Visualisierung von Forschungsergebnissen und das Gestalten virtueller Forschungsumgebungen etwa in Form von Animationen werden.&nbsp;</p><p>Dabei wird das „Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen“ mit dem eScience-Center der Universität kooperieren. Dessen Mitarbeiter unterstützen und beraten bereits Forschungsprojekte und haben ein Datenarchiv aufgebaut, das besonders den Geistes- und Sozialwissenschaften die langfristige Archivierung von Forschungsdaten ermöglicht. Mit dem neuen Dr. Eberle Zentrum für digitale Kompetenzen sollen nunmehr auch digitale Lehrmodule und Kurse für berufsorientierte Angebote des Career Service entwickelt werden. Das Zentrum soll zudem eng mit den Fachbereichen Medieninformatik und Medienwissenschaft sowie der Wissenschaftskommunikation in der Rhetorik zusammenarbeiten.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon +40 7071 29-76789<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen&nbsp;<br> Hochschulkommunikation&nbsp;<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung&nbsp;</p><p>Antje Karbe&nbsp;<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de&nbsp;</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30532</guid><pubDate>Wed, 17 Oct 2018 11:31:31 +0200</pubDate><title>Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sinneswahrnehmung-ist-keine-einbahnstrasse/</link><description>Wie unsere Erfahrungen neue Eindrücke beeinflussen: Tübinger Neurowissenschaftler entschlüsseln Signalpfad, über den das Gehirn seine eigene Wahrnehmung der Umwelt verändert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir mit der Welt interagieren, zum Beispiel indem wir mit der Hand ein Objekt berühren, verändert das Gehirn das Sinnessignal auf Basis einer Vorab-Erwartungshaltung. Tübinger Neurowissenschaftler haben dieses sogenannte „sensorische Gating“ näher erforscht. Bei Ratten, deren Tasthaare Objekte ertasteten, fanden sie Gating-Signale aus höheren Hirnregionen, die die Signalstärke aus der aktiven Berührungswahrnehmung verringerten. Offenbar überformt unsere Erwartungshaltung, die in höheren Hirnregionen erzeugt wird, aktuelle Sinneseindrücke. Solche Erwartungssignale könnten für das Verständnis sensorischer Halluzinationen, etwa bei Schizophrenie, eine wichtige Rolle spielen. Die Studie wurde mit Geldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verwirklicht und im Fachmagazin <em>Nature Communications </em>publiziert.</p><p>„Mama, warum kann ich mich selbst nicht kitzeln?“, fragen Kinder. Eltern haben hier keine Antwort, denn das bekommt auch der kitzligste Mensch tatsächlich nicht hin. Der Grund dafür ist im Prinzip bekannt: Berührungsrezeptoren in der Haut nehmen die Berührung zwar wie jede andere wahr, aber auf dem Weg in die höheren Hirnregionen, wo die Berührung wahrgenommen wird, wird das Gefühl verändert. Das liegt daran, dass unser Gehirn die Berührung unserer eigenen Finger auf unserer Haut vorwegnimmt und das Signal reduziert. Dieses Phänomen nennt man „sensorisches Gating“ (in etwa: „Sinnes-Türsteher“).</p><p>Sensorisches Gating hat in den Neurowissenschaften und der Psychologie viel Aufmerksamkeit erfahren. Es gibt Hinweise darauf, dass es bei Schizophrenie-Störungen beeinträchtigt ist und dass daraus Halluzinationen entstehen, beispielsweise wenn die eigene Stimme als die eines Fremden wahrgenommen wird. Das Phänomen beruht auf der letztlich philosophischen Frage, wie unsere Weltwahrnehmung beschaffen ist: Eine getreue Wiedergabe auf Basis von Außenreizen? Oder beruht sie auf einer Art Vorwissen und nur Abweichungen von der Schablone erregen unsere Aufmerksamkeit? Für beide Seiten fand die Psychologie unterstützende Argumente.&nbsp;</p><p>„Diese Fragen sind schwer zu beantworten, weil die Voraussagen, von denen das Gehirn ausgeht, schwer festzumachen sind“, sagt Cornelius Schwarz, der am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen und dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) die Arbeitsgruppe „Systemische Neurophysiologie“ leitet. „Wir wissen, dass Signale aus der aktiven Wahrnehmung unterwegs ‚gegatet’ werden. Aber woher das Gating kommt, wo es die Signale aus den Sinnesorganen abfängt, und auf welchen neuronalen Pfaden dies passiert, versuchen wir seit Jahren zu beantworten.“</p><p>Schwarz untersuchte dafür zusammen mit Shubhodeep Chakrabarti in einem DFG-geförderten Projekt das Tasthaarsystem von Ratten. Mit ihren Tasthaaren ertasten diese aktiv ihre Umgebung, erkennen Hindernisse und navigieren sogar in völliger Dunkelheit. Chakrabarti und Schwarz ließen Ratten mit einem einzelnen Tasthaar Objekte ertasten. Bei manchen Durchläufen wurde das Objekt gegen das Tasthaar bewegt (passive Wahrnehmung), bei anderen war es für die Ratten nur zu entdecken, wenn sie selbst danach tasteten (aktive Wahrnehmung). Mit Hilfe haarfeiner implantierter Elektroden maßen die Forscher die Aktivität einzelner Zellen im Hirnstamm der Ratten. Ertasteten die Ratten das Objekt aktiv, war das gemessene Signal nun deutlich schwächer als bei passiver Berührung: Offensichtlich war im Hirnstamm sensorisches Gating am Werk.</p><p>„Es ist faszinierend, dass das Gating bereits im Hirnstamm passiert, nicht später auf dem neuronalen Pfad ins Gehirn”, sagt Chakrabarti. „Wir hatten nicht unbedingt erwartet, dass das Signal so früh abgefangen und verändert wird.“ Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, dass das Gating seinen Ursprung im sogenannten somatosensorischen Kortex hat. Diese höhere Hirnregion sitzt im Gehirn quasi obenauf, ist in Ratten wie in Menschen vorhanden und verantwortlich für die Wahrnehmung von Druck, Temperatur und einigen Aspekten von Schmerz. In Ratten, deren somatosensorischer Kortex beschädigt war, war kein sensorisches Gating messbar.</p><p>Was das heißt, erklärt Chakrabarti folgendermaßen: „Der Teil der Hirns, mit dem wir fühlen, der somatosensorische Kortex, verändert seinen eigenen Input. Er sendet bereits vorab ein Gating-Signal in den Hirnstamm, das die erwartete Berührung vorhersagt. Wenn dann das eigentliche Signal aus dem Tasthaar kommt und dem Kortex mitteilen will ‚aufgepasst, da ist ein Objekt!’, dann muss dieses Signal durch den Hirnstamm. Hier hat das Gating-Signal aus dem Kortex dann bereits einen Türsteher aufgestellt, der dem Sinnessignal einen Stempel verpasst: ‚keine Panik, dieses Signal wurde bereits erwartet’. Sinneswahrnehmung ist also keine Einbahnstraße.“</p><p>Chakrabarti and Schwarz wollen nun als Nächstes klären, was Aufmerksamkeit und Motivation mit Sinnessignalen machen: Schickt der somatosensorische Kortex auch dann ein Gating-Signal, wenn es um eine Belohnung geht? Könnte Gating auf besonders relevante Signale, die gleichsam mit Spannung erwartet werden, eventuell sogar verstärkend wirken statt abschwächend? Wenn ja, dann würde das bedeuten, dass kognitive Funktionen wie Verlangen und Aufmerksamkeit einen fundamentalen Einfluss auf unsere Weltwahrnehmung hätten.</p><h3>Publication:</h3><p>Shubhodeep Chakrabarti, Cornelius Schwarz: Cortical Modulation of Sensory Flow During Active Touch in the Rat Whisker System.<em> Nature Communications</em> 9: 3907.<br> doi: 10.1038/s41467-018-06200-6</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Shubhodeep Chakrabarti<br> Werner Reichardt Centre for Integrative Neuroscience (CIN)<br> Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung<br> Telefon +49 7071 29-89033<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ujwdjqfggr0ejcmtcdctvkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">shubhodeep.chakrabarti<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30451</guid><pubDate>Tue, 16 Oct 2018 12:25:02 +0200</pubDate><title>Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/antiblockiersystem-in-arterien-schuetzt-vor-herzinfarkt/</link><description>Forschende der Universität Tübingen entdecken einen körpereigenen Mechanismus, der gefährliche Blutgerinnsel hemmt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Biochemiker haben einen körpereigenen Mechanismus entdeckt, der die Entstehung gefährlicher Blutgerinnsel im Inneren von Blutgefäßen, sogenannter Thrombosen, verhindern kann. Bislang wurde dieses natürliche Antiblockiersystem für Arterien vor allem an Mäusen untersucht. Erste Untersuchungen mit menschlichen Zellen haben die Ergebnisse bestätigt, so dass sie sehr wahrscheinlich auf Menschen übertragbar sind. Thrombosen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen, weil sie Blutgefäße verstopfen und damit zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Der neuentdeckte Mechanismus könnte künftig die Therapiemöglichkeiten verbessern. Durchgeführt wurde die Studie von einem Team um Dr. Lai Wen und Professor Robert Feil vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Tübingen sowie den Universitäten Lübeck und Würzburg. Sie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Wunden schließt unser Körper, indem Blutplättchen die beschädigten Gefäßwände verkleben; das Blut gerinnt. Das geschieht äußerlich, wenn wir uns in den Finger schneiden, aber auch bei kleinen Verletzungen innerhalb von Adern. Letzteres wird zum Problem, wenn das Blutgerinnsel zu groß wird und das Blutgefäß verstopft.&nbsp;</p><p>„Wir haben in Blutplättchen von Mäusen und Menschen einen selbstregulierenden Mechanismus entdeckt, der das unkontrollierte Wachstum eines Blutgerinnsels verhindern kann“, erklärt Lai Wen, der Erstautor der Studie: Wenn ein Blutgerinnsel wachse, müsse das Blut das Hindernis umfließen. Je größer das Gerinnsel, desto mehr Kraft übe das vorbeiströmende Blut darauf aus: die sogenannte Schubspannung steige. Das setze einen Mechanismus in Gang, der bewirke, dass in den verklebten Blutplättchen mehr cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) gebildet werde. „Dieser Botenstoff verhindert, dass weitere Blutplättchen haften bleiben und das lebensbedrohliche Gerinnsel löst sich langsam auf“, beschreibt Wen. Fließe das Blut wieder ungehindert, sinke die Schubspannung und der Mechanismus stoppe. Ein kleines Gerinnsel bleibe bestehen und verschließe weiterhin die Verletzung in der Gefäßwand. Das cGMP wirke somit als eine Art Antiblockiersystem für Blutgefäße, das sich je nach Bedarf über die Schubspannung selbst ein- oder ausschalte.</p><p>„Studien haben gezeigt, dass Menschen, die aufgrund eines genetischen Defekts weniger cGMP bilden, häufiger einen Herzinfarkt erleiden – der neuentdeckte Mechanismus wäre eine Erklärung dafür“, erläutert Feil. Die Entdeckung des cGMP Antiblockiersystems lasse uns aber nicht nur besser verstehen, wie Herzinfarkte entstehen; sie eröffne auch neue Möglichkeiten bei der Therapie von Thrombosen. Es gebe bereits Medikamente, die den Körper bei der Bildung von cGMP unterstützen. „Sie wurden für andere Zwecke entwickelt, könnten aber möglicherweise auch zur Behandlung bei Thrombosegefahr eingesetzt werden“, sagt Feil. Dazu gehörten beispielsweise Präparate mit den Wirkstoffen Riociguat oder Sildenafil; letzteres wird oft in Potenzmitteln eingesetzt.&nbsp;</p><p>„Herkömmliche Medikamente gegen Thrombosen verursachen häufig Blutungen, weil sie die Blutgerinnung im gesamten Körper hemmen. Medikamente, die am cGMP-Mechanismus ansetzen, sollten dagegen weniger lebensgefährliche Nebenwirkungen haben“, erläutert Feil. Sie wirken nur bei erhöhter Schubspannung und die gebe es außerhalb von Blutgefäßen nicht. Um dies endgültig für den menschlichen Körper zu bestätigen, müssen jedoch noch klinische Studien folgen. „Darüber hinaus könnte das Zusammenspiel von mechanischer Krafteinwirkung auf Zellen und der Bildung von cGMP auch bei vielen anderen Krankheiten eine Rolle spielen“, vermutet Feil. „Interessante Aspekte für künftige Forschungen sind beispielsweise die Auswirkungen des neuentdeckten Mechanismus auf Blutdruck, Osteoporose oder Krebs.“</p><h3>Publikation:&nbsp;</h3><p>Lai Wen, Susanne Feil, Markus Wolters, Martin Thunemann, Frank Regler, Kjestine Schmidt, Andreas Friebe, Marcus Olbrich, Harald Langer, Meinrad Gawaz, Cor de Wit, Robert Feil: A shear-dependent NO-cGMP-cGKI cascade in platelets acts as an auto-regulatory brake of thrombosis.<em> Nature Communications</em>. DOI 10.1038/s41467-018-06638-8.</p><h3>Wissenschaftlicher Kontakt:&nbsp;</h3><p>Prof. Dr. Robert Feil&nbsp;<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Interfakultäres Institut für Biochemie (IFIB)<br> Telefon +49-7071-29 73 350<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tqdgtv0hgknBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">robert.feil<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30355</guid><pubDate>Mon, 15 Oct 2018 11:26:20 +0200</pubDate><title>Zusammensetzung der Schülerschaft einer Schule hat Einfluss auf spätere Karriere</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zusammensetzung-der-schuelerschaft-einer-schule-hat-einfluss-auf-spaetere-karriere/</link><description>Forscher der Universität Tübingen bescheinigen sowohl vorteilhafte wie auch nachteilige Effekte von „guten“ Schulen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Besuch einer „guten“ Schule muss nicht automatisch gut für alle sein, die sie besuchen: Eine aktuelle Studie zeigt vielmehr, dass die Mitschülerinnen und Mitschüler den Berufs- und Karriereweg des einzelnen Schülers oder der einzelnen Schülerin nachhaltig beeinflussen, mit teilweise positiven und teilweise negativen Konsequenzen. Stammen die Schülerinnen und Schüler an einer Schule überwiegend aus Elternhäusern mit einem hohen Bildungsniveau, sind sie auch unabhängig von ihrer eigenen Herkunft erfolgreicher als Schüler an Schulen mit einem geringeren Bildungsniveau der Eltern. Sie erlangen einen besseren Bildungsabschluss, angesehenere Berufe und erzielen höhere Einkünfte. Anders sieht es jedoch bei der Schulleistung aus. Ein höheres Leistungsniveau der Mitschüler birgt die Gefahr, dass einzelne Schülerinnen und Schüler hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.</p><p>Grund dafür dürften nachteilige Vergleiche mit besseren Klassenkameradinnen und Klassenkameraden sein, die dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler ein geringeres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Das hat langfristige Auswirkungen: Diese Schülerinnen und Schüler verdienten auch noch nach 50 Jahren weniger und hatten weniger angesehene Berufe als Schüler aus Schulen mit einem geringeren Leistungsniveau. Das haben Dr. Richard Göllner, Professor Benjamin Nagengast und Professor Ulrich Trautwein von der Universität Tübingen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der University of Houston und der University of Illinois in einer Studie herausgefunden. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten, ob der Besuch einer „guten“ Schule Auswirkungen auf die Leistungserwartung, den Bildungserfolg, das Einkommen und das Berufsprestige hat. Dazu werteten sie Daten einer Langzeitstudie in den USA aus. Rund 380.000 High-School-Schülerinnen und -Schüler nahmen im Jahr 1960 teil. Etwa 85.000 konnten nach elf Jahren und immerhin noch 2.000 von ihnen nach 50 Jahren erneut befragt werden.&nbsp;</p><p>Die Studienautoren untersuchten die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Englisch und werteten die Antworten auf die Frage nach Bildungszielen und den Berufserfolg aus. Dabei stellten sie einmal einen Bezug zum Bildungsabschluss der Eltern und einmal einen Bezug zum durchschnittlichen Leistungsniveau der Schule her. Wie erwartet fanden sie heraus, dass Schülerinnen und Schüler in Schulen, in denen die Elternschaft im Durchschnitt einen höheren Bildungsabschluss aufwies, auch höhere Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere zeigten und sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren mehr verdienten und angesehenere Berufe hatten als Kinder, die Schulen besuchten, an denen die Eltern mittlere oder niedrigere Bildungsabschlüsse hatten.</p><p>Für das Leistungsniveau fand sich hingegen ein gegenteiliger Effekt: Wenn das Leistungsniveau der Schule hoch war, hatten die Schülerinnen und Schüler nach Berücksichtigung ihres eigenen sozialen Hintergrunds und ihrer Schulleistungen weniger hohe Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere, arbeiteten in weniger angesehenen Berufen und verdienten sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren weniger als Personen, die als Kinder Schulen mit einem niedrigeren Leistungsniveau besucht hatten. „Der ständige Vergleich mit Mitschülern, aber auch nachteilige Beurteilungen durch Lehrkräfte führen dazu, dass die Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sinken, was sich wiederum nachteilig auf den Berufs- und Karriereweg auswirkt“, sagt Richard Göllner vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, der Erstautor der Studie. Den negativen Effekt bei leistungsstarker Schülerschaft abzumildern, sei deshalb auch eine tagtägliche Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer.</p><p>Die Ergebnisse der Studie sind darüber hinaus relevant für die Diskussion um die Leistungsdifferenzierung im Schulsystem. „Die Studie zeigt, dass es naiv ist zu denken, dass leistungsstarke Mitschüler langfristig automatisch zu günstigeren Ergebnissen führen“, hebt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung, hervor. „Wer bei Reformen des Schulsystems die psychologischen Bedürfnisse der Schüler vergisst, tut diesen keinen Gefallen.“&nbsp;&nbsp;</p><p>Press release from the Association for Psychological Science - APS: <a href="https://www.psychologicalscience.org/news/releases/school-composition-student-outcomes.html" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Attending the “Best” High School May Yield Benefits and Risks for Students</a></p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Göllner, R., Damian, R., Nagengast, B., Roberts, B., &amp; Trautwein, U. (2018). It’s not only who you are but who you are with: High school composition and individuals‘ attainment over the life course. Psychological Science. doi:10.1177/0956797618794454</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Universität Tübingen<br> Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung&nbsp;</p><p>Dr. Richard Göllner&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-73931&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tkejctf0iqgnnpgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">richard.goellner<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein&nbsp;<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-73931&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0vtcwvygkpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">ulrich.trautwein<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;<br><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/" target="_blank">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30229</guid><pubDate>Thu, 11 Oct 2018 14:34:10 +0200</pubDate><title>Bund und Länder beschließen weitere Förderung für Tübingen School of Education </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bund-und-laender-beschliessen-weitere-foerderung-fuer-tuebingen-school-of-education/</link><description>Erfolgreiche Antragstellung in der zweiten Förderphase der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bund und Länder werden die Tübingen School of Education (TüSE) für weitere viereinhalb Jahre finanziell fördern. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) Anfang Oktober bekanntgab, erhält die zentrale wissenschaftliche Einrichtung für die Lehrerausbildung an der Universität Tübingen in den Jahren 2019 bis 2023 insgesamt 5,25 Millionen Euro. Das Geld fließt im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, die Bund und Länder im Jahr 2015 gestartet haben, um Reformen in der Lehrerbildung zu erleichtern.&nbsp;</p><p>Mit den Fördermitteln sollen die in der ersten Förderphase angelegten Strukturen und gestarteten Projekte konsolidiert und weiterentwickelt werden. Dazu gehören die Arbeitsbereiche Forschung und Nachwuchsförderung, darunter die Forschungs-, Lehr- und Entwicklungsprojekte der an der Universität Tübingen geförderten Professuren für effektive Lehr- und Lernforschung in den Fachdidaktiken, für Professionsforschung unter besonderer Berücksichtigung der Fachdidaktiken sowie für Inklusion, Diversität und Heterogenität. &nbsp;</p><p>Zum anderen werden in den kommenden Jahren die professionsbezogenen Projekte und Maßnahmen durch Mittel der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ gefördert: Zum Beispiel das phasenübergreifende Portfolio, das in Kooperation zwischen den Bildungswissenschaften, zahlreichen Lehramtsfächern sowie dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung an Gymnasien in Tübingen konzipiert und begleitet wird.</p><p>Die Tübinger Lehrerbildung konnte mit Unterstützung der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ institutionell, personell und inhaltlich völlig neu konzipiert werden. Unter anderem wurden seit 2015 insgesamt 18 neue Professuren für die Lehrerbildung eingerichtet. Tübinger Lehramtsstudierende profitieren so von den strukturellen Neuerungen und thematischen Innovationen. Nach den neuen Bachelor-Studiengängen ist dies seit dem Wintersemester 2018/19 nun auch in Studiengängen mit dem Ziel Master of Education der Fall, die gesellschaftsrelevante Themen aufnehmen, wie Inklusion oder den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. &nbsp;</p><p>Weitere Informationen finden Sie hier:&nbsp;</p><ul class="ut-list ut-list--link-list"><li><a href="/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/tuebingen-school-of-education-tuese/tuese/">Homepage der Tübingen School of Education</a></li><li><a href="https://www.gwk-bonn.de/presseaktuelles/pressemitteilungen/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Pressemitteilung der GWK</a> &nbsp;</li></ul><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Thorsten Bohl&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Tübingen School of Education&nbsp;<br> Telefon +49 7071 29- 29- 73620<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ngkvwpiBvwgug0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">leitung<span style="display:none">spam prevention</span>@tuese.uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Wissenschaftlicher Kontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30163</guid><pubDate>Thu, 11 Oct 2018 09:24:31 +0200</pubDate><title>Heinrich Bedford-Strohm hält 13. Weltethosrede</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/heinrich-bedford-strohm-haelt-13-weltethosrede/</link><description>EKD-Ratsvorsitzender spricht an der Universität Tübingen über die ethischen Herausforderungen der Digitalisierung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hält die 13. Weltethos-Rede an der Universität Tübingen. Am Sonntag, den 21. Oktober, spricht er ab 18.15 Uhr im Festsaal der Universität zum Thema „Verheißung oder Verhängnis? Globale ethische Herausforderungen der Digitalisierung“. Anschließend findet ein Dialog mit dem Präsidenten der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, statt.&nbsp;</p><p>Die interessierte Öffentlichkeit ist zu der Veranstaltung herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig. Medienvertreterinnen und Medienvertreter werden um Akkreditierung gebeten unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Die Weltethos-Reden werden seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Stiftung Weltethos und der Universität Tübingen organisiert. Herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln Stellung zur Weltethos-Thematik. Die Frage nach einem „Weltethos“ geht zurück auf die Programmschrift „Projekt Weltethos“ (1990) von Professor Hans Küng, der aufzeigt, dass es zwischen den großen Religionen und humanistischen Traditionen einen Grundkonsens an verbindenden Werten, Maßstäben und Grundhaltungen gibt. Diesen gilt es bewusst zu machen und zu nutzen, als Grundlage für Dialog und Verständigung der Kulturen und für ein gelingendes Miteinander in unseren Gesellschaften.</p><p>Zu den Weltethos-Rednern gehörten unter anderem Kofi Anan (2003), Horst Köhler (2004), Helmut Schmidt (2007), Desmond Tutu (2009), Paul Kirchhof (2014) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2017). Aufgezeichnete Reden sind zu finden unter: <a href="/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede/">https://uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/weltethosrede.htm</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Stephan Schlensog<br> Generalsekretär Stiftung Weltethos<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 – 62646<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uejngpuqiBygnvgvjqu0qti" data-mailto-vector="2" class="mail">schlensog<span style="display:none">spam prevention</span>@weltethos.org</a></p><p><a href="https://www.weltethos.org/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">https://www.weltethos.org/</a></p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;<br><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30139</guid><pubDate>Wed, 10 Oct 2018 16:33:43 +0200</pubDate><title>Internationale Wirtschaftsexperten diskutieren Auswirkungen des Brexit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/internationale-wirtschaftsexperten-diskutieren-auswirkungen-des-brexit/</link><description>Peter Egger, Gabriel Felbermayr und Hans-Werner Sinn zu Gast an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Großbritannien steht unmittelbar vor dem Austritt aus der Europäischen Union. Es ist zu befürchten, dass dies tiefgreifende Konsequenzen für die Idee des Europäischen Projekts haben wird. Ökonomische und politische Errungenschaften aus mehr als sechs Jahrzehnten europäischer Integration stehen auf dem Spiel. Die große Herausforderung besteht nun darin, den Austritt so zu gestalten, dass möglichst viele dieser Errungenschaften bewahrt bleiben, und der gleichzeitig den Weg bereitet für ein gutes europäisches Miteinander in einem „Post-Brexit“ Europa.</p><p>Um die ökonomischen Konsequenzen und Herausforderungen verstehen und einordnen zu können, veranstaltet der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Tübingen die Konferenz&nbsp;</p><p class="align-center"><strong>„Brexit – Consequences &amp; Challenges“<br> am 26. Oktober 2018<br> ab 08.30 Uhr<br> an der Universität Tübingen<br> (Pfleghofsaal, Schulberg 2, 72070 Tübingen).</strong></p><p>Um 16.30 Uhr wird Professor <strong>Hans-Werner Sinn</strong>, LMU München und ehemaliger Präsident des Münchner ifo-Instituts eine Keynote zur Frage „What the Brexit means for Europe“ halten. Professor Sinn ist einer der renommiertesten und bekanntesten deutschen Ökonomen, der seit vielen Jahren die öffentliche Debatte zu wichtigen wirtschaftspolitischen Fragestellungen prägt. Im Anschluss daran findet eine Podiumsdiskussion statt, an der neben Professor Sinn die Tübinger Professoren <strong>Wilhelm Kohler</strong> (Fachbereich Wirtschaftswissenschaft) und <strong>Martin Nettesheim </strong>(Juristische Fakultät) teilnehmen werden.&nbsp;</p><p>Zuvor werden von 8.30 - 16.00 Uhr im Rahmen eines Workshops Ergebnisse aus der aktuellen Brexit-Forschung präsentiert. Unter den Rednern kommen aus dem deutschsprachigen Raum Professor <strong>Gabriel Felbermayr</strong> (LMU München und ifo-Institut) und Professor <strong>Peter Egger </strong>(ETH Zürich) nach Tübingen. Beide gehören zu den führenden deutschen Ökonomen. Professor Felbermayr ist designierter Präsident des renommierten Kieler Instituts für Weltwirtschaft, und Professor Egger gilt als einer der forschungsstärksten Ökonomen aus dem deutschsprachigen Raum.</p><p>Zudem konnten mit Professor <strong>Ronald Davies</strong> (University College Dublin) und <strong>Thomas Sampson</strong> (London School Economics) zwei ausgewiesene internationale Experten zum Thema Brexit als Redner für die Konferenz gewonnen werden. Neben Professor <strong>Tobias Berg</strong> (Frankfurt School of Finance &amp; Management) werden zudem die Tübinger Professoren Gernot Müller (Fachbereich Wirtschaftswissenschaft) und Professor Jens-Hinrich Binder (Juristische Fakultät) aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Brexit präsentieren. Die abschließende Diskussionsrunde wird moderiert von Georg Meck, Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.</p><p>Am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Tübingen forschen 25 Professorinnen und Professoren zu unterschiedlichen Themen der Betriebs- und Volkswirtschaft. Forschungsschwerpunkte des Fachbereiches in der Volkswirtschaft sind Internationale Besteuerung und Europäische Integration. Der Forschungsschwerpunkt der Europäischen Integration wird auch durch die Volkswagenstiftung im Projekt „Risk Sharing in the Euro Area“ unterstützt. Am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft studieren insgesamt rund 2.000 Studierende in vier B.Sc.- und zwölf M.Sc.-Studiengängen. Die Programme erfreuen sich dank ihrer internationalen Ausrichtung, des Zuschnitts und der inhaltlichen Vielfalt großer Beliebtheit, und die Studienbedingungen am Fachbereich erhalten regelmäßig in Rankings sehr gute Bewertungen.</p><p>Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos, eine Anmeldung wird erbeten unter <a href="https://uni-tuebingen.de/de/129817" target="_blank">https://uni-tuebingen.de/de/129817</a>.&nbsp;Dort finden Sie auch das vollständige Konferenzprogramm.&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Dominik Papies&nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Fachbereich Wirtschaftswissenschaft<br> Telefon +49 7071 29-76977<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fqokpkm0rcrkguBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">dominik.papies<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30112</guid><pubDate>Wed, 10 Oct 2018 09:57:01 +0200</pubDate><title>Tübingen erhält Kompetenzzentrum für Maschinelles Lernen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-erhaelt-kompetenzzentrum-fuer-maschinelles-lernen/</link><description>Bundesministerium fördert vier Standorte in Deutschland: Universität Tübingen und Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme erforschen robuste Lernalgorithmen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübingen erhält ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen. Damit wurde es als einer von vier Standorten bundesweit ausgewählt, an denen das Bundesforschungsministerium (BMBF) Wissenschaftsprojekte zur Künstlichen Intelligenz bündelt. Im „Tübinger AI Center“ (AI: Artificial Intelligence) werden Forschungsgruppen der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme an der Weiterentwicklung lernender Systeme arbeiten. Das Zentrum wird seit 1. Oktober vom BMBF mit rund 6,6 Millionen Euro gefördert, zunächst für vier Jahre. Weitere Kompetenzzentren entstehen in Berlin, Dortmund/St. Augustin und München. Die Kompetenzzentren sollen in der angekündigten Strategie der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz eine wichtige Rolle einnehmen.</p><p>„Wir freuen uns sehr über die Förderung des Tübinger Kompetenzzentrums und sehen hier eine große Chance künstliche Intelligenz maßgeblich zu gestalten“, sagt Koordinator Matthias Bethge, Professor für Computational Neuroscience and Machine Learning an der Universität Tübingen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden hier an neuen Konzepten und Prinzipien forschen, mit denen sich lernende Systeme robuster gestalten lassen: Lernalgorithmen sollen in der Lage sein, erfolgreich mit äußeren und unerwarteten Einflüssen umgehen zu können. Gleichzeitig sollen ihre Reaktionen besser vorhersagbar und transparenter sein.&nbsp;</p><p>„Intelligenz so zu verstehen, dass wir künstliche Systeme daraus schaffen können, ist eine wissenschaftliche Herausforderung, die auch große Chancen für die Gesellschaft birgt“, sagt Michael Black, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. „Während wir dafür kontinuierlich Grundlagenforschung brauchen, gibt es schon erste Erfolge in der Anwendung. Das neue Zentrum schlägt eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung, wie auch das Konzept der Cyber Valley Initiative. Dies zeigt einmal mehr, dass die Region Tübingen-Stuttgart eine Führungsrolle in der KI-Forschung deutschland- und sogar weltweit eingenommen hat.“</p><p>Künstliche Intelligenz brauche robuste Lernalgorithmen, sagt Bethge. Während Menschen auch unter veränderten Bedingungen noch die richtigen Schlüsse ziehen könnten, seien selbst hochentwickelte Maschinen oft nicht in der Lage, unerwartete oder neue Bedingungen einzuschätzen. Beispielsweise könnten bei Bilderkennungs-Systemen, die in sozialen Netzwerken Gewaltfotos erkennen und deren Upload verhindern sollen, schon kleine Pixelstörungen zu Irritationen führen: Relevantes Material werde dann nicht mehr erkannt und fälschlicherweise als sicher klassifiziert.&nbsp;</p><p>Das Tübinger AI Center wird auch mögliche missbräuchliche Entwicklungen künstlicher Intelligenz thematisieren und in eigenen Projekten erforschen. So wird sich unter anderem eine Nachwuchsgruppe mit dem Schutz sensibler Daten beschäftigen und Lösungsansätze entwickeln. Teil der Arbeit im Tübinger AI Center sollen zudem sogenannte „Benchmarks“ sein, Wettbewerbe, die wissenschaftliche Problemstellungen definieren. Forschungsgruppen können sich hier um die beste Lösung bemühen.&nbsp;</p><p>Das neue Kompetenzzentrum entsteht im Umfeld des Großprojekts Cyber Valley: In der Region Stuttgart-Tübingen haben sich zahlreiche Partner aus Wissenschaft und Industrie für Forschungsprojekte im Bereich der künstlichen Intelligenz zusammengeschlossen. Die Universität Tübingen wird hierfür insgesamt mindestens fünf Professuren und weitere zusätzliche Nachwuchsgruppen einrichten und ist an der Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden in der International Max Planck Research School „Intelligent Systems“ beteiligt. <a href="http://cyber-valley.de/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">http://cyber-valley.de/de</a></p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Professor Matthias Bethge<br> Universität Tübingen<br> Computational Neuroscience &amp; Machine Learning<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-89017<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ocvvjkcu0dgvjigBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">matthias.bethge<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Dr. Isabel Suditsch<br> Universität Tübingen<br> Cyber Valley Unit for Artificial Intelligence<br> Koordinatorin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071&nbsp;6011924<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kucdgn0uwfkvuejBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">isabel.suditsch<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>CyberValley-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-30043</guid><pubDate>Tue, 09 Oct 2018 10:22:33 +0200</pubDate><title>Zwei Neurowissenschaftler erhalten den Attempto-Preis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zwei-neurowissenschaftler-erhalten-den-attempto-preis/</link><description>Leonid Fedorov und Ann-Christin Wendeln für herausragende Forschungsarbeiten über das Gehirn ausgezeichnet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die diesjährigen Attempto-Preise der Tübinger Attempto-Stiftung gehen an Dr. Leonid Fedorov für seine Arbeit über die Repräsentation sozialer Handlungen im Gehirn und an Ann-Christin Wendeln für ihre Veröffentlichung über den Einfluss des Immungedächtnisses im Gehirn auf neurologische Erkrankungen. Die Preise sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert.</p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29647</guid><pubDate>Mon, 01 Oct 2018 17:25:53 +0200</pubDate><title>Wie Blätter mit den Wurzeln sprechen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-blaetter-mit-den-wurzeln-sprechen/</link><description>Internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Tübingen untersucht die Spross-Wurzel-Kommunikation bei der Symbiose von Pflanzen mit Stickstoff fixierenden Bakterien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bohnen, Erbsen und Soja sowie andere Arten aus der Familie der Leguminosen gehen eine Symbiose mit Bakterien ein, die Stickstoff aus der Luft binden und für die Proteinherstellung der Pflanzen verfügbar machen. Im Gegenzug erhalten die Bakterien, die sich in speziellen Knöllchen an den Wurzeln ansiedeln, Nährstoffe von der Pflanze. Damit die Bakterien nicht überhand nehmen und die Pflanze schädigen, muss diese ihre Mitbewohner streng kontrollieren. Ein internationales For-schungsteam unter der Leitung von Dr. Katharina Markmann vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen hat nun gemeinsam mit einem internationalen Team entdeckt, wie die Nachrichtenübertragung zwischen Blättern und Wurzeln in dieser Symbiose funktioniert: Die Blätter senden eine kurze RNA-Sequenz, Mikro-RNA miR2111 genannt, an die Wurzeln. Dort sorgt die Mikro-RNA dafür, dass die Pflanze für eine Infektion mit den symbiotischen Bakterien bis zur Herstellung eines günstigen Gleichgewichts empfänglich bleibt. Kenntnisse über eine effiziente Stickstoffbindung sind auch für die Landwirtschaft von Interesse, da viele Böden einen Stickstoffmangel aufweisen und stickstoffhaltige Düngemittel teuer und umweltschädlich sind. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Science </em>veröffentlicht.</p><p>Leguminosen mit Wurzelknöllchen, die eine Symbiose mit Stickstoff fixierenden Bakterien eingehen, haben einen hohen Proteingehalt. Das macht sie sowohl bei Vegetariern als auch bei Landwirten beliebt. Sie kommen auch auf stickstoffarmen Böden ohne chemischen Dünger aus. Nach der Infektion der Pflanze lösen die Bakterien die Knöllchenbildung an der Wurzel aus und senden kleine Eiweißmoleküle als Signale an die Blätter. „Die Regulation muss den Spross mit einbeziehen, denn der Ernährungszustand der Blätter gibt vor, wie viele Knöllchen in der Wurzelsymbiose der Pflanze zuträglich sind“, erklärt Katharina Markmann. Es sei schon bekannt gewesen, dass die Pflanze zu viele Wurzelknöllchen bildet und sich selbst nur schlecht entwickelt, wenn in den Blättern der Rezeptor für die Signale aus den Knöllchen fehlt. „Unklar war umgekehrt, wie die Blätter mit den Wurzeln kommunizieren.“</p><h3>Strenge Kontrolle der Symbiose</h3><p>Die neu entdeckte Mikro-RNA miR2111 wird von den Blättern in die Wurzeln geschickt und hält dort die symbiotische Infektion aufrecht. „Die Wurzeln exprimieren ein Gen, das normalerweise den Bak-terien einen Riegel vorschiebt. miR2111 hemmt dieses Gen und macht so den Weg für die Bildung der Wurzelknöllchen und den Aufbau der Symbiose frei“, sagt die Wissenschaftlerin. Zwei Tage nach der Infektion stoppe der miR2111-Fluss und die Selbstregulation setze die Symbiose in ein für beide Partner günstiges Gleichgewicht. Die neuen Erkenntnisse hätten die bisherige Auffassung, wie die Pflanzen die Symbiose kontrollieren, auf den Kopf gestellt, berichtet sie. „Wir wissen nun, dass die Mechanismen zur Regulation der Infektion schon an Ort und Stelle sind, bevor die Pflanze mit den Bakterien überhaupt in Kontakt kommt.“ Diese aufwendige Lösung ermögliche es der Pflanze, schnell zu reagieren, sobald Bakterien eintreffen – und unterstreiche, wie wichtig es ist, dass die Wirtspflanze jederzeit die Kontrolle behält und Missbrauch verhindern kann.</p><p>Die Studienergebnisse werfen auch ein Licht auf die allgemeinen Funktionen von Mikro-RNAs als spezifische mobile Signalgeber, die eine Kommunikation zwischen Spross und Wurzel der Pflanze ermöglichen. So kann die Pflanze die Grenzen zwischen ihren Organen überbrücken und als Ganzes auf Umweltreize reagieren. Langfristig lassen sich die neuen Erkenntnisse nutzen, um die Kommunikation zwischen Spross und Wurzel der Leguminosen für eine optimale Stickstoffbindung auch unter ungünstigen Umweltbedingungen zu optimieren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29518</guid><pubDate>Thu, 27 Sep 2018 17:12:52 +0200</pubDate><title>Drei neue Exzellenzcluster für Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/drei-neue-exzellenzcluster-fuer-tuebingen/</link><description>Universität nimmt nächste Hürde im Wettbewerb „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen erhält drei neue Exzellenzcluster: Im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ werden die hochkarätigen Forschungsverbünde ab 1. Januar 2019 für zunächst sieben Jahre gefördert. Dies gaben Vertreter von Politik und Wissenschaft am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Bonn bekannt. Tübingen hat damit eine weitere wichtige Hürde im Rahmen des Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern genommen: Mit drei Bewilligungen in der Förderlinie Exzellenzcluster kann sich die Universität Tübingen nun erneut um den Status einer „Exzellenzuniversität“ bewerben.</p><p>„Die Entscheidung eines internationalen Wissenschaftlergremiums sowie der politisch Verantwortlichen aus Bund und Ländern, künftig drei Cluster in Tübingen zu fördern, unterstreicht die Spitzenstellung der betroffenen Forschungsbereiche an der Universität“, sagte Rektor Professor Bernd Engler: „Die Entscheidung ist zugleich eine hohe Auszeichnung für unsere außeruniversitären Partner, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre.“ Engler dankte allen Forscherinnen und Forschern sowie den Beschäftigten der Universität, die an den Clusterbewerbungen mitgewirkt haben, für ihr großartiges Engagement. Alle Beteiligten hätten die entsprechenden Anträge mit hohem persönlichem Einsatz und in vielen Diskussionen zur Perfektion geführt.</p><p>„Darin zeigt sich, dass sich in Tübingen eine Kultur des Miteinanders etabliert hat“, sagte Engler. Diese bilde die Grundlage, um jetzt und in Zukunft anspruchsvollste Projekte zu meistern, die größte Anstrengungen erfordern. „Ich bin daher zuversichtlich, dass wir nicht allein unsere Exzellenzcluster zu weithin sichtbaren Einrichtungen entwickeln werden, sondern dass weitere Bereiche Tübinger Spitzenforschung von dieser Basis im internationalen Wettbewerb künftig profitieren werden.“ Der Rektor dankte auch dem baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Nicht zuletzt durch die Ausschreibung von strukturellen Förderprogrammen habe die Landesregierung einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass Tübingen sich in den vergangenen Jahren erfolgreich im Exzellenzwettbewerb habe behaupten können.</p><p>Nach der Entscheidung über die Cluster wird die Universität nun mit Hochdruck ihren Antrag auf Förderung als Exzellenzuniversität fertigstellen. „Wir wollen mit unserem neuen Konzept erreichen, dass Forschung, Lehre und Innovation gleichermaßen gefördert werden“, sagte Engler: „Auch wenn die Forschung immer das Kernelement der Exzellenzstrategie bleiben wird, wollen wir dafür sorgen, dass sich in Tübingen Studium und Lehre sowie der Transfer von Wissen in Gesellschaft und Wirtschaft ebenfalls auf höchstem Niveau entwickeln.“ Das Gesamtkonzept für die Förderlinie „Exzellenzuniversität“ muss nun bis zum 10. Dezember 2018 eingereicht werden. Nach einer Begehung durch ein internationales Gutachtergremium des Wissenschaftsrats fällt dann die Entscheidung am 19. Juli 2019.</p><p>Der Rektor würdigte auch die Leistung der im Bewerbungsverfahren nicht erfolgreichen Tübinger Projekte. „Die im Wettbewerb unterlegenen Clustervorhaben repräsentieren ebenfalls herausragende Forschungsschwerpunkte der Universität und haben ihre Leistungsfähigkeit in einem extrem kompetitiven Verfahren unter Beweis gestellt“, sagte Engler: „Wir müssen nun prüfen, welche alternativen Förderformate geeignet sind, diese Bereiche weiter auszubauen und Entwicklungspotenziale freizusetzen.“ Die Universität Tübingen war ursprünglich mit sieben Clusteranträgen in den Wettbewerb gestartet. Aus der ersten Auswahlrunde im September 2017 waren fünf Projekte erfolgreich hervorgegangen und wurden zur Abgabe eines Vollantrags aufgefordert. &nbsp;</p><p><strong>Folgende Exzellenzcluster werden ab 2019 an der Universität Tübingen gefördert:&nbsp;</strong><br> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29470</guid><pubDate>Wed, 26 Sep 2018 20:00:00 +0200</pubDate><title>Urmenschen mit Fingerspitzengefühl</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/urmenschen-mit-fingerspitzengefuehl/</link><description>Präzisionsgriffe waren eine alltägliche Angelegenheit für Neandertaler</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie, dass Neandertaler ihren Alltag fast ausschließlich mit Präzisionsgriffen bewältigten.</strong></p><p>Die vor 400.000 bis 40.000 Jahre lebenden Neandertaler (Homo neanderthalensis) werden häufig als körperlich starke, aber eher unbeholfene Frühmenschen porträtiert, die bei der Herstellung und beim Hantieren mit Werkzeugen überwiegend mit Kraft agierten. Im Gegensatz dazu nahm man an, dass das fortschrittlichere Verhaltensrepertoire des modernen Menschen sich in der vermehrten Anwendung des Präzisionsgriffes widerspiegelt.<br> „Die robuste Anatomie ihrer Handknochen hat bisher zur Annahme geführt, dass Neandertaler ihre täglichen Aufgaben hauptsächlich mit dem Einsatz von Stärke erledigten, auch wenn der archäologische Fundbestand zunehmend auf fortschrittliches kulturelles Verhalten hinweist“, erklärt Prof. Dr. Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.</p><p>Das Team um Harvati hat nun mit einer innovativen Methode gezeigt, dass die vermeintlich groben Verwandten des Menschen ihren Alltag entgegen des bisherigen Kenntnisstandes vielmehr fast ausschließlich mit „Fingerspitzengefühl“ meisterten.<br> „Wir haben in unserer Studie erstmalig erfolgreich die erhaltenen&nbsp;anatomischen Hinweise am Skelettmaterial fossiler Menschenfunde direkt mit den zugehörigen archäologischen Funden verknüpft, um das Verhalten ausgestorbener Frühmenschenformen vollständiger zu verstehen“, erläutert Dr. Alexandros-Fotios Karakostis, Erstautor der Studie.</p><p>Die Untersuchungen zeigen, dass Neandertaler bei ihren händisch ausgeführten Tätigkeiten systematisch „Präzisionsgriffe“ einsetzten. Im Gegensatz zum „Kraftgriff“, bei dem die gesamte Handinnenfläche einschließlich aller Finger und des Daumens zugreift, erfolgt beim „Präzisionsgriff“ die Haltung und Führung von Gegenständen im Wesentlichen durch die Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger.</p><p>„Da Muskeln und Sehnen nicht fossil überliefert werden, haben wir die Abdrücke der ‚Enthesen’ oder ‚Muskelansatzmarken‘, die Stellen an denen Muskeln und Sehnen mit dem Knochen verbunden sind, untersucht“, erläutert Harvati. Dabei setzte das Tübinger und Baseler Team eine neue Methode ein, bei der nicht einzelne Muskelansatzmarken, sondern ganze Gruppen von Muskelansatzmarken dreidimensional vermessen und analysiert werden.</p><p>Um die Ergebnisse an den untersuchten Neandertaler-Handknochen zu überprüfen, wurden diese mit Stichproben von modernen Menschen aus der „Basel Spitalfriedhof“-Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel verglichen. „Diese einmalige Sammlung aus dem 19. Jahrhundert bietet uns identifizierte Skelette mit Informationen zu den Lebensumständen und Berufen der Verstorbenen“, erläutert Dr. Gerhard Hotz vom Naturhistorischen Museum Basel und fährt fort: „Wenn wir nun beispielsweise die Hand eines Schmiedes untersuchen, können wir an den Muskelansatzstellen zeigen, dass dieser in seinem Alltag häufig ‚Kraftgriffe’ verwendet hat.“</p><p>Keines der untersuchten Neandertaler-Handskelette wies Belege für den dauerhaften Einsatz von Kraftgriffen auf. „Wir lehnen daher die gängige Ansicht des tollpatschigen, kraftvollen Neandertalers ab. Wie moderne Menschen waren Neandertaler kompetente Werkzeugmacher und -nutzer, die bei ihren täglichen Aktivitäten überwiegend präzise Hand- und Fingerbewegungen vollführten“, fasst Harvati zusammen. Im Gegensatz dazu weisen die Handknochen des frühen Homo sapiens sowohl Spuren der systematischen Anwendung von Präzisions- als auch Kraftgriffen auf und untermauern die Hypothese, dass sich die Arbeitsteilung unserer Vorfahren zum ersten Mal im Jungpaläolithikum intensivierte.</p><p><strong>Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung&nbsp;</strong></p><h3>Publikation</h3><p>F. A. Karakostis, G. Hotz, V. Tourloukis, K. Harvati (2018): Evidence for precision grasping in Neanderthal daily activities. Science Advances.</p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Katerina Harvati<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology<br> Eberhard-Karls-Universität Tübingen<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>: +49-(0)7071-29-76516<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvgtkpc0jctxcvkBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">katerina.harvati<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp; 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29476</guid><pubDate>Wed, 26 Sep 2018 17:24:53 +0200</pubDate><title>Tübingen unter den besten 100 Hochschulen weltweit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-unter-den-besten-100-hochschulen-weltweit-1/</link><description>Im Times Higher Education World University Ranking 2019 liegt die Universität auf Platz 89</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im aktuellen „Times Higher Education World University Ranking (THE)“ liegt die Universität Tübingen zum vierten Mal in Folge unter den 100 besten Universitäten weltweit. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Ergebnissen liegt Tübingen auf Platz 89 von insgesamt 1.258 erfassten Hochschulen und verbesserte sich damit gegenüber dem Vorjahr um fünf Plätze. Bundesweit landete Tübingen auf Platz 7 (vormals Platz 9) unter den 47 deutschen Hochschulen, die THE untersucht hat.</p><p>Verbessert hat sich die Universität Tübingen laut THE vor allem in den Kategorien Lehre und eingeworbene Drittmittel. „Seit 2015 gelingt es der Universität Tübingen nun kontinuierlich, sich unter den 100 besten Universitäten weltweit zu platzieren“, sagte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler: „Dies ist das Ergebnis der Anstrengungen, die wir seit vielen Jahren unternehmen, um in Forschung und Lehre immer wieder Spitzenleistungen hervorzubringen.“</p><p>Das THE World University Ranking gilt ‒ neben dem QS World Ranking und dem Shanghai Ranking ‒ als eines der drei großen international anerkannten Rankings und als Gradmesser akademischer Qualität. Es bewertet 13 Indikatoren, wie beispielsweise Lehre, Forschung, Wissenstransfer oder internationales Renommee.</p><h3>Kontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span>&nbsp;+49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><br><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29437</guid><pubDate>Wed, 26 Sep 2018 10:54:44 +0200</pubDate><title>Ingmar Hoerr wird Ehrensenator der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ingmar-hoerr-wird-ehrensenator-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der CureVac AG erhält Auszeichnung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Dr. Ingmar Hoerr, den Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden der CureVac AG. Die Verleihung findet am Mittwoch, den 31. Oktober, um 18.00 Uhr in der Schlosskapelle auf Schloss Hohentübingen statt. Die Laudatio hält Dietmar Hopp, Mitbegründer der SAP SE. Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung ist nicht öffentlich.</p><p>Dr. Ingmar Hoerr hat Biologie an der Universität Tübingen studiert und wurde am Institut für Organische Chemie und am Interfakultären Institut für Zellbiologie und Immunologie zum Thema „RNA-Vakzine zur Induktion von spezifischen zytotoxischen T-Lymphozyten (CTL) und Antikörpern“ promoviert. In seiner Dissertation beschrieb er die Grundlagen der direkten Anwendung des Botenmoleküls mRNA als Impfstoff, auf denen auch sein Unternehmen aufbaut: Im Jahr 2000 gründete er mit weiteren Kollegen die CureVac AG, um weltweit erstmals klinische Tests mit mRNA-basierten Wirkstoffen durchzuführen.</p><p>Heute beschäftigt CureVac rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unterhält weitere Standorte in Frankfurt am Main und in Boston, Massachusetts (USA). In das Unternehmen, das derzeit mit 1,6 Milliarden Euro bewertet wird, haben unter anderem die dievini Hopp BioTech Holding GmbH &amp; Co, der Pharmakonzern Eli Lilly sowie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung investiert.</p><p>Auch als international erfolgreicher Unternehmer sei Ingmar Hoerr dem Standort Tübingen und seiner Universität stets verbunden geblieben, sagte Rektor Professor Bernd Engler. Unter anderem habe er durch eingeworbene Preisgelder die Sanierung des Tübinger Schlosslabors und die Einrichtung der dortigen Dauerausstellung ermöglicht ‒ in diesen Räumen hatte Friedrich Miescher 1868 die Nukleinsäure entdeckt. „Wir freuen uns, ihn als Botschafter der Universität Tübingen auch weiterhin an unserer Seite zu wissen.“</p><p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Persönlichkeiten, die sich um Wissenschaft, Forschung, Kunst, Kultur und gesellschaftliche Verständigung verdient gemacht haben. Sie würdigt damit auch ein besonderes Engagement für die Universität.</p><p><a href="/universitaet/aktuelles-und-publikationen/newsletter-uni-tuebingen-aktuell/2018/3/alumni-tuebingen/1/">Interview mit Ingmar Hoerr im Newsletter "Uni Tübingen aktuell"</a> (Nr. 3/2018 – 24. Oktober 2018)</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br><span class="ut-icon ut-icon-phone-squared"></span> +49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> &nbsp;&nbsp;<br> www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29350</guid><pubDate>Mon, 24 Sep 2018 14:46:20 +0200</pubDate><title>Mit traditionellen Methoden gegen extreme Trockenheit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mit-traditionellen-methoden-gegen-extreme-trockenheit/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen Strategien zum Umgang mit wiederkehrenden Dürreperioden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wald- und Feldbrände, Probleme mit der Trinkwasserversorgung und erhebliche Ernteausfälle – das ist die bisherige Bilanz des Sommers 2018 in weiten Teilen Europas. Naturschutzverbände und Klimaforscher fordern in Reaktion auf die Dürre einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Die Landwirtschaft müsse sich besser als bisher auf Wetterextreme einstellen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübinger Sonderforschungsbereichs (SFB) RessourcenKulturen haben erforscht, wie Agrargesellschaften in der Vergangenheit gelernt haben, mit Hitze und Trockenheit umzugehen und trotzdem erfolgreich zu wirtschaften.</p><p>„Wassermangel ist ein Problem, für das es eine Vielzahl historischer Beispiele gibt“, sagt Dr. Laura Dierksmeier, die im Rahmen des SFB Projektes C05 Inselökonomien der frühen Neuzeit erforscht: „Aber, wie die Geschichte zeigt, gibt es mindestens genauso viele Lösungen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit kann somit gute Ansätze für die Zukunft liefern.“ Die Ressource Wasser sei ein wichtiger Faktor, dessen Verfügbarkeit und gerechte Verteilung nicht zuletzt über sozialen Frieden und Kooperation entscheide.</p><p>Als Beispiel für eine Kulturlandschaft, die bereits seit Jahrtausenden mit niederschlagsarmen Sommern zurechtkommt, gelten die Dehesas im Süden der Iberischen Halbinsel. Im interdisziplinären Projekt A02 analysieren Professor Martin Bartelheim, der Sprecher des SFB RessourcenKulturen, und ein Team aus Archäologen gemeinsam mit Ethnologen von der Goethe-Universität Frankfurt unter Leitung von Professor Roland Hardenberg Entstehung und Nutzung der Dehesas. Die charakteristischen Haine aus Eichen und Olivenbäumen wurden bereits vor etwa 2.800 bis 4.000 Jahren angelegt und haben in diesem Zeitraum sämtliche Klimaveränderungen überstanden. Seit der Bronzezeit grasen einheimische Nutztierrassen, wie Ibérico-Schweine, Merino-Schafe oder Retinta-Ziegen und -Kühe in den Dehesas. Tiere und Landschaft sind ideal an die klimatischen Bedingungen angepasst. Während die Bäume dafür sorgen, dass der wenige Regen, der in Andalusien und der Extremadura fällt, langsam ins Grundwasser sickern kann und nicht sofort verdunstet, verhindern die Weidetiere ein Zuwuchern der Kulturlandschaft mit Sträuchern und Gebüsch, was der Gefahr von Waldbränden vorbeugt.</p><p>Auf den italienischen Inseln Linosa und Pantelleria untersuchen die Archäologen Dr. Frerich Schön und Hanni Töpfer unter Leitung von Professor Thomas Schäfer im Projekt B05 über 100 Wasserzisternen und legen diese teilweise frei. Die Zisternen zwischen fünf und 100 Kubikmeter Größe wurden von punischen Siedlern ab dem 8. Jahrhundert vor Christus in den Fels gehauen und unter römischer Herrschaft nochmals erweitert. Einige dieser unterirdischen Trinkwasserspeicher versorgen die Inselbevölkerungen bis heute mit Wasser. Dies war eine wichtige Lösung, um den mühseligen Transport von Wasser zu erleichtern, vor allem in Gebieten, die über wenig Grundwasser verfügen. Unterirdische Zisternen sind relativ einfach zu unterhalten und speichern Wasser an einem kühlen und sauberen Ort, was einer Belastung des Wassers mit Bakterien vorbeugt. Bei starken Regenfällen verhindern Zisternen außerdem Bodenerosion, indem sie überschüssiges Wasser sammeln.</p><p>Auch die Auswirkungen von anhaltender Wasserknappheit auf die betroffenen Gesellschaften werden von den Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erforscht. So untersucht die Historikerin Dr. Laura Dierksmeier unter Leitung von Professor Renate Dürr und Professor Jörn Staecker die ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Wassermangel in Inselgesellschaften des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Gerade Inseln weisen oft einen Mangel an Quellen, Flüssen und Grundwasser auf und sind dadurch besonders anfällig für Wasserknappheit.&nbsp;</p><p>Dabei konnte Dierksmeier einen deutlichen Zusammenhang zwischen Einkommensniveau und dem Zugang zu sauberem Trinkwasser feststellen. Auf den Kanaren und Balearen führte das zu sozialen Spannungen, Konflikten und Kriminalität. Krankheiten brachen aus, da Wasser für die Sauberhaltung von Krankenhäusern und die persönliche Hygiene fehlte, was vor allem Kinder und ältere Menschen traf. Um diese Auswirkungen abzumildern, wurden Wasserkontingente an Privatpersonen verkauft. Dies sollte ursprünglich dafür sorgen, dass die knappe Ressource bei denen landete, die sie am meisten benötigten, startete aber einen irreversiblen Prozess. Denn so wurde aus dem öffentlichen Gut nach und nach eine Ware, die an den Meistbietenden versteigert wurde. Um die Besitzverhältnisse von Wasser zu klären, die Qualität zu überprüfen und Verschmutzer zu bestrafen, wurde auf diesen Inseln eine Wasserpolizei eingeführt. Außerdem bildeten sich akademische Gesellschaften, wie die Sociedad de Amigos del País, die über die bestmögliche Verwaltung von Wasserressourcen debattierten, die Einrichtung von Nebelfängern und Techniken wie das Sammeln von Schmelzwasser und die Meerwasserentsalzung erforschten, um den Anteil des verfügbaren Wassers zu erhöhen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29248</guid><pubDate>Thu, 20 Sep 2018 17:00:00 +0200</pubDate><title>Nervenzellen im menschlichen Gehirn können „zählen“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nervenzellen-im-menschlichen-gehirn-koennen-zaehlen/</link><description>Studie der Universitäten Bonn und Tübingen zeigt, wie menschliche Neurone Mengenangaben verarbeiten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wie erkennen wir, ob vor uns drei Äpfel liegen oder vier? Professor Florian Mormann von der Universität Bonn und Professor Andreas Nieder von der Universität Tübingen sind mit ihrem Team einer Antwort auf diese Frage nun einen Schritt näher gekommen. Sie konnten zeigen, dass manche Hirnzellen hauptsächlich bei Dreiermengen feuern, andere bei Vierermengen und wieder andere bei anderen Anzahlen. Bei Ziffern ist es ähnlich: Eine „2“ aktiviert beim Menschen andere Neuronen als etwa eine „5“. Die Ergebnisse zeigen auch, wie wir lernen, mit Zahlensymbolen im Vergleich zu Mengen umzugehen. Die Studie erscheint online in der Fachzeitschrift „Neuron“.&nbsp;</p><p>Die Fähigkeit zu zählen ist uns in die Wiege gelegt: Bereits kurz nach der Geburt können Säuglinge die Anzahl von Ereignissen abschätzen und sogar einfache Berechnungen durchführen. Doch was spielt sich dabei genau im Gehirn ab? Und verarbeiten wir abstrakte Zahlen anders als konkrete Mengen? Forscher von der Abteilung für Epileptologie der Universität Bonn sind diesen beiden Fragen zusammen mit Neurobiologen der Universität Tübingen nachgegangen. Sie profitierten dabei von einer Besonderheit des Bonner Universitätsklinikums: Die dort angesiedelte Klinik für Epileptologie ist auf chirurgische Eingriffe im Gehirn spezialisiert. Mit ihnen versuchen die Ärzte, Epilepsiekranke durch eine Operation zu heilen, bei der sie das erkrankte Nervengewebe entnehmen. Um diesen Krampfherd zu lokalisieren, müssen sie dazu in manchen Fällen zunächst Elektroden ins Gehirn der Betroffenen einbringen. Als Nebeneffekt können Forscher diesen Umstand nutzen, um den Patienten beim Denken zuzuschauen.</p><h3>Algorithmus erkennt, wie viele Punkte Versuchspersonen sehen</h3><p>So auch in der aktuellen Studie: Bei den neun Teilnehmern handelte es sich um Epilepsie-Patienten, denen haarfeine Mikroelektroden in den Schläfenlappen eingesetzt worden waren. „Damit konnten wir die Reaktion einzelner Nervenzellen auf visuelle Reize messen“, erläutert der Leiter der Arbeitsgruppe Kognitive und Klinische Neurophysiologie Prof. Dr. Dr. Florian Mormann. Die Wissenschaftler zeigten ihren Probanden nun auf einem Computerbildschirm eine unterschiedlich große Anzahl von Punkten – mal nur einen, mal vier oder auch fünf. „Wir konnten zeigen, dass bestimmte Nervenzellen vor allem bei ganz bestimmten Mengen feuerten“, erklärt Esther Kutter, Erstautorin der Studie. „Manche wurden zum Beispiel hauptsächlich durch drei Punkte aktiviert, andere durch einen.“</p><p>Jede Menge erzeugt also im menschlichen Gehirn ein spezifisches Aktivitätsmuster. „Wir haben einen Klassifizierungs-Algorithmus geschrieben, der dieses Muster auswertet“, erklärt Mormann. „Mit ihm konnten wir aus dem Erregungszustand der Nervenzellen ablesen, wie viele Punkte unsere jeweilige Versuchsperson gerade sah.“</p><p>Zudem beobachteten die Wissenschaftler einen interessanten Effekt: Die Neuronen waren zwar auf eine bestimmte Menge „eingestellt“, sprachen aber auch auf leicht abweichende Mengen an. Eine Dreier-Hirnzelle feuerte also auch bei zwei oder vier Punkten, dann aber schwächer. Durch einen oder fünf Punkte ließ sie sich dagegen kaum noch aktivieren. Experten nennen das „Numerical Distance Effect“. Prof. Dr. Andreas Nieder von der Universität Tübingen, Mit-Betreuer der Studie, hat dasselbe Phänomen bereits bei Versuchen an Affen nachgewiesen. „Anzahlen werden in unserem Gehirn auf genau die gleiche Weise wie im Gehirn von Affen verarbeitet“, betont er. „Das bestätigt Affen als unverzichtbares Modell für die Erforschung der Verarbeitung quantitativer Information.“</p><h3>Wir eignen uns Ziffern anders an als Zeichen</h3><p>Wie wir Ziffern verarbeiten – also Symbole, die Quantitäten repräsentieren –, lässt sich mit Hilfe von Tieren aber kaum beantworten. Die Wissenschaftler konnten nun erstmals zeigen, dass das im Prinzip so ähnlich funktioniert wie mit Mengen: Wenn wir eine bestimmte Ziffer sehen, feuern bestimmte Hirnzellen. Die Ziffern-Neuronen sind aber nicht mit den Mengen-Neuronen identisch: Die Ziffer „3“ regt ganz andere Nervenzellen an als eine Menge von drei Punkten.</p><p>Noch spannender ist eine weitere Beobachtung: „Auch bei den Ziffern-Neuronen gibt es einen Numerical Distance Effect“, sagt Mormann. „Sie lassen sich also ebenfalls nicht nur durch die genau passende Ziffer, sondern auch durch deren Nachbarn anregen – allerdings nur sehr schwach.“ Dennoch zeigt dieses Phänomen, dass wir uns Ziffern anders aneignen als einfache Zeichen: Die Neuronen haben gewissermaßen gelernt, dass sich eine 3 in ihrem Wert nur wenig von einer 2 oder einer 4 unterscheidet, sonst würden sie nicht auch auf diese beiden Ziffern ansprechen. Ziffern scheinen also fest mit einer bestimmten Mengenvorstellung verwoben zu sein.&nbsp;</p><p>Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse auch zu einem besseren Verständnis der Dyskalkulie beitragen, einer Entwicklungsstörung, die unter anderem mit einem schlechteren Mengenverständnis einhergeht.</p><h3>Publikation:</h3><p>Esther F. Kutter, Jan Bostroem, Christian E. Elger, Florian Mormann und Andreas Nieder: Single neurons in the human brain encode numbers; <em>Neuron</em>, DOI:10.1016/j.neuron.2018.08.036</p><h3>Wissenschaftlicher Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Dr. Florian Mormann<br> Klinik für Epileptologie, Universität Bonn<br> Tel. 0228/28715738<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,hoqtocppBacjqq0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">fmormann<span style="display:none">spam prevention</span>@yahoo.de</a></p><p>Prof. Dr. Andreas Nieder<br> Institut für Neurobiologie, Universität Tübingen<br> Tel. 07071/2975347<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0pkgfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.nieder<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressemitteilung der Universität Bonn</h3><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29191</guid><pubDate>Wed, 19 Sep 2018 16:43:24 +0200</pubDate><title>MUT zeigt Sonderausstellung „Bach bearbeitet“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mut-zeigt-sonderausstellung-bach-bearbeitet/</link><description>Museum der Universität Tübingen zeigt im Rahmen des Tübinger Bachfests spezielle Interpretationen einzelner Bach-Werke</description><content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich des Tübinger Bachfests 2018 zeigt das Museum der Universität Tübingen (MUT) ab dem 27. September die zweisprachige Sonderausstellung „Bach bearbeitet – a media exhibition“. Bis zum 4. November 2018 werden auf Schloss Hohentübingen bekannte, aber auch überraschende Bearbeitungen Bach‘scher Werke gezeigt. Zur Eröffnung am Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen.</p><p>Bachs Werk war durch die Jahrhunderte bis heute Inspirationsquelle für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler. Sie deuteten, bearbeiteten oder übersetzten seine Musik und auch seine Biografie in mannigfaltigen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten – in Musik und Tanz, Film und Literatur. Sei es Mendelssohns Bearbeitung der Matthäus-Passion, Nacho Duatos Ballett-Hommage, Folkert Uhdes „Inside Partita“ oder Carl Zuckmayers Transformation der Bachfuge ins Lyrische ‒ jede Interpretation nimmt sich dieses musikalischen Erbes auf ihre Weise an.</p><p>„Die Medienschau überrascht mit außergewöhnlichen Interpretationen der Werke des größten Komponisten der Musikgeschichte“, sagt Kurator Dr. Frank Dürr. „Besonders das erstmalige Aufeinandertreffen der modernen Bearbeitungen in Bild und Ton wird viele Bach-Fans erfreuen.“</p><p>In zahlreichen medialen Formen und Facetten zeigt die Ausstellung die verborgene Freiheit, die in der Bearbeitung von Werk und Biografie Johann Sebastian Bachs zum Vorschein tritt. In der Mitte des Ausstellungsraums ist ein Silbermann-Hammerflügel als szenografisches Highlight platziert – ein Instrument, das Bach selbst zum Komponieren nutzte und das seine „völlige Gutheißung“ fand.</p><h3>Ausstellung:</h3><p>Kuration: Frank Dürr, Christian Fischer, Florian Mittelhammer&nbsp;<br> Mitarbeit: Marie Daschke, Daniela Debus, Karina Dipold, Matthias Ehm, Sebastian Gabler, Lars Krause, Lea Schubert, Johanna Schwille, Niklas Wursthorn<br> Ausstellungsgestaltung:&nbsp;&nbsp;Stephan Potengowski Formgebung</p><h3>Ort:&nbsp;</h3><p>MUT Alte Kulturen<br> Schloss Hohentübingen<br> Burgsteige 11<br> 72070 Tübingen</p><h3>Eröffnung:&nbsp;</h3><p>Mittwoch, 26. September 2018, 19 Uhr<br> Schloss Hohentübingen</p><h3>Laufzeit:&nbsp;</h3><p>27. September 2018 bis 4. November 2018<br> Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr<br> Informationen: 07071-29-77384, <a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Dr. Frank Dürr<br> Museum der Universität Tübingen MUT<br> Telefon +49 7071 29-74127<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,htcpm0fwgttBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">frank.duerr<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29062</guid><pubDate>Fri, 14 Sep 2018 14:17:19 +0200</pubDate><title>Studium Generale der Universität Tübingen im Wintersemester 2018/19</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-der-universitaet-tuebingen-im-wintersemester-2018-19/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen diskutieren unter anderem die Themenfelder Diskriminierung, Räumliche Orientierung und das Phänomen des Spiels</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Wintersemester 2018/19 startet das Studium Generale der Universität Tübingen mit sechs öffentlichen Vorlesungsreihen. Interessierte können diese kostenlos besuchen, Studierenden wird der Besuch einer Reihe mit &nbsp;ECTS-Punkten angerechnet. &nbsp;Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstr. 5, statt.</p><p>In der Reihe <strong>Buddha und Laotse im Spiegel deutschsprachiger&nbsp;Literaturen des 20. Jahrhunderts (Montag, 18 Uhr, HS 21)</strong> analysiert Professor Karl-Josef Kuschel die Wirkungsgeschichte des Taoismus und Buddhismus in Literatur des 20. Jahrhunderts: Wie finden sich Identität stiftende und Orientierung gebende Figuren wie Buddha und Laotse in den Werken von Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse oder Bertolt Brecht wieder?</p><p>Regionen fordern aus unterschiedlichsten Gründen und mit verschiedenen Strategien Autonomie oder gar staatliche Unabhängigkeit ein. In der&nbsp;Reihe <strong>Autonomieforderungen und Sezessionsbestrebungen in Europa und der Welt: Beweggründe, Entwicklungen, Perspektiven &nbsp;(Dienstag, 18 Uhr, HS 25)</strong> analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche Beispielfälle von Katalonien bis Hongkong. Organisiert wird die Ringvorlesung vom Europäischen Zentrum für Föderalismus-Forschung Tübingen (EZFF), das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.&nbsp;</p><p>Die Reihe <strong>Diskriminierung / Antidiskriminierung (Dienstag, 18 Uhr, HS 21)</strong> setzt sich mit dem Begriff der Diskriminierung und dessen Gegenstück, der Antidiskriminierung, auseinander. Auf Einladung des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung, des Instituts für Erziehungswissenschaft und des Vereins adis e.V. werden Ursachen, Mechanismen und unterschiedliche Dimensionen der Diskriminierung beleuchtet, vom Bildungssystem bis zum Internet.&nbsp;</p><p>Die Ringvorlesung <strong>Räumliche Intelligenz – Kulturtechniken der Orientierung im Wandel (Mittwoch, 18 Uhr, HS 21)</strong> befasst sich damit, wie wir uns im Raum bewegen und orientieren ‒ von historischen Orientierungspraktiken bis zur heutigen Digitalisierung der Navigation. Thematisiert werden auch unsere Kognitionsmuster, die dem zugrunde liegen, aus geographischer, medizinischer und medienwissenschaftlicher Sicht. Organisiert wird die Reihe von Professor Kurt Franz (Abteilung für Orient- und Islamwissenschaft), Professor Robert Kirstein (Philologisches Seminar) und Professorin &nbsp;Ellen Widder (Seminar für Mittelalterliche Geschichte).&nbsp;</p><p>Grenzen und deren Überschreitung werden nicht nur seit der Flüchtlingskrise hochemotional diskutiert ‒ Grenzlinien begegnen uns auch im Alltag, geographisch, sozial oder normativ und ihre Verletzung kann als Bedrohung der Ordnung wahrgenommen werden. Die Reihe <strong>Grenzen und Grenzüberschreitungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Mittwoch, 20 Uhr, HS 21)</strong> beleuchtet die Thematik in verschiedenen Themenfeldern und Zeiten. Organisiert von Dr. Daniel Menning &nbsp;und Dr. Gudrun Andersson ist sie die erste kooperative Vorlesung der Fachbereiche Geschichte an den Universitäten Tübingen und Uppsala.&nbsp;</p><p>Das Spiel bringt keinen unmittelbaren Nutzen und entfaltet trotz seines freien Charakters einen eigenen, tiefen Ernst. Gespielt wurde zu allen Zeiten und auch im Tierreich ist das freie Spiel verbreitet. In der Reihe <strong>Spiel – interdisziplinäre Annäherungen an ein menschliches Grundphänomen (Donnerstag, 18 Uhr, HS 21)</strong> wird das Phänomen aus verschiedenen Fachperspektiven beleuchtet, von der Philosophie über Sportwissenschaft und Theologie bis zur Linguistik. Organisiert wird die Reihe von Professor Boris Kotchoubey (Medizinische Psychologie) und Dr. Niels Weidtmann (Forum Scientiarum).</p><p>Das Programm für das Studium Generale liegt in Kürze an der Universität Tübingen und im Buchhandel aus. Es kann zudem unter sekretariat[at]hochschulkommunikation.uni-tuebingen.de oder unter Telefon 29-77851 bestellt werden. Im Internet unter: www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html&nbsp;&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon +49 7071 29-76789<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-29029</guid><pubDate>Thu, 13 Sep 2018 17:29:00 +0200</pubDate><title>Zell-Umgebung beeinflusst Art des Lebertumors</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zell-umgebung-beeinflusst-art-des-lebertumors/</link><description>Aktuell in Nature veröffentlicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Leberzellkarzinom stellt weltweit die zweithäufigste Krebstodesursache dar. Zwei unterschiedliche Formen decken das Gros der Erkrankungen ab: Rund 10 bis 20 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb der Leber ein Gallengangskarzinom (Cholanggiozelluläres Karzinom, ICC), der weitaus größere Anteil der Leberkrebserkrankungen entfällt auf das Leberzellkarzinom (HCC, Hepatozelluläres Karzinom). Auffällig war, dass in den letzten Jahren vor allem die Zahl der Patienten mit dem aggressiveren Gallengangskarzinom zunahm, obwohl keine unterschiedlichen Risikofaktoren auszumachen waren. Ein Forscherteam um Prof. Lars Zender vom Universitätsklinikum Tübingen und Deutschen Krebskonsortium (DKTK) konnte nun zeigen, dass das zelluläre Umfeld mit seinen absterbenden Leberzellen richtungsweisend dafür ist, welchen Weg die Tumorzellen einschlagen. Die Ergebnisse werden am 12. September 2018 im renommierten Fachmagazin <em>Nature </em>veröffentlicht.</p><p>Während bei vielen anderen Krebserkrankungen die Fortschritte bei der Früherkennung und Behandlung zu einer Senkung der Sterblichkeit geführt haben, ist bei Patienten, die an einem Krebs innerhalb der Leber erkrankt sind weiter eine dramatische Zunahme der Sterblichkeit zu verzeichnen. Besonders die in westlichen Ländern zunehmend verbreitete Fettleber führt inzwischen bei vielen Patienten zu chronisch vorgeschädigten Lebern, die ein Risikofaktor für Leberkrebs sind. Auffallend war, dass bei gleicher Vorbelastung und Risikofaktoren zum einen das Leberzellkarzinom und zum anderen das Gallengangskarzinom auftraten.&nbsp;Beide Krebserkrankungen sind unterschiedlich &nbsp;und werden auch unterschiedlich behandelt.&nbsp;</p><p>Als entscheidend für die Entwicklung der jeweiligen Krebsart erwies sich die Umgebung der Krebszellen, insbesondere die spezielle Form von Zelltod, die in der direkten Umgebung der Zellen auftrat. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Vorstufen von Krebszellen, in deren Umgebung Zellen durch Apoptose – den klassischen Zelltod – zugrunde gingen, sich zu einem Leberzellkarzinom entwickelten. Angehende Krebszellen, in deren Umgebung Zellen durch Nekroptose absterben, führten zu einem Gallengangskarzinom. Bei der Nekroptose löst sich die Zellhülle auf und der Zellinhalt verursacht Entzündungen in der Umgebung der Krebszelle, während sich beim klassischen programmierten Zelltod kleine Vesikel bilden, die vom Immunsystem beseitigt werden.&nbsp;</p><p>Die Ergebnisse konnten sowohl im Mausmodell als auch an humanen Gewebeproben verifiziert werden. Krebsforscher Xin Wei Wang vom amerikanischen Laboratory of Human Carcinogenesis (Center for Cancer Research, National Cancer Institute, Bethesda), steuerte dazu wichtige humane Analysedaten bei und Oliver Bischof, einer der weltweit führenden Epigenetiker vom Pariser Institut Pasteur (Laboratory of Nuclear Organization and Oncogenesis), konnte aufzeigen, wie die Mikroumgebung auf die Krebszelle einwirkt.</p><p>Was bedeuten die Erkenntnisse für die klinische Praxis? „Künftige Forschungsarbeiten müssen untersuchen, ob die direkte Zellumgebung nicht nur die Art der Tumorentstehung beeinflusst, sondern auch die Therapie“, so Prof. Lars Zender. Unter der Behandlung von HCC mit einer Chemoembolisation wurde bereits beobachtet, dass sich der ursprüngliche Leberkrebs zum Teil in ein Gallengangskarzinon umwandeln kann. Dieses könnte eine Ursache sein, warum der Krebs nicht mehr auf die ursprüngliche Therapie anspricht. &nbsp;„Möglicherweise sind wir hier einem Therapieresis-tenzmechanismus von Leberkrebs auf der Spur“, so der renommierte On-kologe und „wir versprechen uns für die Zukunft von den Erkenntnissen mögliche Hinweise für die Therapie“.</p><h3>Originalpublikation:&nbsp;</h3><p>Necroptosis microenvironment determines lineage commitment in liver cancer. DOI: 10.1038/s41586-018-0519-y (http://dx.doi.org/)</p><p><sub>Marco Seehawer 1,2, Florian Heinzmann 1,2, Luana D’Artista 1,2, Jule Harbig 1,2, Pierre-François Roux 3,12,13, Lisa Hoenicke 1,2, Hien Dang 4, Sabrina Klotz 1,2, Lucas Robinson 3,12,13, Grégory Doré 3,12,13, Nir Rozenblum 3, Tae-Won Kang 1,2, Rishabh Chawla 1,2, Thorsten Buch 6, Mihael Vucur 7, Mareike Roth 5, Johannes Zuber 5, Tom Luedde 7, Bence Sipos 8, Thomas Longerich 9, Mathias Heikenwälder 10, Xin Wei Wang 4, Oliver Bischof 3,12,13 and Lars Zender 1,2,11*</sub></p><p><sub>1 Department of Internal Medicine VIII, University Hospital Tuebingen, 72076 Tuebingen, Germany<br> 2 Department of Physiology I, Institute of Physiology, Eberhard Karls University Tuebingen, 72076 Tuebingen, Germany<br> 3 Institut Pasteur, Laboratory of Nuclear Organization and Oncogenesis, Department of Cell Biology and Infection, 75724 Paris, France<br> 4 Laboratory of Human Carcinogenesis, Center for Cancer Research, National Cancer Institute, Bethesda, MD 20892, USA<br> 5 Research Institute of Molecular Pathology (IMP), Vienna Biocenter (VBC), 1030 Vienna, Austria<br> 6 Institute of Laboratory Animal Science University of Zurich, University of Zurich, 8952 Schlieren, Switzerland<br> 7 RWTH University Hospital Aachen, Department of Gastroenterology, Digestive Diseases and Intensive Care Medicine (Department of Medicine III), Aachen, Germany<br> 8 Institute of Pathology, University of Tuebingen, Tuebingen, Germany<br> 9 Institute of Pathology, University Hospital RWTH Aachen, 52074 Aachen, Germany<br> 10 Division of Chronic Inflammation and Cancer, German Cancer Research Center (DKFZ), 69120 Heidelberg, Germany<br> 11 Translational Gastrointestinal Oncology Group, German Consortium for Translational Cancer Research (DKTK), German Cancer Research Center (DKFZ), Heidelberg 69120, Germany<br> 12 INSERM, U993, 75015 Paris, France<br> 13 Equipe Labellisée Fondation ARC pour la recherche sur le cancer, 94803 Villejuif, France</sub></p><h3>Zur Person&nbsp;</h3><p>Lars Zender, geboren 1975 in Hannover, war nach Medizinstudium in Hannover und Tätigkeit als Assistenzarzt in der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie Postdoktorand und Clinical Fellow am Cold Spring Harbor Laboratory in New York. Danach leitete er eine Arbeitsgruppe am Helmholtzzentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und an der Medizinischen Hochschule Hannover und wurde 2009 auf eine Juniorprofessur für Gastrointestinale Onkologie in Hannover berufen. 2012 übernahm er eine W3-Professur in Tübingen und leitete als Oberarzt und Sektionsleiter den klinischen Bereich Gastrointestinale Onkologie an der Medizinischen Klinik I (Gastroenterologie, Hepatologie, Infektionskrankheiten).<br> Seit 1.10.2016 leitet er als Ärztlicher Direktor die neu gegründete Abteilung für Innere Medizin VIII (Klinische Tumorbiologie) an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, welche auf die Behandlung von fortgeschrittenen Tumorerkrankungen spezialisiert ist. Neben seiner klinischen Tätigkeit forscht Zender mit seinem Team an neuen Therapieverfahren zur Behandlung aggressiver und therapieresistenter Tumore.&nbsp;<br> Zender wurde im März 2013 mit dem Deutschen Krebspreis der Deutschen Krebsgesellschaft ausgezeichnet. 2014 erhielt er den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Damit zählt der Tübinger Onkologe zur deutschen Forschungs-Elite.</p><h3>Medienkontakt</h3><p>Professor Dr. med. Lars Zender, Ärztlicher Direktor<br> Universitätsklinikum Tübingen<br> Medizinische Universitätsklinik, Abteilung Innere Medizin VIII &nbsp;&nbsp; &nbsp;<br> Universität Tübingen<br> Physiologisches Institut, Abteilung für Physiologie I<br> Telefon +49 7071 29-83675<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Nctu0AgpfgtBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">Lars.Zender<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Universitätsklinikum Tübingen<br> Kommunikation und Medien<br> Bianca Hermle<br> Leitung<br> Telefon&nbsp;&nbsp; &nbsp;+49 7071 29-81032<br> Telefax&nbsp;&nbsp; &nbsp;+49 7071 29-25024<br> bianca.hermle[at]med.uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.medizin.uni-tuebingen.de/presse" target="_blank" rel="noreferrer">www.medizin.uni-tuebingen.de/presse</a></p><p>&nbsp;</p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28951</guid><pubDate>Wed, 12 Sep 2018 16:46:12 +0200</pubDate><title>Wie Bakterien eine Behandlung mit Antibiotika im Schlaf aussitzen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-bakterien-eine-behandlung-mit-antibiotika-im-schlaf-aussitzen/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen die Grundlagen eines Therapieversagens, das nicht auf Resistenzen beruht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gegen Antibiotika können krankheitserregende Bakterien Resistenzen entwickeln, diese werden dann für die Behandlung einer Infektion unwirksam. Daneben gibt es einen anderen Mechanismus, mit dem manche Bakterien der tödlichen Wirkung von Antibiotika entgehen: Einige Zellen einer Population igeln sich ein und warten ab, bis keine Gifte mehr vorhanden sind. Dann nehmen sie ihre Lebensfunktionen wieder voll auf. So können zum Beispiel manche Harnwegsinfektionen nach scheinbar erfolgreich abgeschlossener Antibiotikabehandlung wieder aufflammen. Solche Überdauerungsformen, die zum Beispiel bei bestimmten <em>Escherichia coli-</em>Bakterien auftreten, haben Maja Semanjski, Katrin Bratl und Andreas Kiessling unter der Leitung von Professor Boris Maček vom Proteom Centrum der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Elsa Germain und Professor Kenn Gerdes von der Universität Kopenhagen untersucht. Varianten eines Enzyms gaben ihnen Hinweise, welche Prozesse die Bildung von Dauerstadien einleiten. Diese Ergebnisse liefern mögliche Ansatzpunkte, um Wirkstoffe gegen die gefährlichen Schläferzellen zu entwickeln. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Science Signaling </em>veröffentlicht.</p><p>Von Resistenz sprechen Wissenschaftler, wenn Bakterien gegen einen Wirkstoff unempfindlich sind. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Bakterien eindringende Antibiotika erfolgreich wieder aus ihrer Zelle ausschleusen können, wenn sie diese mithilfe eines Enzyms abbauen und dadurch unwirksam machen oder wenn sie einen durch Antibiotika blockierten Stoffwechselweg durch einen alternativen Weg ersetzen. „Antibiotika richten sich in der Regel gegen Wachstumsprozesse der Bakterien“, erklärt Kenn Gerdes. Die Dauerstadien seien nicht resistent, sondern nur vorübergehend tolerant gegenüber den Antibiotika, indem sie ihr Wachstum einstellen. „Genetisch haben sie die gleiche Ausstattung wie die anderen Bakterien in der Population.“ Welche Zellen einer Kolonie in einen Überdauerungszustand eintreten, unterliegt keinen erkennbaren Regeln. „Es passiert selten und betrifft nur jede zehntausendste bis millionste Zelle. Das erschwert die Untersuchung“, sagt der Wissenschaftler.</p><h3>Der Ausbildung der Dauerstadien auf der Spur</h3><p>Das Ausbilden der Dauerstadien wird auch als Fähigkeit zur Persistenz bezeichnet. Nähere Hinweise lieferten vor einigen Jahren Bakterien, die aus Patienten mit durch Escherichia coli verursachten Harnwegsinfektionen isoliert werden konnten. Durch Mutationen, das sind Genveränderungen, wiesen sie eine bis zu tausendfach verstärkte Persistenz auf, ohne dass die Resistenz gegenüber Antibiotika gesteigert war. Ähnliche Funde machten Forscher bei Mukoviszidose-Patienten, die mit dem entzündungserregenden Bakterium <em>Pseudomonas aeruginosa</em> infiziert waren. Mutiert war ein Enzym, das die Ausbildung von Dauerstadien einleiten kann, die HipA-Kinase (high persister gene A).</p><p>In der aktuellen Studie verglich das Forscherteam <em>Escherichia coli</em>-Bakterien mit der normalen HipA-Kinase mit solchen, deren Enzym die Mutationen aufwies. Dazu führten sie Proteomanalysen durch, bei denen jeweils der gesamte Proteinbestand der Bakterienzellen erhoben wird. „Wir konnten feststellen, dass die normale und die mutierte HipA-Kinase ein unterschiedliches Repertoire von bakteriellen Proteinen mit Phosphat modifiziert“, sagt Boris Maček. Eine Vermutung sei gewesen, dass die HipA-Kinase das Wachstum der Bakterienzellen hemmt und so die Ausbildung der Dau-erstadien einleitet. „Der Zusammenhang ist jedoch komplizierter“, so der Wissenschaftler. „Nach unseren Untersuchungen sind die Wachstumshemmung und die Persistenz Folge zweier verschie-dener Prozesse, denn die mutierte HipA-Kinase hemmt das Wachstum der Bakterienzellen deutlich weniger stark als die normale, aber erhöht die Persistenz um ein Vielfaches.“ Diese Ergebnisse liefern den Wissenschaftlern Hinweise, in welche Prozesse neue Wirkstoffe gegen die gefährlichen Persistenzen eingreifen müssten.</p><h3>Publikation</h3><p>Maja Semanjski, Elsa Germain, Katrin Bratl, Andreas Kiessling, Kenn Gerdes and Boris Macek: The kinases HipA and HipA7 phosphorylate different substrate pools in <em>Escherichia coli </em>to promote mul-tidrug tolerance. <em>Science Signaling</em>, 11, eaat5750 (2018). DOI 10.1126/scisignal.aat5750</p><h3>Wissenschaftlicher Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Boris Maček<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Proteom Centrum<br> Telefon +49 7071 29-70556<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dqtku0ocegmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">boris.macek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br> &nbsp;&nbsp;<br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt@uni-tuebingen.de</p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28831</guid><pubDate>Mon, 10 Sep 2018 17:04:00 +0200</pubDate><title>25. Tübinger Erbe-Lauf startet durch</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/25-tuebinger-erbe-lauf-startet-durch/</link><description>Neues Organisationsteam für den Jubiläumslauf ‒ Sammlung für die Initiative „Schwimmen für alle Kinder“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 16. September 2018 startet der 25. Tübinger Erbe-Lauf. In diesem Jahr organisatorisch auf neue Beine gestellt: Veranstalter des Laufes ist nun die Universität Tübingen, Ausrichter die Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen. Der Jubiläumslauf wurde erstmals unter der Leitung von Judith Deprins am Institut für Sportwissenschaft (IfS) der Universität Tübingen und in enger Kooperation mit der LAV Stadtwerke Tübingen organisiert. Die Stelle der Projektleitung war dank des Hauptsponsors Erbe Elektromedizin GmbH am IfS eingerichtet worden. An der Organisation waren auch wieder Studierende der Bachelorstudiengänge Sportwissenschaft mit den Profilen Sportmanagement, Gesundheitsförderung und Sportpublizistik beteiligt.</p><p>Die exakt vermessene 10-Kilometer-Laufstrecke des 1. und 2. Erbe-Laufs führt in drei Runden durch die Tübinger Altstadt. An der Grundidee des 1. Tübinger Stadtlaufs, Breitensport und Spitzensport in einer Veranstaltung zu vereinen, wird auch nach einem Vierteljahrhundert festgehalten: Nach einer gelungenen Premiere im letzten Jahr, wird erneut der „Jeder kann-Run“ über 3,3 Kilometer angeboten. Auch hier laufen die Teilnehmenden von der Mensa Wilhelmstraße durch die Altstadt und den Fahrradtunnel zum Anlagenpark und über die Mühlstraße zurück zum Zieleinlauf an der Neuen Aula ‒ allerdings wird die Strecke nur einmal zurückgelegt.</p><p>Die ersten Startschüsse fallen morgens für den VR Bank Schülerlauf „Gemeinsam gewinnt“. Schülerinnen und Schüler im U10-Lauf (Jahrgang 2009-2012) absolvieren eine Strecke von 700 Metern, des U12-Lauf (Jahrgang 2007-2008) 1.500 Meter und Teilnehmer der U14 /U16-Läufe (Jahrgang 2003-2006) eine Strecke von 3.300 Metern.</p><p>Bereits zum dritten Mal findet die BG Handbike Challenge „Bring was ins Rollen“ statt. Das Rollstuhl-Rennen über 3,3 Kilometer richtet sich an ambitionierte Breitensportler und auch Handbike-Einsteiger sind herzlich willkommen. Die Teilnehmer messen sich in unterschiedlichen Wettkampfklassen. Ein Start ist sowohl mit Adaptivbike als auch mit Rennbike möglich.</p><p>Rund 250 Helferinnen und Helfer werden im Einsatz sein ‒ ohne ihr &nbsp;ehrenamtliches Engagement könnte der Tübinger Erbe-Lauf nicht stattfinden. Auch dieses Jahr steht von 10:00 bis 15:30 Uhr ein Bus-Shuttle des Business Premium Partners Mey Generalbau GmbH zwischen der Universitätssporthalle Alberstraße 27 (Umkleide- und Duschmöglichkeit) und der Mensa Wilhelmstraße zur Verfügung. Neben den Freigetränken der Partner Imnauer Mineralquellen und Alpirsbacher Klosterbräu im Zielbereich vor der Universitätsbibliothek, wird es einen Getränkestand auf der Hauptlauf-Strecke im Anlagenpark geben: Hier ist die Zeltwanger Holding GmbH erstmals Business Team Partner des Erbe-Laufs.</p><p>Am Montag hatten sich 1837 Läufer angemeldet, davon 134 Teams im Firmenlauf. Im VR Bank Schülerlauf sind bislang 746 Nachwuchsläufer angemeldet. Aus Universität und Universitätsklinikum Tübingen laufen insgesamt zehn Teams um den Titel „Die schnellsten Denker“. Zudem gibt es Auszeichnungen sowohl für das schnellste als auch für das Team mit den meisten Teilnehmern. Für die BG Handbike Challenge gehen 16 Teilnehmer an den Start. Beim „Jeder kann-Run“ sind bislang 122 Läufer gemeldet. Nachmeldungen für alle Wettbewerbe sind am Samstag, den 15. September, in der Mensa Wilhelmstraße von 10:00 bis 18:00 Uhr möglich.</p><p>Diesjähriger Sozialpartner ist die Initiative „Schwimmen für alle Kinder“. Sie hat sich das Ziel gesetzt, möglichst vielen jungen Menschen aus Familien mit wenig Geld und aus Flüchtlingsfamilien die Chance für kostenlosen Schwimmunterricht zu bieten. Um Schwimmsicherheit zu erlangen, werden dabei alle Kinder und Jugendliche bis zum Jugendschwimmabzeichen Bronze gefördert. Läuferinnen und Läufer können die Initiative am Sonntag unterstützen indem sie durch das Spendentor in der Mühlstraße laufen ‒ pro Durchlauf gehen fünf Euro an „Schwimmen für alle Kinder“.</p><p>Die Studierenden des Bachelorstudiengangs Sportwissenschaft mit den Profilen Sportmanagement, Gesundheitsförderung und Sportpublizistik absolvieren ihr Pflichtpraktikum in der Organisation des Erbe-Laufs. Sie sammeln erste berufspraktische Erfahrungen und lernen was es bei der Konzeption, Planung, Durchführung und Evaluation sportlicher Veranstaltungen zu beachten gilt. Sie verhandeln unter anderem mit Wirtschaftspartnern, betreiben Online-Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, erstellen eine Sonderbeilage zum Lauf und koordinieren die Logistik der Großveranstaltung sowie das Wettkampfbüro und alle zeitlichen Abläufe.</p><p>Alle Informationen unter www.tuebinger-erbe-lauf.de&nbsp;</p><h3>Kontakt:</h3><p>Judith Deprins, Projektleitung 25. Tübinger Erbe-Lauf 2018<br> Universität Tübingen<br> Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät<br> Institut für Sportwissenschaft<br> Telefon: +49 7071 29-76420<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lwfkvj0fgrtkpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">judith.deprins<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.ifs.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.ifs.uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28828</guid><pubDate>Mon, 10 Sep 2018 16:59:00 +0200</pubDate><title>Soziale Ungleichheit unter berufstätigen Müttern gewachsen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/soziale-ungleichheit-unter-berufstaetigen-muettern-gewachsen/</link><description>Soziologische Studie: Bildungsgrad beeinflusst zunehmend, wie schnell Mütter in den Beruf zurückkehren und Betreuungsangebote nutzen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mütter mit einem höheren Bildungsgrad steigen nach der Geburt schneller wieder in den Beruf ein und nutzen eher Angebote zur Kinderbetreuung: Dieser bereits bekannte bildungsbedingte Unterschied zwischen Frauen mit niedriger und höherer Bildung hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich vergrößert, wie eine Studie zeigt, die Soziologinnen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Tübingen durchgeführt haben. Die Wissenschaftlerinnen untersuchten, wie Mütter mit unterschiedlichem Bildungshintergrund Angebote wahrnahmen, die eine frühe Rückkehr in den Beruf fördern und Zugang zu staatlich geförderter Kinderbetreuung erleichtern. Die Studienergebnisse ermöglichen ein besseres Verständnis dafür, wie Bildungsunterschiede mit Entwicklungen in der Familienpolitik und Veränderungen in der Arbeits- und Betreuungskultur zusammenwirken.&nbsp;</p><p>In der Studie werteten die Wissenschaftlerinnen Daten aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) von 6.282 Müttern und rund 8.600 Kindern aus, aus dem Zeitraum von 1997 bis 2013. Die Wissenschaftlerinnen untersuchten, ob Mütter erwerbstätig waren, ob sie &nbsp;Kindertageseinrichtungen (Kitas) oder informelle Betreuungsmöglichkeiten wie z.B. durch Großeltern oder Freunde nutzten, sowie jegliche Kombinationen aus beidem. Der Bildungsstand der Mütter wurde nach drei Gruppen unterschieden: hohe Bildung (Universitäts- oder Fachhochschulabschluss), mittlere Bildung (Berufsausbildung) sowie niedrige Bildung (keine Berufsausbildung). Des Weiteren verglichen die Soziologinnen Ost- und Westdeutschland, die historisch bedingt durch sehr unterschiedliche kulturelle Ideale geprägt sind, was die Berufstätigkeit von Müttern und formale Kinderbetreuung betrifft.</p><p>Das Ergebnis: Die Berufstätigkeit von Müttern mit niedrigem Bildungsstand blieb über den gesamten Zeitraum in Westdeutschland relativ stabil bei ca. 20 Prozent, während sie in Ostdeutschland zwischenzeitlich leicht sank. Vor allem in Westdeutschland nutzte diese Gruppe im untersuchten Zeitraum aber vermehrt formale Kinderbetreuungsangebote mit einem Anstieg des Anteils von zwei auf 16 Prozent. Gleichzeitig sank die informelle Betreuung, vor allem durch Großeltern, von 39 auf 18 Prozent. Bei Müttern mit mittlerer oder hoher Bildung war der Zuwachs in der Kitanutzung noch markanter, in den alten Bundesländern stieg der Anteil der Mütter, die eine Kita in Anspruch nahmen, bei mittlerer Bildung von sechs auf 21 Prozent und bei hoher Bildung von 14 auf 36 Prozent.&nbsp;</p><p>Besonders im Zeitraum nach 2007 machten sich die Bildungsunterschiede im Verhalten bemerkbar. Im Osten Deutschlands, wo zu Erhebungsbeginn (1997) kaum Unterschiede zwischen den drei Gruppen existierten, zeichnet sich dies drastischer ab als im Westen: Hier machte der Unterschied zwischen niedrig- und hochgebildeten Müttern, die sich für ihren Beruf entschieden, anfangs nur 3 Prozent aus, bis zum Ende der Erhebung waren es 30 Prozent. In Westdeutschland vergrößerte sich der Abstand zwischen diesen Gruppen von 13 auf 25 Prozent.</p><p>Mütter mit niedriger Bildung seien bei dieser Entwicklung dem Risiko ausgesetzt, dauerhaft in wirtschaftlicher Unsicherheit zu leben und gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden, warnen die Wissenschaftlerinnen. Auffallend an den Ergebnissen sei zudem die Annäherung von neuen und alten Bundesländern: In der ehemaligen DDR wurden Bildungsunterschiede im Hinblick auf die Berufstätigkeit von Müttern erst im Lauf der 2000er Jahre sichtbar.</p><p>Ursache könnte die Entwicklung des Arbeitsmarktes sein: „Schlechtere Berufsaussichten für Mütter mit niedriger Bildung könnten sie davon abgehalten haben, auf Anreize aus der Familienpolitik zu reagieren und nach der Geburt schnell wieder in den Beruf einzusteigen“, sagt Pia Schober, Professorin für Soziologie an der Universität Tübingen. „Unterschiedliche Arbeitsmarktchancen wären für ostdeutsche Mütter somit nach der Wiedervereinigung bedeutender für die Gestaltung von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung geworden als zuvor dominante kulturelle Normen.“</p><p>Nach Ansicht der Autorinnen könnten die Befunde auf neue, deutschlandweite Klassenunterschiede &nbsp;hindeuten. „Es bleibt abzuwarten, ob diese langfristig eine größere Bedeutung einnehmen als derzeit weiterhin bestehende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen im Berufsleben oder unterschiedliche Einstellungen in alten und neuen Bundesländern zur Betreuung in Kitas“, fasst Pia Schober zusammen.&nbsp;</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Stahl, J. F., &amp; Schober, P. S. (2017). Convergence or divergence? Educational discrepancies in work-care arrangements of mothers with young children in Germany. <em>Work, Employment &amp; Society,</em> published online April 7, 2017.</p><h3>Wissenschaftlicher Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Pia Schober<br> Universität Tübingen<br> Institut für Soziologie<br> Telefon +49 7071 29-73462&nbsp;<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rkc0uejqdgtBwpk/vwgdkpigp0fg " data-mailto-vector="2" class="mail">pia.schober@uni-tuebingen.de&nbsp;</a></p><p>&nbsp;</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28300</guid><pubDate>Thu, 30 Aug 2018 20:00:00 +0200</pubDate><title>Schon unsere Vorfahren vor 12,5 Millionen Jahren aßen Süßes und entwickelten Fettleibigkeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schon-unsere-vorfahren-vor-125-millionen-jahren-assen-suesses-und-entwickelten-fettleibigkeit/</link><description>Forscher der Universität Tübingen untersuchen Zivilisationskrankheiten und ihre evolutiven Ursachen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Wurzel heutiger Zivilisationskrankheiten liegt möglicherweise in einer genetischen Mutation bei unseren Vorfahren vor etlichen Millionen von Jahren, verbunden mit hohem Zuckerkonsum und der Anlage größerer Fettreserven. Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Gicht sind Krankheiten, welche nicht nur jährlich laut der Weltgesundheitsorganisation WHO Millionen von Menschenleben fordern, sondern auch bei unseren nächsten lebenden Verwandten Orang-Utan, Gorilla und Schimpansen auftreten. Seit etwa zehn Jahren vermuten Wissenschaftler, dass die menschliche Veranlagung für diese Zivilisationskrankheiten in der gemeinsamen Evolutionsgeschichte von Mensch und Menschenaffen begründet sei. Unseren Verwandten und uns Menschen fehlt, im Gegensatz zu anderen Affen, das Enzym Uricase im Stoffwechsel. Dadurch kommt es zur Anreicherung von Harnsäure im Blut und in der Folge auch zur Anreicherung von Körperfett. Fruchtzucker (Fruktose) ist, im Gegensatz zum Traubenzucker (Glukose), in der Lage, diese Effekte zusätzlich zu verstärken. Gemäß der Uricase-Theorie trat die genetische Mutation, die zum Verlust der Uricase führte, bei den letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschenaffen und Menschen vor 15 Millionen Jahren in Europa auf.</p><p>Tübinger und Dresdener Forscher haben nun erstmals einen paläontologischen Beleg für diese Theorie entdeckt. Zu dem Team gehören Professorin Madelaine Böhme und Jochen Fuß von der Universität Tübingen und dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment sowie Gregor Uhlig vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. An 12,5 Millionen Jahre alten Zähnen des <em>Dryopithecus carinthiacus</em>, des ältesten Vertreters der afrikanischen Menschenaffen und des Menschen, fand das Forscherteam Zahnkaries im fortgeschrittenen Stadium. Die Zähne waren 1953 in Kärnten, Österreich, geborgen worden. „Dieser Befund war für uns sehr überraschend, da das Entstehen des Krankheitsbildes Karies bisher stets mit der Erfindung des Ackerbaus – der Neolithischen Revolution – vor etwa zehntausend Jahren in Zusammenhang gebracht wurde. Seit dieser Zeit wurde mehr gekochte Stärke verzehrt“, erklärt Madelaine Böhme, die Leiterin der Studie. Eine umfangreiche vergleichende Untersuchung des Zahnstatus von 365 Schimpansen aus der freien Wildbahn von Liberia in Westafrika erbrachte, dass nur 0,17 Prozent von deren Zähnen kariös waren. „Die beobachtete Karies bei den Schimpansen ist zudem deutlich schwächer ausgeprägt als beim fossilen Menschenaffen“, ergänzt Jochen Fuß.</p><h3>Hoher Zuckerkonsum</h3><p>Im Gegensatz zur archäologisch häufig belegten Zahnfäule bei frühen Bauern ist die Karies bei <em>Dryopithecus carinthiacus </em>jedoch auf einen hohen Zuckerkonsum zurückzuführen. Um dies zu belegen, nutzen die Forscher fossile Pollen von Bäumen, Sträuchern und Lianen, die sich in den Kärntner Ablagerungen am Fundort des 12,5 Millionen Jahre alten Unterkiefers fanden. Sie stießen dabei auf mindestens neun Arten, deren Früchte stark zuckerhaltig sind wie unter anderem Wein, Maulbeere, Erdbeerbaum, Esskastanie, Ölweide sowie Vertreter von Kirsche und Pflaume. Außerdem fanden sie 46 honigtragende Pflanzen, wodurch Honig als zusätzlicher Zuckerlieferant in Frage kommt. Gemäß ihrer Studie war daher Zucker in neun bis zehn Monaten des Jahres, von März bis Dezember, im Miozän in der Landschaft Kärntens verfügbar. Während heutige Menschenaffen in Phasen von Fruchtknappheit junge Blätter als Notnahrung nutzen, war dies den europäischen Menschenaffen nicht möglich. „Aufgrund der geringen Lichteinstrahlung beziehungsweise der kurzen Tageslänge im Januar und Februar gab es trotz nahezu tropischer Temperaturen in den nördlichen Mittelbreiten im Spätwinter keinen Blattaustrieb“, erklärt Böhme. Der Chemiker Gregor Uhlig setzt hinzu: „Um diese Hungerperiode zu überstehen, mussten unsere Vorfahren Fettreserven anlegen.“</p><h3>Vermehrte Bildung von Körperfett</h3><p>Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass die von <em>Dryopithecus</em> vermutlich konsumierten Früchte am Ende der Wachstumsperiode im frühen Winter von November bis Dezember einen erhöhten Gehalt an Fruchtzucker besitzen. Dieser führte aufgrund der ihnen fehlenden Uricase unmittelbar zur vermehrten Bildung von Körperfett. Die daraus ableitbare Vermutung, dass europäische Menschenaffen eine substanzielle Fettreserve besaßen, konnten die Forscher am bisher einzigen kompletten Skelett eines Menschenaffen aus Europa bestätigen: dem acht Millionen Jahre alten <em>Oreopithecus bamboli </em>aus der Toskana. In seinem bis heute erhaltenen Weichgewebe fanden sich dicht gepackte Fettzellen, die in Größe und Form an weißes Fettgewebe heutiger Menschen erinnern.„Viele klinische Studien der Vergangenheit haben gezeigt, dass ein erhöhter Harnsäuregehalt des Blutes zu erhöhtem Blutdruck führt“, sagt Böhme. Gemäß der Uricase-Theorie könnte neben den Fettreserven ein stabil hoher Blutdruck während der Hungerphasen ein wichtiger selektiver Vorteil der Menschenaffen im Miozän Europas gewesen sein. Denn diese Voraussetzungen erlauben körperliche Aktivität auch bei Nahrungsknappheit. „Eine vor Millionen von Jahren aufgetretene Mutation war maßgeblich dafür, dass frühe Menschenaffen Eurasien besiedeln und eine enorme Artenvielfalt hervorbringen konnten“, resümiert Böhme. „Wir tragen noch heute ihr Erbe in uns. Dieser Vorteil ist jedoch in einer Welt industriell gefertigter Nahrungsmittel in ein Handicap umgeschlagen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28261</guid><pubDate>Wed, 29 Aug 2018 17:13:00 +0200</pubDate><title>Nahrungsumstellung mit Todesfolge</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nahrungsumstellung-mit-todesfolge/</link><description>Osteuropäische Wollhaarmammute änderten kurz vor ihrem Aussterben ihre Ernährung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den möglichen Grund für das Aussterben der Wollhaarmammute vor 18.000 Jahren untersucht. In ihrer kürzlich im Fachjournal „Quaternary Research“ erschienenen Studie kommen sie anhand von Isotopenuntersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Mammute kurz vor ihrem Aussterben ihre Nahrungsgewohnheiten ändern mussten. Diese erzwungene Umweltanpassung, kombiniert mit dem Jagddruck durch den frühen Menschen, führte letztlich zum Tod der Mammute.</p><p>Wollhaarmammute (<em>Mammuthus primigenius</em>) entwickelten sich vor etwa 800.000 bis 600.000 Jahren und gelten als die letzten Vertreter der Mammute. Doch auch diese Verwandten des Elefanten verschwanden vor etwa 15.000 Jahren aus weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes. „Mit der letzten Reliktpopulation auf der sibirischen Wrangelinsel starben die Wollhaarmammute schließlich vollständig aus“, erklärt Dr. Dorothée Drucker vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Eberhard Karls Universität Tübingen und fährt fort: „Ob eine übermäßige Bejagung das Aussterben der Tiere verursacht hat oder rasche Klimaveränderungen zum Ende der Eiszeit, ist bis heute umstritten.“</p><p>Um eine Antwort zu finden, hat ein internationales Team unter Leitung von Drucker und Beteiligung des Senckenberg-Wissenschaftlers Prof. Dr. Hervé Bocherens 18.000 bis 17.000 Jahre alte fossile Mammutknochen auf die Isotopenzusammensetzung von Kohlenstoff und Stickstoff untersucht. Diese beiden Elemente finden sich im Knochenkollagen der Tiere und geben Auskunft darüber, welche Pflanzen überwiegend von den Mammuten gefressen wurden.</p><p>„Frühere Untersuchungen zeigen, dass sich die Mammute in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet – von Südwestfrankreich bis Alaska – überwiegend von Steppengras ernährten. Damit unterschied sich ihre Ernährung deutlich von anderen Pflanzenfressern, wie Wollnashörnern, Pferden, Bisons oder Rentieren und die Mammute besetzten eine eigene ökologische Nische“, erläutert Drucker.</p><p>Umso überraschter war die Tübinger Wissenschaftlerin, als die Proben von Mammuten der ukrainischen Gegend um Mezhirich niedrige Stickstoffisotopenwerte aufzeigten – „solche Werte kennen wir sonst nur von fossilen Pferdeknochen“, ergänzt Drucker.&nbsp;Das Wissenschaftlerteam schlussfolgert, dass die Mammute etwa 3.000 Jahre vor ihrem Aussterben ihre Nahrung wechseln mussten, weil sie aufgrund der Klimaveränderungen ihr bisheriges Futter nicht mehr vorfanden.</p><p>Drucker hierzu: „Die Mammute mussten demnach mit anderen Pflanzenfressern um ihre Nahrung konkurrieren, zudem war die Alternativkost nicht optimal für die großen Tiere. Der Versuch, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, wurde außerdem durch die Bejagung durch den Menschen erschwert.“Das Wissenschaftlerteam rund um Drucker resümiert, dass die Mammute von Mezhirich aufgrund des Klimawandels und der daran geknüpften Umweltveränderungen ausstarben. „Ob dies auch bei anderen Mammutpopulationen der Fall ist, müssen wir noch untersuchen“, sagt Drucker und gibt einen Ausblick: „Unsere Daten können uns wichtige Hinweise zu den Mechanismen des Aussterbens großer Säugetiere vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Konkurrenz mit dem Menschen liefern. Diese Situation betrifft leider auch heutige Tiere häufig.“</p><p><strong>Pressemitteilung der&nbsp;Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung&nbsp;</strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28174</guid><pubDate>Tue, 28 Aug 2018 12:52:53 +0200</pubDate><title>Wie Bakterien ihre gefährliche Fracht an die richtige Adresse bringen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-bakterien-ihre-gefaehrliche-fracht-an-die-richtige-adresse-bringen/</link><description>Forscher der Universität Tübingen erkennen, wie Krankheitserreger ähnliche Proteine für den Einsatz in der eigenen Zelle oder als Gift sicher unterscheiden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Manche krankheitserregenden Bakterien, wie zum Beispiel Salmonellen, injizieren giftige Proteinmischungen in die Zellen ihres Wirts, um diese umzuprogrammieren. So können die Bakterien das Immunsystem des Wirts umgehen und dessen Gewebe erfolgreich besiedeln. Im Giftcocktail enthalten sind sogenannte Transmembranproteine, die für die Zwecke der Bakterien in der Außenhaut der Wirtszelle tunnelförmig Poren öffnen sollen. Ähnliche Transmembranproteine benötigen die Bakterien jedoch auch in ihrer eigenen Innenmembran. Gelangten die für den Export bestimmten Transmembranproteine dorthin, könnte es für die Bakterienzelle gefährlich werden. Durch die ungewollten Öffnungen droht ihr die Auflösung. Unter der Leitung von Professor Samuel Wagner hat ein Forscherteam vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen herausgefunden, welch ausgeklügelter Mechanismus solche Irrtümer verhindert. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.</p><p>Membrane bestehen in ihrer Grundstruktur aus Molekülen, die an ihrem einen Ende wasserabstoßende, am anderen Ende wasserfreundliche Strukturen haben. Die wasserabstoßenden Enden ordnen sich gegenüberliegend zu einer Doppelschicht an, aus der das Wasser verdrängt wird. „Transmembranproteine, die die Membrandoppelschicht durchspannen sollen, müssen eine entsprechende Struktur besitzen“, erklärt Samuel Wagner, „also einen längeren wasserabstoßenden Abschnitt.“ Produziere die Bakterienzelle ein solches Protein, erkennen bestimmte Signalstoffe, dass es in eine Membran gehört. Sie heften sich an und geleiten es über einen Rezeptor zum Zielort, der Innenmembran des Bakteriums. „Anders muss es laufen, wenn das Transmembranprotein in den Export gehen soll. Ein solches Protein trägt zwei widersprüchliche Signale in sich: Einen Abschnitt mit wasserabstoßenden Eigenschaften, der als&nbsp;vermeintlichen Zielort die Innenmembran des Bakteriums nahelegt, und eine Exportadresse“, sagt Wagner.</p><h3>Hinweise für die Infektionsforschung</h3><p>Laborversuche, Berechnungen und Simulationen ergaben, wie die Bakterienzelle nun vorgeht. „Wir haben festgestellt, dass in vielen Fällen die wasserabstoßenden Eigenschaften der für den Export bestimmten Transmembranproteine etwas schwächer sind. Sie bleiben dadurch gerade unter der Schwelle für den Einbau in die Innenmembran“, sagt Wagner. Diese Proteine könnten ihre Funktion in der Membran der Wirtszellen dennoch gut erfüllen. Zum anderen werden bei den Exportproteinen sogenannte Chaperone aktiv, die neu hergestellten Proteinen bei der Faltung zur endgültigen Form verhelfen. „Sie erkennen, dass das Protein an eine Exportadresse gehen soll und decken wohl auch den Abschnitt mit der wasserabstoßenden Struktur ab. Dadurch kann sich das Signal für die Innenmembran gar nicht erst anheften“, erklärt der Wissenschaftler.Die neuen Ergebnisse machten deutlich, wie fein reguliert die korrekte Zustellung der Transmembranproteine in den Bakterien abläuft. „Die Ausprägung dieser Fähigkeiten ist auch mit entscheidend für die Gefährlichkeit vieler bakterieller Krankheitserreger“, sagt Samuel Wagner. Die neue Studie gebe daher auch für die weitere Infektionsforschung wichtige Hinweise.<span style="font-size:11.0pt"><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,&quot;sans-serif&quot;"></span></span></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28105</guid><pubDate>Fri, 24 Aug 2018 14:20:25 +0200</pubDate><title>„Vorsicht, das lief letztes Mal schief“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vorsicht-das-lief-letztes-mal-schief/</link><description>Nervenzellen im Kleinhirn weisen vor einer Augenbewegung auf zuvor gemachte Fehler hin. So helfen sie uns, Bewegungen anzupassen und zu lernen, berichten Tübinger Forscher</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von links nach rechts, von oben nach unten: Bei Augenbewegungen können auch bei solchen einfachen Aufgaben kleine Abweichungen entstehen. Wissenschaftler um Professor Peter Thier und Marc Junker am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen berichten nun von Hirnsignalen, die auf diese Fehler hinweisen. Sie werden von Nervenzellen im Kleinhirn ausgesendet, und zwar kurz bevor wir eine Augenbewegung erneut ausführen. Das ermöglicht uns, die Bewegung anzupassen und zu lernen. Mit der Studie klären die Forscher die Funktion der sogenannten Kletterfasersignale, welche bislang umstritten war. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift <em>PLOS Biology</em> erschienen.</p><p>„Um eine Bewegung optimal durchzuführen, kombiniert das Kleinhirn Informationen unterschiedlicher Art“, erklärt Studienleiter Thier. Sie laufen in den sogenannten Purkinjezellen zusammen. Infolgedessen senden die Zellen selbst zwei verschiedene Signale aus. Das erste ist ein hochfrequentes Signal, das Informationen über die Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung einer Bewegung weiterleitet. Das zweite ist ein niederfrequentes Signal, das entsteht, wenn die Zellen Informationen aus den sogenannten Kletterfasern erhalten. „Bei dem Kletterfasersignal war bisher unklar, ob es sich um ein Fehlersignal handelt, das Abweichungen in dem durchgeführten Bewegungsablauf signalisiert – oder ob es ein ‚Gedächtnissignal‘ ist, das zeigt, wieviel in einer neuen Situation bereits gelernt wurde“, so Thier.</p><p>Um die Aufgabe des Kletterfasersignals zu entschlüsseln, maßen die Forscher die Aktivität einzelner Purkinjezellen im Gehirn von Rhesusaffen. Diese verfolgten dabei einen Punkt auf einem Bildschirm, der mit einem bestimmten Abstand von der Mitte nach oben, unten, links oder rechts sprang. Der Punkt war so programmiert, dass der Abstand sich hin und wieder zufällig veränderte. In diesen Durchgängen blieb das Blickziel nicht dort, wo der Affe es erwartete, sondern es verlagerte sich etwas nach außen oder nach innen. Als Folge landeten seine Augen nicht mehr auf dem Ziel, sondern leicht daneben: Ein Bewegungsfehler war ausgelöst. Mit diesem Versuchsaufbau konnten die Wissenschaftler klären, unter welchen Bedingungen und in welcher Form das Kletterfasersignal entsteht.</p><p>„Wir sahen, dass das Kletterfasersignal zum einen in dem Moment gesendet wird, in dem ein Bewegungsfehler stattfindet. Es ist also ganz klar ein Fehlersignal“, erklärt Erstautor Junker. Die Wissenschaftler beobachteten das Signal aber noch zu einem anderen Zeitpunkt. Kurz bevor eine Augenbewegung erneut ausgeführt wird, wird es ebenfalls gesendet – und zwar abhängig von dem Fehler, der in der vorherigen, identischen Bewegung gemacht wurde. „Gemäß dem Spruch ‚Vorsicht, das lief letztes Mal schief‘ erinnert sich das Kleinhirn auf diese Weise an vergangene Fehler“, erläutert Junker. Dadurch könne die aktuelle Bewegung direkt angepasst und verbessert werden.</p><p>Das Kletterfasersignal erfüllt also beide zugeschriebenen Rollen und ist Fehler- und Gedächtnissignal zugleich. „Jede Art von Bewegung erfordert ein Höchstmaß an Präzision und Verlässlichkeit. Diese kann nur aufrechterhalten werden, wenn stets auch die kleinsten Unzulänglichkeiten erfasst und genutzt werden, um zukünftige Fehler zu vermeiden“, so Thier.</p><p>Patienten, deren Kleinhirn aufgrund Multipler Sklerose, Schlaganfällen oder Hirntumoren geschädigt ist, besitzen diese Fähigkeit nicht oder nur eingeschränkt. „Eine Ataxie ist die Folge: Die Betroffenen können sich zwar noch bewegen, sind jedoch unsicher und wenig präzise. Das hat erhebliche Auswirkungen auf ihren Alltag“, berichtet Thier. Neben Augenbewegungen gehört auch das Heben einer Tasse, Zähneputzen, Tastaturschreiben oder Sprechen zu den Bewegungen, die vom Kleinhirn kontrolliert werden. Derzeit können Ataxien nicht behandelt werden. Nur ein besseres Verständnis der Art und Weise, wie das Kleinhirn Bewegungen optimiert, ermöglicht langfristig die Entwicklung effektiver Rehabilitationsmaßnahmen. Für die Wissenschaftler keine leichte Aufgabe: „Das Kleinhirn ist sehr komplex und alles andere als klein – es enthält wesentlich mehr Nervenzellen als der gesamte Rest unseres Gehirns“, sagt Thier.</p><h3>Publikation</h3><p>Junker M, et al. (2018): Learning from the past: a reverberation of past errors in the cerebellar climbing fiber signal. <em>PLOS Biology</em>, Online Vorabveröffentlichung am 02.08.2018</p><p>DOI: <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2004344" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2004344</a></p><h3>Webseiten</h3><p><a href="https://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.hih-tuebingen.de</a> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung</p><p><a href="https://www.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de</a> Eberhard Karls Universität Tübingen</p><p><a href="https://www.cin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.cin.uni-tuebingen.de</a> Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften</p><h3>Autorenkontakt</h3><p>Prof. Dr. Peter Thier<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Universität Tübingen<br> Telefon +49 7071 29 – 83057<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjkgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">thier<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p><p>Marc Junker<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)&nbsp;<br> Universität Tübingen<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octe0c0lwpmgtBiqqingockn0eqo" data-mailto-vector="2" class="mail">marc.a.junker<span style="display:none">spam prevention</span>@googlemail.com</a></p><h3>Pressekontakt</h3><p>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Kommunikation<br> Dr. Mareike Kardinal<br> Leitung<br> Telefon +49 7071 29-88800<br> Fax +49 7071 29-25004<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a></p><p><br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br> Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76788<br> +49 7071 29-76789<br> Fax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28030</guid><pubDate>Tue, 21 Aug 2018 16:28:15 +0200</pubDate><title>Neue Software erleichtert Tierbewegungsforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-software-erleichtert-tierbewegungsforschung/</link><description>DeepLabCut analysiert mit Künstlicher Intelligenz Bewegungsabläufe von Tieren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Software soll künftig Tiervideos besonders schnell und präzise auswerten: Das Programm DeepLabCut wurde von einem Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Harvard entwickelt. Die Software basiert auf maschinellem Lernen und kann nach kurzem Training Bewegungsabläufe von Tieren in Videos analysieren. Es ist auf viele Versuchsanordnungen übertragbar, kann ohne Programmierkenntnisse bedient werden und ist frei im Internet verfügbar: <a href="http://mousemotorlab.org/deeplabcut" target="_blank" rel="noreferrer">mousemotorlab.org/deeplabcut</a>. Die Ergebnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu DeepLabCut wurden nun in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht.&nbsp;</p><p>„Bisher war es sehr aufwändig, Bewegungen von Körperteilen in Videos zu analysieren“, erklärt Dr. Alexander Mathis, Neurowissenschaftler am Bernstein Center for Computational Neuroscience an der Universität Tübingen sowie der Harvard University „DeepLabCut lernt anhand einiger Beispielbilder, die exakte Position von Körperteilen in allen Bildern eines Videos zu bestimmen.“ Gemeinsam mit Dr. Mackenzie Mathis vom Rowland Insitute at Harvard, sowie Dr. Matthias Bethge, Professor für Computational Neuroscience and Machine Learning an der Universität Tübingen, hat er das Projekt geleitet.&nbsp;</p><p>Es begann mit einem doppelten Dilemma: Mackenzie Mathis wollte erforschen, wie genau das Zusammenspiel von Händen und Gehirn bei Mäusen funktioniert und hatte dafür Mäuse bei Greifbewegungen auf Video aufgezeichnet. Alexander Mathis hatte unter Laborbedingungen eine Maus gefilmt, die auf einem Laufband laufend einer Riechspur verfolgt. Er wollte herausfinden, wie Mäuse die einzelnen Geruchsfetzen, die sich bei jedem Einatmen ergeben, zu einem Ganzen zusammenfügen. Für beide Vorhaben mussten die Forscher die Bewegungsabläufe genauestens dokumentieren, doch herkömmliche neurowissenschaftliche Methoden lieferten keine befriedigenden Ergebnisse. Alternativ hätten sie Reflektoren auf den Versuchstieren platzieren werden können, um die Körperteilerkennung zu vereinfachen, wie es in Biomechanikstudien üblich ist. „Das kam jedoch nicht in Frage, denn solche Marker beeinträchtigen auch das Verhalten des Tieres“, erinnert sich Alexander Mathis. Sie machten sich daher auf die Suche nach einer Alternative.</p><p>Forscherkollege Matthias Bethge schlug den Mathises vor, ein bestehendes Netzwerk umzutrainieren – im Fachjargon transfer learning genannt. Denn fernab der Neurowissenschaften waren im Forschungsfeld des Maschinellen Sehens beeindruckende Methoden zur reflektorfreien Erkennung von Gliedmaßen von Menschen entwickelt worden. Diese, so glaubte Bethge, könnten als Basis für die Tierbewegungsforschung dienen. Die Mathises wählten als Grundlage den Algorithmus DeeperCut, der menschliche Körperhaltungen analysieren kann. In der Vorbereitung lernt DeeperCut anhand hunderttausender Bilder von Katzen, Hunden, Früchten etc. zunächst viele verschiedene sogenannte visuelle Repräsentationen. Die Forscher vermuteten, dass das Netzwerk wegen dieses großen Vorwissens mit nur wenigen Beispielen zur Körperteilerkennung von Tieren umtrainiert werden kann. Ähnlich funktioniert auch das visuelle Lernen von Kindern, die neue Seherlebnisse anhand ihrer Erfahrung aus vorherigen Beobachtungen einordnen können: Ein unbekanntes faustgroßes, ballförmiges Objekt kann als Frucht eingeordnet werden ohne es gleich als Apfel identifizieren zu müssen.&nbsp;</p><p>Entsprechend trainierten die Forscher ihre eigenen Netzwerke auf Bildern aus Tiervideos von Mäusen und Fruchtfliegen, indem sie bei einigen Aufnahmen die zu beobachtenden Körperteile manuell markierten. Mithilfe dieses Trainings sollte der Computer auf allen übrigen Bildern der Videos die entsprechenden Körperteile erkennen und automatisch markieren können. Der Versuch war überaus erfolgreich: Nicht nur gelang der Lerntransfer vom einen auf das andere Netzwerk, auch der geringe Trainingsaufwand ließ die Forscher staunen. Der neue Algorithmus DeepLabCut konnte bereits ab einem Trainingsdatensatz von 200 Bildern die Körperteile der jeweiligen Tiere in Bewegung erkennen und sie so präzise wie ein Mensch zuordnen.&nbsp;</p><p>DeepLabCut kann mit etwas Training fast jedes Tierverhalten auswerten. Das Programm entspricht einem Baukasten und ist sehr benutzerfreundlich konzipiert; Programmierkenntnisse sind hilfreich, aber nicht erforderlich. „Die Software ist frei verfügbar“, betont Mackenzie Mathis „Wir wollen, dass möglichst viele Wissenschaftler und ihre Forschung davon profitieren.“ Mehr als fünfzig Labore nutzen das Programm schon, um beispielsweise die Gangart von Pferden zu vermessen, das Kriechverhalten von Blutegeln zu erforschen oder um Bewegungen von Operationsrobotern aufzuzeichnen.Ohne die Arbeiten zum Algorithmus DeeperCut wäre den Forschern die Entwicklung von DeepLabCut so schnell nicht möglich gewesen. Als Würdigung der Arbeit der Forscherkollegen ist daher der Name von DeepLabCut an DeeperCut eng angelehnt. „Für den wissenschaftlichen Fortschritt ist das Teilen von Ergebnissen, Daten und auch Algorithmen essentiell wichtig“, betont Bethge. „Daher haben wir DeepLabCut als Open Source Software entwickelt und freuen uns sehr über das positive Feedback unserer Forscherkollegen in den Neurowissenschaften.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27760</guid><pubDate>Wed, 15 Aug 2018 11:07:14 +0200</pubDate><title>Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/orientieren-auf-die-schnelle-neue-erkenntnisse-zur-wahrnehmungssteuerung-im-gehirn/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler beschreiben Rolle des „Colliculus Superior“ neu ‒ Region im Stammhirn verarbeitet entgegen bisheriger Annahmen selbst visuelle Reize</description><content:encoded><![CDATA[<p>Augenbewegungen und gerichtete Aufmerksamkeit werden in unserem Gehirn von einer kleinen, zentral sitzenden Struktur im Hirnstamm gesteuert, dem Colliculus Superior („Oberes Hügelchen“). Ein Neurowissenschaftlerteam unter der Leitung von Professor Ziad Hafed vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) an der Universität Tübingen hat nun Hinweise gefunden, dass dieses Hirnareal nicht nur Bewegungen steuert, sondern auch eigenständig visuelle Reize verarbeitet. Es kann grobe, gleichförmige Bildbereiche besonders schnell verarbeiten und stellt so sicher, dass unsere Wahrnehmung die wichtigsten visuellen Informationen aus der Umwelt effizient ansteuern kann.</p><p>„Die Art und Weise, wie der Colliculus Superior visuelle Eindrücke aus der Umwelt verarbeitet, ist genau darauf zugeschnitten, dass wir uns zielgerichtet orientieren können“, stellt Ziad Hafed sein Studienobjekt vor. Der Leiter einer Forschungsgruppe am CIN und HIH erforscht seit Jahren das Sehsystem von Primaten. Bei diesen, wie auch bei Menschen, findet die Bildverarbeitung hauptsächlich im visuellen Kortex statt, einem gut erforschten Teil der Großhirnrinde. Hafeds Team war aufgrund eigener früherer Ergebnisse aber überzeugt, dass auch das „Obere Hügelchen“ im Hirnstamm wichtige Funktionen übernimmt. Beim Sehen von Fischen und Amphibien etwa spielt es eine überragende Rolle. Bei Säugetieren und Primaten war die Annahme bislang, dieses Areal lenke lediglich Augenbewegungen und Aufmerksamkeit.</p><p>Hafed und seine Forschergruppe aber gingen davon aus, dass der Colliculus Superior eine zentrale Rolle in der visuellen Orientierung und Bewegung im Raum spielt. „Wenn ein Hirnareal schon Augenbewegungen steuert, dann liegt es nahe, dass es allgemeine Orientierungsaufgaben übernimmt“, meint Hafed. „Dazu muss es aber auch visuelle Informationen verarbeiten können.“</p><p>Um dieser These nachzugehen, führte sein Labor neurophysiologische Experimente mit Rhesusaffen durch, deren Sehsystem dem unseren sehr ähnlich ist. Die Forscher beobachteten, wie einzelne Gehirnzellen (Neuronen) im Colliculus Superior auf Bildreize reagierten, die den Affen präsentiert wurden. Sie fragten: Würden Veränderungen in Ausrichtung, Kontrast, Hintergrund und anderen Bildeigenschaften für die Neuronen einen Unterschied machen? Ist das untersuchte Areal für Raumorientierung zuständig, müssten Neuronen dort besonders schnell auf solche Reize reagieren, denen wir unsere Aufmerksamkeit zuerst schenken. In natürlichen Umgebungen sind dies allgemeinste Dinge, etwa ob vor uns ein freier Raum liegt, wo Hindernisse sind oder ob zum Beispiel eine Gestalt oder ein Gesicht zu erkennen ist. Damit wir uns in unserer Umwelt orientieren können, &nbsp;muss unser Gehirn derartige Eindrücke so schnell wie möglich verarbeiten. Erst danach werden die Details wichtig.&nbsp;</p><p>Die Wissenschaftler beobachteten deshalb die Reaktion der von ihnen untersuchten Neuronen auf große, gleichförmige Bilder mit einem geringen Maß an Informationsdichte (im Fachjargon: einer niedrigen Raumfrequenz). Derartige Bildreize erhalten wir zum Beispiel, wenn wir Landschaften, Wolken oder den Horizont betrachten. Das Ergebnis: Tatsächlich antworten Neuronen im Colliculus Superior am schnellsten auf Bildreize mit niedriger Raumfrequenz. Zwar reagieren nicht alle Neuronen in gleicher Weise, manche zeigen sogar einen insgesamt stärkeren Ausschlag bei hohen Raumfrequenzen. Aber selbst bei diesen Hochfrequenz-Spezialisten kommt das Signal schneller, wenn flächige, vergleichsweise informationsarme Reize präsentiert werden. Die schnellstmögliche Reaktion auf solche Reize hat offenbar Priorität vor der Analyse des Bildinhalts selbst. Kein Wunder, denn das erste schnelle Signal bestimmt, wie wir orientierende Raumbewegungen ausführen.</p><p>Das „Hügelchen“ zeigt also tatsächlich die Fähigkeit, visuelle Muster zu analysieren – diese Eigenschaft hatte die Forschung dem untersuchten Hirnareal bislang abgesprochen. „Unsere Daten liefern sehr konkrete Hinweise, dass der Colliculus Superior bei Primaten nicht nur ein Organ zur Bewegungskontrolle ist“, resümiert Hafed, „sondern eine Struktur, die für das Sehen im Alltag vielleicht ebenso wichtig ist wie der visuelle Kortex.“</p><h3>Publikationen:</h3><p>Chen, C. -Y., Sonnenberg, L., Weller, S., Witschel, T., &amp; Hafed, Z. M. (2018). Spatial frequency sensitivity in macaque midbrain. Nature Communications, 9: 2852,&nbsp;<br> doi: 10.1038/s41467-018-05302-5.</p><p>Chen, C. -Y. &amp; Hafed, Z. M. (2018). Orientation and contrast tuning properties and temporal flicker fusion characteristics of primate superior colliculus neurons. Frontiers in Neural Circuits (Special Research Topic: The Superior Colliculus/Tectum: Cell Types, Circuits, Computations, Behaviors), 12:58, doi: 10.3389/fncir.2018.00058&nbsp;</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ziad M. Hafed<br> Universität Tübingen<br> Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Telefon +49 (0)7071 29-88819<br> ziad.m.hafed@cin.uni-tuebingen.de</p><p><strong>Die Universität Tübingen</strong><br> Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 27.700 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><p><strong>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</strong><br> Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><p><strong>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)</strong><br> Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Das HIH beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten Forschungsfelder der Gegenwart: der Entschlüsselung des menschlichen Gehirns. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Erkrankungen die Arbeitsweise dieses Organs beeinträchtigen. Dabei schlägt das HIH die Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung. Ziel ist, neue und wirksamere Strategien der Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Derzeit sind 21 Professoren und rund 380 Mitarbeiter am Institut beschäftigt.<br> &nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br> www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</strong></p><p>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27611</guid><pubDate>Thu, 09 Aug 2018 13:14:02 +0200</pubDate><title>Nervenzellen nutzen Hirnschwingungen geschickt aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nervenzellen-nutzen-hirnschwingungen-geschickt-aus/</link><description>Tübinger und Münchener Neurobiologen finden Hinweise, wie das Gehirn Wichtiges von Unwichtigem trennt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das präzise Zusammenspiel von Hirnschwingungen und Nervenzellen ist möglicherweise entscheidend für die verblüffende Fähigkeit unseres Gehirns, wichtige Informationen von Unwichtigem zu trennen, selbst wenn wir von Reizen überflutet werden. Wissenschaftler der Universität Tübingen konnten in Zusammenarbeit mit Kollegen der TU München durch Untersuchungen an Rhesusaffen zeigen, dass der genaue Zeitpunkt, an dem bestimmte Nervenzellen sich entladen, offenbar eine Schlüsselrolle dabei spielt, im Arbeitsgedächtnis „die Spreu vom Weizen zu trennen“. Die Ergebnisse erschienen am Mittwoch im Fachmagazin <em>Neuron</em>.</p><p>Am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr oder inmitten einer Menschenmenge – wir alle sind tagtäglich immer wieder Situationen ausgesetzt, in denen wir mit einer Vielzahl von Reizen konfrontiert werden. Trotzdem agieren wir in solchen Situationen zielgerichtet und sicher. Unser Arbeitsgedächtnis ist scheinbar mühelos in der Lage, relevante Informationen herauszufiltern und die übrigen, unwichtigen Reize nicht zu berücksichtigen. Um herauszufinden, was sich dabei im Gehirn abspielt, trainierten die Tübinger Forscher &nbsp;Rhesusaffen &nbsp;darauf, relevante Anzahlen, die sie sich kurzzeitig merken mussten, von störenden Anzahlen zu trennen. Während des Versuchs wurden die elektrischen Signale von Nervenzellen in der Großhirnrinde der Tiere mithilfe von Mikroelektroden gemessen. Dabei beobachteten die Wissenschaftler, dass durch die gleichzeitige Entladung tausender von Nervenzellen großflächige oszillierende Schwankungen der elektrischen Hirnaktivität entstanden.&nbsp;</p><p>Als entscheidend erwiesen sich insbesondere Schwingungen im niedrigen Frequenzbereich, so genannte Theta-Wellen von vier bis zehn Schwingungen pro Sekunde. „Wir konnten beobachten, dass sowohl die relevante als auch die störende Information in diesem Theta-Frequenzbereich übertragen wurde“, sagt Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen. „Allerdings entluden sich die Nervenzellen, die für die relevanten Informationen zuständig waren, immer wenn die Theta-Schwingung auf dem Tiefpunkt war. Dagegen feuerten die Nervenzellen, die für den störenden Reiz zuständig waren, immer zu dem Zeitpunkt, an dem die Theta-Schwingung auf dem Höhepunkt war. &nbsp;Wir haben den Eindruck, dass das Gehirn bestimmte Frequenzkanäle im Gehirn ausnutzt, um Informationen zwar synchron zu übertragen, zugleich aber die Fülle dieser Informationen schon während &nbsp;der Übertragung zwischen Hirnarealen nach wichtig und unwichtig zu sortieren“, erklärt Nieder. &nbsp;</p><p>Der Erstautor der Studie, Dr. Simon Jacob, der als Neurologe am Klinikum rechts der Isar der TU München tätig ist, verwies auf die medizinische Bedeutung der Studie: „Unsere Ergebnisse belegen, dass kognitive Gehirnfunktionen ein präzises Zusammenspiel von Nervenzellen erfordern. Es liegt nahe, die im Tiermodell erforschten Mechanismen nun für therapeutische Zwecke bei Patienten mit Gedächtnisstörungen zu nutzen, beispielsweise durch koordiniertes Anregen der Kommunikation zwischen den untersuchten Hirnregionen", sagte Jacob. Weitere Studien werden aber nötig sein, um zu &nbsp;zeigen, ob die Ergebnisse der Studie als generelles Organisationsprinzip dafür gelten können, wie das Gehirn kognitive Information über weit getrennte Hirnareale hinweg verarbeitet.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Simon N. Jacob, Daniel Hähnke, and Andreas Nieder: Structuring of abstract working memory content by fronto-parietal synchrony in primate cortex. <em>Neuron</em>. Online in der Woche vom 6. bis 10. August 2018. <a href="https://www.cell.com/neuron/newarticles" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.cell.com/neuron/newarticles</a>&nbsp;</p><h3>Kontakt:&nbsp;</h3><p>Professor Andreas Nieder<br> Universität Tübingen&nbsp;<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Institut für Neurobiologie – Tierphysiologie&nbsp;<br> Telefon + 49 7071 29-75347<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0pkgfgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail">andreas.nieder<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de<br> &nbsp;<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27599</guid><pubDate>Tue, 07 Aug 2018 17:06:00 +0200</pubDate><title>Europäischer Forschungsrat vergibt zwei Starting Grants an Tübinger Wissenschaftler</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/europaeischer-forschungsrat-vergibt-zwei-starting-grants-an-tuebinger-wissenschaftler/</link><description>Hochdotierte Förderung für Projekte aus der Mathematik sowie der Physikalischen und Theoretischen Chemie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Wissenschaftler der Universität Tübingen haben sich erfolgreich um einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) beworben: Professor Marcello Porta aus der Mathematischen Physik erhält für sein Projekt „MaMBoQ“ zur Untersuchung von quantenmechanischen Vielteilchensystemen eine Förderung von rund einer Million Euro; Dr. Marcus Scheele aus der Physikalischen und Theoretischen Chemie wird vom ERC mit knapp 1,5 Millionen Euro gefördert für sein Projekt „COINFLIP“, in dem er schnelle optische Schalter für die Siliziumtechnologie entwickeln will. Die Projektförderung der ERC Starting Grants ist jeweils auf einen Zeitraum von fünf Jahren angelegt. Sie soll jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe ermöglichen.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27593</guid><pubDate>Mon, 06 Aug 2018 16:43:00 +0200</pubDate><title>Abstürzende Monde: Was bei der Kollision der frühen Erde mit ihren Begleitern passierte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/abstuerzende-monde-was-bei-der-kollision-der-fruehen-erde-mit-ihren-begleitern-passierte/</link><description>Internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Tübingen simuliert ein mögliches Schicksal der sogenannten Moonlets</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Mond ist unter den Himmelskörpern der einzige natürliche Begleiter der Erde. Seine Entstehung wirft in der astrophysikalischen Forschung noch immer viele Fragen auf. Und möglicherweise war er einst nicht allein: Neueren Untersuchungen zufolge gab es in der Frühzeit der Erde eine Reihe von kleineren Monden, Moonlets genannt, deren Verschwinden ungeklärt ist. Gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Uri Malamud und Professor Hagai Perets vom Technion Israeli Intitute of Technology in Haifa sowie Christoph Burger von der Universität Wien geht Christoph Schäfer vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen der Frage nach, was aus den Moonlets wurde. Ihre aufwendigen Simulationen ergeben, dass sie auf die Erde gestürzt sein und bei der Kollision die Zusammensetzung ihres Mantels verändert haben könnten. Die Studie ist kürzlich in der Fachzeitschrift <em>Monthly Notices of the Royal Astronomical Society</em> erschienen.</p><p>Der derzeit anerkannten Theorie zufolge entstand der Mond vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren bei der Kollision der Proto-Erde mit einem marsgroßen Protoplaneten, der Theia genannt wird. Hierbei formte sich zuerst eine Scheibe um die Erde aus dem bei der Kollision ausgeworfenen Material beider Körper. Aus dem Material dieser Scheibe entstand schließlich der Mond. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Erde höchstwahrscheinlich zum einen nicht nur einer solchen großen, sondern mehreren Kollision ausgesetzt war und zum anderen auch häufig kleinere Einschläge auf der Proto-Erde geschahen. In der Folge entstanden mehrere Moonlets, die nach Annahme der Forscher jeweils etwa ein Sechstel bis zur Hälfte der Mondmasse gehabt haben könnten.</p><p>Ihr Schicksal hat das Forscherteam genauer untersucht. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Moonlets konnten sich unter anderem durch die gegenseitig wirkende Schwerkraft verbinden und größere Objekte bilden oder, so die andere Möglichkeit, durch die Erdanziehung wieder auf die Erde abregnen“, erklärt Christoph Schäfer. „Uns interessierte vor allem diese zweite Möglichkeit.“</p><p>Um die Kollisionen der Moonlets mit der Erde zu simulieren, verwendeten die Wissenschaftler ein Computerprogramm, das in der Abteilung Computational Physics am Institut für Astronomie und Astrophysik in der Arbeitsgruppe von Professor Wilhelm Kley unter der Leitung von Christoph Schäfer entwickelt wurde. Die Rechnungen selbst wurden auf dem Tübinger BinAC-Computercluster und dem TAMNUN-Cluster in Israel durchgeführt. Das Computerprogramm der Tübinger Physiker implementiert die numerische Teilchenmethode „smooth particle hydrodynamics“ und nutzt Grafikkarten, um die aufwendigen Rechnungen zu beschleunigen. Christoph Burger vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität in Wien schrieb den Computercode für die komplizierten Anfangsbedingungen, die für die Simulationen benötigt wurden.</p><p><strong>100 Wochen Rechenzeit</strong></p><p>Für ihre Studie gingen die Wissenschaftler von einem vereinfachten Modell der Proto-Erde und dem einfallenden Moonlet aus, wonach beide einen Eisenkern und einen Mantel aus Silikat besaßen. Der Kern vereinte jeweils ein Drittel der Masse auf sich. Die Gruppe führte mehr als 70 Simulationen zu dem Einschlag eines Moonlets auf der Erde durch. Variiert wurden Parameter wie Kollisionswinkel, Größe des Moonlets und die Rotationsgeschwindigkeit der Erde. „Insgesamt benötigten die Berechnungen über 100 Wochen Rechenzeit der Cluster-Grafikkarten“, berichtet Uri Malamud.</p><p>Uri Malamud analysierte die Resultate der Simulationen: Er bestimmte, welche Fragmente der Körper nach der Kollision das System verlassen können, welche die Erde in einem gebundenen Orbit umkreisen und welche nach dem Einschlag auf der Erde verbleiben. Darüber hinaus berechnete er die Änderung der Rotationsperiode der Erde durch die Kollision. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass im Falle des Einschlags eines Moonlets auf der Erde die Verteilung des Einschlagsmaterials nicht homogen ist. Diese Art Kollisionen können daher zu Asymmetrien und Inhomogenitäten in der Materialzusammensetzung des Erdmantels führen“, fasst Uri Malamud die Erkenntnisse zusammen. Mit dieser Arbeit fügen die Autoren dem aktuellen Wissen zur Entstehung des Mondes einen weiteren Mosaikstein hinzu und setzen das bestehende Bild in den Kontext der Planetenentstehung im Sonnensystem.</p><p><strong>Publikation:</strong></p><p>Uri Malamud, Hagai B Perets, Christoph Schäfer, Christoph Burger: Moonfalls: collisions between the Earth and its past moons. <em>Monthly Notices of the Royal Astronomical Society</em>, <a href="https://doi.org/10.1093/mnras/sty1667" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1093/mnras/sty1667</a></p><p><strong>Kontakt: </strong></p><p>Christoph Schäfer<br> Universität Tübingen<br> Institut für Astronomie und Astrophysik<br> Abteilung Computational Physics<br> Telefon +49 7071 29-76359<br> ch.schaefer@uni-tuebingen.de&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27590</guid><pubDate>Mon, 06 Aug 2018 16:21:00 +0200</pubDate><title>UV-Strahlung bremste die Ausbreitung der frühesten sauerstofffreisetzenden Bakterien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/uv-strahlung-bremste-die-ausbreitung-der-fruehesten-sauerstofffreisetzenden-bakterien/</link><description>Internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Tübingen untersucht Teilchen aus Eisen und Kieselsäure als Sonnenschutz im frühen Ozean</description><content:encoded><![CDATA[<p>Vor rund drei Milliarden Jahren enthielt die Erdatmosphäre Sauerstoff nur in Spuren. Das änderte sich in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum dramatisch: Vor etwa 2,4 Milliarden Jahren gipfelte der Anstieg dieses für die damaligen Lebewesen giftigen Gases in der sogenannten Großen Sauerstoffkatastrophe. Einen großen Anteil dieses Sauerstoffs setzten die Vorfahren heutiger Cyanobakterien in massenhafter Ausbreitung im Ozean über mehrere Hundert Millionen Jahre als Abfallprodukt der Fotosynthese frei. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern hätten sie sich allerdings noch schneller ausbreiten müssen. Als Hemmnis stand die UV-Strahlung im Verdacht, die wegen der damals noch fehlenden schützenden Ozonschicht in der Atmosphäre mehrfach stärker war als heute. Nun hat die Geomikrobiologin Dr. Aleksandra Mloszewska unter der Leitung von Professor Andreas Kappler von der Universität Tübingen, den Professoren Kurt Konhauser und George Owttrim von der University of Alberta sowie weiteren Kollegen von der Yale University erforscht, inwieweit Partikel aus Eisen und Kieselsäure die Cyanobakterien im frühen Ozean gegen die UV-Strahlung abschirmen konnten. Den Ergebnissen zufolge war der Sonnenschutz nur teilweise gegeben und die Ausbreitung der Cyanobakterien daher gebremst. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.</p><p>„Dass die Cyanobakterien trotz der starken UV-Strahlung überleben konnten, hatte weitreichende Folgen“, sagt George Owttrim. Für die frühen Lebewesen auf der Erde, für die Sauerstoff giftig war, hatte zwar der starke Anstieg des Sauerstoffgehalts der Atmosphäre katastrophale Folgen. „Doch führte dieser Wandel zur Evolution der Sauerstoffatmung und der vielzelligen Organismen.“ Bisher sei jedoch rätselhaft, warum es so lange dauerte, bis sich der freie Sauerstoff in der Atmosphäre anreicherte.</p><p>Von biofilmbildenden Mikroorganismen im frühen Ozean in mineralreichen heißen Quellen war bekannt, dass sie häufig von Krusten aus Eisen und Kieselsäure umgeben und auf diese Weise vor der UV-Strahlung geschützt waren. Aleksandra Mloszewska wollte daher untersuchen, ob die vorhandenen eisen- und kieselsäurereiche Teilchen die frei im Wasser schwebenden Organismen, zu denen auch die Cyanobakterien gehören, in ähnlicher Weise schützen könnten.</p><h4>Teilchen schützen nur im Schwebezustand</h4><p>Für ihre Laborstudien an der Universität Tübingen und der University of Alberta wählte sie ein Meerwassermedium, das in seiner Zusammensetzung der der frühen Ozeane entsprach. Die Wirkung der UV-Strahlung auf das Wachstum der Cyanobakterien und den Grad der Strahlungsdurchlässigkeit durch das Meerwasser erhob sie mithilfe einer Kombination aus mikrobiologischen, spektroskopischen und geochemischen Methoden sowie Simulationstechniken. „Eisen kann UV-Strahlung absorbieren und so unschädlich machen. Doch in Kontakt mit freiem Sauerstoff bildet es festes Eisenoxid, das in der Wassersäule nach unten sinkt“, erklärt Mloszewska. Kieselsäure verhindere die Bildung dieser Mineralien, und die leichtere Verbindung aus Eisen und Kieselsäure bleibe längerfristig im Schwebezustand. „Diese Teilchen können tatsächlich einen gewissen Sonnenschutz für die Cyanobakterien dargestellt und sie vor den tödlichen Strahlen bewahrt haben“, sagt Andreas Kappler. „Da aber sicherlich ein Teil der Strahlung hindurchdrang, war die Ausbreitung der Bakterien dennoch eingeschränkt.“ Aleksandra Mloszewska fügt hinzu: „Selbst wenn die Bakterien ins tiefere Wasser ausgewichen wären, wo die Wirkung der UV-Strahlen reduziert war, so hätten sie mangels Sonnenlicht keine optimalen Fotosyntheseraten erreicht und wären in ihrer Produktivität eingeschränkt gewesen.“„Die neuen Erkenntnisse über den Einfluss hoher Strahlung auf der frühen Erde und die Dynamik der Sauerstoffanreicherung in unserer Atmosphäre kann man auch als Fallstudie sehen“, sagt Kappler. „Die hilft uns zu verstehen, welchen Schwierigkeiten aufkommendes Leben auf der Oberfläche von Exoplaneten mit hoher UV-Strahlung ausgesetzt wäre.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-27587</guid><pubDate>Mon, 30 Jul 2018 17:11:00 +0200</pubDate><title>Dozenten der Tübinger Poetik-Dozentur 2018</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dozenten-der-tuebinger-poetik-dozentur-2018/</link><description>Uwe Timm und Frank Witzel sind von 25. bis 30. November 2018 als Poetik-Dozenten an der Universität Tübingen zu Gast</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Schriftsteller Uwe Timm und Frank Witzel sind Gäste der diesjährigen Tübinger Poetik-Dozentur. Die literarische Veranstaltung findet zum&nbsp;32. Mal an der Universität Tübingen statt. Die Vorlesungen im Audimax und in der Alten Aula stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.</p><p>Die Veranstaltungsreihe beginnt mit einer Lesung von Uwe Timm in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall am Sonntag, den 25. November. Am Montag, den 26. November, eröffnet der Schriftsteller dann mit einer Vorlesung unter dem Titel „Utopische Orte/Utopische Räume“ die Reihe der Tübinger Veranstaltungen. Am zweiten Abend (Dienstag, 27. November) wird er im Gespräch mit Professorin Dorothee Kimmich vom Deutschen Seminar über seine literarischen Anliegen sprechen und seine Reflexionen zu Literatur, Philosophie und Politik vorstellen.</p><p>Frank Witzel beschäftigt sich in seinen beiden Vorträgen (Mittwoch, 28. November und Donnerstag, 29. November) mit möglichen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Schreib- und Denkweisen von Erzählen und Theorie. Als Ausgangspunkt dienen ihm die Arbeiten des russischen Literaturtheoretikers Wiktor Schklowski (1893–1984) und des amerikanischen Schriftstellers David Markson (1927–2010). Anhand verschiedener Beispiele aus Literatur und Philosophie geht er der Frage nach, ob nicht jede theoretische Spekulation beinahe automatisch ein Narrativ entwickelt, also immer auch so etwas wie eine Erzählung sein muss. Im Erzählen wiederum tauchen Strukturen auf, die als Theorie gedeutet werden können.</p><p>Am Freitag, den 30. November, wird Witzel diese Fragen mit dem Philosophen Professor Marcus Steinweg diskutieren.</p><h4>Die Termine im Überblick</h4><p><strong>Lesung von Uwe Timm</strong> am Sonntag, 25. November 2018, 16.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall (Anmeldung erforderlich unter kunsthalle@wuerth.com)</p><p><strong>Vorlesungen von Uwe Timm und Frank Witzel an der Universität Tübingen:</strong></p><ul><li>Montag, 26. November: Vorlesung von Uwe Timm: „Utopische Orte/Utopische Räume“ (Audimax)</li><li>Dienstag, 27. November: Gespräch zwischen Uwe Timm und Dorothee Kimmich (Audimax)</li><li>Mittwoch, 28. November: Vorlesung von Frank Witzel: Theoretisches Erzählen (Alte Aula)</li><li>Donnerstag, 29. November: Vorlesung von Frank Witzel: Erzählte Theorie (Alte Aula)</li><li>Freitag, 30. November: Theorie und Erzählen. Gespräch zwischen Frank Witzel und Prof. Dr. Marcus Steinweg (Alte Aula)</li></ul><p>Die Veranstaltungen in Tübingen finden um 20 Uhr c. t. im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz, 72074 Tübingen) und der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) der Universität Tübingen statt.</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autorinnen und Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Siri Hustvedt, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Brigitte Kronauer, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Amos Oz und Herta Müller. Die Lesung in der Kunsthalle Würth wird gefördert von der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG.</p><p>Weitere Informationen unter www.poetik-dozentur.de.</p><h4>Kontakt:&nbsp;</h4><p>Prof. Dr. Dorothee Kimmich<br> Universität Tübingen<br> Deutsches Seminar, Leitung der Poetik-Dozentur<br> Telefon +49 7071 29-75323<br> dorothee.kimmich@uni-tuebingen.de</p><h4>Kurzbiografien</h4><p><strong>Uwe Timm</strong>, 1940 in Hamburg geboren, gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Der Autor zahlreicher Romane, Erzählungen und Essays, Drehbücher, Gedichtbände, Hörspiele und preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher lebt in München und Berlin. Nach einer Kürschnerlehre studierte er in München und Paris Philosophie und Germanistik, promovierte zu Albert Camus und studierte anschließend Soziologie und Volkswirtschaftslehre.</p><p>Als einer der literarischen Vertreter der 68er-Generation, der die Bewegung als Student aktiv miterlebte, thematisiert er die Ereignisse der Jahre 1967 und 68 erstmals in seinem Roman <em>Heißer Sommer</em> (1974). Die Aufarbeitung dieser Zeit zieht sich durch sein Werk: <em>Kerbels Flucht </em>(1980), <em>Rot </em>(2001), <em>Der Freund und der Fremde</em> (2007) und <em>Freitisch </em>(2011) widmen sich dieser Thematik aus je unterschiedlichen Perspektiven. Doch ist Timm auch an der Auseinandersetzung mit anderen Abschnitten der deutschen Geschichte interessiert und richtet den Blick auf europäische und außereuropäische Kontexte. So berichtet <em>Morenga </em>(1978) vom deutschen Kolonialkrieg in Südwestafrika, Der <em>Schlangenbaum </em>(1986) spielt in Südamerika, und Vogel, friß die Feige nicht. <em>Römische Aufzeichnungen </em>(1989) dokumentiert Timms Aufenthalt in Rom. Der Essay „<em>Reise an das Ende der Welt</em>“ (2015) berichtet aus einem Flüchtlingslager im Tschad.</p><p>Uwe Timm ist „dem Besonderen im Alltäglichen auf der Spur“: Reale Erlebnisse und persönliche Erinnerungen (<em>Mann auf dem Hochrad</em>, 1984; <em>Entdeckung der Currywurst</em>, 1993) bilden ebenso Anlässe seines Schreibens wie der Versuch einer Geschichte über die Kartoffel (<em>Johannisnacht</em>, 1996), gesellschaftspolitische Betrachtungen (<em>Kopfjäger</em>, 1991; <em>Rot</em>, 2001), Historisches (Halbschatten, 2008) oder alltägliche existenzielle Erfahrungen (<em>Vogelweide</em>, 2013). In seinem politisch-historischen Roman <em>Ikarien </em>(2017) setzt er sich anhand der Geschichte des Großvaters seiner Ehefrau, des Eugenikers Alfred Ploetz, mit Nationalsozialismus und Rassenhygiene auseinander. Nicht nur sei sein Schreiben, so betont Timm, immer biografisch geprägt, auch müsse Literatur heute aus seiner Sicht und angesichts der Weltereignisse politisch sein.</p><p>Für seine in zahlreiche Sprachen übersetzten Werke erhielt er viele Auszeichnungen, u.a. 2001 den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2002 den Literaturpreis der Landeshauptstadt München, 2006 den Jakob-Wassermann-Literaturpreis und den Premio Napoli, 2009 den Heinrich-Böll-Preis und die Heinrich-Heine-Gastdozentur. 2012 wurde er mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet, 2013 mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München, 2016 mit der Ehrenplakette der Freien Akademie der Künste in Hamburg und 2018 mit dem Schillerpreis der Stadt Mannheim.</p><p><strong>Frank Witzel</strong>, geboren 1955 in Wiesbaden, ist Schriftsteller, Illustrator, Radiomoderator und Musiker. Er publizierte fünf Romane, drei Lyrikbände, zahlreiche Essays, Erzählungen, Hörspiele und ein Theaterstück und veröffentlicht weitere Texte und Bilder auf seiner Webseite und im Rahmen seines Blogs. Er befasst sich – auch in Kollaboration mit Thomas Meinecke, Thomas Walter, Philipp Felsch und Marcus Steinweg – unter anderem mit Beat- und Popliteratur, Avantgarde und Politik, und spielt in seinen absurden Romanen vielfach auf Literaturgeschichte, Theorie und Populärkultur an. <strong>Bluemoon Baby</strong> erschien 2001, <strong>Revolution und Heimarbeit</strong> 2003.</p><p>Witzels vielbeachteter Roman <strong>Die Erfindung der Roten Armeefraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 </strong>(2015) berichtet aus der Perspektive eines 13-Jährigen über den Deutschen Herbst. Für den Roman erhielt er 2015 den Deutschen Buchpreis sowie – für das damals noch im Entstehen begriffene Werk – 2012 den Robert-Gernhardt-Preis, 2013 das Stipendium des Deutschen Literaturfonds sowie 2016 ein Stipendium des Nederlands Letterenfonds. Außerdem erhielt er für dessen Hörspielfassung 2017 gemeinsam mit Leonhard Koppelmann den Deutschen Hörbuchpreis. Derzeit (WS 17/18–SoSe 18) hat er die Friederichs-Stiftungsprofessur der Hochschule für Gestaltung Offenbach inne.&nbsp;</p><p>Über seinen 2017 erschienenen Roman <em>Direkt davor und kurz danach</em> sagt Witzel, er suche sich in „ein Gefühl vorzufühlen oder hineinzutasten, wo man sich nie ganz sicher sein kann, also ich auch beim Schreiben nicht. Das, was Sie beim Lesen erleben, spiegelt irgendwie auch ein bisschen den Prozess beim Schreiben.“ 2018 erschien seine Heidelberger Poetik-Vorlesung <em>Über den Roman – hinaus</em>. Sein im August dieses Jahres erscheinender Roman <em>Vondenloh </em>über eine Schriftstellerin, deren Romane eine Länge von 120 Seiten nie überschreiten, verknüpft Dorfgeschichte und Literaturbetriebskrimi zu einer humorvoll-grotesken Mischung.</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe@uni-tuebingen.de</strong></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-24406</guid><pubDate>Thu, 26 Jul 2018 15:35:45 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen erklärt Maschinelles Lernen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-erklaert-maschinelles-lernen/</link><description>Video macht wichtigen Teilbereich der Künstlichen Intelligenz für Laien verständlich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem auch für Laien verständlichen Video macht die Universität Tübingen seit Mittwoch auf die Bedeutung des Forschungsfelds Maschinelles Lernen aufmerksam. „In den vergangenen Monaten hat es zahlreiche Medienberichte über die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und ihres derzeit wichtigsten Teilbereichs, das Maschinelle Lernen, gegeben“, erklärt Professor Matthias Bethge, Inhaber des Lehrstuhls für Computational Neuroscience and Machine Learning an der Universität Tübingen: „Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Öffentlichkeit mehr über die Grundlagen dieses wichtigen Forschungsbereichs erfahren sollte, der eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts werden wird.“</p><p>Das rund zweieinhalb Minuten lange Video erklärt mit einfachen erzählerischen und grafischen Mitteln Grundprinzipien des Maschinellen Lernens und zeigt künftige Anwendungsmöglichkeiten etwa in der Industrie oder im medizinischen Bereich auf. „Wir werden in den kommenden Jahrzehnten in immer mehr Arbeits- und Lebensbereichen vor der Situation stehen, dass wir enorme Datenmengen erzeugen“, sagt Andreas Geiger, Professor für Lernbasierte Computer Vision an der Universität Tübingen. „Diese Datenberge lassen sich nur noch durch lernende IT-Systeme vernünftig auswerten, die im Umgang mit diesen Daten zunehmend klüger werden und so immer präziser arbeiten können.“</p><p>In dem Video wird nicht verschwiegen, dass Maschinelles Lernen auch für schädliche Ziele eingesetzt werden kann. Denn wie bei anderen bahnbrechenden Technologien zuvor gewinnt die Gesellschaft mit dem Maschinellen Lernen ein Werkzeug, das produktiv oder auch destruktiv eingesetzt werden kann. „Deshalb ist es wichtig, dass die Forschung auf diesem Gebiet von öffentlich finanzierten, unabhängigen und transparenten Institutionen vorangetrieben statt nur nachverfolgt wird”, betont Philipp Hennig, Professor für Methoden des Maschinellen Lernens: „Sorgen um negative Folgen für unsere Gesellschaft müssen wir ernst nehmen und die Studierenden dafür sensibilisieren."</p><p>Professor Bethge ergänzt: „Die Universität ist der ideale Ort, um die Auswirkungen für den einzelnen und die Gesellschaft sowie den Umgang mit der neuen Technologie umfassend zu erforschen. Für dieses Konzept einer ambitionierten und zugleich verantwortungsvollen Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens steht die Universität Tübingen.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-24391</guid><pubDate>Thu, 26 Jul 2018 14:02:52 +0200</pubDate><title>Ritzungen auf Mammutrippe aus Welterbe-Höhle geben Rätsel auf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ritzungen-auf-mammutrippe-aus-welterbe-hoehle-geben-raetsel-auf/</link><description>Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen seltenen Knochenfund – Markierungen lassen eine Nutzung als Informationsträger annehmen
