Was genau besteuern wir eigentlich, wenn wir von „Übergewinnen“ sprechen?

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Martin Ruf und Stefan Moderau, 2023

Was ist eine Übergewinnsteuer?

Eine Übergewinnsteuer belastet Gewinne, die einen festgelegten Vergleichsgewinn überschreiten. Da ökonomische Übergewinne nicht unmittelbar messbar sind, erfasste die deutsche Regelung Gewinnsteigerungen gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021.

Aus aktuellem Anlass ein kurzer Blick auf die Übergewinnbesteuerung - auf Basis unseres Forschungspapiers von 2023 und einer leicht verständlichen Kurzfassung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ+).

Warum sind Übergewinne ökonomisch nicht direkt messbar?

In der Theorie bezeichnen Übergewinne den Teil des Gewinns, der die ursprünglichen Gewinnerwartungen übersteigt. Diese Erwartungen sind jedoch weder beobachtbar noch objektivierbar. Eine empirisch saubere Identifikation von Übergewinnen ist daher grundsätzlich nicht möglich.

Wie wurde die Übergewinnsteuer in Deutschland berechnet?

Die im Jahr 2022 eingeführte Regelung besteuert nicht Übergewinne im engeren Sinne, sondern Gewinnsteigerungen: Im Energiesektor wurden Gewinne 2022 und 2023 zusätzlich mit 33 % belastet, sofern sie mehr als 20 % über dem Durchschnitt der Jahre 2018-2021 lagen.

Wie häufig sind approximierte Übergewinne?

Eine Auswertung von Orbis-Daten zeigt: Rund 41 % der Unternehmen erfüllen diese Definition eines „Übergewinns“. Dieses Ergebnis gilt branchenübergreifend - solche Gewinnsprünge treten zu allen Zeiten und in allen Sektoren auf.

Welche Unternehmen zahlten die Übergewinnsteuer?

Die konkrete Anwendung beschränkte sich auf Unternehmen im Erdöl-, Erdgas-, Kohle- und Raffineriesektor. Von über 100.000 Unternehmen mit verfügbaren Handelsbilanzen waren lediglich 80 betroffen. Ein erheblicher Anteil des Steueraufkommens entfiel dabei auf ESSO Deutschland.

Welche Rechtfertigungsfragen wirft die Übergewinnsteuer auf?

Wenn approximierte Übergewinne systematisch und branchenübergreifend auftreten, warum werden sie nur in einem sehr kleinen Teil der Wirtschaft besteuert?

Welche ökonomischen Probleme hat die Übergewinnsteuer?

Die Steuer knüpft an relative statt absolute Leistungsfähigkeit an. Nicht mehr das Niveau von Einkommen oder Vermögen ist für die Höhe der Besteuerung entscheidend, sondern die relative Veränderung. Das kann dazu führen, dass auch weniger wohlhabende Akteure mit temporären Gewinnsteigerungen belastet werden, während dauerhaft sehr profitable Unternehmen nicht betroffen sind.

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