Michael Dopffel
Die Entwicklung der anglo-amerikanischen Geistererzählung von der Frühaufklärung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
In der Dissertation soll untersucht werden, wie und warum sich im anglo-amerikanischen Kulturraum die zunächst in der Theologie verwurzelte empirische Geistererzählung, als Beweis der Existenz der Seele nach dem Tod des Körpers, zu einer autonomen literarischen Form entwickelte und was diese Entpragmatisierung und Fiktionalisierung für Rückwirkungen auf die religiös-didaktische Funktion der entsprechenden Texte hat. Von besonderem Interesse sind dabei Werke des frühen und mittleren achtzehnten Jahrhunderts, die sich hinsichtlich ihres Status (pragmatisch oder fiktional) und ihrer Intention (primär theologisch oder primär unterhaltsam) nicht eindeutig zuordnen lassen. Dabei wird die Leitfrage sein, ob die Geistererzählung mit der allmählichen Ablösung aus einem im engeren Sinne theologischen Kontext und der Ausrichtung auf ein unterhaltsames Vergnügen des Lesers am Schaurig-Übernatürlichen notwendig eine vollständige Säkularisierung im Sinne einer zunehmenden religiösen Entfunktionalisierung, oder eher eine Refunktionalisierung durchläuft. Zusätzlich wird untersucht werden, ob sich nicht ein wesentlicher Entwicklungsstrang bei der Entstehung der modernen Kurzgeschichte auch auf die empirische Geistererzählung zurückführen lässt.