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		<title>Pressemitteilungen</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/</link><description>Der RSS Feed der Universität Tübingen</description><language>en-EN</language><copyright>Universität Tübingen</copyright><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 13:14:53 +0100</pubDate><lastBuildDate>Mon, 16 Mar 2026 13:14:53 +0100</lastBuildDate><item><guid isPermaLink="false">news-128475</guid><pubDate>Thu, 12 Mar 2026 14:55:00 +0100</pubDate><title>Archäologischer Rekord: Mehr als 43.000 beschriftete Tonscherben in Athribis entdeckt</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128475&amp;cHash=560771e3ab381157028fd22f4910cf6d</link><description>Athribis ist ergiebigster Fundort altägyptischer Ostraka – Beschriftete Tonscherben eröffnen Einblicke in den Alltag über ein Jahrtausend hinweg – Grabung unter Leitung der Universität Tübingen </description><content:encoded><![CDATA[<p>In Athribis in Oberägypten ist der bislang umfangreichste Fund beschrifteter Tonscherben weltweit dokumentiert worden. Mehr als 43.000 Ostraka wurden im Rahmen der gemeinsamen archäologischen Mission der Universität Tübingen und des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer (MoTA) zwischen 2005 und 2026 geborgen – über 42.000 davon allein in den vergangenen acht Jahren. Ostraka sind Tonscherben, die in der Antike als Schreibmaterial genutzt wurden, meist für kurze und alltägliche Notizen, Abrechnungen, Listen oder Übungstexte. Damit übertrifft Athribis den bis dahin ergiebigsten Fundort für Ostraka, Deir el-Medina, ein ehemaliges Arbeiterdorf im Tal der Könige.</p><p>Der archäologische Komplex Athribis liegt zehn Kilometer westlich des Nils gegenüber der antiken Metropole Achmim und war das Kultzentrum der Löwengöttin (Ta-)Repit. Er besteht aus dem Tempelbezirk, der Siedlung, der Nekropole und Steinbrüchen. Die Ausgrabung in Athribis werden unter der Leitung von Professor Christian Leitz vom Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES), Abteilung für Ägyptologie der Universität Tübingen in Kooperation mit Mohamed Abdelbadia und seinem Team vom MoTA durchgeführt.</p><h3>Ergiebige Quellen für die Sozialgeschichte eines Jahrtausends</h3><p>Die frühesten Texte sind Steuerbelege aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. in demotischer Schrift, der gängigen Verwaltungsschrift der Ptolemäer- und Römerzeit. Die spätesten Texte sind arabische Gefäßbeschriftungen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert n. Chr. „Die Ostraka zeigen uns eine erstaunliche Vielfalt an Alltagssituationen“, sagt Leitz. „Wir finden Steuerlisten und Lieferungen, daneben kurze Mitteilungen über alltägliche Abläufe, Übungen von Schülerinnen und Schülern, religiöse Texte und priesterliche Bescheinigungen über die Qualität von Opfertieren. Diese Mischung macht den Fund so wertvoll“, sagt Leitz. „Dieser Alltagsbezug eröffnet uns einen unmittelbaren Blick in das Leben der Menschen von Athribis und macht die Ostraka zu Quellen für eine umfassende Sozialgeschichte der Region.“</p><p>Der überwiegende Teil der Ostraka ist in demotischer Schrift verfasst, gefolgt von einem beträchtlichen Anteil griechischer Inschriften. Einen kleineren, aber bedeutenden Teil bilden figürliche und geometrische Darstellungen. Hinzu kommen seltene Texte in hieratischer, hieroglyphischer, koptischer und arabischer Schrift. Mit inzwischen mehr als 130 überwiegend demotisch-hieratischen Horoskopen gilt Athribis zudem als der weltweit bedeutendste Fundort dieser Textgattung. Die Geburtsprognosen sind wichtige Quellen für die Erforschung der antiken Astronomie und Astrologie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128976</guid><pubDate>Wed, 11 Mar 2026 18:30:00 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen erneut Exzellenzuniversität</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128976&amp;cHash=7a0d44a4f2ee947ac076301df8f23830</link><description>Exzellenzkommission gab Entscheidung am Abend bekannt – Förderzeitraum beginnt 2027 und läuft sieben Jahre bis Ende 2033 – Rektorin: Fokus künftig noch stärker auf Exzellenz in der Lehre</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen bleibt Exzellenzuniversität. Dies hat eine Kommission aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Vertreterinnen und Vertretern von Bund und Ländern am Abend bekannt gegeben. Die Universität Tübingen wird damit als eine von maximal 15 Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünden von 2027 an sieben Jahre lang als Exzellenzuniversität im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Auf welchen Betrag sich die jährliche Förderung beläuft, erfährt die Universität im Herbst.</p><p>„Für diesen Erfolg haben sehr viele Menschen sehr hart gearbeitet. Sie haben es gemeinsam geschafft, dass die Universität Tübingen weiterhin zu den besten Universitäten der Welt zählen kann“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Karla Pollmann. Die finanzielle Förderung des Bundes und der Länder erlaube es, an das bislang Geleistete anzuknüpfen und die Universität entlang der innerhalb der Exzellenzstrategie selbstgesetzten Ziele weiterzuentwickeln.