Uni-Tübingen

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12.03.2026

KI am Podcast-Mikrofon - ein Feld-Experiment mit DAS PODCAST UFO

Am 11. März 2026 wurde eine vollständig mit Künstlicher Intelligenz generierte Folge des populären Podcasts DAS PODCAST UFO veröffentlicht. Sie entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Podcasts-Hosts und Forschenden des RHET AI Centers der Universität Tübingen. Die Folge erschien zunächst ohne Hinweis auf den KI-Einsatz. Einen Tag später folgte die Auflösung: In einer zweiten Folge erläuterten die Hosts gemeinsam mit den Forschenden das Projekt. Ziel war es, eine Diskussion darüber anzustoßen, was ist mit generativen KI-Tools realistisch umsetzbar ist und wie sich Mediennutzende in einer veränderten Medienlandschaft orientieren können.

Vertrauen in Medieninhalte unter Druck

Generative KI-Tools konfrontieren Mediennutzende heute in einem völlig neuen Ausmaß mit künstlich erstellten Inhalten. Bilder, Videos und Audiosequenzen lassen sich so realitätsnah erzeugen, dass sie kaum von echten zu unterscheiden sind. Diese KI-generierten Inhalte simulieren Realitäten und erzeugen Fiktionen, die nicht immer sofort als solche erkennbar sind. Umso wichtiger wird die Frage, wie sich Echtheit und Vertrauenswürdigkeit von Inhalten einschätzen lassen - und wie eine informierte und kritische Mediennutzung unter diesen Bedingungen aussehen kann.

Ein Feldexperiment mit Aufklärungsanspruch

Im Spannungsfeld dieser Fragen steht ein Projekt des Forschungszentrums für Wissenschaftskommunikationsforschung am RHET AI Center der Universität Tübingen: Forschende haben mit KI-generierten Inhalten und Stimmen eine authentisch wirkende Folge von DAS PODCAST UFO simuliert und veröffentlicht. Die Motivation hinter dem Projekt war einerseits, die Grenzen und Möglichkeiten kreativer KI-Generierung und der Interaktion zwischen Menschen und KI-Tools auszuloten. Andererseits sollte es die deutschsprachige Debatte über generative KI mit Impulsen aus rhetorischer Perspektive bereichern.

Das Projekt versteht sich als Feldexperiment: Es konfrontiert ein großes Publikum direkt mit dem Thema generativer KI, lässt den KI-Einsatz dabei aber nicht unkommentiert stehen. Dafür war das Projekt von Beginn an auf zwei Folgen angelegt: Die Erkenntnisse aus der Arbeit am Podcast und der wissenschaftlichen Reflexion des Projekts flossen in die Konzeption der zweiten Folge ein, die einen Tag später veröffentlicht wurde. Sie ordnet das Experiment in die gesellschaftliche KI-Debatte ein und gibt den Hörerinnen und Hörern eine Orientierung für einen informierten Umgang mit KI-generierten Inhalten.

Starke Hörerbindung als Prüfstein

Für das Experiment bot sich DAS PODCAST UFO aus mehreren Gründen an. Der Podcast zählt zu den meistgehörten Unterhaltungspodcasts Deutschlands: Seit 2014 haben die beiden Hosts Florentin Will und Stefan Titze über 500 Folgen veröffentlicht und erreichen durchschnittlich rund 90.000 Hörerinnen und Hörer pro Woche. Durch die lange Laufzeit sind diese mit Sprechweise, Tonfall und den persönlichen Eigenheiten der Hosts eng vertraut. Das Format zeichnet sich durch ein offenes Inhaltskonzept aus: Improvisations- und Gesangselemente, spontane Themenentwicklungen sowie die abwechslungsreiche Dynamik der beiden Hosts prägen jede Folge. Die Frage, ob und inwiefern sich diese menschlich-kreative Dynamik mit generativer KI simulieren lässt - und welche Folgen das für Mediennutzende hat - stand dabei im Mittelpunkt des Projekts.

Wissenschaftliche Auswertung der Diskursreaktionen

Das Projekt lief von Januar 2025 bis zur Veröffentlichung der Podcast-Folgen am 11. und 12. März 2026. Nach der Veröffentlichung beobachten die Forschenden den Diskurs weiter und werten die gesammelten Diskursreaktionen wissenschaftlich aus. An der Realisation dieses Forschungsvorhabens arbeitet ein Projektteam, bestehend aus

  • Anna Köhler (Projektleitung, RHET AI Center)
  • Carolin Volz (Co-Leitung, RHET AI Center)
  • Stefan Titze (DAS PODCAST UFO)
  • Florentin Will (DAS PODCAST UFO)
  • mit Unterstützung weiterer Mitarbeitenden des RHET AI,
  • sowie unter der Beratung von Dr. Markus Gottschling und Prof. Dr. Olaf Kramer (beide RHET AI Center).

 Anna Köhler (Projektleitung, RHET AI Center), Carolin Volz (Co-Leitung, RHET AI Center)

Link zu den Podcast-Folgen

Link zur Projektwebsite