Uni-Tübingen

Studium Generale

 Im Sommersemester des Studium Generale steht es den Organisatorinnen und Organisatoren frei zu wählen, ob die Ringvorlesungen in Präsenz, Online oder Hybrid stattfinden. Alle Informationen finden Sie im Klappentext der jeweiligen Reihen. Für den Besuch einer Reihe können durch den regelmäßigen Besuch 2 ECTS-Punkte bzw. maximal 6 ECTS-Punkte beim Besuch von drei Vorlesungsreihen erworben werden. Dies ist nur in Präsenz möglich. Den Teilnahmenachweis zum Unterschreiben finden Sie hier als Download. Anschließend können Sie den Nachweis beim Transdisciplinary Course Program stempeln lassen. 

 

Hinweise

- In den Universitätsgebäuden und auch während der Vorlesungen besteht Maskenpflicht

- Die Reihe "Europas phantastische Held*innen - eine literarische Spurensuche (II)" findet künftig im Hörsaal 21 statt (statt Hörsaal 25). 

- In der Reihe Wissenschaften zwischen Freiheit und Verantwortung gibt es Terminänderungen. Die Vorlesung vom 12.05. von Prof. Dr. Hemel findet am 23. Juni statt. Die Vorlesung von Prof. Dr. Schlumberger am 23. Juni entfällt. 

Das Studium Generale ist ein kostenloser Service. Freiwillig, unbezahlt und neben ihren vielfältigen Aufgaben bieten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen hier öffentliche Abendveranstaltungen während des Semesters an. In den Vorlesungsreihen zu aktuellen und meist fachübergreifenden Themen kommen auch häufig auswärtige Gäste zu Wort.

Das Studium Generale richtet sich an alle interessierten Hörerinnen und Hörer und an Studierende aller Fachrichtungen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kontakt für Teilnehmende

Julia Dubs
 +49 7071 29-77846
julia.dubsspam prevention@uni-tuebingen.de 

Kontakt für die Organisation der Reihen

Antje Karbe
 +49 7071 29-76789
antje.karbespam prevention@uni-tuebingen.de

Aktuelles Programm

Themenübersicht Sommersemester 2022

Religion und Literatur - Eine Topographie ihrer Begegnung im Spiegel deutschsprachiger Literatur

jeweils Montag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Prof. Karl-Josef Kuschel

Die Vorlesung geht „Sternstunden“ einer Begegnung von Religion und Literatur nach, die immer auch verbunden sind mit ausgewählten Schauplätzen des Lebens. In seinem Haus in Wolfenbüttel schreibt Lessing das luzideste und zugleich kühnste Stück deutscher Sprache wider die Intoleranz der Vertreter der Religionen. Auf der Meersburg am Bodensee erlebt Annette von Droste-Hülshoff, Verfasserin rebellischer „Geistlicher Dichtungen“, in nur sechs Monaten eine „Explosion“ ihrer lyrischen Kreativität, die in der deutschsprachigen Literatur ihresgleichen sucht. Durch seine im dänischen Exil entstandenen, im Widerstand gegen den Faschismus geschriebenen Texte macht Bertolt Brecht ein kleines Fischerdorf an der Südküste Fünens zu einem Ort der Exil- und Weltliteratur: „Svendborger Gedichte“. 

Ein Felsenschloss über der Adria bei Triest inspiriert Rainer Maria Rilke zu Anfängen seiner „Duineser Elegien“, einer programmatisch „nachchristlichen Dichtung“. In einem kleinen Nest in den Vogesen lässt sich Alfred Döblin, während des Exils zum Katholizismus konvertiert, demonstrativ beerdigen und macht diesen Ort zum Fanal der Unversöhntheit mit Deutschland. In Zürich treffen sich Paul Celan und Nelly Sachs zu einem einzigartigen Zwiegespräch über Gott, das Celan in einem Gedicht festgehalten hat: „Zürich. Zum Storchen“. 

Ob ein Haus in Weimar oder im Engadin, ein Grab in Bornheim-Merten oder ein alter Bibliothekssaal in Bad Schussenried: literarische Werke sind immer auch mit  konkreten Orten verbunden, die Dichtungen inspiriert haben, ohne dass sie daraus einfach abzuleiten oder darauf biographisch zu reduzieren wären. Es sind lebensgeschichtliche Schnittpunkte, die durch die hier entstandenen Texte oder durch die Präsenz der Dichterinnen und Dichter zu „magischen Orten“ werden. Die Vorlesung sucht auf der Basis jahrelanger persönlicher Reisen solche Orten auf, stets das Verhältnis von Religion und Literatur im Blick. Die Zeitreise wird zur Lebenserkundung und diese spiegelt sich in literarischen Texten.

