Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

BedenkZeiten – Ein Ethik-Blog

Das IZEW befasst sich mit der ganzen Bandbreite anwendungsbezogener ethischer Fragen. Standen in der Vergangenheit einzig Aspekte der Pandemie im Zentrum, soll der Blog in Zukunft die gesamte Vielfalt ethisch relevanter gesellschaftlicher Entwicklungen und Herausforderungen beleuchten. Neben grundlegenden Fragen der Ethik in den Wissenschaften reicht das Spektrum von Ethik und Bildung über gesellschaftliche Wertfragen von Kultur und technischem Wandel bis zu Fragen gelingender Naturverhältnisse und Nachhaltiger Entwicklung. Der Blog versteht sich als Impulsgeber für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die vielfältige Frage nach Gerechtigkeit und dem Guten Leben. In diesem Sinne geht es darum, ethische Fragen aus der aktuellen Forschung oder neue Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen knapp und verständlich zu beleuchten und damit einen Einblick zu geben, was es heißt, normative und Wertekonflikte zu bearbeiten. Dabei wird weiterhin die Inter- und Transdisziplinarität einer Ethik in den Wissenschaften sowohl Ausgangspunkt als auch Ziel sein, sodass die ethisch relevanten Fragen, die sich für wissenschaftliche eben wie andere gesellschaftliche Kontexte stellen, hier einen Ort haben.

Regina Ammicht Quinn und Thomas Potthast

Dieser Blog soll Diskurse anregen, in diesem Sinne freuen wir uns über Anregungen, Kritik und Leserbriefe. Hierzu kann gerne das Kontaktformular genutzt werden.

Um die Herausgabe der Beiträge kümmert sich die Redaktion: Cora Bieß, Martin Hennig, Vanessa Weihgold und Katharina Wezel.

19. September 2022

Integrierte Forschung

Wissenschaft, auch wenn sie sich um Neutralität und Objektivität bemüht, findet nie kontextfrei statt. Sie ist als Praxis eingebettet in verschiedene soziale, strukturelle, gesell­schaftliche, institutionelle, historische, politi­sche, epistemische und andere Zusammen­hänge. Das am IZEW angesiedelte Projekt ESTER (Ethische und soziale Aspekte Integrierter Forschung) untersucht Aspekte insbesondere der Wissenschaftspraxis in drittmittelgeförderten Technikent­wicklungs­projekten, in denen es ein explizites Ziel ist, ethische, rechtliche und soziale Aspekte einzubeziehen. Integrierte Forschung ist ein bundesdeutscher Förderungsansatz, der solche Projekte unterstützt.

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19. Juli 2022

Warum Ethik die Wut braucht

Wut hat einen schlechten Ruf. Ethik viel zu oft auch. Auf den ersten Blick scheinen dabei alle Gemeinsamkeiten aufgezählt zu sein. Die rational und nüchtern wirkende ethische Reflexion geht nicht auf Anhieb Hand in Hand mit der starken Emotion der Wut und des Ärgers. Ich möchte dafür plädieren, produktive, angemessene Wut nicht von ethischer Wissenschaft zu trennen, denn um zu irritieren und zu verändern, braucht die Ethik auch die Wut.

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24 June 2022

Small Businesses in Lockdowns

In the last two years, people all over the world have experienced an exceptional crisis. The COVID-19-pandemic forced us among other things to social distancing: less face-to-face meetings with other people, working or schooling from home, wearing masks that cover facial expressions… The center of Tübingen – normally crowded with tourists and students from all over the world having a drink on the stairs in front of the town hall or the Stiftskirche, eating in one of the many small restaurants or just walking around and enjoying the beautiful architecture – was suddenly empty.

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14. April 2022

Solidarität mit der Ukraine

Die Forderung nach „Solidarität mit der Ukraine“ hat Hochkonjunktur. Dabei werden jedoch unterschiedliche Forderungen unter „Solidarität mit der Ukraine“ gefasst. Dieser Artikel soll zeigen, dass die Vielzahl verschiedener Deutungen des Leitwortes „Solidarität“ zu einer Verwässerung der Bedeutung von „Solidarität“ beiträgt. Zudem werden wir darlegen, dass mit der Zuspitzung des Solidaritätsbegriffs für die Ukraine zeitgleich Ausschlüsse, Brüche und Verletzungen an anderer Stelle entstehen und wie Solidarität in diesen Tagen ausgestaltet werden sollte.

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10. März 2022

Friedenslogische Reflexion

In den vergangenen Tagen war in Reden von Politiker*innen, aber auch auf Kundgebungen oder in Leitartikeln und Interviews vielfach vom „ersten Krieg in Europa seit 75 Jahren“ zu lesen. Nachdem die Kritik daran schnell hörbar wurde, schwenkten manche Äußerungen auf Formulierungen um, wie „der erste Angriffskrieg auf europäischem Boden“, „Zeitenwende“ oder „das Ende der Friedensordnung in Europa“. Andere, wie z.B. Josef Joffe in der Zeit, bleiben bei „77 Jahre Frieden“ in Europa, der nun von Putin beendet worden sei (Die Zeit 03.03.2022: 11). Der folgende Artikel reflektiert, inwiefern solche Narrative konfliktschürend wirken und ethisch problematisch sind.

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02. September 2022

"Nutzung" oder "Anwendung" von Technologien?

Innovative Technologien sollen nicht nur technisch auf höchstem Niveau sein, sondern überdies positive Einflüsse auf die Gesellschaft nehmen. Dabei fällt jedoch auf, dass in der Technikentwicklung, wenn über Menschen gesprochen wird, nach wie vor von Nutzern (oder „Usern“) die Rede ist, obwohl eine Verschiebung der Perspektive auf Menschen als Anwender*innen Vorteile bringen könnte.

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08. Juli 2022

Der Ukrainekrieg auf TikTok

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich auch Konfliktdynamiken und die Perspektiven auf Krieg. Dies gilt insbesondere für soziale Medien, die eine zentrale Rolle in der Kommunikation über Konflikte, aber auch als ein Ort der Austragung von Konflikten eingenommen haben. Diese Auswirkungen werden besonders seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine sichtbar: so spricht die New York Times beispielsweise vom „TikTok Krieg“. Der folgende Artikel wird erläutern, inwiefern der Ukrainekrieg auf TikTok die Gefahr für die Erstellung weiterer Deepfakes als Kriegswaffe erhöhen kann.

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25 April 2022

Racial violence of climate change 

In popular discourse, climate change is usually framed as an ‘environmental issue’ – a matter of ‘saving the planet’ or caring for nature. It is also about people, about justice, and about power. And when we pause to look at who is most affected, there is a clear racial dimension. Climate change can be understood as violence against people of colour, and seeing it in that way gives a new urgency to climate action.

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29. März 2022

Digitale Lösungen für Demenz

Demenz und Digitalisierung sind beides komplexe Felder und politisch, ökonomisch und emotional aufgeladene Themen. Beide stellen unser Verständnis vom Menschsein auf die Probe. Aktuell werden von Politik und Pflege die Potentiale digitaler Lösungen für Herausforderungen mit Demenz ausgelotet. Chancen und Risiken sollen dabei ausbalanciert werden. Das klingt gut. Aber es reicht nicht aus. Denn Chancen und Risiken lassen sich nicht einfach ausbalancieren. Teilhabe an technischem Fortschritt würde andere Ansätze erfordern. Digitale Techniken entfalten nur in gut ausgestatteten Pflegeensembles ihre Potentiale. Und selbstbestimmte Technikanwendung muss für Demenz und Digitalisierung neu gedacht und fortwährend hergestellt werden.

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