</description><content:encoded><![CDATA[<h4>Pressemitteilung des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren (urmu)</h4><p>Schon vor mehr als 30.000 Jahren nutzten Menschen die Rippenknochen großer Tiere als Werkzeug – etwa zum Walken von Leder. Da große fetthaltige Knochen aber auch ein guter Ersatz für das in der Eiszeit knappe Brennholz waren, sind solch große Knochen aus dieser Zeit relativ selten erhalten geblieben. Wie Professor Nicholas Conard, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, und seine Grabungsmannschaft nun im heute erschienen Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg“ berichten, wurde in der Welterbe-Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb ein Fund geborgen, der neue Interpretationen über die Nutzung solcher Knochen in der Altsteinzeit ermöglicht.</p><p>Professor Conard präsentierte den eindrucksvollen Fund am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu), dessen wissenschaftlicher Direktor Conard ist. Es handelt sich um die Rippe eines Mammuts, die in der Wohnhöhle der Altsteinzeit in den Schichten aus der sogenannten Gravettien-Periode gefunden wurde und somit zwischen 35.000 und 30.000 Jahre alt ist. Das Stück ist 44 Zentimeter lang, bei einer Breite von<br> 5,1 Zentimetern und einer Dicke von 2,1 Zentimetern. Außergewöhnlich sind die Spuren der Bearbeitung, der Nutzung und die Markierungen darauf. Die Enden wurden abgerundet bzw. abgebrochen. Ganz besonders auffällig ist die dickere Kante der Rippe: Sie weist zwei Reihen von Markierungen auf. Eine zeigt 83 und die andere 90 Striche. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf. All diese Markierungen sind sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.</p><p>„Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaß“, sagt Professor Conard, „obwohl viele gravettienzeitliche Funde Markierungen tragen, sind Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten. Auch in anderen Regionen der Welt gibt es keine optimalen Vergleichsfunde. Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente.“ Genau lasse sich nicht sagen, welche Art von Information hier festgehalten wurde. Die Ausgräber vermuten, dass etwas gezählt wurde. „Aber es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging“, sagt Conard weiter, „eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System. Wir werden uns künftig näher mit diesen Fragen auseinandersetzen.“</p><p>Die Mammutrippe wird nun bis Anfang Januar 2019 im urmu als „Fund des Jahres“ ausgestellt. „Diese Mammutrippe steht in ihrer Interpretation zwischen komplexer symbolischer Bedeutung und einer ganz praktisch orientierten Nutzung im Alltag“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des urmu, „ob wir es hier mit kalendarischen Vermerken, mit Notizstrichen von komplizierten Arbeitsschritten oder mit einem altsteinzeitlichen Spiel zu tun haben, wissen wir nicht. Wir freuen uns aber darauf, mit unseren Besuchern eine spannende Diskussion darüber zu führen, wofür die Reihen aus 13, 83 und 90 Strichen wohl stehen könnten.“ Dr. Kölbl kündigt daher an, vor Ort in der Kabinettausstellung sowie auf Facebook (<a href="http://www.facebook.com/urmu.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.facebook.com/urmu.de</a>) Ideen zu den Ritzungen auf der Rippe zusammenzutragen.</p><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO im Juli 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Als das Museum für Altsteinzeit in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren vor. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“. (<a href="http://www.urmu.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.urmu.de</a>)</p><h3>Publikation:</h3><p>Nicholas J. Conard, Alexander Janas: „Fortsetzung der Ausgrabungen am Hohle Fels und die Entdeckung einer markierten Mammutrippe aus dem Gravettien.“ Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, Juli 2018,<br> S. 52-55.</p><h3>Kontakt:</h3><p><strong>Prof. Nicholas Conard</strong>/ Universität Tübingen Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie und Wissenschaftlicher Direktor Urgeschichtliches Museum Blaubeuren / Telefon +49 7071 29-72416 / <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkejqncu0eqpctfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">nicholas.conard<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Dr. Stefanie Kölbl</strong> / Geschäftsführende Direktorin Urgeschichtliches Museum Blaubeuren / Telefon +49 7344 9669 911 / <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mqgndnBwtow0fg" data-mailto-vector="2">koelbl<span style="display:none">spam prevention</span>@urmu.de</a></p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475455" height="161" src="fileadmin/_processed_/b/e/csm_18-07-26_HORmammutknochen_mit_markierungsreihenuniversitaet_tuebingen_-_foto_alexander_janas_a4_75_0f1caadcd7.jpg" width="300" style></p><p>Mammutknochen mit Markierungsreihen. Foto: Hilde Jensen | Copyright Universität Tübingen</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475473" data-htmlarea-zoom="true" height="87" src="fileadmin/_processed_/e/d/csm_18-07-26ritzdetailuniversitaet_tuebingen_-_foto_hilde_jensen_a4_64c64eebc3.jpg" width="300" style></p><p>Ritzdetail: Die Striche sind in der Regel sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die sicherlich gezielt platziert wurden. Foto: Hilde Jensen | Copyright Universität Tübingen</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475467" height="200" src="fileadmin/_processed_/0/1/csm_18-07-26knochen_in_fundlageuniversitaet_tuebingen-_foto_alexander_janas_a4_75_ddc42308c0.jpg" width="300" style></p><p>Das Knochenartefakt in Fundlage im Hohle Fels. Foto: Alexander Janas | Copyright Universität Tübingen</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475458" height="436" src="fileadmin/_processed_/b/0/csm_18-07-26Grabungsuebersicht_am_28.7.2017universitaet_tuebingen_a4_224cdf97cc.jpg" width="300" style></p><p>Grabungsübersicht im Hohle Fels im Juli 2017. Foto: Nicholas Conard |Copyright Universität Tübingen</p><p>&nbsp;</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475464" height="225" src="fileadmin/_processed_/d/b/csm_18-07-26hohle_fels_bei_schelklingenweltkultursprung_-_foto_jens_burkert_a4_65_8409091016.jpg" width="300" style></p><p>Hohle Fels bei Schelklingen. Foto: Jens Burkert | Copyright Weltkultursprung</p><p>&nbsp;</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475461" height="204" src="fileadmin/_processed_/b/0/csm_18-07-26halle_im_hohle_felsweltkultursprung_-_foto_jens_burkert_a4_75_444c801d22.jpg" width="300" style></strong></p><p>Höhlenhalle im Hohle Fels Foto: Jens Burkert | Copyright: Weltkultursprung</p><h4>Pressemitteilung des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren (urmu)</h4><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-24303</guid><pubDate>Wed, 25 Jul 2018 16:34:19 +0200</pubDate><title>Neue Mitglieder im Universitätsrat</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-mitglieder-im-universitaetsrat/</link><description>Bosch-Forschungschef Michael Bolle und ehemaliger ETH-Präsident Ernst Hafen in Aufsichts- und Beratungsgremium gewählt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Universitätsrat erhält zum 1. Oktober 2018 drei neue Mitglieder. Dem Aufsichts- und Beratungsgremium werden künftig unter anderem der Forschungschef der Robert Bosch GmbH, Michael Bolle, sowie der Schweizer Biologe und ehemalige Präsident der ETH Zürich, Professor Ernst Hafen, angehören. Neues internes Mitglied ist Sandra Kauenhowen, Leiterin der Geschäftsstelle der Tübingen School of Education. Die neuen Mitglieder waren auf Vorschlag einer Findungskommission vom Senat einstimmig gewählt worden. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium hat die Wahl zwischenzeitlich bestätigt. Der neu zusammengesetzte Universitätsrat tritt für eine Amtszeit von drei Jahren an und wird bei seiner konstituierenden Sitzung am 22. Oktober 2018 auch über den Vorsitz des Gremiums entscheiden.</p><p>Zum 30. September 2018 wird der derzeitige Vorsitzende des Universitätstrats, Professor Antonio Loprieno, nach Erreichen der maximalen Amtszeit von neun Jahren aus dem Gremium ausscheiden. Gleiches gilt für die Mitglieder Professor Andreas Busch von der Shire GmbH Berlin und Dr. Thomas Nielebock vom Institut für Politikwissenschaft. Bereits zum 31. März war Eva Maria Burk als Vertreterin der Studierenden aus dem Universitätsrat ausgeschieden. Für sie war zum 1. April die Promotionsstudentin Alina Stein nachgerückt.</p><p>Der Universitätsrat besteht aus sieben externen und vier internen Mitgliedern. Er trägt Verantwortung für die Entwicklung der Hochschule und schlägt Maßnahmen zur Profilbildung und Erhöhung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit vor. Zudem beaufsichtigt er die Geschäftsführung des Rektorats. <a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/organisation-und-leitung/universitaetsrat.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/organisation-und-leitung/universitaetsrat.html</a></p><h3>Zusammensetzung des Gremiums ab 1. Oktober</h3><p><strong>Externe Mitglieder:</strong></p><ul><li>Dr. Dr. Saskia Biskup, CeGaT GmbH, Tübingen</li><li>Dr. Michael Bolle, Bosch-Zentrum für Forschung und Vorausentwicklung, Renningen</li><li>Professor Dr. Heinrich Bülthoff, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen</li><li>Professor Dr. Ernst Hafen, ETH Zürich</li><li>Dr. Ingrid Hamm, Ingrid Hamm Consultants GmbH, Stuttgart</li><li>Christiane Neumann, Consulting, Berlin</li><li>Bernhard Sibold, Deutsche Bundesbank, Stuttgart</li></ul><p><strong>Interne Mitglieder:</strong></p><ul><li>Professorin Dr. Stefanie Gropper, Philosophische Fakultät</li><li>Sandra Kauenhowen, Tübingen School of Education</li><li>Professor Dr. Oliver Kohlbacher, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät</li><li>Alina Stein, Promotionsstudierende, Universität Tübingen</li></ul><h3>Die neuen Mitglieder:</h3><p><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475220" height="217" src="fileadmin/_processed_/1/d/csm_18-07-25Michael_Bolle-pe-21659-2_2173579414.jpg" width="300" style></p><p>Dr. Michael Bolle ist Chief Digital Officer und Technikgeschäftsführer der Robert Bosch GmbH. In dieser Funktion ist er für den Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung des Unternehmens sowie für den Zentralbereich Informationsverarbeitung (IT), die Tochtergesellschaft Bosch Software Innovations GmbH und die Zentralstelle Koordination Technik und Entwicklungsmethodik zuständig.<br><br> Er studierte Nachrichtentechnik an der RWTH Aachen und wurde an der Universität Bochum promoviert. 1992 begann er seine Karriere bei Bosch und war unter anderem am Standort Hildesheim Abteilungsleiter der Vorausentwicklung Multimedia. Nach Leitung der Systemonic AG, einer Ausgründung aus der TU Dresden, kehrte er 2003 zu Bosch zurück und war dort für den Firmenableger ADIT sowie den Produktbereich Fahrerinformationssysteme zuständig. Von 2014 bis 2018 leitete er den Forschungsbereich des Unternehmens, das unter anderem einen Forschungscampus in Renningen etablierte: rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier an neuen Technologien und Materialien.<br> Foto: Bosch GmbH</p><p><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475217" height="400" src="fileadmin/_processed_/4/8/csm_18-07-25Hafen_Ernst_cdaf423395.jpg" width="300" style></p><p>Ernst Hafen ist Professor am Institut für Molekulare Systembiologie und Studiendirektor des Departements Biologie der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Er studierte am Biozentrum Basel Molekular- und Zellbiologie und promovierte 1983 im Bereich Entwicklungsbiologie. Nach einer Tätigkeit an der University of California in Berkeley (USA) wechselte er 1987 ans Zoologische Institut der Universität Zürich. Dort vertrat er im Universitätsrat die Professorenschaft. Von 2005 bis 2006 war er Präsident der ETH.<br><br> In seiner Forschung befasst er sich mit Genen, die eine Rolle in Wachstumskontrolle und Stoffwechsel spielen. Hierfür wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Otto-Naegeli-Preis, dem bedeutendsten Schweizer Preis für medizinische Forschung, und dem Ernst-Jung Preis für Medizin. Seit 2015 ist er Gründer und Präsident der nonprofit MIDATA Genossenschaft, die sich dafür einsetzt, dass Bürger die Kontrolle über ihre persönlichen Daten erhalten, denn er ist überzeugt, dass dies die Basis für personalisierte Medizin und Bildung sowie eine faire digitale Gesellschaft ist.<br> Foto: ETH Zürich / Giulia Marthaler<br> &nbsp;</p><p><br><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475214" height="447" src="fileadmin/_processed_/5/0/csm_18-07-25_Sandra_Kauenhowen_IMG_5881_1_hk_5dbe8e1ec9.jpg" width="300" style><br> Sandra Kauenhowen hat Germanistik, Linguistik und Medienwissenschaft an der Universität Düsseldorf studiert. Sie war als Research Assistentin bei der WestLB Research GmbH Düsseldorf sowie in der Kommunikationsabteilung der QIAGEN GmbH Hilden tätig. Ab 2014 war sie Vorstandsassistentin am Tübinger Hertie Institut für klinische Hirnforschung. 2016 übernahm sie in der Geschäftsstelle der neu gegründeten Tübingen School of Education (TüSE) das Management und unterstützt hier den Vorstand in allen Bereichen.<br> Foto: Tübingen School of Education</p><p><br><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="475223" height="200" src="fileadmin/_processed_/8/0/csm_18-07-25Stein_Alina015_5e94b0d03c.jpg" width="300" style><br> Alina Stein ist Promotionsstudentin an der Max Planck Research School in Tübingen. Sie studierte in Bremen Biochemie und Zellbiologie und absolvierte ihren Master im Bereich Pathologie/Virologie an der Universität Cambridge in Großbritannien. Seit 2017 promoviert sie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie. Dort forscht sie an der Kontrolle der Translation, also des Prozesses, in dem Zellen Proteine auf Basis ihrer genetischen Information herstellen. Sie erhielt bereits Stipendien der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Studienstiftung des deutschen Volkes, des DAAD und des European Cambridge Trust.<br> Foto: Friedhelm Albrecht</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23861</guid><pubDate>Sat, 14 Jul 2018 13:00:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Ägyptologen entdecken vergoldete Mumienmaske</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-aegyptologen-entdecken-vergoldete-mumienmaske/</link><description>Deutsch-ägyptisches Wissenschaftlerteam stellt neue Ergebnisse der Ausgrabungen in Sakkara vor</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler der Universität Tübingen haben im ägyptischen Sakkara eine vergoldete Mumienmaske aus saitisch-persischer Zeit (664-404 v. Chr.) entdeckt. Wie der Leiter des deutsch-ägyptischen Teams, Dr. Ramadan Badry Hussein, am Samstag berichtete, wurde die Maske in einer ausgedehnten Grabanlage gefunden, die seit 2016 von Tübinger Ägyptologen mit neuesten Methoden untersucht wird. Nach dem Ergebnis einer ersten Untersuchung im Ägyptischen Museum in Kairo besteht die Maske aus Silber und ist teilweise vergoldet. Die Augen wurden als Einlegearbeit mit einem schwarzen Edelstein (möglicherweise Onyx) sowie Calcit und Obsidian ausgeführt.</p><p>„Der Fund dieser Maske darf als Sensation gelten“, sagte Hussein: „Nur sehr wenige Masken aus Edelmetall haben sich bis heute erhalten, weil die Mehrzahl der Gräber altägyptischer Würdenträger schon in der Antike geplündert wurden.“ Wie der Leiter des Projekts berichtete, befand sich die wertvolle Maske auf dem Gesicht einer Mumie, die in einem stark beschädigten Holzsarg entdeckt wurde. Die erhalten gebliebene Verzierung des Sarges lässt darauf schließen, dass es sich bei dem Toten um einen Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es handelte, der zur Zeit der 26. Dynastie lebte. Der Fund wurde am Samstag von Wissenschaftlern und Vertretern des ägyptischen Antikenministeriums der Öffentlichkeit präsentiert.</p><p>„Altägyptische Totenmasken aus Gold und Silber sind außerordentlich selten“, sagte Professor Christian Leitz, Leiter der Abteilung für Ägyptologie an der Universität Tübingen: „Belegt sind lediglich zwei weitere vergleichbare Funde aus Privatgräbern, der letzte davon im Jahr 1939.“ Selbst in den ägyptischen Königsgräbern seien von Wissenschaftlern nur sehr wenige Mumienmasken aus Edelmetall gefunden worden. Ein Großteil der Masken sei zuvor bereits von Grabräubern entwendet und anschließend vermutlich eingeschmolzen worden.</p><p>Der Grabkomplex, der seit 2016 von Tübinger Ägyptologen untersucht wird, besteht aus mehreren, teils über dreißig Meter tiefen Schachtgräbern. Über einem der Hauptschächte fanden die Wissenschaftler unter anderem die Reste eines rechteckigen Gebäudes aus Lehmziegel und Kalksteinblöcken, das wohl als Werkstatt zum Einbalsamieren der Verstorbenen diente. Innerhalb des Gebäudes fanden sich zwei große Becken, die vermutlich einerseits zur Verarbeitung von Natron zur Trocknung der Körper und andererseits zur Vorbereitung der Leinenbinden für die Mumifizierung dienten. Ebenfalls auf den Prozess der Balsamierung deuten Gefäße hin, die mit den Namen von Ölen und Substanzen beschriftet sind, die für die Mumifizierung notwendig waren.</p><p>In den Seitenwänden und am Boden des Schachtes konnten eine ganze Reihe von unberührten Grabkammern entdeckt und geöffnet werden. Neben Mumien und Sarkophagen traten eine Vielzahl von Objekten zu Tage, unter anderem ganze Sätze von leuchtendblauen Fayence Statuetten – den sogenannten Uschebtis und Kanopen aus Alabaster, in denen die Organe der einbalsamierten Toten aufbewahrt wurden.</p><p>Bei der Untersuchung der Nekropole von Sakkara setzen die Tübinger Wissenschaftler auf den Einsatz modernster Technologie für die Dokumentation und Erfassung der gesamten Anlage. So ist das eScience-Center der Universität Tübingen unter der Leitung von Dr. Matthias Lang für die vollständige hochpräzise 3D-Dokumentation der Anlage sowie der bedeutenden Objekte verantwortlich. Eine Kombination von Laserscanning und bildbasierten 3D-Verfahren machen die räumlichen Zusammenhänge der räumlich hochkomplexen Gräber erstmals sichtbar und analysierbar.</p><p>Das Projekt wird aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471277" height="237" src="fileadmin/_processed_/4/c/csm_18-07-14Sakkara1_323b9af1f3.jpg" width="300" style></p><p>Bildunterschrift: Die unterirdische Grabanlage in Sakkara (Ägypten). Fundort der Mumienmaske. 3D-Laserscan: eScience Center, Universität Tübingen.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471269" height="450" src="fileadmin/_processed_/4/b/csm_18-07-14Sakkara_DSC_4594_19b2bf7192.jpg" width="300" style></p><p>Bildunterschrift: Die Sakkara-Maske des Zweiten Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es. Foto: Universität Tübingen / Ramadan B. Hussein.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471272" height="200" src="fileadmin/_processed_/4/5/csm_18-07-14Sakkara_DSC_4607_efed62d35b.jpg" width="300" style></p><p><br> Bildunterschrift: Die Sakkara-Maske des Zweiten Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es. Foto: Universität Tübingen / Ramadan B. Hussein.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471266" height="200" src="fileadmin/_processed_/6/a/csm_18-07-14Sakkara_DSC_1386_73beb187f2.jpg" width="300" style></p><p>Bildunterschrift: Entdeckung der Sakkara-Maske auf dem Gesicht der Mumie des Zweiten Priesters der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es. Foto: Universität Tübingen / Ramadan B. Hussein.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471265" height="200" src="fileadmin/_processed_/a/8/csm_18-07-14Sakkara_DSC_1409_d47aff8961.jpg" width="300" style></p><p>Bildunterschrift: Die Sakkara-Maske wird vorsichtig freigelegt. Foto: Universität Tübingen / Mostafa Tolba.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471274" height="200" src="fileadmin/_processed_/e/8/csm_18-07-14Sakkara_Hussein_Ramadan-009_3fd81515da.jpg" width="300" style><br> Bildunterschrift: Dr. Ramadan Badry Hussein. Foto: Universität Tübingen / Christoph Jäckle.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471267" height="200" src="fileadmin/_processed_/2/7/csm_18-07-14Sakkara_Hussein_Ramadan-044_8cd02d268f.jpg" width="300" style></p><p>Bildunterschrift: Dr. Ramadan Badry Hussein. Foto: Universität Tübingen / Christoph Jäckle.</p><h3>Ein Video zum Fundort in Sakkara finden Sie hier:</h3><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=upu3_cbyqYM" target="_blank" rel="noreferrer">www.youtube.com/watch</a><br> Bitte bei Verwendung Quelle angeben: eScience Center / Universität Tübingen</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Dr. Ramadan Badry Hussein<br> Universität Tübingen<br> Institut für die Kulturen des Alten Orients<br> Telefon: +49 175 8459273 (Deutschland)<br> +20 1156425554 (Ägypten)<br> ramadan.hussein[at]uni-tuebingen.de</p><p>Professor Christian Leitz<br> Universität Tübingen<br> Institut für die Kulturen des Alten Orients<br> Direktor der Abteilung für Ägyptologie<br> Telefon: +49 7071 29-78529<br> christian.leitz[at]uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Matthias Lang<br> Universität Tübingen<br> eScience-Center<br> Telefon: +49 7071 29-72837<br> matthias.lang[at]uni-tuebingen.de</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><br><br><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23818</guid><pubDate>Thu, 12 Jul 2018 15:08:28 +0200</pubDate><title>Neue Expertise zur Künstlichen Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-expertise-zur-kuenstlichen-intelligenz/</link><description>Fünf weitere Professorinnen und Professoren erforschen an der Universität Tübingen Maschinelles Lernen aus unterschiedlichsten Perspektiven</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen baut ihre Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz weiter aus: Fünf neue Professuren wurden mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besetzt, die im Bereich des Maschinellen Lernens forschen. Im Fachbereich Informatik untersucht Andreas Geiger, wie Computer lernen können, ihre Umgebung wahrzunehmen und zu interpretieren – unter anderem arbeitet er daran, selbstfahrende Autos besser, sicherer und intelligenter zu machen. Philipp Hennig erforscht, wie Rechenalgorithmen effizienter und anwenderfreundlicher gestaltet werden können und wie sich Fehler im System einer Künstlichen Intelligenz kontrollieren lassen. Michael Krone arbeitet daran, die Visualisierung großer Datenmengen in den Lebenswissenschaften zu optimieren. Anna Levina untersucht, wie sich neuronale Prozesse organisieren und entwickelt Instrumente, mit denen sich ihre Rechenfähigkeiten überprüfen lassen. In der Medizinischen Fakultät arbeitet Philipp Berens daran, Maschinelle Lernalgorithmen für die klinische Diagnostik einzusetzen, insbesondere bei Augenerkrankungen.</p><p>„Wir freuen uns, dass wir diese exzellenten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Universität Tübingen gewinnen konnten“, sagt Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen. „Die Vision des Cyber Valley bekommt damit ein Gesicht und sehr konkrete Aufgabenstellungen im Bereich des Maschinellen Lernens, die hier künftig bearbeitet werden.“</p><p>„Im Cyber Valley wächst zusehends die internationale Anziehungskraft“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Die herausragenden Talente, die die Universität Tübingen nun gewinnen konnte, belegen, dass wir zügig von der Idee in die Umsetzung kommen: Die Region Stuttgart-Tübingen international zu einem Schwergewicht im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu machen. Das Wissenschaftsministerium unterstützt diese Entwicklung nach Kräften.“</p><h3>Die Neuberufenen in alphabetischer Reihenfolge:</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471069" height="225" src="fileadmin/_processed_/c/8/csm_18-07-12_Berens_Phillipp_003_24261e2605.jpg" width="300" style></p><p><strong>Philipp Berens</strong> (geb. 1981) wurde im April 2018 auf die Heisenberg-Professur für „Data Science in der Sehforschung“ am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Medizinischen Fakultät berufen. Er war dort bereits seit 2016 Leiter der gleichnamigen Forschungsgruppe und ist Mitglied des Tübinger Exzellenzclusters Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN).</p><p>Philipp Berens hat Bioinformatik und Philosophie an der Universität Tübingen studiert. Er forschte als Doktorand am Tübinger Max Planck Institut für biologische Kybernetik und am Baylor College of Medicine in Houston (USA) und wurde 2013 an der International Max Planck Research School in Tübingen zum Thema „Neuronale Codierung im visuellen Kortex“ promoviert. Als Postdoktorand forschte er am Bernstein Center for Computational Neuroscience im Labor von KI-Forscher Matthias Bethge an der Universität Tübingen, zudem war er Postdoktorand am Baylor College. 2015 erhielt er den Bernstein-Preis des Bundeforschungsministeriums, den weltweit höchstdotierten Nachwuchsförderpreis.</p><p>Als „Data Scientist“ untersucht Berens im Forschungsinstitut für Augenheilkunde die neuronalen Schaltkreise der Netzhaut. Er möchte die Prinzipien neuronaler Berechnungen beim Sehen entschlüsseln und zudem verstehen, wie die Arbeit der Nervenzellen im Auge bei Krankheiten beeinträchtigt wird. Seine Forschungsgruppe entwickelt Maschinelle Lernalgorithmen, die in der klinischen Diagnostik solcher Krankheiten eingesetzt werden können. „Sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Diagnostik gibt es zunehmend komplizierte, multimodale Daten-sätze: Diese kombinieren unterschiedliche Datentypen, beispielsweise aus der Physiologie, Anatomie oder Genetik. Die Zusammenführung der Datentypen stellt uns noch vor große Herausforderungen", erklärt er. Foto: Friedhelm Albrecht</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471066" height="200" src="fileadmin/_processed_/0/c/csm_18-07-12_Geiger_Andreas_18_decb0e2775.jpg" width="300" style></strong></p><p><strong>Andreas Geiger</strong> (geb. 1982) wurde zum März 2018 auf die Professur für „Lernbasierte Computer Vision“ im Fachbereich Informatik berufen. Er war seit 2016 am Max Planck Institut für Intelligente Systeme in Tübingen Leiter der Forschungsgruppe Autonomes Maschinelles Sehen.</p><p> Andreas Geiger hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Informatik und Mathematik studiert. Während seines Studiums absolvierte er Forschungssemester an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (Schweiz) und am Massachusetts Institute of Technology (USA). 2013 wurde er am KIT zum Thema „Probabilistic Models for 3D Urban Scene Understanding from Movable Platforms“ promoviert. Im Anschluss forschte er am MPI für Intelligente Systeme in der Abteilung „Perzeptive Systeme“ und wurde 2016 sowohl zum Max-Planck Gruppenleiter als auch zum Gastprofessor an die ETH Zürich berufen.</p><p>Er erforscht unter anderem, wie sich Vorwissen in Computer-Algorithmen integrieren lässt, damit diese auf Situationen in einer komplexen 3D-Welt reagieren können. Wie erkennt der Bord-Computer eines selbstfahrenden Autos Fußgänger oder geparkte Autos? Seine Forschungsgruppe entwickelt hierfür Algorithmen, die lernen, aus großen Datenmengen Rückschlüsse über Situationen und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmern zu ziehen: So sollen selbstfahrende Autos in der Lage sein, Entfernungen zu berechnen, Objekte zu erkennen, Bewegungen zu deuten und zweidimensionale Bilder in dreidimensionale Szenen zu verwandeln. Foto: Friedhelm Albrecht</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471057" height="200" src="fileadmin/_processed_/3/f/csm_18-07-12_Philipp_Hennig_c255686b37.jpg" width="300" style></p><p><strong>Philipp Hennig</strong> (geb. 1980) wurde zum Mai 2018 auf die Professur für „Methoden des Maschinellen Lernens“ im Fachbereich Informatik berufen. Er hat Physik an der Universität Heidelberg und am Imperial College in London studiert und wurde 2011 an der Universität Cambridge zum Thema „Approximate Inference in Graphical Models“ promoviert.</p><p>Seit 2011 forscht er am Tübinger Max Planck Institut für Intelligente Systeme und war zunächst in der Abteilung „Empirische Inferenz“ des KI-Forschers Professor Bernhard Schölkopf tätig. Seit 2015 leitete er eine eigene Forschungsgruppe, mit der er das Konzept der „Probabilistischen Numerik“ etabliert hat, einer mathematischen Theorie der Unsicherheit in Computerberechnungen. Die Gruppe untersucht unter anderem, wie schnelle und stark vereinfachte Rechenschritte zur Lösung eigentlich aufwändiger Rechenaufgaben beitragen können und wie Computer über die Effekte von Rechenfehlern und Vereinfachungen „Buch halten“ können.</p><p>An der Universität Tübingen erforscht er Rechenalgorithmen für die künstliche Intelligenz. „Lernende Maschinen haben in der jüngsten Vergangenheit Beeindruckendes vollbracht“, sagt Hennig. „Aber sie gehen derzeit verschwenderisch mit Ressourcen um. Reiche Internet-Firmen können sich die nötigen Großrechner und hochbezahltes Personal als Aufpasser leisten. Um Maschinelles Lernen auch für Klein- und Mittelständler und in Bereichen wie dem Maschinen- und Fahrzeugbau oder auf Mobiltelefonen in der Breite nutzbar zu machen, müssen Algorithmen schneller, zuverlässiger und anwenderfreundlicher werden. Dazu gehört Kontrollierbarkeit: Wenn eine KI-Komponente eines komplexen Gesamtsystems aus dem Ruder läuft, muss irgendwo eine rote Lampe aufleuchten.“ Mit Mitteln aus einem ERC-Grant der Europäischen Kommission erforschen Hennigs Mitarbeiter zum Beispiel Methoden, mit denen sich das „Training“ lernender Computerprogramme automatisieren und überwachen lässt. Foto: Friedhelm Albrecht</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471063" height="200" src="fileadmin/_processed_/7/6/csm_18-07-12_Krone_Michael_6c83bd417d.jpg" width="300" style></p><p><strong>Michael Krone</strong> (geb. 1983) wurde zum Mai 2018 im Fachbereich Informatik auf die Juniorprofessur für „Visuelle Big Data Analytik“ in den Lebenswissenschaften berufen. Er war seit 2016 als Postdoktorand am Visualisierungsinstitut der Universität Stuttgart tätig.</p><p>Michael Krone hat an der Universität Stuttgart Informatik studiert. Als Doktorand forschte er den Universitäten Stuttgart und Illinois (USA) und wurde 2015 zum Thema „Interactive Visual Analysis of Biomolecular Simulations“ promoviert. Neben seiner Forschung als Postdoktorand hatte er unter anderem Lehraufträge an der LMU München inne.</p><p>Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Visual Analytics, zu dem die graphische Darstellung von Daten (Visualisierung), die Daten-Analyse und Mensch-Maschine-Interaktionen, wie beispielsweise an Benutzeroberflächen, gehören. Er beschäftigt sich besonders mit der Visualisierung molekularer Daten und Simulationen im Bereich der Lebenswissenschaften. Künftig wird er beispielsweise in einem DFG-Forschungsprojekt neue Methoden entwickeln, um Daten aus Simulationen von Protein-Interaktionen für Anwender besser begreifbar zu machen. Unter anderem setzt er hier Methoden aus dem Bereich des Maschinellen Lernens zur Datenanalyse ein. Foto: Ulrich Metz / Universität Tübingen</p><p>&nbsp;</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="471060" height="200" src="fileadmin/_processed_/f/6/csm_18-07-12_Martius_Levina_Anna_f7db7e926b.jpg" width="300" style></p><p><strong>Anna Levina</strong> (geb. 1981) wurde zum Juli 2018 auf die Juniorprofessur für „Kritikalität und Optimalität in Neuronalen Systemen“ im Fachbereich Informatik berufen. Sie hat an der Universität St. Petersburg Mathematik studiert und wechselte 2004 an die Universität Göttingen, wo sie 2008 zum Thema „Identification in Mathematical Models“ promoviert wurde. Als Postdoktorandin forschte sie am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und ab 2011 am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig.</p><p>Von 2015 bis 2017 war Anna Levina Fellow am Institute of Science and Technology in Klosterneuburg, Österreich. Seit April 2017 arbeitet sie im Bereich der computergestützten Neurowissenschaften an der Universität Tübingen, am Bernstein Center for Computational Neuroscience und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik Tübingen. 2017 erhielt sie mit dem Sofja Kovalevskaja-Preis der Humboldt-Stiftung eine der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen Deutschlands.</p><p>Ihr Forschungsinteresse konzentriert sich auf die Prinzipien, die hinter Organisation und Mechanismen neuronaler Vorgänge stehen: Wie entsteht bei Milliarden von Neuronen eine bestimmte Verdrahtung im Gehirn? Wie kann sich diese Struktur mit einer ihr eigenen Dynamik entwickeln? Und wie werden Informationen optimal von einer Gehirnstruktur in eine andere übertragen? Diese und ähnliche Fragen stehen im Fokus von Levinas Forschung. Die Mathematikerin wird Instrumente und Modelle für die Datenanalyse entwickeln, mit denen sich neuronale Zustände und ihre Rechenfähigkeiten untersuchen lassen. Die Ergebnisse könnten Wege für die Optimierung künstlicher neuronaler Netzwerke eröffnen. Foto: Friedhelm Albrecht</p><p>Die Universität Tübingen hat weitere Professuren Bereich „Maschinelles Lernen“ geschaffen. Veröffentlichte Meldungen hierzu:</p><ul><li><a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/1369?tx_news_pi1[news]=21766" target="_blank" rel="noreferrer">Cyber Valley: Spitzenforscher Matthias Hein übernimmt Bosch-Stiftungsprofessur</a></li><li><a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/1369?tx_news_pi1[news]=22348" target="_blank" rel="noreferrer">Neu berufen: Juniorprofessor Dr. Andreas Dräger</a></li></ul><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23772</guid><pubDate>Wed, 11 Jul 2018 16:59:19 +0200</pubDate><title>Einblicke in aktuelle Forschungen bei der Sommeruniversität 2018</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/einblicke-in-aktuelle-forschungen-bei-der-sommeruniversitaet-2018/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen: Zehn Vorträge thematisieren unter anderem die #MeToo-Debatte, stressbedingte Bauchschmerzen und die europäische Identität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zur Tübinger Sommeruniversität öffnet die Universität wieder ihre Tore für alle, die Einblick in aktuelle Forschungsprojekte nehmen möchten. In den ersten beiden Augustwochen berichten zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über neue Erkenntnisse unter anderem aus den Bereichen Gesundheit, Geschichte, Biologie und Sport.</p><p>Professorin Regina Ammicht-Quinn eröffnet die Vortragsreihe mit einer Vorlesung über den Streit um die Genderdebatte zwischen Populismus und #MeToo und überlegt, wie eine „Ethik der Geschlechter“ gestaltet werden könnte. Weitere Themen sind die Herausforderungen für Menschen, die  Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache lernen, die Zusammenhänge von (Bauch-)Schmerzen mit Stress, der Einfluss von Klima- und Umweltveränderungen auf Wanderungsbewegungen unserer Vorfahren, philosophische Anmerkungen zur europäischen Identität, Sicherheit in Bahnhofsvierteln, Fußball 4.0, unbekannte Orte der Weltgeschichte, die Teilung von Pflanzenzellen und die Chancen des demografischen Wandels.</p><p><strong>Vom 30. Juli bis zum 10. August 2018 gibt es jeden Werktag einen Vortrag. Er beginnt jeweils um</strong><strong>10.15 Uhr im Hörsaal des Theologicums (Dauer</strong><strong>45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72074 Tübingen)</strong>. Anschließend kann das Publikum mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsfragen diskutieren und eigene Fragen stellen. Die Vorträge sind in einer allgemein verständlichen Sprache gehalten. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p>Die Sommeruniversität wird seit 2004 gemeinsam von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen veranstaltet. Sie ist Teil des Tübinger Kultursommers: Sommernachtskino, Stadtführungen, das Sommertheater, der umbrisch-provenzalische Markt und 2018 auch das Bachfest laden ein, den Sommer in Tübingen zu genießen, Neues zu entdecken und Bekanntes mit anderen Augen zu sehen.</p><p>Ein Programmheft liegt ab sofort an vielen öffentlichen Stellen aus und ist im Internet zu finden unter <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/39634" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/39634</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Susanne Zahn</p><p>Universität Tübingen</p><p>Hochschulkommunikation</p><p>Telefon +49 7071 29-76724</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Uwucppg0AcjpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">Susanne.Zahn<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23741</guid><pubDate>Tue, 10 Jul 2018 16:20:00 +0200</pubDate><title>Auge in Auge mit winzigen Fischen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auge-in-auge-mit-winzigen-fischen/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler stellen selbst entwickeltes Programm für Verhaltensstudien an Fischen frei zur Verfügung </description><content:encoded><![CDATA[<p>Zebrafische gehören erst seit kurzem zu den wichtigsten Tiermodellen der neurowissenschaftlichen Forschung. Laboreinrichtung und Software zur Analyse ihres Verhaltens sind daher oft extrem spezialisiert und teuer. Neurobiologen vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen haben nun eine einfach zu bedienende Software entwickelt und stellen diese frei und im Quellcode zur Verfügung: Das Programm erlaubt den Einsatz zahlreicher Untersuchungsansätze und verschiedenster Hardware-Komponenten in Verhaltensexperimenten zu Augenbewegungen von Zebrafischen. Die Software ‚ZebEyeTrack’ und ihre Anwendungsbereiche stellen die Wissenschaftler im Nature-Tochterjournal <em>Nature Protocols</em> vor.</p><p>Was haben die nur wenige Millimeter langen, glasartig durchsichtigen Larven eines südasiatischen Zierfisches mit Menschen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, und doch gelten die Larven des Zebrabärblings (auch Zebrafisch genannt) als mit am besten geeignet, um grundlegende Mechanismen unserer Wahrnehmung zu erforschen. Ein Beispiel ist die Steuerung des Auges, dessen Ausrichtung auf großflächige, bewegte Sehreize bei Zebrafischlarven ganz ähnlich funktioniert wie bei uns Menschen.</p><p>Wer im Detail wissen will, wie ein Fisch sieht, benötigt dazu eine äußerst aufwändige Laborausrüstung – nicht untypisch für die Lebens- und Naturwissenschaften. Dazu gehören Softwarelösungen, mit deren Hilfe sich zahlreiche Parameter erfassen und messen lassen. Dafür können sich Forschende einer kommerziellen Software für die Verfolgung von Fischaugenbewegungen bedienen, die aber selten auf die speziellen Fragestellungen eines Projekts ausgerichtet ist und deren Kauf kostspielig sein kann – oder aber das Labor entwickelt eine eigene Softwareanwendung, was entsprechende Programmierfähigkeiten voraussetzt und oft mit jahrelangem Aufwand einhergeht.</p><p>&nbsp;</p><p>Bereits während seiner Doktorarbeit entschied sich der Neurobiologe Aristides Arrenberg deshalb dafür, selbst eine Software zu entwickeln, die den Ansprüchen seiner Arbeit genügte. Seine Forschergruppe am Tübinger CIN arbeitet mit einer über die Jahre immer wieder überholten und erweiterten Version dieser Software, die inzwischen viel dazu gelernt hat: So kann sie individuell gestaltbare Lichtreize steuern, die den Fischlarven präsentiert werden, und die resultierenden Augenbewegungen automatisch erkennen, verfolgen, aufzeichnen und in Echtzeit nach verschiedensten Kriterien analysieren. Dazu kommen Plugins für Laser- und Mikroskopeinsatz sowie eine einfach zu bedienende grafische Benutzeroberfläche. Um anderen Laboren weltweit den Einstieg in Experimente zur Funktion des Zebrafisch-Sehsystems zu erleichtern, hat die Forschergruppe die Software – mittlerweile auf den Namen ‚ZebEyeTrack’ getauft – nun allgemein zugänglich gemacht. Die Software kann auf zebeyetrack.com ohne Installation direkt getestet oder auch heruntergeladen werden und wird in <em>Nature Protocols</em> von den Autoren beschrieben.</p><p>„Wir wissen, dass Forschende weltweit sehr unterschiedliche Ansprüche an solch eine Software haben. Daher machen wir auch den Quellcode verfügbar, so dass unsere Lösung schon mit ein wenig Programmierkenntnis individuell angepasst werden kann“, erklärt Florian Dehmelt, der die (vorerst) finale Version programmierte. Gruppenleiter Arrenberg fügt hinzu: „Mit ZebEyeTrack verstehen wir uns als Teil der Open-Source-Bewegung. Wir hätten vermutlich auch ein Patent anmelden und ZebEyeTrack kommerziell vertreiben können. Aber daran haben wir kein Interesse – damit würden wir ja genau dem Problem Vorschub leisten, das wir selbst einmal hatten.“</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="470421" data-htmlarea-zoom="true" height="293" src="fileadmin/_processed_/a/6/csm_18-07-10Aufzeichnung_Sehbewegung_7ffe87ebdb.png" width="300" style></p><p>Aufbau eines Experiments: Die Petrischale mit Zebrafischlarven wird unter einem Stereomikroskop platziert, umgeben von vier Bildschirmen, auf denen visuelle Reize präsentiert werden. Abbildung: Aristides Arrenberg</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="470424" data-htmlarea-zoom="true" height="231" src="fileadmin/_processed_/c/e/csm_18-07-10Versuchsaufbau_Stereomikroskop_4e6b394e28.jpg" width="299" style></p><p><br> Die Augenbewegungen der Fischlarven werden aufgezeichnet. Abbildung: Aristides Arrenberg</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="470430" data-htmlarea-zoom="true" height="71" src="fileadmin/_processed_/6/8/csm_18-07-10Zebrafischlarve_Seitenansicht_dceffd7bed.jpg" width="300" style></p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="470427" data-htmlarea-zoom="true" height="214" src="fileadmin/_processed_/2/a/csm_18-07-10Zebrafischlarve_Kopfansicht_081df6cbf2.jpg" width="300" style></p><p><br> Die Augenbewegungen der Fischlarven werden aufgezeichnet. Abbildung: Aristides Arrenberg</p><h3>Publikation:</h3><p>Florian A. Dehmelt, Adam v. Darányi, Claire Leyden, Aristides B. Arrenberg: Evoking and Tracking Zebrafish Eye Movement in Multiple Larvae with ZebEyeTrack. In: Nature Protocols (im Druck).</p><p>doi: 10.1038/s41596-018-0002-0</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Aristides Arrenberg</p><p>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Telefon +49 7071 29-88798</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ctkuvkfgu0cttgpdgtiBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">aristides.arrenberg<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann</p><p>Universität Tübingen</p><p>Wissenschaftskommunikation</p><p>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Otfried-Müller-Str. 25 ∙ 72076 Tübingen</p><p>Telefon +49 7071 29-89108</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Die Universität Tübingen</strong></p><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 27.700 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><p><strong>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</strong></p><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23668</guid><pubDate>Thu, 05 Jul 2018 15:59:53 +0200</pubDate><title>Gezielte RNA-Editierung als neue Alternative zur Genschere</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gezielte-rna-editierung-als-neue-alternative-zur-genschere/</link><description>Forscher der Universität Tübingen entwickeln eine präzise Methode zur umkehrbaren Veränderung genetischer Informationen – Anwendungsziele in Grundlagenforschung und Medizin</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Entwicklung der CRISPR/Cas-Methode stellte eine Revolution für die gezielte Veränderung genetischer Information dar. Sie eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten für die Grundlagenforschung und Gentherapie. Dabei werden Veränderungen an der DNA vorgenommen, was mit Risiken verbunden ist: Auch auftretende Fehler werden für immer im Genom gespeichert. Seit rund sieben Jahren arbeitet das Forscherteam von Professor Thorsten Stafforst am Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen an einer risikoärmeren Alternative: an Methoden zur gezielten genetischen Veränderung der RNA-Ebene, der sogenannten RNA-Editierung. Sie machen sich dabei zunutze, dass die Information, die in der DNA von Zellen gespeichert wird, durch eine Arbeitskopie in Form von RNA weitergeleitet wird, die nach dem Gebrauch abgebaut wird. Wird die RNA verändert, dann bleibt die Originalinformation in der DNA erhalten. Jetzt ist es den Forschern gelungen, RNA-Moleküle in der Zelle mit höchster Effizienz und Präzision zu editieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature Methods</em> vorgestellt.</p><p>Zellen kopieren die Erbinformation ihrer DNA, die in der Reihenfolge von vier verschiedenen Basen kodiert ist, in RNA-Moleküle um. Nach deren Bauanleitung werden unzählige Proteine in unterschiedlicher Zusammensetzung hergestellt. Diese wiederum dienen als Baustoffe in der Zelle und steuern den Stoffwechsel. „Unsere Methode der RNA-Editierung beruht auf einem Proteinkonstrukt, das mit Hilfe einer kleinen Führungs-RNA zum RNA-Zielmolekül gelangt und dort einzelne Basen umwandelt. So wird die Bauanleitung des kodierten Proteins umgeschrieben“, erklärt Thorsten Stafforst. Die Manipulation der RNA lasse sich fein regulieren und sei grundsätzlich reversibel – was die Methode vor allem auch für medizinische Therapien interessant mache.</p><h3>Zeitlich begrenzte Manipulationen</h3><p>„Mit dem neuen Werkzeug lässt sich potenziell eine Vielzahl an krankheitsverursachenden Mutationen rückgängig machen“, sagt der Wissenschaftler. Die zeitlich begrenzte Veränderung in der RNA erlaube es auch, in Signalwege zum Beispiel von Entzündungsprozessen einzugreifen, deren dauerhafte Manipulation schwerwiegende Folgen hätte. „Uns ist es bereits gelungen, gleichzeitig mehrere RNAs zu editieren, die Signalproteine kodieren“, erklärt Stafforst. Die Arbeitsgruppe zeigte, dass die Methode doppelt so effizient ist wie eine zuvor veröffentlichte Methode zur RNA-Editierung, die auf einer Variante der CRISPR/Cas-Methode beruht.</p><p>Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Professor Jin Billy Li an der Stanford University belegten die Tübinger Forscher, dass bei ihrer neuen Methode nur wenige Fehler passieren, die in der Studie weiter minimiert werden konnten. Im Ergebnis sei die Methode hoch effizient bei der Editierung und dennoch vielfach spezifischer als konkurrierende Methoden, sagt Stafforst. Die erzielten Fortschritte stellten allerdings erst den Anfang dar, um die Methode für Grundlagenforschung und Medizin nutzbar zu machen. „In Zukunft möchten wir auf die Proteinkonstrukte völlig verzichten und stattdessen auf die natürlich vorkommenden Enzyme zurückgreifen, um diese für die gerichtete RNA-Editierung einzuspannen“, gibt Stafforst Einblick in das weitere Vorgehen. Für die zugrundeliegende Technologie hat die Universität Tübingen ein Patent angemeldet.</p><h3>Publikation:</h3><p>Vogel, P., Moschref, M., Li, Q., Merkle, T., Selvasaravanan, K. D., Li, J. B. &amp; Stafforst,T. Efficient and precise editing of endogenous transcripts with SNAP-tagged ADARs. <em>Nat. Methods</em><strong>15</strong>, 535–538(2018).</p><p><a href="https://doi.org/10.1038/s41592-018-0017-z" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41592-018-0017-z</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Thorsten Stafforst</p><p>Universität Tübingen</p><p>Interfakultäres Institut für Biochemie</p><p>Telefon +49 7071 29-75376</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjqtuvgp0uvchhqtuvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">thorsten.stafforst@</a><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjqtuvgp0uvchhqtuvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">uni-tuebingen.de</a></p><p><br><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23614</guid><pubDate>Wed, 04 Jul 2018 17:04:35 +0200</pubDate><title>Juli Zeh bei der 15. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/juli-zeh-bei-der-15-tuebinger-mediendozentur/</link><description>Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin spricht über die Macht von Stimmungen und die Zukunft der Demokratie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Regierungskrisen, der drohende Zerfall Europas, der Aufstieg von Populisten, der Vertrauensverlust in Medien und Politik, die spürbare Polarisierung der Kommunikationsverhältnisse – die gesellschaftliche Mitte scheint an Einfluss zu verlieren, die Attraktivität und Ausstrahlung liberaler Demokratien schwindet. Oder ist unsere Situation in Wahrheit viel besser als die Stimmung? Wird die Lage des Landes in einem eigenwilligen Zusammenspiel aus medialer Zuspitzungslust, populistischer Vereinfachung und einer diffusen Verdrossenheit der Allgemeinheit künstlich schlecht geredet?</p><p>Diesen Fragen widmet sich die Schriftstellerin Juli Zeh in der 15. Tübinger Mediendozentur am Donnerstag, den 12. Juli 2018, um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz). Die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.</p><p>Mit Juli Zeh kommt eine der bekanntesten Schriftstellerinnen deutscher Sprache und Autorin vielfach ausgezeichneter Romanen nach Tübingen. Ihre gesellschaftspolitischen Stellungnahmen beeinflussen die Debatten der Gegenwart. Bereits ihr literarisches Debüt „Adler und Engel“ (2001) war ein Welterfolg und wurde in 31 Sprachen übersetzt. Es folgten zahlreiche weitere Romane, Sachbücher, Theaterstücke, Kurzgeschichten, Essays. In diesen Tagen wird ihr Gesellschaftsroman „Unterleuten“ für das ZDF verfilmt und die Bühnenfassung vorbereitet.</p><p>In ihrer Tübinger Rede skizziert Juli Zeh ein Panorama der aktuellen Stimmungs- und Kommunikationsverhältnisse. Sie zeigt, wie die Digitalisierung gesellschaftliche Spaltungsprozesse und die Ich-Zentrierung des Menschen verstärkt. Und sie macht deutlich, dass die offene Flanke der liberalen Demokratie darin besteht, dass sie zwar Freiheitsräume eröffnet, aber Verantwortung, Mündigkeit und ein Interesse am Gemeinwohl aller Beteiligten unbedingt voraussetzt. Wie viel Freiheit, so lautet ihre Schlüsselfrage, kann der Mensch ertragen – ohne sich in die grobe Vereinfachung, die nächstbeste Ideologie oder das Spektakel der Dauer-Ablenkung zu flüchten?</p><p>Die thematische Einführung zur 15. Tübinger Mediendozentur am 12. Juli übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Es moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Dr. Andreas Narr. Ein Mitschnitt der Rede zur Mediendozentur wird in SWR Aktuell gesendet. Das Institut für Medienwissenschaft publiziert sie gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.<br><br> Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Mathias Döpfner, Miriam Meckel, Sascha Lobo und Georg Mascolo nach Tübingen.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Andreas Narr<br> Südwestrundfunk<br> Studioleiter Studio Tübingen<br> Telefon: +49 7071 209-38101<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0pcttBUYT0fg" data-mailto-vector="2">andreas.narr<span style="display:none">spam prevention</span>@SWR.de</a></p><p>Professor Bernhard Pörksen<br> Universität Tübingen<br> Institut für Medienwissenschaft<br> Telefon +49 7071 29-72798<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgtpjctf0rqgtmugpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">bernhard.poerksen<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de<br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23581</guid><pubDate>Wed, 04 Jul 2018 16:17:54 +0200</pubDate><title>Das plastische Gehirn: Bessere Vernetzung von Gehirnarealen schon nach kurzem Training</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-plastische-gehirn-bessere-vernetzung-von-gehirnarealen-schon-nach-kurzem-training/</link><description>Tübinger Wissenschaftler beobachten, wie schnell sich das Gehirn anpassen kann</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forscher des Leibniz-Institutes für Wissensmedien (IWM) sowie der Graduiertenschule und des Forschungsnetzwerkes LEAD an der Universität Tübingen haben jetzt herausgefunden: Durch ein kurzes und intensives Rechentraining werden die neuronalen Verbindungen zwischen wichtigen Regionen im Gehirn im Erwachsenenalter stärker. Diese neuronale Plastizität durch numerisches Lernen war bereits nach nur fünf Trainingseinheiten nachweisbar. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Fachmagazin Cortex veröffentlicht.</p><p>Egal, ob ein Mensch neues Wissen oder eine neue körperliche Bewegung erlernt – immer verändern sich dabei Synapsen, Nervenzellverbindungen und ganze Gehirnareale, also die Funktion und Struktur des Gehirns. Das menschliche Gehirn ist ein Leben lang „plastisch“, d.h. es ist in der Lage sich zu verändern. Forscher und Forscherinnen um Dr. Dr. Elise Klein am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) haben funktionelle und strukturelle Veränderungen im Gehirn als Folge von medienbasiertem numerischen Lernen untersucht. Dass ein Rechentraining Auswirkungen auf unsere Rechenfähigkeit hat, scheint fast aus dem Bauch heraus klar. Das zeigte sich in der Studie auch auf neuronaler Ebene: Durch das Training veränderte sich das Netzwerk aus Gehirnarealen, das zur Lösung einer Aufgabe aktiviert wurde. In der Studie am IWM sind jetzt aber auch strukturelle Veränderungen im Gehirn durch das Rechentraining deutlich geworden – und somit anatomische Veränderungen im neuronalen Netzwerk.</p><p>Das Rechentraining konnte nicht nur erfolgreich die Leistung der Teilnehmenden verbessern, den Tübinger Forscherinnen und Forschern gelang es auch festzustellen, wie dieser Lernprozess auf neuronaler Ebene vonstattengeht. In einer vorangegangenen Studie hatten sie schon beobachtet, dass das Training die funktionelle Aktivierung in Gehirnarealen erhöht, die mit dem Abruf von Fakten aus dem Langzeitgedächtnis assoziiert sind (z. B. Hippocampus). Jetzt konnten sie mit Hilfe der diffusionsgewichteten Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen, dass sich durch das Training auch die strukturelle Anbindung dieser Areale über Faserverbindungen verstärkt hat und dies mit erfolgreichem Lernen einherging. „Die neuronale Plastizität durch das medienbasierte Training war bereits nach nur fünf Trainingseinheiten nachweisbar“, so Elise Klein vom IWM. „Diese Veränderung auf neuronaler Ebene zeigt an sich, dass bereits kurze kognitive Trainings plastische Prozesse im Gehirn induzieren können. Die Selektivität der neurostrukturellen Veränderungen sagt etwas aus über die Verarbeitung von Rechenfakten im Gehirn.“</p><p>Damit geben die Ergebnisse nicht nur Aufschluss darüber, wie sich Lernprozesse im Gehirn mani-festieren, sondern zeigen auch das Potenzial neurokognitiver Plastizität im Erwachsenenalter. Kor-binian Moeller, Leiter der Nachwuchsgruppe Neuro-kognitive Plastizität, zu den Ergebnissen der Studie: „Sie erlauben weitergehende Erkenntnisse über die neuronalen Grundlagen numerisches Lernens und zu den Möglichkeiten neuronaler Reorganisation im Gehirn. Sie könnten helfen bei der Entwicklung von Interventionen für Kinder mit Lernschwäche und für Patienten mit numerischen Defiziten nach einer Hirnschädigung.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Elise Klein, Klaus Willmes, Silke M. Bieck, Johannes Bloechle, Korbinian Moeller, White matter neuro-plasticity in mental arithmetic: Changes in hippocampal connectivity following arithmetic drill training. Cortex, <a href="https://doi.org/10.1016/j.cortex.2018.05.017" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cortex.2018.05.017</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Dr. Elise Klein<br> NG Neuro-kognitive Plastizität<br> Email: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,g0mngkpBkyo/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">e.klein<span style="display:none">spam prevention</span>@iwm-tuebingen.de</a><br> Telefon: +49 7071 979-205</p><p><br> Elise Klein arbeitet seit April 2015 im Rahmen eines Wrangell-Habilitationsprogramms am IWM in der Nachwuchsgruppe Neuro-kognitive Plastizität. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich hier mit den neurokognitiven Grundlagen von Wissenserwerb und Wissensnutzung. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung von numerisch-mathematischen Kompetenzen und deren neurokognitiven Korrelaten.</p><h3>Das Leibniz-Institut für Wissensmedien</h3><p>Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht, wie digitale Technologien eingesetzt werden können, um Wissensprozesse zu verbessern. Die psychologische Grundlagenforschung der rund 110 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist auf Praxisfelder wie Schule und Hochschule, auf Wissensarbeit mit digitalen Medien, wissensbezogene Internetnutzung und Wissensvermittlung in Museen ausgerichtet. Von 2009 bis 2016 unterhielt das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten Leibniz-WissenschaftsCampus (WCT) zum Thema „Bildung in Informationsumwelten“. Seit 2017 wird er unter dem Titel „Kognitive Schnittstellen“ weitergeführt.</p><h3>Die Leibniz-Gemeinschaft</h3><p>Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren.</p><h3>Über LEAD</h3><p>Die Graduiertenschule und das Forschungsnetzwerk LEAD (Learning, Educational Achievement and Life Course Development) der Universität Tübingen bieten ein integriertes Forschungs- und Ausbildungsprogramm für Nachwuchswissenschaftler der Empirischen Bildungsforschung. Ein Ziel ist es, verlässliche Grundlagen für einen evidenzbasierten Ansatz in der Bildungspolitik zu schaffen, indem Studien mit belastbaren Designs durchgeführt und interdisziplinär geschulte Experten ausgebildet werden. LEAD wird im Rahmen der Exzellenzinitiative über die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-23598</guid><pubDate>Mon, 02 Jul 2018 21:00:00 +0200</pubDate><title>Geben und Nehmen: Wie wir Interaktionen wahrnehmen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/geben-und-nehmen-wie-wir-interaktionen-wahrnehmen/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler untersuchen, wie das Gehirn wechselseitige, zwischenmenschliche Handlungen erkennt und repräsentiert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Soziales Verhalten beruht auf der Interaktion mit anderen. Aber wie nimmt unser Gehirn diese wahr und verarbeitet sie? Bisher haben Psychologen und Neurowissenschaftler vor allem die neuronale Verarbeitung einzelner Handlungen untersucht. Ein Neurowissenschaftlerteam aus drei Tübinger Forschungseinrichtungen konnte nun zeigen, dass im menschlichen Gehirn soziale Interaktionen als zusammenhängende Handlungspaare der interagierenden Partner repräsentiert sind – ein Ergebnis, das unter Umständen die Autismus-Forschung beeinflussen wird. Die Studie wird im Fachmagazin PNAS veröffentlicht.</p><p><br> Tanzen, Händeschütteln, Ballspielen – all diese Aktivitäten beruhen auf zusammenhängenden Handlungspaaren verschiedener Personen, wie Geben und Nehmen oder Werfen und Fangen. Wie verarbeitet das Gehirn solche Interaktionen, bei denen die Handlungen mehrerer Personen zueinander in Beziehung stehen? Erkennen wir solche Interaktionen bereits dadurch, dass unsere Wahrnehmung die Bewegungen der einzelnen Partner direkt in eine Beziehung setzt? Oder analy-sieren wir die Handlungen der einzelnen Partner erst kognitiv und belegen sie dann mit einer Be-deutung?</p><p>Eine gemeinschaftliche Studie von Neurowissenschaftlern des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik (MPI BK), des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) und des Werner Reichardt Centrums für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen ist diesen Fragen nun auf den Grund gegangen. Die Forscher verwendeten dazu eine Virtual-Reality-Umgebung, in der eine lebensgroße, dreidimensional animierte Figur teils klar erkennbare Teile von Handlungspaaren, teils Mischbewegungen ausführte. Sie nutzten in ihrer Untersuchung einen Ermüdungseffekt aus: Unklare Reize werden abhängig von dem, was man zuvor gesehen hat, abweichend interpretiert. Zeigt man zum Beispiel wiederholt ein „Geben“ und danach eine unklare Mischung von „Werfen“ und „Geben“, so nehmen Probandinnen und Probanden die Mischbewegung häufiger als „Werfen“ wahr.</p><p><br> Interessanterweise fanden die Forscher diesen Ermüdungseffekt aber nicht nur beim jeweils ersten Teil eines Handlungspaares, etwa wenn „Geben“ oder „Werfen“ wiederholt gezeigt wurde. Der Effekt trat auch dann auf, wenn zuvor das passende Gegenstück gezeigt wurde, hier also ein „Nehmen“ oder „Fangen“. Offensichtlich reagieren diejenigen Neurone im menschlichen Gehirn, die auf „Werfen“ ansprechen, auch auf das passende Handlungsgegenstück „Fangen“. Das Handlungspaar „Werfen-Fangen“ wird also gemeinsam im Gehirn repräsentiert. In weiteren Kontrollexperimenten zeigten die Forscher, dass nur Handlungen, die Teil des Handlungspaares sind, den Ermüdungsef-fekt auslösen. Bei anderen Handlungen, die nicht Teil des Handlungspaares sind, etwa „Tanzen“, findet man diesen dagegen kaum.</p><p><br> „Geben und Nehmen sind im Gehirn zusammen repräsentiert“, bekräftigt Stephan de la Rosa (MPI für biologische Kybernetik), der die Studie leitete und gemeinsam mit Leonid Fedorov (HIH/CIN) auch die Experimente durchführte. „Das Ergebnis macht wahrscheinlich, dass es Neurone gibt, die gleichartig für beide Handlungen eines Handlungspaares antworten“, sagt Martin Giese (HIH/CIN), Fedorovs Doktorvater. Die Bedeutung ihres Befundes ist den Autoren klar: „Bei autistischen Störun-gen ist die Wahrnehmung solcher sozialen Interaktionen beeinträchtigt, wie wir sie hier untersucht haben. Wir hoffen nun, dass unsere Ergebnisse einen Baustein zu einem besseren Verständnis solcher sozial-kognitiven Störungen liefern können.“</p><h3>Kurzinterview zur Studie:</h3><p><a href="http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/press-news-and-events/meet-your-scientist/stephan-de-la-rosa.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/press-news-and-events/meet-your-scientist/stephan-de-la-rosa.html</a></p><p>Publikation: Leonid Fedorov, Dong-Seon Chang, Martin Giese, Heinrich Bülthoff, Stephan de la Rosa: Adaptation Aftereffects Reveal Representations for Encoding of Contingent Social Actions. Proceedings of the National Academy of Sciences (im Druck). DOI 10.1073/pnas.1801364115</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Dr. Stephan de la Rosa<br> Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik<br> Telefon +49 7071 601 606<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fgnctqucBvwgdkpigp0ori0fg" data-mailto-vector="2">delarosa<span style="display:none">spam prevention</span>@tuebingen.mpg.de</a></p><p>Prof. Dr. Martin Giese<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) / Werner Reichardt Centrum für Integrative Neuro-wissenschaften (CIN)<br> Telefon +49 7071 29-89124<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octvkp0ikgugBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">martin.giese<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3><br> Die Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 27.700 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</h3><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><h3>Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik</h3><p>Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoreti-schem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 84 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.</p><h3>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)</h3><p>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Das HIH beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten Forschungsfelder der Gegenwart: der Entschlüsselung des menschlichen Gehirns. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Erkrankungen die Arbeitsweise dieses Organs beeinträchtigen. Dabei schlägt das HIH die Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung. Ziel ist, neue und wirksamere Strategien der Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Derzeit sind 21 Professoren und rund 380 Mitarbeiter am Institut beschäftigt.</p><p>Universität Tübingen<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leiter Hochschulkommunikation</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuell" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuell</a></p><p><br> Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften<br> Dr. Paul Töbelmann<br> Wissenschaftskommunikation<br> Telefon +49 7071 29-89108<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><br> Max-Planck Institut für biologische Kybernetik<br> Beate Fülle<br> Leitung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit<br> Telefon +49 7071-601 777<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgcvg0hwgnngBvwgdkpigp0ori0fg" data-mailto-vector="2">beate.fuelle<span style="display:none">spam prevention</span>@tuebingen.mpg.de</a><br><a href="http://www.kyb.tuebingen.mpg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.kyb.tuebingen.mpg.de</a></p><p><br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Dr. Mareike Kardinal<br> Leitung Kommunikation<br> Telefon: +49 7071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22643</guid><pubDate>Fri, 29 Jun 2018 10:33:23 +0200</pubDate><title>Spitzenfußball ist das große Ziel</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/spitzenfussball-ist-das-grosse-ziel/</link><description>Tübinger Sportstudie: Fußballer mit türkischem Migrationshintergrund identifizieren sich mit Deutschland ‒ Nationale Identität spielt bei der Sportkarriere eine untergeordnete Rolle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Auch Spitzenfußballer mit Migrationshintergrund identifizieren sich mit Deutschland und stellen ihren Sport über nationale und ethnische Aspekte. Ihr großes Ziel: Eines Tages in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen. Dieses Fazit ziehen Sportwissenschaftler in einer Studie der Universität Tübingen, in der sie den Zusammenhang von nationaler Identität und der Entscheidung, für eine Nationalmannschaft zu spielen, untersucht hatten. Unter Leitung von Dr. Klaus Seiberth und Professor Ansgar Thiel hatte ein Forscherteam dafür Junioren-Fußballspieler mit türkischem Migrationshintergrund befragt. Die Studie wurde im Journal of Ethnic and Migration Studies veröffentlicht.</p><p><br> Wie stark sollten sich Nationalspieler mit Migrationshintergrund mit dem Land identifizieren, für das sie spielen? Diese Frage wurde nach dem gemeinsamen Foto der deutschen Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan wieder intensiv und hoch emotional diskutiert. Die Studie setzt sich genau mit dieser Thematik auseinander: Die Wissenschaftler führten insgesamt zehn umfangreiche biographische Fallstudien an jungen männlichen Spitzenfußballspielern mit türkischem Migrationshintergrund im Alter von 15 bis 21 Jahren durch. Alle Befragten waren in Deutschland geboren und hatten bereits Spiele für die türkische, die deutsche oder beide Junioren-Nationalmannschaften absolviert.</p><p><br> Die Ergebnisse zeigen – im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen – dass sich alle Befragten mit Deutschland identifizieren. Allerdings denken die meisten Spieler nicht in binären Kategorien, wenn es um die nationale Identität geht, viele fühlen sich gleichzeitig 'deutsch' und 'türkisch', wie das Forscherteam berichtet. Alle Spieler sagten aus, sich als Teil der deutschen Gesellschaft zu sehen und sich ihren Werten verpflichtet zu fühlen. Gleichzeitig zeigten sie sich auch dem Land ihrer Vorfahren emotional verbunden, unter anderem wurde der Begriff „Heimat“ oft für beide Länder verwendet.</p><p><br> „Stellvertretend für dieses Phänomen einer ‚hybriden Identität‘ steht die Aussage eines Spielers, dass sein Herz sowohl für Deutschland als auch die Türkei schlage“, sagt Seiberth. „Noch interessanter ist jedoch, dass nationale und ethnische Aspekte bei der Entscheidung für eine Nationalmannschaft eine eher untergeordnete Rolle spielen.“ </p><p><br> Vielmehr deute vieles darauf hin, dass solche Aspekte im Zusammenhang mit der Entscheidung für eine Nationalmannschaft eher von außen an die Spieler herangetragen würden, beispielsweise durch Medien, Freunde, Familienmitglieder oder auch durch Trainer, so die Schlussfolgerung. Für die Athleten selbst sei die Möglichkeit, für eine Nationalmannschaft zu spielen, eine der größten sportlichen Auszeichnungen, die es gebe. Der Sport spiele – wie bei anderen Spitzensportlern – auch bei Fußballern mit türkischem Migrationshintergrund die wichtigste Rolle in deren Leben. </p><p><br> „Für die Spieler selbst sind Fußball und Politik zwei Welten, die sie nicht gerne miteinander vermischen“, sagt Thiel. „Der Sport ist für die Spieler das Wichtigste, nicht die Nationalität und genauso wenig das Geld, wie es in den Medien so oft behauptet wird.“</p><p><br> Weiter zeigt die Studie, dass die befragten Spieler das Talentförderungssystem des DFB in höchstem Maße schätzen. Dabei werden sie, obwohl an deutschen Nachwuchsleistungszentren ausgebildet, nicht nur vom DFB beobachtet ‒ auch der Türkische Fußballverband (TFF) umwirbt Top-Talente stark, auch wenn diese keine türkische Staatsbürgerschaft besitzen. „Da es für die Spieler das größte sportliche Ziele ist, Nationalspieler zu werden, kann eine Entscheidung für die türkische Nationalmannschaft also auch daraus resultieren, dass der Spieler keine Einladung des DFB erhält oder keine realistische Chance sieht, für die deutsche Fußballnationalmannschaft zu spielen“, so das Fazit. Bei der Entscheidung für eine Nationalmannschaft spiele also auch die aktuelle Einschätzung der individuellen Entwicklungschancen beim jeweiligen Verband eine Rolle.</p><p><br> Insgesamt schlussfolgern die Wissenschaftler: „Die befragten Fußballer sind zuallererst hochtalentierte Sportler, die alles für ihren Sport geben. Die Entscheidung für eine Nationalmannschaft wird folglich nicht als ‚Deutscher‘, ‚Türke‘ oder ‚Deutsch-Türke‘ getroffen, sondern als Spitzensportler, der eine erfolgreiche Sportkarriere anstrebt. Dementsprechend ist der Sport das Wichtigste und nicht die nationale Identifikation – genau wie bei Athleten ohne Migrationshintergrund.“ </p><p><br> Publikation: Seiberth, K., Thiel, A. &amp; Spaaij, R. (2017). Ethnic Identity and the Choice to play for a National Team: A Study of Junior Elite Football Players with a Migrant Background. Journal of Ethnic and Migration Studies. DOI 10.1080/1369183X.2017.1408460.  <a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/1369183X.2017.1408460" target="_blank" rel="noreferrer">www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/1369183X.2017.1408460</a></p><p><br><strong>Kontakt:</strong></p><p>Dr. Klaus Seiberth                                                                 <br> Universität Stuttgart                                                             <br> Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft                   <br> Telefon: +49 711 - 685 60884                                             <br> klaus.seiberth@inspo.uni-stuttgart.de                                 </p><p>Prof. Dr. Ansgar Thiel<br> Universität Tübingen<br> Institut für Sportwissenschaft<br> Telefon +49 7071 29-76411<br> ansgar.thiel@uni-tuebingen.de</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen <br> Hochschulkommunikation <br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung </strong></p><p><strong>Antje Karbe <br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566 <br> antje.karbe@uni-tuebingen.de </strong><br></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22496</guid><pubDate>Tue, 26 Jun 2018 09:44:17 +0200</pubDate><title>Tübinger Koreanistik auf Wachstumskurs</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-koreanistik-auf-wachstumskurs/</link><description>Neue eigenständige Abteilung der Universität Tübingen ‒ Forschung bündelt sich im neuen Center for Korean Studies – Festakt am 6. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Sektion Koreanistik der Universität Tübingen wird zur eigenständigen Abteilung und bündelt ihre Forschung künftig in einem „Center for Korean Studies (CKS)“. Damit sind die ostasiatischen Fächer Japanologie, Sinologie und Koreanistik nun mit je eigener Abteilung im Asien-Orient-Institut vertreten. Hintergrund ist die erfolgreiche Entwicklung des Fachbereichs: Tübingen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der stärksten Koreanistik-Standorte europaweit entwickelt. Derzeit sind rund 340 Studierende eingeschrieben, die Abteilung ist mit drei Professuren ausgestattet und unterhält eine der größten koreanischen Fachbibliotheken in Deutschland. Sie steht in regem studentischen wie auch akademischem Austausch mit koreanischen Hochschulen und eröffnete 2012 das Tuebingen Center for Korean Studies (TUCKU) an der Universität Seoul, eine Außenstelle der Universität Tübingen.</p><p>Die Einrichtung der Abteilung und des Center for Korean Studies werden mit einem Festakt gefeiert: Am Freitag, den 6. Juli 2018, um 18 Uhr im Pfleghofsaal (Schulberg 2, 72070 Tübingen). Medienvertreter und die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen. </p><p>Gegründet 1964, hatte die Koreanistik erst einen Verbund mit der Japanologie gebildet, seit 1986 war sie mit der Sinologie zusammengeschlossen. 2010 übernahm Professor You Jae Lee den Lehrstuhl für Korea-nistik. In Folge wurden ein Bachelor- und ein Masterstudiengang etabliert, die beide international ausgerichtet sind: Bachelorstudierende verbringen ein Jahr in Korea, Masterstudierende haben die Möglichkeit, einen Doppelmaster in Tübingen und an der Seoul National University zu absolvieren. Für ein praxisnahes Studium wird großes Gewicht auf den Spracherwerb gelegt, auch sind während der Auslandsaufenthalte Berufspraktika möglich.</p><p>Inhaltlich liegt der Fokus der Tübinger Koreanistik auf Geschichte, Gesellschaft und Kultur des modernen Korea. Im neuen Center for Korean Studies (CKS) forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den Themen Kolonialismus, Kalter Krieg, Migration sowie Alltags- und Globalgeschichte Koreas. Die Forschung im CKS wird durch die Academy of Korean Studies im Rahmen des Tuebingen Global Korea Project gefördert.</p><p>2012 eröffnete die Koreanistik zudem den Tübinger Standort des King Sejong Institute, einer durch den koreanischen Staat geförderten Bildungseinrichtung: Damit bietet das Institut der Öffentlichkeit Zugang zu koreanischen Sprachkursen und Kulturprogrammen.</p><p>Zum Festakt werden als Gäste der Generalkonsul der Republik Korea, Dr. BEK Bumhym, der Direktor des Institute for Peace and Unification der Seoul National University, Prof. JUNG Keunsik, sowie der Präsident der Association of Korean Studies in Europe (AKSE), Prof. Dr. James Lewis von der Oxford University, erwartet. Den Festvortrag „Korean Studies: A Global Perspective“ hält der Präsident der Academy für Korean Studies, Prof. AHN Byung-Ook. Bereits um 14 Uhr findet im Pfleghofsaal ein „Quiz on Korea 2018“ statt, in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Korea. Studierende und Interessierte können hier nach Anmeldung bis zum 27. Juni 2018 unter <a href="https://goo.gl/QQJLZa" target="_blank" rel="noreferrer">goo.gl/QQJLZa</a> teilnehmen. Anlässlich der Eröffnung des CKS organisiert die Koreanistik zudem am 7. Juli 2018 einen gemeinsamen Graduiertenworkshop mit der Korea University in Tübingen.</p><p><br><strong>Kontakt:</strong></p><p>Prof. Dr. You Jae Lee<br> Universität Tübingen<br> Philosophische Fakultät<br> Abteilung für Koreanistik<br> Telefon +49 7071 29-2720 <br> you-jae.lee@uni-tuebingen.de</p><p>www.korea.uni-tuebingen.de <br></p><p><strong>Programm des Festakts</strong></p><p>Begrüßung: <strong>Prof. Dr. You Jae LEE</strong>, Leiter der Abteilung für Koreanistik, Direktor des Center for Korean Studies</p><p>Eröffnung: <strong>Prof. Dr. Bernd ENGLER</strong>, Rektor der Universität Tübingen</p><p>Grußworte<br></p><p><strong>Dr. BEK Bumhym</strong>, Generalkonsul der Republik Korea in Frankfurt am Main</p><p><strong>Prof. Dr. JUNG Keunsik</strong>, Direktor des Institute for Peace and Unification Studies, Seoul National University</p><p><strong>Prof. Dr. James LEWIS</strong>, Oxford University / Präsident der Association for Korean Studies in Europe AKSE</p><p>Historischer Rückblick </p><p>Die Koreanistik in Tübingen, <strong>Prof. Dr. Jürgen LEONHARDT</strong>, Dekan der Philosophischen Fakultät</p><p>Festvortrag </p><p><br> Korean Studies: A Global Perspective, <strong>Prof. Dr. AHN Byung-Ook</strong>, Präsident der Academy of Korean Studies </p><p>Musik: <strong>Peter Ehwald &amp; Ensemble</strong></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen <br> Hochschulkommunikation <br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung </strong></p><p><strong>Antje Karbe <br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566 <br> antje.karbe@uni-tuebingen.de </strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22489</guid><pubDate>Fri, 22 Jun 2018 15:09:00 +0200</pubDate><title>Polareis könnte weicher sein als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/polareis-koennte-weicher-sein-als-gedacht/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen die Fließgeschwindigkeit des Eises in Nordgrönland – Modelle zur Entwicklung des Meeresspiegels müssen angepasst werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eis hat ähnliche Fließeigenschaften wie eine hochviskose, also sehr zähe Flüssigkeit. Die Eismassen der polaren Eisschilde fließen daher unter der Last ihres eigenen Gewichts Richtung Ozean. Um künftige Schwankungen des Meeresspiegels insbesondere unter veränderten Klimabedingungen vorhersagen zu können, ist es wichtig, die Fließgeschwindigkeit des Eises möglichst genau zu bestimmen. Dazu haben Professor Paul Bons und Juniorprofessorin Ilka Weikusat aus den Geowissenschaften der Universität Tübingen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, der University of Otago (Neuseeland) und der Autonomen Universität Barcelona (Spanien) eine neue Studie am grönländischen Eisschild durchgeführt, die in den Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde. Ihren Ergebnissen zufolge ist das Polareis weicher als bisher angenommen. Dies ist auch relevant für Modelle zur Entwicklung des Meeresspiegels.</p><p><br> Der Eisfluss, also der Eistransport Richtung Ozean, unterliegt hauptsächlich zwei Einflussfaktoren: Zum einen folgt er der internen Verformung des gesamten Eiskörpers, die allein von der Viskosität oder Zähflüssigkeit des Eises an sich abhängt; zum zweiten dem Gleiten der Eisdecke über den Felsuntergrund, insbesondere wenn die Eisbasis schmilzt. In ihrer Studie nutzten die Wissenschaftler Daten aus Satellitenbeobachtungen, die die Oberflächengeschwindigkeit des nordgrönländischen Eisschildes beschreiben. Daraus berechneten sie die Spannungen, die den Eisfluss verursachen. Dabei wurde klar, dass das Eis effektiv weicher ist als gewöhnlich angenommen.</p><p><br> Frühere Studien wiesen darauf hin, dass der grönländische Eisschild auf bis zu 50 Prozent seiner Fläche an der Basis schmelzen könnte. „Unsere neue Studie zeigt, dass das Ausmaß der basalen Schmelze vermutlich stark überschätzt wurde. In bisherigen Arbeiten wurde Eis als härter eingeschätzt, als es tatsächlich ist“, sagt Paul Bons. Die Neubewertung der Eigenschaften des Eises verringere die Fläche deutlich, auf der die Eisdecke basal geschmolzen sein muss. „Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass das Eis den Ozean langsamer erreicht und der Meeresspiegel weniger schnell steigt. Vielmehr müssen wir nun die interne Deformation der Eisdecke als weitaus bedeutender für den Eisfluss bewerten als bislang angenommen“, erklärt Ilka Weikusat. Die neuen Ergebnisse sollten in Modelle zur Vorhersage der Entwicklung des Meeresspiegels einfließen.</p><p><br> Welchen Anteil jeweils die interne Scherung und das basale Gleiten am Transport des Eises haben, lässt sich nicht allein aus den Oberflächendaten bestimmen. Darüber sollen Tiefenbohrungen in das schnell fließende Eis Aufschluss geben, wie sie aktuell im EastGRIP-Projekt durchgeführt werden. An diesem Projekt sind mehrere der Studienautoren beteiligt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Bons, P.D., Kleiner, T., Llorens, M.G., Prior, D.J., Sachau, T., Weikusat, I. Jansen, D.<br> Greenland Ice Sheet – Higher non linearity of ice flow significantly reduces estimated basal motion. Geophysical Research Letters. First published: 19 June 2018. Doi:10.1029/2018GL078356<br><a href="https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2018GL078356" target="_blank" rel="noreferrer">https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2018GL078356</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Paul D. Bons<br> Universität Tübingen <br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Geowissenschaften – Strukturgeologie<br> Telefon +49 7071 29-76469<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0dqpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.bons<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><br> Juniorprofessorin Dr. Ilka Weikusat<br> Universität Tübingen – Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Geowissenschaften – Glaziologie<br> Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung<br> Telefon +49 471 4831 1968<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,knmc0ygkmwucvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">ilka.weikusat<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><br><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22355</guid><pubDate>Thu, 21 Jun 2018 20:00:00 +0200</pubDate><title>Erste historische Syphilis-Genome entziffert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erste-historische-syphilis-genome-entziffert/</link><description>Forscher bergen drei Genome des Bakteriums Treponema pallidum aus menschlichen Überresten der Kolonialzeit in Mexiko – Unterarten in Erreger der Syphilis und der Frambösie unterschieden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, der Universität Tübingen, der National School of Anthropology and History in Mexiko-Stadt sowie der Universität Zürich hat die bisher ältesten Genome des Bakteriums <em>Treponema pallidum</em> entdeckt, das Syphilis verursacht. Es wurde bisher nicht für möglich gehalten, das Bakterium aus alten Proben zu bergen. Der neue Fund eröffnet die Möglichkeit, die Herkunft und Evolution dieser wieder in Ausbreitung befindlichen Krankheit direkt zu untersuchen. In der Studie, die in der Fachzeitschrift <em>PLOS Neglected Tropical Diseases</em> veröffentlicht wurde, konnten die Forscher die beiden Unterarten der Krankheitserreger voneinander trennen, die entweder Syphilis oder die Tropenkrankheit Frambösie verursachen. Obwohl die Krankheiten bei Lebenden verschiedene Symptome hervorrufen, lassen sich die jeweiligen Auswirkungen auf die Knochen nicht ohne weiteres unterscheiden. Dies hatte die Erforschung der Krankheit zuvor behindert.</p><p>Das Bakterium <em>Treponema pallidum</em> verursacht weltweit Infektionen beim Menschen, unter anderem ruft es Syphilis und Frambösie hervor. Vor allem die sexuell übertragene Syphilis breitet sich inzwischen wieder aus, jährlich werden weltweit Millionen von Neuinfektionen gemeldet. Trotz ihrer historischen Bedeutung sind der Ursprung und die Evolution der Syphilis sowie verwandter Krankheiten nicht gut erforscht. Insbesondere die Syphilispandemie im Europa des späten 15. Jahrhunderts hatte unter Wissenschaftlern zu einer Debatte geführt, ob die Infektionswelle in der Neuen Welt oder in der Alten Welt ihren Anfang genommen hatte. Da die verschiedenen mit der Syphilis verwandten Krankheiten ähnliche Spuren an Knochen verursachen, war es zuvor nicht möglich, historische Syphilisfälle sicher als solche zu identifizieren.</p><p>In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher die Überreste von fünf Individuen, die im früheren Kloster Santa Isabel entdeckt wurden, einer historischen Stätte in der Unterstadt von Mexiko-Stadt, die von 1681 bis 1861 von Nonnen des Franziskanerordens genutzt wurde. Die Skelettteile wiesen charakteristische Zeichen von Krankheiten auf, die durch <em>Treponema</em>-Bakterien verursacht werden. Drei der Individuen wurden positiv auf solche DNA getestet. Wie bei 90 Prozent der Verstorbenen von diesem Friedhof handelte es sich um Kinder, bei einigen auch um Frühgeburten. Sie alle wurden in der Kolonialzeit vor rund 350 Jahren beerdigt.</p><h3>Molekulare Unterscheidung der Krankheitserreger</h3><p>Aus den drei Individuen konnten jeweils gesamte <em>T. pallidum</em>-Genome geborgen werden. Die Forscher erkannten zwei Genome der Unterart <em>T. pallidum </em>ssp.<em> pallidum</em>, die Syphilis verursacht, und eins der Unterart <em>T. pallidum </em>ssp.<em> pertenue</em>, das zu Frambösie führt. Die Unterschiede zwischen Frambösie und Syphilis ließen sich nicht allein aufgrund der äußeren Merkmale der Funde machen. Nur genetisch ließen sich die Krankheitserreger in den alten Proben unterscheiden. „Unsere Arbeit belegt den Wert einer molekularen Identifikation der alten Krankheitserreger, vor allem bei den mit der Syphilis verwandten Krankheiten, die zu ähnlichen Knochenveränderungen führen“, erklärt Professorin Verena Schünemann von der Universität Zürich, die Erstautorin der Studie.</p><h3>Diskussionen über die Herkunft der Syphilis</h3><p>Die Forschung beginnt, Licht auf die Evolutionsgeschichte der Krankheit zu werfen. Einige Wissenschaftler stellten die Hypothese auf, dass Syphilis eine Krankheit der Neuen Welt sei, die in der Kolonialzeit nach Europa eingeschleppt wurde. Andere gehen davon aus, dass die Krankheit schon vor der Pandemie im späten 15. Jahrhundert in der europäischen Bevölkerung weit verbreitet war. Die neuen Erkenntnisse bringen noch keine Klärung. „Bei früheren Forschungen wurde <em>T. pallidum </em>ssp.<em> pertenue</em> bei Altweltaffen gefunden. Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass zwei <em>T. pallidum</em>-Unterarten in der Vergangenheit ähnliche Veränderungen am Skelett bewirkten. Daraus schließen wir, dass die Evolutionsgeschichte von <em>T. pallidum</em> komplexer sein könnte als bisher angenommen“, sagt der Mitautor der Studie Dr. Alexander Herbig vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.</p><p>Die erste Rekonstruktion von <em>T. pallidum</em>-Genomen aus archäologischem Material eröffnet die Möglichkeit, deren Evolutionsgeschichte zu erforschen, was zuvor nicht machbar schien. „Weitere Untersuchungen von zusätzlichen alten Proben aus aller Welt werden unser Verständnis der Krankheit weiter verfeinern“, gibt sich der weitere Mitautor Professor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und der Universität Tübingen zuversichtlich.</p><p>&nbsp;</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465562" data-htmlarea-zoom="true" height="258" src="fileadmin/_processed_/9/b/csm_18-06-21-Alameda_d091f3fec5.png" width="300" style></p><p>In der vorderen Ebene dieser Bildkomposition steht eine Familie auf dem Dach des Klosters Santa Isabel (dem heutigen Palast der schönen Künste) in Mexiko-Stadt, gemalt im 18. Jahrhundert (Künstler unbekannt).</p><p><em>Bildnachweis</em>: Velázquez A. 2004. La colección de pintura del Banco Nacional de México. Catálogo, Siglo XIX, México, Fomento Cultural Banamex, 2 V</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465556" data-htmlarea-zoom="true" height="225" src="fileadmin/_processed_/d/3/csm_18-06-21-94A_2016-Figure_S1_01_a6ae32b208.jpg" width="300" style></p><p>Knochenüberreste von Individuum 94A, einem sechs Monate alten Kind, das mit Syphilis infiziert war. Das Skelett weist charakteristische Zeichen einer Erkrankung durch Treponema-Bakterien auf.</p><p><em>Bildnachweis:</em> Rodrigo Barquera. Santa Isabel collection, Lab. of Osteology, ENAH, Mexico (Genehmigung No. 401.15.3-2017/1065 INAH).</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465559" data-htmlarea-zoom="true" height="257" src="fileadmin/_processed_/a/c/csm_18-06-21-94A_2016-Figure_S1-MOD_17de20dc48.jpg" width="300" style></p><p>Nahaufnahme der Fingerknochen von Individuum 94A, einem sechs Monate alten Kind, das mit Syphilis infiziert war. Das Skelett weist charakteristische Zeichen einer Erkrankung durch Treponema-Bakterien auf.</p><p><em>Bildnachweis:</em> Rodrigo Barquera. Santa Isabel collection, Lab. of Osteology, ENAH, Mexico (Genehmigung No. 401.15.3-2017/1065 INAH).</p><h3>Publikation:</h3><p>Verena J. Schuenemann, Aditya Kumar Lankapalli, Rodrigo Barquera, Elizabeth A. Nelson, Diana Iraíz Hernández, Víctor Acuña Alonzo, Kirsten I. Bos, Lourdes Márquez Morfín, Alexander Herbig, Johannes Krause: Historic <em>Treponema pallidum</em> genomes from Colonial Mexico retrieved from archaeological remains. <em>PLOS Neglected Tropical Diseases</em>, DOI: 10.1371/journal.pntd.0006447</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause</p><p>Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Universität Tübingen</p><p>Telefon +49 3641 686-621</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Prof. Dr. Dr. Verena Schünemann</p><p>Universität Zürich</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtgpc0uejwgpgocppBkgo0wbj0ej" data-mailto-vector="2">verena.schuenemann<span style="display:none">spam prevention</span>@iem.uzh.ch</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22348</guid><pubDate>Thu, 21 Jun 2018 16:59:47 +0200</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen-1/</link><description>Kurzvorstellung neuer Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Folgenden möchten wir Ihnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorstellen, die in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen haben:</p><h2>Juniorprofessor Dr. Andreas Dräger</h2><h3>Juniorprofessur für Computational Systems Biology of Infection and Antimicrobial-Resistant Pathogens<br> (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465072" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/5/4/csm_Andreas_Dr%C3%A4ger_%C3%BCberarbeitet_9c013ed928.jpg" style="float: right;" width="300">Dr. Andreas Dräger (geb. 1980) ist im Mai 2018 auf die Juniorprofessur für Computational Systems Biology of Infection and Antimicrobial-Resistant Pathogens an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät berufen worden. Er leitet bereits seit 2016 eine Juniorgruppe am Lehrstuhl „Angewandte Bioinformatik“ des Zentrums für Bioinformatik (ZBIT) der Universität Tübingen.</p><p>Andreas Dräger hat Bioinformatik an der Martin-Luther-Universität in Halle studiert. Während des Studiums absolvierte er Forschungspraktika am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle und an der Universität von Illinois zu Chicago (USA). Seine Doktorarbeit zum Thema „Computational Modeling of Biochemical Networks“, die er am Tübinger Lehrstuhl für Kognitive Systeme und der Keio-Universität in Yokohama (Japan) anfertigte, würdigte die Naturwissenschaftliche Fakultät mit dem Promotionspreis 2011 und einer Position als Nachwuchsgruppenleiter am ZBIT. Nach zweijährigem Forschungsaufenthalt an der Universität von Kalifornien zu San Diego (USA) kehrte er an die Universität Tübingen zurück. Hier ergänzte er das Lehrangebot mit Vorlesungen, Tutorien und Praktika um die Systembiologie.</p><p>Seine Forschung widmet sich der Frage, wie biologische Systeme im Computer nachgebildet und simuliert werden können. So war Andreas Dräger an einem Projekt beteiligt, das erstmals sämtliche Zell-Stoffwechselvorgänge des Menschen dreidimensional im Computer darstellt. Damit lassen sich beispielsweise Medikamentenunverträglichkeiten oder Stoffwechselerkrankungen im Detail verstehen. Nun möchte er dieses Modell des Menschen mit Modellen schwer behandelbarer Keime verbinden, um die Entstehung von Infektionen zu verstehen und neue Therapieansätze zu entdecken.<br><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em><br></p><h2>Professor Dr. Hanno Ehrlicher</h2><h3>Professur für Romanische Philologie mit dem Schwerpunkt Iberoromanische Literaturen<br> (Philosophische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465075" data-htmlarea-zoom="true" height="225" src="fileadmin/_processed_/a/b/csm_Ehrlicher__Hanno_036_be9aa36349.jpg" style="float: right;" width="300">Hanno Ehrlicher (geb. 1969) ist im April 2018 auf die Professur für Romanische Philologie mit dem Schwerpunkt Iberoromanische Literaturen an der Philosophischen Fakultät berufen worden. Er kommt von der Universität Augsburg, wo er die Professur für Romanische Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Iberoromania inne hatte und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien (ISLA) war.</p><p>Hanno Ehrlicher hat an den Universitäten Würzburg und Salamanca sowie an der Freien Universität Berlin studiert, wo er in Neuerer Deutscher Literatur und Spanischer Philologie abschloss. In Berlin wurde er in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft mit einer Arbeit zu „Manifestationspraktiken und Gewaltphantasien europäischer Avantgarden“ promoviert. Er war an der Universität Heidelberg tätig, wo er sich 2008 in der Romanistik habilitierte. Nach Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Mannheim, Gießen und an der LMU München wurde er 2011 an die Universität Augsburg berufen.</p><p>Er erforscht unter anderem Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit, Avantgardeliteratur und den spanischsprachigen Film des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Derzeit leitet er ein DFG-Forschungsprojekt, in dem anhand von Kulturzeitschriften der spanischsprachigen Moderne die Literarischen Modernisierungsprozesse und transnationale Netzwerkbildung untersucht werden. Ihn interessiert dabei besonders der methodische Brückenschlag zwischen traditionellen Interpretationsverfahren der Literaturwissenschaft und neuen computergestützten Ansätzen der Digital Humanties wie das Topic Modeling (Algorithmen durchsuchen große Textmengen nach Gemeinsamkeiten) oder die Emotionsanalyse (Texte werden digital auf Emotionen analysiert). </p><p><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em></p><h2>Professor Dr. Ziad M. Hafed</h2><h3>Professur für Aktive Wahrnehmung<br> (Medizinische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465078" data-htmlarea-zoom="true" height="300" src="fileadmin/_processed_/9/2/csm_Ziad_Hafed_4c6d3a1efb.jpg" style="float: right;" width="300">Ziad M. Hafed (geb. 1976) wurde im Mai 2018 auf die Professur Aktive Wahrnehmung an der Medizinischen Fakultät und am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung (HIH) berufen. Er ist seit 2010 Forschungsgruppenleiter am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen. Seine Arbeitsgruppe „Physiologie des Aktiven Sehens“ erforscht dort, wie Wahrnehmung und Motorkontrolle miteinander interagieren.</p><p>Ziad M. Hafed studierte Ingenieurwesen an der McGill University in Montreal, Kanada und wurde dort 2003 promoviert. Er forschte an der der McGill Universität in Montreal und war von 2003 bis 2009 als „Sloan-Swartz (USA) und NSERC (Kanada) Post Doctoral Fellow“ am Salk Institute for Biological Studies in La Jolla, Kalifornien (USA) tätig.</p><p>Hauptgegenstand seiner Forschungen sind Augenbewegungen, insbesondere die Frage, wie diese im Gehirn auf visuelle Reize von außen abgestimmt werden. Ziad Hafed möchte die Mechanismen aufklären, durch die das Gehirn trotz der Bewegungen von Auge, Kopf und Umwelt ein stabiles Bild der Welt erzeugt ‒ erst mit dessen Hilfe sind wir in der Lage, zielorientiert zu handeln. Dazu beschäftigt er sich mit der neuralen Repräsentation des Gesichtsfeldes im Gehirn, mit der Lenkung von Aufmerksamkeit und vor allem mit der Rolle der sogenannten Mikrosakkaden: winzigen, extrem schnellen und ständig unbewusst ausgeführten Korrekturen der Blickrichtung. Ein weiteres Forschungsfeld von Ziad Hafed ist die sogenannte Blindsicht: Patienten, die durch eine Beschädigung des visuellen Kortex die bewusste Sehfähigkeit verloren haben, zeigen weiterhin aktive Augenbewegungen auf visuelle Reize hin, die unbewusst von anderen Hirnarealen kontrolliert werden.<br><em>Foto: Akshay Markanday</em></p><h2>Professor Eric Kemen</h2><h3>Professur für Mikrobielle Interaktionen im pflanzlichen Ökosystem<br> (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465080" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/6/e/csm_Eric_Kemen_3758849635.jpg" style="float: right;" width="300">Eric Kemen (geb. 1977) ist im Oktober 2017 auf die Professur für Mikrobielle Interaktionen im pflanzlichen Ökosystem an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät berufen worden. Die Brückenprofessur wird das Interfakultäre Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen (IMIT) noch stärker mit dem Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) verknüpfen.</p><p>Eric Kemen hat Biologie an der Universität Konstanz studiert und wurde dort 2007 im Bereich Zellbiologie und Phytopathologie promoviert. Danach erhielt er ein DFG-Forschungsstipendium (2007-2009) und forschte bis 2012 am „The Sainsbury Laboratory“ in Norwich, Großbritannien. Seit 2012 war er als Forschungsgruppenleiter im Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln tätig.</p><p>In seiner Forschung interessiert er sich dafür, wie Mikroorganismen komplexe, stabile Gemeinschaften aufbauen. Ziel dieser Grundlagenforschung ist es, mikrobielle Gemeinschaften so in ihrer Zusammensetzung zu beeinflussen, dass sie sich über längere Zeit positiv auf höhere Organismen wie Pflanzen, Tiere oder Menschen auswirken. Die Entwicklung solcher sogenannten probiotischen Produkte ist beispielsweise bei Krankheitserregern wichtig, bei denen bisherige Therapien durch den massiven Einsatz von Antibiotika unwirksam wurden. Mit Hilfe stabiler mikrobieller Gemeinschaften sollen resistente Krankheitserreger künftig verdrängt oder ihre Ansiedlung verhindert werden. In Tübingen erforscht Eric Kemen die molekularen Mechanismen, die für Interaktionen mehrerer Organismen miteinander wichtig sind und damit die Strukturen mikrobieller Gemeinschaften beeinflussen.<br><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em></p><h2>Professorin Dr. Sigrid G. Köhler</h2><h3>Professur für Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts<br> (Philosophische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465082" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/2/9/csm_Sigrid_Koehler_bd16969ab6.jpg" style="float: right;" width="300">Sigrid G. Köhler ist seit Februar 2018 Professorin für Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts an der Philosophischen Fakultät. Sie kommt von der Universität Siegen, an der sie seit 2016 eine Vertretungsprofessur am Germanistischen Seminar innehatte.</p><p>Sigrid G. Köhler studierte Germanistik und Romanistik an der Ruhr-Universität Bochum und der Université Libre de Bruxelles und absolvierte ein Promotionsstudium der Germanistik, Romanistik und Ethnologie an der Universität Münster. Dort wurde sie 2002 im Bereich Neuere deutsche Literatur promoviert. Sie forschte an der Yale University in New Haven (USA) und am Germanistischen Institut der Universität Münster. 2010 wurde ihr ein Dilthey Fellowship der VolkswagenStiftung verliehen, ein Format, das exzellente Forscherinnen und Forscher in der Frühphase ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützt, bevor sie 2013 die Vertretungsprofessur „Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik“ an der FernUniversität Hagen übernahm. Im Jahr 2016 war sie zudem für vier Monate als Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of Cincinnati in Ohio (USA) tätig.</p><p>Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem in den Bereichen kulturwissenschaftliche Materieforschung, Recht und Literatur, Post/Colonial Studies, Critical Race Theory, nationale Identitäten und Gender Studies. In ihrem Forschungsprojekt „Recht als Kulturtechnik“ erforscht sie welchen Anteil das Recht an der Formierung des modernen Menschen hat. In dem Projekt „Die transnationale Abolitionsbewegung, das populäre deutschsprachige Theater und der europäische Kommunikationsraum um 1800“ arbeitet sie auf, wie die transnationale Debatte um den Kampf gegen den Sklavenhandel in der deutschsprachigen Literatur verarbeitet wurde.</p><p><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em></p><h2>Professor You Jae Lee</h2><h3>Professur für Koreanistik<br> (Philosophische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465085" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/5/6/csm_You_Jae_Lee_73ac24b9d1.jpg" style="float: right;" width="300">You Jae Lee wurde im April 2018 auf die Professur für Koreanistik an der Philosophischen Fakultät berufen. Er forschte und lehrte bereits seit 2010 als Juniorprofessor für Koreanistik an der Universität Tübingen. Seit Oktober 2016 hatte er die Vertretung der jetzigen Professur inne.</p><p>You Jae Lee studierte Geschichte, Koreanistik, Philosophie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, an der Humboldt-Universität Berlin und an der Universität Seoul (SNU). 2009 absolvierte er ein Promotionsstudium an der Universität Erfurt, in seiner Promotion im Fach Geschichtswissenschaften widmete er sich den christlichen Missionen während der Kolonialzeit. Bevor er nach Tübingen berufen wurde, war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin und an der Universität Bonn tätig.</p><p>Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Kolonialgeschichte, die Geschichte des Kalten Krieges, Migrationsgeschichte und Alltagsgeschichte. Neuere Projekte beschäftigen sich mit Nordkoreaforschung und der Deutsch-Koreanischen Beziehungsgeschichte. In seiner Zeit als Juniorprofessor richtete Lee den internationalen Bachelor-Studiengang Koreanistik und einen Doppelmasterstudiengang mit der Seoul National University ein. Er gründete 2012 die Außenstelle „Tuebingen Center for Korean Studies at Korea University (TUCKU)“ in Seoul und ist Direktor des ebenfalls 2012 neu gegründeten King Sejong Institute Tübingen, das Kurse zur Sprache und Kultur Koreas anbietet. Zudem leitet er das Forschungsprojekt „Tübingen Global Korea Project“, das von der koreanischen Academy of Korean Studies gefördert wird. 2013 und 2014 war You Jae Lee Präsident der Vereinigung für Koreaforschung im deutschsprachigen Raum, die er mitbegründete.<br><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em></p><h2>Professor Dr. Robert Lukowski</h2><h3>Professur für Experimentelle Pharmakologie<br> (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465088" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/5/a/csm_Lukowski_Robert_014_c58c9145b6.jpg" style="float: right;" width="300">Robert Lukowski (geb. 1977) ist seit Mai 2018 Professor für Experimentelle Pharmakologie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Er war bereits seit 2013 als Juniorprofessor am Institut für Pharmazie der Universität Tübingen tätig. In dieser Funktion koordinierte er auch das Graduiertenkolleg des Interfaculty Centre for Pharmacogenomics and Pharma Research (ICEPHA), ein Forschungsverbund mit dem Tübinger Universitätsklinikum, dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und der Robert-Bosch-Stiftung. Er ist Projektleiter in der Forschergruppe 2060 „cGMP signalling in cell growth and survival” und Mitorganisator der internationalen Tagungsreihe „cGMP Generators, Effectors and Therapeutic Implications”.</p><p>Robert Lukowski hat Biologie an den Universitäten Kiel und Tübingen studiert und wurde 2006 an der TU München am Institut für Pharmakologie und Toxikologie promoviert. Er forschte an der University of Washington in Seattle (USA) und an der TU München, bevor er 2010 als Gruppenleiter an die Universität Tübingen zurückkehrte.</p><p>Seine Arbeitsgruppe untersucht grundlegende zelluläre Mechanismen bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Stoffwechselkrankheiten und Krebs. Am Tiermodell wollen Robert Lukowski und sein Team aufklären, ob Signalwege, die über zellinterne Botenstoffe oder Kanalproteine laufen, vielversprechende Ansatzpunkte für neue Arzneimittel bieten könnten.<br><em>Foto: Friedhelm Albrecht</em></p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe</p><p>Universität Tübingen</p><p>Hochschulkommunikation<br> Telefon +49 7071 29-76789</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22340</guid><pubDate>Thu, 21 Jun 2018 16:54:53 +0200</pubDate><title>Proteine mit verschiedener Evolutionsgeschichte erweisen sich als funktionsgleich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/proteine-mit-verschiedener-evolutionsgeschichte-erweisen-sich-als-funktionsgleich/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen entdecken Beispiel einer konvergenten Evolution bei Mitochondrien von Pilzen und parasitischen Einzellern</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mitochondrien sind lebenswichtige Organellen der Zellen mit Zellkern, der sogenannten eukaryotischen Zellen, aus denen Pilze, Pflanzen und Tiere wie auch der Mensch aufgebaut sind. Sie werden auch als Kraftwerke bezeichnet, da sie dem Organismus die aus dem Nahrungsabbau freiwerdende Energie bereitstellen. Sie haben jedoch eine Vielzahl an weiteren Funktionen, die die Arbeitsgruppe von Professor Doron Rapaport vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen erforscht. Fast alle mitochondrialen Proteine sind im Zellkern kodiert und müssen nach der Herstellung im Cytosol in die Mitochondrien importiert werden. Aus Pilzen ist ein Proteinkomplex in der äußeren Mitochondrienmembran bekannt, der das Zusammenfügen von Proteinen in der Außenmembran bewerkstelligt. Bisher war jedoch unklar, welche Proteine diese Aufgabe in anderen eukaryotischen Zellen übernehmen. In einer neuen Studie haben die Tübinger Wissenschaftler den entsprechenden Proteinkomplex in einem parasitischen Einzeller entdeckt und sind dabei auf ein Beispiel konvergenter Evolution gestoßen. Davon sprechen Wissenschaftler, wenn Merkmale, Moleküle oder Organe verschiedener Arten sehr ähnlich sind, sich jedoch in der Stammesgeschichte unabhängig voneinander ausgebildet haben. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>eLife</em> veröffentlicht.</p><p>Die Tübinger Forscher verwendeten bei ihren Experimenten Hefepilze und Trypanosomen, das sind tierische Einzeller, die als Parasiten in Wirbeltieren und als Krankheitserreger zum Beispiel der Schlafkrankheit beim Menschen bekannt sind. Dass sich der Proteinkomplex Mim1/Mim2 aus Hefe und pATOM36 aus Trypanosomen entsprechen, bewiesen die Forscher durch wechselseitigen Tausch: „Diese Proteinkomplexe ähneln sich weder in ihrer Zusammensetzung aus verschiedenen Aminosäurebausteinen noch in deren räumlicher Anordnung“, berichtet Rapaport. „Doch kann pATOM36 fast alle Funktionen wiederherstellen, die Hefezellen ohne Mim1/2 fehlen.“ In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Professor André Schneider von der Universität Bern konnte gezeigt werden, dass dies auch umgekehrt funktioniert: Wenn bei Trypanosomen pATOM36 fehlt, kann es der Mim1/Mim2-Komplex ersetzen. Die Studienergebnisse legen außerdem nahe, dass keine weiteren Proteine zu diesem Transportkomplex in der äußeren Mitochondrienmembran gehören.</p><p>„Mim und pATOM36 sind die Produkte einer konvergenten Evolution. Sie entstanden erst, nachdem sich die Vorfahren der Pilze und Trypanosomen in verschiedene Entwicklungslinien aufgeteilt hatten“, sagt Rapaport. Nun sei der Weg für weitere Vergleichsstudien eröffnet, um die gemeinsamen Grundstrukturen und die Funktion der beiden Proteinkomplexe zu erfassen, die sich über verschiedene Wege, aber mit gleichem Ergebnis herausgebildet haben. Die nächste größere Herausforderung ist die Identifikation des Proteinkomplexes, der diese Funktion in höheren Organismen – vor allem beim Menschen – übernimmt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Daniela Vitali, Sandro Käser, Antonia Kolb, Kai S Dimmer, Andre Schneider, Doron Rapaport: Independent evolution of functionally exchangeable mitochondrial outer membrane import complexes. <em>eLife</em>, 2018;7:e34488. DOI: <a href="https://doi.org/10.7554/eLife.34488" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.7554/eLife.34488</a></p><p>Weiterer Artikel zur Bedeutung der Forschungsergebnisse: <a href="https://elifesciences.org/articles/38209" target="_blank" rel="noreferrer">https://elifesciences.org/articles/38209</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Doron Rapaport</p><p>Universität Tübingen</p><p>Interfakultäres Institut für Biochemie</p><p>Telefon +49 7071 29-74184</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fqtqp0tcrcrqtvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">doron.rapaport<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><br><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br><br> Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcppc0gdgtjctfvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">janna.eberhardt<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22278</guid><pubDate>Wed, 20 Jun 2018 15:28:03 +0200</pubDate><title>Studienwahl ist keine Glückssache</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studienwahl-ist-keine-glueckssache/</link><description>Online-Test der Universität Tübingen bietet Orientierung: Das richtige Fach zu den eigenen Interessen und Stärken finden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das richtige Studienfach zu finden, scheint nicht einfach: Noch immer brechen fast 30 Prozent aller Studierenden deutschlandweit ihr Erststudium ab oder wechseln das Fach. Die Universität Tübingen hat deshalb einen Online-Test für Studieninteressierte entwickelt: Unter <a href="https://www.self-assessment.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.self-assessment.uni-tuebingen.de</a> kann jeder kostenlos überprüfen, ob die eigenen Vorstellungen von einem Studiengang der Realität entsprechen und welches Studienfach zu den eigenen Interessen und Stärken passt.</p><p>Das Besondere am Tübinger Self-Assessment: Der Test bietet Module an, die auch einzeln oder in verschiedenen Kombinationen genutzt werden können. Nach einer Überarbeitung finden sich im Modul „Studieninhalte“ derzeit detaillierte Informationen zu mehr als 30 Studienfächern, darunter auch kleinere Fächer wie Ägyptologie, Koreanistik oder Latein. Weitere Studiengänge werden in Kürze verfügbar sein.</p><p>Der Test überprüft auch allgemeine Voraussetzungen für ein Studium: Im Modul „Studieneignung“ können Interessierte Denkaufgaben lösen und ihr Lern- und Arbeitsverhalten testen. Das Modul „Orientierungshilfe“ fragt die individuellen Interessen der Teilnehmer ab und empfiehlt dazu (grundständige) Studiengänge aus dem Angebot der Universität. Im Modul „Basisaufgaben“ wiederum können Aufgaben aus sechs großen Studienfeldern bearbeitet werden, von den Naturwissenschaften bis zu den Gesellschaftswissenschaften. Das Ergebnis zeigt, ob man über die jeweils gefragten grundlegenden Kompetenzen verfügt.</p><p>Die Bearbeitung der Module dauert zwischen zehn und 45 Minuten, diese können auch einzeln bearbeitet werden. Der Test lässt sich auch unterbrechen und später fortsetzen. Das Ergebnis wird keine eindeutige Empfehlung sein, lediglich eine Orientierung und Anregung, die eigene Entscheidung zu überdenken. Der Studienwahltest der Universität Tübingen wird auch als „Studienorientierungsverfahren“ anerkannt: Wer sich in Baden-Württemberg in einen grundständigen Studiengang einschreibt, muss die Teilnahme an einem solchen nachweisen.</p><p>Der Test wurde im Rahmen des Programms „Erfolgreich Studieren in Tübingen“ (ESIT) vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen konzipiert und umgesetzt. Wichtige Kooperationspartner sind das Institut für Test- und Begabungsforschung (ITB) in Bonn sowie das Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik an der Universität Tübingen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt ESIT seit 2011 im Rahmen des BMBF-Programms für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Gundula Stoll</p><p>Universität Tübingen</p><p>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung</p><p>Telefon +49 7071 29-74130</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,iwpfwnc0uvqnnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">gundula.stoll<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Sabine Merkens</p><p>Universität Tübingen</p><p>Projekt "Erfolgreich studieren in Tübingen" (ESIT)</p><p>Telefon +49 7071 29-76708</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gukvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">esit<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><img alt="Welcher Studiengang passt zu mir? Der Online-Test der Universität Tübingen bietet Informationen und Orientierung. Foto: Verena Müller / Universität Tübingen" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="465090" data-htmlarea-zoom="true" height="450" src="fileadmin/_processed_/7/e/csm_VMue_Uhlandgymnasium_054_3c0ae41324.jpg" title="Welcher Studiengang passt zu mir? Der Online-Test der Universität Tübingen bietet Informationen und Orientierung. Foto: Verena Müller / Universität Tübingen" width="300" style></p><p>Welcher Studiengang passt zu mir? Der Online-Test der Universität Tübingen bietet Informationen und Orientierung. Foto: Verena Müller / Universität Tübingen</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22121</guid><pubDate>Fri, 15 Jun 2018 08:25:04 +0200</pubDate><title>Ehemaliger Wirtschaftsminister wird Honorarprofessor an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ehemaliger-wirtschaftsminister-wird-honorarprofessor-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Anerkennung für langjähriges Engagement von Helmut Haussmann für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann wird Honorarprofessor der Universität Tübingen. Die Universität würdigt damit das langjährige Engagement des 75-Jährigen, der am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft seit 2010 internationale Betriebswirtschaftslehre unterrichtet. Der Senat der Universität stimmte der Ernennung Haussmanns am Donnerstag zu. <br><br> Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister sei der Universität Tübingen und dem Fachbereich seit vielen Jahren eng verbunden, sagte der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Professor Josef Schmid. So unterrichte er seit mehreren Jahren mit großem Erfolg bei den Studierenden und unterstütze den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft regelmäßig bei der Kontaktaufnahme zu mittelständischen Unternehmen.  <br><br> Haussmann wurde 1943 in Tübingen geboren. Von 1963 bis 1968 studierte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Tübingen, Hamburg und Erlangen-Nürnberg. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Forschungsassistent an der Universität Erlangen-Nürnberg wurde er 1975 mit einer Studie zu „Unternehmensordnung und Selbstbestimmung“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Ein Jahr später wurde er erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er als FDP-Abgeordneter bis 2002 ununterbrochen angehörte. <br><br> Von 1984 bis 1988 war Haussmann FDP-Generalsekretär, anschließend bis 1991 Bundeswirtschaftsminister. Von 1991 bis 2013 gehörte er dem Außenwirtschaftsbeirat der Bundesregierung an. Der ehemalige Wirtschaftsminister ist seit 1991 zudem als Senior Vice President der Beratungsgesellschaft Capgemini Deutschland tätig. Er ist darüber hinaus Mitglied in Beiträten und Aufsichtsräten verschiedener Unternehmen. </p><p><br><strong>Kontakt:</strong></p><p>Professor Josef Schmid<br> Universität Tübingen<br> Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät<br> Telefon: +49 7071 29-72992<br> E-Mail: Dekan@wiso.uni-tuebingen.de</p><p><strong>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Leiter Stabsstelle Hochschulkommunikation<br> Wilhelmstr.5<br> 72074 Tübingen<br> Tel.: ++49 (0)7071/29-76788<br> E-Mail: karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de </strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-22079</guid><pubDate>Thu, 14 Jun 2018 15:09:00 +0200</pubDate><title>THESEUS eröffnet Fenster in das frühe Universum </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/theseus-eroeffnet-fenster-in-das-fruehe-universum/</link><description>Tübinger Astrophysiker an Weltraummission der ESA beteiligt: Satellit durchsucht Weltall nach leuchtstarken Ereignissen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Astrophysiker der Universität Tübingen sind an einem neuen Projekt der europäischen Raumfahrtagentur ESA beteiligt: Als eines von drei Konzepten wurde die Mission „THESEUS“, bei der das Institut für Astronomie und Astrophysik (IAAT) eine wichtige Rolle spielt, in das Wissenschaftsprogramm aufgenommen. Der Satellit könnte 2032 starten und soll das frühe Universum erkunden, insbesondere die ersten 1,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall.</p><p>Insgesamt hatten sich 25 Forschungsgruppen aus ganz Europa mit Satellitenprojekten beworben. Im Mai gab die ESA nun die Auswahl von drei Missionskonzepten bekannt, die in den kommenden drei Jahren parallel weiterentwickelt werden und um den Starttermin im Jahr 2032 konkurrieren. Die Entwicklung des Satelliten THESEUS (Transient High-Energy Sky and Early Universe Surveyor) wurde bereits in den letzten Jahren von einem breiten Konsortium aus 60 Wissenschaftlern weltweit vorangetrieben.</p><p>THESEUS trägt ein 70-Zentimeter-Infrarot-Teleskop (IRT), vier “Lobster-Eye” Weitwinkelkameras für Röntgenstrahlung (SXI) sowie vier Gamma-Ray Spektrometer basierend auf Szintillator-Kristallen (XGIS). Mit diesen Instrumenten hat er einen großen Teil des Himmels auf einmal unter Beobachtung und soll sofort auf kurzzeitige Helligkeitsveränderungen reagieren können, die von aufflackernden hochenergetischen Quellen wie Gammastrahlenausbrüchen (Gamma-Ray-Bursts) ausgehen.</p><p>Solche Gammastrahlenausbrüche können durch die Verschmelzung zweier Neutronensterne ausgelöst werden oder auch von einer Kernkollaps-Supernova, dem kurzzeitigen Aufleuchten eines sterbenden sehr massereichen Sterns bevor er vernichtet wird. Sie gehören zu den leuchtstärksten Ereignissen am Himmel überhaupt und sind auf sehr weite Distanz sichtbar. Weil dies in der Astronomie auch immer einem Blick zurück in die Zeit entspricht, geben Sie Aufschluss über Ereignisse aus dem frühen Universum, langer vor unserer Zeit. Entdeckt THESEUS ein solches Ereignis, kann er rasch dessen Koordinaten bestimmen und richtet sich selbst automatisch für eine Nachbeobachtung aus. Zusätzlich gibt er die Koordinaten innerhalb weniger Sekunden an eine Bodenstation weiter, so dass andere Teleskope eigene Beobachtungen der Region durchführen können.</p><p>Die Universität Tübingen ist durch Professor Andrea Santangelo, Leiter der Hochenergieastrophysik-Arbeitsgruppe am IAAT, direkt beteiligt, sowohl an der wissenschaftlichen Planung der Mission im „Science Study Team“ als auch durch Hardware-Beiträge zur Echtzeit-Datenverarbeitung an Bord des Satelliten für alle drei Instrumente. „THESEUS wird es uns erlauben, Gamma-Ray Bursts genauer zu untersuchen und ihr Potenzial für Forschung der Kosmologie voll auszunutzen, vor allem im frühen Universum“, sagt Dr. Chris Tenzer, Mitarbeiter am IAAT und einer der fünf Antragsteller der Mission. „Zusätzlich wird THESEUS eine Vielzahl weiterer variabler Objekte im Hochenergiebereich beobachten und so fundamentale Beiträge zur Astrophysik leisten, auch in Bezug auf die Quellen von Gravitationswellen und Neutrinos.”</p><p>„Vor allem die Synergieeffekte mit anderen Observatorien, die in den nächsten Jahrzehnten aktiv sein werden ‒ wie LSST, ELT, SKA, CTA, ATHENA, LIGO, VIRGO und KM3Net ‒ erweitern den wissenschaftlichen Nutzen von THESEUS über die Kosmologie hinaus auf weitere Felder der Astro- und Grundlagenphysik“, sagt Andrea Santangelo. „THESEUS wird zudem als sehr flexibles Infrarot- und Röntgenobservatorium arbeiten und so einem Großteil der Astronomischen Gemeinschaft von Nutzen sein.”</p><p>Die Entscheidung, welche der drei ausgewählten Missionen schließlich von der ESA realisiert wird, steht im Jahr 2021 an. Informationen der ESA unter: <a href="http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/ESA_selects_three_new_mission_concepts_for_study" target="_blank" rel="noreferrer">www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/ESA_selects_three_new_mission_concepts_for_study</a></p><p>Die Illustration kann unter folgenden Link heruntergeladen werden: <a href="http://www.esa.int/spaceinimages/Images/2014/07/Extreme_explosion" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.esa.int/spaceinimages/Images/2014/07/Extreme_explosion</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Chris Tenzer</p><p>Universität Tübingen</p><p>Institut für Astronomie und Astrophysik (IAAT)</p><p>Telefon: +49 7071 29- 75473</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vgpbgtBcuvtq0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">tenzer<span style="display:none">spam prevention</span>@astro.uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21766</guid><pubDate>Wed, 06 Jun 2018 16:05:42 +0200</pubDate><title>Cyber Valley: Spitzenforscher übernimmt Bosch-Stiftungsprofessur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cyber-valley-spitzenforscher-uebernimmt-bosch-stiftungsprofessur/</link><description>Bosch finanziert Professur mit 5,5 Millionen Euro: Matthias Hein forscht an der Universität Tübingen im Bereich Maschinelles Lernen ‒ Experte für künstliche Intelligenz Björn Andres übernimmt Industry on Campus-Professur</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bosch holt einen Spitzenwissenschaftler auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens nach Baden-Württemberg: Professor Matthias Hein übernimmt eine Stiftungsprofessur an der Universität Tübingen, die Bosch im Rahmen des <a href="http://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/cyber-valley-bosch-finanziert-stiftungslehrstuhl-zum-maschinellen-lernen-82176.html" target="_blank" rel="noreferrer">Cyber Valley-Engagements</a> in den kommenden zehn Jahren mit 5,5 Millionen Euro finanziert. Hein forscht im Bereich statistisches Lernen mit Anwendungen in der Bildverarbeitung und der Genetik. Dabei liegt sein Schwerpunkt auf der Entwicklung robuster und erklärbarer Lernverfahren. Ein konkretes Beispiel ist die Entwicklung automatischer Entscheidungssysteme, bei denen durch maschinelle Lernverfahren sichergestellt ist, dass sie keine diskriminierenden Entscheidungen treffen können. Dies ist heute zum Beispiel der Fall, wenn das System einen Kredit eher an einen Mann vergibt als an eine Frau. „Dieses Beispiel zeigt, dass maschinelle Lernverfahren einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten können“, so Hein. „Dieses Ziel treibt mich an.“</p><p>Matthias Hein lehrt seit 2011 Mathematik und Informatik an der Universität des Saarlandes. Er hat in Tübingen Physik studiert und wurde an der Universität Darmstadt im Bereich Informatik promoviert. Von 2002 bis 2007 war er am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik Teil der Arbeitsgruppe von Professor Bernhard Schölkopf. Schölkopf leitet heute das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen und gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern im Bereich Maschinelles Lernen.</p><p>„Das Zusammenspiel von Wissenschaft, Industrie und Politik im Cyber Valley hat Strahlkraft über die Region hinaus. Baden-Württemberg wird zu einem weltweiten Hotspot für Spitzenforscher“, sagt Dr. Michael Bolle, Forschungschef von Bosch. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Professor Hein.“</p><p>Neben der Besetzung der Stiftungsprofessur wird der Physiker Dr. Björn Andres eine „Industry on Campus“-Gruppe an der Universität Tübingen aufbauen. Andres arbeitet am Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) in Renningen. Mit „Industry on Campus“-Professuren bindet die Universität externe Experten praxisnah in Forschung und Lehre ein. „Davon profitieren der Forschungsstandort Tübingen wie auch unsere Studierenden“, sagt der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler. „Durch die Kooperation mit Bosch realisieren wir erneut unseren Anspruch, Grundlagenforschung mit einem hohen Anwendungspotenzial zu verknüpfen.“</p><p>Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Die beiden Berufungen zeigen, wie der Innovationscampus Cyber Valley funktioniert: Hier treffen Grundlagenforschung und angewandte Wissenschaft, außeruniversitäre Forschung und Wirtschaft aufeinander. Das gewährleistet einen schnellen Wissenstransfer in Unternehmen und Gesellschaft und bringt kreative Köpfe in die Region. Im Cyber Valley arbeiten bereits jetzt so viele hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass eine Ideenwirtschaft mit hoher Gründungsdynamik entstehen wird. So gestalten wir den digitalen Wandel.“</p><p>Im Mittelpunkt von Björn Andres Arbeit stehen Fragestellungen im Vorfeld industrieller Anwendung. Ein Beispiel ist die Forschung an Vibrationssensoren, die zur vorausschauenden Diagnose eingesetzt werden: Für den Menschen kaum spürbare Vibrationen können den Ausfall einer Maschine ankündigen, lange bevor diese tatsächlich defekt ist. Der Nutzen: Verschleißteile lassen sich rechtzeitig austauschen, längerer Stillstand wird vermieden. Die vorausschauende Diagnose ist ein Beispiel für Maschinelles Lernen, das Forschungsschwerpunkt des BCAI ist. Derzeit forschen bei Bosch an drei Standorten weltweit 120 Mitarbeiter auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz.</p><p>Bosch und die Universität Tübingen sind Mitinitiatoren des Cyber Valley, in dem in Baden-Württemberg Partner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Kräfte im Bereich Künstliche Intelligenz bündeln. Bosch unterstützt das Cyber Valley insgesamt mit rund sieben Millionen Euro. Die Universität Tübingen wird im Rahmen des Cyber Valley zunächst fünf neue Professuren und weitere zusätzliche Nachwuchsgruppen einrichten und ist an der Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden in der International Max Planck Research School „Intelligent Systems“ beteiligt. Weitere Informationen: <a href="http://cyber-valley.de/de" target="_blank" rel="noreferrer">http://cyber-valley.de/de</a></p><p>&nbsp;</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td style="vertical-align:top; width:218.05pt"><p><strong><img alt src="data:image/png;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQEAYABgAAD/2wBDAAoHBwkHBgoJCAkLCwoMDxkQDw4ODx4WFxIZJCAmJSMgIyIoLTkwKCo2KyIjMkQyNjs9QEBAJjBGS0U+Sjk/QD3/2wBDAQsLCw8NDx0QEB09KSMpPT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT3/wAARCACqAP8DASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwD0AUuaSq15PJAIjHGX3OFOOw9aErkN2LCSK+drA444pWcKD64ziqc0jxTKIYw5b7wzjFSxLKZN0pXpgAU+XqTfoWEbegbGMjpTxTFAUAdqcKkpASAetMaQbtgYbyMgVFd25mCsjbXTkehp0SeWP3jb39e9VZWuK7uRxeZKjR3CkEc5HQ01kZWaVVwQOMnt9Kt4J68U2TiNsYzjjNNS1E0Njj/iJyx71JtFRQFhAnmMpbHUdKlJpPca2DpUVxMkETSSsFRRkk9BTbm6itoWlmcJGgyzHoK8c8ceNpdZmaztnK2KMPlAwZPc1L0KSuddrHxP0nTpWhtkkvJFba2w4Ufj3rn5fi7es58jTYVXtuYk153LwSVHXpihUkP5ZyTSL5T0a0+LV5vAurGErkDKMQffiu10Pxjp2tv5cMoWU9EbqTXhMeHXOMuh5B7irgVoGWaB2R8djSvYHBM+iAeakBrzXwN44M7rp2pS/OTiKRz19vrXo6nNWnczasSg08VGDTxQJEq08VGKeKBjhS0lLQMUU4U2lFADqKBS0AFLSUopgZdBoprglGCnBxwakQyYiON5ABuA61E9/FDtV2+YnA46mnQQNHaeW7lm7sab9jjaZJTgsv8AOrVupLv0GtdvKwWOJyAeWxxV8dKaqgU8Um09hpNbkZWRnOWAXtgc05VC9BQzqvU1BPexwKWdgMdu9CTYNpFmq92rPAwVtpHOcUlvc+eW+UgDHJ70XYkeLbGAc9cnHFCVmDd0QecPICMCS3TjpVsH5RVGLLyPGX+ZcZCjA/xq0MKAuenaqkTG5w/xJ1CTyYrGNiqMN74/i9BXn9toguxmJWJz1rtvihG3m2Dr0Ksv6j/GmeGokTTozgbhnNclR2O2jFS0OVt/Al/POQqfJjPJrWj+G10wUtMFx2HavQLR14AAH1q6kmMcA/QVlztnSqUUeY/8K5uYS7hxkcj3rP1DRJrazZZEw6twfavZS4Iwy8muU8VaZJdqZI0BVRziqTdyZwjbRHlEcSJc5yQeo2+te2+Eb9r/AMO20khzIg2MfXFeTvpxW5JYEY7elep+DY/J8NW4IwSWP15reDuzjqKyOjU1KtQIamWtDFEq08UxaeKBjqWkpaBiilFIKWgBRS0gpRQAtLSUtMDKoooqRFWG5+1NJGFIAHWoLcXKfuUTbGvG89avO6RDLEKKVHSSMOpBU9605rdCLX6i2+fKXccn19alqNHB4GcfSn1DLRnXSzSKvlZDMxViPSkWwjjBNwwck9TxV5eGYe+aq3gBIkUDeoOMirUnsQ4rcnjZQoWJcKOnYUO4RSzngDJqsJZRLGxBKeXkgdjVa4aRZ94UlJ8IVI5HB/KjluwvYuokYkedeTIASR7Vk3WoSPcxmFdkgLIQecHGRVqyS5R3MnCBQqp2475p0lorhG4VlbdmmrReondrQ5LxcstxpCSyJlIpvv8Ac5HNZOlXs8LGKzs5bkx437B3rqfGNncXOlW0NvOsKSXCxyM33QCCFJ9g2KwdN025juWtYrgp5WfMkxtLHpniuWu05XOzDJqJuafrkefLvbae2k6fvE4J+tal7qMlugFja+e7LkEkBa5m6MwvYoGkZo3YAk9M5zXSyJINyLgxOoIPfPpWG2x2ptrUzIjqt25e4vraFj92KN6ui/e1gJ1BAAW2E9QT+HtT7bRrOVka7UlkXAIwO+efzq3/AGZbNZiBkMkauHG7JxgY696rQj3r2OE1VIbi9YQJIBnKkKTkdhXbaFC9to1rHIrK4XlWGCOafaWkFpq5uCoCuqxoAOF/zxV+5f8AeYxgg1rTepz1qfuczHKanQ1VRqnQ1ucZZU1IKhQ1KDSKHilpop1AxaWkpaAFp1Np1ABS0CigDJpaSlpCK9zbCeRC33QCCPrUsSJDGI1wFHQU51DqQc4PpSbVjXgdKq+lhW1uODCnBhUAuFyRg08KHAbJ9aTQJjJ4zISgYruHUdaie1xtKnLfdJY9qskfMD6UGjmaC1ytcloYgyjOCAfpRbqVjKsOh4J7imahJNEiNCu4bhvHfHtVZbu4AaNY97gkbjwB9aqzaFdJluSaMSGI9SufaqIsZmiMTTlYj/Co7fWkubWe5aJnKggDeozgkHNXg+FG7ANK/KtAtzPUp6rBu0eWMLv2KDg85wa57TLJZlYqoDZOTXVmQHgc1iQsNOu7lVT5Qcqv1x/jXLWXU7sLJfCUPsCDWoxNKkaJjl2AyTXTMIoQqrcx71XdtbjIrkJYrefUi15LE0qtnDEcH8a27YQSxoXaNJF+7lgTioSOy99jctoxL8xGParboFjIxWRBfLE4CXCSN2Qc5/GtndvXmjyIlLsUxbLcwx72YKrByB1JHSo5XDzEg5ptzK0YEasQpHIHeokauilC2pw4irf3EWFNWENVUOanQ1scpbQ1KtV0NTKaRSJQaeKjU1IKQx1LSUtAxaUUlLQAtLSUtAGPSNIqY3EDPrUN00iqgiGSWAJ9BTXkjm2pt3jPPtTSJbLRIAyegpu/eh256U4dKXFIZmRuyspVWIP3s9jWmpyoNRm3j8zft+apDwKcncmKsBOBTN2explvOLiESAEZ7GpDU7FEbfMMEComQ9jj6Co7uWaKZCpXy8cgjknNTlhge9D0QbkRj9SaTy19KkNNNK47DTxWTrKPEDdRrnC4cCtVzUMrAIcjIPb1qJLmVmVCTi7o5OHT7W5mjuHAGVHXrmt+ztLcrjCEdTgVn2+nKNQMJICbtyAdvauigsVTggbR0NYbHown7pEkEecgAbDkACr8UrPGAR164NUnilaXbGMJ/eIqw8sVhbNJM6gAZJNIm/MyrP5lzrUlrGmQlobgkDoQ4XH4jP5VGrVteG7d2tZdRuE2y3pBQHqsQ+6PxyT+NVdU0x4Z3kgXMbc7R1FdlP4TgrWcm0VkerEbVQVsHHerEb1oYmghqZaqRtVlGpDROtSLUSnNSrSKJBS0gp1IYUUUUALS0lLQBisu4UkUaxqVUAc0+jvRcQopPMHmbP4sZpvmqC3zD5evtQXXG7I+tFhEuainLeQ+z7204+tVhqKNAkgB+ZtpHoahbUGNyNo/dHK8j+KqUGJyQ+3H2GNI5GyGPVjVpJVkJAPSs+5lmntGCQnzRg7SeR9KfYz7pNjKVfy1JFOUbq4k7aE1/C08OE++DkHPSq3myiBdwKkAdeuc1ekk24A5Y9BVa4g89VBcjDAnHt2qU9LMprW6JN4x1pCaGYKOagcMFZ2O1ewXvWZQ6aRUHzMBUlpB9qikmU8L8qk9zWVKxOdowfU10UrJpdvZBSBCVHmDHUkdc/WkUchqlwbbV7aJgVMrlSc/dwOCPxxW7p0jxNtmZip6Mece1QeK9Ha4jiniT97btuGO69xSR3h+woy434waynGzOqm04mncXSQRFiayNNspvFGrAygjTLdt0p/56nso9vWoTZajqz4bMduPvyNxx7e9dpoqW8WlRJaLtjGRj3HFOELvUKlSytEvHk9gB+lVmcSM20Aj1xUkrKw2DJx1AqMI2OeBXQchVuLKGUfOob3HUfjWdLpxTJhbcvof8a1mbnA5HrTArSE7TtX19aLktGQpZDhgQferUbZq5JGHG0gYH8OOlV2tCnMfI/u96q5NiVDUymqsbVYQ0homWn0xaeKRQtFFFABSiiigDGoPSig9KQirJGk0k8OdpcAnHWq9rYyoX+0TM8YJ2qewq3I6xyhtoy3BPoKXz42BAOflzx6Vpd2IshIo42AKDC9MEUkiQ+WxwML6dqprdXBul2oxjI5+lSJ5xkkcY8pjgLjnPehp9wTRKsyK6iXCyPwoB6im7y0p3KFZGx+BpZLJZTA7cNEcg1IYk80sB85xk0m0PUqfb4Vmbe3zEkAY7Co5pnigZ4+pl+uRU4iiEgSQIZQMj1xThGvK4GAcgUrodmRR7bm5iZeSgJ/OpJ0LIvdm7CtC0tkhtlcLzI36UbUi3lscHGfaobLSMOeBgudpNaWqyi6t7SJRlQgZz+GMUNObh9sKgKDjcelWUWDO0fM3cikhjY5XjtljkxIi/d9VHp70uh6Yi3U97jEL8IpGAPUj60TW6PsiUENIwUHPStc7Y41iTCxoMY7ACnYLtFe7AmUoudo/hXvTtNAtbJ921AXO0UjNI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width="301" style></p><p><strong>Dr. Björn Andres</strong></p><p>Foto: Bosch / Ralf Grömminger</p><p><strong>Die Universität Tübingen</strong></p><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Maschinelles Lernen, die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><p><strong>Die Bosch-Gruppe</strong></p><p>Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 402 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2017). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 78,1 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Als führender Anbieter im Internet der Dinge (IoT) bietet Bosch innovative Lösungen für Smart Home, Smart City, Connected Mobility und Industrie 4.0. Mit seiner Kompetenz in Sensorik, Software und Services sowie der eigenen IoT Cloud ist das Unternehmen in der Lage, seinen Kunden vernetzte und domänenübergreifende Lösungen aus einer Hand anzubieten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen.</p><p>Bosch bietet „Technik fürs Leben“. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs-, Entwicklungs- und Vertriebsverbund von Bosch über fast alle Länder der Welt. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit rund 64 500 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 125 Standorten.</p><p>Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.</p><p>Mehr Informationen unter <a href="http://www.bosch.com/" target="_blank" rel="noreferrer">www.bosch.com</a>, <a href="http://www.iot.bosch.com/" target="_blank" rel="noreferrer">www.iot.bosch.com</a>, <a href="http://www.bosch-presse.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.bosch-presse.de</a>, <a href="http://www.twitter.com/BoschPresse" target="_blank" rel="noreferrer">www.twitter.com/BoschPresse</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21723</guid><pubDate>Tue, 05 Jun 2018 18:00:01 +0200</pubDate><title>Parkinson: Vitamin B3 hat positive Wirkung auf geschädigte Nervenzellen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/parkinson-vitamin-b3-hat-positive-wirkung-auf-geschaedigte-nervenzellen/</link><description>Eine Form des Vitamins kurbelt den Energiestoffwechsel in Nervenzellen an und schützt sie vor dem Absterben, berichten Tübinger Forscher. Der Wirkstoff könnte einen möglichen Therapieansatz darstellen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zittrige Hände, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen – das sind die typischen Symptome der Parkinsonerkrankung. Rund 220.000 Personen sind in Deutschland von der Krankheit betroffen, die zunehmend mit steigendem Alter auftritt. Sie beruht auf dem Verlust von Nervenzellen im Gehirn und ist bislang nicht heilbar. Ein Forschungsteam um Dr. Dr. Michela Deleidi am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen berichtet nun, dass der Wirkstoff Nicotin­amid-Ribosid einen möglichen Therapieansatz darstellen könnte. Es handelt sich dabei um eine Form des Vitamins B3. Erste Ergebnisse im Labor waren vielversprechend: „Das Mittel kurbelt den defekten Energiestoffwechsel in betroffenen Nervenzellen wieder an und schützt sie vor dem Absterben“, erklärt Deleidi. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Studie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift <em>Cell Reports.</em></p><h3>Beschädigte Kraftwerke führen zum Zelltod</h3><p>Wie Parkinson entsteht, ist noch nicht genau geklärt. Klar ist, dass zunehmend dopaminhaltige Nervenzellen in der Region der schwarzen Substanz (<em>Substantia nigra</em>) im Gehirn absterben. In jüngster Zeit festigt sich die Erkenntnis, dass in den betroffenen Nervenzellen die Mitochondrien beschädigt sind. Mitochondrien funktionieren wie kleine Kraftwerke in den Zellen und sind für die Produktion von Energie verantwortlich. Sind sie defekt, kann das zum Tod der Zelle führen. „In unserer Studie wollten wir untersuchen, ob die beschädigten Mitochondrien nur eine Begleiterscheinung oder Auslöser der Parkinsonerkrankung sind“, sagt Studienleiterin Deleidi.</p><p>Um das herauszufinden, entnahmen die Forscher in einer internationalen Zusammenarbeit Zellen aus der Haut von Parkinsonpatienten. Diese stimulierten sie so, dass zunächst Stammzellen aus ihnen entstanden, die sich dann zu Nervenzellen weiterentwickelten. Die Zellen hatten einen Defekt im sogenannten <em>GBA</em>-Gen, dem häufigsten Risikogen für Parkinson. Wie bei „echten“ Nervenzellen waren die Funktion ihrer Mitochondrien und ihre Energieproduktion beeinträchtigt.</p><h3>Frischekur für Zellkraftwerke</h3><p>Die Wissenschaftler versuchten nun, die Bildung von neuen Mitochondrien anzuregen. Dabei spielt das Coenzym NAD eine wichtige Rolle. Die Wissenschaftler fütterten die Zellen mit Nicotinamid-Ribosid, einer Form des Vitamins B3 und Vorstufe des Coenzyms. Dadurch stieg die Konzentration von NAD in den Zellen an. Das Ergebnis: „Der Energiehaushalt in den Nervenzellen verbesserte sich stark. Es bildeten sich neue Mitochondrien und die Energieproduktion erhöhte sich.“</p><p>Um die Wirkung des Vitamins in einem lebenden Organismus zu beobachten, untersuchten die Forscher im nächsten Schritt Fliegen mit einem <em>GBA</em>-Gendefekt. Wie bei Parkinsonpatienten sterben bei ihnen dopaminreiche Nervenzellen ab und sie haben mit steigendem Alter zunehmend Probleme beim Laufen und Klettern. Deleidi und ihre Kollegen teilten die Fliegen in zwei Gruppen. Bei einer reicherten sie das Futter mit dem Vitamin an, bei der anderen nicht. „Der Wirkstoff erzielte auch hier eine positive Wirkung: Bei den behandelten Fliegen starben viel weniger Nervenzellen ab als bei den unbehandelten.“ Darüber hinaus blieb bei ihnen das Bewegungsvermögen länger erhalten.</p><h3>Möglicher Therapieansatz</h3><p>„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Verlust von Mitochondrien tatsächlich eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt“, fasst Deleidi zusammen. „Die Gabe von Nicotinamid-Ribosid könnte ein neuer Therapieansatz sein.“ Ob das Vitamin tatsächlich bei Parkinson helfen kann, müssen weitere Studien zeigen. In Zukunft planen die Forscher, den Wirkstoff an Patienten zu untersuchen. „Andere Studien haben gezeigt, dass er von gesunden Versuchspersonen gut vertragen wird und auch bei ihnen den Energiestoffwechsel ankurbelt“, so Deleidi.</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Schöndorf DC et al. (2018): “The NAD+ precursor, nicotinamide riboside, rescues mitochondrial defects and neuronal loss in iPSC and fly models of Parkinson’s disease“, Cell Reports, 23(10) doi: 10.1016/j.celrep.2018.05.009</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Dr. Michela Deleidi<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen</p><p>Universität Tübingen</p><p>Otfried-Müller. Str 23<br> 72076 Tübingen</p><p>Telefon: +49 7071 9254200</p><p>Fax: +49 7071 9254074</p><p>E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Okejgnc0FgngkfkBfbpg0fg" data-mailto-vector="2">Michela.Deleidi<span style="display:none">spam prevention</span>@dzne.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21582</guid><pubDate>Fri, 01 Jun 2018 16:51:42 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen lädt zum Kinder-Uni-Forschertag</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-laedt-zum-kinder-uni-forschertag/</link><description>Für kleine Forscherinnen und Forscher: Mehr als 30 Workshops zum Mitmachen am 7. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Samstag, den 7. Juli 2018</strong>, findet an der Universität Tübingen wieder der Kinder-Uni-Forschertag statt, die Anmeldung dafür beginnt am <strong>Montag, den 4. Juni 2018</strong>. Er ist der zweite Teil der Tübinger Kinder-Uni, bei der Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren Uni-Luft schnuppern dürfen. In den vergangenen Wochen fanden bereits mehrere Vorlesungen speziell für Kinder statt; beim Forschertag am 7. Juli ist Mitmachen und selber Forschen angesagt.</p><p>Zwischen 10 Uhr und 17.15 Uhr bieten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität über 30 Workshops an. Die einzelnen Kurse dauern zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Kinder bekommen beispielsweise Einblicke in die Welt der Bakterien, lernen schreiben wie zu Zeiten der Pharaos, erfahren in der Notfallmedizin, wie sie im Ernstfall Leben retten können, stellen selbst Tabletten her und vieles mehr.</p><p><br> Das Programm wird ab Montag, 04. Juni 2018, unter folgendem Link bekanntgegeben: <a href="https://www.uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/2626</a>. Die Anmeldung für die einzelnen Kurse erfolgt per Mail an <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mkpfgtwpkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">kinderuni<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a>. Bitte unbedingt den exakten Kurstitel, Uhrzeit, Name und Alter der Kinder sowie eine Notfalltelefonnummer angeben. Kinder unter sieben Jahren können leider noch nicht teilnehmen.</p><p>Programm der Kinder-Uni und weitere Informationen unter:</p><p><a href="https://www.uni-tuebingen.de/de/2626" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de/de/2626</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Susanne Zahn</p><p>Universität Tübingen</p><p>Stabsstelle Hochschulkommunikation</p><p>Telefon +49 7071 29-76724</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Uwucppg0AcjpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">Susanne.Zahn<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21584</guid><pubDate>Fri, 01 Jun 2018 16:30:00 +0200</pubDate><title>Unseld Lecture 2018 diskutiert die Neurobiologie der Moral</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unseld-lecture-2018-diskutiert-die-neurobiologie-der-moral/</link><description>Forum Scientiarum lädt kanadische Neurophilosophin Patricia Churchland an die Universität Tübingen ein</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die neuronalen Voraussetzungen von Moral und moralischem Bewusstsein stehen im Fokus der diesjährigen Unseld Lecture: Die kanadische Philosophin Patricia Churchland spricht am<strong> Mittwoch, den 6. Juni um 20.15 Uhr im Audimax der Neuen Aula (Geschwister Scholl-Platz, 72074 Tübingen) </strong>über <strong>„The Neurobiology of Moral Conscience“.</strong></p><p>Das Nachdenken über die Grundlagen und Strukturen von Moral fällt klassischer Weise in die Zuständigkeit der Philosophie. In die jüngsten prominenten Arbeiten zur Evolution der Moral fließen allerdings ganz andere disziplinäre Perspektiven ein. So rückte beispielsweise die Suche nach den evolutionären Ursprüngen moralischen Handelns die Frage in den Fokus, welche Anforderungen das soziale Miteinander an Tiere und Frühmenschen stellte, die in Gemeinschaft leben.</p><p>Die Neurophilosophin Patricia Churchland geht einen Schritt weiter und fragt nach der Bedeutung von chemisch gesteuerten Gehirnaktivitäten für die Ausbildung des Sozialverhaltens. Wenn wir nachvollziehen können, welche neuronalen Prozesse zur Ausbildung von sozialen Praktiken beigetragen haben, lernen wir etwas darüber, wie moralisches Verhalten entstehen konnte. Churchland vertritt die provokante These, dass der Nachweis einer solchen „neuronalen Plattform“ des moralischen Bewusstseins die klassischen philosophischen Begründungen von Moral letztlich verzichtbar macht.</p><p>Als zweiter Teil der Unseld Lecture 2018 findet am <strong>Donnerstag, den</strong><strong>7. Juni, um 20.15 Uhr</strong><strong>in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) </strong>das<strong> Podiumsgespräch „Moral Values beyond Neurobiological Facts?“</strong> zwischen Patricia Churchland und dem Sachbuchautor Dr. Stefan Klein statt. Beide Veranstaltungen finden auf Englisch statt, die Öffentlichkeit und Medienvertreter sind herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei.</p><p>Außerdem wird Patricia Churchland im jährlichen <strong>Internationalen Meisterkurs</strong> am Forum Scientiarum mit 20 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus aller Welt über das Jahresthema der Lecture ‚The Neurobiology of Moral Conscience‘ diskutieren. Seit 2008 findet an der Universität Tübingen die Unseld Lecture statt, initiiert und gefördert von der Udo Keller Stiftung Forum Humanum. In Kooperation mit dem Suhrkamp Verlag lädt das Forum Scientiarum jährlich eine Spitzenwissenschaftlerin oder einen Spitzenwissenschaftler zum interdisziplinären Dialog nach Tübingen ein. Infos unter: <a href="http://www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/veranstaltungen/unseld-lectures.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/veranstaltungen/unseld-lectures.html</a></p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="462616" data-htmlarea-zoom="true" height="151" src="fileadmin/_processed_/3/3/csm_18-06-01_DE_Unseld_Lecture_2018_194302e158.jpg" width="299" style>Patricia Churchland</strong></p><p>Die kanadische Philosophin Patricia Churchland arbeitet an der Schnittstelle zwischen Philosophie und Neurowissenschaft. Sie war bis 2013 Professorin für Philosophie an der University of California in San Diego und zudem außerordentliche Professorin am Salk Institut for Biological Studies in La Jolla. 2015 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Churchland erhielt für ihre Arbeiten vielfach Ehrungen, unter anderem den renommierten MacArthur Preis und den Rossi Preis für Neurowissenschaften.</p><p>In ihrer Forschung untersucht sie, wie Erkenntnisse aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften helfen, philosophische Fragen über das Verhältnis von Geist und Gehirn zu beantworten. Bekannt wurde sie für ihre Position eines „eliminativen Materialismus“: Diese kritisiert die Verwendung alltagssprachlicher Begriffe wie „Glauben“ und „Empfindungen“, die einen über ihre neuronalen Grundlagen hinausgehenden Bedeutungsgehalt suggerieren.</p><p>Zu ihren aktuellen Forschungsthemen gehört die Frage, welchen Beitrag die Neurowissenschaften zur Erklärung menschlichen Sozialverhaltens und insbesondere zur Evolution von Moral leisten können. Sie vertritt die These, dass moralische Fragen sogenannte „<em>constraint satisfaction problems</em>“ sind, also Fragen, die sich aus den Konflikten im menschlichen Zusammenleben ergeben, und dass sich die Entstehung von Moral als eine evolutionäre Anpassung an diese verstehen lässt. Churchland richtet ihr Augenmerk dabei auf die neuronalen Prozesse, die mit moralischen Entscheidungen korrelieren. Wichtige Publikationen: <em>Touching a nerve. The self as brain</em> (2013); <em>Braintrust. What Neuroscience Tells Us About Morality</em> (2011); <em>Brain-Wise: studies in neurophilosophy</em> (2002); <em>The Computational Brain</em> (co-authored with Terrence Sejnowski 1993). <em>Foto: privat</em></p><p><strong>Stefan Klein</strong></p><p>Der promovierte Biophysiker arbeitete zunächst als Wissenschaftsredakteur bei Spiegel und Geo. Seit dem Jahr 2000 ist er als freier Autor tätig und schrieb zahlreiche Bestseller, die in 27 Sprachen übersetzt wurden. Er lehrt als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste. Aus seinen Publikationen: <em>Das All und das Nichts</em> (2017); <em>Träume</em> (2014);<em> Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt</em> (2010); <em>Die Glücksformel</em> (2002).</p><p>Das Foto erhalten Sie hochaufgelöst unter <a href="http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20180601_Patricia%20Churchland.tif.zip" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20180601_Patricia Churchland.tif.zip</a>, eine Verwendung ist nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Unseld-Lecture gestattet.</p><p>Bitte beachten Sie die Quellenangabe.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Niels Weidtmann</p><p>Universität Tübingen</p><p>Forum Scientiarum</p><p>Tel.: +49 7071 40716-12</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkgnu0ygkfvocppBhuek0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">niels.weidtmann<span style="display:none">spam prevention</span>@fsci.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Die Partner:</h3><p><strong>Universität Tübingen</strong></p><p>Gegründet 1477, gehört sie heute zu den führenden Hochschulen sowohl in den Lebens- und Naturwissenschaften als auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften.</p><p><strong>FORUM SCIENTIARUM</strong></p><p>Das Forum Scientiarum ist eine zentrale Einrichtung der Universität Tübingen zur Förderung des interdisziplinären Dialogs zwischen in Forschung und Lehre.</p><p><strong>Udo Keller Stiftung Forum Humanum</strong></p><p>Die Stiftung möchte in einer Zeit des zunehmenden Zugriffs von Technik und Ökonomie auf die Menschheit an die Bedeutung des geistigen und religiösen Erbes der Weltkulturen erinnern.</p><p><strong>Suhrkamp Verlag</strong></p><p>Der Suhrkamp Verlag wurde 1950 von Peter Suhrkamp gegründet. Zu dem Verlag gehören auch der Insel Verlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag und der Verlag der Weltreligionen. Die edition unseld startete im Frühjahr 2008.</p><h5 class="bodytext">&nbsp;</h5><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21535</guid><pubDate>Wed, 30 May 2018 13:00:04 +0200</pubDate><title>Neues Verfahren misst Immunantwort innerhalb von Minuten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-verfahren-misst-immunantwort-innerhalb-von-minuten/</link><description>T-Zellen bekämpfen Krankheitserreger und Tumore: Forscherteam der Universitäten Tübingen und Lübeck entwickelt einfache und schnelle Methode zur Messung ihrer Funktion</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zur Bekämpfung von Krankheitserregern oder Tumoren setzt der Körper verschiedene Arten von Lymphozyten ein, unter anderem sogenannte T-Zellen: Sie erkennen veränderte Körperzellen an spezifischen Strukturen (Peptiden), die sich auf bestimmten Molekülen an der Zelloberfläche (HLA) finden. Eine Studie stellt nun erstmals eine Methode vor, mit der sich die Immunantwort durch T-Zellen in kürzester Zeit nachweisen lässt. Das Verfahren wurde durch ein Forscherteam um Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie und Professor Hans-Georg Rammensee vom Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen sowie PD Dr.Tanja Lange von der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Universität Lübeck entwickelt. Es ist schnell, zuverlässig und breit einsetzbar, sowohl in der Grundlagenforschung als zukünftig auch in der Patientenversorgung. Die Ergebnisse wurden in <em>Proceedings of the National Academy of Science of the USA</em> veröffentlicht.</p><p>T-Lymphozyten wie auch B-Lymphozyten werden vom Körper eingesetzt, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Um zu kontrollieren, wie gut die Immunantwort funktioniert, können beispielsweise die von den B-Lymphozyten produzierten und ins Blut ausgeschütteten Antikörper gemessen werden. Für die Bekämpfung vieler Infektionen ist jedoch eine gute T-Zell-Antwort wichtig; auch neue Krebs-Immuntherapien basieren häufiger auf einer T-Zell-basierten Immunantwort, bei der abnormale Körperzellen erkannt und getötet werden. Die bislang verwendeten Methoden zur Überprüfung dieser T-Zellreaktionen sind technisch kompliziert und aufwändig, sie werden deshalb nur begrenzt in Forschung und täglicher Patientenversorgung angewendet.</p><p>„Dies könne sich mit dem neuen Verfahren ändern“, sagt Dr. Stoyan Dimitrov, Erstautor der Studie. Die Methode erkenne innerhalb von Minuten die gesuchten T-Lymphozyten, indem sie strukturelle Veränderungen der sogenannten Integrine identifizieren, bestimmter Moleküle an der Zelloberfläche der T-Zellen. „Unsere Methode könnte in hohem Maße die derzeit verwendeten Techniken zur Messung funktioneller T-Zellen ersetzen. Sie ist darüber hinaus viel schneller und einfacher durchzuführen", erklärt Dimitrov. Man habe den Test bereits in einer Studie zur Rolle des Schlafs bei der Immunantwort gegen chronische Infektion mit dem Cytomegalievirus eingesetzt sowie in einer Studie zur Verbesserung der Gelbfieberimpfung, sagt Jan Born.</p><p>Bei vielen Infektionen wie Malaria, HIV, Tuberkulose, Herpes und Hepatitis spielen T-Lymphozyten eine Schlüsselrolle. „Doch nur bei Tuberkulose wird die zellvermittelte Immunität derzeit in der Klinik routinemäßig untersucht", sagt Tanja Lange. „Unser neues Verfahren kann breit eingesetzt werden", ergänzt die Wissenschaftlerin PD Dr. Cécile Gouttefangeas. „Es eignet sich auch zur schnelleren und präziseren Überwachung von T-Zell-Immunantworten bei Krebspatienten, um so die Wirksamkeit von neuartigen Immuntherapien zu überprüfen, beispielsweise experimentelle Krebsimpfstoffe oder sogenannte Checkpoint-Blockaden.“ „Zudem könnten mit der Methode effektive tumorabwehrende T-Zellen isoliert, vermehrt und dann im Rahmen eines Zelltransfers als Krebstherapie eingesetzt werden“, sagt Hans-Georg Rammensee.</p><h3>Publikation:</h3><p>Stoyan Dimitrov, Cécile Gouttefangeas, Luciana Besedovsky, Anja T.R. Jensen,<sup></sup>P.<sup></sup>Anoop Chandran, Elisa Rusch, Ramona Businger, Michael Schindler,<sup></sup>Tanja Lange, Jan Born, and Hans-Georg Rammensee: Activated integrins identify functional antigen-specific CD8<sup>+</sup> T cells within minutes after antigen stimulation. <em>PNAS 2018</em>; DOI: <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1720714115" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.1720714115<strong></strong></a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Stoyan Dimitrov, PhD</p><p>Universität Tübingen</p><p>Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie</p><p>Telefon: +49 7071 29-88927</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uvqacp0fkokvtqxBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">stoyan.dimitrov<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="462304" data-htmlarea-zoom="true" height="365" src="fileadmin/_processed_/1/3/csm_18-05-29MASC_893f4498c0.jpg" width="300" style><br> Die neue Methode identifiziert strukturelle Veränderungen der sogenannten Integrine, bestimmten Molekülen an der Oberfläche der T-Zellen, und erkennt so, ob die T-Lymphozyten wirksam arbeiten.</p><p>Abbildung: Stoyan Dimitrov</p><p>&nbsp;</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="462307" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/c/c/csm_18-05-30Pressebild2_24cbadbbce.jpg" width="300" style><br> Mit dem neuen Verfahren kann überprüft werden, ob eine Impfung funktioniert hat, wie in der Publikation bei der Gelbfieberimpfung gezeigt. Die Messung, durchgeführt zwei Wochen nach der Impfung, dauert nur wenige Minuten.</p><p>Foto: Christoph Jäckle/Universität Tübingen</p><h5>&nbsp;</h5><h5>&nbsp;</h5><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21507</guid><pubDate>Wed, 30 May 2018 11:30:00 +0200</pubDate><title>Unbemannte Flugzeuge geben neue Einblicke in das Entstehen von kleinsten Partikeln in der Arktis</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unbemannte-flugzeuge-geben-neue-einblicke-in-das-entstehen-von-kleinsten-partikeln-in-der-arktis/</link><description>Wissenschaftler untersuchen Partikelneubildung über Spitzbergen</description><content:encoded><![CDATA[<h4>Pressemitteilung der TU Braunschweig</h4><p>Ny-Ålesund <strong>(Spitzbergen). Untersuchungen der Atmosphäre mit unbemannten Mini-Flugzeugen können einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Ursachen des Klimawandels in der Arktis leisten, da sie Einblick in bodennahe Luftschichten geben, die von klassischen Messstationen nicht erfasst werden. Das schlussfolgert ein deutsches Forscherteam aus aktuellen Messungen, die gerade auf Spitzbergen stattfanden. Dabei konnte die Neubildung von Partikeln in der Luft beobachtet werden, die später zu Wolken werden können und Einfluss auf den Klimawandel haben. Weshalb sich die Arktis mehr als doppelt so stark erwärmt wie andere Regionen der Erde, ist im Detail bisher immer noch ungeklärt. Die bis Ende Mai laufende Messkampagne auf Spitzbergen war der erste gemeinsame Einsatz von in Deutschland entwickelten Mini-Forschungsflugzeugen in einer Polarregion.</strong></p><p>In den letzten Jahren ist die Arktis mehr und mehr in den Fokus der Klimaforschung gerückt, da sich die bisher beobachteten Änderungen im globalen Klima in den Regionen um die Pole deutlich stärker auswirken als in anderen Regionen. Die Ursachen dafür liegen unter anderem in komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Meereis und Ozean und sind schwierig zu quantifizieren und in Modellen abzubilden. Um das Verständnis für die besonderen Prozesse und Wechselwirkungen zu verbessern, muss verstärkt vor Ort gemessen werden. Nur wenige kontinuierlich messende Stationen und mobile Messungen mit Schiffen und Flugzeugen sind als Datenbasis verfügbar und liefern die notwendigen Parameter für Analysen und Modellierung.</p><p>Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig, des Leibniz-Institutes für Troposphärenforschung Leipzig und der Eberhard-Karls Universität Tübingen führten seit Mitte April in Ny-Ålesund auf Spitzbergen, dem nördlichsten Dorf der Welt, Messungen mit unbemannten Flugsystemen durch. Unterstützt wurden sie vom Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, das auch die Französisch-Deutschen Forschungsbasis AWIPEV in Ny-Ålesund betreibt. In diesem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt mit dem Namen „Untersuchungen zur kleinskaligen vertikalen und horizontalen Variabilität des atmosphärischen Grenzschichtaerosols mit unbemannten Flugsystemen“ wird vor allem der Zusammenhang zwischen kleinräumigen Luftbewegungen und der Bildung von kleinsten luftgetragenen Aerosolpartikeln untersucht, die sich aus Gasen bilden können. Da diese kleinen Partikel weiter anwachsen können und dann Licht streuen sowie zur Entstehung von Wolken beitragen, spielen sie für das Klima eine große Rolle.</p><p>Die ersten Auswertungen haben gezeigt, dass es verschiedene Szenarien gibt, die zur Neubildung von Partikeln in der Atmosphäre führen: entweder findet die Neubildung zeitgleich in allen untersuchten Luftschichten zwischen Boden und 850 Meter Höhe statt oder sie beginnt in einer bestimmten Luftschicht und breitet sich von dort weiter aus. Der zweite Fall kann mit den seit vielen Jahren kontinuierlich betriebenen, festen Messstationen in Ny-Ålesund  und dem nahegelegenen Zeppelinberg nicht von Beginn an beobachtet werden und ist daher eine wichtige Erkenntnis für alle hier tätigen Wissenschaftler. „Die Messungen mit unbemannten Flugzeugen stellen ein Bindeglied zwischen den Messungen an verschiedenen Stellen in Ny-Ålesund und auf dem angrenzenden Zeppelin-Berg dar und schließen so eine Wissenslücke über die Verteilung und Transportprozesse in der Atmosphäre“, erklärt Dr. Astrid Lampert von der TU Braunschweig, die die Messkampagne koordinierte.</p><p>Die Messkampagne war die dritte größere Studie von ALADINA (Application of Light-weight Aircraft for Detecting IN-situ Aerosol), einem unbemannten Flugzeug (Unmanned Aircraft System – UAS) vom Typ „Carolo P360“, das am Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig entwickelt wurde. ALADINA ist eine Art Hightech-Modellflugzeug: Es hat eine Flügelspannweite von 3,6 Metern, wiegt 25 Kilogramm und kann bis zu 3 Kilogramm Nutzlast transportieren. Der Akku erlaubt eine Flugzeit von bis zu 40 Minuten und eine Geschwindigkeit von bis zu über 100 Kilometern pro Stunde. Im Einsatz war das Mini-Forschungsflugzeug bereits mehrfach in Deutschland – so unter anderem in Melpitz bei Leipzig. Die Besonderheit dieses Flugzeugs liegt vor allem in seiner Ausstattung mit Partikelmessgeräten, die am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig miniaturisiert wurde. Kommerziell erhältliche Geräte wären zu groß und schwer für diesen Einsatz, daher mussten die Geräte selbst entwickelt bzw. erheblich modifiziert werden.</p><p>Außerdem setzte die Universität Tübingen UAS vomTyp MASC (Multi-purpose Airborne Sensor Carrier) im Rahmen der Spitzbergen-Kampagne ein. Diese UAS sind wiederum auf die hochauflösende Messung von atmosphärischer Turbulenz und turbulentem Transport von Energie und Impuls spezialisiert. Die Turbulenz ist ein wichtiger Prozess in der Partikelneubildung. MASC haben in der Arktis eine Flugdauer von anderthalb Stunden und werden in Deutschland auch verstärkt in der Windenergieforschung eingesetzt.</p><p>Um die verschiedenen Prozesse, die zur Bildung neuer Partikel führen können, zu verstehen, ist eine detaillierte Untersuchung der Messdaten notwendig, die die Wissenschaftler die nächsten Monate beschäftigen wird.</p><h3>Kontakte:</h3><p>Dr. Astrid Lampert (Kampagnenleitung)</p><p>Fluggestützte Meteorologie und Messtechnik</p><p>Institut für Flugführung</p><p>TU Braunschweig</p><p>Hermann-Blenk-Str. 27</p><p>38108 Braunschweig</p><p>Phone: +49 531 3919 885</p><p><a href="http://www.tu-braunschweig.de/iff" target="_blank" rel="noreferrer">www.tu-braunschweig.de/iff</a></p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Cuvtkf0NcorgtvBvw/dtcwpuejygki0fg" data-mailto-vector="2">Astrid.Lampert<span style="display:none">spam prevention</span>@tu-braunschweig.de</a></p><p>Dr. Birgit Wehner</p><p>Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik</p><p>Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)</p><p>04318 Leipzig</p><p>Phone: ++49 341 2717 7309</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dktikvBvtqrqu0fg" data-mailto-vector="2">birgit<span style="display:none">spam prevention</span>@tropos.de</a></p><p><a href="http://www.tropos.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.tropos.de</a></p><p>Prof. Dr. habil. Jens Bange</p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen</p><p>Zentrum für Angewandte Geowissenschaften</p><p>Hölderlinstr. 12</p><p>72074 Tübingen / Germany</p><p>Phone: +49 7071 29 74 714</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lgpu0dcpigBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">jens.bange<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.geo.uni-tuebingen.de/umphy" target="_blank" rel="noreferrer">www.geo.uni-tuebingen.de/umphy</a></p><h3>Links:</h3><p>ALADINA (Application of Light-weight Aircraft for Detecting In situ Aerosol)</p><p><a href="https://www.researchinsvalbard.no/project/8763" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.researchinsvalbard.no/project/8763</a></p><p><a href="http://www.geo.uni-tuebingen.de/umphy" target="_blank" rel="noreferrer">www.geo.uni-tuebingen.de/umphy</a></p><p><a href="https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/aladina-erforscht-klimahelfer-in-hundert-meter-hoehe/" target="_blank" rel="noreferrer">https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/aladina-erforscht-klimahelfer-in-hundert-meter-hoehe/</a></p><p><a href="https://www.tropos.de/aktuelles/messkampagnen/blogs-und-berichte/uav-russ-2014/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.tropos.de/aktuelles/messkampagnen/blogs-und-berichte/uav-russ-2014/</a></p><p><a href="https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/unbemannte-flugzeuge-helfen-feinstaub-zu-untersuchen/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/unbemannte-flugzeuge-helfen-feinstaub-zu-untersuchen/</a></p><p>AWIPEV Base: French - German Arctic Research Base at Ny-Ålesund / Spitsbergen<br><a href="http://www.awipev.eu/" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.awipev.eu/</a></p><p>DFG-Sonderforschungsbereich zu “Arktischen Klimaveränderungen”<br><a href="http://www.ac3-tr.de/" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.ac3-tr.de/</a></p><h3>Publikationen:</h3><p>Altstädter, B., Platis, A., Jähn, M., Baars, H., Lückerath, J., Held, A., Lampert, A., Bange, J., Hermann, M., and Wehner, B.: Airborne observations of newly formed boundary layer aerosol particles under cloudy conditions, <em>Atmos. Chem. Phys. Discuss.,</em><a href="https://doi.org/10.5194/acp-2017-1133" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5194/acp-2017-1133</a> , in review, 2018.</p><p>Altstädter, B., Platis, A., Wehner, B., Scholtz, A., Wildmann, N., Hermann, M., Käthner, R., Baars, H., Bange, J., and Lampert, A.: ALADINA – an unmanned research aircraft for observing vertical and horizontal distributions of ultrafine particles within the atmospheric boundary layer, <em>Atmos. </em><em>Meas. Tech</em>., 8, 1627-1639, <a href="https://doi.org/10.5194/amt-8-1627-2015" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5194/amt-8-1627-2015</a> , 2015.</p><p>Platis A., Altstädter B., Wehner B., Wildmann N., Lampert A., Hermann M., Birmilli W., and Bange J., 2016: An observational case study on the influence of atmospheric boundary-layer dynamics on new particle formation. Boundary-Layer Meteorol., 158, 67–92.</p><p>Wildmann N., Hofsäß M., Weimer F., Joos A., and Bange J., 2014a: MASC - A small Remotely Piloted Aircraft (RPA) for Wind Energy Research. Advances in Science and Research, 11, 55–61.</p><p><img alt 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style></p><p>Das unbemannte Flugzeug ALADINA vor dem Zeppelinberg bei Ny-Ålesund (Foto: Konrad Bärfuss, TU Braunschweig).</p><p><img alt 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style></p><p>Das unbemannte Flugzeug MASC während des Starts zu einem Messflug (Foto: Alexander Peuker, TU Braunschweig).</p><h4>&nbsp;</h4><h4>Pressemitteilung der TU Braunschweig</h4><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21442</guid><pubDate>Mon, 28 May 2018 10:05:42 +0200</pubDate><title>Elektrifizierendes Bettgeflüster von Messerfischen in freier Wildbahn belauscht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/elektrifizierendes-bettgefluester-von-messerfischen-in-freier-wildbahn-belauscht/</link><description>Messerfische kommunizieren mithilfe elektrischer Impulse – Neurobiologen haben das Kommunikationsverhalten zum ersten Mal in einer Langzeitbeobachtung außerhalb des Labors untersucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die nachtaktiven Messerfische nutzen elektrische Impulse, um sich zu orientieren und zu kommunizieren. Mithilfe eines eigens entwickelten Elektrodengitters haben Neurobiologen Interaktionen der scheuen Messerfische (Apteronotus leptorhynchus) erstmals in freier Wildbahn über einen längeren Zeitraum beobachtet. Im Urwald von Panama konnten sie insbesondere das Paarungsverhalten der Tiere dokumentieren. Bislang wurden die Tiere fast ausschließlich in Laboren untersucht; Professor Jan Benda und Dr. Jörg Henninger von der Arbeitsgruppe Neuroethologie haben die Fische gemeinsam mit Forschern der Humboldt Universität zu Berlin erstmals in ihrer natürlichen Umgebung und über einen längeren Zeitraum untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.</p><p><img alt="Jörg Henninger hat die elektrischen Signale der Messerfische mithilfe eines Elektrodengit-ters in einem Bach in Panama, aufgenommen. Foto: Jan Benda" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461765" data-htmlarea-zoom="true" height="199" src="fileadmin/_processed_/0/b/csm_18-05-28Panama2011-JoergRecording_39ec55f442.jpg" title="Jörg Henninger hat die elektrischen Signale der Messerfische mithilfe eines Elektrodengit-ters in einem Bach in Panama, aufgenommen. Foto: Jan Benda" width="300" style></p><h5>Jörg Henninger hat die elektrischen Signale der Messerfische mithilfe eines Elektrodengitters in einem Bach in Panama, aufgenommen. Foto: Jan Benda</h5><p>In den tropischen Gewässern Lateinamerikas sind die Messerfische zu Hause, kleine Verwandte des Zitteraals, die mit einem speziellen Organ schwache elektrische Entladungen produzieren. Mit Elektrorezeptoren, die auf der ganzen Hautoberfläche der Fische verteilt sind, können sie in tiefster Dunkelheit kleinste Veränderungen in der Umgebung wahrnehmen, z.B. Pflanzen, Steine, Beutetiere oder Artgenossen. Der sechste Sinn dient den Fischen aber auch zur Kommunikation untereinander.</p><p>Seit der Entdeckung dieses elektrischen Sinns in den 1950er Jahren wurden diese Fische sehr intensiv in Laboren untersucht. Insbesondere wurde an ihnen erforscht, wie Nervenzellen sensorische Information verarbeiten und diese dann in zielgerichtetes Verhalten umsetzen. Viele Gehirnstrukturen der Fische sind denen des Säugetiergehirns ähnlich. „Wenn wir deren Funktionsweise im Fisch verstehen, haben wir schon einiges über das Säugetiergehirn verstanden“, erklärt Jan Benda. Trotzdem sei so gut wie nichts über das natürliche Leben dieser Fische bekannt: „Sie sind nachtaktiv und halten sich tagsüber versteckt in Wurzelbärten oder zwischen Steinen. Zu sehen bekommt man sie nur sehr selten.“</p><p>Um das Verhalten der Fische im Freiland beobachten zu können, haben Professor Jan Benda und Jörg Henninger an der Universität Tübingen ein Elektrodengitter entwickelt, mit dem auf etwa vier Quadratmetern Fläche die elektrischen Aktivitäten aller sich dort befindlichen elektrischen Fische unbemerkt aufgezeichnet werden können. Im Zusammenarbeit mit Professor Rüdiger Krahe von der Humboldt Universität zu Berlin und Mitarbeitern des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama wurde das Elektrodengitter zum ersten Mal in einem kleinen Bach im Urwald von Panama eingesetzt.</p><p>Jörg Henninger hat in seiner Doktorarbeit die einzelnen Fische anhand ihrer elektrischen Felder identifiziert, ihre Bewegungen rekonstruiert und ihre elektrischen Kommunikationssignale herausgefiltert. „Die Ergebnisse offenbaren eine aufregende und bisher völlig unbekannte Welt elektrischer Kommunikation“, erläutert Henninger seine Beobachtungen. Besonders beeindruckend seien viele Szenen von Balzverhalten. Ein Männchen versuche über mehrere Minuten mit hunderten sogenannter „Chirps“ ein Weibchen zur Ablage eines Eis zu überreden. Das Weibchen antworte schließlich und signalisiere die Eiablage mit einem besonders großen Chirp. Andere sich in der Nähe aufhaltende Männchen werden oft – aber nicht immer erfolgreich – von dem balzenden Männchen vertrieben.</p><p>Überraschenderweise sind die bei diesen Verhaltensweisen auftretenden elektrischen Signale so schwach, dass sie kaum die entsprechenden Elektrorezeptoren auf der Haut aktivieren können. In den bisherigen Studien an den Fischen wurde die neuronale Verarbeitung solcher relevanten Signale nicht untersucht. Künftige Untersuchungen müssen nun klären, mit welchen neuronalen Mechanismen diese schwachen Signale detektiert werden. Diese Forschung kann grundlegende Mechanismen aufdecken, wie es gelingt, schwache und mehrdeutige Signale zu detektieren und klassifizieren. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie wichtig das Wissen über natürliche Sinnesreize ist, um die Funktionen und Funktionsweisen des Gehirns zu verstehen“, betont Henninger.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jörg Henninger, Rüdiger Krahe, Frank Kirschbaum, Jan Grewe, Jan Benda: Statistics of natural communication signals observed in the wild identify important yet neglected stimulus regimes in weakly electric fish. Journal of Neuroscience. 7 May 2018, 0350-18.<br> DOI: doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0350-18.2018</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Jan Benda<br> Universität Tübingen<br> Institut für Neurobiologie, Abteilung Neuroethologie<br> Telefon: +49 7071 29 74573<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lcp0dgpfcBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">jan.benda<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21358</guid><pubDate>Fri, 25 May 2018 17:01:57 +0200</pubDate><title>Cyber Valley zieht Forschungsgruppenleiter aus aller Welt an </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/cyber-valley-zieht-forschungsgruppenleiter-aus-aller-welt-an/</link><description>Forschungskooperation auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz nimmt Fahrt auf</description><content:encoded><![CDATA[<p>Stuttgart/Tübingen – Das Cyber Valley wächst um zehn neue Forschungsgruppen, die an der Weltspitze der Forschung im Bereich künstliche Intelligenz stehen. Die Gruppen erhalten eine umfangreiche wissenschaftliche Ausstattung und werden von jungen Spitzenforschern geleitet, die in einem hoch selektiven Auswahlverfahren aus aller Welt rekrutiert wurden. "Die Wissenschaftler kommen von den besten Universitäten und Forschungseinrichtungen der Welt, um ihre Forschung in der Region Stuttgart-Tübingen voranzutreiben", sagt Michael Black, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme und Sprecher des Cyber Valley.</p><h3>Region Stuttgart-Tübingen übernimmt führende Rolle in der KI-Forschung</h3><p>Auch Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer freut sich über die rasante Entwicklung des Cyber Valley. „Die Fortschritte in den Bereichen intelligente Systeme und maschinelles Lernen sind die treibende Kraft der Digitalisierung. Die Region Stuttgart-Tübingen ist nachweislich bereits heute <em>der</em> Hotspot bundesweit in Sachen künstliche Intelligenz. Wir unternehmen jede Anstrengung, damit Baden-Württemberg auch international eine Spitzenposition einnimmt. Mit dem Ausbau des Cyber Valley investiert das Land in eine international hochkompetitive Infrastruktur im Bereich der künstlichen Intelligenz, die auch auf die weitere Anbindung von grenzüberschreitenden Kooperationen ausgerichtet ist. Damit werden wir konkurrenzfähige neuartige Anwendungen, innovative Produkte und digitale Dienstleistungen entwickeln und unsere Wirtschaftskraft im Digitalisierungsprozess sichern“, betont Bauer.</p><p>„Spitzenforscherinnen und -forscher im Bereich künstliche Intelligenz sind aktuell die meist umkämpften Köpfe weltweit und diese Spitzenkräfte wollen mit den Besten zusammenarbeiten“, so Black weiter. „Unser Erfolg beim Cyber Valley macht deutlich, dass die Region Stuttgart-Tübingen führend in der KI-Forschung ist. Durch die Dynamik, die das Cyber Valley angestoßen hat, ist dies der Ort, an dem Spitzenforschung in der KI eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung entfalten kann.“ Cyber Valley bringe alle an einen Tisch: Wirtschaft, Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie die Landesregierung. „Die Aufmerksamkeit, die Cyber Valley aus der ganzen Welt bekommt, hilft uns, die besten Talente in diesem Bereich zu gewinnen und hier zu halten.“</p><p>„Das Cyber Valley findet national und international zunehmend Beachtung“, stimmt der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, zu. „Dies macht der akademische Background der neuen Forschungsgruppenleiter mehr als deutlich. Die Tatsache, dass es gelungen ist, hervorragende Forscherinnen und Forscher aus Harvard, Berkeley, von der ETH Zürich, der Columbia University oder dem Baylor College of Medicine nach Stuttgart und Tübingen zu holen, unterstreicht eindrucksvoll, dass das Projekt Cyber Valley entschlossen ist, in die Weltspitze der KI-Forschung vorzustoßen.“</p><p>Die insgesamt zehn unabhängigen Forschungsgruppen unter dem Cyber Valley Dach verteilen sich mit fünf Gruppen zum größten Teil auf das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) mit seinen beiden Standorten Stuttgart und Tübingen. Drei weitere Forschungsgruppen sind an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und zwei an der Universität Stuttgart angesiedelt. Die Forschungsgruppen an der Universität Stuttgart werden im Laufe des Jahres ausgeschrieben.</p><p>Sebastian Trimpe ist der erste der Cyber Valley Gruppenleiter, der seine Forschungsarbeit aufgenommen hat. Seit dem 1. Februar leitet der 36-jährige Ingenieurwissenschaftler, der an der ETH Zürich promovierte, die zehnköpfige Cyber Valley Forschungsgruppe „Intelligent Control Systems“, die am Stuttgarter Standort des MPI-IS ansässig ist. Trimpe wird in seiner Arbeit der Frage nachgehen, wie Maschinen selbstständig aus Daten lernen können und dabei zuverlässig, sicher und effizient agieren. „Mein Team und ich wollen die Grundprinzipien verstehen und Algorithmen entwickeln, die es intelligenten künstlichen Systemen ermöglichen, sich eigenständig in der physischen Welt zurecht zu finden.”</p><p>Ardian Jusufi und seine Forschungsgruppe „Biorobotic Locomotion &amp; Morphological Intelligence" sind ebenfalls am MPI-IS in Stuttgart angesiedelt. Der 33-Jährige promovierte an der University of California in Berkeley. Nach seinem Abschluss wechselte er nach Cambridge und an die Harvard University, wo er als Postdoc im Bereich interdisziplinäre Bewegungswissenschaften, Soft Robotik, sowie Bionik forschte. Zuletzt war er Assistant Professor an der University of Technology in Sydney, Australien.</p><p>Hinzu kommt Jörg Stückler, der von der Technischen Universität München ans Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen wechselte. Er nennt seine Gruppe „Embodied Vision“. Stückler hat sich zum Ziel gesetzt, autonome intelligente Systeme zu entwickeln, die selbständig ihre Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeiten durch ihre Interaktion mit der Umgebung erlernen und verbessern können.</p><p>Zum 1. Juli stoßen Caterina De Bacco und Falk Lieder hinzu. De Bacco forscht momentan als Postdoc am Data Science Institute der Columbia University und Falk Lieder an der University of California, Berkeley im Bereich „Rationality Enhancement“. Während sich die Forschung von De Bacco auf die Optimierung von Datennetzwerken durch die Entwicklung von Algorithmen konzentriert, die von Prinzipien der Statistischen Physik abgeleitet sind, konzentriert sich Lieder darauf, wie Menschen denken, entscheiden und sich effektiv Ziele setzen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse überträgt er auf intelligente Systeme, die Menschen dabei unterstützen sollen, bessere Entscheidungen zu treffen.</p><p>An der Universität Tübingen verleiht Mijung Park dem Cyber Valley Forschungsverbund als erste Gruppenleiterin ein Gesicht. Park war zuletzt in der MPI-IS-Abteilung für Empirische Inferenz tätig. Schon dort konzentrierte sie sich auf die Entwicklung maschineller Lernalgorithmen, welche den Schutz der Lerndaten sicherstellen, das sogenannte „Privacy Preserving Machine Learning“. Diese Forschung wird sie unter dem Cyber Valley Dach fortsetzen. Ihr werden im Sommer Gabriele Schweikert und im Herbst Fabian Sinz folgen.</p><p>„Ich freue mich über die Aussicht, in dem äußerst dynamischen Umfeld der Tübinger Artificial Intelligence Community eine Gruppe zu gründen“, sagt Schweikert, die in ihrer Forschung maschinelle Lernmethoden nutzt, um molekulare Prozesse in lebenden Zellen besser verstehen zu können. „Ich liebe das interdisziplinäre und abwechslungsreiche Angebot. Die Kombination aus erfahrenen Forschern und hervorragend etablierten Gruppen mit umfangreicher Expertise im Bereich maschinelles Lernen einerseits und neuen, jungen und enthusiastischen Gruppenleitern andererseits ist sehr spannend.“</p><h3>Forschung eng verzahnt mit der Königsklasse der Industrie</h3><p>Das Cyber Valley ist eine der größten Forschungskooperationen Europas aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Gefördert durch das Land Baden-Württemberg entstehen mit Cyber Valley neue Forschungsgruppen sowie Universitätslehrstühle auf den Gebieten Maschinelles Lernen, Robotik und Computer Vision. Neben den zunächst zehn Forschungsgruppen entstehen zehn neue Universitätslehrstühle an den Universitäten Stuttgart und Tübingen. Auch eine neue Doktorandenschule, die International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS), ist dem Cyber Valley angeschlossen. An dem Forschungsverbund beteiligt sind die Max-Planck-Gesellschaft, die beiden Universitäten Stuttgart und Tübingen, das Land Baden-Württemberg sowie die Unternehmen Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG.</p><p>Cyber Valley hat sich bereits einen Namen gemacht als Hotspot der Forschung im Bereich künstliche Intelligenz, Computer Vision und Robotik. Laut dem aktuellen Jahresgutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), kommt man beim Thema künstliche Intelligenz an Stuttgart und Tübingen nicht vorbei. Die KI-Forschung in Deutschland konzentriere sich auf wenige Standorte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, heißt es in dem Gutachten. 23,8 Prozent – also rund ein Viertel der im Zeitraum 2007 bis 2016 betrachteten Proceedings-Beiträge, kämen aus dem Raum Tübingen/Stuttgart. Damit nimmt die Region mit Abstand den Spitzenrang für KI-Forschung in Deutschland ein.</p><h3>Ideen raus aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft und zur Anwendung</h3><p>Die Cyber Valley Initiative ermöglicht den Austausch zwischen Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und den Universitäten und der mehr anwendungsbezogenen Forschung in den Partnerunternehmen. „Cyber Valley ist ein langfristiges Projekt, das einen Pool gut ausgebildeter Talente im Bereich Forschung und Anwendungen in der KI zusammenbringt. Die nächste wichtige Phase ist es, eine Startup-Kultur rund um künstliche Intelligenz gedeihen zu lassen“, sagt Michael Black. Spitzenforschung verbunden mit Unternehmergeist, um einen Nährboden für Start-ups zu schaffen – das sei das erklärte Ziel von Cyber Valley, so Black.</p><p>„Viele der Forschungsgruppenleiter haben bereits zusammen mit Industriepartnern geforscht“, erklärt Cyber Valley Koordinatorin Tamara Almeyda. „Das, was eine Zukunftsvision war, nämlich gemeinsame Grundlagenforschung zu betreiben, das nimmt jetzt Form an. Wir wollen die Grenzen aufbrechen zwischen Industrieforschung und von Neugier getriebener Grundlagenforschung und einen regen Austausch ermöglichen. In vielen anderen Forschungsbereichen ist die Grundlagenforschung teils Jahre entfernt von einer möglichen Anwendung. Durch die Geschwindigkeit, mit der die Forschung im Bereich künstliche Intelligenz gerade voranschreitet, beschleunigt sich dieser Prozess teilweise enorm.“ Geplant seien neue Formate, um die Forscher aus Industrie und Forschungseinrichtungen zusammenzubringen. „Wo sind die Anknüpfungspunkte der Gruppenleiter mit den Forschern unserer Industriepartner? Um das herauszufinden, wollen wir Plattformen schaffen, um gegenseitigen Austausch zu fördern. Diese Art Forschungskooperation im Bereich der Grundlagenforschung wollen wir mit Cyber Valley zu einem erfolgreichen Modell machen“, so Almeyda.</p><h3>Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme</h3><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461676" data-htmlarea-zoom="true" height="100" src="fileadmin/_processed_/4/8/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Sebastian_Trimpe_d48eb6ddc8.jpg" width="100" style>Dr. Sebastian Trimpe</strong> ist seit Ende 2013 am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, zunächst als Wissenschaftler, später als Gruppenleiter in der Abteilung für Autonome Motorik in Tübingen. Seit dem 1. Februar 2018 ist er am Standort Stuttgart Leiter der ersten unabhängigen Forschungsgruppe im Rahmen der Cyber Valley Initiative. „Intelligent Control Systems“ hat er seine zehnköpfige Gruppe getauft. Trimpe wird in seiner Arbeit der Frage nachgehen, wie Maschinen selbstständig aus Daten lernen können, und dabei zuverlässig, sicher und effizient agieren. Sein Team und er wollen die Grundprinzipien verstehen und Algorithmen entwickeln, die es intelligenten künstlichen Systemen ermöglichen, sich eigenständig in der physischen Welt zurecht zu finden. Neben der Forschung am Max-Planck-Institut ist Trimpe auch in Forschung und Lehre an der Universität Stuttgart aktiv.</p><p>Vor seiner Zeit am Max-Planck-Institut hat Trimpe 2013 an der ETH Zürich im Bereich dynamische Systeme und Regelungstechnik bei Prof. Raffaello D’Andrea promoviert. Davor hat er an der TU Hamburg einen Bachelor in Allgemeine Ingenieurwissenschaften (2005), ein Diplom in Elektrotechnik (2007) und einen MBA in Technologiemanagement (2007) abgeschlossen. Den Großteil seines letzten Studienjahres hat er dabei an der University of California, Berkeley, geforscht.</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461679" data-htmlarea-zoom="true" height="99" src="fileadmin/_processed_/1/c/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Ardian_Jusufi_00758d39d1.jpg" width="100" style>Dr. Ardian Jusufi</strong> ordnet seine Forschung sowohl dem Fachgebiet der Ingenieurswissenschaften als auch der Biologie zu. Er nennt seine Forschungsgruppe „Biorobotic Locomotion &amp; Morphological Intelligence“. Dort stellt er biegsame Aktuatoren her und integriert diese mit weichen Sensoren aus hyperelastischen Silikonelastomeren (die flüssiges Metall enthalten). Durch deren Eingliederung werden neue Fähigkeiten bei Schwimm- sowie Kletterrobotern ermöglicht, um deren Fähigkeiten bei der Überwindung von Hindernissen zu steigern. „Der größte Unterschied zwischen biologischen Systemen und künstlich erschaffener Technologie liegt einerseits in der Robustheit, und andererseits in der Zähheit von Bauteilen, die in der Natur vorwiegend flexibel und dehnbar sind“, erklärt Jusufi. Im Gegensatz zu konventionellen Robotern sei der Bewegungsapparat von Tieren in der Lage, mehrere dynamische Störungen in komplexem Terrain auszugleichen. Bewegungsnatürliche Roboter werden auch für die Grundlagenforschung immer wichtiger, wo sie zu neuen Entdeckungen in der experimentellen Biologie führen können. In diesem Sinne kombiniert die neue Gruppe vergleichende Bewegungswissenschaften mit experimenteller Robotik und Smart Materials.</p><p>Ardian Jusufi promovierte an der University of California in Berkeley, USA, bei Prof. Bob Full, wo er am CiBER Center an interdisziplinären Bewegungswissenschaften und bioinspirierter Robotik arbeitete. Nach seinem Abschluss ging er an die Cambridge University, UK, für eine Postdoc-Stelle am Queens' College. Jusufi wechselte dann an die Harvard University, USA, für eine zweite Postdoc-Stelle in Prof. Rob Woods Harvard Microrobotics Lab am Wyss Institute for Biologically-Inspired Engineering. Anschließend war er Assistant Professor an der University of Technology in Sydney, Australien. Seit 1. März 2018 ist Jusufi Cyber Valley Forschungsgruppenleiter am MPI-IS in Stuttgart.</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461674" data-htmlarea-zoom="true" height="109" src="fileadmin/_processed_/7/f/csm_18-05-25_Cyber_Valley_J%C3%B6rg_St%C3%BCckler_7ea8c40382.jpg" width="100" style>Dr. Jörg Stückler</strong> ist seit dem 1. April 2018 Cyber Valley Forschungsgruppenleiter am Tübinger Standort des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. „Embodied Vision“ heißt seine Gruppe. Er hat sich zum Ziel gesetzt, autonome intelligente Systeme zu entwickeln, die selbständig ihre Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeiten durch Interaktion mit der Umgebung erlernen und verbessern können. Ein Hauptfokus seiner Forschung sind dabei lernbasierte Ansätze zur Bild- und Sensordatenanalyse. Stückler entwickelt Methoden, mit denen Roboter aktiv aus Sensordaten ein Verständnis ihrer dynamischen Umgebung erlangen und dies für komplexe Aufgaben wie z.B. Objekthandhabung oder autonome Navigation einsetzen können. Neben Bilddaten setzt er auch andere Sensoren wie z.B. taktile Sensoren für den künstlichen Tastsinn beim Greifen oder inertiale Sensoren vergleichbar dem menschlichen Gleichgewichtssinn ein.</p><p>Nach seinem Informatikstudium an der Universität Freiburg promovierte Stückler an der Universität Bonn in den Bereichen Robotik und Computer Vision. Während seiner Promotion forschte er an Robotiksystemen wie z.B. Haushaltsrobotern und entwickelte Methoden zu bildbasierter 3D-Wahrnehmung. Seine Zeit als Postdoc begann er 2014 an der Technischen Universität München (TUM) am heutigen Lehrstuhl für Bildverarbeitung und Künstliche Intelligenz. Dort forschte er an Methoden zur visuellen 3D-Szenenrekonstruktion, insbesondere an Verfahren zur visuellen Lokalisierung und Kartierung mit visuellen und inertialen Sensoren. Diese wurden unter anderem auch für die visuelle Navigation von Drohnen entwickelt. Nach einem Jahr an der TUM wechselte er in die Computer Vision Gruppe an der RWTH Aachen. Dort setzte er seine Forschung zum visuellen Szenenverständnis und zur 3D-Rekonstruktion für intelligente Systeme fort und untersuchte auch den Einsatz von Deep Learning Verfahren in diesen Bereichen. Im vergangenen Wintersemester war er Vertretungsprofessor am Lehrstuhl für Bildverarbeitung und Künstliche Intelligenz an der TUM und freut sich nun auf die neue Herausforderung, eine Cyber Valley Forschungsgruppe zu leiten.</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461667" data-htmlarea-zoom="true" height="150" src="fileadmin/_processed_/4/6/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Caterina_De_Bacco_719b4f4a84.jpg" width="100" style>Dr. Caterina De Bacco</strong> wird zum 1. Juli 2018 ihre Arbeit als Cyber Valley Forschungsgruppenleiterin am MPI-IS in Tübingen beginnen. Sie nennt ihre Gruppe „Interdisciplinary Physics for Inference and Optimization Group”, auf Deutsch so viel wie „Interdisziplinäre Physik für Inferenz und Optimierung“. Ihre Forschung basiert auf zwei Pfeilern: Erstens auf der Entwicklung theoretischer Modelle der Inferenz und Optimierung interagierender Systeme mit Methoden und Ideen aus der statistischen Physik. Zweitens fokussiert sich De Bacco auf anwendungsorientierte und interdisziplinäre Probleme, die die Zusammenarbeit mit Experten anderer Disziplinen, insbesondere der Sozialwissenschaften, betreffen.</p><p>De Bacco hat einen Master-Abschluss in Theoretischer Physik von der Universität Padua in Italien. Anschließend erwarb sie ihren Doktortitel in Statistischer Physik an der Université Paris-Sud. Danach forschte sie als Postdoc am Santa Fe Institute in New Mexiko, USA. Derzeit ist De Bacco Postdoc am Data Science Institute der Columbia University in New York.