Skripte-Download: https://karl-josef-kuschel.de/vortrage-termine-2/

Gender und Diversität als Forschungszugänge: Beiträge zur Versachlichung der Diskussion

Organisation: Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung
jeweils Montag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Fragen von Gleichheit und Ungleichbehandlung, von Diskriminierung und bereichernder Vielfalt prägen seit Jahren politische und gesamtgesellschaftliche Debatten. Neue Bewegungen wie "#metoo" oder "Black Lives Matter", die globale Resonanz erzeugen, artikulieren emanzipatorische Ansprüche in unterschiedlichen (neuen) Öffentlichkeiten und stehen in komplexem Verhältnis zu älteren Formen des Aktivismus.

Auch in der Wissenschaft sind Geschlecht und soziale (sexuelle, religiöse, körperliche, ethnische) Vielfalt mehr denn je hochrelevante Wissenskategorien. In Forschung wie Lehre, stellen Gender und Diversität über Fächergrenzen hinweg perspektivenschärfende Zugänge zu gesellschaftsrelevantem Wissen dar.

Die Ringvorlesung bietet Einblick in die Forschungspraxis der Universität Tübingen und zeigt das breite Spektrum an Fragen, Forschungsgegenständen, Methoden und Wissensbeständen auf, das die Praxis der oft monolithisch verstandenen “Gender und Diversity Studies” bietet.

Achtung Termintausch:

Am 16.05.2022 findet folgender Vortrag statt (statt 27.6.): Dr. Renate Baumgartner, Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung, Universität Tübingen "Künstliche Intelligenz in Medizin und Gesundheitsversorgung: Ein Blick aus Gender- und Diversitätsperspektive" 

Am 27.06.2022 sprechen dafür: Prof. Dr. Fahimah Ulfat, Zentrum für Islamische Theologie, Universität Tübingen; Jun.-Prof. Dr. Ursula Offenberger, Methodenzentrum an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Universität Tübingen "Un/doing Gender – Un/doing Religion:  Eine praxistheoretische Annäherung" (vorher Dr. Baumgartner)
 

Europas phantastische Held*innen - eine literarische Spurensuche (II)

Prof. Jürgen Wertheimer
jeweils Montag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Alle „Helden“ sind Fantasieprodukte. Fiktionen an denen wir uns orientieren, so als ob es echte Figuren wären. Und genau das ist die Grundidee ‒ dies halb vergessene „Erbe“ wieder ans Licht zu bringen und zu ordnen.

Lässt man die Jahrhunderte im Schnelldurchlauf Revue passieren und begegnet noch einmal all jenen Licht- und Schattengestalten, die einem „irgendwie“ bekannt vorkommen, denen es gelungen ist, sich über die Jahrhunderte hinweg im kollektiven Gedächtnis festzusetzen, lässt sich daraus eine andere Geschichte des Kontinents, ein spezifisches europäisches Profil ableiten. Eine Geschichte jenseits der üblichen Herrscherdaten und Epochenschwellen. Auch keine Ideengeschichte im üblichen Sinn. Vielmehr eine Art „Menschlicher Komödie“ ‒ bei weitem nicht so umfassend und systematisch wie bei Balzac, aber doch aussagekräftig in Bezug auf das, was Europa ausmacht: Individualität, Autonomie und Diversität. Deshalb macht es ‒ besonders in der gegenwärtigen, durchaus kritischen Situation unseres Kontinents Sinn, sich mittels eines „Who is Who“ einen ersten Überblick zu verschaffen. Es fällt auf, dass man sich kaum eine heterogenere, eigensinnigere Liste denken lässt als die, die aus diesem Gedankenspiel entsteht. Die Reihe konnte im vergangenen Semester eröffnet werden - aber das Potential unserer Phantasie, war damit bei weitem nicht ausgeschöpft. Deshalb diese Fortsetzung.

