Leben nach dem Tod

Hintergrund

Sterben und Tod, aber auch die Hoffnung über den Tod hinaus sind Themen, die gerade auch auf junge Menschen eine große Faszination ausüben. Der Tod ist auch für Schüler:innen Lebensrealität. Im Familien- oder Freundeskreis, vielleicht sogar in der Schulgemeinschaft sterben Menschen - im hohen Alter, aber auch schon in jungen Jahren durch Krankheiten, Unfälle oder Suizid. Was aber kommt danach? Kann mit dem Tod wirklich alles aus sein? In der religionsbezogenen Jugendstudie „Jugend – Glaube – Religion“ geben lediglich 8 % der Befragten an, ihnen sei „egal“, was nach dem Tod geschieht, während 54 % der Aussage zustimmen „Es gibt ein Leben nach dem Tod“. Der BRU ist ein Ort, an dem Jugendliche ihre Fragen, Ängste und Vorstellungen zu Leben, Tod und Sterben äußern können und Perspektiven entwickeln, dass das Leben einen Sinn hat und dass es für den christlichen Glauben nach dem Tod weitergeht. Es geht dabei nicht um eine Vertröstung auf ein Jenseits – Hoffnung verändert das Leben schon jetzt.
 

Vorgehen

In der Studie im Jahr 2020 wurden Schüler:innen des BRU in Baden-Württemberg nach ihren Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod befragt:
• Was meinen Sie, wenn Sie von einem „Leben nach dem Tod“ sprechen?
• Was bewegt Sie dabei?
• Haben Sie offene Fragen und Unsicherheiten und was macht Ihre Vorstellung mit Ihnen oder Ihrem Alltag?

Die qualitative Hauptuntersuchung fand – nach einer explorativen Vorstudie – zu Beginn und unter den Bedingungen der Corona-Pandemie statt (Juni bis November 2020). 72 Leitfadeninterviews konnten durchgeführt werden und insgesamt 266 Fragebögen mit offenen Antwortformaten wurden teilweise digital, teilweise in Präsenz, ausgefüllt. Bei der Auswertung wurden vier Themenbereiche leitend für die Ergebnisbeschreibung:
• Kontext und Bedeutung der Frage, was nach dem Tod passiert
• Inhalt der Vorstellung, Begründung und Genese
• Kognitive und emotionale Auseinandersetzung mit der Frage, was nach dem Tod passiert
• Behandlung der Thematik im Religionsunterricht
 

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Publikation „Tot – und dann?“ veröffentlicht. Zusätzlich zu den Befunden der empirischen Studie wurden Perspektiven und Materialien für den Religionsunterricht entwickelt. Letztere bieten auf Basis der in der Befragung gewonnen Schülertexte Ideen für die Thematisierung der Fragen nach dem Tod und dem Danach. Bei der Darstellung der Befunde werden die unterschiedlichen Schüler:innenvorstellungen kategorisiert und gewichtet. Aus dieser Analyse wurden Überlegungen aus religionspädagogischer Sicht angestellt.
Insgesamt kann eine große Bereitschaft und ein tiefes Bedürfnis festgestellt werden, sich mit dem Thema „Tot – und dann?“ im Religionsunterricht auseinanderzusetzen – sofern dies in einer Atmosphäre der Offenheit und des Respekts geschieht. Angesichts eines Themas, bei dem keine verbindlichen Aussagen gemacht werden können, stehen die Reflexion, Weiterentwicklung eigener Vorstellungen sowie die Entwicklung der Sprachfähigkeit im Vordergrund.

Vorstellungen Jugendlicher zum Leben nach dem Tod

Aufgaben und Möglichkeiten für den Religionsunterricht an beruflichen Schulen

 

Dass die Frage „Was kommt nach dem Tod?“ Jugendlichen besonders wichtig ist, zeigen eine Reihe jüngerer Studien: Der „Religionsmonitor“ (Bertelsmann Stiftung: Woran glaubt die Welt? Analysen und Kommentare zum Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2009) der Bertelsmann Stiftung von 2008 gibt an, dass insgesamt 41 % der 18-29 Jährigen „sehr“ oder „ziemlich“ an ein Leben nach dem Tod glauben, während nur 19 % diese Glaubensaussage verneinen. Dieser Befund wird auch in der Konfirmandenstudie „Jugendliche nach der Konfirmation“ (Ilg, W./Schweitzer, F./Schreiner, P. (Hgg.): Jugendliche nach der Konfirmation. Glaube, Kirche und eigenes Engagement – eine Längsschnittstudie, Gütersloh 2016) von 2016 bekräftigt: Dem Item „Es gibt ein Leben nach dem Tod“ wurde über alle drei Befragungszeiträume hinweg in hohem Maße zugestimmt, wobei die Zustimmung von 58 % beim ersten Befragungszeitpunkt auf 67% beim dritten Befragungszeitpunkt anstieg. Ähnliche Befunde sind auch der religionsbezogenen Jugendstudie „Jugend – Glaube – Religion“ (Schweitzer, F./Wissner, G./Bohner, A./Nowack, R./Gronover, M./Boschki, R.: Jugend – Glaube – Religion. Eine Repräsentativstudie zu Jugendlichen im Religions- und Ethikunterricht, Münster 2018) von 2018 zu entnehmen. Während nur 8 % der Befragten angeben, ihnen sei „egal“, was nach dem Tod geschieht, stimmen 54 % der Aussage „Es gibt ein Leben nach dem Tod“ zu. Diese hohe Zustimmung zu einem Leben nach dem Tod bleibt auch zum zweiten Befragungszeitpunkt der Jugendlichen bestehen: Von den 3001 erneut befragten Schülerinnen und Schülern erklären 53 % an ein Leben nach dem Tod zu glauben, während nur 8% angeben, ihnen sei die Frage egal.

Doch was genau meinen Jugendliche, wenn sie von einem „Leben nach dem Tod“ sprechen? Was bewegt sie dabei? Haben sie offene Fragen und Unsicherheiten und was macht ihre Vorstellung mit ihnen oder ihrem Alltag?
Diesen Fragen wird im Projekt „Vorstellungen Jugendlicher zum Leben nach dem Tod – Aufgaben und Möglichkeiten für den Religionsunterricht an beruflichen Schulen“ nachgegangen und erarbeitet, inwiefern dieses für Schülerinnen und Schüler so zentrale Thema im Unterricht aufgenommen und einem ggfs. vorliegenden Orientierungsbedarf nachgekommen werden kann.