Paul Mellenthin ist seit Juli 2023 Wissenschaftlicher Assistent am Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen. In seiner Lehre und Forschung beschäftigt er sich mit der Kunst der Moderne und Gegenwart, mit der Theorie und Geschichte der Fotografie sowie mit der Geschichte der Kunstgeschichte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Bilder historische Wirklichkeit formen, dokumentieren und verhandeln.
Er studierte Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin, Paris und Rom und ist im Juli 2022 an der Universität Basel promoviert worden. Seine Dissertation mit dem Titel Fotografie, Macht, Geschichte. Bilder vom Deutsch-Französischen Krieg und der Pariser Kommune wurde mit dem Wissenschaftspreis der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft (GiB) in der Kategorie Dissertationen ausgezeichnet. Während der Promotionsphase war er Stipendiat bei eikones – Zentrum für die Theorie und Geschichte des Bildes in Basel, erhielt ein Abschlussstipendium der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel sowie ein Forschungsstipendium des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an das Getty Research Institute in Los Angeles, an das Harry Ransom Center in Austin sowie an die Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom.
In seinem aktuellen Habilitationsprojekt Art Against the Archive untersucht er künstlerische Praktiken, die sich kritisch mit dem Geschichtsbewusstsein auseinandersetzen. Neben seiner universitären Tätigkeit verfügt er über langjährige Erfahrung in Museen und Sammlungen. Von 2015 bis 2017 war er Gastkurator der Sammlung Fotografie am Münchner Stadtmuseum, anschließend Kurator am Kunstmuseum Basel sowie Sammlungsleiter des Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinetts. Zuletzt verantwortete er die Ausstellung París: Bajo una pequeña nube (2025) am Centro Fotográfico Manuel Álvarez Bravo in Oaxaca. Diese enge Verbindung von akademischer Forschung, kuratorischer Praxis und institutioneller Arbeit prägt auch seine Lehre in Tübingen sowie zuvor in Potsdam, Basel, an der UdK Berlin und der Kunsthochschule Weißensee: Seminare und Exkursionen verbinden theoretische Reflexion mit der Arbeit an Originalen, Archiven und Ausstellungen.
Er ist Herausgeber mehrerer Sammelbände und Fachzeitschriften, unter anderem zur Theorie der Autorschaft und zur Geschichte fotografischer Unternehmen des 19. Jahrhunderts. Seine Aufsätze erscheinen in internationalen Sammelbänden, Ausstellungskatalogen sowie in kunst- und fotohistorischen Fachzeitschriften. Darüber hinaus ist er als Kritiker und Rezensent tätig und schreibt regelmäßig zu aktuellen Ausstellungen, Büchern und Debatten der Bild- und Fototheorie.
Er hält regelmäßig Vorträge auf internationalen Konferenzen und ist in wissenschaftliche Netzwerke und Gremien eingebunden, so etwa als Sprecher des Postdoc–Forums Frankreichforschung und Redakteur von ArtHist.net. Als Organisator von Workshops und Vorlesungsreihen fördert er den interdisziplinären Austausch mit der Literatur-, Medien- und Geschichtswissenschaft. In der Lehre deckt er ein breites Spektrum ab – von Einführungen in den Gegenstandsbereich und die Methoden der Kunstgeschichte über Hauptseminare zur Fototheorie, zur Gegenwartskunst bis hin zu forschungsnahen Lehrformaten zu einzelnen Künstler:innen.
Er betreut Bachelor- und Masterarbeiten zu Themen der Kunstgeschichte vom 19. bis 21. Jahrhundert sowie zu Fragen von Kunst- und Bildtheorie. Studierende sind eingeladen, eigene Fragestellungen frühzeitig zu entwickeln und diese im engen Austausch zu vertiefen.