</p><h3>Die Universität als gesellschaftliche Akteurin</h3><p>„Umweltveränderungen, geopolitische Verschiebungen und technologischer Fortschritt transformieren die Welt und damit auch die Universität Tübingen. Angesichts dieser Umbrüche kommt der Universität als Ort der Wissenschaft eine umfassendere gesellschaftliche Verantwortung zu“, sagt die Rektorin. Die Universität Tübingen werde mit exzellenter, interdisziplinärer Forschung kontinuierlich daran arbeiten, einen Beitrag zu Antworten auf die Fragen der Zeit zu liefern. „In einer Welt der Umbrüche und Unsicherheiten lassen wir uns weiterhin von unserem bewährten Motto <i><span lang="en" dir="ltr">Research – Relevance – Responsibility</span></i> der vergangenen beiden Förderphasen leiten.“ Mit einem angepassten Slogan wird an das bestehende Motto angeknüpft und dieses neu akzentuiert: <i><span lang="en" dir="ltr">Contributing to Solutions for Global Challenges and to Societal Advancement</span></i>. „Wir möchten Lösungen für globale Herausforderungen und gesellschaftlichen Fortschritt mitgestalten. Alle, die an der Universität Tübingen forschen, lehren und arbeiten, rufe ich dazu auf, gemeinsam daran mitzuwirken, dass die Universität als Ort, an dem die Grundlagen für Fortschritt erarbeitet werden, ihre Rolle als gesellschaftliche Akteurin noch intensiver wahrnimmt“, sagt die Rektorin.</p><h3>Fünf Ziele in der neuen Förderphase</h3><p>Die in der vergangenen Förderphase begonnenen Projekte werden fortgeführt beziehungsweise weiterentwickelt. Dabei wird die Universität Tübingen mit den Mitteln aus der künftigen Exzellenzförderung fünf Ziele verfolgen:</p><p><strong>Exzellenz in Forschung und Lehre: </strong>Forschende werden weiterhin unterstützt, sowohl Forschung als auch forschungsbasierte Lehre auf höchstem Niveau zu betreiben. Die interdisziplinären Forschungsplattformen werden überarbeitet, um gesellschaftlich drängende Themen aufgreifen zu können. Das neue Forum für Transformative Hochschulbildung soll künftig Strategien für innovative Lehre entwickeln, unter Berücksichtigung von Querschnittsthemen wie digitale Erziehung, mentale Gesundheit, individuelle Lernunterstützung und neue Studienprogramme.</p><p><strong>Aufbau eines integrativen und kooperativen Universitätsumfelds</strong>: Die Förderung von Erstakademikerinnen und Erstakademikern wird in die Diversitätsstrategie aufgenommen. Zur Förderung wissenschaftlicher Personen in der Anfangsphase werden die Angebote der Graduiertenakademie um weiteres Mentoring und um Karriereberatung ergänzt und neue Juniorforschungsgruppen aufgebaut. Die Universität setzt außerdem die Athene‑Programme zur Förderung von Wissenschaftlerinnen fort und stärkt Gleichstellung in Führungspositionen. Die <span lang="en" dir="ltr">Core Facilities</span>, die Forschenden fächerübergreifend Zugang zu hochkomplexen Geräten ermöglichen, werden ausgebaut.</p><p><strong>Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in einer sich schnell verändernden Welt: </strong>Mit Blick auf den Wert freier akademischer Forschung werden die Exploration Funds in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen weitergeführt und der Fokus auf eine noch weiter vernetzte Zusammenarbeit verschiedener Fächer gesetzt. Die zunehmenden Aktivitäten zu Künstlicher Intelligenz sollen innerhalb des geplanten Tübingen <span lang="en" dir="ltr">AI Campus </span>als Teil des Tübingen <span lang="en" dir="ltr">Research</span> Campus abgestimmt werden. Mit einer Gesamtstrategie für Nachhaltige Entwicklung orientiert sich die Universität an den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.</p><p><strong>Globales Bewusstsein und internationale Vernetzung:</strong> Globale Herausforderungen und Wechselbeziehungen zu verstehen bleibt trotz weltweiter Tendenzen zur De-Globalisierung ein Ziel der Universität Tübingen. Dazu sollen internationale Netzwerke und Partnerschaften unter anderem mit dem Globalen Süden gestärkt und ausgebaut werden, auch mit Hilfe des <span lang="en" dir="ltr">College of Fellows, </span>welches internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für Forschungsaufenthalte nach Tübingen bringt. Zudem wird das Global <span lang="en" dir="ltr">Awareness Education Program</span> seine Angebote zu Interkulturalität und Nachhaltigkeit erweitern.</p><p><strong>Gesellschaftliches Engagement, Innovation und Ko-Kreation:</strong> Dazu sollen bestehende interaktive Formate durch solche erweitert werden, die über reine Wissenschaftskommunikation hinausgehen. So soll ein mobiles <span lang="en" dir="ltr">Open Lab</span> für Experimente im öffentlichen Raum entstehen, und es wird ein ko-kreatives <span lang="en" dir="ltr">Public Engagement</span> verfolgt, also ein noch stärker dialogorientierter Austausch mit der Zivilgesellschaft. Zudem wird eine stärkere Beratung entlang politisch-gesellschaftlicher Themen erfolgen, wie bereits beim BürgerInnenrat KI und Freiheit umgesetzt. Unternehmertum soll als Wahlfach ins Curriculum aufgenommen werden und der <span lang="en" dir="ltr">TechTransfer </span>neu strukturiert werden.</p><p>„Aufgrund des Erfolges in der Exzellenzstrategie können wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, dass die Universität Tübingen noch stärker und noch sichtbarer für moderne Forschung, exzellente Lehre und gesellschaftliches Engagement steht“, sagt die Rektorin. „Als traditionsreiche Universität, die im kommenden Jahr ihr 550-jähriges Bestehen feiert und in der Region tief verwurzelt ist, stehen wir als Exzellenzuniversität hier in Tübingen, im Land und weltweit für all das ein, was den Wert der Wissenschaft auszeichnet.