</p><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461678" data-htmlarea-zoom="true" height="90" src="fileadmin/_processed_/f/c/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Falk_Lieder_5ff6dd7e4a.jpg" width="112" style>Auch<strong> Dr. Falk Lieder</strong> wird zum 1. Juli 2018 ans Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen wechseln. Er nennt seine Cyber Valley Forschungsgruppe „Rationality Enhancement Group“. Seine Forschung konzentriert sich darauf, wie Menschen denken, sich entscheiden, wie sie sich effektiv Ziele setzen, produktiv sind und ihre Ziele erreichen. Um die zugrunde liegenden kognitiven Mechanismen bei diesen Denkprozessen aufzudecken, baut er Computermodelle und testet sie in Verhaltensexperimenten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse überträgt er auf intelligente Systeme, die Menschen dabei unterstützen sollen, bessere Entscheidungen zu treffen – eine Art „augmented cognition“ oder erweiterte Wahrnehmung für eine effektivere Zielsetzung und -erreichung. Mit seiner Forschung hofft er, die wissenschaftlichen Grundlagen für Technologien zu schaffen, die die menschliche Leistungsfähigkeit und Produktivität erheblich verbessern können.</p><p>Lieder promovierte im Mai 2018 in Tom Griffiths Computational Cognitive Science Lab an der University of California, Berkeley. Zuvor arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Klaas Stephans Translational Neuromodeling Unit, erwarb einen Master-Abschluss in Neuronalen Systemen und Informatik an der ETH Zürich und absolvierte zwei gleichzeitige Bachelor-Abschlüsse in Kognitionswissenschaften und Mathematik/Informatik an der Universität Osnabrück.</p><h3>Universität Tübingen</h3><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461677" data-htmlarea-zoom="true" height="133" src="fileadmin/_processed_/7/1/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Mijung_Park_2594b5206e.jpg" width="100" style>Dr. Mijung Park</strong> ist seit Mitte April zu gleichen Teilen als Forschungsgruppenleiterin an der Universität Tübingen und am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme tätig. Am Max-Planck-Institut forscht sie in der Abteilung für Empirische Inferenz von Professor Bernhard Schölkopf. „Privacy-preserving machine learning“ nennt Park ihre Gruppe an der Universität. Sie entwickelt Algorithmen zur Wahrung der Privatsphäre, wenn große Datensätze eigenständig zu statistischen Schlussfolgerungen kommen. Ihr Ziel ist es, herausfordernde statistische Probleme im Bereich des maschinellen Lernens und des Datenschutzes zu lösen.</p><p>Mijung Park promovierte 2013 an der University of Texas in Austin. Zwischen 2014 und 2015 war sie Postdoc am University College London. 2016 bis 2017 forschte sie als Postdoc an der Universität von Amsterdam und kam anschließend nach Tübingen.</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461665" data-htmlarea-zoom="true" height="150" src="fileadmin/_processed_/8/6/csm_18-05-25__Cyber_Valley_Gabriele_Schweikert_6f8f8739fa.jpg" width="100" style>Dr. Gabriele Schweikert</strong> kommt im Sommer von der University of Edinburgh nach Tübingen. Sie nutzt Machine Learning Methoden, um wichtige molekulare Prozesse in lebenden Zellen besser verstehen zu können. Sie hat dabei besonderes Interesse an epigenetischen Mechanismen: wenn alle Zellen in einem Körper denselben genetischen Code besitzen, was macht dann eine Leberzelle zu einer Leberzelle oder das weiße Blutkörperchen zu was es ist? Epigenetische Prozesse zu verstehen ist für medizinische Anwendungen immens vielversprechend. Beispielsweise werden Fehlfunktionen der epigenetischen Mechanismen zunehmend als Mitauslöser der Entstehung von Tumoren erkannt, z.B. bei Leukämie. Indem Schweikert an der Entwicklung maschineller Lerntechniken für die computergestützte Genfindung arbeitet, möchte sie diese Wissenschaft weiter vorantreiben. Schweikert hat deshalb ihrer Cyber Valley Forschungsgruppe den Namen „Computational Epigenomics“ verliehen.</p><p><strong><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="461680" height="90" src="fileadmin/_processed_/9/a/csm_18-05-25_Cyber_Valley_Fabian_Sinz_0b4782bbe7.jpg" width="135" style>Dr. Fabian Sinz</strong> wird ab Herbst die Gruppe „Neuronal Intelligence“ an der Universität Tübingen leiten. Dort wird er sich mit neuronalen Schaltkreisen im Gehirn beschäftigen – den Bausteinen intelligenter Systeme. Ein zentrales Ziel seiner KI-Forschung ist es, intelligente Systeme zu entwickeln, die so vielseitig sowie lern- und leistungsfähig sind wie Säugetiergehirne. Denn bis heute wissen Forscher nur wenig darüber, wie Berechnungen in neuronalen Schaltkreisen zu biologischer Intelligenz führen. Seine Gruppe verwendet daher große Mengen neurophysiologischer und -anatomischer Daten, um die Grundlagen neuronaler Intelligenz besser verstehen und die Kluft zwischen KI-Forschung und Neurowissenschaften verringern zu können. Sinz lässt sich dabei von der Idee inspirieren, dass ein tieferes Verständnis von Mustern in kortikalen Schaltkreisen helfen kann, die nächste Generation intelligenter Systeme zu entwickeln.</p><p>Fabian Sinz hat Bioinformatik und Philosophie in Tübingen studiert und mit Bernhard Schölkopf und Carl Rasmussen am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und mit Vladimir Vapnik und Jason Weston bei NEC Research in Princeton zusammengearbeitet. Seine Doktorarbeit hat er bei Matthias Bethge am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik geschrieben. Gegen Ende seiner Doktorarbeit beschloss Sinz, dass er in der Lage sein wollte, seine eigenen neurophysiologischen Daten aufzunehmen. Er ging deshalb zunächst für ein Praktikum einige Monate in die Gruppe von Gilles Laurent am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt, wo er an Schildkröten forschte. Seinen ersten Postdoc machte er im Labor von Jan Benda, wo er an dem elektrosensorischen System schwach elektrischer Fische gearbeitet hat. Für seinen zweiten Postdoc wechselte er in das Labor von Andreas Tolias am Baylor College of Medicine (BCM) in Houston, wo er aktuell am visuellen System von Mäusen forscht und vor kurzem zum Research Assistant Professor befördert wurde.</p><p><a href="http://www.cyber-valley.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.cyber-valley.de</a></p><h3>Pressekontakte:</h3><p><strong>Tamara Almeyda </strong></p><p>Cyber Valley Koordinatorin</p><p>Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,eqpvcevBeadgt/xcnnga0fg" data-mailto-vector="2">contact<span style="display:none">spam prevention</span>@cyber-valley.de</a></p><p><strong>Linda Behringer</strong></p><p>Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br> Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart<br> T: +49 711 689 3552</p><p>M: +49 151 2300 1111</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,nkpfc0dgjtkpigtBku0ori0fg" data-mailto-vector="2">linda.behringer<span style="display:none">spam prevention</span>@is.mpg.de</a></p><p><strong>Dr. Karl G. Rijkhoek</strong></p><p>Eberhard Karls Universität Tübingen</p><p>Leiter Stabsstelle Hochschulkommunikation</p><p>T: +49 7071 29 76788</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CyberValley-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-21165</guid><pubDate>Thu, 17 May 2018 15:41:21 +0200</pubDate><title>Neu entdecktes Protein arbeitete schon in den allerersten Organismen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-entdecktes-protein-arbeitete-schon-in-den-allerersten-organismen/</link><description>Wissenschaftler stoßen auf neuen Baustein eines Zellprozesses: Das cAMP Rezeptor Protein SbtB kontrolliert den Kohlendioxid-Stoffwechsel in Cyanobakterien </description><content:encoded><![CDATA[<p>Leben auf der Erde wird erst durch die sogenannte CO<sub>2 </sub>Fixierung während der Photosynthese möglich: Pflanzen nehmen Kohlenstoffdioxid auf und verwandeln es in organische Moleküle wie z.B. Glucose. Dieser Prozess entstand vor über 2,7 Milliarden Jahren in der Organismengruppe der Cyanobakterien, die diese Fähigkeit später auf das Reich der Algen und Pflanzen ausdehnten. Wissenschaftler haben nun ein neues Protein entdeckt, das an diesem komplexen Vorgang beteiligt ist, indem es die Aufnahme von CO<sub>2 </sub>in die Zelle kontrolliert. Khaled Selim und Professor Karl Forchhammer vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin (IMIT) der Universität Tübingen beschreiben das Protein SbtB zusammen mit Kollegen des Tübinger Max-Planck Instituts für Proteinevolution und Forschern der Universität Rostock erstmals im Fachmagazin <em>Proceedings of the National Academy of Sciences</em> (PNAS).</p><p>Das nun identifizierte Protein SbtB ist an der Wahrnehmung von unterschiedlicher Versorgung mit Kohlenstoffdioxid beteiligt und ermöglicht Cyanobakterien, sich an verschiedene Lebensräume anzupassen. SbtB gehört zu einer Familie an Signalproteinen, die den „Pegelstand“ der Moleküle ATP (Adenosintriphosphat) und ADP (Adenosindiphosphat) messen, die als Energiespeicher einer Zelle dienen. Das neue Protein bindet sich aber auch an das Nukleotid cAMP, das nicht am Energiestoffwechsel beteiligt ist. Bisher kannte man cAMP nur als einen zentralen Botenstoff des Glucose-Stoffwechsels, beispielsweise bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels.</p><p>Mit SbtB wurde nun ein Protein entdeckt, das den Botenstoff cAMP nutzt, um damit den CO<sub>2-</sub>Haushalt von Cyanobakterien zu regulieren. Die Wissenschaftler sind damit auf eine neue Form einer cAMP Signalkaskade gestoßen, der Übermittlung von Signalen in einem Zellprozess. Da Cyanobakterien  zu den ältesten Organismengruppen der Erde gehören, kann dies als Hinweis gelten, dass cAMP schon in den allerersten Organismen eine zentrale Rolle in der Regulierung des Kohlenstoff-Stoffwechsels hatte.</p><p><img alt="Lichtmikroskopische Aufnahme von Zellen des Cyanobakteriums Synechocystis sp. PCC6803. Foto: Khaled Selim" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="460214" data-htmlarea-zoom="true" height="305" src="fileadmin/_processed_/f/1/csm_18-05-17Cyanobakterium_Synechocystis_70b19d8d77.png" title="Lichtmikroskopische Aufnahme von Zellen des Cyanobakteriums Synechocystis sp. PCC6803. Foto: Khaled Selim" width="300" style></p><p>Lichtmikroskopische Aufnahme von Zellen des Cyanobakteriums Synechocystis sp. PCC6803. Foto: Khaled Selim<br></p><p><img alt="Die Strukturen eines Signalproteins (rot) überlagern sich mit dem neu entdeckten cAMP Sensor SbtB (blau), der Pfeil deutet die Nukleotid-Bindetasche an. Abbildung: Khaled Selim" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="460217" data-htmlarea-zoom="true" height="146" src="fileadmin/_processed_/4/a/csm_18-05-17Abbildung_Zellprozess_4bd593a2df.png" title="Die Strukturen eines Signalproteins (rot) überlagern sich mit dem neu entdeckten cAMP Sensor SbtB (blau), der Pfeil deutet die Nukleotid-Bindetasche an. Abbildung: Khaled Selim" width="300" style></p><p>Die Strukturen eines Signalproteins (rot) überlagern sich mit dem neu entdeckten cAMP Sensor SbtB (blau), der Pfeil deutet die Nukleotid-Bindetasche an. Abbildung: Khaled Selim</p><h3>Publikation:</h3><p>Khaled A. Selim, Florian Haase, Marcus D. Hartmann, Martin Hagemann, and Karl Forchhammer. P<sub>II</sub>-like signaling protein SbtB links cAMP sensing with cyanobacterial inorganic carbon response. <em>Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), USA. </em><a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803790115" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.1803790115</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Karl Forchhammer<br> Universität Tübingen</p><p>Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin</p><p>Abteilung Organismische Interaktionen</p><p>Phone +49 7071 29-72096<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0hqtejjcoogtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.forchhammer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20937</guid><pubDate>Thu, 10 May 2018 20:00:00 +0200</pubDate><title>Ursprung der Lepra könnte in Europa liegen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ursprung-der-lepra-koennte-in-europa-liegen/</link><description>Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte sowie der Universitäten Tübingen und Zürich entdecken eine große genetische Diversität der Erreger im mittelalterlichen Europa</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten der Menschheitsgeschichte. Erkrankte waren und sind starker Stigmatisierung ausgesetzt. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte sowie der Universitäten Tübingen und Zürich hat zehn historische Genome des Lepra verursachenden Bakteriums <em>Mycobacterium leprae</em> rekonstruiert, die aus Proben aus dem Zeitraum von 400 bis 1400 Jahren n. Chr. stammen. Das bisher älteste sequenzierte Genom stammt von einem der ältesten bekannten Leprafälle im Vereinigten Königreich, aus Great Chesterford in England, und konnte auf den Zeitraum von 415 bis 545 n. Chr. datiert werden. Anders als bisher angenommen, waren im Mittelalter in Europa nicht nur zwei, sondern deutlich mehr Lepra-Bakterienstämme verbreitet. Den Forschern geben diese Ergebnisse neue Hinweise auf Geschichte und Ursprung der Krankheit. Ihre Studie wird im Fachjournal <em>PLOS Pathogens</em> veröffentlicht.</p><p>Lepra war in Europa bis ins 16. Jahrhundert weit verbreitet und ist bis heute in vielen Ländern der Welt endemisch. Weltweit werden jedes Jahr mehr als 200.000 Neuerkrankungen gemeldet. Hauptverursacher der Lepra ist das Bakterium <em>Mycobacterium leprae</em>. In der neuen Studie untersuchte das Forscherteam Proben von etwa 90 Individuen aus ganz Europa aus der Zeit von ca. 400 bis 1400 n. Chr., die die für Lepra charakteristischen Knochenverformungen aufwiesen. Aus diesen Proben wurden zehn mittelalterliche Genome rekonstruiert. Insgesamt umfassen die Genome alle bekannten Stämme der Lepra-Erreger, auch solche, die heute in Asien, Afrika oder Nord- und Südamerika auftreten. „Teilweise haben wir sehr verschiedene Lepra-Stämme aus Knochenmaterial vom selben Friedhof isoliert“, berichtet die Erstautorin der Studie Professorin Verena Schünemann, die kürzlich von der Universität Tübingen an die Universität Zürich wechselte. Dies demonstriere besonders gut die Vielfalt der Lepra-Stämme, die damals auf dem Kontinent kursierten.</p><p><strong>Das bisher älteste Genom eines Lepra-Erregers</strong></p><p>„Wir haben viel mehr genetische Diversität bei den Lepra-Erregern im alten Europa gefunden als erwartet“, fasst der Hauptautor der Studie Professor Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Forschungsgruppenleiter an der Universität Tübingen, die Ergebnisse zusammen. „Alle bekannten Lepra-Stämme traten bereits im mittelalterlichen Europa auf, was nahelegt, dass Lepra schon in der Antike in Asien und Europa weit verbreitet gewesen sein muss und dass die Krankheit ihren Ursprung im westlichen Eurasien haben könnte.“ Das älteste rekonstruierte Genom von <em>M. leprae</em> aus England gehört zum gleichen Lepra-Stamm, der in heute lebenden Eichhörnchen entdeckt wurde. „Das stützt die Hypothese, dass Eichhörnchen und der Handel mit ihren Fellen Faktoren bei der Ausbreitung der Lepra unter Menschen des Mittelalters in Europa darstellten“, sagt Krause.</p><p>„Die Dynamik der Übertragung der Lepra-Erreger in der Geschichte der Menschen ist nicht völlig geklärt. Auch ist noch unklar, woher genau die Lepra ursprünglich stammt“, sagt Schünemann. „Wir haben schriftliche Zeugnisse von Leprafällen aus der vorchristlichen Zeit, aber uns fehlen bisher die Proben, um dies auf der molekularen Ebene zu bestätigen.“ Die neuen Studienergebnisse führen zu der Einschätzung, dass Lepra-Bakterien schon viel länger existieren als gedacht. Sie seien mindestens einige Tausend Jahre alt. „Im nächsten Schritt wollen wir nach noch älteren Proben von durch Lepra deformierten Knochen suchen. Für die Identifizierung potenzieller Leprafälle stehen uns mittlerweile gut etablierte Methoden zur Verfügung“, sagt Krause.</p><h3>Publikation:</h3><p>Titel: Ancient genomes reveal a high diversity of Mycobacterium leprae in medieval Europe. Autorinnen und Autoren: Verena J. Schuenemann, Charlotte Avanzi, Ben Krause-Kyora, Alexander Seitz, Alexander Herbig, Sarah Inskip, Marion Bonazzi, Ella Reiter, Christian Urban, Dorthe Dangvard Pedersen, G. Michael Taylor, Pushpendra Singh, Graham R. Stewart, Petr Velemínský, Jakub Likovsky, Antónia Marcsik, Erika Molnár, György Pálfi, Valentina Mariotti, Alessandro Riga, M. Giovanna Belcastro, Jesper L. Boldsen, Almut Nebel, Simon Mays, Helen D. Donoghue, Sonia Zakrzewski, Andrej Benjak, Kay Nieselt, Stewart T. Cole, Johannes Krause. <em>PLOS Pathogens</em>, DOI 10.1371/journal.ppat.1006997.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td style="vertical-align:top; width:168.45pt"><p><img alt src="data:image/png;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQEAeAB4AAD/2wBDAAoHBwkHBgoJCAkLCwoMDxkQDw4ODx4WFxIZJCAmJSMgIyIoLTkwKCo2KyIjMkQyNjs9QEBAJjBGS0U+Sjk/QD3/2wBDAQsLCw8NDx0QEB09KSMpPT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT3/wAARCADjAP8DASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwDoRIacJyKgoHWsjQtLcH1p4uD61SzS7jSGXxcH1pwuD61Q3kUoc0wNAXHvThce9ZwkI704S0CNET+9KJ6zxJ70omxQFjQE56mlE/vVD7RkYzUU96luoJyzHoBSbsFrmuLjtQ12kYy7qo9ziuce+uJRlW8tPQdfzqjJ+8OWZznqWPas3VtsWqT6nUya9ZRHHm7j6IM1C3iWLAZIJGU9CSBXNoMOWXaw6A54NIVRSTlQfQH+lL2kivZo6RfEqscC2bPpvFSReJIJM5gmGODgA1zSJGyZ3hh1z2pyyeUCQ4we+KSqSB00dXHrljIOZtn++pFXEljmXdFIrj1U5riA7sD+8BB9eaSMSwsPKYqw5+U4q1VfUn2fY7lfll3du9SyDnPrXGRa5qEGFnBdf73cfWr0euPMoO4n68VammQ4tHQEgUhYetYo1Fj3pftx9aoRrlh600yD1rKF4x69KX7V70AaRkFNMgrP+00n2j3oA0fMHrTd49aofaKQz+9AF8uPWk3iqPn0ef70wKVKBzR3pakYmKAKCcUo4HvQAhFBpe9FAxDSjpRQeegoAQmms+0ZJwKhnuRH8q8v+gquN7sHlB/GspVEtEaRhfVk5nLvtjBOKVl2gbgTk9hSK3ygQja5/U1YMMkcBnbdvGD71ldy3L0RC0cmzKowUnhiRzSeYTbsDGM456Zoe8Mrhn5OSAAOAfQVFcAykDzmQY5wKYFaYkInUDPQDmnRRLJCCF5+vWnLtjxgDpje3v2qUgRIAWOVHBHNAiCeGMJG0UJj2ryAeKbF5TKBnaw55OKWQysp2EKp5JY5z+FRApk7yDkfex0+tIZOQOPK2nA6rxgVAuqiFl8wAg8cHkVXN22QjAEj0HNI5CDe6KSe/cGqXmJ6GlLeQToOpyOAOtPjtiwVWPlY46cmsJZDHna2G65NTpfy+bi5OAONx6CjRC1ZrB2iKo5Zic/MVxUomIqm0/y7nkAHCjv83b6ZoSd9+2WMo55PofpWikQ0XvtJIxR59Vtwo3VoSWhPS+fVTdTS9Ai75/vR5/vVLeaQuaALvn0n2mqJkNMMhp3A2M0Dk0gpQKQCY5p9JS0wExRinCloAaFzVW5uQN0cZ56E0t9diICNT8zdazWG/OD3z1rmq1NeVG1OHVjgrM5C4x2YnrVpRiNeQSPTvUMIGCFX6k054JCn7sEnOQT2rJGpo2Hy7iwGW5BHHAqpeXTTXOwMSAPu88U9XJtE+Y7ge5pEURuWIO4DIPQVoiCIERECEZGfmZzzzUbIHm28j1IHWp4MyEzybgAem3mnTOUAKjhj/CM0AUbnKwImCf7oHqKbCyxxoDjOedxII/xqzKgaQDZlD0ZhnB/oao3b21qoVUZph3JzjP8AnvVdCRLu6KxkwsRluD6VRgvXkHzEgc84yDQ4aUupYAZ4P1qrGGWYpn92DjOT81LQpXNKOUMiZwTkYOOVqcQid28/K8+vWs1JTDIVCqB2rRt3Eq5bO7tzSBoaGUg+ZGH2jhsc1VvGJhZVXI6hj/hV8j9wREwViDnPIJ/wrN1B3RIogNzhfm29KLCuXISstmiMcucdP51C166XCMrFic5B68elTafEZLNdzgEg8DoBWbIu9GdZA7o+36LinYSOgjuI5oQygMpG4EdcUoIPSszTp/LCeYfkxgg1dkUxz+Yp/d9/b8KtSsS4k+KQinkYNJitTMZikxUhppoAiNJin4yaQ0Aa2KdQBSnpTABS0gHFLQAU2aQQwtI3RRmn4zWbr0mywCZxuPPvipk7IpK7MeS7e6un2IGKkc57mr0UXyLg4LD86zbYfOir0A/eH1PpWtDKXXYw2gHgY6CuN2udOtiJAYT8pGw9NoOavhwUxkhgOhPSoZARG3yk1JDEwjAB4zyaEDCNUllJIYBegHTNErDd1LA/wg96siABc8AGqZwHzj936/0qrtE7lhX3RqiA7h1BPT2oyixEFzvAxyv+c1Va+EeFPBxgcfrTWucRgspI9OlNSBoivbhXJ2M5fHK4/T2rOEZdyPmUDoc8t6irtxcImUC5I521AMyZXnDDIOMnHtSlJjUUiusiuSu4eXkjAGecVGkQt2GMFR2B7daa+2wREPAzgFuakMbZDEgknkH+lSUIXiIkJU5A+X1JqTc6J1Xbjo39ajcDzAZGHBwBipN+E2njHQHpii4iiZpIAZCdobOCOxqrNemWLbI5DAZBA61NfzSOpiijwuMHJ4qjbRvPuThUK5yBjBHTNax1M2bCTyPpiQREAkbiR6f/AF6qohgBUghh2NNjZ4WxDkqAfvd+OaQy+ZJ5kgPbgnimxIu2zFmGc46HNX452AaJyW74HpVCwlHLYOSe/Spozvuzg5DZ/KkNmjDcLEscTEkFiAT29Ktheax2lG549vUAofX3rXgbzbdHPUqM1rB9DOSFIphqUimkYrQgjxxSbc1JilUUAaQoUZNJTgaAHHgU3OaDSgUhiZrP1dPNRF/yK0AMms/VCdrkEgggAioqbFQ3MuFPJVvUHJIq5AoK7gc5A6d6z7hlSMl1IRf4if1NNtNR2PsVGAA6MOv+NcjidKZtqgfOS30qVOMqjKNvryaryTRvFuVSWwCRVXzf3asDhmBGB3zVJEsttc5EgUFUXGN64BPrVGSU5Z2OVBx02gf/AFqivp5BGuQctwFB5z61lXRuTbuWYlsjEYIxijfcOhpLNBGR8u9umM5C4pst9Idqxqdzkkk8g1z0nmx7wrD5uQN1XFZm/gKEHBYtn/8AVVMEi80hR1Myg842nkD61Jeai1umIisjr/Cw5XPSs66mlicMuCTxjnpRLHMrxvMVy4zgHn8TSsBNJcC7RCSSWGAnbPqRUrgN5Xlu4fuCO30qhbSShyWRmY/MrZGPoBV2GSS5ckFtgABwOT/hVNWEPaIHDuCFzyCepqOZ1dOH2sMnPpVyZPLRVbjHc1RkiEaStuwGyQD3rLcvYybmRmURBsRg/MAOpqa0tTKqgNweBnqf/rUjwKHBxihnfAVcjjAA4rZbGbJXbbOQpBOO44/ziowmV6nk8Ci3IwV7+tTqVRsgZA4ApDLsMecMQRgbfQUscqxSMQRhQAaqJPIq+WOgwSaiScynyYk3TFs4XnP19qBWLpkZYkdQSgPy5HbNb9gQ9mhHQ5rAdZIbcxzldwGVwa2dDZm08K33lYitKe5E9i6RgUzFSkUmMCtjIZtpyrSqM808CgRaPNKBRinAUhiUuOKXFLimMQCqV4okbaPcmr7ERoWbgAZrk9Q1pYmZ1kAx2NY1exdPuSXkkcmY8g5wGB44qnNtgkbLZCnn5cjH+FZcuswPdwyiKXCElgHwHyOh9q0FuYdUVmt5CJGHKN/D+FZKPc1Y2WeVLneGZ4zklBjgfX8abFfxJuBfbnnceS3+NSMnkI0ez7ql42B4NMURNCqEIgYcv3NJDHxXLuweH94gbGGOB9OaHYMTvCsnoOMCpv3YtkAG51PQcZqjqF1EkRMTliOCelLcaK9zGrSMCeM8AColeUIUikByed/p+VU1maTcSQ30NWopliX5V3PV2sLc24ow6sqsJMKOWHU+1I1r51xKm11ZFDlip2t+PT8KwpNakgkypBb0B4FQnXbyUbXbIzng807CudPDYukfmhkAPTA4HrTrXTJ9zYYeXv6jjpWBb+K2gZUlhbA/hBrp7HxPp99tiwYWP8JwPw96OXuS3bYmktDKgDtg4wQDxWZf2rHywgO0Nhua1riZ4iu0BgT8zL6YrMmun3Yk2BWPCj/Goasxpme0flsc4wBxVV/mlOBkqMn2q1I4z8w5NVTjcRzj09apDYsEJZdx4z0z6etSMCANhweDmnO4jTax4P5mhdu09SRxjFAEUs/2aCSR8/d/E1Y0mMWSiRx+8dQWbr1qrDA092xkbiP7q9gcd/zq3NIZJwV+VewHejYHqT3G25lkAPKfdHr6itTw8++xc4IO/vWZbw8q7HJBycjpmtXRF2G5TnG4MPxq4fEZy2NIjNIwp+KQitzIFHApxOKaOlBoEXcZpwFO204LSGNxQBT8UYoAoa2XXRrlkzuC9vrXmE84ZiW5+bP1r12WFJonikGUcFWHtXj2s2UthqU1o6lRGxGRyCO2Kzmrs0gyFivG35eaYl1LbzeZGzBwchqq+btJR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style></p></td><td style="border-color:windowtext windowtext windowtext #000000; width:295.95pt"><p>Dieser Schädel weist Verformungen durch Lepra auf. Er stammt vom Friedhof St. Jørgen in Odense, Dänemark. Der Friedhof wurde 1270 eingerichtet und bis 1560 genutzt.</p><p>Foto: Dorthe Dangvard Pedersen</p></td></tr><tr><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext; vertical-align:top; width:168.45pt"><p><img alt src="data:image/png;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQEAeAB4AAD/2wBDAAoHBwkHBgoJCAkLCwoMDxkQDw4ODx4WFxIZJCAmJSMgIyIoLTkwKCo2KyIjMkQyNjs9QEBAJjBGS0U+Sjk/QD3/2wBDAQsLCw8NDx0QEB09KSMpPT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT3/wAARCADkAPADASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwDrQlLtqTbS7azLIttO2VIFpdtAyPbQEqXbShaQEJWjZU2yl2UAVylIUFWNlNKZoArlaaVqyY6PKoArbaNlWPLpPLpgQbaXZU/l0vlmgCvtpdlT+VS+V7UCK+ykK4q15RNKIaAKTDPApyxcVdEAHal8mgCqEpwSrHl+1L5dAFfZS7Kn2Uu2gCvtpdlTbaNlAEOyjbU2yk20ANCU7ZU4Sl8ugCuEpdlWPLpRHQBX2UuyrHl0ojoAr7Kr3U4g+VeWxz7VoMAiMx6AZrFb95cFmySayqS5dEaQjfcRdQfOCQfwpxuPMAOcZPal2xj5iwyD39aeVyDhc9+Kz5my+VGTqEerySo1pfRxoCcoycn0wavafd3exUvoiWP8aD+dWAgB+7z700LuJznnqQcU02tQaui0kkcjlFILDnFSeX7ViXshsttxFlXjOfqPQ10kDJdW8c0RBSRQwIrWErmUo2K4ipRFVryqXy6skq+VSiKrQjqC6uorTAcMzH+FRzQ7INwEVUrnUEikaKFfMkA65+UH3NTS38UttIqLKrMpA4rIisNirsUDbzuJ61lOb+yaRh3LqX0sq8Kisn3l65PpQuq7T++iCgfeZTn9KzrzRp9RWSOa6ZYmYZSMbQR6E9ayY/DmpaaipY6grRrIWMcgJJUn7oY5x6VKm+pTgjt1CugdTlWGQaNntWP4a1qG9LWQ4kjZgQSMqQeVxW+UrZO6MWrMr7KNlT7KNlMCvso21Y2UmygCDZSbKsbKTZQIcEpdlTCOnbKBkASlCVOEpdlAEASnBKl20oWgDH8QXS2WnoT/AMtJAtY0FwsmNvUVv+JIUn0SVHUNkjGex9a86S8urW4eJl3ktwRxhf64rmq/EdFP4TqXjDMxLEAjBANSWtz5q8dAcdKzorh9+2QAN3I6GrHnCJco3H0rO5TNRyFQHPXjmoJWA5Vhn3rLGohlch3jVeWJ7CuU8Q65Jc3cVnp0zI7MjuT/AAjt+J/wqldiskdFqV55itCwx1wc9a1/Bd0zWVxCW3RxuCntkc/yrjZpChUygsNg+YdzXZeGrF9M07ZLgSSNvKj+HjgVpS+Iip8J0oYGnDFVEcmrCNXQYEGo3v2NI1QAyythc9h3NZZglLEufvHOTU+tPtvbfrgIxA9TmqUc74Oema5qkvesbwjoWRGQAAeenJpsoMULkEscHODjA9c01vn2/MR9KJWdUKlyHbo3p6VFyrFK3kkTS5HaGSBwFJ+bLMOvWrdtKLi1ikww3DOGHP41Vt7d4/NSZ1kWXnYM7V9hV3heAc45zTbEtDGaGHStbF6IwHmdWYdM44/lXcFQenQ1xesAy2yyJhXRtw9q3tF1oapajcuyZBhlz19x7VpSfQioupqbaMU3zM0u6tjIMUYpaKAG4pMU6igCfFLSZozQULRSZozQAtLTc0tICpq6o+lTrISBjIwcc9q86ur+xjmZZriNWJ4BYAj/AOtXc+I7hY7SNN2HLbgo7gCvKvE2lS3gZ47VJUwfnxkg+hrnqayN6fwnUpbS3KtKMKuAQ6Hr9KdcWlxEgaRlEa9cmoZY3stJgis0CLHGoj/2eOmP61St9QvLgtEzjcMZMoBUg9OaixRb+ztbTgyMAuNoHUen+Fc5Hps9hqkkl4gPmSM0ZGPnA+4oHoMfhXRwXc64juo/lGf3gXKg9c1BfapCw/0eFpeGETBB75x3HSqV0JmVqs8dqqu7bhEoyAeCfQegrv8ATbtL+0iuYc7JFyAe3tXmerW+5LiEK0s8ajGRlTzn8+K7/wALobXw7YxP98RAnjHXmtKWhFTY346sIcGqazCpVlrcxMbxNei1v4MngwNxn3rm/wC1Ns6LGxRMHaBIRz6YPWtjxgsZltZpCNu1kORn3rmNP8mW13w3Ms7d3ZslfXAPTpXHUXvNnTT+FHSWurIxO5/mBIAHetASrMm0sM5zkGuZt7eW5kiZpJI0iBXyhwGzwCe+cVrWkQVxEVOfXGcccCoGzTYoFDbhuB6VUbUNpO1htB545Aps2YFyxyTyeO3vXN+IdRMdkqqphedtpxnIXqcH1xTSbdhdDQ1nVLdVEDTDfKR5ag5z/wDWo0K+a0vFcZcchxjtXDW6yy3MFxPvG1sqrHkD+Ee1dRpsqskjLIQTnnsav4RPU9NB704GsnQbgzaNbszbjgjce/NaQaulO6uc7VmTA07NRBqcDmmA6ikzSZoAmzRmmZozQMfmjNMzSZoAk3VS1nVBpOntcld2GC89Bnuas5rN1W7GGtXgWVHX5lbow9KiTshxV2cpfa1HMyzX0mXnJCqOBjsPpWBAt5LrEbWIkCPIDLlsqU79fY11BNuIfLRF2p8uPvYHoaqeVBaIGhUoZGyzgdgensPYVgdBUXWhG7q9tcTqzFBNkYBzjAHWle/iuD8kcZOQpYDPze4x/nFMFulushjDIzPu5XO3PXFVreSzsrZIY3YPnLMON/Uc/nRYLotTXfm481QYo/mwP4x2+XtWfcSDyY44ozNPN0GCNi+ozxU72ktzdq6lFAiAyo+YgdMHpU0un6oSSmoQSqBgLLAMgehINOxNymbRUiiEoZZQu4Bc9eg6fnXR6NcMtgql94ViAazZ7G6MKpFesJdoGBtUfiB0q1Zp9mt0izkqOSe57mqhuKextrcmpkuTWUkhqdZMc56VtcysUfFw+02cOCxZGJKjuPX88Vz+i2P2aAFpdwkJEiBuGOPU8ke1aV4811qfm5LWyxbdg9c9c/lUK7pVdXt/NgPWMrhs8EY9q55Su2bxjZG1aaaXYu58sMBnHp61etswRgyFfNYclemPrWZa39zJAxk3Rhm+QFcsV9x2H1qxLdJbQeaf9YTwo5JHTAFZ2sMkvzut5GjT94RxuNeUeJtanttRKNIss4Xaw6qg9BXpU13fTYESW8WegkYs344ryzX9BmbxHMixmLzP3j7jlQT12nuK2pJN6kTuloR6amq6nfoTubcCVG7C475ru9L0m5tYjJct5u7gBOgHtVLS2ttG0z7PH5ryOuF8sbmJq4NbFlLHb+XMsS9ZJ2+Yn8uaUpJ9AUWjutIjW102CFGLKq9TWgGrnfDV611aSEZMSyEIxGM1vK2RW0djGW5YVqeGqurU8GqETbqM1GDSg0AT0maM0maBi0UmaKAFrnNZuXnuVii4ZvlAHJwOtbV5dJaQM7NgnpXMQAs8l05OWzjP8IrKo+hpTXUxtVvDpV/Z20Mct1I+7ckYG72P07VbRdSa3Zp44EZj/qQdxA7c9M0zR7eK41O6v5SjXDJsRevlpnjPqTWlMy/Z5pJH27f4mXv2+tZ+RbZhyvdWLs27zd2FKN0x65qjDFtlZrmwc4bpGTt+pB7Vc1SeKCSMmLfM/wA0ozux2Xj9TXP+GtW1a8uPL+zSsYSYy7EquM8Ak96bi90JNbM6039pAzBwIcqAxb5RgdPp1qI3sRkmMUhIJUghOF49e+ajnkS2SQ3doJDwx8s7yffFYl5raytOIDBCCv7sbxGwx3PHr2zUq73KaR01syB4wW3SSAMwbB2n0yKr/adl6I5JEaSTkhB8ox6fhWBZat9iD3MjiZz8qrGfl464rQtg1xdJdSKFZlD7RyACOOapbiexuxtVlDnr0rPiY1aEoiQu5wB1rYyKrzxW8UyzgK0Z2qW6exJqnHKztI7yjym+UmLrj1BrXjnt/lfcsnmDqwwfwBpzNawxvMIY02jO4oBiuZo3TM+DS7V3YMXmwoO53c89s9s1dTYkW5mERB25xyAOMUQ3Md4qun+rOckgrTbqHe6mJikuCEc8hcjrjp759qLJA2ypPrFhBd/Yt0rThwpCrnaazdaj+0mYPbMTCMxuM5b2PtVzStLt4ZXaNZJGdi/nEjLZ759ag1ua6snt0jDsT+8dgfoOv5009dBCaMY7UlHYLvGSw5z7Vr3lpHNbAuoeM9VJzn3rkY/Ewnum82NgDJt2KMtuB9Rx69a6aO6dGSJwTE/R8ZA9s02rC3NfR5IUtkgiI2pwMVrqa5hI2EYa3+UAYwprc0y6F3aBgcspKtnrkVtGV9DKS6l9aeKYoqQCrIHCnA0wE55p1AE9JSUtAwoorE12/vbG6t3gkQQJl5I8DdIAOmT05pN2BK5X8Tl/PtVHR/lH1zWXrV2bTTZFtwPkX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style></p></td><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext #000000; width:295.95pt"><p>Diese Gebeine weisen Verformungen durch Lepra auf. Sie stammen vom Friedhof St. Jørgen in Odense, Dänemark. Der Friedhof wurde 1270 eingerichtet und bis 1560 genutzt.</p><p>Foto: Dorthe Dangvard Pedersen</p></td></tr><tr><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext; vertical-align:top; width:168.45pt"><p><img alt src="data:image/png;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQEAeAB4AAD/2wBDAAoHBwkHBgoJCAkLCwoMDxkQDw4ODx4WFxIZJCAmJSMgIyIoLTkwKCo2KyIjMkQyNjs9QEBAJjBGS0U+Sjk/QD3/2wBDAQsLCw8NDx0QEB09KSMpPT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT3/wAARCADlAOsDASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwDr/OLd6d5pHQ1R8yjzD2rMsvecfWk88+tU/M96PM96Blvzj60GY+tVPMo8zFAi35zDqaPtJ9ap+bmgvQBc+0n1o+1H1qlvNJmmKxe+1N60v2pvWqO/FNadU+8wA9zRcLGh9rb1pftZ9ayWv4h0Jb6Co21EAZCE/U0udLqPkbNv7YfWj7afWsA6rjrE34GnJqkLcNuQ+4oU4vqPkaN77cfWj7cfWslZ1cZRwR7GlLn1pisa324+tJ9vPrWP5rZpfMNAGv8A2h70f2h71kZJ60uT60Aav9oe9H9oe9ZW6l30gNT7fSfbqy91G80Aan26j7bWXv8Ael30Aaf22j7YKzN/vR5lAEXmj+E5NL5h9aqp8qj1p4Y0AT76XfUINKDQBNupd1Q5pQaBkuaBUe6l3mgCQHAqKe6jgX5jk+gqOSfqB26mqhhaXO48H2rKdW2iNIwvuD30k5wh2D2pERi/zHJ+lTJbrEo2gZpWZRgHg5/OsXJs0skRmEdGb35phiAByWJ9qdKRuAI4p6jjg/lSY0QLGU+Y7jSlU/ufUipwx75xQCR14JpagV1hC42NkH0NSC4mixjDqOx61IrA5GOfYU0jLnIGD09qtSaE0mTw3ccrBTlG9GqwQFxWaU/I+tTJM0ZCtkj0PUVrGpfczlC2xbLZpueaVCGXKnijFamQnJpelGMUZoAM0ZpM00mgB2aQtTeaTpQA7dRuNNpKAGgUoFLSgUAIBSilxSheaAEFLSgUuKAG96RiTnBAUdTTZnKrhfvGq7S7iI/4R1rGpPojWEerHkguMAkCpCdoB5HtUClmJC5HoB3q0kZZVaT+VYJNmpXJd/X6elKIDndj8asGWOIEZBbGcVFLdlSPLAOepqkkhXG+UecjigRqMc037TuBOceuKiFwFZuCAe/rQ7BqWDHg9fx9aTaAKh+0sR7e9PV8jLkD0o0AkEeDnuelRsxBwSAaYJw+5RuABx161HLNtcIw69x6UASHbu7k0rSgrtYZA6E9qriYjuMduOaY0hBPJII55poRcjmaEjH5Gr8TrKm5fyrCExJYYwPc1atboxnP4EVpGdtCJRuaxApm0U8EOoZTkGjHFbGRGRTTUhFNxTAZikNPNJSAYRSYNPNNoAMU4CkxTgKAHAUnenUlACUOdiFj2pwFR3cgiiBPc9KUnZXKSuyvLIwACgk4yaq2sbLgSAnf1PpVmKZVLYB54HFRGUopYbsj0Ga5NzcAzIA0TZUnHPalE+wliSSOgH+FQx7tiKFIBycn1p/2KRULElgDkMeoq0hXGzv5jKdpDsMD2FAdtmFHNJb4Lv1Y4psXmDBduCeo96mSKTD5l5PX0pwDk7cBkI59jUjsqA7QW5wSBQIN0ZIyu7nipsMq/atkhAUsAPmU9R70uQ6B8Fs8gnjFW44FcLuX5h6/1pksfluMIOeKLCuMTLHJXjpkU1nAPJwD0zUot2C4fIPqvWnPBgFgGYY6AVSVhMqMrhQykZyMcdKYqZJZioLdqtKknTZ9AfSkkjAOTzVCK2SVODyT1pUf5iegJ4NI2IwxAJ+gzTRlcA8cZFSM1tNuCW8tu/T61okVz0UxjkSTIyDnIroN3Aropu6MZrUaaQ07NIasgYabTiKQ0wG0mKdikxQAuOKUUuOKFFIY7FKBSgUY6UAKFqrfgF4VPfPFXQKz9SYC6gB9Cazq/CXD4iE5jA+XA9DUewgNgkljnINSOTI/TgdM09R8vAxisErGrYtt91dw5U8VdceZ8p64xx0FVi5X5xjPcVJ9riAOeCR0HWtNCNSMwguVBOPcUfZ40G0/dzSLqFuDzkZ7U83UTTMqLnHUZ60XQ7MQRKvAKn26mmkIrHGSOtTqyKf4MdcgGoCdhLJl1P8AeNQxoazY4AyRyRT1UEAsD06elG3LEkHHpUkLKzPt2gZ7dfpinYBQoJGO3pzQwUgYweccdjUwZUUErgnp7VUuL+KDgjLenSldDsEq5IxgHv8ASq8qd8AkdKgOpeYxYrt7jkE1G18HVj0A70XFYcyFT04zn6VXdirMWAJzwKlilLoCdxGcDirEkA27mUg9DxS3HsZ87FYueCTiumUYiQf7IrmphggEYwfzrp+qKfUCtqXUzqDKKU0lamY00hp1IaYhuKSlNGKAJMYFCig04CkMXtShe5pBUg6UAAGTWZquPtKActt4Faq1k3UZOoSyMSTgKB7VnU2LhuRwkLw5yRzzUjyJGhIw3eqklxFEfn6/XpVX7bbnCnlT2rJWNHd7E9xeEsVB6jpUEjCSAuTkn9KqXbwuMx5VumcE1Bp10iq0N3Om8McdBTuFixI7TdSVUjIyOf8A61SQPLFMV3Nt6s7cg+1TLECDsU4C9/Spfs5e2DKNrMec+g9qhu5VhBqTx7eMZbHParCX6zttcgY64rJls7lJz5fzE/eBPUf0phg8iUnaGViOVbJz7/SnYRuyT78eWPvcHnt60gmihkJ3cg4JP061jxwPg4eVQc7SHOM+vXmmxQBY/M2BX28k9eTSY0jQutWM4CRN/Fg8/wANZ01ypYlmcqTtwV4zUqRqGQlRk8cDpUgt5Axy6sgbjcMHFKxRQkLRrukVgCRtUDBP1qxAGUuj8ggECpLm/t7SMl2RnJ4GQazhrA89lE8JRzhNwwV+p707CubKzRiMKuA6nnH8Jq4hMoBHAA6etZ1tJEUO1zIeSWU5qVb1VXkbB6mhIljroZUkg4/KuiQZiT/dFc8Zop4z83t+Fb9o6y2cTqcjbj8q1pPUznsKaaaeRTSK2MxtJSkUlAhKTFKaMUAPAp4FPWM08R0DI1Wn49qkEdOEdADUWuV1C+P2ibcxB3kflXYKmDXCeK1a1vLkhgp+8ueM5rKormlN2Zj6lr1vauQB50uOmeB9TWK+uXs3KzCMH+GNQAKypmPmsSScnqe9MeQ78jIXtQoJDcmy3PqEzkeZPKzepYmmiYnGen1qpvBcAjIHGRUjOFT5fve9VYLmkmpXMJUJcyAIePm4BrudF1mPUrUFTiRMB17j/wCtXlk08gA5yvce9XNI1h9Pv4pQflyFf3U9amVO60BTV7M9ZdIz85LNn0qtOisBlPlbou3rUkUmF378Jjqen1qnJIZpmFs4kGcMT0Q+1ZGhKH86A/umyp2qD0I9aXyydoUElsZx2xVK6szZxrIs0jE/cYnODTrfUXaPa5jSc5G089O9KwItiHyn+Yck9M81ma7rcemxhEw0zj5VPRR6mrkt0Uj3zAjCk8V5hd6jJd3Ek8jEs7Z5/lV048zJnLlLst2WkLs+5j/OozclVJwHaqG8hge1SmQBR61tymdy/b3ksA3xSvGx/usRW1Y6/ebMzOs0eejjk/jXMLJuPzdPSr0LokO0tnuKiSKTOutrmK+VmtWMZU5aPoR/9auo8NSmSO5hPIRgw/GvMLC8NvfRSKxx3I447ivTfB376K8lA+Xcqg+vWlCNpBN3ibTLimFatGKm+XW5iVSlNKGrfl0mykBU8s0uyrJSm7aALgg9qcLc+lbIsl7U4WYpgY4gPpTvIPpWv9jFKLQUAZKwe1cJ49gBkmJx+72kHHTivUhaCvPPHsOLy7THzbFx+QrOo9C6e55HcRAv9arum1Ovfp71PfZGcnB3cc1UkcEDA5700UxmcfWl3EjPamtwxxTuCtUSQs+eKjxzgU9hluOSaeYmjjDEZDdfaqWhD1PW7OL7bZ2wkb92qLnH8RxxWhptklrITHyoXHTg89f51k+B9z+FYHcksSyjPOcHFLq/i7TtJtZFiuUmnT5RGjZOR2PpXLyNuxvz2Re1b5lVMOVzgYHHfmsa9sglwz4KZ2sGHJ4rNn8eWt1aSFI5IpvKwqHu3sat6D4mi1tIrW6Kx3uCCAMB+Oo/DtVODBTQaiwttIuHjA2NE3c5B215smM8123jlZ7a2tjGSInLI5HTscfpXE+4rSjG0TOq7seTupc8AGmiitCSVMk+1WYQrOAxwAarR46dzUkjAfKpxioZSNfT4d7ZZPlXpnivXPCEGywmHX5h/KvKtKjDxJx3A+93r2XwhCP7FLD+KQ/oBUR+Ic9Il0xU0xVfMNJ5NbGJQ8qmmKr5h9qaYaQygYqTy/arph9qTyaANoNTg1UhPThPQBdDU7dVIT04T0AWwa8/8YKtxrkyg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style></p></td><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext #000000; width:295.95pt"><p>Dieser Schädel weist Verformungen durch Lepra auf. Er stammt vom Friedhof St. Jørgen in Odense, Dänemark. Der Friedhof wurde 1270 eingerichtet und bis 1560 genutzt.</p><p>Foto: Dorthe Dangvard Pedersen</p></td></tr><tr><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext; vertical-align:top; width:168.45pt"><p><img alt 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style></p></td><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext #000000; width:295.95pt"><p>Diese Gebeine aus Great Chesterford weisen Verformungen durch Lepra auf. Dieses ist der älteste bekannte Fall von Lepra im Vereinigten Königreich.</p><p>Foto: Sarah Inskip</p></td></tr><tr><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext; vertical-align:top; width:168.45pt"><p><img alt src="data:image/png;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQEAeAB4AAD/2wBDAAoHBwkHBgoJCAkLCwoMDxkQDw4ODx4WFxIZJCAmJSMgIyIoLTkwKCo2KyIjMkQyNjs9QEBAJjBGS0U+Sjk/QD3/2wBDAQsLCw8NDx0QEB09KSMpPT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT09PT3/wAARCADOAIkDASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwD0U+I5tMkEOt24jJ6TQncrfh1FSN4v0zHyNK/0SvPDbzNuYtnnqTmpo7abGV/SqsmB2T+NockJaSfV2AqpJ41uWJENvEuO5JNc8qOOJUyPUVYitY35jJY+lJxYGmfEupTHHmqgP91BVpdQupN26eQ/jWXBZuCMxuPqK0o4XycIefaoYytNJI+SzMfqaoNbSzybY22jPJIyBWxJZTueMKPeo3091Kg3AQDnAbrUFFODQ9NQlpI3mY8kyf0FXo9E00phbGHn+8KR7SGAh5LgAdgTTFurYyFVndmxuIAOMVDRRT1Dw7pvllYYVimPTaxIH4Vzk+kyae4+0hGRvuMvQ12EUcc8uIlZiOSfSk8iG6l8nCkBup6Z9aSnbcHG5w95qFvYxozozKxx8vb61HZ6mt+8iRW7DZjtnI9a0vF1slvPHBNbB4clo5Qflb1FZ2gXNvaalHGYljindUkcHlRmtfaqxHKy8kE7DC27/wDfFNk0+6wNkGPXcQK9Ij8PaYEDPMWHqZBikey8PWwzLNbDH9+Yf41Mk5bjTSPLpNIu3DeYYUUjqDk03+yZv+fpf++DXpcmr+E7VctcWZA/u/P/ACqL/hL/AAl/z2h/78n/AApJW6g2YIaFVYGRevOBSrJbqowztx2FRj7KvnjdnY/zcjgmpIhbjHQj3at1cknjmgbOIZGHqeKnitYrlyI1Mb9Qc1FHNGvyhU47kk1Yhu2RspsU+y0XYDhNqFqSh/eoO69amS4kcMS7demelC3cp43jn0FMj53n/arOb0Ghqo0kqkhmUMM1qw2m+ctGgwfvPjr9Kxbi5mF3DJn5EzwOgPrW9ZXsaWqhZFcgc4PQ1imupsot7FK+0ZZ8/vHGeMjsPauen0q7t7hIrUlpGb5UJztHqxrq5tRRM7up9+apvqaRW0pgQCYjqVx17574ouinF9UZct6+lwtZW+HuZB88nce5/oKltAkULJJKImbG0sehPrWVKssshRBhnOWkbtnv7n0FSC3lu0WOGNtiNjLHlvc1LEblxo0eqafLZ3TqQeVYdUbscV5hqVlNpd/LaXIxJGeo6MOxHsa9SVpLS2QTgFlGEz/jXM+NLEXumLqCgLPbcP8A7SE/0P8AOktNCWcWZnIxuYj0zTSflP1qISe9PDZBqrCHNn7OSO7/ANP/AK9QYarD8W0fuzH+VQZ9qtCO6+yt5mofIf8AWr29qtQ2zbR8hpkkOJtSwxOZUPX2qeGJtq8NWyasQyZLZufl6VLHGcdKYsRHY09R7UNiJVGHX606L/VsfemR/fH1qSAfuiCRn0rOWxaIhGrk5BLdvQVR1Gy1GK9V7aJFKkfvC2FkXP8AOtBFJuY0zt3MAc+hrrYrSOBflQbR0FZxhzGinyHlniK6urDUfL89ghbaGXnH1qpLcm4zGLtZSOSN3PFehX2mxSytObIHJy+FB3e9YGpWlvp7NNDYw/MMb0U5APrSlBo0jUUjFtNbaBUS5j3ov3ZAeR9a3YtQlXsij1LcflXO6lEXsFkWIIjnANacUcU0ccmCAVHKn2qItlTikay3jzDPmB2HtWF401FbXSPse4m5uiMqeyA5J/MYrYt1SBky4fJ4VewrkvE9yL7XJnH3IgI1/Dr+uaL6mLRyy59DUqbvQ9PStBVGOMYp6YPKnir5iUinIJCkEajkjPPHUmn/ANm3X96H/v8AL/jVm4++B6KBUG0+hqkxWO4EQFzquDyZEPX2q/DJIFUb6gazkjm1GRxhJWQofXA5qaKHAWrg9CWiffLk/Mc0zcfU1IjtGxbr9ajZs546mqbFYAN2RnGQeagkhlS1E0U0gdRzz14qUyJEpeRgqgck9BWraaNLPZkTHy1cY9TUPXQpaGW7EhST820HPvitgajcLCkiscMoODU66PapwylyABljUF8XKL5MYYINrJ0OOxFEYtA3cifXbhRhcD8KpvezTktI2PoBUEkmD80bKPU9BWPqOpmZhbWgZyxx8vVj7UpuyKgrsp+LdViSzWFGLSvIMY7evNVNL1a4gTYqK8Q4Kkc49qluvDLyvFNdXK+cOkIGQv411XhjR7S2ImbEkq+q8L71GiWpb7IppbSwaXPfxwSIkURdVfIOfp6d64SV2IzgszNz7817jcWkN9byQzpuSRCje4NeMapYtp2pT2jHJhlK59R2P5UkrMlu5S8yTaf3ZA+lXIkwh3DaF7n+dVlWTZksCvpmrd8NunTn1GP6U2riTFmWIufmU9utTYj/ALlcysnmXqIFzulA6e9bvnN6CrcLE81z0G7B+ySfMTjsKzL+6uYLZGt28rbku0sZYYx7Vq3BH2d/oP51j+IUabTEijG5y4wAeelZ0y5lqC/V1iSQv5rqMnYQPr9Kss2BjArlfESyl9OkBMbm3wfm24Ix39s10emxXE1nbowMkxQBiDnJ9c1rsiDW0e0W5uCZUDoOMMMgn6VJZXM+m6/f6eybrT5ZoOfuAjkfTg/lVyzEdl5UbMFK55J6ms7xDrUUGqWaWkgedCfOCYI246H3qZvljdbjiruxutKjR+aHUJ/eY4qlI8JYATKWbpgH+dZr3+8rbxIss4OUU8JEPUjvT/7atUlEct40rD5ThcR1ukpRuZu6dinrFg13bny3VXU9e34is62t4bMbIP8AWtw0jD5j/hXTyRpcRMFIOVyCBXN7nGduST61i1dmyeg9YIYD5szcnqXNX7K8LMBaxs3+1jAqCx0Z7phLKCwHc/0rXNvLaKGQBV6YHNLluJyLdqJiC1xKMdgOAKxvEXhix1weZA6xXv8Az0UcP/vf41rkGaAq9R2UeJGAwCeAaVtbB5nkc9k1jeSW8wZZon2suM80++k22nzDguo/XNdx480JGgTVIkUSxsqykDqvY/hXn+sOBaJ7sf0BoV7pB0I7C3MgjuRJDtJPy7xuH4dasf8AAqpaMsAjLSGQMFP3QMc1d2J/eP8A3zW0tyEdvdXMckTb0Y4IXj3NZ13GkjqkYDOTjGc1pyBSCQcHGMdqhSDyb+2kDLu35698VzQetjaViYeF7W6t4IJruaOSJDuRU3kZHQnoPwpLXQ7vT53YahHFbYCt5q/6we4HSp21GeeRnVxaQk/3fmP4d6ia9t4l+WMyyE/6y5Ib8l6Cuv2cWtTn5mZ2rwXE8qRWbzzwJnATOA3erOjeF7+a4je6RrWBfmYkje3sP8TXR6bIh0uIooQsxJVRjmr8Mm5cYJx6Vj7GNzT2jON8R28+mX0q2TYimQHB5wP/ANdZWjWs9zK+7Dv13NwK7TxLarPZxuBko2049DWFKyWtr9nhGC3LEdc10R2MmW9NvXhlmjc8BTxuzzjFaljpkaoJrge4U1kaU8UDtNcfOEHQdz9KvHX455QGQoh6HOa5KlelCfLJ6nRCjUlG8UbRuFXATGBVaXU83CwKikN94mqrTYGfyrOgnDatGmeTn+VbMyR0EL7kz9RUNgxIJGTzzTmubdNscT7j346UW5Wzgmlk+6pP41n1H0DXFNzo97Gc/NCQPqBmvHdeIWKJegOT/KvW7bUJL1H8yPEZ4Jxjj0ryvxFELbUWt5Djyvl/U/4Uo/EN7EOkafMNP+0kL5cx2rnqQDyau5X/AJ9x+dLp87tYRxhlZELYp22T/nma0u7iOjm1nTLmF45TdWrMMbih4qjBplndXsEkWvK7o4Kqy4JPpVjaCOuaILKKW7izEhbeCDiskrbFN3J5LWZpnWRiApxx/U1CY14VVyg6n1NdJqMKzLhYv32zIbOAa5SS5mUspZUA6gjBFd0IOexzykonUaSzS2cix4L24347n2/IVfExyGQ7QRnIrC8PPcW0Ms8LIAcDawzv/wAK0zN5rEYCnPQdqzkkpWRUW2rsknP2oOk0m2MLwP7xrm7i3QSOWuYvk+984yPwrq47JbiXLk7B2Fcz4q0qP7WbqIAo5w6+hHeqpRUnZuwptxV0QwXkdwypD81uvBY/xHHX6VbNhAwVo1bI6HcK5xXELcNx3rotCne5kQI3J7nsKrE4GE6bS0fcnD4ucJ338i7HmHTVeUjJBx64rO0i4aS9MsFkLmQnDsXwY/oK6q50+C9haKb5Sy4DrwRWX9iPh6FILeKSfzSTvRep9644JxiovodM5c0nLuTxW8hZixEZ9CQSaju996Fi3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style></p></td><td style="border-color:#000000 windowtext windowtext #000000; width:295.95pt"><p>Verena Schünemann im Paläogenetik-Labor an der Universität Tübingen.</p><p>Foto: Johannes Krause</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause</p><p>Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Universität Tübingen</p><p>Telefon +49 3641 686-621</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Prof. Dr. Dr. Verena Schünemann</p><p>Universität Zürich</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtgpc0uejwgpgocppBkgo0wbj0ej" data-mailto-vector="2">verena.schuenemann<span style="display:none">spam prevention</span>@iem.uzh.ch</a></p><ul><li><a href="http://www.shh.mpg.de/916785/european_leprosy" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.shh.mpg.de/916785/european_leprosy</a></li></ul><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20941</guid><pubDate>Thu, 10 May 2018 13:57:40 +0200</pubDate><title>Universität reagiert mit Bestürzung auf Tod von Friedrich Herzog von Württemberg</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-reagiert-mit-bestuerzung-auf-tod-von-friedrich-herzog-von-wuerttemberg/</link><description>Universitätsbund Tübingen verliert seinen Vorsitzenden - „Unfall macht uns alle tief betroffen und fassungslos“</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit Trauer und Bestürzung hat die Universität Tübingen auf den Tod von Friedrich Herzog von Württemberg reagiert. „Der furchtbare Unfall, der Herzog Friedrich aus dem Leben gerissen hat, macht uns alle tief betroffen und fassungslos“, sagte Rektor Professor Bernd Engler am Donnerstag in Tübingen: „Unsere Gedanken sind in dieser Stunde bei seiner Ehefrau, Herzogin Marie von Württemberg, seinen Kindern und nicht zuletzt seinen Eltern, Herzog Carl von Württemberg und Herzogin Diane.“</p><p>Der Rektor erinnerte an das breite Engagement des Herzogs für soziale und wissenschaftliche Belange. Nicht zuletzt habe er die Universität Tübingen seit Oktober 2013 als Vorsitzender der Vereinigung der Freunde der Universität (Universitätsbund) intensiv mit Rat und Tat begleitet. Er setzte damit eine Familientradition fort. „Mit Friedrich Herzog von Württemberg verliert die Universität einen engen Weggefährten und wichtigen Unterstützer“, sagte Engler: „Wir werden ihm in großer Dankbarkeit ein ehrendes Angedenken bewahren.“</p><p><strong>Kontakt: </strong></p><p><strong>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon: +49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20934</guid><pubDate>Wed, 09 May 2018 17:36:04 +0200</pubDate><title>Keilschrifttafeln von Bassetki lüften Geheimnis um Königsstadt Mardaman</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/keilschrifttafeln-von-bassetki-lueften-geheimnis-um-koenigsstadt-mardaman/</link><description>Assyrische Tontafeln aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. ermöglichen erstmals Lokalisierung einer bedeutenden Handelsstadt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Übersetzung eines assyrischen Tontafelarchivs, das Tübinger Archäologen kürzlich entdeckt haben, hat für eine wissenschaftliche Überraschung gesorgt: Bei dem Fundort Bassetki in der Autonomen Region Kurdistan im Irak handelt es sich augenscheinlich um die alte Königsstadt Mardaman. Die bedeutende nordmesopotamische Stadt war bislang aus Quellen bekannt, aber nie lokalisiert worden. Sie bestand von 2.200 bis 1.200 vor Christus, zeitweise als Königtum oder auch als Provinzhauptstadt, und wurde mehrfach erobert und zerstört.</p><p>Die Archäologen des Instituts für die Kulturen des Alten Orients der Universität Tübingen hatten das aus 92 Tontafeln bestehende Archiv im Sommer 2017 ausgegraben. Unter der Leitung von Professor Peter Pfälzner arbeitet das Team gemeinsam mit Dr. Hasan Qasim von der Antikendirektion Duhok in der bronzezeitlichen Stadtanlage von Bassetki. Die Tontafeln stammen aus der Periode des mittelassyrischen Reichs um 1.250 vor Christus. In mühevoller Kleinarbeit wurden die kleinen, teils zerbrochenen Täfelchen nun durch Dr. Betina Faist von der Universität Heidelberg gelesen, die als Philologin und Spezialistin für assyrische Sprache an dem Tübinger Projekt mitarbeitet. Sie übersetzte anhand von Fotografien die Texte, die Stück für Stück Licht auf die Geschichte der Region und der Stadt zur Zeit des mittelassyrischen Reiches werfen.</p><p>Zur Überraschung der Wissenschaftler konnte Faist den Namen des Fundortes als die alte Stadt Mardama identifizieren. Wie die Keilschrifttexte ferner zu erkennen geben, war diese Sitz eines Statthalters des mittelassyrischen Reiches. Damit wird eine neue, bisher nicht bekannte Provinz dieses Reiches greifbar, das sich im 13. Jahrhundert vor Christus über weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens ausdehnte. Sogar der Name des assyrischen Statthalters, Assur-nasir, sowie seine Aktivtäten und Aufgaben werden auf den Tafeln beschrieben. „Damit war plötzlich klar, dass wir mit unseren Ausgrabungen auf den assyrischen Gouverneurspalast gestoßen sind“, sagt Archäologe Pfälzner.</p><p>Gleichzeitig ist es für das Wissenschaftlerteam nun möglich, die Stadt zu lokalisieren, die in altbabylonischen Quellen um 1.800 vor Christus mit dem Namen Mardaman bezeichnet wird und dem assyrischen Mardama entsprechen dürfte. Den Quellen zufolge war sie Sitz eines Königtums, das von einem der mächtigsten Herrscher der damaligen Zeit, Schamschi-Adad I., im Jahr 1.786 vor Christus erobert und seinem obermesopotamischen Reich einverleibt wurde. Allerdings wurde die Stadt  wenige Jahre später wieder zu einem selbständigen Königtum unter einem hurritischen Herrscher namens Tisch-ulme. Dieser neuen Blüte folgte ein Rückschlag, als die Stadt um 1.769/1.768 vor Christus von den Turukkäern zerstört wurde, einem Bergvolk aus dem nördlich angrenzenden Zagrosgebirge. „Aus den Keilschrifttexten und durch die Ausgrabungsergebnisse in Bassetki wird nun deutlich, dass dies nicht das Ende bedeutete“, sagt Pfälzner. „Die Stadt existierte kontinuierlich weiter und erlebte eine letzte Blüte als mittelassyrischer Gouverneurssitz zwischen 1.250 und 1.200 vor Christus.“</p><p>Die Geschichte Mardamans lässt sich sogar in die frühen Perioden Mesopotamiens zurückverfolgen. In den Quellen der Dritten Dynastie von Ur, ca. 2.100–2.000 vor Christus, erscheint es als wichtige Stadt an der nördlichen Peripherie des mesopotamischen Reichs. Die älteste Quelle reicht zurück in die Zeit des Akkadischen Reiches, das als erstes Großreich der Geschichte gilt. Sie erwähnt, dass die Stadt bereits um 2.250 vor Christus von Naram-Sin, dem mächtigsten Herrscher der akkadischen Dynastie, ein erstes Mal zerstört wurde.</p><p>„Der Tontafelfund aus Bassetki liefert einen wichtigen neuen Beitrag zur Geographie Mesopotamiens“, erläutert die Assyriologin Betina Faist. Möglicherweise könne sich mit diesem Puzzleteil die Lage weiterer früher Städte Mesopotamiens rekonstruieren lassen, sagt Pfälzner. „Mardaman wurde sicherlich auf Grund seiner Position an den Handelswegen zwischen Mesopotamien, Anatolien und Syrien zu einer bedeutenden Stadt und einem regionalen Königtum. Bisweilen war sie gar ein Widersacher der großen mesopotamischen Reiche. Folglich lassen sich von den geplanten weiteren Ausgrabungen der Universität Tübingen in Bassetki sicherlich noch viele spannende Entdeckungen erwarten.“</p><p>Die bronzezeitliche Stadtanlage von Bassetki wurde 2013 bei Geländeforschungen im Rahmen des Tübinger Sonderforschungsbereichs „RessourcenKulturen“ (SFB 1070) entdeckt. Die 2017 gefundenen Tontafeln waren in einem Keramikgefäß niedergelegt, das wohl der Archivierung diente, und mit zwei weiteren Gefäßen von einem dicken Lehmmantel umhüllt. „Es wurde möglicherweise auf diese Weise versteckt, unmittelbar nachdem das umgebende Gebäude zerstört worden war. Vielleicht sollten Informationen geschützt und für die Nachwelt aufbewahrt werden“, erläutert Pfälzner.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458908" data-htmlarea-zoom="true" height="300" src="fileadmin/_processed_/c/5/csm_18-05-09_DE_Mardaman1_Freilegung_der_Tontafeln__2804d6c7bc.jpg" width="200" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458905" data-htmlarea-zoom="true" height="225" src="fileadmin/_processed_/e/5/csm_18-05-09_DE_Mardaman2_Siedlungshuegel_Bassetki_058ee902ff.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td style="vertical-align:top"><p>Bild 1: Die Entdeckung und erste Freilegung des Gefäßes mit den assyrischen Tontafeln in Bassetki</p><p>Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</p></td><td><p>Bild 2: Der Siedlungshügel von Bassetki in der weiten Ebene des östlichen Tigrislandes, mit dem Zagrosgebirge im Hintergrund</p><p>Foto: Matthias Lang/ Benjamin Glissmann, eScience-Center der Universität Tübingen</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458902" height="228" src="fileadmin/_processed_/8/e/csm_18-05-09_DE_Mardaman3_Keilschrifttafel_343237c84c.jpg" width="300" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458899" height="200" src="fileadmin/_processed_/6/b/csm_18-05-09_DE_Mardaman4_Keramikgefaess_e7709f785a.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td style="vertical-align:top"><p>Bild 3: Eine Keilschrifttafel auf dem Fußboden des assyrischen Gouverneurspalastes, mit einem zerbrochenen Keramikgefäß</p><p>Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</p></td><td><p>Bild 4: Die in einem Keramikgefäß niedergelegten assyrischen Keilschrifttafeln<br> 			Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Peter Pfälzner</p><p>Universität Tübingen</p><p>Institut für die Kulturen des Alten Orients</p><p>Telefon +49 7071 29-78530</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rgvgt0rhcgnbpgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">peter.pfaelzner<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>PD Dr. Betina Faist</p><p>Universität Heidelberg</p><p>Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients / Assyriologie</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgvkpc0hckuvBqtk0wpk/jgkfgndgti0fg" data-mailto-vector="2">betina.faist<span style="display:none">spam prevention</span>@ori.uni-heidelberg.de</a></p><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20930</guid><pubDate>Wed, 09 May 2018 17:29:49 +0200</pubDate><title>„Gehirn an Rückenmark“: Auf das Timing kommt es an</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gehirn-an-rueckenmark-auf-das-timing-kommt-es-an/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler erforschen mit transkranieller Magnetstimulation das Zusammenspiel von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark </description><content:encoded><![CDATA[<p>Schon eine einzelne Handbewegung erfordert ein fein abgestimmtes Zusammenspiel der Nervenzellen: Damit das entsprechende Signal aus dem Gehirn im Rückenmark und dann im Muskel ankommt, müssen unterschiedliche neuronale Netzwerke einen gemeinsamen Rhythmus finden. Diesen komplexen Vorgang haben der Neurochirurg Professor Alireza Gharabaghi und sein Team in einer Studie an der Universität Tübingen aufgeschlüsselt. Ein besseres Verständnis solcher Prozesse kann helfen, neue Therapien für Patienten mit Lähmungen der Hand zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Cerebral Cortex </em>veröffentlicht.</p><p>Zähneputzen, Kaffeetrinken oder Benutzen des Smartphones: Wir setzen unsere Hände selbstverständlich und ohne nachzudenken im Alltag ein. Anders geht es Menschen, die nach einem Schlaganfall oder Unfall gelähmt sind: Bei Ihnen werden die richtigen Signale nicht mehr ohne weiteres vom Gehirn über das Rückenmark an die Muskeln weitergeleitet – das Zusammenspiel ist aus dem Takt gekommen. Deswegen ist es wichtig, den genauen Rhythmus zu verstehen, in dem die Nervenzellen im motorischen System normalerweise miteinander kommunizieren, um diesen Takt auch nach Schädigungen des Nervensystems wiederherstellen zu können.</p><p>Hierfür ist besonders die transkranielle Magnetstimulation (TMS) geeignet, eine nicht-invasive und schmerzfreie Diagnose- und Behandlungsmethode. Mit der TMS kann die Aktivität von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark ohne Berührung untersucht werden. Ein Magnetfeld erzeugt einen Impuls über dem Kopf; dabei werden neuronale Signale von Nervenzelle zu Nervenzellen geleitet bis sie beispielsweise an der Hand ankommen und eine Bewegungen auslösen. Über gleichzeitige elektrische Ableitungen mit der Elektroenzephalographie (EEG) und der Elektromyographie (EMG) kann dann untersucht werden, in welchem Aktivitätszustand sich die Nervenzellen befinden, wenn sie besonders gut miteinander kommunizieren.</p><p>Das Team um den Wissenschaftler Alireza Gharabaghi konnte nun zeigen, dass zwei unterschiedliche neuronale Netzwerke, die in verschiedenen Rhythmen schwingen, für das Zusammenspiel von Gehirn und Rückenmark besonders wichtig sind: Ein Netzwerk, das in den motorischen Arealen der linken und rechten Hirnhälfte auftritt und mit einer Frequenz von 14-17 Hz schwingt sowie eines, das vor allem zwischen dem Gehirn und dem Rückenmark in einer Frequenz von 20-24 HZ oszilliert. In beiden Netzwerken kommt es dabei auf das richtige Timing an: Impulse müssen auf die Millisekunde genau eintreffen, damit sie optimal an die Hand weitergeleitet werden. „Diese Erkenntnisse können uns helfen, gezielter Therapien für Menschen mit Lähmungen der Hand zu entwickeln“, sagt Gharabaghi. Eine klinische Anwendung für Schlaganfallpatienten soll nun in Studien untersucht werden. </p><h3>Publikation:</h3><p>Khademi F, Royter V, Gharabaghi A. Distinct Beta-band Oscillatory Circuits Underlie Corticospinal Gain Modulation. <em>Cerebral Cortex</em>. 2018 Apr 1;28(4):1502-1515.doi: 10.1093/cercor/bhy016</p><p><a href="https://academic.oup.com/cercor/article/28/4/1502/4836787" target="_blank" rel="noreferrer">https://academic.oup.com/cercor/article/28/4/1502/4836787</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. med. Alireza Gharabaghi </p><p>Universität Tübingen / Medizinische Fakultät</p><p>Universitätsklinikum Tübingen/ Sektion Funktionelle und Restaurative Neurochirurgie </p><p>Telefon +49 7071 29-85197   </p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cnktgbc0ijctcdcijkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">alireza.gharabaghi<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20843</guid><pubDate>Tue, 08 May 2018 17:15:00 +0200</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2018 geht an Sarah und Guy Stroumsa</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2018-geht-an-sarah-und-guy-stroumsa/</link><description>Evangelische Fakultät der Universität Tübingen zeichnet Religionsphilosophen aus ‒ Nachwuchswissenschaftlerpreis für Arbeit des Theologen und Physikers Jan Schole</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Religionsphilosophen Sarah und Guy Stroumsa haben am Dienstag den Dr. Leopold Lucas-Preis der Universität Tübingen erhalten. Beide Wissenschaftler legen in ihren Arbeiten einen Fokus auf historische Zusammenhänge zwischen den Religionen und darauf, wie sich diese auf die Entwicklungen der jeweiligen Religionen ausgewirkt haben. Die Evangelische Fakultät würdigte mit der Auszeichnung ihre Forschung zur Ausprägung und gegenseitigen Beeinflussung von Judentum, Christentum und Islam seit der Spätantike sowie zur Philosophie und zum religiösen Gedankengut in der islamischen Welt des Mittelalters. In ihren international anerkannten Arbeiten verstünden es beide in besonderer Weise, weiterführende Thesen zu entwickeln und im wissenschaftlichen Diskurs deren Tragfähigkeit zu prüfen.</p><p>Durch den mit 50.000 Euro dotierten Preis werden hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Theologie, Geistesgeschichte, Geschichtsforschung sowie der Philosophie gewürdigt. Ein besonderes Anliegen ist es, Persönlichkeiten zu ehren, die sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht und so die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern gefördert haben.</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissen­schaftler<strong></strong>ging in diesem Jahr auf Vorschlag der Evangelisch-Theologischen Fakultät an den Theologen Dr. des. Jan Schole. Er wird für seine Dissertation „Der Herr der Zeit“ am Lehrstuhl für Systematische Theologie geehrt, in der er sich mit theologischen, philosophischen und physikalischen Vorstellungen des Verhältnisses von Gott, Ewigkeit und Zeit auseinandersetzt. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="contenttable"><tbody><tr><td><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458565" data-htmlarea-zoom="true" height="212" src="fileadmin/_processed_/f/e/csm_18-05-08Stroumsa_Sarah_8090e95635.jpg" width="150" style></p></td><td><p>Sarah Stroumsa (geb. 1950) hatte die Alice and Jack Ormut Professur für Arabische Studien an der Hebräischen Universität Jerusalem inne. Sie lehrte am Institut für „Arabic Language and Literature“ sowie am Institut „Jewish Thought“ und war von 2008 bis 2012 als erste Frau Rektorin dieser Universität. Sie ist Mitglied der berlin-brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, zudem wurde sie mit dem Humboldt Forschungspreis und dem Verdienstorden Italiens ausgezeichnet. Sie erforscht unter anderem die arabische philosophische und theologische Ideengeschichte in der islamischen Welt des Mittelalters, Jüdisch-Arabische Literatur des Mittelalters sowie die Geistesgeschichte von Moslems und Juden im islamischen Spanien.</p><p>Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin</p></td></tr></tbody></table></div></div><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="contenttable"><tbody><tr><td><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458562" height="141" src="fileadmin/_processed_/b/3/csm_18-05-08Stroumsa_Guy_7091cae634.jpg" width="200" style></p></td><td><p>Guy Stroumsa (geb. 1948) hatte an der Hebräischen Universität Jerusalem die Martin Buber-Professur für „Comparative Religion“ inne (1991-2009) und war an der Universität Oxford „Professor for the Study of the Abrahamic Religions“. Er ist Mitglied der israelischen Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Universität Zürich sowie Ritter des französischen Verdienstordens und wurde mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet. In seiner Forschung untersucht er religiöse Phänomene aus vergleichender Perspektive. Er interessiert sich dabei besonders für das Aufeinandertreffen religiöser Traditionen und Institutionen im Römischen Reich und in der Spätantike sowie für die Entstehung abrahamitischer Überlieferungen als Grundlage des Islam.</p><p>Foto: Wissenschaftskolleg zu Berlin</p></td></tr></tbody></table></div></div><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="contenttable"><tbody><tr><td><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="458568" height="198" src="fileadmin/_processed_/a/9/csm_18-05-08ScholeJan_87719d89c6.jpg" width="150" style></p></td><td><p>Jan Schole (geb. 1984) studierte evangelische Theologie (erste theologische Prüfung) und Physik (Diplom) in Hannover, Bielefeld, Tübingen und Heidelberg. Seit 2016 arbeitet er als Softwareentwickler. In seiner Dissertation an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen entwickelte er ein „Ewigkeitsmodell“, das Ideen aus der Physik und aus Schellings Spätphilosophie aufnimmt: Vor dem Hintergrund der theologischen Diskussion um das Ewigkeitsverständnis sowie physikalischer Zeittheorien begründet er die These, dass Gott zwischen verschiedenen Zeitbezügen wechseln kann. So kann er zeitlich existieren wie wir Menschen sich aber auch alle Zeiten vergegenwärtigen. Gottes Ewigkeit ist nach dieser These die Macht, seinen eigenen Bezug zur Zeit selbst bestimmen und ändern zu können.</p><p>Foto: privat</p></td></tr></tbody></table></div></div><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet. Anlass war der 100. Geburtstag seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas. Dieser wirkte als Rabbiner in Glogau und zuletzt an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der zu seinem Gedächtnis ins Leben gerufene Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen.</p><p>Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gelehrte wie Schalom Ben-Chorin (1974), Karl Raimund Popper (1981), Karl Rahner (1982), Fritz Stern und Hans Jonas (1984), Paul Ricoeur (1989), Moshe Zimmermann (2002), Dieter Henrich (2008) und Seyla Benhabib (2012) aber auch Repräsentanten religiösen Lebens wie der 14. Dalai Lama (1988), der polnische Erzbischof Hendrik Muszynski (1997) und der evangelische Bischof Eduard Lohse (2007). Geehrt wurden auch Vertreter aus Kultur und Politik wie der senegalesische Dichter und Staatspräsident Léopold Sédor Senghor (1983), der polnische Lyriker und Essayist Adam Zagajewski und die Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker (2000) und Joachim Gauck (2017).</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly</p><p>Universität Tübingen</p><p>Evangelisch-Theologische Fakultät</p><p>Telefon +49 7071 29-72538</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gx0vjgqnqikgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">ev.theologie<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20834</guid><pubDate>Tue, 08 May 2018 14:44:12 +0200</pubDate><title>Junge Lehrkräfte bestmöglich fördern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/junge-lehrkraefte-bestmoeglich-foerdern/</link><description>Studien der Universitäten Tübingen und Freiburg untersuchen berufliche Entwicklung angehender Lehrerinnen und Lehrer</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lehrkräfte spielen im Bildungssystem eine entscheidende Rolle, das gilt als unumstritten. Doch welche Faktoren genau machen erfolgreiche Lehrerinnen und Lehrer aus? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Freiburg beschäftigt. In einer Studie untersuchten sie die Bedeutung des pädagogisch-psychologischen Wissens für den späteren beruflichen Erfolg von angehenden Lehrkräften. In einer weiteren Studie gingen sie der Veränderung des Wissens über eine effiziente Klassenführung – als einem Aspekt dieses Wissens, der gerade junge Lehrkräfte herausfordert – und der emotionalen Erschöpfung junger Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst nach. Die Ergebnisse wurden in der <em>Zeitschrift für Bildungsforschung</em> und in <em>Contemporary Educational Psychology</em> veröffentlicht.</p><p>Die bisherige empirische Forschung nennt verschiedene Aspekte professioneller Kompetenz von Lehrkräften, die mitbestimmen, wie erfolgreich  diese im Beruf ist. Neben Fachwissen und fachdidaktischem Wissen werden das allgemeine pädagogisch-psychologische Wissen und die Fähigkeit, mit den eigenen Ressourcen hauszuhalten um einem „Ausbrennen“ vorzubeugen, als wichtige Aspekte professioneller Kompetenz betrachtet. Empirische Studien, die systematisch die Bedeutung des pädagogisch-psychologischen Wissens für den Berufserfolg sowie die Veränderung der verschiedenen Aspekte der professionellen Kompetenz untersuchen, sind jedoch rar. Die Tübinger und Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich daher basierend auf zwei Längsschnittstudien mit diesen Aspekten befasst. Die Ergebnisse können als Ansatzpunkt genutzt werden, um Empfehlungen abzuleiten, wie junge Lehrkräfte bei der Bewältigung der oft komplexen Anforderungen ihres Berufes unterstützt werden können.</p><h3>Gutes Erklären will gelernt sein</h3><p>Eine erste Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem allgemeinen pädagogisch-psychologischen Wissen junger Lehrkräfte und ihrem Erfolg im Beruf. Dazu wurden zunächst 181 Lehramtskandidatinnen und –kandidaten im Fach Mathematik zu Beginn ihres ersten bzw. zweiten Ausbildungsjahres befragt. Sie füllten Fragebögen aus und sahen kurze Videos mit Unterrichtssituationen. Im Anschluss beantworteten sie zur Erfassung des Wissens über eine effiziente Klassenführung Fragen zu den Videos. Zwei Jahre später wurden die Lehrkräfte erneut befragt und ihre Note im zweiten Staatsexamen erfasst. Zusätzlich wurden Daten ihrer insgesamt knapp 8.000 Schülerinnen und Schüler erhoben. Sie sollten ihre Lehrkraft im Hinblick auf Aussagen wie „Unsere Mathematiklehrkraft wirkt oft erschöpft“ oder „Unsere Lehrerin/unser Lehrer bringt im Matheunterricht immer gute Beispiele“ beurteilen.</p><p>Es zeigte sich, dass das pädagogisch-psychologische Wissen junger Lehrkräfte zu Beginn des Vorbereitungsdienstes in Zusammenhang mit der Note im zweiten Staatsexamen steht – je höher dieses Wissen, desto besser die Note. Die Identifikation junger Lehrkräfte mit ihrem Beruf hängt jedoch nicht von diesem Wissen ab. In den Schülerbeurteilungen zeigte sich, dass Lehrkräfte mit einem höheren pädagogisch-psychologischen Wissen als weniger erschöpft wahrgenommen werden, auch werden ihre Erklärungen als besser verständlich empfunden. „Das deutet darauf hin, dass die Erklärfertigkeiten einer Lehrkraft nicht allein auf fachliches Wissen zurückzuführen sind, sondern auch eine überfachliche Komponente enthalten“, sagt Verena Gindele, Erstautorin der Studie. Welche Facetten des allgemeinen pädagogisch-psychologischen Wissens genau mit der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erläutern, zu tun haben, soll in weiteren Studien erforscht werden.</p><h3>Gute Mentoren fangen die Erschöpfung auf</h3><p>Die zweite Studie wurde mit rund 750 Lehramtskandidatinnen und -kandidaten durchgeführt, die zweimal im Verlauf des Vorbereitungsdienstes befragt wurden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessierte besonders, wie sich das Wissen über eine effiziente Klassenführung und die emotionale Erschöpfung der jungen Lehrkräfte über den Vorbereitungsdienst hinweg verändern. </p><p>Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Kompetenz zur effektiven Klassenführung über den gesamten Vorbereitungsdienst hinweg weiterentwickelt. Dabei ist bei denjenigen Lehramtskandidatinnen und –kandidaten der höchste Zuwachs zu beobachten, die eine hohe Bereitschaft zeigen, über ihre Unterrichtserfahrungen zu reflektieren. Die emotionale Erschöpfung stieg zu Beginn des Vorbereitungsdienstes zwar an, fiel im zweiten Jahr aber wieder auf ihr ursprüngliches Niveau zurück. Je höher das Unterrichtsdeputat, desto mehr stieg die emotionale Erschöpfung, wohingegen ein konstruktiv unterstützender Mentor den Anstieg abfedern konnte. „Unsere Ergebnisse geben Aufschluss darüber, welche Faktoren junge Lehrkräfte in ihrer Entwicklung unterstützen“, sagt Thamar Voss, Erstautorin der Studie. „Vor allem im Hinblick auf die hohe Abbruchrate unter Berufsanfängerinnen und -anfängern scheint es sinnvoll zu sein, die Bereitschaft der jungen Lehrkräfte zur Reflexion ihrer praktischen Erfahrung zu fördern, das Unterrichtsdeputat nicht zu früh sehr hoch anzusetzen und eine möglichst hohe Qualität des Mentorings zu erreichen.“</p><p>„Aus den hier vorgestellten Befunden könnte man die vorsichtige Empfehlung ableiten, das pädagogisch-psychologische Wissen in der Lehrerbildung viel systematischer zu fördern“, sagt Ulrich Trautwein, Direktor des Tübinger Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. „Dazu wären aber noch weitere Untersuchungen notwendig. Aktuell spiegelt sich diese Empfehlung bereits in Reformbemühungen wider, da vielerorts eine Stärkung der bildungswissenschaftlichen Anteile in der Lehrerbildung zu beobachten ist.“</p><h3>Originalpublikationen:</h3><p>Gindele, V., &amp; Voss, T. (2017). Pädagogisch-psychologisches Wissen: Zusammenhänge mit Indikatoren des beruflichen Erfolgs angehender Lehrkräfte. <em>Zeitschrift für Bildungsforschung, 7</em>(3), 255-272. doi:10.1007/s35834-017-0192-5</p><p>Voss, T., Wagner, W., Klusmann, U., Trautwein, U., &amp; Kunter, M. (2017). Changes in beginning teachers‘ classroom management knowledge and emotional exhaustion during the induction phase. <em>Contemporary Educational Psychology, 51</em>, 170-184. doi: 10.1016/j.cedpsych.2017.08.002 </p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen, Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung:</p><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Telefon +49 7071 29-73931, <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkej0vtcwvygkpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">ulrich.trautwein<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Verena Gindele, <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtgpc0ikpfgngBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">verena.gindele<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><strong></strong><br> Universität Freiburg:  Prof. Dr. Thamar Voss, Telefon +49 761 203-96886, <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjcoct0xquuBgby0wpk/htgkdwti0fg" data-mailto-vector="2">thamar.voss<span style="display:none">spam prevention</span>@ezw.uni-freiburg.de</a><br></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20436</guid><pubDate>Thu, 26 Apr 2018 15:42:47 +0200</pubDate><title>Frust im Quantensystem: Im Phasenübergang gibt es keine Entscheidung zwischen flüssig und fest</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/frust-im-quantensystem-im-phasenuebergang-gibt-es-keine-entscheidung-zwischen-fluessig-und-fest/</link><description>Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Konstanz entdecken einen beispiellosen Mechanismus, für den es in der klassischen Physik keine Entsprechung gibt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Phasenübergänge in der Physik sind jedem aus dem Alltag bekannt, zum Beispiel das Schmelzen: Wenn ein fester Stoff erhitzt wird, bewegen sich seine Atome freier und er wird plötzlich flüssig. Phasenübergänge gibt es auch in der Quantenphysik, die allerdings der Alltagserfahrung nicht zugänglich sind und auch die Wissenschaft noch vor viele Fragen stellen. Nun haben Professorin Sabine Andergassen und Dominik Maile von der Universität Tübingen gemeinsam mit Professor Wolfgang Belzig und Dr. Gianluca Rastelli von der Universität Konstanz in theoretischen Berechnungen untersucht, welche Effekte und Mechanismen auf ein Quantensystem am Phasenübergang einwirken. Dabei sind sie auf ein merkwürdiges Verhalten gestoßen, das durch die von Heisenberg beschriebene Unschärferelation zustande kommt – und bei der Informationsverarbeitung in einem Quantencomputer zu Problemen führen könnte. Die neuen Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift <em>Physical Review B</em> veröffentlicht.</p><p>Am absoluten Temperaturnullpunkt treten keine Wärmebewegungen mehr auf, nur Quantenfluktuationen. Phasenübergänge eines Quantensystems können hier zum Beispiel durch Druck- oder Magnetfeldänderungen ausgelöst werden. Sie ähneln der Wärmebewegung der Atome beim Schmelzen eines Stoffes. „Diese Dynamik wird stark durch die Wechselwirkung des Quantensystems mit der Umgebung beeinflusst. Dies wird allgemein als Dissipation bezeichnet“, erklärt Sabine Andergassen. Dissipation – wörtlich Zerstreuung – bedeutet, dass sich die Möglichkeiten des Systems durch Energieverluste oder geringere Bewegungsfreiheit der Teilchen einschränken. „Die Dissipation sorgt dafür, dass einige Quantenfluktuationen unterdrückt werden und das System einen stärker geordneten Zustand anstrebt“, sagt die Physikerin – in der Entsprechung zum Schmelzen das System also den „festen“ gegenüber dem „flüssigen“ Zustand bevorzugt.</p><p>„Wie Heisenbergs Unschärferelation vorhersagt, führt dies wiederum zu einer häufigeren unkontrollierten Änderung des Impulses“, sagt Wolfgang Belzig. Wirkten nun auf die untersuchten Quantenobjekte zwei verschiedene Umgebungssysteme ein, die die Fluktuationen zweier verbundener Variablen gleichzeitig unterdrücken wollten, verbiete sich dies durch Heisenbergs Prinzip. „Das System kann nicht beide Anforderungen gleichzeitig erfüllen, es wird sozusagen frustriert“, erklärt Dominik Maile. Gianluca Rastelli setzt hinzu: „Beim Phasenübergang könnte ein unerwartetes Verhalten des Quantensystems auftreten.“ In Entsprechung zum Schmelzen eines Stoffs in der klassischen Physik wäre das Quantensystem zwischen dem festen und flüssigen Zustand hin- und hergerissen.</p><p>„Diese Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen dissipativen Mechanismen führt zu einem merkwürdigen Verhalten beim Phasenübergang des Quantensystems“, fasst Gianluca Rastelli die Ergebnisse zusammen. Dies stelle eine grundlegende Eigenschaft des Quantensystems dar – und ebne den Weg zur Untersuchung weiterer Aspekte dieser Übergänge im Labor. Denn diese neu entdeckte Eigenschaft könne auch Einfluss im Bereich der Verarbeitung von Quanteninformation haben, wie zum Beispiel bei einem Quantencomputer.</p><h3>Publikation:</h3><p>D. Maile, S. Andergassen, W. Belzig, and G. Rastelli: Quantum phase transition with dissipative frustration.<em> Physical Review B 97</em>, 155427 (2018)<br> DOI: 10.1103/PhysRevB.97.155427</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Sabine Andergassen<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Institut für Theoretische Physik<br> Telefon +49 7071 29-78650<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ucdkpg0cpfgticuugpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">sabine.andergassen<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20328</guid><pubDate>Tue, 24 Apr 2018 10:20:51 +0200</pubDate><title>Spitzenforscher fordern europäisches Institut für maschinelles Lernen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/spitzenforscher-fordern-europaeisches-institut-fuer-maschinelles-lernen/</link><description>Warnung vor der Konkurrenz aus USA und China – Appell an die Politik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, den Niederlanden und der Schweiz haben den raschen Aufbau eines europäischen Forschungsinstituts für maschinelles Lernen gefordert. Maschinelles Lernen sei das Herzstück einer technologischen und gesellschaftlichen Revolution der künstlichen Intelligenz, bei der Europa drohe, abgehängt zu werden, heißt es in einem am 24.04.2018 veröffentlichten Aufruf. Um dieser Herausforderung zu begegnen, müssten die herausragenden Forschungszentren in Europa ihre Kräfte bündeln. Angesichts der derzeitigen Entwicklung  in Nordamerika und China fordert die Initiative den Aufbau eines Europäischen Labors für Lernende und Intelligente Systeme (ELLIS).</p><p>Aufgabe von ELLIS müsse es sein, die besten europäischen Forscherinnen und Forscher aus dem akademischen Bereich einzubinden und zugleich eng mit Grundlagenforschern aus der Industrie zusammenzuarbeiten, heißt es in der Erklärung. Als Vorbild könne das  Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) dienen, das von 21 europäischen Staaten finanziert wird und über Labore in verschiedenen Ländern verfügt. Die Autoren des Papiers fordern von der Politik ein langfristiges finanzielles Engagement für den Aufbau und die Finanzierung mehrerer Forschungslabore, die gemeinsam den Verbund bilden würden. Deutschland und Frankreich könnten den Anfang machen. Weitere Staaten seien willkommen. Für den Aufbau jedes nationalen Standorts seien einmalige Investitionen von 100 Millionen Euro sowie laufende Mittel von bis zu 30 Millionen Euro pro Jahr notwendig.</p><h3>Max-Planck-Präsident signalisiert Unterstützung</h3><p>„Wir wollen die beste Grundlagenforschung in Europa“, heißt es in dem Aufruf. So könne Europa Einfluss darauf nehmen, wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz die Welt verändern werde. Zum anderen könne das Netzwerk die Wirtschaft positiv beeinflussen und zur Schaffung neuer Jobs beitragen. Dies lasse sich erreichen durch hervorragende und freie Grundlagenforschung, unabhängig von unternehmerischen Interessen. Noch gebe es herausragende europäische Forschungseinrichtungen, die in den Bereichen maschinelles Lernen und Wahrnehmungsforschung in der internationalen Top-Liga mitspielten, erklären die Autoren. US-amerikanische Technologiekonzerne versuchten aber nahezu kontinuierlich, Spitzenforscher aus diesen Einrichtungen abzuwerben. Wenn Europa in dieser Situation nicht den Anschluss verlieren wolle, müsse es seine Aktivitäten in diesem Forschungsfeld verstärken und bündeln.</p><p>Die Autoren des Papiers kommen aus führenden Forschungseinrichtungen im Bereich des maschinellen Lernens, darunter das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (Stuttgart / Tübingen), das französische Nationale Forschungsinstitut für Informatik und Automatisierung (INRIA), die Universitäten Amsterdam, Cambridge und Tübingen, die ETH Zürich, die Hebrew University in Jerusalem sowie die französische Elitehochschule Ecole normale supérieure. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Dr. Martin Stratmann, sicherte der Initiative seine Unterstützung zu: „Die künstliche Intelligenz ist zentral für die zukünftige Technologie und das maschinelle Lernen ist ihr Motor. Ich unterstütze den Aufruf der europäischen Spitzenforscher in diesem Bereich.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Den vollständigen Text finden Sie unter <a href="https://ellis-open-letter.eu/" target="_blank" rel="noreferrer">https://ellis-open-letter.eu/</a></p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Professor Matthias Bethge<br> Universität Tübingen<br> Computational Neuroscience &amp; Machine Learning<br> Tel.: + 49 7071 601549<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ocvvjkcu0dgvjigBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">matthias.bethge<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Linda Behringer <br> Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme<br> Standort Stuttgart<br> Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br> Tel.: +49 711 6893552<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,nkpfc0dgjtkpigtBku0ori0fg" data-mailto-vector="2">linda.behringer<span style="display:none">spam prevention</span>@is.mpg.de</a></p><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Tel.: +49 7071 2976788<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20278</guid><pubDate>Mon, 23 Apr 2018 09:56:29 +0200</pubDate><title>Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/adenoviren-binden-gezielt-an-strukturen-auf-tumorzellen/</link><description>Forschergruppe unter Beteiligung der Universität Tübingen entdeckt einen Andockmechanismus, über den möglicherweise schwer behandelbare Krebsarten besser in den Griff zu bekommen sind</description><content:encoded><![CDATA[<p>Viren nutzen zur Vermehrung die Lebensfunktionen ihrer Wirte aus – doch dafür müssen sie zunächst in deren Zellen gelangen. Der erste Schritt besteht in der Anheftung des Virus an die Wirtszelle. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Sonderforschungsbereich „Im-muntherapie: Von den molekularen Grundlagen zur klinischen Anwendung“ (SFB 685) an der Universität Tübingen haben unter Leitung von Professor Thilo Stehle gemeinsam mit Kollegen der Universität Umeå diesen Vorgang an einem Typ von Adenoviren untersucht. Viren dieser Gruppe verursachen beim Menschen unter anderem Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen. Die Wissenschaftler entdeckten, dass die Adenoviren über einen bisher unbekannten Mechanismus an ungewöhnliche Zuckerstrukturen auf der Oberfläche der Wirtszellen binden, an die sogenannten Polysialinsäuren. Diese kommen hauptsächlich auf Zellen von Hirn- und Lungentumoren vor, die mit einer schlechten Prognose für die Patienten verbunden sind. Daher würde sich das Adenovirus möglicherweise für eine zielgerichtete Tumortherapie eignen, bei der die Viren als Vehikel für eine Gentherapie an die Tumorzellen andocken und diese von innen heraus zerstören. Die Studie wird in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.</p><p>Aus der Gruppe der Adenoviren sind mehr als 50 Typen bekannt, die Erkrankungen beim Menschen verursachen. Ein Adenovirus besteht aus einem DNA-Doppelstrang, der in ein ikosaedrisches Kapsid, eine hochsymmetrische Proteinkapsel, eingeschlossen ist. In der Kapsel sind längliche Faserproteine als Anhänge verankert. Nur drei der Adenovirustypen sind sowohl mit einem langen als auch einem kurzen Faserprotein ausgestattet. Einen davon, den Typ 52, und dort vor allem das kurze Faserprotein, hat das Wissenschaftlerteam in der neuen Studie näher untersucht. „Das kürzere Faserprotein verbreitert sich nach außen in eine knopfartige Struktur“, sagt Thilo Stehle. „Wir haben festgestellt, dass dieser Knopf lange Ketten der Polysialinsäure erkennt.“ Solche Zuckerstruk-turen sitzen auf bestimmten Transportproteinen in der Außenhülle mancher Zellen. „Adenovirus 52 kann die Polysialinsäure als Rezeptor nutzen und sich so an die Zelle anheften“, erklärt der Wissenschaftler. „Das wurde zuvor noch nicht beobachtet, und über die molekulare Erkennung von Polysialinsäuren ist überhaupt sehr wenig bekannt.“</p><h3>Besondere Eigenschaften</h3><p>Wie das Virus sich anheftet, hat das Wissenschaftlerteam mithilfe von Röntgenkristallografie, Kern-spinresonanzspektroskopie, einer Simulation der molekularen Vorgänge und gezielten Mutationen der Knöpfe am kurzen Faserprotein untersucht. „Die spezifische Bindung zwischen den Knöpfen und der Polysialinsäure auf der Wirtszelle kommt auf einem ungewöhnlichen Weg durch vorüberge-hende elektrostatische Wechselwirkungen zustande“, erklärt Stehle. „Solche Bindungsdetails geben uns Einblick in die Evolution verschiedener menschlicher Krankheitserreger unter den Adenoviren.“</p><p>Interessant sind die Fähigkeiten der Krankheitserreger auch bei Erkrankungen, mit denen sie ur-sächlich nichts zu tun haben. Zwar finden sich Polysialinsäuren auf gesunden Zellen bei der plasti-schen Entwicklung des Nervensystems. Doch sie wurden auch auf besonders aggressiven Tumo-ren im Gehirn und in der Lunge entdeckt. „Diese Krebsarten sprechen meist schlecht auf gängige Behandlungsmethoden an“, sagt Stehle. Daher böten gentechnisch bearbeitete Adenoviren, die sich spezifisch an die Krebszellen heften und diese infizieren, einen Ansatz, Gene gezielt in das Tumorgewebe einzuschleusen und für dessen Auflösung zu sorgen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="contenttable"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="456593" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/2/3/csm_18-04-23fig1_23c4b0865c.jpg" width="250" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="456595" data-htmlarea-zoom="true" height="205" src="fileadmin/_processed_/9/6/csm_18-04-23Fig2_a801242bdb.jpg" width="250" style></td></tr><tr><td colspan="2"><p>Modell des Knopfes des kurzen Faserproteins des Adenovirus 52 (weiß) mit der Anheftung an Polysialinsäure (grün-rot),<br> 			rechts die Bindungstasche im Detail mit elektrischen Feldlinien. Abbildungen: Manuel Liaci</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Annasara Lenman, A. Manuel Liaci, Yan Liu, Lars Frängsmyr, Martin Frank, Bärbel Blaum, Wengang Chai, Iva Podgorski, Balázs Harrach, Mária Benkõ, Ten Feizi, Thilo Stehle, Niklas Arnberg: Polysialic acid is a cellular receptor for human adenovirus 52. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), DOI 10.1073/pnas.1716900115.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Thilo Stehle<br> Universität Tübingen<br> Interfakultäres Institut für Biochemie<br> Telefon +49 7071 29-73043<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vjknq0uvgjngBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">thilo.stehle<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt<br> Forschungsredakteurin<br> Telefon +49 7071 29-77853<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20236</guid><pubDate>Fri, 20 Apr 2018 12:15:48 +0200</pubDate><title>Krisen anders denken</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/krisen-anders-denken/</link><description>Forschende der Universität Tübingen gehen mit einer virtuellen Ausstellung online: bedrohte-ordnungen.de erzählt vom gesellschaftlichen Umgang mit Bedrohungen in Vergangenheit und Gegenwart</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Die Welt ist aus den Fugen geraten“, erklärte der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor zwei Jahren. An vielen Orten ängstigt Menschen dieser Befund: Ob durch Naturkatastrophen, Kriege oder Terroranschläge, ob „Finanz-“, „Flüchtlings-“ oder „Klimakrise“ – allenthalben ist von Verunsicherung und Notsituationen die Rede. Doch was geschieht, wenn soziale Ordnungen plötzlich nicht mehr zu funktionieren scheinen? Wie handeln Menschen, die einander nicht mehr vertrauen? Wie verändert sich eine Gesellschaft, in der die Angst regiert?</p><p>Fragen, mit denen sich der Tübinger Sonderforschungsbereich (SFB) 923 seit 2011 intensiv befasst hat und die er unter dem Titel „Bedrohte Ordnungen“ zusammenfasst. Dazu wurde dort in bislang 80 Einzeluntersuchungen der gesellschaftliche Umgang mit Bedrohungen in Vergangenheit und Gegenwart untersucht. Die Forscherinnen und Forscher haben nun die aufwändig gestaltete virtuelle Ausstellung bedrohte-ordnungen.de entwickelt, die dazu einlädt, die vermeintlich krisenbeladene Gegenwart historisch zu reflektieren.</p><p>Erzählt werden darin überraschende, aber auch tragische Geschichten über den menschlichen Umgang mit Bedrohung, Bewältigung und Wandel: ein Erdbeben, das im Jahr 62 Pompeji traf, Klosterauflösungen während der Reformation, Börsencrashs im Jahr 1720, die Reaktion auf die Anschläge des 11. Septembers oder die gewaltfreien Unabhängigkeitsbestrebungen im heutigen Nigeria.</p><p>Die virtuelle Ausstellung wird am <strong>Freitag, den 27. April 2018</strong>, offiziell eröffnet. Die Präsentation mit anschließendem Stehempfang findet statt von <strong>14:15-15:30 Uhr </strong>im <strong>Historischen Lesesaal der Tübinger Universitätsbibliothek</strong>. Hierzu lädt der Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“ die Öffentlichkeit herzlich ein.</p><ul><li>Video über die Arbeit des SFB: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iwrT4ww58Is" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.youtube.com/watch?v=iwrT4ww58Is</a></li><li>Video über die Ausstellung: <a href="http://dithodesign.de/uni-tuebingen/" target="_blank" rel="noreferrer">http://dithodesign.de/uni-tuebingen/</a></li></ul><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="456449" data-htmlarea-zoom="true" height="319" src="fileadmin/_processed_/c/4/csm_18-04-20Virtuelle_Ausstellung1_f20f72dfbd.jpg" width="300" style></td><td><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table style="width:375px"><tbody><tr><td style="vertical-align:top"><p>„Krisen anders denken": Die virtuelle Ausstellung lädt ein, die krisenbeladene Gegenwart historisch einzuordnen.</p><p>Abbildung: SFB 923</p></td></tr></tbody></table></div></div></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="456446" data-htmlarea-zoom="true" height="202" src="fileadmin/_processed_/4/c/csm_18-04-20Virtuelle_Ausstellung2_41e731bde8.jpg" width="300" style></td><td><p>Die USA nach dem 11. September 2001 ist eine der „bedrohten Ordnungen“, die in der virtuellen Ausstellung vorgestellt werden.<br> 			Abbildung: SFB 923</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="456443" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/e/4/csm_18-04-20Virtuelle_Ausstellung3_8c702552c6.jpg" width="299" style></td><td><p>Die virtuelle Ausstellung beschreibt, was passiert, wenn Menschen das Vertrauen in gewohnte Abläufe, das Handeln der Mitmenschen und den Glauben an eine sichere Zukunft verlieren.<br> 			Abbildung: SFB 923</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>Roman Krawielicki<br> Universität Tübingen<br> SFB 923 "Bedrohte Ordnungen"<br> Wissenschaftskommunikation<br> Telefon +49 7071 29-75095<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tqocp0mtcykgnkemkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">roman.krawielicki<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20154</guid><pubDate>Wed, 18 Apr 2018 11:09:21 +0200</pubDate><title>Preisträger des Würth-Literaturpreises 2018 nominiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/preistraeger-des-wuerth-literaturpreises-2018-nominiert/</link><description>„Ein gelber Schuh“: Autor Håkan Nesser stellte Thema für Nachwuchsschriftsteller</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Würth-Literaturpreises hat die Preisträgerinnen 2018 bekannt gegeben. Der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte Preis wird an Carola Gruber aus München für ihren Text „Schon gut“ (1. Preis, 5.000 Euro) und an Yael Inokai aus Berlin für ihren Text „Der Ausländer“ (2. Preis, 2500 EUR) verliehen.</p><p>Das Thema der Ausschreibung stellte der Autor Håkan Nesser während der Tübinger Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen 2017. Es lautete: Ein gelber Schuh. Der Würth-Literaturpreis ist ein für den Nachwuchs geschaffener Preis. Prämiert werden Prosa-Texte mit einer Länge von ca. 10.000 Zeichen, die überzeugend eigene sprachliche Wege gehen. Die Texte werden der Jury in anonymisierter Form vorgelegt.</p><p>Die Jury des Würth-Literaturpreises bilden: Hans-Ulrich Grunder (Erziehungswissenschaftler, Basel); Dorothee Kimmich (Literaturwissenschaftlerin und Organisatorin der Poetik-Dozentur, Universität Tübingen); Karl-Heinz Ott (Schriftsteller, Freiburg); Manfred Papst (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag); Thomas Scheuffelen (Professor für Literaturwissenschaft, TU Darmstadt) sowie Philipp Alexander Ostrowicz (Copenhagen Business School, Kopenhagen, Dänemark).</p><p>Weitere zwölf Erzählungen aus dem Wettbewerb werden zusammen mit den Texten der Preisträger in die Anthologie des Würth-Literaturpreises aufgenommen. Der Band erscheint im Oktober 2018 im Swiridoff-Verlag, Künzelsau. Die Preisverleihung wird am 28. Oktober 2018 im Museum Würth in Künzelsau stattfinden. Weitere Informationen unter: <a href="http://www.poetik-dozentur.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.poetik-dozentur.de</a></p><p>Der Würth-Literaturpreis ist ein Projekt der Stiftung Würth.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Philipp A. Ostrowicz – Vorsitzender der Jury<br> Universität Tübingen<br> Deutsches Seminar<br> Telefon +49 7071 29-74261<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,quvtqykebBrqgvkm/fqbgpvwt0fg" data-mailto-vector="2">ostrowicz<span style="display:none">spam prevention</span>@poetik-dozentur.de</a></p><h3>&nbsp;</h3><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20066</guid><pubDate>Mon, 16 Apr 2018 15:57:08 +0200</pubDate><title>Wohlstandsgefälle innerhalb der Länder Europas hat historische Wurzeln</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wohlstandsgefaelle-innerhalb-der-laender-europas-hat-historische-wurzeln/</link><description>Wirtschaftswissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen 300 europäische Regionen um 1900 auf einen Zusammenhang zwischen landwirtschaftlichen Betriebsgrößen und Bildungsniveau</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Einkommensunterschiede zwischen dem reicheren Nord- und ärmeren Süditalien sind groß; ähnliche regionale Unterschiede sind zum Beispiel auch innerhalb Russlands oder Spaniens zu beobachten. Innerhalb Deutschlands bestehen ebenfalls regionale Ungleichheiten – davon zeugt auch der Länderstrukturausgleich. Dr. Ralph Hippe und Professor Jörg Baten vom Lehrstuhl Wirtschaftsgeschichte der Universität Tübingen sind in einer Studie der Frage nachgegangen, wie solche enormen Wohlstandsunterschiede zustande kommen. Sie blickten zurück auf 300 europäische Regionen um das Jahr 1900 und untersuchten die damalige Struktur der Landwirtschaft. Es ergab sich eine deutliche Korrelation: Wo damals die Bauern aufgrund ihrer Lebensverhältnisse ein gutes Bildungsniveau erreichten, sind heute die wohlhabenderen Regionen zu finden. Die neue Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift <em>Journal of Economic Growth</em> veröffentlicht.</p><p>Geografische Faktoren haben auf die ökonomische Entwicklung in der Geschichte der Menschen immer wieder großen Einfluss genommen. Diesen Einfluss untersuchten Hippe und Baten in ihrer Studie zu 300 europäischen Regionen um das Jahr 1900. Ausgehend von geografischen Faktoren wie Bodenqualität, Meereshöhe, Relief der Landschaft und Klima untersuchten sie, wie die regionale Verteilung rechnerischer Fähigkeiten in der Bevölkerung aussah sowie welcher Lebensstandard sich herausbildete. „Der Wohlstand korrelierte nicht einfach mit der Höhe der Ernteerträge, sondern mit der Struktur der Landwirtschaft, die vor Jahrhunderten entstand“, fasst Hippe die Ergebnisse zusammen. War die Bodengüte günstig für mittelgroße Bauernhöfe mit Vieh und etwas Getreideanbau, achteten die dort lebenden Bauern darauf, dass ihre Kinder eine gewisse Bildung erhielten. „Wer später einen landwirtschaftlichen Betrieb führen würde, sollte mit Kalendern, Wissen über Viehkrankheiten und Wetterlagen umgehen können“, erklärt der Wissenschaftler. Dies sei um etwa 1900 typisch für Nord- und Nordwesteuropa, aber auch für viele europäische Gebirgsregionen, Nordspanien, Norditalien und die dünn besiedelten südöstlichen und nordöstlichen Grenzregionen des Russischen Reiches gewesen. Anders war die Situation in Regionen, in denen Boden und Klima günstig für große Weizenfelder und Großgrundbesitz waren. „Dort entwickelten sich fest etablierte politische Eliten“, sagt Baten. Diese wiederum gewährten ihren Arbeitern kaum Zugang zu Bildung. „In den betroffenen Regionen blieb die ‚europäische Bildungsrevolution‘ des 16. bis frühen 20. Jahrhunderts aus.“</p><p>Die daraus folgenden Strukturen beim Bildungsstand, vor allem bei den rechnerischen Fähigkeiten, werden auf den Landkarten der Regionen sichtbar. „Diese Muster korrespondieren eng mit heutigen Wohlstandsunterschieden“, sagt Baten. Ein höherer Bildungsstand der ländlichen Bevölkerung um 1900 deckt sich auf der Karte der Regionen heute mit einem größeren Wohlstand. „Das ist vor allem deshalb interessant, weil die eigentliche Ursache der heutigen regionalen Wohlstandsunterschiede, die Landwirtschaft, ihre ökonomische Bedeutung stark eingebüßt hat“, sagt Baten. Weil sich aber einige Regionen damals auf eine bildungsintensivere Wirtschaftsweise spezialisiert hätten – und andere nicht –, seien diese Pfadabhängigkeiten prägend geblieben – bis heute.</p><h3>Publikation:</h3><p>Joerg Baten, Ralph Hippe: Geography, land inequality and regional numeracy in Europe in historical perspective. <em>Journal of Economic Growth</em> (2018) 23:79–109,</p><p><a href="https://doi.org/10.1007/s10887-017-9151-1" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s10887-017-9151-1</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Jörg Baten</p><p>Universität Tübingen</p><p>Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät</p><p>Lehrstuhl Wirtschaftsgeschichte</p><p>Telefon +49 7071 29-78167</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ykuqigBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">wisoge<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-20084</guid><pubDate>Mon, 16 Apr 2018 12:00:00 +0200</pubDate><title>Der Nahe Osten im Umbruch</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-nahe-osten-im-umbruch/</link><description>Öffentlicher Vortrag von Senator Hasan Abu Nimah: Ehemaliger jordanischer Botschafter spricht an der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die geopolitische Landkarte des Nahen Ostens hat sich nach den arabischen Aufständen von 2011 dramatisch verändert: Zahlreiche Länder, darunter Syrien, Libyen und Jemen, leiden unter Krieg, politischen Turbulenzen und dem Zerfall staatlicher Ordnung.</p><p>Zur aktuellen Lage im Nahen Osten spricht der ehemalige Botschafter Jordaniens, S.E. Senator Hasan Abu Nimah, an der Universität Tübingen: Sein Vortrag „<strong>Changing Political Maps ‒ The Situation in the Middle East and the Arab World Today</strong>“ erörtert Herausforderungen und Chancen für den Nahen Osten. Thema werden dabei die Rollen Saudi-Arabiens, des Irans, der USA und Russlands sein sowie Jordaniens Position und Potenziale inmitten der Konflikte. Zu der Veranstaltung am<strong> Montag, den 23.  April, um 18 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22)</strong> sind die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreter herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig. Der Vortrag und die anschließende Diskussion finden auf Englisch statt.</p><p>S.E. Senator Hasan Abu Nimah ist Berichterstatter des Ausschusses für Internationale Beziehungen des Senats des Haschemitischen Königreichs Jordanien. Er verbrachte einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn als Diplomat unter anderem in Rom und Brüssel sowie als Botschafter des Königreichs bei den Vereinten Nationen in New York. Er war Direktor des „Royal Institute for Interfaith Studies“ in Amman und Berater von Prinz El Hassan bin Talal. Seine wöchentlichen Kolumnen in der Jordan Times sind öffentlich zugänglich unter <a href="http://www.jordantimes.com/opinion" target="_blank" rel="noreferrer">www.jordantimes.com/opinion</a>.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Oliver Schlumberger<br> Universität Tübingen<br> Institut für Politikwissenschaft<br> Telefon +49 7071 29-78372<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ogpcBkhr0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">mena<span style="display:none">spam prevention</span>@ifp.uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h5>&nbsp;</h5><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19982</guid><pubDate>Fri, 13 Apr 2018 13:47:17 +0200</pubDate><title>Forschung und Lehre in mittelalterlicher Klosterstadt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschung-und-lehre-in-mittelalterlicher-klosterstadt/</link><description>Universität Tübingen führt Lehrveranstaltungen auf Campus Galli durch ‒ Wissenschaftler und Studierende untersuchen Brenntechniken antiker Keramik</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Klosterbaustelle „Campus Galli“ bei Meßkirch wird Lern- und Forschungsort der Universität Tübingen: Auf dem 25 Hektar großen Gelände entsteht eine Klosterstadt auf Grundlage des einzig erhaltenen Bauplans aus dem Mittelalter, dem St. Galler Klosterplan. Die Handwerker nutzen dafür ausschließlich mittelalterliche Werkzeuge und Techniken. In der neuen Kooperation wird das Kompetenzzentrum für Archäometrie - Baden-Württemberg (CCA-BW) der Universität unter Leitung von Dr. Christoph Berthold, Professor Klaus Nickel und Seniorprofessor Klaus Bente regelmäßig Lehr- und Forschungsprojekte durchführen. In einer ersten gemeinsamen Lehrveranstaltung wird die Produktion antiker Keramiken erforscht.</p><p>Dr. Silvia Amicone vom CCA-BW, Studierende und Martin Rogier, der Töpfer des Campus Galli, führen in diesem Frühjahr, am 20. April, in einer Lehrveranstaltung vor Ort den sogenannten offenen Grubenbrand durch ‒ mit dieser Technik wurde im Mittelalter Gebrauchsgeschirr hergestellt. Die Ergebnisse aus diesem und anderen Experimenten auf dem Campus Galli werden mit archäometrischen Untersuchungen an den Endprodukten und mit archäologischen Funden verglichen, um insgesamt die damaligen Techniken besser verstehen zu können.</p><p>„So verbinden wir geisteswissenschaftlich-historische Ansätze mit naturwissenschaftlichen und methodischen Fragestellungen“, sagt Christoph Berthold. „Ein äußerst vielversprechender Ansatz, von dem wir uns ein deutlich besseres Verständnis der damaligen Produktionstechniken im Unterschied zu idealisierten Laborexperimenten erhoffen. Die Klosterbaustelle „Campus Galli“ liefert uns hier eine einzigartige Möglichkeit antike Techniken unter realen Bedingungen zu untersuchen.“</p><p>Der Kooperationsvertrag wird am Freitag, den 20. April um 10.30 Uhr auf dem Campus Galli übergeben. Die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen, wir bitten Journalisten um Anmeldung beim Campus Galli unter Telefon 07575-9266495 oder unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pcrkgtcncBecorwu/icnnk0fg" data-mailto-vector="2">napierala<span style="display:none">spam prevention</span>@campus-galli.de</a>. Wissenschaftler und Studierende der Universität Tübingen werden vor Ort ihre Arbeit demonstrieren und Fragen beantworten. Das detaillierte Programm finden Sie untenstehend, Informationen zum Projekt und Anfahrt unter <a href="http://www.campus-galli.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.campus-galli.de</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Christoph Berthold</p><p>Universität Tübingen</p><p>Competence Center Archaeometry - Baden-Wuerttemberg</p><p>Telefon: +49 7071 29-72604</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ejtkuvqrj0dgtvjqnfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">christoph.berthold<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Das Programm</strong></p><p>10.30 Uhr: Begrüßung auf dem Parkplatz des Campus Galli, anschließend kurzer Fußmarsch (ca. 10 min.) auf Waldweg zum Vorplatz der Kirche</p><p>Grußworte:<br> - Prof. Dr. Jochen Hirsch, Universität Tübingen<br> - Anton Oschwald, 1. Vorsitzender des Trägervereins „Karolingische Klosterstadt e.V.“<br> - Dr. Christoph Berthold, Leiter CCA-BW</p><p>Übergabe des Kooperationsvertrags und Signierung</p><p>Wanderung (ca. 5 min.) zum Grubenbrand inkl. Besichtigung, Lehrveranstaltung und Empfang</p><p>Führung über das Gelände des Campus Galli</p><p><strong>Competence Center Archaeometry - Baden-Wuerttemberg (CCA-BW)</strong><br> Das Competence Center Archaeometry - Baden-Wuerttemberg (CCA-BW) wurde 2016 an der Universität Tübingen gegründet und ist aus dem Teilbereich Materialwissenschaftliche Archäometrie in der Angewandten Mineralogie hervorgegangen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen archäologische Artefakte mit speziell auf archäologische Bedarfe zugeschnittenen Analyseverfahren und modernsten Messmethoden. Sie bearbeiten damit auch materialwissenschaftliche Fragestellungen, beispielsweise im Bereich der industriellen Prozesskontrolle, Materialentwicklung oder Schadensanalyse. Das CCA-BW wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Firma Helmut Fischer Institut für Elektronik und Messtechnik GmbH in Sindelfingen sowie aus Mitteln der Exzellenzinitiative an der Universität Tübingen gefördert. <a href="http://www.cca-bw.de/" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.cca-bw.de</a></p><p><strong>Der Campus Galli</strong></p><p>Im Projekt Campus Galli baut der Verein „Karolingische Klosterstadt e.V.“ seit 2013 ein frühmittelalterliches Kloster auf Grundlage des 1200 Jahre alten St. Galler Klosterplans. Auf einer Gesamtfläche von 25 Hektar entstehen im Laufe der nächsten Jahrzehnte zahlreiche Gebäude und eine Landwirtschaft, zur Anwendung kommen dabei nur mittelalterliche Werkzeuge. Der Bauprozess gibt einzigartigen Einblick in mittelalterliches Handwerk sowie die Planung von Bauwerken und Architektur zur Zeit der Karolinger, aber auch in Techniken wie die Keramikherstellung und Metallverarbeitung. Zu sehen sind aktuell bereits eine Holzkirche, zahlreiche Werkstätten, Gärten und Äcker. Das gemeinnützige Projekt finanziert sich über die Besuchereinnahmen. <a href="https://www.campus-galli.de/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.campus-galli.de/</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19939</guid><pubDate>Thu, 12 Apr 2018 13:40:06 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen: Andreas Rothfuß als Kanzler wiedergewählt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-andreas-rothfuss-als-kanzler-wiedergewaehlt/</link><description>Senat und Universitätsrat bestätigen Amtsinhaber für weitere acht Jahre ‒ Seit 2003 Verwaltungschef der Universität</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Andreas Rothfuß wird für weitere acht Jahre als Kanzler der Universitätsleitung angehören: Senat und Universitätsrat der Universität Tübingen bestätigten den amtierenden Kanzler am Donnerstag im Amt. Das Votum erfolgte einstimmig, ohne Gegenstimmen und Enthaltungen. Die neue Amtszeit beginnt am 27. Juni 2019. Andreas Rothfuß ist seit 2003 Kanzler der Universität Tübingen und tritt damit seine dritte Amtsperiode an.</p><p>„Wir freuen uns, dass Andreas Rothfuß für eine weitere Zusammenarbeit zur Verfügung steht“, sagte Rektor Professor Bernd Engler. Seit mehr als einem Jahrzehnt habe er die Universität Tübingen als Kanzler mit gesteuert und durch viele wichtige Entwicklungsprozesse und Reformen begleitet. „Gerade in der herausfordernden Bewerbungsphase für die Exzellenzinitiative ist es für uns wichtig, auf seine Expertise und seinen Erfahrungsschatz zählen zu können.“</p><p>Andreas Rothfuß (geb. 1967) hat an der Universität Mannheim Volkswirtschaftslehre studiert und absolvierte ein MBA-Studium an der Portland State University in Oregon, USA. 1997 wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Universität zu Köln zum Thema „Hochschulen in den USA und in Deutschland: Ein Vergleich aus ökonomischer Sicht“ promoviert. Ab 1997 war Rothfuß im Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg tätig: Er war stellvertretender Leiter des Referats für Soziale Betreuung der Studierenden und leitete ab 1999 die Gruppe „Globalhaushalt und neue Steuerungsinstrumente, Controlling“.</p><p>Als Kanzler ist Andreas Rothfuß Leiter der Universitätsverwaltung und für die Bereiche Finanzen, Haushalt, Personal, Bau und Umweltschutz zuständig. „Ich freue mich auf eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität“, sagte er nach der Wahl. Die Universität habe in den vergangenen Jahren stetig zugelegt, sei es bei der Zahl der Beschäftigten oder bei der Drittmitteleinwerbung. Diese positive Entwicklung gelte es beizubehalten und gleichzeitig ihre Herausforderungen zu bewältigen. Ziel sei etwa ein Aufwuchs in der Grundfinanzierung aus Landes- und Bundesmitteln, um die Einnahmesituation langfristig zu verbessern. Eine weitere Daueraufgabe bleibe die zufriedenstellende Unterbringung aller Universitätsangehörigen, hier sei man dringend auf bauliche Erweiterungen angewiesen. „Mit dem Konzept ‚Campus der Zukunft‘ haben wir hierfür einen Masterplan, der nun schrittweise umgesetzt werden muss“, sagte Rothfuß. „Unser großes Ziel bleibt es, in der Exzellenzstrategie erfolgreich zu sein. Die Universität Tübingen will zu den zehn besten Forschungsuniversitäten Deutschlands gehören und auch weltweit konkurrenzfähig sein.“</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon +49 7071 29-76788<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19839</guid><pubDate>Wed, 11 Apr 2018 19:00:00 +0200</pubDate><title>Ein Immungedächtnis im Gehirn</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-immungedaechtnis-im-gehirn/</link><description>Entzündungsreaktionen können die Immunzellen des Gehirns langfristig verändern – die Zellen haben also ein „Immungedächtnis“. Dieses Immungedächtnis beeinflusst möglicherweise den Verlauf später auftretender neurologischer Erkrankungen und stellt somit einen bislang unbekannten Faktor dar, der den Schweregrad dieser Krankheiten beeinflussen könnte. Das berichten Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und der Universität Tübingen in der renommierten Zeitschrift „Nature“. Ihre Studie beruht auf einer Kooperation mit Forschern aus Göttingen, Bonn und Freiburg.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mikroglia sind Immunzellen, die nur im Gehirn vorkommen. Sie schützen das Gehirn, indem sie es von Fremdkörpern oder toxischen Substanzen reinigen. In bestimmten Fällen können sie jedoch auch Schaden anrichten. Schon lange stehen sie im Verdacht, bei neurodegenerativen Erkrankungen eine zentrale Rolle zu spielen.</p><p>Da Mikroglia sehr langlebig sind, interessierten sich die Wissenschaftler für die Frage, ob sich diese Immunzellen im Laufe der Zeit durch Umwelteinflüsse verändern und welchen Einfluss dies auf die Gesundheit des Gehirns hat. „Aus epidemiologischen Studien weiß man, dass Infektionskrankheiten oder Entzündungen über die Lebensspanne hinweg den Schweregrad einer viel später auftretenden Alzheimer-Erkrankung beeinflussen können. Wir haben uns daher gefragt, ob ein Immungedächtnis in den langlebigen Mikroglia dieses Risiko vermitteln könnte“, erklärt Dr. Jonas Neher, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DZNE und am HIH.</p><h3>Stimulierte Immunreaktion</h3><p>Um dieser Frage nachzugehen, lösten Neher und seine Kollegen in Mäusen eine Entzündung außerhalb des Gehirns aus; es war bereits bekannt, dass dies eine Immunreaktion im Gehirn hervorrufen kann. Ob Mikroglia sich an eine vorhergehende Entzündung erinnern könnten, war jedoch unklar. Je nachdem, wie oft die Wissenschaftler diesen Vorgang wiederholten, konnten sie in den Mikrogliazellen des Gehirns zwei verschiedene Zustände hervorrufen: „Training“ und „Toleranz“. Durch die erste entzündliche Aktivierung wurden die Mikroglia trainiert – bei der nächsten reagierten sie deshalb stärker. Nach viermaliger Aktivierung hingegen war Toleranz eingetreten und die Mikroglia sprachen kaum noch an.</p><p>In einem nächsten Schritt untersuchten die Forscher, wie sich Training und Toleranz der Mikroglia langfristig auf die Bildung von Amyloid-Plaques – charakteristische toxische Ablagerungen im Gehirn von Alzheimerpatienten – auswirken. In einem Mausmodell der Alzheimer Pathologie beobachteten Neher und seine Kollegen, dass trainierte Mikroglia auch noch viele Monate nach dem Auslösen des Immungedächtnisses zur verstärkten Bildung von Plaques führten und somit den Krankheitsverlauf verschlimmerten. Tolerante Mikroglia hingegen verringerten die Menge der Plaques. Ähnliche Unterschiede beobachteten die Wissenschaftler auch in einem Mausmodell von Schlaganfall.</p><h3>Veränderungen an der DNA</h3><p>Um diese Unterschiede genauer zu verstehen, untersuchten die Forscher epigenetische Veränderungen der Mikroglia – das heißt chemische Modifikationen an der DNA oder ihren Verpackungsproteinen, die dazu führen, dass bestimmte Gene dauerhaft stärker oder weniger stark aktiviert sind. Da epigenetische Modifikationen sehr beständig sind, sahen die Forscher in ihnen eine mögliche Erklärung für die langfristigen Verhaltensänderungen der Mikroglia. Diese Vermutung erwies sich als richtig: Auch viele Monate nach der ersten Immunstimulierung zeigten trainierte und tolerante Mikroglia spezifische epigenetische Veränderungen und entsprechende Unterschiede in der Genaktivierung. Diese molekulare Reprogrammierung veränderte wichtige Funktionen der Mikroglia, wie zum Beispiel das Entfernen der Amyloid Plaques und damit das Ausmaß der Alzheimer-Pathologie.</p><h3>Folgen für neurodegenerative Erkrankungen?</h3><p>„Es ist vorstellbar, dass auch beim Menschen entzündliche Krankheiten, die sich primär außerhalb des Gehirns entwickeln, das Immunsystem im Gehirn epigenetisch reprogrammieren“, sagt Neher. Sowohl Infektionen als auch Erkrankungen wie Diabetes oder Arthrose gehen mit Entzündungsreaktionen einher und sind bekannte Risikofaktoren für die Alzheimer Erkrankung. Das Immungedächtnis des Gehirns – epigenetisch veränderte Mikroglia – wäre hierfür eine mögliche Erklärung. Unter welchen Bedingungen sich Mikroglia beim Menschen epigenetisch verändern und welche therapeutischen Möglichkeiten sich daraus ergeben, ist nun Gegenstand weiterer Untersuchungen.</p><h3>Förderhinweis</h3><p>Diese Studie wurde unterstützt durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes, ein Roman-Herzog-Forschungsstipendium der Hertie-Stiftung sowie von Fördermaßnahmen aus dem Netzwerk ‘Neuroinflammation in Neurodegeneration’, der Sobek-Stiftung, der DFG, dem European Research Council, dem Fortüne-Programm, der Fritz Thyssen Stiftung und der Paul G. Allen Family Foundation.</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Wendeln, Degenhardt et al. (2018): “Innate immune memory in the brain shapes neurological disease hallmarks“, <em>Nature</em>, Online Vorabveröffentlichung am 11.04.2018</p><p>doi: 10.1038/s41586-018-0023-4</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Jonas Neher</p><p>Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen</p><p>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung</p><p>Universität Tübingen</p><p>Telefon +49 7071 925-4351</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lqpcu0pgjgtBfbpg0fg" data-mailto-vector="2">jonas.neher[at]dzne.de</a></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454471" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/9/9/csm_18-04-11JonasNeher_4f739e5235.jpg" width="300" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454474" data-htmlarea-zoom="true" height="238" src="fileadmin/_processed_/0/8/csm_18-04-11plaques_rot__Immunzellen_schwarz__97b764d0c3.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td><p>Leiter der aktuellen Studie: Dr. Jonas Neher, Wissenschaftler am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Copyright: HIH/Akshay Markanday</p></td><td><p>Tübinger Forscher haben festgestellt, dass die Immunzellen des Gehirns sich an vorherige Entzündungen „erinnern“ können. Sie berichten darüber im Fachjournal „Nature“. Diese Abbildung zeigt solche Immunzellen (in Schwarz), die sich rund um sogenannte Plaques (in Rot) versammelt haben. „Plaques“ sind unlösliche Proteinablagerungen und typisch für die Alzheimer-Erkrankung. Copyright: DZNE &amp; HIH/Neher</p></td></tr></tbody></table></div></div><p>&nbsp;</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19819</guid><pubDate>Wed, 11 Apr 2018 09:58:04 +0200</pubDate><title>Chaos lässt Quantensensoren exakter arbeiten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/chaos-laesst-quantensensoren-exakter-arbeiten/</link><description>Physiker der Universität Tübingen entwickeln eine Methode, die hochempfindliche Sensoren genauer messen lässt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Quantensensoren erfassen Größen wie Temperatur, Magnetfeldstärke oder Beschleunigungen sehr genau. Und sie arbeiten noch exakter, wenn ihre Messdynamik chaotisch wird: Dies zeigen Physiker der Universität Tübingen in einer Studie, in der sie eine Methode entwickelten, mit der sich die Messgenauigkeit hochpräziser Sensoren um weitere 70 Prozent verbessern ließ. Doktorand Lukas Fiderer und Professor Daniel Braun vom Institut für Theoretische Physik nutzten in einer Computersimulation schwache Laserpulse um die Messdynamik eines Magnetfeld-Sensors zu stören. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Quantenmetrologie ist ein Teilgebiet der Metrologie, also der Wissenschaft des Messens. Sie unterscheidet sich von herkömmlichen Messmethoden, weil hier quantenmechanische Systeme wie beispielsweise Atome oder Photonen als Sensoren eingesetzt werden, die nur mit den Gesetzen der Quantenmechanik beschrieben werden können. Herkömmliche klassische Sensoren folgen einer regulären, vorhersehbaren Messdynamik. Sie sind so konstruiert, dass Chaos ‒ so bezeichnet die theoretische Physik Dynamiken, in denen Störungen exponentiell stark anwachsen ‒ vermieden wird, da sonst die Messung von Parametern unvorhersehbar oder gar unmöglich wird. Quantenmechanische Sensoren folgen aber anderen Gesetzen: Das sogenannte Quantenchaos muss hier keineswegs mit Unvorhersehbarkeit einhergehen.</p><p>Die Wissenschaftler berechneten deshalb, wie sich die Messgenauigkeit ändert, wenn sich der Quantensensor nicht regulär verhält, sondern „zunehmend chaotisch“. Dafür beschrieben sie mit Formeln ein physikalisches Modell und simulierten dann einen Quantensensor, das sogenannte Atomdampf-Magnetometer, und dessen Messdynamik im Computer. Diese bereits sehr genauen Magnetfeld-Sensoren enthalten in einer Glaszelle einen Dampf aus Alkali-Atomen. Befindet sich die Zelle in einem Magnetfeld, drehen sich die Atome wie kleine Kompassnadeln. Indem man mit einem Laser die Richtung der Drehung ausmisst, wird das Magnetfeld gemessen. „In der Simulation haben wir die Atome während des Messvorgangs mit schwachen Laserpulsen beschossen, damit die Messdynamik chaotisch wird“, erklärt Lukas Fiderer, der diese Forschung im Rahmen seiner Masterarbeit begann und nun dazu promoviert.</p><p>Als Ergebnis habe man eine Verbesserung der Messgenauigkeit um 70 Prozent berechnen können. Ein entscheidender Vorteil sei, dass die chaotische Dynamik so eingestellt werden könne, dass der Sensor robuster gegenüber störenden Wechselwirkungen mit der Umgebung sei. Die Wissenschaftler haben den neuen Magnetfeldsensor bereits als Patent angemeldet. „Wir hoffen, dass unser Modell bald experimentell realisiert wird und gehen davon aus, dass die Methode Anwendung in verschiedenen Quantensensoren findet. So könnte sie ein Baustein auf dem Weg zu genaueren und robusteren Sensoren sein.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Lukas J. Fiderer, Daniel Braun: Quantum metrology with quantum-chaotic sensors. <em>Nature Communications</em> 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-03623-z</p><h3>Kontakt:</h3><p>Lukas Fiderer</p><p>Universität Tübingen</p><p>Institut für theoretische Physik</p><p>Telefon +49 7071 29 78641</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,nwmcu0hkfgtgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">lukas.fiderer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Daniel Braun</p><p>Universität Tübingen</p><p>Institut für theoretische Physik</p><p>Telefon +49 7071 29-78633</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fcpkgn0dtcwpBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">daniel.braun<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/quantum-optics" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/quantum-optics</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19789</guid><pubDate>Tue, 10 Apr 2018 16:44:37 +0200</pubDate><title>Gletscher im Pleistozän beeinflussten die heutige Form der Olympic Mountains</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gletscher-im-pleistozaen-beeinflussten-die-heutige-form-der-olympic-mountains/</link><description>Geowissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen räumlichen und zeitlichen Ablauf der Bewegungen der Erdkruste und der Erosion an dem im US-Bundesstaat Washington gelegenen Gebirge</description><content:encoded><![CDATA[<p>Welche Form ein Gebirge annimmt, hängt immer auch von Änderungen des Klimas und von der Tektonik, den Bewegungen der Erdkruste, ab. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen vom Fachbereich Geowissenschaften haben unter der Leitung von Professor Todd Ehlers untersucht, welchen Einfluss die weltweite Klimaabkühlung und Vergletscherung im Pleistozän vor rund zwei Millionen Jahren auf die Entwicklung heutiger Gebirge hatte. Als Forschungsobjekt wählten sie die Olympic Mountains im Nordwesten der USA. Ihren Ergebnissen zufolge störten die Gletscher den stabilen Zustand des Gebirges, indem sie vor zwei bis drei Millionen Jahren die Freilegung der Gesteine durch Erosion massiv steigerten. Die Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift <em>Geology </em>veröffentlicht.<br><br></p><p>Der Gebirgszug der Olympic Mountains liegt auf der Halbinsel Olympic im gleichnamigen Nationalpark im Bundesstaat Washington. Die höchste Erhebung ist der Mount Olympus mit 2428 Metern. Das Gebirge ist tektonisch aktiv, es liegt in dem Bereich, in dem die Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerikanische Platte taucht, und es ist vergletschert. In den Olympic Mountains nahmen die Wissenschaftler über einen größeren Bereich 30 neue Gesteinsproben in jeweils rund 400 Meter Höhe. Wenn Gestein über Jahrmillionen aus der Tiefe weiter an die Erdoberfläche gelangt, kühlt es dabei ab. Mit empfindlichen thermochronometrischen Messungen können Wissenschaftler bestimmen, wann das Gestein freigelegt wurde. „Das Alter des Gesteins nimmt vom Rand des Gebirges ins Innere hinein ab“, berichtet Lorenz Michel, der Erstautor der Studie.<br><br></p><p>Die Wissenschaftler entwickelten aufgrund des Musters des jeweiligen Abkühlungsalters der Proben ein Modell, mit dem sich die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte der Olympic Mountains erklären lässt. „Die Daten deckten sich am besten mit der Annahme, dass bis zum Beginn der Vergletscherung die Gesteine durch ein von oben gesehen ellipsenförmiges Erosionsmuster abgetragen wurden“, sagt Todd Ehlers. Am Rand dieser Ellipse seien die Berge mit 0,25 Kilometern, im Zentrum der Ellipse sogar mit 0,9 Kilometern pro Millionen Jahre abgetragen worden. Vor zwei bis drei Millionen Jahren müssen die Erosionsraten jedoch angestiegen sein und zwar mit 50 bis 150 Prozent gegenüber der vorherigen Phase.<br><br></p><p>„Über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren befanden sich die Olympic Mountains im Großen und Ganzen in einem Gleichgewichtszustand: Durch die tektonisch bewirkte Hebung wuchs das Gebirge von unten und wurde in etwa in gleichem Maße oben durch Erosion abgetragen“, erklärt Michel. Dass sich das Geschehen vor zwei bis drei Millionen Jahren änderte, führen die Forscher auf die zeitlich passende Vergletscherung im Pleistozän zurück. „Die Gletscher bewirkten eine starke Steigerung der Erosion“, sagt Ehlers. Das räumliche Muster der Erosion werde vor allem durch die tektonischen Verhältnisse bestimmt, die Veränderungen über die Zeit durch die Vergletscherung im Pleistozän. „Dieser Anstieg der Erosion parallel zur Vergletscherung lässt sich auch bei Gebirgen in den Nachbarregionen feststellen“, setzt der Wissenschaftler hinzu.</p><h3>Publikation:</h3><p>Lorenz Michel, Todd A. Ehlers, Christoph Glotzbach, Byron A. Adams, and Konstanze Stübner: Tectonic and glacial contributions to focused exhumation in the Olympic Mountains, Washington, USA. <em>Geology</em>, DOI: 10.1130/G39881.1</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Todd Ehlers<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Geowissenschaften – Geologie und Geodynamik<br> Telefon +49 7071 29-73152<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,vqff0gjngtuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">todd.ehlers<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454423" data-htmlarea-zoom="true" height="81" src="fileadmin/_processed_/f/1/csm_18-04-10Geology_Olympic_Mountains1_c6bf1b00d9.jpg" width="299" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454420" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/f/7/csm_18-04-10Geology_Olympic_Mountains2_d114d8e0bd.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td><p>Der 2428 Meter hohe Mount Olympus in den Olympic Mountains, Blue Glacier im Vordergrund. Eismassen wie dieser Gletscher führten zu einem Anstieg der Erosion vor rund zwei bis drei Millionen Jahren. Foto: Lorenz Michel</p></td><td><p>Der Mount Olympus im Sonnenaufgang. Foto: Lorenz Michel</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454417" data-htmlarea-zoom="true" height="106" src="fileadmin/_processed_/b/b/csm_18-04-10Geology_Olympic_Mountains3_763a854360.jpg" width="300" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="454414" data-htmlarea-zoom="true" height="81" src="fileadmin/_processed_/f/e/csm_18-04-10Geology_Olympic_Mountains4_d473e56c49.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td><p>Die Karte der Halbinsel Olympic links zeigt die Olympic Mountains im US-Bundesstaat Washington, das Dreieck markiert den Mount Olympus. Pinkfarbene Linien zeigen das Ausmaß der pleistozänen Vergletscherung: Kontinentale Eismassen umgaben die Berge im Norden und Osten, und alpine Gletscher stießen vom Zentrum des Gebirges entlang der Täler im Westen fast bis zum Pazifik vor. Rechts sind die Erosionsraten aus dem errechneten Modell eingetragen. Die roten Punkte markieren die Orte der neuen Probennahmen für diese Studie. Abbildungen: aus der Publikation Geology, DOI: 10.1130/G39881.1.</p></td><td><p>Blick vom Mount Angeles in den Olympic Mountains nach Westen in Richtung Elwha-Tal. Foto: Lorenz Michel</p></td></tr></tbody></table></div></div><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong></p><p><strong>Hochschulkommunikation</strong></p><p><strong>Dr. Karl Guido Rijkhoek</strong></p><p><strong>Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt</strong></p><p><strong>Forschungsredakteurin</strong></p><p><strong>Telefon +49 7071 29-77853</strong></p><p><strong>Telefax +49 7071 29-5566</strong></p><p><strong>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19731</guid><pubDate>Mon, 09 Apr 2018 14:43:59 +0200</pubDate><title>Neu entdeckte Supernova-Überreste verraten sich nur durch sehr hochenergetische Gammastrahlung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-entdeckte-supernova-ueberreste-verraten-sich-nur-durch-sehr-hochenergetische-gammastrahlung/</link><description>Astrophysiker der Universität Tübingen veröffentlichen neue Ergebnisse zum 15-jährigen Bestehen des Gamma-Teleskopsystems in Namibia, das von der H.E.S.S.-Kollaboration betrieben wird</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die H.E.S.S.-Teleskope der gleichnamigen Kollaboration durchmustern seit 15 Jahren die Milchstraße nach Quellen von Gammastrahlung. An der Kollaboration sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Andrea Santangelo und Dr. Gerd Pühlhofer beteiligt. Sie interessieren sich für die Quellen sehr hochenergetischer Gammastrahlung im TeV-Energiebereich, also im Bereich von 10<sup>12</sup> Elektronenvolt, was der billionenfachen Energie der sichtbaren Lichtquanten entspricht. Erstmals konnten sie Himmelsobjekte in der Milchstraße allein aufgrund der Aussendung solcher Strahlung klassifizieren: es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Supernova-Überreste, die als Himmelsobjekte nach der Explosion massereicher Sterne zurückbleiben. Die Ergebnisse werden in einer Sonderausgabe des Fachjournals <em>Astronomy &amp; Astrophysics</em> veröffentlicht, die zum 15-jährigen Bestehen der H.E.S.S.-Teleskope mit der bisher größten Datensammlung des Projekts erscheint.</p><p>Mehr als 200 TeV-Gammaquellen sind bisher sowohl in der Milchstraße als auch im extragalaktischen Raum bekannt. „Häufig können wir die Strahlung bekannten astrophysikalischen Objekten zuordnen, die bereits zuvor mit konventionellen Teleskopen in niedrigeren Frequenzbändern untersucht wurden, zum Beispiel im Bereich von optischen Wellenlängen oder Radiowellenlängen“, sagt Gerd Pühlhofer. „Interessanterweise wurden mit der systematischen Durchmusterung der Ebene der Milchstraße durch die H.E.S.S.-Teleskope aber auch viele neue Quellen entdeckt, die nicht oder nicht eindeutig mit Objekten in niedrigeren Frequenzbereichen assoziiert sind.“ Umgekehrt seien die Daten der TeV-Strahlung allein üblicherweise nicht ausreichend, um eine Quelle einem bestimmten Typ von astrophysikalischem Objekt zuzuordnen. „Diese nicht identifizierten Objekte bleiben ein großes Rätsel in der Gammastrahlenastronomie.“</p><h3>Detailreiche Daten</h3><p>Doch die hochentwickelten H.E.S.S.-Teleskope lieferten so detailreiche Daten, dass die Forscher weitergekommen sind. „Zum ersten Mal sind wir nun in der Lage, nicht identifizierte TeV-Quellen allein durch eben diese Daten einer bestimmten Objektklasse zuzuordnen“, sagt Pühlhofer. „Drei bestimmte Quellen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Supernova-Überreste.“</p><p>Ein Supernova-Überrest ist ein Himmelsobjekt, das sich nach der Explosion eines massereichen Sterns am Ende seiner Lebensdauer ausbildet. Die Materie, die durch eine solche Explosion herausgeschleudert wird, führt zu Schockwellen, die sich in den interstellaren Raum ausbreiten. Dort wird die Materie aufgeheizt und Teilchen auf relativistische Geschwindigkeiten beschleunigt. Die Teilchen reagieren mit Licht und Gas in der Nähe ihres Entstehungsortes und produzieren dadurch sehr hochenergetische Gammastrahlen. „Wir wissen seit über einem Jahrzehnt, dass manche der 300 bekannten Supernova-Überreste in unserer Galaxie stark im TeV-Licht strahlen“, erklärt der Doktorand Daniel Gottschall aus Pühlhofers Forschungsgruppe. „Doch all diese Objekte waren schon aus Beobachtungen in anderen Wellenlängen bekannt und als Supernova-Überreste klassifiziert worden“, ergänzt Massimo Capasso, ebenfalls Doktorand in der Forschungsgruppe.</p><h3>Weitere Forschungsfragen</h3><p>Es bleibe die Frage, so Gerd Pühlhofer, warum diese Supernova-Überreste bisher jeder Beobachtung entgangen sind. „Sie sind so groß wie der Vollmond, allerdings sowohl für das menschliche Auge als auch für konventionelle, wie etwa optische, Teleskope völlig unsichtbar“, erklärt der Astrophysiker. Er hält es für möglich, dass sie bei früheren Himmelsdurchmusterungen wegen ihrer Position in der Milchstraße und ihrer großen Ausdehnung nicht von den vielen anderen Objekten zu unterscheiden gewesen sind oder zumindest teilweise durch Gase im Vordergrund verdeckt sind. „Eine aufregendere Möglichkeit wäre, dass die Supernova-Überreste sich in ihrer Zusammensetzung von den anderen großen Überresten, die bisher mit den H.E.S.S.-Teleskopen untersucht wurden, substanziell unterscheiden“, sagt er. „Sie könnten zu einer speziellen Sorte von Supernova-Überresten gehören, deren Gammastrahlung durch Hadronen ausgelöst wird.“</p><p>Für ihre weiteren Forschungen in der TeV-Gammastrahlen-Astronomie setzen die Wissenschaftler auf die noch empfindlicheren Geräte der nächsten Generation, das Cherenkov Telescope Array CTA, das zurzeit entwickelt wird. Es soll im nächsten Jahrzehnt in Betrieb gehen und von der Erde aus ein noch genaueres Bild von der Gammastrahlung in der Milchstraße liefern.</p><h3>Publikationen:</h3><p>A search for new supernova remnant shells in the Galactic plane with H.E.S.S. Corresponding authors: G. Pühlhofer, D. Gottschall, M. Capasso. H. Abdallah et al. (H.E.S.S. collaboration), <em>Astronomy &amp; Astrophysics</em>, Vol. 612, <a href="https://doi.org/10.1051/0004-6361/201730737" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1051/0004-6361/201730737</a></p><p>A&amp;A-Sonderausgabe:<br><a href="https://www.aanda.org/component/toc/?task=topic&amp;id=915" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.aanda.org/component/toc/?task=topic&amp;id=915</a></p><p>Pressemitteilung der H.E.S.S.-Kollaboration über die Sonderausgabe:<br><a href="https://www.mpi-hd.mpg.de/hfm/HESS/pages/press/2018/AA-Special-Issue/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.mpi-hd.mpg.de/hfm/HESS/pages/press/2018/AA-Special-Issue/</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen</p><p>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät</p><p>Institut für Astronomie und Astrophysik/Kepler Center for Astro and Particle Physics</p><p>Dr. Gerd Pühlhofer</p><p>Telefon +49 7071 29-74982</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,igtf0rwgjnjqhgtBcuvtq0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">gerd.puehlhofer<span style="display:none">spam prevention</span>@astro.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Andrea Santangelo</p><p>Telefon +49 7071 29-78128<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ucpvcpignqBcuvtq0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">santangelo<span style="display:none">spam prevention</span>@astro.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Links:</h3><p>Institut für Astronomie and Astrophysik Tübingen:</p><p><a href="http://www.physik.uni-tuebingen.de/institute/astronomie-astrophysik/institut/astronomie/astronomie-hochenergieastrophysik.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.physik.uni-tuebingen.de/institute/astronomie-astrophysik/institut/astronomie/astronomie-hochenergieastrophysik.html</a></p><p>H.E.S.S.: <a href="http://www.mpi-hd.mpg.de/HESS" target="_blank" rel="noreferrer">www.mpi-hd.mpg.de/HESS</a></p><p>H.E.S.S.-Instrument: <a href="http://www.mpi-hd.mpg.de/HESS/pages/about/" target="_blank" rel="noreferrer">www.mpi-hd.mpg.de/HESS/pages/about/</a></p><p>CTA-Observatorium: <a href="https://www.cta-observatory.org/" target="_blank" rel="noreferrer">www.cta-observatory.org</a></p><p>H.E.S.S. II -Pressemitteilung der Tübinger Universität:</p><p><a href="https://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/beschleuniger-kosmischer-strahlung-mit-beispielloser-energie-im-zentrum-der-milchstrasse.html" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/beschleuniger-kosmischer-strahlung-mit-beispielloser-energie-im-zentrum-der-milchstrasse.html</a></p><p><strong>Die H.E.S.S.-Teleskope</strong></p><p>Die Kollaboration: Das H.E.S.S.-Team (H.E.S.S. – High Energy Stereoscopic System) besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Namibia, Südafrika, Irland, Armenien, Polen, Australien, Österreich, Schweden und den Niederlanden. Die Universität Tübingen gehört der H.E.S.S.-Kollaboration über die Abteilung für Hochenergie-Astrophysik des Instituts für Astronomie und Astrophysik Tübingen (IAAT) an. Die Tübinger Beteiligung wird vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell unterstützt.</p><p>Die Geräte: Die Ergebnisse wurden mit den H.E.S.S.-Teleskopen in Namibia, im Südwesten Afrikas, erzielt. Dieses System mit vier Teleskopen mit jeweils einem Durchmesser von 13 Metern, das vor einigen Jahren durch das riesige H.E.S.S. II-Teleskop mit 28 Metern Durchmesser komplettiert wurde, ist eines der empfindlichsten Empfänger von sehr hochenergetischen Gammastrahlen. Diese werden in der Atmosphäre absorbiert, wo sie einen kurzlebigen Teilchenschauer auslösen. Die H.E.S.S.-Teleskope empfangen die schwachen, kurzen blauen Lichtblitze, die diese Teilchen ausstrahlen. Diese sogenannte Tscherenkow-Strahlung blitzt nur für einige Milliardstel Sekunden auf. Die riesigen Spiegel der H.E.S.S.-Teleskope reflektieren das Licht auf extrem empfindliche Kameras. Die H.E.S.S.-Teleskope werden seit Ende des Jahres 2002 betrieben. Sie haben die Mehrzahl der bekannten kosmischen Objekte entdeckt, die sehr hochenergetische Gammastrahlen aussenden. Eine Studie aus dem Jahr 2009 nannte H.E.S.S. unter den Top Ten der Observatorien weltweit.</p><p><strong>Kosmische Strahlung</strong></p><p>Die Erde wird laufend von hochenergetischen Teilchen aus dem All bombardiert. Diese Teilchen sind Protonen, Elektronen und Atomkerne – sie ergeben zusammen die „kosmische Strahlung“. Seit mehr als einem Jahrhundert wird die Herkunft der kosmischen Strahlung erforscht, bleibt aber eins der größten wissenschaftlichen Rätsel. Diese kosmische Strahlung ist elektrisch geladen und wird daher stark von den interstellaren Magnetfeldern, die unsere Galaxie durchziehen, abgelenkt. Ihr Weg durch das All wird durch diese Abweichungen zufällig und unberechenbar, sodass es unmöglich ist, ihre astrophysikalische Herkunft direkt auszumachen. Kosmische Strahlung interagiert mit Licht und Gasen in der Nähe ihrer Quelle und produziert dadurch hochenergetische Gammastrahlen. Diese Gammastrahlen treffen in geraden Linien auf die Erde, sie werden durch magnetische Felder nicht abgelenkt. Diese Gammastrahlung kann daher genutzt werden, um die Quellen kosmischer Strahlung im All zu identifizieren.</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong></p><p><strong>Hochschulkommunikation</strong></p><p><strong>Dr. Karl Guido Rijkhoek</strong></p><p><strong>Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt</strong></p><p><strong>Forschungsredakteurin</strong></p><p><strong>Telefon +49 7071 29-77853</strong></p><p><strong>Telefax +49 7071 29-5566</strong></p><p><strong>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19694</guid><pubDate>Fri, 06 Apr 2018 14:16:52 +0200</pubDate><title>Wohnraum für internationale Gäste gesucht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wohnraum-fuer-internationale-gaeste-gesucht-1/</link><description>Universität Tübingen sucht dringend Wohnungen für Forscher und Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen sucht Wohnraum für ihre internationalen Gäste: Die angespannte Wohnraumsituation Tübingens ist auch für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Doktoranden und Doktorandinnen sowie Stipendiaten und Stipendiatinnen zu spüren. In der Regel kommen sie für einen Zeitraum zwischen drei Monaten und einem Jahr nach Deutschland und suchen für diese Zeit ein vollständig möbliertes Zimmer oder eine möblierte Wohnung. Gerade bei jungen Forscherinnen und Forschern sollte das Quartier zudem bezahlbar sein.</p><p>„Neben dem Grundbedürfnis nach einer Unterkunft, brauchen internationale Gäste eine permanente Adresse, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen oder sich bei der Stadt anmelden zu können“, sagt Kirsten Sonnenschein, Leiterin des Welcome Centers der Universität Tübingen. Die Servicestelle konnte in den vergangenen drei Jahren rund 770 Gäste unterbringen. Dabei handelt es sich aber nur um ca. 60 Prozent derer, die eine Unterkunft gesucht haben. Für 2018 seien die universitätseigenen Zimmer bereits ausgebucht, und man rechne für den Lauf des Jahres mit gut weiteren 400 Gästeanfragen, sagt Sonnenschein. „Wir erwarten für dieses Jahr insgesamt rund 500 Anfragen, die uns erreichen werden, gleichmäßig über das Jahr verteilt.“</p><p>Vermieter aus Tübingen und Umgebung werden gebeten sich beim Welcome Center zu melden, am besten per e-mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ygneqogegpvgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">welcomecenter<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a> oder unter Telefon +49 7071-25 36 493.</p><p>Homepage: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/9263" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/de/9263</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19691</guid><pubDate>Fri, 06 Apr 2018 14:00:25 +0200</pubDate><title>Tübinger Kinder-Uni beginnt am 24. April</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-kinder-uni-beginnt-am-24-april/</link><description>Sechs Vorlesungen für kleine Nachwuchsforscher </description><content:encoded><![CDATA[<p>Ab 24. April halten bei der Tübinger Kinder-Uni wieder sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Vorlesungen für Kinder. Darin beantworten sie jeweils eine Frage aus ihrem Fachbereich auf kindgerechte Weise. Weil es an der Kinder-Uni fast so zugeht wie an der Uni für Erwachsene, gibt es Studierendenausweise, die vor jeder Vorlesung abgestempelt werden. Wer mindestens vier Stempel gesammelt hat, bekommt am Ende ein Kinder-Uni-Diplom.</p><p>Die Vorlesungen finden <strong>ab 24. April</strong> jeweils <strong>dienstags um 17 Uhr im Hörsaal 25</strong> im Kupferbau in der Hölderlinstraße 5 statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei. Die Vorlesungen richten sich an Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren und dauern in der Regel nicht länger als eine Dreiviertelstunde. Erwachsene sind bei der Kinder-Uni nicht zugelassen, es sei denn, sie kommen in Begleitung eines Kindes und sind bereit, zu stehen – Sitzplätze sind hier für Kinder reserviert. Eine Ausnahme für diese Regel gibt es dieses Jahr allerdings: Zur Abschlussvorlesung <strong>am 19. Juni kommt Theresia Bauer, die baden-württembergische Wissenschaftsministerin</strong>. Sie drückt gemeinsam mit den Kindern die Hörsaalbank bei der Vorlesung von Professorin Fahimah Ulfat aus der Islamischen Theologie.</p><h3>Programm</h3><p>In der ersten Vorlesung am <strong>24. April</strong> lädt die Ägyptologin Dr. Susanne Beck zu einer Zeitreise ein und fragt <strong>„Warum bauten die Ägypter die Pyramiden?“</strong></p><p>Auch die Bioinformatikerin Professorin Kay Nieselt beschäftigt sich mit Ägypten – allerdings mithilfe modernster Technik. Sie gibt am <strong>8. Mai</strong> Antworten auf die Frage <strong>„Warum brauchen wir Computer, um das Geheimnis von Mumien zu entschlüsseln?“ </strong></p><p>Am <strong>15. Mai</strong> richtet sich der Blick in die Zukunft: Der Neurologe Dr. Surjo Soekadar forscht an Gehirn-Computer-Schnittstellen und fragt sich gemeinsam mit den Kindern, <strong>warum man mit Gedanken Roboter steuern kann</strong>.</p><p>Keiner tut es gerne und trotzdem lässt es sich nicht immer vermeiden. Besonders Geschwisterkinder haben sich vielleicht schon gefragt <strong>„Warum streiten wir?“ </strong>Professor Olaf Kramer ist Rhetoriker und beantwortet diese Frage am <strong>5. Juni</strong>.</p><p>Blumen schießen in die Höhe, Bäume werden grün: Im Frühjahr wächst und gedeiht es in der Natur. Am <strong>12. Juni</strong> denkt der Molekularbiologe Professor Gerd Jürgens mit seinen kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern darüber nach, <strong>warum Pflanzen wachsen</strong>.</p><p>Was ist eigentlich schlecht? Was ist gut? <strong>„Warum geschehen schlechte Dinge auf der Welt?“ </strong>Und gibt es darauf überhaupt eine richtige Antwort? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die islamische Theologin Professorin Fahimah Ulfat in ihrer Vorlesung am <strong>19. Juni</strong>.</p><h3>Kleine Fächer</h3><p>Die Kinder-Uni ist 2018 etwas Besonderes: Die meisten Dozierenden dieses Jahres unterrichten sogenannte „kleine Fächer“. In der Ägyptologie, Bioinformatik, Rhetorik und islamischen Theologie gibt es weniger Professorinnen, Professoren und Studierende als beispielsweise in Medizin, Jura oder Betriebswirtschaft. Trotzdem beantworten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtige Fragen, wie zum Beispiel nach dem Wachstum der Pflanzen – oder sie gestalten die Zukunft, beispielsweise mit der Entwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen.</p><p>Von der Bedeutung der „kleinen Fächer“ überzeugt ist auch die Landesregierung, die diese Fächer besonders unterstützt. Für die Kinder-Uni 2018 bedeutet das hohen Besuch: Die Ministerin des Landes für Wissenschaft, Forschung und Kunst – Theresia Bauer – besucht die Abschlussvorlesung am 19. Juni: „Kleine Fächer sind wichtig für unsere Gesellschaft – das zeigt auch das Vorlesungsprogramm der diesjährigen Kinder-Uni. Mit unserer Landesinitiative ‚Kleine Fächer‘<strong></strong>fördern wir diese Vielfalt in Baden-Württemberg, denn die ‚kleinen Fächer‘ sind wichtig, um Zukunftsfragen auf den Grund zu gehen. Umso mehr freue ich mich darauf, solche Fragen mit den Nachwuchsforscherinnen und -forschern von morgen in der Tübinger Kinder-Uni zu besprechen.“</p><h3>Kinder-Uni-Forschertag</h3><p>Beim <strong>Kinder-Uni-Forschertag</strong><strong>am Samstag, den 7. Juli</strong>, werden Kinder selbst zu Forschern und können in Workshops Wissenschaft hautnah erleben. Das Programm und die Kontaktdaten für eine Anmeldung werden am Montag, den 4. Juni, auf der Homepage der Universität Tübingen (<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/75881" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/75881</a>) bekannt gegeben.</p><p>Die Kinder-Uni-Vorlesungsreihe wird seit 2002 gemeinsam von der Universität Tübingen und dem Schwäbischen Tagblatt veranstaltet. Die Idee wurde in den darauffolgenden Jahren von über 200 Universitäten in ganz Europa aufgegriffen und 2005 mit einem Preis der Europäischen Union ausgezeichnet; die Gründer erhielten das Bundesverdienstkreuz.</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19658</guid><pubDate>Thu, 05 Apr 2018 14:49:00 +0200</pubDate><title>Santander fördert Forschung und Lehre an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/santander-foerdert-forschung-und-lehre-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Kooperationsvertrag unterzeichnet: Bank stiftet Deutschlandstipendien und unterstützt Projekte der Ägyptologie und des Career Service</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen und die Santander Consumer Bank AG haben am Donnerstag einen Kooperationsvertrag über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Lehre unterzeichnet. Die Bank verlängert damit ihr bestehendes Engagement für zwei Forschungsprojekte aus der Ägyptologie und hat die Zahl der von ihr geförderten Deutschlandstipendien auf 20 jährlich erhöht. Erstmals wird zudem ein Projekt des Career Service unterstützt, im dem Masterstudierende auf Führungsaufgaben vorbereitet werden.</p><p>Der Kooperationsvertrag wurde im Rahmen einer Feierstunde von Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, und von Fernando Silva, Generalbevollmächtigter Retail &amp; Commercial Banking Santander, unterzeichnet. „Wir freuen uns, dass das Unternehmen sich weiterhin für Forschung und Lehre an der Universität Tübingen engagiert“, erklärte Bernd Engler. Die herausragenden Projekte der Ägyptologie trügen zur internationalen Sichtbarkeit der Universität Tübingen bei. „Die Deutschlandstipendien kommen unseren begabtesten Studierenden zugute und mit dem neuen Masterkurs können wir nochmals Akzente in der überfachlichen Qualifizierung von Studierenden setzen.“</p><p>Fernando Silva betonte bei der Vertragsunterzeichnung: „Nicht nur in unserer Branche sind wir auf Nachwuchskräfte angewiesen, die aufgrund ihrer Qualifikation Verantwortung übernehmen und eine schnelllebige Entwicklung vorantreiben können. Wir freuen uns über die Erweiterung der Kooperation mit der Universität Tübingen, da insbesondere die Förderung von Entrepreneurship hervorragend zu den Hauptanliegen von Santander Universitäten passt.“</p><p>Bereits seit 2013 unterstützt der Unternehmensbereich Santander Universitäten, mit dem die Bank akademische Institutionen weltweit fördert, zwei Projekte der Abteilung Ägyptologie im Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES): Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler restaurieren hier den Totentempel Thutmosis III im ägyptischen Karnak. In einem weiteren Projekt erfassen und editieren Tübinger Ägyptologen erstmals die Jahrtausende alten Reliefs des „Alexandersanktuars“ im Tempel.</p><p>Im Career Service der Universität fördert Santander Universitäten bis 2020 den Auf- und Ausbau des neuen Kursprogramms „Studium Professionale Master“. Das Programm zum Erwerb überfachlicher Schlüsselqualifikationen bereitet insbesondere Master-Studierende, aber auch Doktoranden, die eine Laufbahn außerhalb der Universität anstreben, auf Führungsverantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft vor. Der inhaltliche Fokus liegt auf den Themen „Leadership“, „Management“ und „Entrepreneurship“.</p><p>Mit dem Deutschlandstipendium werden besonders talentierte Studierende unterstützt. Die Fördersumme in Höhe von 300 Euro monatlich stellen der Bund und private Förderer je zur Hälfte zur Verfügung. Die Verwaltung der Stipendien liegt in der Hand der Universität.</p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19497</guid><pubDate>Tue, 03 Apr 2018 17:00:00 +0200</pubDate><title>Wie man Gedächtniszellen im Gehirn umprogrammiert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-man-gedaechtniszellen-im-gehirn-umprogrammiert/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler prägen Gehirnzellen neu und erforschen so, wie das Ortsgedächtnis funktioniert</description><content:encoded><![CDATA[<p>Langzeiterinnerungen an bestimmte Orte werden im Gehirn in sogenannten Ortszellen gespeichert. Neurowissenschaftler unter Leitung von Dr. Andrea Burgalossi vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen ist es gelungen, solche Ortszellen „umzuprogrammieren“, indem sie einzelne Neuronen direkt mit elektrischen Impulsen anregten. Nach dieser Stimulation waren die Zellen so „programmiert“, dass ihre Aktivität sich von nun an nur noch auf den Ort bezog, an dem die Stimulation stattgefunden hatte. Die Studie wird in <em>Cell Reports</em> veröffentlicht.</p><p>Woher wissen wir, was gestern passiert ist, oder voriges Jahr? Wie erkennen wir Orte, an denen wir gewesen sind, Menschen, die wir getroffen haben? Unser Sinn für das Vergangene ist stets verbunden mit dem Wiedererkennen des Gegenwärtigen. Zusammen sind sie der vielleicht wichtigste Baustein unserer Identität. Erst unser Langzeitgedächtnis lässt uns im Alltag funktionieren, von der trivialen Aufgabe, nicht den Weg zum Büro zu vergessen und den Arbeitsbeginn zu versäumen, bis hin zu dem Wissen, wer unsere Freunde und Familie sind.</p><p>Es liegt daher nahe, dass unser Gehirn sich auf sehr stabile Strukturen stützt, um Langzeiterinnerungen zu speichern. Ein Beispiel sind Erinnerungen an Orte, die wir einmal besucht haben. Unser Gehirn stellt zu jedem Ort, den wir erstmalig sehen, eine Zahl Neuronen im Hippocampus (eine zentrale Hirnstruktur mit wichtigen Gedächtnisaufgaben) bereit: die Ortszellen. Die Erinnerung an eine bestimmte Umgebung wird als spezifische Kombination von Ortszell-Aktivität im Hippocampus gespeichert: eine „Ortskarte“. Solche Ortskarten bleiben stabil, während wir uns in einer Umgebung bewegen. Kommen wir jedoch an neue Orte, werden die Karten gewissermaßen neu gemischt, so dass für jede Umgebung eine eigene Ortskarte entsteht.</p><p>Bisher wusste man wenig über die Mechanismen, die dieser Reorganisation von Ortszellaktivität zugrunde liegen. Im Jahr 2016 hatten Tübinger Neurowissenschaftler unter Leitung von Dr. Andrea Burgalossi bereits zeigen können, dass inaktive, „schlafende“ Ortszellen durch elektrische Stimulation aktiviert werden und zu funktionierenden Ortszellen im Rattengehirn werden können. Die Forschergruppe hat auf dieser Arbeit aufgebaut und nun Hinweise gefunden, dass Ortszellen bei weitem nicht so stabil sind wie gedacht. Sie können sogar „umprogrammiert“ werden.</p><p>Der weltweit einzigartige Laboraufbau der Forscher nutzt juxtazelluläre Aufzeichnungen und Stimulation in Tieren, die sich in einer Arena im Labor frei bewegen: Bei dieser Methode werden die winzigen elektrischen Ströme entlang einzelner Ortszellen mit haarfeinen Elektroden gemessen bzw. ausgelöst. Mit Hilfe dieses Versuchsaufbaus nahmen sie sich nun einzelne Ortszellen im Mäusegehirn vor und stimulierten diese – allerdings an anderen Orten als denen, auf die sie zuvor mit Aktivität reagiert hatten. In einer signifikanten Zahl der Fälle ließ sich die Aktivität der Ortszellen umprogrammieren. Die Zelle feuerte nun nicht mehr, wenn die Maus den ursprünglich Aktivität auslösenden Ort innerhalb der Arena betrat, sondern nur noch an dem Ort, an dem Stimulation stattgefunden hatte.</p><p>„Die Vorstellung, dass Ortszellen stabile Einheiten sind, haben wir damit über den Haufen geworfen“, sagt Andrea Burgalossi. „Sogar innerhalb derselben Umgebung können wir individuelle Zellen umprogrammieren, indem wir an bestimmten Orten stimulieren. Damit sind wir den grundlegenden Mechanismen, auf denen Gedächtnisbildung basiert, ein Stückchen näher.“ In der nahen Zukunft hoffen die Wissenschaftler mehrere Neuronen gleichzeitig umzuprogrammieren, um die Formbarkeit von ganzen Ortskarten zu untersuchen. „Bisher haben wir einzelne Zellen umprogrammiert. Es wäre interessant zu wissen, wie sich das auf die Ortskarte im Gehirn auswirkt. Wir würden zu gern herausfinden, wie viele Zellen wir mindestens umprogrammieren müssen, um eine echte Erinnerung zu verändern.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Maria Diamantaki, Stefano Coletta, Khaled Nasr, Roxana Zeraati, Sohie Laturnus, Philipp Berens, Patricia Preston-Ferrer, Andrea Burgalossi: Manipulating Hippocampal Cell Activity by Single-Cell Stimulation in Freely-Moving Mice. In: <em>Cell Reports</em> (im Druck), 3. April 2018.</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Dr. Andrea Burgalossi</p><p>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Otfried-Müller-Str. 25</p><p>72076 Tübingen</p><p>Tel.: +49 7071 29-88797</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgc0dwticnquukBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andrea.burgalossi<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.burgalossilab.com/" target="_blank" rel="noreferrer">www.burgalossilab.com</a></p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann</p><p>Universität Tübingen</p><p>Wissenschaftskommunikation</p><p>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Otfried-Müller-Str. 25 ∙ 72076 Tübingen</p><p>Tel.: +49 7071 29-89108</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19461</guid><pubDate>Wed, 28 Mar 2018 14:47:02 +0200</pubDate><title>Was dem Höhlenbären das Leben schwer machte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-dem-hoehlenbaeren-das-leben-schwer-machte/</link><description>Studie rekonstruiert Szenario vor 24.000 Jahren: Menschliche Jagd und Klimaabkühlung führten zum Aussterben der großen Pflanzenfresser</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit 3,50 Metern Länge und 1,70 Metern Schulterhöhe gehörte der Höhlenbär zu den Giganten der letzten Kaltzeit ‒ und überlebte doch die Eiszeit vor 24.000 Jahren nicht. Ein Wissenschaftlerteam aus Deutschland, Italien und Kanada hat nun das Szenario rekonstruiert, das zum Aussterben der pflanzenfressenden Großsäuger geführt haben könnte. Danach erhöhten das abkühlende Klima in Kombination mit der Jagd durch den Menschen und einer mangelnden Ernährungsflexibilität den Druck auf die Höhlenbären. Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universität Tübingen war an der Studie beteiligt, in der Knochenfunde mit modernsten Methoden neu untersucht wurden. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Historical Biology</em> veröffentlicht.</p><p>Höhlenbären (<em>Ursus spelaeus</em>) lebten in der letzten Kaltzeit vor etwa 400.000 Jahren in Europa, bis sie vor circa 24.000 Jahren ausstarben. Sie waren deutlich größer als ihre heutigen Verwandten, die Braunbären, aber wenig bedrohlich für den Menschen: In einer früheren Studie hatten Wissenschaftler anhand der Isotopenzusammensetzungen im Kollagen der Bären-Knochen bereits nachgewiesen, dass sich die Höhlenbären rein vegan ernährten. Warum sie im Lauf der letzten Eiszeit von der Bildfläche verschwanden, gab lange Rätsel auf. Verantwortlich gemacht wurden meist der prähistorische Mensch und die Kälte des letzten Gletschermaximums vor 24.000 bis 19.000 Jahren. Paläogenetische Untersuchen zeigten zudem, dass die Dezimierung der Bären vor rund 50.000 Jahren begann, als der anatomisch moderne Mensch in Europa den Neandertaler verdrängte: Knochenfunde mit Pfeilspitzen und Schnittspuren deuteten darauf hin, dass der Höhlenbär von Menschen gejagt wurde</p><p>Während die Bären in vielen Regionen Europas bereits vor Beginn der Eiszeit vor ca. 27.000 Jahren verschwanden, überlebten einige in anderen Regionen länger. Eine der jüngsten Populationen konnte im Nordosten Italiens nachgewiesen werden. An Knochenfunden aus den dortigen Höhlen überprüften die Wissenschaftler in der aktuellen Studie die Thesen nochmals mit modernsten Methoden: Sie datierten die Knochen neu und verglichen die Ernährung dieser letzten Höhlenbären mit älteren Populationen ihrer Art. Zudem suchten die Forscher nach Beweisen für Jagd und Verzehr durch Menschen.</p><p>Die neuen Radiokarbon-Daten bestätigen nun, dass diese Höhlenbären noch bis vor 24.000 gelebt und somit den Beginn der Eiszeit überlebt hatten. Spuren an den Knochen untermauern, dass prähistorische Menschen die Bären jagten und verwerteten. Die Isotopenzusammensetzung zeigte zudem, dass die Höhlenbären ihre vegetarische Ernährung auch im abkühlenden Klima beibehielten und nicht durch Fleisch erweiterten. Diese mangelnde Flexibilität in ihrer Ernährung und der Jagddruck durch Menschen führten vermutlich zu erhöhtem Stress für die Höhlenbären und dazu, dass sie im abkühlenden Klima nicht überleben konnten, wie Hervé Bocherens erklärt. „Es war wohl diese Kombination klimatischer und anthropogener Faktoren für das Aussterben der Art verantwortlich.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Terlato, G., Bocherens, H., Romandini, M., Nannini, N., Hobson, K.A., Peresani, M., 2018. Chronological and isotopic data support a revision for the timing of cave bear extinction in Mediterranean Europe. <em>Historical Biology</em></p><p>doi: 10.1080/08912963.2018.1448395</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens</p><p>Universität Tübingen</p><p>Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)</p><p>Telefon +49 7071 29-76988</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19374</guid><pubDate>Mon, 26 Mar 2018 12:30:49 +0200</pubDate><title>Studium Generale der Universität Tübingen im Sommersemester 2018</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-der-universitaet-tuebingen-im-sommersemester-2018/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen erörtern Themen von Marx bis zu Public Health und stellen aktuelle Forschung und Lehre der Universität vor</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Sommersemester 2018 startet wieder das Studium Generale der Universität Tübingen. Sieben öffentliche Vorlesungsreihen werden kostenlos für Interessierte angeboten, Studierende können sich für den Besuch ECTS-Punkte anrechnen lassen. Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstr. 5, statt.</p><p>„Vertrauen“ ist Grundlage und Kitt unseres sozialen Miteinanders ‒ und gleichzeitig ein Gefühl komplexer und oft komplizierter Natur. In der Reihe<strong> Vertrauen ‒ ein Grundgefühl auf dem Prüfstand (Montag, 20 Uhr, HS 21) </strong>analysiert Professor Jürgen Wertheimer Prozesse des Vertrauens und des Misstrauens anhand literarischer Beispiele. Weitere Gäste beschäftigen sich mit Vertrauen aus Sicht der Gehirnforschung und der Wirtschaftswelt sowie in verschiedenen kulturellen Kontexten.</p><p>In der Reihe<strong> Marx-Lektüren. Versuche, die Gegenwart zu begreifen</strong><strong>(Dienstag, 18 Uhr, HS 21)</strong> laden die Professoren Hans-Jürgen Bieling, Matthias Möhring-Hesse und Markus Rieger-Ladich dazu ein, einen Klassiker neu zu lesen: Zum 200. Geburtstag von Karl Marx setzen sich die Vorlesungen mit dessen sozialtheoretischen Konzepten auseinander und überprüfen, was diese für die Analyse der Gegenwartsgesellschaften, ihrer Probleme und Verwerfungen leisten können.</p><p>Zentrale Themen der Reihe „<strong>Gesundheit in gesellschaftlicher Verantwortung: Public Health“ (Dienstag, 20 Uhr, HS 21) </strong>sind die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit und die Herausforderungen an die Gesundheitsversorgung, beispielsweise durch gesellschaftlichen Wandel, Klimaveränderungen und globale Epidemien. Die Reihe entstand auf Anregung der Unabhängigen Patientenberatung Tübingen e.V. in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung und dem Deutschen Institut für Ärztliche Medizin e.V. (Difäm).</p><p>Die Reihe <strong>Aufstand, Aufruhr, Anarchie! Formen des Widerstands im deutschen Südwesten (Mittwoch, 18 Uhr, HS 21)</strong> geht in der Geschichte des Südwestens auf Spurensuche nach Formen des Widerstands: Auf Einladung von Professorin Sigrid Hirbodian vom Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften nehmen hier Historiker, Literaturwissenschaftler und Kulturwissenschaftler das Publikum mit auf eine Reise vom Investiturstreit im 11. Jahrhundert bis zu den Studentenunruhen 1968.</p><p>Die Tübingen School of Education TüSE (Sibylle Meissner, Dr. Nina Beck, Prof. Thorsten Bohl) setzt in einem zweiten Teil ihre Reihe aus dem Wintersemester fort: Unter dem Titel<strong> Lehrer*innenbildung für eine Schule der Zukunft. Perspektiven aus der fachdidaktischen Forschung</strong><strong>(Mittwoch, 18 Uhr, HS 25) </strong>sprechen Referentinnen und Referenten über aktuelle fachdidaktische Fragestellungen und Forschungsthemen und zeigen, welche Konsequenzen sich hieraus für die zukünftige Gestaltung der Lehramtsausbildung ableiten lassen.</p><p>Das Jahr 1968 war durch politischen Aufruhr und kulturelle Umbrüche in einer für die Nachkriegszeit ungekannten Verdichtung gekennzeichnet. Das galt in unterschiedlicher, aber vielfach verflochtener Weise für die USA und Westeuropa, für das kommunistische Osteuropa und zahlreiche Länder der damals so genannten „Dritten Welt“. Gerade auch in Deutschland wurde „1968“ zum Synonym für das Aufbegehren einer ganzen Generation. Zum 50. Jahrestag laden die Professoren Jan Eckel und Georg Schild vom Seminar für Zeitgeschichte zu der Vorlesungsreihe <strong>"1968 ‒ Geschichte und Mythos eines Jahres" (Mittwoch, 20 Uhr, HS 21)</strong> ein.</p><p>Der Nahe Osten mal nicht als Konfliktherd: Gelegentlich wird vergessen, dass die Region seit dem dritten Jahrtausend vor Christus Heimat zahlreicher antiker Kulturen war und so wichtige Erfindungen hervorbrachte wie die Keilschrift oder ausgeklügelte Bewässerungssysteme. In der Reihe <strong>Hochkulturen in Ägypten und im Vorderen Orient: Aktuelle Tübinger Forschungsprojekte des IANES (Donnerstag, 18 Uhr, HS 21) </strong>stellt das Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) seine Arbeit vor: Zuhörer erhalten Einblick in aktuelle Grabungs- und Editionsprojekte in Ägypten, Syrien, Irak, Türkei, Iran und im Oman. (Organisation: Professor Christian Leitz; Professor Peter Pfälzner; Professor Konrad Volk)</p><p>Das Programm für das Studium Generale liegt an der Universität Tübingen und in Kürze auch im Buchhandel aus. Es kann zudem unter sekretariat[at]hochschulkommunikation.uni-tuebingen.de oder unter Telefon 29-77851 bestellt werden. Im Internet ist es zu finden unter: <a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe</p><p>Universität Tübingen</p><p>Hochschulkommunikation</p><p>Telefon +49 7071 29-76789</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19217</guid><pubDate>Wed, 21 Mar 2018 14:05:00 +0100</pubDate><title>SCHUFA und Universität Tübingen kooperieren bei KI-Forschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schufa-und-universitaet-tuebingen-kooperieren-bei-ki-forschung/</link><description>Neue „Industry on Campus“-Professur zur anwendungsorientierten Grundlagenforschung in den Bereichen Data Science und Analytics</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die SCHUFA Holding AG und die Universität Tübingen werden künftig bei der Erforschung der Künstlichen Intelligenz zusammenarbeiten. Am Dienstag unterzeichneten die Kooperationspartner einen Vertrag über gemeinsame Forschungsaktivitäten in den Feldern Data Science und Data Analytics. Der Informatiker Dr. Gjergji Kasneci, CTO und Leiter des Bereichs Innovation und Strategische Analyse der SCHUFA, wird für zunächst fünf Jahre an die Universität Tübingen abgeordnet. Im Rahmen einer „Industry on Campus“-Professur wird er eine eigene Forschungsgruppe aufbauen und Seite an Seite mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität arbeiten. Die SCHUFA investiert in die Zusammenarbeit 1,25 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre.</p><p>Ob wir online einkaufen, auf Suchergebnisse oder Werbung klicken oder mit modernen Endgeräten kommunizieren: Intelligente Algorithmen beeinflussen zunehmend unseren Alltag. Doch wie lässt sich garantieren, dass künstliche Intelligenz zu sinnvollen Ergebnissen führt, die der aktuellen Datenlage entsprechen? Wie kann sichergestellt werden, dass Abläufe maschinellen Lernens transparent bleiben und auch für den Anwender verständlich sind? Diese und ähnliche  Fragestellungen sind Themen der neuen Forschungskooperation.</p><p>„Künstliche Intelligenz wird im 21. Jahrhundert nahezu alle Lebensbereiche beeinflussen“, sagte Rektor Professor Bernd Engler. Daher sei es von eminenter Bedeutung, dass in diesem Bereich an Universitäten exzellente Grundlagenforschung geleistet werde: „Um auf diesem wichtigen Feld international mithalten zu können, brauchen wir auch den engen Austausch mit Forscherinnen und Forschern aus Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.“ Engler verwies darauf, dass die Region Tübingen-Stuttgart in Deutschland mit Abstand die Nummer 1 bei der KI-Forschung sei. Dies habe das Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation im Auftrag der Bundesregierung vor kurzem bestätigt.</p><p>Mit „Industry on Campus“-Professuren hat die Universität Tübingen im Rahmen der Exzellenzinitiative neue Wege der Industriepartnerschaften eingeschlagen. Sie ermöglichen, die Kompetenz außeruniversitärer Experten in Forschung und Lehre praxisnah einzubinden. Gemeinsam mit Grundlagenforschern der Universität Tübingen sollen die „Industry on Campus“-Professuren grundlegende Fragestellungen im Vorfeld industrieller Anwendung untersuchen. Die Freiheit der Forschung der Universität bleibt dabei stets Grundlage der Zusammenarbeit.</p><p>Dr. Gjergji Kasneci: „Die SCHUFA unterstützt ihre Partner und Kunden im Risikomanagement durch präzise Informationen und schafft Vertrauen. Dabei spielen moderne Verfahren aus dem For­schungsgebiet KI eine zunehmende Rolle, um die Bedürfnisse der digitalen Welt und des digitalen Handels auch weiterhin mit höchster Qualität zu erfüllen. Mit den neuen Technologien sind untrenn­bar auch Fragen zu deren Exaktheit, Nicht-Diskriminierung und Transparenz verbunden. Diese wis­senschaftlich fundiert und zugleich verständlich zu beantworten sowie durch unabhängige For­schung einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion zu leisten, ist der wesentliche Beweggrund für die Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen. Sie ist herausragend vernetzt und bietet ein um­fassendes Ökosystem mit vielversprechenden Möglichkeiten, algorithmische und ethische Fragestellungen rund um Data Science auch mit international renommierten Forschungseinrich­tungen wie dem Max Planck Institut für Intelligente Systeme oder dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften zu erörtern.“</p><p>Die Kooperation entsteht im Umfeld des Großprojekts Cyber Valley: In der Region Stuttgart-Tübingen haben sich hier zahlreiche Partner aus Wissenschaft und Industrie für Forschungsprojekte im Bereich der künstlichen Intelligenz zusammengeschlossen. Die Universität Tübingen wird hierfür insgesamt mindestens fünf Professuren und weitere zusätzliche Nachwuchsgruppen einrichten und ist an der Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden in der International Max Planck Research School „Intelligent Systems“ beteiligt. <a href="http://cyber-valley.de/de" target="_blank" rel="noreferrer">http://cyber-valley.de/de</a></p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Wolfgang Rosenstiel</p><p>Universität Tübingen</p><p>Telefon 49 7071 29-78090</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,yqnhicpi0tqugpuvkgnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">wolfgang.rosenstiel<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19139</guid><pubDate>Mon, 19 Mar 2018 10:29:58 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen gratuliert Hans Küng zum 90. Geburtstag</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-gratuliert-hans-kueng-zum-90-geburtstag/</link><description>Stiftung Weltethos und Katholisch-Theologische Fakultät veranstalten Symposium zu Ehren des Theologen ‒ Öffentlicher Festvortrag von Margot Käßmann</description><content:encoded><![CDATA[<p>Er ist weltweit als leidenschaftlicher Verfechter der Ökumene bekannt, als Kirchenkritiker und als Visionär des Projekts Weltethos: Der katholische Theologe Professor Hans Küng feiert am 19. März seinen 90. Geburtstag. An der Universität Tübingen hatte er 1960 den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät übernommen, 1963 den Lehrstuhl für Dogmatik und Ökumenische Theologie. Küng war Gründer des Instituts für ökumenische Forschung der Universität. Seine Programmatik eines religionsübergreifenden Weltethos ist Grundlage der Forschung im Tübinger Weltethos-Institut, das 2012 als An-Institut der Universität gegründet wurde.</p><p><br> „Der Theologe und Wissenschaftler Hans Küng hat über viele Jahre die öffentliche Debatte über Glaube und Kirche in Deutschland wie auch international zutiefst geprägt“, sagte Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, anlässlich der Gratulation. Mit seinem Engagement für die Ökumene und für einen Dialog der Weltreligionen habe er weltweit Menschen berührt und Spuren hinterlassen.</p><p><br> Zu Ehren Hans Küngs laden die von ihm gegründete Stiftung Weltethos und die Katholisch-Theologische Fakultät Tübingen im April zu zwei Veranstaltungen ein:</p><p><br> Am <strong>Freitag, den 20. April 2018</strong>, hält die evangelische Theologin und Ehrensenatorin der Universität Tübingen, <strong>Professorin Margot Käßmann</strong>, einen <strong>Festvortrag zum Thema „Reformation und Toleranz?“</strong>. Der öffentliche Vortrag findet um 18.15 Uhr im Kupferbau (Hörsaal 25, Hölderlinstr. 5) statt. Medienvertreter und die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p><br> Am <strong>Samstag, den 21. April 2018</strong>, findet von 9.15 bis 17 Uhr ein <strong>wissenschaftliches Symposium zum Werk Hans Küngs </strong>statt. Im Hörsaal des Theologicums (Liebermeisterstr. 12) sind vier Vorträge zu unterschiedlichen Themenfeldern zu hören: <strong>Professorin Johanna Rahner</strong>, Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät und Lehrstuhlnachfolgerin von Hans Küng, spricht zum Thema „Kirche und Kirchenreform“. <strong>Professor Hermann Häring</strong>, Schüler von Hans Küng und in seiner aktiven Zeit Professor in Nijmegen, hält einen Vortrag zu „Christologie und Gotteslehre“. <strong>Professor Perry Schmidt-Leukel</strong>, Professor für Religionswissenschaft und interkulturelle Theologie an der Universität Münster, spricht über „Theologie der Religionen und interreligiösen Dialog“ und <strong>Professor Claus Dierksmeier</strong>, wissenschaftlicher Direktor des Weltethos-Instituts Tübingen, spricht zum Thema „Weltethos“. Das Symposium schließt mit einer Podiumsdiskussion der Referenten, moderiert von <strong>Professor Karl-Josef Kuschel</strong> (Tübingen).</p><p><br> Für das Symposium wird um Anmeldung gebeten, bis 3. April 2018 unter <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,qhhkegBygnvgvjqu0qti" data-mailto-vector="2">office<span style="display:none">spam prevention</span>@weltethos.org</a>.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Stephan Schlensog<br> Generalsekretär der Stiftung Weltethos<br> Telefon  +49 7071 62646<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uejngpuqiBygnvgvjqu0qti" data-mailto-vector="2">schlensog[at]weltethos.org</a><br><a href="http://www.weltethos.org" target="_blank" rel="noreferrer">www.weltethos.org</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19149</guid><pubDate>Fri, 16 Mar 2018 14:15:00 +0100</pubDate><title>Förderung für talentierte Studierende</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/foerderung-fuer-talentierte-studierende/</link><description>Universität Tübingen übergibt Rekordzahl von 219 Deutschlandstipendien ‒ Feierstunde am 24. März</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen vergibt in diesem Jahr 219 Deutschlandstipendien an Studierende aus allen Fakultäten, so viele wie noch nie seit Start des Programms im Jahr 2011. „Das Deutschlandstipendium hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Element der Begabtenförderung an der Universität Tübingen entwickelt“, betonte Rektor Professor Bernd Engler. „Wir können damit leistungsstarken und sozial engagierten jungen Menschen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch zusätzliche Perspektiven bieten.“ Denn das Stipendium eröffne die Chance zum direkten Austausch zwischen den privaten Stipendiengebern und den Stipendiaten.</p><p>Das Deutschlandstipendium können besonders talentierte Studierende erhalten. Die Fördersumme in Höhe von 300 Euro monatlich stellen der Bund und private Förderer je zur Hälfte zur Verfügung. Die Verwaltung der Stipendien liegt in der Hand der Universität. Zur Übergabe der Deutschlandstipendien im Rahmen einer Feierstunde sind Medienvertreter herzlich eingeladen: Sie findet am Samstag, den 24. März 2018, um 11.30 Uhr im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister Scholl Platz) statt.</p><p>„Wir freuen uns, dass wir die Zahl der Stipendien in diesem Jahr wieder steigern konnten“, sagte Engler. So werden aus dem Nachlass der Slavistik-Professorin Ilse Kuhnert insgesamt 58 Stipendien vergeben. Die Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen (Universitätsbund) e.V. fördert in diesem Jahr 34 Studierende, sie stellte seit 2011 die meisten Deutschlandstipendien zur Verfügung. Weitere Stipendiengeber sind unter anderem die Carl-Zeiss-Stiftung, die TL-Stiftung und Santander Universitäten Deutschland. Aber auch zahlreiche Ehemalige der Universität und Firmen aus der Region engagieren sich für das Deutschlandstipendium.</p><p>Die vollständige Liste der Förderer: Autoimmun Diagnostica GmbH; BBBank Stiftung; Carl-Zeiss-Stiftung; Corps Rhenania; Dr. Abraham Kustermann; Dr. Joachim Krebs; Dr. Susanne Heinzl; Dr. Uwe Jens Jasper; Eheleute Dr. Klaus und Irene Fitzner; ELB - Eloxalwerk Ludwigsburg; Elisabeth Schrade-Stiftung; Georg Thieme Verlag; Gerhard Rösch GmbH; Gips-Schüle Stiftung; Hugo-Rupf-Stiftung; Joma-Polytec; Karl Storz GmbH &amp; Co KG; Nachlass Prof. Ilse Kunert; Oswald-Nussbaum-Stiftung; Prof. Dr. Anton Rieker; Prof. Dr. Ulrich Ammon; Santander Universitäten Deutschland; Schnürle-Stiftung; TL-Stiftung; Tübinger Stipendienstiftung; Udo-Keller-Stiftung; Universitätsbund e. V.; Vector Informatik GmbH; Vector Stiftung</p><h3>Kontakt:</h3><p>Volker Kurz<br> Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Telefon +49 7071 29-76933<br> E-Mail <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Xqnmgt0MwtbBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">Volker.Kurz<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19063</guid><pubDate>Wed, 14 Mar 2018 15:00:00 +0100</pubDate><title>Neue Einblicke in die Bedingungen der urgeschichtlichen Ozeane</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-einblicke-in-die-bedingungen-der-urgeschichtlichen-ozeane/</link><description>Experimente von Geomikrobiologen der Universität Tübingen ergeben, dass 2,5 Milliarden Jahre altes eisenreiches Schichtgestein anders entstanden sein könnte als bisher gedacht</description><content:encoded><![CDATA[<p>In den urzeitlichen Ozeanen reicherte sich vor rund 2,5 Milliarden Jahren Sauerstoff als Abfallprodukt von Fotosynthese treibenden Lebewesen stark an. Der oxidierte das in großer Menge im Wasser enthaltene Eisen. Neue Experimente, bei denen die Verhältnisse der Urozeane simuliert wurden, ergaben nun, dass wider Erwarten das Eisen nicht oxidiert bleibt. Vielmehr ging es unter den archaischen Bedingungen direkt unter der Wasseroberfläche wieder in seine lösliche, reduzierte Form über. Folglich könnten die teilweise mehrere hunderte Meter mächtigen eisenreichen Schichtgesteine, die noch heute von Urozeanen zeugen – sogenannte gebänderte Eisenformationen –, möglicherweise unter anderen Bedingungen entstanden sein, als bisher angenommen. An den Experimenten an der Universität Tübingen waren Professorin Elizabeth Swanner, Markus Maisch und Wenfang Wu unter der Leitung von Professor Andreas Kappler am Zentrum für Angewandte Geowissenschaften beteiligt. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Scientific Reports</em> veröffentlicht.</p><p>Das Forscherteam entwickelte ein Labor-Modell des urzeitlichen Ozeans von vor rund 2,5 Milliarden Jahren in einer simulierten Wassersäule in einem Glaszylinder. Als Sauerstoffproduzenten wurden Cyanobakterien eingesetzt, die es schon vor einigen Milliarden Jahren gab. Ihnen wird auch die massenhafte Sauerstoffproduktion in der Erdgeschichte zugeschrieben, die zur Evolution der heutigen sauerstoffatmenden Lebewesen führte. Bei ihrem Experiment interessierten sich die Forscherinnen und Forscher vor allem für die Abläufe in der Vertikalen. „Das Wasser im Experiment hatte einen hohen Eisengehalt, und anfangs war es sauerstoffarm. Es gab nur so viel Sauerstoff, wie die Fotosynthese treibenden Cyanobakterien produzierten“, erklärt Elizabeth Swanner, die inzwischen eine Professur an der Iowa State University in den USA innehat. Der Zylinder hatte auf verschiedenen Ebenen Auslasshähne zur Probenentnahme. Das Forscherteam untersuchte über einen Zeitraum von mehreren Wochen, was in dem Zylinder passierte. „Das Ergebnis hat uns überrascht: Trotz der zunehmenden Ansammlung von Sauerstoff blieb das meiste Eisen nicht oxidiert, sondern ging durch eine Kombination von mikrobiell katalysierten und fotochemischen Prozessen wieder in seine lösliche Form über“, sagt Kappler.</p><p>Heutige Cyanobakterien in den Ozeanen, die tausendfach weniger Eisen enthalten als vor 2,5 Milliarden Jahren, besitzen ein Enzym, das Eisen reduzieren kann. „Nach unseren Schätzungen hätte deren Kapazität zur Reduktion des Eisens in diesem Umfang aber nicht ausgereicht“, sagt der Geo­mikrobiologe. „Eine andere mögliche Erklärung wäre, dass das Eisen zusätzlich in einer fotochemischen Reaktion durch Lichteinfall reduziert wurde.“ Bisher ging man davon aus, dass die eisenreichen Gesteine in fast sauerstofffreiem Wasser entstanden waren. