Das Dissertationsprojekt untersucht die globale Umwelt- und Wirtschaftsgeschichte der Zementindustrie als eines zentralen, bislang historiografisch kaum erforschten Schlüsselsektors der Industriemoderne. Zement ist der zentrale Bestandteil von Beton, dem meistverbrauchten menschengemachten Stoff der Welt, und gehört mit rund 8 % der globalen CO2-Emissionen zu den größten industriellen Treibhausgasverursachern weltweit. Im Fokus steht die Frage, inwiefern sich die Wertschöpfungsketten der Zementindustrie in prägenden Transformationsphasen seit dem 20. Jahrhundert – von beschleunigter Industrialisierung und dem Beton-Boom über Globalisierungsprozesse bis zur gegenwärtigen Nachhaltigkeitskrise – strukturell verändert haben. Zentral ist hierbei die Analyse des Spannungsfelds zwischen der gesellschaftlichen Abhängigkeit von Zement als Grundlage moderner Infrastruktur und Wirtschaftsentwicklung einerseits sowie den ökologischen und sozialen Kosten seiner Herstellung andererseits. Anhand vergleichender Fallstudien in unterschiedlichen Weltregionen analysiert das Projekt politische, ökonomische und institutionelle Steuerungsversuche. Das Vorhaben fragt in diesem Zusammenhang nach dem Zusammenspiel zwischen industrieller Produktionsweise, politisch-institutioneller Rahmensetzung und unternehmerischen Strategien und untersucht zugleich, wie Formen gesellschaftlicher Agency auf politökonomische Governance-Strukturen zurückwirken und damit wechselseitig zur Transformation kapitalistischer Wertschöpfungsketten beitragen. Theoretisch ist das Projekt an der Schnittstelle von Globalgeschichte, Umweltgeschichte und der New History of Capitalism verortet.