Juristische Fakultät

02.02.2024

Akademische Gedenkfeier zu Ehren von Professor Wolfgang Münzberg

Zu Ehren des am 12. Oktober 2022 im Alter von 93 Jahren verstorbenen Wolfgang Münzberg lud die Juristische Fakultät zu einer Akademischen Gedenkfeier am 2. Februar 2024 ein.

Wolfgang Münzberg, geb. 1928 in Bad Homburg, hatte nach einer ersten ordentlichen Professur in Kiel ab 1969 bis zu seiner Emeritierung 1994 den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht an der Eberhard-Karls-Universität inne und ist insbesondere durch seine umfassende Kommentierung des Zwangsvollstreckungsrechts im Großkommentar Stein/Jonas zur ZPO hervorgetreten.

Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte Dekan Professor Jens-Hinrich Binder Familie und geladene Gäste und gedachte Wolfgang Münzbergs Leben und Wirken im Namen der Juristischen Fakultät. Münzberg sei noch heute als einer der großen deutschen Prozessualisten in Erinnerung. Der Dekan hob in seiner Ansprache allerdings nicht nur das bedeutende wissenschaftliche Werk hervor, sondern würdigte auch Münzbergs Engagement in verschiedenen Gremien der Universität. Insbesondere seine lebensfrohe und herzliche Art habe ihn dabei auch zu einem auf menschlicher Ebene geschätzten Kollegen gemacht.

Dr. Eberhard Wagner, ehemaliger Wissenschaftlicher Mitarbeiter Münzbergs, gab unter dem Vortragstitel „Erinnerungen an Wolfgang Münzberg – Notizen zu Person und Werk“ einen Einblick in das Leben des Verstorbenen. Die Vielseitigkeit seiner Aktivitäten zeigte sich schon in jungen Jahren. So habe er sein Studium durch nächtliche Klavierspiele in Bars und Clubs der amerikanischen Streitkräfte finanziert.

Dynamik und Originalität habe er später auch als Dozent durch die Lebendigkeit seines Vortrags bewiesen. Seine eher kollegiale als professorale Art machte ihn, so Wagner, zu einem beliebten Lehrer und Mentor. Auch seinen letzten Lebensabschnitt habe er nach seinem Motto „Immer beweglich bleiben!“ gelebt und leidenschaftlich mit viel Tanz und Musik verbracht.

Im Anschluss folgte eine vertiefte Würdigung des wissenschaftliche Œuvre von Wolfgang Münzberg durch Professor Christian Berger von der Universität Leipzig. Berger begann mit der Vorstellung der Promotionsschrift zu dem Thema „Die Wirkungen des Einspruchs im Versäumnisverfahren“. Münzberg betont in seiner Dissertation, dass der Einspruch kein Rechtsmittel sei und das Versäumnisurteil selbst durch den Einspruch in seinem Bestande nicht angetastet werde. Der These des „materiellen Fortfalls“ des Versäumnisurteils sei damit nicht zu folgen. Ebenso wendet sich Münzberg gegen die These von der „Beseitigung sämtlicher Säumnisfolgen“. Die Auswirkungen der Säumnis, wie die im versäumten Termin eingetretenen Präklusionswirkungen (§§ 39, 43, 76, 93, 269, 274 III, 295 ZPO), die Kostenfolge des § 344 ZPO oder die vorläufige Vollstreckbarkeit ohne Sicherheitsleistung der im Versäumnisurteil enthaltenen Entscheidung (§ 708 Nr. 3 ZPO), würden gerade nicht beseitigt werden. Ferner bleiben nach Münzberg die im Versäumnistermin von der erschienenen Partei abgegebenen Erklärungen auch für das Einspruchsverfahren wirksam, weil sie vor dem Eintritt der Versäumnis abgegeben wurden.

Im Anschluss widmete sich Berger der Habilitation des Verstorbenen zum Thema „Verhalten und Erfolg als Grundlagen der Rechtswidrigkeit und Haftung“. Hier ging es um Grundfragen der Unrechtslehre. Die Abgrenzung zwischen Verhalten und Erfolg und die Unterscheidung zwischen Bestimmungs- und Bewertungsnorm habe Münzberg in seinen Überlegungen für essenziell gehalten. Berger hob auch die immense Bedeutung der Kommentierungen Münzbergs im Großkommentar Stein/Jonas zur ZPO hervor. In nahezu 100 weiteren Publikationen komme eine große Schaffenskraft zum Ausdruck.

Nach einem musikalischen Ausklang durch das mit der Familie Münzberg persönlich befreundete Streichtrio, bestehend aus Gabriele Dettweiler (Violine), Erich Scheungreber (Viola) und Ulrich Schneider (Cello), ging es für die geladenen Gäste zu einem Empfang im Kleinen Senat.

 

Den Nachruf von Dr. Eberhard Wagner zu Ehren von Professor Dr. Wolfgang Münzberg finden Sie hier.

 

Text & Fotos: Laura Anger

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