Wie wurde ich Professor*in? Bildungsaufsteiger*innen reflektieren ihren Lebensweg

Organisation: Prof. Dr. Astrid Franke, Amerikanistik, und Prof. Dr. Markus Rieger-Ladich, Erziehungswissenschaft
jeweils Dienstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Studierende ohne familiären akademischen Bildungshintergrund sind an deutschen Hochschulen bekanntermaßen in deutlich geringerem Maße vertreten als Studierende aus Akademikerfamilien. Um für die Situation solcher Mitglieder einer „First Generation“ zu sensibilisieren, machen sich Professor*innen der Universität Tübingen sowie externe Referent*innen in dieser Vorlesungsreihe zum Gegenstand der Selbsterforschung.

Auch sie gehören zu den ersten in ihrer Generation, die studiert haben, und machen nun öffentlich ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf diesem Weg zum Objekt des Nachdenkens. Leitende Fragen dabei sind: Wer hat sie dabei ermutigt und bestätigt? Gab es Widerstände und Hürden auf dem Weg durch das Studium? Welche waren das? Welche Rolle spielten bei deren Überwindung die Familie, Freund*innen oder Vorbilder, Lehrer*innen, Professor*innen oder Kommiliton*innen? Welche Rolle spielten aber womöglich auch Zufälle und Kontingenzen? Und wie lässt sich erklären, dass sie schließlich „ihr“ Fach gefunden haben?

Diese Vorlesungsreihe soll einen Beitrag zur Selbstreflexion der Universität Tübingen leisten und auf diese Weise auch zu mehr Bildungsgerechtigkeit. 

Klima, Umwelt und Planetare Gesundheit

Organisation: Health for Future (H4F) Tübingen und Scientists for Future (S4F) Tübingen, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen
jeweils Dienstag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Die Klimakrise und Umweltveränderungen beeinflussen die Gesundheit aller Lebewesen dieser Erde, mit umfangreichen Folgen in naher Zukunft. Dieser Zusammenhang wird immer deutlicher: Luft- und Wasserverschmutzung, Hitzewellen, Extremwetter und klimabedingte Konflikte nehmen zu und verursachen Kriege und Vertreibungen, Armut, Hunger und Krankheiten. Spätestens mit der Covid-19-Pandemie erkennen wir, dass unsere Planetare Gesundheit erhalten werden muss: untrennbar sind die politischen, ökonomischen und sozialen Systeme mit der Komplexität unserer Lebensformen und ihrer Gesunderhaltung auf diesem Planeten verbunden.

Eine unambitionierte Klimapolitik würde unsere Lebensbedingungen so schnell ändern, dass die Verringerung schädigender Einflüsse (Mitigation) zu spät und eine Anpassung (Adaptation) für viele Menschen nicht mehr in Frage käme. Selbst unsere Gesellschaftsordnung könnte für nachfolgende Generationen ein Auslaufmodell werden, wenn wir den Systemwandel hin zur Nachhaltigkeit verpassen!

Der Mensch wird als Teil der anfälligen Natur von eigenen Taten eingeholt: zivilisatorische Verhältnisse rücken mit dem planetaren Gesundheitsbegriff ins Blickfeld und zwar mit ihren präventiven, epidemiologischen und therapeutischen Konsequenzen für alle Beteiligten. Auch jenseits der Gesundheitswissenschaften stellen sich letztlich in allen Wissenschaften die Fragen: Wie könnte die Menschheit gesundheitliche, politische, ökonomische, rechtliche und soziale Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit erkennen, berücksichtigen und steuern lernen, und dabei die natürlichen Systeme unseres Planeten bewahren? In welchem Verhältnis steht die private Aneignung der Natur zu Gemeinwohlinteressen und Menschenrechten? Was hindert uns daran, angemessene Sicht- und Handlungsweisen umgehend mit Nachdruck zu suchen?

Sexualisierte Gewalt in Bildungseinrichtungen: Perspektiven einer aktuellen Debatte

Organisation: Prof. Dr. Marcus Syring, Dipl.-Päd.in Anja Nold, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Schulpädagogik
jeweils Mittwoch, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Seit über zehn Jahren gelangt das Thema sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen immer wieder auf die Titelseiten großer Zeitungen und wird weit über die Fachgrenzen hinaus diskutiert. Durch das öffentliche Interesse an Aufklärung und Aufarbeitung wurde begonnen, (institutionelle) Mauern des Schweigens zu durchbrechen und Opfern eine Stimme zu geben.

In der Wissenschaft wurde diesem Thema ebenso nachgegangen und es konnten neue Einsichten zu Ausmaß, Erscheinungsformen, Folgen und zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gewonnen werden. Als Reaktion auf diese öffentliche wie wissenschaftliche Auseinandersetzung, wurden in verschiedenen pädagogischen Einrichtungen fachliche Standards zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und Konzepte der Professionalisierung entwickelt.