“</p><p>Die Rektorin dankt allen, die mit großer Ausdauer und enormem Engagement an der Bewerbung für die Exzellenzuniversität mitgearbeitet haben. „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Mitarbeitenden im Forschungsdezernat haben sehr hart gearbeitet und sich weit über das Selbstverständliche hinaus für das große Ziel engagiert“, sagt die Rektorin. „Danken möchte ich auch unserem <span lang="en" dir="ltr">International Advisory Board </span>und unseren Expertinnen und Experten aus aller Welt, die uns auf diesem langen Weg zur erneuten Exzellenz mit ihrem Rat großartig zur Seite gestanden sind.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128868</guid><pubDate>Thu, 05 Mar 2026 09:34:07 +0100</pubDate><title>Was ein landlebendes Krokodil über die Geografie Europas zur Zeit der Dinosaurier verrät</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128868&amp;cHash=1d0eaabb24d6967b64ab84cd6e39f12e</link><description>Team der Universität Tübingen bringt evolutionsgeschichtliche und geologische Erkenntnisse zum Auseinanderbrechen des früheren Superkontinents Pangäa in zeitliche Übereinstimmung</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im heutigen Europa entdeckte Fossilien eines ausgestorbenen Krokodils, das parallel vorkommenden Arten aus Afrika und Südamerika stark ähnelte, galt bisher als Zeuge einer Landverbindung zwischen Europa und Afrika, die noch während der Zeit der Dinosaurier bestand. Eine enge Verwandtschaft der Krokodile spräche für eine gemeinsame Entwicklung und eine späte Trennung Europas von den südlichen Kontinenten. Nun wirft ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Márton Rabi aus der Biogeologie der Universität Tübingen gemeinsam mit Máté Szegszárdi und Professor Attila Ősi von der ungarischen Eötvös-Loránd-Universität ein neues Licht auf die zeitlichen Abläufe. Es kommt anhand eines in Ungarn neu entdeckten vollständigeren Exemplars des Krokodils <i>Doratodon carcharidens </i>zu dem Schluss, dass die Übereinstimmungen mit südlichen Arten nicht durch enge Verwandtschaft zustande kamen, sondern durch eine ähnliche Lebensweise geformt wurden. Dadurch steht ein Hauptbeleg für eine späte Landverbindung der Kontinente in Frage. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i>Scientific Reports </i>veröffentlicht.</p><p>Der Urkontinent Pangäa umfasste im Perm, vor rund 300 Millionen Jahren, alle Landmassen der Erde. Geologischen Modellen zufolge brach Pangäa vor etwa 200 Millionen Jahren auseinander in das nördliche Laurasia, das Europa, Nordamerika und Asien beinhaltete, und das südliche Gondwana mit allen anderen Landmassen. „Bisher ging man hingegen in der Paläontologie davon aus, dass die europäische Fauna in der Zeit der Dinosaurier größtenteils eine gemeinsame Evolutionsgeschichte sowohl mit Arten in Nordamerika als auch mit denen der südlichen Landmassen des früheren Gondwana, also mit Afrika und Südamerika, hatte“, berichtet Márton Rabi. Dieser Annahme zufolge wäre Europa länger mit Afrika verbunden gewesen, als die geologischen Modelle vorhersagten. „In der Kreidezeit hätten sich die Landtiere frei zwischen den heute getrennten Kontinenten bewegen können“, sagt Rabi.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128844</guid><pubDate>Wed, 04 Mar 2026 11:30:14 +0100</pubDate><title>Stammt der älteste Vorfahr des Menschen vom Balkan? – Ein neues Fossil schließt eine Lücke</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128844&amp;cHash=f8cb51530788d07a0a56a7ea518841f8</link><description>Internationales Team unter Beteiligung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Universität Tübingen findet 7,2 Millionen Jahre alten Oberschenkel von Graecopithecus in Bulgarien</description><content:encoded><![CDATA[<p>Ein neu entdeckter fossiler Oberschenkelknochen aus Bulgarien könnte die Geschichte des menschlichen Ursprungs neu schreiben, wie ein internationales Forschungsteam des Nationalmuseums für Naturgeschichte (Bulgarien), der Aristoteles-Universität Thessaloniki (Griechenland), vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen und der Universität Toronto (Kanada) berichtet. Der aufrechte Gang, also das Gehen auf zwei Beinen, gilt seit Langem als grundlegende Schwelle in der menschlichen Evolution und als eines unserer prägendsten Merkmale. Bislang gingen Forscher davon aus, dass die ersten fossilen Menschen aus Afrika stammten und dass sich der aufrechte Gang dort vor etwa sechs Millionen Jahren entwickelt hatte. Der neue Oberschenkelknochen aus der Grabungsstelle Azmaka, nahe der Kleinstadt Chirpan in der Thrakischen Tiefebene, der diese Woche in einem Artikel des Fachjournals <span lang="en" dir="ltr">Palaeodiversity and Palaeoenvironments</span> beschrieben wurde, weist jedoch unverkennbare Merkmale eines Zweibeiners auf, eines menschlichen Vorfahren, der bereits auf seinen Hinterbeinen ging.</p><h2><i>Graecopithecus </i>– ältester Vertreter der menschlichen Linie</h2><p>„Mit einem Alter von 7,2 Millionen Jahren könnte dieser Vorfahr, den wir der Gattung <i>Graecopithecus </i>zuordnen, der älteste bekannte Mensch sein“, sagt Professor David Begun von der Universität Toronto. Der erste Fund eines Exemplars von <i>Graecopithecus</i>, ein Unterkiefer, wurde an einer Fundstelle in der Nähe von Athen entdeckt. Bereits 2017 untersuchte das Forschungsteam diesen Fund und schlussfolgerte, dass die Form der Zahnwurzeln auf einen Vertreter der menschlichen Linie schließen lasse. Doch eine Zweibeinigkeit des Graecopithecus ließ sich aus dem Unterkiefer nicht herleiten. Der neu entdeckte Oberschenkel aus Azmaka ändert nun die Datenlage entscheidend.