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Ablagerung des Eisens auch in einer sauerstoffreichen Umgebung möglich gewesen ist“, sagt Swanner. Die Wissenschaftler wollen ihre Ergebnisse nun an Gewässern mit ähnlichen Bedingungen, wie sie in den urzeitlichen Ozeanen herrschten, überprüfen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td style="vertical-align:top; width:246.4pt"><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="451833" height="275" src="fileadmin/_processed_/e/0/csm_18-03-14Sci_Reports_Eisen1_633486dce7.jpg" width="300" style></p></td><td style="width:251.95pt"><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="451830" height="225" src="fileadmin/_processed_/a/f/csm_18-03-14Sci_Reports_Eisen2_0d1d542920.jpg" width="300" style></p></td></tr><tr><td colspan="2" style="vertical-align:top; width:498.35pt"><p>In einem Zylinder simulieren die Wissenschaftler die Bedingungen im urzeitlichen Ozean in vertikaler Richtung. Fotos: Markus Maisch</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Elizabeth D. Swanner, Markus Maisch, Wenfang Wu and Andreas Kappler: Oxic Fe(III) reduction could have generated Fe (II) in the photic zone of Precambrian seawater. <em>Scientific Reports</em>, <img alt="https://d.adroll.com/cm/aol/out" src="data:image/png;base64,R0lGODlhAQABAHcAMSH/C01TT0ZGSUNFOS4wDQAAAAFzUkdCAkDAfcUAIf8LTVNPRkZJQ0U5LjAYAAAADG1zT1BNU09GRklDRTkuMAFokOUsACH/C01TT0ZGSUNFOS4wFQAAAAlwSFlzAAAOxAAADsQBlSsOGwAh/hpTb2Z0d2FyZTogTWljcm9zb2Z0IE9mZmljZQAh+QQBAAAAACwAAAAAAQABAIAAAAABAgMCAkQBADs=" style>DOI 10.1038/241598-018-22694-y</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Andreas Kappler</p><p>Universität Tübingen</p><p>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät</p><p>Zentrum für Angewandte Geowissenschaften</p><p>Telefon +49 7071 29-74992</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0mcrrngtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andreas.kappler<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong></p><p><strong>Hochschulkommunikation</strong></p><p><strong>Dr. Karl Guido Rijkhoek</strong></p><p><strong>Leitung</strong></p><h5>&nbsp;</h5><p><strong>Antje Karbe</strong></p><p><strong>Pressereferentin</strong></p><p><strong>Telefon +49 7071 29-76789</strong></p><p><strong>Telefax +49 7071 29-5566</strong></p><p><strong>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18910</guid><pubDate>Fri, 09 Mar 2018 16:00:00 +0100</pubDate><title>Warum wir auch in Bewegung eine stabile Welt sehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/warum-wir-auch-in-bewegung-eine-stabile-welt-sehen/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler erforschen das Zusammenspiel von visueller Wahrnehmung und Kopfbewegungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit jeder Kopfbewegung verändert sich das Abbild unserer Umgebung, das die Augen erreicht. Damit wir unsere Umwelt dennoch als stabil wahrnehmen, muss das Gehirn diese visuelle Information mit der Bewegung des Kopfes verrechnen. Zwei Neurowissenschaftlern vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen ist es nun erstmals gelungen, per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zu beobachten, was im Gehirn bei dieser Verrechnung geschieht. Ihre Ergebnisse tragen dazu bei, zu verstehen, wie sich Virtual-Reality-Anwendungen auf das Gehirn auswirken; sie wurden nun im Fachmagazin <em>NeuroImage</em> veröffentlicht.</p><p>Unsere Umwelt erscheint uns auch dann stabil, wenn wir uns in ihr bewegen. Das liegt daran, dass unser Gehirn einen ständigen Abgleich der Sinne vornimmt: So werden visuelle Reize mit dem Gleichgewichtssinn, der relativen Stellung von Kopf zu Körper oder der Rückmeldung von ausgeführten Bewegungen in Einklang gebracht. Die Folge: Auch wenn wir gehen oder rennen, schwankt unsere Wahrnehmung der Welt nicht. Anders ist das aber, wenn visuelle Reize und die Wahrnehmung der eigenen Bewegung nicht zusammenpassen.</p><p>Diese Erfahrung hat vielleicht schon gemacht, wer einmal mit einer Virtual-Reality-Brille in fremde Welten eingetaucht ist. VR-Brillen erfassen zwar kontinuierlich die Kopfbewegung des Trägers, und der Computer passt die visuelle Darbietung entsprechend an. Dennoch führt längeres Tragen der Brillen bei vielen Anwendern zu Übelkeit: Selbst moderne VR-Systeme haben derzeit noch Probleme, visuelle Information und Kopfbewegung mit der nötigen Präzision in Einklang zu bringen.</p><p>Bisher versteht die Neurowissenschaft die Mechanismen, die im Gehirn visuelle Wahrnehmung und Bewegung harmonisieren, allerdings noch nicht wirklich. Insbesondere nicht-invasive Bildgebungsstudien am Menschen, etwa durch funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), haben das Problem, dass Bilder nur vom ruhenden Kopf aufgenommen werden können.</p><p>Mit einer ausgeklügelten Apparatur ist den Tübinger Neurowissenschaftlern Andreas Schindler und Andreas Bartels nun dennoch das Kunststück gelungen, per fMRT zu beobachten, was im Gehirn geschieht, während wir den Kopf bewegen und dabei zusammenpassende bzw. sich widersprechende Bewegungs- und visuelle Reize wahrnehmen. Dazu setzten sie ihren Probanden eine VR-Brille auf und legten sie in einen modifizierten fMRT-Scanner. Computergesteuerte Luftkissen sorgten dafür, dass der Kopf der Probanden nach einer Bewegung blitzschnell fixiert wurde. Während der Kopfbewegung wurden die auf die VR-Brille projizierten Bilder entweder an die Bewegung angepasst, so dass der Eindruck einer stabilen virtuellen Umwelt entstand. Oder die VR-Brille zeigte Bilder, die mit der Kopfbewegung in Konflikt standen. Sobald die Luftkissen den Kopf wieder stabilisiert hatten, wurde das fMRT-Signal aufgezeichnet.</p><p>Andreas Schindler erklärt die Vorgehensweise so: „Beim Signal, das man mit fMRT misst, handelt es sich nicht um Aktionspotenziale an Neuronen. Vielmehr macht fMRT den Blutfluss und Sauerstoffverbrauch im Gehirn sichtbar, und zwar mit einer Verzögerung von einigen Sekunden. Eigentlich gilt das oft als Nachteil der fMRT. Aber den Moment, in dem das Gehirn der Probanden damit beschäftigt war, Kopfbewegung und VR-Bild in Einklang zu bringen, den konnten wir per fMRT noch Sekunden später aufzeichnen. Da lag der Kopf der Probanden aber schon wieder ruhig auf den Luftkissen. Kopfbewegung und Bildgebung gehen normalerweise nicht zusammen, aber wir haben das System sozusagen ausgetrickst.“</p><p>Die Forscher konnten so erstmals am gesunden menschlichen Gehirn beobachten, was zuvor nur in Affenversuchen und indirekt an Patienten untersucht werden konnte. Ihr Ergebnis: Ein Areal im posterioren (hinten liegenden) insularen Kortex wies immer dann höhere Aktivierung auf, wenn VR-Brille und Kopfbewegung dem Probanden eine stabile Umwelt vorgaukelten, nicht aber, wenn beide Signale in Konflikt zueinander standen. Dasselbe traf auch auf eine Reihe weiterer Gehirnareale zu, die eine spezielle Rolle in der Verarbeitung von visueller Information bei Eigenbewegung spielen.</p><p>Der Forschung eröffnen sich nun neue Wege, das neuronale Zusammenspiel von Bewegung und visueller Wahrnehmung wesentlich zielgenauer untersuchen zu können. Obendrein zeigen die Ergebnisse der Tübinger Forscher erstmals, was im Gehirn passiert, wenn wir in virtuelle Welten eintauchen und den schmalen Grat zwischen Eintauchen und Übelkeit betreten.</p><h3>Publikation:</h3><p>Andreas Schindler, Andreas Bartels: Integration of Visual and Non-Visual Self-Motion Cues during Voluntary Head Movements in the Human Brain. <em>NeuroImage</em> 172. S. 597–607. 15. Mai 2018 (Online-Veröffentlichung vor Print). doi: 10.1016/j.neuroimage.2018.02.006</p><h3>Beteiligte Institutionen:</h3><p>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN), Universität Tübingen</p><p>Fachbereich Psychologie, Universität Tübingen</p><p>Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, Tübingen</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Andreas Schindler</p><p>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Telefon +49 7071 29-89120</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0uejkpfngtBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andreas.schindler<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p>Andreas Bartels</p><p>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Telefon +49 7071 29-89168</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0dctvgnuBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andreas.bartels<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann</p><p>Universität Tübingen</p><p>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN), Wissenschaftskommunikation</p><p>Telefon +49 7071 29-89108</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt MPI:</h3><p>Beate Fülle</p><p>MPI für biologische Kybernetik</p><p>Leitung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit</p><p>Telefon +49 (0) 7071 601-777</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguug/madBvwgdkpigp0ori0fg" data-mailto-vector="2">presse-kyb<span style="display:none">spam prevention</span>@tuebingen.mpg.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong></p><p><strong>Hochschulkommunikation</strong></p><p><strong>Dr. Karl Guido Rijkhoek</strong></p><p><strong>Leitung</strong></p><p><strong>Antje Karbe</strong></p><p><strong>Pressereferentin</strong></p><p><strong>Telefon +49 7071 29-76789</strong></p><p><strong>Telefax +49 7071 29-5566</strong></p><p><strong>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18623</guid><pubDate>Tue, 06 Mar 2018 13:19:13 +0100</pubDate><title>Informationen aus Tumoren mit bisher unerreichter Präzision</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/informationen-aus-tumoren-mit-bisher-unerreichter-praezision/</link><description>Forscher der Universität Tübingen kombinieren leistungsstarke Verfahren zur Bildgebung und zur Stoffwechselanalyse, um das Krankheitsgeschehen in hoher räumlicher Auflösung festzuhalten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschern der Universität Tübingen ist es gelungen, Tumordaten aus bildgebenden Verfahren und so genannten Hochdurchsatzverfahren mit hoher Präzision zu kombinieren. Ziel der Wissenschaftler ist es, Stoffwechselvorgänge in Tumoren in ihrer Gesamtheit sichtbar zu machen und dadurch besser zu verstehen. Dazu wurden Bilddaten aus der Positronenemissionstomografie (PET) und Computertomografie (CT) mit Protein- und Stoffwechseldaten zusammengeführt. Das Forscherteam unter der Leitung von Professor Bernd Pichler vom Werner Siemens Imaging Center der Universität Tübingen veröffentlichte seine Studienergebnisse in der Fachzeitschrift <em>PNAS</em>.</p><p>„Wir dürfen uns einen Tumor nicht als homogene Einheit vorstellen“, erklärt Pichler. „Vielmehr weist das erkrankte Gewebe häufig eine große Heterogenität auf.“ In verschiedenen Bereichen eines Tumors stoße man auf unterschiedliche Signalwege und Rezeptoren oder auch auf unterschiedliche Proteine, die für die Signalübertragung in Zellen von fundamentaler Bedeutung seien. „Vor diesem Hintergrund ist es unzureichend, lediglich eine Biopsie zu machen, wenn man den Tumor in seiner Gesamtheit verstehen will“, betont der Forscher. Denn bei der Biopsie eines Tumors werde in der Regel nur eine winzige Gewebeprobe entnommen und anschließend analysiert.</p><p>Das neue Verfahren setzt darauf, den Tumor exakt zu lokalisieren, komplett zu entnehmen und für die anschließende Analyse einzufrieren. Mit sogenannten multimodalen Bildgebungstechnologien, die bei zeitgleicher Messung mehrere Verfahren kombinieren, wie zum Beispiel PET-CT, können Wissenschaftler die verschiedenen Gewebearten darstellen, ohne in das Gewebe einzudringen. „Dabei erhalten wir einen genauen Einblick und können auch die Aktivierung verschiedener Stoffwechselwege innerhalb des Tumors beobachten“, sagt Dr. Marcel Krüger, einer der Erstautoren der Studie. „Doch über die molekularen Ursachen der Gewebeveränderungen und die Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Tumorwachstums wissen wir noch sehr wenig. Darüber können die Hochdurchsatzverfahren besser Aufschluss geben.“</p><p>Bei Verfahren wie der Proteom- oder Metabolomanalyse werden jeweils der ganze Proteinbestand einer Probe, das Proteom, oder alle vorhandenen Stoffwechselprodukte, das Metabolom, systematisch erfasst. „Dadurch erhalten wir einen detaillierten Einblick in die molekularen Prozesse in den Gewebeproben, aber ohne Zusammenhang zur räumlichen Information“, ergänzt der weitere Erstautor Dr. Jonathan Disselhorst. So entstand die Idee, die Vorteile beider Methoden zusammenzubringen.</p><h3>Zeit und Raum werden bei der Probennahme festgehalten</h3><p>„Voraussetzung ist, dass wir auf Basis der Bilder die Proben für die Proteom- und Metabolomanalyse räumlich präzise entnehmen können“, erklärt Bernd Pichler. Außerdem spiele der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Denn die Stoffwechselprozesse in einem Tumor ändern sich nach chirurgischer Entfernung in kürzester Zeit, sodass bei einer herkömmlichen Probennahme wertvolle Informationen über das Tumorgewebe verlorengehen. Schnelles Einfrieren hält den Stoffwechsel in der Momentaufnahme fest. Die Wissenschaftler konnten die Wirksamkeit des neuen Verfahrens im Tierversuch demonstrieren.</p><p>Um eine räumlich präzise Probenentnahme zu ermöglichen, werden die für die Untersuchung wesentlichen Tumorbereiche in den PET- und CT-Daten definiert und an eine Maschine übertragen. Diese wiederum legt die entsprechenden Gewebebereiche frei, so dass diese entnommen werden können. „Die Gewebeproben bleiben während der gesamten Prozedur gefroren und eignen sich somit für die anschließende Analyse mit verschiedenen Hochdurchsatzmethoden“, sagt Pichler. Die Forscher können die Proteom- und Metabolomdaten auf diese Weise räumlich präzise bestimmten Abschnitten des Tumors zuordnen. Das neue Kombinationsverfahren könnte so zu einem besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs beitragen.</p><p>Das neue Verfahren wurde im Tierversuch etabliert, birgt nach Einschätzung der Forscher aber ein großes Potenzial für die klinische Anwendung. „So ist es beispielweise denkbar, nach der chirurgischen Entfernung eines menschlichen Tumors diesen sofort tiefzufrieren und sein biologisches und pathophysiologisches Profil mit dem neuen Verfahren exakt zu bestimmen“, erläutert Pichler. Mittelfristig müsse es das Ziel sein, die Behandlung von Patienten auf die Besonderheiten ihrer Erkrankung anzupassen, also zu personalisieren. Dazu könne die möglichst umfassende Kombination aus Bilddaten und Daten aus der Protein- und Stoffwechselanalyse einen Beitrag leisten.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jonathan A. Disselhorst, Marcel A. Krüger, S. M. Minhaz Ud-Dean, Ilja Bezrukov, Mohamed A. Jarboui, Christoph Trautwein, Andreas Traube, Christian Spindler, Jonathan M. Cotton, Dieter Leibfritz, Bernd J. Pichler:<sup></sup>Linking Imaging to Omics utilizing Image Guided Tissue Extraction. <em>PNAS</em> 2018; Vorabveröffentlichung 5. März 2018, <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1718304115" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.1718304115</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Bernd Pichler</p><p>Universität Tübingen</p><p>Abteilung für Präklinische Bildgebung und Radiopharmazie</p><p>Werner Siemens Imaging Center</p><p>Telefon +49 7071 29-83427</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgtpf0rkejngtBogf0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">bernd.pichler<span style="display:none">spam prevention</span>@med.uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Eberhard Karls Universität Tübingen</strong></p><p><strong>Hochschulkommunikation</strong></p><p><strong>Dr. Karl Guido Rijkhoek</strong></p><p><strong>Leitung</strong></p><p><strong>Janna Eberhardt</strong></p><p><strong>Forschungsredakteurin</strong></p><p><strong>Telefon +49 7071 29-77853</strong></p><p><strong>Telefax +49 7071 29-5566</strong></p><p><strong>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</strong></p><p><strong><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></strong></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18537</guid><pubDate>Fri, 02 Mar 2018 13:05:24 +0100</pubDate><title>Einer für alle: Ein universeller Nanobody für die hochauflösende Mikroskopie </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/einer-fuer-alle-ein-universeller-nanobody-fuer-die-hochaufloesende-mikroskopie/</link><description>Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie (MPIterMic)</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPIterMic) in Marburg, dem Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) in Reutlingen und der Universität Tübingen haben eine neue Strategie zur nahezu vollständigen Markierung zellulärer Strukturen für die hochauflösende Mikroskopie entwickelt. In einer Studie, die jetzt in <em>Nature Communications</em> veröffentlicht wurde, verwendeten die Autoren einen hochaffinen, Fluorophor-konjugierten Nanobody zur Detektion von Zielproteinen die eine kurze und nicht-störende Peptid-Sequenz (Peptid-Tag) tragen. Damit werden Zielstrukturen in der Zelle hoch effizient markiert und lassen sich mit geringstem räumlichen Abstand optisch auflösen. Die Autoren gehen davon aus, dass dieser Ansatz nun breite Anwendung zur Visualisierung verschiedenster, zellulärer Zielstrukturen in der hochauflösenden Mikroskopie findet.</p><p>Die direkte stochastische optische Rekonstruktionsmikroskopie (dSTORM) ist eine hochauflösende Lichtmikroskopie-Technik mit der sich zelluläre Strukturen im Nanometerbereich darstellen lassen. Allerdings ist das Auflösungsvermögen von dSTORM bis heute durch die Qualität der Fluoreszenzmarkierung begrenzt, da nur strukturelle Details dargestellt werden, die ein Fluorophor tragen. Folglich müssen biologische Strukturen möglichst dicht und vollständig markiert (gelabelt) werden. Bisherige Verfahren führen jedoch häufig zu funktionellen Störungen der zu visualisierenden Strukturen bzw. erreichen nicht die nötige Markierungsdichte.</p><p>In einer Kooperation zwischen Prof. Dr. Rothbauer von der Universität Tübingen und dem NMI in Reutlingen und Dr. Ulrike Endesfelder vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg entwickelten die Wissenschaftler eine neue Markierungsstrategie für die Bildgebung mit dSTORM. Auf Grundlage ihrer Expertise auf dem Gebiet der Nanobodys (kleine einzelkettige Antikörper mit einer Größe von ca. 2 x 4 nm) und der Einzelmolekül-Mikroskopie, entwickelten die Wissenschaftler den ersten bivalenten Nanobody, der einen zwölf Aminosäuren langen Peptid-Tag bindet.</p><p>Sie zeigten, dass dieser Nanobody hoch spezifisch und mit hoher Affinität den kurzen Peptid-Tag bindet. Koppelt man nun den Peptid-Tag an zelluläre Zielstrukturen, lassen sich diese mit dem Fluorophor-gekoppelten Nanobody besonders dicht markieren. Damit werden die derzeitigen Standards zur Probenmarkierung für die hochauflösende Bildgebung mittels dSTORM deutlich übertroffen.</p><p>„Die Bindungseigenschaften dieses neuen Nanobodys haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Die Bildqualität, die wir erreichen können, ist wirklich beispiellos“, berichtete Björn Tränkle, einer der Erstautoren der Studie. Am Beispiel verschiedenster struktureller und nicht-struktureller Proteine konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Peptid-Tag deren Funktion und Lokalisierung nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus konnten sie ihre Markierungsstrategie auch in lebenden Zellen und zur Verfolgung von einzelnen Molekülen (single particle tracking) anwenden.</p><p>„Mit diesem neuen Tag können wir endlich Proteine beobachten, die mit anderen Tags nicht richtig funktionieren“, so David Virant, ebenfalls Erstautor der Studie. „Ich bin zuversichtlich, dass dieses universelle Markierungssystem einen großen Einfluss auf diesem Forschungsgebiet haben wird da es vielen Gruppen nun erst möglich sein wird, interessante Proteine mittels hochauflösender Mikroskopie zu untersuchen.”</p><h3>Publikation<strong>:</strong></h3><p>David Virant<sup>∗</sup>, Bjoern Traenkle<sup>∗</sup>, Julia Maier, Philipp D. Kaiser, Mona Bodenhoefer, Christian Schmees, Ilijana Vojnovic, Borbála Pisak-Lukáts, Ulrike Endesfelder<sup>§</sup>, Ulrich Rothbauer<sup>§</sup> (2018) A peptide tag-specific nanobody enables high-quality labeling for dSTORM imaging.</p><p><em>Nature Communications</em>, <strong>DOI: 10.1038/s41467-018-03191-2.</strong><sup>∗</sup>Authors contributed equally. <sup>§</sup>Corresponding authors.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Ulrich Rothbauer</p><p>Universität Tübingen / NMI</p><p>Pharmazeutische Biotechnologie</p><p>Telefon +49 7121 515 30 415</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,Wntkej0tqvjdcwgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">Ulrich.rothbauer<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Bjoern Traenkle</p><p>Telefon: +49 7121 515 30 411</p><p>&nbsp;</p><p><a href="http://www.mpi-marburg.mpg.de/person/47094/320373" target="_blank" title="Weitere Informationen zu yes" rel="noreferrer">Dr. Ulrike Endesfelder</a></p><p>MPI Marburg</p><p>Telefon: +49 6421 28 21619</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,wntkmg0gpfguhgnfgtBuapokmtq0ork/octdwti0ori0fg" data-mailto-vector="2">ulrike.endesfelder<span style="display:none">spam prevention</span>@synmikro.mpi-marburg.mpg.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br></h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen.html</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18404</guid><pubDate>Tue, 27 Feb 2018 16:41:39 +0100</pubDate><title>„Sekundärtugenden“ machen Schüler erfolgreicher</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sekundaertugenden-machen-schueler-erfolgreicher/</link><description>Internationale Studie belegt den Zusammenhang zwischen dem Verhalten in der Schule, beruflichem Erfolg und späterem Einkommen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Oft geschmähte schulische „Sekundärtugenden“ wie Fleiß oder Verantwortungsgefühl haben offenbar einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben, und zwar unabhängig von der Intelligenz der Schülerinnen und Schüler sowie von Bildung oder Einkommen ihrer Eltern. Verantwortungsvolle Teenager, die Interesse an schulischen Themen zeigen und ihre Aufgaben erledigen, haben nicht nur bessere Noten in der Schule, sondern sind auch erfolgreicher im Beruf und verdienen besser. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, der University of Houston und der University of Illinois in Urbana-Champaign. „Das beeindruckende an diesem Ergebnis ist, dass unser Verhalten einen Einfluss darauf hat, was aus uns wird und nicht nur, wie wir von der Natur oder unseren Eltern ausgestattet wurden“, sagt Marion Spengler von der Universität Tübingen, die Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse wurden im <em>Journal of Personality and Social Psychology</em> veröffentlicht.</p><p>Der Studie liegen Daten aus einer Langzeiterhebung des American Institutes for Research zugrunde, bei der im Jahr 1960 346.660 Schülerinnen und Schüler der neunten bis zwölften Klasse nach ihren Einstellungen, ihrem Verhalten und ihren Lese- und Schreibfähigkeiten befragt wurden. Zudem wurden breite Persönlichkeitsmerkmale und kognitive Fähigkeiten erhoben sowie das Einkommen der Eltern und demographische Merkmale wie Geschlecht oder Ethnie. Elf Jahre später wurden 81.912 Personen zu ihren Bildungs- und Berufsbiographien befragt und nach 50 Jahren machten erneut 1.912 Personen Angaben zu ihrem Bildungsabschluss sowie ihrem jährlichen Einkommen und ihrem beruflichen Status.</p><p>Es zeigte sich, dass verantwortungsvolle Schülerinnen und Schüler, die Interesse an der Schule zeigten, ihre Schul- und Hausaufgaben erledigten und wenig Probleme mit Lesen und Schreiben hatten, sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren noch einen höheren Bildungsabschluss und einen angeseheneren Job hatten. Außerdem war ihr Einkommen nach 50 Jahren höher als das Gleichaltriger, die kein großes Interesse für die Schule mitbrachten. „Das bedeutet natürlich nicht, dass adäquates Verhalten in der Schule zwangsläufig zu beruflichem Erfolg führt“, betont Spengler. „Die Ergebnisse zeigen jedoch einen robusten Zusammenhang.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Spengler, M., Damian, R. I., &amp; Roberts, B. (2018). How You Behave in School Predicts Life Success Above and Beyond Family Background, Broad Traits, and Cognitive Ability.<em> Journal of Personality and Social Psychology</em>. doi:10.1037/pspp0000185<br> Link zur Studie: <a href="http://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-pspp0000185.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-pspp0000185.pdf</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Marion Spengler<br> Universität Tübingen<br> Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung<br> Telefon +49 7071 29-74948<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octkqp0urgpingtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">marion.spengler<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.hib.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.hib.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18266</guid><pubDate>Thu, 22 Feb 2018 18:00:00 +0100</pubDate><title>Der „Grundwortschatz“ der Affen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-grundwortschatz-der-affen/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler identifizieren die kleinsten Einheiten, aus denen Weißbüschelaffen ihre Äußerungen aufbauen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob kurzes Keckern oder langes Fiepen – alle Äußerungen, die Weißbüschelaffen von sich geben, bestehen aus einzelnen Silben festgelegter Länge, wie Forscher um Dr. Steffen Hage vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) an der Universität Tübingen zeigen konnten. Diese kleinsten Einheiten der Lautäußerung und ihre rhythmische Erzeugung im Gehirn unserer Verwandten könnten auch eine Vorbedingung der menschlichen Sprache gewesen sein. Die Studie erschien nun im Fachmagazin <em>Current Biology</em>.</p><p>„Siebenmal in der Sekunde kann unser Sprechapparat eine Silbe formen“, sagt Steffen Hage. Egal ob Asterix „Ha!“ sage oder Mary Poppins „Supercalifragilisticexpialigetisch“ – wenn wir sprächen, dann bestehe das, was wir sagen, aus kleinsten Einheiten, die jeweils im Durchschnitt etwa eine Siebtelsekunde lang seien. Der Rhythmus, in dem Silben gebildet werden können, liegt ebenso in der Struktur unseres Kehlkopfes begründet wie in den Gehirnprozessen, die das Sprechen steuern. Diese biologischen Grundlagen der Sprache könnten schon bei unseren Vorfahren ähnlich gewesen sein.</p><p>Will man die Evolution der Sprache verstehen, liegt es nahe, deren biologische Grundlagen zuerst einmal bei unseren nahen Verwandten im Tierreich zu erforschen: den Primaten. Deren Vokalisation (Lautäußerungen) ist noch nicht ausreichend erforscht. Um den neurobiologischen Grundlagen der Vokalisation auf den Grund zu gehen, arbeitet die Forschergruppe des Neurowissenschaftlers Hage mit Weißbüschelaffen, einer südamerikanischen Primatenart. Diese steht uns evolutionär wesentlich näher als zum Beispiel die Sperlingsvögel, an deren Gesang Rhythmus und Länge von Einzelsilben bisher hauptsächlich untersucht wurden.</p><p>Das Keckern und Fiepen der Weißbüschelaffen haben die Forscher in einer Schallkammer aufgezeichnet. In unregelmäßigen Abständen wurden die natürlichen Lautäußerungen der Tiere dabei mit weißem Rauschen gestört; die Forscher „quatschten“ den Affen sozusagen „dazwischen“, woraufhin die ihre Laute abbrachen.</p><p>Thomas Pomberger, einer der Autoren der Studie, erklärt die Ergebnisse: „Das Fiepen von Weißbüschelaffen galt bisher neben ihren ‚Tsik’- und ‚Ekk’-Lauten quasi als Teil ihres Grundwortschatzes. Wir konnten nun sehen, dass die Tiere ihr Fiepen unterbrachen, wenn wir sie störten. Und das nicht an beliebigen Stellen, sondern immer nur an bestimmten Punkten.“ „Das langgezogene Fiepen besteht also aus kurzen Fiep-Bausteinen. Die haben ungefähr dieselbe Länge wie ein ‚Tsik’ oder ‚Ekk’, nämlich um die 100 Millisekunden“, fügt Ko-Autorin Cristina Risueno-Segovia hinzu. Ihr Doktorvater Hage folgert: „Bisher hat das langgezogene Fiepen einen solchen Schluss nicht erlaubt. Aber ich denke, wir konnten nun zeigen: Wie wir Menschen haben auch die Weißbüschelaffen einen ‚festverdrahteten’ Rhythmus, in dem sie Laute hervorbringen. Er hat sogar eine ähnliche Frequenz.“</p><p>Ein solcher Rhythmus könnte daher eine evolutionäre Notwendigkeit auf dem Weg zur Entwicklung von Sprache gewesen sein. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Forschung mit Weißbüschelaffen dazu beitragen kann, Ursprünge und Eigenarten der menschlichen Sprache besser zu verstehen ‒ eine Frage, die in der Forschung bislang kontrovers diskutiert wird.</p><h3>Publikation:</h3><p>Thomas Pomberger, Cristina Risueno-Segovia, Julia Löschner, Steffen R. Hage: Precise Motor Control Enables Rapid Flexibility in Vocal Behavior of Marmoset Monkeys. In: <em>Current Biology </em>(in press). 22. Februar 2018, doi: 10.1016/j.cub.2018.01.070</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Dr. Steffen Hage<br> Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Otfried-Müller-Str. 25<br> 72076 Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-88898<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uvghhgp0jcigBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">steffen.hage<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann<br> Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit<br> Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Otfried-Müller-Str. 25<br> 72076 Tübingen<br> Tel.: +49 7071 29-89108<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18224</guid><pubDate>Wed, 21 Feb 2018 19:00:00 +0100</pubDate><title>Alte Genome beleuchten Vorgeschichte Südosteuropas</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alte-genome-beleuchten-vorgeschichte-suedosteuropas/</link><description>Eine der bisher größten Archäogenetik-Studien gibt Einblick in die Interaktion zwischen einheimischen Jäger-Sammlern und frühen Bauern in der Vorgeschichte des Balkans</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Pressemitteilung der Max-Planck-Institute für Menschheitsgeschichte</h3><p>&nbsp;</p><p>Eine in der Zeitschrift <em>Nature </em>veröffentlichte Studie alter Genome beleuchtet erstmals detailliert die genetische Geschichte Südosteuropas vor und nach Einführung der Landwirtschaft durch anatolische Bauern. Für die zweitgrößte jemals veröffentlichte Studie dieser Art analysierte ein internationales Forschungsteam, mit maßgeblicher Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, das Erbgut von 225 menschlichen Skeletten. Diese Individuen lebten teils vor und teils nach dem Epochenwechsel in Südosteuropa, eine Region für die bislang kaum genetische Daten aus der Vorgeschichte zur Verfügung standen.</p><p>Die Studie wurde von insgesamt 117 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Archäologie, Anthropologie und Genetik aus 82 Einrichtungen in Europa und den USA durchgeführt, darunter auch Forschende der Universität Tübingen.</p><p>Vor etwa 8500 Jahren breitete sich die Landwirtschaft – in Verbindung mit der Einwanderung früher Bauern aus Anatolien - von Südosten her über Europa aus. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Genome von 225 alten Knochen analysiert, die von Menschen stammen, die vor rund 14.000 bis 3.000 Jahren in Südosteuropa lebten. „Südosteuropa ist der Brückenkopf der Anatolien mit Europa verbindet. Von dort breitete sich die Landwirtschaft nach Europa aus. In dieser Studie werden die Interaktionen von frühen Bauern, indigenen Jägern und Sammlern aus dem Balkanraum und den Bewohnern der Zentralasiatischen Steppen erstmals umfassend betrachtet“, sagt Archäologe Raiko Krauß vom Institut für Früh- und Urgeschichte der Universität Tübingen. Er hatte einige Skelette des berühmten kupferzeitlichen Gräberfelds von Varna, Bulgarien, für die Studie zur Verfügung gestellt.</p><h3>Zwischen Isolation und intensivem Austausch</h3><p>„An manchen Orten scheinen sich Jäger-Sammler und einwandernde Bauern sehr schnell vermischt zu haben“, sagt Erstautor Iain Mathieson, Genetiker an der Universität von Pennsylvania, „aber meistens blieben die beiden Gruppen isoliert, zumindest in den ersten paar hundert Jahren . Die Jäger und Sammler haben seit Tausenden von Jahren in der Region gelebt, und es muss ein ziemlicher Schock für sie gewesen sein, als die neuen Menschen auftauchten – mit einem völlig anderen Lebensstil und Aussehen.“</p><p>„Dreitausend Jahre später hatten sie sich vollständig durchmischt“, fährt David Reich von der Harvard Medical School fort, einer der Leiter der Studie. „Einige Bevölkerungsgruppen haben bis zu einem Viertel ihrer Gene von Jäger-Sammlern geerbt.“ In manchen Regionen Europas trugen vor allem die Männer das Erbgut der Jäger- und Sammler weiter; nicht jedoch im Südosten. „Das zeigt, dass beide Gruppen an verschiedenen Orten unterschiedlich interagierten, etwas, was wir im Zusammenhang mit archäologischen Erkenntnissen zu verstehen versuchen", fügt Mathieson hinzu.</p><p>Die Studie umfasst auch eine Stichprobe von 40 Jäger-Sammlern und frühen Bauern aus der Region des „Eisernen Tors“ an der Grenze zwischen dem heutigen Rumänien und dem heutigen Serbien. Die Untersuchungen zeigen, dass diese Region einen intensiven Austausch zwischen Jäger-Sammlern und frühen Bauern erlebte. Zum Beispiel stammten zwei von vier Individuen aus der Grabungsstätte Lepenski Vir genetisch vollständig von anatolischen Bauern ab, passend dazu bestätigte eine Isotopenanalyse, dass sie Migranten von außerhalb der Region waren. Ein drittes Individuum war gemischter Abstammung und hatte laut Isotopen viel Fisch gegessen, was zu erwarten ist, wenn Bauern in eine Jäger-Sammler Gruppe integriert werden oder deren Lebensweise annehmen.</p><p>„Diese Ergebnisse beleuchten den Zusammenhang zwischen Migration, Vermischung und Subsistenz in dieser Schlüsselregion. Sie zeigen zudem, dass sich bereits die frühen europäischen Bauern in ihrer Abstammung unterschieden, was ein dynamisches Mosaik von Vermischungen zwischen Jäger-Sammlern und frühen Bauern widerspiegelt", erklärt Ko-Studienleiter Ron Pinhasi, Anthropologe an der Universität Wien.</p><h3>Varna – Frühester Nachweis für Gene aus der Steppe 2000 Jahre vor der großen Einwanderungswelle</h3><p>Für die Studie wurden auch Skelette aus Varna, eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der europäischen Vorschichte untersucht. Varna ist einer der ersten Orte der Welt, für den es Hinweise auf extreme Unterschiede im Reichtum gibt. Das Grab eines der untersuchten Individuen enthielt mehr Gold als alle anderen bekannten Bestattungen aus dieser Zeit. „Die DNA aus der berühmten Grabstätte von Varna ist der anderer früher europäischen Bauern sehr ähnlich“, sagt Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, der die Analyse der Proben von Varna leitete. Krause fährt fort: „Überraschenderweise fanden wir jedoch auch ein Individuum aus Varna und mehrere aus benachbarten Fundorten in Bulgarien, die Vorfahren aus der osteuropäischen Steppe hatten. Dies ist der früheste Nachweis der sogenannten Steppen-Abstammung so weit im Westen – zweitausend Jahre vor der großen Einwanderungsbewegung aus der Steppe, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung Nordeuropas zwischen 5000 und 4500 vor heute ersetzte.“</p><p>David Reich bemerkt abschließend: „Diese sehr großen Studien alter DNA, die auf einer intensive Zusammenarbeit von Genetikern, Archäologen und Anthropologen basieren, erlauben es, ein detailliertes Bild von Schlüsselperioden der Vergangenheit zu zeichnen, welche vorher nur schwach zu erahnen waren. Studien dieser Größenordnung zeigen, dass die Forschung an alter DNA den Kinderschuhen entwachsen ist. Ich freue mich auf die Erkenntnisse, die wir gewinnen werden, wenn ähnliche Forschungsansätze auch auf andere Regionen der Welt angewandt werden.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Mathieson et al., The genomic history of southeastern Europe, <em>Nature</em>, DOI: 10.1038/nature25778</p><p><a href="http://www.shh.mpg.de/843156/genomic-history-of-southeastern-europe" target="_blank" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Johannes Krause<br> Abteilung für Archäogenetik<br> Max-Planck-Institute für Menschheitsgeschichte<br> Email: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>PD Dr. Raiko Krauß<br> Universität Tübingen<br> Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters<br> Telefon +49 7071 29-76794<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tckmq0mtcwuuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">raiko.krauss<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18198</guid><pubDate>Wed, 21 Feb 2018 15:31:21 +0100</pubDate><title>Der Fisch mit der Augenlampe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-fisch-mit-der-augenlampe/</link><description>Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen entdecken erstmals bei tagaktiven Meeresbewohnern die Voraussetzungen für eine aktive Ortung mittels Licht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Manche Tiere erweitern ihre Sinne, indem sie aktiv Signale aussenden und aus den Reflexionen naher Objekte ihre Umgebung oder zum Beispiel Beutetiere ausmachen – gut untersuchte Beispiele sind die Echoortung mit Ultraschalllauten bei Fledermäusen und Delfinen sowie die Elektroortung bei manchen Fischen. Die Lichtortung, also das aktive Aussenden von Lichtstrahlen und die Auswertung der Reflexion, ist bisher nur von Tiefseefischen bekannt, die chemisch erzeugtes Licht als Suchscheinwerfer im Dauerdunkel der tiefen Ozeane nutzen. Nun hat Professor Nico Michiels vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen gemeinsam mit seinem Team Hinweise auf den Einsatz der aktiven Lichtortung bei tagaktiven Fischen entdeckt. Die Forscher konnten erstmals nachweisen, dass Fische senkrecht einfallendes Sonnenlicht kontrolliert und in Anpassung an die Umgebung aktiv seitwärts in Augenblitze umlenken. Die Forschungsergebnisse werden in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science veröffentlicht.</p><p>Bei seinen Experimenten arbeitete das Forscherteam mit dem vier Zentimeter langen Gelben Spitzkopf-Schleimfisch (Tripterygion delaisi), der im Atlantik und im Mittelmeer vorkommt. Er ernährt sich hauptsächlich von weitgehend durchsichtigen, weniger als einen Millimeter großen Kleinkrebsen. Während der Mensch eine Taschenlampe benötigt, um mit ihrem Lichtkegel dunkle Winkel auszuleuchten, kann der Schleimfisch das Sonnenlicht für seine Zwecke anpassen und in dunkle Bereiche umlenken. „Die anatomischen Voraussetzungen dafür finden sich bei vielen tagaktiven Fischen mit einer großen Iris“, sagt Michiels. „Doch am Schleimfisch haben wir zum ersten Mal untersucht, wie der Mechanismus für die aktive Lichtortung funktionieren könnte.“ Die Schleimfische leben in rund zehn Metern Tiefe, wohin das Sonnenlicht durchdringt. „Es wird von den seitlich vorstehenden Augenlinsen auf die untere Regenbogenhaut fokussiert, auf der sich rot fluoreszierende und blau reflektierende Bereiche finden“, erklärt der Wissenschaftler. „Durch Kippen und Drehen des Auges kann der Fisch den Lichtstrahl lenken und aktiv entweder rote oder blaue Augenblitze abgeben.“</p><h3>Zwei Blitzfarben zur Auswahl</h3><p>Der Fisch kann so die ersten Zentimeter seiner direkten Umgebung ausleuchten. „Voraussetzung für die Lichtortung ist, dass die Fische die Augenblitze kontrollieren können, um selbst nicht zu Beute zu werden“, sagt Michiels. Um das zu überprüfen, haben sich die Forscher zunutze gemacht, dass der Gelbe Spitzkopf-Schleimfisch zwei Blitzfarben zur Auswahl hat. „Tatsächlich haben wir festgestellt, dass die Fische die Farbe der Augenblitze an die Umgebung anpassen. Bei rotem Hintergrund senden sie blaue Augenblitze aus – und umgekehrt.“ Auch nehme die Frequenz der Augenblitze zu, wenn Kleinkrebse als mögliche Beute verfügbar sind. „Wir konnten jedoch nicht feststellen, dass hungrige Fische mehr Augenblitze erzeugen als satte“, so der Forscher. Daher müsse nun in weiteren Experimenten geklärt werden, ob die Schleimfische ihre Fähigkeiten für die aktive Lichtortung zum Auffinden von Beute nutzen oder möglicherweise für andere Zwecke. „Wir stehen auf diesem Forschungsgebiet noch ganz am Anfang. Die Fähigkeit zur Lichtortung wurde bisher kaum beachtet“, erklärt Michiels.</p><h3>Publikation:</h3><p>Nico K. Michiels, Victoria C. Seeburger, Nadine Kalb, Melissa G. Meadows, Nils Anthes, Amalia A. Mailli and Colin B. Jack: Controlled iris radiance in a diurnal fish looking at prey. Royal Society Open Science, DOI 10.1098/rsos.170838.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Nico Michiels<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Evolutionsökologie der Tiere<br> Telefon +49 7071 29-74649<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkeq0okejkgnuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">nico.michiels<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="449422" data-htmlarea-zoom="true" height="190" src="fileadmin/_processed_/7/e/csm_18-02-21Royal_Soc_Lichtortung1_cb6ef8b3b2.jpg" width="300" style></td><td><p>Der Gelbe Spitzkopf-Schleimfisch (Tripterygion delaisi) zeigt einen blauen Augenblitz. Foto: Nico K. Michiels</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="449425" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/2/3/csm_18-02-21Royal_Soc_Lichtortung2_eb13392c04.jpg" width="300" style></td><td><p>Der Gelbe Spitzkopf-Schleimfisch (Tripterygion delaisi) zeigt einen blauen Augenblitz. Foto: Nico K. Michiels</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="449428" data-htmlarea-zoom="true" height="200" src="fileadmin/_processed_/0/6/csm_18-02-21Royal_Soc_Lichtortung3_a3865c4b69.jpg" width="300" style></td><td><p>Der Gelbe Spitzkopf-Schleimfisch (Tripterygion delaisi) beim Erzeugen eines roten Augenblitzes. Foto: Nico K. Michiels</p></td></tr></tbody></table></div></div><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18167</guid><pubDate>Tue, 20 Feb 2018 14:55:28 +0100</pubDate><title>Die Stoffwechsel-Modellierung wird dreidimensional</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-stoffwechsel-modellierung-wird-dreidimensional/</link><description>Forscherkonsortium entwickelt Computermodellierung Recon3D weiter</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungskonsortium hat erstmals ein Computermodell entwickelt, das bei der Darstellung menschlicher Stoffwechselprozesse die dritte Dimension einbezieht. Dazu integrierten die Forscher die räumlichen Strukturen von über 4.000 Stoffwechselprodukten, sogenannten Metaboliten, und fast 13.000 Proteinen in ein bereits existierendes Modell. Außerdem erweiterten sie die Datengrundlage des Modells, auf der die Simulation basiert, um eine enorme Menge genetischer und chemischer Informationen. Recon3D heißt das neue computerbasierte Werkzeug, das vor kurzem der biomedizinischen Forschungsszene zur Verfügung gestellt wurde. An dem internationalen Forschungsprojekt war auch Dr. Andreas Dräger vom Zentrum für Bioinformatik (ZBIT) der Universität Tübingen beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin <em>Nature Biotechnology </em>veröffentlicht.</p><p>Computermodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Wissenschaft: Sie machen das bereits existierende Wissen handhabbar und helfen Wissenschaftlern dadurch, ihre Forschungsfragen möglichst präzise zu formulieren und zielgerichtet zu arbeiten. Forscher, die solche Modelle erstellen, werten möglichst alle verfügbaren Veröffentlichungen und Datenbanken zu einem Thema aus und speisen die Informationen in ihr Modell ein. So auch bei der Erforschung des menschlichen Stoffwechsels, wie Prof. Dr. Ines Thiele, Leiterin der Gruppe „Molecular Systems Physiology“ am Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg und eine der treibenden Kräfte hinter Recon3D sagt: „Bereits für die Vorversion von Recon3D, bei Recon 2, hat ein großes Team verschiedener Forschungsgruppen riesige Datenmengen zum Genom, zu chemischen Stoffwechselaktivitäten oder physiologischen Eigenschaften des menschlichen Organismus zusammengetragen.“ Diese Datengrundlage sei für Recon3D noch einmal erheblich erweitertet worden, so Thiele.</p><p>Das Besondere am neuen Computermodell ist jedoch die Integration dreidimensionaler Strukturdaten zu Proteinen und Stoffwechselprodukten. Dr. Ronan Fleming ist Leiter der LCSB-Gruppe „Systems Biochemistry“, welche für die Strukturdaten der Stoffwechselprodukte verantwortlich war: „Bisher konnte man sagen, dass bei einer bestimmten Stoffwechselreaktion aus den Substanzen A und B die Substanzen C und D werden. Jetzt wissen wir genau, aus welchen Atomen jede Substanz besteht, wie die Atome in den Ausgangssubstanzen angeordnet sind, und wo sich dieselben Atome in den Produkten der chemischen Reaktion wiederfinden.“</p><p>Damit das möglich wurde, mussten die Forscher zunächst herausfinden, welches Rechenprogramm – Wissenschaftler sprechen von einem Algorithmus – die dreidimensionalen Strukturen der Moleküle am genauesten aus den Literaturdaten in Recon3D überführt. Dazu hat Flemings Team für eine Reihe von chemischen Reaktionen die molekulare Struktur der Ausgangsstoffe recherchiert und den Verbleib jedes Atoms nach der Stoffwechselreaktion einzeln bestimmt. Dann wurden verschiedene Algorithmen an diesen Beispielreaktionen getestet, um denjenigen mit der besten Vorhersagekraft zu identifizieren. Fleming: „Mit diesen Ergebnissen konnten wir dann die Strukturen von über 4.000 Metaboliten sehr präzise in das Computermodell überführen.“ Flemings Kollegen von der US-amerikanischen Universität Kaliforniens zu San Diego erweiterten Recon3D auf nun knapp 13.000 Protein-Strukturdaten, und damit verbinden sie die beiden Themengebiete Strukturbiologie und Systembiologie.</p><p>„Mit Recon3D lassen sich Stoffwechselprozesse, die beispielsweise bei Parkinson-Patienten anders ablaufen als bei Gesunden, in Zukunft viel besser und detailgenauer untersuchen“, fasst Thiele die Möglichkeiten zusammen, die das neue Computermodell bietet. Damit andere Wissenschaftler das Modell für ihre Forschung nutzen können, hat es Dr. Andreas Dräger vom Zentrum für Bioinformatik der Universität Tübingen (ZBIT) in ein standardisiertes Format gebracht. „Recon3D legt einen Grundstein zur Erstellung zelltypspezifischer Modelle, mit denen sich die Funktion von Geweben bis hin zu ganzen Organen im Computer simulieren lassen“, erklärt Dräger und fügt hinzu, es könne zudem helfen, das Wechselspiel zwischen Pathogenen wie Bakterien oder Viren und dem menschlichen Wirt besser zu verstehen. Fleming ergänzt, dass sich Dank der dreidimensionalen Strukturen der Metabolite und Proteine in Recon3D jetzt auf der Ebene einzelner Atome verfolgen lässt, wie sich beispielsweise Genmutationen auf die Entwicklung bestimmter Krankheitsbilder auswirken: „Dadurch können sich ganz neue Wege für die Forschung an therapeutischen Ansätzen ergeben“, so Fleming.</p><h3>Bibliografische Daten</h3><p>Elizabeth Brunk, Swagatika Sahoo, Daniel C Zielinski, Ali Altunkaya, Andreas Dräger, Nathan Mih, Francesco Gatto, Avlant Nilsson, German Andres Preciat Gonzalez, Maike Kathrin Aurich, Andreas Prlić, Anand Sastry, Anna D Danielsdottir, Almut Heinken, Alberto Noronha, Peter W Rose, Stephen K Burley, Ronan M T Fleming, Jens Nielsen, Ines Thiele &amp; Bernhard O Palsson; Recon3D enables a three-dimensional view of gene variation in human metabolism; <em>Nature Biotechnology</em>; 2018; doi:10.1038/nbt.4072</p><h3>Beteiligte Partner:</h3><p>Luxembourg Centre for Systems Biomedicine, University of Luxembourg, Campus Belval, Esch-Sur-Alzette, Luxembourg; Department of Bioengineering, University of California, San Diego, San Diego, California, USA; RCSB Protein Data Bank, San Diego Supercomputer Center, University of California, San Diego, La Jolla, California, USA; Applied Bioinformatics Group, Center for Bioinformatics Tübingen (ZBIT), University of Tübingen, Tübingen, Germany; The Novo Nordisk Foundation Center for Biosustainability, Technical University of Denmark, Lyngby, Denmark; Department of Biology and Biological Engineering, Chalmers University of Technology, Sweden; Department of Chemistry and Chemical Biology, Center for Integrative Proteomics Research, Institute for Quantitative Biomedicine, and Rutgers Cancer Institute of New Jersey, Rutgers, The State University of New Jersey, Piscataway, USA</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>CompSysBioInfection-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18084</guid><pubDate>Fri, 16 Feb 2018 12:58:14 +0100</pubDate><title>Neues Verfahren ermöglicht passgenaue Malariaforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-verfahren-ermoeglicht-passgenaue-malariaforschung/</link><description>Methode aus Tübingen erfolgreich in Afrika erprobt: Freiwillige Probanden kontrolliert mit Malariaparasiten infiziert ‒ Erkenntnisse zur natürlich erworbenen Immunität und Resistenz gegen Malaria</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Tropenmedizin der Universität Tübingen, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Sanaria Inc. haben eine Methode entwickelt, mit der sich Malaria direkt am Menschen erforschen lässt: Freiwillige Probanden werden dafür kontrolliert mit Malariaparasiten infiziert. Erstmals wurde das Verfahren nun am Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun in einer klinischen Studie eingesetzt, um die natürlich erworbene Immunität gegen Malaria und die Auswirkung des Sichelzellgens zu untersuchen. Träger des Sichelzellgens, so weiß man, haben eine natürliche Resistenz gegen Malaria und entwickeln seltener eine schwere Malaria. Die Ergebnisse erschienen kürzlich im <em>American Journal of Tropical Medicine and Hygiene</em>.</p><p>Mehr als 200 Millionen Menschen erkranken jährlich neu an der Tropenkrankheit Malaria, überwiegend in Afrika. Verursacher sind Parasiten, sogenannte Plasmodien, die durch Mückenstiche übertragen werden. Zu den Symptomen der Malaria zählen hohes, wiederkehrendes Fieber, das sich mit fieberfreien Phasen abwechselt, Schüttelfrost sowie Beschwerden des Magen- und Darm-Trakts. Insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren führt die Krankheit häufig zum Tod. „Menschen, die wiederholt mit Malaria-Erregern infiziert werden, können dabei eine natürliche Immunität gegen die Krankheit erwerben, dies ist bekannt“, erklärt Professor Peter Kremsner, Direktor des Tübinger Instituts für Tropenmedizin und Koordinator des Forschungsbereichs Malaria im DZIF. „Allerdings ist das Verständnis der zu Grunde liegenden Mechanismen noch unvollständig.“</p><p>Um die Mechanismen der natürlichen Resistenz durch das Sichelzellgen und der Immunität gegen Malaria zu untersuchen, setzten die Forscherteams aus Tübingen und von Sanaria die kontrollierte humane Malaria-Infektion ein: Freiwillige Probanden erhielten eine Spritze mit einer Dosis des Stoffes Sanaria ® PfSPZ Challenge, die den Malariaerreger <em>Plasmodium falciparum </em>enthält. So konnten die Wissenschaftler die Infektionsraten und Symptome Erwachsener mit und ohne Sichelzellgen untersuchen. Die Studie wurde in Gabun, Zentralafrika, durchgeführt. Menschen, die dort ihr Leben lang dem Malariaerreger ausgesetzt sind, gelten im Erwachsenenalter als „semi-immun“.</p><p>Insgesamt wurden die Malariaerreger elf semi-immunen Gabunern mit normalem Hämoglobin und neun semi-immunen Gabunern mit Sichelzellgen injiziert, zudem erhielten fünf europäische, nicht immune Kontrollpersonen mit normalem Hämoglobin eine Dosis. Die Probanden wurden im Anschluss 28 Tage lang engmaschig beobachtet, unter anderem wurde ab Tag fünf täglich eine Blutprobe entnommen. Am Ende der Studie erhielten sie ein Malariamedikament, um die Infektion zu beenden.</p><p>Wie erwartet, verlängerte eine natürlich erworbene Immunität gegen Malaria die Zeit bis zum Auftreten der Erreger im Blut, die Probanden erkrankten später oder ein Teil sogar gar nicht. Bei Probanden mit Sichelzellgen verzögerte sich dieser Zeitpunkt nochmals. Interessanterweise zeigten sich in der Gruppe der Probanden mit Sichelzellgen auch signifikant weniger Malariafälle.</p><p>„Die Studienergebnisse geben neue Einblicke, wie eine natürlich erworbene Immunität gegen Malaria funktioniert“, sagt Dr. Bertrand Lell, Direktor des CERMEL. „Die Erkenntnisse sind für die Entwicklung einer Malariaimpfung von Bedeutung."</p><h3>Publikation:</h3><p>Bertrand Lell, Benjamin Mordmüller, Jean-Claude Dejon Agobe, Josiane Honkpehedji, Jeannot Zinsou, Juliana Boex Mengue, Marguerite Massinga Loembe, Ayola Akim Adegnika, Jana Held, Albert Lalremruata, The Trong Nguyen, Meral Esen, Natasha KC, Adam J. Ruben, Sumana Chakravarty, B. Kim Lee Sim, Peter Billingsley, Eric James, Thomas L. Richie, Stephen L. Hoffman, Peter G. Kremsner: Impact of Sickle Cell Trait and Naturally Acquired Immunity on Uncomplicated Malaria after Controlled Human Malaria Infection in Adults in Gabon. <em>American Journal of Tropical Medicine</em>, <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29260650" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29260650</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Peter Kremsner<br> Universität Tübingen<br> Institut für Tropenmedizin<br> DZIF-Koordinator „Malaria“<br> Telefon: 07071/ 29 87179<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rgvgt0mtgoupgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">peter.kremsner<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Bertrand Lell<br> Centre de Recherches Médicale de Lambaréné (CERMEL)<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgtvtcpf0ngnnBegtogn0qti" data-mailto-vector="2">bertrand.lell<span style="display:none">spam prevention</span>@cermel.org</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17956</guid><pubDate>Tue, 13 Feb 2018 13:31:50 +0100</pubDate><title>Fleißige Rezeptoren im Dauereinsatz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fleissige-rezeptoren-im-dauereinsatz/</link><description>Biologen der Universität Tübingen entschlüsseln Mechanismen des rezeptorvermittelten Proteintransports in Pflanzenzellen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Proteine erfüllen in Zellen vielfältige Funktionen bei Teilung, Wachstum oder auch bei Kommunikation der Zellen untereinander. Um sicherzustellen, dass die Proteine an ihren Einsatzort gelangen, werden sie von einer zelleigenen Transportmaschinerie ständig sortiert und in Position gebracht. Dabei spielen sogenannte Sortierungsrezeptoren eine Schlüsselrolle: Sie erkennen und binden die zu transportierenden löslichen Proteine und speisen sie in die Transportabläufe ein. Professor Peter Pimpl und seiner Forschergruppe am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen ist es nun gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich die Transportwege einzelner Rezeptoren erstmals in Pflanzenzellen im Detail verfolgen lassen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal <em>Nature Communications</em> veröffentlicht, DOI: 10.1038/s41467-018-02909-6.</p><p>Der rezeptorvermittelte Transport in Zellen läuft über mehrere Schritte: Die Proteine werden in einem Zellabschnitt von einem Rezeptor gebunden. Der Rezeptor-Proteinkomplex wird zum Zielort transportiert, wo sich die Proteine wieder von den Rezeptoren lösen und ihre Aufgabe erfüllen. Da die Anzahl der Proteine in einer Zelle um ein Vielfaches höher ist als die der Rezeptoren, stellte sich für die Wissenschaft bislang die Frage, wie wenige Rezeptoren effizient so viele Proteine sortieren können. Basierend auf Daten der Säugerzellforschung wurde vermutet, dass Sortierungsrezeptoren mehrfach tätig sind, also recycelt werden: Nach einem Vorwärtstransport gelangen die Rezeptoren durch einen rückwärts gerichteten Rezyklierungsschritt wieder zum Ausgangsabschnitt, um erneut Proteine zu binden und zu transportieren.</p><p>Bislang gab es keine Möglichkeiten, in lebenden Zellen zwischen Rezeptoren zu unterscheiden, die erstmals vorwärts transportieren und solchen, die sich zurückbewegen. Mit dem Verfahren, dass die Forschergruppe von Peter Pimpl entwickelte, konnte dies nun erstmals unterschieden und experimentell bestätigt werden. „Wir konnten einen der wichtigsten rezeptorvermittelten Mechanismen zur Proteinsortierung in pflanzlichen Zellen, die Sortierung von löslichen Proteinen in die Vakuole, einem zum Stoffabbau bestimmten Spezialbereich der Zelle, aufklären“, sagt Pimpl, der mittlerweile am Institute of Plant and Food Science (IPFS) der Southern University of Science and Technology (SUSTech) in Shenzhen (China) forscht.</p><p>Die Wissenschaftler koppelten in ihrer Studie das grün fluoreszierende Protein GFP mithilfe von Nanobodies, den kleinsten vorkommenden Antikörpern, an die Rezeptoren. Mit diesen konnten sie die Sortierungsrezeptoren nur in ihrem Zielabschnitt markieren, und zwar erst nach dem Ablösen der Proteine. Damit verfolgten sie dann den Rücktransport der Rezeptoren zum Ausgangspunkt und deren erneute Proteinbindung. „Durch diese innovative Strategie konnten wir bestätigen, dass auch in Pflanzenzellen die Rezeptoren recycelt werden, und die zugrundeliegenden pflanzenspezifischen Mechanismen aufklären.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Früholz, S., Fäßler, F., Kolukisaoglu, Ü and Pimpl, P. (2018) Nanobody triggered lockdown of VSRs reveals ligand reloading in the Golgi. <em>Nature Communications  </em>DOI: 10.1038/s41467-018-02909-6. Download unter <a href="http://rdcu.be/GRzR" target="_blank" rel="noreferrer">http://rdcu.be/GRzR</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Peter Pimpl<br> Southern University of Science and Technology (SUSTech)<br> Institute for Plant and Food Science (IPFS)<br> Department of Biology<br> No 1088, Xueyuan Rd., Xili, Nanshan District,<br> Shenzhen, Guangdong, China<br> Phone: +86 755 88018485<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rkornBuwuve0gfw0ep" data-mailto-vector="2">pimpl<span style="display:none">spam prevention</span>@sustc.edu.cn</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17926</guid><pubDate>Mon, 12 Feb 2018 17:02:00 +0100</pubDate><title>Freie Sauerstoffradikale: Die gute Aufgabe der Bösewichte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/freie-sauerstoffradikale-die-gute-aufgabe-der-boesewichte/</link><description>Bei Rückenmarksverletzungen sind sie für die Heilung von geschädigten Nervenzellen unerlässlich, berichten Tübinger Forscher </description><content:encoded><![CDATA[<p>Zellalterung, Krebs, Parkinson und Alzheimer – mit freien Sauerstoffradikalen werden meist Krankheiten in Verbindung gebracht. Die Moleküle scheinen jedoch auch positive Aufgaben zu besitzen: Bei Rückenmarksverletzungen spielen sie eine unerlässliche Rolle im Heilungsprozess. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Dr. Simone Di Giovanni vom Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem englischen Imperial College London. In der aktuellen Ausgabe von Nature Cell Biology beschreiben die Forscher, wie verletzte Nervenzellen gezielt ein Enzym aufnehmen, dass freie Sauerstoffradikale bildet. Die entstehenden Radikale setzen anschließend Prozesse in Gang, die der Regenerierung der Zellen dienen. „Behandlungen, die nach einer Nervenverletzung darauf abzielen, die Produktion freier Sauerstoffradikale einzuschränken, könnten tatsächlich nachteilig sein“, erklärt Di Giovanni. „Der genaue Zeitpunkt und die richtige Dosis müssen wohl berücksichtigt werden.“ Unklar bleibt, ob eine höhere Menge an freien Sauerstoffradikalen den Heilungsprozess noch verbessern kann.</p><p>In der aktuellen Studie beobachteten die Wissenschaftler, wie körpereigene Abwehrzellen – sogenannte Makrophagen – nach einer Verletzung ein Enzym mit dem Namen NOX2 ins Gewebe absondern. „NOX2 wird anschließend vom Axon, dem Nervenzellfortsatz, der verletzten Zellen aufgenommen und in kleinen Vesikeln Richtung Zellkörper transportiert“, beschreibt Di Giovanni. „Es erzeugt freie Sauerstoffradikale, indem es eine Reihe von Proteinen oxidiert. Durch sie werden im Zellkörper Signalwege angeregt, an dessen Enden die Regenerierung des Axons und das Wachstum weiterer Zellfortsätze steht.“</p><p>Noch sind die komplexen molekularen und zellulären Prozesse, die sich nach einer Verletzung an Nerven oder im Rückenmark abspielen, nicht vollständig verstanden. Die aktuelle Studie fügt jedoch ein weiteres Puzzleteil zum Gesamtbild hinzu. Rückenmarksverletzungen gehen oftmals mit lebenslangen Lähmungen einher. Sind die Nervenfasern einmal durchtrennt, leiten sie kein Gehirnsignal mehr an Muskeln in Bein oder Arm weiter. Derzeit gibt es keine Therapie, die Nervenfasern reparieren kann. „Je besser wir aber verstehen, was im Körper vor sich geht, desto einfacher werden wir Strategien entwickeln können“, so Di Giovanni.</p><p>Die Studie des Tübinger Wissenschaftlers leitet auch ein Umdenken in der Forschung mit ein. „Bisher assoziierten wir freie Sauerstoffradikale vor allem mit Schäden an Nerven und Rückenmark“, sagt Di Giovanni. „Die Moleküle gehen unkontrolliert chemische Reaktionen mit Proteinen und DNA ein und zerstören so Zellmembranen und Erbgut. Jetzt müssen wir ihnen tatsächlich aber auch positive Aufgaben zuschreiben.“ Neben den aktuellen Ergebnissen gibt es in jüngster Zeit Hinweise, dass die Moleküle unter anderem eine Rolle beim Wachstum von Nervenzellen im Hippocampus, der Gedächtniszentrale im Gehirn, spielen. Ebenso scheinen sie an zellulären Signalwegen bei der Wundheilung in Zebrafischen beteiligt zu sein. In einer künftigen Studie möchte Di Giovanni erforschen, was passiert, wenn er die Produktion von freien Sauerstoffradikalen durch NOX2 erhöht. „Wenn wir Glück haben verbessert dies sogar den Heilungsprozess in den Zellen.“</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Hervera et al., (2018): Reactive oxygen species regulate axonal regeneration through the release of exosomal NADPH oxidase 2 complexes into injured axons. Nature Cell Biology DOI: 10.1038/s41556-018-0039-x</p><h3>Kontakt</h3><p>Dr. Mareike Kardinal<br> Leitung Kommunikation<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Universität Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17805</guid><pubDate>Thu, 08 Feb 2018 15:02:39 +0100</pubDate><title>Neu an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neu-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Kurzvorstellung neuer Professorinnen und Professoren</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen. Im Folgenden möchten wir sie Ihnen kurz vorstellen.</p><h2>Professor Dr. Tamam Bakchoul</h2><h3>Professor für Transfusionsmedizin (Medizinische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447769" data-htmlarea-zoom="true" height="225" src="fileadmin/_processed_/8/1/csm_18-02-08-neu1_60fe921adc.jpg" width="300" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Professor Tamam Bakchoul wurde im Juni 2017 auf eine Professur für Transfusionsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen berufen. Tamam Bakchoul studierte Humanmedizin in Syrien. Anschließend war er von 2004 bis 2007 Assistenzarzt im Bereich der Plastischen Chirurgie, der Klinischen Hämostaseologie sowie Klinischen Immunologie und Transfusionsmedizin in Damaskus, im Saarland und in Gießen. Im Jahr 2007 promovierte er zum Doktor der Humanmedizin am Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.</p><p>Nach einem einjährigen Auslandsforschungsaufenthalt in Milwaukee/USA übernahm Bakchoul von 2009 – 2011 die Leitung des Thrombozytenlabors am Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikum in Gießen und Marburg und schloss seine Facharztausbildung für Transfusionsmedizin ab. 2012 wurde er auf eine Juniorprofessur nach Greifswald berufen. Am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin in Greifswald leitete er von 2012 bis 2016 das Labor für die Untersuchung von Thrombozyten und dem Humanen Leukozytenantigen-System (HLA). Ende 2015 habilitierte Bakchoul sich im Fach Transfusionsmedizin. Die Zusatzbezeichnung Hämostaseologie weist ihn außerdem als Experten für die menschliche Blutgerinnung aus.</p><p>Die Forschungsschwerpunkte von Bakchoul sind Erkrankungen der Blutplättchen, die durch eine fehlgeleitete Immunantwort verursacht sind. Die sogenannte autoimmune Antwort des Körpers gegen die eigenen Blutplättchen kann Veränderungen im Blutgerinnungssystem auslösen, z.B. Blutungen aber auch unkontrollierte Blutgerinselbildung (Thrombose). Mit seiner Arbeitsgruppe (Immunhämatologie und Hämostaseologie) versucht Bakchoul neue Medikamente zu entwickeln, die den Abbau der Blutplättchen verhindern können.</p><h2>Juniorprofessorin Dr. Sara Kleindienst</h2><h3>Juniorprofessur für Mikrobielle Ökologie (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447766" height="225" src="fileadmin/_processed_/0/e/csm_18-02-08-neu2_f41f102573.jpg" width="300" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Dr. Sara Kleindienst (geb. 1982) ist im Dezember 2017 auf eine Juniorprofessur für Mikrobielle Ökologie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät berufen worden. Sie war seit März 2015 als Habilitandin der Geomikrobiologie und seit Oktober 2017 als unabhängige Emmy-Noether Nachwuchsgruppenleiterin an der Universität Tübingen tätig.</p><p>Sara Kleindienst hat Biologie an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg studiert. Von 2008 bis 2012 forschte sie als Doktorandin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. 2012 promovierte sie an der Universität Bremen zum Thema „Hydrocarbon-degrading sulfate-reducing bacteria at marine gas and oil seeps“.</p><p>Ihr Forschungsinteresse gilt vor allem speziellen Mikroorganismen in der Umwelt, die Schadstoffe umsetzen und diese somit für Mensch und Umwelt unschädlich machen können. So beschäftigte sie sich mit dem mikrobiellen Öl- und Gas-Abbau an natürlichen Quellen aber auch an kontaminierten Standorten der Ölkatastrophe "Deepwater Horizon". Darüber hinaus untersucht ihre Arbeitsgruppe mikrobiellen Öl-Abbau von diffusen Einträgen (z.B. durch Schiffe oder Flüsse) ins Meer. Ein weiterer Fokus liegt auf dem mikrobiellen Abbau von Pestiziden und Nitrat im Grundwasser in einem Untersuchungsgebiet nahe Tübingen. Ihre Arbeitsgruppe verwendet eine Kombination von Feldanalysen und Laborexperimenten und setzt aktuelle Techniken aus dem Bereich der Molekularbiologie und der Mikrobiologie ein.</p><h2>Juniorprofessor Dr. Stefan Krmnicek</h2><h3>Juniorprofessur für Antike Numismatik (Philosophische Fakultät)</h3><p>Dr. Stefan Krmnicek ist auf die Juniorprofessur für Antike Numismatik, also Münzkunde, an der Philosophischen Fakultät berufen worden. Seit 2012 war er als Leiter der Numismatischen Arbeitsstelle und Kurator der Münzsammlung am Institut für Klassische Archäologie der Universität Tübingen tätig.<br></p><p>Stefan Krmnicek hat Klassische Archäologie und Geschichte an den Universitäten Wien und der Goethe-Universität Frankfurt studiert. Zudem absolvierte er das Diplomstudium „Antike und neuzeitliche Numismatik“ in Wien, Frankfurt und Padua. An den Universitäten Frankfurt und Cambridge schloss er 2009 das Promotionsstudium „Provinzialrömische Archäologie und Hilfswissenschaften“ ab. 2010 -2012 forschte er an der School of Archaeology and Ancient History der Universität Leicester in Großbritannien.</p><p>Er erforscht schwerpunktmäßig das „Medium Münzgeld“ an der Schnittstelle zwischen Archäologie, antiker Numismatik, Anthropologie und Soziologie. Zudem befasst er sich mit Ikonographie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Archäometrie.</p><h2>Juniorprofessor Dr. Peter Loskill</h2><h3>Juniorprofessur für Experimentelle Regenerative Medizin (Medizinische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447763" height="200" src="fileadmin/_processed_/c/a/csm_18-02-08-neu3_1f7ed4aab6.jpg" width="300" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Dr. Peter Loskill (geb. 1984) ist zum Oktober 2017 auf eine Juniorprofessur für Experimentelle Regenerative Medizin an der Medizinischen Fakultät berufen worden. Er kommt vom Stuttgarter Fraunhofer Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB, wo er den „Fraunhofer Attract Grant“ erhalten hatte. Mit dem Stipendium ermöglicht die Fraunhofer-Gesellschaft herausragenden Wissenschaftlern ihre Idee bis zu Anwendung weiter zu entwickeln.</p><p>Peter Loskill studierte an der Universität des Saarlandes Physik, Biologie und Mathematik. Dort wurde er 2012 promoviert, in seiner Dissertation “Unraveling the impact of subsurface and surface properties of materials on biological adhesion – a multi-scale approach” charakterisierte er Wechselwirkungen zwischen biologischen Objekten und künstlichen Oberflächen. Von 2013 bis 2016 arbeitete er als Postdoc für Bioengineering an der University of California in Berkeley (USA). An der Universität Tübingen war er bereits als Gastdozent im Studiengang Medizintechnik tätig. Im Stuttgarter Fraunhofer Institut leitet Loskill seit März 2016 die Forschungsgruppe „Organ-on-a-Chip“ und wird diese Arbeit auch künftig fortführen.</p><p>Der Fokus seiner Forschung liegt auf der Entwicklung und Anwendung von mikrophysiologischen Organ-on-a-Chip-Systemen. Diese bilden die biologischen, chemischen und physikalischen Wechselwirkungen innerhalb unserer Organe ab und liefern so physiologisch aussagekräftige In-vitro-Modelle. In der Grundlagenforschung wie auch in der Arzneimittelentwicklung könnten sie Tierversuche ersetzen und unbedenkliche medizinische Studien an menschlichem Gewebe ermöglichen. Loskill und sein Team, die zu Europas führenden Wissenschaftlern in diesem jungen Forschungsfeld in gehören, arbeiten auch in Tübingen an der Entwicklung neuer Systeme und wenden bestehende Systeme für medizinische Forschungsfragen an, speziell im Bereich der Frauengesundheit.</p><h2>Professor Dr. Benjamin Mordmüller</h2><h3>Professur für Translationale Infektiologie und Impfstoffentwicklung (Medizinische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447760" height="200" src="fileadmin/_processed_/5/2/csm_18-02-08-neu4_0c71d63a73.jpg" width="300" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Dr. Benjamin Mordmüller (geb. 1970) ist auf die Professur für Translationale Infektiologie und Impfstoffentwicklung der Medizinischen Fakultät berufen worden. Er ist bereits seit 2011 stellvertretender Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Universität Tübingen sowie Leiter der Clinical Trial Platform und stellvertretender Leiter des Zentrums für klinische Studien am Universitätsklinikum Tübingen (ZKS).</p><p>Benjamin Mordmüller hat Medizin an der Freien Universität Berlin und an der Humboldt Universität zu Berlin studiert, wo er 1997 promoviert wurde. Als Postdoc forschte er unter anderem am Universitätsklinikum Tübingen (1997-1999) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin (1999-2002). Der Universität Tübingen ist er zudem schon lange durch seine Forschungstätigkeit am Centre de Recherches Médicales de Lambarené (CERMEL) in Gabun verbunden, hier begann vor 25 Jahren seine Auseinandersetzung mit der klinischen Forschung. 2012 absolvierte er an der Universität Heidelberg seinen Master of Medical Biometry, 2013 habilitierte er sich in Tübingen.</p><p>In seiner Forschung arbeitet er an der Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten gegen Infektionserkrankungen, der Schwerpunkt liegt auf Therapie und Prophylaxe der Malaria. Sein Team will zum Verständnis der natürlich erworbenen sowie der impfinduzierten Immunantwort beitragen.</p><h2>Professorin Dr. Christine Osterloh-Konrad</h2><h3>Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Rechtsvergleichung (Juristische Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447757" height="186" src="fileadmin/_processed_/f/a/csm_18-02-08-neu5_e4f8ceaae3.jpg" width="124" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Professorin Christine Osterloh-Konrad (geb. 1976) ist auf die Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Rechtsvergleichung der Juristischen Fakultät berufen worden. Sie kommt vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München und hat im Wintersemester 2017/2018 an der Universität Freiburg eine Lehrstuhlvertretung wahrgenommen.</p><p>Christine Osterloh-Konrad studierte in Paris, München und Bonn und war danach als wissenschaftliche Referentin am Max-Planck-Institut in München in der Abteilung von Wolfgang Schön tätig. 2006 wurde sie an der LMU München zum Thema „Der allgemeine vorbereitende Informationsanspruch ‒ Zivilrechtliche Auskunfts- und Rechtsansprüche und ihre Funktion im Zivilprozess“ promoviert. Nach ihrem Rechtsreferendariat in Bonn und einer kurzen Tätigkeit als Rechtsanwältin im Bereich des deutschen und internationalen Erbrechts kehrte sie ans Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen zurück. 2017 habilitierte sie sich an der LMU München zum Thema „Die Steuerumgehung ‒ eine rechtsvergleichende und rechtstheoretische Analyse“.</p><p>In ihrer Forschung beschäftigt sich die Juristin mit Fragen aus dem Bürgerlichen Recht, dem Handels- und Gesellschaftsrecht sowie dem Steuerrecht und mit den rechtsphilosophischen, rechtstheoretischen und ökonomischen Grundlagen dieser Rechtsgebiete. Besonders gerne arbeitet sie rechtsvergleichend, primär zum französischen und italienischen Recht sowie zum angloamerikanischen Rechtskreis. Der Blick darauf, wie andere Rechtsordnungen bestimmte allerorts präsente Sachprobleme lösen, fördere die Erkenntnis, weil er vermeintliche Selbstverständlichkeiten des nationalen Diskurses in Frage stellt – so ihre Überzeugung. Im Bereich der Politikberatung war Christine Osterloh-Konrad federführend an einem vom Bundesfinanzministerium beauftragten MPI-Gutachten zum Thema „Anzeigepflichten für Steuergestaltungen“ beteiligt. Die rechtspolitische Diskussion über dieses Instrument, mit dem sich der Staat frühzeitig Informationen über Steuervermeidungsstrategien beschaffen möchte, begleitet sie weiterhin mit großem Interesse.</p><h2>Professor Dr. Marcello Porta</h2><h3>Professur für Mathematische Physik (Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="447754" height="224" src="fileadmin/_processed_/8/6/csm_18-02-08-neu6_22f3b969d2.jpg" width="299" style></p><h5>Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</h5><p>Professor Marcello Porta (geb. 1983) ist zum Oktober 2017 auf eine Professur für Mathematische Physik an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät berufen worden. Er kommt von der Universität Zürich, an der er seit 2016 als Assistenzprofessor im Institut für Mathematik beschäftigt war.</p><p>Marcello Porta hat an der Universität Rom Physik studiert und wurde dort 2011 zum Thema „A lattice gauge theory model for graphene“ promoviert. Als Postdoc forschte er am Institut für Theoretische Physik der ETH Zürich (2010-2012), am „Hausdorff Center for Mathematics“ der Universität Bonn (2012-2014) sowie an der Universität Zürich (2014-2016).</p><p>Seine Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Theoretischer Physik. Er interessiert sich für mathematische Fragen, die sich aus der Quantenmechanik ergeben, insbesondere in der Festkörperphysik. Er entwickelt mathematische Methoden, um das kollektive Verhalten von Quantensystemen besser zu verstehen, beispielsweise von Kristallen, die aus sehr vielen Atomen und Elektronen bestehen. Seine Arbeit hat bereits dazu beigetragen, elektronenleitende Eigenschaften von ultradünnen Materialien wie Graphen aufzuklären.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17698</guid><pubDate>Wed, 07 Feb 2018 09:19:23 +0100</pubDate><title>Alzheimer-Forschung an Mäusen: Wie es zur krankhaft gesteigerten Hirnaktivität kommt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alzheimer-forschung-an-maeusen-wie-es-zur-krankhaft-gesteigerten-hirnaktivitaet-kommt/</link><description>Physiologen der Universität Tübingen entdecken einen Mechanismus, der die gesteigerte Freisetzung erregender Botenstoffe in der Großhirnrinde bewirkt – und Ansatzpunkte für neue Therapien bietet</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Alzheimer-Krankheit ist die wichtigste Ursache der Demenz bei älteren Patienten. Die Betroffenen entwickeln Defizite bei Fähigkeiten wie dem Lernen, dem vernunftgesteuerten Denken, der Kommunikation und haben zunehmende Schwierigkeiten, die Herausforderungen des täglichen Lebens zu meistern. Um die Alzheimer-Krankheit besser zu erforschen, setzen Wissenschaftler Mäuse ein, in deren Gehirn sich ähnlich wie bei Alzheimer-Patienten bestimmte Proteine ablagern und die an Gedächtnisverlust leiden. Vor einigen Jahren war es dem Forscherteam um Professorin Olga Garaschuk vom Institut für Physiologie der Universität Tübingen gelungen zu zeigen, dass die Krankheit bei solchen Mäusen mit einer auffällig gesteigerten Aktivität der Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Ähnliche Befunde gab es von menschlichen Alzheimer-Patienten. Nun konnte Garaschuks Forscherteam einen wichtigen Mechanismus dieser neuronalen Hyperaktivität bei Mäusen klären: An den Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen kommt es zu einer Fehlfunktion der an der Signalweiterleitung beteiligten Kalziumspeicher. In der Folge werden zu viele Signalstoffe in die Großhirnrinde freigesetzt. Die Studie, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde, zeigt, wie sich aus den neuen Erkenntnissen Therapieansätze vor allem für die genetisch bedingte familiäre Alzheimer-Krankheit ergeben.</p><p>Die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn läuft großteils über elektrische Signale. Doch an der Synapse, dem Übergang von einer Nervenzelle auf die folgende, wird am Spalt auf chemische Signale umgeschaltet. Kalzium spielt dabei eine wichtige Rolle, es wirkt mit bei der Freisetzung von Botenstoffen, den Neurotransmittern. Die docken an die nachgeschaltete Nervenzelle an, in der wieder ein elektrischer Impuls ausgelöst und weitergeleitet wird. In der neuen Studie stellte Garaschuk fest, dass bei Mäusen mit krankhaft gesteigerter Aktivität der Nervenzellen im Gehirn die Kalziumspeicher in der Zelle vor dem synaptischen Spalt fehlreguliert sind. „Dadurch wird eine größere Menge an Neurotransmittern in der Großhirnrinde freigesetzt, was zur Hyperaktivität der Nervenzellen führt“, sagt die Wissenschaftlerin.</p><p>Alzheimer tritt beim Menschen meistens sporadisch auf, größter Risikofaktor ist ein steigendes Lebensalter. Bei einem Teil der Erkrankten liegt jedoch auch eine erbliche Veranlagung für die Krankheit vor. Bei der familiären Alzheimer-Krankheit tragen 90 Prozent der Betroffenen eine Mutation im sogenannten Presenilin-Gen. „Interessanterweise reicht bei der Maus eine einzige Kopie eines solchen mutierten Gens aus, um die durch die Kalziumspeicher vermittelte neuronale Hyperaktivität hervorzurufen“, berichtet Garaschuk. Wirkstoffe, welche die Kalziumspeicher in der Zelle entleeren oder, wie ein zugelassenes Medikament es tut, die Freisetzung von Kalzium aus dem Speicher blockieren, unterdrücken die krankhafte Hyperaktivität. „Dadurch normalisiert sich die Funktion der Großhirnrinde“, sagt die Wissenschaftlerin. Diese Ergebnisse könnten in die Etablierung neuer Therapieansätze bei Alzheimer-Medikamenten einfließen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Chommanad Lerdkrai, Nithi Asavapanumas, Bianca Brawek, Yury Kovalchuk, Nima Mojtahedi, Maria Olmedillas del Moral, and Olga Garaschuk: Intracellular Ca2+ stores control in vivo neuronal hyperactivity in a mouse model of Alzheimer’s disease. PNAS, DOI 10.1073/pnas.1714409115</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Olga Garaschuk<br> Universität Tübingen<br> Medizinische Fakultät<br> Institut für Physiologie<br> Telefon +49 7071 29-73640<br> olga.garaschuk[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17593</guid><pubDate>Mon, 05 Feb 2018 08:46:00 +0100</pubDate><title>Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schildkroetengehirne-sind-komplexer-als-gedacht/</link><description>Neue Studie wirft Licht auf die Gehirnevolution der Schildkröten und ihre frühen Umweltanpassungen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Gehirne von Schildkröten haben sich im Lauf der Evolution langsam, aber stetig weiterentwickelt. Anders als bislang angenommen, führte dies zu einer Vielzahl und Komplexität von Gehirnen, die mit denen anderer Tiergruppen vergleichbar sind: Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Großbritannien, Brasilien und Deutschland in einer Studie, in der sie mit modernen Computeranalysen die Veränderungen der Schildkrötengehirne im Lauf der letzten 210 Millionen Jahre untersuchten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Frontiers in Ecology and Evolution </em>veröffentlicht.</p><p>Schildkröten sind eine der ältesten heute noch lebenden Wirbeltiergruppen. Obwohl ihre Ursprünge bis zu 250 Millionen Jahre zurückdatieren, haben sie sich seitdem äußerlich kaum verändert. Fast alle fossilen Schildkröten ähnelten den heutigen modernen Schildkröten. Diese anatomische Konstanz trug womöglich dazu bei, dass sie mehrfache Aussterbe-Ereignisse der Erdgeschichte überlebten.</p><p>Dr. Ingmar Werneburg vom Senckenberg Center of Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen war Leiter der Studie, die sich auf die Untersuchung von <em>Proganochelys quenstedti</em> konzentrierte. Die älteste Schildkröte mit einem vollständigen Panzer wurde in 210 Millionen Jahre alten triassischen Sedimenten in Deutschland gefunden. Anhand von Computertomografie-Aufnahmen zweier fossiler Schädel rekonstruierten die Wissenschaftler digitale Modelle des Gehirns von Proganochelys und verglichen diese mit Gehirnmodellen moderner Schildkröten.</p><p>„Unsere Resultate zeigen, dass <em>Proganochelys</em>, die älteste Schildkröte mit einem echten Panzer, eine sehr einfache Gehirnstruktur aufwies“, sagt Erstautor Dr. Stephan Lautenschlager von der Universität Birmingham. „Sehsinn und Gehör waren wahrscheinlich nicht besonders gut ausgebildet, während der Geruchssinn relativ gut entwickelt war.“ Weitere Resultate der Studie zeigten, dass das Schildkrötengehirn in Bezug auf seine Größe und Komplexität im Laufe der Evolution bis hin zu den modernen Schildkröten zunahm. Moderne Arten zeigen eine weite Spanne an Gehirnformen und -größen, was die vielfältigen Ausprägungen ihrer Sinnesorgane spiegelt.</p><p>Ingmar Werneburg ergänzt: „Über einen Zeitraum von über 200 Millionen Jahren stieg die Komplexität der Schildkrötengehirne, wodurch es den Tieren möglich war, sich an verschiedene Umgebungen und Lebensbedingungen anzupassen. Das ist insofern wichtig, als dass wir ähnliche Diversifizierungen auch bei anderen Tiergruppen wie Säugetieren und Vögeln vorfinden.“</p><p>„Durch den Vergleich der digitalen Gehirnrekonstruktionen mit denen moderner Schildkröten konnten wir zeigen, dass die ersten Schildkröten mit vollständigem Panzer sehr wahrscheinlich an Land, aber nicht grabend oder im Wasser lebten“, sagt Gabriel Ferreira von der Universität São Paolo in Brasilien, ein weiterer Co-Autor der Studie. „Erst später in der Evolution eroberten sie verschiedene Habitate.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Stephan Lautenschlager, Gabriel S. Ferreira und Ingmar Werneburg: Sensory evolution and ecology of early turtles revealed by digital endocranial reconstructions”, <em>Frontiers in Ecology and Evolution</em>, <a href="https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fevo.2018.00007/abstract" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fevo.2018.00007/abstract</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Ingmar Werneburg<br> Universität Tübingen<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,kpioct0ygtpgdwtiBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">ingmar.werneburg<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Dr. Stephan Lautenschlager<br> University of Birmingham, England <br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,u0ncwvgpuejncigtBdjco0ce0wm" data-mailto-vector="2">s.lautenschlager<span style="display:none">spam prevention</span>@bham.ac.uk</a></p><p>Gabriel Ferreira<br> Universität São Paolo, Brasilien<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,iuhgttgktcdkqBiockn0eqo" data-mailto-vector="2">gsferreirabio<span style="display:none">spam prevention</span>@gmail.com</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17548</guid><pubDate>Thu, 01 Feb 2018 15:24:03 +0100</pubDate><title>Neues Magazin zu „Science Notes“ gestartet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-magazin-zu-science-notes-gestartet/</link><description>Bei den Science Notes stellen Wissenschaftler in 5 mal 15 Minuten Neues aus der Forschung im Musik-Club vor - Zeitschrift zur Veranstaltung seit 1. Februar erhältlich</description><content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein Experiment, um neue Formen der Wissenschaftskommunikation zu entwickeln und junge Menschen für Forschung zu begeistern – das neue Science Notes Magazin, das seit dem 1. Februar im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Wissenschaftler des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen haben die Zeitschrift konzipiert. Gefördert wird das Projekt von der Klaus Tschira Stiftung (KTS).</p><p>„Ziel des Science Notes Magazins ist es, einem jungen Publikum zu zeigen, wie spannend Wissenschaft sein kann und in welchen Bereichen sie unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen wird“, sagt Olaf Kramer, Professor für Rhetorik und Wissenskommunikation an der Universität Tübingen, der das Heft gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Susanka herausgibt.</p><p>Entstanden ist das Heft aus der gleichnamigen Veranstaltungsreihe, mit der die Tübinger Rhetoriker seit 2014 erfolgreich durch die deutsche Clubszene touren. Unter dem Motto „Unsere Zukunft in 5 mal 15 Minuten“ kombiniert die Veranstaltung wissenschaftliche Vorträge und elektronische Musik. „Egal, wo wir das Format in den vergangenen Jahren gezeigt haben, die Science Notes sind quasi immer ausgebucht“, sagt Kramer und ergänzt: „Das zeigt, dass man junge Menschen mit komplexen wissenschaftlichen Themen erreichen kann, wenn die Mischung stimmt.“ So sei aus der Veranstaltung die Idee zu einem Printmagazin entstanden. </p><p>In jedem Heft erzählen die Autoren Geschichten rund um ein Schwerpunktthema, das sie aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die erste Ausgabe widmet sich dem Thema „Optimal“ und beschäftigt sich mit optimalen Ergebnissen – in der Wissenschaft und im Alltag. Konkret geht es im ersten Heft etwa darum, wie man die perfekte Entscheidung trifft, wie Implantate und Apps bei der Selbstoptimierung helfen und um die ökologischste Art, Tomaten zu züchten.  „Uns war es wichtig, ein Magazin zu produzieren, das zeigt, wie schwierig, spannend und überraschend Forschung sein kann, wir wollten weg von der bloßen Ergebnisfixierung“, erklärt der Tübinger Rhetoriker und Mitherausgeber Thomas Susanka.</p><p>Da das Magazin als Ableger zur Veranstaltungsreihe entstanden ist, gibt es auch dazu einige Querverbindungen. So tauchen Redner aus den Clubs auch im Heft auf. Hinzu kommen einige formale Verbindungen: In jedem Heft gibt es eine Rubrik „Playlist“ mit Songs zum jeweiligen Heftthema und es gibt das Format „Note“, kurze Texte zu einem aktuellen Forschungsfeld.</p><p>Ermöglicht wird das neue Magazin – wie auch die Veranstaltungsreihe – durch eine Förderung der Klaus Tschira Stiftung. „Bei der Veranstaltung und dem Magazin ist es uns ein Anliegen, Lesern zwischen 18 und 35 zu vermitteln, welche Relevanz wissenschaftliche Ergebnisse für jeden Einzelnen haben. Wir freuen uns sehr, dass wir das Projekt mit einem bewährten Kooperationspartner realisieren können“, sagt Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung.</p><p>Wissenschaftler des Seminars für Allgemeine Rhetorik sind bereits am Wettbewerb „Jugend präsentiert“ beteiligt, einem Projekt der KTS in Kooperation mit Wissenschaft im Dialog. Dabei werden Präsentationskompetenzen von Schülerinnen und Schülern in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer gefördert. Am Seminar für Allgemeine Rhetorik wurden eigens dafür Unterrichtsmaterialien und Lehrertrainings entwickelt, die bundesweit angeboten werden.</p><p>Die Klaus Tschira Stiftung fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für neue Formen der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte ein. <a href="http://www.klaus-tschira-stiftung.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.klaus-tschira-stiftung.de</a></p><p>Am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Eberhard Karls Universität Tübingen werden Experten für strategische Kommunikation ausgebildet und rhetorische Phänomene erforscht. Themenschwerpunkte am Seminar für Rhetorik sind unter anderem Argumentationstheorie, rhetorische Psychologie sowie virtuelle und multimediale Rhetorik. <a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.rhetorik.uni-tuebingen.de</a></p><p>Das Science Notes Magazin ist ab dem 1. Februar im Bahnhofsbuchhandel und Zeitschriftenfachhandel zu einem Preis von sechs Euro pro Heft erhältlich (Europa 8 Euro, Schweiz 12,50 CHF, andere 15 Euro); es erscheint zweimal jährlich.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen<br> Seminar für Allgemeine Rhetorik<br> Prof. Dr. Olaf Kramer<br> Telefon: +49 7071 29-74256<br> E-Mail: olaf.kramer[at]uni-tuebingen.de </p><h3>Pressekontakt:</h3><p>Agnes Schulze<br> Klaus Tschira Stiftung<br> Medien und Kommunikation<br> Tel.: +49 6221 533 114<br> E-Mail: agnes.schulze[at]klaus-tschira-stiftung.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17545</guid><pubDate>Thu, 01 Feb 2018 15:17:25 +0100</pubDate><title>Ein typischer Mitteleuropäer – Genom des Architekten der Dresdner Frauenkirche entschlüsselt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-typischer-mitteleuropaeer-genom-des-architekten-der-dresdner-frauenkirche-entschluesselt/</link><description>Ein Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht das Erbgut von George Bähr aus dem 18. Jahrhundert, um mehr über sein Aussehen und seine gesundheitliche Disposition zu erfahren
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von vielen historischen Persönlichkeiten ist kein Bildnis überliefert. So gibt es auch von George Bähr, dem Architekten und Erbauer der Dresdner Frauenkirche, der von 1666 bis 1738 lebte, keine Beschreibung oder gar ein Porträtbild. Beim Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche wurden Teile seines Skeletts gefunden. Auf Anregung der George-Bähr-Stiftung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und der Universität Tübingen Knochenproben von Bähr untersucht. Sie wendeten eine bisher in der paläogenetischen Abstammungsforschung genutzte Methode an, um beispielhaft zu untersuchen, welche Aussagen sich zu dessen Aussehen und Merkmalen treffen lassen. Von der Universität Tübingen waren Alexander Peltzer und Professorin Kay Nieselt vom Zentrum für Bioinformatik sowie Alissa Mittnik und Cosimo Posth vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie an der Studie beteiligt. Ein Porträt im klassischen Sinne lässt sich aus den Ergebnissen nicht zeichnen. Doch einige Punkte kann das Forschungsteam festhalten. Danach war Bähr genetisch gesehen ein typischer Mitteleuropäer, der helle Haut und wahrscheinlich braune Augen hatte. Die Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Scientific Reports </em>veröffentlicht.</p><p><br> George Bähr wurde 1666 als Sohn eines Webers in Fürstenwalde südlich von Dresden geboren. Er machte eine Lehre als Zimmermann und kam 1693 nach Dresden, wo er unter anderem Mechanik studierte. 1705 wurde er zum Ratszimmermeister ernannt. Sein Hauptwerk, die Dresdner Frauenkirche, begann er 1722. Bähr starb 1738, fünf Jahre vor ihrer Vollendung, mit 72 Jahren an einem Lungenödem. Er wurde zunächst auf dem Johanniskirchhof beerdigt. Erst 1854 wurden seine Überreste in die Krypta der Frauenkirche umgebettet. Die Dresdner Frauenkirche wurde im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen der Westalliierten im Februar 1945 weitgehend zerstört. Erst nach der Wende begann 1994 der Wiederaufbau, der 2005 abgeschlossen wurde. Dabei gefundene Skelettteile sind mit hoher Wahrscheinlichkeit George Bähr zuzuordnen.<br><br> Mit der rasanten Weiterentwicklung genetischer Untersuchungsmethoden wurden schon einige Versuche unternommen, das Aussehen historischer Personen zu rekonstruieren. Die Entzifferung des gesamten Erbguts, des Genoms, sei jedoch noch immer recht kostspielig, sagt Krause. Daher nutzte das Forschungsteam zur Analyse des Erbguts von George Bähr eine preisgünstigere Technik, die sonst in der Populationsgenetik verwendet wird, wenn zahlreiche Proben alter DNA auf die Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse durchmustert werden. Hierbei konzentrieren sich die Forscher auf ausgesuchte Stellen im Erbgut, von denen bestimmte Varianten an Mutationen, also Genveränderungen, bekannt sind. Die individuellen Muster dieser Genvarianten lassen einige Rückschlüsse auf Merkmale des Menschen zu.</p><p><br> „Unser erster Punkt war sicherzustellen, dass es sich überhaupt um alte DNA handelt“, sagt Alexander Peltzer, Erstautor der Studie. Dies gelang den Forschern anhand typischer Schäden, die sich über den Zeitraum der Zersetzung anhäufen. Die Knochenproben seien mindestens hundert Jahre alt. Außerdem konnten sie nachweisen, dass es sich um ein männliches Individuum handelte und dass die Proben frei von Verunreinigungen durch DNA anderer Personen war. „Von mütterlicher Seite fanden wir die typischen Genmuster einer mitteleuropäischen Herkunft. Die väterliche Linie, das Muster der Y-Chromosomen, fand sich zu dieser Zeit in großen Teilen Westeuropas, am häufigsten im Donaubecken und der Pariser Region“, berichtet Peltzer. „Bähr war ein typischer Mitteleuropäer, bei dem sich keine genetischen Einflüsse von Menschen außerhalb Europas fanden.“ Er sei hellhäutig gewesen, die Augenfarbe sehr wahrscheinlich braun. Die Forscher fanden darüber hinaus ungefähr ein Dutzend Genvarianten, die nach heutigem Wissen das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder eine Verengung der Herzkranzgefäße steigern. „Obwohl Bähr für die Verhältnisse im 17. und 18. Jahrhundert relativ lange lebte, hat seine genetische Disposition möglicherweise zu seinem Tod beigetragen“, sagt Krause.</p><h3>Publikation:</h3><p>Alexander Peltzer, Alissa Mittnik, Chuan-Chao Wang, Tristan Begg, Cosimo Posth, Kay Nieselt, and Johannes Krause: Inferring genetic origins and phenotypic traits of George Bähr, the architect of the Dresden Frauenkirche. <em>Scientific Reports</em>, DOI 10.1038/s41598-018-20180-z.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Alexander Peltzer<br> Universität Tübingen<br> Quantitative Biology Center (QBiC)<br> Telefon +49 7071 29 - 78290<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cngzcpfgt0rgnvbgtBsdke0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">alexander.peltzer<span style="display:none">spam prevention</span>@qbic.uni-tuebingen.de</a><br><br> Prof. Dr. Johannes Krause<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Universität Tübingen<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17525</guid><pubDate>Thu, 01 Feb 2018 12:16:58 +0100</pubDate><title>Windparks erzeugen lange Wirbelschleppen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/windparks-erzeugen-lange-wirbelschleppen/</link><description>Forschungsteam misst erstmals direkt das großräumige Windfeld hinter Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forschungsverbund hat erstmals großräumige Nachläufe hinter Windparks in der Nordsee mit einem Forschungsflugzeug nachgewiesen und vermessen. Die sogenannten Nachläufe oder Wirbelschleppen hinter Offshore-Windparks entstehen, weil diese den Wind als Hindernis bremsen und ihm Energie entziehen. Professor Jens Bange und Dr. Andreas Platis vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften (ZAG) der Universität Tübingen waren an dem Projekt beteiligt, das in der Deutschen Bucht unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen Nachläufe von bis zu 70 Kilometern Länge nachwies. In diesen wurde das Windfeld merklich abgebremst, es traten verstärkt turbulente Verwirbelungen auf. Die Ergebnisse sollen beim weiteren Ausbau der Windkraftnutzung in der Nordsee berücksichtigt werden. So können die Voraussetzungen für einen effizienten und umweltverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie geschaffen werden. Die Studie wurde im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht.</p><p><br> In den vergangenen Jahren wurden Offshore-Anlagen in der Deutschen Bucht großflächig ausgebaut. Deshalb gab es nun erstmals die Möglichkeit, die Nachlaufeffekte von Windparks, die bereits in Modellen und anhand von Satellitenbildern vorhergesagt wurden, direkt experimentell und quantitativ zu bestätigen. Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen, vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie in Garmisch-Partenkirchen, der Technischen Universität Braunschweig (Institut für Flugführung), des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, HZG (Institut für Küstenforschung) und der UL DEWI - UL International GmbH. In 41 Flügen mit dem Messflugzeug DO-128 der Universität Braunschweig erhoben sie Windgeschwindigkeit und Turbulenz über der Deutschen Bucht.</p><p><br> Dabei zeigte sich, dass vor allem bei einer stabilen atmosphärischen Schichtung, wenn warme Luft vom Festland über die kalte Nordsee strömt, Nachläufe hinter Windparks entstehen (siehe Abbildung 2). In Strecken von bis zu 70 Kilometern ist hier die Windgeschwindigkeit im Vergleich zur ungestörten Strömung reduziert. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich künftig die Einflüsse auf stromab liegende Windparks besser vorhersagen und Modellsimulationen verbessern.</p><p><br> Die neuen Messungen sind ein wichtiger Schritt in dem großangelegten Forschungsprojekt WIPAFF (WInd PArk Far Field), das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Die Verbundpartner analysieren erstmals die Fernfelder von Nachläufen ‒ zwischen zehn und 100 Kilometer hinter Windparks ‒ mit bodengestützten Beobachtungen sowie Satelliten- und Flugzeugmessungen. Darüber hinaus überprüfen und erweitern sie Windfeldmodelle und analytische Windparkmodelle und untersuchen die Auswirkungen des fortschreitenden Ausbaus der Windkraftnutzung in der Nordsee quantitativ. Daraus werden Werkzeuge entwickelt, mit denen der weitere Ausbau der Windkraftnutzung in der Nordsee begleitet und optimiert werden kann.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt="Skala mit Darstellung der Messung der Windgeschwindigkeit" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="446894" data-htmlarea-zoom="true" height="386" src="fileadmin/_processed_/9/8/csm_18-02-01_Windkraft_Skala_web_9c3322f197.jpg" title="Skala mit Messung der Windgeschwindigkeit" width="300" style></td><td><p><br> 			Windgeschwindigkeit gemessen mit dem Forschungsflugzeug am 10. September 2016 nördlich des Windparks Amrumbank West. Die schwarzen Punkte markieren die Windkraftanlage Amrumbank West, Nordsee Ost und Meerwind Süd/Ost.</p><p>Die Windgeschwindigkeit wurde entlang des Flugpfades (schwarze Linie) gemessen und senkrecht zur Hauptwindrichtung (Windrichtung 190°, schwarzer Pfeil) interpoliert. Die blaue Färbung direkt hinter der Anlage zeigt die geringsten Windgeschwindigkeiten. Abbildung: Andreas Platis</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3><br> Publikation:</h3><p>Andreas Platis, Simon. K. Siedersleben, Jens Bange, Astrid Lampert, Konrad Bärfuss, Rudolf Hankers, Beatriz Cañadillas, Richard Foreman, Johannes Schulz-Stellenfleth, Bughsin Djath, Thomas Neumann, Stefan Emeis, First in situ evidence of wakes in the far field behind offshore wind farms, Scientific Reports, 2018, doi 10.1038/s41598-018-20389-y</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften, AG Umweltphysik</p><p>Dr. Andreas Platis<br> Tel. 07071-29-73121<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0rncvkuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andreas.platis[at]uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Jens Bange<br> Tel. 07071-29-74714<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lgpu0dcpigBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">jens.bange[at]uni-tuebingen.de</a></p><p><br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</p><p>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17463</guid><pubDate>Tue, 30 Jan 2018 16:00:43 +0100</pubDate><title>Was Magnetfelder im Gehirn verändern – und wie man das erforschen kann</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-magnetfelder-im-gehirn-veraendern-und-wie-man-das-erforschen-kann/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler ermöglichen tiefe Einblicke in die Funktionsweise der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS)</description><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Neurowissenschaftler haben eine Methode entwickelt, mit der sich die Gehirnaktivität während einer transkraniellen Magnetstimulation (TMS) messen lässt. Obwohl die TMS seit 30 Jahren erforscht wird, ist bisher wenig über ihre Wirkungsweise bekannt. Ein besseres Verständnis könnte dazu beitragen, die TMS als nicht-invasive und schmerzfreie Diagnose- und Behandlungsmethode weiter zu entwickeln. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin eLife veröffentlicht.</p><p>Es klingt wie Science Fiction: Die Gehirnaktivität eines Menschen lässt sich ohne Berührung verändern, indem man eine Drahtspule über den Kopf hält ‒ und dadurch bewegen sich beispielsweise Arme oder Beine. Diese Technik, die transkranielle Magnetstimulation, wird in der Forschung und zur Behandlung vieler Hirnerkrankungen verwendet. Die TMS sendet ein starkes gepulstes Magnetfeld aus, das winzige elektrische Ströme im Hirngewebe darunter erzeugt. Diese können Neuronen (Nervenzellen im Gehirn) aktivieren.</p><p>In der Medizin wird TMS bei Störungen motorischer Funktionen (z.B. bei Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall) diagnostisch eingesetzt. Therapeutisch kommt sie beispielsweise bei Tinnitus, bei Depressionen, bei Schmerz- und neuerdings auch Suchtpatienten zum Einsatz. In Europa ist die TMS allerdings noch keine etablierte Behandlungsmethode.</p><p>Denn was mit den Neuronen genau passiert, wenn das Magnetfeld eingeschaltet wird, verstehen Forscher bis heute nicht wirklich: Die elektrische Aktivität einzelner Neurone im Gehirn misst man mit Mikroelektroden. Diese werden jedoch durch die starken Magnetfelder der TMS massiv gestört und die abgeleiteten Signale der Nervenzellen maskiert.</p><p>Forscher mehrerer Arbeitsgruppen (Cornelius Schwarz, Martin Giese, Ulf Ziemann, Axel Oeltermann) aus drei Tübinger Instituten (Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik) haben nun gemeinsam eine Abschirmung der Mikroelektroden gegen die starken Magnetfelder der TMS entwickelt. So können sie die Veränderungen in einzelnen Hirnzellen mit nur einer Millisekunde Verzögerung nach dem Magnetimpuls messen.</p><p>Die Forscher bewiesen in ihrer Studie, dass ihre Abschirmungstechnik verwendbare Daten liefert. Dazu stimulierten sie mit TMS die Region im Motorkortex von Ratten, die die Vordergliedmaßen steuert. Während die Tiere durch die Stimulation ihre Vorderpfoten bewegten, maßen die Forscher die Aktivität der Neuronen. Zum ersten Mal konnten sie so direkt beobachten, wie die für die Vordergliedmaßen verantwortlichen Kortexneuronen auf TMS reagierten. Sie stellten fest, dass die neuronale Aktivität auch nach Ende des TMS-Pulses anhielt. Außerdem änderte sich die neuronale Aktivität abhängig von der Richtung des Stromflusses, den die TMS im Hirngewebe erzeugte. Diese Ergebnisse passen verblüffend genau zu Beobachtungen in der klinischen Forschung beim Menschen, bei denen Neuronenaktivität statt im Gehirn im Rückenmark und in den Muskeln aufgezeichnet wurde.</p><p>„Nur zwei Arbeitsgruppen weltweit haben Ähnliches vor uns geschafft“, sagt Dr. Alia Benali, die die Studie geplant und durchgeführt hat. Die Methoden dieser Vorgängerstudien sind technisch äußerst anspruchsvoll; außerdem sind sie spezifisch für Primatengehirne entwickelt: Einschränkungen, die für viele Laboratorien ein Hindernis darstellen. „Uns ging es darum, eine einfache Methode zur Untersuchung neuronaler Aktivität bei TMS zu entwickeln. Sie soll für jedes Labor ohne spezielles Know-how zugänglich sein“, erklärt Doktorand Bingshuo Li.</p><h3>Publikation:</h3><p>Bingshuo Li, Juha P. Virtanen, Axel Oeltermann, Cornelius Schwarz, Martin A. Giese, Ulf Ziemann, Alia Benali: Lifting the Veil on the Dynamics of Neuronal Activities Evoked by Transcranial Magnetic Stimulation. eLife 2017;6:e30552; DOI: 10.775/eLife.30552</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Dr. Alia Benali<br> Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Otfried-Müller-Str. 25<br> D-72076 Tübingen<br> Tel.: +49 7071 29-89033<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cnkc0dgpcnkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">alia.benali<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann<br> Universität Tübingen<br> Wissenschaftskommunikation<br> Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br> Otfried-Müller-Str. 25 ∙ 72076 Tübingen<br> Tel.: +49 7071 29-89108<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rcwn0vqgdgnocppBekp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">paul.toebelmann<span style="display:none">spam prevention</span>@cin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.cin.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.cin.uni-tuebingen.de</a></p><h3>Pressekontakt HIH:</h3><p>Dr. Mareike Kardinal<br> Leitung Kommunikation<br> Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br> Otfried-Müller-Str. 27<br> 72076 Tübingen<br> Tel.: +49 7071 29-88800<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octgkmg0mctfkpcnBogfkbkp0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">mareike.kardinal<span style="display:none">spam prevention</span>@medizin.uni-tuebingen.de</a></p><p><a href="http://www.hih-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hih-tuebingen.de</a></p><h3><br> Die Universität Tübingen</h3><p>Innovativ. Interdisziplinär. International. Die Universität Tübingen verbindet diese Leitprinzipien in ihrer Forschung und Lehre, und das seit ihrer Gründung. Seit mehr als fünf Jahrhunderten zieht die Universität Tübingen europäische und internationale Geistesgrößen an. Immer wieder hat sie wichtige neue Entwicklungen in den Geistes- und Naturwissenschaften, der Medizin und den Sozialwissenschaften angestoßen und hervorgebracht. Tübingen ist einer der weltweit führenden Standorte in den Neurowissenschaften. Gemeinsam mit der Medizinischen Bildgebung, der Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie der Pflanzen prägen sie den Tübinger Forschungsschwerpunkt im Bereich der Lebenswissenschaften. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Astro-, Elementarteilchen- und Quantenphysik, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In nationalen und internationalen Rankings belegt sie regelmäßig Spitzenplätze. In diesem attraktiven und hoch innovativen Forschungsumfeld haben sich über die Jahrzehnte zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute und junge, ambitionierte Unternehmen angesiedelt, mit denen die Universität kooperiert. Durch eine enge Verzahnung von Forschung und Lehre bietet die Universität Tübingen Studierenden optimale Bedingungen. Mehr als 28.000 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein breites Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</h3><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><h3>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)</h3><p>Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) wurde 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, dem Land Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität und ihrer medizinischen Fakultät, sowie dem Universitätsklinikum Tübingen gegründet. Das HIH beschäftigt sich mit einem der faszinierendsten Forschungsfelder der Gegenwart: der Entschlüsselung des menschlichen Gehirns. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Erkrankungen die Arbeitsweise dieses Organs beeinträchtigen. Dabei schlägt das HIH die Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung. Ziel ist, neue und wirksamere Strategien der Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Derzeit sind 18 Professoren und rund 350 Mitarbeiter am Institut beschäftigt.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br></h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17450</guid><pubDate>Tue, 30 Jan 2018 12:53:05 +0100</pubDate><title>Moderner Mensch vs. Riesentier</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/moderner-mensch-vs-riesentier/</link><description>Mega-Pflanzenfresser wurde vom Menschen verdrängt und teilweise ersetzt</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Senckenberg-Wissenschaftler Hervé Bocherens hat das Aussterben von Mega-Herbivoren – pflanzenfressende Tiere über eine Tonne Gewicht – vor etwa 12.000 Jahren untersucht. Der Tübinger Wissenschaftler kommt zu dem Schluss, dass der moderne Mensch zum einen Aussterbegrund für die riesigen Landtiere war, zum anderen aber auch deren Ökosystemfunktionen zu Teilen übernommen hat. In seiner kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Ecology and Evolution“ veröffentlichten Studie schlussfolgert er, dass eine Auswilderung von Großtieren in einigen Teilen der Welt einen positiven Aspekt bezüglich der Artenvielfalt haben könnte.</strong></p><p>Heutzutage gibt es nur wenige Tiere, die ein Gewicht von einer Tonne und mehr auf die Waage bringen. Elefanten, Flusspferde und Nashörner gehören zu diesen „Mega-Pflanzenfressern“ und sind trotz ihrer Größe in ihren Beständen gefährdet.</p><p>„Aus erdgeschichtlicher Sicht ist die geringe Anzahl so weniger großer Tierarten eine Anomalie“ erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und fährt fort: „Das prominentestes Beispiel für Riesen der Vergangenheit sind natürlich die Dinosaurier.“</p><p>Doch auch in der jüngeren Erdgeschichte gab es Kolosse der Tierwelt, wie beispielsweise Riesen-Faultiere, Wollnashörner und Mammute. Warum diese vor etwa 12.000 Jahren ausstarben und welche Folgen dies für die Umwelt hatte, hat der Tübinger Biogeologe nun untersucht.</p><p>„Wie heutige Elefanten fungierten die Mega-Pflanzenfresser als ‚Ökosystem-Ingenieure’. Sie reduzierten den Baumbewuchs und hielten die Landschaft und für viele Tiere lebenswichtige Wasserlöcher offen. In ihrem Verdauungstrakt wanderten Pflanzensamen über viele Kilometer und wurden so verbreitet“, erläutert Bocherens.</p><p>Er zeigt in seiner aktuellen Studie, dass diese Aufgaben in der Zeit von vor etwa 45.000 bis 12.000 Jahren vom modernen Menschen übernommen wurden. „In dieser Epoche hat sich der moderne Mensch im nördlichen Eurasia, Nord- und Südamerika und Australien ausgebreitet und die riesigen Pflanzenfresser starben nach und nach aus“, ergänzt Bocherens.</p><p>Mit der „neolithischen Revolution“, dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht, der Vorratshaltung und der Sesshaftigkeit, wurden Teile der Funktionen der ausgestorbenen „Ökosystem-Ingenieure“ wieder ersetzt. Doch in einigen Gebieten, wie beispielsweise in der für Landwirtschaft ungeeigneten Subarktis – einst Heimat der Mammutsteppe – blieb an der Stelle eine Lücke, die bis heute besteht. Die Lebensweise der Tierriesen beeinflusste die gesamte Vegetation – Bäume wurden klein gehalten und andere Pflanzen hatten genügend Platz und Nährstoffangebot zu wachsen. Die Diversität in der Pflanzenwelt wirkte sich wiederum positiv auf die Vielfalt der Tierwelt aus.</p><p>Mit dem Aussterben der pflanzenfressenden Riesen verwaldeten die Steppen zu borealen Nadelwäldern. Die Folge war eine Verringerung des sogenannten „Albedo-Effektes“: Statt einer weißen Schneefläche im Winter oder einer gelblichen Landschaft mit trockenen Gräsern im Sommer, reflektiert das dunkle Grün der Wälder die Sonneneinstrahlung weniger und erwärmt so das Klima. Zudem waren die Böden der Mammutsteppe trockener und emittierten weniger des Treibhausgases Methan. Bocherens hierzu: „Die Anwesenheit der pflanzenfressenden Riesen hat demnach nicht nur zu einer höheren Artenvielfalt beigetragen, sondern hatte auch Einfluss auf das globale Klima.“</p><p>Ein besseres Verständnis der Unterschiede, aber auch der Ähnlichkeiten zwischen den Auswirkungen der ausgestorbenen Mega-Pflanzenfresser und der menschlichen Landwirtschaft auf die Ökosysteme, kann laut der Studie dabei helfen die Zukunft terrestrischer Ökosysteme besser vorherzusagen. „In einigen Gebieten unserer Erde könnte es sogar sinnvoll sein wieder solche Mega-Pflanzenfresser anzusiedeln, um so die Biodiversität zu erhöhen und die Klimaerwärmung zu vermeiden“, resümiert Bocherens.</p><h3>Publikation</h3><p>Bocherens H (2018) The Rise of the Anthroposphere since 50,000 Years: An Ecological Replacement of Megaherbivores by Humans in Terrestrial Ecosystems? Front. Ecol. Evol. 6:3. doi: 10.3389/fevo.2018.00003</p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Tel. 07071- 29-76988<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>&nbsp;</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5><h5>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die <strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung </strong>seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Die <strong>Universität Tübingen </strong>gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Transnationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geound Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17402</guid><pubDate>Mon, 29 Jan 2018 11:42:54 +0100</pubDate><title>Aus eins mach zwei: Wie Pflanzen einen eigenen Weg der Zellteilung erfunden haben</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aus-eins-mach-zwei-wie-pflanzen-einen-eigenen-weg-der-zellteilung-erfunden-haben/</link><description>Biologen der Universität Tübingen verfolgen den Weg molekularer Maschinerien in der Evolution von der Alge zur Blütenpflanze</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zellteilung ist eine grundlegende Eigenschaft des Lebens: Einzeller wie zum Beispiel Bakterien vermehren sich durch Zellteilung, Vielzeller wachsen und entwickeln sich dadurch. Bei Vielzellern gibt es zwei verschiedene Strategien, die Zelle zu teilen. Eine verfolgen Mensch, Tier und Pilz – die andere findet sich nur bei Pflanzen. Dr. Misoon Park und Professor Gerd Jürgens vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen haben die molekulare Maschinerie hinter der Zellteilung der Pflanzen erforscht und können nun den eigenen Weg nachzeichnen, den vor allem die Blütenpflanzen in der Evolution dabei genommen haben. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Developmental Cell veröffentlicht.</p><p>Bei der Zellteilung von Mensch, Tieren und den damit verwandten Pilzen wird die Zellmembran eingeschnürt und zum Schluss die Verbindung zwischen den Tochterzellen in der Mitte kontrolliert abgeschnürt. Bei Pflanzen hingegen werden Unmengen von winzigen Membranbläschen, die sogenannten Vesikel, in die Mitte der Teilungsebene transportiert. Dort verschmelzen sie kontrolliert miteinander zu einer dünnen Zellplatte, die anfänglich wie eine Scheibe Schweizer Käse aussieht. Diese Platte wächst nach außen, indem später ankommende Vesikel an den Rand der wachsenden Zellplatte geliefert werden und der Rand schließlich mit der Zellmembran verschmilzt; damit sind die Tochterzellen getrennt. „Diese ganz andere Strategie der Zellteilung ist in der Evolution entstanden, noch bevor aus Algen die ersten Landpflanzen hervorgegangen sind“, erklärt Jürgens.</p><h3>Molekulare Maschinerie in neuer Verwendung</h3><p>Von bisherigen Untersuchungen an Blütenpflanzen war bekannt, dass es eine spezielle molekulare Maschinerie gibt, die die Membranvesikel miteinander und mit der Zellplatte verschmilzt. „Eine wichtige Komponente dieser Maschinerie gibt es aber nur bei Blütenpflanzen, nicht bei anderen Landpflanzen wie zum Beispiel Moosen oder Algen“, sagt Jürgens. In ihrer neuen Studie hat er gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe durch Ausschalten einzelner Gene verfolgt, wo diese molekulare Maschinerie zu finden ist und wofür sie eingesetzt wird.</p><p>„Diese Maschinerie war ursprünglich nicht auf die Zellteilung spezialisiert“, fasst Park die Ergebnisse zusammen. Algen haben sie zunächst genutzt, um Vesikel mit der Zellmembran zu verschmelzen und dadurch zum Beispiel Stoffe aus der Zelle heraus zu transportieren. „Die ursprüngliche Zusammensetzung der Maschinerie wurde beibehalten und spielt auch bei der Zellteilung der Blütenpflanzen noch eine Rolle, aber vor allem auch dort bei der Verschmelzung von Vesikeln mit der Zellmembran“, sagt Park. Dann hätten die Blütenpflanzen eine neue zusätzliche Variante der Maschinerie entwickelt, die sie ausschließlich bei der Zellteilung einsetzen. „Diese Neuerung, eine Erfindung der Blütenpflanzen sozusagen, ergab sich nach Hunderten von Millionen Jahren der Pflanzenevolution. Offenbar brauchten die Blütenpflanzen bei den komplizierten Besonderheiten ihrer Samenentwicklung eigene Mechanismen für die Zellteilung“, sagt Jürgens.</p><h3>Publikation:</h3><p>Misoon Park, Cornelia Krause, Matthias Karnahl, Ilka Reichardt, Farid El Kasmi, Ulrike Mayer, York-Dieter Stierhof, Ulrike Hiller, Georg Strompen, Martin Bayer, Marika Kientz, Masa H. Sato, Marc T. Nishimura, Jeffery L. Dangl, Anton A. Sanderfoot, and Gerd Jürgens: Concerted Action of Evolutionarily Ancient and Novel Snare Complexes in Flowering-Plant Cytokinesis. Developmental Cell, 25. Januar 2018. DOI 10.1016/j.devcel.2017.12.027</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Gerd Jürgens<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen<br> Telefon +49 7071 29-78886<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,igtf0lwgtigpuBbodr0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">gerd.juergens<span style="display:none">spam prevention</span>@zmbp.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17394</guid><pubDate>Mon, 29 Jan 2018 09:42:32 +0100</pubDate><title>Was sich im Gehirn vor einem Bungee-Sprung abspielt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-sich-im-gehirn-vor-einem-bungee-sprung-abspielt/</link><description>Tübinger Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, das „Bereitschaftspotential“ vor einem Bungee-Sprung aus 192 Metern Höhe zu messen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Dem Tübinger Psychiater und Neurowissenschaftler Surjo R. Soekadar und seinem Doktoranden Marius Nann ist es erstmals gelungen, das sogenannte Bereitschaftspotential außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen, nämlich vor einem Bungee-Sprung. Das Bereitschaftspotential ist die charakteristische elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn, die eine bevorstehende willentliche Handlung anzeigt, und die entsteht, noch bevor sich der Handelnde bewusst wird, dass er gleich eine Bewegung ausführen wird. Die Ergebnisse der Studie werden im Frühjahr 2018 in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht, sind aber vorab online verfügbar: <a href="https://www.biorxiv.org/content/early/2018/01/27/255083" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.biorxiv.org/content/early/2018/01/27/255083</a><br> (DOI: <a href="https://doi.org/10.1101/255083" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1101/255083</a>)</p><p>Das Bereitschaftspotential wurde erstmals 1964 von Hans-Helmut Kornhuber und Lüder Deecke beschrieben, die hierzu unter strengen Laborbedingungen die Hirnströme eines Probanden über hunderte von Fingerbewegungen maßen. Trotz zahlreicher Studien wurde es bisher nie in lebensnahen Situation gemessen: Da die Spannungsverschiebung im Bereich von lediglich einigen wenigen Millionstel-Volt liegt, galten nur Messungen unter Laborbedingungen als möglich.</p><p>Insbesondere für die Weiterentwicklung alltagstauglicher Gehirn-Maschine Schnittstellen wollten die Forscher jedoch herausfinden, ob das Bereitschaftspotential auch in Alltagsumgebungen messbar ist. Zudem interessierte sie, ob die für eine Handlung nötige Willenskraft Einfluss auf die Ausprägung des Bereitschaftspotentials hat. Für die Studie erklärten sich zwei semi-professionelle Klippenspringer bereit, ihre Hirnströme vor Bungee-Sprüngen von der 192-Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck aufzeichnen zu lassen.</p><p>Nach nur wenigen Sprüngen gelang es den Forschern, das Bereitschaftspotential zweifelsfrei nachzuweisen. „Das aktuelle Experiment zeigt einmal mehr, dass sich die Grenzen des technisch Machbaren immer weiter verschieben und Neurotechnologie schon bald zum Alltag gehören wird“, sagt Soekadar. Die geringe Anzahl der Sprünge belege, dass das Bereitschaftspotential vor Bungee-Sprüngen sehr stark ausgeprägt sei, erklärt Nann. </p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="446209" data-htmlarea-zoom="true" height="462" src="fileadmin/_processed_/4/0/csm_18-01-29Bungeejumping_Bereitschaftspotential_1_70be6d9150.png" width="300" style></p></td><td><p><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="446211" height="290" src="fileadmin/_processed_/4/3/csm_18-01-29Bungeejumpging_Bereitschaftspotential_2_6e43a83c1a.png" width="300" style></p></td></tr><tr><td colspan="2"><p>Links: Die semiprofessionellen Klippenspringer trugen eine kabellose Elektrodenkappe zur Aufzeichnung ihrer Hirnströme. Rechts: Einer der Springer im freien Fall. Nach nur wenigen Sprüngen gelang es erstmals, das sogenannte Bereitschaftspotential in einer Extrem-Situation außerhalb des Labors nachzuweisen. <br> 			Fotos: Surjo R. Soekadar</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>PD Dr. med. Surjo R. Soekadar<br> Universität Tübingen<br> Arbeitsgruppe Angewandte Neurotechnologie<br> Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie<br> Telefon +49 7071 29-82640<br> Mobil +49 163 16 44 88 9<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uwtlq0uqgmcfctBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">surjo.soekadar<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br> antje.karbe[at]uni-tuebingen.de<br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17311</guid><pubDate>Wed, 24 Jan 2018 19:15:00 +0100</pubDate><title>Erstmals Jet eines jungen massereichen Sterns außerhalb unserer Galaxie entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erstmals-jet-eines-jungen-massereichen-sterns-ausserhalb-unserer-galaxie-entdeckt/</link><description>Beobachtungen in der Großen Magellanschen Wolke unter Beteiligung der Universität Tübingen bestätigen, dass alle Sterne auf ähnliche Weise entstehen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ständig entwickeln sich neue Sterne, nicht nur in unserer Galaxie, der Milchstraße, sondern auch in anderen, weit entfernten Galaxien. Vereinfacht gesagt entstehen sie in der Mitte einer rotierenden Scheibe, die Materie ins Zentrum transportiert. Typischerweise entstehen dabei Jets, die Materie aus der Scheibe mit Überschallgeschwindigkeit mit sich reißen. Bisher wissen Astronomen jedoch deutlich weniger darüber, wie die Geburt bei Sternen abläuft, die mehr als zehnmal so schwer sind wie unsere Sonne. Denn sie sind bei ihrer Entstehung meist tief in ihrer Geburtswolke verborgen und daher mit optischen Teleskopen nicht sichtbar. Nur wenn ein solcher Jet kräftig genug ist, die Geburtswolke zu durchstoßen, können Astronomen ihn beobachten. Nun ist es einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung von Dr. Rolf Kuiper vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen erstmals gelungen, einen solchen Jet außerhalb unserer Milchstraße in der Großen Magellanschen Wolke zu beobachten. Die Studie, an der auch die neuseeländische University of Canterbury, die US-amerikanische University of Michigan und das britische Royal Observatory Edinburgh beteiligt sind, wird in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.</p><p>Die direkte Beobachtung eines Jets um einen massereichen jungen Stern im optischen Spektralbereich nehmen Astronomen allgemein als nahezu unmöglich an. „Solche Objekte können nur in Regionen hoher Masse geboren werden. Sie sind in ihre Wolke eingebettet, durch die man kaum hindurchsehen kann“, erklärt Kuiper, der die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe zur Entstehung massereicher Sterne leitet. In ihrer Studie nutzten die Astronomen Daten, die mit dem MUSE-Instrument am „Very Large Telescope“ (VLT) der ESO (European Southern Observatory) in Chile gewonnen wurden. Sie hatten Glück: Sie entdeckten einen Jet mit einer Länge von rund 36 Lichtjahren. „Das ist einer der größten Jets dieser Art, die jemals beobachtet wurden“, sagt Anna McLeod, die Erstautorin der Studie von der University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland. Darüber hinaus erlaubte die hohe spektrale Auflösung des MUSE-Instruments eine genaue Messung der Geschwindigkeit und Ausrichtung des Jets. „Der Stern, der diesen Jet ausstrahlt, muss ungefähr die zwölffache Sonnenmasse haben. Dies ist der erste Nachweis eines solchen Jets von einem jungen Stern aus einer anderen Galaxie“, sagt McLeod.</p><p>Die in der Großen Magellanschen Wolke herrschenden Bedingungen begünstigten die Erstbeobachtung. „Dort sind weniger schwere chemische Elemente vorhanden als in unserer Milchstraße, dadurch war die Umgebung des jungen Sterns weniger undurchsichtig“, erklärt McLeod. Außerdem habe ein älterer massereicher Stern in der Nähe die Geburtswolke mit seiner Strahlung im extremen ultravioletten Bereich weggeblasen, setzt Kuiper hinzu. „Dadurch wurde der Jet sichtbar.“</p><p>Kuiper sieht sich durch die neue Beobachtung in seiner Forschungsarbeit grundsätzlich bestätigt: „Die Beobachtung zeigt, dass alle Sterntypen unabhängig von ihrer Masse in ihrer Entstehungsphase die gleichen Prozesse durchlaufen.“ Und das gelte sogar außerhalb unserer Galaxie, wo die Bedingungen und die verfügbare Materie anders aussehen können als in der Milchstraße.</p><h3>Publikation:</h3><p>Anna F. McLeod, Megan Reiter, Rolf Kuiper, Pamela D. Klaassen, Christopher J. Evans: A parsec-scale optical jet from a massive young star in the Large Magellanic Cloud. Nature, DOI: 10.1038/nature25189.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Rolf Kuiper<br> Universität Tübingen<br> Institut für Astronomie und Astrophysik<br> Emmy Noether-Nachwuchsgruppe zur Entstehung massereicher Sterne<br> Telefon +49 7071 29-75490<br> rolf.kuiper[at]uni-tuebingen.de</p><p><a href="http://www.tat.physik.uni-tuebingen.de/~msf" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.tat.physik.uni-tuebingen.de/~msf</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17224</guid><pubDate>Tue, 23 Jan 2018 17:27:00 +0100</pubDate><title>Indien-Stipendien für deutsche Journalisten</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/indien-stipendien-fuer-deutsche-journalisten/</link><description>Universität Tübingen und Robert Bosch Stiftung schreiben dreimonatiges Fellowship aus ‒ Einblick in Indiens Medienlandschaft und Gesellschaft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Robert Bosch Stiftung GmbH und das Zentrum für Medienkompetenz (ZFM) an der Universität Tübingen schreiben für 2018 wieder acht Fellowships für ihr <strong>Journalistenprogramm „Medienbotschafter Indien – Deutschland“ </strong>aus. Deutsche Journalisten mit sehr guten Englischkenntnissen können sich <strong>bis zum 31. März 2018 </strong>für ein zwölfwöchiges Indien-Fellowship bewerben. Erfolgreiche Bewerber reisen vom 1. September bis 30. November 2018 zu ausgewählten Standorten nach Indien.</p><p>Indiens Gegensätzlichkeit ist fast schon sprichwörtlich: Das Nebeneinander von Tradition und Moderne bestimmt nach wie vor die westliche Wahrnehmung, die vielfach auf mangelnder Kenntnis und unzureichendem Verständnis der komplexen Zusammenhänge beruht. Von deutschen Medien wird Indien mit überwiegend kritischem Blick beobachtet oder zum exotischen Traum verklärt. Dabei entstehen Zerrbilder, werden alte Klischees bestätigt und neue geprägt, Ängste geschürt und viele Halbwahrheiten verbreitet. Ein Mittel, diesem Missstand aktiv zu begegnen, ist die Förderung des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Austauschs, zu dem die Medien auch im positiven Sinne einen wichtigen Beitrag leisten können.</p><p>Vor diesem Hintergrund ermöglicht das Programm „Medienbotschafter Indien – Deutschland“ Interessierten das Sammeln eigener Erfahrungen vor Ort. Es bietet exklusive Einblicke in die indische Medienlandschaft und Gesellschaft. Ziel des Programms ist die Förderung qualitativ hochwertiger, differenzierter Berichterstattung und des interkulturellen Dialogs, frei von Klischees.</p><p>Die „Medienbotschafter“ besuchen zunächst eine Fortbildung an einer renommierten Institution mit Medienfokus, an die sich verschiedene Exkursionen anschließen. Während des weiteren Aufenthalts arbeiten sie in Print-, Hörfunk-, Online- oder TV-Redaktionen in Neu-Delhi, Mumbai, Chennai oder in anderen indischen Metropolen. Dort gewinnen sie Einblicke in den Arbeitsalltag der indischen Kollegen und recherchieren und produzieren eigene Beiträge für deutsche Medien sowie die Gastredaktion. Die Erfahrungen und Kontakte ermöglichen es ihnen, kompetent und nachhaltig über aktuelle Entwicklungen in Indien zu berichten.</p><p>Die Fellows erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von 1.500 Euro. Die Kosten für Flüge, Visum, Reisekrankenversicherung, Studiengebühren sowie Exkursionen im Rahmen des Programms werden ebenfalls übernommen. Die Programmsprache ist Englisch.</p><p>Weitere Informationen zum Programm und den Link zur Online-Bewerbung finden Sie unter<br><a href="http://india.medienbotschafter.com/" target="_blank" rel="noreferrer">http://india.medienbotschafter.com/</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Pradnya Bivalkar<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für Medienkompetenz<br> Programmleiterin „Medienbotschafter Indien – Deutschland“<br> Telefon +49 7071 29 - 77061<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtcfpac0dkxcnmctBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">pradnya.bivalkar<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de </a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17139</guid><pubDate>Mon, 22 Jan 2018 16:21:42 +0100</pubDate><title>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht an Frido Welker</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-und-quartaeroekologie-geht-an-frido-welker/</link><description>Universität Tübingen zeichnet  niederländischen Archäologen für Methode aus, mit der sich Neandertaler und anatomisch moderne Menschen in Grabungsschichten nachweisen lassen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Den Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie erhält in diesem Jahr an Dr. Frido Welker von der Universität Kopenhagen. Er wird für seine Dissertation “The palaeoproteomic identification of Pleistocene hominin skeletal remains: towards a biological understanding of the Middle to Upper Palaeolithic transition” ausgezeichnet. In dieser untersucht er archäologisches Material aus der Periode der letzten Neandertaler und der ersten modernen Menschen.</p><p>Frido Welker hat an der Universität Leiden (Niederlande) Archäologie studiert und absolvierte 2013 seinen Master in Bioarchäologie an der Universität York. Promoviert wurde er 2016 am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, wo er auch als Postdoktorand tätig war. Seit 2017 forscht er im Natural History Museum der Universität Kopenhagen.</p><p>In der Zeit des Übergangs vom Mittelpaläolithikum (200.000 Jahre vor unserer Zeit) zum Jungpaläolithikum (40.000 Jahre vor unserer Zeit) löste der anatomisch moderne Mensch die Neandertaler ab. Bei archäologischen Funden aus dieser Zeit ist oft unklar ist, ob sie dem Neandertaler zuzuordnen sind oder eher dem anatomisch modernen Menschen, auch sind biologische Überreste von Hominiden selten erhalten. Frido Welker hat deshalb eine neue Methode entwickelt, mit der sich Funde aus archäologischen Schichten mittels charakteristischer organischer Moleküle einer der Menschenformen zuordnen lassen. Für eine Fundstelle des Châtelperronien konnte er so bereits eine Verbindung zum Neandertaler nachweisen. Das Châtelperronien in Südwestfrankreich und Nordspanien gilt als letzte archäologische Kultur, die mit dem Neandertaler in Verbindung steht. Sie gibt wichtige Aufschlüsse über Verhalten und Kognition des Neandertalers, aber auch über die Interaktionen zwischen den Menscharten und das Aussterben des Neandertalers.</p><p>Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke EiszeitQuell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Nicholas Conard<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters<br> Telefon +49 7071 29-72416<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkejqncu0eqpctfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">nicholas.conard<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16970</guid><pubDate>Fri, 19 Jan 2018 10:31:59 +0100</pubDate><title>Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/vielversprechender-malaria-wirkstoff-erprobt/</link><description>Neue Wirkstoffkombination zeigt sich als effektiv und gut verträglich ‒ Weitere Studien geplant</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam hat in einer klinischen Studie Phase II erfolgreich ein neues Malaria-Medikament getestet. Das Therapeutikum führte bei 83 an Malaria erkrankten Probanden zur Heilung. Die neue Wirkstoffkombination wurde Professor Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin an der Universität Tübingen und der DMG Deutschen Malaria GmbH entwickelt. Die Studie erschien kürzlich im Magazin Clinical Infectious Diseases und ist frei zugänglich.</p><p><br> In der Studie überprüften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit einer Wirkstoffkombination aus Fosmidomycin und Piperaquin. Das Wirkstoffdoppel wurde drei Tage lang an Patienten im Alter von ein bis 30 Jahren verabreicht, die sich durch den Erreger Plasmodium falciparum mit Malaria infiziert hatten. In den 83 auswertbaren Fällen wurde bei den Patienten eine Heilungsrate von 100 Prozent erreicht. Die Behandlung erwies sich als sehr gut verträglich und führte schnell zum Abklingen der klinischen Symptome. Sicherheitsbedenken beschränkten sich auf Veränderungen im Elektrokardiogramm wie für Piperaquin bereits früher beschrieben wurde.</p><p><br> Die Studie wurde am Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) im afrikanischen Gabun durchgeführt, einer Forschungseinrichtung, die eng mit der Universität Tübingen verbunden ist. Finanzielle Förderung erhielt sie von der gemeinnützigen Organisation Medicines for Malaria Venture (MMV).</p><p><br> „Diese Studie stellt einen Meilenstein in der klinischen Entwicklung von Fosmidomycin dar“, sagt der Tübinger Tropenmediziner Professor Peter Kremsner. Der ursprünglich aus Streptomyces lavendulae isolierte Wirkstoff ist heute synthetisch herstellbar und blockiert den Stoffwechselweg für die sogenannte Isoprenoid-Biosynthese. Dem Malariaerreger werden so die Grundvoraussetzungen für Stoffwechsel und Vermehrung entzogen. Da Isoprenoide im menschlichen Körper auf einem anderen Syntheseweg erzeugt werden, gibt es für Fosmidomycin im Menschen keine Zielstrukturen. Deshalb wird der Wirkstoff sehr gut vertragen und führt kaum zu Nebenwirkungen. Zudem schließe der einzigartige Wirkstoffmechanismus eine Kreuzresistenz mit den Wirkstoffen bisheriger Malariamedikamente aus.</p><p><br> Die neue Wirkstoffkombination entspricht zudem den WHO-Richtlinien für Kombinationstherapien. Durch ihre gegen unterschiedliche Zielstrukturen gerichteten Wirkmechanismen werden die beiden Wirkstoffe voneinander unabhängig gegen die Parasiten im Blut aktiv. Dies erfüllt die Anforderungen der WHO sowohl an eine schnelle und wirksame Behandlung der akuten Infektionsphase als auch an den Schutz vor Rückfällen durch erneutes Auftreten der Infektion. Der Wirkmechanismus trage zudem zur Verzögerung einer möglichen Resistenzbildung bei, sagen die Wissenschaftler. Nach der klinischen Studie seien nun weitere Studien geplant, um die Dosis zu optimieren.</p><h3>Publikation:</h3><p>Ghyslain Mombo-Ngoma, Jonathan Remppis, Moritz Sievers, Rella Zoleko Manego, Lilian Endamne, Lumeka Kabwende, Luzia Veletzky, The Trong Nguyen, Mirjam Groger, Felix Lötsch, Johannes Mischlinger, Lena Flohr, Johanna Kim, Chiara Cattaneo, David Hutchinson, Stephan Duparc, Moehrle Joerg, Thirumalaisamy P Velavan, Bertrand Lell, Michael Ramharter, Ayola Akim Adegnika, Benjamin Mordmüller, Peter G Kremsner: „Efficacy and safety of fosmidomycin-piperaquine as non-artemisinin-based combination therapy for uncomplicated falciparum malaria – A single-arm, age-de-escalation proof of concept study in Gabon“, Clinical Infectious Diseases, <a href="https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/cix1122/4774674" target="_blank" rel="noreferrer">https://academic.oup.com/cid/advance-article/doi/10.1093/cid/cix1122/4774674</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Peter G. Kremsner<br> Universitätsklinikum Tübingen/Universität Tübingen<br> Institut für Tropenmedizin<br> Telefon: +49 7071 29-87179<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rgvgt0mtgoupgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">peter.kremsner[at]uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Leitung<br></h5><h5>Antje Karbe<br> Pressereferentin<br> Telefon +49 7071 29-76789<br> Telefax +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16983</guid><pubDate>Fri, 19 Jan 2018 10:30:00 +0100</pubDate><title>Begabtenförderung bereits im Grundschulalter erfolgreich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/begabtenfoerderung-bereits-im-grundschulalter-erfolgreich/</link><description>Neue Studien über die Wirkung von Förderkursen für begabte Kinder veröffentlicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Laut Kultusministerkonferenz besteht in Deutschland die Notwendigkeit, die Förderung von leistungsstarken und potenziell leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Wie dies bereits in der Grundschule gelingen kann, wurde nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main, in mehreren Studien untersucht. Sie fanden heraus, dass die Kinder nach dem Besuch eines Förderprogramms ihre ohnehin schon guten Noten in Deutsch und Mathematik nochmal verbessern konnten und, dass sie durch den Besuch eines speziellen Kurses ein ungewöhnlich reifes Wissenschaftsverständnis entwickelten. Auch konnten sie nach dem Besuch eines Präsentationstrainings naturwissenschaftliche Inhalte besonders gut kommunizieren. Die Ergebnisse wurden jetzt in den Zeitschriften Learning and Instruction, Contemporary Educational Psychology und Journal of Research on Educational Effectiveness veröffentlicht.</p><p>Es gibt in Deutschland verschiedene Fördermöglichkeiten für begabte und hochbegabte Kinder und Jugendliche. Sie können beispielsweise früher eingeschult werden, Klassen überspringen oder sich in so genannten Enrichment-Programmen, die zusätzlich zum schulischen Lehrstoff angeboten werden, mit neuen Themen beschäftigen. Allerdings sind bislang nur wenige dieser Programme auf ihre Wirksamkeit hin untersucht worden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben deshalb ein Förderprogramm für begabte und hochbegabte Grundschulkinder untersucht und ausgewertet. Sie wollten wissen, ob sich die Kurse positiv auf die Kinder auswirken und wenn ja, unter welchen Bedingungen.</p><p>Die Studien wurden an den Hector-Kinderakademien durchgeführt, die an 65 Standorten in Baden-Württemberg Kurse für begabte und hochbegabte Grundschulkinder zusätzlich zum regulären Schulunterricht anbieten. Die Kurse legen einen Schwerpunkt auf die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, es gibt jedoch auch musische oder sprachliche Angebote. Da das Angebot zum Ziel hat, Kinder ganzheitlich zu fördern, wurde auch untersucht, ob sich das Programm auf die kognitiven Fähigkeiten, schulische Leistung, wissenschaftliche Neugier, Kreativität, Selbstkontrolle oder soziale Kompetenzen der Kinder auswirkte.</p><p>Rund 2.700 Schülerinnen und Schüler nahmen dafür vor und nach dem Besuch der Kurse an einem Intelligenztest teil und füllten Fragebögen aus. Außerdem wurden ihre Schulnoten in Deutsch und Mathematik vor und nach den Kursen verglichen. Hier zeigte sich der größte Effekt: Die Kinder konnten ihre ohnehin schon guten Noten in Deutsch und Mathematik noch verbessern. „Das kann ein Effekt der intellektuellen oder motivationalen Stimulation sein, aber auch damit zusammenhängen, dass Eltern ihre Kinder mehr fördern, wenn sie wissen, dass diese an einem Programm für begabte Kinder teilnehmen“, erklärt Jessika Golle, die Erstautorin dieser Studie. „Zudem ist möglich, dass sich die Wahrnehmung der Lehrerinnen und Lehrer verändert, wenn sie wissen, dass die Kinder besonders begabt sind.“</p><p>Da in dieser Studie nur Aussagen über das Gesamtprogramm, nicht jedoch über einzelne Fördermaßnahmen getroffen werden konnten, wurde in zwei experimentellen Studien mit 117 bzw. 65 Kindern auch die Wirkung einzelner Kurse untersucht, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern selbst entwickelt wurden. Mit dem Kurs „Kleine Forscher – Wir arbeiten wie Wissenschaftler“ soll beispielsweise das naturwissenschaftliche Verständnis der Kinder gefördert werden. Diese schlüpfen dabei in die Rolle von Forschenden und lernen anhand kleiner Experimente, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten, etwa wie Hypothesen formuliert und geprüft oder Ergebnisse interpretiert und hinterfragt werden. Es zeigte sich, dass sich bei den Kindern, die an dem Kurs teilgenommen hatten, das Wissenschaftsverständnis substantiell weiterentwickelte. „Zudem waren sie wissbegieriger und hatten mehr Freude am Denken“, sagt Julia Schiefer, die den Kurs entwickelte und die Studie durchführte. Sie empfiehlt deshalb, dieses Verständnis vor allem bei Kindern mit hohen intellektuellen Fähigkeiten bereits in der Grundschule zu fördern.</p><p>Ein weiterer Kurs hatte zum Ziel, die Präsentationskompetenzen von Kindern der dritten und vierten Klasse zu erhöhen. Über die ganze Lebensspanne hinweg wird das Präsentieren immer bedeutender und für begabte Kinder ist es besonders wichtig, dass sie den richtigen Ton treffen, wenn sie über Themen informieren, in denen sie sehr versiert sind. In dem Präsentationstraining lernten sie, wie sie mit Lampenfieber umgehen können, wie sie durch nonverbale Kommunikation auf ihr Publikum wirken und wie man eine Rede verständlich und der Situation angemessen aufbereitet. Dazu suchten sie sich ein Thema aus dem Bereich der Naturwissenschaft aus, für das sie sich besonders interessierten. Die Kinder, die an dem Training teilnahmen, hatten sich sowohl in ihrer Körperhaltung, Mimik, Gestik und im Blickkontakt verbessert, als auch in ihrer Fähigkeit, flüssig zu sprechen und den Aufbau ihrer Rede zu organisieren. Evelin Herbein, die Erstautorin der Studie, plädiert daher dafür, mit dem Präsentationstraining bereits im Grundschulalter zu beginnen. „Aufbauend auf unsere Kursmaterialien könnte man überlegen, wie man das Training in den Unterricht übertragen kann“, so Herbein. UIrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, resümiert die Studien: „Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung. Begabtenförderung für Grundschulkinder kann funktionieren, aber es bedarf klar definierter Programme, gut ausgebildeter Kursleiterinnen und -leiter und einer weiterhin systematischen Überprüfung der Effekte.“</p><h3>Originalpublikationen:</h3><ul><li>Golle, J., Zettler, I., Rose, N., Trautwein, U., Hasselhorn, M., &amp; Nagengast, B. (2017). Effectiveness of a “grass roots” statewide enrichment program for gifted elementary school children. Journal of Research on Educational Effectiveness. doi:10.1080/19345747.2017.1402396</li><li>Herbein, E., Golle, J., Tibus, M., Schiefer, J., Trautwein, U., &amp; Zettler, I. (2017). Fostering elementary school children's public speaking skills: A randomized controlled trial. Learning and Instruction. doi:10.1016/j.learninstruc.2017.10.008</li><li>Schiefer, J., Golle, J., Tibus, M., Trautwein, U., &amp; Oschatz, K. (2017). Elementary school children’s understanding of science: The implementation of an extracurricular science intervention. Contemporary Educational Psychology, 51, 447-463. doi:10.1016/j.cedpsych.2017.09.011</li></ul><h3>Über die Hector-Kinderakademien:</h3><p>Die Hector-Kinderakademien bieten an 65 Standorten in Baden-Württemberg Kurse für begabte und hochbegabte Grundschulkinder zusätzlich zum regulären Schulunterricht an. Das Angebot geht weit über den normalen Unterrichtsstoff hinaus und deckt ein breites und vielfältiges Spektrum an Themen mit Schwerpunkt auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ab. Rund 24.000 Kinder haben im Schuljahr 2016/17 die Kurse besucht. Das Angebot wird von der Hector Stiftung II finanziert, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg getragen und vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen sowie dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) wissenschaftlich begleitet.</p><h3>Kontakt:</h3><p><strong>Universität Tübingen, Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung:</strong></p><ul><li>Prof. Dr. Jessika Golle, Telefon +49 7071 29-76124, jessika.golle[at]uni-tuebingen.de</li><li>Dr. Evelin Herbein, Telefon +49 7071 29-73906, evelin.herbein[at]uni-tuebingen.de</li><li>Dr. Julia Schiefer, Telefon +49 7071 29-73949, julia.schiefer[at]uni-tuebingen.de</li><li>Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Telefon +49 7071 29-73931, ulrich.trautwein[at]uni-tuebingen.de</li></ul><p><strong>Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF):</strong></p><ul><li>Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, +49 69 24708-214, hasselhorn[at]dipf.de</li></ul><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-17011</guid><pubDate>Thu, 18 Jan 2018 12:00:00 +0100</pubDate><title>Bisher älteste bekannte Sauerstoffoase entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bisher-aelteste-bekannte-sauerstoffoase-entdeckt/</link><description>Geowissenschaftler der Universität Tübingen finden in fast drei Milliarden Jahre alten Ablagerungen im südafrikanischen Pongolabecken Hinweise auf frühe sauerstoffproduzierende Bakterien</description><content:encoded><![CDATA[<p>In der frühen Erdgeschichte, vor mehreren Milliarden Jahren, war Sauerstoff höchstens in Spuren in der Atmosphäre und in den Ozeanen vorhanden. Heutige luftatmende Lebewesen hätten unter solchen Bedingungen nicht existieren können. Den Umschwung bewirkten Fotosynthese betreibende Bakterien, die Sauerstoff als Abfallprodukt hinterließen – und das in gigantischen Mengen. Hinweise auf die erste globale Zunahme des Sauerstoffanteils in der Atmosphäre liefern 2,5 Milliarden Jahre alte Ablagerungen verschiedener Kontinente. Nun haben Dr. Benjamin Eickmann und Professor Ronny Schönberg von der Isotopengeochemie der Universität Tübingen gemeinsam mit internationalen Kollegen im südafrikanischen Pongolabecken Ablagerungen entdeckt, die von Sauerstoffausstoß durch Bakterien bereits vor 2,97 Milliarden Jahren zeugen. Das Becken ist die bisher älteste nachgewiesene Stätte mit von Lebewesen produziertem Sauerstoff – eine sogenannte Sauerstoffoase. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Geoscience </em>veröffentlicht.</p><p>Aus heutiger Sicht würde man die Verhältnisse auf der Erde vor rund drei Milliarden Jahren als unwirtlich bezeichnen. In den Gasen der Atmosphäre gab es ungefähr 100.000-mal weniger Sauerstoff als heute. Die frühen Ozeane enthielten kaum Sulfat, dafür aber große Mengen an zweiwertigem Eisen. Als Bakterien mit der Sauerstoffproduktion begannen, konnte der Sauerstoff zunächst noch gebunden werden, reicherte sich dann aber in der Atmosphäre in einem Ereignis des massenhaften Sauerstoffausstoßes vor 2,5 Milliarden Jahren doch an. „Das lässt sich durch das Verschwinden reduzierter Minerale in den Sedimenten der Kontinente belegen. Auch bestimmte Schwefelsignaturen, die nur in der sauerstoffarmen Atmosphäre gebildet werden konnten, sind nicht mehr zu finden“, erklärt Benjamin Eickmann, der Erstautor der Studie. Dieses Ereignis, welches sich als globale Umweltverschmutzung beschreiben lässt, ging als „Große Sauerstoffkatastrophe“ in die Erdgeschichte ein. Katastrophal deshalb, weil Sauerstoff für frühe Bakterienarten, welche sich unter sauerstoffarmen Bedingungen entwickelt hatten, giftig war. „Allerdings enthielt die Atmosphäre nach diesem ersten Anstieg auch nur 0,2 Prozent Sauerstoff, heute sind es rund 21 Prozent“, sagt Eickmann. In der Atmosphäre, die immer mehr Sauerstoff enthielt, verwitterten die Kontinente zunehmend. Dadurch stieg der Eintrag von Spurenelementen in die Ozeane. Das verbesserte Nährstoffangebot führte zu einer Ausbreitung der Lebensformen in den Meeren.</p><h3>Schwefelsignaturen als erdgeschichtliches Archiv</h3><p>In ihrer aktuellen Studie untersuchte das Forscherteam die 2,97 Milliarden Jahre alten Ablagerungen des Pongolabeckens im heutigen Südafrika. Aus dem Verhältnis von Schwefelatomen unterschiedlicher Masse, den sogenannten Schwefelisotopen (insbesondere das <sup>34</sup>S/<sup>32</sup>S-Verhältnis), in den Ablagerungen können die Forscher schließen, dass dort Bakterien das im Meerwasser vorhandene Sulfat als Energiequelle nutzten und dabei reduzierten. „Sulfat ist eine Form oxidierten Schwefels. Eine erhöhte Sulfatkonzentration im Meerwasser setzt ausreichend freien Sauerstoff voraus, den es dort im flachen Meerwasser des Pongolabeckens gegeben haben muss“, erklärt Ronny Schönberg. Dieser freie Sauerstoff müsse von anderen, Fotosynthese treibenden Bakterien produziert worden sein. Gleichzeitig weise eine weitere Schwefelisotopensignatur (das <sup>33</sup>S/<sup>32</sup>S-Verhältnis) dieser Sedimente auf eine nach wie vor reduzierte, sehr sauerstoffarme Atmosphäre hin. „Zumindest bisher ist das Pongolabecken somit die älteste bekannte Sauerstoffoase. Dort reicherte sich der Sauerstoff im Wasser schon lange vor der Großen Sauerstoffkatastrophe an“, sagt Schönberg zusammenfassend. Einige hundert Millionen Jahre später führte die stetig steigende Anreicherung des Sauerstoffs zur Oxidation der Atmosphäre – was die Arten und die Vielfalt des Lebens in seiner heutigen Form erst möglich gemacht hat.</p><h3>Publikation:</h3><p>Benjamin Eickmann, Axel Hofmann, Martin Wille, Thi Hao Bui, Boswell A. Wing and Ronny Schoenberg: Isotopic evidence for oxygenated Mesoarchaean shallow oceans. <em>Nature Geoscience</em>, DOI 10.1038/s41561-017-0036-x</p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Geowissenschaften – Isotopengeochemie</p><p>Prof. Dr. Ronny Schönberg<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,uejqgpdgtiBkhi0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">schoenberg<span style="display:none">spam prevention</span>@ifg.uni-tuebingen.de</a><br> Telefon +49 7071 29-78903</p><p>Dr. Benjamin Eickmann<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgplcokp0gkemocppBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">benjamin.eickmann<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> Telefon +49 7071 29-73156</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14622</guid><pubDate>Mon, 15 Jan 2018 17:15:00 +0100</pubDate><title>Mögliche Ursache für mexikanische Epidemie aus der Kolonialzeit identifiziert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/moegliche-ursache-fuer-mexikanische-epidemie-aus-der-kolonialzeit-identifiziert/</link><description>Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/uploads/media/user_upload/18-01-15vagene_lab.jpg" length="194075" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Bakterium Salmonella enterica, welches enterisches Fieber auslöst, könnte die lang debattierte Ursache der „Cocoliztli“-Epidemie sein, die von 1545 bis 1550 in Mexiko wütete und schwerwiegende Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung Mesoamerikas hatte.</strong></p><p>Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, der Universität Harvard und des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte Mexikos sowie unter Beteiligung der Universität Tübingen hat eine neuartige Software zur Datenanalyse verwendet, mithilfe derer aus alter DNA die möglichen Erreger einer der zahlreichen Epidemien im kolonialen Amerika identifiziert werden konnten. Viele Epidemien breiteten sich im 16. Jahrhundert großflächig in der „Neuen Welt“ aus. Zwar wurden die Symptome dieser Krankheiten in zeitgenössischen Berichten gut beschrieben, aber die genauen biologischen Ursachen der kolonialen Epidemien sind anhand dieser historischen Überlieferungen nur schwer zu bestimmen. In der nun vorgelegten Studie, die in <em>Nature Ecology and Evolution </em>veröffentlicht wurde, gelang es dem Team durch neue Methoden zur Analyse alter DNA, Salmonella enterica Paratyphi C, ein Bakterium, das enterisches Fieber verursacht, in den Skeletten von Opfern der „Cocoliztli“-Epidemie von 1545-1550 in Mexiko zu identifizieren.</p><p>Nachdem die einheimischen Bevölkerungsgruppen der amerikanischen Kontinente mit Europäern in Kontakt gekommen waren, fegten Dutzende von Epidemien mit verheerenden Auswirkungen durch die „Neue Welt“. Obwohl viele Berichte aus erster Hand über diese Epidemien vorliegen, war es bislang in den meisten Fällen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ihre Ursachen anhand der historischen Beschreibungen der Symptome eindeutig zu bestimmen. So können zum Beispiel die Symptome, die durch die Infektion mit verschiedenen Bakterien oder Viren verursacht werden, einander sehr ähnlich sein oder die Symptome, die durch bestimmte Krankheiten hervorgerufen werden, können sich in den letzten 500 Jahren verändert haben. Deshalb haben Wissenschaftler gehofft, dass Fortschritte bei der Analyse alter DNA einen Durchbruch bei der Identifizierung der unbekannten Ursachen früherer Epidemien ermöglichen könnten.</p><h3>Erster direkter Hinweis auf eine mögliche Ursache der Cocoliztli-Epidemie 1545-1550</h3><p>Die Cocoliztli-Epidemie, deren Ursache bislang nicht identifiziert werden konnte, gehört zu den verheerendsten Epidemien auf den amerikanischen Kontinenten während der Kolonialzeit. Schon Alexander von Humboldt hatte vor mehr als 200 Jahren über die Ursache dieser Seuche spekuliert. Sie grassierte in großen Teilen Guatemalas und Mexikos, einschließlich der mixtekischen Stadt Teposcolula-Yucundaa in Oaxaca, Mexiko. Dort wurde bei archäologischen Grabungen der einzige Seuchenfriedhof freigelegt, der bislang mit dem Ausbruch dieser Epidemie in Verbindung gebracht wird. „Angesichts des historischen und archäologischen Kontextes von Teposcolula-Yucundaa bot sich uns die einzigartige Gelegenheit, die Frage nach den mikrobiellen Ursachen dieser Epidemie zu beantworten", erklärt Åshild J. Vågene vom MPI für Menschheitsgeschichte, Erstautorin der Studie. Nach der Epidemie war die Stadt aufgegeben und von der Spitze eines Berges in das benachbarte Tal verlegt worden, sodass der Friedhof bis zu den archäologischen Grabungen im Wesentlichen unberührt geblieben war. Diese Umstände machten Teposcolula-Yucundaa zu einem idealen Ort, um bei der Suche nach den Ursachen der Epidemie eine völlig neue Herangehensweise zu testen.</p><p>Das Forschungsteam analysierte DNA von 29 menschlichen Überresten aus der Fundstelle und verwendete dabei ein neuartiges, hocheffizientes Computerprogramm für die Charakterisierung der in den Proben enthaltenen bakteriellen DNA. Diese Technik ermöglichte es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Proben vollständig auf bakterielle DNA zu untersuchen, ohne vorher genauer spezifizieren zu müssen, wonach gesucht werden sollte. Für zehn Proben erbrachte diese Methode vielversprechende Hinweise auf DNA-Spuren des Bakteriums Salmonella enterica.</p><p>Nach diesem ersten Befund kam eine speziell für diese Studie entwickelte DNA-Anreicherungsmethode zum Einsatz. Mit ihr gelang es dem Forschungsteam, komplette Salmonella enterica-Genome zu entschlüsseln und zu zeigen, dass die zehn Individuen mit einer Unterart des Bakteriums Salmonella enterica infiziert waren, das enterisches Fieber verursacht. Dies ist das erste Mal, dass Wissenschaftler durch die Analyse alten Materials aus der Neuen Welt molekulare Beweise für eine mikrobielle Infektion mit diesem Bakterium gefunden haben. Bakterielles enterisches Fieber, dessen bekannteste Form heute Typhus darstellt, verursacht hohes Fieber, Dehydratation und schwere Magen-Darm-Infektionen. Heute gilt die Krankheit als weltweite Bedrohung. Allein im Jahr 2000 traten schätzungsweise 27 Millionen Krankheitsfälle auf. Über die Schwere der Krankheit in der Vergangenheit und ihre globale Verbreitung ist allerdings bis heute wenig bekannt.</p><h3>Ein neues Werkzeug zur Identifizierung vergangener Krankheiten</h3><p>„In der Vergangenheit haben wir in der Regel einen bestimmten Erreger oder eine kleine Gruppe von Krankheitserregern ins Visier genommen, für die es zuvor eine Indikation gab. Deshalb ist es ein wichtiger Beitrag dieser Studie, dass es uns gelungen ist, Informationen über eine in dieser Population zirkulierende mikrobielle Infektion zu gewinnen, ohne dass wir vorher genauer spezifizieren mussten, wonach wir suchten“, erklärt Alexander Herbig, Forschungsgruppenleiter am MPI für Menschheitsgeschichte und ebenfalls Erstautor der Studie.</p><p>„Dieser neue Ansatz erlaubt es uns, Skelette in breit angelegten Untersuchungen auf alle Erreger hin zu untersuchen, die möglicherweise in ihnen vorhanden waren“, ergänzt Johannes Krause, Direktor der Abteilung für Archäogenetik am MPI für Menschheitsgeschichte und Professor an der Universität Tübingen, der Leiter der Studie. Und Kirsten Bos, Forschungsgruppenleiterin am MPI für Menschheitsgeschichte, fügt hinzu: „Dies ist ein entscheidender Fortschritt in den Methoden, die uns zur Erforschung vergangener Krankheiten zur Verfügung stehen. Wir können nun die Anwesenheit zahlreicher infektiöser Organismen in archäologischem Material überprüfen. Das ist besonders relevant für Fälle, in denen die Ursache einer Krankheit zuvor nicht bekannt war.“</p><h3>Veröffentlichung</h3><p>Åshild J. Vågene, Alexander Herbig, Michael G. Campana, Nelly M. Robles García, Christina Warinner, Susanna Sabin, Maria A. Spyrou, Aida Andrades Valtueña, Daniel Huson, Noreen Tuross, Kirsten I. Bos and Johannes Krause: Salmonella enterica genomes from victims of a major 16th century epidemic in Mexico, <em>Nature Ecology and Evolution</em>, DOI: 10.1038/s41559-017-0446-6</p><h3>Medienkontakte</h3><p>Åshild J. Vågene<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xcigpgBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">vagene<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Alexander Herbig<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtdkiBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">herbig<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Kirsten I. Bos<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dquBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">bos<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Prof. Dr. Johannes Krause<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Universität Tübingen<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><h3>Bildmaterial</h3><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="442782" height="201" src="fileadmin/_processed_/csm_18-01-15tepos_map_890f0854bb.jpg" width="300" style></td><td><p>Übersichtskarte von Teposcolula-Yucundaa. Die Karte zeigt die Lage der Siedlung in der Mixteken-Region von Oaxaca, Mexico (A), und die Lage der Ausgrabungsstätte (B). Teilbild C ist eine zeichnerische Darstellung des Individuums Nr. 35, aus dessen Probe ein S. enterica-Genom rekonstruiert werden konnte.</p><p><br> 			Bildnachweis: Åshild J. Vågene et al. Salmonella enterica genomes from victims of a major 16th century epidemic in Mexico. Nature Ecology and Evolution.</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="442777" height="225" src="fileadmin/_processed_/csm_18-01-15tepos_grand_plaza_a3a4b9b70a.jpg" width="300" style></td><td><p>Freigelegte Mauerreste am nördlichen Rand der Grand Plaza bei Teposcolula-Yucundaa. Architektonische Untersuchungen des Grand Plaza führten zu der unerwarteten Entdeckung eines großen Epidemiefriedhofs, der mit der Cocoliztli-Epidemie von 1545-1550 in Zusammenhang steht. Der Friedhof enthielt zahlreiche Massengräber, die das katastrophale Ausmaß der Epidemie belegen.</p><p><br> 			Bildnachweis: Christina Warinner; mit freundlicher Genehmigung des archäologischen Projektes „Teposcolula-Yucundaa“</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="442779" height="398" src="fileadmin/_processed_/csm_18-01-15Burial-19_a8a1135e91.jpg" width="300" style></td><td><p>Massengrab auf der Teposcolula-Yucundaa Grand Plaza vor dem Beginn der Ausgrabung. Es enthielt die Überreste von drei Individuen, die alle drei positiv auf S. enterica getestet wurden. Ein zweites Grab (am oberen Bildrand rechts) enthielt zwei weitere Individuen, die positiv auf S. enterica getestet wurden. Die Massengräber in der Grand Plaza lagen dicht beieinander und waren grob in den Putzboden eingeschnitten. Der Boden wurde nie repariert, was auf die Eile hinweist, mit der der Standort kurz nach der Epidemie aufgegeben wurde.</p><p><br> 			Bildnachweis: Christina Warinner; mit freundlicher Genehmigung des archäologischen Projektes „Teposcolula-Yucundaa“</p></td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="442775" height="225" src="fileadmin/_processed_/csm_18-01-15tepos_excavation_36549df03f.jpg" width="300" style></td><td><p>Archäologische Ausgrabungen an der Grabungsstätte Teposcolula-Yucundaa, einem wichtigen politischen Zentrum der alten Mixteken. Nach der Epidemie wurde die Siedlung ins Tal verlegt und der Standort auf der Spitze des Berges wurde aufgegeben.</p><p>Bildnachweis: Christina Warinner; mit freundlicher Genehmigung des archäologischen Projektes „Teposcolula-Yucundaa“</p></td></tr></tbody></table></div></div><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt@uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/uploads/media/user_upload/18-01-15vagene_lab.jpg" lenght="194075" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15287</guid><pubDate>Wed, 10 Jan 2018 11:49:00 +0100</pubDate><title>Immunantwort auf Bakterien: wie sich friedliche Mitbewohner und Eindringlinge unterscheiden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/immunantwort-auf-bakterien-wie-sich-friedliche-mitbewohner-und-eindringlinge-unterscheiden/</link><description>Mikrobiologen der Universität Tübingen entdecken einen Mechanismus, mit dem Staphylokokken die Alarmierung des Immunsystem dämpfen</description><content:encoded><![CDATA[<p>In der Bakteriengattung der Staphylokokken gibt es Vertreter, welche die Haut und Schleimhaut des Menschen zu wechselseitigem Nutzen als friedliche Mitbewohner besiedeln, aber auch solche, die fern des Menschen zum Beispiel in Boden und Wasser vorkommen. Beim Kontakt mit Bakterien ist die Aktivierung des angeborenen Immunsystems der erste Schritt zur Abwehr einer bevorstehenden Infektion. Wie nun das Immunsystem zwischen potenziellen Krankheitserregern und friedlichen Mitbewohnern unterscheidet, hat eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern unter der Leitung von Professor Friedrich Götz vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen untersucht. Als Unterscheidungsmerkmal konnten sie die unterschiedliche Struktur von Lipoproteinen dingfest machen, die in der Membran von Bakterien verankert sind. Kurz oder lang – die Länge der Fettsäure am Molekül der Lipoproteine entscheidet über die Stärke der Immunantwort. Die neuen Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><p>Die Forscherinnen und Forscher untersuchten als Beispiel für Staphylokokken, die in Wechselwirkung und zum beiderseitigen Nutzen die menschliche Haut besiedeln, sogenannte Kommensalen des Menschen, die Art <em>Staphylococcus aureus</em>. Als nicht-kommensale Art wählten sie <em>Staphylococcus carnosus </em>aus; diese Art wird häufig bei der Produktion von Wurst und Fleischprodukten eingesetzt. Das menschliche Immunsystem erkennt über einen bestimmten Rezeptor die Lipoproteine der Staphylokokken, die nur in Mikroorganismen vorkommen, nicht aber im menschlichen Wirt. Auf die fremden Eindringlinge kann es entsprechend reagieren. „Wir fanden heraus, dass die Antwort des Immunsystems bei <em>Staphylococcus aureus</em> viel niedriger ausfiel als bei<em> Staphylococcus carnosus</em>“, berichtet Götz. Als hauptsächlicher Grund ließen sich Unterschiede in der Struktur des Lipidanteils der Lipoproteinen ausmachen: Bei<em> S. aureus </em>war das Protein durch die langkettige Heptadecanoylfettsäure modifiziert, während <em>S. carnosus </em>an entsprechender Stelle nur eine kurze Acetylgruppe trug. „Der Strukturunterschied ist vergleichsweise gering, hatte jedoch einen enormen Einfluss auf die Immunantwort“, sagt der Mikrobiologe. Die Lipoproteine mit der langen Kette von S. aureus bewirkten eine deutliche Verringerung der Immunantwort, sowohl beim angeborenen als auch beim erworbenen Immunsystem, während die kurzkettigen Lipoproteine von <em>S. carnosus </em>eine fast zehnfache Steigerung der Immunantwort auslösten.</p><p>„Wir fanden dadurch unsere These bestätigt, dass krankheitserregende, aber auch kommensale Bakterien in einem Wirtsorganismus nur überleben können, wenn sie es schaffen, dem Immunsystem zu entkommen oder auszuweichen“, sagt Götz. Entweder müssten die Bakterien das Immunsystem ruhigstellen oder ihm entgegenwirken. „Der Mechanismus, dem Immunsystem über den Einbau langkettiger Fettsäuren in den Lipidanker der Lipoproteine zu entgehen, wie wir es bei der kommensalen Art S. aureus entdeckt haben, war bisher nicht bekannt.“</p><p>Neben den Kommensalen gibt es auch krankheitserregende Formen von S. aureus, die teilweise lebensgefährliche Entzündungen verursachen können. „Grundsätzlich bleibt daher das alte Rätsel offen, warum es keine wirklich schützende Immunantwort gegen S. aureus gibt, die eine Infektion verhindert“, sagt der Wissenschaftler. Er will im nächsten Schritt untersuchen, welche Enzyme und Gene in den Einbau der Fettsäuren an den Lipoproteinen von S. aureus involviert sind.</p><h3>Publikation:</h3><p>Nguyen, M.T., J. Uebele, N. Kumari, H. Nakayama, L. Peter, O. Ticha, A.K. Woischnig, M. Schmaler, N. Khanna, N. Dohmae, B.L. Lee, I. Bekeredjian-Ding &amp; F. Götz, (2017): Lipid moieties on lipoproteins of commensal and non-commensal staphylococci induce differential immune responses. <em>Nature Communications</em>, 8: 2246. DOI: 10.1038/s41467-017-02234-4.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Friedrich Götz<br> Universität Tübingen<br> Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin – Mikrobielle Genetik<br> Telefon +49 7071 29-74128<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,htkgftkej0iqgvbBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">friedrich.goetz<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>&nbsp;</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15749</guid><pubDate>Fri, 22 Dec 2017 13:44:00 +0100</pubDate><title>Tübinger Informatiker entwickeln neue Form der künstlichen Intelligenz</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-informatiker-entwickeln-neue-form-der-kuenstlichen-intelligenz/</link><description>„Brain Control“ – Spielen mit selbstlernenden künstlichen Agenten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Informatiker der Universität Tübingen haben ein Computerprogramm entwickelt, das eine neue Form der künstlichen Intelligenz darstellt: Das Programm „Brain Control“ simuliert sowohl eine 2D-Welt als auch darin eigenständig handelnde, kooperierende und lernende, virtuelle Figuren – oder Agenten. Dabei handelt es sich nicht nur um ein Forschungswerkzeug, sondern auch um eine neue Art von Computerspiel: Man kommuniziert mit den Figuren in menschlicher Sprache, beispielsweise indem man Dinge erklärt, Anweisungen gibt oder sie dazu motiviert, Situationen selbst zu erkunden. Die Simulation zielt darauf ab, moderne Theorien der Kognitionswissenschaft in ein Modell zu überführen und neue Varianten künstlicher Intelligenz zu erforschen. Professor Martin Butz und sein Team vom Lehrstuhl für Kognitive Modellierung ließen das Programm über mehrere Semester in Programmierpraktika wachsen und haben es nun veröffentlicht.</p><p>Klassische künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich eher damit, eine Aufgabe logisch zu analysieren und zu planen. Damit lassen sich Systeme bauen, die immer dann gut funktionieren, wenn das Problem präzise in eine abstrakt-mathematische Form übertragen werden kann. Auf der anderen Seite stehen künstliche neuronale Netze, die derzeit im Fokus der Forschung stehen und in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt haben.</p><p>Brain Control verzichtet bisher auf den Einsatz solcher neuronaler Netze, folgt aber auch nicht dem klassischen KI-Paradigma. Vielmehr bettet das Programm die Figuren stärker in ihre Umwelt ein und grundiert den Handlungsrahmen dadurch: Innerhalb ihrer Welt haben die Spielfiguren unterschiedliche Motivationen, z.B. mehr Energie zu bekommen oder ihre Welt zu erkunden. Ausgehend von diesen Motivationen lernen sie durch Interaktionen, wie ihre Umwelt funktioniert und wie sie diese beeinflussen können. Dabei legen die Forscher großen Wert darauf, die Figuren selbstständig agieren zu lassen, sodass nach und nach immer weniger vorgegeben werden muss und immer mehr selbst erlernt bzw. gelöst wird. Der Einsatz neuronaler Netze ist mittelfristig auch geplant, allerdings eher als Teilsysteme.</p><p>Die theoretische Kernidee hinter dem Programm entstammt einer kognitionspsychologischen Theorie, nach der kognitive Prozesse im Wesentlichen prädiktiv agieren und auf sogenannten „Events“ basiert sind. Solche „Events“, beispielsweise eine bestimmte Bewegung wie das Greifen nach einem Stift, und die Verkettung von Events, wie das Zusammenpacken, wenn man Feierabend hat, bilden demnach den Grundstock der Kognition, mittels dem zielorientiert Interaktionen und Interaktionsketten mit der Welt ausgewählt und kontrolliert werden. Diese Hypothese wird von Brain Control gespiegelt: Die Figuren planen und entscheiden, indem sie Events und ihre Verkettung simulieren und damit relativ komplexe Handlungsfolgen ausführen können. So können die virtuellen Figuren sogar kooperativ handeln. Zuerst bringt eine Figur eine andere auf eine Plattform, damit diese dort den Weg freimachen kann, woraufhin beide vorankommen.</p><p>Die Modellierung kognitiver Systeme wie in Brain Control ist noch immer ein ambitioniertes Vorhaben und soll zu besserer künstlicher Intelligenz führen. Im Falle von Brain Control soll es noch den Spaß am Spiel dazu geben: Die Spielfiguren schaffen es nicht alleine, die unterschiedlichen Level zu meistern, sondern brauchen Anleitung, Motivation und Inspirationen, die ihnen der menschliche Spieler sprachlich vermitteln muss.</p><p>Das Programm kann man unter <a href="https://github.com/CognitiveModeling/BrainControl" target="_blank" rel="noreferrer">https://github.com/CognitiveModeling/BrainControl</a> herunterladen und ausprobieren. Einen Trailer gibt es unter <a href="https://youtu.be/63gcQg_bQjw" target="_blank" rel="noreferrer">https://youtu.be/63gcQg_bQjw</a> zu sehen.</p><h3><br> Publikationen:</h3><p>Butz, M. V. (2016). Towards a unified sub-symbolic computational theory of cognition. Frontiers in Psychology, 7(925). doi:10.3389/fpsyg.2016.00925 </p><p><br> Butz, M. V. (2017). Which structures are out there? Learning predictive compositional concepts based on social sensorimotor explorations. In T. K. Metzinger &amp; W. Wiese (Eds.), Philosophy and Predictive Processing. Frankfurt am Main: MIND Group. doi:10.15502/9783958573093</p><p>Butz, M. V. und Kutter, E. F. (2017). How the Mind Comes into Being: Introducing Cognitive Science from a Functional and Computational Perspective. Oxford, UK: Oxford University Press.</p><p>Schrodt, F., Kneissler, J., Ehrenfeld, S. und Butz, M. V. (2017). Mario becomes cognitive. Topics in Cognitive Science, 9, 343–373. doi:10.1111/tops.12252</p><p>Schrodt, F., Röhm, Y., und Butz, M. V. (2017). An event-schematic, cooperative, cognitive architecture plays Super Mario. Cognitive Robot Architectures 10, 10-15.</p><p>Butz, M. V., Simonic, M., Binz, M., Einig, J., Ehrenfeld, S., &amp; Schrodt, F. (2016). Is it living? Insights from modeling event-oriented, self-motivated, acting, learning and conversing game agents. In A. Papafragou, D. Grodner, D. Mirman, &amp; J. C. Trueswell (Eds.), Proceedings of the 38th Annual Meeting of the Cognitive Science Society (p. 3062). Austin, TX: Cognitive Science Society.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Martin V. Butz<br> Universität Tübingen<br> Informatik &amp; Psychologie, Kognitive Modellierung<br> Sand 14, 72076 Tübingen<br> Telefon +49 7071 29 70429<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octvkp0dwvbBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Opens window for sending email">martin.butz[at]uni-tuebingen.de</a><br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14414</guid><pubDate>Thu, 21 Dec 2017 11:00:00 +0100</pubDate><title>Pflanzen zeigen Entscheidungsspielraum im Kampf um Licht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/pflanzen-zeigen-entscheidungsspielraum-im-kampf-um-licht/</link><description>Biologinnen der Universität Tübingen zeigen, dass Pflanzen unter Konkurrenz zwischen verschiedenen Strategien wählen können</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-21_Potentilla_reptans___Versuch_1_web.jpg" length="266840" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzen sind in der Lage, auf unterschiedliche Konkurrenzsituationen mit verschiedenen Strategien zu reagieren. Biologinnen vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen konnten zeigen, dass die Reaktionen sich an Höhe und Wuchsdichte der Konkurrenz orientieren.