Vor wenigen Tagen ist der international bekannte und hochgeschätzte niederländische Liturgiewissenschaftler Gerard Rouwhorst bestattet worden. Mit ihm hat ein wunderbarer Kollege und immer zugewandter Mensch unsere Zunft verlassen, mit dem wir auch an unserem Lehrstuhl immer gerne im Austausch waren und zusammengearbeitet haben. Von seinen kreativen Forschungen vor allem zur Liturgie in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung und zur Interaktion zwischen jüdischen und christlichen Ausprägungen des Gottesdienstes haben viele profitiert. Hier finden Sie weitere Informationen und den Nachruf von Prof. Dr. Bert Groen, Emeritus der Universität Graz und Landsmann von Gerard:
Gerard Rouwhorst
Gerard, geboren am 24. Mai 1951 in Lichtenvoorde in der Provinz Gelderland, erhielt bei seiner Taufe die Namen Gerardus Antonius Maria. Er studierte Theologie an der Katholischen Theologischen Hochschule in Utrecht. Unter der Leitung von Herman Wegman spezialisierte er sich auf die Liturgiegeschichte und vertiefte sich auch in das Judentum; 1975 schloss er sein Diplomstudium in der Theologie ab. Anschließend ging er – als Angestellter der Niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung – nach Paris und Rom, um orientalische Sprachen und Liturgie zu studieren. In Paris immatrikulierte er sich an der École Pratique des Hautes Études (Abteilung Sciences Religieuses) und in Rom besuchte er am Päpstlichen Ostkirchlichen Institut Lehrveranstaltungen von Juan Mateos, Miguel Arranz, Robert Taft und anderen. Seine Dissertation, die er 1985 in Utrecht öffentlich verteidigte, trug den Titel „Die Osterhymnen des Ephrems von Nisibis: Theologische Analyse und Untersuchung zur Entwicklung des Osterfestes in Nisibis und Edessa im vierten Jahrhundert” (auf Französisch). Nach seiner Ernennung zum Professor für Liturgiegeschichte in Utrecht – später Tilburg University – lehrte Gerard dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2016. Im selben Jahr war er Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Von 2018 bis 2022 war er Vorsitzender der Society of Oriental Liturgy (Aufgrund der Corona-Pandemie konnten der für 2020 geplante Kongress und die Wahlen nicht stattfinden, sodass er zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten absolvierte).
Nach seiner Emeritierung forschte Gerard weiter, nahm an Konferenzen teil – neben denen der Society of Oriental Liturgy auch an denen der AKL sowie an anderen Symposien –, war Mitglied in Redaktionsbeiräten und veröffentlichte seine wissenschaftlichen Arbeiten in Büchern, Zeitschriftartikeln und Buchbesprechungen. Sein besonderes Augenmerk galt der frühchristlichen und der jüdischen Liturgie und der häufigen Interaktion zwischen beiden Gottesdienstformen sowie den syrischen Kirchenvätern. Er war jedoch ein Allrounder, der sowohl mit der östlichen als auch mit der westlichen Liturgie bestens vertraut war. Auffällig waren seine großen Sprachkenntnisse: Neben Vorträgen und Veröffentlichungen auf Niederländisch, Englisch, Französisch und Deutsch beherrschte er Syrisch/Aramäisch, Hebräisch, Armenisch, Altgriechisch, Latein und Italienisch. Er hatte auch Arabisch gelernt und konnte (dank seiner Ehe) Japanisch. Im Jahr 2017 wurde der gelehrte Wissenschaftler mit einer umfangreichen Festschrift mit dem Titel „Sanctifying Texts, Transforming Rituals: Encounters in Liturgical Studies“, geehrt (Hg. Paul van Geest, Marcel Poorthuis und Els Rose, publiziert vom Brill-Verlag).
Darüber hinaus war er im kirchlichen Leben aktiv: z.B. als Mitglied des Pfarrgemeinderats der katholischen Pfarrei der Heiligen Dreifaltigkeit in Nieuwegein (nahe Utrecht). Außerdem war er Vorsitzender des Katholischen Rates für das Judentum, einer der Herausgeber der neuen niederländischen Zeitschrift für Liturgie „Heilig Spel“ und engagiertes Mitglied verschiedener anderer Organisationen. Er war gerade dabei, einige seiner herausragenden Artikel für einen neuen Band einer bedeutenden internationalen Reihe zu aktualisieren, als bei ihm vor etwa einem Jahr Krebs diagnostiziert wurde. Er passte seinen Tagesablauf an diese sehr schwierige Situation an und kämpfte tapfer weiter. Im Sommer schien es, als sei die medizinische Behandlung, auch dank seiner Disziplin, erfolgreich gewesen und die Krankheit besiegt. Doch dann kehrte sie zurück und zehrte sehr schnell an seinen Kräften. Umgeben von seiner Familie verstarb er am 7. Januar 2026. Die Trauerfeier fand am 15. Januar um 10.15 Uhr in der Emmaus-Kirche in Nieuwegein statt. Er hinterlässt seine Frau Atsuko und die beiden Söhne Ken und George mit ihren Partnern.
Gerard war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, sondern auch ein Mensch mit einem ausgezeichneten Charakter. Er war bescheiden, freundlich und gastfreundlich. Wo er anderen helfen konnte, tat er dies auch. So hat er vielen Menschen geholfen. Möge er nun das ewige Licht genießen und in Frieden ruhen.
(Bert Groen)