In dieser Vortragsreihe möchten wir das breite Feld der sexualisierten Gewalt in Bildungseinrichtungen ausleuchten. Sachkundige Expertinnen und Experten nehmen Organisationen und Institutionen in den Blick und diskutieren Ideen zur Gestaltung von Schutz, Prävention und Aufarbeitung. Unterschiedliche Facetten – von Körperlichkeit, Moral, Scham oder rechtlichen Fragen – erweitern die Perspektiven auf das Thema.

Markt und Moral

Organisation: Gernot Müller und Dominik Papies, Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
jeweils Donnerstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Markt und Moral werden häufig als Gegensätze aufgefasst: Marktergebnisse stehen demnach oft im Widerspruch zur Moral, und die Moral verlangt nach anderen Lösungen als denen des Marktes, oder zumindest nach einer Korrektur von Marktergebnissen. Ist es zum Beispiel gerecht, dass Vorstandsvorsitzende oder Spitzensportler viele Millionen verdienen? Ist es zu rechtfertigen, wenn hochprofitable internationale Konzerne durch legale Steuervermeidung einen geringeren Steuersatz haben als Normalverdiener? Verhindert der Markt eine angemessene Berücksichtigung von Diversität oder Tierwohl?

Die Wirtschaftswissenschaft geht scheinbar stets davon aus, das Marktergebnis stelle das bestmögliche Ergebnis dar. Dem steht einerseits entgegen, dass bereits seit Adam Smith argumentiert wird, gerade die Teilhabe am Marktgeschehen könne eine moralische Qualität haben. Zudem befasst sich die Wirtschaftswissenschaft seit ihren Anfängen in besonderer Weise mit Marktversagen und korrigierenden Politikinterventionen. Klassische Beispiele hierfür sind die Wettbewerbspolitik oder die Umweltpolitik.

Andererseits ist der konzeptionelle Rahmen der ökonomischen Analyse traditionell sehr eng gesteckt: ein Problem liegt typischerweise nur dann vor, wenn klar identifizierbare Mechanismen ein effizientes Marktergebnis verhindern. Führt dieser enge Rahmen dazu, dass sich die Wirtschaftswissenschaft bei Fragen wie den oben beschriebenen schwertut, überzeugende Antworten zu finden? Fehlt ihr möglicherweise ein angemessenes Instrumentarium, um zur Diskussion beizutragen und auf das Unbehagen gegenüber Marktergebnissen adäquat einzugehen?

Vor dem Hintergrund dieses möglichen Spannungsverhältnisses sucht der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft in Tübingen das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Fächer. Philosoph*innen und Theolog*innen kommen ebenso zu Wort Forschende des Fachbereichs, die in ihren Projekten mit Fragen der Moral konfrontiert sind.

Wissenschaften zwischen Freiheit und Verantwortung

Organisation:  Dr. Christopher Gohl, Weltethos-Institut an der Universität Tübingen
jeweils Donnerstag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau und per Livestream

In Krisenzeiten erwartet die Öffentlichkeit von der Wissenschaft, Fakten, sachliche Aufklärung und neue Entdeckungen zu liefern. Andererseits werden wissenschaftliche Beiträge aber vielfach missverstanden, medial verzerrt oder gar politisch missbraucht. Das wirft auch an Universitäten, Akademien und in wissenschaftlichen Beiräten Fragen nach der öffentlichen Rolle von Wissenschaften auf. Wie vertragen sich akademische Freiheiten und öffentlicher Druck? Welche öffentliche Verantwortung haben Forschende für ihre Erkenntnisse? Wie können sie Wissenschaft gut kommunizieren, wie gelingt Beratung? Welche Werte und Normen prägen Wissenschaften, die mit sozialer Praxis, Wirtschaft und Politik verwoben sind? Sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angesichts der Krisen sogar eine selbstbewusste Rolle als führende Akteure der anstehenden Transformation einfordern, wie die Scientists for Future es tun? Mit den Beiträgen zur Vorlesung laden wir ein, das wissenschaftliche Selbstverständnis verschiedener Fächer und Forschenden zwischen akademischer Freiheit und öffentlicher Verantwortung so neugierig wie kritisch zu erkunden, aber auch die eigenen Erwartungen an die Wissenschaften zu überprüfen.

Link zur Online-Teilnahme

Meeting-ID: 870 5419 0900
Kenncode: 139514