<br> In der aktuellen Studie zeigen die Forscherinnen nun, dass sich Pflanzen zwischen verschiedenen Reaktionen auf Konkurrenz entscheiden können. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin<em> Nature </em><em>Communications</em> veröffentlicht.<br><br> Tiere, die im Wettbewerb stehen, wählen bekanntermaßen zwischen Verhaltensweisen wie Konfrontation, Vermeidung und Toleranz, je nachdem in welchem Verhältnis die Fähigkeiten ihrer Konkurrenten zu ihren eigenen stehen. Ist der Konkurrent beispielsweise größer oder stärker, bevorzugen Tiere üblicherweise Vermeidung oder Toleranz gegenüber einer Konfrontation.<br><br> Pflanzen erkennen die Anwesenheit von konkurrierenden Pflanzen beispielsweise an einer reduzierten Lichtmenge oder an den veränderten Anteilen von hellroten zu dunkelroten Wellenlängen, wenn Licht durch Blätter gefiltert wird. Sie reagieren darauf entweder mit Konfrontation, indem sie über ihre Konkurrenten hinauswachsen und diese beschatten oder mit Toleranz, welche erlaubt auch im Schatten zu gedeihen. Manche Pflanzen, vor allem solche, die sich klonal über Ausläufer fortpflanzen können,  zeigen eine weitere Reaktion, indem sie seitlich aus dem Umfeld der Nachbarn herauswachsen und somit Konkurrenz vermeiden. „Diese drei Alternativen in Konkurrenz um Licht sind in der Literatur bestens beschrieben“, sagt Erstautorin Michal Gruntman. „Wir haben nun untersucht, ob Pflanzen zwischen diesen Reaktionsmöglichkeiten wählen und damit passend auf Größe und Dichte der Konkurrenz reagieren können.“<br><br> In ihrem Experiment simulierten die Wissenschaftlerinnen für die klonale Pflanze Kriechendes Fingerkraut  (Potentilla reptans) verschiedene Szenarien eines Wettbewerbs um Licht. Sie verwendeten Hochkantstreifen als transparente Grünfilter, die sowohl Lichtmenge als auch das Verhältnis von hellroten zu dunkelroten Wellenlängen veränderten und somit Konkurrenz mit Nachbarn um Licht realistisch simulierten. Für verschiedene Szenarien variierten sie die Höhe und Dichte der vermeintlichen konkurrierenden Vegetation.<br><br> Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Fingerkraut in der Tat zwischen optimal anpassten Reaktionen entscheiden konnte. Es investierte ins Längenwachstum, wenn die Simulation kurz- und dichtwachsende Nachbarspflanzen vorgab ‒ also Konkurrenten, die sich nicht seitwärts umgehen ließen, aber klein genug waren, um in der Höhe überwachsen zu werden. Wurden hoch- wie auch dichtwachsende Nachbarspflanzen simuliert, bei denen weder Flucht noch Konfrontation möglich war, entwickelten die Testpflanzen die höchste Schattentoleranz. Bei hohen aber licht wachsenden Nachbarpflanzen war die häufigste Reaktion ein seitwärts gerichtetes Wachstum mit Hilfe von Ausläufern.<br><br> Die Studienergebnisse zeigten, dass Pflanzen die Dichte und die Wettbewerbsfähigkeiten ihrer Nachbarpflanzen einschätzen und ihre Reaktionen anpassen könnten, sagt Gruntman. Die Fähigkeit, je nach Ergebnis zwischen verschiedenen Reaktionen zu wählen, könnte vor allem in einem heterogenen Umfeld wichtig sein: Hier wachsen Pflanzen möglicherweise neben Nachbarn, die sich in Größe, Alter oder Dichte unterscheiden, und sollten deshalb in der Lage sein, die angemessene Strategie zu wählen. Die Studie untermauere die Fähigkeit von Pflanzen, komplexe Informationen über ihre Umgebung zu integrieren und darauf optimal zu reagieren.<br><br></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="440369" height="270" src="fileadmin/_processed_/csm_17-12-21_Potentilla_reptans_Versuch_2_web_d2db0a5fea.jpg" title width="300" style></td></tr><tr><td>Potentilla reptans (Kriechendes Fingerkraut) in<br> 			Simulation mit Nachbarn mit geringer Dichte.<br> 			Foto: Udi Segev<br></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Michal Gruntman, Dorothee Groß, Maria Májeková and Katja Tielbörger. Decision-making in plants under competition. <em>Nature Communications 2017</em>, DOI: 10.1038/s41467-017-02147-2</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Michal Gruntman<br> Universität Tübingen<br> Institut für Evolution und Ökologie<br> Telefon  +49 7071 29-73224<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,okejcn0itwpvocpBdqv0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Opens window for sending email">michal.gruntman[at]bot.uni-tuebingen.de </a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-21_Potentilla_reptans___Versuch_1_web.jpg" lenght="266840" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14984</guid><pubDate>Thu, 21 Dec 2017 11:00:00 +0100</pubDate><title>Hochzeit in der Quantenwelt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hochzeit-in-der-quantenwelt/</link><description>Physiker der Universität Tübingen koppeln erstmals Atome und Supraleiter als Etappe auf dem Weg zu einer neuen Hardware für Quantencomputer und deren Vernetzung.</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17_12_21_Hybride_Quantenarchitektur.png" length="467303" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>Moderne Quantentechnologien sollen in den kommenden Dekaden die Informationsverarbeitung, die Kommunikation und die Sensorik revolutionieren. Die Grundbausteine für künftige Quantenprozessoren sind zum Beispiel Atome, supraleitende quantenelektronische Schaltkreise, Spinkristalle in Diamanten und Photonen. In den vergangenen Jahren ist klar geworden, dass keiner dieser Quantenbausteine in der Lage ist, alle Anforderungen wie das Empfangen und Speichern von Quantensignalen, deren Verarbeitung und Übertragung zu erfüllen. Der Forschungsgruppe der Professoren József Fortágh, Reinhold Kleiner und Dieter Kölle vom Physikalischen Institut der Universität Tübingen ist es nun erstmals gelungen, magnetisch gespeicherte Atome auf einem Chip an einen supraleitenden Mikrowellen-Resonator zu koppeln. Die Verbindung dieser beiden Bausteine ist ein wesentlicher Schritt in der Konstruktion eines hybriden Quantensystems aus Atomen und Supraleitern, um die weitere Entwicklung von Quantenprozessoren und Quantennetzwerken zu ermöglichen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><p>Quantenzustände erlauben besonders effiziente Rechenalgorithmen, welche die klassischen Möglichkeiten weit übertreffen. Quanten-Kommunikationsprotokolle ermöglichen einen grundsätzlich abhörsicheren Datenaustausch. Quantensensoren liefern die präzisesten physikalischen Messdaten. „Um diese neuen Technologien in den Alltag umzusetzen, müssen wir grundlegend neue Hardwarekomponenten entwickeln“, sagt Fortágh. Statt der klassischen Signale unserer heutigen Technologie, den klassischen Bits, die nur den Wert null oder eins annehmen können, muss die neue Hardware viel komplexere Quantensignale, sogenannte verschränkte Quantenzustände, verarbeiten können.</p><p>„Erst durch die Kombination von unterschiedlichen Quantenbausteinen erlangt man die volle Funktionalität“, sagt Fortágh. So lassen sich mit supraleitenden Schaltkreisen schnelle Rechenoperationen durchführen, die Speicherung ist jedoch nur auf sehr kurzen Zeitskalen möglich. Neutrale Atome, die über einer Chipoberfläche schweben, sind auf der anderen Seite aufgrund ihrer geringen Wechselwirkungsstärke mit der Umgebung ideal als Quantenspeicher und Emitter für Photonen für die Signalübertragung. Daher haben die Forscher in ihrer neuen Studie zwei Komponenten zu einem Hybrid zusammengesetzt. Das hybride Quantensystem verbindet die kleinsten quantenelektronischen Bausteine der Natur, die Atome, mit künstlichen Schaltkreisen, den supraleitenden Mikrowellen-Resonatoren. „Wir nutzen die Funktionalität und Vorteile von beiden Komponenten“, sagt der Erstautor der Studie Dr. Helge Hattermann. „Die Kombination der beiden ungleichen Quantensysteme könnte die Realisierung eines Quantenprozessors mit supraleitenden Quantengattern, atomarem Quantenspeicher und photonischen Qubits ermöglichen.“ Qubits – das sind entsprechend zu den klassischen Bits die kleinsten Einheiten der Quantensignale.</p><p>Das neue Hybridsystem für künftige Quantenprozessoren und deren Vernetzung bildet eine Parallele zur heutigen, ebenfalls hybriden Technologie, wie ein Blick in die Hardware eines Computers offenbart: Rechenoperationen werden durch mikroelektronische Schaltungen durchgeführt, Informationen werden auf magnetischen Medien gespeichert und Daten werden durch faseroptische Leitungen über das Internet übertragen. „Ähnlich zeichnet sich für künftige Quantenrechner und deren Netzwerke ab, dass sie für die volle Funktionalität einen hybriden Ansatz und disziplinübergreifende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erfordern“, sagt Fortágh.</p><p>&nbsp;</p><h3>Publikation:</h3><p>H. Hattermann, D. Bothner, L. Y. Ley, B. Ferdinand, D. Wiedmaier, L. Sárkány, R. Kleiner, D. Koelle, and J. Fortágh: Coupling ultracold atoms to a superconducting coplanar waveguide resonator. <em>Nature Communications</em>, DOI 10.1038/s41467-017-02439-7.</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Dr. Helge Hattermann<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgnig0jcvvgtocppBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Opens window for sending email">helge.hattermann[at]uni-tuebingen.de</a><br> Prof. Dr. József Fortágh<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgnig0jcvvgtocppBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Opens window for sending email">fortagh[at]uni-tuebingen.de</a><br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Physikalisches Institut<br> CQ Center for Quantum Science<br> Telefon +49 7071 29-76270<br><a href="/fakultaeten/mathematisch-naturwissenschaftliche-fakultaet/fachbereiche/physik/institute/physikalisches-institut/bereiche/atomphysikquantenoptik/quantenoptik-ultrakalte-atome/team/" class="internal-link" title="Öffnet internen Link im aktuellen Fenster">http://www.physik.uni-tuebingen.de/fortagh</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17_12_21_Hybride_Quantenarchitektur.png" lenght="467303" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14171</guid><pubDate>Wed, 20 Dec 2017 14:37:00 +0100</pubDate><title>Brexit kostet britische Volkswirtschaft 300 Millionen Pfund wöchentlich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/brexit-kostet-britische-volkswirtschaft-300-millionen-pfund-woechentlich/</link><description>Wissenschaftler berechnen direkte Auswirkungen des geplanten EU-Ausstiegs auf die Wirtschaftskraft</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Brexit kommt die britische Volkswirtschaft teuer zu stehen: Nach Berechnungen von Wirtschaftswissenschaftlern hat der geplante Ausstieg aus der EU bereits einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent bewirkt. Seit der Abstimmung im Juni 2016 beläuft sich der Verlust auf rund 19 Milliarden Pfund oder 300 Millionen Pfund pro Woche, sagt Professor Gernot Müller vom Lehrstuhl für International Macroeconomics and Finance der Universität Tübingen. Im Team mit Kollegen aus Bonn und Oxford entwickelt er ein Verfahren, mit dem sich die Auswirkungen des Ausstiegsentscheidung auf die Wirtschaftskraft messen lassen. Die Studie wurde vom Center for Economic Policy Research in London veröffentlicht.<br><br>Im Juni 2016 hatten die Briten für den Brexit gestimmt, die Modalitäten werden derzeit verhandelt. In bisherigen Studien seien die Auswirkungen des Brexit lediglich prognostiziert worden, mit stark schwankenden Ergebnissen, sagt Müller. Für die aktuelle Untersuchung nutzten die Wirtschaftswissenschaftler ein Verfahren, das in den letzten Jahren in makroökonomischen Studien verstärkt eingesetzt wird: Sie verglichen die Entwicklung der britischen Wirtschaft mit einem hypothetischen Land („Doppelgänger“). Dieses wurde mit statistischen Verfahren als gewichteter Durchschnitt anderer Länder konstruiert und bildet die Entwicklung Großbritanniens vor dem Referendum möglichst genau ab. „Wir erreichen hier eine sehr hohe Übereinstimmung. Die unterschiedliche Entwicklung in Großbritannien und beim Doppelgänger nach dem Brexit lässt sich somit der Brexitentscheidung zurechnen“, sagt Müller. Das habe sich auch durch sogenannte Placebotests bestätigt.<br><br>Als Ursache der berechneten Kosten machen die Wissenschaftler einen „Antizipationseffekt“ aus: Konsumenten und Unternehmen erwarteten als Folge des Brexit langfristige Einkommenseinbußen und reduzierten schon heute ihre Ausgaben. Zum anderen führen sie den Rückgang auf eine erhöhte Unsicherheit zurück, verursacht durch die bislang unklare Ausgestaltung des Brexit. Diese mache aber nur einen Drittel des Gesamteffekts aus, wie die Analyse gezeigt habe, so die Wissenschaftler. „Die Antizipationseffekte dominieren, Konsumenten und Unternehmen in Großbritannien rechnen mit substantiellen Einkommenseinbußen als Folge des Brexit.“<br></p><h3>Publikation: </h3><p>Benjamin Born (Bonn), Gernot Müller (Tübingen), Moritz Schularick (Bonn) und Petr Sedlacek (Oxford): The Economic Consequences of the Brexit Vote, CEPR (Center for Economic Policy Research), &lt;link http: cepr.org active publications discussion_papers&gt;<a href="http://cepr.org/active/publications/discussion_papers/dp.php?dpno=12454" target="_blank" rel="noreferrer">cepr.org/active/publications/discussion_papers/dp.php</a>#<br><br>Kurzzusammenfassung des Papers: &lt;link http: voxeu.org article&gt;<a href="http://voxeu.org/article/300-million-week-output-cost-brexit-vote" target="_blank" rel="noreferrer">voxeu.org/article/300-million-week-output-cost-brexit-vote</a><br></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Gernot Müller<br>Universität Tübingen (derzeit: Columbia Universität New York)<br>Macroeconomics and Finance <br>Telefon: +1 646 886 4928 <br>&lt;link mail window for sending&gt;gernot.mueller@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13626</guid><pubDate>Tue, 19 Dec 2017 15:30:00 +0100</pubDate><title>„Nicht ohne die Anderen“: 200 Jahre Katholische Theologie an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nicht-ohne-die-anderen-200-jahre-katholische-theologie-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Wissenschaftler diskutieren zum Jubiläum die Aufgaben einer modernen Theologie ‒ Festvortrag von DFG-Präsident Peter Strohschneider</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von der Scholastik bis zum Exzellenzcluster: Es sind vielfältige Themen, die Katholisch-Theologische Fakultäten umtreiben. Seit nunmehr 400 Semestern lehrt und forscht die Fakultät der Universität Tübingen. Ihr 200-jähriges Bestehen wird sie im Januar unter dem Motto „Nicht ohne die Anderen“ feiern und als Anlass nutzen, über den künftigen Beitrag der Theologie zu drängenden Fragen der postsäkularen Gesellschaft nachzudenken. An zwei Studientagen diskutieren im Januar Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen über die Aufgaben der Katholischen Theologie an einer modernen Universität.</p><p>Als Festredner spricht Professor Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, unter dem Titel „Mit Gott gegen Wissenschaft?“ zum Thema religiöser Fundamentalismus und Wissenschaftsfreiheit. Zu der öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, den 17. Januar, um 19 Uhr im Hörsaal Theologicum sind die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreter eingeladen.</p><p>Als das evangelisch geprägte Württemberg auch katholisch wurde, siedelte die Regierung die Theologie 1812 zunächst an einer Kleinakademie in Ellwangen an. Zum Wintersemester 1817 aber zogen die Professoren an die Landesuniversität um. Was als staatliche Kuratel und Kontrolle gemeint war, wandelten die Theologen ‒ damals nur Männer, heute auch Frauen ‒ kreativ um: Sie erklärten es zum ausdrücklichen Programm der Theologie, in kritischem Gespräch mit Kirche, Staat und Gesellschaft und mit den Nachbarwissenschaften zu arbeiten. Kritisch, das heißt bis heute, konstruktiv unterscheidend, streitend und versöhnlich, und nie „ohne die Anderen“ an den aktuellen Herausforderungen des Glaubens, des Lebenssinns und der sozialen Gestalt von Religion und gesellschaftlichem Zusammenleben zu arbeiten.</p><p>Was es heißt, Theologie ausdrücklich und bewusst an der Universität zu betreiben, das wird die Fakultät an den Studientagen sich und andere fragen: Wie und warum ist Theologie – historisch – an die Universität gekommen und welche Themen haben sie beschäftigt? Welche Funktion hat Theologie für die Kirche, welche Verantwortung gegenüber der Gesellschaft? Wie kann sie der Gefahr entgehen, sich im Elfenbeinturm zu verschanzen? Welche neuen Chancen bietet der Campus der Theologien, der neben der evangelischen Schwesterfakultät auch das Zentrum für Islamische Theologie einbeziehen wird? Das werden die Themen des ersten Jubiläumstages sein (Mittwoch, 17. Januar, Hörsaal und Seminarräume im Theologicum).</p><p>Den zweiten Tag widmet die Fakultät ihrer Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen: Theologie ist längst unverzichtbarer Gesprächspartner der anderen Wissenschaften. Und auch sie kommt ohne das Wissen der Anderen nicht aus. Kolleginnen und Kollegen aus der Medizin, den Wirtschafts-, Kultur- und Sprachwissenschaften werden mit Theologinnen und Theologen ihre Fragen und Methoden debattieren (Donnerstag, 18. Januar, Alte Aula). Um 19 Uhr findet als festlicher Abschluss ein Gottesdienst mit Bischof Dr. Gebhard Fürst in der St. Johannes-Kirche statt.</p><p>Die Veranstaltungen finden am 17. Januar im Theologicum (Liebermeisterstr. 12-16, 72076 Tübingen) und am 18. Januar in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72072 Tübingen) statt. Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind zu den einzelnen Programmpunkten herzlich eingeladen und können mit Dozierenden der Workshops und Gästen ins Gespräch kommen.</p><h3>Das Programm online: </h3><ul><li>&lt;link file:439360 download file&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Dokumente/Pressemitteilungen_pdf_2009/2017/17_12_18_Jubilaeum_Programm.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Dokumente/Pressemitteilungen_pdf_2009/2017/17_12_18_Jubilaeum_Programm.pdf</a></li><li>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de fakultaeten katholisch-theologische-fakultaet fakultaet.html&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet.html</a></li></ul><h3><br>Kontakt:</h3><p>Theresa Mayer<br>Universität Tübingen<br>Katholisch-Theologische Fakultät<br>Ansprechperson Öffentlichkeitsarbeit<br>&lt;link&gt;presse@kath-theologie.uni-tuebingen.de</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15730</guid><pubDate>Mon, 18 Dec 2017 10:15:00 +0100</pubDate><title>Auszeichnung „Rede des Jahres 2017“ geht an DFG-Präsident Peter Strohschneider</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auszeichnung-rede-des-jahres-2017-geht-an-dfg-praesident-peter-strohschneider/</link><description>Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen würdigt Plädoyer gegen populistische Vereinfachungen und alternative Fakten</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-18_Strohschneider_Rede_des_Jahres.jpg" length="18370" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen hat die Rede „Über Wissenschaft in Zeiten des Populismus“ von Professor Dr. Peter Strohschneider zur „Rede des Jahres 2017“ gekürt. Bei der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 4. Juli 2017 in Halle (Saale) hielt Strohschneider „ein engagiertes Plädoyer gegen populistische Vereinfachungen und alternative Fakten“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Konsequent habe der DFG-Präsident in seiner Rede mit den populistischen Strömungen in Deutschland, Europa und den USA abgerechnet. Zugleich liefere er eine überraschend kritische Analyse des gegenwärtigen Wissenschaftsbetriebs und mahne nachdrücklich eine selbstkritische Wissenschaftspraxis an, die sich falscher Versprechen enthalte.<br><br>Desweiteren führte die Jury aus: Mit klarem analytischem Blick skizziert Strohschneider das Phänomen des populistischen Anti-Intellektualismus anhand treffender Beispiele und bezieht deutlich Stellung zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage. Strohschneider gelingt mit seiner präzise argumentierenden Rede eine bemerkenswerte Replik auf den Vertrauensverlust, dem sich die Wissenschaft im Jahr 2017 gegenübersieht. Engagiert und bestimmt verteidigt er die Wissenschaft und nimmt sie gleichzeitig in die Pflicht, indem er fordert, sie müsse sich durch qualitativ hochwertige Forschung legitimieren. <br><br>Dabei betrachtet Strohschneider nicht nur einseitig die Geringschätzung der Wissenschaft durch den Populismus, sondern fügt der gesamtgesellschaftlichen Debatte einen weiteren Gesichtspunkt hinzu: die Überschätzung des Wertes der Wissenschaft. Er verteidigt demokratische Strukturen gegen „szientokratische“ Anwandlungen, nach denen „die politische Macht durch Wahrheit anstatt durch Mehrheit und Verfassung legitimiert“ werden solle.<br><br>Höchst politisch ist Strohschneiders Rede gerade dadurch, dass sie klar zwischen Politik und Wissenschaft differenziert. Mit eindringlichen und wohlformulierten Appellen warnt er vor einer Überschätzung der Wissenschaft: Sie sei nicht die „Instanz des Wahrheitsbesitzes“, sondern die Instanz „der rationalen, methodischen Suche nach Wahrheit.“ Aufgabe der Wissenschaft sei es, über gesellschaftliche und politische Diskurse zu informieren. Jedoch könne Wissenschaft „in Zeiten des populistischen Anti-Intellektualismus und autokratischer Wissenschaftsfeindschaft nur mit sorgfältiger Selbstbegrenzung und Selbstdistanz – wenn Sie mögen: mit Ehrlichkeit und Bescheidenheit“ ihre Legitimationskrise beenden. <br><br>Mit seiner kritischen Stellungnahme zur gegenwärtigen politischen Entwicklung bewegt sich Strohschneider jenseits der klassischen Themen einer Wissenschaftsorganisation wie der DFG. Er bezieht mit seiner Rede politisch deutlich Stellung, spricht nicht als Funktionär, sondern als engagierter Demokrat und besorgter Wissenschaftler, der die Stimme für die Sache der Vernunft erhebt. Die von Strohschneider geforderte Redlichkeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spiegelt sich in einem authentischen, selbstkritischen und sachlichen Redegestus wider, in dem die intellektuelle Redlichkeit des Sprechers greifbar wird. Strohschneider gelingt eine kritische Analyse der politischen Verhältnisse, die in ihrer Differenziertheit, Originalität und argumentativen Schlagkraft weit über das übliche Repertoire kritischer Ausrufe zum Populismus hinausreicht.<br><br>Jury: Simon Drescher, Pia Engel, Dr. Gregor Kalivoda, Rebecca Kiderlen, Prof. Dr. Joachim Knape, Sebastian König, Prof. Dr. Olaf Kramer, Viktorija Romascenko, Frank Schuhmacher, Prof. Dr. Dietmar Till, Dr. Thomas Zinsmaier</p><h3>Kontakt:</h3><p>Rebecca Kiderlen &amp; Frank Schuhmacher  <br>Universität Tübingen<br>Seminar für Allgemeine Rhetorik<br>Telefon +49 7071 29-74660/-74253<br>Mobil 0176 21191544 / 0178 1822091<br>Email: &lt;link mail window for sending&gt;rebecca.kiderlen@uni-tuebingen.de /&lt;link mail window for sending&gt;<a href="#" data-mailto-token="ocknvq,htcpm/jqnigt0uejwjocejgtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">frank-holger.schuhmacher<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br>&lt;link http: www.rhetorik.uni-tuebingen.de&gt;www.rhetorik.uni-tuebingen.de <br><br>Text der Rede:<br>&lt;link http: www.dfg.de download pdf dfg_im_profil reden_stellungnahmen&gt;<a href="http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2017/170704_rede_strohschneider_festveranstaltung.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2017/170704_rede_strohschneider_festveranstaltung.pdf</a><br><br>Video der Rede:<br>&lt;link http: mediathek.dfg.de video rede-des-dfg-praesidenten-peter-strohschneider-festveranstaltung-2017&gt;<a href="http://mediathek.dfg.de/video/rede-des-dfg-praesidenten-peter-strohschneider-festveranstaltung-2017/" target="_blank" rel="noreferrer">mediathek.dfg.de/video/rede-des-dfg-praesidenten-peter-strohschneider-festveranstaltung-2017/</a></p><h3>Hintergrund „Rede des Jahres“</h3><p>Die Auszeichnung „Rede des Jahres“ wird seit 1998 vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen vergeben und ging seitdem unter anderem an Marcel Reich-Ranicki, Joschka Fischer und Margot Käßmann. Mit diesem Preis würdigt das Seminar für Allgemeine Rhetorik jährlich eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat. Neben das Kriterium der Wirkungsmächtigkeit treten bei der Auswahl weitere Bewertungsmaßstäbe wie argumentative Leistung und stilistische Qualität der Rede. Ziel ist es, das gesamte rhetorische Kalkül des Redners zu betrachten und zu bewerten.<br><br>Den Kriterienkatalog und ehemalige Reden des Jahres finden Sie unter: &lt;link http: www.rhetorik.uni-tuebingen.de portfolio rede-des-jahres&gt;<a href="http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/" target="_blank" rel="noreferrer">www.rhetorik.uni-tuebingen.de/portfolio/rede-des-jahres/</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-18_Strohschneider_Rede_des_Jahres.jpg" lenght="18370" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15312</guid><pubDate>Fri, 15 Dec 2017 11:56:00 +0100</pubDate><title>Wirkmechanismus gefährlicher Pflanzenkrankheiten entschlüsselt </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wirkmechanismus-gefaehrlicher-pflanzenkrankheiten-entschluesselt/</link><description>Chance auf Entwicklung neuer biologischer Pflanzenschutzmittel und Herbizide – Ergebnisse im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Tübingen hat die Wirkungsweise eines Giftstoffs entschlüsselt, der bei einigen der am meisten gefürchteten Pflanzenkrankheiten in der Landwirtschaft auftritt. Der toxisch wirkende Stoff, ein Cytolysin, wird von Krankheitserregern wie Bakterien oder Pilzen produziert und kann zur Vernichtung ganzer Ernten führen, wenn nicht mit Pflanzenschutzmitteln gegengehalten wird. Die Ergebnisse der Studie, an der neben den Tübinger Forscherinnen und Forschern auch Kooperationspartner aus Berkeley, Bordeaux, Göttingen, dem slowenischen Ljubljana, dem belgischen Lüttich und Wako in Japan beteiligt waren, bieten das Potenzial, viele Nutzpflanzen in Zukunft besser vor Krankheitserregern zu schützen. Die Studie wurde am Donnerstag im Wissenschaftsmagazin <em>Science</em> veröffentlicht.</p><p>Die „Große Hungersnot“ forderte ab 1845 in Irland eine Million Todesopfer und zwang rund zwei Millionen Iren zur Auswanderung. Verursacht wurde die Hungersnot durch die Vernichtung der Kartoffelernte in mehreren aufeinander folgenden Jahren. Auslöser der Katastrophe: ein Eipilz mit dem lateinischen Namen <em>Phytophthora infestans</em>. Die von ihm ausgelöste Kartoffelfäule vernichtet innerhalb kürzester Zeit die infizierte Pflanze samt den Kartoffelknollen.</p><p>„Dieser Krankheitserreger produziert mit dem giftigen Cytolysin ein regelrechtes Killertoxin“, erklärte Dr. Isabell Albert vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen an der Universität Tübingen. „Ziel des Erregers ist es, Pflanzenzellen zu töten, um sich anschließend von totem Gewebe ernähren zu können.“ Zu diesem Zweck durchlöchert das Cytolysin die Membran der Pflanzenzellen und schädigt diese damit irreparabel. Die betroffenen Zellen sterben ab.</p><p><em>Phytophthora infestans</em> ist nicht der einzige Erreger, der sich dieser Wirkungsweise bedient, erklärt Albert. Auch das so genannte <em>Pectobacterium carotovorum</em>, das vor allem Wurzeln angreift, oder der im Obst- und Gemüseanbau gefürchtete Botrytis-Pilz setzen das Cytolysin ein. Unklar war allerdings bislang, warum das Gift manche Pflanzenarten aggressiv schädigt, während das Toxin anderen Arten nichts anhaben kann. „Beispielsweise werden die Zellen aller Getreidearten von dem Cytolysin nicht zerstört“, sagte die Tübinger Biologin: „Erreger, wie die Krautfäule bleiben daher bei Getreide unschädlich.“</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen konnten nun zeigen, dass die Empfindlichkeit gegenüber dem Cytolysin von einem Rezeptor der Pflanzenzelle abhängt, der sich bei verschiedenen Pflanzengruppen deutlich voneinander unterscheidet. In beiden Fällen handelt es sich um eine Molekülkette aus Kohlehydraten und Fetten, doch während Pflanzen wie Kartoffeln oder Tomaten nur über eine kurze Molekülkette verfügen, ist diese bei Getreidepflanzen deutlich länger. „Dieser längere Rezeptor führt offensichtlich dazu, dass das Cytolysin bei Weizen oder Gerste zwar andocken kann, aber nicht an die Membran der Pflanzenzellen herankommt und so auch seine tödliche Wirkung nicht entfalten kann“, berichtete Albert.</p><p>Wie Professor Thorsten Nürnberger, der Leiter der Studie, erläuterte, bieten die Eigenschaften der verschiedenen Toxin-Rezeptoren ein erhebliches Anwendungspotenzial: „Zu den Pflanzen, die aufgrund ihres Rezeptors empfindlich auf Cytolysin reagieren, gehören auch viele Unkräuter.“ Hier ergebe sich die Chance, auf der Basis eines mikrobiellen Giftstoffs ein natürliches Herbizid zu entwickeln, das sehr selektiv wirke und damit umweltfreundlicher sei als die heute gebräuchlichen chemischen Total-Herbizide wie beispielsweise Glyphosat.</p><p>Eine weitere Perspektive, die sich aus der Studie ergebe, sei die Entwicklung neuartiger biologischer Pflanzenschutzmittel, sagte Nürnberger. So sei es denkbar, mit speziellen Zuckermolekülen das giftige Cytolysin so zu blockieren, dass es nicht mehr an die Pflanzenzellen andocken könne. Auf diese Art und Weise sei ein wirksamer Schutz vor den Angriffen verschiedenster tödlicher Pflanzenkrankheiten vorstellbar.</p><h3>Publikation: </h3><p>Tea Lenarčič, Isabell Albert, Hannah Böhm, Vesna Hodnik, Katja Pirc, Apolonija B. Zavec, Marjetka Podobnik, David Pahovnik, Ema Žagar, Rory Pruitt, Peter Greimel, Akiko Yamaji-Hasegawa, Toshihide Kobayashi, Agnieszka Zienkiewicz, Jasmin Gömann, Jenny C. Mortimer, Lin Fang, Adiilah Mamode-Cassim, Magali Deleu, Laurence Lins, Claudia Oecking, Ivo Feussner, Sébastien Mongrand, Gregor Anderluh, Thorsten Nürnberger: Eudicot plant-specific sphingolipids determine host selectivity of microbial NLP cytolysins, <em>Science</em>, 2017. DOI: 10.1126/science.aan6874</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Thorsten Nürnberger<br>Universität Tübingen <br>Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen<br>Telefon ++49 7071 29-76658<br>&lt;link&gt;nuernberger@zmbp.uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Isabell Albert<br>Universität Tübingen <br>Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen<br>Telefon ++49 7071 29-76651 <br>&lt;link&gt;isabell.albert@zmbp.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14325</guid><pubDate>Wed, 13 Dec 2017 18:00:00 +0100</pubDate><title>Aus Abwässern der Joghurtproduktion sollen Viehfutter und Flugzeug-Kraftstoffe entstehen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aus-abwaessern-der-joghurtproduktion-sollen-viehfutter-und-flugzeug-kraftstoffe-entstehen/</link><description>Biotechnologe der Universität Tübingen arbeitet an der Wiederverwertung von Abfallstoffen ‒ Ziel: ein nachhaltiger Stoffkreislauf </description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-13Molke_Angenent.jpg" length="475565" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, mit dem sich Sauermolke, ein Abfallprodukt der Herstellung von bestimmten Milchprodukten, weiterverwenden lässt, ohne dass zusätzliche Chemikalien eingesetzt werden müssen. Professor Lars Angenent vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen und internationale Kolleginnen und Kollegen setzten lediglich Kulturen verschiedener Mikroorganismen ein, ähnlich denen im menschlichen Darm, dem sogenannten Mikrobiom. Das daraus entstandene Bio-Öl könne als Tierfutter oder nach Weiterbearbeitung als Kraftstoff für Flugzeuge verwendet werden, so das Ergebnis. Die Studie wurde im Fachjournal <em>Joule </em>veröffentlicht.</p><p>Für jeden Liter Milch, der in die Herstellung von Produkten wie Quark und griechischem Joghurt oder Frischkäse geht, entstehen in der Fabrik zwei Liter sogenannte Sauermolke als Abfallprodukt. Diese kann wegen des hohen Säuregehalts nicht in großen Mengen an Tiere verfüttert werden. Sie ist noch reich an organischen Stoffen wie Milchzucker und muss entsorgt oder auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden.</p><p>In der Studie untersucht Lars Angenent, Humboldtprofessor für Umweltbiotechnologie an der Universität Tübingen, wie sich Sauermolke in wiederverwertbare Produkte umwandeln lässt. Er nutzte dafür einen Bioreaktor mit verschiedenen Bakterienkulturen, ein sogenanntes Reaktor-Mikrobiom. „Dieses Mikrobiom ist eine offene Kultur, in der sich auch Bakterien von außerhalb ansiedeln können, ähnlich dem Mikrobiom in unserem Darm. Eine Sterilisation des Bioreaktors oder des Abwassers ist deshalb nicht nötig“, erklärt er. „Bestimmte Bakterien werden dann selektiert und der Prozess so gelenkt, dass wertvollere organische Stoffe mit längeren Kohlenstoffketten entstehen.“</p><p>Angenent erläutert den Prozess im Detail: „Wir haben nacheinander zwei Tanks mit unterschiedlichen Temperaturen eingesetzt. Im ersten, auf 50 Grad Celsius erhitzten Tank wandelte das Mikrobiom Zucker in Säure als Zwischenprodukt um ‒ die gleiche Säure, die entsteht, wenn Milch sauer wird. Im zweiten Tank setzte das Mikrobiom bei 30 Grad Celsius die vorhandenen Stoffe in Produkte mit sechs bis neun Kohlenstoffen in einer Reihe um.“ Angenents Tübinger Forschungsgruppe zur Umweltbiotechnologie untersuchte danach auch, welche Bakterien sich in den offenen Kulturen angesiedelt hatten.</p><p>Das neue entstandene Produkt könnte zur Fütterung von Tieren eingesetzt werden und durch seine antimikrobiellen Eigenschaften sogar der Vorbeugung von Tierkrankheiten dienen. Nach Bearbeitung in einer Raffinerie ließe sich damit auch Kraftstoff für Flugzeuge produzieren, sagte der Wissenschaftler. Weil das Produkt aus dem Bioreaktor-Mikrobiom viel Kohlenstoff enthalte, entwickle es ölige Eigenschaften und könne leichter vom Wasser getrennt werden, in dem es hergestellt wurde. Danach müsse das Öl gereinigt und in einer Raffinerie weiterverarbeitet werden. „Wir stellen somit Bio-Öl aus bakterieller Produktion her.“ Das Innovative daran sei, dass für den Prozess keine anderen kohlestoffreichen Chemikalien verwendet werden müssten, das Abwasser allein reiche aus. Bislang habe man die Herstellung von Stoffen mit langen Kohlenstoffketten nur durch Zugabe teurer Chemikalien erreicht.</p><p>Die Produktion von Bio-Öl gehört zur Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft, die alle Abfallprodukte in wertvollere Stoffen recycelt. „Eine Kreislaufwirtschaft kann nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn die Energie aus erneuerbaren Quellen kommt und der Kohlenstoff für Chemikalien aus Kohlendioxid und anderen kohlenstoffhaltigen Abfällen wie Sauermolke“, sagt Angenent. Nun müsse untersucht werden, wie andere Abwässer ebenso in nützliche Chemikalien verwandelt werden könnten.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jiajie Xu, Jiuxiao Hao, Juan JL Guzman, Catherine M Spirito, Lauren A Harroff, Largus T Angenent: “Temperature-phased conversion of acid whey waste into medium-chain carboxylic acids via lactic acid: no external e-donor”, <em>Joule </em>10.1016/j.joule.2017.11.008: <a href="http://www.cell.com/joule/fulltext/S2542-4351(17)30179-4" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.cell.com/joule/fulltext/S2542-4351(17)30179-4</a></p><h3>Video:</h3><p><a href="https://lt.org/publication/how-can-waste-be-converted-source-carbon-production-chemicals" target="_blank" class="external-link-new-window" rel="noreferrer">Video How Can Waste Be Converted Into a Source of Carbon for the Production of Chemicals?</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. ir. Lars Angenent<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften<br> Umweltbiotechnologie<br> Telefon +49 7071 601-322<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,n0cpigpgpvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">l.angenent<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-13Molke_Angenent.jpg" lenght="475565" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14119</guid><pubDate>Wed, 13 Dec 2017 13:00:00 +0100</pubDate><title>Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/winzige-weltenbummler-in-arktis-und-antarktis-leben-die-gleichen-bakterien/</link><description>Geowissenschaftler vergleichen die Mikroorganismen beider Polarregionen </description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-13Kleinteich_Polarregionen_01_rothera_after_345.JPG" length="182941" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl Arktis und Antarktis an entgegengesetzten Polen der Erde liegen, weisen sie eine ähnliche Diversität an Bakterien und Kleinstlebewesen auf. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Tübingen, des EMBL Heidelberg und der Universität Konstanz. In einer Studie hatte das Forscherkonsortium von elf Einrichtungen Daten aus zahlreichen Studien und Standorten gesammelt, um erstmals die mikrobielle Diversität dieser beiden abgeschiedenen Regionen direkt zu vergleichen. Die Ergebnisse wurden im Open Access-Journal <em>Frontiers in Ecology and Evolution </em>veröffentlicht.</p><p><br> Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten die DNA der Bakterien aus Süßwasser-Biofilmen der terrestrischen Regionen der Arktis und der Antarktis anhand von Hochdurchsatzsequenzierung untersucht. Die beiden Erstautoren Dr. Julia Kleinteich vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen und Dr. Falk Hildebrand vom EMBL Heidelberg analysierten hierfür Proben, die Julia Kleinteich selbst auf der britischen Station Rothera der Antarktischen Halbinsel sowie auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen in der Arktis entnahm. „Trotz der großen geografischen Distanz beinhaltet die Bakteriendiversität teilweise die gleichen Arten“, ziehen sie Bilanz. „Einige Mikroorganismen haben also das Potenzial sich global, über Barrieren wie Ozeane hinweg, zu verbreiten.“</p><p><br> Die Mechanismen dafür seien noch unklar: Denkbar sei eine Verbreitung über die Atmosphäre oder durch Vögel und Menschen. Da man in Vergleichsproben aus gemäßigten Breiten auch schon Überschneidungen zu den polaren Mikroorganismen gefunden habe, handle es sich bei den Bakterien vermutlich um „Generalisten“, die in einem breiten Spektrum von Umweltbedingungen überleben könnten.</p><p><br> An den Polen fanden die Forschenden zusätzlich auch Bakterien, die ausschließlich in der jeweiligen Region vorkamen. „Der Anteil war in der stärker isolierten Antarktis größer, diese scheint eine teilweise einzigartige Diversität an Mikroorganismen aufzuweisen und ist daher besonders schützenswert“, sagt Kleinteich.</p><p><br> Die Erforschung der Verbreitungsmuster von Arten, die sogenannte Biogeografie, bringt Erkenntnisse dazu, wie Ökosysteme auf Umweltveränderungen wie beispielsweise den Klimawandel reagieren. Nach den aktuellen Ergebnissen sei zu erwarten, dass arktische als auch antarktische Mikroorganismen in gleicher Weise auf den Klimawandel reagierten, so die Wissenschaftler. „Dieser zeigt an den Polen bereits starke Auswirkungen durch eine Temperaturerhöhung teilweise über 0 Grad Celsius und eine Gletscher- und Schneeschmelze“, sagt Kleinteich. Während jedoch die Antarktis für Mikroorganismen noch Rückzugsraum biete, seien die Ausweichmöglichkeiten in der Arktis auch für kälteangepasste Säugetiere beinahe ausgeschöpft.</p><p><br> In weiterführenden Studien erforschen die Tübinger Geowissenschaftler derzeit Gletscherregionen in den Schweizer Alpen, die ähnliche klimatische Bedingungen wie die Polarregionen aufweisen. „Wir untersuchen, ob alpine Regionen als Inseln in der Verbreitung kälteangepasster Organismen dienen und ob der Klimawandel hier die Bakteriendiversität und damit deren Ökosystem verändert.“</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="438869" height="159" src="fileadmin/_processed_/csm_17-12-13Kleinteich_Polarregionen_01_rothera_after_350_c1ef57d879.jpg" title width="299" style></td><td><p>Die Süßwasserproben, die Julia Kleinteich in der Antarktis sammelte, weisen eine ähnliche Diversität an Bakterien und Kleinstlebewesen auf, wie Proben aus der Arktis. Foto: Daniel Farinotti</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Julia Kleinteich*, Falk Hildebrand*, Mohammad Bahram, Anita Y. Voigt, Susanna A. Wood, Anne D. Jungblut, Frithjof C. Küpper, Antonio Quesada, Antonio Camacho, David A. Pearce, Peter Convey, Warwick F. Vincent, Christiane Zarfl, Peer Bork and Daniel R. Dietrich: Pole-to-Pole Connections: Similarities between Arctic and Antarctic Microbiomes and Their Vulnerability to Environmental Change, <em>Frontiers in Ecology and Evolution</em>, <a href="http://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fevo.2017.00137/full" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Opens external link in new window" rel="noreferrer">www.frontiersin.org/articles/10.3389/fevo.2017.00137/full</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Julia Kleinteich<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften<br> Telefon: +49 7071 29-72495  <br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lwnkc0mngkpvgkejBkhi0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2" class="mail" title="Opens window for sending email">julia.kleinteich[at]ifg.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-13Kleinteich_Polarregionen_01_rothera_after_345.JPG" lenght="182941" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13957</guid><pubDate>Tue, 05 Dec 2017 11:27:00 +0100</pubDate><title>Humor hilft heilen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/humor-hilft-heilen/</link><description>Eckart von Hirschhausen spricht an der Universität Tübingen zu den Möglichkeiten der positiven Psychologie im Gesundheitswesen  ‒ Erlös geht an Stiftung sowie Forschungsprojekt zu Depressionen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Menschen ernsthaft erkranken, setzt sich ein professionelles medizinisches Räderwerk in Gang: Laboruntersuchungen, der Einsatz von High-End-Geräten, hochwirksame Medikamente. Kann man in einer solchen Lebenssituation ernsthaft an gute Laune denken? Man kann nicht nur, man sollte sogar! Eine positive Stimmung fördert den Genesungsprozess wie zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zeigen, die von der Stiftung „Humor hilft heilen“ des Entertainers Dr. Eckart von Hirschhausen gefördert werden. Eine positive Sichtweise und Humor können helfen, Schmerzen weniger intensiv wahrzunehmen und eine zukunftsorientierte Perspektive auf das Leben zu gewinnen. Die positive Psychologie kann sogar Leben retten: Studien belegen, dass ein positiver Umgang mit einer Krebsdiagnose die  Überlebenswahrscheinlichkeit signifikant erhöht.</p><p><br>Auf Initiative des Psychologen und Wissenschaftlers Stefan Lüttke, der an der Universität Tübingen zu den Ursachen und einer besseren Diagnose der Depression forscht, kommt Eckart von Hirschhausen nach Tübingen.</p><p><strong>Am Dienstag, den 9. Januar 2018 um 16 Uhr spricht er im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister Scholl Platz) zum Thema „Humor hilft heilen ‒ wie die positive Psychologie das Gesundheitswesen verändert.“ Eintrittskarten zum Preis von 5 bis 25 Euro sind bei der Tourist-Info an der Tübinger Neckarbrücke erhältlich. Der Erlös kommt einem Projekt für Depressionsforschung und der Humor hilft Heilen-Stiftung zugute.</strong></p><p><br>In einem kurzweiligen einstündigen Vortrag wird von Hirschhausen darlegen, wie wichtig Humor in der Behandlung von Krankheiten ist und warum psychologische Erkenntnisse eine größere Rolle im Medizinstudium und im Arbeitsalltag von Ärzten spielen müssen. Daher ist es ein großes Anliegen des Entertainers, mit seiner Vorlesung insbesondere Medizinstudierende, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte anzusprechen. Im Anschluss an den Vortrag gibt es eine Diskussion mit den Experten Prof. Dr. Barbara Wild (Humorforscherin, Chefärztin der Fliedner Klinik Stuttgart), Prof. Dr. Martin Hautzinger (Depressionsforscher, Lehrstuhl Klinische Psychologie und Psychotherapie Universität Tübingen) und PD Dr. Alexander Rapp (Emotionsforscher, AG Kognitive Neuropsychiatrie Uniklinik Tübingen).</p><p><br>Die Eintrittsgelder der Veranstaltung kommen der „Humor hilft Heilen“- von Eckart von Hirschhausen sowie der „What’s up?-Studie“ von Stefan Lüttke zugute. Damit soll die Grundlage für die Entwicklung eines Frühwarnsystems für Depression bei Kindern und Jugendlichen gelegt werden. Lüttke nimmt an, dass man anhand der Art und Weise, wie ein Kind WhatsApp nutzt, erkennen kann, ob dieses von einer Depression bedroht ist. Auf Grundlage der Studienerkenntnisse soll eine App programmiert werden, die frühzeitig erkennt, ob ein Kind in die Depression abrutscht, damit die Erkrankung rechtzeitig verhindert werden kann.</p><p><br>Um die notwendigen Mittel für die Studie aufzubringen, hat Lüttke eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Die Förderer des Projekts erhalten für ihre Unterstützung im Gegenzug eigens für das Projekt ausgewählte Fotokunstwerke. Helfen kann man bequem über die Webseite: <br>&lt;link http: www.startnext.com whatsapp-against-depression&gt;www.startnext.com/whatsapp-against-depression</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Dipl.-Psych. Stefan Lüttke<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Psychologie / Klinische Psychologie und Psychotherapie<br>Telefon +49 7071 29-74358<br>&lt;link&gt;stefan.luettke[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13616</guid><pubDate>Mon, 04 Dec 2017 14:59:00 +0100</pubDate><title>Wie der Klimawandel Spuren hinterlässt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-der-klimawandel-spuren-hinterlaesst/</link><description>Biologen der Universität Tübingen werten Langzeitklimastudie aus, um vorherzusagen, wie einzelne Pflanzenarten auf Änderungen von Temperatur und Regenmenge reagieren</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-04Klimaexperiment_Spanien_1.jpg" length="415447" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzenforscher der Universität Tübingen haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich beobachten und vorhersagen lässt, wie einzelne Pflanzenarten  auf den Klimawandel reagieren. Dr. Mark Bilton und Professor Katja Tielbörger vom Institut für Evolution und Ökologie werteten die Daten aus einem über 16 Jahre durchgeführten Experiment spanischer Kollegen aus. Diese hatten das Klima  für Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung gezielt verändert: Mit automatisch betriebenen Unterständen simulierten sie die für die Zukunft prognostizierten Klimaveränderungen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin New Phytologist veröffentlicht.</p><p><br>Die Studie wurde im Garraf National Park bei Barcelona auf einer Fläche in der Größe von zwei Fußballfeldern durchgeführt. Die dortige mediterrane Landschaft besteht vor allem aus niedrigwachsenden Büschen und Kräutern, wie beispielsweise Rosmarin und Thymian, und beherbergt viele geschützte Arten. Die Pflanzen wurden in getrennten Abschnitten entweder geringeren Niederschlägen oder erhöhten Temperaturen ausgesetzt.</p><p><br>Wissenschaftler gehen davon aus, dass die globale Erwärmung und verringerte Niederschläge in Ökosystemen in zahlreichen Regionen zu einem Artenverlust und einer Verschiebung der Vegetationszonen führen können. Doch können sich Veränderungen schon innerhalb einer Region völlig unterschiedlich auf verschiedene Arten auswirken, je nachdem ob sie besser an warme und trockene Bedingungen oder an kühle und wasserreiche Bedingungen angepasst sind. In ihrer neuen Studie beschreiben die Tübinger Forscher einen bisher unentdeckten Zusammenhang: Innerhalb einer Region können die Richtung und Stärke der Reaktion einer Pflanzenart auf Klimaveränderungen direkt damit zusammenhängen, wo und in welchem Klima die Arten bisher schon häufig vorkommen.</p><p><br>Die Wissenschaftler kombinierten bereits vorhandene Daten zur südeuropäischen Vegetation aus einer großen Online-Datenbank mit ausführlichen Karten zu Regenfällen und Temperaturen, um zu erheben, welche Pflanzen in Spanien unter welchen Klimabedingungen wachsen. Auf dieser Basis klassifizierten sie die Arten und konnten darüber ihre Reaktion auf die Bedingungen im Langzeitexperiment aufschlüsseln.</p><p><br>So war im Experiment zuerst ein Rückgang sowohl der Artenvielfalt als auch der Biomasse zu verzeichnen, nach acht bis 16 Jahren jedoch nahm der Bewuchs insgesamt wieder zu. Die Wissenschaftler zeigten nun im Einzelnen, dass im anfänglichen Rückgang vor allem wasserliebende Pflanzen verschwanden. Nach einer Verzögerung vermehrten sich dann die an Trockenheit angepassten Pflanzen. Durch die Klassifizierung  konnten sie nachweisen, dass es jeweils verschiedene Arten waren, die entweder auf den Rückgang der Niederschläge oder aber auf die Erhöhung der Temperaturen reagierten.</p><p><br>Die Erkenntnis, dass es sich um zwei sehr verschiedene Einflussfaktoren handelt, könnte helfen, die Auswirkungen des Klimawandels künftig besser vorherzusagen. „Die Technik folgt logischen Überlegungen und enthüllt doch Überraschendes, sagt Mark Bilton, der damit bereits Klimastudien in Israel ausgewertet hat. „Sie ermöglicht uns, den Grad der Veränderung einzelner Arten innerhalb eines Lebensraumes, aber auch zwischen zwei Regionen zu vergleichen.“ In Kombination mit führenden Klimaexperimenten ließe sich die Vegetationsentwicklung in vielen weiteren Regionen beobachten und vergleichen. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse dazu beitragen, einzuschätzen, welche Pflanzen besonders empfindlich auf Klimaveränderungen reagieren.“</p><h3><br>Publikation: </h3><p>Daijun Liu, Josep Penuelas, Roma Ogaya, Marc Estiarte, Katja Tielbörger, Fabian Slowik, Xiaohong Yang and Mark C. Bilton: Species selection under long-term experimental warming and drought explained by climatic distributions, New Phytologist , DOI: 10.1111/nph.14925, &lt;link http: onlinelibrary.wiley.com doi nph.14925 full&gt;<a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nph.14925/full" target="_blank" rel="noreferrer">onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nph.14925/full</a></p><h3><br>Kontakt:</h3><p>Dr. Mark Bilton<br>Universität Tübingen <br>Institute für Evolution and Ökologie<br>Telefon +49 7071 29-73235<br>&lt;link&gt;mark.bilton@uni-tuebingen.de</p><p><br>Daijun Liu, Prof. Josep Peñuelas<br>Universitat Autònoma de Barcelona<br>CREAF - Global Ecology Unit<br>Telefon +34 667094190<br>&lt;link&gt;d.liu@creaf.uab.es</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-12-04Klimaexperiment_Spanien_1.jpg" lenght="415447" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15155</guid><pubDate>Thu, 30 Nov 2017 12:18:00 +0100</pubDate><title>Thema für Würth-Literaturpreis 2018 veröffentlicht </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/thema-fuer-wuerth-literaturpreis-2018-veroeffentlicht/</link><description>Håkan Nesser stellt das Thema „Ein gelber Schuh” ‒ Einsendeschluss 1. Februar 2018</description><content:encoded><![CDATA[<p>Håkan Nesser hat anlässlich der Tübinger Poetik-Dozentur 2017 das Thema für den Würth-Literaturpreis 2018 gestellt. Unter dem Titel „Ein gelber Schuh“ können literarische Texte (Kurzgeschichten, Essays) im Umfang von ca. 10.000 Zeichen (mit Leerzeichen) eingereicht werden. Prämiert werden Texte, die überzeugend eigene sprachliche Wege gehen.  Der Würth-Literaturpreis ist ein für den Nachwuchs geschaffener Preis.</p><p><br>Alle Bewerberinnen und Bewerber sollen zum Zeitpunkt der Teilnahme bereits mindestens eine Publikation (Roman, Erzählband) bei einem anerkannten Verlag (nicht Selbstverlag, nicht Print-On-Demand) vorweisen können. Die Preissumme für den Würth-Literaturpreis beträgt 7.500 Euro. Die Jury kann diesen Betrag nach ihrem Ermessen aufteilen (ein bis drei Preisträger).</p><p><br>Die prämierten Texte sowie eine Auswahl weiterer hervorragender Arbeiten werden in einer Anthologie (Swiridoff-Verlag, Künzelsau) veröffentlicht. Die Bekanntgabe des oder der Preisträger erfolgt Anfang April 2018. Die Preisverleihung findet im Sommer 2018 im Museum Würth in Künzelsau statt. Die Preisträger stellen bei dieser Feier ihre Texte in einer öffentlichen Lesung vor. Die prämierten Texte sowie eine Auswahl von zwölf weiteren hervorragenden Arbeiten werden in der Anthologie des Würth-Literaturpreises veröffentlicht.</p><p><br>Der Würth Literaturpreis wird vergeben von der Stiftung Würth. Informationen zu Teilnahmebedingungen unter &lt;link http: www.poetik-dozentur.de&gt;www.poetik-dozentur.de</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Philipp A. Ostrowicz<br>Universität Tübingen<br>Deutsches Seminar - Vorsitzender der Jury, Würth-Literaturpreis<br>Telefon +49 7071 29-74261 <br>&lt;link&gt;ostrowicz@poetik-dozentur.de</p><p>&lt;link http: www.poetik-dozentur.de&gt;www.poetik-dozentur.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13638</guid><pubDate>Tue, 28 Nov 2017 11:50:00 +0100</pubDate><title>Bei Licht betrachtet: Stäbchen in der Netzhaut funktionieren auch bei Tageslicht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/bei-licht-betrachtet-staebchen-in-der-netzhaut-funktionieren-auch-bei-tageslicht/</link><description>Befunde eines internationalen Forscherteams könnten neue Behandlungen für Tagblindheit ermöglichen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-28Image_PM__Muench.jpg" length="339171" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Dr. Thomas Münch vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde und dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen hat gezeigt, dass Stäbchen-Lichtrezeptoren in der Retina von Mäusen mehr zum Sehen beitragen als zuvor angenommen. Mit Stäbchen lassen sich keine Farben unterscheiden, und diese Lichtrezeptoren wurden bei hellem Licht für funktionslos gehalten. Das Sehen bei Tageslicht, so die bisherige Annahme, basiere allein auf den Zapfen. Die neue Studie zeigt, dass die Funktion von Stäbchen in hellem Licht sogar zunehmen kann. Sie wurde kürzlich im Fachmagazin <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><p>Die Fotorezeptoren in der Netzhaut, im Augenhintergrund, bestehen aus lichtempfindlichen Zellen, die uns das Sehen ermöglichen, indem sie Licht in elektrische Signale umwandeln. Von ihnen gibt es zwei Arten: Stäbchen und Zapfen. Es gilt als allgemein bekannt, dass Stäbchen für das Sehen bei sehr schwachem Licht verantwortlich sind. Zapfen dagegen erlauben uns, bei starkem Licht und in Farbe zu sehen. Diese Arbeitsteilung zwischen Stäbchen und Zapfen findet sich in praktisch allen Biologie- und Medizin-Lehrbüchern.</p><p>Eine neue Studie widerspricht dieser traditionellen Überzeugung: Eine Gruppe von Forschern von den Universitäten Tübingen, Manchester und Helsinki unter Leitung von Thomas Münch aus Tübingen zeigt darin, dass Stäbchen in Wirklichkeit ebenfalls zum Sehen bei Tageslicht beitragen. Am überraschendsten ist der Befund, dass ihr Beitrag sich bei stärkerem Tageslicht sogar erhöht – bis hin zu den höchsten Lichtstärken, die sich in einer natürlichen Umwelt finden.</p><p>Die Forscher untersuchten zunächst transgene Mäuse ohne funktionierende Zapfen und fanden hier bei starker Lichteinstrahlung sowohl in der Netzhaut als auch im Gehirn zuverlässig messbare Signale aus den Stäbchen. Anschließend konnten sie diese auch in Tieren finden, deren Zapfen normal arbeiteten.</p><p>Angesichts dieser Befunde schien es offensichtlich, dass die bis dato von den meisten Wissenschaftlern verwendeten Modelle unvollständig sein müssen. Und in der Tat weiß man aus anderen Einzelstudien bereits einiges über die Physiologie der Stäbchen, was in diesen Modellen nicht berücksichtigt wird. Indem das deutsch-britisch-finnische Forscherteam diese Modelle um zusätzliche Informationen erweiterte, konnte es nun erklären, warum Stäbchen sowohl in dämmrigem Licht als auch im Tageslicht funktionieren können.</p><p>„Wir haben zwar gezeigt, dass Stäbchen in hellem Licht eine Funktion haben“, sagt Thomas Münch, „aber es bleibt schon dabei, dass Zapfen diese Funktion viel besser und verlässlicher erfüllen. Trotzdem könnten unsere Erkenntnisse neue Wege eröffnen, was die Behandlung von Patienten ohne funktionierende Zapfen angeht, sogenannte Achromaten.“ Heutzutage sind Menschen täglich viele Stunden hellem künstlichen Licht ausgesetzt. Dem alten Paradigma zufolge wäre der Ansatz abwegig erschienen, zur Behandlung solcher Sehstörungen bei den Stäbchen anzusetzen. Mithilfe der nun vorliegenden Studie über Stäbchenfunktion in hellem Licht könnte es nun aber gelingen, neue Wege zu Therapien für Patienten ohne Zapfensicht zu finden.</p><h3>Publikation: </h3><p>Alexandra Tikidji-Hamburyan, Katja Reinhard, Riccardo Storchi, Johannes Dietter, Hartwig Seitter, Katherine E. Davis, Saad Idrees, Marion Mutter, Lauren Walmsley, Robert A. Bedford, Marius Ueffing, Petri Ala-Laurila, Timothy M. Brown, Robert J. Lucas, Thomas A. Münch: Rods Progressively Escape Saturation to Drive Visual Responses in Daylight Conditions.<em> Nature Communications </em>2017 Nov 27; 8(1813). DOI: 10.1038/s41467-017-01816-6</p><h3>Autorenkontakt:</h3><p>Dr. Thomas Münch<br>Universität Tübingen<br>Forschungsinstitut für Augenheilkunde und<br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br>Otfried-Müller-Str. 25<br>72076 Tübingen<br>Telefon +49 7071 29-89182<br>&lt;link&gt;thomas.muench@cin.uni-tuebingen.de</p><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann<br>Universität Tübingen<br>Wissenschaftskommunikation &amp; Öffentlichkeitsarbeit<br>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br>Otfried-Müller-Str. 25<br>72076 Tübingen<br>Telefon +49 7071 29-89108<br>&lt;link&gt;paul.toebelmann@cin.uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.cin.uni-tuebingen.de&gt;www.cin.uni-tuebingen.de</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="436355" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-28Image_PM__Muench_28462b68fb.jpg" alt style="padding-right: 10px;" title height="235" width="300"></td><td><p><br>Zwei Fotorezeptor-Arten in der Netzhaut, Stäbchen und Zapfen, ermöglichen das Sehen über einen großen Helligkeitsbereich, von Sternenlicht zu hellstem Sonnenlicht. Stäbchen wurden bei hellem Licht für weitge-hend funktionslos gehalten. Eine neue Studie von Tikidji-Hamburyan et al zeigt nun, dass dies nicht der Fall ist und dass Stäbchen auch zum Sehen in hellen Umgebungen beitragen können. Das Bild rechts zeigt einen Querschnitt der Netzhaut, in dem verschiedene Zellen farblich markiert sind. Fotorezeptoren sind die grünen Zellen rechts.</p><p><br>Mond-Bild von John French, Abrams Planetarium. Netzhautbild von Hartwig Seitter, © AG Münch, Universität Tübingen</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Die Universität Tübingen</h3><p>Innovativ. Interdisziplinär. International. Die Universität Tübingen verbindet diese Leitprinzipien in ihrer Forschung und Lehre, und das seit ihrer Gründung. Seit mehr als fünf Jahrhunderten zieht die Universität Tübingen europäische und internationale Geistesgrößen an. Immer wieder hat sie wichtige neue Entwicklungen in den Geistes- und Naturwissenschaften, der Medizin und den Sozialwissenschaften angestoßen und hervorgebracht. Tübingen ist einer der weltweit führenden Standorte in den Neurowissenschaften. Gemeinsam mit der Medizinischen Bildgebung, der Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie der Pflanzen prägen sie den Tübinger Forschungsschwerpunkt im Bereich der Lebenswissenschaften. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Astro-, Elementarteilchen- und Quantenphysik, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In nationalen und internationalen Rankings belegt sie regelmäßig Spitzenplätze. In diesem attraktiven und hoch innovativen Forschungsumfeld haben sich über die Jahrzehnte zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute und junge, ambitionierte Unternehmen angesiedelt, mit denen die Universität kooperiert. Durch eine enge Verzahnung von Forschung und Lehre bietet die Universität Tübingen Studierenden optimale Bedingungen. Mehr als 28.000 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein breites Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</h3><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-28Image_PM__Muench.jpg" lenght="339171" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15272</guid><pubDate>Thu, 23 Nov 2017 12:26:00 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen erhält über 150 Werke von Harald Naegeli</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-erhaelt-ueber-150-werke-von-harald-naegeli/</link><description>Schweizer Künstler stiftet der Graphischen Sammlung umfangreiches Konvolut aus dem Werkkomplex der „Urwolke“ sowie weitere Zeichnungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Schweizer Künstler Harald Naegeli, auch bekannt als „Sprayer von Zürich“, hat dem Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen eine umfangreiche Sammlung aus seinem Werk gestiftet. Wie die Universität mitteilte, übergab Naegeli der Graphischen Sammlung der Universität insgesamt 64 großformatige Federzeichnungen aus dem zentralen Werkkomplex „Urwolke“, fünf großformatige Landschaftszeichnungen sowie 84 kleinformatige Zeichnungen.</p><p>Die Werke entstanden in den vergangenen zehn Jahren parallel zu Naegelis Kunst im öffentlichen Raum. In den Federzeichnungen verdichtet sich das Phänomen der Linie als Vision und Utopie und reflektiert zugleich die Auseinandersetzung mit der Natur und mit kunsthistorischen Traditionen. Der Künstler ist der Stadt Tübingen sowie der Hochschule seit langem persönlich verbunden.</p><p>„Mein Großvater Otto Naegeli lebte mit seiner Familie in Tübingen und lehrte als hochgeachteter außerordentlicher Professor an der Universität, mein Vater ging hier zur Schule“, erzählt der Künstler. „Noch vor Ende des ersten Weltkriegs zog die Familie nach Zürich, weil mein Großvater dort eine ordentliche Professur annahm.“ Die Universität Tübingen schätze er als Ort der Freiheit der Gedanken und Utopien. Der Studiensaal der Graphischen Sammlung mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte und Werken von Albrecht Dürer bis in die Gegenwart sei für ihn ein geschätzter Raum der geistigen und künstlerischen Konzentration. Hier biete sich die Möglichkeit, Originale im Kontext kunsthistorischer Vorbilder zu sehen.</p><p>Die Schenkung ergänzt das Radierwerk Naegelis, das sich bereits seit 1998 im Besitz der Universität befindet: Im Anschluss an die erste Ausstellung dieser Druckgraphiken in der Graphischen Sammlung erfolgte die damalige Stiftung an die Universität Tübingen. Seitdem besteht der Kontakt mit der Kustodin der Graphischen Sammlung, Anette Michels. Harald Naegeli ist ein genuiner Zeichner, dessen Werk gleichermaßen aus Zeichnungen im Raum und aus Zeichnungen auf Papier besteht“, sagt Michels. „Er widerlegt mit seinem Oeuvre die angebliche Randexistenz der Zeichnung und führt sie zum eigenständigen, unverwechselbaren Ausdruck, womit er sie dem Gemälde ebenbürtig macht.“</p><p>Professor Ernst Seidl, Direktor des MUT, sieht in dieser Stiftung einen weiteren Beleg für die äußerst hohe Relevanz der Tübinger Graphischen Sammlung: „Als ob wir es geahnt hätten, haben wir ein abstraktes Werk Naegelis schon als Titelbild unserer Gesamtpublikation zu allen 70 Tübinger Universitätssammlungen gewählt. Die Richtigkeit dieser Entscheidung wird nachträglich nochmals bestätigt.“</p><p>Die Kunstwerke werden Studierenden im Rahmen ihrer kunsthistorischen Ausbildung zur Verfügung stehen. Interessierte können sie nach Anmeldung im Studiensaal der Graphischen Sammlung besichtigen. (Graphische Sammlung im Bonatzbau der Universitätsbibliothek, Mittwoch 14-17 Uhr sowie nach Vereinbarung, &lt;link&gt;graphische.sammlung@uni-tuebingen.de)</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Anette Michels<br>Universität Tübingen<br>Kunsthistorisches Institut, Graphische Sammlung<br>Telefon: +49 7071 29- 77058<br>&lt;link&gt;anette.michels@uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/27077" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/27077</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14568</guid><pubDate>Wed, 22 Nov 2017 13:46:00 +0100</pubDate><title>Antonio Loprieno neuer Vorsitzender des Universitätsrats</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/antonio-loprieno-neuer-vorsitzender-des-universitaetsrats/</link><description>Wilhelm Ralls Amtszeit endet nach neun Jahren ‒ Rektor: „Die Universität verdankt ihm sehr viel“</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-22-Antonio_Loprieno.jpg" length="309652" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Universitätsrat der Universität Tübingen hat den ehemaligen Rektor der Universität Basel, Professor Antonio Loprieno, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Loprieno wird am 17. Dezember 2017 Professor Wilhelm Rall nachfolgen, der das Gremium seit 2009 geleitet hatte und nach neun Jahren Amtszeit als Mitglied des Universitätsrats ausscheiden muss. Neues Mitglied des Universitätsrats wird der Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Baden-Württemberg, Bernhard Sibold.</p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="435457" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-22Rall_224fddd26b.jpg" alt="Wilhelm Rall. Foto: Dirk Stein" style="padding-left: 5px; float: right;" title="Wilhelm Rall. Foto: Dirk Stein" height="140" width="200">Rektor Professor Bernd Engler dankte Rall für sein langjähriges erfolgreiches Wirken an der Spitze des Universitätsrats. „Wilhelm Rall hat den Universitätsrat in einer Zeit geführt, die mit tiefgreifenden Umbrüchen, aber auch mit glänzenden Erfolgen für die Universität verbunden war“, sagte Engler. „Es war für die Universitätsleitung von unschätzbarem Wert, dass wir in diesen manchmal schwierigen Jahren mit Professor Rall einen Berater und Unterstützer an unserer Seite hatten, der nicht nur über politischen und wirtschaftlichen Sachverstand verfügt, sondern auch über Augenmaß, Urteilskraft und Weitsicht.“ Die Universität Tübingen verdanke ihm sehr viel. Foto: Dirk Stein</p><p>Wilhelm Rall (Jahrgang 1946) promovierte nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre 1975 an der Universität Tübingen. 1977 trat er als Berater bei McKinsey &amp; Company, Inc. ein und wurde 1987 Senior Partner der Firma. Von 1991 bis 2005 war er Mitglied des weltweiten Shareholder Council der Firma. Seit 2003 ist er zudem Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen.</p><p>Engler begrüßte die Wahl Loprienos zum neuen Vorsitzenden. „Die Universität Basel ist mit uns seit der Gründung der Tübinger Universität im Jahre 1477 verbunden.“ Als langjähriger Rektor einer internationalen Forschungsuniversität kenne Loprieno die Herausforderungen, vor denen auch Tübingen in den kommenden Jahren stehe. Der Ägyptologe Loprieno gehört dem Tübinger Universitätsrat bereits seit 2009 an.</p><p>Professor Antonio Loprieno (Jahrgang 1955) war von 2005 bis 2015 Rektor der Universität Basel, Schweiz. Er war unter anderem als Ordinarius für Ägyptologie an der University of California in Los Angeles (USA) tätig und Professor für Ägyptologie in Basel. Zu seinen Forschungsgebieten gehören die Sprachen des Vorderen Orients sowie die ägyptische Kulturgeschichte und Religion.</p><p>Bernhard Sibold (Jahrgang 1954) studierte Betriebswirtschaftslehre in Mannheim und nahm 1980 seine Tätigkeit bei der Bundesbank, Landeszentralbank Bayern, auf. 1988 wurde er Direktor der Bundesbank und war danach in den Hauptverwaltungen München und Stuttgart in leitender Funktion tätig. Seit 2005 ist er Präsident der Hauptverwaltung in Baden-Württemberg.</p><p>Informationen zum Universitätsrat der Universität Tübingen unter &lt;link http: www.uni-tuebingen.de universitaet organisation-und-leitung universitaetsrat.html&gt;www.uni-tuebingen.de/universitaet/organisation-und-leitung/universitaetsrat.html</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-22-Antonio_Loprieno.jpg" lenght="309652" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14037</guid><pubDate>Tue, 21 Nov 2017 11:36:00 +0100</pubDate><title>Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten und „Sustainability Lecture“ 2017</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachhaltigkeitspreis-fuer-abschlussarbeiten-und-sustainability-lecture-2017/</link><description>Universität Tübingen verleiht Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten – Satish Kumar, indischer Umweltaktivist und Autor, hält Sustainability Lecture</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. November verleiht die Universität Tübingen zum siebten Mal den Nachhaltigkeitspreis für herausragende Abschlussarbeiten. Kanzler Dr. Andreas Rothfuß zeichnet insgesamt sechs Bachelor- bzw. Masterarbeiten aus, die sich in herausragender Weise mit Themen der Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden während der Veranstaltung bekanntgegeben und stellen dann kurz ihre Arbeiten vor. Anschließend hält der indische Umweltaktivist und Autor Satish Kumar die “Sustainability Lecture” zum Thema „Soil, Soul, Society – how to bring environment, spirituality and humanity together“.</p><p>Zur Preisverleihung am Donnerstag, den 30. November 2017, um 18 Uhr im Festsaal der Alten Aula (Münzgasse 30) sowie zur nachfolgenden Sustainability Lecture sind die Öffentlichkeit, Mitglieder der Universität sowie Medien herzlich eingeladen. Die Lecture wird auf Englisch gehalten; anschließende Fragen können auf Deutsch gestellt werden, ein Dolmetscher ist vor Ort.</p><p>Festredner Satish Kumar erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Plymouth, Lancaster und Exeter. 1962 pilgerte er 10.000 Meilen zu Fuß und ohne Geld von Indien über Moskau, Paris und London in die USA, um den damaligen vier Atommächten ein Päckchen „Friedens-Tee“ zu überreichen. Kumar wird in seiner Vorlesung seine Idee erläutern, die Welt mit Hilfe der drei Grundpfeiler „Soil, Soul and Society" holistisch zu betrachten.</p><p>Mit der öffentlichen Vergabe der Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten setzt die Universität Tübingen Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltige Entwicklung. Die Preisträgerinnen und Preisträger wählt eine Jury aus Mitgliedern des Beirats für Nachhaltige Entwicklung aus. Auch in diesem Jahr gab es zahlreiche Bewerbungen, die das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven und Fachrichtungen beleuchten.</p><p>„Die Universität Tübingen unterstützt junge Forscherinnen und Forscher dabei, Lösungswege für eine global gerechte, bedürfnisorientierte und ressourcenschonende Entwicklung der Gesellschaft zu erarbeiten“, sagt Juryvorsitzender Professor Thomas Potthast. „Wir sind stolz darauf, dass die Studierenden sich in ihren Abschlussarbeiten wichtigen Themen der Nachhaltigen Entwicklung widmen und die gesellschaftliche Relevanz im regionalen, nationalen und internationalen Rahmen sichtbar machen.“</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Thomas Potthast, Dr. Diana Grundmann, Kerstin Schopp<br>Universität Tübingen<br>Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung<br>Telefon +49 7071 29 - 77986<br>&lt;link&gt;nachhaltig@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13565</guid><pubDate>Mon, 20 Nov 2017 12:39:00 +0100</pubDate><title>Studierende im Wintersemester 2017/18</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studierende-im-wintersemester-2017-18/</link><description>Universität Tübingen verzeichnet leicht sinkende Studierendenzahlen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Studierendenzahl an der Universität Tübingen hat sich im Wintersemester 2017/18 gegenüber dem Vorjahr leicht verringert. Zum Stichtag 15. November 2017 hatten sich insgesamt 27.741 Studierende in Tübingen eingeschrieben, darunter 16.191 Frauen und 11.550 Männer. Insgesamt waren dies 653 Studierende oder 2,3 Prozent weniger als im Wintersemester 2016/17 (28.394). Die Zahl der internationalen Studierenden bewegt sich mit 3.891 nahezu exakt auf dem Niveau des Vorjahres (3.887).</p><p>Zum Stichtag konnte die Universität 5.197 neue Studierende verzeichnen (Erst- und Neueinschreiber). Dies war im Vergleich zum Vorjahr (5.720 Erst- und Neueinschreiber) ein Rückgang von 523 Personen oder 9,1 Prozent. Der Rückgang ist auf eine sinkende Tendenz bei deutschen und ausländischen Studierenden gleichermaßen zurückzuführen. Bei den deutschen Studierenden sank die Zahl der Erst- und Neueinschreiber um 389 auf 4.106 Studierende. Dies entspricht einem Rückgang um 8,7 Prozent. Bei den internationalen Studierenden sank die Zahl der neuen Studierenden (Erst- und Neueinschreiber) um 134 auf 1.091. Dies entspricht einem Rückgang um 10,9 Prozent.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Public Relations Department </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Director</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Press Officer</h5><h5>Phone +49 7071 29-76789</h5><h5>Fax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><h5>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuell&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuell</h5>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13440</guid><pubDate>Mon, 20 Nov 2017 12:30:00 +0100</pubDate><title>Schlechte Noten für Sprache in Schulbüchern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/schlechte-noten-fuer-sprache-in-schulbuechern/</link><description>Wortschatz und Niveau der Texte richten sich zu wenig nach den zu erwartenden sprachlichen Fähigkeiten der Schüler, fanden Forscher der Universität Tübingen heraus</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-20_Schwierigkeitsstufen_in_Schulbuechern.jpg" length="440599" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die sprachliche Komplexität von Schulbuchtexten ist nur bedingt an den Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler angepasst, so dass es zu Überforderungen und Unterforderungen kommen dürfte. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Tübingen, in der knapp 3.000 Texte aus Geografiebüchern von vier Schulbuchverlagen für die Klassen fünf bis zehn für Hauptschulen und Gymnasien untersucht wurden. Viele Texte wiesen hierbei sprachliche Merkmale auf, die untypisch für die jeweiligen Klassenstufen und unterschiedlichen Schularten waren. Außerdem zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Schulbüchern der einzelnen Verlage in der Hinsicht, dass die sprachliche Schwierigkeit der Texte zwischen den Klassenstufen unterschiedlich schnell zunahm. „Es gibt noch Verbesserungspotenzial, zum Beispiel beim Wortschatz oder bei den grammatischen Strukturen“, sagt Karin Berendes vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen, die Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse wurden im <em>Journal of Educational Psychology </em>veröffentlicht.</p><p>Knapp 3.000 Texte aus 35 in Baden-Württemberg zugelassenen Schulbüchern haben die Bildungsforscher und Linguisten in Tübingen digitalisiert und mit Hilfe computerlinguistischer Methoden verschiedene Merkmale bestimmt, anhand derer die sprachliche Komplexität der Texte verglichen werden kann. Die Texte wurden beispielsweise danach analysiert, wie abwechslungsreich der darin enthaltene Wortschatz ist, aus wie vielen Wörtern ein Satz im Durchschnitt besteht, welche grammatikalischen Strukturen verwendet werden, wie oft der Genitiv verwendet wird, der zu den komplizierteren Fällen zählt, oder nach der Anzahl der Konnektoren, also Wörtern wie „allerdings“ oder „stattdessen“, die verschiedene Satzbeziehungen herstellen.</p><p>Anschließend haben die Wissenschaftler die Texte aus Büchern der unterschiedlichen Klassenstufen und beiden Schularten miteinander verglichen. Je höher die Klassenstufe und das Leistungsniveau, desto komplexer müsse die Sprache der Texte sein, nahmen sie an. Außerdem interessierte die Wissenschaftler, ob es Unterschiede zwischen den einzelnen Verlagen gibt. Da manche Bücher für zwei Schuljahre verfasst waren, wurden immer zwei Klassenstufen zusammengefasst und die Bücher der 5. und 6. Klasse mit den Büchern der 7. und 8. Klasse sowie der 9. und 10. Klassen verglichen. Auf Basis der computerlinguistischen Analysen konnten die Wissenschaftler herausfinden, ob die Texte der höheren Klassen auch tatsächlich komplexer waren als die der unteren Klassen, ob die Bücher für die Hauptschulen sich von denen der Gymnasien unterschieden und ob es Unterschiede zwischen den Verlagen gab.</p><p>Das Ergebnis: Die untersuchten Schulbücher wiesen nur bedingt eine systematische Zunahme sprachlicher Komplexität auf, und es gab deutliche Unterschiede zwischen den Verlagen in dieser Zunahme. Das lässt vermuten, dass viele Texte nur bedingt an die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler angepasst sind. „Ob die Texte tatsächlich zu schwer oder zu leicht für die Schülerinnen und Schüler waren, konnten wir allerdings mit dieser Studie nicht herausfinden. Es gibt keine festgelegten Kriterien oder Standards, über welche Fähigkeiten Schüler in den einzelnen Klassenstufen und Schulformen verfügen sollten“, erklärt Karin Berendes. „Eine höhere Passgenauigkeit wäre jedoch wünschenswert.“ Denn sind die Texte in Schulbüchern zu schwierig, behindert das den Lerneffekt: Das Arbeitsgedächtnis ist überlastet, die Schülerinnen und Schüler können die Textelemente nicht oder nur bedingt mit den Informationen verknüpfen, die der Text eigentlich vermitteln sollte, und haben daher Probleme, den Text zu verstehen. Zu leicht dürfen die Texte ebenfalls nicht sein, weil der optimale Lerneffekt erst dann eintritt, wenn der neue Lernstoff leicht über dem aktuellen Niveau der Schülerinnen und Schüler liegt.</p><p>Detmar Meurers, Professor für Computerlinguistik an der Universität Tübingen, resümiert: „Autoren von Schulbüchern müssten viel systematischer berücksichtigen, was Texte passend für Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersstufen und Leistungsniveaus macht, um die Schüler inhaltlich und sprachlich zu fördern. In den Verlagen gibt es zu wenige Experten, die sich mit einer breiten, sprachwissenschaftlich fundierten Analyse von Texten auskennen. Da nicht jeder Schulbuchautor auch ein Sprachexperte sein kann, könnten computerlinguistische Werkzeuge, wie die in der Studie verwendeten, die Autoren prinzipiell auch bei der Auswahl und Erstellung von Texten unterstützen.“ Entsprechend fordert Professor Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung, eine bessere Vernetzung von Wissenschaft und Praxis ein: „Unsere Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die schulische Praxis von Erkenntnissen der Bildungsforschung profitieren könnte.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Berendes, K., Vajjala, S., Meurers, D., Bryant, D., Wagner, W., Chinkina, M., &amp; Trautwein, U. (2017). Reading demands in secondary school: Does the linguistic complexity of textbooks increase with grade level and the academic orientation of the school track? <em>Journal of Educational Psychology</em>, doi:10.1037/edu0000225</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Karin Berendes<br>Universität Tübingen <br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-76526 <br>&lt;link&gt;Karin.Berendes@uni-tuebingen.de <br>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://www.hib.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hib.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Universität Tübingen <br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/<br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de <br>&lt;link http: www.lead.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://www.lead.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.lead.uni-tuebingen.de</a><br>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://www.hib.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.hib.uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Detmar Meurers<br>Universität Tübingen<br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/ Seminar für Sprachwissenschaft<br>Telefon +49 7071-2973963 <br>&lt;link&gt;detmar.meurers@uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: purl.org dm&gt;<a href="http://purl.org/dm" target="_blank" rel="noreferrer">purl.org/dm</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-20_Schwierigkeitsstufen_in_Schulbuechern.jpg" lenght="440599" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15759</guid><pubDate>Fri, 17 Nov 2017 09:36:00 +0100</pubDate><title>Eberle-Innovationspreis für Tübinger Forschungsprojekt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eberle-innovationspreis-fuer-tuebinger-forschungsprojekt/</link><description>Stiftung verleiht erstmals Preis an der Universität Tübingen – Ausgezeichnet werden Naturwissenschaftler und Mediziner, die Alternativmethoden für Tierversuche entwickeln</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/attempto_online/Termine/2017/EberlePreis_1web.jpg" length="185764" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Dr. K. H. Eberle-Innovationspreis ist am Donnerstag erstmals an der Universität Tübingen vergeben worden: Ausgezeichnet wurden Professor Robert Feil und Dr. Susanne Feil (Interfakultäres Institut für Biochemie) sowie Professor Bernd Pichler (Werner Siemens Imaging Center) für die Entwicklung von Alternativmethoden für Tierversuche. Der mit 300.000 Euro dotierte Preis wird künftig jährlich von der Dr. Karl Helmut Eberle Stiftung an Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die sich mit drängenden Zukunftsfragen beschäftigen und deren Arbeiten durch ihr hohes Innovationspotenzial herausragen.</p><p><br>In dem ausgezeichneten Projekt „Nicht-invasive Visualisierung und Verfolgung spezifischer Zellpopulationen mittels Positronen-Emissions-Tomographie“ entwickeln Naturwissenschaftler und Mediziner gemeinsam neue Methoden zur Erforschung von Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes, die weniger Versuchstiere benötigen, diese geringer belasten und gleichzeitig gut übertragbare Ergebnisse auf Krankheitsverläufe beim Menschen liefern.</p><p><br>Das molekulare Verständnis von Krankheitsverläufen spielt bei der Entwicklung von neuen Therapien eine große Rolle. Deshalb entwickelten die Preisträger das sogenannte „PET-basierte Cell-Tracking“, um nichtinvasiv Zellen in Mäusen sichtbar zu machen. Dabei kann ein künstliches PET-Reporter-Enzym in jedem Zelltyp der Maus abgebildet werden und bewirken, dass sich in den ausgewählten Zellen eine radioaktive Substanz, der sogenannte PET-Tracer, ansammelt. Die für das Tier ungefährliche radioaktive Strahlung wird dank moderner bildgebender Verfahren auf dem Bildschirm sichtbar gemacht. Markierte Zellen lassen sich so über Wochen in lebenden Mäusen verfolgen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="434774" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_EberlePreis_2web_2568a668bd.jpg" alt=" Dr. Ingmar Hoerr, Vorstandsvorsitzender der CureVac AG, hielt den Festvortrag." title=" Dr. Ingmar Hoerr, Vorstandsvorsitzender der CureVac AG, hielt den Festvortrag." height="225" width="150" style></td><td>Dr. Ingmar Hoerr, Vorstandsvorsitzender der CureVac AG, hielt den Festvortrag.</td></tr></tbody></table></div></div><p><br>Erste Versuche hatten bereits das Potenzial der Methode gezeigt, Tierversuche zu verfeinern und zu reduzieren (Pressemitteilung zu Nature-Veröffentlichung: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;www.uni-tuebingen.de/de/1458?tx_ttnews[tt_news]=46791). Nun wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Reproduzierbarkeit und den Einsatz in unterschiedlichen Zellpopulationen evaluieren. Sie erhoffen sich davon neue experimentelle Ansätze und Anwendungsmöglichkeiten in der biomedizinischen Grundlagenforschung wie auch bei der Untersuchung krankheitsbezogener Fragestellungen.</p><p><br>„Wir sehen in dem Projekt mehr als nur eine überzeugende Forschungsarbeit. Der Ansatz zu einer signifikanten Reduktion des Einsatzes von Versuchstieren zu Forschungszwecken ist auch ein wichtiger Beitrag zu ethischen Fragen in der Wissenschaft“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Thomas Schwind. „Auch die praktische Bedeutung der Forschungsarbeiten gerade bei häufigen Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer oder Krebs war ein wichtiger Punkt für unsere Entscheidung“, betont Vorstandsmitglied Dr. Alexandra Zoller.</p><p><br>Die Dr. Karl Helmut Eberle Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Lörrach wurde aus dem Vermögen des Unternehmers Dr. Karl Helmut Eberle gegründet, der im November 2015 im Alter von 88 Jahren verstarb. Er hatte an der Universität Tübingen Medizin studiert, ging aber früh in die Immobilienbranche. Sie engagiert sich künftig in der Forschungs- und Innovationsförderung an der Universität Tübingen sowie an der Universität Konstanz und der Dualen Hochschule Lörrach.</p><h3><br>Kontakt</h3><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Tel. +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/attempto_online/Termine/2017/EberlePreis_1web.jpg" lenght="185764" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15525</guid><pubDate>Thu, 16 Nov 2017 12:35:00 +0100</pubDate><title>Neue Schätze aus Tutanchamuns Grab</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-schaetze-aus-tutanchamuns-grab/</link><description>Tübinger Archäologen untersuchen in deutsch-ägyptischem Projekt erstmals Goldbleche aus dem berühmten Grabfund ‒ Motive zeigen überraschende Verbindungen zwischen Vorderasien und dem pharaonischen Ägypten</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-15-Tutanchamun_1.jpg" length="72879" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Wissenschaftler haben in einem deutsch-ägyptischen Projekt erstmals die verzierten Goldbleche aus dem Schatz des Pharaos Tutanchamun untersucht. Die Objekte stammen aus dem berühmten Grabfund des englischen Archäologen Howard Carter im Jahr 1922 und waren bislang im Magazin des Ägyptischen Museums Kairo gelagert.  Seit Mittwoch sind sie nun in einer Sonderausstellung des Museums zu sehen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für die Kulturen des Alten Orients der Universität Tübingen (IANES, Professor Peter Pfälzner), des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo (Professor Stephan Seidlmayer), des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (RGZM, Professor Falko Daim) und des Ägyptischen Museums haben sie vier Jahre lang (2013-2017) wissenschaftlich untersucht. Das Projekt wurde vom deutschen Auswärtigen Amt und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.</p><p>In aufwändiger Laborarbeit hatten die Kooperationspartner die Objekte in den Räumen des Ägyptischen Museums restauriert, gezeichnet und wissenschaftlich umfassend bearbeitet. Das Team aus Restauratoren, Ägyptologen und Vorderasiatischen Archäologen fand die verzierten Goldbleche noch in derselben Kiste vor, in der sie Howard Carters Team unmittelbar nach der Entdeckung verstaut hatte. Die Funde wurden damals in unrestauriertem Zustand fotografiert und danach nie wieder ausgepackt.</p><p>Die Restauratoren Christian Eckmann und Katja Broschat vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz setzten aus den Fragmenten in jahrelanger Kleinarbeit 100 annähernd vollständige Goldbleche zusammen: Vermutlich handelt es sich um dekorative Beschläge von Bogenkästen, Köchern und Zaumzeug. Die Tübinger Archäologen des IANES untersuchten die Darstellungen auf den Goldblechen und ordneten sie kunstgeschichtlich ein. Doktorandin Julia Bertsch gelang es in ihrer Dissertation, ägyptische Motive auf den Goldblechen von solchen zu unterscheiden, die einem „internationalen“, orientalisch beeinflussten Motivkanon zuzurechnen sind.</p><p>Dazu zählen Darstellungen von Tierkämpfen und Ziegen am Lebensbaum, die der ägyptischen Kunst eigentlich fremd sind ‒ sie müssen aus dem Vorderen Orient nach Ägypten gekommen sein. „Vermutlich gelangten diese Motive, die einstmals in Mesopotamien entwickelt wurden, über Syrien in den Mittelmeerraum und nach Ägypten“, erklärt Peter Pfälzner. „Dies zeigt erneut die große Rolle, die das alte Syrien für die Kulturvermittlung in der Bronzezeit spielte.“</p><p>Interessanterweise hätten sich ähnliche Goldbleche mit thematisch vergleichbaren Darstellungen in der Gruft der syrischen Königsstadt Qaṭna gefunden. Dort hatte das Tübinger Archäologenteam unter Pfälzners Leitung im Jahr 2002 ein unangetastetes Königsgrab entdeckt. Es stammt aus der Zeit um 1340 v. Chr. und ist damit nur wenig älter als das Grab des Tutanchamun in Ägypten. „Diese Auffälligkeit gab den Anstoß für unser Projekt zu den ägyptischen Grabfunden“, erläutert der Wissenschaftler. Zu klären sei nun, auf welche Weise die fremden Motive der Goldbleche Aufnahme in Ägypten gefunden hätten. Aufschlussreich seien hier chemische Analysen: „Sie ergaben, dass die Goldbleche mit ägyptischen Motiven und die mit fremden Motiven aus unterschiedlich zusammengesetztem Goldmaterial hergestellt wurden. Dies muss allerdings nicht bedeuten, dass die Stücke importiert wurden. Es könnten auch unterschiedliche lokale Werkstätten für die Produktion in verschiedenen Stilen verantwortlich gewesen sein und eine der Werkstätten orientierte sich offensichtlich an vorderasiatischen Vorbildern.“</p><p>Nach der derzeitigen Erstpräsentation der Objekte in Kairo werden diese künftig im neuen Grand Egyptian Museum nahe den Pyramiden von Gizeh gezeigt. Mit der Arbeit der Tübinger Archäologen sowie Ägyptologen und Restauratoren aus Mainz und Kairo ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Objekte aus Ägyptens berühmtestem Grabfund nun abgeschlossen ‒ fast 100 Jahre nach seiner Entdeckung.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><p></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="434532" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-15-Tutanchamun_2_df16f6ea6d.jpg" alt="Fragmente aus dem Grabfund: Am Ende konnten 100 vollständige Goldbleche zusammengesetzt werden. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" title="Fragmente aus dem Grabfund: Am Ende konnten 100 vollständige Goldbleche zusammengesetzt werden. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" height="200" width="300" style></p></td><td>Fragmente aus dem Grabfund: Am Ende konnten 100 vollständige Goldbleche zusammengesetzt werden. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen</td></tr><tr><td><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="434529" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-15-Tutanchamun_3_72139d6d7b.jpg" alt="Fragmente aus dem Grabfund: Die Goldbleche dienten vermutlich als dekorative Beschläge von Bogenkästen, Köchern und Zaumzeug. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" title="Fragmente aus dem Grabfund: Die Goldbleche dienten vermutlich als dekorative Beschläge von Bogenkästen, Köchern und Zaumzeug. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" height="200" width="300" style></p></td><td>Fragmente aus dem Grabfund: Die Goldbleche dienten vermutlich als dekorative Beschläge von Bogenkästen, Köchern und Zaumzeug. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen</td></tr><tr><td><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="434526" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-15-Tutanchamun_4_df7227b96f.jpg" alt="Nach dem spektakulären Fund von Howard Carter wurden die Goldbleche in dieser Kiste verstaut und 2013 erstmals untersucht. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" title="Nach dem spektakulären Fund von Howard Carter wurden die Goldbleche in dieser Kiste verstaut und 2013 erstmals untersucht. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" height="242" width="300" style></p></td><td>Nach dem spektakulären Fund von Howard Carter wurden die Goldbleche in dieser Kiste verstaut und 2013 erstmals untersucht. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="434523" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-15-Tutanchamun_5_0ad7707bb6.jpg" alt="Ein deutsch-ägyptisches Team untersuchte die Objekte aus dem Grabfund Tutanchamuns. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" title="Ein deutsch-ägyptisches Team untersuchte die Objekte aus dem Grabfund Tutanchamuns. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen" height="200" width="300" style></td><td>Ein deutsch-ägyptisches Team untersuchte die Objekte aus dem Grabfund Tutanchamuns. Fotograf: Christian Eckmann; Copyright: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Peter Pfälzner<br>Universität Tübingen <br>Institut für die Kulturen des Alten Orients<br>Telefon +49 7071 29-78530<br>&lt;link&gt;peter.pfaelzner@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-15-Tutanchamun_1.jpg" lenght="72879" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14526</guid><pubDate>Tue, 14 Nov 2017 14:22:00 +0100</pubDate><title>In die Zukunft Europas investieren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/in-die-zukunft-europas-investieren/</link><description>„The Guild of European Research-Intensive Universities“: Zusammenschluss von 19 Forschungsuniversitäten fordert auch nach dem Brexit europaweite Mobilität für Forschende und Studierende</description><content:encoded><![CDATA[<p>Derzeit verhandeln die Regierungen Großbritanniens und der EU ihre Positionen zum Brexit. Es scheint uns deshalb wesentlich zu betonen, wie wichtig gemeinsames Engagement in den Bereichen Wissen, Personal und Innovation ist, das die europäischen Universitäten grenzüberschreitend ermöglichen. Um Europas Volkswirtschaften sowie unsere Gesellschaften zu stärken, ist nicht weniger, sondern mehr Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Innovation nötig. Der Erfolg europäischer Universitäten hängt von den Möglichkeiten eines freien Ideenaustauschs von Forschenden, Studierenden und Alumnae ab. Dieser darf durch den Brexit nicht behindert werden.</p><p><strong>Für eine starke Zivilgesellschaft und stabile Wirtschaftsverhältnisse müssen Studierende sich auch künftig frei zwischen der EU und Großbritannien bewegen dürfen. </strong>Die Kompetenzen, die sich Studierende bei Auslandsaufenthalten aneignen, halbieren ihr Risiko, in Langzeitarbeitslosigkeit zu geraten. In den Jahren 2013 und 2014 studierten europaweit rund 272.000 junge Menschen dank einer Erasmus-Förderung im Ausland; 15 Prozent dieses Austauschs fand zwischen dem Vereinigten Königreich und anderen europäischen Ländern statt. Von 290.000 Studierenden, die zwischen 2007 und 2013 ein Praktikum im Ausland absolvierten, erhielt ein Drittel hinterher ein Stellenangebot von seinen Arbeitgebern; zehn Prozent gründeten ein eigenes Unternehmen. Die Unterstützung im Erasmus Programm beträgt 274 Euro monatlich pro Studierendem. Was könnte eine bessere „Rendite“ sein als eine lebenslange hochqualifizierte Beschäftigung, soziale Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum in ganz Europa?</p><p><strong>Wir fordern, auch künftig in EU-Rahmenprogramme zu investieren, um die Qualität der Forschung in Europa zu erhalten und zu fördern ‒ Großbritannien eingeschlossen</strong>. Per Definition sind Europas Wissensgesellschaften auf die Generierung neuen Wissens angewiesen. Damit sich die Forschung hier maximal einbringen kann, müssen die besten Köpfe grenzüberschreitend an der Lösung wissenschaftlicher Herausforderungen arbeiten können. Die Zitationsquote nach Forschungsfeld für Publikationen aus EU-geförderter Forschung lag in den Jahren 2007 bis 2016 bei 2,44 (1 steht für den internationalen Durchschnitt) und übertraf damit bei weitem die national geförderte Forschung einzelner Staaten.</p><p><strong>Nur eine unbegrenzte Mobilität von Forschenden, Studierenden und ihren Familien stellt einen freien Ideen- und Gedankenaustausch sicher</strong>. Laut einer kürzlich in Nature veröffentlichten Studie werden „mobile Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ in Westeuropa um 47 Prozent häufiger zitiert als weniger mobile Forschende. Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind eine Bereicherung für ihr Gastland, aber von den international geknüpften Netzwerken profitiert auch ihr Herkunftsland. Ebenso sollten Studierende das Recht haben, ein Vollzeitstudium an der Universität zu absolvieren, die am besten zu ihren Interessen und Bedürfnissen passt. Die Wirtschaft eines Landes wie auch die Universitäten profitieren von den Fähigkeiten und von der Kreativität solcher Absolventeninnen und Absolventen.</p><p><strong>The Guild drängt darauf, die grenzüberschreitende Förderung für innovative Forschung langfristig sicherzustellen</strong>. Unsere Absolventeninnen und Absolventen sowie unsere Forschung sind der Schlüssel zum Erfolg für Industrie und Unternehmertum in Europa und für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte in einer beschleunigten Welt. Beispielsweise hat die „Clean Sky“-Initiative seit 2008 mehr als 600 öffentliche und private Partner in eine Zusammenarbeit mit der europäischen Luftfahrtindustrie gebracht: So kann die europäische Luftfahrt bei den Bemühungen um Emissionsreduzierung auch weiterhin eine Spitzenstellung einnehmen. Hier sind auch britische Konzerne wie Rolls Royce beteiligt, 16 von 90 teilnehmenden Universitäten sind britische Einrichtungen ‒ niemand kann Interesse daran haben, diesen Anteil zu reduzieren. Die Investition in grenzüberschreitende Kompetenzen und innovative Forschung ist die beste Garantie, dass Arbeitsplätze, die im Rahmen der Globalisierung verloren gegangen sind, durch hochqualifizierte Beschäftigung ersetzt werden.</p><p>PDF statement: &lt;link http: www.the-guild.eu blog guild-statement-on-brexit.pdf&gt;<a href="http://www.the-guild.eu/blog/guild-statement-on-brexit.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">www.the-guild.eu/blog/guild-statement-on-brexit.pdf</a><br>Blog: &lt;link http: www.the-guild.eu blog brexit.html&gt;<a href="http://www.the-guild.eu/blog/brexit.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.the-guild.eu/blog/brexit.html</a><br>Mini web article: &lt;link http: www.the-guild.eu news the-guild-releases-statement-on-brexit.html&gt;<a href="http://www.the-guild.eu/news/2017/the-guild-releases-statement-on-brexit.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.the-guild.eu/news/2017/the-guild-releases-statement-on-brexit.html</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14459</guid><pubDate>Tue, 14 Nov 2017 13:34:00 +0100</pubDate><title>Studientag 2017 für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studientag-2017-fuer-schuelerinnen-und-schueler-der-oberstufe/</link><description>Vom Kurzvortrag über den Infostand bis zur Laborführung: Die Universität Tübingen bietet am 22. November in vielfältigen Veranstaltungen Einblick in ihre Studiengänge</description><content:encoded><![CDATA[<p>Beim<strong> Studientag am Mittwoch, 22. November 2017</strong>, haben Schülerinnen und Schüler der Oberstufe die Möglichkeit, sich umfassend über das Studienangebot der Universität Tübingen zu informieren. Zu der Veranstaltung, die von der Zentralen Studienberatung koordiniert wird, werden wieder rund 8.000 Studieninteressierte erwartet. Für Fahrten zwischen dem Hauptbahnhof, der Neuen Aula und dem Hörsaalzentrum Morgenstelle steht ein kostenloser Bus-Shuttle zur Verfügung.</p><p>Vormittags bietet die Uni den Studieninteressierten an drei zentralen Veranstaltungsorten (Neue Aula, Kupferbau, Hörsaalzentrum Morgenstelle) insgesamt 78 Kurzvorträge und 37 Infostände der Fächer beziehungsweise Fachgebiete. Auch in diesem Jahr gibt es wieder Vorträge zu fächerübergreifenden Themen wie zum Beispiel Auslandssemester und BAföG. Neu ist in diesem Jahr, dass die Infostände im Talbereich in einem Infozelt hinter dem Kupferbau aufgebaut werden. Dies ist notwendig, da die Flure des Kupferbaus und der Neuen Aula aus brandschutztechnischen Gründen nicht mehr für den Infomarkt genutzt werden dürfen. Das Programm im Talbereich beginnt um 9.00 Uhr mit dem Infomarkt und den Vorträgen (hauptsächlich Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften). Ab 9.30 Uhr starten dann auch der Infomarkt sowie kurz darauf (9.45 Uhr) die Vorträge (zu den Natur- und Lebenswissenschaften) im Hörsaalzentrum Auf der Morgenstelle.</p><p>Im Rahmen des Nachmittagsprogramms (12.30 bis 16.00 Uhr) können sich die Schülerinnen und Schüler intensiver mit einem oder zwei Fächern beschäftigen. Die Fakultäten, Fachbereiche und Seminare laden zu vielfältigen Aktivitäten ein: Infovorträge, Teilnahme an Lehrveranstaltungen, (Labor-)Führungen sowie Gespräche mit Lehrenden und Studierenden aus dem höheren Semester.</p><p>Mit diesem umfassenden Angebot bietet der Studientag der Uni Tübingen eine gute Gelegenheit, sich erste Einblicke in die Themen, Voraussetzungen und Ziele sowie berufliche Chancen und Möglichkeiten von einem oder mehreren Fächern zu verschaffen.</p><p>Leider stellt die Deutsche Bahn AG in diesem Jahr kaum zusätzliche Transportkapazitäten bereit. Es werden lediglich bei drei Zügen zwei zusätzliche Haltestellen angefahren. Im Personennahverkehr in Richtung Tübingen muss besonders in der Zeit von 8 bis 10 Uhr mit deutlich mehr Fahrgästen gerechnet werden. Reisebusse können in der Europastraße auf der Busparkspur parken.</p><p>Das Programm sowie Hinweise zur Anreise unter: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de studientag&gt;www.uni-tuebingen.de/studientag</p><h3>Kontakt:</h3><p>Universität Tübingen<br>Zentrale Studienberatung <br>Hanna Rindfleisch<br>Telefon +49 7071 29-74210<br>&lt;link&gt;hanna.rindfleisch@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Studieninteressierte</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13575</guid><pubDate>Fri, 10 Nov 2017 12:57:00 +0100</pubDate><title>Der Mensch im Spiegel der Primatenforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-mensch-im-spiegel-der-primatenforschung/</link><description>CIN-Dialog 2017 geht dem Verhältnis von Mensch und Affe auf den Grund ‒ Expertinnen aus Verhaltensbiologie und Kulturwissenschaft führen öffentliches Streitgespräch </description><content:encoded><![CDATA[<p>Menschen erforschen das Leben der Affen – aber wollen sie so den Menschen im Affen verstehen, oder den Affen im Menschen? Lernen wir dabei überhaupt etwas über Affen? Oder interpretieren wir uns selbst in unsere nächsten Verwandten hinein? Und was lernen wir über uns selbst, wenn wir Affen erforschen, in freier Wildbahn oder im Labor? Nur im (Streit?-)Gespräch der Disziplinen finden wir Antworten auf diese Fragen.</p><p>Die nahe Verwandtschaft macht Affen zu unseren „Sparringspartnern“ im Ringen um Erkenntnis. Auf grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Tier sollen sie uns Antwort geben. Im Laborexperiment stellen wir ihnen dazu künstliche Aufgaben; die Verhaltensforschung in freier Wildbahn dagegen untersucht evolutionär gewachsenes, natürliches Verhalten. Beide Ansätze liefern Erkenntnisse, schaffen aber auch Probleme: Wie können wir unsere menschliche und auf menschliche Probleme fixierte Perspektive aufbrechen, und dabei noch etwas über uns selbst erfahren?</p><p>Der diesjährige CIN-Dialog, veranstaltet vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und dem Forum Scientiarum der Universität Tübingen, sucht nach Antworten im Beziehungsgeflecht zwischen uns und unseren engsten Verwandten. Das Thema wird im interdisziplinären Streitgespräch von einer Verhaltensbiologin und einer Kulturwissenschaftlerin sowie bei einem eintägigen Workshop diskutiert.</p><p>Das öffentliche Streitgespräch „<strong>Primate Science Fiction – Der Mensch im Spiegel der Primatenforschung. Perspektiven aus Natur- und Kulturwissenschaft” </strong>findet am <strong>Montag, den 20. November 2017, um 19 Uhr c.t.</strong>, im Audimax der Universität Tübingen statt (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz). Der Eintritt ist frei.</p><h3>Das Podium:</h3><p><strong>Julia Fischer</strong> ist Professorin für Primatenkognition an der Biologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen und Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Evolution von Kommunikation, Kognition und Sozialverhalten. Zusammen mit ihrem Team betreibt sie eine Feldstation im Senegal, wo sie freilebende Guineapaviane erforscht. Ihre Forschung machte sie in dem Buch „Affengesellschaft“ einem breiteren Publikum bekannt.</p><p><strong>Julika Griem</strong> ist Professorin für Englische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und leitet das Forschungskolleg „Schreibszene Frankfurt “. Seit dem Jahr 2016 ist sie Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Eines ihrer Forschungsfelder, zu denen sie mehrere Bücher veröffentlicht hat, sind Affen als Figuren anthropologischer und ästhetischer Reflexion.</p><p>Der Abend wird moderiert von der Journalistin und Pressereferentin Jessica Staschen. Sie war Redakteurin verschiedener Wissenssendungen („Plietsch“, NDR; „W wie Wissen“, ARD) und schult unter anderem Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Umgang mit Medien.</p><p>Begleitend findet <strong>am 20. November </strong>der internationale <strong>Workshop: „The Evolution of a Social Brain: Was können wir von nicht-menschlichen Primaten über den Menschen lernen?</strong>” statt. Es sprechen Dr. Claudio Tennie, Ur- und Frühgeschichte, Universität Tübingen; Dr. Arianna Ferrari, Ethik und Wissenschaftstheorie, Karlsruhe Institute of Technology (KIT); Dr. Daniel Hanus, MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig; Prof. Dr. Julia Fischer, Primatologie, Universität Göttingen und Deutsches Primatenzentrum und Prof. Dr. Julika Griem, Englische Literaturwissenschaft, Universität Frankfurt/M.</p><p>Weitere Informationen unter: &lt;link http: www.cindialogues.uni-tuebingen.de&gt;www.cindialogues.uni-tuebingen.de</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Niels Weidtmann<br>Universität Tübingen<br>Forum Scientiarum<br>Wissenschaftlicher Leiter<br>Tel. +49 7071-40716-0<br>&lt;link&gt;niels.weidtmann@fsci.uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de&gt;www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Paul Töbelmann<br>Universität Tübingen<br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br>Wissenschaftskommunikation<br>Tel.: +49 7071 29-89108<br>&lt;link&gt;paul.toebelmann@cin.uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.cin.uni-tuebingen.de&gt;www.cin.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13468</guid><pubDate>Fri, 10 Nov 2017 11:48:00 +0100</pubDate><title>Großes Fass im Schlosskeller des Schlosses Hohentübingen ab Januar 2018 wieder für Besucher zugänglich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grosses-fass-im-schlosskeller-des-schlosses-hohentuebingen-ab-januar-2018-wieder-fuer-besucher-zugaenglich/</link><description>Pressemitteilung von Vermögen und Bau Baden–Württemberg, Amt Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-11-10Fassekeller2.jpg" length="1157598" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Ab Januar 2018 kann das „Große Fass“ im Tübinger Schlosskeller von Besucherinnen und Besuchern wieder besichtigt werden. Das 1546 erbaute Fass gilt als das älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt und als größtes je mit Wein befülltes. Es ist rd. 4,0 m hoch, rd. 4,0 m breit und rd. 7,0 m lang. Sein Fassungsvermögen liegt bei rund 84.000 Liter. Das Fass war seit 1994 aus Sicherheits- und Naturschutzgründen  für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.</p><p>Wie der Leiter des Amtes Tübingen des Landesbetriebs Vermögen und Bau  Baden-Württemberg, Bend Selbmann, am Freitag mitteilte, wurden die Bauarbeiten zur Erschließung des „Großen Fasses“ Ende Oktober abgeschlossen. Damit wird ein lang gehegter Wunsch der Tübinger Bevölkerung erfüllt.</p><p>Schon 2012 hatte Oberbürgermeister Boris Palmer, wie er anlässlich der Vorbesichtigung am Freitag, 10.11.2017 sagte „auf einem alten Foto eine Türe hinter dem Fass entdeckt, durch die man offensichtlich nach oben gelangen konnte, ohne die Fledermäuse im hinteren Teil des Schlosskellers zu stören.“</p><p>Gemeinsam mit dem zuständigen Bauamt des Landes wurde ein Weg erschlossen, der aus den Räumen des Museums der Universität MUT direkt zum Großen Fass führt. Zunächst wurde die fledermausfreundliche Gestaltung einer Besucherplattform geplant und erprobt und eine restauratorische Begutachtung des Fasses durchgeführt.</p><p>Die erforderlichen rund 170 000 Euro wurden gemäß einer Vereinbarung der Stadt mit dem Land aus dem Nachlass von Gudrun Schaal und Stefanie Wechsler bereitgestellt. (Gudrun Schaal und Jule Gastl waren 1949 die Gründerinnen der Buchhandlung „Gastl“. Nach dem Tod von Gudrun Schaal im Jahr 2007 ging das Erbe zunächst an die Mitbewohnerin Stefanie Wechsler (gestorben 2011) und dann an die Allgemeinheit.)</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="433485" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-10Fassekeller1_b72f7e123c.jpg" alt title height="200" width="300" style></td><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="433483" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-11-10Fassekeller3_e32578273d.jpg" alt title height="200" width="300" style></td></tr><tr><td>Großes Fass im Schlosskeller mit Besuchern</td><td>„Große Fass“ im Tübinger Schlosskeller (Innenansicht)</td></tr></tbody></table></div></div><p>Im Zuge der Bauarbeiten wurde das Fass durch eine hölzerne Treppenanlage mit einem aufgeständerten Holzpodest erschlossen. Darüber hinaus wurde eine Brandmeldeanlage eingebaut und ein zweiter Rettungsweg angelegt.  Die gesamte Anlage ist so gestaltet, dass man den weiteren Schlosskeller nicht begehen kann.</p><p><br>Die Einbauten mussten wegen des Denkmalschutzes reversibel sein.</p><p>Das Fass selbst war im oberen Teil bereits auseinandergebrochen und hatte sich zum Keller hin nach vorne geneigt. Die Restaurierung diente daher der statischen Stabilisierung und Instandsetzung.</p><p>Ganz besonders wichtig war aber der Schutz der Fledermäuse, die ja die Hauptbe-wohner im Schlosskeller sind. In engster Abstimmung mit der wissenschaftlichen Be-gleiterin der Fledermäuse, Ingrid Kaipf, wurde festgelegt, dass möglichst kein Metall verbaut wird, um den Orientierungssinn der Tiere nicht zu irritieren, und die Beleuchtung minimal gehalten wird. Ein temporär einsetzbarer Vorhang wird das Fass vom Fledermaushabitat trennen.</p><p>Ab Januar 2018 bis Ende Februar 2018 werden erste öffentliche Führungen möglich sein (Eingewöhnungs- und Versuchsphase). Dabei werden Geräusch- und Tempera-turmessungen erfolgen. <br>Nach dieser ersten Phase sind evtl. auch längere Zeiträume im Winterhalbjahr (November bis März) denkbar, in denen das Fass für Besucherinnen und Besucher zugänglich sein wird . Dies, so Ingrid Kaipf „hängt aber von der Bestandsentwicklung der Kolonie bzw. der Nutzung des Kellers als Winterquartier ab.“</p><p>Der Direktor des MUT, Prof. Dr. Ernst Seidl, freut sich sehr über diese Entwicklung: „Nachdem das älteste biochemische Labor vor zwei Jahren zugänglich wurde und im Sommer 2018 die Sternwarte zum 200jährigen Jubiläum der württembergischen Landvermessung restauriert und museal erschlossen wird, ist dies erneut ein historisch wichtiger und für alle Besucher höchst spannender Ort, der nun noch geöffnet wird. Der Besuch des Fasses wird in die Highlightführungen im Museum integriert, so dass einem nichts Wichtiges auf dem Schloss entgeht.“</p><h3>Kontakt:</h3><p>Bernd Selbmann<br>Vermögen und Bau Baden – Württemberg, Amt Tübingen<br>Schnarrenbergstraße 1<br>72076 Tübingen<br>T.: 07071 29 79001<br>E.: &lt;link&gt;bernd.selbmann@vbv.bwl.de</p><h3>Datenblatt:</h3><p>Objekt: Schloss Hohentübingen, Fasskeller</p><p>Bauherr:Land Baden – Württemberg<br>vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau BW, Amt Tübingen</p><p>Planung/<br>Bauleitung: Sigmar Lenz, Freier Architekt, Tübingen</p><p>Gesamtbaukosten: 170 000 €</p><p>Bauzeit: 2015 – 2017 (monatsweise nach Fledernmaushabitatsnutzung)</p><p>Am Bau Beteiligte:  <br>Architekt: Sigmar Lenz, Tübingen<br>Elektro: Zürn GmbH, Dusslingen<br>Restaurator:  ADI Hummel GmbH, Heiligenberg<br>Holzbau: Zimmerei Mildner GmbH, Tübingen<br>Schlosser:  E.Schramm GmbH, Tübingen<br>Blendschutz:  Nedele Raumausstattung, Reutlingen<br>Brandmeldeanlage: Siemens AG, Niederlassung Tübingen</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/8/0/csm_17-11-10Fassekeller2_7f947a3e9d.jpg" lenght="1157598" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13780</guid><pubDate>Fri, 27 Oct 2017 10:57:00 +0200</pubDate><title>Wie Pflanzen das Muster für ein neues Blatt anlegen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-pflanzen-das-muster-fuer-ein-neues-blatt-anlegen/</link><description>Forscherin der Universität Tübingen untersucht die Rolle von kleinen RNAs bei der Kommunikation der Zellen untereinander</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-27_Dev_Cell_kleineRNAs_Timm_021.jpg" length="334737" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn sich ein vielzelliges Lebewesen entwickelt, muss jede Zelle ihre Position im wachsenden Organismus im Verhältnis zu den anderen kennen. Die Zellen müssen also ständig miteinander kommunizieren. Sie spezialisieren sich in unterschiedlicher Weise, so bildet sich ein Muster, aus dem Form oder Gestalt von Geweben und Organen hervorgehen. Bei Tieren ist schon viel über die beweglichen Signale und Mechanismen bekannt, die diese Musterbildung steuern. Bei Pflanzen ist das anders, denn die vielzelligen Pflanzen haben sich in der Evolution unabhängig von den vielzelligen Tieren entwickelt. Professorin Marja Timmermans vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen hat gemeinsam mit Kollegen vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York entdeckt, dass die Zellkommunikation bei der Musterbildung von Pflanzen auch über einen bisher unbekannten Mechanismus läuft. Dabei bilden sogenannte kleine RNAs wichtige bewegliche Signale und Steuerelemente. Kleine RNAs waren in der Pflanzenforschung bisher vor allem durch ihre Rolle bei Abwehrmechanismen gegen Fressfeinde oder Krankheitserreger bekannt. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Developmental Cell veröffentlicht.</p><p><br>„In Tübingen hat die Forschung über Musterbildung bei Vielzellern eine lange Tradition“, hebt Marja Timmermans hervor. „In den frühen 1970er Jahren erforschten die Professoren Hans Meinhardt und Alfred Gierer, am damaligen Max-Planck-Institut für Virusforschung grundlegende Prinzipien zur Musterbildung in Zellpopulationen. Professorin Christiane Nüsslein-Volhard, Direktorin am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, erhielt 1995 den Nobelpreis für ihre Arbeiten zur genetischen Kontrolle der Musterbildung im Ei der Fruchtfliege Drosophila.</p><p><br>Bei tierischen Vielzellern läuft die Zellkommunikation und Musterbildung vielfach über bewegliche Signalstoffe, die ein Konzentrationsgefälle bilden. Je nach Konzentration, häufig abhängig von einem Schwellenwert, spezialisieren sich die Zellen für unterschiedliche Aufgaben. Diesen Mechanismus, so konnte nun gezeigt werden, gibt es auch bei Pflanzen, allerdings sind dort andere Signalstoffe im Einsatz. Anders als bei Tieren können die Zellen einer Pflanze über Plasmabrücken verbunden sein, über die sich Regulationsfaktoren durch das ganze System bewegen und so zur Bildung von Mustern beitragen. Marja Timmermans und ihre Kollegen sind Hinweisen nachgegangen, dass außerdem kleine RNAs an der Musterbildung beteiligt sein könnten. Kleine RNAs sind kurze Ketten, die passgenaue Gegenstücke zu bestimmten Regulierungsbereichen der Erbinformation in der DNA oder RNA bilden. Sie können sich anlagern und so die Ablesung jeweils bestimmter Gene verhindern. Die kleinen RNAs ermöglichen eine sehr feine Regulierung der Proteinproduktion und somit auch der Entwicklungsvorgänge in den Zellen.</p><p><strong>Leistungsfähiger Mechanismus zur Weitergabe von Positionsinformationen</strong></p><p><br>An einer Modellpflanze der Genetik, der Schaumkresse mit dem lateinischen Namen Arabidopsis, hat das Forscherteam untersucht, welche Rolle die kleinen RNAs bei der Anlage und Entwicklung eines neuen Blatts haben. Dabei veränderten die Forscher unter anderem durch künstliche kleine RNAs die Konzentration dieser Steuerungselemente und beobachteten, wie die Zellen des wachsenden Blatts reagierten. „Überraschend war, dass die kleinen RNAs ein stabiles Entwicklungsmuster hervorbringen können“, sagt Marja Timmermans. Ähnlich wie die beweglichen Signalstoffe bei Tieren bilden die kleinen RNAs ein Konzentrationsgefälle aus. „Anders als klassische Entwicklungssignale arbeiten die kleinen RNAs mit hoher Spezifizität, und sie können direkt in die Genaktivität eingreifen“, sagt die Wissenschaftlerin.</p><p><br>Die kleinen RNAs könnten daher auch ohne Rückkoppelungsschleifen die Aktivität bestimmter Gene ortsabhängig mit scharfen Grenzen regeln. „Bewegliche kleine RNAs bieten einen leistungsfähigen und direkten Mechanismus zur Weitergabe von Positionsinformationen. Sie können präzise Entwicklungsmuster ausbilden“, sagt die Wissenschaftlerin zusammenfassend.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="431548" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-27_Dev_Cell_kleineRNAs_Timm_044_e1d548fed7.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td>Schaumkresse (Arabidopsis). Foto: Gunther Willinger/Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Damianos S. Skopelitis, Anna H. Benkovics, Aman Husbands, and Marja C. P. Timmermans: Boundary Formation Through a Direct Threshold-Based Readout of Mobile Small RNA Gradients. Developmental Cell, Online-Vorabveröffentlichung am 26. Oktober 2017.</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Marja Timmermans<br>Alexander von Humboldt-Professur<br>Universität Tübingen <br>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br>Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)<br>Telefon +49 7071 29-78099<br>&lt;link&gt;marja.timmermans[at]zmbp.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-27_Dev_Cell_kleineRNAs_Timm_021.jpg" lenght="334737" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15241</guid><pubDate>Wed, 25 Oct 2017 14:21:00 +0200</pubDate><title>Neue Professorinnen und Professoren an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-professorinnen-und-professoren-an-der-universitaet-tuebingen-2/</link><description>Eine Kurzvorstellung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in den vergangenen Monaten den Ruf an die Universität Tübingen angenommen. Im Folgenden möchten wir sie Ihnen kurz vorstellen. Weitere neue Professoren des vergangenen Jahres werden in attempto online porträtiert unter &lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/62174?tx_ttnews[tt_news]=47906" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/62174</a>.</p><h3>Juniorprofessor Dr. Matthew Gardner<br>Juniorprofessur für Musikwissenschaft (Philosophische Fakultät)</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430980" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Gardner_Matthew_467973de2a.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="200" width="267">Dr. Matthew Gardner ist zum Wintersemester 2017/18 auf eine Juniorprofessur für Musikwissenschaft berufen worden. Er studierte von 2000 bis 2003 Musik an der Universität Newcastle upon Tyne mit den Schwerpunkten Musikwissenschaft, Orgel und Cembalo. Nach einem Aufbaustudium in Musikwissenschaft und Anglistik promovierte er 2007 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg über Handel and Maurice Greene’s Circle at the Apollo Academy: the Music and Intellectual Contexts of Oratorios, Odes and Masques. In der Dissertation untersuchte er den intellektuellen Kontext (Literatur, Philosophie, Politik, Identität) der Werke von Georg Friedrich Händel und verglich sie mit Werken dessen englischer Zeitgenossen, wie Maurice Greene, John Stanley, William Boyce und Michael Christian Festing.</p><p>Seit 2007 war er am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg tätig. Von 2011 bis 2014 war er Projektleiter im Forschungsprojekt „The Business of Singing in England 1660–1760“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Anschließend wurde er Arbeitsstellenleiter des Forschungsprojekts „OPERA – Spektrum des europäischen Musiktheaters in Einzeleditionen“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, angesiedelt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.</p><p><br>Gardners Forschungsschwerpunkte liegen in der englischen Musik. Insbesondere interessiert er sich für Georg Friedrich Händel und dessen Zeitgenossen, englische Sängerinnen und Sänger von 1660 bis 1760 sowie Editionspraxis und Aufführungspraxis. Darüber hinaus forscht er zur Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und deren intellektuellem Kontext aus Politik, nationaler Identität, Religion, Kunst und Literatur. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Professor Dr. Kamran Ghoreschi<br>Professur für Dermatologie mit Schwerpunkt Allergologie und Immunologie (Med. Fakultät) </h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430981" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Ghoreschi_Kamran_56f32bc438.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="200" width="300">Professor Kamran Ghoreschi (geb. 1970) wurde von der Medizinischen Fakultät auf eine Professur für Dermatologie mit Schwerpunkt Allergologie und Immunologie berufen. Die medizinische Ausbildung Ghoreschis begann an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Im Jahr 2000 erhielt er die Approbation als Arzt und promovierte 2001 über die Funktion von Immunzellen im Dünndarmepithel. 2003 wurde er Laborleiter an der Universitäts-Hautklinik in Tübingen. 2006 beendete er die Facharztausbildung für Haut- und Geschlechtskrankheiten und übernahm die Leitung des Psoriasis-Studienzentrums am Universitätsklinikum Tübingen. Dort erforschte und behandelte er die Psoriasis-Krankheit (Schuppenflechte) und war an der Entwicklung neuer Therapiestrategien beteiligt. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt an den National Institutes of Health (NIH) in den Vereinigten Staaten habilitierte er sich 2011 über „Immunmodulation als Therapie für T Zell-mediierte Autoimmunkrankheiten“. Darin entwickelte er neue Behandlungsmethoden für Autoimmunerkrankungen, also Krankheiten bei denen das Immunsystem aufgrund einer Fehlfunktion körpereigene Strukturen angreift, beispielsweise Multiple Sklerose oder Schuppenflechte. Seither war er als Oberarzt und leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Tübingen tätig und forschte unter anderem zu immunologischen und molekularen Mechanismen von Entzündungskrankheiten. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Juniorprofessorin Dr. Julia Hapke<br>Juniorprofessur für Fachdidaktik des Sports (Wirtschafts- und Sozialw. Fakultät)</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430983" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Hapke__Julia_92fed8f7fb.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300">Dr. Julia Hapke (geb. 1984) wurde zum Wintersemester 2017 auf eine Juniorprofessur für Fachdidaktik des Sports am Institut für Sportwissenschaft berufen. Hapke studierte in Mainz Sport und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien. Nach dem ersten Staatsexamen war sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena am Lehrstuhl für Sportpädagogik und Sportdidaktik tätig. Anschließend promovierte sie 2016 im gleichen Fachbereich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Erziehender Sportunterricht zwischen Anspruch und Wirklichkeit – eine differenzanalytische Untersuchung zur Umsetzung pädagogischer Perspektiven“ untersuchte sie, wie und warum zentrale normative Leitideen der sportdidaktischen Diskussion in der Praxis von Sportlehrenden umgesetzt – beziehungsweise nicht umgesetzt – werden. Parallel zur universitären Laufbahn war sie als Lehrkraft an verschiedenen Schulen in Hessen und Bayern tätig.</p><p>In ihrer Forschung beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit der Professionalität und Professionalisierung von Sportlehrenden, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung und Gestaltung von Lehramtsstudiengängen. Bildungswissenschaftliche und sportdidaktische Konzepte wie Kompetenzorientierung und Mehrperspektivität stehen dabei im Fokus ihrer sowohl normativen als auch empirischen Zugänge. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Professor Dr. Stefan Huber<br>Professur für Bürgerliches Recht, Zivilprozess- und Insolvenzrecht, Europäisches und Internationales Privat- und Verfahrensrecht (Juristische Fakultät)</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430985" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Huber_Stefan_b8c13e9a9b.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300">Professor Stefan Huber (geb. 1975) ist zum August 2017 auf eine Professur für Bürgerliches Recht, Zivilprozess- und Insolvenzrecht, Europäisches und Internationales Privat- und Verfahrensrecht an die Juristische Fakultät berufen worden. Er wechselt von der Leibniz Universität Hannover nach Tübingen. Dort hatte er seit 2014 den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung inne und war Direktor des Instituts für Internationales Recht. Im Zentrum seiner Forschungsinteressen steht die Behandlung grenzüberschreitender Sachverhalte, die privatrechtliche Fragestellungen aufwerfen.</p><p>Seine juristische Ausbildung begann er an der Universität zu Köln und der Universität Paris I (Panthéon-Sorbonne), wo er die Maîtrise en Droits Français et Allemand erwarb. Anschließend wechselte er an die Universität Heidelberg, legte dort 2001 das erste juristische Staatsexamen ab und war bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für ausländisches und internationales Privat- und Wirtschaftsrecht. In seiner Dissertation ging er der Frage nach, wie für Zivilverfahren mit grenzüberschreitendem Charakter Modellregeln entwickelt werden können, die der Internationalität des Rechtsstreits angemessen Rechnung tragen. Das Referendariat absolvierte er unter anderem beim 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart, der auf internationale Rechtsstreitigkeiten spezialisiert ist. Anschließend kehrte er an die Universität Heidelberg zurück und habilitierte sich 2014 mit einer Arbeit zur Erfüllungshaftung Vertragsfremder. Stefan Huber ist Mitglied einer internationalen Arbeitsgruppe zu Prozessrechtsvergleichung und Sekretär der Fachgruppe Zivilrecht bei der Gesellschaft für Rechtsvergleichung. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Professorin Dr. Claudia Mayer<br>Professur für Bürgerliches Recht, Deutsches und Internationales Zivilverfahrensrecht (Juristische Fakultät</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430977" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Mayer_Claudia_27a58c16f4.jpg" alt="Foto: Pierre Bounin/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="200" width="300">Professorin Claudia Mayer (geb. 1984) ist zum Sommersemester 2017 auf den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches und Internationales Zivilverfahrensrecht berufen worden. Sie war zuletzt als Akademische Rätin an der Universität Passau tätig.</p><p>Mayer studierte Jura mit Schwerpunkt Zivilrechtspflege in Passau. Nach dem ersten Staatsexamen promovierte sie über die „Sicherheitsleistung durch Bankbürgschaft im Zivilprozess“. Danach legte sie 2011 das zweite Staatsexamen ab. Bei einem anschließenden Masterstudium an der University of Chicago erweiterte sie ihr Wissen über nationales Recht um eine internationale Perspektive.</p><p>In ihrer Habilitation behandelte Mayer das Thema „Haftung und Paarbeziehung – Ein Beitrag zu den Rechtspflichten in familienrechtlichen Lebensgemeinschaften und den Haftungsfragen im Innen- und Außenverhältnis“. Gleichzeitig erwarb sie die Lehrerlaubnis für Bürgerliches Recht, Zivilverfahrensrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit nationalem und internationalem Zivilverfahrensrecht und Familienrecht. Mayer wurde unter anderem mit einem Preis für gute Lehre ausgezeichnet und engagierte sich in der Vergangenheit im Bereich der Nachwuchsförderung insbesondere der studentischen Rechtsberatung der Universität Passau. Foto: Pierre Bounin/Universität Tübingen</p><h3>Professor Dr. Martin Seeleib-Kaiser <br>Professur für Vergleichende und Angewandte Politikfeldanalyse (Wirtschafts- und Sozialw. Fakultät</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430990" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Seeleib-Kaiser_Martin_133f252b57.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300">Professor Martin Seeleib-Kaiser (geb. 1964) tritt zum Wintersemester 2017 eine Professur für Vergleichende und Angewandte Politikfeldanalyse an. Zurzeit ist Seeleib-Kaiser noch Barnett Professor für Vergleichende Sozialpolitikforschung und Politikwissenschaft an der Universität Oxford sowie Gastwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen der vergleichenden Sozialpolitikforschung unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Rechte von EU-Bürgern. Zuvor hat er unter anderem Forschungsprojekte zu Fragen der Globalisierung und Sozialpolitik, dem Wechselspiel zwischen öffentlicher und privater Absicherung sowie der Bedeutung von politischen Parteien für den Wohlfahrtsstaat durchgeführt. Von 2008 bis 2012 hat er die EU-Kommission als Mitglied des Expertennetzwerks für Sozialschutz beraten.</p><p>Seeleib-Kaiser hat von 1984 bis 1989 Politikwissenschaften, Amerikanistik und Öffentliches Recht an der Ludwigs-Maximilian-Universität München studiert. 1992 promovierte er dort über Entscheidungsprozesse in der US-amerikanischen Sozialpolitik. Von 1993 bis 2002 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, währenddessen ging er von 1999 bis 2002 als Gastdozent des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an die Duke University in Durham, USA. Nach seiner Rückkehr aus den USA arbeitete er bis 2004 als Wissenschaftlicher Assistent und Privatdozent am Zentrum für Sozialpolitik und dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen. 2003/04 hatte er eine Vertretungsprofessur für Sozialpolitik an der Universität Bielefeld inne. Seit 2004 lehrt und forscht Seeleib-Kaiser an der Universität Oxford. Zudem war er Gastwissenschaftler an einer Reihe internationaler Universitäten und Forschungsinstitute, unter anderem an der George Washington University (USA), der Shizouka University (Japan), der Aalborg University (Dänemark) und dem Wissenschaftszentrum Berlin. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Juniorprofessorin Dr. Kristina Strohmaier<br>Juniorprofessur für Public Economics (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430988" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Strohmaier_Kristina_ec896435eb.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300">Kristina Strohmaier (geb. 1989) wurde zum Wintersemester 2017 auf die Juniorprofessur für Public Economics berufen. Sie erwarb an der Universität Hohenheim zwei Masterabschlüsse, in Economics sowie in Management, ehe sie 2015 als Doktorandin an die Ruhr-Universität Bochum wechselte. Ihre Dissertation „Essays on Public Economics and Policy“ umfasste vier empirische Beiträge im Bereich der Steuer- und Bildungspolitik. Seit 2015 war sie zudem Lehrbeauftrage an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, seit 2016 forschte und lehrte sie auch an der Universität Hohenheim.</p><p>In ihrer Forschung beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit Steuerwettbewerb und Steuerhinterziehung von Individuen wie auch Firmen, insbesondere in Entwicklungsländern. Außerdem interessiert sie sich für Fragen der Bildungsökonomik und untersucht dort die Wirtschaftlichkeit von Bildungsausgaben, mit Fokus auf der optimalen Ausgestaltung von Schulübergangsregelungen. In diesem Kontext untersucht sie auch die Effizienz eines dreigliedrigen Schulsystems im Vergleich zu einem Gesamtschulsystem. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Professor Dr. Hong Yu Wong<br>Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Kognitionswissenschaft (Philosophische Fakultät)</h3><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="430992" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_Wong_Hong_Yu_775601d1c5.jpg" alt="Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300">Professor Hong Yu Wong wurde zum Wintersemester 2017 auf eine Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Kognitionswissenschaft berufen. Wong ist in Singapur geboren und studierte in London Philosophie. 2009 machte er seinen Ph.D. in Philosophie unter dem Titel „The Intimate Connexion: Bodily Awareness and Bodily Agency“. Darin beschäftigte er sich mit Körperbewusstsein und Körper-Agency. Als Körper-Agency wird die individuelle Handlungsfähigkeit bezeichnet, die von persönlichen, sozialen oder technischen Möglichkeiten bestimmt wird.</p><p>Wong ist seit 2010 Nachwuchsgruppenleiter am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und forscht dort unter anderem an Phänomenen wie Bewusstsein, Wahrnehmung und Aktion, Körperwahrnehmung und Rationalität. In einem interdisziplinären Ansatz bringt er dabei philosophische und neurowissenschaftliche Perspektiven zusammen. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-76788<br>karl.rijkhoek[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14607</guid><pubDate>Tue, 24 Oct 2017 09:40:00 +0200</pubDate><title>Gastprofessur an der Katholisch-Theologischen Fakultät zum Thema „Neurechtes Christentum“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gastprofessur-an-der-katholisch-theologischen-fakultaet-zum-thema-neurechtes-christentum/</link><description>Sonja Angelika Strube kommt im Rahmen des TEAching Equality-Programms zur Verbesserung der Chancengleichheit zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an die Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zum Thema „Neurechtes Christentum“ hat die Theologin PD Dr. Sonja Angelika Strube im aktuellen Wintersemester 2017/18 sowie im Sommersemester 2018 eine Gastprofessur an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen inne. Die Gastprofessur wird im Rahmen des TEAching Equality-Programms zur Förderung von Frauen in Fächern mit geringem Frauenanteil von der Universität Tübingen finanziert.</p><p><br>Die Gastprofessur „Neurechtes Christentum“ hat einen (nicht nur) in Deutschland auffälligen Sachverhalt zum Thema: Jenseits von Konfessionsgrenzen erstarken in bestimmten christlichen Milieus fremdenfeindliche Einstellungen und Überzeugungen, überhaupt eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Einige sich christlich verstehende Personen und Kreise engagieren sich für die Verteidigung ihrer Vorstellung eines christlichen Abendlandes in rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen und Strömungen. Im Internet betreiben sie Seiten mit radikalen und reaktionären Inhalten, hetzen gegen abweichende Einstellungen und Überzeugungen, zum Teil auch gegen kirchliche Institutionen und Amtsinhaber.</p><p><br>Diese Form des Christentums und dessen gesellschaftliche Präsenz wird Sonja Strube während ihrer Gastprofessur in Forschung und Lehre untersuchen. Die Wissenschaftlerin will die darin liegenden theologischen Herausforderungen bearbeiten und die Studierenden auf die praktisch-seelsorglichen Herausforderungen durch neurechts engagierte Christinnen und Christen, deren Zirkel und deren Medienpräsenz vorbereiten. Da neben Fremden- und Islamfeindlichkeit vor allem Anti-Feminismus und Anti-Genderismus zentrale Themen rechtschristlicher Kreise ebenso wie der politischen extremen Rechten sind, werden gerade auch diese Momente in der Lehre der Gastprofessur bearbeitet. Mithin stehen ausdrücklich frauenpolitische Themen auf der Agenda der Gastprofessorin.</p><p><br>In der Katholischen Theologie war Sonja Strube die erste Theologin, die zu dem Themenfeld „Rechtspopulismus und Christentum“ Forschungsprojekte betreibt und Arbeiten veröffentlichte. Von ihr liegen zahlreiche Veröffentlichungen zu dem Thema vor. Im Wintersemester 2017/2018 wird sie die Lehrveranstaltungen „Werte einer offenen Gesellschaft und deren Feinde. Gesellschaftskonzepte neurechter und rechts-christlicher Milieus im Spiegel christlicher Sozialethik“ und „Nicht ohne die Anderen: Christliche Praxis zwischen Diversität und Rechtspopulismus“ anbieten sowie ein Promotionskolloquium zu „Rechtspopulismus und Christentum“. Im kommenden Sommersemester stehen die beiden Veranstaltungen auf dem Programm „Wie lesen Rechtspopulisten welche Bibel? Die Bibel in rechtspopulistischen Argumentationszusammenhängen“ und „Politisches Engagement aus christlicher Motivation – für und gegen die ‚Demo für alle‘“.</p><p><br>Mit dem TEAching Equality-Programm der Universität Tübingen sollen Studentinnen in Fächern mit einem geringen Frauenanteil für eine wissenschaftliche Laufbahn gewonnen werden. Mit der Einrichtung der Gastprofessur signalisiert die Katholisch-Theologische Fakultät Interesse, den Anteil von Professorinnen am Lehrpersonal in Zukunft weiter auszubauen.</p><h3><br>Weitere Informationen:</h3><p>Zur Gastprofessur<br>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de&gt;www.uni-tuebingen.de/index.php?id=110770</p><p><br>Zum TEAching Equality-Programm<br>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de&gt;www.uni-tuebingen.de/index.php?id=1685</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>PD Dr. Sonja Strube ist über Herrn Prof. Möhring-Hesse zu erreichen.</p><p><br>Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse<br>Universität Tübingen <br>Katholisch-Theologische Fakultät<br>Lehrstuhl für Theologische Ethik/Sozialethik<br>Telefon +49 7071 29-78071 oder -76976<br>&lt;link&gt;matthias.moehring-hesse[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14386</guid><pubDate>Mon, 23 Oct 2017 13:14:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Archäologen entdecken Keilschriftarchiv in der kurdischen Region des Irak</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-archaeologen-entdecken-keilschriftarchiv-in-der-kurdischen-region-des-irak/</link><description>93 Texttafeln in assyrischer Sprache aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. warten auf Entzifferung</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_1_web.jpg" length="313810" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>In der Region Kurdistan im Norden des Irak haben Archäologen des Instituts für die Kulturen des Alten Orients der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Peter Pfälzner bei ihren Ausgrabungen in der alten Stadt Bassetki überraschende Entdeckungen gemacht: Sie stießen unter anderem auf ein Keilschriftarchiv mit 93 Tontafeln, das sie in die Zeit um 1250 v. Chr. datieren, die Periode des mittelassyrischen Reichs. Was auf den Texttafeln festgehalten ist, bleibt vorerst ein Geheimnis. Sie müssen entziffert werden, was nach Einschätzung der Forscher aufwendig und langwierig werden könnte.</p><p><br>Die bronzezeitliche Stadtanlage von Bassetki wurde erst 2013 bei Geländeforschungen im Rahmen des Tübinger Sonderforschungsbereichs „RessourcenKulturen“ (SFB 1070) entdeckt. Die Tübinger Archäologen konnten ihre Arbeiten in diesem Jahr auch im September und Oktober ungestört fortsetzen, trotz der Turbulenzen um das kurdische Unabhängigkeitsreferendum und der heftigen Reaktionen der umliegenden Regierungen. In den vergangenen Monaten legten die Forscher Siedlungsschichten aus der Frühen, Mittleren und Späten Bronzezeit sowie der nachfolgenden Assyrischen Periode frei. „Die Funde belegen, dass dieses frühe städtische Zentrum in Nordmesopotamien jahrhundertelang, von ca. 3000 bis 600 v. Chr., nahezu ununterbrochen besiedelt war. Dies weist auf eine herausgehobene Bedeutung Bassetkis an wichtigen alten Handelsrouten hin“, sagt Peter Pfälzner.</p><h3><br>Schicht aus der Zeit des wenig erforschten Mittani-Reichs</h3><p>Erstmals kam an diesem Ort nun auch eine Schicht aus der Zeit des noch wenig erforschten Mittani-Reichs (ca. 1550 – 1300 v. Chr.) zu Tage. Zwei in dieser Schicht gefundene mittanische Keilschrifttafeln berichten von intensiven Handelsaktivitäten der Bewohner der Stadt um die Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr., die wohl durch ihre Lage an den Handelswegen von Mesopotamien nach Anatolien und Syrien florierte.</p><p><br>In der darauffolgenden Periode des mittelassyrischen Reichs erlebte die Stadt eine neue Blüte. Die Forscher aus Tübingen, die in Kooperation mit Dr. Hasan Qasim von der Antikendirektion der Region Dohuk arbeiten, entdeckten ein Keilschriftarchiv mit 93 Tontafeln aus dieser Zeit, das um 1250 v. Chr. zu datieren ist. Alleine 60 dieser beschriebenen Tontafeln waren in einem Keramikgefäß niedergelegt, welches wohl zur Archivierung der Texte diente. Das Gefäß fanden die Ausgräber in einem zerstörten Raum eines mittelassyrischen Gebäudes; dort war es zusammen mit zwei weiteren Gefäßen mit einem dicken Lehmmantel umhüllt worden. „Das Gefäß wurde möglicherweise auf diese Weise versteckt, unmittelbar nachdem das umgebende Gebäude zerstört worden war. Vielleicht sollten die enthaltenen Informationen geschützt und für die Nachwelt aufbewahrt werden“, erläutert Peter Pfälzner. Es ist allerdings noch nicht klar, ob es sich um wirtschaftliche Aufzeichnungen, juristische oder religiöse handelte. „Ein kleines Fragment einer Tontafel hat unsere Philologin Dr. Betina Faist bereits entziffert. Dort wird ein Tempel der Göttin Gula erwähnt, sodass möglicherweise ein religiöser Kontext in Betracht zu ziehen ist“, sagt der Wissenschaftler.</p><h3><br>Bei der Entzifferung stehen die Wissenschaftler vor einer großen Herausforderung</h3><p>Vor Ort haben die Wissenschaftler die Tontafeln mit modernen computergestützten Fotografie-Methoden aufgenommen, aus denen Texturbilder mit veränderbarer Lichtquelle entstehen. Die aufwendige Arbeit des Lesens und Übersetzens der 93 Keilschrifttafeln in assyrischer Sprache beginnt allerdings erst jetzt in Deutschland, nach Rückkehr des Teams aus dem Irak. Da viele der Tontafeln ungebrannt und stark abgerieben sind, stellt die Entzifferung eine große Herausforderung dar und wird lange Zeit in Anspruch nehmen. Peter Pfälzner hofft, dass sich aus den Texten zahlreiche neue Kenntnisse über die Geschichte, Gesellschaft und Kultur dieser bisher kaum erforschten Region Nordmesopotamiens im zweiten Jahrtausend v. Chr. ablesen lassen werden.<br><br></p><h3><br><br>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Peter Pfälzner<br>Universität Tübingen <br>Institut für die Kulturen des Alten Orients<br>Telefon +49 7071 29-78530<br>&lt;link&gt;peter.pfaelzner[at]uni-tuebingen.de</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="430556" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_2_web_4932d14254.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td>Bild 2: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Die Entdeckung des Keilschriftarchivs. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="430547" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_3_web_64d3b34c34.jpg" alt height="450" width="300" style></td><td>Bild 3: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Das Freilegen des Keramikgefäßes mit den Keilschrifttafeln. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="430551" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_4_web_bd845425b4.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td><br>Bild 4: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Gefäße im zerstörten Raum eines mittelassyrischen Gebäudes werden freigelegt. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="430554" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_5_web_41f06153f3.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td>Bild 5: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Die im zerstörten Raum des mittelassyrischen Gebäudes zurückgelassenen Keramikgefäße. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="430552" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_6_web_af5323c364.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td><br>Bild 6: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Eine Tontafel auf dem Fußboden des zerstörten mittelassyrischen Gebäudes wird vorsichtig freigelegt. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="430549" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_7_web_c916e4110b.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td>Bild 7: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Die Grabungsstelle mit dem zerstörten mittelassyrischen Gebäude am Osthang des alten Siedlungshügels von Bassetki während der Ausgrabungskampagne 2017. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="430558" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_8_web_2e3865863e.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td>Bild 8: Bassetki (Irak-Kurdistan) 2017: Die Grabungsstelle am Südhang des alten Siedlungshügels mit einer Schicht der mittanischen Zeit während der Ausgrabungskampagne 2017. Foto: Peter Pfälzner, Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-23_Ausgrabung_Pfaelzner_Pressefoto_1_web.jpg" lenght="313810" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13466</guid><pubDate>Fri, 20 Oct 2017 11:08:00 +0200</pubDate><title>Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forscher-untersuchen-pflanzenkohle-als-basis-fuer-umweltfreundlichen-langzeitduenger/</link><description>Geomikrobiologen der Universität Tübingen klären Mechanismus der Nitratspeicherung bei der Kompostierung auf</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-20_Kompostierung.jpg" length="103227" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der übermäßige Einsatz von mineralischen Stickstoffdüngern oder Gülle in der Landwirtschaft hat schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Umwelt. Dabei entstehen Treibhausgase wie zum Beispiel Lachgas, und das Grundwasser wird durch Nitrat belastet. Als umweltfreundliche Alternative wird diskutiert, Pflanzenkohle als Nährstoffträger in den Boden einzubringen. Allerdings lässt sie sich bisher nicht in großem Maßstab ökonomisch sinnvoll einsetzen, weil wenig darüber bekannt ist, wie Pflanzenkohle den wichtigen Nährstoff Nitrat speichert. Dies hat der Geoökologe Dr. Nikolas Hagemann unter der Leitung von Professor Andreas Kappler vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen gemeinsam mit Professor Sebastian Behrens von der US-amerikanischen University of Minnesota und einem internationalen Forscherteam untersucht. Die Ergebnisse wurden in einer Studie der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>publiziert. Demnach wird die Pflanzenkohle durch Kompostierung mit einer Schicht überzogen, die die Düngeeigenschaften entscheidend verbessert.</p><p><br> Als Pflanzenkohle (englisch biochar) bezeichnet man verkohlte Biomasse wie zum Beispiel Holzkohle. In Böden eingebracht, kann sie Kohlenstoff dauerhaft speichern sowie Wasser und Nährstoffe binden. „Im Pflanzenbau in der Landwirtschaft stellen sich höhere Erträge jedoch meist nur dann ein, wenn die Pflanzenkohle gemeinsam mit Nährstoffen aus nicht verkohlter Biomasse, wie zum Beispiel Stallmist oder Gülle, ausgebracht wird“, fasst Nikolas Hagemann den Forschungsstand zusammen. „Die Anwendung von Pflanzenkohle ohne Nährstoffzugabe oder in Kombination mit rein mineralischen Nährstoffen hat sich in vielen Versuchen meist als weit weniger erfolgreich erwiesen.“ Da die zugrundeliegenden Prozesse noch weitgehend unbekannt seien, konnten bisher kaum marktfähige Dünger auf Basis von Pflanzenkohle entwickelt werden.</p><h3>Beschichtung verbessert die Eigenschaften als Düngemittel deutlich</h3><p>In der aktuellen Studie untersuchte Hagemann Pflanzenkohle vor und nach der Kompostierung mit Stallmist. Während der Kompostierung wird der Mist in Humus umgewandelt und Nährstoffe freigesetzt, die wiederum teilweise von der Pflanzenkohle aufgenommen werden. Die Kompostierung wurde im kleingewerblichen Maßstab mit der Infrastruktur und dem Knowhow des praxisnahen Ithaka Instituts in der Schweiz durchgeführt. Mit einer Kombination verschiedener mikroskopischer und spektroskopischer Analysen stellte das Tübinger Forscherteam fest, dass den gelösten organischen Substanzen bei der Kompostierung der Pflanzenkohle eine Schlüsselrolle zukommt: Sie überziehen sie mit einer speziellen Schicht.</p><p>„Diese organische Beschichtung macht den entscheidenden Unterschied zwischen frischer und kompostierter Kohle“, erklärt Andreas Kappler. Die Beschichtung verbessere die Eigenschaften der Pflanzenkohle im Hinblick auf die Speicherung von Nährstoffen und beim Aufbau von weiterer organischer Bodensubstanz. „Ähnliches passiert, wenn unbehandelte Pflanzenkohle in den Boden eingebracht wird – nur viel langsamer, im Boden dauert die Bildung der Beschichtung viele Jahre“, ergänzt Nikolas Hagemann. Damit haben die Tübinger Forscher die Tür geöffnet für die Entwicklung einer neuen Generation von Düngemitteln auf der Basis von Pflanzenkohle, die das Grundwasser schonen und das Klima schützen könnten.</p><p>Diese Arbeiten wurden finanziell unter anderem von der Rosa-Luxemburg Stiftung (Berlin) in Form eines Promotionsstipendiums für Nikolas Hagemann, von der EU COST Initiative TD1104 und dem Ithaka Institut (Schweiz) unterstützt.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="429983" height="300" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-20_Zeichnung_97ba06daa2.jpg" width="300" style></td><td>Zeichnung: Mihaela Albu, Austrian Cooperative Research, Graz; Wolfgang Gerber, Nikolas Hagemann/Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Nikolas Hagemann, Stephen Joseph, Hans-Peter Schmidt, Claudia I. Kammann, Johannes Harter, Thomas Borch, Robert B. Young, Krisztina Varga, Sarasadat Taherymoosavi, K. Wade Elliott, Amy McKenna, Mihaela Albu, Claudia Mayrhofer, Martin Obst, Pellegrino Conte, Alba Dieguez-Alonso, Silvia Orsetti, Edisson Subdiaga, Sebastian Behrens, Andreas Kappler: Organic coating on biochar explains its nutrient retention and stimulation of soil fertility. <em>Nature Communications</em>, DOI 10.1038/s41467-017-01123-0.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Andreas Kappler<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften<br> Telefon +49 7071 29-74992<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpftgcu0mcrrngtBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">andreas.kappler[at]uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-20_Kompostierung.jpg" lenght="103227" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15684</guid><pubDate>Thu, 19 Oct 2017 17:00:00 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen verleiht Lehrpreis für Projekt „Mathematik! Studierende unterrichten Flüchtlinge“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-verleiht-lehrpreis-fuer-projekt-mathematik-studierende-unterrichten-fluechtlinge/</link><description>Der Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement geht an das Projekt „Laute Europäer“ </description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-19PM_Lehr_und_Sonderpreis4.jpg" length="643169" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Lehrpreis der Universität Tübingen geht 2017 an Juniorprofessorin Carla Cederbaum und Dr. Stefan Keppeler für den Kurs „Mathematik! Studierende unterrichten Flüchtlinge“. Darin lernen Geflüchtete von Lehramtsstudierenden auf spielerische Art, mathematische Probleme zu lösen. Lehramtsstudierende trainieren dabei den professionellen Umgang mit einer inhomogenen Gruppe ohne einheitliche Unterrichtssprache. Darüber hinaus verleiht die Universität den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement an Studierende, die die Website „Laute Europäer“ betreiben. Dort erheben sie ihre Stimme für den europäischen Einigungsprozess, indem sie Blogeinträge verfassen, Podcasts erstellen oder über Wahlen berichten.</p><p>Die Preise werden am <strong>Donnerstag, den 19. Oktober, ab 17 Uhr im Hörsaalzentrum Morgenstelle, Hörsaal 6 </strong>verliehen. Die Verleihung ist Teil der Begrüßungsfeier für Neu-Immatrikulierte am Dies Universitatis. Dieser findet jeweils zu Beginn des Wintersemesters statt, neue Studierende können sich hier über studentische Projekte und Initiativen informieren.</p><p>Den Kurs „Mathematik! Studierende unterrichten Flüchtlinge“ führen Carla Cederbaum und Stefan Keppeler sehr erfolgreich seit dem Sommersemester 2016 durch. Nach dem von ihnen entwickelten Konzept wurden Lehramtsstudierende erst in einem Blockseminar darauf vorbereitetet, eine Gruppe zu unterrichten, deren Mitglieder sehr unterschiedlichen Hintergrund und Wissensstand haben sowie keine einheitliche Sprache sprechen. Anschließend führten die Studierenden den Mathematik-Kurs für Flüchtlinge selbständig durch. In drei Räumen wurde jeweils ein mathematisches Thema behandelt ‒ zum Beispiel Funktionen oder platonische Körper ‒ und je nach Vorkenntnissen verschiedene Spiele und Aufgaben angeboten. Bei der Vor- und Nachbereitung unterstützten Cederbaum und Keppeler; im eigens eingerichteten &lt;link http: studierende-unterrichten-fluechtlinge.blogspot.de external-link-new-window external link in new&gt;Blog berichteten die Studierenden über ihren Unterricht. Dadurch entstehe ganz im Sinne des „Service Learning“ eine zusätzliche Reflexionsebene und das Kurskonzept werde transparent gemacht, sagen die Initiatoren. Das Preisgeld von 2500 Euro möchten sie für weitere Lehrveranstaltungen und für den Aufbau einer Mediathek mit Anwendungsbeispielen einsetzen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><p></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="429808" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-19PM_Lehr_und_Sonderpreis1_c0dfce932a.jpg" alt title height="200" width="300" style></p></td><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="429811" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-19PM_Lehr_und_Sonderpreis2_73ad3220d2.jpg" alt title height="225" width="300" style></td></tr><tr><td>Carla Cederbaum<br>Foto: Christoph Jäckle</td><td>Stefan Keppeler<br>Foto: Friedhelm Albrecht</td></tr></tbody></table></div></div><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="429814" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-19PM_Lehr_und_Sonderpreis3_b82e44bcce.jpg" alt="Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 5px; float: left;" title="Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement" height="169" width="300">Der Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement geht dieses Jahr an die Gruppe „&lt;link http: laute-europaeer.de external-link-new-window external link in new&gt;Laute Europäer“, die seit dem Wintersemester 2016/17 in ihrer Freizeit und aus privaten Mitteln einen höchst professionellen Internet-Blog betreibt. Die Masterstudierenden mischen sich „überparteilich, informativ und meinungsstark“ in die europapolitische Debatte ein. Dafür schreiben sie Blogbeiträge zu Politik, Recht, Wirtschaft, Kultur, Umwelt und Allgemeines, berichten über Wahlen und diskutieren in Podcasts über europäische Themen. Sie bereiten politikwissenschaftliche Informationen in allgemein verständlicher Sprache für ein junges Publikum auf und fördern so aktiv europapolitisches Wissen und Meinungsbildung in der Gesellschaft. Über die Website hinaus unterhalten die „Lauten Europäer“ eine Facebookseite, einen Twitterkanal und engagieren sich in der Organisation „Pulse of Europe“ für ein friedliches und geeintes Europa. <br>Foto: Eberhard Beck</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Carla Cederbaum<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Mathematik<br>Telefon: +49 7071 29-74318<br>&lt;link&gt;cederbaum@math.uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Stefan Keppeler<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Mathematik<br>Telefon +49 7071 29-78589<br>&lt;link&gt;stefan.keppeler@uni-tuebingen.de</p><ul><li>Laute Europäer: &lt;link&gt;Info@laute-europaeer.de</li><li>Website: &lt;link http: www.laute-europaeer.de&gt;www.laute-europaeer.de </li><li>Youtube: &lt;link https: www.youtube.com channel uccej-jmzujy6xoo4xpsfjsa&gt;<a href="https://www.youtube.com/channel/UCcej-JmZUjy6XOo4XpSfjsA" target="_blank" rel="noreferrer">www.youtube.com/channel/UCcej-JmZUjy6XOo4XpSfjsA</a></li></ul><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-19PM_Lehr_und_Sonderpreis4.jpg" lenght="643169" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15636</guid><pubDate>Thu, 19 Oct 2017 11:35:00 +0200</pubDate><title>Neues Verfahren ermöglicht die Kultivierung menschlicher Gehirnschnitte in der Petrischale</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-verfahren-ermoeglicht-die-kultivierung-menschlicher-gehirnschnitte-in-der-petrischale/</link><description>Tübinger Forscher erweitern das Spektrum für Forschung an Hirngewebe </description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-19HIH_Hirnschnitte.jpg" length="372448" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals ist es Forschern gelungen, menschliches Hirngewebe über mehrere Wochen außerhalb des Körpers am Leben zu erhalten. Das berichtet ein Team um Dr. Niklas Schwarz, Dr. Henner Koch und Dr. Thomas Wuttke am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift <em>Scientific Reports</em>. Der entscheidende Trick der Tübinger Wissenschaftler: Sie nutzten menschliches Hirnwasser, um das Gewebe in der Petrischale zu kultivieren. Die Gewebekulturen waren auch nach drei Wochen anatomisch gut erhalten und funktionsfähig. Bislang versuchte man, Hirnschnitte in standardisierten Nährlösungen zu erhalten – was bei menschlichem Gewebe jedoch nicht gut gelingt. Aus dem Grund greifen Wissenschaftler meist auf Tierversuche zurück. Das neue Verfahren wird nach Einschätzung der Wissenschaftler die Möglichkeiten erweitern, Tests direkt an menschlichen Hirnzellen durchzuführen. Das vereinfacht zum Beispiel die Prüfung, ob neue Arzneistoffe für das Hirngewebe verträglich sind.</p><p>„Das menschliche Gehirn scheint sehr geringe Toleranzgrenzen für die Kultivierung außerhalb des menschlichen Körpers zu haben“, berichtet Studienleiter Dr. Henner Koch. Welche Substanzen im menschlichen Hirnwasser für das Überleben der Nervenzellverbände entscheidend sind, ist noch unklar. „Das müssen künftige Analysen zeigen.“</p><p>Klar ist: Mit der neuen Methode lassen sich einige Fragen nun direkt an menschlichen Hirngeweben klären, wofür bislang Tierexperimente nötig waren. So kann künftig in der Petrischale getestet werden, welche Wirkung neue Arzneistoffe auf menschliches Hirngewebe haben. Untersuchungen an Tiergewebe lassen sich nicht immer zu hundert Prozent übertragen – mit entsprechenden Restrisiken für freiwillige Probanden von Medikamentenstudien.</p><p>Auch Erbgutveränderungen, die mit Erkrankungen des menschlichen Nervensystems assoziiert sind, können ab sofort besser erforscht werden. „Die Methode ermöglicht uns, Genveränderungen in die Hirnzellen einzubringen und ihre Auswirkung auf das Gewebe als Ganzes zu untersuchen“, sagt Erstautor Dr. Niklas Schwarz. „Zwar lassen sich viele neurologische Erkrankungen an Tiermodellen studieren – ob sich die Ergebnisse direkt auf menschliche Hirnzellen übertragen lassen, ist aber oftmals nicht sicher.“ Die Tübinger Wissenschaftler hoffen, dass mit ihrem Verfahren künftig die Anzahl von Versuchstieren in der Forschung reduziert werden kann.</p><p>Massenexperimente an menschlichen Hirnschnitten wird es jedoch auch in Zukunft nicht geben. Für die Studie können Forscher ausschließlich Gewebe nutzen, welches im Rahmen von notwendigen Hirnoperationen entfernt wird. Dies kann etwa der Fall sein, wenn eine Epilepsie nicht mehr mit Medikamenten behandelt werden kann und der erkrankte Gehirnbereich entnommen werden muss. „Selbstverständlich verwenden wir nur Material von Patienten, die im Vorfeld einer wissenschaftlichen Verwendung schriftlich zustimmen“, betont Neurochirurg und Mitautor Dr. Thomas Wuttke.</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Schwarz et al., (2017): Human Cerebrospinal fluid promotes long-term neuronal viability and network function in human neocortical organotypic brain slice cultures. <em>Scientific reports</em>, 7, 12249 <br>DOI: 10.1038/s41598-017-12527-9</p><h3>Kontakt</h3><p>Dr. Henner Koch <br>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br>Universität Tübingen<br>Telefon +49 7071 29-81984 <br>&lt;link&gt;henner.koch@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-19HIH_Hirnschnitte.jpg" lenght="372448" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15011</guid><pubDate>Wed, 18 Oct 2017 13:30:00 +0200</pubDate><title>Universität tritt Bericht über Studierendenzahlen entgegen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tritt-bericht-ueber-studierendenzahlen-entgegen/</link><description>Kein dramatischer Rückgang  bei den Einschreibungen – Änderung in der Statistik führt zu falschen Schlussfolgerungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen hat einen Zeitungsbericht über eine dramatisch gesunkene Zahl von Einschreibungen dementiert. „Ein Bericht, wonach mit Beginn des Wintersemesters 2017/18 die Zahl der Studienanfänger insgesamt um 25 Prozent gesunken sei und die Zahl der ausländischen Erstsemester sogar um 75 Prozent, entbehrt jeglicher Grundlage“, erklärte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am Dienstag.</p><p>Die Universität gehe langfristig von einem allmählichen Rückgang bei der Zahl der  Studienanfänger (Neu- und Ersteinschreibungen) sowie bei der Gesamtzahl der Studierenden aus. Hier mache sich unter anderem die demografische Entwicklung bemerkbar. Kurzfristig seien aber keine dramatischen Entwicklungen zu erwarten. „Dies gilt auch für die Gruppe der ausländischen Studierenden, obwohl das Land Baden-Württemberg ab diesem Wintersemester Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern eingeführt hat“, betonte Engler.</p><p>Die angeblich drastischen Einbrüche, von denen in dem Zeitungsbericht zu lesen war, gehen zum Teil darauf zurück, dass Zahlen aus der noch laufenden Immatrikulationsphase von Anfang Oktober 2017 mit den Studierendenzahlen von Mitte November 2016 verglichen wurden. „Jeder, der die Universität kennt, weiß, dass die Studierendenzahlen in diesen sechs Wochen nochmals zulegen, insbesondere bei den internationalen Studierenden“, sagte der Rektor.</p><p>Maßgeblich beruhen die Rechenfehler aber darauf, dass eine Veränderung in der amtlichen Statistik vom Autor des Berichts nicht berücksichtigt wurde. Die amtliche Statistik unterscheidet bei Studierenden zwischen so genannten Ersteinschreibern und Neueinschreibern. Bei den Ersteinschreibern handelt es sich um Studierende, die sich zum ersten Mal überhaupt bei einer Hochschule immatrikulieren. Neueinschreiber dagegen waren zuvor bereits an einer anderen Hochschule eingeschrieben.</p><p>Seit dem aktuellen Wintersemester werden auch internationale Studierende, die zuvor bereits in ihrem Heimatland immatrikuliert waren, in Deutschland grundsätzlich als Neueinschreiber gezählt. In der Vergangenheit waren sie als Ersteinschreiber gewertet worden, es sei denn, sie hatten zuvor bereits an einer anderen deutschen Hochschule studiert.</p><p>Diese Änderung in der amtlichen Statistik hat in Tübingen dazu geführt, dass sich das Verhältnis zwischen ausländischen Ersteinschreibern und ausländischen Neueinschreibern deutlich umgekehrt hat. „Wo wir früher deutlich mehr Ersteinschreiber hatten, verzeichnet die Statistik in diesem Semester rund sechsmal so viele Neueinschreiber wie in der Vergangenheit“, erklärte Engler. Diese Verschiebungen wirken sich auch auf die Gesamtzahl aller Ersteinschreiber und aller Neueinschreiber aus. „Einzig und allein die isolierte Betrachtung der Ersteinschreiber kann zu der irrtümlichen Schlussfolgerung führen, es gebe an der Universität Tübingen einen dramatischen Einbruch bei den Studienanfängern“, betonte der Rektor.</p><p>Auch wenn ein Großteil der Studierenden sich bis zum Semesterstart am vergangenen Montag  immatrikuliert hat, dauert die Einschreibephase noch bis November an. Die Universität geht davon aus, dass es auch in den folgenden vier Wochen noch einen Zuwachs bei den Studierendenzahlen geben wird. Aktuell (Stand 17. Oktober 2017) ist die Situation wie folgt:</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><p>Gesamtzahl der Studierenden  </p></td><td>27.554</td></tr><tr><td>Ersteinschreiber</td><td>3.293</td></tr><tr><td>Neueinschreiber</td><td>1.734</td></tr><tr><td><p><strong>Zusammen</strong></p></td><td>5.027</td></tr><tr><td>Internationale Studierende </td><td>3.769</td></tr><tr><td>Int. Ersteinschreiber</td><td>313</td></tr><tr><td>Int. Neueinschreiber </td><td>669</td></tr><tr><td><p><strong>Zusammen </strong></p></td><td>982</td></tr></tbody></table></div></div><p>Im Wintersemester 2016/17 war die Situation am Stichtag 17. November 2016 wie folgt:</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><p>Gesamtzahl der Studierenden  </p></td><td>28.394</td></tr><tr><td>Ersteinschreiber</td><td>4.243</td></tr><tr><td>Neueinschreiber</td><td>1.477</td></tr><tr><td><p><strong>Zusammen</strong></p></td><td>5.720</td></tr><tr><td>Internationale Studierende </td><td>3.887</td></tr><tr><td>Int. Ersteinschreiber</td><td>1.115</td></tr><tr><td>Int. Neueinschreiber </td><td>110</td></tr><tr><td><p><strong>Zusammen </strong></p></td><td>1.225</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Karl G. Rijkhoek<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon: +49 7071 29-76788<br>&lt;link&gt;karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14413</guid><pubDate>Tue, 17 Oct 2017 11:48:00 +0200</pubDate><title>Kriminalgeschichten und ihre Autoren sind Thema der Tübinger Poetik-Dozentur 2017</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kriminalgeschichten-und-ihre-autoren-sind-thema-der-tuebinger-poetik-dozentur-2017/</link><description>Die Schriftsteller Friedrich Ani, Arne Dahl, Håkan Nesser und Wolfgang Schorlau kommen vom 21. bis 28. November 2017 als Poetik-Dozenten an die Universität Tübingen </description><content:encoded><![CDATA[<p>Unter dem Titel ‚Poetics of Crime‘ sind die Schriftsteller Friedrich Ani, Arne Dahl, Håkan Nesser und Wolfgang Schorlau vom 21. bis 28. November 2017 Gäste der Tübinger Poetik-Dozentur. Die literarische Veranstaltung findet zum 31. Mal statt. Sie wird gefördert von der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG sowie der Stiftung Würth. Die Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.</p><p>Kriminalroman, Detektivgeschichte, Roman Noir und Thriller galten lange als Trivialliteratur. „Weder die Literaturgeschichte noch die gegenwärtige Literaturlandschaft rechtfertigen diese Einschätzung“, sagt Professorin Dorothee Kimmich, die Leiterin der Poetik-Dozentur. Schließlich könne eine ‚Poetik‘ der Kriminalgeschichte bis in die griechischen und biblischen Mythen hinein verfolgt werden. Dabei gehe es um Psychologie und Soziologie des Verbrechens, eine Philosophie von Strafe und Sühne, um gesellschaftliche und ökonomische Konstellationen, pathologische Dispositionen, aber immer auch um die kluge Verwendung von Methoden und Theorien und eine überzeugende Interpretation von Zeichen und Indizien, es gehe zudem um Phantasie, Intuition, Einfühlung und schließlich auch: um das Scheitern aller Versuche, das Verbrechen für immer aus der Welt zu schaffen.</p><h3>Kurzbiografien:</h3><p><strong><img data-htmlarea-file-uid="434129" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-17_2_db79473ce0.jpg" alt="Foto: Heike Steinweg" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Foto: Heike Steinweg" height="225" width="150">Friedrich Ani</strong>, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Nach dem Zivildienst in einem Heim für schwer erziehbare Jungen war Ani von 1981 bis 1989 Polizeireporter, danach Kulturjournalist und Drehbuchautor. Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Er erhielt sieben Mal den Deutschen Krimipreis sowie den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis. Sein Roman <em>Der namenlose Tag </em>(2015) wurde unter die zehn besten internationalen Kriminalromane des Jahres gewählt und von Volker Schlöndorff verfilmt. Im Jahr 2016 folgten die Romane <em>Der einsame Engel </em>und <em>Nackter Mann, der brennt</em>. Im Suhrkamp Verlag erschienen zuletzt der Gedichtband<em> Im Zimmer meines Vaters </em>(Mai 2017) und der Kriminalroman <em>Ermordung des Glücks</em> (September 2017). <br>Foto: Heike Steinweg</p><p><strong><img data-htmlarea-file-uid="434126" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-17_3_83ff76e94e.jpg" alt="Foto: Sara Arnald" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Foto: Sara Arnald" height="190" width="150">Arne Dahl</strong> – so das Pseudonym des schwedischen Schriftstellers Jan Lennart Arnald –, geboren 1963, lebt in Stockholm und Berlin, ist Literaturwissenschaftler und arbeitet für die Schwedische Akademie, die alljährlich den Nobelpreis vergibt. Er ist Herausgeber der Zeitschriften <em>Artes </em>und <em>Aiolos </em>und zudem Kritiker bei der schwedischen Tageszeitung Göteborgs-Posten. Für seine Werke erhielt er mehrere internationale Preise, darunter auch den Deutschen Krimipreis in der Kategorie ‚International‘ für <em>Falsche Opfer </em>(2004) und <em>Tiefer Schmerz</em> (2005). Mehrere seiner Romane wurden für das Fernsehen verfilmt. Arne Dahl hat ein großes Figurenensemble entwickelt, das im Team der ‚A-Gruppe‘ als Sonderermittlungsgruppe der schwedischen Polizei oder als operative Einheit der europäischen Polizeibehörde Europol über ganz Europa ermittelt. Mit dem Roman <em>Bußestunde </em>schloss Dahl seine A-Gruppe-Reihe 2013 ab. Sein Roman <em>Sieben minus eins</em> (2016) führte das neue Ermittlerduo Molly Blom und Sam Berger ein, das sich auch in seinem neuesten Roman <em>Sechs mal zwei</em> (2017) mit lange gelöst geglaubten Verbrechen beschäftigt. <br>Foto: Sara Arnald</p><p><strong><img data-htmlarea-file-uid="434130" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-17_1_bfb55c0a9c.jpg" alt="Foto: Caroline Andersson" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Foto: Caroline Andersson" height="225" width="150">Håkan Nesser</strong>, geboren 1950, gilt heute als einer der wichtigsten Krimiautoren Schwedens. Er studierte zunächst Literaturgeschichte, Nordische Sprachen, Soziologie, Englisch, Geschichte und Philosophie an der Universität Uppsala, arbeitete nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Schwedisch und Englisch als Gymnasiallehrer und ist seit 1998 freier Autor. Er lebt heute in London und auf Gotland.<br>Gemeinsam mit Henning Mankell, Arne Dahl und Stieg Larsson trug Nesser maßgeblich zum internationalen Renommee des Genres bei. Seine Romane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti wurden ab den 1990er Jahren zu globalen Bestsellern. Die Verfilmungen der Van-Veeteren-Serie oder der Fälle Barbarottis, die insbesondere in der ARD ausgestrahlt wurden, machten ihn in Deutschland besonders bekannt. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderen mit dem Schwedischen Krimipreis, dem Ripper Award und dem Palle-Rosenkrantz-Preis, sowie einer Ehrendoktorwürde der Universität Örebro. Sein 2015 erschienener neuer „Stadt“-Roman <em>Elf Tage in Berlin </em>erzählt von einem Menschen, der seine verstorben geglaubte Mutter sucht und dabei ungewöhnliche Hilfe bekommt. <br>Foto: Caroline Andersson</p><p><strong><img data-htmlarea-file-uid="434131" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-17_4_6e81f236d0.jpg" alt="Foto: Bettina Fürst-Fastré" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 5px; float: left;" title="Foto: Bettina Fürst-Fastré" height="103" width="150">Wolfgang Schorlau</strong>, geboren 1951, absolvierte eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, war Teil der Lehrlingsbewegung und Manager eines Softwareunternehmens, bevor er mit 50 Jahren Schriftsteller wurde. Seitdem wurden mehrere seiner Romane zu Bestsellern. Heute lebt Schorlau, wie sein Protagonist Dengler, als politischer Krimiautor in Stuttgart. <br>Insbesondere sein neuestes Werk <em>Die schützende Hand</em> (2015), das den achten Teil seiner Dengler-Reihe darstellt und im Umfeld der neonazistischen Terrorgruppe NSU spielt, wurde viel und kontrovers besprochen. In seinen Werken, deren Handlung in realen Kontexten situiert ist, verschwimmen zum Teil die Grenzen von Faktizität und Fiktionalität, das Reflexionsvermögen der Leserinnen und Leser herausfordernd. Seine Texte zeichnen sich durch eine aufwendige Recherche aus, die sich zuweilen auch in für das Genre ungewöhnlichen Fußnoten und Quellenverzeichnissen niederschlagen.<br>Foto: Bettina Fürst-Fastré</p><h3>Die Termine im Überblick:</h3><p><strong>Vorlesung von Friedrich Ani (deutsch)<br></strong>Dienstag, 21. November 2017, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5</p><p><strong>Vorlesungen von Arne Dahl <br></strong>Mittwoch, 22. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5<br>Donnerstag, 23. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5</p><p><strong>Vorlesung von Wolfgang Schorlau (deutsch)<br></strong>Freitag, 24. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau, Hölderlinstraße 5</p><p><strong>Vorlesung von Håkan Nesser <br></strong>26. November, 16 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall <br>27. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz<br>28. