Uni-Tübingen

31.03.2020

Coronavirus – neue Herausforderungen für Forschung und Lehre

Pressemitteilung der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg

Die baden-württembergischen Universitäten gehen die Herausforderungen der Coronakrise entschieden an. Priorität in dieser Situation haben das Leben und die Gesundheit aller ihrer Mitglieder, von den Studierenden über das technische und administrative Personal bis zu den Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern.

Gleichzeitig sind die baden-württembergischen Universitäten wichtige Zentren der Coronaforschung. Die Landesuniversitäten betreiben lebenswissenschaftliche Forschung auf höchstem Niveau, um Therapien gegen das Coronavirus zu entwickeln, wie das internationale Projekt „Fight nCoV“, an dem die Universität Ulm beteiligt ist. Sie befördern auch den grenzüberschreitenden Austausch der Forscherinnen und Forscher zu dem Virus, beispielsweise die internationale Plattform „Galaxy“ zur BigData-Auswertung von Studien zu COVID-19 der Bioinformatik der Universität Freiburg. In der gegenwärtigen Situation zeigt sich die Bedeutung der Spitzenforschung, vor allem in der Medizin, der Molekularbiologie und der Informationstechnologie.

Vor Ort leisten die Universitäten einen wichtigen Beitrag zur Verminderung des Infektionsgeschehens. An allen Standorten wurde der Präsenzbetrieb eingestellt oder jedenfalls auf das Minimum reduziert. Die Aufgaben, bei denen eine Präsenz auf dem Campus nicht zwingend nötig ist, werden digital ausgeführt, soweit das möglich ist.

Offiziell – so ist es derzeit geregelt - gelten die einschränkenden Bedingungen bis zum 19. April 2020. Sofern ab dem 20. April kein Regelbetrieb stattfinden kann, wird ein größerer Teil der Studienleistungen digital erbracht werden können. Bei vielen Studienleistungen versuchen die Universitäten ihre vorhandene digitale Ausstattung auszureizen, um zumindest die Pflicht- und möglichst auch die Wahlpflichtveranstaltungen abzudecken. Im Falle von praktischen Teilen des Medizin-, Sport- oder Land- und Forstwirtschaftsstudiums wird dies beispielsweise nur schwer möglich sein; hier müssen pragmatische Lösungen gefunden werden. Wie mit den Prüfungen verfahren wird, wird gegenwärtig in der Task Force „Studienbetrieb“ der Universitäten unter Beteiligung des Wissenschaftsministeriums geklärt.

Die Lehrenden sind überall mit großem Engagement bereit, ihre Veranstaltungen in Online-Formaten durchzuführen. Die E-Learning-Abteilungen der Universität unterstützen dies durch spezielle Angebote, um die notwendigen Kompetenzen in kürzester Zeit zu vermitteln. Unter anderem sind dies:

  • Hörsäle werden mit der notwendigen Technik zur Videoaufzeichnung ausgestattet (Universität Hohenheim).
  • Die Erstellung von Lehrinhalten mit Screenrecordings ermöglicht und die Infrastruktur bereitgestellt, um die komprimierten Dateien den Studierenden zur Verfügung zu stellen (KIT).
  • Kurzfristige Kurse und Workshops für Institute zur E-Learning, Online-Seminaren und Webkonferenzen (Universität Heidelberg).

Die Studierenden haben ebenfalls eine Vielzahl von Aktivitäten gestartet, um anderen Studierenden, ihrer Universität oder auch der Gesellschaft insgesamt in dieser Situation beizustehen, darunter folgende:

  • Mehrere tausend Medizinstudierende der Landesuniversitäten arbeiten in den Klinika und Krankenhäusern an der direkten Krisenbekämpfung mit;
  • Studierende der Molekularbiologie wirken an der Ausweitung der Testkapazitäten für das Coronavirus mit (Universität Heidelberg);
  • Studierendenvertreter der Universität Stuttgart haben einen Helferpool für alle Stuttgarter Hochschulen eingerichtet;
  • Studierende der Universität Hohenheim haben die App „SoliD“ zur Arbeitskräftevermittlung in der Landwirtschaft entwickelt.

Die digitale Ausstattung und auch die rechtlichen Regelungen zur digitalen Lehre sind jedoch schon im Normalbetrieb problematisch und der gegenwärtigen Situation nicht gewachsen. Die Universitäten warten auf Signale des Landes, dass ihnen hier rasch geholfen werden kann, nicht nur finanziell, sondern beispielsweise auch bei einer Lockerung der strengen Beschaffungsvorgaben. In der gegenwärtigen Ausnahmesituation versuchen die Universitäten ihr Möglichstes, um mit allen vorhandenen Finanzreserven Notbeschaffungen für die digitale Ausstattung vorzunehmen und die Hochschullehrinnen und -lehrer in Schnellkursen für die digitale Lehre auszubilden. Sie mobilisieren hier alles vorhandene Personal zur Hilfestellung.

Insgesamt gehen die Universitäten davon aus, dass die Coronakrise der Digitalisierung einen deutlichen Schub geben wird. Sofern jedoch alle vorhandenen Reserven in personeller wie in finanzieller Hinsicht auf Kosten anderer Bereiche und Aufgaben dafür mobilisiert werden und es keine Unterstützungsmaßnahmen auf Seiten des Landes und des Bundes gibt, wird dies nicht ohne längerfristige Auswirkungen auf andere Aufgaben der Universitäten bleiben.

Text der Stellungnahme unter: www.lrk-bw.de/index.php/pressemitteilungen 

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