04.05.2026
“The Stolpersteine will not be cleaned this year”. The far right as a challenge for memorials and memorial work
New article by Rolf Frankenberger, Tim Fröhlich and Katharina Mayer in *Gedenkstätten-Rundschau* No. 36
Authors: Rolf Frankenberger, Tim Fröhlich, Katharina Mayer
Stolpern heißt, aus dem Tritt zu kommen. Oder aber aus dem Trott. Das Erinnern historischer Ereignisse löst aus dem Trott des Gegenwärtigen und setzt es in Bezug zum Gewesenen. Das nicht notwendig schön ist oder gut. Sondern nur allzu oft erschreckend, verstörend, das eigene Verständnis der Gegenwart herausfordernd. Erinnern nagt an Gewissheiten, zwingt dazu Gegenwärtiges vor dem Hintergrund des Gewesenen zu reflektieren. Und dazu, Verantwortung zu übernehmen, aus der Geschichte zu lernen. Dies gilt für individuelles, aber auch gesellschaftliches Erinnern und, damit verbunden, für Erinnerungskultur. Gedenkstätten sind hierzulande Teil derselben, vielfach eng verbunden mit dem Erinnern an die Shoa und weiteren im Nationalsozialismus verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Damit aber sind Erinnerung und Erinnerungskultur zwangläufig Gegenstand von Kämpfen um die Deutungshoheit über die Geschichte. Insbesondere dann, wenn Erinnern der Verwirklichung eigener Interessen und Ideologien entgegensteht, lässt sie gleichsam stolpern. Gerade die extreme Rechte hat es sich zur Aufgabe gemach, solche, auch wörtliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und Geschichte umzudeuten.
Im Beitrag zeigen die Autor*innen zunächst auf, wie diese Umdeutungen von der extremen und insbesondere der sogenannten “Neuen Rechten” ideologisch hergeleitet und begründet werden. In einem zweiten Schritt diskutieren wir die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Gedenkstätten und die sich daraus für deren praktische Arbeit ergebenden Herausforderungen. Abschließend finden sich einige Vorschläge zum Umgang mit extrem rechten Narrativen, Anfeindungen und Akteuren im Kontext der Gedenkstättenarbeit.
The article appeared in print in May 2026 in Gedänkstätten-Rundschau No. 36, on pages 1–7. The journal is published twice a year and is available by subscription, in bookshops or from retailers in the region.