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz</p><p>Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG sowie der Stiftung Würth. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Siri Hustvedt, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Brigitte Kronauer, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Amos Oz und Herta Müller.</p><p>Weitere Informationen unter &lt;link http: www.poetik-dozentur.de&gt;www.poetik-dozentur.de</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Dorothee Kimmich<br>Universität Tübingen<br>Deutsches Seminar<br>Leitung der Poetik-Dozentur<br>Telefon +49 7071 29-75323<br>&lt;link&gt;dorothee.kimmich@uni-tuebingen.de</p><p>Für die Berichterstattung über die Tübinger Poetik-Dozentur können Medien die Porträtbilder bei der Hochschulkommunikation anfordern unter &lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15747</guid><pubDate>Thu, 12 Oct 2017 15:48:00 +0200</pubDate><title>Forschen am Gehirn: Attempto-Preis für zwei Neurowissenschaftlerinnen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschen-am-gehirn-attempto-preis-fuer-zwei-neurowissenschaftlerinnen/</link><description>Die Universität Tübingen verleiht den Attempto-Preis 2017 an Patricia Preston-Ferrer und Sarah Wiethoff für herausragende Arbeiten über Hirnleistungen und deren Störungen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Tübinger Attempto-Stiftung verleiht die diesjährigen Attempto-Preise: Ausgezeichnet wird eine Arbeit über das Raumgedächtnis von Dr. Patricia Preston-Ferrer sowie Dr. Dr. Sarah Wiethoffs Veröffentlichung zur erblichen spastischen Paraplegie, einer Erkrankung, die zu versteifter Beinmuskulatur führt. Die beiden Preisträgerinnen erhalten mit der Auszeichnung jeweils 10.000 Euro.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="428816" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-12Preston-Ferrer_Patricia_62945d8a62.jpg" alt="Patricia Preston-Ferrer. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" title="Patricia Preston-Ferrer. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" height="225" width="300" style></td><td><br>Patricia Preston-Ferrer. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><p>Patricia Preston-Ferrer vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen hat „einen wichtigen Meilenstein in der Ausarbeitung des Raumgedächtnisses“ geliefert, so die Begründung der Jury. Sie befasste sich in ihrer Arbeit mit der Frage, wie das Gehirn eine Orientierung im Raum möglich macht. Dafür untersuchte sie sogenannte Kopfrichtungszellen in Nagetiergehirnen. Das sind Neuronen, die die Ausrichtung des Kopfes erkennen. Bisher wurde zwar vermutet, dass diese Zelltypen existieren, ihre genaue Lage im Gehirn war allerdings nicht eindeutig geklärt. Mit neuen Methoden machte Preston-Ferrer diese Neuronen im Gehirn erstmals sichtbar. Außerdem zeigte sie, wie Kopfrichtungszellen mit anderen Gehirnarealen verbunden sind. Preston-Ferrer konnte erstmals eine Verbindung zwischen Struktur und Funktion der Kopfrichtungszellen herstellen und trägt damit maßgeblich zum Verständnis des Orientierungssinns bei. Möglicherweise wird sich ihre Arbeit als wichtiger Impuls für die Erforschung der Alzheimerkrankheit erweisen, bei der der Verlust des Orientierungssinns als eines der ersten Symptome gilt. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift eLife veröffentlicht.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="428818" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-10-12Wiethoff_Sarah_0bbe00ef3b.jpg" alt="Sarah Wiethoff. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" title="Sarah Wiethoff. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen" height="225" width="300" style></td><td>Sarah Wiethoff. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><p>Sarah Wiethoff vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) wird ausgezeichnet für ihre Untersuchung über die seltene Krankheit der erblichen spastischen Paraplegie. Die Ursachen für die Krankheit liegen im Gehirn und in den Nerven, die vom Gehirn zum Rückenmark laufen. Bei Patienten, die davon betroffen sind, versteift sich vor allem die Beinmuskulatur, so dass sie je nach Schweregrad und Fortschreiten der Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen sein können. In einer klinischen Studie untersuchte Wiethoff die Krankheitsverläufe von über 600 Betroffenen. Erstmals hat sie in zeitintensiver Kleinarbeit das vielschichtige Krankheitsbild dokumentiert. Dafür kooperierte sie mit mehreren Einrichtungen, erstellte detaillierte individuelle Krankheitsprofile und ordnete bestimmte Beschwerden, zum Beispiel Krampfanfälle, verschiedenen genetischen Defekten zu. Ihre Arbeit trägt dazu bei, dass Ärzte ihren Patientinnen und Patienten künftig genauere Prognosen zum Krankheitsverlauf der erblichen spastischen Paraplegie geben können. Außerdem ist die Arbeit, die in den Annals of Neurology veröffentlicht wurde, Grundlage für künftige Therapiestudien.</p><p>Die Preisverleihung findet statt am Mittwoch, den 18. Oktober 2017, um 14.30 Uhr im Großen Senat der Neuen Aula (Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen) zu Beginn der Mitgliederversammlung des Universitätsbundes. Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen.</p><p>Der Attempto-Preis wurde 1983 von dem Psychiater Konrad Ernst und seiner Ehefrau Dorothea gestiftet. Er wird jährlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für herausragende Arbeiten über Hirnleistungen und deren Störungen vergeben, die an der Universität Tübingen und an den der Universität verbundenen Tübinger Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft entstanden sind. Zurzeit werden jährlich zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen oder Nachwuchswissenschaftler mit einem Preisgeld in Höhe von je 10.000 Euro ausgezeichnet. Das Geld kann zur Förderung ihrer weiteren wissenschaftlichen Karriere eingesetzt werden.</p><h3>Publikationen: </h3><p>Preston-Ferrer P, Coletta S, Frey M, Burgalossi A (2016): Anatomical organization of presubicular head-direction circuits. eLife, pii:e14592</p><p>Schüle R*, Wiethoff S*, Martus P, Karle K, Otto S, Klebe S, et al. (2016): Hereditary spastic paraplegia – clinicogenetic lessons from 608 patients. Annals of Neurology, 79(4), S.646-658.<br>*These authors contributed equally</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Patricia Preston-Ferrer <br>Universität Tübingen<br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften<br>JRG Cellular and Synaptic Basis of Behaviour, <br>Telefon: +49 7071 29-88797<br>patricia.preston[at]cin.uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Dr. Sarah Wiethoff <br>Universität Tübingen<br>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung <br>Sektion Klinische Neurogenetik<br>Telefon: +49 7071 29-85247<br>sarah.wiethoff[at]uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Stefan Zauner<br>Universitätsbund Tübingen e. V.<br>Telefon: +49 7071 29-77067 (Sekr.)<br>stefan.zauner[at]unibund.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/89702" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/89702</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15477</guid><pubDate>Thu, 12 Oct 2017 11:00:00 +0200</pubDate><title>Was der letzte gemeinsame Vorfahr von Menschen und Menschenaffen auf die Waage brachte</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/was-der-letzte-gemeinsame-vorfahr-von-menschen-und-menschenaffen-auf-die-waage-brachte/</link><description>Forscher gehen davon aus, dass die unbekannte Art deutlich kleiner gewesen sein könnte als bisher gedacht</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-12Nat_Comm_Menschenaffen.jpg" length="51809" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der letzte gemeinsame Vorfahr von Menschenaffen und Menschen ist ein rätselhaftes Wesen. Dr. Mark Grabowski vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen beschreitet gemeinsam mit seinem Kollegen William L. Jungers von der University of Stony Brook, New York, einen neuen Weg, um die Größe dieser unbekannten Art und ihrer Verwandten zu bestimmen und Rückschlüsse auf ihre Lebensweise zu ziehen: Sie haben die Evolution der Körpermasse in der und vor der Abstammungslinie der Menschen rekonstruiert. Grundlage sind durchschnittliche und geschätzte Körpermassen einer großen Zahl von lebenden und ausgestorbenen Arten von Menschen, Menschenaffen und anderen Primaten, welche die Forscher mithilfe neuer vergleichender Methoden untersucht haben.</p><p>Bisher wird häufig angenommen, dass der letzte gemeinsame Vorfahr von Menschenaffen und Menschen bereits die Größe eines Schimpansen hatte und eine Reihe von schimpansengroßen Vorfahren bis zum frühesten Menschenaffenahnen zurückreichte. Im Widerspruch dazu deuten die neuen Studienergebnisse darauf hin, dass die Lebensumgebung des letzten gemeinsamen Vorfahren der Menschenaffen eher zu einem Tier in der Größe eines Gibbons mit einem Gewicht von rund fünf Kilogramm passte. Dieser verschobene Blickwinkel führt zu einer Reihe von neuen biologischen Aspekten. Die neue Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><h3>Komplexer Stammbaum mit Lücken</h3><p>Die Menschenartigen, auch Menschenaffen im weiteren Sinne genannt, trennten sich vor rund 25 Millionen Jahren von der Abstammungslinie, die zu den Altweltaffen führte. Aus der Gruppe der Menschenartigen zweigte vor rund 17 Millionen Jahren die Linie der Gibbons ab, die auch kleine Menschenaffen genannt werden. Darauf folgten die Orang-Utans, dann die Gorillas. Zuletzt trennten sich die Linien von Schimpansen und Menschen. Forscher kennen über Knochenfunde eine verwirrende Vielfalt an ausgestorbenen Affen- und Menschenarten, ihr Stammbaum ist so komplex wie lückenhaft. Wie bestimmte Vorfahren ausgesehen und gelebt haben, können sie nur indirekt erschließen.</p><p>Mark Grabowski und William Jungers haben sich in ihrer Studie auf das Körpergewicht der Arten konzentriert. Es spiele bei fast allen Aspekten der Gestalt und Lebensweise eines Tiers eine Rolle wie dem Energiebedarf, der Ernährung, der Fortbewegung und dem Verhalten. „Um die Paläobiologie längst ausgestorbener Arten zu rekonstruieren, muss man auch eine Vorstellung von ihrer Körpermasse haben“, sagt Mark Grabowski. Für seine vergleichenden Untersuchungen hat das Forscherduo Daten von fossilen und heute lebenden Affen- und Menschenarten aus Südamerika, Afrika, Europa und Asien zusammengetragen.</p><h3>Hangelnde Fortbewegungsart entwickelte sich bei geringem Körpergewicht</h3><p>„Nach unserer Analyse lebte der letzte gemeinsame Vorfahr von Menschenaffen und Menschen unter Bedingungen, die am besten zur Körpergröße eines Gibbons passten“, berichtet Grabowski. Wenn das stimme, seien die heutigen Gibbons nicht durch Verzwergung entstanden, wie bisher oft angenommen wurde. Eine solch kleine Größe als Ausgangsform würde auch die bestehenden Evolutionsmodelle der Menschenaffen in Zweifel ziehen. So wurde zum Beispiel angenommen, dass die frühen Menschenartigen das Schwinghangeln als Fortbewegungsart in den Bäumen entwickelten, weil sie zu schwer waren, um auf den Ästen zu laufen, wie es viele Primaten bis heute tun. Nun sehe es so aus, als ob zunächst das Schwinghangeln aufkam und unabhängig davon erst viel später die Körpergröße zunahm. „Möglicherweise gab es eine Konkurrenz mit anderen Affenarten um Früchte, und später war die Zunahme der Körpermasse ein weiterer Schritt in diesem Wettrüsten“, sagt Grabowski.</p><h3>Anstieg der Körpergröße verlief nicht geradlinig</h3><p>Der gemeinsame Vorfahr von Menschen und Schimpansen lebte vor rund sieben Millionen Jahren. Tatsächlich kommen auch Grabowski und Jungers zu dem Schluss, dass er die Größe eines Schimpansen hatte. „Diese Annahme konnten wir erstmals auch mit quantitativen Berechnungen belegen“, sagt Grabowski. „Danach sieht es auch so aus, als ob Vormenschen etwa der Gattung Australopithecus tatsächlich kleiner waren als ihre Vorfahren und dass die Körpergröße erst mit der Entwicklung des Homo erectus anstieg.“ Es habe also in unserer Abstammungslinie wahrscheinlich zwischenzeitlich eine Verringerung der Körpermasse gegeben. Die Körpermasse sei nicht einfach gleich geblieben oder ständig gewachsen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Mark Grabowski and William L. Jungers: Evidence of a chimpanzee-sized ancestor of humans but a gibbon-sized ancestor of apes.<em> Nature Communications</em>, DOI 10.1038/s41467-017-00997-4.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Mark Grabowski, PhD<br> Universität Tübingen<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) – Paläoanthropologie<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,octm0itcdqyumkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">mark.grabowski<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-12Nat_Comm_Menschenaffen.jpg" lenght="51809" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13637</guid><pubDate>Fri, 06 Oct 2017 20:00:00 +0200</pubDate><title>Ebola-Impfstoff auch bei Kindern einsetzbar</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ebola-impfstoff-auch-bei-kindern-einsetzbar/</link><description>Internationales Team testet Impfstoff an jungen Menschen und ermittelt die richtige Dosierung</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-06-Ebola.jpg" length="540028" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Wissenschaftlerteam hat erfolgreich einen Impfstoff gegen Ebola-Viren getestet: Die Mediziner ermittelten die Dosis, die einen wirksamen Schutz gegen Ebola-Viren bieten könnte und prüften den Impfstoff erstmals an Kindern. Der klinische Versuch fand unter Leitung der Tropenmediziner Dr. Selidji T. Agnandji (Centre de Recherches Médicales de Lambaréné, Gabun) und Professor Peter Kremsner (Institut für Tropenmedizin, Universität Tübingen, Universitätsklinikum Tübingen) statt. 115 Erwachsene, 20 Jugendliche sowie 20 Kinder hatten in Gabun den Impfstoff gegen die Viruskrankheit erhalten und bei geringen Nebenwirkungen eine gute Immunabwehr entwickelt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin <em>PLOS Medicine </em>veröffentlicht.</p><p>22 Ebola-Ausbrüche weltweit sind bislang verzeichnet. Allein 2016 waren in Westafrika mehr als 28.600 Menschen vom bisher schlimmsten Ausbruch einer Ebola-Viruserkrankung betroffen. 11.300 Todesopfer waren am Ende dieser Epidemie zu beklagen. Das veranlasste Mediziner aus vielen Ländern gemeinsam an der Entwicklung eines Impfstoffes für den Einsatz am Menschen zu arbeiten. In einer globalen Aktion wurden aus bereits früher voruntersuchten Impfstoffkandidaten insgesamt acht für klinische Versuche ausgesucht. Der Impfstoff rVSVΔG-ZEBOV-GP wird bereits seit 2015 in Afrika klinischen Tests unterzogen. Nun konnte er erstmals an jungen Menschen und in verschiedenen Dosierungen getestet werden. Die Probanden erhielten einen Bestandteil aus genetischem Material des Ebola-Virus. Dieser ist in ein für Menschen harmloses Trägervirus eingebaut, das Vesikuläre Stomatitis Virus (VSV).</p><p>Es erwies sich, dass Teilnehmer aus von Ebola betroffenen Ländern oft schon vor Impfung Antikörper gegen das Virus ausgebildet hatten und nach der Impfung eine bessere Immunantwort zeigten als Menschen ohne Antikörper im Blut. Auch geringe Impfdosen konnten so schon eine ausgezeichnete Immunantwort erzeugen. Die Wissenschaftler wollen nun für Menschen mit Antikörpern wie auch für Kinder und Jugendliche testen, ob die Impfdosis verringert werden kann. Zu lösen sei auch noch die Fragen, warum das Impfvirus von den Probanden mehr als eine Woche ausgeschieden wurde, sagte Kremsner.</p><p>„Der katastrophale, unvorhergesehene Ebola-Ausbruch in Westafrika hat gezeigt, dass es möglich ist Akademiker, Hilfsorganisationen, Industrie und Sponsoren an einen Tisch zu holen“, sagt Professor Peter Kremsner. Der Tropenmediziner ist Mitglied des Expertenkonsortiums, das auf Veranlassung der WHO in Genf Strategien gegen Ebola und andere Seuchen sucht. „Wir brauchen ein Krisenmanagement und einen Notfallplan im Falle einer Epidemie, aber auch Maßnahmen zur Vorsorge gegen Erkrankungen wie Ebola“, sagt er. „Wir müssen die Entwicklungsprozesse von Impfstoffen weiter verbessern und beschleunigen, um diese bei Bedarf schnell einsetzen zu können ‒ gerade in Weltregionen ohne gute Infrastruktur für die Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten.“</p><h3>Originalpublikation: </h3><p>Selidji T. Agnandji, José F. Fernandes, Emmanuel B. Bache, Régis M. Obiang Mba, Jessica S. Brosnahan, Lumeka Kabwende, Paul Pitzinger, Pieter Staarink, Marguerite Massinga-Loembe, Verena Krähling, Nadine Biedenkopf, Sarah Katharina Fehling, Thomas Strecker, David J. Clark, Henry M. Staines, Jay W. Hooper, Peter Silvera, Vasee Moorthy, Marie-Paule Kieny, Akim A. Adegnika, Martin P. Grobusch, Stephan Becker, Michael Ramharter, Benjamin Mordmüller, Bertrand Lell, VEBCON Consortium¶, Sanjeev Krishna, Peter G. Kremsner: „Safety and immunogenicity of rVSVΔG-ZEBOVGP-Ebola vaccine in adults and children in LambareÂneÂ, Gabon: A phase I randomised trial.“ <em>PLOS Medicine</em>, &lt;link https: doi.org journal.pmed.1002402&gt;<a href="https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002402" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.1371/journal.pmed.1002402</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Peter G. Kremsner<br>Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Telefon: +49 7071 29-87179<br>&lt;link&gt;peter.kremsner@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-06-Ebola.jpg" lenght="540028" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15065</guid><pubDate>Wed, 04 Oct 2017 10:45:00 +0200</pubDate><title>Verändern Hausaufgaben die Persönlichkeit?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/veraendern-hausaufgaben-die-persoenlichkeit/</link><description>Eine sorgfältige Erledigung der Hausaufgaben ist von einem Anstieg der Gewissenhaftigkeit begleitet, sagen Forscher der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-10-04image001.jpg" length="9207386" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Wer seine Hausaufgaben sorgfältig erledigt, profitiert möglicherweise nicht nur von besserer schulischer Leistung: Schülerinnen und Schüler, die ihre Hausaufgaben sorgfältig bearbeiten, weisen zudem eine günstigere Entwicklung der generellen Gewissenhaftigkeit auf als diejenigen, die sich bei ihren Hausaufgaben nur wenig anstrengen. Somit scheint die Schule nicht nur zum Lernen und zum Wissenszuwachs beizutragen, sondern auch die Persönlichkeit nachhaltig zu verändern, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen in einer Studie herausgefunden. Die Ergebnisse wurden im Journal of Research in Personality veröffentlicht.</p><p><br>Es ist bekannt, dass Hausaufgaben, die gründlich und genau bearbeitet werden, dazu beitragen können, den schulischen Erfolg zu steigern. Ebenso weiß man, dass die Gewissenhaftigkeit ein wichtiger Gradmesser für den schulischen Erfolg sein kann. Ob es aber umgekehrt auch zu einer Veränderung der Gewissenhaftigkeit kommt, wenn Hausaufgaben sorgfältig gemacht werden, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung nun untersucht.</p><p><br>Sie werteten Daten aus einer Langzeitstudie aus, bei der rund 2.800 Schülerinnen und Schüler aus Haupt- und Realschulen in Baden-Württemberg sowie aus Mittelschulen in Sachsen von Beginn der 5. Klasse an über drei Jahre jeweils wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres befragt wurden. Sie mussten beispielsweise angeben, bei wie vielen der letzten zehn Hausaufgaben in Deutsch und Mathematik sie sich angestrengt hatten. Außerdem mussten sie einschätzen, für wie gewissenhaft sie sich selbst halten und Fragen beantworten, ob sie beispielsweise Pläne machen und diese auch durchführen oder ob sie ordentlich oder bequem und nachlässig sind. Zum Vergleich wurden auch die Eltern befragt, wie gewissenhaft sie ihre Kinder einschätzen und ob diese ihre Aufgaben gründlich erledigen.</p><p><br>Es zeigte sich, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die sich in den Klassen 5 bis 8 bei ihren Hausaufgaben anstrengten, davon auch in ihrer Gewissenhaftigkeit profitierten. Die Gewissenhaftigkeit von Teenagern nimmt in der Regel vor allem in den frühen Jugendjahren ab. Eine gründliche und genaue Auseinandersetzung mit den Hausaufgaben kann dieser Entwicklung offensichtlich entgegenwirken. Bei denjenigen, die angaben, sich über den Befragungszeitraum hinweg wenig Mühe bei den Hausaufgaben gegeben zu haben, sank die Gewissenhaftigkeit deshalb auch stark ab. Das sahen übrigens auch die Eltern so: Ihre Einschätzung deckte sich mit der Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler, auch wenn sie die Veränderungen weniger dramatisch wahrnahmen als ihre Kinder.</p><p><br> „Dies zeigt, dass Hausaufgaben nicht nur für die schulische Leistung wichtig und sinnvoll sind, sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung, vorausgesetzt, sie werden gründlich und genau erledigt“, sagt Erstautor Richard Göllner. „Die Frage, ob die Hausaufgabenerledigung auch zur Entwicklung von Gewissenhaftigkeit beitragen kann, kommt in Diskussionen zur Rolle von Hausaufgaben bislang völlig zu kurz“, bemängelt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen. „Wir müssen genauer darüber nachdenken, welche Förderwirkung wir uns von Hausaufgaben versprechen und wie sie gewährleistet werden kann.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Göllner, R., Damian, R. I., Rose, N., Spengler, M., Trautwein, U., Nagengast, B., &amp; Roberts, B. W. (2017). Is doing your homework associated with becoming more conscientious? Journal of Research in Personality, 71, 1-12. doi:10.1016/j.jrp.2017.08.007</p><h3>Kontakt: </h3><p>Universität Tübingen <br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br><br>Dr. Richard Göllner<br>Telefon +49 7071 29-73913 <br>&lt;link&gt;richard.goellner@uni-tuebingen.de</p><p><br><br>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;www.hib.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/7/5/csm_17-10-04image001_4e0883c135.jpg" lenght="9207386" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13946</guid><pubDate>Thu, 28 Sep 2017 20:00:00 +0200</pubDate><title>Überschallgasströmungen als Überbleibsel aus dem Urknall steuern die Bildung massereicher Schwarzer Löcher</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ueberschallgasstroemungen-als-ueberbleibsel-aus-dem-urknall-steuern-die-bildung-massereicher-schwarzer-loecher/</link><description>Forscherteam unter Beteiligung der Universität Tübingen entwirft ein Szenario im frühen Universum, das die Existenz der rätselhaften supermassereichen Objekte erklären könnte</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-28_Science_Schwarze_Loecher.jpg" length="592027" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Jüngeren Entdeckungen zufolge sind in einer Entfernung von 13 Milliarden Lichtjahren supermassereiche Schwarze Löcher zu finden – sie entstanden bereits im frühen Universum. Schwarze Löcher bestehen aus einer derart kompakten Masse, das die von ihr erzeugte Schwerkraft in der Umgebung alle Materie und Energie in die Löcher hineinzieht. Als supermassereich oder supermassiv werden Objekte mit einer mindestens 100.000-fachen Masse unserer Sonne bezeichnet. Bisher stellte die schnelle Entstehung der supermassiven Schwarzen Löcher, möglicherweise nur einige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall, die Forschung vor Rätsel. Nun ist es einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung von Dr. Rolf Kuiper vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen gelungen, das Rätsel mithilfe einer Supercomputer-Simulation zu lösen: Gasströme mit Überschallgeschwindigkeit, die sich schon beim Urknall formierten, können die Bildung von schnell wachsenden massiven Schwarzen Löchern verursachen. Die neue Studie wird in der Fachzeitschrift <em>Science </em>veröffentlicht.</p><p>„Diese Erkenntnis ist ein bedeutender Fortschritt“, sagt der Autor Dr. Shingo Hirano, der zurzeit an der University of Texas in Austin forscht. Eine Entfernung von 13 Milliarden Lichtjahren entspricht dem Zustand des sich immer weiter ausdehnenden Universums zu einer Zeit, als es erst fünf Prozent des heutigen Alters erreicht hatte. Bestehende Theorien zur Bildung und Entwicklung der Schwarzen Löcher in dieser gewaltigen Entfernung von der Erde griffen nicht, weil auch wenig über die beteiligten physikalischen Mechanismen bekannt ist. In theoretischen Studien hatten Forscher bisher vermutet, dass sich die Schwarzen Löcher aus Überresten der ersten Sternengeneration nach dem Urknall gebildet haben könnten oder direkt durch einen Gravitationskollaps einer frühen massereichen Gaswolke. Doch zeigte sich, dass die Prozesse viel zu lange dauern würden, um in kurzer Zeit supermassive Schwarze Löcher zu formen, oder zumindest hätte dies sehr spezielle Bedingungen erfordert.</p><h3>Keim für ein extrem schnelles Sternenwachstum</h3><p>Das Forscherteam entdeckte einen vielversprechenden physikalischen Prozess, durch den sich ein massives Schwarzes Loch schnell genug bilden könnte. Den Schlüssel bilden Überschallgasströmungen, die mit dunkler Materie wechselwirken. Dunkle Materie ist nicht sichtbar, Forscher können ihre Existenz nur indirekt erschließen. Die Supercomputer-Simulation des Forscherteams ergab, dass sich ein massiver Klumpen dunkler Materie 100 Millionen Jahre nach Entstehung des Universums gebildet hatte. Die dunkle Materie fing Gasströme mit Überschallgeschwindigkeit ein, die beim Urknall entstanden waren. Es bildete sich eine dichte, turbulente Gaswolke. Im Inneren begann sich ein Protostern, ein Vorstadium eines Sterns, zu entwickeln. „Im umgebenden Gas war mehr als genug Material, das er aufnehmen konnte. Der Stern wuchs in kürzester Zeit zu extremer Größe heran, ohne viel Strahlung abzugeben“, sagt Rolf Kuiper, der an der Universität Tübingen eine Emmy Noether-Forschungsgruppe zur Bildung der massivsten Sterne im heutigen Universum leitet.</p><p>Als der Stern die 34.000-fache Masse unserer Sonne erreicht hatte, kollabierte er aufgrund seiner eigenen Schwerkraft und hinterließ ein massives Schwarzes Loch. Solche massiven Schwarzen Löcher aus dem frühen Universum wuchsen weiter oder verschmolzen zu supermassiven Schwarzen Löchern. „Unseren Berechnungen zufolge müsste in jeder Richtung ein massives Schwarzes Loch in drei Milliarden Lichtjahren zu finden sein – dieser Wert deckt sich bemerkenswert gut mit der beobachteten Dichte supermassiver Schwarzer Löcher“, sagt Dr. Hirano.</p><p>Die Forscher gehen davon aus, dass die Studienergebnisse eine wichtige Grundlage für weitere Untersuchungen an massiven Schwarzen Löchern bilden. Denn davon, so hoffen sie, werden noch viele weitere entdeckt im weit entfernten Universum, sobald im kommenden Jahr das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA ins All geschossen wird und Daten liefert.</p><h3>Publikation:</h3><p>Shingo Hirano, Takashi Hosokawa, Naoki Yoshida, Rolf Kuiper: Supersonic Gas Streams Enhance the Formation of Massive Black Holes in the Early Universe. <em>Science</em>, 29. September 2017.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Rolf Kuiper<br>Universität Tübingen <br>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br>Institut für Astronomie und Astrophysik<br>&lt;link&gt;rolf.kuiper@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-28_Science_Schwarze_Loecher.jpg" lenght="592027" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13652</guid><pubDate>Thu, 28 Sep 2017 10:08:00 +0200</pubDate><title>Studium Generale der Universität Tübingen im Wintersemester 2017/18</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-der-universitaet-tuebingen-im-wintersemester-2017-18/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen erörtern unter anderem die Ausbildung künftiger Lehrkräfte, das Genre der Zeitdiagnosen und die Ideengeschichte des Islam</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Wintersemester 2017/18 startet wieder das Studium Generale der Universität Tübingen. Sechs öffentliche Vorlesungsreihen werden kostenlos für alle Interessierten angeboten, Studierende können sich für den Besuch ECTS-Punkte anrechnen lassen. Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstr. 5, statt.</p><p><br>Was bedeutet Verantwortung für zukünftige Generationen und wie kann sie praktiziert werden? Vor 30 Jahren wurde im sogenannten "Brundtland-Bericht" erstmals Nachhaltige Entwicklung als globale Zielsetzung formuliert. In der Reihe <strong>„Quo vadis Nachhaltige Entwicklung? 30 Jahre UN-Bericht ‚Unsere gemeinsame Zukunft‘ “ (Montag 18 Uhr)</strong> zieht das Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung Bilanz: Welche Ansätze in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft haben sich bewährt und sollten weiterentwickelt werden?</p><p><br>An der Universität Tübingen wurde 1817 mit der Berufung Friedrich Silchers zum Universitätsmusikdirektor der Musikunterricht neu institutionalisiert und die universitäre Musikpflege in der Folge zunehmend akademisiert. Die Reihe <strong>Musik und Kunstpraxis an Universitäten (Montag, 20 Uhr)</strong>, organisiert durch Professor Thomas Schipperges und Andreas Flad vom Musikwissenschaftlichen Institut, würdigt das 200-jährige Jubiläum und bettet es in einen historisch-gesamteuropäischen und interdisziplinären Rahmen.</p><p><br>Das komplexe Verhältnis von Bild und Text untersucht die Reihe <strong>‘Geschwisterkünste‘: Zu einem spannungsvollen Verhältnis von Bild und Text (Dienstag, 18 Uhr)</strong> von Professorin Maria Moog-Grünewald, Romanistisches Seminar. Nach einer allgemeinen bild- und texttheoretischen Grundlegung soll die Frage im Mittelpunkt stehen, warum Texte und Bilder sich überhaupt aufeinander beziehen. Dies wird an konkreten Beispielen von der frühen griechischen Antike bis in die Gegenwart erörtert.</p><p><br>Ob Inklusion, der Umgang mit Heterogenität oder die digitale Schule: In der Reihe <strong>Lehrer*innenbildung für eine Schule der Zukunft (Mittwoch, 18 Uhr)</strong> skizziert die Tübingen School of Education (TüSE) aktuelle Entwicklungen und zukünftigen Aufgaben des Themenfeldes. In welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind die Schulen von morgen eingebunden? Welche Fähigkeiten brauchen Lehrkräfte der Zukunft? Vor welchen Herausforderungen steht die Universität dabei in Forschung, Lehre und Studium?</p><p><br>Die Reihe <strong>„The Times They Are A-Changin’“ – Aktuelle Zeitdiagnosen“ (Donnerstag, 18 Uhr)</strong> der Abteilung für Amerikanistik nimmt den Titel von Bob Dylans Song zum Ausgangspunkt, um gegenwärtige gesellschaftliche Umbrüche und Bedrohungen zu diskutieren. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem der BREXIT, die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus, die Globalisierung und Rechtspopulismus. Was eigentlich politisch gestaltbar sein sollte, wird von vielen als geradezu schicksalhaft hereinbrechende Zeitenwende erlebt. Die Gattung der Zeitdiagnose setzt sich mit diesen großen Themen auseinander, liefert Erklärungsansätze und alternative Gestaltungsentwürfe.</p><p><br>In <strong>Von den Weltreligionen lernen? Ideen und Innovationen aus dem Islam (Donnerstag, 20 Uhr) </strong>setzen das Weltethos-Institut, die Stiftung Weltethos und das Forum Scientiarum ihre Vorlesungsreihen zu den Weltreligionen fort. Beleuchtet werden sollen Facetten des Islam, die in den aktuellen Extremismus-Debatten untergehen: Von sozialen und ökonomischen Innovationen, die im Islam wurzeln, über muslimische Kunst bis zum theologischen Diskurs des Islam.</p><p><br>Das Programm für das Studium Generale im Sommersemester 2017 liegt an der Universität Tübingen und im Buchhandel aus. Es kann zudem unter &lt;link&gt;Sekretariat@hochschulkommunikation.uni-tuebingen.de oder unter Telefon 29-77851 bestellt werden. Im Internet ist es zu finden unter: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles studium-generale.html&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16127</guid><pubDate>Wed, 27 Sep 2017 10:47:00 +0200</pubDate><title>Zwei EU-Starting Grants für Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zwei-eu-starting-grants-fuer-tuebingen/</link><description>Je 1,5 Millionen: Paläoanthropologe Radu Iovita geht auf Spurensuche steinzeitlicher Menschen an der Seidenstraße in Kasachstan ‒ Mediziner Surjo Soekadar arbeitet an der nächsten Generation von Gehirn-Computer-Schnittstellen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) sind von Wissenschaftlern der Universität Tübingen eingeworben worden. Der Paläoanthropologe Dr. Radu Iovita (Institut für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie) geht in seinem Projekt „A Silk Road in the Palaeolithic: Reconstructing Late Pleistocene Hominin Dispersals and Adaptations in Central Asia“ (PALAEOSILKROAD) auf die Suche neuer Fundstellen früher Menschen entlang der Seidenstraße in Kasachstan, die Aufschluss über die steinzeitliche Besiedlung Zentralasiens geben sollen. Der Mediziner Dr. Surjo Soekadar (Angewandte Neurotechnologie, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie) arbeitet im Projekt „Building Next-Generation Brain/Neural-Machine Interfaces for Restoration of Brain Functions“ (NGBMI) an der Weiterentwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen, die zur Behandlung neurologischer und psychiatrischer Krankheiten eingesetzt werden. Beide Wissenschaftler erhalten über einen Zeitraum von fünf Jahren jeweils 1,5 Millionen Euro für ihre Forschung.</p><p>Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) stellt jährlich über eine halbe Milliarde Euro für die exzellentesten Nachwuchs-Wissenschaftler Europas zur Verfügung. Auswahlkriterien sind wissenschaftliche Exzellenz des Forschers und das innovative Potenzial der Forschungsidee.</p><h3>Wie Homo Sapiens überlebte</h3><p>Im Rahmen des Projekts „PALAEOSILKROAD“ werden Radu Iovita und sein Team nach neuen Fundstellen im Vorgebirge entlang der kasachischen Seidenstraße suchen: Auf dieser Handelsroute zwischen Ostasien und dem Nahen Osten wurden schon in der Antike Waren gehandelt, es fand ein kultureller und genetischer Austausch statt. Die Ursprünge dafür liegen wohl im Pleistozän während der letzten Eiszeit, als drei verschiedene Menschenarten Zentralasien und Südsibirien simultan bewohnten. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss, wie Menschen in der Region die Klimaschwankungen während der Eiszeitzyklen überlebten und inwiefern die Ausbreitung von Gletschern und Wüsten zur Zerstreuung in verschiedene Bevölkerungsgruppen oder ihren Zusammenschluss beitrug. „Dies könnte uns neue Erkenntnisse bringen, wie sich der Mensch auf der Erde verbreitete und wie er Umwelt-Herausforderungen meisterte“, sagt er. „Vor allem würden wir gerne verstehen, wie wir,  Homo sapiens, es zur einzigen überlebenden Art unserer Gattung geschafft haben.“ &lt;link http: www.palaeosilkroad.eu&gt;<a href="http://www.palaeosilkroad.eu" target="_blank" rel="noreferrer">www.palaeosilkroad.eu</a></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="427117" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-09-27Radu_Iovita_9413645adb.jpg" alt style="padding-left: 10px; float: right;" title height="266" width="150"></p><p>Radu Iovita hat Anthropologie an der Universität Harvard und Archäologie an der Universität Cambridge studiert und wurde an der Universität Pennsylvania promoviert. Er absolvierte Forschungsaufenthalte im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Neuwied, an der Universität Mainz sowie am Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Neben seiner Tübinger Tätigkeit ist er Assistent Professor für Anthropologie an der New York University.</p><p><br>(Foto: Patrick Cuthbertson)</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Radu Iovita <br>Universität Tübingen<br>Institut Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br>&lt;link&gt;radu.iovita@uni-tuebingen.de</p><h3>Gehirn-Computer-Schnittstellen zur Wiederherstellung von Hirnfunktionen</h3><p>Surjo Soekadar erforscht im Rahmen des Projekts „Building Next-Generation Brain/Neural-Machine Interfaces for Restoration of Brain Functions“ (NGBMI) den klinischen Einsatz von sogenannte Gehirn-Computer-Schnittstellen. Mit diesen lassen sich elektrische, magnetische oder metabolische Hirnaktivität direkt in Steuersignale externer Geräte übersetzen, beispielsweise Roboter, Computer oder Prothesen. Der Mediziner hatte in einer Studie gezeigt, dass Querschnittsgelähmte mit vollständiger Fingerlähmung durch ein hirngesteuertes Hand-Exoskelett wieder selbstständig essen und trinken können. Dabei wies er auch nach, dass der regelmäßige Einsatz eines solchen Systems zu spezifischen Umbauvorgängen des Gehirns und Rückenmarks führen kann, die Erholungsprozesse nach Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen begünstigen. Im Rahmen des ERC-Forschungsprojekts will Surjo Soekadar diese Technologie nun weiterentwickeln, um bestimmte Hirnfunktionen zu verbessern oder wiederherzustellen, die bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen oder dementiellen Syndromen, gestört sind. Die Kombination von Gehirn-Computer-Schnittstellen mit elektrischen oder magnetischen Hirnstimulationsverfahren spielt hierbei eine wichtige Rolle.</p><p>Surjo Soekadar hat an den Universitäten Mainz, Heidelberg und Baltimore studiert. Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim wurde er zum Thema neuronale Plastizität und Phantomschmerzen promoviert. In Tübingen setzte er seine wissenschaftliche Arbeit bei Niels Birbaumer fort. Seit seiner Rückkehr von einem dreijährigen Forschungsaufenthalt an den National Institutes of Health (NIH, USA) leitet er die Arbeitsgruppe Angewandte Neurotechnologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums sowie am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen.</p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="427119" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-09-27Surjo_R_Soekadar_c91d23ad57.jpg" alt style="padding-right: 10px; float: left;" title height="225" width="300"></p><p><br>(Foto: Friedhelm Albrecht / Universität Tübingen)</p><h3>Kontakt:</h3><p>PD Dr. med. Surjo Soekadar<br>Universität Tübingen / Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie<br>Angewandte Neurotechnologie <br>Telefon +49 7071 29-82640<br>&lt;link&gt;surjo.soekadar@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15979</guid><pubDate>Tue, 26 Sep 2017 16:00:00 +0200</pubDate><title>Neues Konzept für Zeicheninstitut der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-konzept-fuer-zeicheninstitut-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Internationale Künstler als „Invited Artists“ ‒ Kursangebot bleibt in vollem Umfang erhalten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Senat der Universität Tübingen hat am Dienstag ein neues Konzept für das universitäre Zeicheninstitut beschlossen. Künftig sollen Künstler aus aller Welt als „Invited Artists“ für Lehraufträge nach Tübingen geholt werden. Zudem setzt die Universität verstärkt auf interne Kooperationen, beispielsweise mit dem Museum der Universität MUT, dem Zentrum für Medienkompetenz oder mit Theatergruppen. Gleichzeitig bleibt das bisherige Lehrangebot des Zeicheninstituts weiterhin bestehen: Künstlerisch interessierte Studierende aller Fakultäten können im Rahmen des Studium Professionale am Zeicheninstitut auch weiterhin Kurse in Zeichnen, Malerei, Bildhauerei und Fotografie belegen.</p><p>Mit „Invited Artists“ sollen künftig international sichtbare und innovative Künstler den Studierenden in Kursen und Projekten den Blick auf die Kunst unterschiedlicher Kulturkreise eröffnen sowie gestalterische Impulse in die Universität tragen. Ein Kuratorium, das sich aus Personen zusammensetzt, die mit der internationalen Kunstszene gut vertraut sind, schlägt dem Rektorat potenzielle Gastkünstler vor. Darüber hinaus werde das Zeicheninstitut seine Arbeit bruchlos fortsetzen, sagte Rektor Professor Bernd Engler: „Wir haben am Zeicheninstitut tätige Dozentinnen und Dozenten für ein weiteres Engagement gewonnen. Das Budget steht in der bisherigen Höhe zur Verfügung und auch die Räume unter dem Dach der Neuen Aula werden unverändert weiter genutzt.“</p><p>Die Verwaltung der Kurse übernimmt der Career Service im Dezernat Studium und Lehre, bei dem heute bereits alle weiteren überfachlichen Qualifikationsangebote („Studium Professionale“) angesiedelt sind. Für das Kursangebot des Zeicheninstituts zeichnet ein Beirat unter Vorsitz der Prorektorin für Studium und Lehre, Professorin Karin Amos, verantwortlich. Dagegen wird es die bisherige Stelle eines Universitätszeichenlehrers künftig nicht mehr geben. Nachdem der amtierende Universitätszeichenlehrer Frido Hohberger zum Wintersemester 2017/2018 in den Ruhestand geht, hat die Universität sich für die konzeptionelle Neuausrichtung des Zeicheninstituts entschieden. Engler dankte Hohberger für die in den vergangenen Jahrzehnten geleistete Arbeit. Es sei sein Verdienst, dass das Zeicheninstitut in Tübingen und der Region einen ausgezeichneten Ruf besitzt.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15615</guid><pubDate>Mon, 25 Sep 2017 21:00:00 +0200</pubDate><title>Das Motorprotein tanzt in unseren Zellen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-motorprotein-tanzt-in-unseren-zellen/</link><description>Biologen der Universität Tübingen erforschen anhand „optischer Pinzetten“, wie sich die winzigen molekularen Maschinen auf einer Nanoskala fortbewegen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-25Motorprotein_Kinesin_Erik_Schaeffer.png" length="537427" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>Motorproteine treiben als molekulare Maschinen viele lebenswichtige Prozesse in unseren Zellen an: Dabei bewegen sie sich „tanzenderweise“ fort, wie Professor Erik Schäffer und sein Team vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen nun in einer Studie zeigen. Um die winzigen Proteine auf der Größenskala von Nanometern, also einem Millionstel Millimeter, verfolgen zu können, nutzte er eine selbstentwickelte optische Pinzette. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin <em>PNAS </em>veröffentlicht.</p><p>Motorproteine, wie beispielsweise das Kinesin, sind die treibende Kraft für Prozesse in unseren Zellen: Beispielsweise ziehen sie bei der Zellteilung Chromosomen ‒ das Erbgut ‒ mechanisch auseinander oder sie transportieren „Pakete“ innerhalb der Zelle von A nach B, entlang winziger 13-spuriger „Autobahnen“, genannt Miktrotubuli. Mit einer Länge von etwa 60 Nanometern sind diese Motorproteine mit bloßem Auge nicht sichtbar, doch ihre Auswirkung ist enorm: Funktioniert beispielsweise der Transport in Nervenzellen nicht mehr, kann dies unter anderem zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer führen. Wie sich diese Motoren entlang der Mikrotubuli bewegen ist deshalb eine grundlegende, biologische Fragestellung. Aufschlüsse zu ihrer Funktion könnten wichtig für die Entwicklung von Medikamenten gegen neurodegenerative Erkrankungen oder ungewollte Zellteilung wie bei Krebs sein.</p><p>Der Biophysiker Erik Schäffer hat ein neues Mikroskop entwickelt, eine optische Pinzette mit Rotationssensor, mit dem gleichzeitig die Fortbewegungen wie auch die Drehung der nanoskaligen Motoren gemessen werden kann. Nach derzeitigen Erkenntnissen hat das Kinesin zwei „Füße“, die es in acht Nanometer großen Schritten einen vor den anderen setzt, um sich vorwärts zu bewegen ‒ ähnlich wie beim menschlichen Gang. Die neuen Messungen zeigen nun, dass es sich dabei nicht nur vorwärts bewegt, sondern auch noch dreht, ähnlich wie bei einem Wiener Walzer: Es macht mit jedem Schritt eine halbe Drehung und dreht in einer Rotationsbewegung sich selbst und die zu transportierenden „Pakete“ immer in die gleiche Richtung weiter.</p><p>Welche Auswirkung diese Art der Fortbewegung auf den Transport und die Zellteilung hat, wollen die Wissenschaftler in weiteren Studien untersuchen.</p><h3>Publikation: </h3><p>Avin Ramaiya, Basudev Roy, Michael Bugiel and Erik Schäffer, Kinesin rotates unidirectionally and generates torque while walking on microtubules, <em>PNAS</em>, doi/10.1073/pnas.1706985114</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Erik Schäffer<br>Universität Tübingen<br>Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)<br>Telefon: +49 7071-29-78831<br>&lt;link&gt;Erik.Schaeffer@uni-tuebingen.de</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-25Motorprotein_Kinesin_Erik_Schaeffer.png" lenght="537427" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14270</guid><pubDate>Wed, 20 Sep 2017 13:57:00 +0200</pubDate><title>Karl Schlecht erhält Universitätspreis 2017</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/karl-schlecht-erhaelt-universitaetspreis-2017/</link><description>Universität Tübingen würdigt Engagement für Forschung und Lehre: Stiftung des Unternehmers fördert Weltethos-Institut und China Centrum Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-20Karl_Schlecht.jpg" length="272103" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verleiht den Universitätspreis 2017 an den Unternehmer und Stiftungsgründer Professor h. c. Karl Schlecht. Rektor Professor Dr. Bernd Engler überreicht den Preis im Rahmen des Festakts zum Dies Universitatis am <strong>Mittwoch, den 18. Oktober 2017 (17 Uhr c. t., Alte Aula, Münzgasse 30)</strong>. Die Laudatio hält Professor Dr. Dr. h c. Klaus Michael Leisinger, Präsident der Stiftung Globale Werte Allianz. Den Festvortrag hält Professor Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor des China Centrums Tübingen.</p><p>Mit der Auszeichnung würdigt das Rektorat das Engagement Karl Schlechts für universitäre Forschung und Lehre in Tübingen, insbesondere zum Thema „universelle ethische Normen und Prinzipien“. So gründete die Stiftung des Unternehmers 2012 gemeinsam mit der Weltethos-Stiftung und der Universität das Weltethos-Institut Tübingen. Als An-Institut der Universität fördert dieses in Forschung, Lehre und öffentlichen Veranstaltungen moralisches Handeln in der globalen Wirtschaft und den Dialog der Kulturen (&lt;link http: www.weltethos-institut.org&gt;www.weltethos-institut.org). Die Karl Schlecht Stiftung ist auch Trägerin eines ebenfalls 2012 eröffneten Weltethos-Schwesterinstituts an der Universität Peking.</p><p>Ebenfalls dank Unterstützung der Karl Schlecht Stiftung forscht seit 2016  das China-Centrum an der Universität Tübingen (CCT). Es soll den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und China befördern sowie das wechselseitige Verständnis der unterschiedlichen Kulturkreise und Wertehorizonte verbessern. Das CCT setzt sich unter anderem für eine wissenschaftsgeleitete Auseinandersetzung mit dem chinesischen Wirtschaftssystem und für die Einführung des Schulfachs Chinesisch ein. (&lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/de/74166" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/de/74166</a>)</p><p>Der Diplom-Ingenieur und Professor h. c. Karl Schlecht (geb. 1932 in Filderstadt-Bernhausen) ist Gründer des Betonpumpenherstellers „Putzmeister AG“ in Aichtal. 1998 gründete er die gemeinnützige Karl Schlecht Stiftung: In zahlreichen Projekten und Partnerschaften unterstützt diese die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und angehender Führungskräfte. Ziel ist es, mit der Vermittlung humanistischer Werte die Führung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu verbessern („Good Leadership“) und ein ethisches Bewusstsein in der Wirtschaft zu verankern. In diesem Rahmen will die Stiftung auch Impulse für die universitäre Forschung und Lehre geben. (&lt;link http: www.karlschlechtstiftung.de&gt;www.karlschlechtstiftung.de)</p><p>Der Universitätspreis wird seit 2008 vergeben. Die Universität Tübingen ehrt damit herausragende Freunde, Förderer, Stifter, Sponsoren und langjährige Kooperationspartner, die durch ihr besonderes Engagement die Forschung und die Lehre an der Hochschule unterstützen.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Simona Steeger</p><p>Universität Tübingen Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-77825<br>&lt;link&gt;simona.steeger@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-20Karl_Schlecht.jpg" lenght="272103" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13479</guid><pubDate>Mon, 18 Sep 2017 14:46:00 +0200</pubDate><title>Engagement für Menschenrechte: Universität Tübingen zeichnet Heiner Bielefeldt aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/engagement-fuer-menschenrechte-universitaet-tuebingen-zeichnet-heiner-bielefeldt-aus/</link><description>Katholisch-Theologische Fakultät ehrt Menschenrechtler Heiner Bielefeldt mit dem „Alfons Auer Ethik-Preis“</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-18PM_Alfons_Auer_Ethik_Preis_Bielefeldt_Heiner.jpg" length="2663017" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Theologe, Philosoph und Historiker Professor Heiner Bielefeldt wird für seine Verdienste um Menschenrechte und Religionsfreiheit mit dem „Alfons Auer Ethik-Preis“ der Universität Tübingen ausgezeichnet. Die Katholisch-Theologische Fakultät verleiht den Preis alle zwei Jahre an eine Persönlichkeit, die sich durch besonderes ethisches Engagement im religiösen, wissenschaftlichen und/oder gesellschaftlichen Bereich ausgezeichnet hat. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wurde 2015 vom Unternehmer Siegfried Weishaupt zum Gedenken an den Moraltheologen Alfons Auer gestiftet; am 14. November 2017 wird der Preis zum zweiten Mal verliehen.</p><p><br>Heiner Bielefeldt erhält die Auszeichnung „für sein Engagement für Menschenwürde und die Menschenrechte sowohl auf theoretischer wie auf praktischer Ebene. Er tritt ein für die Religionsfreiheit als Freiheitsrecht der einzelnen und fördert aktiv interkulturelle und interreligiöse Verständigung“, so die Begründung der Jury. In seinen Forschungen vereine er verschiedene Wissenschaftsdisziplinen, die für Menschenrechte relevant seien, wie Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaft, Geschichte und Politikwissenschaft. Bemerkenswert sei außerdem sein Einsatz für die praktische Umsetzung von Menschenrechten und interkulturelle Verständigung, beispielsweise als UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit.</p><p><br>Die Universität Tübingen und Alfons Auer spielten in der Vergangenheit bereits eine Rolle für Heiner Bielefeldt: für die Preisverleihung kehrt er an seine Alma Mater zurück, wo er Anfang der 1980er Jahre noch persönlich bei Alfons Auer Vorlesungen über die autonome Moral hörte. 1981 erwarb Bielefeldt sein Diplom in katholischer Theologie; 1989 promovierte er im Fach Philosophie über Freiheitsrechte und politische Gerechtigkeit in der Neuzeit. Sein Doktorvater, der Tübinger Professor Johannes Schwartländer, inspirierte ihn zu seinem Lebensthema: die Menschenrechte als interdisziplinärer Forschungsbereich.</p><p><br>In seiner Habilitationsschrift über „Die Philosophie der Menschenrechte. Grundlagen eines weltweiten Freiheitsethos“ suchte er nach einer Begründung der Menschenwürde und Menschenrechte, die theoretisch fundiert und praktisch anwendbar ist. Anregungen dafür erhielt er aus seinem Engagement bei der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“. 2003 wurde er Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte in Berlin. In dieser Position setzte er sich für die Einhaltung der Menschenrechte ein und war beratend und forschend als Vermittler zwischen Staat, Gesellschaft, Wissenschaft, sowie zwischen nationalen und internationalen Akteuren tätig. 2009 wurde er auf den Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit war er von 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit. In dieser ehrenamtlichen Tätigkeit sprach er mit Vertretern von Regierungen, Organisationen und Kirchen sowie mit Gläubigen in der ganzen Welt und berichtete den Vereinten Nationen seine Einschätzungen in Sachen Religionsfreiheit.</p><h3><br>Der Alfons Auer Ethik-Preis </h3><p><br>Der Alfons Auer Ethik-Preis wurde 2015 erstmals von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen an den kanadischen Sozialphilosophen Professor Charles Taylor vergeben. Die Auszeichnung ist dem Tübinger Theologen Alfons Auer gewidmet und mit 25.000 Euro dotiert. Alfons Auer (1915-2005), geboren in Schwendi-Schönebürg, war Gründungsdirektor der Katholischen Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart (1951-53), bevor er 1955 auf den Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Würzburg berufen wurde. Von 1966 bis zu seiner Emeritierung 1981 war er Ordinarius für Moraltheologie an der Universität Tübingen.</p><p><br>Auer gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Moraltheologen des 20. Jahrhunderts, der sich um einen Dialog von Kirche und Welt im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils bemüht hat. Kennzeichnend für seinen ethischen Ansatz war die zentrale Stellung der menschlichen Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre, die er in einer positiven Sicht von Mensch und Schöpfung verankerte.</p><p><br>Zum 100. Geburtstag von Alfons Auer im Jahr 2015 stiftete der Unternehmer Siegfried Weishaupt einen Preis. Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter der Max Weishaupt GmbH. Das weltweit tätige Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern und Hauptsitz im schwäbischen Schwendi wurde von seinem Vater Max Weishaupt, Ehrensenator der Universität Tübingen, gegründet. Seit mehr als 50 Jahren ist Siegfried Weishaupt zudem leidenschaftlicher Kunstsammler, die „Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt“ ist seit 2007 in der Kunsthalle Weishaupt in Ulm zu sehen.</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse<br>Universität Tübingen<br>Katholisch-Theologische Fakultät<br>Theologische Ethik/Sozialethik<br>Telefon: +49 7071 29-76976<br>&lt;link&gt;matthias.moehring-hesse[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/2/a/csm_17-09-18PM_Alfons_Auer_Ethik_Preis_Bielefeldt_Heiner_ba6af1b029.jpg" lenght="2663017" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13403</guid><pubDate>Mon, 18 Sep 2017 14:21:00 +0200</pubDate><title>Kraftstoff aus Abfällen und Elektrizität?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/kraftstoff-aus-abfaellen-und-elektrizitaet/</link><description>Wissenschaftler zeigen, dass es möglich ist, aus komplexer Biomasse und elektrischer Energie drop-in Kraftstoff zu produzieren</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-18_PM_Biodiesel_harnisch_1.jpg" length="193094" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Universität Tübingen, der amerikanischen Cornell University und des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) zeigen, dass durch die Kombination von mikrobieller und elektrochemischer Stoffumwandlung aus Biomasse hochwertige Produkte entstehen können. In ihrem Experiment nutzten die Forscher ein Abfallprodukt der Bioethanolherstellung und Maissilage, um Alkane mit hoher Energiedichte und dieselähnlichen Eigenschaften herzustellen. Die Arbeit wurde in Energy &amp; Environmental Science, dem am höchsten klassifizierten Journal der Umweltwissenschaften veröffentlicht.</p><p><br> Ob Klimawandel, wachsende Nachfrage nach Ressourcen oder umweltbelastende Stoffströme – wir brauchen nicht nur eine Energiewende, sondern eine Kehrtwende hin zu einem produktorientierten und integrativen Umweltschutz. Kreisläufe müssen geschlossen werden, umweltschädliche Einsatzstoffe müssen durch ökologisch verträgliche ersetzt werden, der Verbrauch fossiler und anorganischer Rohstoffe muss reduziert werden. Eine Schlüsselrolle bei der Suche nach Lösungen spielen neue Verfahren der Biotechnologie.</p><p><br> Dazu zählt auch die bioelektrochemische Synthese, die von Chemiker Dr. Falk Harnisch und seiner Arbeitsgruppe am UFZ in Leipzig erforscht wird. Deren Ziel ist es, durch die Kombination von Mikrobiologie und Elektrochemie aus nachwachsenden Ressourcen und Abfallprodukten Energieträger und Chemikalien zu gewinnen. Harnisch ist überzeugt: “Durch die Kombination von mikrobieller und elektrochemischer Stoffumwandlung könnten zukünftig Bioelektroraffinerien entstehen, die Kraftstoffe, Energie und Chemikalien durch integrierte Biomassenutzung produzieren“.</p><p><br> In einer aktuellen Studie, die unter seiner Leitung und in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Tübingen, der Cornell University und des Deutschen Biomasseforschungszentrums entstanden ist, zeigen die Forscher, dass Biomasse in Alkane mit hoher Energiedichte und dieselähnlichen Eigenschaften überführt werden kann. So wurde auf der Basis von Corn beer, einem Abprodukt der Bioethanolherstellung aus Mais, im Laufe des kombinierten mikrobiologisch-elektrochemischen Prozesses bereits eine Biomasse/Kraftstoff-Ausbeute von 50 Prozent erreicht. Prof. Lars Angenent von der Universität Tübingen, ein Mitautor der Studie, hebt hervor: “Mit dem corn beer haben wir in diesem Experiment einen relativ hochwertigen Ausgangsstoff genutzt. Weiterführende Versuche zeigen uns jedoch deutlich, welch großes Potenzial in dem Verfahren steckt – sowohl im Hinblick auf die mögliche Vielfalt der Ausgangsstoffe und der erhaltenen Produkte als auch den gekoppelten Ablauf von Mikrobiologie und Elektrochemie.“ Denn während die mikrobielle Synthese kontinuierlich abläuft, kann die schnellere elektrochemische Stoffumwandlung Überschussstrom verarbeiten. Damit kann Kraftstoff als effektiver Speicher von elektrischer Energie dienen.</p><p><br> Falk Harnisch betrachtet diese Studie als ersten Schritt in der Verfahrensentwicklung. “Wir haben im Labormaßstab gezeigt, dass ein solcher Prozess durchführbar ist. Die Herausforderung ist nun, jeden Teilschritt zu optimieren und eine Skalierung entlang des gesamten Prozesses bis in den Pilotmaßstab durchzuführen. Dabei wird sich auch zeigen, inwiefern das Verfahren ökonomisch wettbewerbsfähig ist. Dies sei, so Harnisch, allerdings auch eine Frage der politischen Rahmenbedingungen zur Förderung von Mobilität.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="426087" height="195" src="fileadmin/_processed_/csm_17-09-18_PM_Biodiesel_harnisch_2_8199071782.jpg" title width="293" style></td><td><br> 			Vereinfachte Darstellung des kombinierten mikrobiellen elektrochemischen Verfahrens zur Herstellung von drop-in Kraftstoff aus Biomasse. Copyright: UFZ / Carolin Urban und Falk Harnisch</td></tr></tbody></table></div></div><h3><br> Publikation:</h3><p>Urban, C., Jiajie, X., Sträuber, H., dos Santos Dantas, T. R., Mühlenberg, J. Härtig, C., Angenent, L. T., Harnisch, F. (2017): Production of drop-in fuel from biomass at high selectivity by by combined microbial and electrochemical conversion. Energy &amp; Environmental Science doi: 10.1039/C7EE01303E</p><p><br> Die Studie wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (BMBF-Initiative „Nächste Generation biotechnologischer Verfahren - Biotechnologie 2020+"), die Helmholtz Gemeinschaft (Young Investigators Group &amp; Research Program Renewable Energie) und das NSF SusChemProgram.</p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Lars Angenent<br> Universität Tübingen<br> Zentrum für Angewandte Geowissenschaften<br> Telefon +49-(0)7071-29-73153<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,n0cpigpgpvBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">l.angenent[at]uni-tuebingen.de</a></p><p><br> PD Dr. Falk Harnisch<br> UFZ-Department Umweltmikrobiologie, Leiter der AG “Mikrobielle Bioelektrokatalyse und Bioelektrotechnologie“<br> E-Mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,hcnm0jctpkuejBwhb0fg" data-mailto-vector="2">falk.harnisch[at]ufz.de</a><br> Phone: +49-(0)341-235-1337<br><a href="http://www.ufz.de/index.php?en=31006" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.ufz.de/index.php?en=31006</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-18_PM_Biodiesel_harnisch_1.jpg" lenght="193094" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14424</guid><pubDate>Mon, 11 Sep 2017 16:40:00 +0200</pubDate><title>24. Tübinger Erbe-Lauf: Beim „Jeder kann-Run“ sind alle Sieger</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/24-tuebinger-erbe-lauf-beim-jeder-kann-run-sind-alle-sieger/</link><description>Sportwettkampf hält Tübingen am 17. September auf Trab – Organisation wird ab 2018 auf neue Beine gestellt</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-11_Erbe_Lauf_2017.jpg" length="4976463" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Am 17. September 2017 startet der 24. Tübinger Erbe-Lauf. Er wird auch dieses Jahr von Studierenden des Instituts für Sportwissenschaft (IfS) im Projektseminar „Sport konzipieren, organisieren und evaluieren“ organisiert. Für Andreas Dietrich (Institut für Sportwissenschaft), Marc Oßwald (KOKO &amp; DTK Entertainment GmbH) und Dieter Baumann (LAV Stadtwerke Tübingen) wird dies der letzte Erbe-Lauf als Projektleiter sein: Ab dem Jahr 2018 wird die Stelle einer neuen Projektleitung am IfS eingerichtet und von der Erbe Elektromedizin GmbH finanziert.</p><p><br>Der Erbe-Lauf 2017 führt wieder von der Mensa Wilhelmstraße über den Stadtgraben durch den Fahrradtunnel zum Anlagensee und über die Mühlstraße zurück zum Zieleinlauf an der Neuen Aula. Mitmachen können sowohl ambitionierte Sportler als auch Einsteiger. Für letztere sind die Startbedingungen nun noch günstiger: Im neuen, 3,3 Kilometer langen „Jeder kann-Run“ kommen alle als Sieger an ‒ es gibt eine Einzelwertung aber keine Siegerehrung.</p><p><br>Für alle anderen erwachsenen Läuferinnen und Läufer führt – wie in den vergangenen Jahren – der 1. und 2. Erbe-Lauf über eine zehn Kilometer-Strecke durch Tübingen, jeweils mit unterschiedlichen Zeitvorgaben. Im Volksbank-Schülerlauf „Gemeinsam gewinnt“ laufen Teilnehmer bis zu zehn Jahren eine Strecke von 700 Metern, Teilnehmer bis zu 12 Jahren 1500 Meter und Teilnehmer bis zu 14 und 16 Jahren 3300 Meter. Die BG Handbike Challenge „Bring was ins Rollen“ findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt: Bei dem Rennen mit Fahrrädern, die durch die Arme angetrieben werden (Adaptivbike und Rennbike), messen sich Teilnehmer mit Handicap auf einer Strecke von ca. 3,3 Kilometern.</p><p><br>Rund 250 ehrenamtliche Helfer werden zum Erbe-Lauf im Einsatz sein. Auch dieses Jahr steht von 10 bis 15 Uhr ein Bus-Shuttle des Team-Partners Mey Generalbau zwischen der Universitätssporthalle Alberstraße 27 (Umkleide und Duschen) und Mensa Wilhelmstraße zur Verfügung. Bislang haben sich 1550 Läufer angemeldet, davon gehen 160 Teams im Firmenlauf an den Start. Im Volksbank-Schülerlauf hatten sich bis zum Montag 700 Nachwuchsläufer angemeldet. Aus Universität und Universitätsklinikum Tübingen laufen insgesamt 40 Teams um den Titel „Die schnellsten Denker“. Zudem gibt es Auszeichnungen sowohl für das schnellste als auch für das Team mit den meisten Köpfen. Für das BG Handbike Challenge gehen 16 Teilnehmer an den Start. Nachmeldungen sind noch am Samstag, den 16. September, in der Mensa Wilhelmstraße von 10 bis 18 Uhr möglich. Beim „Jeder-kann-Run“ starten erstmalig 70 Läufer.</p><p><br>Als Sozialpartner sammeln die Martin-Bonhoeffer-Häuser der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe während der Veranstaltung Spenden. Sportler unterstützen das Projekt „Care Leaver – Wege in die Selbständigkeit“, indem sie durch das Spendentor in der Mühlstraße laufen. Pro durchlaufene Runde gehen fünf Euro an den diesjährigen Sozialpartner, möglich sind in drei Runden bis zu 15 Euro pro Person.</p><p><br>Die Studierenden des Bachelorstudiengangs „Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Sportmanagement, Gesundheitsförderung und Sportpublizistik“ lernen im zweisemestrigen Projektseminar, was es bei der Konzeption, Vorbereitung und Durchführung sportlicher Veranstaltungen zu beachten gilt. Sie verhandeln unter anderem mit Wirtschaftspartnern, betreiben Online-Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, erstellen das Programmheft und koordinieren die Logistik der Großveranstaltung sowie das Wettkampfbüro und alle zeitlichen Abläufe.</p><p><br>Alle Informationen unter &lt;link http: www.tuebinger-erbe-lauf.de&gt;www.tuebinger-Erbe-Lauf.de</p><h3><br>Kontakt:</h3><p>Andreas Dietrich, Projektleitung 24. Tübinger Erbe-Lauf 2017<br>Universität Tübingen<br>Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät<br>Institut für Sportwissenschaft<br>Telefon +49 7071 29-78411<br>&lt;link&gt;a.dietrich[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/d/5/csm_17-09-11_Erbe_Lauf_2017_82f76ed2e7.jpg" lenght="4976463" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13971</guid><pubDate>Fri, 08 Sep 2017 12:38:00 +0200</pubDate><title>Der Pflanzengenetiker Chang Liu erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/der-pflanzengenetiker-chang-liu-erhaelt-einen-starting-grant-des-europaeischen-forschungsrats/</link><description>Der Wissenschaftler der Universität Tübingen untersucht die dreidimensionale Struktur der pflanzlichen DNA und deren Auswirkungen auf die Funktion der Zelle</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-08Liu_Chang.jpg" length="340601" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Chang Liu, Nachwuchs-forschungsgruppenleiter am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen, hat einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben. Sein Forschungsprojekt in der Genetik „Chromatin Packing and Architectural Proteins in Plants“ (CHROMATADS) – Verpackungs- und Gerüstproteine des Chromatins in Pflanzen – wird in den kommenden fünf Jahren mit knapp 1,5 Millionen Euro gefördert. Der ERC, die Forschungsfördereinrichtung der Europäischen Union, vergibt Starting Grants an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit mehrjähriger Erfahrung nach der Promotion. Auswahlkriterien sind wissenschaftliche Exzellenz des Forschers und das innovative Potenzial der Forschungsidee.</p><p>Wenn man die DNA aus dem Kern einer Pflanzenzelle der Länge nach hinlegen würde, wäre sie mehrere Meter lang. Tatsächlich ist sie aber so eng gefaltet und gepackt, dass sie in den Kern mit einem Durchmesser von wenigen Mikrometern passt – das sind millionstel Meter. Die gepackte DNA, die mit weiteren Molekülen wie zum Beispiel Proteinen und RNAs assoziiert ist, nennt man Chromatin. In der lebenden Zelle hat das Chromatin bei genauerem Hinsehen eine dreidimensionale organisierte Struktur: Während einige Regionen sehr eng gepackt sind, liegen andere locker und sind für Regulationsfaktoren zugänglich. Einige Regionen sind an andere, zum Teil auf dem DNA-Strang weit entfernte Gegenstücke angelagert. „Diese Struktur bestimmt, welche Gene gerade aktiv sind und abgelesen werden, was wiederum entscheidend für die Zellfunktionen ist“, erklärt Chang Liu. An tierischen Zellen seien diese Vorgänge bereits weitergehend erforscht. „Bei Pflanzenzellen ist noch wenig bekannt. Das liegt auch daran, dass die pflanzenspezifischen Faktoren, die das Chromatin falten und strukturieren, nicht so gut erforscht sind.“</p><p>In seinem Projekt CHROMATADS möchte Liu diese Wissenslücken schließen. Er arbeitet mit Hightech-Methoden an der Schnittstelle von Molekularbiologie und Informatik. Das Forschungsgebiet verspricht neue Erkenntnisse in der funktionellen Pflanzengenomik, über die Chromatinstruktur und die Regulierung der Transkription, der Ablesung der Gene, in Pflanzenzellen. „Dies ist auch ein kritischer Schritt bei der gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen, von denen neue im landwirtschaftlichen Anbau stabile Sorten hergestellt werden sollen“, sagt Liu.</p><p>Chang Liu hat an der National University of Singapore Biowissenschaften studiert und dort 2010 auch seine Promotion abgeschlossen über Pflanzengene, die den Zeitpunkt und die Entwicklung der Blüte regulieren. Nach zwei weiteren Jahren als Postdoktorand am Temasek Life Sciences Laboratory in Singapur ging Liu mit einem Stipendium im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen der Europäischen Union von 2012 bis 2015 an das Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie. Seit September 2015 leitet der Pflanzengenetiker am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen eine eigene Forschungsgruppe.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Chang Liu<br>Universität Tübingen<br>Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)<br>Telefon +49 7071 29-74608<br>&lt;link&gt;chang.liu@zmbp.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-09-08Liu_Chang.jpg" lenght="340601" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15627</guid><pubDate>Tue, 05 Sep 2017 11:00:00 +0200</pubDate><title>Markierte Zellen als Fenster in den Körper</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/markierte-zellen-als-fenster-in-den-koerper/</link><description>Tübinger Forscher entwickeln Verfahren, das Zellen in Mäusen gezielt sichtbar macht und helfen könnte, Tierversuche zu reduzieren</description><content:encoded><![CDATA[<div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="424559" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-09-04-PET_b2f53fc4f8.jpg" alt title height="83" width="300" style></td><td>Bilder: Robert Feil und Bernd Pichler / Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><p>Eine neue und besonders zuverlässige Methode zur Markierung von Zellen kann Forschungen zu Krankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes oder Alzheimer vereinfachen und den Einsatz von Versuchstieren reduzieren: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie bestimmte Zelltypen in Mäusen gezielt markieren und ihr Verhalten durch Positronen-Emissions-Tomografie (PET) verfolgen können. Mit dem „PET-basierten Cell Tracking“ kann man komplexe Lebensprozesse im Körper beobachten, ohne die Versuchstiere mit invasiven Methoden zu belasten.</p><p>„Die Möglichkeit, das Verhalten ausgewählter Zellpopulationen im lebenden Tier nichtinvasiv und in Aktion zu beobachten, eröffnet neue Wege für die Erforschung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten. Gleichzeitig reduziert sie die Belastung und Anzahl der Versuchstiere gegenüber bisherigen Methoden“, erklärt Professor Robert Feil. Er und sein Team vom Interfakultären Institut für Biochemie (IFIB) der Universität Tübingen führten die Studie gemeinsam mit dem Werner Siemens Imaging Center und den Abteilungen für Kardiologie, Pathologie und Physiologie des Universitätsklinikums Tübingen sowie der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Münster durch. Ihre Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications</em> veröffentlicht.</p><p>Gewebe und Organe bestehen aus vielen verschiedenen Zelltypen, wie Blut-, Knochen-, Leber-, Muskel- oder Nervenzellen. Die Wanderung und/oder Veränderung der Anzahl bestimmter Zelltypen ist ein normaler Körperprozess, aber auch Merkmal zahlreicher Krankheiten. Zum Beispiel führt die Vermehrung und Migration von Immunzellen zu Entzündungen, unkontrolliertes Zellwachstum löst Krebs oder Arteriosklerose aus und der Verlust bestimmter Zellpopulationen ist die Ursache für Diabetes mellitus oder Alzheimer-Demenz. Diese Vorgänge beruhen auf komplexen Interaktionen verschiedenster Zelltypen. Um sie zu verstehen, muss der gesamte Organismus in den Blick genommen werden.</p><p>Die neue Methode „PET-basiertes Cell Tracking“ beruht auf einem künstlichen PET-Reporter-Enzym, das durch einen genetischen Trick in jedem Zelltyp der Maus gebildet werden kann (beispielsweise nur in T-Zellen des Immunsystems). Das Enzym bewirkt, dass sich in diesen spezifischen Zellen eine radioaktive Substanz, der sogenannte PET-Tracer, ansammelt. Die für das Tier ungefährliche radioaktive Strahlung wird in einem Positronen-Emissions-Tomografen erkannt und am Bildschirm sichtbar gemacht. Die PET wird schon lange auch bei Menschen eingesetzt. Als nichtinvasives Verfahren belastet sie den Organismus weniger als viele andere Untersuchungsmöglichkeiten.</p><p>Zur Analyse des Zellverhaltens in Mäusen wurden bisher meist Verfahren verwendet, die nur für wenige Zelltypen in Frage kamen, sehr belastende Untersuchungen nötig machten oder die Tötung der Versuchstiere erforderten. „Durch den Einsatz moderner Bildgebungsmethoden können wir eine Verringerung der Versuchstierzahl um bis zu 80 Prozent erreichen“, sagt Dr. Martin Thunemann, Erstautor der Studie, der mittlerweile an der University of California in San Diego forscht. „Die markierten Zellpopulationen können mit unserer Methode nichtinvasiv in lebenden Mäusen über viele Wochen verfolgt werden, sodass die gleiche Gruppe von Tieren wiederholt untersucht werden kann.“ In der Studie markierten die Autoren Blutplättchen, Herzmuskelzellen oder T-Zellen in Versuchsmäusen und verfolgten dann ihr Verhalten bei Herzinfarkt oder Entzündungsreaktionen.</p><p>Das neu entwickelte bildgebende Reportersystem könne zur Darstellung jedes beliebigen Zelltyps verwendet und mit beliebigen Krankheitsmodellen kombiniert werden, erklärt Feil. Es komme daher für viele Anwendungen in der biomedizinischen Grundlagenforschung sowie zur Untersuchung von Krankheiten in Frage. „Denkbar ist unter anderem die nichtinvasive Analyse von Herzkrankheiten, Diabetes, Entzündungen sowie Tumorbildung und Metastasierung. Außerdem könnte man in der regenerativen Medizin die Entwicklung transplantierter Zellen verfolgen. Auch für die Pharmaindustrie ist die Technik interessant, um neue Wirkstoffe und Behandlungsmethoden zu testen.“</p><p>Die Arbeit der Forscherinnen und Forscher zum „PET-basiertem Cell Tracking“ passt sich in die „Tübinger Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen“ ein. In ihnen legt die Universität verbindliche Regeln und Zielvorgaben für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tierversuchen fest und fördert die Forschung an neuen Methoden. Auch wenn die Alternativen inzwischen erheblich verbessert wurden, können die Lebenswissenschaften in absehbarer Zeit nicht vollständig auf Tierversuche verzichten. Für die Forschung am komplexen Zusammenspiel von Zellen, Geweben und Organen im Gesamtorganismus sowie an neuen Wirkstoffen und Behandlungsmethoden werden weiterhin Tierversuche notwendig sein. Daher ist es wichtig, die Untersuchungsmethoden so zu optimieren, dass die Anzahl und Belastung der Versuchstiere verringert wird. Es müssen Verfahren entwickelt werden, die die Quantität und Qualität der pro Tier erhobenen Daten erhöhen und deren Ergebnisse leicht auf den Menschen übertragbar sind.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><br><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="424564" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-09-04-PET2_53e078f02d.jpg" alt title height="200" width="300" style></td><td>Mithilfe eines PET-Gerätes können die markierten Zellen auf dem Bildschirm sichtbar gemacht werden. Foto: Christoph Reichelt / Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation: </h3><p>Thunemann M, Schörg BF, Feil S, Lin Y, Voelkl J, Golla M, Vachaviolos A, Kohlhofer U, Quintanilla-Martinez L, Olbrich M, Ehrlichmann W, Reischl G, Griessinger CM, Langer HF, Gawaz M, Lang F, Schäfers M, Kneilling M, Pichler BJ, Feil R. Cre/lox-assisted non-invasive in vivo tracking of specific cell populations by positron emission tomography. <em>Nature Communications</em>. 2017; DOI: 10.1038/s41467-017-00482-y, &lt;link http: dx.doi.org&gt;<a href="http://dx.doi.org/" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org</a></p><p>Die Tübinger Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen:</p><p>&lt;link https: www.uni-tuebingen.de forschung informationen-zu-tierversuchen tuebinger-grundsaetze-zu-tierschutz-und-tierversuchen.html&gt;<a href="https://www.uni-tuebingen.de/forschung/informationen-zu-tierversuchen/tuebinger-grundsaetze-zu-tierschutz-und-tierversuchen.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/forschung/informationen-zu-tierversuchen/tuebinger-grundsaetze-zu-tierschutz-und-tierversuchen.html</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Robert Feil</p><p>Universität Tübingen</p><p>Interfakultäres Institut für Biochemie</p><p>Telefon +49 7071 29-73350</p><p>&lt;link&gt;robert.feil@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15925</guid><pubDate>Tue, 05 Sep 2017 10:50:00 +0200</pubDate><title>Frühe Bronzezeit: Grabungen belegen Zuzug von Frauen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/fruehe-bronzezeit-grabungen-belegen-zuzug-von-frauen/</link><description>Im Lechtal vor 4000 Jahren war die Mobilität Einzelner üblich: Zur Familiengründung kamen zahlreiche Frauen aus der Ferne. Dieses Muster lässt sich über Jahrhunderte hinweg nachweisen. </description><content:encoded><![CDATA[<h4>Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München</h4><p>Am Ende der Steinzeit und in der frühen Bronzezeit wurden Familien im Lechtal, südlich von Augsburg, auf überraschende Weise gegründet: Die Mehrheit der Frauen kam aus der Fremde, wohl aus Böhmen oder Mitteldeutschland, während die Männer zumeist aus der Region stammten. Dieses sogenannte patrilokale Muster verbunden mit individueller weiblicher Mobilität war dabei kein vorübergehendes Phänomen: Es lässt sich am Übergang von der Kupfersteinzeit zur Frühen Bronzezeit über einen Zeitraum von 800 Jahren nachweisen. Das zeigen archäologische Auswertungen im Rahmen eines Forschungsverbunds unter der Leitung von Philipp Stockhammer vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der LMU und naturwissenschaftliche Analysen unter der Leitung von Corina Knipper vom Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie sowie Alissa Mittnik und Johannes Krause am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und der Universität Tübingen. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift <em>PNAS </em>veröffentlicht. „Individuelle Mobilität hat das Leben der Menschen in Mitteleuropa bereits im dritten und frühen zweiten Jahrtausend stark geprägt“, sagt Philipp Stockhammer. Die Forscher vermuten, dass sie eine wesentliche Rolle für den Austausch von Kulturgütern und Ideen spielte, der in der Bronzezeit deutlich zunahm, was wiederum die Entwicklung neuer Technologien förderte.</p><p>Zu dieser Zeit lebten in Süddeutschland Ackerbauern und Viehzüchter, deren Vorfahren etwa 3000 Jahre zuvor über das Karpatenbecken aus Anatolien und Syrien eingewandert waren. Im Rahmen der Untersuchung wurden seit dem Jahr 2012 die menschlichen Überreste von 84 Individuen genetisch und mittels Isotopenanalysen untersucht und archäologisch ausgewertet. Sie waren zwischen 2500 und 1650 vor Christus in Gräberfeldern bestattet worden, die jeweils zu einem einzelnen Gehöft gehörten und zwischen einer und mehreren Dutzend Bestattungen über einen Zeitraum mehrerer Generationen aufwiesen. „Die Gehöfte reihten sich entlang einem fruchtbaren Lössrücken in der Mitte des Lechtals. Größere Dörfer gab es zu dieser Zeit im Lechtal nicht“, sagt Stockhammer.</p><p>„Die genetischen Analysen zeigen eine große Diversität weiblicher Linien, das deutet darauf hin, dass mit der Zeit zahlreiche Frauen aus der Fremde kamen“, sagt Alissa Mittnik. Corina Knipper ergänzt: „Anhand der Analyse von Strontium-Isotopenverhältnissen in Backenzähnen, die Rückschlüsse auf die Herkunft der Personen erlauben, konnten wir feststellen, dass die Mehrheit der Frauen nicht aus der Region stammte.“ Die Art ihrer Beisetzung, die sich nicht von der Einheimischer unterschied, zeigt zudem, dass die Frauen in die lokale Gemeinschaft integriert waren.</p><p>Aus archäologischer Sicht belegen die neuen Erkenntnisse die Bedeutung weiblicher Mobilität für den kulturellen Austausch in der Bronzezeit. Zudem ermöglichen sie einen neuen Blick auf den immensen Umfang früher menschlicher Mobilität: „Es scheint, dass zumindest ein Teil dessen, was bislang als Migration von Gruppen bewertet wird, auf einer institutionalisierten Form von Mobilität Einzelner beruht“, sagt Stockhammer. (<em>PNAS </em>2017)</p><ul><li><h3>Zur Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München: <a href="http://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2017/stockhammer_lechtal.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2017/stockhammer_lechtal.html</a></h3></li></ul><h3>Publikation:</h3><p>Corina Knipper, Alissa Mittnik, Ken Massy, Catharina Kociumaka, Isil Kucukkalipci, Michael Maus, Fabian Wittenborn, Stephanie E. Metz, Anja Staskiewicz, Johannes Krause, Philipp W. Stockhammer: Female exogamy and gene pool diversification at the transition from the Final Neolithic to the Early Bronze Age in Central Europe. <em>PNAS</em>, DOI: 10.1073/pnas.1518445113 2017</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause,<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Universität Tübingen<br> Tel.:+49 3641 686-600<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14275</guid><pubDate>Tue, 29 Aug 2017 12:40:00 +0200</pubDate><title>Warum ein Diabetesmedikament bei Parkinson helfen könnte </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/warum-ein-diabetesmedikament-bei-parkinson-helfen-koennte/</link><description>Tübinger Forscherinnen und Forscher klären an Zellkulturen, dass der Arzneistoff den Energiehaushalt in geschädigten Körperzellen reguliert</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-08-29_PM_Diabetesmedikament.jpg" length="212549" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Bei bestimmten Parkinsonformen könnte ein Diabetesmedikament helfen, berichten Tübinger Hirnforscher um Dr. Julia Fitzgerald am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift <em>Brain</em>. Die Neurowissenschaftler identifizierten ein Eiweiß, das eine wichtige Rolle im Energiehaushalt von Zellen spielt. Fehlt dieses Protein, ist der Energiehaushalt nachhaltig gestört. Dies kann zum Zelltod und letztendlich zum Ausbruch der Parkinson-Krankheit führen. Bei der Erkrankung sterben Nervenzellen in einem Gehirnbereich ab, der Bewegungen kontrolliert. Anhand von Zellkulturen zeigten die Forscher, dass das Diabetesmedikament Metformin in den Energiehaushalt eingreift und so die Zellen schützt.</p><p>„Wir haben Zellen eines an Parkinson erkrankten Patienten untersucht und gesehen, dass ein wichtiges Protein fehlt, welches die Energiegewinnung in den Mitochondrien reguliert“, erklärt Dr. Julia Fitzgerald. Die Folge: Unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch produzieren die Zellen in ihren Kraftwerken, den Mitochondrien, durchgängig Energie. Dabei entsteht jedoch auch ein Übermaß an freien Sauerstoffradikalen. Sie schädigen die Zelle und führen langfristig zu Zellalterung und Tod. „Das Diabetesmedikament wirkt hier wie eine Bremse. Es verlangsamt die Bildung von Energie und Sauerstoffradikalen und schützt die Zellen so vor negativen Auswirkungen“, berichtet die Forscherin.</p><p>Die Studie der Tübinger Neurowissenschaftler gibt einen weiteren Hinweis, dass Diabetesmedikamente positiven Einfluss bei bestimmten Parkinsonformen zu haben scheinen. „Erst vor kurzem zeigte eine englisch-amerikanische Forschungskooperation, dass ein anderes Medikament Bewegungsstörungen bei Parkinsonpatienten vermindern kann“, sagt Fitzgerald. Die neuen Erkenntnisse tragen zur Entwicklung einer individualisierten Medizin bei. Mit ihr möchten Mediziner in Zukunft zielgerichtet den zugrundeliegenden individuellen Krankheitsauslöser beim Patienten therapieren. Bei der Entstehung von Parkinson spielen sowohl eine erbliche Veranlagung als auch Umwelteinflüsse eine Rolle. „Die Ursache variiert letztendlich von Person zu Person“, sagt Fitzgerald. „Langfristig kommt unsere Studie Patienten zugute, bei denen eine fehlerhafte Energiegewinnung in den Zellen zur Krankheit führt.“ Aktuell gibt es bei Parkinson keine Medikamente, die den Krankheitsprozess aufhalten oder verlangsamen können. Ärzte können lediglich die Symptome behandeln. Weltweit sind rund zehn Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen.</p><h3>Originalpublikation</h3><p>Fitzgerald et al. (2017): Metformin reverses TRAP1 mutation-associated alterations in mitochondrial function in Parkinson’s disease. <em>Brain </em>140(9), pp 2444–2459.<br>doi: 10.1093/brain/awx202</p><h3>Kontakt</h3><p>Dr. Julia Fitzgerald <br>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br>Universität Tübingen<br>Telefon +49 7071 29- 87616<br>&lt;link&gt;julia.fitzgerald@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-08-29_PM_Diabetesmedikament.jpg" lenght="212549" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14142</guid><pubDate>Tue, 29 Aug 2017 09:00:00 +0200</pubDate><title>Dopingstudie: Hohe Dunkelziffer im Spitzensport</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dopingstudie-hohe-dunkelziffer-im-spitzensport/</link><description>Biologische Tests decken nur einen Teil der Fälle auf – das wurde in einer Studie der Universität Tübingen mit psychologischen Methoden nachgewiesen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Spitzensport wird wesentlich mehr gedopt, als durch Blut- und Urintests nachgewiesen werden kann. Bei einer wissenschaftlichen Studie gaben mindestens 30 Prozent der Teilnehmenden der Leichtathletikweltmeisterschaft 2011 und 45 Prozent Sportler bei den Pan-Arabischen Spielen 2011 an, Dopingmittel genommen zu haben. Mit zeitgleich durchgeführten biologischen Testverfahren wurde nur ein Bruchteil der Dopingfälle erkannt: 0,5 Prozent der Tests bei den Weltmeisterschaften waren positiv; bei den Pan-Arabischen Spielen waren es 3,6 Prozent. Im Auftrag der World Anti Doping Agency (WADA) haben Professor Rolf Ulrich von der Universität Tübingen und Professor Harrison Pope von der Harvard Medical School im Jahr 2011 eine Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie „Doping in Two Elite Athletics Competitions Assessed by Randomized-Response Surveys“ wurden nun in der Zeitschrift Sports Medicine veröffentlicht. Im Anhang der Publikation sind außerdem detaillierte statistische und mathematische Analysen aufgeführt, die die Aussagekraft der Studie untermauern.</p><p><br>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in Daegu (Südkorea) und den Pan-Arabischen Spielen in Doha (Qatar) insgesamt 2.167 Teilnehmende befragt, ob sie vor den Wettkämpfen gedopt hätten. Insgesamt traten bei beiden Veranstaltungen 5.187 Sportlerinnen und Sportler an. Eine indirekte Fragemethode, die sogenannte „Randomisierte Antworttechnik“ gewährleistete die Anonymität der Befragten – sie konnten also ehrlich antworten und mussten keine negativen Konsequenzen fürchten.</p><p><br>„Die indirekte Fragemethode wird bei sensiblen Themen angewendet. In einer direkten Frage-Antwort-Situation würden die Probanden sozial erwünschte und eventuell falsche Antworten liefern. Die Anonymität gibt Schutz und sie können ehrlich antworten“ erklärt Professor Rolf Ulrich das Vorgehen. Er ist Leiter des Arbeitsbereiches Kognition und Wahrnehmung im Fachbereich Psychologie an der Universität Tübingen.</p><p><br>Für die Studie wurde die indirekte Fragemethode erstmals bei zwei großen internationalen Sportwettkämpfen eingesetzt. Sechs Interviewerinnen und Interviewer, die gemeinsam zehn Sprachen beherrschten, waren vor Ort und baten 2.320 Athletinnen und Athleten persönlich um deren Teilnahme. Über 90 Prozent erklärten sich dazu bereit. Auf einem Tablet-Computer sollten die Sportlerinnen und Sportler eine von zwei Fragen beantworten: entweder eine unverfängliche über einen Geburtstag oder ob sie in den zwölf Monaten davor gedopt haben. Wenn der Athlet oder die Athletin also mit „Ja“ antwortete, konnten kein Außenstehender beurteilen, welcher Frage diese Antwort halt. Der Zufall entschied darüber, welche der beiden Fragen sie beantworteten sollten. Auf diese Weise war die Anonymität der Sportlerinnen und Sportler garantiert.</p><p><br>Obwohl die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die individuellen Antworten nicht wussten, konnten sie mit Methoden der mathematischen Statistik näherungsweise berechnen, wie viele Teilnehmende die Dopingfrage mit „Ja“ beantwortet hatten. Sie berücksichtigten dabei verschiedene Szenarien, die eine falsche Antwort hervorgerufen haben könnten. Beispielsweise wurden die schnellsten Antworten nicht mit eingerechnet, weil die Befragten den Text möglicherweise nicht gründlich gelesen hatten.</p><p><br>„Die Studie macht deutlich, dass durch biologische Tests von Blut- und Urinproben bei weitem nicht alle Dopingfälle aufgedeckt werden“ betont Pope, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School. „Wie in der Publikation beschrieben liegt das vermutlich daran, dass die Athletinnen und Athleten zahlreiche Wege gefunden zu haben, bei Tests nicht aufzufallen.“</p><p><br>Besonders die Tests unmittelbar vor und während eines Wettkampfes fielen pro Jahr durchschnittlich nur zu ein bis drei Prozent positiv aus. Dopingmittel seien zu diesem Zeitpunkt oft nicht mehr biologisch nachweisbar, weil sie lange vorher eingenommen würden. Eine höhere Aufklärungsquote mit etwa 14 Prozent biete der sogenannte „Biologische Pass“: Er dokumentiere medizinische Daten der Sportlerinnen und Sportler. In der Langzeitdokumentation fielen Abweichungen auf, die durch Dopingmissbrauch verursacht werden können. Als Dopingmittel gelten alle Hilfsmittel, die die WADA auf der „Liste der verbotenen Substanzen und Methoden“ führt.</p><p><br>Dass die aktuelle Publikation von Rolf Ulrich und Harrison Pope und weiteren Autoren nach einem langwierigen Freigabeverfahren erscheinen kann, ist auch ein Verdienst von Professor Georg Sandberger, Jurist und ehemaliger Kanzler der Universität Tübingen. Er vertrat die Wissenschaftler gegenüber der WADA und dem Weltleichtathletikverband (IAAF), um die zwischen WADA und den beteiligten Wissenschaftlern vereinbarte Zustimmung der WADA zu einer Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in einer Fachzeitschrift zu erreichen. Die Studie wurde bereits 2015 ohne Veranlassung seitens der Autoren von Medien aufgegriffen, als systematisches Doping in der russischen Leichtathletik bekannt wurde. Daraufhin veranlasste das Komitee für Kultur, Medien und Sport im britischen Parlament eine Anhörung, in deren Verlauf Teile der Studie ohne Zustimmung der Autoren an die Öffentlichkeit gelangten.</p><p><br>Die Veröffentlichung der gesamten wissenschaftlichen Studie und der detaillierten Daten könnte weitere Forschungen zu Doping im Profisport anregen, hoffen die Autoren. „Die Studie kann eine konstruktive Debatte vor allem aber neue Strategien für die Eindämmung von Dopingmissbrauch anstoßen. Indirekte Fragemethoden wie die ‚Randomisierte Antwortmethode‘ sind ein guter Ansatz, um fundierte Aussagen über die tatsächliche Verbreitung von Doping treffen zu können“, so Ulrich.</p><h3>Publikation: </h3><p>Rolf Ulrich, Harrison G. Pope Jr., Léa Cléret, Andrea Petróczi, Tamás Nepusz, Jay Schaffer, Gen Kanayama, R. Dawn Comstock, Perikles Simon: Doping in Two Elite Athletics Competitions Assessed by Randomized-Response Surveys. In: Sports Medicine. DOI 10.1007/s40279-017-0765-4, &lt;link https: link.springer.com article s40279-017-0765-4&gt;<a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s40279-017-0765-4" target="_blank" rel="noreferrer">link.springer.com/article/10.1007/s40279-017-0765-4</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Rolf Ulrich<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Psychologie<br>Arbeitsbereich Kognition und Wahrnehmung<br>Telefon: +49 7071 29-72410<br>&lt;link&gt;rolf.ulrich@uni-tuebingen.de</p><p><br><br>Prof. Dr. Harrison Pope Jr.<br>Harvard Medical School<br>McLean Hospital<br>Telefon: +1 617 855-2911<br>&lt;link&gt;hpope@mclean.harvard.edu <br></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="423143" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-08-29DE_Doping_Frage_db1f7b2b4b.jpg" alt="Die Sportlerinnen und Sportler wurden gebeten, an das Geburtsdatum einer beliebigen Person zu denken. Lag der Geburtstag zwischen dem 1. und 10. des Monats, beantworteten sie anschließend eine unverfängliche Frage. Lag der Tag zwischen dem 11. und 31. des Monats, sollten sie angeben, ob sie gedopt hatten. Ein Außenstehender konnte so keinesfalls Rückschlüsse auf das Dopingverhalten ziehen. Foto: Rolf Ulrich, University of Tübingen ©Springer International Publishing AG 2017" title="Die Sportlerinnen und Sportler wurden gebeten, an das Geburtsdatum einer beliebigen Person zu denken. Lag der Geburtstag zwischen dem 1. und 10. des Monats, beantworteten sie anschließend eine unverfängliche Frage. Lag der Tag zwischen dem 11. und 31. des Monats, sollten sie angeben, ob sie gedopt hatten. Ein Außenstehender konnte so keinesfalls Rückschlüsse auf das Dopingverhalten ziehen. Foto: Rolf Ulrich, University of Tübingen ©Springer International Publishing AG 2017" height="371" width="300" style></td><td><br>Die Sportlerinnen und Sportler wurden gebeten, an das Geburtsdatum einer beliebigen Person zu denken. Lag der Geburtstag zwischen dem 1. und 10. des Monats, beantworteten sie anschließend eine unverfängliche Frage. Lag der Tag zwischen dem 11. und 31. des Monats, sollten sie angeben, ob sie gedopt hatten. Ein Außenstehender konnte so keinesfalls Rückschlüsse auf das Dopingverhalten ziehen. Foto: Rolf Ulrich, University of Tübingen ©Springer International Publishing AG 2017</td></tr></tbody></table></div></div><p><br><br><br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14073</guid><pubDate>Mon, 28 Aug 2017 17:00:00 +0200</pubDate><title>Abwehrzellen im Gehirn leben länger als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/abwehrzellen-im-gehirn-leben-laenger-als-gedacht/</link><description>Bei Mäusen können Mikrogliazellen die gesamte Lebenszeit der Tiere erreichen. Ihre Lebensdauer ist eng mit ihrer möglichen Rolle beim Immungedächtnis und neurodegenerativen Erkrankungen verbunden</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-08-28_Jucker_Abwehrzellen_print.jpg" length="2297108" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Krankheitserreger und Abfall beseitigen – das ist die Hauptaufgabe von Mikrogliazellen. Sie gehören zur Gruppe der Nicht-Nervenzellen im Gehirn, deren Aufgabe es ist, unsere Denkzellen bei der Arbeit zu unterstützen. Anders als bisher angenommen können die Fresszellen bei Mäusen genauso lange leben wie die Maus selbst. Das berichten Forscher am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen in einer Online-Vorabveröffentlichung am 28. August auf der Webseite der Fachzeitschrift Nature Neuroscience. In ihrer Studie verfolgten die Wissenschaftler einzelne Mikrogliazellen über ihre gesamte Lebenspanne unter dem Mikroskop. Die unerwartet lange Lebenszeit gibt Hinweise auf weitere mögliche Aufgaben der bislang noch wenig erforschten Hirnzellen: „Ihre Langlebigkeit ermöglicht es ihnen, zu lernen und zu altern“, erklärt Studienleiter Professor Dr. Mathias Jucker. „Damit könnten sie ein Immungedächtnis ausbilden und zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen.“</p><p>Bislang ist unklar, ob Mikrogliazellen ein Gedächtnis für Krankheitserreger ausbilden können, wie es Immunzellen im restlichen Körper tun. Diese Funktion sorgt für eine schnellere und effizientere Aktivierung der Abwehrzellen bei einem Zweitkontakt. „Wenn Mikrogliazellen nur kurz leben würden, würde ein Immungedächtnis bei ihnen wenig Sinn ergeben. Jetzt, da wir wissen, dass das nicht der Fall ist, ist es gut vorstellbar“, sagt Dr. Angelos Skodras, der ebenfalls federführend an der Studie beteiligt war. Tatsächlich gibt es erste Anzeichen, dass eine frühe Anregung des Immunsystems im Gehirn die Aktivität der Mikrogliazellen dauerhaft verändert.</p><p>Darüber hinaus stehen Mikroglia bereits seit Längerem in Verdacht, eine Rolle bei der Entstehung altersbedingter neurologischer Erkrankungen zu spielen. „Eine erstaunliche Erkenntnis der letzten Jahre ist, dass fast alle Risikofaktoren für die Alzheimererkrankung Veränderungen in Genen sind, die in Mikrogliazellen aktiv sind“, so Jucker. Wie die Zellen zur Krankheitsentwicklung beitragen können, ist noch unklar. „Der Alterungsprozess dieser Mikroglia könnte dabei von Bedeutung sein – und hierfür ist eine allgemein lange Lebensdauer dieser Hirnzellen die Voraussetzung.“</p><p>Die Anzahl der Mikrogliazellen ist im gesunden Gehirn immer etwa gleich. Bislang war in der Wissenschaft aber umstritten, ob es sich bei Mikroglia um kurzlebige Zellen handelt, die sich rasch teilen und erneuern oder um sich selten teilende, langlebige Zellen handelt. Bisherige Studien erlaubten nur indirekte Antworten oder führten zu widersprüchlichen Ergebnissen. Die Tübinger Hirnforscher beschlossen daher, der Frage auf den Grund zu gehen. Dafür markierte Erstautorin Dr. Petra Füger gezielt einzelne Mikrogliazellen in Mäusen und beobachteten die Zellen im Zeitverlauf unter dem 2-Photonen-Mikroskop. „Das Ergebnis unserer Untersuchung war völlig offen. In unserer Abteilung hatten wir eine Wette laufen. Die einzelnen Vorhersagen reichten von einigen Monaten bis zu mehr als einem Jahr“, berichtet Jucker. Tatsächlich zeigte die Hälfte der untersuchten Zellen eine errechnete Lebensdauer von bis zu 28 Monaten, was einem ganzen Mäuseleben entspricht. „Mit unserer Studie konnten wir den grundsätzlichen Beweis für die Langlebigkeit von Mikroglia erbringen“, so die Autoren.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Füger et al. (2017): Microglia turnover with aging and in an Alzheimer´s model via long-term in vivo single-cell imaging. Nature Neuroscience, Online Vorabveröffentlichung am 28.08.2017<br>doi: 10.1038/nn.4631</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Mathias Jucker <br>Hertie-Institut für klinische Hirnforschung<br>Universität Tübingen<br>Telefon +49 7071 29- 86863<br>mathias.jucker[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-08-28_Jucker_Abwehrzellen_print.jpg" lenght="2297108" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14492</guid><pubDate>Fri, 18 Aug 2017 10:56:00 +0200</pubDate><title>Verhaltenstherapie besonders effizient bei ADHS im Erwachsenenalter</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/verhaltenstherapie-besonders-effizient-bei-adhs-im-erwachsenenalter/</link><description>Psychologen der Universität Tübingen testen in Studie unterschiedliche Therapieformen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein verhaltenstherapeutisches Gruppentraining erzielt als Therapieform bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) genauso gute Erfolge wie ein Neurofeedback-Training: Beide Methoden führen zu einer vergleichbaren Abnahme der Symptome. Die Verhaltenstherapie erweise sich dabei aber als insgesamt effizienter, schlussfolgern Dr. Michael Schönenberg  und sein Team aus der „Klinischen Psychologie und Psychotherapie“ an der Universität Tübingen in einer Studie, in der sie mit erwachsenen Probanden verschiedene Therapieformen vergleichend getestet hatten. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin The Lancet Psychiatry veröffentlicht.</p><p><br>Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine bereits im Kindes- und Jugendalter beginnende psychische Störung, die bei bis zu 60 Prozent der Fälle auch im Erwachsenenalter fortbesteht und zu Schwierigkeiten im Berufs- wie auch Privatleben führen kann. Betroffene berichten von Symptomen wie Impulsivität, geringe Stresstoleranz, innerer Ruhelosigkeit und Getriebenheit. Dazu kommen Schwierigkeiten in Planung und Organisation sowie die Unfähigkeit, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren und diese zum Abschluss zu bringen. Mit Medikamenten lassen sich die Symptome gut behandeln, ähnliche Erfolge werden auch für nicht pharmakologische Therapieformen berichtet.</p><p><br>Kontrovers diskutiert wird vor allem das sogenannte Neurofeedback, bei dem Patienten lernen sollen, ihre Hirnströme gezielt zu beeinflussen und so einen Rückgang der Symptome zu erreichen. Frühere Studien konnten überzeugend zeigen, dass ADHS-Symptome tatsächlich nach einem solchen Training abnehmen. Dennoch ist umstritten, ob die Verbesserung tatsächlich auf die spezifische Wirkung des Trainings zurück zu führen ist oder eher der Wirkung unspezifischer Placebo-Effekte zugeschrieben werden muss.</p><p><br>In einer aktuellen Studie testeten die Tübinger Psychologen gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Bamberg, Bayreuth und Budapest vergleichend ein Neurofeedbacktraining, ein Placebotraining (die Teilnehmer bekamen nicht die eigenen Hirnströme rückgemeldet) und ein verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm, bei dem unter anderem spezifische Strategien zur Handlungsplanung, ein verbessertes Zeitmanagement und Stressbewältigungstechniken eingeübt werden. 118 Erwachsene mit ADHS-Symptomatik erhielten dafür über einen Zeitraum von 15 Wochen entweder insgesamt 30 Sitzungen Neurofeedback oder 15 Sitzungen Placebotraining und im Anschluss daran 15 Sitzungen Neurofeedback. Eine weitere Vergleichsgruppe erhielt über 12 Wochen insgesamt 12 Sitzungen verhaltenstherapeutische Gruppentherapie. Verglichen wurden Veränderungen in der Symptomschwere, in objektiven Tests zur Konzentrationsfähigkeit und in zugrundeliegenden Hirnstrommustern über vier Messzeitpunkte von vor Beginn der Intervention bis zu sechs Monaten nach Trainingsende. <br><br>Es habe sich herausgestellt, dass die Effekte einer Neurofeedbackintervention denen eines Placebotrainings nicht überlegen waren, berichten die Wissenschaftler. Beide Trainings hätten eine gute Wirkung gezeigt, einen spezifischen Effekt des Neurofeedbacks auf die Hirnströme habe man jedoch nicht nachweisen können. Es habe sich außerdem gezeigt, dass das verhaltenstherapeutische Gruppentraining ebenfalls zu einer vergleichbaren Abnahme der Symptome führe, sagt Projektleiter Michael Schönenberg. „Und dies bei wesentlich geringerem Aufwand der Methode. Unter anderem braucht es weniger Sitzungen, statt Einzeltraining ist ein Gruppentraining möglich und es entstehen keine Zusatzkosten durch Anschaffung und Unterhaltung der technischen Voraussetzungen.“ Die Befunde der Studie fasst er so zusammen: „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass verhaltenstherapeutische Ansätze sehr effektiv und effizient in der Behandlung von ADHS-Symptomen im Erwachsenenalter sind. Bevor andere Methoden für die Therapie empfohlen werden können, müssen diese erst ihre Überlegenheit gegenüber verhaltenstherapeutischen Standardmethoden unter Beweis stellen.“</p><h3>Publikation: </h3><p>Michael Schönenberg, Eva Wiedemann, Alexander Schneidt, Jonathan Scheeff, Alexander Logemann, Philipp M. Keune, Martin Hautzinger: Neurofeedback, sham neurofeedback, and cognitive-behavioural group therapy in adults with attention-deficit hyperactivity disorder: a triple-blind, randomised, controlled trial. The Lancet Psychiatry, Published Online, August 9, 2017; &lt;link http: dx.doi.org&gt;<a href="http://dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(17)30291-2" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(17)30291-2</a></p><p><br><br>The Lancet Psychiatry Podcast: &lt;link http: www.thelancet.com journals lanpsy onlinefirst&gt;<a href="http://www.thelancet.com/journals/lanpsy/onlineFirst" target="_blank" rel="noreferrer">www.thelancet.com/journals/lanpsy/onlineFirst</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>PD Dr. Michael Schönenberg (Derzeit am besten per Mail erreichbar)<br>Universität Tübingen<br>Abteilung für Klinische Psychologie<br>Telefon: +49 7071 29-78355<br>&lt;link&gt;michael.schoenenberg@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15169</guid><pubDate>Wed, 09 Aug 2017 10:46:00 +0200</pubDate><title>Robin-Hood-Effekt verstärkt Motivation in Mathe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/robin-hood-effekt-verstaerkt-motivation-in-mathe/</link><description>Wichtiger als Beruf, Einkommen und Bildung ist das Interesse der Eltern, zeigt eine Studie von Bildungsforschern der Universität Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Kinder, deren Eltern sich wenig für Mathematik interessieren, profitieren mehr von einer unterstützenden Maßnahme zur Steigerung der Motivation als Kinder, deren Eltern Mathematik als wichtig erachten. Das haben Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen in einer Studie herausgefunden. Es zeigte sich ein Robin-Hood-Effekt in dem Sinne, dass die „Motivationslücke“ zwischen Kindern aus unterschiedlichen Familien verringert wird, indem nützliche Informationen zugunsten benachteiligter Kinder verteilt werden. Der sogenannte Matthäus-Effekt, der besagt, dass vor allem diejenigen von einer Maßnahme profitieren, die sowieso schon gute Voraussetzungen mitbringen und deshalb privilegiert sind, trat bei dieser Maßnahme nicht ein. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Developmental Psychology veröffentlicht.</p><p>Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Daten von rund 1.900 Neuntklässlern an Gymnasien in Baden-Württemberg und ihren Eltern ausgewertet. Sie wurden zu ihrer Einstellung zu Mathematik befragt. Anschließend nahmen die Schülerinnen und Schüler an einer Unterrichtseinheit über die Nützlichkeit des Faches Mathematik teil, die von den Wissenschaftlern geleitet wurde. Dabei wurden den Schülerinnen und Schülern in einer Präsentation wichtige Informationen zur Frage vermittelt, wie und in welchen Bereichen Mathematik für ihr eigenes Leben von Bedeutung sein könnte, etwa für ihren Wunschberuf oder für bestimmte Alltagssituationen. Anschließend verfassten sie entweder selbst einen Text oder werteten Zitate von jungen Erwachsenen aus, in denen es um die Nützlichkeit von Mathematik ging.</p><p>Jeweils sechs Wochen und fünf Monate danach wurden die Schülerinnen und Schüler erneut zu ihrer Motivation für das Fach Mathematik befragt. Insgesamt erwies sich die Intervention als effektiv, da die Teilnahme an der Unterrichtseinheit positive Effekte auf die Wertschätzung für Mathematik, die Anstrengungsbereitschaft sowie die Leistung in Mathematik hatte. Gleichzeitig stellte sich aber auch heraus, dass die Unterrichtseinheit auf diejenigen Schülerinnen und Schüler besonders motivierend wirkte, die aus einem Elternhaus mit wenig Interesse für Mathematik stammten. Diese unterschiedliche Wirkung zeigte sich jedoch erst nach fünf Monaten. „Wir nahmen an, dass die Effekte bei den weniger privilegierten Schülern sich nicht sofort in deren Motivation niederschlagen würde, sondern es einige Zeit dauert, bis sie das Gehörte verarbeitet und verinnerlicht haben“, erklärt Isabelle Häfner, die Erstautorin der Studie. Dieser sogenannte Sleeper-Effekt wirke umso stärker, je mehr Zeit verstreiche.</p><p>Es zeigte sich außerdem, dass nicht der sozioökonomische Status der Familien eine zentrale Rolle für die Motivation der Kinder spielt – das beinhaltet die Bildung, den Beruf und das Einkommen der Eltern – sondern das Interesse für ein Fach. „Sind die Eltern beispielsweise an Mathematik interessiert, könnte sich das in ihren Freizeitaktivitäten niederschlagen; sie reden mehr mit ihren Kindern über das Fach und geben so ihr Interesse an sie weiter“, sagt Häfner. Umgekehrt verfügen Schülerinnen und Schüler aus Elternhäusern, die der Mathematik eher weniger nahestehen, nicht über diese Informationen. Wenn sie dann in der Schule davon hören, können sie mehr davon profitieren, da diese Informationen neu sind und sie zum Nachdenken anregen. Ulrich Trautwein, einer der beiden Projektleiter, hebt die Bedeutung dieses Befundes hervor: „Oftmals zeigt sich, dass von zusätzlichen Angeboten diejenigen besonders profitieren, die bereits gut dastehen. Unsere Intervention konnte gezielt dazu beitragen, die Motivationslücke zwischen Kindern aus interessierten und weniger interessierten Familien zu verringern.“</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Häfner, I., Flunger, B., Dicke, A.-L., Gaspard, H., Brisson, B. M., Nagengast, B., &amp; Trautwein, U. (2017). Robin Hood effects on motivation in math: Family interest moderates the effects of relevance interventions. Developmental Psychology, 53(8), 1522-1539. doi:10.1037/dev0000337</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Universität Tübingen <br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/<br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.lead.uni-tuebingen.de&gt;www.lead.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;www.hib.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13532</guid><pubDate>Wed, 02 Aug 2017 19:00:00 +0200</pubDate><title>Alte DNA enthüllt die Abstammung der bronzezeitlichen Minoer und Mykener</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/alte-dna-enthuellt-die-abstammung-der-bronzezeitlichen-minoer-und-mykener/</link><description>Wissenschaftlerteam unter Beteiligung der Universität Tübingen untersucht die genetische Herkunft der Menschen der frühen europäischen Hochkulturen im heutigen Griechenland</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die minoische und die später einsetzende mykenische Kultur der Bronzezeit in der Ägäis waren im dritten und zweiten vorchristlichen Jahrtausend Europas erste Schriftkulturen und gingen über in das klassische Griechenland. Kulturelle Innovationen wie die Schrift, ausgedehnte Palastbauten und die dynamische Kunst der sogenannten Minoer, die plötzlich in der Isolation Kretas aufzutauchen schienen, nährten Spekulationen, dass diese Menschen aus anderen fortschrittlicheren Gesellschaften eingewandert seien. Nun hat ein internationales Team von Wissenschaftlern durch die Untersuchung von alter menschlicher DNA aus der Bronzezeit mehr Licht in das Rätsel gebracht. Daran waren Forscherinnen und Forscher vom Institut für naturwissenschaftliche Archäologie und des Zentrums für Bioinformatik der Universität Tübingen beteiligt. Ihre aktuell in der Fachzeitschrift <em>Nature </em>erscheinende Veröffentlichung legt nahe, dass die sogenannten Minoer keineswegs neu in das Gebiet des heutigen Griechenlands einwanderten, vielmehr wurzelte ihre Herkunft direkt in der Ägäis. Die ursprünglichen Ahnen sowohl der als Minoer bezeichneten Einwohner Kretas als auch der als Mykener bezeichneten bronzezeitlichen Einwohner des griechischen Festlandes waren Populationen aus dem steinzeitlichen Westanatolien und Griechenland. Die beiden Gruppen waren eng miteinander verwandt – sowie auch mit den heutigen Griechen.</p><p>Die beiden Schriftformen der minoischen Kultur (ca. 2600 bis 1100 v. Chr.), die sogenannte Linearschrift A und eine nur auf Kreta verwendete Hieroglyphenschrift, konnten bis heute nicht entziffert werden. Die mykenische Kultur (ca. 1600 bis 1100 v. Chr.), die viel von der minoischen Technologie und Kultur aufnahm, setzte deutlich später ein. Sie existierte aber parallel für einige hundert Jahre auf dem Festland, bevor sich diese Kultur auch auf Kreta ausbreitete. Die Linearschrift B der Mykener entspricht einer frühen Form des Griechischen. „Wir wollten wissen, ob und inwieweit die Menschen, die diese Kulturen geschaffen haben, genetisch miteinander verwandt waren. Wer waren ihre Vorfahren, und finden sich ihre genetischen Spuren noch bei heutigen Griechen?“, beschreibt Professor Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Studienleiter an der Universität Tübingen, die Forschungsfragen.</p><h3>Umfassende genetische Vergleiche</h3><p>Die Forscher analysierten genomweite Daten von 19 Individuen, darunter Minoer, Mykener, ein neolithisches Individuum vom griechischen Festland sowie bronzezeitliche Individuen aus Südwestanatolien. Dies gelang, obwohl die DNA unter den Klimabedingungen im Mittelmeerraum in der Regel nur sehr schlecht konserviert ist. Diese Daten verglichen die Forscher mit fast 3000 alten und neuen DNA-Sätzen und konnten dadurch die Verwandtschaft der Minoer und Mykener klären. „Die sogenannten Minoer waren einheimisch, sie stammten von den ersten steinzeitlichen Viehhaltern aus Westanatolien und der Ägäis ab“, berichtet Krause. „Außerdem ergaben die Daten eine enge Verwandtschaft zu den sogenannten Mykenern.“ Minoer und Mykener wie auch die Nachbarn im bronzezeitlichen Anatolien stammten hauptsächlich von einer neolithischen Population aus Anatolien ab mit einem kleinen Einschlag aus dem ferneren Osten, von Populationen aus dem Kaukasus und Iran.</p><p>„Man ging früher davon aus, dass dieser östliche genetische Einschlag durch Viehhalter aus der Steppe im Norden nach Europa gekommen war. Wir wissen nun, dass die ‚Minoer‘ zwar die östlichen Gene in sich trugen, jedoch waren sie mit den nördlichen Steppenpopulationen nicht näher verwandt – während die ‚Mykener‘ beide Verwandtschaften aufweisen“, sagt Krause. Dies zeige, dass das genetische Erbe aus dem Kaukasus und Iran unabhängig nach Europa getragen worden sein muss, möglicherweise durch eine bisher unbekannte Wanderungsbewegung. „Außerdem weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Viehhalter aus den nördlichen Steppen zwar bis aufs griechische Festland wanderten, jedoch nicht bis zu den ‚Minoern‘ auf Kreta.“</p><h3>Ein zeitlicher Rahmen für frühere Wanderungsbewegungen</h3><p>Die Ergebnisse der neuen Studie klären auch die zeitlichen Abläufe der Wanderungsbewegungen: „DNA-Proben aus dem späten Neolithikum Griechenlands, ungefähr aus den Jahren um 4100 v. Chr., tragen weder die östliche noch die nördliche Verwandtschaft in sich. Für die genetische Durchmischung ergibt sich ein Zeitfenster vom vierten bis zweiten Jahrtausend v. Chr.“, erklärt David Reich von der Harvard Medical School und dem Broad Institute. Für eine genauere zeitliche Eingrenzung müssten weitere Untersuchungen folgen.</p><p>Obwohl heutige Griechen nicht mit den bronzezeitlichen Populationen in ihrem Gebiet gleichzusetzen sind, so sind sie doch mit den „Mykenern“ eng verwandt. Sie haben sich mit anderen Gruppen gemischt. „Die Populationen im heutigen Griechenland zeigen eine deutliche Kontinuität zur Bronzezeit, waren aber sicherlich nicht isoliert“, sagt Krause. Iosif Lazaridis von der Harvard Medical School setzt hinzu: „Es ist bemerkenswert, wie beständig die Verwandtschaft zu den ersten europäischen Bauern in Griechenland und in anderen Teilen Südeuropas nachzuweisen ist. Doch Durchmischungen mit anderen Populationen hat es immer gegeben. Es gab mindestens zwei Einwanderungswellen in die Ägäis noch vor der Zeit der sogenannten ‚Minoer‘ und ‚Mykener‘ und einige weitere danach.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Iosif Lazaridis, Alissa Mittnik, Nick Patterson, Swapan Mallick, Nadin Rohland, Saskia Pfrengle, Anja Furtwängler, Alexander Peltzer, Cosimo Posth, Andonis Vasilakis, P.J.P. McGeorge, Eleni Konsolaki-Yannopoulou, George Korres, Holley Martlew, Manolis Michalodimitrakis, Mehmet Özsait, Nesrin Özsait, Anastasia Papathanasiou, Michael Richards, Songül Alpaslan Roodenberg, Yannis Tzedakis, Robert Arnott, Daniel M. Fernandes, Jeffery R. Hughey, Dimitra M. Lotakis, Patrick A. Navas, Yannis Maniatis, John A. Stamatoyannopoulos, Kristin Stewardson, Philipp Stockhammer, Ron Pinhasi, David Reich, Johannes Krause, George Stamatoyannopoulos: <strong>Genetic origins of the Minoans and Mycenaeans</strong>. <em>Nature</em>, DOI: 10.1038/nature23310</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und Universität Tübingen<br> Telefon +49 3641 686-600<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15446</guid><pubDate>Mon, 31 Jul 2017 12:31:00 +0200</pubDate><title>Richtfest für den Ersatzbau des Interfakultären Institutes für Biochemie (IFIB) der Universität Tübingen auf der Morgenstelle in Tübingen am 31. Juli 2017, 11.00 Uhr</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/richtfest-fuer-den-ersatzbau-des-interfakultaeren-institutes-fuer-biochemie-ifib-der-universitaet-tuebingen-auf-der-morgenstelle-in-tuebingen-am-31-juli-2017-1100-uhr/</link><description></description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-31_PM_IFIB_Richtfest_037.jpg" length="174804" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Nach rund 19 Monaten Bauzeit ist der Rohbau eines der derzeit größten Institutsbauvorhaben des Landes, der Ersatzbau des Interfakultären Instituts für Biochemie (IFIB) auf der Tübinger Morgenstelle, abgeschlossen. Gemeinsam mit Handwerkern und Architekten konnten Vertreter von Landesbehörden und der Universität daher am Montag das Richtfest feiern.</p><p>Das IFIB ist ein weiterer Meilenstein in der Realisierung des Konzepts „Campus der Zukunft“, welches die Universität seit 2008 entwickelt hat. Dieses Konzept erlaubt es, die Universitätseinrichtungen straffer zu organisieren und damit im nationalen und internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bleiben. Darüber hinaus soll es den Sanierungsstau in Gebäuden der Universität beseitigen.</p><p>Der Strukturplanung des „Campus der Zukunft“ folgten konkrete Prioritätenlisten für die bauliche Umsetzung. Die biochemische Grundlagenforschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer hochkomplexen life-science entwickelt. Die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte werden an der Universität Tübingen im „Interfakultären Institut für Biochemie“ zusammengeführt.</p><p>Das über 50 Jahre alte Bestandsgebäude auf dem Schnarrenberg wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Eine Sanierung als Laborgebäude ist wirtschaftlich nicht vertretbar.</p><p>Die Unterbringung der Biochemiker in einem Forschungsneubau in direkter Anbindung an das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) schafft nicht nur die realistische Basis für ein funktionierendes Gesamtnetzwerk, sondern fördert vor allem die intensive wissenschaftliche Kommunikation zwischen den Forschungsgruppen und verbessert wesentlich die methodisch-technologische Infrastruktur der zentralen Bereiche.</p><p>Mit der Standortwahl für das neue Forschungszentrum auf der Morgenstelle ist beabsichtigt, die Vorteile der Lage in einem hochwissenschaftlich orientierten Institutsgebiet auszuschöpfen. Dieser Standort führt durch das Vorhandensein von Hörsälen, Seminarräumen und Werkstätten im zentralen Bereich der Morgenstelle zu erheblichen Einsparungen in den Raumprogrammen des IFIB. Weitere Synergieeffekte entstehen durch die gemeinsame Nutzung sehr hochwertiger Flächen durch die Biochemiker des IFIB und die Molekularbiologen des ZMBP. Dazu gehören etwa die Mikroskopie oder auch die Infrastruktur von Fotolaboren, Gaslager und Werkstätten. Der Neubau als zweiter Bauabschnitt des ZMBP schließt die östliche Raumkante des neuen Campusplatzes und ist damit ein weiterer Baustein der städte-baulichen Gesamtkonzeption „Morgenstelle“.</p><p>Die planerische Grundidee des Neubaus folgt der Erkenntnis, dass die Institutshochhäuser nur in völlig entleertem Zustand und nicht in Abschnitten saniert werden können. Deshalb wurden für die neuen Institutsgebäude eine geringere Geschosszahl und vor allem eine stärkere funktionale Trennung von Labor-, Büro- und Studierbereichen entwickelt. Daraus resultiert die flächige Bauweise, zu deren Belichtung und Verknüpfung die eingeschnittenen Atrien dienen. Nachhaltigkeit bedeutet auch die Planung der Sanierbarkeit nach einem ersten Nutzungszyklus.</p><p>Dieses Prinzip wurde beim ZMBP von den Architektinnen und Architekten des Amtes Tübingen zuerst erprobt und dann für den Ersatzbau des Interfakultären Instituts für Biochemie im Rahmen der Entwurfsplanung fortgeführt.</p><p>Nachdem parallel zur Planung auch die Finanzierung gesichert werden konnte, erfolgte der Baubeginn Mitte Januar 2016. Am 27. Oktober 2016 wurde der Grundstein gelegt und am 31. Juli 2017 erfolgt nun das Richtfest zum Zeichen der Dankbarkeit der Bauherrschaft gegenüber den Handwerkern, die diesen Rohbau errichtet haben.</p><p>Das Amt Tübingen geht davon aus, dass die Universität zum Wintersemester 2019/20 die neuen Räume beziehen kann.</p><p>Im Ersatzbau des Interfakultären Instituts für Biochemie (IFIB) werden rund 4.900 qm Hauptnutzfläche zur Verfügung gestellt.</p><h3>Einige wesentliche Daten:</h3><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr class="tr-odd"><td>Objekt: </td><td>Ersatzbau Interfakultäres Institut für Biochemie (IFIB) der Universität Tübingen </td></tr><tr class="tr-even"><td>Bauherr: </td><td>Land Baden-Württemberg, Ministerium für Finanzen, vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen</td></tr><tr class="tr-odd"><td>Entwurf / Planung: </td><td>Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen</td></tr><tr class="tr-even"><td>Werkplanung / Bauleitung:</td><td>Arbeitsgemeinschaft Wenzel + Wenzel Architekten, Stuttgart und RDS Partner Hattingen Wenzel</td></tr><tr class="tr-odd"><td>Hauptnutzfläche: </td><td>rd. 4.900 Quadratmeter</td></tr><tr class="tr-even"><td>Bruttogrundrissfläche:</td><td>rd. 10.500 Quadratmeter</td></tr><tr class="tr-odd"><td>Umbauter Raum:</td><td>rd. 43.000 Kubikmeter</td></tr><tr class="tr-even"><td>Gesamtbaukosten:</td><td>41,20 Mio. €. Die Finanzierung erfolgt aus dem Bauhaushalt des Landes Baden-Württemberg/Finanzministerium</td></tr><tr class="tr-odd"><td>Baubeginn:</td><td>Januar 2016</td></tr><tr class="tr-even"><td>Gepl. Übergabe:</td><td>August 2019</td></tr></tbody></table></div></div><h4>Pressemitteilung von Vermögen u. Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen</h4><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-31_PM_IFIB_Richtfest_037.jpg" lenght="174804" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13746</guid><pubDate>Fri, 28 Jul 2017 16:00:00 +0200</pubDate><title>Auf dem Teller: Mammut und viel Rohkost</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/auf-dem-teller-mammut-und-viel-rohkost/</link><description>Frühe moderne Menschen aßen mehr Pflanzen als Neandertaler, aber kaum Fisch</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-0728Fig2_Reste_humain_Buran-Kaya_III_copyrightSPrat.jpg" length="737134" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler haben die Ernährung des anatomisch modernen Menschen untersucht. Sie konnten in ihrer heute im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie widerlegen, dass sich der frühe Homo sapiens-Vertreter flexibler ernährte als die Neandertaler. Auf den Tellern unserer Vorfahren landeten, wie bei den Neandertalern, überwiegend Mammutfleisch und Pflanzen – eine Ernährung mit Fisch konnte nicht nachgewiesen werden. Das internationale Team vermutet daher, dass die Verdrängung der Neandertaler durch eine direkte Konkurrenzsituation erfolgte.</p><p>Die ersten Vertreter von Homo sapiens besiedelten vor etwa 43.000 Jahren Europa und ersetzten dort nach etwa 3.000 Jahren die Neandertaler. „Viele Studien beschäftigen sich mit der Frage, wie es zu dieser Verdrängung kam – eine Hypothese besagt, dass die anatomisch modernen Menschen vielfältiger und flexibler gegessen haben und auch häufig Fisch zu sich nahmen“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen.</p><p>Dieser Hypothese ist der Tübinger Biogeologe gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Dorothée Drucker nun auf den Grund gegangen: Mit einem internationalen Team untersuchten sie die Ernährungsgewohnheiten des frühen modernen Menschen anhand dessen ältester bekannter Fossilienfunde in den Buran-Kaya-Höhlen auf der ukrainischen Halbinsel Krim. „Dabei haben wir die Funde der frühen Menschen im Kontext mit der dort lebenden Fauna betrachtet“, erläutert Drucker und fährt fort: „Bisher stammen alle Analysen bezüglich der Ernährung der frühen modernen Menschen von isolierten Funden und sind daher schwer zu interpretieren.“</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td>Ornamente aus Mammut-Elfenbein von der untersuchten Fundstelle. © L. Crépin</td><td><img alt="Ornamente aus Mammut-Elfenbein von der untersuchten Fundstelle. © L. Crépin" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="419281" height="104" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-28Fig3_Parure_BKIII__c__L_Cr%C3%A9pin_9e2990b820.jpg" title="Ornamente aus Mammut-Elfenbein von der untersuchten Fundstelle. © L. Crépin" width="300" style></td></tr></tbody></table></div></div><p>Um die Speisekarte unserer frühen Vorfahren – trotz fehlender fossiler Überlieferung der Nahrung – nachzuvollziehen, hat das Team rund um die Tübinger Wissenschaftler den Gehalt stabiler Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotope in den Knochen der frühen Menschen und der dort lebenden potentiellen Beutetiere, wie Saigas, Pferde oder Hirsche, gemessen. Darüber hinaus wurde auch der Stickstoff-15-Gehalt einzelner Aminosäuren analysiert, so dass nicht nur Aussagen über die Herkunft, sondern auch den Anteil des Stickstoffes getroffen werden konnten. „Unsere Ergebnisse zeigen für die anatomisch modernen Menschen einen sehr hohen Anteil des Stickstoffisotops 15N“, ergänzt Bocherens und fährt fort: „Diese stammen aber nicht – wie bisher vermutet – von der Aufnahme von Fischprodukten, sondern überwiegend von Mammuts.“</p><p>Und noch ein Resultat überraschte die Wissenschaftler: Der Anteil von pflanzlicher Nahrung bei den anatomisch modernen Menschen war deutlich höher als bei vergleichbaren Neandertaler-Funden – Mammuts schienen dagegen bei beiden Arten eine der wichtigsten Fleischquellen gewesen zu sein.</p><p>„Neandertaler und die frühen modernen Menschen standen laut unseren Ergebnissen also auch bezüglich ihrer Nahrung in direkter Konkurrenz – der Neandertaler hat bei diesem Wettkampf wohl den Kürzeren gezogen“, resümiert Drucker.</p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Dr. Dorothée Drucker<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Tel. 07071- 29-72487<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fqtqvjgg0ftwemgtBkhw0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">dorothee.drucker<span style="display:none">spam prevention</span>@ifu.uni-tuebingen.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Publikation</h3><p>Dorothée G. Drucker, Yuichi I. Naito, Stéphane Péan, Sandrine Prat, Laurent Crépin, Yoshito Chikaraishi, Naohiko Ohkouchi, Simon Puaud, Martina Lázničková-Galetová, Marylène Patou-Mathis, Aleksandr Yanevich, Hervé Bocherens (2017): Isotopic analyses suggest mammoth and plant in the diet of the oldest anatomically modern humans from far southeast Europe” Scientific Reports <a href="http://www.nature.com/articles/s41598-017-07065-3" target="_blank" rel="noreferrer">www.nature.com/articles/s41598-017-07065-3</a><br> DOI 10.1038/s41598-017-07065-3</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/e/6/csm_17-0728Fig2_Reste_humain_Buran-Kaya_III_copyrightSPrat_7ac8512536.jpg" lenght="737134" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14679</guid><pubDate>Fri, 28 Jul 2017 13:00:00 +0200</pubDate><title>Perlenfunde aus Eiszeithöhlen drückten Gruppenidentität aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/perlenfunde-aus-eiszeithoehlen-drueckten-gruppenidentitaet-aus/</link><description>Universität Tübingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren präsentieren 42.000 Jahre alten Schmuck aus Mammutelfenbein: Herstellung und Tragen waren wohl nur auf der Schwäbischen Alb Tradition</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-28Fund_des_Jahres1.jpg" length="4156922" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor 42.000 Jahren nutzten Menschen Schmuck als Ausdruck von Gruppenidentität. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen haben in den Weltkulturerbe-Höhlen des Achtals und Lonetals Perlen aus Mammutelfenbein gefunden, die in ihrer Machart bislang ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vorkommen. Am Fundort Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal wurden zudem Perlenformen ausgegraben, die gänzlich einmalig für diese Höhle zu sein scheinen. Professor Nicholas Conard und sein Team präsentierten am Freitag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) neue Schmuckfunde aus den Grabungsarbeiten ‒ mit 40 Schmuckstücken ist die Anzahl der Funde ungewöhnlich hoch.</p><p>Conard ist zugleich wissenschaftlicher Direktor des urmu, der Schmuck ist dort ab sofort als „Fund des Jahres 2017“ zu sehen. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung dazu erschien am 28. Juli in den Archäologischen Ausgrabungen Baden-Württemberg, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. </p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><h5>Doppelt durchlochte Perle aus Mammutelfenbein – diese Herstellungsart ist nur aus den Weltkulturerbe-Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt. Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen</h5></td><td><p><img alt="Doppelt durchlochte Perle aus Mammutelfenbein – diese Herstellungsart ist nur aus den Weltkulturerbe-Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt. Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="418470" height="149" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-28Fund_des_Jahres2_9b67966e0d.jpg" title="Doppelt durchlochte Perle aus Mammutelfenbein – diese Herstellungsart ist nur aus den Weltkulturerbe-Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt. Foto: Hildegard Jensen / Universität Tübingen" width="225" style></p></td></tr></tbody></table></div></div><p>Die archäologischen Ausgrabungen im Hohle Fels bei Schelklingen liefern jährlich faszinierende Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit. Aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind, wurden im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Schmuckstücke ausgegraben. „Diese Schmuckstücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art: neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die frühesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein.</p><p><br> Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben – eventuell als Ausdruck einer Konkurrenz-Situation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit“, sagte Nicholas Conard. „Und wir können sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.“</p><p>So haben die Grabungsteams der Universität Tübingen in den Höhlen des Achtals wie auch des Lonetals über die Jahre hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen. Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen Stück. In ihrer Herstellungsart kommen sie ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vor. Zudem sind die Schmuckstücke aus den schwäbischen Höhlen der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit. Noch spezieller sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schichten des Hohle Fels im Achtal. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden äußeren Löcher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp ist nur vom Fundort Hohle Fels bekannt und besitzt derzeit keine Parallelen zu anderen Funden.</p><p>Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schwäbischen Alb bekannt sind, zeigt für die Wissenschaftler, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentität waren. „Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden; dieser Perlentyp war offensichtlich für die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt“, sagt Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin und Mitarbeiterin des Senckenberg Centre HEP. Zudem träten die Perlen über einen Zeitraum von 6.000 Jahren auf: „Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.“ </p><p>„Neben den figürlichen Kunstwerken und Musikinstrumenten ist die Entwicklung des Schmucks als persönliches und gesellschaftliches Ausdrucksmittel ein wichtiges Element der kulturellen Entwicklung vor 40.000 Jahren. Die Bandbreite von Materialien und Formen wird bei uns im Museum vorgestellt“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren.</p><p>Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) liegt in unmittelbarer Nähe der Schwäbischen Steinzeithöhlen, die von der Unesco am 9. Juli 2017 zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Als Museum für Altsteinzeit in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren vor. Höhepunkte sind die älteste Kunst und die ältesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“.</p><p>Weitere Originalfundstücke aus den Höhlen zeigen neben dem Urgeschichtlichen Museum (<a href="http://www.urmu.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.urmu.de</a>) das Museum der Universität Tübingen MUT (<a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de</a>), der Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen (<a href="http://www.archaeopark-vogelherd.de/Niederstotzingen" target="_blank" rel="noreferrer">www.archaeopark-vogelherd.de/Niederstotzingen</a>) das Landesmuseum Württemberg und das Museum Ulm (<a href="http://www.museum-ulm.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.museum-ulm.de</a>).</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Nicholas Conard PhD<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen<br> Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br> Telefon +49 7071 29-72416<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkejqncu0eqpctfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">nicholas.conard<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Sibylle Wolf<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-75420<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ukdanng0yqnhBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">sibylle.wolf<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Dr. Stefanie Kölbl<br> Urgeschichtliches Museum Blaubeuren<br> Telefon +49 7344 9669 911<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mqgndnBwtow0fg" data-mailto-vector="2">koelbl<span style="display:none">spam prevention</span>@urmu.de</a></p><h3>Ausstellungsdaten:</h3><p>Die Funde können ab dem 28. Juli 2017 bis Anfang Januar 2018 im Urgeschichtlichen Museum in einer Kabinettausstellung betrachtet werden. Die Originale werden mit Rekonstruktionen zu Funktions- und Trageweise ergänzt.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/0/b/csm_17-07-28Fund_des_Jahres1_a3605f431a.jpg" lenght="4156922" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15851</guid><pubDate>Mon, 24 Jul 2017 10:25:00 +0200</pubDate><title>Einblicke in aktuelle Forschungen bei der Sommeruniversität 2017</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/einblicke-in-aktuelle-forschungen-bei-der-sommeruniversitaet-2017/</link><description>Veranstaltungsreihe von Universität und Universitätsstadt Tübingen: Zehn Vorträge thematisieren unter anderem Frauen in Aufsichtsräten, Kopfschmerzen und die Beziehungen zwischen EU und Türkei</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was passiert, wenn mehr Frauen in Führungs- und Leitungsgremien vertreten sind? Kerstin Pull ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre und interessiert sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit für die Frage, welche betriebswirtschaftlichen Effekte es hat, wenn mehr Frauen in Aufsichtsräte berufen werden. Den gegenwärtigen Forschungsstand präsentiert sie am Montag, den 31. Juli, bei der Auftaktveranstaltung der Tübinger Sommeruniversität.</p><p><br>Zwei Wochen kann dann die interessierte Öffentlichkeit Einblicke in aktuelle Forschungen bekommen. Zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – vom Politikwissenschaftler über die Archäologin bis zum Neurologen – berichten über spannende und vielfältige Themen: Unter anderem geht es um Sprachpurismus im Italienischen und Französischen, individuelle Konsumentscheidungen, die Russischen Revolutionen 1917, das Verhältnis zwischen EU und Türkei, Kopfschmerzen, den bethlehemitischen Kindermord in der niederländischen Kunst der frühen Neuzeit, Malariaforschung, weibliche Darstellungen in der Altsteinzeit sowie die mittelalterlichen Wurzeln der Reformation.</p><p><br>Vom 31. Juli bis zum 11. August 2017 gibt es täglich außer Samstag und Sonntag einen Vortrag. Er beginnt jeweils um 10.15 Uhr im Hörsaal des Theologicums (Dauer 45 Minuten; Adresse: Liebermeisterstraße 16, 72074 Tübingen). Anschließend kann das Publikum mit den Expertinnen und Experten über ihre Forschungsfragen diskutieren und eigene Fragen stellen. Die Vorträge sind in einer allgemein verständlichen Sprache gehalten. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.</p><p><br>Die Sommeruniversität wird von der Universitätsstadt Tübingen und der Universität Tübingen gemeinsam veranstaltet. Seit 2004 findet sie jedes Jahr als ein Teil des Tübinger Kultursommers statt. Viele weitere Veranstaltungen wie das Sommernachtskino, Stadtführungen, das Sommertheater oder der umbrisch-provenzalische Markt laden während des Sommers zu geistigen und kulinarischen Reisen ein.</p><p><br>Ein Programmheft liegt ab sofort an vielen öffentlichen Stellen aus und ist im Internet zu finden unter &lt;link http: www.uni-tuebingen.de de&gt;www.uni-tuebingen.de/de/39634</p><h3>Kontakt:</h3><p>Simona Steeger<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-77825<br>Simona.steeger[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13860</guid><pubDate>Tue, 18 Jul 2017 20:00:00 +0200</pubDate><title>Laborausrüstung muss nicht teuer sein</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/laborausruestung-muss-nicht-teuer-sein/</link><description>Marke Eigenbau: Tübinger Neurowissenschaftler entwickeln kostengünstige Laborelemente</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-18-CIN_100_Euro_Labor1.jpg" length="266871" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Tübinger Neurowissenschaftler haben ein kostengünstiges Laborsystem für den Selbstbau entwickelt. In der Neurowissenschaft ist die Laborausrüstung oft der größte Kostenfaktor ‒ dabei liefern auch Experimente mit selbstgebauten Setups aus dem 3D-Drucker und mit selbst programmierter Elektronik gute Resultate. Das von André Maia Chagas und Tom Baden entwickelte „FlyPi“-System ist für alltägliche Laborarbeiten wie Licht- und Fluoreszenzmikroskopie, Optogenetik, Thermogenetik und Verhaltensstudien an Kleintieren (Würmer, Fruchtfliegen, Fischlarven) geeignet. Als modulare, preiswerte Lösung ist es in der Forschung, aber auch für Ausbildung und Unterricht einsetzbar. Die Arbeit der Forscher wurde im Fachmagazin <em>PLoS Biology </em>veröffentlicht. Bau- und Bedienungsanleitungen stehen kostenfrei auf Open-Source-Plattformen zur Verfügung.</p><p>In der modernen Neurowissenschaft liefern kleine Tiere große Erkenntnisse über Funktionen des Nervensystems. Die durchsichtigen Larven von Zebrafischen, die Fruchtfliege <em>Drosophila</em>, oder der Rundwurm <em>Caenorhabditis elegans </em>können leicht in großer Zahl gehalten werden. Vor allem aber wurde ihr Genom vollständig sequenziert, was genetische Modifikationen ermöglicht, etwa für die Optogenetik: Bei dieser Methode werden Nervenzellen genetisch programmiert, auf Licht zu reagieren. Mit Lichtimpulsen können dann Hirnareale oder einzelne Nervenzellen „an-“ und „ausgeschaltet“ werden – im lebenden Organismus. So können Zellen, die bestimmte Körperfunktionen und Verhalten steuern, genau identifiziert werden. Die aufwändige Einrichtung für solche Experimente umfasst unter anderem Lichtquellen definierter Wellenlänge und regelbarer Intensität, leistungsstarke Kameras und Mikroskope und eine maßgeschneiderte „Arena“ zur Verhaltensbeobachtung: Ein Labor kann leicht zehn- oder hunderttausende Euro für den Erwerb kommerzieller Lösungen ausgeben. Spitzenwissenschaft und die zugehörige Ausbildung bleiben so auf gut ausgestattete Institute in reichen Ländern beschränkt.</p><p>In einer gemeinsamen Initiative haben deshalb Neurowissenschaftler des Tübinger Werner Reichardt Centrums für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und des Forschungsinstituts für Augenheilkunde sowie der University of Sussex in Brighton den „FlyPi“ vorgestellt. Dessen Design beruht auf einem 3D-gedruckten Rahmen, in dem Computer und eine Kamera der Marke Raspberry Pi sowie günstige LEDs zur Beleuchtung und einfache Linsen verbaut sind. Dazu kommen optische und thermische Kontrollelemente, die auf Arduino basieren, einer Open-Source-Plattform für elektronische Prototypen. Zusammen kosten die Bauteile weniger als 100 Euro. Das Basissystem kann mit weiteren Komponenten ausgestattet werden, die den Preis gerade einmal verdoppeln.</p><p>Zwar sind kommerzielle Produkte in mancher Hinsicht höher entwickelt, Fluoreszenzmikroskopie mit FlyPi etwa liefert Auflösungen im Mikrometer-Bereich, während Spitzen-Konfokal- oder 2-Photonen-Mikroskope Zehntelmikrometer erreichen. Jedoch kosten solche zehnmal höher auflösenden Geräte auch bis zum 5.000-fachen eines FlyPi, das viele Standardaufgaben im Labor sehr gut erfüllen kann und sich überdies für Lehrzwecke eignet. Durch seinen modularen Aufbau können einzelne Komponenten auch durch hochwertigere Teile ersetzt werden, um beispielsweise die Auflösung zu verbessern.</p><p>Die Entwickler André Maia Chagas and Tom Baden setzen sich stark für die Verbreitung sogenannter „Open Labware“ ein: So nennt die wachsende Gemeinde, die sich für Open Source, Eigenkreationen und Tüftelei begeistert, solche Projekte. Seit Jahren geben sie – gemeinsam mit Lucia Prieto Godino von der Universität Lausanne – Kurse in 3D-Druck, Programmierung und Laborgeräte-Bau an Universitäten in Kenia, Uganda, Ghana, Nigeria, Südafrika, Sudan und Tansania. „Diese Institutionen haben wenig Geld für teure Laborausstattung“, sagt Baden. „Wir finden es sehr wichtig, dass Studium und neurowissenschaftliche Forschung auch in diesen Schwellenländern für eine größere Zahl von Studierenden und Wissenschaftlern möglich werden. Daher hoffen wir, dass wir dafür mit Open Labware wie unserem FlyPi einen Ansatzpunkt liefern können.“</p><h3>Publikation:</h3><p>André Maia Chagas, Lucia Prieto Godino, Aristides B. Arrenberg, Tom Baden: The 100 Euro Lab: A 3-D Printable Open Source Platform for Fluorescence Microscopy, Optogenetics and Accurate Temperature Control during Behaviour of Zebrafish, Drosophila and C. Elegans. <em>PLoS Biology </em>(im Druck). 18. Juli 2017.</p><h3>Autoren:</h3><p>André Maia Chagas<br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN), Universität Tübingen<br>&lt;link&gt;andre.chagas@klinikum.uni-tuebingen.de</p><p>Tom Baden <br>Sussex Neuroscience, School of Life Sciences, University of Sussex, Brighton UK<br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN), Universität Tübingen<br>Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Tübingen<br>&lt;link&gt;t.baden@sussex.ac.uk<br>&lt;link http: www.badenlab.org&gt;<a href="http://www.badenlab.org" target="_blank" rel="noreferrer">www.badenlab.org</a></p><h3>Links:</h3><p>Open Labware (betrieben von T. Baden): &lt;link http: www.open-labware.net&gt;www.Open-Labware.net<br>Open Neuroscience (betrieben von A. M. Chagas): &lt;link http: www.openeuroscience.com&gt;www.Openeuroscience.com<br>TReND in Africa &lt;link http: www.trendinafrica.org&gt;www.TReNDinAfrica.org<br>PLoS Open Hardware Collection (kuratiert von A. M. Chagas and T. Baden): &lt;link http: collections.plos.org open-source-toolkit-hardwar&gt;<a href="http://collections.plos.org/open-source-toolkit-hardwar" target="_blank" rel="noreferrer">collections.plos.org/open-source-toolkit-hardwar</a></p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="416222" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-18-CIN_100_Euro_Labor3_4af2c8b4b0.jpg" alt title height="225" width="300" style></td><td></td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="416228" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-18CIN_100_Euro-Labor2_dbd5380048.jpg" alt title height="385" width="300" style></td><td><p>Kostengünstiges Labor zum Selberbauen: Das Gerüst des FlyPi-Systems lässt sich im 3D-Drucker herstellen und selbst montieren, Elektronik und motorisierte Teile mithilfe von Open-Source-Software selbst programmieren. </p><p></p><p>Foto: Tom Baden / CIN</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann<br>Universität Tübingen<br>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br>Science Communication &amp; Public Outreach<br>Telefon +49 7071 29-89108<br>&lt;link&gt;paul.toebelmann@cin.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.cin.uni-tuebingen.de&gt;www.cin.uni-tuebingen.de</p><h3>Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</h3><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><h3>The University of Sussex’s School of Life Sciences </h3><p>The University of Sussex’s School of Life Sciences is one of the largest academic schools at the University of Sussex. With 96 per cent of its research rated as world leading, internationally excellent or internationally recognised (REF 2014), it is among the leading research hubs for the biological sciences in the UK. The School is home to a number of prestigious research centres including Sussex Neuroscience, the Genome Damage and Stability Centre and the Sussex Drug Discovery Centre, where academics work with industry to translate scientific advances into real-world benefits for patients.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-18-CIN_100_Euro_Labor1.jpg" lenght="266871" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15924</guid><pubDate>Fri, 14 Jul 2017 17:18:00 +0200</pubDate><title>Wie Proteininteraktionen den programmierten Zelltod steuern</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-proteininteraktionen-den-programmierten-zelltod-steuern/</link><description>Mit einem vereinfachten Modell des Proteinnetzwerks klärt ein Forscherteam Schritte zur Regulierung des programmierten Zelltods auf. Fehlfunktionen in diesem Schutzmechanismus des Körpers stehen im Zusammenhang mit Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forscherteam hat neue Einblicke in ein Proteinnetzwerk erlangt, das den programmierten Zelltod, auch Apoptose genannt, steuert. Die sogenannten Bcl-2-Proteine sind schwer zu untersuchen, da sie sich zwischen der wässrigen Zellflüssigkeit und der ölähnlichen Membran hin- und her bewegen. Nur wenige Methoden sind geeignet, um Proteininteraktionen in beiden Umgebungen zu analysieren. Mit einer besonderen Form der Spektroskopie entschlüsselte das Team das komplexe Zusammenspiel von drei Komponenten des Netzwerks. In der Zeitschrift „Nature Communications“ berichten die Autorinnen und Autoren der Universität Tübingen, der Ruhr-Universität Bochum, des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart, des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Konstanz über ihre Ergebnisse.</p><h3>Selbstmordprogramm in Zellen</h3><p>„Unsere Gesundheit ist davon abhängig, dass Zellteilung und Zelltod streng reguliert werden“, sagt Dr. Stephanie Bleicken, die kürzlich von der Universität Tübingen in die Bochumer Arbeitsgruppe für Elektronenspinresonanz-Spektroskopie und zum Exzellenzcluster Resolv wechselte. Funktionieren diese Mechanismen nicht, können neurodegenerative Krankheiten oder Krebs entstehen. „Die Apoptose, eine Art Selbstmordprogramm der Zellen, ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers, um beschädigte, überalterte oder nicht mehr benötigte Zellen zu entsorgen“, so Bleicken weiter.</p><p>Die Bcl-2-Proteinfamilie bestimmt, wann die Apoptose eingeleitet wird. Manche Mitglieder lösen Prozesse in der Zelle aus, die zum Zelltod führen, zum Beispiel indem sie Poren in der Membran der Mitochondrien, also den Kraftwerken der Zelle, öffnen. Durch diese Poren können bestimmte Stoffe die Mitochondrien verlassen; dann ist die Apoptose nicht mehr aufzuhalten. Andere verhindern dies und wirken damit dem Zelltod entgegen. Das Zusammenspiel innerhalb der Bcl-2-Familie ist daher entscheidend, um die Apoptose zu verstehen.</p><h3>Ausschnitt aus dem Netzwerk betrachtet</h3><p>In der neuen Studie beleuchteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mithilfe der Fluoreszenz-Kreuzkorrelations-Spektroskopie einen Ausschnitt aus dem Bcl-2-Netzwerk. Für ihr vereinfachtes Labormodell stellten sie drei Hauptkomponenten des Proteinnetzwerks her und untersuchten sie in einer Umgebung, die die Zelle in groben Zügen nachbildet.</p><p>„Lebende Zellen bestehen aus Tausenden von unterschiedlichen Molekülen, die unzählige Interaktionen eingehen und zahllose Reaktionen auslösen können“, sagt Professorin Ana García-Sáez von der Universität Tübingen. „Um einzelne Komponenten in diesem komplexen Netzwerk zu verstehen, hilft es, sie zunächst in stark vereinfachten Umgebungen zu betrachten, zu der dann immer neue Komponenten hinzugegeben werden können.“ Genau das taten die Forscher. Sie analysierten die Proteine in Umgebungen, die die Zellflüssigkeit oder die Mitochondrienmembran nachbildeten.</p><h3>Unterschiedliche Interaktionen in Membran und Zellflüssigkeit</h3><p>Das Zusammenspiel der drei Proteine hing stark von ihrer Umgebung ab. In Membranen waren andere Interaktionen möglich als in der Zellflüssigkeit. „Das war eine wichtige Erkenntnis, weil die Interaktionen in der Membran im Wesentlichen darüber entscheiden, ob der Zelltod eingeleitet wird“, erklärt García-Sáez. „Diese Umgebung ist technisch aber viel schwieriger zu erforschen als die Zellflüssigkeit.“</p><p>Da die Wissenschaftler Proteine in beiden Umgebungen vergleichen konnten, konnten sie auch frühere Befunde, die zunächst als widersprüchliche Ergebnisse interpretiert worden waren, in Einklang bringen. „Die Bcl-2-Proteine regulieren die Apoptose, die wiederum eng mit Krankheiten wie etwa Krebs verbunden ist. Wenn wir die Funktion der Proteine genauer verstehen, bilden sie günstige Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Medikamente“, sagen die Forscherinnen.</p><h3>Förderung</h3><p>Die Forschung wurde unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (0312040), dem Europäischen Forschungsrat (ERC-2012-StG 309966) sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Forschergruppe 2036 und des Exzellenzclusters Resolv (ECX1069).</p><h3>Originalveröffentlichung</h3><p>Stephanie Bleicken, Annika Hantusch, Kushal Kumar Das, Tancred Frickey, Ana J. Garcia-Saez: Quantitative interactome of a membrane Bcl-2 network identifies a hierarchy of complexes for apoptosis regulation, in: Nature Communications, 2017, DOI: 10.1038/s41467-017-00086-6</p><h3>Pressekontakt</h3><p>Dr. Stephanie Bleicken<br>Arbeitsgruppe für Elektronenspinresonanz-Spektroskopie und Zemos<br>Fakultät für Chemie und Biochemie<br>Ruhr-Universität Bochum<br>Tel.: 0234 32 21891<br>E-Mail: &lt;link&gt;stephanie.bleicken@rub.de</p><p>Prof. Dr. Ana J. García-Sáez <br>Interfakultäres Institut für Biochemie<br>Universität Tübingen <br>Tel.: 07071 29 73318<br>E-Mail: &lt;link&gt;ana.garcia@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14154</guid><pubDate>Mon, 10 Jul 2017 15:02:00 +0200</pubDate><title>Tübingen ist Partner der Initiative Medizininformatik</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-ist-partner-der-initiative-medizininformatik/</link><description>Digitalisierung von Patientendaten: BMBF finanziert nationale Konsortien mit 150 Millionen Euro ‒ Bioinformatiker und Mediziner der Universität Tübingen beteiligt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen ist Partner eines nationalen Projekts zur Zusammenführung und Auswertung digitaler Patientendaten. Das Konsortium DIFUTURE (Data Integration for Future Medicine) ist eines von vier Konsortien, die vom Bundesministerium für Forschung über vier Jahre gefördert werden. Insgesamt werden für die Initiative 150 Millionen Euro bereitgestellt. Im Rahmen des DIFUTURE-Konsortiums entstehen an drei forschungsstarken Universitätskliniken sogenannte Datenintegrationszentren, um digitale Patientendaten auszuwerten und so Krankheiten besser zu verstehen und Therapien für die jeweiligen Patienten maßzuschneidern. Wie Bildungsministerin Johanna Wanka am Montag bekannt gab, sind am Projekt neben der Universität Tübingen die Technische Universität München TUM (Projektleitung), die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die Universität Augsburg sowie weitere Partner aus Wissenschaft und Industrie beteiligt.</p><p>Das DIFUTURE-Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Daten aus Krankenversorgung und Forschung zu harmonisieren, integrieren und analysieren. Ziel ist es, Krankheitsursachen und Verläufe besser zu verstehen. So sollen Erkrankungen künftig wirkungsvoll verhindert, schneller diagnostiziert und zielgerichtet und nebenwirkungsarm therapiert werden. Auf Datenschutz und Datensicherheit wird dabei besonderen Wert gelegt. Die Datenintegration soll direkt in der Praxis erprobt werden – für die neurologische Erkrankung Multiple Sklerose hat das Konsortium diese komplexe Aufgabe bereits in Angriff genommen. Weitere Anwendungsgebiete werden Parkinson, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und seltene Erkrankungen sein.</p><p>Bis zu acht Millionen Euro gehen an die Universität Tübingen. Oliver Kohlbacher, Professor für Angewandte Bioinformatik an der Universität Tübingen, ist einer der Projektkoordinatoren. Die Tübinger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen werden ihre Erfahrung in der Bioinformatik, in der Verwaltung und Analyse von Hochdurchsatzdaten (z.B. Genome) sowie die klinische Expertise bei den oben genannten Erkrankungen in das Konsortium einbringen.</p><p>&lt;link http: difuture.de external-link-new-window external link in new&gt;Homepage DIFUTURE-Konsortium</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr.-Ing. Oliver Kohlbacher<br>Universität Tübingen<br>Zentrum für Bioinformatik Tübingen<br>Telefon: +49 7071 29-70458<br>&lt;link&gt;Oliver.Kohlbacher@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13651</guid><pubDate>Sun, 09 Jul 2017 12:00:00 +0200</pubDate><title>Eiszeithöhlen sind Weltkulturerbe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/eiszeithoehlen-sind-weltkulturerbe/</link><description>UNESCO würdigt einzigartige Fundlandlandschaft zur ersten Kunst ‒ Universität Tübingen: „Verdiente Auszeichnung“</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/1704-008_Infografik_Hoehlen_72_dpi_rgb.png" length="349393" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die UNESCO hat sechs Höhlen der Schwäbischen Alb zum Weltkulturerbe erklärt: Das zuständige Komitee entschied am Sonntag in Krakau, die Fundstellen Vogelherd, Bockstein, Hohlenstein-Stadel, Sirgenstein, Geißenklösterle und Hohle Fels in die Welterbeliste aufzunehmen.</p><p>In den Höhlen im Ach- und Lonetal haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Tübingen seit Anfang des 20. Jahrhunderts die ältesten Belege für figürliche Kunst, Musik und Glaubensvorstellungen des Menschen geborgen und erforscht. Die Tierfiguren und Schmuckstücke aus Mammut-Elfenbein, Figurinen wie die Venus vom Hohle Fels und Knochen-Flöten wurden während der letzten Eiszeit vor rund 40.000 Jahren hergestellt. Sie gelten als einmalige Zeugnisse der Menschheitsgeschichte.</p><p>„Wir sind hocherfreut über diese Nachricht: Die Auszeichnung würdigt jahrzehntelange archäologische und paläontologische Forschung an der Universität Tübingen“, sagte Rektor Professor Bernd Engler. „Sie zeigt zum wiederholten Male, dass Tübingen auf vielen Feldern exzellente Wissenschaft mit internationaler Ausstrahlung betreibt.“</p><p><br> Als hochverdiente Auszeichnung bezeichnete Professor Nicholas Conard vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen die UNESCO-Entscheidung. Conard leitet die Geländearbeiten auf der Schwäbischen Alb seit 1996: „Die Funde aus den Eiszeithöhlen zeigen eine außergewöhnliche Schöpferkraft der ersten modernen Menschen. Tübinger Wissenschaftler haben sie mit viel Arbeit und Engagement erschlossen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist für uns ein wichtiges Zeichen, dass diese weltweit einzigartige Fundlandschaft nun zum Weltkulturerbe zählt.“</p><p><br> „Eine Universität, die gemeinsam mit ihrem Museum zentraler Teil eines UNESCO-Kulturerbeeintrags ist: Ich glaube, das gibt es weltweit nicht noch einmal“, sagte Professor Ernst Seidl, Direktor des Museums an der Universität Tübingen (MUT).</p><p><br> Im Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen sind die meisten Originalfundstücke aus den Eiszeithöhlen zu sehen, darunter zahlreiche Tierfiguren aus Mammutelfenbein aus der Vogelherd-Höhle und das neu entdeckte Fragment einer Flöte aus Gänsegeierknochen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="414715" height="184" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-09TUEEiszeithoehlen_Weltkulturerbe2_f89e104e23.jpg" width="300" style></td><td>Die 40.000 Jahre alte Figur eines Wildpferds aus der Vogelherd-Höhle ist heute im Museum der Universität Tübingen zu sehen. Foto: Juraj Liptak / Universität Tübingen</td></tr></tbody></table></div></div><h3> <br> Publikationen zum Thema:</h3><ul><li>Nicholas J. Conard, Harald Floss, Martina Barth, Jordi Serangeli (Hg.): Eiszeit. Kunst und Kultur (Begleitband zur Großen Landesausstellung Stuttgart), Ostfildern 2009</li><li>Nicholas J. Conard, Michael Bolus, Ewa Dutkiewcz, Sibylle Wolf:<br> 	Eiszeitarchäologie auf der Schwäbischen Alb, Tübingen 2015</li><li>Nicholas J. Conard: Das Vogelherdpferd und die Ursprünge der Kunst, Tübingen 2016<br> 	(engl.: The Vogelherd Horse and the Origins of Art, Tübingen 2016)</li><li>Ernst Seidl (Hg.): Schätze aus dem Schloss Hohentübingen, Tübingen 2012<br> 	(engl.: Treasures of Hohentübingen Castle, Tübingen 2014)</li><li>Nicholas J. Conard, Ernst Seidl (Hg.): Das Mammut vom Vogelherd, Tübingen 2008</li></ul><h3><br> Kontakt:</h3><p>Prof. Nicholas J. Conard PhD<br> Universität Tübingen<br> Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,pkejqncu0eqpctfBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">nicholas.conard<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Prof. Dr. Ernst Seidl<br> Universität Tübingen<br> Museum der Universität Tübingen (MUT)<br> Telefon: +49 7071 29-74134<br> Mobil: 0172 7475040<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,gtpuv0ugkfnBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">ernst.seidl<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/1704-008_Infografik_Hoehlen_72_dpi_rgb.png" lenght="349393" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13495</guid><pubDate>Fri, 07 Jul 2017 13:24:00 +0200</pubDate><title>Baden-württembergische Universitäten kündigen Vertrag mit Großverlag Elsevier</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/baden-wuerttembergische-universitaeten-kuendigen-vertrag-mit-grossverlag-elsevier/</link><description>Pressemitteilung der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die baden-württembergischen Landesuniversitäten haben mit einem von allen neun Rektoren und Präsidenten unterzeichneten Schreiben angekündigt, den Vertrag mit dem internationalen Wissenschaftsverlag Elsevier zum Jahresende zu beenden.</p><p><br>Der Grund für diesen drastischen Schritt sei das unzureichende Angebot, das der Verlag der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen vorgelegt hat, so der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Rektor Prof. Dr. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart. Mehrere hundert Wissenschaftsorganisationen in Deutschland, darunter alle baden-württembergischen Universitäten, verhandeln über die Projektgruppe DEAL mit den Großverlagen Elsevier, SpringerNature und Wiley über nationale Lizenzverträge.</p><p><br>Zu diesem Vorgehen erklärte Prof. Dr. Ressel: „Anders als bei herkömmlichen Zeitschriften und Büchern erhalten wissenschaftliche Autoren ganz überwiegend kein Honorar von den Verlagen. Auswahl und Lektorat der Beiträge wird zumeist auch von Wissenschaftlern kostenfrei übernommen; die darin beschriebenen Forschungen sind fast ausschließlich aus Steuermitteln finanziert. Die Publikation erfolgt mittlerweile oft elektronisch und verursacht in diesem Fall keine Druckkosten. Die Gewinnmargen sind bei den Großverlagen mit bis zu 40 % außergewöhnlich hoch, die Verlagsleistung überschaubar und die Rechnung dafür übernimmt der Steuerzahler.“</p><p><br>Mit dem Projekt DEAL wolle man zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Verlagen und Wissenschaft und vor allem zu einer zukunftsfähigen Wissenschaftskommunikation vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung kommen. Elsevier als großer Player verweigere sich aber nach wie vor einer Einigung, weil man offensichtlich hoffe, auf Basis der bisherigen Verträge noch höhere Gewinne zu erzielen. „In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass wir untereinander nicht einmal die Vertragskonditionen vergleichen konnten, weil Elsevier in allen Verträgen auf einer Geheimhaltungsklausel bestand“, so Prof. Dr. Ressel.</p><p><br>Man erwarte nun sehr zeitnah von Elsevier ein Angebot, das die folgenden Bedingungen des DEAL-Projektes erfüllen müsse:</p><ul><li>Angemessene Preise anhand eines einfachen Berechnungsmodells, das sich am Publikationsaufkommen orientiert.</li><li>Alle wissenschaftlichen Einrichtungen, die an dem Projekt DEAL teilnehmen, erhalten einen dauerhaften Volltextzugriff auf das gesamte Spektrum der elektronischen Zeitschriften des Verlags;</li><li>Alle Publikationen von Autorinnen und Autoren aus deutschen Einrichtungen sind automatisch Open Access geschaltet.</li></ul><p><br>&lt;link http: www.lrk-bw.de index.php pressemitteilungen&gt;www.lrk-bw.de/index.php/pressemitteilungen<br>Weitere Informationen zum Projekt DEAL:<br>&lt;link https: www.projekt-deal.de&gt;<a href="https://www.projekt-deal.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.projekt-deal.de</a></p><p><br><br>Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg<br>Etzelstraße 9<br>70180 Stuttgart<br>0711-12093360<br>Mo.-Fr. 09:00-13:00</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14994</guid><pubDate>Tue, 04 Jul 2017 17:00:00 +0200</pubDate><title>DNA aus Neandertalerknochen liefert neuen Zeitrahmen für eine Migration von Urmenschen aus Afrika</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/dna-aus-neandertalerknochen-liefert-neuen-zeitrahmen-fuer-eine-migration-von-urmenschen-aus-afrika/</link><description>Sehr enge Verwandte des modernen Menschen könnten schon vor über 220.000 Jahren aus Afrika nach Europa gekommen sein, vermuten Wissenschaftler der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-04Posth_Neandertaler4.jpg" length="463762" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>DNA aus einem Neandertalerknochen deutet darauf hin, dass ein Gen-Austausch zwischen Neandertalern und engen Verwandten des modernen Menschen schon vor über 220.000 Jahren stattgefunden haben könnte. Das entdeckte ein Forschungsteam als es die mitochondriale DNA aus dem Oberschenkelknochen eines Neandertalers untersuchte, der vor etwa 80 Jahren auf der Schwäbischen Alb gefunden wurde. Die Studie der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, dem Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment an der Universität Tübingen sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg wurde am Dienstag in <em>Nature Communications </em>veröffentlicht (DOI: 10.1038/NCOMMS16046).</p><p>Eine umfangreiche Besiedlung Europas durch den <em>Homo sapiens </em>wird vor etwa 50.000 Jahren vermutet. Forscherinnen und Forscher diskutieren aber auch eine frühere Einwanderung von eng mit dem modernen Menschen verwandten Urmenschen aus Afrika. Diese hätten sich mit den zu dieser Zeit bereits in Europa lebenden Neandertalern gekreuzt und ihre Spur in der mitochondrialen DNA der Neandertaler hinterlassen. Die Forschungsgruppe, konnte dieses Ereignis auf einen Zeitraum von 470.000 bis 220.000 Jahren vor heute datieren.</p><p>Mitochondrien sind die Energie erzeugenden Kraftwerke unserer Zellen. Sie haben ihre eigene DNA, die durch die Mutter vererbt wird. Das Erbgut im Zellkern – die nukleare DNA – dagegen wird zu gleichen Teilen von beiden Eltern vererbt. Mit Hilfe der mitochondrialen DNA können mütterliche Abstammungslinien zurückverfolgt und der Zeitpunkt für die Aufspaltung von Populationen bestimmt werden. Die Veränderungen (Mutationen) in der mitochondrialen DNA im Laufe der Zeit werden dazu verwendet, Populationen zu unterscheiden und näherungsweise zu berechnen, wieviel Zeit vergangen ist, seit zwei Individuen zuletzt einen gemeinsamen Vorfahren teilten, da genetische Veränderungen in vorhersagbaren Raten auftreten.</p><h3>Komplizierte Verwandtschaft zwischen Neandertalern und modernen Menschen</h3><p>Untersuchungen der nuklearen DNA von Neandertalern und modernen Menschen legten die Spaltung der beiden Gruppen auf rund 765.000 bis 550.000 Jahre vor heute fest. Die nukleare DNA der Neandertaler hat außerdem mehr Gemeinsamkeiten mit den Denisova-Menschen, einer weiteren Urmenschenart auf dem europäischen Kontinent, als mit modernen Menschen. Studien, die die mitochondriale DNA von modernen Menschen und Neandertalern untersuchten, lassen dagegen eine deutlich spätere Teilung vor etwa 400.000 Jahren und eine engere Verwandtschaft vermuten. Dann hätten Neandertaler und Denisova-Menschen sich schon getrennt entwickelt, bevor der letzte gemeinsame Vorfahre von Neandertalern und modernen Menschen lebte.</p><p>Ein Erklärungsansatz für diese Widersprüchlichkeiten lautet, dass es noch vor der großen Ausbreitungswelle des modernen Menschen eine frühe Urmenschen-Migration aus Afrika gegeben haben könnte. Diese Gruppe, die enger mit dem modernen Menschen verwandt ist als mit den Neandertalern, könnte durch genetische Beimischung ihre mitochondriale DNA sowie einen kleinen Anteil an nuklearer DNA in die Population der Neandertaler in Europa eingeführt haben, jedoch nicht in die Gruppe der Denisova-Menschen.</p><p>Der Oberschenkel eines Neandertalers, der in der Hohlenstein-Stadel-Höhle im Südwesten Deutschlands gefunden wurde und heute im Museum Ulm befindet, könnte ein Beleg für diese Theorie sein. „Der Knochen, der vermutlich von einem großen Fleischfresser angenagt wurde, lieferte mitochondriale genetische Daten, die zeigen, dass das Individuum zur Gruppe der Neandertaler gehörte“, erklärt Erstautor Cosimo Posth vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Mit Hilfe einer DNA-Sequenzierung konnte das Alter des Knochens auf etwa 124.000 Jahre datiert werden. Damit zählt diese Neandertalerprobe zu den ältesten Knochen, deren mitochondriale DNA bis heute analysiert wurde. Bestätigt wurde die Datierung auch durch Herve Bocherens und Christoph Wißing von der Universität Tübingen. Sie analysierten die stabilen Isotope von Stickstoff und Kohlenstoff des Neandertalerknochens und fanden heraus, dass dieser Neandertaler in einer bewaldeten Region gelebt haben muss. Diese existierte im Süden Deutschlands während der letzten Eiszeit das letzte Mal vor über 100.000 Jahren.</p><p>Interessanterweise unterscheidet sich die mitochondriale Linie vom Neandertaler aus der Hohlenstein-Stadel-Höhle (HST) von der aller zuvor untersuchten Neandertaler. Beide Linien müssen sich vor mindestens 220.000 Jahren getrennt haben. Das deutet darauf hin, dass die mitochondriale genetische Vielfalt bei den Neandertalern größer war als bisher angenommen.</p><h3>Zeitfenster für eine weitere Migration von Urmenschen aus Afrika</h3><p>Eine mögliche Erklärung ist, dass nach der Trennung der mitochondrialen DNA von Neandertalern und modernem Mensch (datiert auf maximal 470 000 Jahre vor heute), aber bevor HST und die anderen Neandertaler sich genetisch voneinander trennten, eine Gruppe von Urmenschen aus Afrika nach Europa kam und ihre mitochondriale DNA den dort lebenden Neandertalern beimischte. Demnach wäre diese Migration aus Afrika zwischen 470.000 und 220.000 Jahren vor heute aufgetreten. „Trotz des großen Intervalls bieten diese Daten ein zeitliches Fenster für mögliche Interaktionen zwischen beiden Kontinenten", sagt Posth.</p><p>Dieser mögliche Zustrom an Urmenschen wäre klein genug gewesen, um keinen großen Einfluss auf die Kern-DNA der Neandertaler zu nehmen. Andererseits wäre er aber groß genug gewesen, um die bestehende Denisova-ähnliche mitochondriale Linie der Neandertaler vollständig zu ersetzen, und zwar durch eine dem modernen Menschen ähnliche mitochondriale Linie. „Dieses Szenario erklärt die Unterschiede von Kern-DNA und mitochondrialer DNA bei archaischen Urmenschen und die Abweichungen der Zeitpunkte für die Spaltung von modernem Mensch und Neandertaler, die aus Kern-DNA und mitochondrialer DNA geschätzt werden“, sagt Johannes Krause, Professor am Fachbereich Urgeschichte und Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität und Leiter der Studie.</p><p>„Kern-Daten aus dem HST-Oberschenkelknochen wären für die Einschätzung der genomischen Verwandtschaft von Neandertalern, Denisovanern und modernen Menschen entscheidend", erklärt Posth. Jedoch sei der Knochen sehr schlecht erhalten. Seit seinem Fund vor 80 Jahren hätten viele Menschen ihn berührt und dadurch ihre moderne menschliche DNA hinterlassen. Deshalb sei es äußerst schwierig Kern-DNA aus HST zu rekonstruieren.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="413977" height="200" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-04Posth_Neandertaler1_db4483ce62.jpg" title width="300" style></td><td>Oberschenkelknochen eines archaischen Menschen aus der Hohlenstein-Stadel Höhle (HST), Schwäbische Alb. Foto: Oleg Kuchar © Photo Museum Ulm</td></tr><tr><td><br><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="413980" height="218" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-04Posth_Neandertaler2_5179536005.jpg" title width="300" style></td><td>Ausgrabungen am Eingang der Hohlen-stein-Stadel Höhle im Jahr 1937; in diesem Jahr wurde der Neandertalerknochen entdeckt. Foto: © Photo Museum Ulm</td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="413983" height="364" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-04Posth_Neandertaler3_570f5278c9.png" title width="300" style></td><td>Schematische Darstellung des vorgestell-ten Szenarios zur Evolution von mitochondrialer und nuk-learer DNA in archaischen und modernen Menschen. Die in dieser Studie rekonstruierte mitochondriale DNA eines Neandertalers deutet auf eine weitere Migration von Ur-menschen aus Afrika vor mehr als 220 000 Jahren hin. Grafik: Annette Günzel © Max-Planck-Institut für Mensch-heitsgeschichte</td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="413970" height="200" src="fileadmin/_processed_/csm_17-07-04Posth_Neandertaler4_740e3cb994.jpg" title width="300" style></td><td>Der Eingang zur Hohlenstein-Stadel Höhle auf der Schwäbischen Alb im Südwesten Deutschlands. Foto: Wolfgang Adler, © Photo Museum Ulm</td></tr></tbody></table></div></div><h3>English Press Release:</h3><p><a href="http://www.shh.mpg.de/464174/neandertaler-dna-posth" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Opens external link in new window" rel="noreferrer">DNA of early Neanderthal gives timeline for new modern human-related dispersal from Africa</a> (Max Planck Institute for the Science of Human History)</p><h3>&nbsp;</h3><h3>Publikation:</h3><p>Cosimo Posth, Christoph Wißing, Keiko Kitagawa, Luca Pagani, Laura van Holstein, Fernando Racimo, Kurt Wehrberger, Nicholas J. Conard, Claus Joachim Kind, Hervé Bocherens, and Johannes Krause: Deeply divergent archaic mitochondrial genome provides lower time boundary for African gene flow into Neanderthals. <em>Nature Communications</em>, DOI: 10.1038/NCOMMS16046</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause<br> Universität Tübingen<br> Urgeschichte und Naturwissenschaftliche Archäologie, Abteilung Paläogenetik<br> Rümelinstrasse 23<br> 72070 Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-74089<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lqjcppgu0mtcwugBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">johannes.krause<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Cosimo Posth</p><p>Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte</p><p>Kahlaische Str. 10</p><p>07745 Jena</p><p>Tel.: +49 3641 686-622</p><p>E-mail: <a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rquvjBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">posth<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>&nbsp;</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-04Posth_Neandertaler4.jpg" lenght="463762" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14706</guid><pubDate>Tue, 04 Jul 2017 13:00:00 +0200</pubDate><title>Neues Organisationsteam für Tübinger Erbe-Lauf</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neues-organisationsteam-fuer-tuebinger-erbe-lauf/</link><description>Universität Tübingen und LAV Stadtwerke Tübingen richten Wettkampf künftig gemeinsam aus ‒ Hauptsponsor Erbe Elektromedizin GmbH finanziert Stelle für Projektleitung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Tübinger Erbe-Lauf wird organisatorisch auf neue Beine gestellt: Veranstalter des Wettkampfes ist künftig die Universität Tübingen, Ausrichter die Leichtathletik-Vereinigung (LAV) Stadtwerke Tübingen. Die Erbe Elektromedizin GmbH erhöht ihr Engagement als Hauptsponsor und finanziert die Stelle einer Projektleitung. Diese wird am Institut für Sportwissenschaft (IfS) der Universität Tübingen angesiedelt. Die Projektleitung wird den Wettkampf in Zusammenarbeit mit der LAV organisieren und durchführen. Die neue Kooperationsvereinbarung gilt vorerst bis einschließlich 2020.</p><p><br>„Der Erbe-Lauf ist nicht nur eine Bereicherung für die Ausbildung unserer Studierenden, sondern auch für Tübingen insgesamt“,  sagt Kanzler Dr. Andreas Rothfuß. „Mit der Unterstützung eines sportlichen Großevents nimmt die Universität nicht zuletzt auch gesellschaftliche Verantwortung im Bereich der Gesundheitsbildung wahr.“</p><p><br>Die Erbe Elektromedizin GmbH legt großen Wert auf ihre soziale Verantwortung. Christian O. Erbe sieht in der Förderung des Sportereignisses einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohl: „Mit der Verdoppelung unseres finanziellen Engagements möchten wir dazu beitragen, den Erbe-Lauf zukunftssicher aufzustellen.“</p><p><br>Professor Claus Claussen, erster Vorsitzender der LAV Tübingen begrüßt die neue Form der Zusammenarbeit zwischen Universität Tübingen und LAV Stadtwerke Tübingen. „Ich halte die gefundene Lösung für zukunftsweisend.