</p><p>An der bulgarischen Fundstelle Azmaka lebte <i>Graecopithecus</i> an einem Flusslauf in einer Savannenlandschaft, ähnlich denen im heutigen Ostafrika. Der Oberschenkelknochen stammt von einem etwa 24 Kilogramm schweren, wahrscheinlich weiblichen, Individuum. „Eine Reihe von äußeren und inneren morphologischen Merkmalen, wie der verlängerte und aufrecht gerichtete Oberschenkelhals, spezielle Ansatzstellen für die Gesäßmuskulatur oder die Dicke der äußeren Knochenschicht weisen Ähnlichkeiten mit zweibeinigen fossilen Menschenvorläufern und Menschen auf“, sagt Professor Nikolai Spassov vom bulgarischen Nationalmuseum für Naturgeschichte. Hierin unterschieden diese sich von den Oberschenkeln baumbewohnender Affen. „Allerdings bewegte sich <i>Graecopithecus </i>noch nicht in der gleichen Weise wie der moderne Mensch“, setzt der Forscher hinzu. Der Azmaka-Oberschenkel vereine Merkmale von afrikanischen Menschenaffen mit solchen von jüngeren Zweibeinern.&nbsp;</p><p>„<i>Graecopithecus</i> stellt eine Stufe in der menschlichen Evolution zwischen unseren in Bäumen und auf dem Boden lebenden Vorfahren, wie zum Beispiel dem fast zwölf Millionen Jahre alten <i>Danuvius guggenmosi</i> aus der Hammerschmiede im Allgäu, und jüngeren Funden aus Ostafrika dar“, sagt Begun. „Man könnte ihn durchaus als fehlendes Bindeglied bezeichnen.“ <i>Graecopithecus</i> stamme höchstwahrscheinlich von den acht bis neun Millionen Jahre alten balkanisch-anatolischen Menschenaffen wie Ouranopithecus und Anadoluvius ab, die sich wiederum aus Vorfahren in West- und Mitteleuropa entwickelt haben.&nbsp;</p><h2>Klimamotoren der Ausbreitung</h2><p>„Wir wissen, dass großräumige Klimaveränderungen im östlichen Mittelmeerraum und Westasien vor acht bis sechs Millionen Jahren zum periodischen Entstehen ausgedehnter Halbwüsten und Wüsten führten. Diese Entwicklung initiierte mehrere Ausbreitungswellen eurasischer Säugetiere nach Afrika und legte den Grundstein der heutigen Säugetierfauna afrikanischer Savannen“, sagt Professorin Madelaine Böhme vom <span lang="en" dir="ltr">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen. Die Studienautoren vermuten daher, dass auch Menschenaffen sich nach Süden ausbreiteten. Ob sich die Vorfahren der Schimpansen, Gorillas und Menschen bereits in Europa getrennt hatten und ob diese Ausbreitungswellen sogar ein Grund für die genetische Isolation ihrer Linien war, muss durch künftige Entdeckungen noch geklärt werden. Möglicherweise breitete sich auch <i>Graecopithecus</i> vom Balkan nach Afrika aus, wo es ab sechs Millionen Jahren vor heute zur Entstehung früher menschlicher Vorfahren wie der Gattung <i>Orrorin</i> kam und später dem <i>Australopithecus afarensis</i>, dessen bekanntester Vertreter der Fund namens Lucy ist.</p><p>Die Arbeiten in Azmaka und an anderen Fundstätten auf dem Balkan werden fortgesetzt, um weitere Exemplare von <i>Graecopithecus</i> zu finden und mehr über die Ökologie und Evolution dieses überraschend frühen Zweibeiners und mögliche menschliche Vorfahren zu erfahren.</p><h2>Publikation:</h2><p>Nikolai Spassov, Dionisios Youlatos, Madelaine Böhme, Ralitsa Bogdanova, Latinka Hristova, David R. Begun: An early form of terrestrial hominine bipedalism in the Late Miocene of Bulgaria. <i>Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments</i>, <a href="https://doi.org/10.1007/s12549-025-00691-0" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1007/s12549-025-00691-0</a> &nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128832</guid><pubDate>Wed, 04 Mar 2026 09:38:12 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen beruft Professorin für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128832&amp;cHash=22e861e51539238a62d150c729c3c322</link><description>Friederike Lorenz-Sinai beginnt am 1. März am neu eingerichteten Lehrstuhl – Alle vier Professuren am Institut für Rechtsextremismusforschung damit besetzt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Friederike Lorenz-Sinai wurde zum 1. März von der Universität Tübingen auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissen-schaftlichen Fakultät berufen. Sie wird am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) zum Umgang mit Gewalt- und Diskriminierungsphänomenen in regionaler und internationaler Ausrichtung forschen und lehren. Auch der Transfer von Forschungsergebnissen zu Organisationen der Zivilgesellschaft gehört dazu.</p><p>Friederike Lorenz-Sinai hat ihr Berufsleben als Erzieherin und Sozialarbeiterin begonnen und dann Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg studiert. Für die Gedenkstätte Bergen-Belsen arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der pädagogischen Abteilung. Ihre Promotion über institutionelle Schweigepraktiken im Kontext von Gewalt gegen Kinder mit Beeinträchtigung schloss sie 2019 an der Bergischen Universität Wuppertal mit summa cum laude ab. Sie war an verschiedenen Universitäten und Hochschulen tätig, unter anderem an der <span lang="en" dir="ltr">Hebrew University of Jerusalem</span> und der Freien Universität Berlin. Sie hat dort Gefühlserbschaften und Bildungsprozesse von Lehrkräften zur Shoah und die Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt in Organisationen untersucht. Seit 2021 hatte sie die Professur für Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung an der Fachhochschule Potsdam inne.&nbsp;</p><p>Gemeinsam mit Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung erstellt sie seit 2018 die Studienreihe „Antisemitismus im Kontext Schule“. Zudem forschen die beiden Wissenschaftlerinnen zum institutionellen Umgang mit Antisemitismus in der Gedenkstättenpädagogik und der Polizei, zu Antisemitismus im Kontext Hochschule und in Kindertagesstätten sowie zu den Auswirkungen des 7. Oktobers 2023 auf jüdische und israelische <span lang="en" dir="ltr">Communities</span> in Deutschland.