Uni-Tübingen

20.05.2020

Mehrarbeit im Homeoffice

Rundmail des Personalrats

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

mit Rundmail vom 5. Mai 2020 hat der Rektor auf die Einhaltung einer neuen Regelung zum Homeoffice mit folgendem Wortlaut bestanden: „Um Missbrauch zu begegnen und vorzubeugen, sind Mehrarbeitsstunden und Überstunden im Home Office grundsätzlich nicht möglich.“ Im Nachgang wurde der Personalrat um Zustimmung einer entsprechenden Änderung der Dienstvereinbarungen zur Gleitzeitregelung
 gebeten.

Im Klartext bedeutet diese Regelung, dass Arbeitszeit im Homeoffice nur noch bis zur täglichen Regelarbeitszeit (z. B. bei vollzeitbeschäftigten Angestellten: 7 Std., 54 Min) anerkannt wird. Darüber hinaus geleistete Arbeit ist Mehrarbeit.

Auch wir als Personalrat werden von manchen Themen und Entscheidungen der Universitätsleitung überrascht - z. B. der Eilbedürftigkeit dieser Regelung. Der Personalrat hat sich in seiner Sitzung am 13.05.2020 dazu beraten und beschlossen, den Antrag der Universitätsleitung abzulehnen.

Der Grund hierfür ist, dass ein Eingriff in geltende Dienstvereinbarungen zur gleitenden Arbeitszeit erfolgt, den wir so nicht akzeptieren können. Der Personalrat vertritt vielmehr die Auffassung, dass stattdessen bereits enthaltene Regelungen in den Dienstvereinbarungen angewendet werden müssen. Dies betrifft insbesondere die Pflicht der Vorgesetzten, die Arbeitszeiten der Beschäftigten im Blick zu behalten und gegebenenfalls ins Gespräch zu gehen. Eine Verschlechterung der Bedingungen für die Beschäftigten im Homeoffice lehnen wir dagegen ab.

Das aktuell praktizierte Homeoffice dient im Wesentlichen dem Zweck, die staatlich verordneten Maßnahmen zum Infektionsschutz am Arbeitsplatz überhaupt zu ermöglichen. Auch besteht ein Interesse innerhalb der Universität, Massenansteckungen zu verhindern und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten gerade nicht immer freiwillig und unter besonderen Belastungen von zuhause aus. Mangels geeigneter Arbeitsmittel und technischer Unterstützung durch die Universität stellen sie ihre privaten Computer, den Wohnraum und auch die Infrastruktur wie Internet- und Telefonverbindung unentgeltlich zur Verfügung.

Auch bekommen wir als Personalrat häufig die Rückmeldung, dass nicht weniger, sondern mehr Arbeit erledigt wird. Es entsteht ein erhöhter Koordinations- und Kommunikationsaufwand, denn die plötzliche Digitalisierung erwischt uns mit unerledigten Hausaufgaben: Nun müssen „auf die Schnelle“ geeignete Mittel der digitalen Zusammenarbeit gefunden, erlernt und angewendet werden, die teilweise nicht zentral zur Verfügung gestellt werden. Das betrifft alle Berufsgruppen, aber ganz besonders die Kolleg*innen in der Lehre, wo unter Hochdruck digitale Inhalte produziert werden müssen. Auch Vorgesetzte sind in der aktuellen Situation dringend darauf angewiesen, dass Mitarbeiter*innen erhöhte
 Leistungsbereitschaft zeigen, um den gestiegenen Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht zu werden.

Es ist nicht angemessen, die Regeln für Mehrarbeit zum Nachteil aller Beschäftigten zu verschärfen, weil einige Wenige sich nicht in ausreichendem Maße an die Vorgaben gehalten haben. Solche Verschärfungen sind unter den aktuellen Bedingungen kein adäquates Mittel, die Leistung der Beschäftigten anzuerkennen und die Motivation auf Dauer zu erhalten. Viel mehr wäre Anerkennung dafür angebracht, dass unter diesen Umständen der „eingeschränkte Regelbetrieb“ seit Wochen überhaupt ermöglicht und gelebt wird.

Die aktuelle Phase ist eine Herausforderung für alle, Lösungen zu finden. Das ist sicherlich nicht einfach und dabei können Fehler passieren.
 Arbeitsorganisatorische Modelle zur Entzerrung von räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten sind notwendig, um gemeinsam und sicher in den Arbeitsalltag zurückzukehren. Zur „gesunden“ Bewältigung der anstehenden Aufgaben und den sozialen Zusammenhalt braucht es allerdings gegenseitiges Wohlwollen und Vertrauen, denn Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße und Vertrauen muss die selbstverständliche Grundlage dafür sein.

Der Personalrat steht wie immer bereit, seinen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen im Sinne der Beschäftigten zu leisten. Sie können sich jederzeit mit Ihren Anliegen an uns wenden.

Ihnen eine gesunde Zeit, alles Gute und halten Sie durch!

Mit freundlichen Grüßen im Namen des Personalrats

Margrit Paal
Vorsitzende
personalratspam prevention@uni-tuebingen.de 

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