Das Institut für Politikwissenschaft (IfP) und das Europäische Zentrum für Föderalismus-Forschung (EZFF) der Universität Tübingen begrüßen Mattia Bottino, Doktorand im Bereich Public Governance, Management und Politik an der Universität Bologna, von Oktober bis Dezember 2026 als Gastwissenschaftler.
Mattia ist zudem Mitglied des INCT Participa (National Institute of Science and Technology for Transformations in Participation, Associativism and Contention) innerhalb des Forschungsschwerpunkts für Demokratie und kollektives Handeln am Brasilianischen Zentrum für Analyse und Planung (CEBRAP). Er verfügt über einen Bachelor in Politischen, Sozialen und Internationalen Wissenschaften sowie einen Master in Internationalen Beziehungen der Universität Bologna. Zudem absolvierte er einen praxisorientierten Masterstudiengang in „Urban Participatory Governance“, der gemeinsam von der Universität Bologna und der Fondazione per l’Innovazione Urbana angeboten wird. Von 2022 bis 2025 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Vergleichenden Föderalismus bei Eurac Research in Bozen tätig.
Zuvor war Mattia bereits Gastwissenschaftler an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris und am Centre for Metropolitan Studies (CEM), das der Universität von São Paulo und dem CEBRAP angegliedert ist.
Während seines Aufenthalts am EZFF untersucht Mattia die im Rahmen der Bolivarischen Revolution in Venezuela geschaffene kommunale föderale Struktur, die gemeinhin als „Estado comunal“ bekannt ist. Er beleuchtet den institutionellen Rahmen dieser dekolonialen Form des Föderalismus und ihren umstrittenen Charakter, der hin- und hergerissen ist zwischen der Ermöglichung einer Selbstverwaltung des Volkes außerhalb des Staates und der Stützung autoritärer Herrschaft.
Um dieses föderale Experiment vollständig zu verstehen, so argumentiert er, müsse man seine grundlegende Herausforderung an die tief verwurzelte Annahme ernst nehmen, dass Föderalismus nur innerhalb des hegemonialen europäischen Modells einer marktwirtschaftlich geprägten, stark verfahrensorientierten parlamentarischen Demokratie existieren könne. Laut Mattia erfordert dies eine dekoloniale Entkopplung, die Forschenden helfen kann, besser zu verstehen, wie sich der Zusammenhang zwischen Föderalismus und Demokratie außerhalb des Globalen Nordens herausgebildet hat. Seine Forschung ebnet somit den Weg für eine umfassendere Untersuchung darüber, wie in ganz Lateinamerika die Sprache und die Instrumente des Föderalismus (Autonomie, Selbstverwaltung usw.) zurückerobert werden, um die Selbstverwaltung des Volkes aufrechtzuerhalten – selbst dort, wo die liberale Demokratie auf dem Rückzug ist.
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