“</p><p><br>„Ich freue mich, dass der Erbe-Stadtlauf in einer neuen Organisationsstruktur von Universität Tübingen, LAV Stadtwerke Tübingen mit der tollen Unterstützung von Erbe-Elektromedizin GmbH fortgesetzt werden kann“, sagt Erste Bürgermeisterin Dr. Christine Arbogast. „Mein Dank gilt den bisherigen Organisatoren, Studierenden und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die mit viel Engagement dieses Sportereignis in Tübingen umgesetzt haben. Ein solches Ereignis, bei dem Alt und Jung, Amateure und Profis gemeinsam laufen, schafft ein Gemeinschaftsgefühl, das uns auch jenseits des Sporttreibens einfach gut tut.“</p><p><br>Der Erbe-Lauf ging 2012 aus dem Tübinger Stadtlauf hervor, der einst von der LAV Tübingen ins Leben gerufen worden war. Veranstalter war lange der Förderverein der LAV Stadtwerke Tübingen. Seit 2012 hatten Studierende des IfS die Organisation unter Leitung von Andreas Dietrich, Olympiasieger Dieter Baumann und Marc Oßwald von der KOKO DTK Entertainment GmbH übernommen. Seit 2014 war zudem die TSG Tübingen Ausrichter des Laufes. Studierende konnten in dem zweisemestrigen Projekt wertvolle Praxiserfahrung sammeln. Gleichzeitig wurde der Erbe-Lauf stetig weiterentwickelt: von der Gewinnung der Sponsoren und Sozialpartner bis zu immer neuen Elementen, wie beispielsweise der Handbike Challenge, die 2016 erstmals angeboten wurde.</p><p><br>Zum 23. Erbe-Lauf waren 2016 insgesamt 1.850 Läuferinnen und Läufer sowie 650 Nachwuchssportler angetreten. Rund 250 Ehrenamtliche waren während der Sportveranstaltung im Einsatz. „Wir freuen uns für die Universitätsstadt Tübingen und alle Laufbegeisterten aus der Region, dass der Erbe-Lauf als größte Sportveranstaltung innerhalb Tübingens weiterhin stattfinden kann ‒ mit dem neuen Modell und unseren Erfahrungen der Vorjahre“, sagt Andreas Dietrich. Er und seine Mitstreiter fungieren 2017 zum letzten Mal als Leitungsteam. Zudem sei das Konzept weiterhin in die Lehre der Universität eingebunden: Studierende könnten auch künftig im Rahmen eines Praktikums an der Organisation der Veranstaltung mitarbeiten.</p><p><br>Der diesjährige 24. Erbe-Lauf findet am Sonntag, den 17. September 2017, statt. Informationen unter &lt;link http: www.tuebinger-erbe-lauf.de&gt;www.tuebinger-erbe-lauf.de</p><h3>Kontakt: </h3><p>Andreas Dietrich<br>Universität Tübingen<br>Institut für Sportwissenschaft<br>Telefon +49 7071 29-76411 <br>&lt;link&gt;a.dietrich@uni-tuebingen.de<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13970</guid><pubDate>Mon, 03 Jul 2017 10:12:00 +0200</pubDate><title>Tübingen an neuem Ausbildungszentrum in Lambaréné beteiligt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebingen-an-neuem-ausbildungszentrum-in-lambarene-beteiligt/</link><description>Staatliche Schule für Gesundheitswesen bildet Ärzte und Fachpersonal für Gabun aus</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-03Schule_fuer_Gesundheitswesen_Gabun.jpg" length="15342" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität und das Universitätsklinikum Tübingen beteiligen sich an der Gründung einer Schule für Gesundheitswesen in Lambaréné, Gabun. Ein entsprechendes Abkommen zwischen der Regierung von Gabun und dem Forschungszentrum Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) wurde am 2. Juli in Tübingen von den Kooperationspartnern unterzeichnet. Weitere Partner sind das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie die Medizinische Universität Wien, Österreich. Die neue Schule wird auf dem Campus des CERMEL in Lambaréné angesiedelt und soll künftig Ärzte und Fachpersonal für die medizinische Versorgung des zentralafrikanischen Staates ausbilden.</p><p><br>Träger der Einrichtung ist der Staat Gabun, die Partnerinstitutionen unterstützen die Schule unter anderem durch Forschungsgelder. So betreibt und verwaltet das CERMEL die Schule. Zudem trägt es die Verantwortung für Kursangebot und Ausbilder. Die CERMEL-Wissenschaftler werden an der Ausbildung aktiv beteiligt sein. Die Universitäten Tübingen und Wien sowie das DZIF werden Stipendienprogramme bei deutschen und österreichischen Einrichtungen organisieren und den Austausch für Studierende und Lehrende fördern.</p><p><br>Die Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung ist eines der wichtigsten Strategieziele der Regierung in Gabun. Die Schule soll diese fördern und insgesamt die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems in der medizinischen Forschung stärken. „Der Staat Gabun hat sich einer Politik der nachhaltigen Entwicklung im Gesundheitswesen verpflichtet. Für diese Ziele investiert Gabun in die Ausbildung von Fachpersonal sowie in medizinische Forschung in enger Zusammenarbeit mit starken Partnern“, sagt Professor Dr. Léon Nzouba, Minister für das Gesundheitswesen und die Bevölkerung in Gabun. „Mit dieser Schule hoffen wir, ein Modell für den gesamten afrikanischen Raum zu etablieren, insbesondere im Bereich der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit.“</p><p><br>„Die Schule wird die Forschungsaktivitäten des CERMEL um den Bereich Lehre ergänzen: Wir werden Studierende und Postgraduierte aus vielen Ländern, Afrika und natürlich insbesondere aus Gabun ausbilden“, sagt Professor Dr. Peter Kremsner vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Präsident des Verwaltungsrates des CERMEL.</p><p><br>„Gut ausgebildetes Personal in Krankenversorgung und medizinischer Forschung ist die Basis eines leistungsfähigen Gesundheitssystems. Erfahrene Lehrer und Ausbilder aus Tübingen können ganz konkret an Lehrplänen, Trainingsmodulen und Schulungen mitwirken. Damit tragen wir zur beruflichen Qualifizierung und langfristig zur besseren medizinischen Versorgung der Bevölkerung bei“, fasst Professor Dr. Michael Bamberg, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, das Tübinger Engagement zusammen.</p><p><br>„Durch die enge Kooperation mit der neuen Schule für Gesundheitswesen stärkt die Universität Tübingen die internationale Zusammenarbeit mit Gabun und übernimmt gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung: Die Ausbildung von medizinischem Personal und künftigen Führungskräften ist wesentlich für ein stabiles Gesundheitssystem“, sagt Professor Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen.</p><p><br>„Wir freuen uns auf die Weiterführung unserer langjährigen Partnerschaft mit Lambaréné und Tübingen im Rahmen der staatlichen Schule für Gesundheitswesen in Gabun“, sagt Rektor Univ. Professor Dr. Markus Müller von der Medizinischen Universität Wien. „Die Partnerschaftsvereinbarung ist die Basis für eine gegenseitige Befruchtung und eine ideale Plattform zum Austausch von aktuellem Know-how.“</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Peter Kremsner<br>Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Telefon: +49 7071 29-87179<br>peter.kremsner[at]uni-tuebingen.de<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-07-03Schule_fuer_Gesundheitswesen_Gabun.jpg" lenght="15342" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-16079</guid><pubDate>Thu, 29 Jun 2017 20:00:00 +0200</pubDate><title>Ethische Richtlinien für den Einsatz von Gehirn-Computer-Schnittstellen gefordert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ethische-richtlinien-fuer-den-einsatz-von-gehirn-computer-schnittstellen-gefordert/</link><description>Datenschutz, Haftung und Sicherheit müssen bedacht werden, verlangen Wissenschaftler der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-29Soekadar_Richtlinien_Science.jpg" length="202823" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>International führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Neurophysiologie, der Neurotechnologie und der Neuroethik haben ethische Richtlinien für den Einsatz von Gehirn-Computer-Schnittstellen formuliert. Sie sollen Datenschutz, Haftung und Sicherheit bei hirngesteuerten Systemen gewährleisten; bisher wurden diese Aspekte wenig beachtet und sind teilweise noch völlig ungeklärt. Technologien, die Hirnaktivität in Steuersignale von Computern, Robotern oder Prothesen übersetzen, sind bereits sehr weit entwickelt. In einem Beitrag für das Fachmagazin <em>Science </em>mit dem Titel „Help, Hope and Hype“ fordern die Wissenschaftler einen verantwortungsbewussten Umgang mit solchen Gehirn-Computer-Schnittstellen (DOI: 10.1126/science.aam7731). Zentrale Forderung ist eine „Veto“-Funktion, die unbeabsichtigte Befehle unterbricht. Die Forscherinnen und Forscher, darunter die Tübinger Wissenschaftler Niels Birbaumer und Surjo R. Soekadar, schlagen außerdem vor, dass alle Daten vorübergehend und verschlüsselt gespeichert werden sollten, wie bei der Blackbox eines Flugzeugs.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich intensiv mit den ethischen Aspekten von Gehirn-Computer-Schnittstellen auseinandergesetzt. Mit ihrer Forschung haben einige von ihnen wesentlich dazu beigetragen, dass diese Technologie für den medizinischen Bereich sehr weit entwickelt ist. Mittlerweile haben auch private Investoren, wie Mark Zuckerberg (Facebook) oder Elon Musk (Tesla, SpaceX) das Forschungsgebiet für sich entdeckt. Richtlinien könnten Forschern, Entwicklern und Anwendern auf dem Weg zum alltäglichen Einsatz der hirngesteuerten Systeme helfen, verantwortungsbewusst mit ethischen Aspekten der Technologie umzugehen. Gleichzeitig sei es wichtig, die Öffentlichkeit über Möglichkeiten und Grenzen der neuen Technologie zu informieren. Bisher begeisterten Gehirn-Computer-Schnittstellen noch als sensationelle Neuheiten – die gesellschaftliche Diskussion darüber sollte jedoch faktenbasiert stattfinden.</p><p>Gehirn-Computer-Schnittstellen sind Systeme, die Hirnaktivität in Steuersignale von Computern, Robotern oder Prothesen übersetzen. Bereits 1999 fand der Tübinger Neuropsychologe Niels Birbaumer eine Möglichkeit, Patienten mit sogenanntem Locked-In-Syndrom mithilfe von Hirnsignalen Briefe buchstabieren zu lassen. 2017 ermöglichte er auch vollständig Gelähmten im complete locked-in state (CLIS) einfache Ja/Nein Antworten zu geben. Der Tübinger Psychiater und Neurowissenschaftler Surjo R. Soekadar zeigte zuletzt, dass Gehirn-Computer-Schnittstellen auch im Alltag einsetzbar sind. Beispielsweise können Querschnittsgelähmte mithilfe eines hirngesteuerten Exoskeletts selbstständig essen und trinken.</p><p>Zwar sei es noch nicht möglich, mit Gehirn-Computer-Schnittstellen komplexere Gedanken auszulesen, erklärte Soekadar. „Dies kann sich aber möglicherweise bald ändern. Wir müssen daher vom Ende her denken.“ Die aufgezeichneten Hirnsignale müssten vor unerlaubtem Zugriff geschützt werden. Außerdem stelle sich die Frage der Verantwortung für Fehler, die bei der Übersetzung von Hirnaktivität in Steuersignale auftreten könnten. Als zentrale Forderung mahnen die Autorinnen und Autoren hier eine „Veto“-Funktion an, um unbeabsichtigte Steuerbefehle der Gehirn-Computer-Schnittstelle zu unterbrechen. „Der Mensch muss zu jedem Zeitpunkt in der Lage sein, die Maschine zu stoppen“, so Soekadar. Auch sein System verfüge über eine Veto-Funktion, die über eine bestimmte Augenbewegung ausgelöst wird. Elektrische Hirnsignale, die von der Kopfoberfläche abgeleitet werden, könnten für diese Funktion noch nicht zuverlässig genutzt werden.</p><p>Wie in einem Flugzeug müssten alle Biosignale und Steuerbefehle in einer Black-Box für einen begrenzten Zeitraum gespeichert werden, so die Wissenschaftler. Nur so ließen sich haftungsrechtliche Fragen eindeutig klären. Neben Schutz vor unerlaubtem Auslesen aufgezeichneter Signale, müssten sämtliche Daten sicher verschlüsselt werden. Dies sei aktuell keine gängige Praxis – es lasse sich somit nicht ausschließen, dass Informationen von Dritten missbraucht würden („Brainhacking“). Bei implantierbaren Systemen oder Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Gehirngewebe auch direkt stimulieren können, sei besondere Vorsicht geboten: Im Extremfall sei ein sogenanntes „Brainjacking“ nicht auszuschließen, also die Manipulation des Systems zur gezielten Beeinflussung von Hirnfunktionen oder Verhalten.</p><p>„Die technologischen Fortschritte im Bereich der Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln sich derzeit so rasant, dass es höchste Zeit ist, rechtliche und ethische Rahmenbedingungen zu definieren und durchzusetzen“, fordert Jens Clausen, Neuroethiker an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Mitglied des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen. Eine Frage der Ethik sei auch der Umgang mit Hoffnungen, die bei Patienten und ihren Angehörigen geweckt werden. Aufsehenerregende Demonstrationen hirngesteuerter Systeme führten oft zu überzogenen Erwartungen. Die Medien sowie wirtschaftliche Profiteure seien deshalb in der Verantwortung, den Nutzen, aber auch Grenzen und Risiken dieser Technologien, ausgewogen darzustellen. Die Vermittlung von Wissen über technische Möglichkeiten und Grenzen (sogenannte „Neuroliteracy“) müsse Teil des öffentlichen Bildungsauftrags werden.</p><h3>Publikation: </h3><p>Clausen J, Fetz E, Donoghue J, Ushiba J, Spörhase U, Chandler J, Birbaumer N, Soekadar SR. Help, Hope and Hype: Ethical Dimensions of Neuroprosthetics. <em>Science</em><em><em></em>2017</em>;356 (6345):2-3. DOI: 10.1126/science.aam7731</p><p>Soekadar SR, Witkowski M, Gómez C, Opisso E, Medina J, Cortese M, Cempini M, Carozza MC, Cohen LG, Birbaumer N, Vitiello N. Hybrid EEG/EOG-based brain/neural hand exoskeleton restores fully independent daily living activities after quadriplegia. <em>Science Robotics 2016</em>. 1, eaag 3296 (2016). Video zur Studie: &lt;link http: goo.gl qs3wjf&gt;<a href="http://goo.gl/qs3wjf" target="_blank" rel="noreferrer">goo.gl/qs3wjf</a></p><p>Chaudhary U, Xia B, Silvoni S, Cohen LG, Birbaumer N. Brain-Computer Interface-Based Communication in the Completely Locked-In State.<em> PLoS Biol. 2017</em>;31:15:e1002593. DOI: 10.1371/journal.pbio.1002593.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Surjo R. Soekadar, MD<br>Universität Tübingen<br>Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie<br>Arbeitsgruppe Angewandte Neurotechnologie<br>Telefon +49 7071 29-82640<br>Mobil +49 163 16 44 88 9<br>&lt;link&gt;surjo.soekadar@uni-tuebingen.de</p><p>Prof. Dr. Jens Clausen<br>Pädagogische Hochschule Freiburg<br>Ethik und Lebenswissenschaften und ihre Didaktik<br>Telefon +49 761 682-566<br>&lt;link&gt;jens.clausen@ph-freiburg.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-29Soekadar_Richtlinien_Science.jpg" lenght="202823" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13779</guid><pubDate>Thu, 22 Jun 2017 10:49:00 +0200</pubDate><title>100 Jahre Tropenmedizin in Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/100-jahre-tropenmedizin-in-tuebingen/</link><description>Mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und Symposien feiert die Tropenmedizin an Universität und Universitätsklinikum Tübingen ihren 100. Jahrestag</description><content:encoded><![CDATA[<p>Seit 100 Jahren werden an der Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen Tropenkrankheiten erforscht, beispielsweise Flussblindheit, Wurmerkrankungen, Malaria oder Ebola. Am 2. Juli 1917 wurde Gottlieb Olpp zum ersten Professor für Tropenmedizin berufen. Der Lehrstuhl wurde 1956 erweitert zum Institut für Tropenmedizin. In den vergangenen 100 Jahren hat sich Tübingen zu einem international bedeutenden tropenmedizinischen Forschungsstandort entwickelt und liefert heute entscheidende Beiträge im Kampf gegen gefährliche Krankheiten. In aktuellen Projekten entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Institutsdirektor Professor Peter Kremsner unter anderem Impfstoffe gegen Ebola und Malaria.</p><p>Das Institut für Tropenmedizin feiert das 100. Jubiläum vier Tage lang, vom Donnerstag, den 29. Juni, bis Sonntag, den 2. Juli 2017, mit Konzerten und Ausstellungen. Medienvertreter und die Öffentlichkeit sind zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.</p><p>Den Auftakt des Jubiläumsprogramms bildet die Eröffnung der Ausstellung „Afrikanische Skizzen – Ein künstlerischer Dialog“ am Donnerstag, den 29. Juni 2017, um 17 Uhr im Bonatzbau der Universitätsbibliothek (Wilhelmstraße 32, 72074 Tübingen). Zu sehen sind Arbeiten von Rainer Mordmüller (Collage, Zeichnung, Malerei) und Gerd Winner (Serigraphie), das Grußwort spricht Professor Bernd Engler, Rektor der Universität. Die Ausstellung kann bis zum 16. Juli jeweils Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und an Samstagen von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.</p><p>Eine weitere Ausstellung, „Afrikanische Kunst – Sammlung Mekle-Lohrmann“, wird am Freitag, den 30. Juni, um 12.30 Uhr im 1. Obergeschoss des Instituts für Tropenmedizin eröffnet (Wilhelmstraße 27). Die Ausstellung kann bis zum 8. Juli jeweils Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr und an Samstagen von 12 bis 18 Uhr besichtigt werden.</p><p>Am Samstag, 1. Juli, spielt von 18 bis 19.30 Uhr das Akademische Orchester der Universität im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister-Scholl-Platz) unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung und mit Andreas Boyde am Klavier. Auf dem Programm stehen Werke von Robert Schumann, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Franz Schubert.</p><p>Am Sonntag, den 2. Juli, beschließt von 14 bis 15.30 Uhr ein Konzert in der Stiftskirche Tübingen das Jubiläumsprogramm. Dizzy Krisch, Horst Allgaier und Dieter Schumacher spielen „Begegnungen“ mit Vibraphon, Orgel und Perkussion.</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Dr. Dr. Carsten Köhler<br>Universität und Universitätsklinikum Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie<br>Telefon: +49 7071 29 80229 / 82366<br>&lt;link&gt;carsten.koehler@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13636</guid><pubDate>Wed, 14 Jun 2017 10:50:00 +0200</pubDate><title>Georg Mascolo bei 14. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/georg-mascolo-bei-14-tuebinger-mediendozentur/</link><description>Der preisgekrönte Journalist spricht über Fake-News und die neue Macht der Desinformation</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-14Mascolo.jpg" length="52040" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Auf Twitter gehen echte Nachrichten und bloße Gerüchte blitzschnell um die Welt. In sozialen Netzwerken kursieren bizarre Fake-News und viele Menschen halten sie für wahr. Dies haben die Auseinandersetzungen um den Brexit und der zur Schlammschlacht eskalierte amerikanische Wahlkampf gezeigt. Politik und Öffentlichkeit zeigen sich in der gegenwärtigen Lage verunsichert: In welchem Maße werden Wahlkämpfe und Stimmungen manipuliert? Wie entsteht Meinungsmacht im digitalen Zeitalter? Und was heißt es für Demokratie und Gesellschaft, wenn das Systemvertrauen schwindet?</p><p>Der Journalist Georg Mascolo spricht über diesen „Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge“ bei der 14. Tübinger Mediendozentur am Dienstag, den 20. Juni 2017, um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz). Mascolo ist Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung und war Chefredakteur des Spiegel. Studierende aller Fakultäten sowie die interessierte Öffentlichkeit sind zu dem Vortrag herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.</p><p>Mascolo erläutert in seinem Vortrag die Rolle von Fake-News und Desinformation im digitalen Zeitalter. Er belegt, dass Gerüchte und Halbwahrheiten zu einem gravierenden Problem werden konnten, weil ein allgemeines Medienmisstrauen regiere. Der klassische Journalismus würde schwächer, die PR-Industrie dagegen stärker. Einzelne Plattformen und Suchmaschinen seien zu Wirklichkeitsmonopolen geworden, die den Nachrichtenkonsum von Milliarden von Menschen durch undurchsichtige Algorithmen steuern. Der preisgekrönte Autor (Politikjournalist des Jahres, 2014) analysiert die Propaganda von Populisten. Er ordnet die Erfolge des Fake-News-Spezialisten und einstigen Reality-TV-Stars Donald Trump ein, der mit Hilfe von Fernsehen und Internet zum amerikanischen Präsidenten wurde.</p><p>Aber Georg Mascolo zeigt auch, dass sich der etablierte Journalismus in Zeiten der Glaubwürdigkeitskrise ändern muss. Nötig ist ein offener, selbstkritischer Umgang mit Fehlern und Grenzüberschreitungen – auch um verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. „Verlässliche Information“, so Mascolo, „sind nicht weniger notwendig als der Zugang zu einem Krankenhaus, einer guten Schule oder sauberem Wasser. Sie sind ein Grundrecht.“</p><p>Die thematische Einführung zur 14. Tübinger Mediendozentur am 20. Juni übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Es moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Dr. Andreas Narr. Ein Mitschnitt der Rede zur Mediendozentur wird in SWR Aktuell gesendet. Das Institut für Medienwissenschaft publiziert sie gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.</p><p>Seit 2003 kamen für die Mediendozentur unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Mathias Döpfner, Miriam Meckel und zuletzt Sascha Lobo nach Tübingen.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Andreas Narr <br>Südwestrundfunk <br>Studioleiter Studio Tübingen <br>Telefon: +49 7071 209-38101 <br>&lt;link&gt;andreas.narr@SWR.de</p><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon: +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de <br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-14Mascolo.jpg" lenght="52040" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14717</guid><pubDate>Wed, 07 Jun 2017 19:00:00 +0200</pubDate><title>Paläoanthropologie – die ersten unserer Art: Der Homo sapiens ist älter als gedacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/palaeoanthropologie-die-ersten-unserer-art-der-homo-sapiens-ist-aelter-als-gedacht/</link><description>Forscher entdecken in Marokko die bislang ältesten Fossilien anatomisch moderner Menschen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-07_Irhoud_Pressemitteilung_Univ_Tue2.jpg" length="561354" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Neue Fossilien und Steinwerkzeuge aus der Fundstelle Djebel Irhoud (Marokko) belegen den Ursprung des heutigen Menschen vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Diese Fossilien sind rund 100.000 Jahre älter als die ältesten bislang bekannten <em>Homo sapiens</em>-Funde und dokumentieren, dass bereits vor rund 300.000 Jahren wichtige Veränderungen im Aussehen und Verhalten des modernen Menschen in ganz Afrika stattgefunden haben.</p><p>Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Leipzig) und Dr. Abdelouaded Ben-Ncer vom Nationalen Institut für Archäologie (INSAP, Rabat, Marokko), an dem auch Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen beteiligt war, hat bei archäologischen Ausgrabungen am Djebel Irhoud (Marokko) fossile Knochen des <em>Homo sapiens </em>sowie Tierknochen und Steinwerkzeuge entdeckt und analysiert. Die Funde sind rund 300.000 Jahre alt und damit die ältesten sicher datierten fossilen Belege unserer eigenen Art – 100.000 Jahre älter als die bis dato ältesten <em>Homo sapiens</em>-Funde in Äthiopien. Zwei Artikel in der Fachzeitschrift <em>Nature </em>vom 8. Juni 2017 (Hublin et al. 2017 und Richter et al. 2017) beschreiben eine komplexe Evolution des modernen Menschen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.</p><p>Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die ältesten bisher bekannten <em>Homo sapiens</em>-Fossilien stammen aus Äthiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, Herto wird auf 160.000 Jahre datiert. Die meisten Forscher gingen deshalb davon aus, dass alle heute lebenden Menschen von einer Population abstammen, die vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika lebte. „Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag“, erklärt der Leipziger Paläoanthropologe Jean-Jacques Hublin. „Unsere Daten zeigen aber, dass <em>Homo sapiens </em>bereits vor etwa 300.000 Jahren auf dem gesamten Kontinent zu finden war. Lange bevor der moderne Mensch Afrika verließ, hat er sich bereits innerhalb Afrikas ausgebreitet.“</p><p>Die Fundstelle von Djebel Irhoud in Marokko ist bereits seit den 1960er Jahren für menschliche Fossilien und Steinwerkzeuge bekannt. Die Interpretation dieser Funde wurde allerdings durch eine unsichere Datierung erschwert. Neue Ausgrabungen seit dem Jahr 2004 führten zur Entdeckung weiterer Skelett-Reste des <em>Homo sapiens </em>(die Anzahl der Fossilien wuchs so von ursprünglich 6 auf 22 an). Die Funde von Djebel Irhoud umfassen die versteinerten menschlichen Überreste von Schädeln, Unterkiefern, Zähnen, und Langknochen von mindestens fünf Individuen und dokumentieren eine frühe Phase der menschlichen Evolution. Das Team um den Geochronologie-Experten Daniel Richter vom Max-Planck-Institut in Leipzig (jetzt bei Freiberg Instruments GmbH) bestimmte das Alter erhitzter Feuersteine aus den archäologischen Fundschichten mithilfe der sogenannten Thermolumineszenzmethode auf rund 300.000 Jahre. Daniel Richter erklärt: „Gut datierte Fundstellen aus dieser Zeit sind in Afrika außergewöhnlich selten. In Djebel Irhoud hatten wir Glück, dass so viele Steinwerkzeuge erhitzt worden waren. Deshalb konnten wir die Thermolumineszenzmethode anwenden, um die Fundschichten genau zu datieren“.</p><p>„Diese Analysen und neuen Funde, vor allem die neu erhobene, sehr alte Datierung der Fundstätte Irhoud, zeigen, wie weit die Abstammungslinie der modernen Menschen zurückgeht. Sie weisen auch darauf hin, dass die Forschung bisher vielen Regionen, die wichtig für die menschliche Evolution gewesen sein könnten, zu wenig Beachtung geschenkt hat. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass viele Populationen vom ganzen afrikanischen Kontinent an der Geschichte unserer Vorfahren beteiligt waren“, sagt Katerina Harvati. Die Tübinger Wissenschaftlerin hat in dem Projekt die Analyse der äußeren Anatomie der Schädel von der Fundstätte Irhoud übernommen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><br><img alt="Der älteste Homo sapiens. Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0). " data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="408819" height="144" src="fileadmin/_processed_/csm_17-06-07_Irhoud_Pressemitteilung_Univ_Tue1_59b3e22dc0.jpg" title="Der älteste Homo sapiens. Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0). " width="300" style></td><td><p>Der älteste <em>Homo sapiens</em>. Zwei Ansichten einer Computer-Rekonstruktion des ältesten bekannten <em>Homo sapiens </em>vom Djebel Irhoud (Marokko). Die Funde sind auf 300 000 Jahre datiert und zeigen einen modernen Gesichtsschädel, aber einen archaisch anmutenden Gehirnschädel. Die Gestalt des Gehirns (blau), und möglicherweise auch die Funktion des Gehirns, evolviert innerhalb von <em>Homo sapiens</em>. Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0).</p></td></tr><tr><td><img alt="Der älteste Homo sapiens. Computer-Rekonstruktion des ältesten bekannten Homo sapiens vom Djebel Irhoud (Marokko). Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0)." data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="408816" height="300" src="fileadmin/_processed_/csm_17-06-07_Irhoud_Pressemitteilung_Univ_Tue2_f6ca315a0a.jpg" title="Der älteste Homo sapiens. Computer-Rekonstruktion des ältesten bekannten Homo sapiens vom Djebel Irhoud (Marokko). Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0)." width="300" style></td><td>Der älteste <em>Homo sapiens</em>. Computer-Rekonstruktion des ältesten bekannten <em>Homo sapiens</em> vom Djebel Irhoud (Marokko). Die Funde sind auf 300 000 Jahre datiert und zeigen einen modernen Gesichtsschädel, aber einen archaisch anmutenden Gehirnschädel. Die Gestalt des Gehirns, und möglicherweise auch die Funktion des Gehirns, evolviert innerhalb von <em>Homo sapiens</em>. Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0).</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikationen:</h3><p>Jean-Jacques Hublin, Abdelouahed Ben-Ncer, Shara E. Bailey, Sarah E. Freidline, Simon Neubauer, Matthew M. Skinner, Inga Bergmann, Adeline Le Cabec, Stefano Benazzi, Katerina Harvati, Philipp Gunz: New fossils from Jebel Irhoud (Morocco) and the Pan-African origin of <em>Homo sapiens</em>. <em>Nature</em>, 8. Juni 2017, DOI: 10.1038/nature22336</p><p>Daniel Richter, Rainer Grün, Renaud Joannes-Boyau, Teresa E. Steele, Fethi Amani, Mathieu Rué, Paul Fernandes, Jean-Paul Raynal, Denis Geraads, Abdelouahed Ben-Ncer, Jean-Jacques Hublin, Shannon P. McPherron: The Age of the <em>Homo sapiens </em>fossils from Jebel Irhoud (Morocco) and the origins of the Middle Stone Age. <em>Nature</em>, 8. Juni 2017, DOI: 10.1038/nature22335</p><h3>Kontakt:</h3><p><strong>Professorin Dr. Katerina Harvati </strong>[Englisch, Deutsch, Griechisch]<br> Universität Tübingen Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment<br> Leiterin der Paläoanthropologie<br> Telefon +49 7071 29-76516<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvgtkpc0jctxcvkBkhw0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">katerina.harvati<span style="display:none">spam prevention</span>@ifu.uni-tuebingen.de</a></p><p><strong>Jean-Jacques Hublin </strong>[Englisch, Französisch]</p><p><em>Paläoanthropologe</em>, Direktor Abteilung Humanevolution Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig.<br> Telefon +49 341 3550 351(oder 350, oder 381)<br> Fax +49 341 3550 399<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jwdnkpBgxc0ori0fg" data-mailto-vector="2">hublin<span style="display:none">spam prevention</span>@eva.mpg.de</a></p><p><strong>Abdelouahed Ben-Ncer</strong> [Englisch, Französisch, Arabisch]</p><p><em>Paläoanthropologe</em>, INSAP, Rabat (Marokko).<br> Telefon +212 537 777 716<br> Mobiltelefon +212 661 205 978<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgpuctcdfgnqwBiockn0eqo" data-mailto-vector="2">bensarabdelou<span style="display:none">spam prevention</span>@gmail.com</a></p><p><strong>Philipp Gunz </strong>[Englisch, Deutsch]</p><p><em>Paläoanthropologe</em>, Abteilung Humanevolution Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig.<br> Telefon +49 341 3550 853<br> Mobiltelefon +49 151 275 257 87<br> Fax +49 341 3550 399<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,iwpbBgxc0ori0fg" data-mailto-vector="2">gunz<span style="display:none">spam prevention</span>@eva.mpg.de</a></p><p><strong>Shannon McPherron</strong> [Englisch, Französisch]</p><p><em>Archäologe</em>, Abteilung Humanevolution Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig.<br> Telefon +49 341 3550 363<br> Mobiltelefon +49 176 233 46 343<br> Fax +49 341 3550 399<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,oerjgttqpBgxc0ori0fg" data-mailto-vector="2">mcpherron<span style="display:none">spam prevention</span>@eva.mpg.de</a></p><p><strong>Daniel Richter </strong>[Englisch, Deutsch]</p><p><em>Geochronologe &amp; Archäologe</em></p><p>(1) Abteilung Humanevolution Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig.;</p><p>(2) Freiberg Instruments GmbH, Delfterstr. 6, D-09599 Freiberg. Davor: Universität Leuphana, Scharnhorststr. 1, D-21335 Lüneburg.<br> Mobiltelefon +49 152 0144 9083<br> Fax +49 341 3550 399<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ftkejvgtBgxc0ori0fg" data-mailto-vector="2">drichter<span style="display:none">spam prevention</span>@eva.mpg.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-06-07_Irhoud_Pressemitteilung_Univ_Tue2.jpg" lenght="561354" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15768</guid><pubDate>Wed, 31 May 2017 15:22:00 +0200</pubDate><title>Wie Zellen bei Zuckermangel die Selbstverdauung stimulieren</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-zellen-bei-zuckermangel-die-selbstverdauung-stimulieren/</link><description>Forscherteam der Universität Tübingen identifiziert molekularen Schaltkreis der Autophagie, der bei vielen altersbedingten Erkrankungen gestört ist</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff Autophagie bezeichnet ein Recyclingprogramm, mit dem sich unsere Zellen jung halten. Sie bauen kontinuierlich jeweils einen geringen Anteil ihrer Bestandteile in einer Art Selbstverdauung ab und neu auf, um schädlichen Ablagerungen entgegenzuwirken. Die Autophagie – griechisch wörtlich für das „Selbstessen“ – wird auch in Hungersituationen und bei Energiemangel stimuliert. Mit ihrem Team hat Professorin Tassula Proikas-Cezanne vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ) der Universität Tübingen nun einen molekularen Schaltkreis entdeckt, der die Autophagie reguliert. In diesem Schaltkreis wirken die sogenannten WIPI-Proteine als Stellschrauben und verbinden die signalgesteuerte Einleitung der Autophagie mit den nachfolgenden zellulären Abbauprozessen. Die Ergebnisse entstanden in Kooperation mit Professor Boris Macek vom Proteom Centrum Tübingen (IFIZ) und wurden im Fachjournal <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><p>Gemeinsam mit ihrer Forschergruppe hatte Tassula Proikas-Cezanne vor einigen Jahren die Familie der WIPI-Proteine entdeckt. Die Forscherinnen und Forscher klären nun die jeweiligen Wirkungsweisen der vier WIPI-Proteine (WIPI1-4) auf. Sie fanden heraus, dass durch Zucker- beziehungsweise Energiemangel innerhalb der Zelle ein direktes Signal über das WIPI4-Protein gesendet wird, um das Ausmaß der Abbauprozesse durch Autophagie zu regulieren. Die Abbauprozesse selbst werden durch die Proteine WIPI1 und WIPI2 eingeleitet, und nachfolgend durch WIPI3 und WIPI4 weitergeführt. Darüberhinaus nehmen die Forscher an, dass das WIPI3-Protein als weiteres Stellrad in diesem Schaltkreis direkt an Lysosomen wirkt, um im Verlauf der Abbauprozesse durch Autophagie generelle Aufbauprozesse zu verhindern. In diesem Schaltkreis wirken die vier WIPI-Proteine als Plattformen für multiple Protein-Protein- und Protein-Lipid-Interaktionen, die das Tübinger Forscherteam identifizieren konnte. Die Aufklärung dieses Schaltkreises ermöglicht den Wissenschaftlern ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Zuckermangel die Autophagie der Zelle verstärkt.</p><p>Die neuen Ergebnisse der Tübinger Forscher können nun eingesetzt werden, um die Fehlregulation der Autophagie, wie sie in vielen altersbedingten Erkrankungen vorliegt, besser zu verstehen. Durch die gewonnenen Erkenntnisse könnten neue therapeutische Ansätze entwickelt werden, um die Autophagie bei altersbedingten Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs oder der Neurodegeneration gezielt zu beeinflussen.</p><h3>Publikation:</h3><p>Daniela Bakula, Amelie Müller, Theresia Zuleger, Zsuzsanna Takacs, Mirita Franz-Wachtel, Ann-Katrin Thost, Daniel Brigger, Mario Tschan, Tancred Frickey, Horst Robenek, Boris Macek, Tassula Proikas-Cezanne: WIPI3 and WIPI4 β-propellers are scaffolds for LKB1-AMPK-TSC signaling circuits in the control of autophagy. <em>Nature Communications</em>, 31. Mai 2017, DOI:10.1038/NCOMMS15637</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Tassula Proikas-Cezanne<br>Universität Tübingen <br>Interfakultäres Institut für Zellbiologie (IFIZ)<br>Telefon +49 7071 29-78895<br>&lt;link&gt;tassula.proikas-cezanne@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15270</guid><pubDate>Tue, 30 May 2017 17:00:00 +0200</pubDate><title>Altes Ägypten: Erstmals gesamtes Erbgut von Mumien entziffert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/altes-aegypten-erstmals-gesamtes-erbgut-von-mumien-entziffert/</link><description>Die nächsten Verwandten der alten Ägypter stammten aus dem Nahen Osten – Kaum Genaustausch mit Afrika südlich der Sahara</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-30Nat_Comm_Mumien2.jpg" length="616867" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals konnte ein internationales Wissenschaftlerteam Genmaterial von ägyptischen Mumien aus der Zeit um 1.400 v. Chr. bis 400 n. Chr. umfassend rekonstruieren und analysieren. Bei drei Individuen konnte das Team unter Führung von Professor Johannes Krause sowie weiteren Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena sogar das Genom entschlüsseln. Die Analysen ergaben, dass die alten Ägypter nicht nur mit der damaligen Bevölkerung des östlichen Mittelmeerraums eng verwandt waren, sondern auch mit der neolithischen Bevölkerung Kleinasiens und Europas. Dagegen ließen sich kaum genetische Einflüsse von Afrikanern südlich der Sahara nachweisen, sehr im Gegensatz zur Situation bei modernen Ägyptern. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht.</p><p>Das Wissenschaftlerteam untersuchte die genetische Differenzierung und die Populationen über einen Zeitraum, der vom ägyptischen Neuen Reich bis in die spätrömische Zeit reicht, und verglich diese Ergebnisse mit modernen Populationen. Das Team nahm dazu Proben von 151 einbalsamierten Individuen, die aus der archäologischen Fundstätte Abusir el-Meleq am Nil in Mittelägypten und aus zwei anthropologischen Sammlungen stammten. Die eine befindet sich an der Universität Tübingen, die andere ist die Schädelsammlung Felix von Luschan am Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Insgesamt entzifferten die Wissenschaftler Mitochondriengenome von 90 Individuen und genomweite Daten von drei Individuen.</p><h3>Kaum genetischer Einfluss durch fremde Eroberungen</h3><p>Die Studie ergab, dass es in der Genetik der Gemeinschaft von Abusir el-Meleq im untersuchten Zeitraum von rund anderthalb Jahrtausenden keine großen Verschiebungen gab. „Die Population wurde von fremden Eroberungen wie etwa die durch Alexander den Großen genetisch nicht beeinflusst“, sagte Dr. Dr. Verena Schünemann vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen. Dagegen weisen die Gene moderner Ägypter einen Anteil von ungefähr acht Prozent auf, der aus afrikanischen Populationen südlich der Sahara stammt. „Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass es innerhalb der letzten 1.500 Jahre einen zunehmenden Genfluss aus dem sub-saharischen Afrika nach Ägypten gegeben haben muss“, sagte Dr. Stephan Schiffels vom Jenaer Max-Planck-Institut. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass nach dem Ende der Antike die Mobilität der Menschen aus dem Süden Afrikas entlang des Nils nach Ägypten zugenommen hat. Dazu habe der Fernhandel beigetragen, insbesondere der Sklavenhandel über die Sahara hinweg, der vor rund 1.300 Jahren begonnen habe.</p><h3>Durchbruch bei der Isolierung von Kern-DNA aus Mumien</h3><p>Ägypten gilt als vielversprechende Region für die Untersuchung früher Populationen. Es verfügt über eine reiche und gut dokumentierte Geschichte. Seine geografische Lage und der häufige Kontakt mit Populationen aus Afrika, Asien und Europa sorgten schon lange für eine dynamische Entwicklung. „Die jüngsten Fortschritte bei der Untersuchung alter DNA ermöglichen es, das bestehende Wissen über die ägyptische Geschichte anhand von genetischen Daten zu überprüfen“, erklärte Professor Johannes Krause, Seniorautor der Studie. Doch es bleibe eine große Herausforderung, verwertbare DNA aus altägyptischen Mumien zu isolieren. Zum einen zerfällt das Erbgut auch in einbalsamierten Körpern, zum anderen wurde es über den langen Zeitraum mit der DNA von Mikroorganismen und anderen Menschen verunreinigt.</p><p>Wissenschaftler haben immer wieder Zweifel erhoben, ob vor allem die aus den Zellkernen von Mumien isolierte DNA überhaupt aussagekräftige Daten liefert. „Das Potenzial dieser Daten muss besonders kritisch geprüft werden“, bekräftigt Krause. „Das heiße ägyptische Klima, die hohe Luftfeuchtigkeit in vielen Gräbern und einige der Chemikalien, die bei der Einbalsamierung eingesetzt wurden, tragen zur Veränderung und dem Abbau der DNA bei. Das muss man im Blick behalten.“ Mit dieser Studie sei nun aber ein Durchbruch bei der Isolierung der DNA aus dem Zellkern und der Gewinnung verlässlicher Daten erzielt worden. „Die Studie hat gezeigt, dass ägyptische Mumien eine verlässliche Quelle für die DNA der alten Ägypter sind und dass sie erheblich dazu beitragen können, die Bevölkerungsgeschichte dieser Region zu verstehen“, sagte Krause abschließend.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt="Geografische Zuordnung der untersuchten Proben: Diese Karte von Ägypten zeigt die archäologische Fundstätte Abusir-el Meleq (orangefarbenes Kreuz) und die Orte der Probennahme von modernen Ägyptern (orangefarbene Punkte). Grafikdesign: Annette Günzel" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="407845" height="393" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-30Nat_Comm_Mumien1_670924de2a.jpg" title="Geografische Zuordnung der untersuchten Proben: Diese Karte von Ägypten zeigt die archäologische Fundstätte Abusir-el Meleq (orangefarbenes Kreuz) und die Orte der Probennahme von modernen Ägyptern (orangefarbene Punkte). Grafikdesign: Annette Günzel" width="300" style></td><td><br> 			Geografische Zuordnung der untersuchten Proben: Diese Karte von Ägypten zeigt die archäologische Fundstätte Abusir-el Meleq (orangefarbenes Kreuz) und die Orte der Probennahme von modernen Ägyptern (orangefarbene Punkte). Grafikdesign: Annette Günzel, Credit: <em>Nature Communications</em>, DOI: 10.1038/ncomms15694</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Verena J. Schuenemann, Alexander Peltzer, Beatrix Welte, W. Paul van Pelt, Martyna Molak, Chuan-Chao Wang, Anja Furtwangler, Christian Urban, Ella Reiter, Kay Nieselt, Barbara Tessmann, Michael Francken, Katerina Harvati, Wolfgang Haak, Stephan Schiffels &amp; Johannes Krause: Ancient Egyptian mummy genomes suggest an increase of Sub-Saharan African ancestry in post-Roman periods. <em>Nature Communications</em>, DOI: 10.1038/ncomms15694</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Johannes Krause<br> Max-Planck-Institut für Menschheitsgesichte in Jena und Universität Tübingen<br> Telefon +49 3641 686-600<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mtcwugBujj0ori0fg" data-mailto-vector="2">krause<span style="display:none">spam prevention</span>@shh.mpg.de</a></p><p>Dr. Dr. Verena Schünemann<br> Universität Tübingen<br> Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie, AG Archäo- und Paläogenetik<br> Telefon +49 7071 29-75652<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,xgtgpc0uejwgpgocppBkhw0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">verena.schuenemann<span style="display:none">spam prevention</span>@ifu.uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-30Nat_Comm_Mumien2.jpg" lenght="616867" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15285</guid><pubDate>Tue, 30 May 2017 14:42:00 +0200</pubDate><title>Patriarch Bartholomaios erhält Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/patriarch-bartholomaios-erhaelt-ehrendoktorwuerde-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Evangelische Fakultät zeichnete Oberhaupt der Orthodoxen Kirche für seine Verdienste um die Ökumene aus</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-30_patriarch3.jpg" length="98349" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen hat am Dienstag die Ehrendoktorwürde an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, verliehen. Man würdige damit das langjährige Engagement sowie die Verdienste des Patriarchen für die Verständigung zwischen orthodoxem Patriarchat und evangelischer Kirche, sagte Dekan Professor Michael Tilly. Zum Festakt in der Stiftskirche Tübingen waren ca. 200 geladene Gäste aus ganz Europa gekommen.</p><p>Der durch den Ökumenischen Patriarchen ermöglichte Kontakt zwischen beiden Konfessionen schaffe ein tiefes gegenseitiges theologisches Verstehen und fördere den wissenschaftlichen Austausch, sagte Tilly. Der Patriarch repräsentiere ein theologisch hoch reflektiertes und gesellschaftlich verantwortliches Christentum. „Er fordert nachdrücklich den sozialen Zusammenhalt in den europäischen Gesellschaften. Sein gesamtes theologisches Schaffen wie auch seine spirituelle Orientierungskraft sind auf den Erhalt und die Förderung von Frieden und Freiheit zwischen den Religionen und den gegenwärtigen Gesellschaften ausgerichtet.“</p><p>Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios sprach in seiner Festrede zur Ehrendoktorwürde über „Treue und Offenheit“. Mit seiner Reise nach Deutschland folgte er einer Einladung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Mit der Auszeichnung im Gedenkjahr der Reformation 2017 wird auch auf lutherisch-orthodoxe theologische Kontakte Bezug genommen, zu denen es bereits im 16. Jahrhundert zwischen Tübingen und Konstantinopel kam. In der Gegenwart wird seit Jahren wieder ein intensiver bilateraler Dialog zwischen der EKD und dem Ökumenischen Patriarchat geführt.</p><p>Der Festakt in Tübingen bildete den Auftakt zu der zweitägigen wissenschaftlichen Tagung „Christliche Freiheit“ mit orthodoxen und protestantischen Theologinnen und Theologen. Bereits am 29. Mai war der Patriarch in Stuttgart unter der Begleitung des Ratsvorsitzenden der EKD mit Vertretern aus der Politik und dem Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, zusammengetroffen.</p><p>Bartholomaios wurde 1940 als Dimitrios Archondonis auf der Insel Imbros (Türkei) geboren. Nach dem theologischen Diplom auf Chalki und der Diakonenweihe auf Imbros leistete er von 1961 bis 1963 seinen Militärdienst in der türkischen Armee. In den Jahren 1963 bis 1968 studierte er in Rom, München und Bossey. 1968 wurde er an der Gregoriana zum Dr. Iuris Canonici promoviert. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde er zum Archimandriten geweiht. Von 1972 bis 1980 leitete er das Büro des Patriarchen Dimitrios. Am 25. Dezember 1973 wurde er zum Metropoliten von Philadelphia erhoben, und seit 1974 ist er Mitglied der Heiligen Synode des Ökumenischen Patriarchats. Im Jahr 1990 wurde er zum Metropoliten von Chalcedon erhoben und am 22. Oktober desselben Jahres zum Ökumenischen Patriarchen gewählt.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly<br>Universität Tübingen<br>Evangelisch-Theologische Fakultät<br>Telefon: +49 7071 29 - 72538<br>&lt;link&gt;michael.tilly@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-30_patriarch3.jpg" lenght="98349" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13660</guid><pubDate>Wed, 24 May 2017 10:55:00 +0200</pubDate><title>Universität lädt zum Kinder-Uni-Forschertag</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-laedt-zum-kinder-uni-forschertag/</link><description>Für kleine Forscherinnen und Forscher: Mehr als 20 Workshops zum Mitmachen am 1. Juli</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag, den 1. Juli 2017, findet an der Universität Tübingen wieder der Kinder-Uni-Forschertag statt. Er ist die abschließende Veranstaltung der diesjährigen Tübinger Kinder-Uni, bei der Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren in Vorlesungen und Workshops Forschungsbereiche kennen lernen und selber mitforschen. In den vergangenen Wochen nahmen schon mehrere hundert Kinder an den Kinder-Uni-Vorlesungen teil. Die letzte Vorlesung findet am Dienstag, den 30. Mai, auf der Morgenstelle im Hörsaal N6 statt. Professorin Stephanie Grond klärt gemeinsam mit den Kindern die Frage, warum man einen Luftballon aufblasen kann. Beim Kinder-Uni-Forschertag am 1. Juli ist Mitmachen und selbst Forschen angesagt.</p><p>In diesem Jahr werden zwischen 10 Uhr und 17.15 Uhr über 20 verschiedene Workshops angeboten. Die einzelnen Kurse dauern zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Unter anderem geht es um so spannende Themen wie das „Überleben zwischen Kalt- und Warmzeiten“, „des Kaisers neue Kleider“ oder „Edle Steine und Kristalle“. Die Kurse beantworten Fragen wie „Warum schläft man während einer Operation?“ oder „Wie ernährt sich ein Fischbaby?“. Außerdem können die kleinen Forscherinnen und Forscher mehr über die „Orientierung am und im Himmel“ erfahren oder etwas über Bakterien lernen (diese Veranstaltung ist auch für Kinder geeignet, die Englisch sprechen).</p><p>Das Programm wird ab Montag, 29. Mai 2017, unter folgendem Link bekanntgegeben: &lt;link https: www.uni-tuebingen.de aktuelles kinder-uni kinder-uni-forschertag.html&gt;<a href="https://www.uni-tuebingen.de/aktuelles/kinder-uni/kinder-uni-forschertag.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles/kinder-uni/kinder-uni-forschertag.html</a>. Hier ist eine Online-Anmeldung für sämtliche Veranstaltungen möglich, bitte unbedingt Name und Alter der Kinder sowie eine Notfalltelefonnummer angeben. Kinder unter sieben Jahren können leider noch nicht teilnehmen.</p><h3>Programm der Kinder-Uni und weitere Informationen unter:</h3><p>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles kinder-uni.html&gt;<a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles/kinder-uni.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles/kinder-uni.html</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Simona Steeger<br>Universität Tübingen<br>Stabsstelle Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-77825<br>Simona.steeger[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13438</guid><pubDate>Wed, 24 May 2017 09:38:00 +0200</pubDate><title>Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wasserqualitaet-von-fluessen-zusaetzliche-reinigungsstufen-in-klaeranlagen-lohnen-sich/</link><description>Viele Keime und Spurenstoffe in Abwasser könnten kostengünstig ausgefiltert werden</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-24_Langwiese-Pulverkohleanlage_jsr._web.jpg" length="104111" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Eine zusätzliche Reinigungsstufe in Kläranlagen könnte mit geringem Aufwand große Mengen an Schadstoffen aus dem Abwasser entfernen und die Wasserqualität von Flüssen deutlich verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem von der Universität Tübingen koordinierten Forschungsprojekt. Sie haben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht, wie effizient weitergehende Abwasserreinigung in Kläranlagen und Regenwasserbehandlungssystemen neuartige Verschmutzungen in Flüssen beseitigt.</p><p><br>Medikamente, Industriechemikalien und Krankheitserreger tauchen in immer größeren Mengen in Flüssen auf, weil die bisherigen Technologien in Kläranlagen diese zu wenig ausfiltern. „Im Durchschnitt können weitergehende Reinigungsstufen über 80 Prozent der Mikroverunreinigungen entfernen und die Anzahl der Keime um mehr als das Tausendfache reduzieren“, macht Rita Triebskorn deutlich, Professorin für Physiologische Ökologie der Tiere an der Universität Tübingen. Für das Projekt SchussenAktivplus untersuchte ein Forschungsteam unter ihrer Leitung von 2012 bis 2016 die Schussen. Der größte deutsche Bodenseezufluss ist durch Landwirtschaft, Industrie und dichte Besiedlung belastet. Die Ergebnisse wurden nun in einem Abschlussbericht sowie einem Praxishandbuch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung veröffentlicht.</p><p><br>Bisher arbeiten Kläranlagen in der Regel mit zwei bis drei Reinigungsstufen. Für SchussenAktivplus testeten die Forscherinnen und Forscher den Einsatz zusätzlicher Technologien wie Ozon, Aktivkohle in Form von Pulver oder Granulat sowie Sandfilter. Vor und nach Inbetriebnahme einer Anlage mit einer Pulveraktivkohlestufe prüfte das Team von Rita Triebskorn den Schadstoff- und Keimgehalt, schädliche Wirkpotentiale im Wasser sowie die Gesundheit von Gewässerorganismen, wie Fischen und Flohkrebsen.<br></p><p>Mit welcher Technologie eine zusätzliche Reinigungsstufe in Kläranlagen künftig arbeiten sollte, ist abhängig von den Standortbedingungen der einzelnen Anlagen. Ozonanlagen beseitigen besonders effektiv Keime und bestimmte Medikamente wie Diclofenac, benötigen aber eine zusätzliche Nachreinigung durch eine Filterstufe. Sie sind empfehlenswert, wenn beispielsweise Badegewässer durch den Ablauf der Kläranlage beeinflusst werden. Aktivkohleanlagen entfernen vor allem Mikroverunreinigungen, zum Beispiel die Industriechemikalie Benzotriazol, das auch in Geschirrspülmitteln zum Einsatz kommt. Im Einzugsgebiet von Naturschutzgebieten oder Trinkwasserreservoirs ist diese Technologie besonders sinnvoll.</p><p><br>An der Pulveraktivkohleanlage in Ravensburg beobachteten die Forscherinnen und Forscher, wie schnell sich ein Gewässer durch den Einsatz der Technologie regenerieren kann: Zweieinhalb Jahre nach Anschluss des Filters zeigten Fische unterhalb der Kläranlage Langwiese weniger Schäden und entwickelten sich besser. Außerdem verbesserte sich die Lebensgemeinschaft der auf dem Gewässerboden lebenden wirbellosen Tiere. Es kamen insgesamt mehr und auch für Umwelteinflüsse empfindliche Arten vor, wie z.B. seltene und gefährdete Steinfliegenlarven.</p><p><br>Auch die Kosten haben die Forscher berechnet. Die Jahreskosten für die Anlagen hängen von der gewählten Technologie, der Anlagengröße – in der Praxis gerechnet in Einwohnerwerten (EW) – und den örtlichen Rahmenbedingungen ab. „Bei Anlagengrößen von 100.000 EW sind pro Bürger im Jahr Kosten zwischen sechs und vierzehn Euro realistisch“ so Professor Rita Triebskorn. „Die weitergehende Abwasserreinigung ist somit ein sehr wirksames und bezahlbares Instrument, um Mikroverunreinigungen und Keime im Wasserkreislauf zu vermindern“.</p><p><br>Der Abschlussbericht des Projekts mit dem Titel „Weitergehende Abwasserreinigung: Ein wirksames und bezahlbares Instrument zur Verminderung von Spurenstoffen und Keimen im Wasserkreislauf“ steht nun online zur Verfügung. Zudem hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Ergebnisse von SchussenAktivplus und elf weiteren Verbundprojekten im Praxishandbuch „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf (RiSKWa)“ veröffentlicht.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="406650" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-24Forellen_triebskorn_web_41794848ab.jpg" alt height="225" width="300" style></td><td><br><img data-htmlarea-file-uid="406658" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-24Schussen_jsr_web_48cec96c7f.jpg" alt height="200" width="300" style></td></tr><tr><td>Zweieinhalb Jahre nach Anschluss des Filters zeigten Fische unterhalb der Kläranlage Langwiese weniger Schäden und entwickelten sich besser. Foto: Rita Triebskorn</td><td>Die Schussen in der Nähe der Mündung in den Bodensee bei Langenargen.<br>Foto: Jutta Schneider-Rapp</td></tr></tbody></table></div></div><p><br>Mehr zum Projekt und eine ausführliche Publikationsliste sind zu finden unter &lt;link http: www.schussenaktivplus.de&gt;www.schussenaktivplus.de</p><h3>Publikationen: </h3><p>Triebskorn, Rita (Hrsg.): Weitergehende Abwasserreinigung: Ein wirksames und bezahlbares Instrument zur Verminderung von Spurenstoffen und Keimen im Wasserkreislauf. Tübingen 2017. Online abrufbar unter: &lt;link https: publikationen.uni-tuebingen.de xmlui handle&gt;<a href="https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/74316" target="_blank" rel="noreferrer">publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/74316</a></p><p><br>Die Ergebnisse von allen geförderten Projekten zum Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf RiSKWa finden sich im Praxishandbuch:<br>&lt;link http: www.bmbf.riskwa.de _media riskwa_praxishandbuch.pdf&gt;<a href="http://www.bmbf.riskwa.de/_media/RISKWA_Praxishandbuch.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">www.bmbf.riskwa.de/_media/RISKWA_Praxishandbuch.pdf</a></p><h3><br>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Rita Triebskorn<br>Universität Tübingen<br>Institut für Evolution und Ökologie</p><p>Telefon: +49 7071-29-78892</p><p>&lt;link&gt;rita.triebskorn@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-24_Langwiese-Pulverkohleanlage_jsr._web.jpg" lenght="104111" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15692</guid><pubDate>Mon, 22 May 2017 20:00:00 +0200</pubDate><title>Ältester Vormensch lebte möglicherweise in Europa</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/aeltester-vormensch-lebte-moeglicherweise-in-europa/</link><description>Forscher finden Hinweise auf 7,2 Millionen Jahre alte Vormenschen-Art vom Balkan ‒ Neue Hypothese zum Ursprung des Menschen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-22-Abbildung-EL-Graeco_Velizar-Simeonovsky.jpg" length="138339" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die gemeinsame Linie von Schimpansen und Menschen hat sich möglicherweise mehrere hunderttausend Jahre früher getrennt als bislang angenommen: Diese These veröffentlichte ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen jetzt in zwei zeitgleich erschienen Publikationen im Fachjournal <em>Plos One</em>. Die Forscherinnen und Forscher haben zwei Fossilfunde des <em>Graecopithecus freybergi </em>mit modernsten Methoden untersucht und kommen dabei zu dem Ergebnis, dass es sich um eine bisher unbekannte Vormenschenart handelt. Das Wissenschaftlerteam hält es aufgrund der neuen Erkenntnisse zudem für möglich, dass die Abspaltung der menschlichen Linie im östlichen Mittelmeerraum stattgefunden hat und nicht – wie bisher vielfach angenommen – in Afrika.</p><p>Heute ist der Schimpanse der nächste Verwandte des Menschen. Wann ihr letzter gemeinsamer Vorfahr lebte, ist ein zentrales und sehr umstrittenes Forschungsthema der Paläoanthropologie. Bislang nimmt die Forschung an, dass sich die Linien vor fünf bis sieben Millionen Jahren trennten und die erste Vormenschenart im heutigen Afrika entstand. Nach der Theorie des französischen Paläoanthropologen Ives Coppens von 1994 könnten dabei Klimaveränderungen in Ostafrika eine entscheidende Rolle gespielt haben. Mit der neuen Studie entwirft das Forscherteam aus Deutschland, Bulgarien, Griechenland, Kanada, Frankreich und Australien nun ein völlig anderes Szenario für die früheste Menschheitsgeschichte.</p><h3>Zahnwurzeln geben neue Hinweise</h3><p>Im Rahmen der Studie untersuchte das Team um Madelaine Böhme und Professor Nikolai Spassov von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften die beiden einzigen bekannten Funde des Hominiden <em>Graecopithecus freybergi</em>: einen Unterkiefer aus Grabungen in Griechenland sowie einen Zahn aus Bulgarien. Per Computertomografie machten die Forscher die interne Struktur der Fossilien sichtbar und zeigten, dass die Wurzeln der Vorbackenzähne weitgehend verschmolzen waren.</p><p>Während Menschenaffen üblicherweise zwei oder drei getrennte Zahnwurzeln besitzen, gilt die Verschmelzung der Wurzeln eines Zahns als charakteristisches Merkmal des Menschen, der Urmenschen (frühe Vertreter der Gattung <em>Homo</em>) und einiger Vormenschen (<em>Ardipithecus </em>und <em>Australopithecus</em>). Zudem wies der von den Wissenschaftlern ‚<em>El Graeco</em>‘ getaufte Unterkiefer weitere Merkmale an Zahnwurzeln auf, die nach Einschätzung der Autoren darauf hindeuten, dass es sich bei <em>Graecopithecus </em>um einen Vertreter der Vormenschen (Tribus Hominini) handeln könnte. „Wir waren von unseren Ergebnissen selbst überrascht, denn bislang waren Vormenschen ausschließlich aus Afrika südlich der Sahara bekannt“, erklärt Jochen Fuss, Doktorand an der Universität Tübingen, der die Untersuchung durchführte.</p><p>Zudem scheint <em>Graecopithecus </em>mehrere hunderttausend Jahre älter zu sein als der bisher früheste potenzielle Vormensch Afrikas, der sechs bis sieben Millionen Jahre alte <em>Sahelanthropus </em>aus dem Tschad: Das Forscherteam konnte die sedimentären Abfolgen der Fundstellen in Griechenland und Bulgarien mit physikalischen Methoden auf ein nahezu übereinstimmendes Alter beider Fossilien von 7,24 bzw. 7,175 Millionen Jahre vor heute datieren. „Dies war der Beginn des sogenannten Messinium, an dessen Ende es zur Austrocknung des Mittelmeeres kam“, erklärt Böhme. David Begun, ein Ko-Author der Studie von der Universität Toronto ergänzt: „Mit dieser Datierung lässt sich die Trennung der Vormenschen- und der Schimpansen-Linie in den östlichen Mittelmeerraum verlegen.“</p><h3>Umweltveränderung als Motor der Abspaltung</h3><p>Ähnlich wie bei der Theorie, nach der die ersten Vormenschen in Ostafrika entstanden sind, geht auch das Team um Madelaine Böhme davon aus, dass eine dramatische Umweltveränderung zur Entstehung des Vormenschen geführt hat: Die Forscherinnen und Forscher erläutern in ihrer Studie, dass die Sahara in Nordafrika bereits vor mehr als sieben Millionen Jahren entstanden ist. Dies folgern sie aus geologischen Untersuchungen an Sedimenten, aus denen beide Vormenschen-Reste geborgen wurden: Obwohl weit voneinander entfernt gelegen, wiesen beide rote feinkörnige Schluffe auf, wie sie für Wüstenstaub typisch ist. Die physikalische Altersbestimmung anhand der Isotope von Uran, Thorium und Blei einzelner Staubkörner ergaben ein Alter zwischen 600 Millionen und drei Milliarden Jahren und lassen auf eine Herkunft aus Nordafrika schließen.</p><p>Auch sei im staubigen Sediment ein hoher Gehalt an unterschiedlichen Salzen nachzuweisen. „Diese Daten könnten erstmalig eine Sahara belegen, die sich vor 7,2 Millionen Jahren ausbreitete und deren Wüstenstürme rote, salzhaltige Stäube bis an die Nordküste des damaligen Mittelmeeres bliesen“, erklärt die Tübinger Forscherin. Dieser Prozess lasse sich zwar noch heute beobachten. Allerdings berechneten die Forscher für die damalige Zeit Staubmengen von bis zu 250 Gramm pro Quadratmeter und Jahr. Dies entspricht der zehnfachen Menge der Staubbelastung im heutigen Südeuropa und ist vergleichbar mit der heutigen Situation in der Sahel-Zone.</p><h3>Von Feuer, Gras und Wasserstress</h3><p>Die Forscherinnen und Forscher können in der Studie zudem zeigen, dass sich – parallel zur Entstehung der Sahara in Nordafrika – eine Savannenlandschaft in Europa ausgebildet haben muss. Mit einer Kombination neuer Methoden untersuchten sie im Sediment enthaltene mikroskopisch kleine Holzkohle-Reste sowie Kieselsäure-Partikel von Pflanzen, sogenannte Phytolithe. Die Mehrzahl stammte von Süßgräsern, die den Stoffwechselweg der C4-Photosynthese nutzen und heute in tropischen Grasländern oder Savannen vorkommen. Die weltweite Ausbreitung dieser C4-Gräser begann vor circa acht Millionen Jahren auf dem indischen Subkontinent – doch ihre Präsenz in Europa war bisher unbekannt. „Die Phytolithe zeigten Spuren starker Trockenheit, die Holzkohle-Untersuchungen weisen auf wiederkehrende Brände hin“, sagt Böhme. „Zusammengenommen lässt sich das Bild einer Savanne zeichnen. Dazu passt, dass gemeinsam mit <em>Graecopithecus </em>Fossilien von Vorfahren der heutigen Giraffen, Gazellen, Antilopen und Nashörner gefunden wurden“, ergänzt Spassov.</p><p>Die Entstehung einer ersten Wüste in Nordafrika vor mehr als sieben Millionen Jahren und die zeitgleiche Ausbreitung von Savannen in Südeuropa könnten eine zentrale Rolle für die Trennung der menschlichen Stammlinie von der Abstammungslinie der Schimpansen gespielt haben, sagt Böhme. Sie nennt ihre Hypothese eine „North Side Story“ ‒ in Analogie zu Yves Coppens These, die als „<em>East Side Story</em>“ bekannt ist.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><br><img alt="Unterkiefer des 7,175 Millionen Jahre alten Graecopithecus freybergi (El Graeco) aus Pyrgos Vassilissis, Griechenland (heutiges Stadtgebiet von Athen)" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406396" height="199" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22-Lower-jaw_Graecopithecus_Pyrgos-Vassilissis_Wolfgang-Gerber_a82edfbb3a.jpg" title="Unterkiefer des 7,175 Millionen Jahre alten Graecopithecus freybergi (El Graeco) aus Pyrgos Vassilissis, Griechenland (heutiges Stadtgebiet von Athen)" width="299" style></td><td><p>Unterkiefer des 7,175 Millionen Jahre alten <em>Graecopithecus freybergi </em>(El Graeco) aus Pyrgos Vassilissis, Griechenland (heutiges Stadtgebiet von Athen)</p><p>Foto: Wolfgang Gerber, Universität Tübingen</p></td></tr><tr><td><br><img alt="7,24 Millionen Jahre alter oberer Vorbackenzahn von Graecopithecus aus Azmaka, Bulgarien" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406394" height="400" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22-Upper-premolar_Graecopithecus_Azmaka_Wolfgang-Gerber_984492c58b.jpg" title="7,24 Millionen Jahre alter oberer Vorbackenzahn von Graecopithecus aus Azmaka, Bulgarien" width="300" style></td><td><p><br> 			7,24 Millionen Jahre alter oberer Vorbackenzahn von <em>Graecopithecus </em>aus Azmaka, Bulgarien</p><p>Foto: Wolfgang Gerber, Universität Tübingen</p></td></tr><tr><td><br><img alt="Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines durch Windtransport gerundeten Staubkorns" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406395" height="216" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22-Zircon-dust-grain_Ulf-Linnemann_1e728eb47e.jpg" title="Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines durch Windtransport gerundeten Staubkorns" width="300" style></td><td><p><br> 			Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines durch Windtransport gerundeten Staubkorns. Es stammt aus der Sahara und wurde in 7,2 Millionen Jahre alten Sedimenten in Griechenland gefunden.</p><p>Foto: Ulf Linnemann, Senckenberg</p></td></tr></tbody></table></div></div><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><p><img alt="Professorin Böhme berichtet vor der Presse über die Forschungsergebnisse zu einer neuen Vormenschenart" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406402" height="133" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22_PK_El_Graeco_DSC_4584_c030e2f9a9.jpg" title="Professorin Böhme berichtet vor der Presse über die Forschungsergebnisse zu einer neuen Vormenschenart" width="200" style></p></td><td><p><img alt=" Professorin Böhme erläutert die charakteristischen Merkmale von Graecopithecus freybergi" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406401" height="133" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22_PK_El_Graeco_DSC_4587_d6a78d138e.jpg" title=" Professorin Böhme erläutert die charakteristischen Merkmale von Graecopithecus freybergi" width="200" style></p></td><td><p><img alt="Der Unterkiefer von Graecopithecus freybergi wurde auf ein Alter von rund 7,2 Millionen Jahre datiert" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="406400" height="133" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-22_PK_El_Graeco_DSC_4630_44bc1d2d16.jpg" title="Der Unterkiefer von Graecopithecus freybergi wurde auf ein Alter von rund 7,2 Millionen Jahre datiert" width="200" style></p></td></tr><tr><td><p>Bild 4587: Professorin Böhme berichtet vor der Presse über die Forschungsergebnisse zu einer neuen Vormenschenart. Foto: Wolfgang Gerber.</p></td><td><p>Bild 4584: Professorin Böhme erläutert die charakteristischen Merkmale von Graecopithecus freybergi. Foto: Wolfgang Gerber.</p></td><td><p>Bild 4630: Der Unterkiefer von Graecopithecus freybergi wurde auf ein Alter von rund 7,2 Millionen Jahre datiert. Foto: Wolfgang Gerber.</p></td></tr></tbody></table></div></div><p>&nbsp;</p><h3>Publikationen:</h3><p>Jochen Fuss, Nikolai Spassov, David Begun, Madelaine Böhme: Potential hominin affinities of Graecopithecus from the late Miocene of Europe. <em>PLOS ONE</em>,<br><a href="http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0177127" target="_blank" rel="noreferrer">http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0177127</a></p><p>Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Martin Ebner, Denis Geraads, Latinka Hristova, Uwe Kirscher, Sabine Kötter, Ulf Linnemann, Jerome Prieto, Socrates Roussiakis, George Theodorou, Gregor Uhlig, Michael Winklhofer: Messinian age and savannah environment of the possible hominin Graecopithecus from Europe. <em>PLOS ONE</em>,<br><a href="http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0177347" target="_blank" rel="noreferrer">http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0177347</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Madelaine Böhme<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> an der Universität Tübingen<br> Telefon +49 7071 29-73191<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,o0dqgjogBkhi0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">m.boehme<span style="display:none">spam prevention</span>@ifg.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.paleo.uni-tuebingen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.paleo.uni-tuebingen.de/</a></p><p>Professor Nikolai Spassov<br> National Museum of Natural History Sofia, Bulgarische Akademie der Wissenschaften<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,purcuuqxBpopju0eqo" data-mailto-vector="2">nspassov<span style="display:none">spam prevention</span>@nmnhs.com</a></p><p>Professor David Begun<br> Department of Anthropology, University of Toronto, Canada<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,dgiwpBejcuu0wvqtqpvq0ec" data-mailto-vector="2">begun<span style="display:none">spam prevention</span>@chass.utoronto.ca</a></p><h3><br> Die Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Transnationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</h3><p>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-22-Abbildung-EL-Graeco_Velizar-Simeonovsky.jpg" lenght="138339" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14385</guid><pubDate>Wed, 17 May 2017 16:07:00 +0200</pubDate><title>Unseld Lecture über die Beziehung von Mensch und Natur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/unseld-lecture-ueber-die-beziehung-von-mensch-und-natur/</link><description>Der Soziologe und Philosoph Bruno Latour ist zu Gast an der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-17Latour_niedere-Aufloesung.jpg" length="75472" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Menschen sind keine überlegenen Herrscher über die Natur, sondern eng mit ihr verflochten – als symbiotische Gaia-Wesen. So lautet eine These des international bekannten Soziologen und Philosophen Bruno Latour, der sich in seinem Gaia-Konzept gegen die Utopie eines globalen Fortschritts wendet. Bei der Unseld Lecture 2017 zum Thema ‚Political Ecology‘ am Forum Scientiarum der Universität Tübingen wird Latour seine Theorie vorstellen und diskutieren. Latour hat sich im Bereich der Wissenschafts- und Technikstudien weltweit einen Namen gemacht. Seine Arbeiten erhalten kritische Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern aller Disziplinen, vor allem der Geistes- und Sozialwissenschaften.</p><h3>Veranstaltungen der Unseld Lecture</h3><p>Im Rahmen der Unseld Lecture 2017 finden folgende öffentliche Veranstaltungen statt:</p><ul><li>Öffentliche Lecture: Am Dienstag, den 30. Mai um 20.15 Uhr spricht Professor Bruno Latour im Audimax der Neuen Aula (Geschwister Scholl-Platz, 72074 Tübingen) über „Facing Gaia: An European View“.</li><li>Öffentliche Disputation: Am Mittwoch, den 31. Mai findet um 20.15 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl-Platz, 72074 Tübingen) das Podiumsgespräch „Political Ecology and the Meander of Modernity“ zwischen Bruno Latour und Professor Dorothee Kimmich (Neuere deutsche Literatur, Universität Tübingen) statt. </li></ul><p>Beide Veranstaltungen finden auf Englisch statt, die Öffentlichkeit und Medienvertreter sind herzlich eingeladen; der Eintritt ist frei. Außerdem wird Bruno Latour im jährlichen Internationalen Meisterkurs am Forum Scientiarum mit 20 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt über das Jahresthema der diesjährigen Unseld-Lecture ‚Political Ecology‘ diskutieren.</p><h3>Der Gastredner Bruno Latour</h3><p>Latour ist Direktor des „médialab“ am Pariser Institut für politische Studien (Sciences Po) und Gastprofessor an der Cornell University in Ithaca, USA. Von 2006 bis 2015 war er Professor für Soziologie an der Sciences Po Paris und davor von 1982 bis 2006 an der Ecole nationale supérieure des mines, ebenfalls in Paris. Er war Gastprofessor an zahlreichen Universitäten u.a. an der University of California San Diego, der London School of Economics und der Harvard University.</p><p><br>Schon früh untersuchte Latour in Feldstudien verschiedene Aspekte der sozialen Konstruktion von Wissenschaft, darunter den Einfluss rhetorischer Strategien und ideologischer Überzeugungen. Seit den 1980er Jahren entwickelte er gemeinsam mit Kollegen die Akteur-Netzwerk-Theorie, der zufolge Wissenschaft von einem Netzwerk beeinflusst wird, das aus Ideen und Personen sowie technischen und sozialen Faktoren besteht. Dabei kritisiert Latour die Selbstdarstellung der „Moderne“, nach der moderne Gesellschaften eine strikte Trennung von dinglicher Natur und menschlicher Kultur vornehmen. In Wirklichkeit bestimme uns eine Welt von „Quasi-Objekten“, die zu beiden Bereichen gehören und wir seien insofern „nie modern gewesen“, so der Titel eines seiner bekanntesten Bücher (Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie). In den letzten Jahren beschäftigte sich der Soziologe und Philosoph intensiv mit politischer Ökologie und entwickelte das Gaia-Konzept weiter.</p><p><br>Latour erhielt für sein umfangreiches Werk zahlreiche internationale Preise, darunter den Siegfried-Unseld-Preis und den Holberg-Preis der Universität Bergen. Er ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und hält mehrere Ehrendoktortitel.</p><p><br>Wichtige Publikationen: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie (1991, dt. 1995); Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie (1999, dt. 2001); Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie (2005, dt. 2007); Kampf um Gaia: Acht Vorträge über das neue Klimaregime (2015, engl. 2017, dt. Sommer 2017).</p><p><br>Die Universität Tübingen führt mit der Einladung von Bruno Latour ihr erfolgreiches Veranstaltungsformat der Unseld Lectures am Forum Scientiarum fort ‒ initiiert und gefördert von der Udo Keller Stiftung Forum Humanum. In Kooperation mit dem Suhrkamp Verlag lädt das Forum Scientiarum jährlich einen Spitzenwissenschaftler zum interdisziplinären Dialog nach Tübingen ein.</p><h3>Weitere Informationen zur Unseld Lecture:</h3><p>&lt;link http: www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de veranstaltungen unseld-lectures.html&gt;<a href="http://www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/veranstaltungen/unseld-lectures.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.forum-scientiarum.uni-tuebingen.de/veranstaltungen/unseld-lectures.html</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Niels Weidtmann<br>Universität Tübingen<br>Forum Scientiarum <br>Tel.: +49 7071 40716-12<br>&lt;link&gt;niels.weidtmann@fsci.uni-tuebingen.de</p><h3><br>Die Partner:</h3><ul><li>Universität Tübingen<br>Gegründet 1477, gehört sie heute zu den führenden Hochschulen sowohl in den Lebens- und Naturwissenschaften als auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften.</li><li>FORUM SCIENTIARUM<br>Das Forum Scientiarum ist eine zentrale Einrichtung der Universität Tübingen zur Förderung des interdisziplinären Dialogs zwischen in Forschung und Lehre. </li><li>Udo Keller Stiftung Forum Humanum<br>Die Stiftung möchte in einer Zeit des zunehmenden Zugriffs von Technik und Ökonomie auf die Menschheit an die Bedeutung des geistigen und religiösen Erbes der Weltkulturen erinnern. Suhrkamp Verlag</li><li>Der Suhrkamp Verlag wurde 1950 von Peter Suhrkamp gegründet. Zu dem Verlag gehören auch der Insel Verlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag und der Verlag der Weltreligionen. Die edition unseld startete im Frühjahr 2008.<br></li></ul><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-17Latour_niedere-Aufloesung.jpg" lenght="75472" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14128</guid><pubDate>Wed, 17 May 2017 11:20:00 +0200</pubDate><title>Gedächtnisverarbeitung im Schlaf sichtbar gemacht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gedaechtnisverarbeitung-im-schlaf-sichtbar-gemacht/</link><description>Tübinger Neurowissenschaftler zeigen mit Hilfe maschineller Lernalgorithmen: Aktive Verarbeitung von Gedächtnis im Schlaf hilft uns, neue Information zu behalten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Schlaf hilft uns, besser zu behalten, was wir tagsüber gelernt haben. Aus Tierexperimenten ist bekannt, dass neue Gedächtnisinhalte im Schlaf reaktiviert werden, unser Gehirn also die Lernerfahrung noch einmal abspielt während wir schlafen. Dies führt dazu, dass neues Gedächtnis über Nacht gefestigt wird. Bislang war solch eine Reaktivierung von Lerninhalten beim Menschen schwer nachweisbar, da sich die Aktivität einzelner Neurone nicht beobachten lässt und die meisten Gedächtnisinhalte ganze Netzwerke von Hirnregionen aktivieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen konnten nun mit neuen statistischen Mustererkennungsmethoden aus dem Bereich des maschinellen Lernens zeigen, dass auch der Mensch im Schlaf vorher Gelerntes verarbeitet. Die Ergebnisse erschienen am Mittwoch im Fachmagazin Nature Communications.</p><p><br>Mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) untersuchten die Forscher die Hirnaktivität im Schlaf. Sie zeichneten nachts die elektrische Hirnaktivität von Versuchsteilnehmern auf, die vorher unter verschiedenen Versuchsbedingungen unterschiedliche Arten von Bildern auswendig gelernt hatten. Mit diesen Daten wurde dann eine sogenannte Support-Vektor-Maschine – ein Computeralgorithmus zur Mustererkennung – darauf trainiert, die unterschiedlichen Lernbedingungen auseinanderzuhalten. Der Algorithmus war danach in der Lage, allein aus dem Schlaf-EEG anderer Probanden zu bestimmen, welche Art von Bildern diese vor dem Schlaf gesehen haben. Das Lernen der Bilder musste also die Aktivität des Gehirns im Schlaf verändert haben.</p><p><br>Anzeichen für die schlafabhängige Verarbeitung von Lerninhalten fanden die Forscher sowohl im Tiefschlaf als auch im REM-Schlaf. „Je stärker das vorherige Lernmaterial im Schlaf verarbeitet wurde, desto besser behielten die Versuchsteilnehmer die Inhalte“, erklärt Dr. Monika Schönauer, die die Studie zusammen mit ihrer Kollegin Sarah Alizadeh maßgeblich durchgeführt und ausgewertet hat. „Unsere Ergebnisse liefern damit die ersten Hinweise dafür, dass die schlafabhängige Verarbeitung von Lernerfahrungen tatsächlich zu einer Stabilisierung des Gedächtnisses führt."</p><p><br>Interessanterweise ließ sich dieser Zusammenhang zwischen der Wiederverarbeitung und der Gedächtnisleistung nur im Tiefschlaf nachweisen, nicht jedoch im REM-Schlaf. „Tiefschlaf und REM Schlaf scheinen beide an der Gedächtnisverarbeitung im Schlaf beteiligt zu sein. Sie haben aber unterschiedliche Funktionen", schließt Schönauer aus den Ergebnissen. Es sei nun besonders wichtig, genauer zu verstehen, welche Funktion der REM-Schlaf habe.</p><p><br>Ein großer Teil der Forschungsarbeit bestand darin, einen Algorithmus zu entwickeln, der Schwankungen in der elektrischen Hirnaktivität im Schlaf erkennt, die durch vorheriges Lernen ausgelöst wurden. „Wir mussten also eine Möglichkeit finden, die winzigen, relevanten Muster im Meer der Hirnaktivität des Nachtschlafs zu identifizieren", sagt Professor Steffen Gais, der die Studie federführend leitete. Dies gelang letztlich mit den Methoden des maschinellen Lernens zur multivariaten Mustererkennung, wie sie auch von den großen Suchmaschinen im Internet eingesetzt werden. Gais ist zuversichtlich, was künftige Studien angeht: „Musterkennung ist eine äußerst sensitive Methode, die in den Lebenswissenschaften immer breitere Anwendung findet. Ich gehe davon aus, dass gerade im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften damit Durchbrüche möglich werden, wenn es darum geht, bisher verborgene Prozesse wie Träume oder spontane Denkvorgänge zu entschlüsseln.“</p><h3>Publikation: </h3><p>M. Schönauer, S. Alizadeh, H. Jamalabadi, A. Abraham, A. Pawlizki &amp; S. Gais: Decoding material-specific memory reprocessing during sleep in humans. Nature Communications, 17. Mai 2017, DOI: 10.1038/NCOMMS15404</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Monika Schönauer<br>Universität Tübingen<br>Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie Telefon +49 7071 29-73264 &lt;link&gt;monika.schoenauer@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15767</guid><pubDate>Mon, 15 May 2017 15:38:00 +0200</pubDate><title>Ausstellungseröffnung: „Ursprünge. Schritte der Menschheit“ auf Schloss Hohentübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ausstellungseroeffnung-urspruenge-schritte-der-menschheit-auf-schloss-hohentuebingen/</link><description>Das Museum der Universität Tübingen zeigt seine Jahresausstellung</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-15_Jahresausstellung_MUT1.jpg" length="33374" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle Jahresausstellung des Museums der Universität Tübingen (MUT) widmet sich dem Thema „Ursprünge. Schritte der Menschheit / Origins. Steps of Humankind“. Zum 20-jährigen Jubiläum des Museums „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen setzen die Verantwortlichen des MUT große Schritte in der kulturellen Entwicklung des Menschen in Szene. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der Entwicklung des aufrechten Gang vor 3,6 Millionen Jahren bis hin zu digitalen Innovationen unserer Zeit. Vom 20. Mai bis zum 3. Dezember 2017 wird die Ausstellung auf Schloss Hohentübingen zu sehen sein.</p><p>Die Jahresausstellung 2017 wird am <strong>Freitag, den 19. Mai 2017, um 19 Uhr im Museum „Alte Kulturen“ auf Schloss Hohentübingen eröffnet</strong> (Burgsteige 11, 72070 Tübingen).</p><p>Die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei.</p><p>„In der Ausstellung spüren wir Meilensteinen in der menschlichen Entwicklung nach“ erläutert Kurator Frank Duerr. „Dafür haben wir aktuelle Forschung und Exponate aus vielen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen einbezogen. Wir möchten unseren Besuchern die Möglichkeit geben, über Anfänge, Wurzeln oder das „Allererste“ nachzudenken und zu diskutieren.“</p><p>Der Gang durch die Ausstellung beginnt mit einem Prolog über den Ursprung von Materie und Leben. Hier wird beispielsweise ein Meteorit gezeigt, in dem die Wissenschaftler das erste Mal außerirdische Aminosäuren, die eine Voraussetzung für Leben sind, nachgewiesen haben. Die menschlichen „Ursprünge“ beginnen im MUT vor etwa 3,6 Millionen Jahren mit dem aufrechten Gang und einem in der Öffentlichkeit noch nie gezeigten Oberkieferfragment des Vormenschen „<em>Australopithecus afarensis (Garusi)</em>“. Anschließend führt die Ausstellung durch die Anfänge von Kunst, Religion und Musik. Gezeigt wird hier unter anderem eine 40 000 Jahre alte Vogelknochenflöte, die als eines der ältesten von Menschen hergestellten und gespielten Musikinstrumente gilt. Weitere Exponate veranschaulichen den Beginn von Krieg zwischen Menschen, zeigen, wann und wie Menschen sesshaft wurden und schließlich in Ägypten und Mesopotamien die erste Schriften entwickelten.</p><p>Anschließend beleuchtet die Ausstellung die Anfänge der Demokratie im antiken Griechenland. Die Neuzeit mit der Entdeckung Amerikas und dem beginnenden Kolonialismus markiert vor etwa 500 Jahren den Beginn von Globalisierung. Mit der Industriellen Revolution ab 1800 lösten sich die Menschen von der Landwirtschaft und Selbstversorgung. Technische Entwicklungen rückten moderne Träume wie soziale Gleichheit oder die Reise zum Mond in greifbare Nähe. Auch die Gegenwart wird geprägt vom Beginn neuer Entwicklungen. So zeigen die Ausstellungsmacher beispielsweise einen NAO-Roboter des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. Er steht für die digitalen Innovationen, die tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen hervorrufen (werden). Der Epilog reflektiert schließlich über den Ursprung der Zukünfte, der sich in menschlichen Zukunftsvorstellungen, Träumen, Utopien und Vorhersagen niederschlägt. Zeitgenössische Installationen der Berliner TapeArt-Künstlerin LaMia Michna in der gesamten Ausstellung bringen ein künstlerisch-reflexives Element ein.</p><p>Ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Jahresthema „Ursprünge. Schritte der Menschheit“ begleitet die Ausstellung. Am 21. Mai findet zum Internationalen Museumstag der Familientag im Schloss mit zahlreichen Mitmachaktionen statt. Außerdem gibt es Vorträge, Kuratorenführungen, eine Kinofilmreihe und vieles mehr. Weitere Veranstaltungen und Details des Begleitprogramms finden Sie unter &lt;link https: www.unimuseum.uni-tuebingen.de fileadmin content urspruenge broschuere-urspruenge-web.pdf&gt;<a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/fileadmin/content/01_Ausstellungen/Urspruenge/Broschuere-Urspruenge-web.pdf" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.uni-tuebingen.de/fileadmin/content/01_Ausstellungen/Urspruenge/Broschuere-Urspruenge-web.pdf</a></p><p>Nähere Informationen zur Ausstellung unter &lt;link https: www.unimuseum.uni-tuebingen.de de ausstellungen sonderausstellungen origins.html&gt;<a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/origins.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/origins.html</a></p><h3>Kontakt:</h3><p>Frank Duerr M.A.<br>Universität Tübingen<br>Museum der Universität Tübingen (MUT) <br>Telefon +49 7071 29-74127 <br>&lt;link&gt;frank.duerr@uni-tuebingen.de</p><h3>Ausstellung:</h3><p>Museum Alte Kulturen | Schloss Hohentübingen<br>Burgsteige 11</p><p>72070 Tübingen</p><h3>Laufzeit:</h3><p>20. Mai bis zum 3. Dezember 2017</p><p>Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 19 Uhr</p><h3>Eintrittspreise:</h3><p>Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro, Familienkarte: 12 Euro</p><h3>Katalog:</h3><p>Frank Duerr und Ernst Seidl (Hg.): „<em>Ursprünge. Schritte der Menschheit / Origins. Steps of Humankind</em>“, Tübingen 2017. Etwa 400 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, deutsch/englisch, ISBN: 978-3-9817947-9-3.<br>Sie können die Publikation als PDF-Preview kostenlos bei Charlotte Pfirrmann anfordern. (&lt;link&gt;mail@museum.uni-tuebingen.de).</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="404548" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-15_Jahresausstellung_MUT2_595d2f38ed.jpg" alt="Abbildung: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt" title="Abbildung: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt" height="200" width="300" style></td><td><p><strong>Ursprung des aufrechten Gangs: </strong></p><p>Das erste von Wissenschaftlern gefundene Knochenstück eines Australopithecus afarensis war bislang noch nie öffentlich ausgestellt. Der Tübinger Forscher Ludwig Kohl-Larsen entdeckte 1939 bei einer Expedition im britischen Tanganjika im heutigen Tansania am Garusi-Fluss das Oberkieferfragment eines Vormenschen mit zwei Vorderbackenzähnen.</p><p>Abbildung: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt</p></td></tr><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="404545" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-15_Jahresausstellung_MUT3_be17408851.jpg" alt="Foto: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt" title="Foto: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt" height="200" width="300" style></td><td><p><strong>Ursprung von Kunst, Religion und Musik:</strong></p><p>Das Fragment einer Vogelknochenflöte ist 42 mm lang und misst im Durchmesser 8,97 mm. Es handelt sich um den Mittelteil eines Knochens, der als Flöte umgearbeitet wurde. Die archäozoologische Bestimmung ergab, dass es sich um einen Knochen in Gänsegeiergröße handelt. Zwei Ansätze von Grifflöchern, sowie die charakteristische Überarbeitung der Oberfläche zeigen, dass hier eine Flöte vorliegt.<br>Foto: Museum der Universität Tübingen MUT / Valentin Marquardt</p></td></tr><tr><td><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="404542" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-15_Jahresausstellung_MUT4_adde243c17.jpg" alt="Abbildung: MPI Tübingen / Wolfram Scheible" title="Abbildung: MPI Tübingen / Wolfram Scheible" height="200" width="300" style></td><td><br><p><strong>Ursprung digitaler Innovationen: </strong></p><p>Der massentaugliche französische Roboter NAO ist fast 60 Zentimeter groß, wiegt etwa fünf Kilogramm und kostet rund 7000 Euro. In Deutschland wird er in Schulen eingesetzt, um nicht nur Sachwissen, sondern auch Kreativität, Kooperations- und Teamkompetenzen zu fördern. Die Forscher der riesigen Forschungskooperation Cyber Valley arbeiten intensiv an den großen Geschwistern des kleinen NAO.<br>Abbildung: MPI Tübingen / Wolfram Scheible</p></td></tr></tbody></table></div></div><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-15_Jahresausstellung_MUT1.jpg" lenght="33374" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14666</guid><pubDate>Fri, 12 May 2017 12:00:00 +0200</pubDate><title>Forschung zur Frühzeit des Menschen </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forschung-zur-fruehzeit-des-menschen/</link><description>Senckenberg und Universität Tübingen verstärken Kooperation – Bund und Länder fördern Leibniz-Institut mit 2,8 Millionen Euro</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-12_Senckenberg2.jpg" length="108502" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>In einem heute stattfindenden Festakt wurde das „Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen (HEP)“ in Anwesenheit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, als Bestandteil Senckenbergs in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Mit der Verstetigung verstärken die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und die Universität Tübingen ihre Forschung zur Frühzeit des Menschen. Bund und Länder finanzieren das Institut künftig mit 2,8 Millionen Euro pro Jahr.</p><p>Wie, warum und wann sind wir zu dem geworden was wir sind? Welche Einflüsse hatten und haben Umwelt- und Klimaveränderungen auf unsere Evolution? Und was können uns Fossilfunde über längst vergangene Ökosysteme erzählen? Am Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment – kurz HEP – beschäftigen sich sieben Arbeitsgruppen mit der Erforschung der Frühzeit des Menschen.</p><p>„Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Herkunft und Entwicklung übt eine ganz besondere Faszination aus. Das neue Senckenberg-Institut bietet exzellente Voraussetzungen um die Frühzeit des Menschen zu erforschen, aber auch um einen Blick in unsere Zukunft zu werfen und Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu leisten. Wir freuen uns sehr, diese interdisziplinäre Forschung unterstützen zu können“, sagte Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei ihrer Eröffnung des Festaktes anlässlich der Verstetigung des Senckenberg-Institutes.</p><p>Ulrich Steinbach, Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, ergänzte: „Dass sich an einem einzigen Standort sieben verschiedene Fachrichtungen mit der biologischen und kulturellen Evolution des Menschen beschäftigen, ist außergewöhnlich und knüpft zugleich an eine große Tradition in Tübingen an. Das Land Baden-Württemberg hat die Forschungskooperation von Beginn an unterstützt. Wir freuen uns sehr, dass Senckenberg und die Universität Tübingen nun gestärkt in diesem bedeutenden Forschungsfeld vorangehen können.“</p><p>Dank des neuen Instituts und der dort tätigen Forscherinnen und Forscher werde Tübingen seine Position als einer der auch international führenden Standorte in der paläontologischen und archäologischen Forschung weiter ausbauen, sagte Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen: „Mit diesem Schritt vertiefen wir zudem unsere außerordentlich erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.“</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="403103" height="200" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-12_Senckenberg1_5e5498fbcf.jpg" width="300" style></td><td>Vertragsunterzeichnung für das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP): Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger (Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Ministerialdirektor Ulrich Steinbach (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg), Stephanie Schwedhelm (Administrative Direktorin der Senckenberg Gesellschaft) und Professor Bernd Engler (Rektor der Universität Tübingen; von links nach rechts).</td></tr></tbody></table></div></div><p>„Die Verstetigung des Senckenberg HEP erlaubt es uns, langfristig und auf internationalem Spitzenniveau die Forschungen zur Evolution des Menschen und der Mensch-Umwelt-Beziehungen weiterzuentwickeln“, so Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Wir freuen uns sehr über die Institutionalisierung dieser Kooperation einer Leibniz-Einrichtung mit einer exzellenten Universität.“</p><p>Die Universität Tübingen und die Senckenberg Gesellschaft kooperieren bereits seit 2008 bei der Erforschung der Frühzeit des Menschen. Im Oktober 2009 beschlossen die Partner den Aufbau des „Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen (HEP)“. Beide Partner unterzeichneten einen Kooperationsvertrag, der die Weiterentwicklung des HEP als Senckenberg-Institut innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft festschreibt. Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen aller Fachrichtungen, ihr gehört auch die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung an.</p><p>Auch in dem neuen Forschungsinstitut werden Universität und Senckenberg intensiv zusammenarbeiten. Das Institut umfasst sieben Arbeitsgruppen, die von Professorinnen und Professoren der Universität Tübingen geleitet werden. Die Arbeitsgruppen befassen sich mit folgenden Themen: Ältere Urgeschichte und Quartärökologie (Prof. Nicholas Conard), Paläoanthropologie (Prof. Katerina Harvati), Paläontologie (Prof. Madelaine Böhme), Biogeologie (Prof. Hervé Bocherens), Paläogenetik (Prof. Johannes Krause), Geoarchäologie (Prof. Christopher Miller) und Mikropaläontologie (Juniorprof. Annett Junginger).</p><p>Das HEP übernimmt zudem die wissenschaftliche Betreuung von neun Sammlungen der Universität, darunter die Sammlungen der Paläontologie, der Paläobotanik, der Archäobotanik, der Archäozoologie und der Geoarchäologie. Eigentümer der Sammlungen bleibt das Land Baden-Württemberg.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="403107" height="200" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-12_Senckenberg5_48d56b4d3b.jpg" width="300" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="403105" height="200" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-12_Senckenberg3_ce015b77d6.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td>Vortrag "Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment" von Professorin Dr. Madelaine Böhme, geschäftsführende Direktorin des HEP.</td><td>Grusswort von Professor Dr. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt</h3><p>Dr. Sibylle Wolf<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment<br> Tel. +49 7071 29-75420<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ukdanng0yqnhBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">sibylle.wolf<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Universität Tübingen<br> Hochschulkommunikation<br> Dr. Karl Guido Rijkhoek<br> Antje Karbe<br> Telefon  +49 7071 29-76788<br>   +49 7071 29-76789<br> Telefax  +49 7071 29-5566<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mctn0tklmjqgmBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">karl.rijkhoek<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,cpvlg0mctdgBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">antje.karbe<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p>Dr. Sören Dürr<br> Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Homepage des HEP: <a href="http://www.senckenberg.de/hep" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.senckenberg.de/hep</a><br><br></p><p>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die <strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung </strong>seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</p><p>Die <strong>Universität Tübingen </strong>gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-12_Senckenberg2.jpg" lenght="108502" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-16007</guid><pubDate>Tue, 09 May 2017 12:44:00 +0200</pubDate><title>Gewaltige Wallberge unter dem Eis der Antarktis entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gewaltige-wallberge-unter-dem-eis-der-antarktis-entdeckt/</link><description>Wissenschaftler der Universität Tübingen an Studie zur Entstehung von dünnschichtigen Kanälen im Schelfeis beteiligt</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-09-Wallberge.jpg" length="64978" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Lange Geländerücken aus Sand und Kies, sogenannte Wallberge oder Esker, entstehen unter Eisschilden. Sie sind zum Beispiel auf der Landfläche Skandinaviens und Nordamerikas stehen geblieben, als sich dort das Eis nach der letzten Eiszeit zurückzog. Bisher wurden solche Geländeformen jedoch nicht unter aktuell bestehenden Eisschilden beobachtet. Nun hat ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung der Université libre de Bruxelles in Belgien und der Bayrischen Akademie der Wissenschaften mithilfe von Satellitendaten und eines Radars, das kilometertiefes Eis durchdringen kann, unter den Eispanzer der Antarktis geschaut. Mit Beteiligung von Dr. Reinhard Drews, seit kurzem beschäftigt in der Arbeitsgruppe von Professor Todd Ehlers im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen, entdeckte das Wissenschaftlerteam dort ein aktives hydrologisches System aus Kanälen und Geländerücken. Diese sind bis zu 250 Meter hoch – fünfmal höher als die heutigen Überbleibsel der Wallberge in Skandinavien und Nordamerika. In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift <em>Nature Communications </em>veröffentlicht wurde, beschreiben die Wissenschaftler außerdem, wie die Wallberge dem schwimmenden Schelfeis tiefe Kerben zufügen.</p><p>Wassergefüllte Tunnel leiten das Schmelzwasser, das sich unter den ausgedehnten Eisschilden bildet, in Richtung Meer. Diese Tunnel haben typischerweise einen Durchmesser von einigen Metern. Neue geophysikalische Beobachtungen der Forschergruppe an der Université libre de Bruxelles, die mithilfe von Satelliten und mit einem das Eis durchdringenden Radar am Roi-Baudouin-Schelfeis in der Ostantarktis gewonnen wurden, ergaben, dass sich die wassergefüllten Kanäle in Richtung des Ozeans zunehmend verbreitern. Die Erweiterung der Kanäle konnten die Wissenschaftler mithilfe eines neuen mathematischen Modells durch den ständigen Wasserabfluss erklären. Je breiter die Kanäle werden, desto stärker verringert sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Tunnel unter dem Eis. Das führt dazu, dass sich in diesen Bereichen nahe der Grenze zwischen dem Eisschild und dem Ozean verstärkt Sand und Kies ablagern. Über die Jahrtausende wurden unter dem Antarktiseis auf diese Weise gewaltige Sedimentrücken gebildet – bis zu einer Größenordnung in der Höhe des Pariser Eiffelturms.</p><p>Die Esker kerben das Eis von unten ein, während dieses in Richtung Ozean über die basalen Hindernisse fließt. Diese Kerben erscheinen als Kanäle in den stromabwärtsgelegenen, schwimmenden Eisschelfen. Das Eis in diesen Kanälen ist nur etwa halb so dick wie in der Umgebung, sodass ein Schwachpunkt entsteht, wenn sie in Kontakt mit dem wärmeren Ozean kommen. Bisher dachte man, so das Wissenschaftlerteam, dass die Kanäle hauptsächlich durch Schmelzprozesse des warmen Ozeanwassers gebildet werden. Doch sei dies den neuen Ergebnissen zufolge wohl nicht der alleinige Grund: „Unsere Studie belegt, dass Kanäle in der Eisschicht schon auf dem Land geformt werden können und dass die Größe der Kanäle signifikant von den Sedimentationsprozessen abhängt, die über viele Tausende von Jahren ablaufen“, erklärt Reinhard Drews, der Erstautor der Studie. Bisher sei noch unklar, welchen Einfluss die dünnschichtigen Kanäle auf die Stabilität des Schelfeises haben.</p><p>Der Zusammenhang zwischen dem Wassersystem unter dem Eis, der Ablagerung von Sedimenten und der Stabilität des Schelfeises sei bisher so nicht bekannt gewesen, sagt das Wissenschaftlerteam. Dies eröffne neue Möglichkeiten, die Schlüsselprozesse unter der antarktischen Eisschicht zu verstehen. Außerdem könne man mithilfe der neuen Ergebnisse die Ausdehnung der Eisschicht während der vergangenen Eiszeiten auf der Nordhalbkugel genauer rekonstruieren.</p><h3>Publikation:</h3><p>R. Drews, F. Pattyn, I.J. Hewitt, F.S.L. Ng, S. Berger, K. Matsuoka, V. Helm, N. Bergeot, L. Favier &amp; N. Neckel: Actively evolving subglacial conduits and eskers initiate ice shelf channels at an Antarctic grounding line. <em>Nature Communications</em>, 9. Mai 2017, DOI: 10.1038/ncomms15228</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Reinhard Drews<br> Universität Tübingen<br> Fachbereich Geowissenschaften – Geodynamik<br> Telefon +49 7071 29-74252<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,tgkpjctf0ftgyuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">reinhard.drews<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-09-Wallberge.jpg" lenght="64978" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13815</guid><pubDate>Mon, 08 May 2017 09:30:00 +0200</pubDate><title>Motivation der Eltern beeinflusst Schulleistung</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/motivation-der-eltern-beeinflusst-schulleistung/</link><description>Sind die Eltern nicht motiviert, sind es auch die Kinder nicht, zeigt eine Studie der Tübinger Bildungsforscher</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ob sich die Unterstützung der Eltern beim Lernen positiv oder negativ auf die Leistung ihrer Kinder in der Schule auswirkt, ist davon abhängig, wie motiviert die Eltern sind. In einer Studie haben Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen herausgefunden, dass die Leistungen von Kindern, deren Eltern sich für Mathematik interessierten und ihre eigene fachliche Kompetenz für Mathematik hoch einschätzten, besser waren als die Leistungen von Kindern, deren Eltern sich wenig für Mathematik interessierten und sich selbst nicht so gut in Mathematik einstuften – unabhängig von der Intensität der elterlichen Unterstützung. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift <em>Child Development </em>veröffentlicht.</p><p>Der familiäre Hintergrund spielt eine entscheidende Rolle für die Motivation und die Leistung von Schülern. Frühere Studien haben gezeigt, dass ein hohes Interesse der Eltern an der schulischen Entwicklung der Kinder im Mittel mit einem günstigeren Leistungsverlauf einhergeht. Es blieb allerdings unklar, welche Art von elterlicher Unterstützung denn nun genau zum Erfolg führte und welche das Gegenteil bewirkt. Sind die Eltern beispielsweise zu engagiert, können die Kinder das als Kontrolle auffassen. Ihr Selbstvertrauen in die eigene Leistung kann dadurch sinken und ihre Leistung sich verschlechtern. Die Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher der Universität Tübingen wollten deshalb herausfinden, welche Faktoren innerhalb der Familie sich günstig auf die Schulleistung auswirken und welche eher hinderlich sind. Dazu befragten sie über 1.500 Kinder aus neunten Klassen sowie ihre Eltern.</p><p>Die Eltern mussten zu Beginn der Studie Fragen bezüglich ihrer Unterstützung in Mathematik beantworten, zum Beispiel, ob sie bei den Hausaufgaben helfen. Zudem sollten sie darüber Auskunft geben, wie sie ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten einschätzen, wie viel Unterstützung ihre Kinder brauchen, wie viel Zeit und Energie sie für die Unterstützung ihrer Kinder aufbringen und ob die Familie grundsätzlich an Mathematik interessiert ist. Die Schülerinnen und Schüler füllten zu Beginn der Studie ebenfalls Fragebögen aus, in denen sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzten und über ihren Arbeitsaufwand und ihr Interesse für das Fach Mathematik berichteten. Nach fünf Monaten wurden sie erneut befragt, zusätzlich wurden ihre Leistungen und Noten ausgewertet.</p><p>Die Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden in ihrer Annahme bestärkt, dass nicht die Unterstützung per se zu besseren Leistungen führt, sondern es ganz bestimmte Merkmale innerhalb der Familie gibt, die gute Leistungen begünstigen. „Die besten Entwicklungen fanden sich bei Kindern, deren Eltern eine hohe Wertschätzung der Mathematik besaßen und die ihre eigenen Fähigkeiten als hoch einschätzten“, erklärt Isabelle Häfner, Erstautorin der Studie. „Diese Kinder erzielten eine höhere Leistung, egal, ob die Eltern ihnen nun konkret bei den Schulaufgaben halfen oder nicht.“ Deshalb sei es problematisch, gute oder schlechte Leistungen der Kinder nur darauf zurückzuführen, ob die Eltern sie bei ihren Aufgaben unterstützen.</p><p>Die ungünstigsten Bedingungen für die Leistung der Kinder waren in Familien zu finden, in denen die Eltern ihre Kinder zwar intensiv unterstützten, selbst aber kein Interesse an Mathematik hatten und ihre eigenen Fähigkeiten auch nicht hoch einschätzten. Deren Kinder hatten nicht nur schlechtere Noten, sondern konnten sich auch nicht für Mathematik begeistern. „Helicopter-Mütter können ihren Kindern schaden, wenn sie sich selbst nicht für das jeweilige Fach interessieren, in dem sie ihre Kinder unterstützen wollen“, erklärt Häfner. Dieses komplexe Zusammenspiel von günstigen und ungünstigen Faktoren in Bezug auf die Leistung von Schülerinnen und Schülern müsse in weiteren Studien nun näher untersucht werden.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Häfner, I., Flunger, B., Dicke, A.-L., Gaspard, H., Brisson, B. M., Nagengast, B., &amp; Trautwein, U. (2017). The role of family characteristics for students’ academic outcomes: A person-centered approach. <em>Child Development</em>. doi:10.1111/cdev.12809</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Universität Tübingen <br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/<br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.lead.uni-tuebingen.de&gt;www.lead.uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;www.hib.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15682</guid><pubDate>Wed, 03 May 2017 15:25:00 +0200</pubDate><title>Neuer Stoffwechsel-Sensor kann Hinweise auf Entartung von Zellen geben</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-stoffwechsel-sensor-kann-hinweise-auf-entartung-von-zellen-geben-1/</link><description>Forscher der Universität Tübingen sehen darin das Potenzial für ein Werkzeug, das Erfolg oder Misserfolg einer Krebsbehandlung anzeigen kann</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-03Sci_Reports_Sensor_UT.jpg" length="108636" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Eine Drehscheibe im Stoffwechsel ist der Citratzyklus, der beim Abbau der Nahrungsstoffe Energie und Bausteine für Synthesen in der Zelle bereitstellt. Ein Zwischenprodukt des Zyklus, das 2-Oxoglutarat, hat sich als zentrales Bindeglied und Stellschraube zwischen dem Kohlenstoffkreislauf und der Proteinherstellung erwiesen. Sein Pegelstand entscheidet darüber, wann und wie sich eine Zelle spezialisiert oder ob sie entartet, was zur Entstehung von Krebs führen kann. Wie sich die Konzentration an 2-Oxoglutarat zeitabhängig verändert, ließ sich bisher nur unzureichend verfolgen. Damit haben sich Forscherinnen und Forscher des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Karl Forchhammer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Krebsforschung und der Universität Heidelberg näher befasst. Nun ist es ihnen gelungen, einen Sensor für 2-Oxoglutarat zu entwickeln, der die Konzentration direkt in der Zelle misst. Künftige Einsatzbereiche sehen die Forscher beim Wirkstoffscreening und für die Überprüfung, ob eine Krebsbehandlung anschlägt. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.</p><p><br>Forschern stehen immer bessere Methoden zur Verfügung, um den physiologischen Zustand einer Zelle zu messen. Doch häufig haben diese den Nachteil, dass die Stoffwechselprodukte, die gemessen werden sollen, dafür aus der Zelle extrahiert werden müssen. Daher konzentrierte sich das Forscherteam um Karl Forchhammer auf die Entwicklung eines Proteinsensors, mit dem Live-Messungen möglich sind. Als Ausgangspunkt wählten sie ein Protein aus dem Bakterium Synechococcus elongatus mit der Bezeichnung PII, das 2-Oxoglutarat binden kann und innerhalb der Zelle für die Weiterleitung bestimmter Signale sorgt. In Abhängigkeit von der Konzentration des 2-Oxoglutarats verändert das Protein seine Struktur. Das Forscherteam musste nun dafür sorgen, dass es von der normalen Signalweiterleitung entkoppelt wird. Stattdessen verbanden sie PII mit einem weiteren Protein, das durch die Strukturänderung zur Ausstrahlung von fluoreszierendem Licht angeregt wird. Die Intensität der Fluoreszenz können die Forscher messen und zum Beispiel in Zell- und Gewebeproben die fluoreszierenden Zellen unter einem speziellen Mikroskop untersuchen.</p><p><br>In ersten Versuchen mit menschlichen Zellkulturen hat sich der neue Sensor für 2-Oxoglutarat bereits als funktionstüchtig erwiesen. Die Forscher glauben, dass er für den Einsatz in der Wirkstoffprüfung und Medizin weiterentwickelt werden kann. Beim Einsatz neuer Wirkstoffe könnte eine Veränderung des 2-Oxoglutarat-Pegels die Bildung von Krebszellen anzeigen; in der Medizin wiederum ließe sich bei einer Krebsbehandlung verfolgen, ob sich tatsächlich der Pegel ändert und die Behandlung anschlägt.</p><h3>Publikation:</h3><p>Jan Lüddecke, Liliana Francois, Philipp Spät, Björn Watzer, Tomasz Chilczuk, Gernot Poschet, Rüdiger Hell, Bernhard Radlwimmer, Karl Forchhammer: PII Protein-Derived FRET Sensors for Quantification and Live-Cell Imaging of 2-Oxoglutarate. Scientific Reports, 3. Mai 2017, &lt;link http: www.nature.com articles s41598-017-01440-w.&gt;www.nature.com/articles/s41598-017-01440-w.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Karl Forchhammer<br>Universität Tübingen<br>Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin<br>Telefon +49 7071 29-72096<br>karl.forchhammer[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>MatNat-Aktuell</category><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-03Sci_Reports_Sensor_UT.jpg" lenght="108636" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15523</guid><pubDate>Wed, 03 May 2017 12:35:00 +0200</pubDate><title>Sichere Medikamente für Malawi</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/sichere-medikamente-fuer-malawi/</link><description>Das Pharmazeutische Institut der Universität Tübingen unterstützt das südostafrikanische Land im Kampf gegen gefälschte Medikamente</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-03Medikamentenfaelschung_Malawi1.jpg" length="32352" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Von gefälschten Medikamenten geht für die Einwohnerinnen und Einwohner vieler Entwicklungsländer eine große Gefahr aus. Professor Lutz Heide vom Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen unterstützt seit Jahren den Kampf gegen gefälschte Medikamente im südostafrikanischen Malawi. Die Kooperation mit dem Pharmazeutischen Institut der Universität von Malawi wird nun mithilfe von Fördergeldern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) weiter vertieft. Vor allem durch die Ausbildung kompetenter Pharmazeutinnen und Pharmazeuten soll die Versorgung der malawischen Bevölkerung mit wirksamen Arzneimitteln verbessert werden.</p><h3>Kooperation für gute Arzneimittelqualität in Malawi</h3><p>Zwei Jahre hat der Pharmazeut Lutz Heide in Malawi geforscht. Gemeinsam mit Kollegen vor Ort untersuchte er 155 Antibiotika- und Malariamedikamente. Die Ergebnisse der Studie publizierten Heide und sein Team jetzt im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene. Von den 155 untersuchten Medikamenten entsprachen sieben Präparate nicht den pharmazeutischen Standards. Mehrere dieser Medikamente bleiben bei Einnahme weitgehend wirkungslos gegen die Erkrankung. Eine Probe stellte sich als noch gefährlicher heraus: um einen höheren Gewinn zu erzielen, verkauften kriminelle Händler Tabletten in der Verpackung eines hochwertigen Malariamedikaments. Das Präparat enthielt jedoch andere – billige – Wirkstoffe. Sie helfen nicht gegen Malaria und setzen Patientinnen und Patienten zudem ohne ihr Wissen unbekannten Risiken und Nebenwirkungen aus. Vor allem für schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder ist das lebensbedrohlich. Diese gefälschten Medikamente wurden vor allem von illegalen Straßenhändlern in Umlauf gebracht, in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen waren sie nicht zu finden.</p><p><br>Im Moment gibt es in Malawi jedoch nicht genügend gut ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker, um flächendeckend über öffentliche Einrichtungen eine hochwertige Arzneimittelqualität zu garantieren. Hier setzt das Projekt der Universitäten Tübingen und Malawi an. Sie haben ein Abkommen abgeschlossen, um die malawischen Partner in Forschung und Lehre unterstützen.</p><h3>Mehrere Lehrprojekte in Malawi und Tübingen </h3><p>Zu diesem Zweck wurden mehrere Lehrprojekte an der Universität von Malawi aber auch in Tübingen initiiert. Mit einem Austauschprogramm kommen malawische Studierende nach Deutschland und eine deutsche Pharmaziestudentin studiert ein Semester in Malawi. Daniel Männle, ein Dozent aus Tübingen, wird in Malawi zu pflanzlichen Arzneimitteln lehren. Die Herstellung von Salben lernen malawische Studierende und Dozenten bei einem Krankenhausapotheker aus Deutschland. Fachlichen Austausch in beide Richtungen gibt es im Oktober 2017 in dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“, der in Tübingen stattfindet. An ihm nehmen sowohl deutsche als auch malawische Dozierende, Studierende, Apothekerinnen und Apotheker teil. In einem weiteren Kooperationsprojekt soll die Qualität der Medikamente gegen Nachgeburtsblutungen verbessert werden, die eine häufige Todesursache in dem afrikanischen Staat sind. <br><br>Die DAAD unterstützt vor allem die Ausbildung von Apothekerinnen und Apothekern in Malawi. Darüber hinaus umfasst die Kooperation der Pharmazeutischen Institute in Malawi und Tübingen aber auch wissenschaftlichen Austausch und Forschung, wie unter anderem die Teilnahme an und Ausrichtung von eigenen Symposien.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="400781" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-03Medikamentenfaelschung_Malawi2_a993676ced.jpg" alt height="201" width="300" style></td><td><img data-htmlarea-file-uid="400785" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-05-03Medikamentenfaelschung_Malawi3_b6c738272c.jpg" alt height="236" width="300" style></td></tr><tr><td>Vom Medikament Novidar SP ist eine gefährliche Fälschung (im Bild oben) im Umlauf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Malawi entdeckten sie bei ihren Untersuchungen.<br>Foto: Lutz Heide / Universität Tübingen</td><td>Professor Heide (im Bildzentrum) ist Teil eines Netzwerks, das gefälschte Medikamente in Malawi bekämpft. Anfang April 2017 trafen sich deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität von Malawi, Vertreter der Arzneimittelaufsichtsbehörde, der Arzneimittelbeschaffungsbehörde und des Gesundheitsministeriums von Malawi, Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), des deutschen Medikamentenhilfswerks action medeor e.V., der US-amerikanischen Hilfsorganisation USAID und der deutschen Botschaft in Malawi.<br>Foto: Kristina Heide</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation: </h3><p>Khuluza F, Kigera S, Heide L: Low Prevalence of Substandard and Falsified Antimalarial and Antibiotic Medicines in Public and Faith-Based Health Facilities of Southern Malawi. In: American Journal of Tropical Medicine and Hygiene 2017: epub ahead of print; &lt;link https: doi.org ajtmh.16-1008&gt;<a href="https://doi.org/10.4269/ajtmh.16-1008" target="_blank" rel="noreferrer">doi.org/10.4269/ajtmh.16-1008</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Lutz Heide<br>Universität Tübingen<br>Pharmazeutisches Institut<br>Telefon +49 7071 29-72460<br>&lt;link&gt;heide@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-03Medikamentenfaelschung_Malawi1.jpg" lenght="32352" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15254</guid><pubDate>Tue, 02 May 2017 14:12:00 +0200</pubDate><title>Positives Signal für Mikrobiom- und Krebsforschung an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/positives-signal-fuer-mikrobiom-und-krebsforschung-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Wissenschaftsrat befürwortet neues Institut für mehr als 53 Millionen Euro – Grundlagenforschung und Therapieentwicklung im Fokus</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-02_PM_M3_Gebaeude.jpg" length="297921" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Wissenschaftsrat hat sich für den Aufbau eines Instituts für die Mikrobiom- und Krebsforschung ausgesprochen. Das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern befürwortete die Einrichtung des so genannten M3-Forschungsinstituts mit einem Investitionsvolumen von mehr als 53 Millionen Euro. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern muss dem Vorschlag am 23. Juni noch zustimmen.</p><p>Für das neue Institut wird auf dem Gelände des Universitätsklinikums Tübingen auf dem Schnarrenberg ein Neubau mit rund 4.200 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Der Baubeginn ist für 2018, die Fertigstellung für 2022 geplant. Das künftige Institut soll 18 Forschungsgruppen mit insgesamt rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umfassen. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zeigte sich hoch erfreut über die gute Nachricht: „Das M3-Forschungsinstitut bedeutet eine enorme Unterstützung für die Expertise des Tübinger Universitätsklinikums in der personalisierten Medizin.“</p><p>M3 steht stellvertretend für die Begriffe Malignom, Metabolom und Mikrobiom. Als Mikrobiom bezeichnen Wissenschaftler die Gesamtheit der den Körper besiedelnden Mikroben, als Metabolom die Summe der Stoffwechselprodukte. Als Malignome werden bösartige Tumore bezeichnet. „Wir wollen die Tumorforschung mit der Erforschung von Mikrobiom- und Stoffwechselveränderungen verknüpfen und so den Weg weisen für neue und bessere Therapien zur Behandlung von Krebserkrankungen“, sagte Professor Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I des Universitätsklinikums Tübingen und designierter medizinischer Leiter des M3-Instituts.</p><p>„Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die Einführung von Hochdurchsatzverfahren zur Quantifizierung biologischer Prozesse und die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren haben die Medizin in den vergangenen zwei Jahrzehnten revolutioniert“, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen, Professor Ingo Autenrieth. Auf der Basis dieser Technologien seien neue Medikamente und Tumortherapien entwickelt worden. Trotz dieser ersten Erfolge sei aber auch deutlich geworden, dass viele Krebsformen deutlich komplexer sind, als bisher gedacht: „Nach wie vor sind die für die Entstehung und den Verlauf von Erkrankung relevanten biologischen Systeme und ihre wechselseitige Beeinflussung unzureichend verstanden.“</p><p>Malek verwies in diesem Zusammenhang auf die neu entdeckte Rolle des menschlichen Mikrobioms: „Der Mensch ist durch Billionen von Mikroben besiedelt, die durch eine Fülle von Metaboliten den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen“, erklärte der Mediziner: „Der Mensch muss deshalb als `Superorganismus´ verstanden werden, einer komplexen Einheit aus dem menschlichen Genom und seinen Körperzellen sowie dem Mikrobiom.“ Kommunikation und Regulation dieses komplexen Systems erfolgen über eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten, die unter anderem in das menschliche Immunsystem, aber auch in Krankheitsprozesse eingreifen, beispielsweise in Entzündungsreaktionen. „Diese Betrachtungsweise eröffnet eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten, um verschiedenste biologische Prozesse des Menschen gezielt zu verändern“, erklärte der Direktor der Medizinischen Klinik. „Diese reichen von diätetischen Maßnahmen über den Einsatz von lokal oder systemisch wirkenden Antibiotika bis hin zur Übertragung spezifischer Mikroorganismen.“</p><p>Das M3-Institut soll die Forschung auf diesem noch jungen wissenschaftlichen Feld vorantreiben. Die geplanten 18 Forschungsgruppen sollen zu drei Forschungsschwerpunkten zusammengefasst werden, die sich mit der Entwicklung neuer Modellsysteme, mathematischer Modellierung und sys-tembiologischer Analyse sowie experimenteller Therapie befassen werden. Neben Experten aus der Krebsforschung werden an dem künftigen Institut Fachleute aus der Infektions- und Diabetesfor-schung, Bioinformatiker, Systembiologen und Pharmakologen der Universitäten Stuttgart und Tü-bingen beteiligt sein. Eine enge Kooperation ist zudem mit der Abteilung Mikrobiomforschung am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie vereinbart.</p><p>Das neue Institutsgebäude wird am Rande des Tübinger Schnarrenbergs, in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsgebäuden der Neurologie entstehen. Von der Fördersumme von mehr als 53 Millio-nen Euro sind rund 42 Millionen Euro für den Neubau eingeplant. 3,8 Millionen Euro sind für die Erstausstattung von Büros und Laboren vorgesehen sowie weitere 7,5 Millionen Euro für die An-schaffung von Großgeräten. Das Land Baden-Württemberg  und die Medizinische Fakultät über-nehmen jeweils 25 Prozent der Gesamtkosten.</p><p>Weitere Informationen: &lt;link https: www.wissenschaftsrat.de external-link-new-window external link in new&gt;<a href="https://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=1385&amp;amp;L" target="_blank" rel="noreferrer">www.wissenschaftsrat.de/index.php</a>=</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Nisar Malek<br>Universitätsklinikum Tübingen<br>Medizinische Klinik<br>Telefon: +49 7071 29-82721<br>&lt;link&gt;Nisar.Malek@med.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-05-02_PM_M3_Gebaeude.jpg" lenght="297921" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15889</guid><pubDate>Thu, 27 Apr 2017 11:31:00 +0200</pubDate><title>Ehrensenatorenwürde für Kulturwissenschaftler Martin Roth</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ehrensenatorenwuerde-fuer-kulturwissenschaftler-martin-roth/</link><description>Ehemaliger Direktor des Victoria and Albert Museum erhält die höchste Auszeichnung der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-27Ehrensenator.jpg" length="276266" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Kulturwissenschaftler und ehemalige Direktor des Victoria and Albert Museum, Professor Martin Roth, wird neuer Ehrensenator der Universität Tübingen. Wie der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am 27. April bekannt gab, soll Roth die höchste Auszeichnung der Universität am 19. Mai im Rahmen einer Ausstellungseröffnung in Tübingen verliehen werden. „Kultur überwindet Grenzen, schärft unseren Blick für die Wirklichkeit und gibt nicht zuletzt Menschen, die am Rand stehen, eine Stimme“, sagte Engler. „Diese Auffassung ist bestimmend für das Selbstverständnis Martin Roths.“</p><p>Mit großer Tatkraft treibe Martin Roth kulturellen und sozialen Dialog voran, immer auch im Bewusstsein der politischen und gesellschaftlichen Dimensionen seines Schaffens, erklärte der Rektor: „Seine Arbeit zeigt in vorbildlicher Weise, wie Wissenschaft und Kultur in der Gesellschaft wirken können und macht ihn zu einer unschätzbaren Bereicherung für die Universität Tübingen.“ Als Kulturschaffender und überzeugter Europäer erhebe Roth in der aktuellen Debatte seine Stimme für eine freie, offene Gesellschaft, die aufkeimenden nationalistischen Entwicklungen mit Vehemenz entgegentrete.</p><p>Der gebürtige Stuttgarter Martin Roth studierte in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft und promovierte 1987 mit einer Arbeit über die Geschichte der kulturhistorischen Museen. Er lebte und forschte längere Zeit in Paris, ehe er 1989 als Mitarbeiter an das Deutsche Historische Museum in Berlin kam. 1991 wurde er Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, das sich unter seiner Führung zu einem der innovativsten kulturhistorischen Museen des wiedervereinigten Deutschlands entwickelte. Im Jahr 2000 zeichnete er verantwortlich für die Themenausstellungen der EXPO 2000 in Hannover, ehe er 2001 als Direktor an die staatliche Kunstsammlung Dresden wechselte. Von dort bereitete er die viel beachtete Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ vor, die im Chinesischen Nationalmuseum in Peking 2011 eröffnete. Im gleichen Jahr übernahm er schließlich die Leitung des Victoria and Albert Museum in London, des weltgrößten Museums für Kunst und Design. Künftig wird Martin Roth die Geschicke des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart leiten, das sich gemäß seinem Leitbild im „Kulturaustausch für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Völkern, Staaten und Religionen“ engagiert.</p><p>Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde findet am Freitag, den 19. Mai, im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung &lt;link https: www.unimuseum.uni-tuebingen.de de ausstellungen sonderausstellungen origins.html external-link-new-window external link in new&gt;„Ursprünge. Schritte der Menschheit“ des Museums der Universität Tübingen MUT in der Schlosskapelle auf Schloss Hohentübingen statt.</p><p>Die Universität Tübingen verleiht die Ehrensenatorenwürde an Persönlichkeiten, die sich um Wissenschaft, Forschung, Kunst, Kultur und gesellschaftliche Verständigung verdient gemacht haben. Martin Roth ist aktuell der 36. Ehrensenator der Universität Tübingen, zu denen unter anderem Horst Köhler, Erwin Teufel, Margot Käßmann und Johannes Kärcher gehören.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Tel. +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-27Ehrensenator.jpg" lenght="276266" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14254</guid><pubDate>Tue, 25 Apr 2017 09:54:00 +0200</pubDate><title>Georg Mascolo bei 14. Tübinger Mediendozentur</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/georg-mascolo-bei-14-tuebinger-mediendozentur-1/</link><description>Journalist und Rechercheexperte spricht über den „Krieg der Worte“ und die neue Macht der Lüge</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-25PM_Tuebinger_Mediendozentur_2017.jpg" length="25894" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Georg Mascolo, Journalist und Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, hält die 14. Tübinger Mediendozentur. Mascolo, der auch Chefredakteur des SPIEGEL war, spricht am <strong>Dienstag, den 20. Juni 2017, um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz)</strong> zum Thema: „Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge“. Die Einführung übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Moderator ist SWR- Studioleiter Dr. Andreas Narr. Der Eintritt ist frei.</p><p><br>„Mit Georg Mascolo kommt ein herausragenden Vertreter des investigativen Journalismus nach Tübingen“, sagt Pörksen. „Sein Thema trifft die Zeitstimmung, in der viele den Glauben an guten Journalismus verloren haben“.</p><p><br>Mascolo und sein Rechercheverbund sorgen durch tiefgründige Geschichten immer wieder für Schlagzeilen. „Dieser Verbund ist bundesweit einmalig und ein wichtiges Signal in Zeiten des bedrohten Qualitätsjournalismus“, erläutert Andreas Narr, der die Mediendozentur vor 15 Jahren mit initiiert hat. Herausragendes Beispiel sind die sogenannten „Panama-Papers“, mit denen Mascolo und sein Team international agierende Steuerhinterzieher und deren Machenschaften entlarven konnten.</p><p><br>Mascolo begann seine Karriere als freier Mitarbeiter bei einem Privatsender. Stefan Aust holte ihn Ende der 80er Jahre zu Spiegel TV. Seine Dokumentation des Mauerfalls von der Ostseite aus stellt ein Dokument der Zeitgeschichte dar und wurde von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe übernommen. 1992 wechselte er zur Printausgabe des SPIEGEL, wurde stellvertretender Leiter des Berliner Büros und anschließend Korrespondent in den USA. Chefredakteur des SPIEGEL war Mascolo von 2008 bis 2013. Seit 2014 leitet er den von ihm mitbegründeten Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.</p><p><br>Die Tübinger Mediendozentur ist eine Veranstaltung des Instituts für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen und des SWR Studio Tübingen. Sie dient in erster Linie der Förderung des journalistischen Nachwuchses. Ergänzend zum Vortrag wird es deshalb auch in diesem Jahr wieder einen Workshop für Studierende der Medienwissenschaft geben.</p><p><br>Seit 2003 gab es Gastvorträge unter anderem von Claus Kleber, Maybrit Illner, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Mathias Döpfner, Miriam Meckel und zuletzt Sascha Lobo.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Andreas Narr <br>Südwestrundfunk <br>Studioleiter Studio Tübingen <br>Telefon: +49 7071 209-38101 <br>&lt;link&gt;andreas.narr[at]SWR.de</p><p><br>Dr. Karl G. Rijkhoek<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon: +49 7071 29-76788<br>&lt;link&gt;karl.rijkhoek[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-25PM_Tuebinger_Mediendozentur_2017.jpg" lenght="25894" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14081</guid><pubDate>Mon, 24 Apr 2017 15:00:00 +0200</pubDate><title>Stellungnahme der Universitätsleitung zur Sanierung der Festsaalorgel in der Neuen Aula</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/stellungnahme-der-universitaetsleitung-zur-sanierung-der-festsaalorgel-in-der-neuen-aula/</link><description>Rektorat tritt öffentlich kommunizierten Zahlen zum Spendenaufkommen entgegen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>In zahlreichen Briefen und Emails wurde Unverständnis darüber ausgedrückt, dass das Rektorat sich gegen die Instandsetzung der Orgel im Festsaal der Neuen Aula entschieden hat. Dieses Unverständnis wäre unter der Voraussetzung nachvollziehbar, dass die in der Presse kommunizierten Angaben zutreffend sind. Ein Initiator der Spendenaktion hat öffentlich den Eindruck erweckt, die Restaurierung sei bis auf einen kleinen Restbetrag finanziert. So wurde an die Presse lanciert, es seien bislang rund 200.000 € Spenden gesammelt worden. Weitere, auch größere Spenden seien zugesagt. Es fehlten nur noch rund 40.000 €. <br><br>Diese Angaben sind ausnahmslos falsch. <br><br>Das Spendenkonto für die Sanierung der Festsaalorgel wies am 20. März 2017 einen Kontostand von knapp 47.300 € auf. Da wir heute davon ausgehen müssen, dass die Instandsetzungskosten sich auf deutlich über 300.000 € belaufen würden, ist das Projekt nicht einmal ansatzweise finanziert. <br><br>Es ist zutreffend, dass weitere Spenden in Aussicht gestellt oder fest zugesagt wurden. Selbst wenn man davon ausgeht, dass alle diese Spenden ohne Abstriche geflossen wären, hätten einschließlich der bislang bereits eingeworbenen Spenden allerdings nicht mehr als rund 100.000 € zur Verfügung gestanden. Mit dieser Summe liegt die Spendenaktion weit hinter ihren Erwartungen zurück. <br><br>Es wurde zudem berichtet, dass verschiedene Bürgerinnen und Bürger für die Sanierung der Festsaalorgel Kredite in Höhe von insgesamt 60.000 € angeboten hätten. Dieser Betrag wurde in der öffentlichen Diskussion als feste Größe deklariert, mit der für die Instandsetzung kalkuliert werden könne. <br><br>Diese Angabe ist irreführend. <br><br>Nach § 18 Abs. 5 der Landeshaushaltsordnung darf die Universität als Einrichtung des Landes Baden-Württemberg keine Kredite aufnehmen. Die in Rede stehenden Darlehen waren daher für die Hochschule weder annehmbar noch verwertbar. <br><br>Unterm Strich bleibt es dabei, dass selbst unter günstigsten Annahmen maximal rund 100.000 € für die Sanierung der Orgel zur Verfügung gestanden hätten. Dies ist ein respektabler Betrag, aber höchstens ein Drittel der für die Restaurierung und die Umbaumaßnahmen erforderlichen Summe. <br><br>Das Rektorat der Universität Tübingen hat sich seit 2012 wiederholt mit der Restaurierung der Festsaalorgel beschäftigt. Den Initiatoren ist dabei ausweislich der Protokolle klar und unmissverständlich kommuniziert worden, dass die Universität für die Sanierung keine eigenen Mittel einsetzen wird und dass keine weiteren Schritte in Richtung auf eine Sanierung unternommen werden, wenn es nicht gelingt, bis Ende 2016 rund 80 Prozent der Kosten einzuwerben. Dieses Ziel ist sehr deutlich verfehlt worden. In Anbetracht dieser Situation sah sich die Hochschulleitung gezwungen, das Projekt wegen unzureichender Finanzierung zu beenden.<br><br>Das Rektorat der Universität empfindet es als außerordentlich irritierend, wenn nun öffentlich der Eindruck erweckt wird, die Hochschulleitung torpediere ohne Not ein erfolgreiches Projekt bürgerschaftlichen Engagements. Der Vorwurf, die Entscheidung des Rektorats trage „Züge absolutistischen Herrschaftsgebarens“ kann in Anbetracht der vorliegenden Fakten nur als Unterstellung gewertet werden, die die Universität in aller Form zurückweist. <br><br>Mit Blick auf diese inhaltsleeren Anschuldigungen und die gegen die Universitätsleitung gerichtete Skandalisierungskampagne ist das Rektorat auch nicht mehr willens, weitere Gespräche mit den Initiatoren der Sammelaktion zu führen. Das Projekt ist abschließend gescheitert, selbst wenn der Universität in Zukunft weitere Spenden angeboten werden sollten. <br><br>Da die Sanierung der Festsaalorgel aus Sicht des Rektorats nicht mehr erwogen werden kann, ist zu prüfen, ob eingegangene Spendengelder zurückfließen können. Soweit dies nicht realisiert werden kann, ist nach der Abgabenordnung auch eine Umwidmung der Gelder möglich. Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung und Kanzler Dr. Andreas Rothfuß haben zwischenzeitlich Einvernehmen darüber hergestellt, wie mit den Spenden in Höhe von rund 47.000 € verfahren werden soll.<br><br>Wir bedauern, dass es durch die notwendige Rückführung zu Unannehmlichkeiten für die Spender kommt. Wir verweisen aber darauf, dass das Rektorat bei den Initiatoren immer darauf bestanden hat, dass eine für die Universität unaufwändige Rückführung von Spenden im Falle des Scheiterns des Sanierungsprojekts gewährleistet sein muss. <br><br>Mit dem Universitätsbund e.V., bei dem die Orgelspenden in den vergangenen Jahren gesammelt und verwaltet wurden, ist vereinbart, dass sämtliche Spenden, die jetzt und in Zukunft noch eingehen, umgehend an die Spenderinnen und Spender zurückfließen.  <br><br>Mit freundlichen Grüßen<br><br>Professor Dr. Bernd Engler<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles external-link-new-window externen link in neuem&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuelles</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13705</guid><pubDate>Mon, 24 Apr 2017 10:20:00 +0200</pubDate><title>Nachwuchsforscher messen sich im Science Slam</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/nachwuchsforscher-messen-sich-im-science-slam/</link><description>Finale des „Tübinger Fensters für Forschung“ (TÜFFF): Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentieren auf unterhaltsame Weise Forschung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag, den 28. April 2017, findet ein fächerübergreifender <strong>Science Slam</strong> in Tübingen statt. Als <strong>Finale des Tübinger Fensters für Forschung präsentieren um 20 Uhr im Hörsaal N06 (Auf der Morgenstelle 16, 72076 Tübingen)</strong> sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre Forschung. In jeweils zehn Minuten stellen sie unterhaltsam spannende wissenschaftliche Themen wie durchsichtige Nanoteilchen, das Verfahren des „Rührreibschweißens“ oder die vegetarische Zukunft der Mobilität vor. Am Ende kürt das Publikum den Sieger des Abends.</p><p><br>Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung findet überwiegend auf Englisch statt und wird auch in den Hörsaal N05 übertragen. Im Internet besteht die Möglichkeit, den Science Slam via Livestream auf dem Video-Portal der Universität Tübingen zu verfolgen. Der Livestream ist unter der Adresse &lt;link http: timmscast.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://timmscast.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">timmscast.uni-tuebingen.de</a> ab 20 Uhr abrufbar.</p><p>Organisiert wird der Science Slam von der Graduiertenakademie und dem Forum Scientiarum der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jungforscher Netzwerk – juFORUM e.V.</p><p><br>Bei einem Science Slam wird Forschung auf der Bühne einem Publikum ohne Fachkenntnisse vorgestellt, innerhalb einer festgelegten Zeit. Für die Präsentation dürfen alle Hilfsmittel genutzt werden: Powerpoint-Folien, Bilder, Videos, Requisiten, Musik-, Tanz- oder Pantomime-Einlagen und sogar Live-Experimente. Die Vorträge sollen unterhaltsam sein und zeigen, dass Wissenschaft für jeden verständlich sein kann.</p><p><br>Beim <strong>„Tübinger Fenster für Forschung“ (TÜFFF)</strong> am Freitag, den 28. April, präsentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universität, Uniklinikum und außeruniversitären Forschungsinstituten zwischen 15 und 22 Uhr ihre Forschungsprojekte. Besucher sind eingeladen, selbst Versuche durchzuführen, auf dem Programm stehen Workshops, Führungen und Vorträge. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig; bei einigen Programmpunkten sind die Teilnehmerzahlen begrenzt: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de tuefff&gt;www.uni-tuebingen.de/tuefff</p><h3><br>Kontakt zum Science Slam: </h3><p>Dr. Sibel Vurgun<br>Universität Tübingen<br>Graduiertenakademie<br>Telefon +49 7071 29-72500<br>&lt;link&gt;sibel.vurgun@uni-tuebingen.de</p><h3><br>Kontakt zum TÜFFF:</h3><p>Simona Steeger<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-77825<br>&lt;link&gt;simona.steeger@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15681</guid><pubDate>Fri, 21 Apr 2017 10:13:00 +0200</pubDate><title>Zeitzeugen im Geschichtsunterricht – Spaß oder Nutzen?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/zeitzeugen-im-geschichtsunterricht-spass-oder-nutzen/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchten Effekte von „Oral History“ in der Schule</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Arbeit mit Zeitzeugen im Geschichtsunterricht ist in den Bildungsplänen aller Bundesländer fest verankert. Zeitzeugen können authentisch über Ereignisse aus ihrem Leben berichten, die die Schülerinnen und Schüler mehr berühren als bloße Texte im Schulbuch. Zudem erhofft man sich, dass sie durch eigenständige Arbeit mit Zeitzeugen lernen, wie Historiker zu arbeiten und beispielsweise Quellen kritisch zu hinterfragen. Doch es gibt auch Kritik an dieser Methode. Zum einen ist Erinnerung ein rekonstruktiver Prozess, der durch viele Faktoren beeinflusst wird. So können individuelle Erinnerungen durch das soziale Umfeld und nachträgliche Informationen verzerrt und verklärt werden. Zum anderen kann die Aura und Authentizität der Zeitzeugen dazu führen, dass ihre Aussagen nicht hinterfragt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen haben nun in einer Studie herausgefunden, dass das Lernen mit lebendigen Zeitzeugen im Vergleich zur Arbeit mit einem Video oder einer Transkription eines Zeitzeugeninterviews den Schülerinnen und Schülern zwar deutlich mehr Spaß macht, aber die Gefahr besteht, dass sie weniger dabei lernen. Die Studie wird im American Educational Research Journal veröffentlicht und ist bereits online erschienen.</p><p>Welche Effekte die Arbeit mit Zeitzeugen auf die Schülerinnen und Schüler hat, hierzu gibt es nur wenige Studien. Ziel der Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war es deshalb, zu untersuchen, ob und wie durch die Arbeit mit Zeitzeugen Kompetenzen historischen Denkens gefördert werden können. Für die Studie arbeiteten 900 Schülerinnen und Schüler aus 30 Klassen in einer Unterrichtseinheit zum Thema „Friedliche Revolution in der DDR“ mit Zeitzeugen. Erklärtes Ziel der Unterrichtseinheit war es, die Voraussetzungen unseres Wissens über die Vergangenheit offen zu legen, zum Beispiel die unterschiedlichen Blickwinkel von Zeitzeugen auf die Geschehnisse in der Vergangenheit. Ein Teil der Klassen arbeitete dabei mit Zeitzeugen, die im Unterricht anwesend waren und befragt wurden, ein Teil mit einer Videoaufzeichnung und ein weiterer Teil der Klassen mit der Transkription eines Zeitzeugeninterviews. Zusätzlich gab es fünf Kontrollklassen, die ihren „normalen“ Geschichtsunterricht zu einem anderen Thema erhielten.</p><p>Den Unterricht mit den Zeitzeugen – live, mit Video und mit der Transkription – führte jeweils dieselbe externe Lehrkraft durch, um gleiche Bedingungen sicherzustellen. Vier Zeitzeugen, die den Mauerfall und die Wende mit Anfang 20 als aktive Oppositionelle erlebt hatten, berichteten über ihre politischen Aktivitäten, die Demonstrationen gegen das damalige Regime und die Kontrolle und Unterdrückung durch das sozialistische System. Von denselben vier Zeitzeugen standen auch Videos und Transkriptionen zur Verfügung (&lt;link https: www.jugendopposition.de&gt;<a href="https://www.jugendopposition.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.jugendopposition.de</a>), in denen sie ebenfalls über diese Themen berichteten. Die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler zum Thema DDR, ihr Verständnis der Grundlagen historischer Erkenntnis und ihre Einschätzung der Unterrichtseinheit wurden unmittelbar vor und nach der Unterrichtseinheit sowie zwei bis drei Monate später erhoben.</p><p>Im Vergleich zur Kontrollgruppe schnitten alle Klassen, die in verschiedener Form mit Zeitzeugen arbeiteten, besser ab: Sie zeigten eine höhere historische Kompetenz und verfügten über mehr Faktenwissen. Jedoch gab es Unterschiede hinsichtlich der Art, mit den Zeitzeugen zu arbeiten. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die den Zeitzeugen live erlebt hatten, schätzten ihren Lernerfolg wie auch ihr Interesse an der Unterrichtseinheit deutlich höher ein als diejenigen, die mit den Video- und Text-Zeitzeugenberichten gearbeitet hatten. Tatsächlich hatten sie das Ziel des Unterrichts jedoch weniger gut erreicht: Im Hinblick auf ihre Einsicht in die Grundlagen der historischen Erkenntnis schnitten sie schlechter ab. Die Perspektivität des Zeitzeugen wie auch die Notwendigkeit eines kritischen Umgangs mit Erzählungen über die Vergangenheit hatten sie weniger gut verstanden als die Video- und die Textgruppe.</p><p>Das Ergebnis der Studie könnte auf die in der wissenschaftlichen Literatur häufig diskutierte ‚Aura der Authentizität‘ zurückzuführen sein. „Dass die Zeitzeugen die Vergangenheit leibhaftig miterlebt haben, macht sie so glaubwürdig, dass es den Schülerinnen und Schülern, die sie live erleben, schwerer fällt, die für einen kritischen Umgang notwendige Distanz zu ihren Erzählungen aufzubauen“, erklärt Christiane Bertram, Erstautorin der Studie, die inzwischen über Fachdidaktik in den Sozialwissenschaften an der Universität Konstanz lehrt und forscht. „Sie sind vielleicht so beeindruckt von den Personen und den mündlichen Erzählungen, dass sie deshalb auch ihren Lernerfolg überschätzen“, so Bertram weiter. Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrern empfiehlt sie, die motivationalen Potenziale von Zeitzeugenbefragungen zu nutzen und der Gefahr der möglichen „Überwältigung“ durch gründliche Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zu begegnen. „Die Studie ist ein gutes Beispiel dafür, dass innovative und interessante Unterrichtsangebote wissenschaftlich auf Herz und Nieren geprüft werden sollten, um ihr Potenzial besser zu verstehen und gegebenenfalls ihre Wirkung zu erhöhen“, betont Ulrich Trautwein, Leiter des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. Das Zusammenspiel von Chancen und Risiken von Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht sollte in weiteren Studien untersucht werden.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Bertram, C., Wagner, W. &amp; Trautwein, U. (2017). Learning historical thinking with oral history interviews: A cluster randomized controlled intervention study of oral history interviews in history lessons. American Educational Research Journal. doi: 10.3102/0002831217694833</p><h3>Online-Ausgabe: </h3><p>&lt;link http: journals.sagepub.com doi full&gt;<a href="http://journals.sagepub.com/doi/full/10.3102/0002831217694833" target="_blank" rel="noreferrer">journals.sagepub.com/doi/full/10.3102/0002831217694833</a></p><h3>Weitere Publikation: </h3><p>Bertram, C. (2017). Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen? Eine randomisierte Interventionsstudie (Reihe Geschichtsunterricht erforschen). Schwalbach/Ts.: Wochenschau-Verlag.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Christiane Bertram<br>Universität Konstanz (seit 1.3.2017)<br>Binational School of Education<br>Telefon: +49 157 53092758<br>&lt;link&gt;christiane.bertram@uni-konstanz.de<br>&lt;link http: www.bildungsforschung.uni-konstanz.de fach personen arbeitsgruppe-bertram jun-prof-dr-christiane-bertram&gt;www.bildungsforschung.uni-konstanz.de/fach/personen/arbeitsgruppe-bertram/jun-prof-dr-christiane-bertram/</p><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Universität Tübingen <br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/<br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de <br>&lt;link http: www.lead.uni-tuebingen.de&gt;www.lead.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;www.hib.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14744</guid><pubDate>Wed, 19 Apr 2017 14:16:00 +0200</pubDate><title>Musikinstrument aus der Eiszeit</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/musikinstrument-aus-der-eiszeit/</link><description>Tübinger Wissenschaftler präsentieren rund 40.000 Jahre altes Fragment einer Knochenflöte – Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb könnten im Juli zum Weltkulturerbe werden</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-19Floete_HF_Kombi_Griffloecher.jpg" length="92119" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor 40.000 Jahren haben Menschen Musik gemacht. Dies ist bekannt, seit in den Höhlen der Schwäbischen Alb die ältesten Musikinstrumente weltweit gefunden wurden: Fragmente von Flöten, die Höhlenbewohner während der Eiszeit aus den Knochen von Schwänen und Gänsegeiern oder aus Mammutelfenbein schnitzten.</p><p><br> Professor Nicholas Conard vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen, Leiter der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie, hat heute ein weiteres Fragment erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Die Knochenflöte aus der Vogelherdhöhle ist 42 Millimeter lang und misst im Durchmesser 9,0 Millimeter. Die archäozoologische Bestimmung ergab, dass es sich um einen Knochen in Gänsegeiergröße handelt, der Mittelteil wurde vor rund 40.000 Jahren zum Instrument umgearbeitet. Zwei Ansätze von Grifflöchern sowie die charakteristische Überarbeitung der Oberfläche zeigen, dass hier eine Flöte vorliegt.</p><p><br> Die Flöte wurde im Jahr 2015 bei Sortierarbeiten der ausgeschlämmten Sedimente entdeckt. Diese Sedimente waren zuvor in tausende Plastiksäcke verpackt, sie wurden nach und nach geschlämmt und die darin befindlichen Artefakte im Anschluss nach Fundkategorien aussortiert. Die Flöte wird ‒ neben den anderen eiszeitlichen Fundstücken aus den Höhlen ‒ in der Jubiläumsausstellung „Ursprünge“ im Museum der Universität Tübingen (MUT) zu sehen sein (<a href="http://www.unimuseum.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.unimuseum.de</a>).</p><p><br> In den Höhlen der Schwäbischen Alb wurden bereits einige gesicherte eiszeitliche Flöten aus Vogelknochen und Elfenbein gefunden. Experimentelle Nachbauten haben gezeigt, dass es sich tatsächlich um Flöten handelt, mit denen man musizieren kann.</p><p><br> Die Vogelherdhöhle im Lonetal bei Niederstotzingen ist eine der bedeutendsten archäologischen Fundstellen Deutschlands. Hier wurden schon 1931 die ersten figürlichen Kunstwerke ausgegraben, die heute im Museum der Universität, „Alte Kulturen“, auf Schloss Hohentübingen zu sehen sind. Neugrabungen der Universität Tübingen zwischen 2005 und 2012 lieferten zahlreiche weitere Funde, die Auswertung dauert bis heute an. Vom Vogelherd stammen mit Abstand die meisten figürlichen Kunstwerke und Flötenfragmente, darunter das berühmte Mammut. Im Jahr 2006 gefunden, ist es heute im Archäopark Vogelherd in direkter Nähe zur Fundstelle ausgestellt.</p><p><br> Im Juli entscheidet die UNESCO über die Aufnahme von sechs Höhlenfundstellen in den Tälern der Ach und der Lone (Schwäbische Alb) in die Welterbeliste. In vier eiszeitlichen Fundstellen in den dortigen Höhlen wurden die frühesten Belege für figürliche Kunst und Musikinstrumente weltweit gefunden. Nicht umsonst gilt diese Region als Ort des „Weltkultursprungs“ (<a href="http://welt-kultursprung.de/" target="_blank" rel="noreferrer">http://welt-kultursprung.de/</a>).</p><p><br> „Kulturelle Ursprünge sind ebenso wissenschaftlich faszinierend wie historisch fragil. Gerade deshalb möchte unsere Jubiläumsausstellung ‚Ursprünge. Schritte der Menschheit‘ die Anfänge wichtiger kultureller Entwicklungen in Form von historischen und gegenwärtigen Artefakten buchstäblich greifbar werden lassen“, so MUT-Direktor Professor Ernst Seidl.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="398517" height="150" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-19Hand_mit_Fragment_8961f111e1.jpg" width="225" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="398514" height="150" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-19Fragment_mit_Zollstock_oben_1cd9961ec6.jpg" width="225" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="398513" height="150" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-19Fragment_seitlich_8ae88c0948.jpg" width="225" style></td></tr><tr><td>Das neu entdeckte Fragment stammt von einer Flöte aus Gänsegeierknochen und ist rund 40.000 Jahre alt.<br> 			Foto: V. Marquardt / Universität Tübingen</td><td><p>Charakteristische Bearbeitungsspuren zeigen, dass es sich um eine Flöte handelt.<br> 			Foto: V. Marquardt / Universität Tübingen</p></td><td></td></tr></tbody></table></div></div><p><br> Unter folgendem Link können Sie ein Musikstück hören, das mit einer nachgebauten Eiszeitflöte eingespielt wurde:<br><a href="https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/origins.html#presse" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/origins.html#presse</a><br> Falls Sie das Stück verwenden möchten, nennen Sie bitte folgenden Urhebernachweis: "Seeberger's Lied" von Anna Friederike Potengowski aus dem neuen Album "Edge of Time" (Delphian Records)</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Nicholas J. Conard Ph.D.<br> Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br> Universität Tübingen<br> &amp; Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment<br> Telefon +49 7071 29-72416<br> nicholas.conard(at)uni-tuebingen.de</p><p><br><br> Ewa Dutkiewicz M.A.<br> Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br> Universität Tübingen<br> &amp; Archäopark Vogelherd<br> Telefon +49 7071 29-74074<br> ewa.dutkiewicz(at)uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-19Floete_HF_Kombi_Griffloecher.jpg" lenght="92119" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14347</guid><pubDate>Wed, 19 Apr 2017 10:16:00 +0200</pubDate><title>Universität Tübingen unterstützt „March for Science“</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaet-tuebingen-unterstuetzt-march-for-science/</link><description>„Angriffe auf die Wissenschaft treffen uns alle“ – Demonstration am kommenden Samstag in Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-19Logo_T%C3%BCbingen.jpg" length="212317" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Das Rektorat der Universität Tübingen unterstützt nachdrücklich den „March for Science“, der am kommenden Samstag in mehr als 500 Städten weltweit stattfinden wird. „Angriffe auf die Wissenschaft treffen uns alle, gleichgültig, wo wir forschen, lehren oder studieren“, erklärte der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, am Mittwoch. „Wissenschaft ist heute mehr denn je ein globaler Prozess, von dem Freiheit, Sicherheit und Wohlstand ebenso abhängen wie der Schutz unserer Umwelt.“ Daher dürfe niemand schweigen, wenn staatliche Stellen oder populistische Bewegungen, egal ob rechts oder links, wissenschaftliche Institutionen und ihre Repräsentanten angreifen, wenn Förderprogramme für Geisteswissenschaften, Kunst und den Klimaschutz zusammengestrichen werden.</p><p>„Kritisches Denken, die Überprüfung vorgegebener Wahrheiten und die offene Diskussion über neue Theorien und wissenschaftliche Ergebnisse haben die Grundlagen der modernen Welt gelegt und sie schaffen täglich aufs Neue das Fundament für unsere Zukunft“, sagte Engler. Wer Universitäten und Wissenschaftler drangsaliere und die von ihnen erarbeiteten Erkenntnisse als bloße Meinungsäußerungen darstelle, gefährde diese Zukunft. Aus diesem Grund finde der „March for Science“ ganz bewusst am 22. April statt, dem internationalen Tag der Erde.</p><p>„Ich bin sehr froh, dass sich bereits vor zwei Monaten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Universität, dem Universitätsklinikum und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammengefunden haben, um auch hier in Tübingen einen `March for Science´ zu organisieren“, sagte der Rektor: „Denn es gibt keine Alternative zu Fakten.“ Wie die Allianz der Wissenschaftsorganisationen begrüße und unterstütze auch die Hochschulleitung der Universität Tübingen diese Veranstaltung.</p><p>&lt;link https: sciencemarchtue.wordpress.com&gt;<a href="https://sciencemarchtue.wordpress.com/" target="_blank" rel="noreferrer">sciencemarchtue.wordpress.com</a><br>&lt;link https: www.facebook.com sciencemarchtue&gt;<a href="https://www.facebook.com/ScienceMarchTUE/" target="_blank" rel="noreferrer">www.facebook.com/ScienceMarchTUE/</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Thomas Gasser<br>Universitätsklinikum Tübingen<br>Neurologische Klinik<br>Telefon: +49 7071 29-82048<br>thomas.gasser[at]uni-tuebingen.de</p><p>Prof. Dr. Detlef Weigel<br>Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie<br>Telefon: +49 7071 601-1411<br>Weigel[at]tue.mpg.de<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-19Logo_T%C3%BCbingen.jpg" lenght="212317" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14315</guid><pubDate>Wed, 19 Apr 2017 09:29:00 +0200</pubDate><title>Tübinger Kinder-Uni beginnt am 25. April</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-kinder-uni-beginnt-am-25-april/</link><description>Sechs Vorlesungen für kleine Nachwuchsforscher</description><content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Tübinger Kinder-Uni halten sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Vorlesungen für Kinder und beantworten jeweils eine Frage aus ihrem Fachbereich auf kindgerechte Weise. Die Vorlesungen finden ab 25. April jeweils dienstags um 17 Uhr im Hörsaal 25 im Kupferbau in der Hölderlinstraße 5 statt, am 30. Mai auf der Morgenstelle im Hörsaal N6. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.</p><p>Weil es in der Kinder-Uni fast so zugeht wie in der großen Uni, gibt es auch Kinder-Uni-Studentenausweise, die vor jeder Vorlesung abgestempelt werden. Wer mindestens vier Stempel sammelt, bekommt am Ende ein Kinder-Uni-Diplom. Angesprochen werden Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren. Die Vorlesungen dauern in der Regel nicht länger als eine Dreiviertelstunde. Erwachsene sind bei der Kinder-Uni nicht zugelassen, es sei denn sie kommen in Begleitung eines Kindes und sind bereit zu stehen. Die Sitzplätze sind bei der Kinder-Uni nämlich für Kinder reserviert.</p><p>In der ersten Vorlesung am 25. April schaut Prof. Dr. Matthias Niedenführ gemeinsam mit den Kindern über den Tellerrand und beschäftigt sich mit der Frage „Warum haben chinesische Kinder keine Geschwister?“</p><p>„Schau mal ein Eichhörnchen!“ Jeder kennt Situationen, in denen es unmöglich scheint, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Am 2. Mai gibt die Schulpsychologin Prof. Dr. Caterina Gawrilow Antworten auf die Frage „Warum ist es manchmal so schwer, sich zu konzentrieren?“</p><p>Auch wenn es heute schwer vorstellbar ist: Es gab Zeiten, da lagen die Zentren der Welt hinter Klostermauern. Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Volker Leppin erzählt in seiner Vorlesung am 9. Mai, warum ein Mönch die Welt verändert hat.</p><p>Nicht nur Eltern bestrafen manchmal, auch das Gesetz sieht Strafen vor. Prof. Dr. Jörg Eisele ist Jurist und fragt am 16. Mai „Warum brauchen wir Strafen?“.</p><p>Mathematik ist eigentlich streng logisch, heißt es. Und trotzdem stellen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler merkwürdige Fragen, wie: „Warum sind Geraden manchmal krumm?“ Die Mathematikerin Prof. Dr. Carla Cederbaum kennt eine Antwort und berichtet davon am 23. Mai.</p><p>Am 30. Mai dreht sich im Hörsaalzentrum auf der Morgenstelle alles um Luftballons. Prof. Dr. Stephanie Grond fragt sich und ihre Zuhörer: „Warum kann man einen Luftballon aufblasen?“</p><p>Beim Kinder-Uni-Forschertag am Samstag, den 1. Juli, werden die Kinder wieder selbst zu Forschern und können in Workshops Wissenschaft hautnah erleben. Das Programm und die Kontaktdaten für eine Anmeldung werden am Montag, dem 29. Mai, auf der Homepage der Universität Tübingen bekannt gegeben.</p><p>Die Kinder-Uni-Vorlesungsreihe wird von der Universität Tübingen und dem Schwäbischen Tagblatt gemeinsam veranstaltet und startet dieses Jahr in ihre 15. Saison. 2002 fand sie das erste Mal statt. Die Idee wurde in den darauffolgenden Jahren von über 200 Universitäten in ganz Europa aufgegriffen und 2005 mit einem Preis der Europäischen Union ausgezeichnet, die Gründer erhielten das Bundesverdienstkreuz.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Universität Tübingen <br>Stabsstelle Hochschulkommunikation <br>Simona Steeger <br>Telefon +49 7071 29-77825 <br>Simona.steeger[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14050</guid><pubDate>Tue, 18 Apr 2017 14:55:00 +0200</pubDate><title>Studierst Du noch oder gründest Du schon?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studierst-du-noch-oder-gruendest-du-schon/</link><description>Veranstaltungsreihe Start Up Stories: Wissenschaftsministerin Theresia Bauer diskutiert in Tübingen mit Jungunternehmern ‒ Universität erhält 600.000 Euro zur Förderung der Gründungskultur</description><content:encoded><![CDATA[<p>Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) fördert von 2016 bis 2019 in ausgewählten Hochschulen die Gründungskultur in Studium und Lehre. Im Rahmen dieses neuen Förderprogramms erhält die Universität Tübingen für drei Jahre 600.000 Euro. Aus den Projekt-Mitteln werden bis 2019 die MedTech Startup School (medizintechnologische Startups) und das Social Innovation Programm am Weltethos-Institut (soziale Startups und studentisches Engagement) gefördert. Außerdem befindet sich dank der Förderung ein Innovationslabor (Makerspace) im Stadtnorden im Aufbau, das von gründungsinteressierten Studierenden und Wissenschaftlern genutzt werden kann. Die Fördergelder unterstützen zudem das „Community Building“, den Aufbau eines Netzwerks, durch das die Gründerszene im Raum Tübingen ausgebaut und sichtbar gemacht werden soll.</p><p>Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besucht im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Start Up Stories: Studierst Du noch ‒ oder gründest Du schon?“ alle geförderten Hochschulstandorte, darunter auch Tübingen: Am Dienstag, den 25. April findet von 19 bis 21 Uhr eine Podiumsdiskussion im Konferenzzentrum Casino statt (Schnarrenberg, Uni-Kliniken Berg, Gebäude 520, Otfried-Müller-Str. 6). Die interessierte Öffentlichkeit und Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten unter &lt;link&gt;start-up-stories@mail.de. Der Eintritt ist frei.</p><p>Auf dem Podium diskutieren mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer Dr. Dr. Saskia Biskup (CEGAT GmbH), Dr. Katharina Brandelik (TIL GmbH), Dr. Alexander Ecker (DeepArt UG), Dr. Florian von der Mülbe (Curevac AG) und Michael Wihlenda (Weltethos Institut; Koordinator Social Innovation Programm). Die Veranstaltung moderiert Armin Himmelrath vom Medienbüro Köln (&lt;link http: www.medienbuero-koeln.de himmindex.html&gt;<a href="http://www.medienbuero-koeln.de/himmindex.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.medienbuero-koeln.de/himmindex.html</a>).</p><p>Im Anschluss an die Podiumsdiskussion präsentieren zehn Tübinger Unternehmerinnen und Unternehmer bei einem Gründer-Treff ihre geförderten Projekte. Auch hierbei sind Interessierte und Medienvertreter herzlich willkommen.</p><p>„Start Up Stories“ in den sozialen Medien: &lt;link http: www.facebook.com events&gt;www.facebook.com/events/1666634663642399/ <br>Twitter: #StartupStories @TheresiaBauer</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Lukas Radwan<br>Universität Tübingen<br>Technologietransfer<br>Telefon +49 7071 29-75012<br>&lt;link&gt;lukas.radwan@uni-tuebingen.de</p><p>Web: &lt;link http: bit.ly&gt;<a href="http://bit.ly/2paTsQ0" target="_blank" rel="noreferrer">bit.ly/2paTsQ0</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14102</guid><pubDate>Tue, 18 Apr 2017 14:48:00 +0200</pubDate><title>Braucht die Weltwirtschaft eine neue Vision?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/braucht-die-weltwirtschaft-eine-neue-vision/</link><description>Horst Köhler spricht zum 200-jährigen Jubiläum der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Tübingen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-18_200_Jahre_wiwi_koehler.jpg" length="69008" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Tübingen feiert  200-jähriges Jubiläum. Dazu findet am Donnerstag, den 4. Mai 2017, um 18.00 Uhr c.t. im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz) eine Festveranstaltung statt. Professor Dr. Horst Köhler, Ehrensenator und Honorarprofessor der Universität Tübingen, Bundespräsident a. D. und ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds, spricht zum Thema „Braucht die Weltwirtschaft eine neue Vision?“.</p><p>Grußworte sprechen Professor Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen und Professor Dominik Papies, Sprecher des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft. Die Öffentlichkeit und Medienvertreter sind zu der Festveranstaltung herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Ramona Gresch<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Wirtschaftswissenschaft, Referentin Öffentlichkeitsarbeit<br>Telefon +49 7071 29-78173<br>&lt;link&gt;ramona.gresch@uni-tuebingen.de</p><h3>Interviewanfragen an Prof. Dr. Köhler: </h3><p>Dominic Samuel Fritz ‒ Büro Prof. Dr. Horst Köhler <br>Telefon 030-200 59 76-60<br>&lt;link&gt;buerokoehler@bpra.bund.de</p><h3><br>200 Jahre Wirtschaftswissenschaft</h3><p>1796 wurde der Lehrstuhl für Kameralistik geschaffen und 21 Jahre später als Staatswirtschaftliche Fakultät aus der Philosophischen Fakultät herausgelöst. Die Gründung der Staatswirtschaftlichen Fakultät geschah per Dekret vom 26. Oktober 1817. Die Wirtschaftswissenschaft der Universität Tübingen ist die älteste der heute noch in Deutschland existierenden Wirtschaftsfakultäten. Maßgeblich an der Gründung beteiligt waren Friedrich List und Freiherr von Wangenheim, die das Juristenmonopol in der Staatsverwaltung brechen und die Ausbildung der hohen Verwaltungsbeamten durch ein Studium der wirtschaftlichen und sozialen Zustände im Staate ergänzen wollten.</p><h3>Wirtschaftswissenschaft an der Universität Tübingen 2017</h3><p>Im Fachbereich sind heute 20 Professuren und fünf Juniorprofessuren für rund 2000 Studierende zuständig. Heutige Themen sind beispielsweise: Bankenregulierung, Kapitalmarkthandel, Eurokrise, Internationale Besteuerung, Big Data, statistisch-ökonometrische Methoden, Anreizsysteme, Internationalisierung und nachhaltige Entwicklung. Zu den zehn Honorar- und Gastprofessoren gehören Horst Köhler, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank Jürgen Stark, der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann. Internationalität in Forschung und Lehre ist seit den 80er Jahren besonderer Schwerpunkt. Rund zwei Drittel der Studierenden verbringt ein Auslandssemester in einem von über 40 Ländern. <br>&lt;link http: www.wiwi.uni-tuebingen.de&gt;www.wiwi.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-18_200_Jahre_wiwi_koehler.jpg" lenght="69008" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13729</guid><pubDate>Tue, 18 Apr 2017 10:13:00 +0200</pubDate><title>Riesenfaultier war Vegetarier</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/riesenfaultier-war-vegetarier/</link><description>Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-18_PM_Riesenfaultier1.jpg" length="29163" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Senckenberg-Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem internationalen Team die Ernährung des ausgestorbenen Riesenfaultiers Megatherium untersucht. Anhand von Untersuchungen des fossilen Knochenkollagens kommen die Forscher in ihrer kürzlich im Fachjournal „ScienceDirect“ veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass sich Megatherium ausschließlich vegetarisch ernährte. Über die Ernährungsgewohnheiten der bis zu elefantengroßen, bodenlebenden Tiere wurde bisher viel spekuliert.</p><p><br> Faultiere gehören wohl zu den seltsamsten Lebewesen dieser Erde: mit dem Rücken zum Boden hängend bewegen sie sich im Zeitlupentempo mit ihren sichelförmigen Klauen von Ast zu Ast. „Auch vor 10.000 Jahren gab es schon Faultiere, wie beispielsweise die Art Megatherium“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.</p><p><br> Die ausgestorbenen Verwandten der Faultiere konnten die Größe eines Elefanten erreichen und waren viel zu schwer, um sich längere Zeit in den Bäumen aufhalten zu können. Stattdessen lebten sie am Boden und gruben dort große Bauten. Ihre Ernährung gab lange Zeit Rätsel auf und besonders die langen Krallen an den Händen und Füßen der Tiere führten zu verschiedenen Spekulationen: Nutzten die Faultiere ihre Klauen zum Aufgraben von unterirdischen Insektenkolonien? Waren ihre langen Krallen Jagdwerkzeuge und die riesigen Tiere fraßen Fleisch? Oder ernährten sich die fossilen Vertreter, wie heutige Faultiere, rein vegetarisch? „Dieser Fragestellung sind wir in unserer neuen Studie nachgegangen“, ergänzt Bocherens.</p><p><br> Üblicherweise lassen sich Ernährungsgewohnheiten fossiler Tiere anhand derer Zahnform und -abnutzung ableiten – die Zähne der Riesenfaultiere sind aber nicht mit denen heutiger Tiere vergleichbar. „Wir mussten uns daher einer anderen Methode bedienen und haben die Kohlenstoffisotopenzusammensetzung – den Anteil von Protein- und Mineralgehalt – in den fossilen Faultierknochen gemessen“, erläutert Bocherens und fährt fort: „Unsere Messungen zeigen, dass sich Megatherium ausschließlich pflanzlich ernährte.<br> Bei Fleischfressern ist der Anteil von Proteinen sehr viel höher, als bei Pflanzenfressern, die überwiegend kohlenhydratreiche Nahrung zu sich nehmen. Diese Unterschiede lassen sich in den Isotopen nachweisen. Um ihre Resultate zu untermauern verglichen die Wissenschaftler ihre Daten mit über 200 Knochen rezenter Säugetiere, deren Ernährung bekannt ist sowie mit fossilen Funden von Fleisch- und Pflanzenfressern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Ernährung von Tieren mit dieser Methode auch mehrere tausend Jahre nach ihrem Tod rekonstruieren lässt“, ergänzt der Tübinger Biogeologe.</p><p><br> Kenntnisse über die Ernährungsweisen der Faultiere sind wichtig, um deren Rolle in den vergangenen Ökosystemen zu verstehen. „Zudem können uns die Ergebnisse helfen, die Interaktionen zwischen Megatherium und den ersten Einwohnern Amerikas nachzuvollziehen – deren Lebensräume überlappten für einige Jahrtausende bevor die Riesenfaultiere ausstarben“, gibt Bocherens einen Ausblick.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="398228" height="231" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-18_PM_Riesenfaultier2_d7278f417d.jpg" width="300" style></td><td><br> 			Die Faultiere waren zu schwer um auf den Bäumen zu leben. © Zeichnung von Robert Bruce Horsfall aus „A history of land mammals in the western hemisphere“.</td></tr></tbody></table></div></div><h3>&nbsp;</h3><h3><br> Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Tel. 07071- 29-76988<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a></p><p><br> Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3><br> Publikation</h3><p>Bocherens, H., Cotte, M., Bonini, R., Straccia, P., Scian, D., Soibelzon, L., Prevosti, F.,J., 2017. Isotopic insight on paleodiet of extinct Pleistocene megafaunal xenarthrans from Argentina. Gondwana Research 48: 7-14. <a href="http://doi.org/10.1016/j.gr.2017.04.003" target="_blank" rel="noreferrer">http://doi.org/10.1016/j.gr.2017.04.003</a></p><p>Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.</p><p><br> Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter <a href="http://www.senckenberg.de/presse" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de/presse</a></p><p><br> Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die <strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung </strong>seit nunmehr 200 Jahren.<br> Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</p><p><strong>200 Jahre Senckenberg!</strong> 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: <a href="http://www.200jahresenckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.200jahresenckenberg.de</a></p><p><br> Die <strong>Universität Tübingen </strong>gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-18_PM_Riesenfaultier1.jpg" lenght="29163" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14654</guid><pubDate>Wed, 12 Apr 2017 16:00:00 +0200</pubDate><title>Grabungserfolg: Fast vollständiger Schädel einer Säbelzahnkatze entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/grabungserfolg-fast-vollstaendiger-schaedel-einer-saebelzahnkatze-entdeckt/</link><description>Drittes Individuum einer Säbelzahnkatze in Schöningen gefunden</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-12-Katze1.jpg" length="203155" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Unter der Leitung von Wissenschaftlern des Senckenberg-Forschungsinstituts und von der Universität Tübingen hat das Grabungsteam Überreste einer Säbelzahnkatze in der Fundstelle Schöningen entdeckt. Untersuchungen der Schädelfragmente an der niederländischen Universität Leiden zeigen, dass es sich bei dem Tier um einen Vertreter der europäischen Säbelzahnkatze <em>Homotherium latidens </em>handelt. Durch den neuen Fund sind nun bereits drei Individuen der großen Raubkatzen aus Schöningen bekannt.</p><p>Lange Krallen, messerscharfe, gekrümmte Eckzähne und die Größe eines ausgewachsenen Löwen: Säbelzahnkatzen (<em>Homotherium latidens</em>) waren Konkurrenten und wohl auch für den damaligen Menschen gefährliche Raubtiere. „Während unserer Grabung im Mai 2015 haben wir auffällige Knochenfragmente entdeckt“, erzählt Dr. Jordi Serangeli, Wissenschaftler an der Universität Tübingen und Grabungsleiter in der etwa 300.000 Jahre alten archäologischen Fundstelle und fährt fort: „Insgesamt gibt es nun drei Individuen von <em>Homotherium </em>in diesen relativ jungen Sedimentschichten.“</p><p>Bis zum ersten Fund einer Säbelzahnkatze im Jahr 2012 in der niedersächsischen Fundstelle Schöningen ging man davon aus, dass die großen Raubkatzen bereits 200.000 Jahre früher, vor etwa 500.000 Jahren ausstarben. „Unser Fund zeigt, dass Säbelzahnkatzen vor 300.000 Jahren anscheinend nicht so selten waren, wie bisher angenommen“, ergänzt Serangeli.</p><p>Die insgesamt elf Knochenfragmente konnten mittels Restaurierung 2016 von André Ramcharan und Ivo Verheijen an der Universität Leiden zu einem beinah vollständigen Hirnschädel zusammengesetzt werden. „Wir haben den wiederhergestellten Schädel dann mit heutigen und bereits ausgestorbenen Arten großer Fleischfresser verglichen und konnten so zeigen, dass es sich bei den Überresten um den Kopf einer europäischen Säbelzahnkatze handelt“, erläutert Prof. Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden.</p><p>Der dritte Säbelzahnkatzen-Fund birgt großes Potential: Dank der herausragenden Erhaltung in der Grabung Schöningen spiegelt der Schädelinnenraum die Form und Struktur des <em>Homotherium</em>-Gehirns wider. Das Wissenschaftlerteam verspricht sich durch die Untersuchung der feinen Gehirnstrukturen Rückschlüsse auf das Seh- und Hörvermögen sowie das Fressverhalten der großen Katzen zu erhalten. „Für das Verständnis der europäischen Säbelzahnkatze ist das dritte <em>Homotherium </em>aus Schöningen von unschätzbarem Wert“, resümiert Prof. Nicholas Conard, Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und Leiter des Instituts für ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen.</p><p>In naher Zukunft möchte das internationale Team vom Projekt Schöningen seine Ergebnisse aus interdisziplinären Studien zu den drei bisherigen Säbelzahnkatzen-Funden veröffentlichen. „Wir gehen zudem davon aus, dass uns bei den zukünftigen Grabungen weitere Homotherium-Funde erwarten“, gibt Serangeli einen Ausblick.