Uni-Tübingen

Pressemitteilungen

04.08.2016

Stationenpfad im Botanischen Garten über weltumspannende Beziehungen der Pflanzennutzung

Ausstellungseröffnung und Führung „Die Frucht der Arbeit“ am Sonntag, 14. August 2016

Kakaobauernfamilie mit ihrer Ernte in Ecuador. Kakao ist überwiegend ein Kleinbauernprodukt; die Plantagen messen meistens nur wenige Hektar. Deutschland ist der zweitgrößte Kakaoeinkäufer der Welt. Foto: GIZ
Kakaobauernfamilie mit ihrer Ernte in Ecuador. Kakao ist überwiegend ein Kleinbauernprodukt; die Plantagen messen meistens nur wenige Hektar. Deutschland ist der zweitgrößte Kakaoeinkäufer der Welt. Foto: GIZ

Die Ausstellung mit Stationenpfad „Die Frucht der Arbeit – Pflanzennutzung im Spannungsfeld der Globalisierung“ wird von Sonntag, 14. August 2016, an im Botanischen Garten Tübingen gezeigt. Der Biologe Marian Lechner, der das Ausstellungskonzept entwickelt hat, eröffnet sie um 14 Uhr mit einer Führung durch die Installation im Gartenareal. Treffpunkt ist der Haupteingang des Botanischen Gartens, Auf der Morgenstelle, neben Gebäude Nummer 5. Wer die Ausstellung auf eigene Faust besucht, sollte den Rundgang am besten bei der Flyer-Auslage im Foyer der Gewächshäuser des Botanischen Gartens beginnen.

Mit Blick auf die Pflanzenvielfalt im Botanischen Garten beleuchtet die Installation das weltumspannende und häufig konfliktbehaftete Beziehungsgefüge moderner Pflanzennutzung. Geschichten aus den Produktionsländern unserer exotischen Alltagspflanzen wie Kaffee, Kakao und Banane verdeutlichen die Verbindungen zwischen unserem Lebensstil und der Lebenssituation vieler Menschen in den Herkunftsländern rund um den Erdball. Die Ausstellung soll den Besucherinnen und Besuchern einen Perspektivwechsel vom Konsumenten zum Produzenten ermöglichen. Die zehn Stationen der Ausstellung stehen direkt vor einzelnen Pflanzen im Gartenareal.

Die Liste exotischer Pflanzen, die wir im Alltag nutzen, ist lang. Neben Nahrungsmitteln werden zum Beispiel auch Mahagoni- oder Teakhölzer aus aller Welt importiert. Verfolgt man etwa die Spur einiger Weihnachtsbäume bis zum Samen zurück, landet man in Georgien. Alte Walnussbäume in Kirgisistan werden für das Wurzelholz in den Armaturenbrettern edler Autos gefällt; im Winter bekommen wir Rosen aus Uganda; Soja aus Südamerika, dessen Anbau Araukarienwälder verdrängt, ist das wichtigste Kraftfutter in der Massenherstellung preisgünstiger Tierprodukte. All dies ermöglicht Arbeitsplätze, führt jedoch häufig zu sozialen Problemen in den Herkunftsländern und zu ökologischem Raubbau.

Marian Lechner entwickelte das Ausstellungskonzept im Zuge seiner Promotion an der Universität Tübingen unter der Betreuung von Professor Klaus Harter am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen. Im Sommer 2015 wurde die Installation im Botanischen Garten München-Nymphenburg erstmals eröffnet. Dort erforschte Lechner, wie die Gartenbesucherinnen und -besucher die angebotenen Informationen wahrnehmen und inwieweit sie sich in die Situation der Pflanzenproduzenten hineinversetzen. „Die Ausstellung wurde in erster Linie für Forschungszwecke entwickelt. Um nachhaltiges Denken und Handeln zu fördern, ist es wichtig, dass man sich als Teil eines Ganzen sieht und in andere hineinversetzen kann“, erläutert Lechner.

Bisher sei eine solche Perspektivübernahme überwiegend mit interaktiven Vermittlungsformaten gefördert worden, etwa durch Rollenspiele oder mehrtägige Workshops. „Damit erreicht man oft nur wenige, ohnehin schon vorgebildete Menschen“, meint der Forscher. Er wollte überprüfen, ob sich das Ziel auch durch eine solche Ausstellung erreichen lässt. „Unsere Auswertung läuft noch. Doch die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Besucherinnen und Besucher eine Perspektivenübernahme entwickeln.“

Öffnungszeiten des Botanischen Gartens:

Montag bis Freitag: 7.30 bis 16.45 Uhr (Gewächshäuser 8.00 bis 16.30 Uhr)
An Wochenenden und Feiertagen: 8.00 bis 16.45 Uhr (Gewächshäuser 10.00 bis 16.30 Uhr)
Bis zum 11. September 2016 ist an Sonn- und Feiertagen zwei Stunden länger geöffnet.
Der Eintritt ist frei.

Kontakt:

Dipl.-Biol. Marian Lechner
Universität Tübingen
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen
marian.lechner[at]zmbp.uni-tuebingen.de



Kakaobauer in Costa Rica. Die schweren Kakaofrüchte wachsen direkt am Stamm. Kakao-bäume benötigen intensive Pflege, ähnlich wie unsere heimischen Apfelbäume. Es braucht sehr viel Wissen und Können, um den maximalen Ertrag zu erhalten. Foto: Dr. Anton Weissenhofer

Der Bananenbauer Francelino kultiviert auf seiner Farm in Brasilien mehr als fünf verschiedene Bananensorten. Wir kennen nur eine davon aus unseren Supermärkten: Die „Cavendish-Banane“. Foto: Marian Lechner

Kaffee: Das wertvollste, meistgehandelte tropische Landwirtschaftsprodukt.
Enorme Preisschwankungen gefährden die kleinen Kaffeebauern, die jedoch rund 80 Prozent des Kaffees weltweit produzieren. Foto: Marian Lechner
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Janna Eberhardt
Forschungsredakteurin
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