&nbsp;</p><p>Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Mit der Berufung von Friederike Lorenz-Sinai auf die Professur für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung sind jetzt alle Lehrstühle am IRex besetzt. Die vom Land gegründete und bundesweit einzigartige Forschungsstelle stellt sicher, dass das Thema Rechtsextremismus dauerhaft und systematisch erforscht und bearbeitet wird. Antisemitismus ist ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Die meisten antisemitisch motivierten Vorfälle werden durch Rechtsextreme begangen. Deshalb ist es die Verantwortung von Staat, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Antisemitismus konsequent zu erforschen, sichtbar zu machen und entschieden zu bekämpfen. Mit der Finanzierung dieses Lehrstuhls setzen wir ein klares Zeichen: Wir nehmen die Herausforderung ernst und investieren in Wissen, Auf-klärung und Prävention. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst. Deshalb haben wir und entschieden, die Finanzierung auch dieser Professur für die ersten zehn Jahre zu übernehmen.“</p><p>„Die Universität Tübingen möchte ihre Arbeit zur Erforschung des Antisemitismus noch verstärken – angefangen von Bildungskontexten bis hin zu Einbettungen in Gesellschaft und Staat. Der neue Lehrstuhl wird diesem hochaktuellen Thema gerade auch in seinen zeitgenössischen Ausformungen wissenschaftliche Aufmerksamkeit widmen“, sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.</p><p>Im Mai 2023 wurde an der Universität Tübingen das IRex gegründet und an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt. Mit vier Professuren zur Rechtsextremismusforschung und seiner strukturellen Verankerung ist das Institut bundesweit einzigartig. Die Einrichtung durch das Land Baden-Württemberg ging auf eine Handlungsempfehlung des zweiten baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschusses zurück.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128733</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2026 16:31:38 +0100</pubDate><title>Universität Tübingen zeichnet drei Forschende für herausragende Wissenschaftskommunikation aus</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128733&amp;cHash=75e111676f29342b27de56705095ba86</link><description>Jury vergibt Preis als Teil der Exzellenzstrategie an Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen sowie Rechtsextremismusforscher Rolf Frankenberger – Nachwuchspreis geht an Ökologin Rachel L. Gunn</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Tübingen verleiht den Preis für Wissenschaftskommunikation in diesem Jahr an zwei Nominierte: den Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen und den Rechtsextremismusforscher Dr. Rolf Frankenberger. Der Nachwuchspreis geht an die Ökologin Dr. Rachel L. Gunn. Bernhard Pörksen wird für die umfassende und vielschichtige Kommunikation seiner Forschung zur öffentlichen Debattenkultur ausgezeichnet, Rolf Frankenberger für seine engagierte, dialogorientierte Aufklärungsarbeit zur extremen Rechten und deren gesellschaftlichen und politischen Einbettungen. Rachel L. Gunn wird geehrt für die innovative und inklusive Kommunikationsarbeit, die an ihre Untersuchung fragiler Ökosysteme anknüpft.</p><p>Der Preis ist in der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen verankert und würdigt besondere Leistungen in der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Über die Vergabe entscheidet eine Jury aus Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten, Forschenden sowie weiteren Expertinnen und Experten aus dem Kommunikationsbereich. Die offizielle Preisverleihung findet am 28. April um 18 Uhr in der Alten Aula statt.</p><p>„Im Namen der gesamten Universität gratuliere ich der Preisträgerin und den beiden Preisträgern sehr herzlich“, sagt Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Die Jury zeichnet in diesem Jahr mit dem Hauptpreis zwei Forschende aus, die sich in herausragender Weise für die Demokratie engagieren: Bernhard Pörksen, indem er die Bedingungen gelungener öffentlicher Kommunikation sichtbar macht; Rolf Frankenberger, indem er rechtsextreme Entwicklungen analysiert und einordnet. Demokratische Verständigung braucht beides: eine klare, faktenbasierte Grundlage und die Bereitschaft, einander zuzuhören. Nachwuchspreisträgerin Rachel L. Gunn macht eindrücklich erfahrbar, wie schützenswert und zugleich schutzbedürftig die Ökosysteme des Planeten sind.“</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128715</guid><pubDate>Thu, 26 Feb 2026 11:30:00 +0100</pubDate><title>Wie sich vor 2,5 Milliarden Jahren Sauerstoff in der Erdatmosphäre anreichern konnte</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128715&amp;cHash=f87df2b1957c8183c16d868b4fc18b68</link><description>Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht, wie Cyanobakterien in den frühen Ozeanen dem Eisenstress standhielten und sich massenhaft vermehren konnten</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die bis heute existierenden Cyanobakterien waren in den frühen Ozeanen vor rund 2,5 Milliarden Jahren die ersten Lebewesen, die Fotosynthese betrieben und dabei Sauerstoff freisetzten. Dieser reicherte sich in immensem Ausmaß in der Erdatmosphäre an. Wie das möglich war, obwohl das reichlich im Ozeanwasser gelöste Eisen das Wachstum der Cyanobakterien stark hemmte, hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Andreas Kappler aus der Geomikrobiologie der Universität Tübingen in Laborversuchen erforscht. Die Forschenden entdeckten, dass das ebenfalls im Ozeanwasser vorhandene Silikat eine entscheidende Rolle spielte und auch der tageszeitliche Wechsel von Licht und Dunkel. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.</p><p>Sauerstoff war für die Cyanobakterien ein schwieriges Abfallprodukt. Als er sich anreicherte, reagier-te die Evolution flexibel. Heute ist er für die meisten Lebensformen, die wir kennen, nicht wegzudenken. „Die frühen Ozeane enthielten viel gelöstes Eisen, das mit Sauerstoff reagiert und dabei hoch-reaktive Sauerstoffradikale bildet. Diese sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies sind giftig für Bakterien“, erklärt Andreas Kappler. Bisher sei man daher davon ausgegangen, dass die Sauerstoffradikale die Sauerstofffreisetzung der Cyanobakterien stark hemmten und dass erst mehrere Millionen von Jahren nach der Entstehung der Cyanobakterien freier Sauerstoff in die Atmosphäre gelangte. „Diese Annahme warf aber auch die Frage auf, wie die Cyanobakterien unter diesen Bedingungen überleben konnten“, sagt die Doktorandin Carolin Dreher aus Kapplers Arbeitsgruppe, die Erstautorin der Studie.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128628</guid><pubDate>Thu, 26 Feb 2026 11:00:00 +0100</pubDate><title>Wie sich das Leben der Wildkatzen durch menschliche Einflüsse verändert</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128628&amp;cHash=cea08d0f28f3de6a994a6dcfeceb0816</link><description>Haaranalysen der Tiere geben Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen Aufschluss über ihre Ernährungs- und Lebensweise</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die ursprünglich im Wald beheimatete Europäische Wildkatze nutzt in manchen Gebieten Deutschlands vor allem im Sommer, wenn das hochstehende Getreide Deckung bietet, zunehmend auch landwirtschaftlich genutzte Flächen als Jagdgebiet. Solche Verhaltensänderungen werden als Reaktion auf den Druck durch menschliche Einflüsse wie die Zerstückelung oder Zerstörung von Waldgebieten und die Intensivierung der Landwirtschaft gesehen. Wie und wo eine Katze lebt, wird indirekt über die Isotopensignatur der Nahrung in ihren Haaren dokumentiert. Das machte sich ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Chris Baumann und Dr. Dorothée Drucker vom Senckenberg <span lang="en" dir="ltr">Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment</span> an der Universität Tübingen bei der Analyse von Katzenhaaren zunutze. Über diese nicht-invasive Untersuchungsmethode will das Team die lang-fristigen ökologischen Veränderungen in der Lebensweise der Wildkatzen verfolgen und mehr Informationen für deren Schutz gewinnen. Dafür sind zoologische Sammlungen als Langzeitarchive essenzielle Voraussetzung; sie erhalten neue Nutzungsmöglichkeiten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift <i>PLOS ON</i>E veröffentlicht.</p><p>Die Europäische Wildkatze (<i>Felis silvestris)</i> steht in Deutschland seit 1935 unter Schutz. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sie sich hier wie auch sonst in Europa wieder aus. Dabei kommen die dämmerungsaktiven Tiere, die als ortstreue Einzelgänger gelten und dem Menschen normalerweise aus dem Weg gehen, immer häufiger in Kontakt mit menschlichen Siedlungen und Straßen. „Ungestörte Waldgebiete als ideale Lebensräume der Wildkatzen werden kleiner, und das Risiko ist groß, dass sie auf unseren Straßen überfahren werden“, berichtet Chris Baumann. Eine Bedrohung für die Wildkatzen stellen auch streunende, verwilderte oder freilaufende Hauskatzen (<i>Felis catus)</i> dar, die Krankheiten übertragen können oder durch Artenkreuzung ihren genetischen Bestand beeinflussen.</p><h3>Keine neuen Probenahmen</h3><p>Zur weiteren Erforschung der Wildkatzen in Deutschland setzt das Team bei der Ernährungsweise an: Sie lässt indirekt erkennen, an welche Entwicklungen sich Tiere anpassen, wo sie sich aufhalten und mit welchen anderen Arten sie in Konkurrenz stehen. „Wir nutzten ausschließlich Proben von Katzenhaaren, die bereits bei vergangenen Studien gesammelt wurden“, sagt Baumann. Einbezogen haben die Forscherinnen und Forscher Proben aus einer Fallstudie, bei der eine Wildkatzenpopulation mit niedriger Hybridisierungsrate im Taunus mit einer im Markgräflerland verglichen wurde, wo es häufig zu Artenkreuzungen mit Hauskatzen kam. „Bei dieser Studie wurden für ein genetisches Monitoring der Wildkatzen Haarproben mithilfe von Klebefallen gesammelt“, erklärt der Forscher. Außerdem bewahrte das Phyletische Museum der Universität Jena in Thüringen Haarproben von Wildkatzen aus den vergangenen 26 Jahren auf, teilweise stammten sie von im Straßenverkehr getöteten Tieren.</p><p>In den Haarproben aus den drei deutschen Regionen wurden jeweils die Muster stabiler Isotope von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel analysiert, das sind Atome des gleichen chemischen Elements mit unterschiedlicher Masse. Diese Muster, auch als Signaturen bezeichnet, sind jeweils für Lebewesen aus bestimmten Regionen und mit bestimmter Ernährungsweise charakteristisch. „Die Isotopensignatur in den Zellen der Beutetiere, die die Katzen gefressen haben, oder aus dem von Menschen bereitgestellten Futter geht in deren Isotopensignatur ein“, erklärt Baumann. Die Interpretation der Daten ist aufwendig, aber lässt einige stabile Aussagen zu.