</p><p>Mit den Grabungen in Schöningen ist ein zehnköpfiges Team dauerhaft beschäftigt – während der Hauptgrabungszeit kommen fünf bis zehn Studierende hinzu, die das wissenschaftliche Graben unterstützen. Weltweit forschen etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 30 Institutionen und den unterschiedlichsten Disziplinen weltweit an den Funden aus Schöningen. Die Ausgrabungen werden vom Land Niedersachsen finanziert.</p><p>Der spektakuläre Neufund wird im Rahmen der Sonderausstellung "Die Eiszeit-Jägerin" im paläon in Schöningen der Öffentlichkeit präsentiert. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Senckenberg, den internationalen Partnern und der paläon GmbH ist es möglich, spektakuläre wissenschaftliche Erkenntnisse zeitnah der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="397655" height="199" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-12-Katze2_27c7f7ad5c.jpg" width="299" style></td><td>Original-Fundlage eines Schädelteils des dritten <em>Homotherium</em>, der am 25. Mai 2015 in der archäologischen Ausgrabung in Schöningen entdeckt wurde. © Univ. Tübingen / Senckenberg</td></tr><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="397652" height="225" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-12-Katze_bf7e7b9221.jpg" width="300" style></td><td>Der fertig restaurierte Hirnschädel der europäischen Säbelzahnkatze. © Univ. Tübingen / Senckenberg</td></tr><tr><td><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="397647" height="225" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-12-Katze1_e226beabfe.jpg" width="300" style></td><td><br> 			Künstlerische Darstellung von <em>Homotherium latidens</em>. © Mauricio Antón</td></tr><tr><td><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="397651" height="225" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-12-Katze3_70a8dc75cd.jpg" width="300" style></td><td>Der Techniker André Ramcharan (Leiden University, Niederlanden) vergleicht einen Fund mit einem Schädelabguss eines <em>Homotherium</em>.© Universität Leiden</td></tr><tr><td><br><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="397650" height="168" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-12-Katze4_7622ae231f.jpg" width="300" style></td><td>Die Knochen wurden zuerst einzeln gescannt, restauriert und dann am Computer wieder zusammengesetzt. © Universität Leiden</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Jordi Serangeli<br> Universität Tübingen /<br> Senckenberg HEP<br> palaeon 1<br> 38364 Schöningen, Deutschland<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,lqtfk0ugtcpignkBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">jordi.serangeli<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br> Tel.: 0178 9219630</p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für<br> Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die <strong>Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung </strong>seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>. </p><p>Die <strong>Universität Tübingen </strong>gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Transnationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><p>&nbsp;</p><p>Die <strong>Universität Leiden </strong>ist eine international ausgerichtete Universität mit erstklassiger, forschungsorientierter und akademischer Ausbildung in Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Die Universität Leiden hat 5,500 Mitarbeiter und 25,000 Studenten.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-12-Katze1.jpg" lenght="203155" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15380</guid><pubDate>Wed, 12 Apr 2017 15:52:00 +0200</pubDate><title>Harald Baayen erhält einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/harald-baayen-erhaelt-einen-advanced-grant-des-europaeischen-forschungsrats/</link><description>Der Linguist an der Universität Tübingen will mit der Projektförderung von rund 2,5 Millionen Euro die Sprachtheorie von der Bindung an Buchstaben lösen</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-12Advanced_Grant_Baayen.jpg" length="89495" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Professor Harald Baayen vom Seminar für Sprachwissenschaft der Universität Tübingen hat einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) eingeworben. Sein Projekt <strong>WIDE </strong>(<strong>W</strong>ide <strong>I</strong>ncremental learning with <strong>D</strong>iscrimination n<strong>E</strong>tworks), wird in den kommenden fünf Jahren mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. In dem Projekt WIDE will Baayen einen tieferen Einblick gewinnen, wie wir in der Alltagssprache Wörter bilden und verstehen.</p><p>Wörter können sich in alltäglichen Unterhaltungen deutlich von der geschriebenen Form unterscheiden: Im Deutschen wird „würden“ häufig als „wün“ ausgesprochen, im Niederländischen „natuurlijk“ (‚natürlich‘) zu „tk“ reduziert, und im chinesischen Mandarin wird 要不然 (jao pu zan, ‚andererseits‘) zu „ui“. Gängigen Theorien zufolge werden die Klangwellen, die unsere Ohren erreichen, zu Abfolgen abstrakter Lauteinheiten reduziert – ähnlich wie die Aneinanderreihung von Buchstaben, die geschriebene Wörter ergeben, berichtet Harald Baayen. Um die Bedeutung einer Äußerung zu erfassen, müssten die stark reduzierten Formen wie „wün“, „tk“ und „ui“ den entsprechenden ungekürzten Formen zugeordnet werden. Wie das als Rechenanleitung im Computer gelingen soll, ist ein bisher ungelöstes Problem.</p><p>Seinem Projekt WIDE legt Baayen den radikalen Vorschlag zugrunde, die buchstabenähnlichen Lauteinheiten ganz beiseite zu lassen und sich stattdessen auf die vielfältigen Details des Sprachsignals selbst zu konzentrieren. Ausgehend von den zehntausenden veränderlichen Merkmalen eines Sprachsignals will der Linguist künstliche neurale Netzwerke durch Versuch und Irrtum lernen lassen, welche Bedeutungen jeweils gemeint sind. In früheren Forschungsarbeiten, die von der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert wurden, konnte er bereits belegen, dass seine Vorgehensweise grundsätzlich Erfolge zeitigt. Im WIDE-Projekt soll dieser Ansatz weiterentwickelt und über das Deutsche hinaus auf andere Sprachen ausgedehnt werden, darunter die tonale Sprache Mandarin und Estnisch, eine komplexe Sprache mit 28 bis 40 verschiedenen Formen eines Substantivs. Im WIDE-Projekt will Baayen auch ein Computermodell zur Formung von Wörtern in der gesprochenen Sprache ohne den Einsatz von buchstabenähnlichen Lauteinheiten entwickeln.</p><p>Der Projektname „WIDE“ hebt einen zweiten Aspekt hervor, in dem das Projekt eine radikale Abkehr von gängigen Ansätzen in der Linguistik und bei der Erforschung der Verarbeitung natürlicher Sprache vornimmt: Statt tiefe vielschichtige lernende Netzwerke zu verwenden, konzentriert sich Baayen auf das Potenzial ‚weiter‘, ausgedehnter, aber nur zweischichtiger Netzwerke mit Zehntausenden von Ein- und Ausgangseinheiten.</p><p>Rolf Harald Baayen, 1958 in den USA geboren, kam 2011 als Alexander von Humboldt-Professor an die Universität Tübingen. Er hat den damals zusätzlich geschaffenen Lehrstuhl für Quantitative Linguistik am Seminar für Sprachwissenschaft der Philosophischen Fakultät inne. Baayen forschte zuvor am Department of Linguistics der University of Alberta, Edmonton, in Kanada. Er gilt als einer der international besten und innovativsten Forscher auf dem Gebiet der Wortschatzforschung und der quantitativen Linguistik. Er ist einer der Pioniere der computergestützten und empirischen Sprachforschung und Psycholinguistik und hat grundlegende Beiträge etwa zum Verständnis der menschlichen Sprachfähigkeit und zur Rolle des Gedächtnisses bei der Sprachverarbeitung geleistet.</p><p>Mit dem Advanced Grant unterstützt der Europäische Forschungsrat etablierte, aktive Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer herausragenden wissenschaftlichen Leistungsbilanz. Jedes Projekt eines Advanced Grants, der in allen Wissenschaftsbereichen vergeben werden kann, wird mit bis zu 2,5 Millionen Euro über maximal fünf Jahre finanziert.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Harald Baayen<br>Universität Tübingen <br>Philosophische Fakultät<br>Seminar für Sprachwissenschaft<br>Telefon +49 7071 29-73117<br>&lt;link&gt;harald.baayen@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-04-12Advanced_Grant_Baayen.jpg" lenght="89495" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14027</guid><pubDate>Mon, 10 Apr 2017 15:00:00 +0200</pubDate><title>Studium Generale der Universität Tübingen im Sommersemester 2017</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/studium-generale-der-universitaet-tuebingen-im-sommersemester-2017/</link><description>Öffentliche Vorlesungsreihen beleuchten Weltliteratur und -politik, wichtige Entwicklungsschritte der Menschheit und einige Tübinger Jubiläen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Sommersemester 2017 startet wieder das Studium Generale der Universität Tübingen. Die neun öffentlichen Vorlesungsreihen sind kostenlos und stehen allen Interessierten offen. Studierende können sich für den Besuch ECTS-Punkte anrechnen lassen. Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstr. 5, statt.</p><p>Im Oktober 1817 wurde die Staatswirtschaftliche Fakultät als fünfte Fakultät der Universität Tübingen gegründet, heute ist der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der älteste seiner Art in Deutschland. Das 200-jährige Jubiläum ist Anlass, in der Reihe <strong>Perspektiven der Wirtschaftswissenschaft ‒ Zum 200-jährigen Tübinger Jubiläum (Montag, 18 Uhr c.t., Hörsaal 21) </strong>aktuelle wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen zu präsentieren. Kooperationspartner ist die Kunsthalle Tübingen. Am 15. Mai findet ein Rundgang durch die Ausstellung „Kapitalströmung“ statt, bei dem wirtschaftswissenschaftliche und künstlerische Sichtweisen aufeinander treffen.</p><p>Ebenfalls ein Jubiläum, das 100-jährige, feiert das Institut für Tropenmedizin. 1917 wurde die erste Professur für Tropenmedizin an der Tübinger Medizinischen Fakultät eingerichtet. In der Reihe <strong>100 Jahre Tropenmedizin an der Universität Tübingen (Montag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25)</strong> beleuchten Mediziner, Biologen und Ethiker die Disziplin unter vielfältigen Aspekten. Auch das Lebenswerk Albert Schweitzers wird Thema sein: Aus seinem „Urwaldhospital“ im afrikanischen Lambaréné ist heute ein weltweiter anerkannter Forschungsstandort geworden.</p><p>Zu ihren Lebzeiten hatten Sie keine nennenswerte Bedeutung, heute gelten sie als Schwergewichte der Weltliteratur: In der Reihe <strong>Hölderlin, Kleist, Kafka: Eigensinnige Klassiker (Montag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 21)</strong> befasst sich Professor Jürgen Wertheimer mit drei Autoren, die ihren Durchbruch nicht selbst erleben durften. Anhand der Biografien und ihrer wichtigsten Werke untersucht er, worin das offensichtliche Potential dieser Schriftsteller für die Zukunft lag.</p><p>Die gesellschaftliche Bedeutung von Ideologien, die soziale Ungleichheiten rechtfertigen, scheint ungebrochen: Mit ihnen lassen sich bestimmte soziale Gruppen als minderwertig und weniger wertvoll degradieren. Als gelebte Überzeugungen sind sie auch heute allgegenwärtig. In der Ringvorlesung <strong>Ideologien der Ungleichheit: Analyse und Kritik (Dienstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21)</strong> untersuchen Referenten auf Einladung von Professor Markus Rieger-Ladich und Professor Marcus Emmerich zeitgenössische Spielarten solcher Ideologien, wie Rassismus, Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit. Die Veranstalter möchten so einen Beitrag zur politischen Urteilsbildung leisten.</p><p>Viele Jahrhunderte lang war Ostasien die wirtschaftlich dynamischste Region der Welt. Nach zahlreichen territorialen Konflikten haben einige Nationalstaaten der Region heute wieder wirtschaftlich und politisch Gewicht. In der Reihe <strong>Ostasien im Umbruch? Politische und ökonomische Veränderungsprozesse in der Region</strong><strong>(Dienstag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 21)</strong> analysiert das China Centrum Tübingen (CCT) den „Wiederaufstieg“ Ostasiens auf der globalen Bühne zu Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts. Beleuchtet werden sowohl ökonomische Erfolgsgeschichten wie die Japans und Chinas als auch die unterschiedlichen politischen Entwicklungen zu Demokratien wie auch zu autoritär regierten Staaten.</p><p>Bundesweit wird 2017 das 500-jährige Jubiläum der Reformation gefeiert. Die Reihe <strong>Reformation in Württemberg (Mittwoch, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21)</strong> des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften beleuchtet speziell den württembergischen Aspekt aus theologischer, historischer und kulturgeschichtlicher Perspektive – und dies bis ins 18. Jahrhundert. Das Themenspektrum reicht von der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich über das Zusammenleben der Konfessionen und die dabei entstehenden Konflikte bis zur württembergischen Musik der Reformationszeit und die Umsetzung der lutherischen Konfession im Bild.</p><p>Zum 20-jährigen Jubiläum des Museums Alte Kulturen im Schloss Hohentübingen lädt das Museum der Universität Tübingen MUT in seiner Reihe <strong>Ursprünge. Schritte der Menschheit (Mittwoch, 20 Uhr c.t., Hörsaal 21)</strong> zu einer Zeitreise ein: Besucht werden zentrale Stationen der menschlichen Kulturgeschichte: der aufrechte Gang, Kunst, Religion und Musik, Krieg, Haus und Hof, Schrift, Demokratie, Globalisierung, Industrialisierung und Digitalisierung.</p><p>Bildung ist keine „Glaubenssache“ mehr, sondern (auch) Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung: In der Reihe <strong>Jenseits von Ideologie und Bauchgefühl: Empirische Bildungsforschung erforscht, wie Bildung gelingt (Donnerstag, 18 Uhr c.t., Hörsaal 21)</strong> stellt LEAD, Graduiertenschule und Forschungsnetzwerk, seine Arbeit vor: Disziplinen wie die Psychologie, Erziehungswissenschaft, Neurowissenschaft, Biologiedidaktik, Sportwissenschaft und Soziologie erforschen hier in Zusammenarbeit, wie Bildungsprozesse gelingen können – sei es auf Ebene des Schülers oder Lehrers, einer Schule oder im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang.</p><p>Ein weiteres Jubiläum: Vor 50 Jahren stellte Walter Jens bei der damaligen Philosophischen Fakultät Antrag auf Gründung eines Seminars für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen. Bis heute ist es das einzige seiner Art in Europa. In der Reihe <strong>Lebendige Rhetorik – 50 Jahre Seminar für Allgemeine Rhetorik (Donnerstag, 20 Uhr c.t., Hörsaal 21)</strong> geben Referenten aus Tübingen und ganz Deutschland Einblick in wichtige Fragestellungen und Forschungsfelder der Rhetorik.</p><p>Das Programm für das Studium Generale im Sommersemester 2017 liegt an der Universität Tübingen und im Buchhandel aus. Es kann zudem unter &lt;link&gt;Sekretariat@hochschulkommunikation.uni-tuebingen.de oder unter Telefon 29-77851 bestellt werden. Im Internet ist es zu finden unter: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles studium-generale.html&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html</p><h3>Kontakt:</h3><p>Antje Karbe<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon +49 7071 29-76789<br>&lt;link&gt;antje.karbe@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13845</guid><pubDate>Mon, 10 Apr 2017 11:02:00 +0200</pubDate><title>Das Gesicht der Haustiere: Wie Domestikation die Gesichtsstrukturen von Tieren verändert</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/das-gesicht-der-haustiere-wie-domestikation-die-gesichtsstrukturen-von-tieren-veraendert/</link><description>Eine Studie zeigt, dass dieser Prozess bei verschiedenen Tierarten unterschiedlich verläuft ‒ Tübinger Paläoanthropologin Katerina Harvati beteiligt</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Vergleich zu ihrer Wildform weisen domestizierte Tiere Veränderungen in Physiologie (beispielsweise Körpergröße und Fellfärbung), Verhalten (fortdauerndes jugendliche Verhaltensweisen) und Anatomie (Gesichtsstrukturen) auf ‒ diese bezeichnet man als „Domestikations-Syndrom“. Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment an der Universität Tübingen und der Pennsylvania State University hat die Auswirkungen dieses Syndroms nun erstmals mit einer statistischen Studie zu Schädelmaßen untersucht. Die Studie wurde im Magazin PlosOne veröffentlicht.</p><p><br> Um herauszufinden, ob die Veränderungen des Domestikations-Syndroms auf eine einzige Ursache zurückzuführen sind, hatte der russische Zoologe Dmitry Belyaev vor Jahrzehnten Selektions-Experimente mit Silberfüchsen durchgeführt. Er ging davon aus, dass Verhalten, vor allem „Gefügigkeit“, der wichtigste Faktor des Domestikationsprozesses sei. Belyaev versuchte, diesen nachzuvollziehen, indem er Generationen von Tieren nach ihrer Fügsamkeit selektierte. Am Ende zeigten die Füchse einige der Veränderungen in Physiologie und Verhalten, wie sie bei domestizierten Tierarten vorkommen. Seitdem vermutet man, dass der Selektionsdruck zu sozialer Toleranz und reduzierter Aggression auch eine Rolle bei der Ausformung der Anatomie von Homo Sapiens gespielt hat ‒ was unter anderem zur Reduzierung der Gesichtsknochen und der grazilen Ausprägung des Skelettes geführt haben könnte.</p><p><br> Gleichzeitig beobachtete Belyaev eine Kolonie von Ratten über 64 Generationen hinweg, auch diese wurden mit Blick auf ein „zahmes bzw. gefügiges“ und „aggressives“ Verhalten gegenüber Menschen selektiv gezüchtet. Deren Schädelmaße hat das Forscherteam rund um die Tübinger Paläoanthropologin Katerina Havarti und Dr. Nandini Singh von der Pennsylvania State University in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Albert von der University of Minnesota nun in einem neuen Ansatz untersucht: Es erfasste erstmals die 3-D-Daten der Schädel der fügsamen wie auch der aggressiven Ratten und wertete diese statistisch aus. Damit sollte Belyaevs Hypothese überprüft werden, dass gefügsames Verhalten und die Veränderungen an Schädeln domestizierter Tiere in Korrelation stehen. Die Studie zeigt, dass die aufgrund ihres gefügsamen Verhaltens gezüchteten Ratten einige, aber nicht alle Merkmale aufwiesen, wie man sie auch bei domestizierten Tieren und den zahmen Silberfüchsen findet.</p><p><br> Ihre statistischen Untersuchungen der Schädelmaße zeigten eindeutige Unterschiede, in den Gesichtsproportionen, wie beispielsweise eine kleinere Schnauzenregion. Allerdings stellten sie bei den „fügsamen“ Ratten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen fest. Auch die sogenannte „Feminisierung“, die bei domestizierten Tieren vorkommt und die Belyaev bei seinen „gefügigen“ Silberfüchsen festgestellt hatte, war hier nicht nachweisbar.</p><p><br> Dies zeige, dass in domestizierten Tieren nicht automatisch alle Elemente des Domestikations-Syndroms auftreten, sondern dass dies von der Tierart abhänge, sagt Professorin Harvati. „Diese Studie bestätigt, dass sich Verhaltensänderungen über Generationen hinweg in großem Maße auf das Erscheinungsbild auswirken können. Experimentelle Untersuchungen an Tieren mit bekannten Lebensdaten weisen uns neue Wege, um Fragen zum Prozess der Tierdomestikation zu untersuchen. Archäologisches Material gibt für derartige Fragen nicht immer Aufschluss.“</p><h3><br> Publikation:</h3><p>Nandini Singh1,2*, Frank W. Albert3,4, Irina Plyusnina5†, Lyudmila Trut5, Svante Pӓӓbo3 and Katerina Harvati1,6: Facial shape differences between rats selected for tame and aggressive behaviors. Plos One, <a href="http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0175043" target="_blank" rel="noreferrer">http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0175043</a></p><h3><br> Kontakt:</h3><p>Professorin Dr. Katerina Harvati<br> Universität Tübingen<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment<br> Leiterin der Paläoanthropologie<br> Telefon: +49 7071 29-76516<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,mcvgtkpc0jctxcvkBkhw0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">katerina.harvati[at]ifu.uni-tuebingen.de</a><br><a href="http://www.geo.uni-tuebingen.de/arbeitsgruppen/urgeschichte-und-naturwissenschaftliche-archaeologie/palaeoanthropologie.html" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.geo.uni-tuebingen.de/arbeitsgruppen/urgeschichte-und-naturwissenschaftliche-archaeologie/palaeoanthropologie.html</a></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16078</guid><pubDate>Fri, 07 Apr 2017 11:00:00 +0200</pubDate><title>Ein unterschätztes Protein wird erhört</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ein-unterschaetztes-protein-wird-erhoert/</link><description>G-alpha-i3 steuert die Entwicklung der Hörfunktion – Anordnung und Ausrichtung feiner Härchen im Innenohr entscheidend</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein bislang unterschätztes Protein trägt entscheidend dazu bei, ob wir in der Lage sind zu hören oder nicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und dem INSERM, Neurocentre Magendie, in Bordeaux sowie aus England und den USA konnten zeigen, dass das Protein G-alpha-i3 die Anordnung und Ausrichtung feiner Härchen im Innenohr steuert, die beim Menschen und vielen an Land lebenden Wirbeltieren für die Hörfähigkeit grundlegend sind. Damit zeigen sie einen neuen Ansatz auf, wie genetisch bedingte Schwerhörigkeit künftig behandelt werden könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im Fachmagazin Nature Communications.</p><p>Im Zentrum der Wahrnehmung akustischer Signale steht die Umwandlung von Schallwellen in elektrische Nervenimpulse. Das ermöglichen die im Innenohr lokalisierten Haarzellen, die hierfür mit Bündeln von feinen Härchen, sogenannten Stereozilien, ausgestattet sind. Der Druck einer Schallwelle lenkt die Stereozilien der Haarzellen entlang der Hörschnecke aus, was zur Umwandlung der Bewegung in einen elektrischen Impuls führt. Um diese Funktion zu erfüllen, sind die Haarzellen bei Menschen und Tieren im Regelfall nach einem bestimmten System ausgerichtet und synchronisiert angeordnet. Die Wissenschaftler sprechen hier von „Polarität“. Störungen in der Architektur dieser sensorischen Haarzellen, ausgelöst etwa durch Gendefekte oder aber auch durch unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneien, können zu Hörstörungen und Taubheit führen.</p><p>Welche molekularen Mechanismen für diese Anordnung der Haarzellen zuständig sind, versteht die Wissenschaft immer noch nicht vollständig. Aus früheren Untersuchungen war jedoch bekannt, dass die für Signalweiterleitungen im Körper zuständigen G-Proteine eine Rolle spielen könnten. Ein Regulator von G-Proteinen, der „G-protein signalling modulator 2“ (Gpsms2), gilt als wesentlich für die Polarität der Haarzellen im Innenohr. Dabei agiert Gpsms2 zusammen mit einem G-alpha-i-Protein. Da letzteres in drei verschiedenen nahezu identischen Varianten vorkommt, glaubte man, dass bei Funktionslosigkeit einer Variante die verbliebenen diese ersetzen können, um die Hörfähigkeit zu erhalten.</p><p>Die Teams von Dr. Mireille Montcouquiol (Bordeaux) und Professor Bernd Nürnberg (Tübingen) hatten bereits nachweisen können, dass nur eine Isoform, nämlich G-alpha-i3, die systematische Anordnung der Haarzellen sicherstellt (Ezan et al., Nature Cell Biology, 2013). Die jetzt publizierte Arbeit beschreibt, dass sowohl die Zahl und Länge als auch die Architektur der Stereozilienbündel auf den Haarzellen in der Hörschnecke durch G-alpha-i3 gesteuert wird. Bei Mäusen, denen G-alpha-i3 fehlt, sind die Zilien verkürzt und weisen eine unkoordinierte Anordnung auf (siehe Abbildung). Die Hörforscher Dr. Lukas Rüttiger und Lewis Lee im Team der Arbeitsgruppe von Professor Marlies Knipper am Hörforschungszentrum in Tübingen wiesen bei den Mäusen zudem Schwerhörigkeit nach.</p><p>Damit wurde nun erstmals gezeigt, dass nicht nur Gpsms2, sondern auch das bislang wenig beachtete und nur scheinbar ersetzbare G-alpha-i3 ein Kandidatengen für genetisch bedingte Schwerhörigkeit darstellt. Tatsächlich gibt es eine Reihe klinischer Berichte über Patienten mit G-alpha-i3-Gendefekten, die unter Schwerhörigkeit leiden. Ziel der weiteren Untersuchungen des Teams ist ein besseres molekulares Verständnis G-Protein-abhängiger Hörverluste, um neue pharmakologische Ansatzpunkte für die Behandlung dieser Formen der Schwerhörigkeit zu finden.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="396695" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-07_Nature_Comm_Hoerfaehigkeit_761b606665.jpg" alt height="612" width="300" style></td><td>Mutationen von G-alpha-i3- bzw. Gpsm2-codierenden Genen beeinträchtigen die Entwicklung sensorischer Stereozilien auf Haarzellen des Innenohrs.  Elektronenmikroskopische Aufnahmen von inneren Haarzellen aus dem Bereich der basalen Cochlea von gesunden Kontrolltieren (oben), konditionalen Gpsm2- (Mitte) bzw. G-alpha-i3- (unten) gendefizienten Mäusen im Alter von fünf Tagen. Auf den Haarzellen der Kontrolltiere (oben) sind die Stereozilien U-förmig angeordnet und besitzen ein Kinozilium (mit gelbem Stern markiert), das sich in der Abbildung zentral oberhalb der Stereozilien befindet. Die Stereozilien selber sind treppenstufenartig in drei bis vier Reihen abnehmender Größe und Durchmesser getrennt vom Kinozilium angeordnet. Im Gegensatz zu gesunden Kontrolltieren ist bei den konditionalen Gpsm2- (Mitte) bzw. G-alpha-i3- (unten) gendefizienten Mäusen der Treppenstufencharakter der Stereozilien verloren gegangen. Die Stereozilien haben in allen Reihen gleiche Größen und Durchmesser. Allerdings sind die Lateralverbindungen benachbarter Stereozilien erhalten (rote Pfeile). (Bilder: Professor Andrew Forge, Ear Institute, UCL London. Abdruck honorarfrei)</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Publikation:</h3><p>Mauriac S.A. et al., Defective Gpsm2/G-alpha-i3 signalling disrupts stereocilia development and growth cone actin dynamics in Chudley McCullough syndrome. <em>Nature Commun</em>. 2017 Apr 7; 8:14907. doi: 10.1038/ncomms14907.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Dr. Bernd Nürnberg<br>Universität Tübingen<br>Interfakultäres Zentrum für Pharmakogenomik und Arzneimittelforschung<br>Abteilung für Pharmakologie und Experimentelle Therapie<br>Telefon +49 7071 29-74590<br>&lt;link&gt;bernd.nuernberg@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16000</guid><pubDate>Thu, 06 Apr 2017 13:39:00 +0200</pubDate><title>Leopold Lucas-Preis 2017 geht an Joachim Gauck</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/leopold-lucas-preis-2017-geht-an-joachim-gauck/</link><description>„Unbeirrtes Engagement für Freiheit und Toleranz“: Evangelische Fakultät der Universität Tübingen zeichnet ehemaligen Bundespräsidenten aus ‒ Nachwuchswissenschaftlerpreis für Philosoph Dahan Fan </description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an den ehemaligen Bundespräsidenten Dr. h. c. Joachim Gauck. Die Evangelische Fakultät würdigt mit der Auszeichnung sein unbeirrtes Engagement für Freiheit und Toleranz wie auch für solide und quellenorientierte wissenschaftliche Arbeit. Gauck trete auch in Zeiten eines wachsenden politischen Populismus stets gegen eine Verzeichnung geschichtlicher Wirklichkeit aus politischen Gründen ein, erklärte die Jury. Die Auszeichnung wird <strong>am Dienstag, den 16. Mai 2017, um 17 c. t. Uhr im Festsaal der Universität Tübingen (Neue Aula, Geschwister Scholl-Platz) </strong>überreicht. Die Veranstaltung ist öffentlich.</p><p>Durch den mit 50.000 Euro dotierten Preis werden hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung sowie der Philosophie gewürdigt. Ein Anliegen ist es, besonders solche Persönlichkeiten zu ehren, die sich um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht und so die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern gefördert haben.</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler geht in diesem Jahr auf Vorschlag der Philosophischen Fakultät an den herausragenden Kantforscher Dahan Fan. Der Philosoph wird für seine Dissertationsschrift „Die Problematik der Interesselosigkeit bei Kant:‎ Eine Studie zur <em>Kritik der ästhetischen Urteilskraft</em>‎.“ ausgezeichnet.</p><p><strong>Joachim Gauck</strong> (geb. 1940 in Rostock) amtierte von März 2012 bis März 2017 als elfter Bundespräsident. Der Theologe stand von 1965 bis 1990 im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitet viele Jahre als Pastor. Er war 1989 Mitbegründer des Neuen Forums und Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur. Von 1991 bis 2000 war Gauck Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen der Stasi. Zudem war er von 2003 bis 2012 Bundesvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“.</p><p>Für sein Wirken wurde Joachim Gauck mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter die Theodor-Heuss-Medaille, der Geschwister-Scholl-Preis, der Europäische Menschenrechtspreis und der Ludwig-Börne-Preis. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena, Augsburg, der National University of Ireland/Galway, der Hebrew University of Jerusalem, der Université Paris-Sorbonne sowie der Universität Maastricht.</p><p><strong><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="396667" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-04-06Leopold_Lucas-Preis_2017_c844ee7bd8.png" alt="Dahan Fan. Foto: privat" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Dahan Fan. Foto: privat" height="133" width="100">Dahan Fan </strong>(geb. 1979 in der chinesischen Provinz Hebei) studierte an Chinas führender Hochschule, der Beida (Peking University) Philosophie, Ökonomie und Germanistik. Anschließend kam er nach Tübingen, um seine Studien fortzusetzen und seine Promotion abzuschließen. Seine (in Deutsch geschriebene) Dissertation wurde von Professor Otfried Höffe betreut und mit der höchsten Note bewertet. Sie beschäftigt sich mit der sowohl für die Kantforschung wie für die Ästhetikforschung wichtigen Frage nach der Interesselosigkeit im Bereich des Schönen und Erhabenen. Durch eine überaus gründliche und philosophisch umsichtige Interpretation sei es ihm hierbei gelungen, sowohl die bisherigen Forschungsansätze weit hinter sich zu lassen, als auch das Thema mit einer neuen Klarheit zu entfalten, sagt Professor Höffe. <br>Foto: privat</p><p>Der Dr. Leopold Lucas-Preis wurde 1972 von Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Universität Tübingen, gestiftet ‒ aus Anlass des 100. Geburtstages seines Vaters, des jüdischen Gelehrten Dr. Leopold Lucas. Dieser wirkte als Rabbiner in Glogau und zuletzt an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der zu seinem Gedächtnis gestiftete Preis wird jährlich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Namen der Universität Tübingen verliehen.</p><p>Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gelehrte wie Schalom Ben-Chorin (1974), Karl Raimund Popper (1981), Karl Rahner (1982), Fritz Stern und Hans Jonas (1984), Paul Ricoeur (1989), Moshe Zimmermann (2002), Dieter Henrich (2008) und Seyla Benhabib (2012) aber auch Repräsentanten religiösen Lebens wie der 14. Dalai Lama (1988) sowie Vertreter aus Kultur und Politik wie der senegalesische Dichter und Staatspräsident Léopold Sédor Senghor (1983) und Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (2000). Im vorigen Jahr wurde der polnische Lyriker und Essayist Adam Zagajewski ausgezeichnet.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly<br>Universität Tübingen<br>Evangelisch-Theologische Fakultät<br>Telefon +49 7071 29-72590<br>&lt;link&gt;ev.theologie@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15882</guid><pubDate>Thu, 06 Apr 2017 09:31:00 +0200</pubDate><title>GERDA-Experiment: Beste Aussichten für den Nachweis eines extrem seltenen radioaktiven Zerfalls</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/gerda-experiment-beste-aussichten-fuer-den-nachweis-eines-extrem-seltenen-radioaktiven-zerfalls/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Warum gibt es im Universum mehr Materie als Antimaterie? Die Ursache dafür vermuten Physiker in den Eigenschaften des Neutrinos: Die Elementarteilchen könnten ihre eigenen Antiteilchen sein und dann sollte ein extrem seltener radioaktiver Zerfall existieren: der neutrinolose doppelte Betazerfall (0νββ). Bei der Suche nach diesem sehr speziellen Kernzerfall hat das GERDA Experiment einen sehr wichtigen Fortschritt erzielt: Die GERDA-Wissenschaftler konnten die Anzahl an Störsignalen – auch Untergrund genannt – so weit reduzieren, dass GERDA jetzt das erste Experiment auf diesem Gebiet ohne Störsignale ist, wie Nature berichtet.</p><p><br>Neutrinos sind sehr schwer nachzuweisende Teilchen. Sie spielen eine wichtige Rolle in Prozessen in der Sonne, bei Supernova-Explosionen und der Entstehung der ersten Elemente im Universum. Die Erforschung ihrer Eigenschaften hat unser Verständnis dieser Elementarteilchen deutlich erweitert – wie etwa die vier Nobelpreise für Neutrino-Forschung belegen. Eine grundlegende Frage ist allerdings noch offen: Sind Neutrinos Majorana-Teilchen, also ihre eigenen Antiteilchen? In diesem Fall würde der 0νββ-Zerfall existieren. Die theoretische Physik liefert dafür starke Argumente, und auch das Fehlen von Antimaterie im Universum ließe sich auf die Majorana-Natur des Neutrinos zurückzuführen.</p><p><br>Der "normale" doppelte Betazerfall ist ein seltenes Ereignis. Dabei zerfallen zwei Neutronen gleichzeitig in zwei Protonen, zwei Elektronen und zwei Antineutrinos. Er wurde bei einigen Kernen wie Germanium-76 nachgewiesen, bei denen kein einfacher Beta-Zerfall möglich ist. Die Elektronen und Antineutrinos verlassen den Kern, wobei sich nur die Elektronen nachweisen lassen. Dagegen verlassen beim 0νββ-Zerfall keine Neutrinos den Kern und die Summe der Energien der Elektronen entspricht einem gut bekannten Wert. Dessen Messung ist der entscheidende Nachweis des 0νββ-Zerfalls.</p><p><br>Aufgrund der weitreichenden Konsequenzen für unser Verständnis der Elementarteilchen und der Kosmologie gibt es weltweit rund ein Dutzend Experimente die mit unterschiedlichen Techniken und Isotopen nach dem 0νββ-Zerfall suchen. Das GERDA-Experiment ist eines der führenden Experimente auf diesem Gebiet und wird von einem europäischen Forschungsverbund durchgeführt. Es befindet sich im Untergrundlabor Laboratori Nazionali del Gran Sasso der italienischen Forschungseinrichtung INFN (&lt;link https: www.lngs.infn.it&gt;<a href="https://www.lngs.infn.it" target="_blank" rel="noreferrer">www.lngs.infn.it</a>).</p><p><br>GERDA arbeitet mit hochreinen Germaniumdetektoren, die mit dem Isotop Germanium-76 angereichert sind. Germanium ist gleichzeitig das Material für die Quelle des Zerfalls und für den Detektor zum Nachweis. Außerdem werden nur wenige zusätzliche Materialien benötigt; das führt zu einem geringen Untergrund und einer hohen Nachweiseffizienz. Die ausgezeichnete Energieauflösung der Detektoren und die neuartigen experimentellen Techniken haben zu einer bisher unerreichten Unterdrückung von Störereignissen geführt. Da die Halbwertszeit für den 0νββ-Zerfall um viele Größenordnungen größer ist als das Alter des Universums, ist die Reduzierung von Untergrundereignissen entscheidend für die Nachweisempfindlichkeit des Experiments.</p><p><br>Die Germaniumdetektoren werden in einem 64 Kubikmeter großen Behälter betrieben, der mit flüssigem Argon mit einer Temperatur von minus 186 Grad Celsius gefüllt ist. Dieser befindet sich in einem 590 Kubikmeter großen Tank mit hochreinem Wasser. Dieser Aufbau wird vom Bergmassiv des Gran Sasso vor kosmischer Strahlung abgeschirmt. Das verwendete Argon und Wasser eignen sich gut zur Abschirmung der natürlichen Radioaktivität der Umgebung. Aufgrund ihrer Reinheit tragen sie selbst nur geringfügig zum Untergrund bei. Die Instrumentierung mit lichtempfindlichen Detektoren in beiden Flüssigkeiten bietet weitere Möglichkeiten für die Identifizierung von Untergrund.</p><p><br>Mittels dieser Innovationen konnten Untergrundereignisse so weit reduziert werden, dass GERDA nun das erste Untergrund-freie Experiment auf diesem Gebiet ist. In den ersten fünf Monaten der Messlaufzeit wurde kein 0νββ-Zerfall registriert, woraus sich eine neue untere Grenze für die Halbwertszeit des Zerfalls von 5 mal 1025 Jahre ableiten lässt. Bis zum Ende der Messungen im Jahr 2019 sollte sich im entscheidenden Energiebereich kein Untergrundsignal zeigen und sich die Messempfindlichkeit auf 1026 Jahre erhöhen. GERDA ist somit bestens gerüstet, das Signal eines 0νββ-Zerfalls zu messen, das sich durch eine geringe Anzahl von Ereignissen im erwarteten Energiebereich zeigen würde.</p><p><br>GERDA ist ein europäischer Zusammenschluss von über 100 Physikerinnen und Physikern aus Deutschland, Italien, Russland, der Schweiz, Polen und Belgien (&lt;link http: www.mpi-hd.mpg.de gerda&gt;<a href="http://www.mpi-hd.mpg.de/gerda" target="_blank" rel="noreferrer">www.mpi-hd.mpg.de/gerda</a>).</p><p><br>In Deutschland beteiligte Institute: Technische Universität Dresden, Max-Planck-Institut für Kernphysik, Max-Planck-Institut für Physik, Technische Universität München, Eberhard Karls Universität Tübingen.</p><h3><br>Originalpublikation:</h3><p>GERDA Collaboration: Background-free search for neutrinoless double-β decay of 76Ge with GERDA; Nature, 06 April 2017<br>DOI: 10.1038/nature21717</p><p><br>Daten, Bilder, Fotos:<br>&lt;link https: www.mpi-hd.mpg.de gerda public index.html&gt;<a href="https://www.mpi-hd.mpg.de/gerda/public/index.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.mpi-hd.mpg.de/gerda/public/index.html</a></p><h3><br>Ansprechpartner:</h3><p>Prof. Dr. Kai Zuber<br>Institut für Kern- und Teilchenphysik<br>Technische Universität Dresden<br>E-Mail: &lt;link&gt;zuber@physik.tu-dresden.de<br>Tel.: +49 351 463 42250</p><p><br>Dr. Bernhard Schwingenheuer<br>GERDA Sprecher<br>Max-Planck-Institut für Kernphysik (MPIK), Heidelberg<br>E-Mail: &lt;link&gt;bernhard.schwingenheuer[at]mpi-hd.mpg.de<br>Tel.: +49 6221 516 614</p><p><br>Dr. Bela Majorovits<br>Max-Planck-Institut für Physik, München<br>E-Mail: &lt;link&gt;bela[at]mpp.mpg.de<br>Tel.: +49 89 323 54 262</p><p><br>Prof. Dr. Stefan Schönert<br>GERDA Co-Sprecher<br>Physik Department und Exzellenzcluster Universe<br>Technische Universität München<br>E-Mail: &lt;link&gt;schoenert[at]ph.tum.de<br>Tel.: +49 89 289 12511</p><p><br>Prof. Dr. Josef Jochum<br>Physikalisches Institut<br>Eberhard Karls Universität Tübingen<br>E-Mail: &lt;link&gt;Josef.Jochum[at]uni-tuebingen.de<br>Tel.: +49 7071 29 74453</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13704</guid><pubDate>Fri, 31 Mar 2017 09:01:00 +0200</pubDate><title>Rettungsaktion sichert drei Tonnen Archivmaterial</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/rettungsaktion-sichert-drei-tonnen-archivmaterial/</link><description>Überraschende Ausbeute: Experten holen wertvolle Dokumente aus abgebranntem Archiv des Tübinger Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-31Rettung_Archivalien_LUI_1.jpg" length="60949" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Brand eines Institutsgebäudes der Universität Tübingen ist es überraschend gelungen, wesentliche Teile aus dem Archiv der Alltagskulturen zu retten: Insgesamt drei Tonnen Material konnten Spezialisten und freiwillige Helferinnen und Helfer aus den ehemaligen Räumen des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft (LUI) bergen. Das Gebäude  in der Tübinger Biesingerstraße war vergangene Woche unter tragischen Umständen abgebrannt.</p><p><br>In einer Gemeinschaftsaktion hatten das Tübinger Amt Vermögen und Bau (VBA), eine Spezialfirma und Institutsangehörige sich um die Rettung der seltenen oder gar einmaligen Dokumente bemüht. Zunächst seien die einsturzgefährdeten Bauteile und der Dachstuhl abgetragen worden, berichtet Bernd Selbmann, Leiter des VBA, das die Liegenschaften des Landes Baden-Württemberg verwaltet. „Danach konnten wir mit einem Statiker ein Bergungskonzept erstellen, die Decken einzelner Räume abstützen und Außengerüste aufstellen.“ Nach dem Brand konnte so ein gesicherter Experte Räume durch die Fenster betreten und Archivalien bergen. 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierende des LUI waren freiwillig vor Ort, um Archivmaterial zu sichten. Noch vor Ort verpackten sie trockenes Material zur Lagerung und vom Löschwasser durchnässtes Material zum Weitertransport: Eine Spezialfirma wird dieses zunächst einfrieren, um den drohenden Verfall zu stoppen.</p><p><br>Gerettet werden konnten so rund 500 Tonbänder des Arno-Ruoff-Archivs sowie die dazugehörigen Manuskripte, das Zeitungsausschnitts-Archiv aus den 1930er bis 1990er Jahren, ca. 350 Ordner des LUI-Projektarchivs und ca. 250 Ordner des Institutsarchivs sowie Forschungsmaterialien des Kulturwissenschaftlers Professor Hermann Bausinger. In einer zweiten Rettungsaktion soll nun von einer an einem Autokran hängenden Gondel aus die Foto- und Diasammlung geborgen werden. Endgültig verloren sind das Film- und Tonarchiv und ca. 2200 Fachbücher.</p><p><br>Alle Beteiligten zeigten sich glücklich über die unerwartete Ausbeute: „Das war eine großartige Gemeinschaftsleistung, der Aufwand war enorm“, sagt Sabine Müller-Brem, Kustodin der Sammlung für Alltagskultur. „Jeder Ordner musste einzeln in Kisten aus dem Haus geholt, gesichtet und umgepackt werden. Aber es hat sich gelohnt: Viele der Dokumente hatten wir schon verloren geglaubt. Nun können sie für die Fachwelt und künftige Studierende erhalten bleiben.“</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="395381" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-31Rettung_Archivalien_LUI_2_265e6d268c.jpg" alt height="366" width="244" style></td><td>Mitarbeiterinnen des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft untersuchen geborgenes Material auf Wasserschäden. Foto: Ulrich Hägele</td></tr><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="395377" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-31Rettung_Archivalien_LUI_3_8da024d690.jpg" alt height="325" width="244" style></td><td>Professor Hubert Klausmann (LUI) nimmt gerettete Tonbänder aus dem Arno-Ruoff-Archiv entgegen.<br>Foto: Ulrich Hägele</td></tr><tr><td><br><img data-htmlarea-file-uid="395382" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-31Rettung_Archivalien_LUI_4_2ea46006bc.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td><br>Das gerettete Archivgut wird für den Weitertransport verpackt. Foto: Ulrich Hägele</td></tr></tbody></table></div></div><h3><br>Kontakt: </h3><p>Sabine Müller-Brem<br>Universität Tübingen<br>Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft<br>Telefon +49 7071 29-78391<br>&lt;link&gt;sabine.mueller-brem@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-31Rettung_Archivalien_LUI_1.jpg" lenght="60949" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13456</guid><pubDate>Thu, 30 Mar 2017 09:33:00 +0200</pubDate><title>Wissenschaft erleben an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wissenschaft-erleben-an-der-universitaet-tuebingen/</link><description>Spitzenforschung auf Augenhöhe und zum Mitmachen gibt es am 28. April beim Tübinger Fenster für Forschung (TÜFFF) </description><content:encoded><![CDATA[<p>Können Computerspiele Krankheiten heilen helfen? Was wissen soziale Medien über uns? Gab es King Kong wirklich? Was ist ein Massenspektrometer? Warum fliegen Vögel? Wie funktioniert ein 3D-Drucker? Für kleine und große Neugierige gibt es Antworten auf diese und viele weitere Fragen beim dritten <strong>„Tübinger Fenster für Forschung“ (TÜFFF)</strong>. <strong>Am Freitag, den 28. April 2017</strong>, können Besucherinnen und Besucher aller Altersstufen <strong>von 15 bis 22 Uhr im Hörsaalzentrum der Naturwissenschaften (Auf der Morgenstelle 16)</strong> einen Blick hinter die Kulissen von Universität, Klinikum und außeruniversitären Forschungsinstituten werfen.</p><p><br>Wissenschaft zum Ausprobieren und Mitmachen gibt es beim Markt der Möglichkeiten. Zwischen 15 und 21 Uhr stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an über 40 Stationen ihre Forschungen vor und laden ein zum Experimentieren, Ausprobieren und Fragen stellen. Besucherinnen und Besucher können sich beispielsweise an Reaktionszeittests versuchen, am Multi-Touch-Tisch ein Zahlentraining absolvieren, aus einem Smartphone ein Mikroskop basteln, Computerspiele für Patienten testen, einen 3D-Drucker bei der Arbeit beobachten, ein Persönlichkeitsprofil erstellen lassen und vieles mehr.</p><p><br>Bei neun Themenführungen zwischen 15 und 19.45 Uhr dürfen Neugierige die Forschungsräume vor Ort erkunden. Bei einem Rundgang durch die Labore der Arbeitsgruppe Vegetationsökologie beispielsweise wird unter anderem die Frage geklärt, ob Lernen auch ohne Gehirn funktioniert. Ein hochauflösendes Massenspektrometer kommt bei einer Führung durch das Proteom Centrum Tübingen zum Einsatz.</p><p><br>Außerdem werden sieben Workshops angeboten: dort kann man zum Beispiel mit dem Graduiertenkolleg „Religiöses Wissen“ Tübinger Geschichte multimedial erkunden. Das Musikwissenschaftliche Institut bietet die Möglichkeit, ein Konzert nicht nur hörend sondern auch lesend zu erleben. Ein Crashkurs „Führungsethik“ gibt Gelegenheit, mit den Forscherinnen und Forschern vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften über Führungsverantwortung nachzudenken.</p><p><br>Vier Vorträge runden das Programm ab: Ein Archäologe gibt Einblick zu neuesten Erkenntnissen über den echten King Kong. In den Weltraum entführt der Vortrag eines Astronomen über Zusammenstöße im All. Gemeinsam mit den Zuhörern und Zuhörerinnen denkt ein Religionswissenschaftler über Luther und die Kabbala nach und ein Neurologe berichtet über Hirnschrittmacher bei Parkinson-Patienten.</p><p><br>Den krönenden Abschluss des TÜFFF bildet erneut der Science Slam: kreativ und bunt stellen junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von 20 bis 22 Uhr im Hörsaal N6 ihre Forschungsergebnisse vor. Von PowerPoint bis Pantomime ist alles möglich – am Ende entscheidet das Publikum, welcher Vortrag am besten gefallen hat.</p><p><br>Alle Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig; bei einigen Programmpunkten sind die Teilnehmerzahlen begrenzt.</p><p><br>Das gesamte Programm finden Sie unter &lt;link http: www.uni-tuebingen.de tuefff&gt;www.uni-tuebingen.de/tuefff</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Simona Steeger<br>Universität Tübingen<br>Hochschulkommunikation<br>Telefon  +49 7071 29-77825<br>&lt;link&gt;simona.steeger[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15830</guid><pubDate>Wed, 29 Mar 2017 13:47:00 +0200</pubDate><title>Preisträger des Würth-Literaturpreises 2017 bekannt gegeben</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/preistraeger-des-wuerth-literaturpreises-2017-bekannt-gegeben/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Jury des Würth-Literaturpreises hat ihre Entscheidung über die Vergabe des Würth-Literaturpreises 2017 bekannt gegeben. Der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte Preis wird an Stefan Petermann aus Weimar für seinen Text „Trockenschwimmen“ (1. Preis, 5.000 Euro) und an Synke Köhler aus Berlin für ihren Text „Die Vermessung der Gehwegplatten“ (2. Preis, 2.500 EUR) vergeben.</p><p><br>Das Thema der Ausschreibung stellte die Autorin Siri Hustvedt während der Tübinger Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen 2016. Es lautete: After I met you, I saw myself as another. Prämiert werden Prosa-Texte mit einer Länge von ca. 10.000 Zeichen, die überzeugend eigene sprachliche Wege gehen. Die Texte werden der Jury in anonymisierter Form vorgelegt.</p><p><br>Die Jury des Würth-Literaturpreises bilden: Hans-Ulrich Grunder (Erziehungswissenschaftler, Basel); Dorothee Kimmich (Literaturwissenschaftlerin und Organisatorin der Poetik-Dozentur, Universität Tübingen); Karl-Heinz Ott (Schriftsteller, Freiburg); Manfred Papst (Leiter der Kulturredaktion, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag); Thomas Scheuffelen (Professor für Literaturwissenschaft, TU Darmstadt) sowie Philipp Alexander Ostrowicz (Copenhagen Business School, Kopenhagen, Dänemark).</p><p><br>Weitere zwölf Erzählungen aus dem Wettbewerb werden zusammen mit den Texten der Preisträger in die Anthologie des Würth-Literaturpreises aufgenommen. Der Band erscheint im September 2017 im Swiridoff-Verlag, Künzelsau. Die Preisverleihung wird im Herbst 2017 im Museum Würth in Künzelsau stattfinden. Weitere Informationen unter: &lt;link http: www.poetik-dozentur.de&gt;www.poetik-dozentur.de</p><p><br>Der Würth-Literaturpreis wird vergeben von der Stiftung Würth in Kooperation mit der Adolf Würth GmbH &amp; Co. KG.</p><h3><br>Kontakt:</h3><p>Philipp A. Ostrowicz MA – Vorsitzender der Jury <br>Universität Tübingen<br>Deutsches Seminar <br>Telefon +40 7071 29-74261 <br>&lt;link&gt;ostrowicz[at]poetik-dozentur.de</p><p><br>&lt;link http: www.poetik-dozentur.de&gt;www.poetik-dozentur.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15320</guid><pubDate>Wed, 29 Mar 2017 00:30:00 +0200</pubDate><title>Neuer Wirkstoff zur Malariavorbeugung liefert erste vielversprechende Ergebnisse</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-wirkstoff-zur-malariavorbeugung-liefert-erste-vielversprechende-ergebnisse/</link><description>Tropenmediziner der Universität Tübingen belegen Wirksamkeit an freiwilligen Probanden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Weltweit mehr als 100 Millionen Reisende aus nicht-tropischen Regionen besuchen jedes Jahr Malariagebiete. Etwa 30.000 infizieren sich mit dem gefährlichen Erreger <em>Plasmodium falciparum</em>, der von Anopheles-Mücken übertragen wird. Noch wesentlich mehr Malariafälle gibt es durch Reisen innerhalb der Tropen und bei Risikogruppen wie Kindern und Schwangeren. Für die Malariavorbeugung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Manche können jedoch schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen; andere gelten als gut verträglich, müssen aber täglich eingenommen werden. Die vergessene Einnahme bildet aktuell den größten Risikofaktor für Reisende, an Malaria zu erkranken. Unter der Leitung von Professor Peter Kremsner und Dr. Benjamin Mordmüller vom Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen sowie dem Deutschen Zentrum für Infektionsmedizin (DZIF) haben Wissenschaftler nun den neuen Wirkstoff DSM265 ersten klinischen Tests unterzogen. In einer Studie, unterstützt von MMV (Medicines for Malaria Venture) und dem DZIF, mit freiwilligen gesunden Probanden, die nach Einnahme des Wirkstoffs mit Malariaerregern infiziert wurden, zeitigte DSM265 eine gute vorbeugende Wirkung. Die Studie wurde in der medizinischen Fachzeitschrift The <em>Lancet Infectious Diseases</em> veröffentlicht.</p><p>Die Ansprüche in Sachen Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit sind bei prophylaktischen Medikamenten besonders hoch. „Sie werden von gesunden Personen eingenommen, die durch das Leben außerhalb von Malariagebieten keinerlei erworbene Immunität gegen die Erkrankung aufgebaut haben“, erklärt dr. Mihály Sulyok vom Tropeninstitut und dem DZIF, der Erstautor der Studie. DSM265 ist der am weitesten entwickelte Wirkstoff einer neuen Generation von Malariamedikamenten, der nach Einschätzung der Wissenschaftler das Potenzial zur vorbeugenden Wirksamkeit hat. Das Mittel, das oral eingenommen wird, hemmt die Dihydroorotat-Dehydrogenase, ein Enzym in der Stoffwechselkette, die zur Synthese von Pyrimidin führt. Pyrimidin bildet unter anderem den Grundkörper wichtiger Bausteine der DNA, der Trägerin der Erbinformation. Die Wissenschaftler machen sich dabei eine Achillesferse des Malariaerregers zunutze: Im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen ist der Malariaerreger auf die Pyrimidin-Neusynthese angewiesen. Seine Vermehrung in der menschlichen Leber und im Blut wird durch den <em>Plasmodium</em>-spezifischen Enzymhemmer ausgebremst. „Theoretisch kann DSM265 eine Infektion mit <em>Plasmodien </em>gleich nach dem Mückenstich stoppen“, sagt Professor Kremsner.</p><p>In der Studie erhielten 21 freiwillige gesunde Probanden, die niemals zuvor an Malaria erkrankt wa-ren, DSM265 in einmaliger Dosis, ein etabliertes Malariamedikament oder ein Placebo. Der Versuch war doppelblind angelegt, das heißt, dass weder die Probanden noch die Wissenschaftler im Voraus wussten, welcher Proband welcher Gruppe angehörte. Einen oder sieben Tage nach der Einnahme von DSM265 wurden alle Probanden unter kontrollierten Bedingungen mit Malariaerregern infiziert. „Wie zu erwarten war, vermehrten sich die Malariaerreger im Körper der Placebo-Gruppe ungestört. Die Probanden, die DSM265 einen Tag zuvor eingenommen hatten, waren vor der Infektion geschützt“, fasst Dr. Mordmüller zusammen. „Die Einnahme sieben Tage vor der Infektion war nur teilweise wirksam, sollte aber zum Beispiel durch eine Erhöhung der Dosis verbessert werden können.“ Alle Probanden hätten das Mittel gut vertragen. „Es sind sicherlich noch viele Studien not-wendig. Doch dieser erste klinische Versuch ist sehr vielversprechend verlaufen“, zeigt sich dr. Sulyok erfreut. Nun könne die Entwicklung von DSM265 als Mittel zur Malariaprophylaxe mit Lang-zeitwirkung weiter vorangetrieben werden.</p><h3>Publikation:</h3><p>Mihály Sulyok, Thomas Rückle, Alexandra Roth, Raymund E Mürbeth, Stephan Chalon, Nicola Kerr, Sonia Schieper Samec, Nathalie Gobeau, Carlos Lamsfus Calle, Javier Ibanez, Zita Sulyok, Jana Held, Tamirat Gebru, Patricia Granados, Sina Brückner, Christian Nguetse, Juliana Mengue, Albert Lalremruata, Kim Lee Sim, Stephen L Hoffman, Jörg J Möhrle, Peter G Kremsner, Benjamin Mordmüller: DSM265 for <em>Plasmodium falciparum</em> chemoprophylaxis: a randomised, double blinded, phase 1 trial with controlled human malaria infection. <em>The Lancet Infectious Diseases</em>, &lt;link http: dx.doi.org&gt;<a href="http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(17)30139-1" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(17)30139-1</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Peter Kremsner<br>Universitätsklinikum Tübingen/Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Deutsches Zentrum für Infektionsforschung<br>Telefon +49 7071 29-87179<br>&lt;link&gt;Peter.kremsner@uni-tuebingen.de</p><p>Dr. Benjamin Mordmüller<br>Universitätsklinikum Tübingen/Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Deutsches Zentrum für Infektionsforschung<br>Telefon +49 7071 29-85446<br>&lt;link&gt;benjamin.mordmueller@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14894</guid><pubDate>Tue, 28 Mar 2017 13:42:00 +0200</pubDate><title>Mehr Matheunterricht lockt Frauen nicht in MINT-Berufe</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mehr-matheunterricht-lockt-frauen-nicht-in-mint-berufe/</link><description>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchten Gender-Effekte der Oberstufenreform</description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine Erhöhung der Pflichtstunden für Mathematik in der Oberstufe führt nicht automatisch dazu, dass sich mehr Frauen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) entscheiden. Im Gegenteil: Die Reform der gymnasialen Oberstufe, nach der alle Schülerinnen und Schüler Mathematik auf Leistungskursniveau belegen müssen, hat die Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Interessen im MINT-Bereich noch verstärkt. Schülerinnen hatten außerdem nach der Reform weniger Selbstvertrauen in ihre eigene Mathematikkompetenz als vorher. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Graduiertenschule und des Forschungsnetzwerkes LEAD an der Universität Tübingen in einer Studie über die Gender-Effekte der Oberstufenreform herausgefunden. Die Ergebnisse wurden im <em>Journal of Educational Psychology</em> veröffentlicht.</p><p>Seit der Oberstufenreform 2002 muss in Baden-Württemberg das Kernkompetenzfach Mathematik von allen Schülerinnen und Schülern vierstündig in den letzten beiden Jahrgangsstufen vor dem Abitur belegt werden. Eine Belegung auf „Grundkursniveau“ mit weniger Unterrichtsstunden ist seither nicht mehr möglich. Damit soll eine hohe Qualität an Mathematikkenntnissen gewährleistet werden. Da gute Mathematikkenntnisse in Zusammenhang mit der Wahl von Studienfächern aus dem MINT-Bereich stehen, lag die Vermutung nahe, dass sich nach der Reform mehr Mädchen für ein MINT-Studium entscheiden würden.</p><p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten deshalb, ob sich die Reform auf die spätere Studienfachwahl auswirkte, welche Effekte sie auf die Mathematikleistung von Mädchen und Jungen hatte, wie Schülerinnen und Schüler ihre eigene Leistung vorher und nachher einschätzten und schließlich auch, ob sich ihr Interesse im MINT-Bereich veränderte. Dazu verglichen die Forschenden Daten von rund 4.700 Schülerinnen und Schülern vor der Oberstufenreform mit Daten von ebenso vielen Schülerinnen und Schülern nach der Reform. Diese wurden im Rahmen einer Langzeitstudie erhoben.</p><p>Das Ergebnis: Die Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen in Mathematik haben sich nach der Reform verringert, auch wenn nach wie vor die Jungen besser abschnitten. Aber obwohl die Schülerinnen eine höhere Leistung erzielten, schätzten sie ihre mathematischen Fähigkeiten nach der Reform schlechter ein als zuvor. „Dies könnte daran liegen, dass sie vor der Reform häufiger Grundkurse mit weniger Mathematikunterricht gewählt hatten und das gestiegene Leistungsniveau nach der Reform dazu geführt hat, dass die eigene Leistung geringer eingeschätzt wird“, vermutet Nicolas Hübner, Erstautor der Studie. Das Selbstvertrauen der Jungen in ihre Mathematikkompetenzen hatte sich dagegen nicht verändert.</p><p>Die Mädchen zeigten zudem kaum ein größeres Interesse für Tätigkeiten in MINT-Bereichen, während Jungen nach der Reform noch stärker an technisch-praktischen oder forschend-intellektuellen Tätigkeiten interessiert waren. „Dies deutet darauf hin, dass mit Hilfe von Schulreformen auch Interessen beeinflusst werden können“, erklärt Eike Wille, ebenfalls Erstautorin der Studie. Allerdings sei der Zusammenhang noch wenig erforscht und müsse genauer untersucht werden. Die Geschlechtsunterschiede bei der Studienfachwahl im MINT-Bereich haben sich durch die Reform nicht verändert. Hier entscheiden sich immer noch deutlich mehr Männer als Frauen für diese Studiengänge.</p><p>Laut den Autorinnen und Autoren lassen sich die Ergebnisse in eine Reihe von Studien einordnen, die zeigen, dass Bildungsreformen häufig zu deutlich geringeren Effekten führen als ursprünglich erwartet. Darüber hinaus werden sie in vielen Fällen auch von unerwarteten Nebenwirkungen begleitet. „Reformen im Bildungssystem gleichen bislang viel zu oft Blindflügen“, resümiert Ulrich Trautwein, Direktor der Graduiertenschule und des Forschungsnetzwerkes LEAD. „Die Ergebnisse unserer Studie unterstreichen die Bedeutung von systematischer Begleitforschung vor, während und nach der Durchführung von Bildungsreformen“.</p><h3>Originalpublikation:</h3><p>Hübner, N.*, Wille, E.*, Cambria, J., Oschatz, K., Nagengast, B., &amp; Trautwein, U. (2017). Maximizing Gender Equality by Minimizing Course Choice Options? Effects of Obligatory Coursework in Math on Gender Differences in STEM. <em>Journal of Educational Psychology</em>. doi: 10.1037/edu0000183<br>*The first two authors contributed equally to this work and are listed in alphabetical order.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Ulrich Trautwein <br>Universität Tübingen <br>Graduiertenschule &amp; Forschungsnetzwerk LEAD/<br>Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung <br>Telefon +49 7071 29-73931 <br>&lt;link&gt;ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de</p><p>&lt;link http: www.lead.uni-tuebingen.de&gt;www.lead.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.hib.uni-tuebingen.de&gt;www.hib.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13802</guid><pubDate>Thu, 23 Mar 2017 18:35:00 +0100</pubDate><title>Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/riesensalamander-geckos-und-olme-verschwundene-artenvielfalt-in-sibirien/</link><description>Entwicklung von Amphibien und Reptilien in zwölf Millionen Jahren Erdgeschichte untersucht</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-23_Amphibien_Reptilien_Sibirien1.jpg" length="246100" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Senckenberg-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Madelaine Böhme hat gemeinsam mit einem internationalen Team die Entwicklung der Amphibien- und Reptilienfauna während der letzten zwölf Millionen Jahre in Westsibirien untersucht. Die Wissenschaftler zeigen in ihrer heute im Fachjournal „Peer J“ erschienenen Studie, dass die Artenvielfalt beider Tiergruppen in der Vergangenheit deutlich größer als heute war. Unter anderem fanden die Forscher erstmalig einen asiatischen Vertreter der ausgestorbenen Frosch-Familie <em>Palaeobatrachidae </em>sowie Nachweise für bis zu 1,80 Meter große Riesensalamander.</strong></p><p>Der sibirische Winkelzahnmolch, vier Braunfrosch- und vier Krötenarten, ein Grünfrosch, zwei Eidechsen- und fünf Schlangenarten – diese 17 Arten repräsentieren aktuell die Fauna der Amphibien und Reptilien Westsibiriens. Damit zählt die Region zu den artenärmsten dieser Tierstämme in Eurasien und Nordafrika. „Das war aber nicht immer so“, erklärt Prof. Dr. Madelaine Böhme, Direktorin des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen, und fährt fort: „Unsere aktuelle Studie zeigt, dass die Anzahl von Amphibien- und Reptilienarten in der Erdgeschichte deutlich höher war.“</p><p>Das internationale Wissenschaftlerteam rund um die Tübinger Paläontologin und Dr. Davit Vasilyan vom JURASSICA Museum in Porrentruy hat Fossilien der vergangenen zwölf Millionen Jahre aus über 40 Fundstellen in Westsibirien untersucht. Gesammelt wurden diese in 40-jähriger Forschungstätigkeit von ihrem russischen Kollegen Dr. Vladimir Zazhigin.</p><p>„Wir konnten über 50 verschiedene Arten bestimmen – von Schwanzlurchen, Fröschen über Schuppenechsen bis zu Schildkröten. Das hat selbst unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, freut sich Böhme. Unter den Funden entdeckte das Team zum Beispiel Nachweise für Riesensalamander, eine Gruppe von bis zu 1,80 Meter großen Schwanzlurchen, die heute nur in regenreichen Gebieten Japans und China heimisch sind. Ebenso unerwartet waren Belege für mehrere Krokodil-Molch-Arten, deren heutige Verwandte in China und Vietnam leben.</p><p>„Zudem haben wir erstmalig einen asiatischen Vertreter aus der ausgestorbenen Frosch-Familie <em>Paleobatrachidae </em>nachgewiesen“, ergänzt Böhme und weiter: „Auch einen ‚alten Bekannten’ haben wir unter den Fossilien wiederentdeckt: Der sibirische Winkelzahnmolch lebte auch schon vor zwölf Millionen Jahren in der Region jenseits des Urals.“ Heutige Vertreter dieser Lurch-Gattung haben sich an die unwirtlichen klimatischen Bedingungen angepasst und überleben eingefroren im Boden Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius.</p><p>Die Fossilfunde geben nicht nur Aufschluss über die Tierwelt der Vergangenheit, sondern lassen auch Rückschlüsse auf Klima, Niederschläge und Vegetation zu: Der Fund eines sechs Millionen Jahre alten Geckos der Gattung <em>Alsophylax </em>deutet beispielsweise darauf hin, dass dessen damaliger Lebensraum der heutigen kasachischen Steppe ähnelte. Für diese Zeit, in der auch Springmäuse, Kamele und Strauße die westsibirische Ebene besiedelten, errechnete das Wissenschaftlerteam eine Jahresniederschlagsmenge von nur 250 Millimetern. Funde von Land- und Wasserschildkröten, deren letzte Vertreter vor etwa 5 Millionen Jahren aus West-Sibirien verschwanden, lassen zudem deutlich wärmere Klimata vermuten.</p><p>„Die Gesamtheit der Funde belegt die wechselvolle Biodiversität Sibiriens und die dynamische Klimageschichte dieser Region: Sehr feuchte Abschnitte mit der vierfachen heutigen Regenmenge verwandelten sich innerhalb einiger hunderttausend Jahre in Gebiete mit trockenem Steppenklima. Die zunehmend kühleren Temperaturen führten dann wahrscheinlich zum Verlust zahlreicher Amphibien- und Reptilienarten“, resümiert Böhme.</p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Madelaine Böhme<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen<br> Tel.: 0151-22385151<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,ocfgnckpg0dqgjogBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">madelaine.boehme<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><p>Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung<br> Tel. 069- 7542 1434<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Publikation</h3><p>Vasilyan D, Zazhigin V, Böhme M. (2016) Neogene amphibians and reptiles (Caudata, Anura, Gekotta, Lacertilia, Testudines) from south of Western Siberia, Russia and Northeastern Kazakhstan. PeerJ 5:e3025; DOI 10.7717/peerj.3025 <a href="https://peerj.com/articles/3025" target="_blank" rel="noreferrer">https://peerj.com/articles/3025</a>.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="391192" height="96" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-23_Amphibien_Reptilien_Sibirien2_62a1f9b831.jpg" width="299" style></td><td><img alt data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="391189" height="157" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-23_Amphibien_Reptilien_Sibirien3_218c751086.jpg" width="300" style></td></tr><tr><td>Fossilfunde eines Geckos geben Aufschluss über die Umweltbedingungen in West-Sibirien vor sechs Millionen Jahren. © Davit Vasilyan</td><td>Der Seefrosch ist einer der wenigen Amphibienvertreter, die sowohl fossil als auch rezent in West-Sibirien zu finden sind. © Davit Vasilyan</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</h3><p>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de/" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</p><h3>Die Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Transnationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-23_Amphibien_Reptilien_Sibirien1.jpg" lenght="246100" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-13582</guid><pubDate>Thu, 23 Mar 2017 11:38:00 +0100</pubDate><title>ERC Starting Grant für Claudio Tennie</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/erc-starting-grant-fuer-claudio-tennie/</link><description>1,5 Millionen Euro Förderung durch den Europäischen Forschungsrat – Verhaltensforscher untersucht die Entwicklung früher Steinwerkzeuge</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-23_Starting_Grant_Tennie.png" length="191504" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Claudio Tennie vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen wird ab dem 1. April mit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) gefördert. Mit diesem Programm soll jungen Wissenschaftlern der Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe ermöglicht werden. Tennies Projekt „STONECULT“ wird in den nächsten fünf Jahren mit 1,5 Millionen Euro unterstützt. Der Verhaltensforscher, der bisher an der Universität Birmingham tätig war, möchte herausfinden, ob für die Herstellung und Benutzung von frühen Steinwerkzeugen die kognitiven Fähigkeiten von Menschenaffen ausreichen, oder menschliches Kognitionsvermögen erforderlich ist.</p><p><br>Tennie beschäftigte sich in der Vergangenheit mit der These, dass kulturelle und nicht genetische Anpassung es den Menschen ermöglicht hätte, den gesamten Planeten zu bevölkern. Denn Menschen hätten nicht nur individuell gelernt und sich damit den Umweltbedingungen angepasst. Sie seien außerdem in der Lage gewesen, die Erkenntnisse anderer Individuen in ihren eigenen Erfahrungshorizont zu integrieren und diesen auch weiterzugeben. Dieses sogenannte kumulative Lernen hätte die Entstehung komplexer und aufeinander aufbauender Wissensstrukturen erst ermöglicht, was Menschen zu einer einzigartigen Spezies im Tierreich mache. Auch andere Tierarten, insbesondere unsere nächsten lebenden Verwandten, die Menschenaffen, seien fähig zu lernen. Deren Wissensschatz fuße allerdings auf individueller Erfahrung und könne über einen gewissen „genetischen Horizont“ hinaus nicht erweitert werden.</p><p><br>Im Projekt „STONECULT – Do early stone tools indicate a hominin ability to accumulate“ soll untersucht werden, wann die Kulturformen des gemeinschaftlichen Lernens entstanden sind. Die Analyse von frühen Steinwerkzeugen ist dafür ein vielversprechender Ansatz. Jüngste Forschungen legen die Möglichkeit nahe, dass das Herstellen dieser Steinwerkzeuge vornehmlich das Ergebnis individuellen Lernens war, zu dem auch andere Spezies, wie zum Beispiel Menschenaffen, in der Lage sind. Die Formen früher Steinwerkzeuge sind, so nimmt Tennie an, zu einheitlich, um über moderne Kulturformen erklärbar zu sein. Kulturelles bzw. kumulatives Lernen hätte Werkzeuge hervorbringen müssen, die sich stärker unterscheiden. Mit dem STONECULT-Projekt möchte der Verhaltensforscher beurteilen, ob Funde früher Steinwerkzeuge den menschlichen oder aber den Menschenaffentechnologien ähnlicher sind. Je nach Ausgang des Projekts wird sich die zeitliche Vorstellung für die Entstehung menschlicher Kulturformen dann bestätigen oder aber radikal verändern.</p><p><br>Claudio Tennie (geboren in Bad Pyrmont, Deutschland) hat Biologie an den Universitäten Marburg, Edinburgh und Bielefeld studiert. 2009 promovierte er am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig über die Mechanismen beobachtenden Lernens bei Kleinkindern und Menschenaffen und forschte dort zwei Jahre als Postdoc. Von 2012 bis 2016 war er an der Universität Birmingham tätig, ehe er 2017 als Nachwuchsgruppenleiter an das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen wechselte.</p><p><br>Mit dem Starting Grant unterstützt der Europäische Forschungsrat junge Wissenschaftler beim Aufbau einer unabhängigen Karriere und ihres eigenen Forschungsteams. Die Kreativität junger, vielversprechender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler soll gefördert und neue Ideen in die Forschungsfelder getragen werden. Die Ausschreibung erfolgt themenoffen und über alle Bereiche der Wissenschaft hinweg. Jedes Projekt wird mit bis zu 1,5 Millionen Euro über maximal fünf Jahre finanziert.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Claudio Tennie<br>Universität  Tübingen<br>Institut für Ur- und Frühgeschichte <br>Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie<br>&lt;link&gt;claudio.tennie@uni-tuebingen.de<br>Telefon: +49 7071 29-77142</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-23_Starting_Grant_Tennie.png" lenght="191504" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15850</guid><pubDate>Wed, 22 Mar 2017 16:29:00 +0100</pubDate><title>Mit einer neuen Methode entschlüsseln Forscher die Signalwirkung von linearen Ubiquitin-Ketten an Zellproteinen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/mit-einer-neuen-methode-entschluesseln-forscher-die-signalwirkung-von-linearen-ubiquitin-ketten-an-zellproteinen/</link><description>Unter Beteiligung der Universität Tübingen werden detaillierte Analysen möglich, die zur Klärung von Krankheitsursachen beitragen könnten</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-22_linearINTdiUb.png" length="209554" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das in Körperzellen an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Ubiquitin-Moleküle werden entweder einzeln oder zu mehreren in verzweigten Ketten angeheftet. Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Strukturen, die wiederum vielerlei Effekte in Zellen erzielen können. Fehler im Ubiquitin-System werden mit zahlreichen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, so zum Beispiel mit der Entstehung von Krebs, mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, aber auch mit dem Verlauf von Infektionen und Entzündungen. Um den Signalkode der Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln, haben Forscher der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Dr. Koraljka Husnjak in Zusammenarbeit mit Professor Boris Macek vom Proteom Centrum der Universität Tübingen (PCT), der Queen Mary Universität und dem Francis Crick Institut in London eine neue Methode entwickelt.</p><p><br>Erst vor wenigen Jahren entdeckten Forscher, dass Ubiquitin nicht nur verzweigte, sondern auch lineare Ketten bilden kann, bei denen jeweils der Anfang eines Ubiquitin-Moleküls an das Ende eines anderen geknüpft wird. Bislang sind erst zwei Enzyme bekannt, die den Auf- und Abbau solcher linearer Ubiquitin-Ketten regulieren. Beide werden im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität intensiv erforscht. Welche Zielproteine mit linearen Ubiquitin-Ketten modifiziert werden und warum, blieb jedoch weitgehend unklar. Die von dem Forscherteam um Dr. Koraljka Husnjak von der Goethe-Universität Frankfurt neu entwickelte Methode ermöglicht nun die systematische Analyse dieses speziellen Kettentyps.</p><p><br>„Bisher gab es keine geeigneten Methoden, um mit linearen Ubiquitin-Ketten modifizierte Proteine spezifisch im Massenspektrometer zu erfassen“, erklärt die gebürtige Kroatin Husnjak. Ihr Team hat das Problem gelöst, indem es das Ubiquitin-Molekül intern so veränderte, dass es einerseits innerhalb der Zelle funktionstüchtig bleibt, andererseits aber bei einer Analyse von Proteingemischen im Massenspektrometer erkannt werden kann. Künftig lässt sich also genau nachweisen, welche Zielproteine durch lineares Ubiquitin verändert werden und danach auch, an welcher Position des Proteins die entsprechende Modifikation sitzt. Die Wissenschaftler bewerten diesen neuen Ansatz als einen wichtigen Durchbruch, um die Funktion der linearen Ubiquitinierung und ihre Rolle bei Erkrankungen besser zu verstehen.</p><p><br>Husnjak konnte so in Zusammenarbeit mit dem Proteom Centrum Tübingen (PCT) bereits mehrere Proteine identifizieren, von denen bislang nicht bekannt war, dass sie linear ubiquitiniert werden. „Obwohl eine massenspektrometrische Analyse von angereicherten Zielproteinen gut etabliert ist, mussten wir in diesem Projekt unsere Protokolle optimieren und die neuste Technologie verwenden, weil die modifizierten Proteine nur in geringen Mengen vorhanden waren“, sagt der Leiter des PCT, Professor Boris Macek. Unter anderem entdeckten die Forscher essentielle Komponenten innerhalb eines Signalweges, der bei Entzündungen zentral ist. „Die durch lineare Ubiquitin-Ketten übertragenen Signale spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle bei der Regulation von Immunantworten, der Abwehr von Infektionen und bei immunologischen Erkrankungen. Bislang wissen wir nur ansatzweise, wie aus kleinen Fehlern in diesem System schwere Krankheiten entstehen und wie man gezielt therapeutisch eingreifen kann“, sagt Husnjak. Die neue Methode habe ein großes Potenzial, das Wissen über diese Zusammenhänge zu erweitern.</p><h3>Publikation:</h3><p>Katarzyna Kliza, Christoph Taumer, Irene Pinzuti, Mirita Franz-Wachtel, Simone Kunzelmann, Benjamin Stieglitz, Boris Macek &amp; Koraljka Husnjak. Internally tagged ubiquitin: a tool to identify linear polyubiquitin-modified proteins by mass spectrometry. Nature Methods 2017, doi:10.1038/nmeth.4228</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Boris Macek<br>Universität Tübingen<br>Interfakultäres Institut für Zellbiologie<br>Proteom Centrum Tübingen (PCT)<br>Telefon +49 7071 29-70556<br>boris.macek[at]uni-tuebingen.de</p><p><br><br>Dr. Koraljka Husnjak<br>Goethe-Universität Frankfurt, Medizinische Fakultät<br>Institut für Biochemie II<br>Ubiquitin Signaling Group<br>Telefon +49 69 6301 5820<br>K.Husnjak[at]biochem2.uni-frankfurt.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-22_linearINTdiUb.png" lenght="209554" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-16097</guid><pubDate>Wed, 22 Mar 2017 16:28:00 +0100</pubDate><title>Neue Hoffnung für die Saigas?</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-hoffnung-fuer-die-saigas/</link><description>Saiga-Antilopen waren deutlich flexibler als gedacht.</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-22_Saiga_female1.jpg" length="568437" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p><strong>Senckenberg-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die heute vom Aussterben bedrohte Saiga-Antilope in der Vergangenheit sehr viel flexibler bei der Wahl ihres Lebensraumes und ihrer Nahrung war als bisher vermutet wurde. Die Wissenschaftler verglichen anhand von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen im Kollagen der Antilopenknochen die Ernährung fossiler und heutiger Saigas. In der kürzlich im Fachjournal „Quaternary Science Reviews“ erschienenen Studie kommen sie zu dem Schluss, dass aktuelle Populationen nicht zwingend an ihren derzeitigen Lebensraum gebunden sind. Diese Erkenntnis macht neue Hoffnung für die bedrohte Tierart.</strong></p><p>Während der letzten Eiszeit waren Saiga-Antilopen weit über die Nordhalbkugel verbreitet und wanderten gemeinsam mit Mammuten durch die Kältesteppen – heute trifft man die Tiere mit den charakteristischen, rüsselartigen Nasen nur noch in Zentralasien und Russland. „Uns hat interessiert warum der Lebensraum der Saiga-Antilopen heute viel stärker begrenzt ist, als in der Zeit vor 45.000 bis 10.000 Jahren“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen und fährt fort: „Konnten sich die damaligen Tiere besser an unterschiedliche Umweltbedingungen anpassen oder sind die heutigen Antilopen vielleicht gar nicht an ihren derzeitigen Lebensraum gebunden?“</p><p>Die Fragestellung, die der Tübinger Biogeologe gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Dorothée Drucker und einem internationalen Team nachging, hat einen ernsten Hintergrund: Die Saigaantilope ist vom Aussterben bedroht. Die durch Wilderei bereits stark geschrumpften Bestände sind zusätzlich durch immer wieder auftretende Virusinfektionen bedroht: seit Anfang des Jahres verendeten 2500 Tiere in der westmongolischen Provinz Chowd- Aimag – ein Viertel des Gesamtbestandes der Mongolei. „Falls heutige Saiga-Antilopen – wie ihre eiszeitlichen Vorfahren – auch außerhalb von semi-ariden Steppen überleben könnten, wäre beispielsweise die Gefahr einer solchen Epidemie nicht so groß“, erläutert Drucker.</p><p><br> Um diese Möglichkeit zu untersuchen, hat das Forscher-Team die Kohlenstoff- und Stickstoffisotopie im Kollagen 76 fossiler und 52 rezenter Saigaknochen und -haaren verglichen. Kollagen ist ein wesentlicher organischer Bestandteil des Bindegewebes in Knochen, Zähnen, Knorpeln, Sehnen, Bändern und der Haut. Die Zusammensetzung der Isotope im Knochenkollagen gibt Auskunft über die Nahrungsgewohnheiten.</p><p>„Anders als bisher vermutet, ernährten sich die Saigas der letzten Eiszeit sehr viel flexibler, als ihre heutigen Vertreter – wir gehen daher davon aus, dass die gegenwärtigen Saigas nur in <em>einer </em>der für sie möglichen ökologischen Nischen leben“, legt Bocherens dar und resümiert: „Für den Schutz der Saigas bietet das Ausweichen in andere, auch kältere Gebiete eine große Möglichkeit. Das sollte bei der Entwicklung von Schutzprogrammen berücksichtigt werden.“</p><h3>Kontakt</h3><p>Prof. Dr. Hervé Bocherens<br> Dr. Dorothée Drucker<br> Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Eberhard Karls Universität Tübingen<br> Tel. 07071- 29-76988<br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,jgtxg0dqejgtgpuBwpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">herve.bocherens<span style="display:none">spam prevention</span>@uni-tuebingen.de</a><br><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,fqtqvjgg0ftwemgtBkhw0wpk/vwgdkpigp0fg" data-mailto-vector="2">dorothee.drucker<span style="display:none">spam prevention</span>@ifu.uni-tuebingen.de</a></p><p><br> Judith Jördens<br> Pressestelle<br> Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</p><p>Tel. 069- 7542 1434</p><p><a href="#" data-mailto-token="ocknvq,rtguuguvgnngBugpemgpdgti0fg" data-mailto-vector="2">pressestelle<span style="display:none">spam prevention</span>@senckenberg.de</a></p><h3>Publikation</h3><p>Jonathan Jürgensen, Dorothée G. Drucker, Anthony J. Stuart, Matthias Schneider, Bayarbaatar Buuveibaatar, Hervé Bocherens, Diet and habitat of the saiga antelope during the late Quaternary using stable carbon and nitrogen isotope ratios, Quaternary Science Reviews, Volume 160, 15 March 2017, Pages 150-161, ISSN 0277-3791, <a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.quascirev.2017.01.022" target="_blank" rel="noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.quascirev.2017.01.022</a>.</p><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table class="csc-frame-frame6"><tbody><tr><td><img alt="Saigas waren in der Eiszeit noch weit verbreitet, heute sind sie nur noch in Zentralasien und Russland zu finden. © Bayarbaatar Buuveibaatar" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="390925" height="211" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-22_saiga_female_d9f08abe50.jpg" title="Saigas waren in der Eiszeit noch weit verbreitet, heute sind sie nur noch in Zentralasien und Russland zu finden. © Bayarbaatar Buuveibaatar" width="300" style></td><td><img alt="Die Bestände der Antilopen sind gering: Saigas sind vom Aussterben bedroht. © Bayarbaatar Buuveibaatar" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="390919" height="207" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-22_Saiga_twin_calf_08ff9514a2.jpg" title="Die Bestände der Antilopen sind gering: Saigas sind vom Aussterben bedroht. © Bayarbaatar Buuveibaatar" width="299" style></td></tr><tr><td>Saigas waren in der Eiszeit noch weit verbreitet, heute sind sie nur noch in Zentralasien und Russland zu finden. © Bayarbaatar Buuveibaatar</td><td>Die Bestände der Antilopen sind gering: Saigas sind vom Aussterben bedroht. © Bayarbaatar Buuveibaatar</td></tr><tr><td><img alt="Schädel einer fossilen Saiga-Antilope aus Alaska. © Anthony Stuart" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="390916" height="341" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-22_Saiga1_5a83e62084.jpg" title="Schädel einer fossilen Saiga-Antilope aus Alaska. © Anthony Stuart" width="300" style></td><td><img alt="Diorama mit Saiga-Antilopen im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. © Senckenberg" data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-table="sys_file" data-htmlarea-file-uid="390913" height="401" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-22_Saiga2_864db2d37f.jpg" title="Diorama mit Saiga-Antilopen im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. © Senckenberg" width="300" style></td></tr><tr><td>Schädel einer fossilen Saiga-Antilope aus Alaska. © Anthony Stuart</td><td>Diorama mit Saiga-Antilopen im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. © Senckenberg</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung</h3><p>Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter <a href="http://www.senckenberg.de" target="_blank" rel="noreferrer">www.senckenberg.de</a>.</p><h3>Die Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Transnationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-22_Saiga_female1.jpg" lenght="568437" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15554</guid><pubDate>Thu, 09 Mar 2017 09:39:00 +0100</pubDate><title>Umweltforscher entwickeln neue Biosensoren für Gewässerkontrolle</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/umweltforscher-entwickeln-neue-biosensoren-fuer-gewaesserkontrolle/</link><description>Tübinger Biologen beteiligt: Sensoren weisen Medikamente und deren Wirkung im Wasser schneller und in geringen Mengen nach</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-09_Grafik_Biosensoren.png" length="548050" type="image/png" /><content:encoded><![CDATA[<p>In einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam haben Naturwissenschaftler neuartige Biosensoren entwickelt, mit denen sich Pharmazeutika im Wasser effektiver als bisher erfassen lassen. Biologen der Universität Tübingen waren an der Studie beteiligt. Zwei pharmazeutische Wirkstoffklassen ‒ Beta-Blocker und Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) ‒ können damit in Echtzeit und bereits in geringen Konzentrationen gemessen werden. Die Studie wurde in der Zeitschrift Water Research publiziert.</p><p>Mit dem demographischen Wandel steigt der Verbrauch von Medikamenten in den Industrienationen. Bereits heute gelangen große Mengen pharmakologisch wirksamer Substanzen über das Abwasser in Kläranlagen. Weil sie nur unzureichend wieder entfernt werden können, sind Organismen in Oberflächengewässern einem „Cocktail“ aus Arzneimitteln ausgesetzt. Die Anzahl der eingetragenen Medikamente nimmt dabei ständig zu. So können beispielsweise Schmerzmittel auch bei Fischen schädliche Nebenwirkungen verursachen, schon bei Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Liter Wasser. Ökotoxikologen und Umweltchemiker sind herausgefordert, das immer vielfältigere Vorkommen von Arzneimitteln zu quantifizieren und deren schädigende Wirkung auf die Umwelt abzuschätzen.</p><p>Im Verbundprojekt „EffPharm“ arbeiten Biologen, Biochemiker und analytische Chemiker verschiedener Institutionen gemeinsam an diesem Thema. Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und von der Tübinger Ökotoxikologin Professorin Rita Triebskorn koordiniert. So gelang es der Arbeitsgruppe um Dr. Manfred Frey vom Steinbeis-Innovationszentrum Zellkulturtechnik an der Hochschule Mannheim, für die zwei genannten pharmazeutische Wirkstoffklassen zellbasierte Biosensoren zu entwickeln. Diese erlauben es, die Bindung dieser Substanzen an ihre Zielmoleküle (Rezeptoren) in „gereinigtem“ Abwasser in Echtzeit zu bestimmen. An der Universität Tübingen wiesen Professorin Rita Triebskorn und Professor Heinz Köhler von der Arbeitsgruppe „Physiologische Ökologie der Tiere“ nach, wie sensitiv die Biosensoren sind: Sie erfassen schon geringe Konzentrationen der Medikamente, in denen erste Schäden bei Wasserorganismen auftreten. Dr. Marco Scheurer vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zeigte, dass die neuen Biosensoren einen großen Teil der Verbindungen erfassen, die bisher durch aufwändige und zeitintensive chemische Analysen nachgewiesen werden mussten. Zusätzlich schließen die Testsysteme die Effekte von Abbauprodukten der Wirkstoffe und unbekannten Verbindungen mit ein, was für die ökologische Bedeutung der Umweltbelastungen entscheidend ist.</p><p>Wie die Autoren der Studie darlegen, vereinigen die neuen Biosensoren viele Vorteilen gegenüber bisherigen Ansätzen. Nachdem die Biosensor-Zelllinien Kontakt mit Pharmazeutika in Umweltproben hatten, erscheint innerhalb von Sekunden ein Fluoreszenzsignal. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sensoren erfassen sie so die Wirkung von Chemikalien in der Zelle in Echtzeit und vermeiden Falschinformationen, wie sie in Systemen auftreten können, die erst nach Stunden Signale erzeugen. Dadurch besitzen die Testsysteme eine extrem hohe Sensitivität im Nanomolarbereich (ein Millionstel Promille), die vergleichbar mit der chemischen Analytik ist.</p><p>Durch ihre Funktionsweise können die Biosensoren zudem die Wirkung künftiger Beta-Blocker oder NSAIDs aufspüren, obwohl deren chemische Struktur noch gar nicht bekannt ist. „Es wäre wünschenswert, dass die hier entwickelte Technik künftig in Monitoring-Programmen zur Bestimmung von Wasserqualität und Reinigungsleistung von Kläranlagen eingesetzt wird“, sagt Professorin Rita Triebskorn. „Damit wäre eine wichtige Lücke in der Plausibilitätskette zwischen dem Auftreten von Arzneimitteln in Gewässern und den bei betroffenen Organismen auftretenden Gesundheitsschäden geschlossen.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Kevin Bernhard, Cordula Stahl, Regina Martens, Heinz-R. Köhler, Rita Triebskorn, Marco Scheurer, Manfred Frey (2017): Two novel real time cell-based assays quantify beta-blocker and NSAID specific effects in effluents of municipal wastewater treatment plants. Water Research 115, 74-83.  &lt;link http: dx.doi.org j.watres.2017.02.036&gt;<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.watres.2017.02.036" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org/10.1016/j.watres.2017.02.036</a></p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Rita Triebskorn<br>Universität Tübingen<br>Institut für Evolution und Ökologie<br>Physiologische Ökologie der Tiere<br>Telefon  +49 7071 29-78892<br>rita.triebskorn[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-09_Grafik_Biosensoren.png" lenght="548050" type="image/png"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14126</guid><pubDate>Mon, 06 Mar 2017 09:41:00 +0100</pubDate><title>Wikinger sind die neuen Helden</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wikinger-sind-die-neuen-helden/</link><description>Archäologin untersucht im Sonderforschungsbereich „RessourcenKulturen“ der Universität Tübingen den Wandel der Wikinger-Begeisterung zur globalen Marke</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-06ToensbergVikingfestival-3.jpg" length="155196" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Wikinger sind die neuen Helden der Gegenwart: Im vergangenen Jahrzehnt ist ein regelrechter „Viking Hype“ entstanden, der ‚den Wikinger‘ zur globalen Marke gemacht hat, wie Dr. Nina Nordström vom Sonderforschungsbereich RessourcenKulturen (SFB 1070) der Universität Tübingen in ihrer Forschung dokumentiert. Anstelle des lange gängigen Bildes vom primitiven Krieger stünden die skandinavischen Seefahrer heute für Mut, Abenteuer, Revolution und starke Frauen. „Sie gelten als Menschen mit großem Potenzial und werden weltweit zu Identifikationsfiguren ‒ nicht nur in Europa, sondern auch in Ländern wie Saudi-Arabien, China und Südamerika. Diese globale Begeisterung ist mit nichts vergleichbar, weder die Römer noch die Ritter können hier mithalten.“ Seit drei Jahren verfolgt die Archäologin, wie Wikinger in Gesellschaft und Medien wahrgenommen und thematisiert werden. Sie sammelt Berichterstattungen in Medien, verfolgt die Entwicklung verschiedener Fan-Bewegungen und führt immer wieder Interviews mit skandinavischen Wissenschaftlern, Ausstellungsmachern und Handwerkern.</p><p>Die Wikinger faszinieren moderne Gesellschaften schon lange, sei es um die Jahrhundertwende bei den Ausgrabungen des Gokstad- und des Oseberg-Schiffes in Norwegen, in Hollywood-Filmen der 1950er Jahre oder in der Musik des Extreme-Metal. Dabei ist unser Wissen über sie begrenzt: Selbstverständlich gab es nicht „den Wikinger“, der Begriff bezeichnet vielmehr ein Vielzahl skandinavischer Siedler des Frühmittelalters (800-1060 n.Chr.). Auf Wiking gehen war eine Bezeichnung für Kriegs- und Handelsfahrten, die Leute des Nordens nannten sich selbst nicht Wikinger. Im Gegensatz zu ihren europäischen Nachbarn hinterließen sie keine schriftlichen Aufzeichnungen, unser heutiges Wissen basiert primär auf materiellen Hinterlassenschaften, die künstlerisch ein sehr hohes Niveau widerspiegeln.</p><p>Die aktuelle Wikinger-Begeisterung lässt sich laut Nordström gut mit einem Phänomen der Moderne beschreiben, das der polnische Soziologe Zygmunt Baumann  „Retrotopia“ genannt hat: Danach greifen Menschen heute weniger auf Utopien, Visionen der Zukunft, zurück, sondern treten den Rückzug in die Vergangenheit an. Der Wunsch, in einer besseren Welt zu leben, werde auf vergangene Epochen projiziert, die sie wiederbelebten.</p><p>„Dabei repräsentieren die Wikinger auch das moderne Skandinavien und umgekehrt. Sie haben sich zu einer identitätsstiftenden Ressource in einem viel größeren Kontext entwickelt“, sagt die Wissenschaftlerin. „Sie sind eine Inspirationsquelle für Entdeckungs- und Abenteuerlust und die Rebellion in einer immer komplizierteren Welt, die nach Helden sucht.“ So habe der Bezug auf Kultur und Lebensweise der Wikinger inmitten von Globalisierungsängsten eine stabilisierende Wirkung. „Auf der Suche nach einem Ruhepol möchten die Menschen an dem ‚skandinavischen Wunder‘ der ‚modernen Wikinger‘ teilhaben, das sie mit den Schlagworten Wohlstand, Lebensstil und Natur verbinden.“</p><p>Die Vogue titelt beispielsweise: „Beyond Paleo: Is Eating like a Viking the Next It Diet?“ und zeigt dazu das Bild eines gedeckten Tisches mit einer Servierhaube in Form eines polierten Wikingerhelmes. Das zuvor schmutzige Image der Wikinger scheint vergessen, sie sind in unserer Gesellschaft auch für den gehobenen Stil geeignet. „Zwar geht der Retrotopia-Trend nicht so weit, dass man sich im Zeitalter von Smartphones eine neue Wikingerzeit wünscht“, sagt die Wissenschaftlerin. „Aber nach dem Motto ‚etwas Wikingerblut in den Adern kann nicht schaden‘ lassen derzeit in Großbritannien immer mehr Menschen ihre DNA testen ‒ in der Hoffnung, mit den Menschen aus dem Norden verwandt zu sein.“</p><p>Die Szene sei heute sehr bunt und vielfältig sei und nehme bewusst Abstand von unerwünschten (beispielsweise nationalistischen) Strömungen, sagt die Forscherin. So beschäftigten sich moderne Bootsbauer mit dem naturgetreuen Nachbau von Wikingerschiffen. Nordström befragte Handwerker zu den ausgefeilten Herstellungstechniken und dem verlorenen Knowhow der damaligen Schiffsbauer ‒ bis heute stellt sich der Nachbau  eines Wikingerschiffes als äußerst kompliziert dar.</p><p>Relativ jung ist die Mischung von Extreme-Metal und altnordischer Volkmusik auf Festivals, die von Menschen auf der ganzen Welt besucht werden. Die Fans sähen sich musikalisch auf der Suche nach dem vermeintlichen Ursprung und identifizierten sich dabei mit vorchristlichen Wikingern, die für eben diesen stünden, sagt Nordström. So findet das dreitägige Festival „Midgardsblot metalfestival“ im norwegischen Borre auf dem Gelände des „Midgard historisk senter“ direkt neben dem berühmtesten Gräberfeld der Wikingerzeit statt. Dabei werden unter anderem Workshops zum politischen Missbrauch des Wikinger-Erbes, Frauengleichstellung und Extreme-Metal abgehalten. Auf solchen Festivals würden auch Wechselwirkungen zwischen Wikingerdarstellungen und Medien deutlich, so die Wissenschaftlerin. Beispielsweise trügen Festival-Besucher die Frisuren der TV-Serie „Vikings“: abrasierte Haare und geflochtene Zöpfe. Damit verblasst die Vorstellung des 19. und 20. Jhs. von den zotteligen langhaarigen Wikingern. Zugleich schaffen phantasievolle Tattoos eine neue Dimension des Aussehens ohne historische Belege.</p><h3>Publikationen: </h3><ul><li>Nordström, Nina 2016. The Immortals: Prehistoric Individuals as Ideological and Therapeutic Tools in our Time, in H. Williams and M. Giles (eds.) Archaeologists and the Dead, 204-232, Oxford: Oxford University Press.</li><li>Nordström, Nina und Staecker, Jörn 2014. Ick bin een Wikinger! Das Bild der Wikinger im Wandel, in Museums Journal, Wikinger – Leben und Legende, 3/2014 Juli – September.</li></ul><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td><img data-htmlarea-file-uid="388352" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-06ToensberVikingfestival-painter-Robert-Fox-_729d760a84.jpg" alt height="200" width="300" style></td><td><img data-htmlarea-file-uid="388354" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_17-03-06Kampfar-official_Midgardsblot_09aeb898a0.jpg" alt height="450" width="300" style></td></tr><tr><td><p>Der amerikanische Dekorationsmaler Robert Fox verziert einen Teil des Nachbaus des Oseberg-Schiffs auf dem Tønsberg Wikinger-Festival in Norwegen. Foto: Nina Nordström</p></td><td>KAMPFAR official, eine Pagan- und Folk-Metal-Band beim Midgardsblot-Musikfestival in Borre, Norwegen. Einige der bedeutendsten Metal-Bands der Welt treffen sich jährlich an den berühmten Grabhügeln der Wikingerzeit bei Tønsberg. Foto: Stig Pallesen, StiPa Photography</td></tr></tbody></table></div></div><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Nina Nordström <br>Universität Tübingen <br>Sonderforschungsbereich 1070 RessourcenKulturen<br>Telefon +49 7071 29-73598<br>&lt;link&gt;nina.nordstroem@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-03-06ToensbergVikingfestival-3.jpg" lenght="155196" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14653</guid><pubDate>Thu, 23 Feb 2017 15:29:00 +0100</pubDate><title>Richtfest für den Neubau des Geo- und Umweltforschungszentrums </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/richtfest-fuer-den-neubau-des-geo-und-umweltforschungszentrums/</link><description></description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-02-23PM_Richtfest_GUZ_047_web.jpg" length="68559" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Nach nur rund 14 Monaten Bauzeit ist der Rohbau eines der derzeit größten Institutsbauvorhaben des Landes, der Neubau des Geo- und Umweltforschungszentrums (GUZ) der Universität Tübingen abgeschlossen. Vertreter der Universität, der Stadt Tübingen, des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg sowie der beteiligten Firmen feierten am Donnerstag auf dem Campus Morgenstelle mit den Bauleuten das Richtfest.</p><p><br> Das GUZ ist ein weiterer Meilenstein in der Realisierung des Konzepts „Campus der Zukunft“, welches die Universität seit 2008 entwickelt hat. Dieses Konzept wurde von der Universität Tübingen entwickelt, um einerseits die Universitätseinrichtungen straffer zu organisieren und damit im nationalen und internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bleiben. Andererseits hatte die Universität Tübingen den landesweit größten Sanierungsstau in ihren Gebäuden zu verzeichnen.</p><p><br> Der Strukturplanung des „Campus der Zukunft“ folgten konkrete Prioritätenlisten für die bauliche Umsetzung. Die Geo- und Umweltwissenschaften haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem hochkomplexen Forschungszweig entwickelt. Die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte werden an der Universität Tübingen im künftigen „Geo- und Umweltforschungszentrum“ zusammengeführt. Der zwingend notwendigen interdisziplinären Zusammenarbeit stehen die derzeitigen elf Standorte im Stadtgebiet diametral entgegen. Mit dem Neubau des GUZ sollen diese Probleme beseitigt werden.</p><p><br> Die planerische Grundidee des Neubaus folgt der Grundidee eine funktionale Trennung von Labor-, Büro- und Studierbereichen auf nur wenigen Geschossen zu erreichen. Daraus resultiert die flächige Bauweise, zu deren Belichtung und Verknüpfung mehrere Atrien dienen. Um dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, wurden Aspekte einer  Sanierung nach einem ersten Nutzungszyklus bereits bei der Planung berücksichtigt. Dieses Prinzip wurde beim ZMBP von den Architektinnen und Architekten des Amtes Tübingen zuerst erprobt und dann für den Neubau des Geo- und Umweltzentrums im Rahmen der Vorentwurfsplanung eingesetzt.</p><p><br> 2013 wurden in einem wettbewerblichen Verfahren diese Vorentwürfe mit weiteren Ideen der Organisation und der Gestaltung angereichert. Die Entwürfe von KAAN Architekten aus Rotterdam überzeugten ein Auswahlgremium insbesondere wegen der vorgeschlagenen Eingangssituation, der Zuordnung der studentischen Seminar- und Hörsaalbereiche und der Überlegungen zu einer Fassadengestaltung, die sehr günstige energetische Verhältnisse abbildete und zugleich dem gestalterischen Kontext der Morgenstelle einen neuen Impuls zuordnete.</p><p><br> Parallel zur Planung konnte auch die Finanzierung gesichert werden. Von den Gesamtbaukosten von 64,4 Millionen Euro trägt die Universität rund 36,45 Millionen Euro. Dazu kommen weitere universitäre Mittel in Höhe von acht Millionen Euro, unter anderem für die Erstausstattung des Gebäudes mit Laboren und Geräten.  Der Baubeginn erfolgte Anfang Oktober 2015. Am 4. März 2016 wurde der Grundstein gelegt und am 23. Februar erfolgte nun das Richtfest zum Zeichen der Dankbarkeit der Bauherrschaft gegenüber den Handwerkern, die diesen Rohbau errichtet haben.</p><p><br> Das Amt Tübingen geht davon aus, dass die Universität zum Wintersemester 2018/19 die neuen Räume beziehen kann. Im Neubau des Geo- und Umweltforschungszentrums (GUZ) werden rund 10.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche zur Verfügung gestellt. Dort können dann drei Forschungsbereiche mit 20 Arbeitsgruppen unter einem Dach und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den anderen Naturwissenschaften der Universität Tübingen zusammenarbeiten.</p><h3><br> Einige wesentliche Daten:</h3><div class="table-rwd"><div class="table-rwd__overflow"><table><tbody><tr><td>Objekt:</td><td>Neubau des Geo- und Umweltforschungszentrums (GUZ) der Universität Tübingen</td></tr><tr><td><br> 			Bauherr:</td><td><br> 			Land Baden – Württemberg, Ministerium für Finanzen, vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen</td></tr><tr><td><br> 			Vorentwurf:</td><td>Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen</td></tr><tr><td>Entwurf/Planung:</td><td>KAAN Architecten, Rotterdam</td></tr><tr><td>Bauleitung:</td><td>Höhler + Partner, Objektplanung Süd GmbH im Auftrag von KAAN Architecten</td></tr><tr><td>Hauptnutzfläche:</td><td>rd. 10.100 Quadratmeter</td></tr><tr><td>Bruttogrundrissfläche:</td><td><br> 			rd. 21.000 Quadratmeter </td></tr><tr><td><br> 			Umbauter Raum:</td><td><br> 			rd. 89.000 Kubikmeter</td></tr><tr><td><br> 			Gesamtbaukosten:</td><td>64,40 Mio. €. Davon trägt die Universität rd. 36,45 Mio. €. = rd. 55%.</td></tr><tr><td><br> 			Ersteinrichtungskosten:</td><td><br> 			8,0 Mio. €</td></tr><tr><td><br> 			Baubeginn:</td><td><br> 			September 2015</td></tr><tr><td><br> 			Gepl. Übergabe:</td><td><p><br> 			Oktober 2018</p></td></tr></tbody></table></div></div><h3>Eine Pressemitteilung des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Tübingen</h3><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-02-23PM_Richtfest_GUZ_047_web.jpg" lenght="68559" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14333</guid><pubDate>Wed, 22 Feb 2017 10:00:00 +0100</pubDate><title>Regionale Forschungsallianz: 900.000 Euro Startkapital für Projekt zur Sicherung stabiler Erträge im Pflanzenanbau</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/regionale-forschungsallianz-900000-euro-startkapital-fuer-projekt-zur-sicherung-stabiler-ertraege-im-pflanzenanbau/</link><description>Forscherverbund unter Federführung der Universität Hohenheim erhält Förderung aus Landesprogramm „Regionale Forschungsallianzen“ / Projektpartner: Universität Tübingen und Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der Klimawandel setzt Züchter weltweit unter Zeitdruck: Über Jahrzehnte wurden Kulturpflanzen auf maximalen Ertrag getrimmt. Die Elite-Linien sind jedoch weniger anpassungsfähig gegenüber wechselnden Umweltbedingungen und haben an genetischer Vielfalt eingebüßt. Ernteerträge trotz zunehmender extremer Wettereignisse in Zukunft stabil zu halten, ist das Ziel einer neuen fach- und institutionenübergreifenden Forschungsallianz unter der Federführung der Universität Hohenheim. Die beteiligten Wissenschaftler wollen Technologiesprünge aus dem Bereich der molekularen Grundlagenwissenschaften erstmals systematisch für den praktischen Züchtungsprozess nutzbar machen. Mit einer Fördersumme von 900.000 Euro unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) das neu begründete Forschernetzwerk. Die Universitäten Hohenheim und Tübingen sowie das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen steuern als Projektpartner zusammen ebenfalls rund 900.000 Euro aus eigenen Mitteln bei.</p><p>Den Bedarf an Nahrungsmitteln der wachsenden Weltbevölkerung nachhaltig zu stillen und gleichzeitig Rohstoffe für eine sich entwickelnde Bioökonomie bereitzustellen, wird eine immer größere Herausforderung.</p><p>Jahrelang war das Ziel von Pflanzenzüchtern die Ernteerträge immer weiter zu steigern. Heute jedoch ist der Klimawandel die größte Herausforderung für die Pflanzenzucht. Gefragt sind Kulturpflanzen, die auch bei zunehmenden Extremwettereignissen wie Hitzewellen und langanhaltenden Trockenheitsperioden zuverlässige Erträge liefern.</p><p>Das Problem ist jedoch, dass moderne Hochleistungssorten im Lauf des Zuchtprozesses häufig bedeutende Gene und Gengruppen und damit Eigenschaften eingebüßt haben, die den Pflanzen dabei helfen sich gegen Stressfaktoren wie Trockenheit oder Schädlingsbefall zu wappnen.</p><p>Ein mögliches Gegenmittel besteht darin, Pflanzen mit wilden Vorläuferarten zu kreuzen, die diese Fähigkeiten noch besitzen. Um diese Arten zu identifizieren, nehmen die Züchter heute schon gezielt ihr Erbgut unter die Lupe. Mit Hilfe moderner Hochdurchsatzverfahren suchen sie bei der Auswahl der „Eltern“ nach auffälligen Stellen in der DNA, die mit den gewünschten Fähigkeiten in Verbindung gebracht werden.</p><p>Trotz aller technologischen Fortschritte ist es jedoch nach wie vor vergleichsweise schwierig, den tatsächlichen Zuchtwert einer Pflanze vorauszusagen. Züchtungsprozesse dauern deshalb noch immer mehrere Jahre. Ob die bestehenden Methoden ausreichen, um mit dem Klimawandel Schritt zu halten, ist daher unklar.</p><h3>Regionales Forschungsnetzwerk bringt Pflanzenzüchter und Molekularbiologen zusammen</h3><p>„Der Zusammenschluss von Spitzenwissenschaftlern unterschiedlicher Richtungen ist notwendig, wenn wir die komplexe Problematik der weltweiten Ernährungssicherheit in den Blick nehmen“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Ich bin sicher, dass diese regionale Forschungsallianz die Voraussetzungen mitbringt, um bahnbrechende Fortschritte bei der Sicherung stabiler Erträge im Pflanzenbau hervorzubringen“, sagt die Ministerin und ergänzt: „Jetzt wünsche ich auch noch das notwendige Quäntchen Glück dazu.“</p><p>Einen Durchbruch versprechen sich Wissenschaftler von einem neuen Ansatz. Er soll molekularbiologische Erkenntnisse zur pflanzlichen Anpassungsfähigkeit und zu Adaptionsstrategien  systematisch in die praktische Pflanzenzucht einbeziehen. Züchter sollen dadurch beispielsweise deutlich schneller optimale „Eltern“ für eine Kreuzung finden.</p><p>Unter der Federführung der Universität Hohenheim haben sich Wissenschaftler der Universität Tübingen, des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, der Landessaatzuchtanstalt und der Universität Hohenheim zu einem neuen regionalen Forschungsnetzwerk zusammengeschlossen.</p><p>Mit finanzieller Unterstützung des Landes aus dem Programm „regionale Forschungsallianzen“ wollen die Wissenschaftler die Basis legen, um in Zukunft gemeinsame Verbundprojekte zum Themenfeld „Ertragsstabilität in dynamischen Umwelten“ auf den Weg zu bringen.</p><p>Zusätzlich zur Fördersumme von rund 900.000 Euro stellen die Projektpartner dazu ebenfalls Mittel in gleicher Höhe bereit.</p><h3>Kluft zwischen Fachkulturen überwinden</h3><p>„Tatsächlich hat sich das Wissen über die molekulargenetischen Grundlagen von bestimmten Eigenschaften einer Pflanze in den letzten Jahren vervielfacht. Die molekularbiologische Forschung an Modellpflanzen im Labor ist der an Nutzpflanzen jedoch außerordentlich weit voraus“, erklären Prof. Dr. Uwe Ludewig, Direktor des Instituts für Kulturpflanzenwissenschaften an der Universität Hohenheim und Sprecher des neuen Forschungsnetzwerks, und Prof. Dr. Klaus Harter, Ko-Sprecher der Initiative am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) an der Universität Tübingen.</p><p>„Im Unterschied zum Labor wirken auf dem Acker jedoch vielfältige Stressfaktoren, die im Zusammenhang erforscht werden müssen“, sagt Ludewig. „So können z.B. Trockenheit, Schaderreger und Parasiten ihre negativen Wirkungen auf den Ertrag gegenseitig verstärken. Andererseits kann der Stress, den Pflanzen durch Trockenheit oder Nährstoffmangel erleben, auch positive Effekte haben. So gibt es einzelne Pflanzenvarianten, die dadurch sogar resistent gegenüber Schädlingen werden.“</p><p>Die Herausforderung für das Netzwerk bestehe deshalb zunächst darin, Erkenntnisse aus Bereichen wie Genomik, Metabolomik, Proteomik oder Epigenetik auf die realen Bedingungen auf dem Feld zu übertragen. Anschließend gilt es diese Daten für den praktischen Züchtungsprozess nutzbar zu machen.</p><p>„Dieser interdisziplinäre Brückenschlag wird bereits seit Jahren eingefordert, bislang jedoch noch nirgendwo systematisch eingelöst. Wir leisten daher echte Pionierarbeit“, so Prof. Dr. Ludewig und Prof. Dr. Harter.</p><div class="align-right"><p>Text: Leonhardmair</p></div><h3>Kontakt für Medien: </h3><p>Prof. Dr. Uwe Ludewig, Universität Hohenheim, Fachgebiet Ernährungsphysiologie der Kulturpflanzen <br>T 0711 459 22344, E &lt;link&gt;u.ludewig@uni-hohenheim.de</p><p>Prof. Dr. Klaus Harter, Universität Tübingen, Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) <br>T 07071 29 72605, E &lt;link&gt;klaus.harter@zmbp.uni-tuebingen.de</p><p>Prof. Dr. Detlef Weigel, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Abteilung für Molekularbiologie <br>T 07071 601-1410, E &lt;link&gt;detlef.weigel@tuebingen.mpg.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14125</guid><pubDate>Tue, 21 Feb 2017 19:08:00 +0100</pubDate><title>Neuer Ansatz in der Behandlung von Entzündungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neuer-ansatz-in-der-behandlung-von-entzuendungen/</link><description>Tübinger Forscher identifizieren ein Protein als wichtige „Stellschraube“ im Entzündungsgeschehen – Krebsmedikament könnte zur Therapie als Hemmstoff eingesetzt werden</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forscherinnen und Forscher der Universität Tübingen haben gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und den USA ein Protein als wichtige „Stellschraube“ für die Entstehung von Entzündungen im menschlichen Körper genauer identifiziert. Wie Professor Alexander Weber aus der Abteilung Immunologie des Interfakultären Instituts für Zellbiologie berichtete, wird das Protein mit der Bezeichnung Brutons Tyrosinkinase, kurz BTK, bei der Aktivierung des Entzündungsgeschehens im menschlichen Körper eingeschaltet und spielt somit bei der anschließenden Entfaltung der Entzündung eine wesentliche Rolle.</p><p>Entzündungen sind bei vielen Erkrankungen wichtig für den Heilungsprozess. Zugleich können sie bei Erkrankungen wie Gicht, Alzheimer, Atherosklerose, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall aber auch negative Folgen haben und die Erkrankungsfolgen verstärken. Entzündungszustände werden unter anderem durch eine molekulare Maschinerie gesteuert, die Immunologen als „Inflammasom“ bezeichnen. Dabei werden zunächst Zellen des Immunsystems aktiviert, die wiederum bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen, die so genannten Zytokine.</p><p>„Da die Funktionsweise des Inflammasoms noch nicht im Detail aufgeklärt ist, fehlen auch in der Klinik derzeit therapeutische Ansätze, die direkt die molekulare Maschinerie des Inflammasoms als Entzündungsauslöser blockieren könnten“, sagt Weber. Stattdessen zielen bislang verfügbare Therapien in erster Linie auf deutlich später einsetzende Symptome einer Entzündung. Diese therapeutische Lücke motivierte die Tübinger Forscherinnen und Forscher, das Inflammasom genauer zu erforschen, um neue Angriffspunkte für die direktere Hemmung von Entzündungen zu finden.</p><p>Im Zuge ihrer Untersuchungen stieß Webers Team auf das Protein BTK als wesentliche „Stellschraube“ des Inflammasoms. „Brutons Tyrosinkinase ist seit vielen Jahren als genetische Ursache für die sehr seltene Immunschwäche Morbus Bruton bekannt“, erklärt Xiao Liu, Doktorandin in der Abteilung Immunologie. Bei dieser Krankheit fehlen den Betroffenen schützende Antikörper, denn BTK ist für Reifung und Funktion der so genannten B-Zellen zwingend erforderlich. Diese spezialisierten weißen Blutkörperchen sind für die Antikörperproduktion im menschlichen Organismus unabdingbar. Gemeinsam mit weiteren Kollegen in Tübingen, Bonn, Freiburg, Ulm und Baltimore (USA) konnten die Tübinger Immunologen zeigen, dass BTK direkter Bestandteil des Inflammasoms ist und Patienten mit BTK-Mutationen, das heißt mit Morbus Bruton, auch einen Defekt des Inflammasoms zeigen.</p><p>Nach Webers Worten rückt damit ein neuer Ansatz für die Behandlung von Entzündungen in den Bereich des Möglichen. Arzneimittel, welche die Aktivität von BTK hemmen können, werden seit kurzem für die Therapie einer bestimmten Form von Lymphdrüsenkrebs verwendet, der durch entartete B-Zellen ausgelöst wird. Entsprechende Arzneimittel, so genannte BTK-Hemmer, sind inzwischen auch in Deutschland zugelassen. „Wir konnten zeigen, dass eine Hemmung von BTK experimentell das Entzündungsgeschehen stark bremsen kann“, sagt Weber. In Immunzellen von Krebspatienten, die regelmäßig BTK-Hemmer zur Behandlung ihrer Krebserkrankung einnehmen, sei die Zytokin-Freisetzung effektiv blockiert und das Inflammasom praktisch lahmgelegt.</p><p>„Somit könnten Patienten, die unter den Folgen eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder Gicht leiden, möglicherweise vom Einsatz eines BTK-Hemmers in Zukunft deutlich profitieren“, erklärt Weber. Denn in diesen Fällen scheint das Inflammasom als Krankheitstreiber zu fungieren. Da BTK-Hemmer bereits in der klinischen Entwicklung weit fortgeschritten sind, könnte der Weg bis hin zu dieser neuen klinischen Anwendung, welche allerdings aktuell noch nicht zugelassen ist, kürzer ausfallen als bei Ansätzen, für die es noch keinen entsprechenden Wirkstoff gibt. „Unsere Ergebnisse und die unserer Kollegen geben Anlass dazu, diese Möglichkeit in weiterer experimenteller Forschung und in klinischen Studien auszuloten“, erklären die Tübinger Forscher abschließend.</p><h3>Publikation: </h3><p>Liu X, Pichulik P, Wolz OO, Dang TM, Stutz A, Page C, Delmiro Garcia M, Kraus H, Dickhöfer S, Daiber E, Münzenmayer L, Wahl S, Rieber N, Kümmerle-Deschner J, Yazdi A, Franz-Wachtel M, Macek B, Radsak M, Schulte S, Stickel JS, Hartl D, Latz E, Grimbacher B, Miller L, Brunner C, Wolz C, Weber AN. Human NLRP3 inflammasome activity is regulated by and therapeutically targetable via BTK. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2017, &lt;link http: dx.doi.org j.jaci.2017.01.017&gt;<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2017.01.017" target="_blank" rel="noreferrer">dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2017.01.017</a>.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Professor Alexander Weber <br>Universität Tübingen<br>Interfakultäres Institut für Zellbiologie<br>Abteilung Immunologie<br>Telefon +49 7071 29-87623<br>&lt;link&gt;alexander.weber@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15865</guid><pubDate>Wed, 15 Feb 2017 19:00:00 +0100</pubDate><title>Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/hoch-wirksamer-malaria-impfstoff-erfolgreich-getestet/</link><description>Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/news_import/malaria_labor01.jpg" length="42356" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>In einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoff gegen Malaria haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums und der Universität Tübingen einen Impfschutz von bis zu 100 Prozent erreicht. Wie Professor Peter Kremsner und Dr. Benjamin Mordmüller vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichteten, wurden für die Impfung Malaria-Parasiten des Biotechnologie-Unternehmens Sanaria eingesetzt. Der Impfstoff basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malaria-Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Dieser neue Impfansatz wurde in einer DZIF-Studie  erstmals klinisch getestet. Die Ergebnisse wurden am 15. Februar im Fachmagazin <em>Nature </em>veröffentlicht. &lt;link http: dx.doi.org nature21060 external-link-new-window external link in new&gt;DOI: 10.1038/nature21060<br><br>Malaria-Parasiten werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Für die Mehrzahl der Malaria-Erkrankungen weltweit und nahezu alle Todesfälle ist der Parasit Plasmodium falciparum verantwortlich. Bisherige Impfstoffkandidaten basierten zumeist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger. Es zeigte sich jedoch, dass durch derartige Impfungen keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde. An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde, erwachsene Probanden teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. In dieser Gruppe zeigten alle Probanden anschließend einen 100-prozentigen Impfschutz.<br><br>„Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-Antworten gegen die Parasiten in der Leber“, erklärte Professor Peter Kremsner. Zudem habe man die Immunreaktion des Körpers analysiert und Proteinmuster identifiziert, die eine weitere Verbesserung des Impfstoffs ermöglichen. Die Wissenschaftler spritzten die lebendigen Malaria-Parasiten und verhinderten eine Erkrankung der Probanden durch die gleichzeitige Gabe von Chloroquin, einem seit langem genutzten Malaria-Medikament.<br><br>Die Tübinger Forscher machten sich bei der Studie Eigenschaften sowohl des Parasiten wie auch des Gegenmittels Chloroquin zunutze. So kommt Plasmodium falciparum, nachdem ein Mensch infiziert ist, zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Zudem wirkt Chloroquin nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt, ins Blut wandert und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet und somit der Ausbruch der Krankheit verhindert.<br><br>„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen“, sagte Studienleiter Benjamin Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben.“ In der Gruppe der Probanden, die nach dreimaliger Gabe einer hohen Dosis von Parasiten einen 100-prozentigen Impfschutz gezeigt haben, sei dieser auch zehn Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden, eine messbare Immunantwort noch wesentlich länger. Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen. Im nächsten Schritt soll er im Rahmen einer weiteren klinischen Studie in Gabun über mehrere Jahre auf Wirksamkeit getestet werden. In dieser Region gehört Malaria zu den größten Gesundheitsproblemen. Die Universität Tübingen kooperiert in Gabun seit vielen Jahren mit dem von Albert Schweitzer gegründeten Hospital in Lambaréné sowie dem benachbarten medizinischen Forschungszentrum, dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné. Diese Kooperation wird im Rahmen des DZIF weiter gestärkt.<br><br>Malaria ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten allein im Jahr 2015 rund 214 Millionen Menschen durch den Malaria-Parasiten. Schätzungsweise 438.000 Menschen starben an den Folgen, rund 90 Prozent davon in Afrika. Nahezu drei Viertel der tödlichen Erkrankungen betreffen Kinder unter fünf Jahren. Seit mehr als 100 Jahren forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff. Mit einer wirksamen Vakzine ließe sich Malaria einfacher kontrollieren, in stark betroffenen Gebieten könnten Impfkampagnen durchgeführt werden, um den Erreger zu eliminieren. Außerdem könnte ein Impfstoff die Ausbreitung von Resistenzen verhindern und Reisende besser schützen.</p><p><img data-htmlarea-file-uid="382660" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="uploads/media/_processed_/csm_malaria_labor02_b611d72eee.jpg" alt title="Der Impfstoff wurde in einer klinischen Studie am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen getestet. Foto: Paul Mehnert / Universität Tübingen" height="200" width="300" style></p><p>Der Impfstoff wurde in einer klinischen Studie am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen getestet. Foto: Paul Mehnert / Universität Tübingen</p><p><img data-htmlarea-file-uid="382665" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="uploads/media/_processed_/csm_malaria_parasite_cd68c4566f.jpg" alt title="Mikroskopische Aufnahmen des Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum. Der Parasit - als dunkelblauer Ring, Punkt oder Halbkreis zu sehen – hat menschliche Blutzellen befallen. Foto: Universität Tübingen" height="219" width="300" style></p><p>Mikroskopische Aufnahmen des Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum. Der Parasit - als dunkelblauer Ring, Punkt oder Halbkreis zu sehen – hat menschliche Blutzellen befallen. Foto: Universität Tübingen</p><p><img data-htmlarea-file-uid="382666" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="uploads/media/_processed_/csm_malaria_infografik_hk_150dpi_79e5687984.jpg" alt title="Grafik: Universität Tübingen" height="212" width="300" style></p><p>Grafik: Universität Tübingen</p><h3>Weiterführende Informationen:</h3><p>&lt;link http: www.who.int malaria publications world-malaria-report-2016 report en&gt;<a href="http://www.who.int/malaria/publications/world-malaria-report-2016/report/en/" target="_blank" rel="noreferrer">www.who.int/malaria/publications/world-malaria-report-2016/report/en/</a></p><p>Hochaufgelöste Versionen dieser und weiterer Bilder unter: <br>&lt;link http: www.pressefotos.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria-Impfstoff_UT.zip" target="_blank" rel="noreferrer">www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria-Impfstoff_UT.zip</a></p><p>Kurzvideo zum aktuellen Forschungsergebnis unter: <br>&lt;link http: www.pressefotos.uni-tuebingen.de video.zip external-link-new-window&gt;<a href="http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria" target="_blank" rel="noreferrer">www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria</a> Video.zip</p><p>Infografik unter:<br>&lt;link http: www.pressefotos.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/2017-02-10_Malaria_infografik_hk_print_4c.zip" target="_blank" rel="noreferrer">www.pressefotos.uni-tuebingen.de/2017-02-10_Malaria_infografik_hk_print_4c.zip</a></p><p>Bitte beachten Sie Bildrechte!</p><h3>Publikation: </h3><p>Benjamin Mordmüller, Güzin Surat, Heimo Lagler, Sumana Chakravarty, Andrew S. Ishizuka, Albert Lalremruata, Markus Gmeiner, Joseph J. Campo, Meral Esen, Adam J. Ruben, Jana Held, Carlos Lamsfus Calle, Juliana B. Mengue, Tamirat Gebru, Javier Ibáñez, Eric R. James, Peter F. Billingsley, Natasha KC, Anita Manoj, Tooba Murshedkar, Anusha Gunasekera, Abraham G. Eappen, Tao Li, Richard E. Stafford, MingLin Li, Phil L. Felgner, Robert A. Seder, Thomas L. Richie, B. Kim Lee Sim, Stephen L. Hoffman &amp; Peter G. Kremsner: Sterile protection against human malaria by chemoattenuated PfSPZ vaccine, <em>Nature</em>, &lt;link http: dx.doi.org nature21060 external-link-new-window external link in new&gt;DOI: 10.1038/nature21060</p><h3>Kontakt:</h3><p>Prof. Dr. Peter Kremsner<br>Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Telefon: +49 7071 29-87179<br>&lt;link&gt;peter.kremsner@uni-tuebingen.de</p><p><br>PD Dr. Benjamin Mordmüller<br>Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen<br>Institut für Tropenmedizin<br>Telefon +49 7071 29-85446<br>&lt;link&gt;benjamin.mordmueller@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p>&lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles external-link-new-window externen link in neuem&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuelles</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/news_import/malaria_labor01.jpg" lenght="42356" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15361</guid><pubDate>Tue, 14 Feb 2017 10:00:00 +0100</pubDate><title>Universitäten Stuttgart und Tübingen gehen eine regionale Forschungsallianz „System Mensch“ ein </title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/universitaeten-stuttgart-und-tuebingen-gehen-eine-regionale-forschungsallianz-system-mensch-ein/</link><description>Durch Förderung des Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg arbeiten Systemwissenschaften, Biologie, Informatik und Medizin zusammen </description><content:encoded><![CDATA[<p>In der Ausschreibung „Regionale Forschungsallianzen Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst haben die Universität Stuttgart und die Universität Tübingen gemeinsam das Projekt „System Mensch: Vom digitalen Modell zur Anwendung“ eingeworben. Außerdem bringen sich in die Forschungsallianz Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für biologische Kybernetik und für Intelligente Systeme sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung ein. Mit dieser regionalen Forschungsallianz wird eine strategische Grundlage für eine längerfristige Kooperation der beteiligten Partner gelegt, die im Anschluss an die dreijährige Förderung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Höhe von insgesamt einer Million Euro fortgeführt und weiter ausgebaut werden soll.</p><p>Beide Universitäten sehen in der Vernetzung der komplementären Schwerpunkte eine deutliche Stärkung und durch die systemorientierte Fokussierung auf den Menschen eine Schwerpunktsetzung mit großem Zukunftspotenzial. Tübinger Sprecher der neuen Forschungsallianz ist Professor Wolfgang Rosenstiel, der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Stuttgarter Sprecher ist Professor Frank Allgöwer vom Institut für Systemtheorie und Regelungstechnik.</p><p>„In dieser Allianz geht es nicht nur darum, den Menschen besser zu verstehen. In dieser Allianz wird der Nutzen der Digitalisierung für den Menschen konkret und anfassbar“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.</p><p>Der Mensch ist ein hochkomplexes biologisches System, das sich durch ein fein aufeinander abgestimmtes, intelligentes Zusammenspiel einzelner Untereinheiten auszeichnet. Dieses dynamische Zusammenspiel gilt als energieeffizient, störungsrobust und hochgradig integriert. Die Vision der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Kooperationsbeziehung ist es, durch system-theoretische Modellierung ein tiefgehendes Verständnis für das komplexe System Mensch zu erlangen. Dieses soll als Modell für das Design technischer Systeme nutzbar werden. Indem auch die Störanfälligkeiten des Systems Mensch erforscht werden, eröffnen sich zudem Ansätze zu neuen medizinischen Therapien. Die Entwicklung von Modellen des Systems Mensch, die den neuronalen und generell den biologischen Grundlagen menschlichen Lebens Rechnung tragen, zielt darauf ab, einerseits erfolgreiche Mensch-Maschine-Interaktionen zu ermöglichen und andererseits die Diagnostik und Therapie krankheitsbedingter Störungen grundlegend zu verbessern. Hierbei stehen vor allem Erkrankungen des zentralen Nervensystems im Vordergrund.</p><p>Bei den Modellierungsansätzen wollen die Forscherinnen und Forscher der Universitäten Stuttgart und Tübingen in die Zusammenarbeit ihre jeweiligen Stärken aus den Systemwissenschaften, der Informatik, der Biologie und der experimentell beziehungsweise therapeutisch orientierten Medizin einbringen.</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Wolfgang Rosenstiel</p><p>Universität Tübingen</p><p>Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät</p><p>Telefon +49 7071 29-78090</p><p>&lt;link mail window for sending&gt;wolfgang.rosenstiel[at]uni-tuebingen.de </p><p>Prof. Dr. Frank Allgöwer</p><p>Universität Stuttgart</p><p>Institut für Systemtheorie und Regelungstechnik (IST)</p><p>Telefon + 49 711 685-67734</p><p>&lt;link mail window for sending&gt;frank.allgower[at]ist.uni-stuttgart.de <br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Janna Eberhardt</h5><h5>Forschungsredakteurin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-77853</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>janna.eberhardt[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15082</guid><pubDate>Mon, 13 Feb 2017 10:17:00 +0100</pubDate><title>Ehrendoktorwürde für Patriarch Bartholomaios I.</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ehrendoktorwuerde-fuer-patriarch-bartholomaios-i/</link><description>Evangelische Fakultät der Universität Tübingen würdigt Oberhaupt der Orthodoxen Kirche für seine Verdienste um die Ökumene</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen verleiht die Ehrendoktorwürde an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Sie würdigt damit sein herausragendes und jahrzehntelanges Engagement und seine Verdienste für die Verständigung zwischen dem orthodoxen Patriarchat und der evangelischen Kirche. Der durch den Ökumenischen Patriarchen ermöglichte und gepflegte Kontakt zwischen den beiden Konfessionen schaffe ein tiefes gegenseitiges theologisches Verstehen und fördere so besonders den wissenschaftlichen Austausch, sagte die Fakultät.</p><p><br>Sein Einsatz für die Erhaltung der Schöpfung stelle darüber hinaus eine Herausforderung für die gesellschaftlichen Aufgaben der christlichen Kirchen und der wissenschaftlichen Theologie dar. Der Ökumenische Patriarch repräsentiere ein theologisch hoch reflektiertes und gesellschaftlich verantwortliches Christentum in Europa und weltweit wie auch im Dialog mit anderen Religionen. „Er fordert nachdrücklich den sozialen Zusammenhalt in den europäischen Gesellschaften. Das gesamte theologische Schaffen des Ökumenischen Patriarchen wie auch seine spirituelle Orientierungskraft sind auf den Erhalt und die Förderung von Frieden und Freiheit zwischen den Religionen und den gegenwärtigen Gesellschaften ausgerichtet“, so die Begründung der Fakultät. „Der vielfach geehrte Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. ist eine herausragende, zugleich mahnende und ermutigende Stimme christlicher Religion und Theologie in einem pluralen Europa.“</p><p><br>Die Auszeichnung erfolgt am 30. Mai 2017 in einer öffentlichen Feier. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. folgt mit seiner Reise nach Deutschland einer Einladung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zum Reformationsjubiläum 2017. Mit der Auszeichnung von Patriarch Bartholomaios I. im Gedenkjahr der Reformation 2017 wird auch auf lutherisch-orthodoxe theologische Kontakte Bezug genommen, zu denen es bereits im 16. Jahrhundert zwischen Tübingen und Konstantinopel kam. Nachdem auf diplomatischen Kanälen 1573 aus Württemberg Kontakte geknüpft waren, übersandte der Gräzist Martin Crusius im Jahr 1574 Patriarch Jeremias II. den ins Griechische übertragenen Text des für die lutherische Konfession zentralen Augsburgischen Glaubensbekenntnisses. Es entwickelte sich ein bis 1581 hinziehender brieflicher Austausch des Patriarchen mit lutherischen Theologen über zentrale konfessionelle Fragen. In der Gegenwart wird seit Jahren wieder ein intensiver bilateraler Dialog zwischen der EKD und dem Ökumenischen Patriarchat geführt.</p><p><br>Der Festakt in Tübingen bildet den Auftakt zu einer zweitägigen wissenschaftlichen Tagung zum Thema Christliche Freiheit mit orthodoxen und protestantischen Theologinnen und Theologen. Bereits am 29. Mai wird der Patriarch in Stuttgart unter der Begleitung des Ratsvorsitzenden der EKD mit Vertretern aus der Politik und dem Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, zusammentreffen.</p><p><br>Bartholomaios I. wurde 1940 als Dimitrios Archondonis auf der Insel Imbros (Türkei) geboren. Nach dem theologischen Diplom auf Chalki und der Diakonenweihe auf Imbros leistete er von 1961 bis 1963 seinen Militärdienst in der türkischen Armee. In den Jahren 1963 bis 1968 studierte er in Rom, München und Bossey. Im Jahr 1968 wurde er an der Gregoriana zum Dr. Iuris Canonici promoviert. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde er zum Archimandriten geweiht. Von 1972 bis 1980 leitete er das Büro des Patriarchen Dimitrios. Am 25. Dezember 1973 wurde er zum Metropoliten von Philadelphia erhoben, und seit 1974 ist er Mitglied der Heiligen Synode des Ökumenischen Patriarchats. Im Jahr 1990 wurde er zum Metropoliten von Chalcedon erhoben, und am 22. Oktober desselben Jahres wurde er zum Ökumenischen Patriarchen gewählt.</p><h3><br>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Michael Tilly<br>Universität Tübingen<br>Evangelisch-Theologische Fakultät<br>Telefon: +49 7071 29 - 72538<br>&lt;link&gt;michael.tilly@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14025</guid><pubDate>Thu, 09 Feb 2017 10:28:00 +0100</pubDate><title>Die Retina im Rausch der Kanäle</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-retina-im-rausch-der-kanaele/</link><description>Den biologischen Grundlagen des Sehens auf der Spur: Tübinger Neurowissenschaftler erforschen die „Arbeitsteilung“ in der Netzhaut</description><content:encoded><![CDATA[<p>Was wir sehen, wird nicht erst im Gehirn verarbeitet. Bereits in der Netzhaut sind zahlreiche verschiedene Zelltypen dafür verantwortlich, visuell Wahrgenommenes in seine Komponenten zu zerlegen und diese auf verschiedenen Kanälen an das Gehirn weiterzuleiten. Dabei spielen die sogenannten Bipolarzellen eine zentrale Rolle, denn sie verarbeiten die Reize aus den lichtempfindlichen Zellen des Auges als erstes. Ihre Arbeitsweise haben Tübinger Neurowissenschaftler nun in einer Studie detailliert untersucht, die am Mittwoch im Fachmagazin Nature veröffentlicht wird, DOI: 10.1038/nature21394.</p><p><br>In jeder Sekunde sehen, hören, spüren, riechen, schmecken wir, was um uns herum geschieht. Aber das Sehen prägt wohl am stärksten die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Doch wie gelangen Informationen aus der Umwelt, die als Lichtmuster in unsere Augen projiziert werden, eigentlich in unser Gehirn und erzeugen dort eine visuelle Repräsentation der Welt? Sicher ist: Es ist kompliziert. Denn wir sehen nicht einfach ein Bild, das aus einzelnen Punkten zusammengesetzt ist, wie eine Photographie. Stattdessen verarbeitet unser Sehsystem visuelle Eindrücke auf vielen Kanälen gleichzeitig und erzeugt aus ihnen ein vielschichtiges größeres Ganzes. Bereits die erste Stufe des Sehsystems, die Retina (Netzhaut), liefert Informationen über Farben, Kontrast, Bewegung und Helligkeit. Einzelne Objekte stechen dadurch aus dem Hintergrund hervor. Bewegte Reize erregen unsere besondere Aufmerksamkeit, wir erkennen sie auf einen Blick.</p><p><br>Damit visuelle Information das Gehirn auf diesen unterschiedlichen Kanälen erreichen kann, werden Bilder bereits in der Retina in hochkomplexer Weise verarbeitet. Der dafür verantwortlichen retinalen „Schalttafel“ aus zahlreichen unterschiedlich spezialisierten Nervenzelltypen geht ein Forscherteam um Professor Thomas Euler vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und dem Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen bereits seit Jahren auf den Grund. Ihre Aufmerksamkeit galt zuletzt den Bipolarzellen; diese sind das Bindeglied zwischen den lichtempfindlichen Rezeptorzellen des Auges und den sogenannten retinalen Ganglienzellen, über die visuelle Information schließlich das Gehirn erreicht. 14 verschiedene Typen von Bipolarzellen wurden bisher genetisch und anatomisch unterschieden. Die Tübinger Forscher testeten daher die Hypothese, dass jeder dieser Zelltypen einen Informationskanal mit eigener Funktion darstellt. Aber wie genau unterscheiden sich diese verschiedenen Kanäle, welche Mechanismen stecken dahinter?</p><p><br>Um diese Frage zu beantworten, zeigten die Forscher den Netzhäuten von Mäusen verschiedenste Lichtmuster. Gleichzeitig maßen sie die Aktivität einzelner Bipolarzellen an deren Ausgangssynapsen mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffes. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass Daten von sehr vielen Synapsen (hier &gt;13,000) und allen Bipolarzell-Typen gewonnen werden können.</p><p><br>Ein überraschendes Ergebnis der Studie war, dass sich die 14 Bipolarzell-Typen bei punktförmigen Lichtreizen nur sehr wenig in ihrer Funktion unterschieden. Erst ausgedehnte Lichtreize, die weit größer als das rezeptive Feld – das zentrale „Einzugsgebiet“ – der Zelle waren, lösten unterschiedliche Signale in den verschiedenen Informationskanälen aus. Weitere Experimente zeigten, dass Interaktionen mit Nachbarzellen – den sog. Amakrinzellen – für diese Aufweitung des Informationsspektrums verantwortlich sind.</p><p><br>Katrin Franke, die die Studie konzipierte und durchführte, erklärt dies so: „Anstatt nur an das Gehirn zu melden ‘in meinem rezeptiven Feld ist es gerade hell/dunkel/grün/blau‘, können einige Bipolarzell-Typen mit dem Input ihrer Amakrinzellen-Nachbarn Informationen senden wie ‘bei mir ist es hell, aber nebenan ist es dunkel‘. Aus solchen detaillierten Informationen kann das Gehirn dann einen vielschichtigen Eindruck von Übergängen und Kontrasten, Kanten und Bewegungen erzeugen.“</p><p><br>Die Signalverarbeitung in der Netzhaut besser zu verstehen, dient nicht nur der Grundlagenforschung, sondern auch der Augenheilkunde. So ist an der Augenklinik der Universität Tübingen für Patienten mit degenerativen Augenerkrankungen seit Jahren ein Netzhautimplantat in Entwicklung, das genau bei den Bipolarzellen ansetzt. Diese bilden nämlich die nächste Zellschicht nach den krankheitsbedingt zerstörten Lichtrezeptorzellen. Die neuen Ergebnisse dürften die anwendungsorientierte Forschung in diesem Bereich daher nachhaltig befördern.</p><h3><br>Publikation:</h3><p>Katrin Franke, Philipp Berens, Timm Schubert, Matthias Bethge, Thomas Euler, Tom Baden: Inhibition Decorrelates Visual Feature Representations in the Inner Retina. Nature (im Druck). 08. Februar 2017.</p><h3><br>Autorenkontakt:</h3><p>Tom Baden <br>Sussex Neuroscience, School of Life Sciences<br>University of Sussex, Brighton UK</p><p>Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Universität Tübingen</p><p><br>&lt;link&gt;t.baden[at]sussex.ac.uk <br>&lt;link http: www.badenlab.org&gt;www.badenlab.org</p><p><br>Thomas Euler <br>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</p><p>Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Universität Tübingen<br>&lt;link&gt;thomas.euler[at]cin.uni-tuebingen.de <br>&lt;link http: www.eulerlab.org&gt;www.eulerlab.org</p><h3><br>Pressekontakt CIN:</h3><p>Dr. Paul Töbelmann<br>Universität Tübingen<br>Wissenschaftskommunikation<br>Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)<br>Tel.: +49 7071 29-89108<br>&lt;link&gt;paul.toebelmann[at]cin.uni-tuebingen.de<br>&lt;link http: www.cin.uni-tuebingen.de&gt;www.cin.uni-tuebingen.de<br> </p><h3>Die Universität Tübingen</h3><p>Die Universität Tübingen gehört zu den elf deutschen Universitäten, die als exzellent ausgezeichnet wurden. In den Lebenswissenschaften bietet sie Spitzenforschung im Bereich der Neurowissenschaften, Translationalen Immunologie und Krebsforschung, der Mikrobiologie und Infektionsforschung sowie der Molekularbiologie. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Geo- und Umweltforschung, Archäologie und Anthropologie, Sprache und Kognition sowie Bildung und Medien. Mehr als 28.400 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Universität Tübingen eingeschrieben. Ihnen steht ein Angebot von rund 300 Studiengängen zur Verfügung – von der Ägyptologie bis zu den Zellulären Neurowissenschaften.</p><h3>&nbsp;</h3><h3><br>Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN)</h3><p>Das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) ist eine interdisziplinäre Institution an der Eberhard Karls Universität Tübingen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ziel des CIN ist es, zu einem tieferen Verständnis von Hirnleistungen beizutragen und zu klären, wie Erkrankungen diese Leistungen beeinträchtigen. Das CIN wird von der Überzeugung geleitet, dass dieses Bemühen nur erfolgreich sein kann, wenn ein integrativer Ansatz gewählt wird.</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13448</guid><pubDate>Wed, 08 Feb 2017 10:09:00 +0100</pubDate><title>Wie Pflanzen ihre Nachkommen vor künftigen Gefahren schützen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/wie-pflanzen-ihre-nachkommen-vor-kuenftigen-gefahren-schuetzen/</link><description>Tübinger Biologen weisen den „parentalen Umwelteffekt“ in der Praxis nach – und wie dieser evolutionär entsteht</description><content:encoded><![CDATA[<p>Pflanzen können nicht nur Genvarianten an ihre Nachkommen weitergeben, sondern auch Informationen über Umwelterfahrungen, die sie selber gemacht haben. Dieses Phänomen wird als „parentaler Umwelteffekt“ bezeichnet, er wird sowohl von Klimabedingungen als auch von der Pflanzendichte beeinflusst, also dem Maß, in dem Pflanzen um Ressourcen konkurrieren. In einer neuen Studie bestätigen Vegetationsökologen der Universität Tübingen nun, dass diese Fähigkeit zur Anpassung von Arten an ihre Umwelt beiträgt. In Gewächshaus- und Feldstudien zeigten sie dabei erstmals, wie sich der parentale Umwelteffekt selbst verändern kann, also evolutionär durch natürliche Selektion entsteht. Die Studie zeigte zudem, dass die Fähigkeit, Nachkommen auf eventuelle Umweltbedingungen „vorzubereiten“, sogar zwischen Populationen innerhalb einer Art variieren kann. Die Studie erschien kürzlich in der Zeitschrift New Phytologist: &lt;link http: onlinelibrary.wiley.com wol1 doi nph.14436 abstract&gt;<a href="http://onlinelibrary.wiley.com/wol1/doi/10.1111/nph.14436/Abstract" target="_blank" rel="noreferrer">onlinelibrary.wiley.com/wol1/doi/10.1111/nph.14436/Abstract</a></p><p>Parentale Umwelteffekte setzen voraus, dass die Eltern die Umweltbedingungen ihrer Nachkommen „vorhersagen“ und sie entsprechend ausrüsten können. Dies ist vor allem in einer variablen Umwelt von Vorteil, beispielsweise in Wüstenregionen mit stark schwankenden Regenmengen. Das Forscherteam aus Tübingen und Hohenheim hatte sich deshalb die Frage gestellt, wie sehr schon die Vorhersagbarkeit künftiger Umweltbedingungen selbst die Evolution des parentalen Effekts beeinflusst.</p><p>Untersucht wurde dies an einjährigen Pflanzen trockener Ökosysteme: Hier können viele Arten nur überleben, wenn sie eine Samenreserve im Boden anlegen. „Ein Teil der Samen ruht ‚schlafend‘ im Boden“, sagt Dr. Christian Lampei, Erstautor der Studie. „Wenn bereits in der Elterngeneration festgelegt werden kann, wann ein günstiger Zeitpunkt für die Keimung ist, kann dies Verluste durch Auskeimen in einem schlechten Jahr minimieren.“ In einer früheren Studie hatte die Arbeitsgruppe der Tübinger Vegetationsökologin Katja Tielbörger bereits festgestellt, dass der parentale Umwelteffekt bewirkt, dass nach trockenen Jahren viele Samen auskeimen und nur wenige Samen als Reserve im Boden bleiben. Nach regenreichen Jahren hingegen keimen weniger Samen aus, es bleiben mehr Reserven im Boden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten geschlussfolgert, dass der Grund hierfür die zu erwartende Konkurrenz war: Nach einem regenreichen, produktiven Jahr ist eine höhere Pflanzendichte zu erwarten, also stärkere Konkurrenz um Ressourcen. Durch die verstärkte Anlage von Reserven (mehr Samen, die nicht keimen) können Pflanzen dies umgehen und ihren Nachkommen durch späteres Auskeimen günstigere Bedingungen verschaffen.</p><p><br>Dieses theoretische Modell zum parentalen Umwelteffekt konnten die Wissenschaftler nun in der aktuellen Studie praktisch nachweisen: Die Autoren untersuchten zwei einjährige Pflanzen, einen Kreuzblütler (Biscutella didyma) und ein Gras (Bromus fasciculatus), und verglichen, wie stark der parentale Umwelteffekt in vier Populationen von Nord- bis Südisrael ausgeprägt war, die unterschiedlichen Klimabedingungen ausgesetzt sind. Zu diesem Zweck zogen sie Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen und mit unterschiedlicher Bewässerungsintensität groß, um dann die Keimung der produzierten Samen zu vergleichen. Zusätzlich verwendeten sie Langzeit-Regendaten, Daten zu Pflanzendichten und zur durchschnittlichen Samenproduktion: Mit diesen berechneten sie, wie gut sich anhand der Regenmenge eines Jahres die Anzahl konkurrierender Pflanzen im Jahr danach vorhersagen ließ, und welche Auswirkungen die zu erwartende Konkurrenz auf die Samenproduktion hatte.</p><p>Mit den Ergebnissen konnten sie für eine der Pflanzen, Biscutella didyma bzw. das Brillenschötchen, den parentalen Umwelteffekt nachweisen. Dieser wurde von der regenreichsten bis zur trockensten Population stetig stärker – je trockener die Umgebung, desto mehr bildeten die Pflanze ihre „Vorsorge“ für den Nachwuchs aus. Parallel dazu wuchs der Zusammenhang zwischen der Regenmenge des Vorjahres und der Pflanzendichte: Je besser sich die Konkurrenzsituation im kommenden Jahr vorhersagen ließ, desto stärker war der parentale Umwelteffekt ausgeprägt. In den Jahren mit hoher Pflanzendichte produzierten Pflanzen im Schnitt weniger Samen ‒ dies bestätigt die Vermutung, dass es einen Vorteil bringt, in solchen Jahren die Auskeimung durch viele Reserven zu verzögern.</p><p>Sehr zum Erstaunen der Autoren zeigte das Gras nicht den erwarteten parentalen Umwelteffekt. Dies bestätigt wiederum die Beobachtung früherer Studien, dass einjährige Pflanzen noch weitere Strategien nutzen können, um in variablen Ökosystemen zu überleben. „Tatsächlich zeigt Bromus fasciculatus eine hohe Trockenresistenz. Das könnte eine Samenreserve überflüssig machen", vermutet Lampei.</p><p><br>Während frühere Studien zeigten, dass parentale Umwelteffekte bei bestimmten Arten zu beobachten sind, zeigt die vorliegende Studie, wie der parentale Umwelteffekte auch innerhalb von Arten zwischen Populationen variiert ‒ und, dass diese Unterschiede nicht zufällig entstanden sind, sondern sehr wahrscheinlich durch natürliche Selektion.</p><h3>Publikation: </h3><p>Lampei, C., Metz, J. and Tielbörger, K. (2017), Clinal population divergence in an adaptive parental environmental effect that adjusts seed banking. New Phytologist. doi: 10.1111/nph.14436</p><h3>Kontakt: </h3><p>Prof. Dr. Katja Tielbörger<br>Universität Tübingen<br>Fachbereich Biologie, Vegetationsökologie<br>Institut für Evolution und Ökologie<br>Tel. +49 7071 29-74246<br>katja.tielboerger[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14471</guid><pubDate>Thu, 02 Feb 2017 09:43:00 +0100</pubDate><title>Medienbotschafter für Indien gesucht</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/medienbotschafter-fuer-indien-gesucht/</link><description>Robert Bosch Stiftung und Zentrum für Medienkompetenz (ZFM) der Universität Tübingen vergeben acht Stipendien an Journalisten </description><content:encoded><![CDATA[<p>Deutsche Journalisten haben in diesem Jahr erneut die Chance, mit Förderung der Robert Bosch Stiftung Gesellschaft und Medienlandschaft Indiens kennenzulernen. Im Rahmen des Programms „Medienbotschafter Indien – Deutschland“ vergibt die Stiftung acht Stipendien für einen dreimonatigen Aufenthalt auf dem indischen Subkontinent. Betreut wird das Programm seit Anfang 2017 vom Zentrum für Medienkompetenz (ZFM) der Universität Tübingen.</p><p><br>Indien wird aus guten Gründen „das Land der Extreme“ genannt. Tradition und Spiritualität treffen auf Hightech-Welt; 2.000 Dialekte zeugen von großer Vielfalt. Von deutschen Medien wird die größte Demokratie der Welt mit überwiegend kritischem Blick beobachtet oder zum exotischen Traum verklärt. Dabei entstehen Zerrbilder, werden alte Klischees bestätigt und neue geprägt. Ein Mittel, dem aktiv zu begegnen, besteht in der Förderung des politischen und kulturellen Austauschs, zu dem Medien einen wichtigen Beitrag leisten können.</p><p><br>Vor diesem Hintergrund ermöglicht das Stipendienprogramm „Medienbotschafter Indien – Deutschland“ interessierten Journalistinnen und Journalisten das Sammeln eigener Erfahrungen vor Ort. Ziel des Programms ist die Förderung qualitativ hochwertiger, differenzierter Berichterstattung sowie des interkulturellen Dialogs frei von Klischees.</p><p><strong>Deutsche Journalisten mit sehr guten Englischkenntnissen können sich bis zum 31. März 2017 für ein zwölfwöchiges Indien-Stipendium bewerben. Erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber reisen vom 1. September bis 30. November 2017 zu ausgewählten Standorten nach Indien.</strong></p><p><br>Die Stipendiaten besuchen zunächst eine Fortbildung an einer renommierten Institution mit Medienfokus, an die sich verschiedene Exkursionen anschließen. Während des weiteren Aufenthalts arbeiten sie in Print-, Hörfunk-, Online- oder TV-Redaktionen in Neu Delhi, Mumbai, Chennai oder in anderen indischen Metropolen. Dort gewinnen sie Einblicke in den Arbeitsalltag ihrer indischen Kolleginnen und Kollegen und recherchieren und produzieren eigene Beiträge für deutsche Medien sowie die Gastredaktion. Die Erfahrungen und Kontakte ermöglichen den Stipendiaten kompetent über aktuelle Entwicklungen in Indien zu berichten.</p><p><br>Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von 1.350 Euro. Die Kosten für Flüge, Visum, Reisekrankenversicherung, Studiengebühren sowie Exkursionen im Rahmen des Programms werden ebenfalls übernommen. Die Programmsprache ist Englisch.</p><p><br>Weitere Informationen zum Programm und Link zur Online-Bewerbung unter<br>&lt;link http: india.medienbotschafter.com&gt;<a href="http://india.medienbotschafter.com/" target="_blank" rel="noreferrer">india.medienbotschafter.com</a>.<br></p><h3><br>Kontakt:</h3><p>Pradnya Bivalkar<br>Universität Tübingen<br>Programmleiterin „Medienbotschafter Indien – Deutschland“<br>Zentrum für Medienkompetenz<br>Telefon +49 7071 29 - 77061<br>&lt;link&gt;pradnya.bivalkar@uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13900</guid><pubDate>Tue, 31 Jan 2017 10:15:00 +0100</pubDate><title>Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält 12. Weltethos-Rede</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/ministerpraesident-winfried-kretschmann-haelt-12-weltethos-rede/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<p>Am <strong>Freitag, den 17. Februar 2017,</strong> hält der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die 12. Weltethos-Rede an der Universität Tübingen. Unter dem Titel „Zusammenhalt in Zeiten des Umbruchs“ spricht er <strong>um 18.15 Uhr im Festsaal der Neuen Aula (Geschwister Scholl-Platz)</strong>. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, der Eintritt frei. Wir weisen darauf hin, dass die Sitzplätze begrenzt sind, Reservierungen sind nicht möglich.</p><p><br>Zur Begrüßung sprechen der Rektor der Universität Tübingen, Professor Dr. Bernd Engler, und der Präsident der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz. Im Anschluss an die Weltethos-Rede wird Eberhard Stilz einen Dialog mit Ministerpräsident Kretschmann führen.</p><p><br>Die Weltethos-Reden werden seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Stiftung Weltethos und der Universität Tübingen organisiert. Herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln Stellung zur Weltethos-Thematik. Die Frage nach einem „Weltethos“ geht zurück auf die Programmschrift „Projekt Weltethos“ (1990) von Professor Hans Küng, der aufzeigt, dass es zwischen den großen Religionen und humanistischen Traditionen einen Grundkonsens an verbindenden Werten, Maßstäben und Grundhaltungen gibt. Diesen gilt es bewusst zu machen und zu nutzen, als Grundlage für Dialog und Verständigung der Kulturen und für ein gelingendes Miteinander in unseren Gesellschaften.</p><p><br>Zu den Weltethos-Rednern gehörten unter anderem Kofi Annan (2003), Helmut Schmidt (2007), Desmond Tutu (2009) und Paul Kirchhof (2014). Aufgezeichnete Reden sind zu finden unter: &lt;link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles archive thematische-archive weltethosrede.html&gt;www.uni-tuebingen.de/aktuelles/archive/thematische-archive/weltethosrede.html</p><p>Die Rede kann ab 18.15 Uhr im öffentlichen <strong>Live Stream </strong>auf timmscast (&lt;link http: timmscast.uni-tuebingen.de&gt;<a href="http://timmscast.uni-tuebingen.de" target="_blank" rel="noreferrer">timmscast.uni-tuebingen.de</a>) mitverfolgt werden.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Dr. Stephan Schlensog<br>Generalsekretär Stiftung Weltethos<br>Telefon +49 7071 – 62646<br>&lt;link&gt;schlensog[at]weltethos.org<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15949</guid><pubDate>Fri, 27 Jan 2017 09:06:00 +0100</pubDate><title>Die vielen Gesichter der Universität</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/die-vielen-gesichter-der-universitaet/</link><description>Studierende konzipieren Ausstellung zu Diversität auf dem Campus ‒ Vernissage am 1. Februar im Bonatzbau ‒ Universität Tübingen unterzog sich Audit „Vielfalt gestalten“</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-01-27ausstellung.jpg" length="284793" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Gesellschaften werden immer bunter – Universitäten auch. Kein Zufall, dass an Universitäten eigene Diversity-Stellen eingerichtet werden oder etwa ein Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung, wie an der Universität Tübingen. Aber was bedeutet Diversität an einer Universität – ist sie Potential oder Problem, Chance für ein neues akademisches Selbstverständnis oder doch nur ein leeres Versprechen auf Chancengleichheit? Und: Welche „neue Normalität“ universitärer Kultur wird im Kontext der Exzellenzinitiative angestrebt? Wie zeigt sich Diversität und wo wird sie im studentischen Alltag praktiziert ‒ oder auch nicht?</p><p>Studierende haben sich diesen Fragen in der Ausstellung „Universität. Diversität! Wir? 13 Momentaufnahmen aus dem Tübinger Uni-Alltag“ gewidmet. Sie ist vom 1. Februar bis zum 23. März im Bonatzbau (Wilhelmstr. 32) zu sehen.</p><p>Die Ausstellung ist das Ergebnis eines dreisemestrigen Master-Studierendenprojekts am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft (LUI). 15 Studierende des LUI diskutierten hier unter Leitung von Professor Reinhard Johler den Nutzen und die Schwierigkeiten von Diversity-Kategorien – denn letztlich können diese erst zur Festschreibung von Differenzen führen. Die Studierenden erforschten Diversität auf dem Tübinger Campus zu so verschiedenen Aspekten wie Barrierefreiheit, religiöse Vielfalt, Refugee Students und Internationalisierung oder Vielfalt in Studienfächern. In der Ausstellung zeigen sie Momentaufnahmen zu studentischer Diversität sowie Bilder von eigens durchgeführten Fotoshootings auf dem Campus. Unter dem Motto „We are Diversity“ ließen sich insgesamt 269 Studierende abbilden ‒ die Projektgruppe will damit ein studentisches „Archiv der Diversität“ eröffnen.</p><p>Gestaltet wurde die Ausstellung von 15 Studierenden der Innenarchitektur an der Hochschule für Technik Stuttgart, unter Leitung von Professor Wolfgang Grillitsch und Professor Thomas Hundt.</p><p>Das Ausstellungsprojekt ist auch Teil einer aktuellen Diskussion an der Universität Tübingen: Die Universität hat gerade das zweijährige Audit „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft erfolgreich abgeschlossen. An der Finanzierung des zweijährigen Auditierungsverfahrens beteiligte sich auch die Baden-Württemberg Stiftung. Ziel war es, Aufmerksamkeit für und Wertschätzung von Vielfalt innerhalb der Universität zu fördern und allen Studierenden, die den Willen und die Fähigkeit zum Studium haben, ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen - unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Lebensumständen. Das Studierendenprojekt wurde unter anderem aus Mitteln des Audits gefördert. Informationen zum Audit und Kontakt: &lt;link https: www.uni-tuebingen.de einrichtungen gleichstellung audit-vielfalt-gestalten.html&gt;<a href="https://www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/gleichstellung/audit-vielfalt-gestalten.html" target="_blank" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/gleichstellung/audit-vielfalt-gestalten.html</a></p><p>Die „Momentaufnahmen“ der Ausstellungen sind auch in einem Begleitband erschienen. (Rezensionsexemplare erhältlich unter &lt;link&gt;marlene.kirschbaum[at]uni-tuebingen.de). Der Band ist zum Preis von 19 Euro erhältlich beim &lt;link http: www.tvv-verlag.de external-link-new-window external link in new&gt;Verlag der Tübinger Vereinigung für Volkskunde.</p><h3>Informationen zur Ausstellung: </h3><p>&lt;link https: www.facebook.com&gt;<a href="https://www.facebook.com/13-Momentaufnahmen-aus-dem-T%C3%BCbinger-Uni-Alltag-1864274913819241/?ref=aymt_homepage_panel" target="_blank" rel="noreferrer">www.facebook.com/13-Momentaufnahmen-aus-dem-T%C3%BCbinger-Uni-Alltag-1864274913819241/</a></p><p>&lt;link http: diversity.heliotronic.de&gt;<a href="http://diversity.heliotronic.de/" target="_blank" rel="noreferrer">diversity.heliotronic.de</a></p><h3>Ansprechpartner: </h3><p>Projektgruppe „Universität. Diversität. Wir?“<br>Universität Tübingen<br>Harry Gottschling <br>Telefon 0176 31550007 <br>&lt;link&gt;harry.gottschling[at]student.uni-tuebingen.de</p><p>Nils Lassen <br>Telefon 0176 92685556 <br>&lt;link&gt;nils.lassen[at]student.uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/9/5/csm_17-01-27ausstellung_0ae48c60ff.jpg" lenght="284793" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-15857</guid><pubDate>Thu, 26 Jan 2017 14:48:00 +0100</pubDate><title>Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie geht nach Dänemark</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-und-quartaeroekologie-geht-nach-daenemark/</link><description>Universität Tübingen zeichnet  Trine Kellberg Nielsen für ihre Forschung zur Besiedlung Skandinaviens aus</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-01-26Nielsen.jpg" length="1213562" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Den Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie erhält in diesem Jahr Dr. Trine Kellberg Nielsen von der Universität Aarhus in Dänemark. Die Archäologin wird für Ihre Dissertation „Northern Neanderthals: A systematic assessment of the possibility of a pre-modern human occupation of southern Scandinavia” ausgezeichnet. Darin zeichnete sie die Diskussion darüber nach, ob Skandinavien auch schon in Warmzeiten vor der letzten Eiszeit besiedelt wurde.</p><p>Trine Kellberg Nielsen absolvierte 2008 ihren Bachelor am Department of Anthropology der Universität Aarhus. Für ihr Masterstudium wechselte sie an das „Department of Human Origins“ der Universität Leiden, Niederlande. 2016 wurde sie in Aarhus promoviert, wo sie nun als Postdoc am „Centre for Biocultural History“ forscht. Im Jahr 2015 war sie für einen längeren Forschungsaufenthalt an der Universität Tübingen tätig, bei der Forschungsstelle „The Role of Culture in Early Expansions of Humans (ROCEEH) der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. </p><p>Dass moderne Menschen Skandinavien rasch nach der letzten Eiszeit besiedelten, ist belegt. Über die Frage, ob es auch eine Besiedlung durch Neandertaler in einer früheren Warmzeit gab, entbrennen in Skandinavien immer wieder hitzige Diskussionen, meist anhand von Steingeräte-Funden durch Privatsammler. Nielsen hat das Thema aus verschiedensten Perspektiven beleuchtet: Unter anderem verglich sie den möglichen Lebensraum in Südskandinavien in der sogenannten Eem-Warmzeit (Warmzeit vor 126.000-115.000 Jahren, benannt nach dem niederländischen Fluss Eem) mit den Ansprüchen von Neandertalern an ihren Lebensraum. Sie betrachtete die Steingeräte-Funde morphologisch und in ihrem wahrscheinlichen Fundkontext und bewertete die Möglichkeit einer Eem-zeitlichen Herkunft neu. Zudem entwickelte sie, unter anderem auf Grundlage der Nationalen Bohrloch-Datenbank Dänemarks, eine Karte möglicher Eem-zeitlicher Schichten. Unter anderem sichtete sie private Sammlungen, führte eigene Untersuchungen vor Ort durch und organi-sierte mit Freiwilligengruppen Feldbegehungen.</p><p>Ein unzweifelhafter Nachweis für eine frühe Besiedlung wurde dabei nicht gefunden ‒ offensichtlich war Südskandinavien vor der Eiszeit allenfalls ein sporadisch aufgesuchter Lebensraum. „Es ist aber das große Verdienst von Trine Kellberg Nielsen, eine hochemotionale Diskussion zwischen Amateur- und professionellen Archäologen auf ein breites neues wissenschaftliches Fundament ohne Polemik gestellt zu haben“, sagt die Archäologin PD Dr. Miriam Noël Haidle, Laudatorin und Wissenschaftliche Koordinatorin der Forschungsstelle ROCEEH. „Dabei hat sie die Potentiale bei-der Gruppen für die Frage gewinnbringend einbezogen.“</p><p>Der Förderpreis wird am Donnerstag, den 2. Februar um 11 Uhr im Fürstenzimmer auf Schloss Hohentübingen (Burgsteige 11) verliehen. Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis für Urgeschichte und Quartärökologie ist von der Mineralwassermarke Eiszeitquell gestiftet und wird in diesem Jahr zum 19. Mal verliehen.</p><h3>Kontakt:</h3><p>Professor Nicholas Conard<br> Universität Tübingen<br> Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät<br> Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)<br> Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters<br> Telefon +49 7071 29-72416<br> nicholas.conard[at]uni-tuebingen.de</p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen</h5><h5>Hochschulkommunikation</h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung</h5><h5>Antje Karbe</h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789</h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566</h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de</h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><category>Geowissenschaft-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/_processed_/b/9/csm_17-01-26Nielsen_069e8cfee8.jpg" lenght="1213562" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14690</guid><pubDate>Tue, 24 Jan 2017 09:29:00 +0100</pubDate><title>Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/forscher-entschluesseln-einen-mechanismus-bei-schweren-hautinfektionen/</link><description>Zuckerpolymere der äußeren Zellhülle von Staphylococcus aureus führen zu besonders aggressivem Krankheitsverlauf – Ansatzpunkt für mögliche Therapie</description><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-01-24Hautinfektionen.jpg" length="90936" type="image/jpeg" /><content:encoded><![CDATA[<p>Staphylococcus aureus gehört zu den am meisten gefürchteten multiresistenten Erregern. Vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem verursacht das Bakterium oft lebensbedrohliche Infektionen. In den letzten Jahren sind weltweit besonders aggressive Stämme von S. aureus aufgetaucht, sogenannte „Community-Associated Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus“ oder CA-MRSA, die selbst bei gesunden Menschen schwerwiegende Infektionen von Haut und Gewebe auslösen können. Forscherinnen und Forscher des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und Infektionsmedizin  Tübingen (IMIT) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) konnten nun einen wesentlichen Mechanismus dieses Infektionsgeschehens entschlüsseln. Die Ergebnisse wurden am Montag im Fachmagazin Nature Microbiology veröffentlicht.</p><p><br>Die Forschergruppe konnte zeigen, dass CA-MRSA-Stämme ihre äußere Zellhülle durch den vermehrten Einbau eines langkettigen Zuckerpolymers, der Zellwand-Teichonsäure, verändern können. „Es ist bekannt, dass vor allem CA-MRSA verstärkt Toxine ausschütten, was zum schwerwiegenden Verlauf der Hautinfektionen maßgeblich beiträgt“, sagte Dr. Christopher Weidenmaier, der Leiter der Forschungsgruppe: „Wir konnten nun zusätzlich nachweisen, dass der verstärkte Einbau des Zuckerpolymers in die Zellhülle bei Hautinfektionen zu einer veränderten Immunreaktion führt.“ Dies verstärke im Tiermodell die Fähigkeit dieser aggressiven Bakterien, besonders schwerwiegende Hautinfektionen zu erzeugen. Um zu klären, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, müssen weitere Versuche durchgeführt werden.</p><p><br>Die Autoren waren in der Lage, die molekularen Mechanismen genauer zu entschlüsseln, die dem Umbau der Zellhülle zugrunde liegen. Dies eröffnet für die Zukunft die Möglichkeit, bei schweren, durch CA-MRSA-Stämme ausgelösten Hautinfektionen den  Umbau gezielt zu hemmen. „Ein solcher Therapieansatz würde dem menschlichen Immunsystem die Chance geben, die Infektion selbst effizienter zu bekämpfen“, sagte Weidenmaier. Solche sogenannten Anti-Virulenz-Strategien werden in letzter Zeit vermehrt untersucht; hier wird nicht der Erreger selbst bekämpft, sondern seine pathogene Wirkung vermindert. „Im Gegensatz zur klassischen Antibiotikatherapie sollte eine Anti-Virulenz-Strategie zu geringeren Resistenzraten führen“, erklärte der Forscher: „Weil die bakterielle Zelle weder abgetötet noch in Ihrem Wachstum gehemmt wird, unterliegt sie einem geringeren Selektionsdruck.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Stefanie Wanner, Jessica Schade, Daniela Keinhörster, Nicola Weller, Shilpa E. George, Larissa Kull, Jochen Bauer, Timo Grau, Volker Winstel, Henriette Stoy, Dorothee Kretschmer, Julia Kolata, Christiane Wolz, Barbara M. Bröker and Christopher Weidenmaier: Wall teichoic acids mediate increased virulence in Staphylococcus aureus.  Nature Microbiology, 23. Januar 2017. doi:10.1038/nmicrobiol.2016.257</p><h3>Kontakt: </h3><p>Dr. Christopher Weidenmaier<br>Universität Tübingen<br>Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin  Tübingen  <br>Tel. +49 7071 29-81526<br>christopher.weidenmaier [at] med.uni-tuebingen.de<br></p><h5>Eberhard Karls Universität Tübingen </h5><h5>Hochschulkommunikation </h5><h5>Dr. Karl Guido Rijkhoek</h5><h5>Leitung </h5><h5>Antje Karbe </h5><h5>Pressereferentin</h5><h5>Telefon +49 7071 29-76789 </h5><h5>Telefax +49 7071 29-5566 </h5><h5>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de </h5><p><a href="http://www.uni-tuebingen.de/aktuelles" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Öffnet externen Link in neuem Fenster" rel="noreferrer">www.uni-tuebingen.de/aktuelles</a></p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>MatNat-Aktuell</category><enclosure url="https://uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/PressemitteilungenBilder/2017/17-01-24Hautinfektionen.jpg" lenght="90936" type="image/jpeg"/></item><item><guid isPermaLink="false">news-14521</guid><pubDate>Mon, 23 Jan 2017 18:00:00 +0100</pubDate><title>Neue Professorinnen und Professoren an der Universität Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/archiv/archivfullview-pressemitteilungen/article/neue-professorinnen-und-professoren-an-der-universitaet-tuebingen-1/</link><description>Wir möchten Ihnen wieder einige neue Professorinnen und Professoren vorstellen, die zum Wintersemester 2016/17 neu ihre Arbeit an der Universität Tübingen aufgenommen haben</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>ofessor Dr. Jan Eckel<br>Professur für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte (Philosophische Fakultät)</strong></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="378016" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_leute1eckel_5ee3097fcc.jpg" alt="Professor Dr. Jan Eckel" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Professor Dr. Jan Eckel" height="150" width="200">Professor Jan Eckel (geb. 1973) ist zum Wintersemester 2016/17 nach Tübingen zurückgekehrt, um den Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Philosophischen Fakultät zu übernehmen. Von 2013 bis 2014 hatte er diesen bereits vertreten. Danach hatte er den Lehrstuhl für Internationale Geschichte und Historische Konflikt- und Friedensforschung an der Universität Köln inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Geschichte der Menschenrechte und der internationalen Politik im 20. Jahrhundert. Er befasst sich mit der historischen Entwicklung von Geschichtsschreibung und Geisteswissenschaften in Deutschland seit dem späten 19. Jahrhundert sowie mit der internationalen Holocaustrezeption. Eckel wird zudem neuer Direktor des Seminars für Zeitgeschichte der Universität.</p><p>Jan Eckel studierte „Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien“ an der Universität Passau. Danach schloss er ein Studium der Germanistik, Geschichte und Hispanistik an den Universitäten Freiburg, Passau und Salamanca (Spanien) an. An der Universität Freiburg wurde er promoviert und habilitierte sich 2013 mit einer Arbeit über die Geschichte der internationalen Menschenrechtspolitik im 20. Jahrhundert. Er war unter anderem als Gastwissenschaftler an der Columbia University, New York, als Junior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) und am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts tätig.  Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><p><strong>Juniorprofessor Dr. Abdelmalek Hibaoui <br>Juniorprofessur für  Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Islamische Seelsorge und Soziale Arbeit (Zentrum für Islamische Theologie)</strong></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="376539" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/_processed_/csm_hibaoui_e126efdde3.jpg" alt="Juniorprofessor Dr. Abdelmalek Hibaoui " style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Juniorprofessor Dr. Abdelmalek Hibaoui " height="150" width="200">Dr. Abdelmalek Hibaoui wurde zu Beginn des Wintersemesters 2016/17 auf eine Juniorprofessur für  Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Islamische Seelsorge und Soziale Arbeit berufen. Hibaoui, der am Zentrum für Islamische Theologie lehrt, hat Islamwissenschaften, Theologie und Arabistik an den Universitäten Meknes, Fes und Rabat in Marokko studiert. Von 1997 bis 2002 war er zunächst als Gymnasiallehrer und Imam in Marokko tätig. 2002 kam er nach Deutschland als Stipendiat des DAAD, um über das Wirken der deutschen Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel zu forschen. <br>Anschließend arbeitete er bis 2007 als Imam in Stuttgart. Von 2008 bis 2012 war Hibaoui als Projektleiter in der Stabsabteilung für Integration der Stadt Stuttgart tätig, wo er das Projekt „Interkulturelle Öffnung und Qualifizierung der  islamischen Gemeinden in Stuttgart“ betreute.  Parallel dazu war er als Lehrbeauftragter für islamische Theologie an die PH Ludwigsburg tätig. 2011 promovierte er an der Universität Rabat über das Wirken von Annemarie Schimmel und das Islambild in Deutschland. Bereits seit 2012 war Hibaoui als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZITH beschäftigt, wo er vor allem zu Fragen der islamischen Seelsorge in einer pluralistischen Gesellschaft forschte. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><p><strong>Juniorprofessorin Dr. Fahimah Ulfat<br>Juniorprofessur für Religionspädagogik (Zentrum für Islamische Theologie)</strong></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="376329" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/newsletter/2017/1/leute/Leute1_Ulfat_Fahimah.png" alt="Juniorprofessorin Dr. Fahimah Ulfat" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Juniorprofessorin Dr. Fahimah Ulfat" height="200" width="200">Dr. Fahimah Ulfat (geb. 1974) ist zum Wintersemester 2016/2017 als Juniorprofessorin für Religionspädagogik an das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen berufen worden. Sie war dort bereits seit April 2016 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.</p><p>Ulfat hat an der Universität Duisburg-Essen Lehramt für die Primarstufe mit der Zusatzqualifikation „Interkulturelle Pädagogik“ studiert. An der Universität Osnabrück absolvierte sie ihren Master im Erweiterungsfach „Islamische Religionspädagogik“ für Grund- und Hauptschulen. Sie war einige Zeit als Lehrerin an Schulen in Essen tätig und von 2008 bis 2011 als Hilfskraft im Fachbereich „Islamische Religionspädagogik“ an der Universität Osnabrück für die Zeitschrift für Islamische Theologie und Religionspädagogik (HIKMA) verantwortlich. 2011 bis 2016 promovierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit Förderung des Graduiertenkollegs für Islamische Theologie der Stiftung Mercator über die Selbstrelationierung muslimischer Kinder zu Gott. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit der pädagogischen und theologischen Professionalität von muslimischen Religionslehrkräften, mit Glaubensvorstellungen von muslimischen Kindern und Jugendlichen, mit der interreligiösen Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen sowie im Bereich Migration und Bildung mit interdisziplinären Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen an das deutsche Bildungssystem. Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen</p><p><strong>Juniorprofessorin Dr. Gunda Werner<br>Juniorprofessur für Dogmatik (Katholisch-Theologische Fakultät)</strong></p><p><img data-htmlarea-clickenlarge="1" data-htmlarea-file-uid="376331" data-htmlarea-file-table="sys_file" src="fileadmin/Uni_Tuebingen/Allgemein/Bilder/newsletter/2017/1/leute/leute1_GUNDA_WERNER.jpg" alt="Juniorprofessorin Dr. Gunda Werner" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 10px; float: left;" title="Juniorprofessorin Dr. Gunda Werner" height="300" width="200">Dr. Gunda Werner (geb. 1971) hat zum Wintersemester 2016/2017 eine Juniorprofessur für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät übernommen. Sie hatte zuvor den Lehrstuhl für Dogmatik und Propädeutik an der Universität Bonn vertreten und ist Herausgeberin für ein Teilgebiet bei der „Enzyklopädie der Neuzeit“. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit der Bedeutung von Schuld und Vergebung, auch in Form des Bußsakraments, dem Kommunikations- und Wissensbewusstsein katholischer Frömmigkeit und Vergemeinschaftslogiken in der späten Moderne.</p><p>Werner hat von 1992 bis 1998 Philosophie und Theologie an der Theologisch-Philosophischen Hochschule der Franziskaner und Kapuziner in Münster sowie an der Universität Münster studiert. 2005 promovierte sie zum Thema „Macht Glaube glücklich? Freiheit und Bezogenheit als Erfahrung persönlicher Heilszusage“ an der Universität Münster. Während ihrer Promotion arbeitete sie in Vollzeit in der Pflege und Seelsorge im Altenheim und Hospiz, in der Jugendarbeit im Erzbistum Berlin sowie für den Weltjugendtag. Von 2005 bis 2007 war sie Referentin für theologische Bildungs- und Menschenrechtsarbeit in der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn, anschließend bis 2010 Referentin im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. An der Ruhr-Universität Bochum arbeit