</p><p>Im Ergebnis zeigten sich verschiedene Ernährungsweisen der Katzen: „Wildkatzen, vor allem bei der Population im Taunus, die in ihrem typischen Waldhabitat lebten, hatten eine recht einheitliche Isotopensignatur, sie waren ökologisch stark spezialisiert“, sagt Baumann. „Die Hybride hingegen besetzten eine breite ökologische Nische, ihre Isotopensignatur hatte eine große Überlappung mit den Wildkatzen in den Regionen, wo beide nebeneinander vorkommen.“ Bei den Haus- und Wildkatzen gab es nur geringe Überlappungen, sie konkurrieren kaum in ihren Ernährungsweisen. „Der Langzeittrend bei den Thüringer Wildkatzen ergab Kohlenstoff-Isotopenwerte besonders bei im Sommer gewachsenen Fellhaaren, die auf einen steigenden Anteil von Beute von landwirtschaftlichen Nutzflächen hinweist.“</p><p>Die Studienergebnisse tragen zur Beobachtung des Wildkatzenbestands in Deutschland bei. Sie helfen aber auch, die nicht-invasive rückblickende Methode des Isotopen-Monitorings, bei der archiviertes Gewebe verwendet werden kann, besser zu etablieren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128565</guid><pubDate>Tue, 24 Feb 2026 10:06:53 +0100</pubDate><title>KI entwickelt leicht verständliche Lösungen für ungewöhnliche Experimente in der Quantenphysik</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128565&amp;cHash=464e3f7deed7288f631879cdc761ae44</link><description>Bisher konnten Forschende unkonventionelle Lösungen der Künstlichen Intelligenz nur schwer verstehen – Neuer Ansatz an der Universität Tübingen führt zu schnellerem und besserem Verständnis</description><content:encoded><![CDATA[<p>Forschende der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die völlig neue, teils ungewöhnliche Experimente in der Quantenphysik entwirft und zugleich für Forschende leicht verständlich darstellt. Dazu zählen auch Versuchsanordnungen, auf die Menschen möglicherweise nie gekommen wären. Die neue KI entwirft nicht nur einen einzelnen Design-Vorschlag, sondern sie schreibt Computercodes, die eine ganze Reihe von physikalischen Experimenten, also Versuchsgruppen mit ähnlichem Output, liefern. Die Studie ist jetzt in der Fachzeitschrift Nature Machine Intelligence erschienen.</p><p>Die neu entwickelte KI nutzt eine Programmiersprache, die die Forschenden leicht verstehen. Dadurch können sie die zugrunde liegende Idee des Lösungswegs der KI deutlich leichter ermitteln als bisher. „KI-Systeme liefern ihre Lösungen normalerweise ohne Erklärungen, wie sie funktionieren“, erklärt Mario Krenn, Professor für Maschinelles Lernen in der Wissenschaft an der Universität Tübingen und Letztautor der Studie. „Wir Wissenschaftler müssen im Nachhinein versuchen, die Lösungen nachzuvollziehen. Früher haben wir dafür oft Tage oder Wochen gebraucht – wenn wir sie überhaupt verstanden haben.“</p><p><strong>Sprachmodell als Experte für Quantenphysik</strong></p><p>„Wir haben für unsere Studie ein Sprachmodell trainiert, das ähnlich funktioniert wie ChatGPT“, erklärt Sören Arlt, Doktorand in Krenns Arbeitsgruppe und Erstautor der Studie. „Unser Sprachmodell ist Experte darin, Computercode für Quantenphysik zu schreiben, und zwar in der Programmiersprache Python.“ Dieser Code funktioniert wie ein allgemeines Rezept: Wird er ausgeführt, entwirft er Versuchsaufbauten für viele ähnliche Fälle und auch für umfangreichere Versionen derselben Aufgabe. Da Python für Menschen gut lesbar und verständlich ist, können Forschende den Code überprüfen und sehen, welche Strukturen sich darin wiederholen und welche Einschränkungen von Bedeutung sind. Dadurch wird die zugrunde liegende Idee des Lösungswegs der KI für sie sichtbar.</p><p>Die Quantenphysik ermöglicht es, vollkommen neue Technologien zu entwickeln, darunter Quantencomputer, die bestimmte Probleme viel schneller lösen können als gewöhnliche Computer. Sie könnten zum Beispiel die Eigenschaften von Molekülen beschleunigt berechnen, was für die Entwicklung von Medikamenten hilfreich ist. Um die Effekte der Quantenphysik besser zu verstehen, sind Experimente notwendig. Forschende erzeugen dabei gezielt Quantenteilchen – etwa Elektronen, Atome oder Lichtquanten –, bringen sie in genau kontrollierte Zustände und messen, wie sie sich verhalten, um Effekte wie zum Beispiel Superposition, also die Überlagerung möglicher Quanten-Zustände, sichtbar zu machen.</p><p><strong>KI kann mehr Kombinationsmöglichkeiten untersuchen als Menschen</strong></p><p>Versuchsaufbauten in der Quantenphysik sind hochkomplex, und es gibt unzählige Möglichkeiten, die vielen verschiedenen Variablen eines Experiments miteinander zu kombinieren. Der Mensch kann nur einen Bruchteil davon überblicken. Ganz anders die KI: Sie kann deutlich mehr Kombinationsmöglichkeiten für einen Versuchsaufbau untersuchen als Menschen. „KI-Systeme finden heute immer ausgefeiltere und unorthodoxere Lösungen, die wir Menschen vielleicht nie ausprobiert hätten“, sagt Krenn. In einigen Fällen sei zu erwarten, dass die maschinell entworfenen Experimente bekannte Designs übertreffen. Das könne zu neuen Einsichten in der Physik führen.</p><p>„Unsere Arbeit zeigt einen Weg auf, die unorthodoxen Lösungen der KI in der Physik leichter interpretierbar zu machen“, sagt Krenn. „Anstatt nur starke Einzellösungen zu liefern, wird das System dazu angeregt, das Gelernte in Form von wiederverwendbaren Regeln auszudrücken – diese können Forschende dann untersuchen, verstehen und auf neue Probleme anwenden.“ Die Methodik lasse sich auch auf andere Bereiche, etwa die Material- und Ingenieurwissenschaften, übertragen.</p><p>Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, sagt: „Mit Methoden der Künstlichen Intelligenz lässt sich Wissenschaft in bestimmten Bereichen heute extrem beschleunigen. Dass Forschende weltweit die Ergebnisse der KI mit diesem neuen Ansatz schneller nachvollziehen können, ist von zentraler Bedeutung und kann zu neuen Anwendungen führen. Für die Universität Tübingen ist dies ein Beispiel dafür, wie wir gemeinsam Zukunftstechnologien gestalten, statt sie nur zu beobachten.“</p><h3>Publikation:</h3><p>Sören Arlt, Haonan Duan, Felix Li, Sang Michael Xie, Yuhuai Wu, Mario Krenn: Meta-designing quantum experiments with language models, Nature Machine Intelligence (2026), <a href="https://doi.org/10.1038/s42256-025-01153-0" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s42256-025-01153-0</a>&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category><category>Landingpage-Aktuell</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-128415</guid><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 12:46:47 +0100</pubDate><title>Sara Brucker wird Dekanin der Medizinischen Fakultät Tübingen</title><link>https://uni-tuebingen.de/zh/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Bnews%5D=128415&amp;cHash=4cf7f2df968b8860210cc5e18c87fa22</link><description>Renommierte Gynäkologin übernimmt Führungsamt – Pionierin der modernen Frauenheilkunde steht künftig an der Spitze der Fakultät</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen hat erstmals in ihrer fast 550-jährigen Geschichte eine Frau an ihre Spitze gewählt: Professorin Sara Y. Brucker, Ärztliche Direktorin der Universitäts-Frauenklinik und Leiterin des Departments für Frauengesundheit. Die international anerkannte Gynäkologin gilt als Wegbereiterin der modernen operativen Frauenheilkunde und steht für Innovationskraft und Exzellenz in Forschung und Lehre. Sie folgt auf Professor Bernd Pichler, der die Fakultät seit 2020 geführt und durch prägenden Einsatz während der Pandemie und zahlreiche Forschungsinitiativen gestärkt hat. Die Amtsübergabe erfolgt am heutigen Montag.</p><p>Mit der Wahl Bruckers zur neuen Dekanin erlebt die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen einen Meilenstein ihrer Geschichte. Erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1477 übernimmt eine Frau das höchste Amt der Fakultät. Brucker ist seit 2022 Ärztliche Direktorin der Universitäts-Frauenklinik – auch in dieser Position war sie die erste Frau an der Spitze. „Ich empfinde große Dankbarkeit und Demut gegenüber dieser Aufgabe“, sagt die neue Dekanin. „Die Medizinische Fakultät Tübingen steht für Exzellenz, Verantwortung und Menschlichkeit. Mir ist wichtig, diese Werte weiterzutragen – mit einem besonderen Fokus auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, Nachwuchsförderung und Chancengleichheit.“</p><h3>Wegbereiterin der modernen Frauenheilkunde</h3><p>Als international renommierte Gynäkologin hat Brucker die Entwicklung der Brustkrebsmedizin in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Unter ihrer Mitwirkung wurde das erste interdisziplinäre Brustzentrum Deutschlands in Tübingen gegründet und zertifiziert. Ihre Forschung zu Uterustransplantationen, bei denen sie als erste und bislang einzige Ärztin in Deutschland Frauen ohne Gebärmutter den Weg zur Mutterschaft eröffnete, gilt als Meilenstein der Reproduktionsmedizin.</p><p>Akzente will Brucker insbesondere in der Vereinbarkeit von akademischen und ärztlichen Karrierewegen setzen, den Ausbau des exzellenten Forschungsstandortes vorantreiben und die Digitalisierung sowie Potentiale der Künstlichen Intelligenz für den medizinischen Wissenschaftsstandort Tübingen fördern.</p><p>Die herausragenden Leistungen der Universitäts-Frauenklinik unter ihrer Leitung spiegeln sich auch international wider: Bereits 2024 listete Newsweek die Klinik als beste in Europa und viertbeste weltweit. Ein Jahr später erhielt Brucker das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Karla Pollmann, gratuliert der neuen Dekanin herzlich: „Mit Sara Brucker übernimmt eine herausragende Wissenschaftlerin die Leitung der Medizinischen Fakultät. Ihr Mut, neue Wege zu gehen, steht beispielhaft für den Geist unserer Universität – exzellent, verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert.“</p><p>Mit Blick auf die weiterhin enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum – die Dekanin der Medizinischen Fakultät ist auch Teil des Klinikumvorstandes – ergänzt Professor Jens Maschmann, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums: „Frau Brucker hat als Ärztliche Direktorin der Frauenklinik bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie über die notwendige Führungskompetenz verfügt, um auch als Dekanin erfolgreich zu sein.“</p><h3>Dank an den scheidenden Dekan</h3><p>Die Medizinische Fakultät würdigt zugleich die Amtszeit von Professor Bernd Pichler, der das Dekansamt seit 2020 bekleidete und sich entschieden hatte, für eine neue Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. In einer herausfordernden Zeit, insbesondere während der Coronapandemie, führte er die Fakultät mit großem Engagement und Weitblick. Unter seiner Führung konnte die Medizinische Fakultät dazu beitragen, dass die Universität Tübingen mit insgesamt sechs Exzellenzclustern, darunter drei mit Beteiligung der Medizinischen Fakultät, ihren Ruf als exzellenten Forschungsstandort ausbaute. Besonders am Herzen lag ihm die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – etwa durch die Gründung Casa Medizini, der eigenen Kindertagesstätte der Fakultät, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren.</p>]]></content:encoded><category>Pressemitteilungen</category></item>
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