Praktische Theologie III

Beschreibung des Projektes

Im Zentrum des empirischen Forschungsprojektes stehen philosemitische und christlich-zionistische, auf Israel bezogene Identitätskonstruktionen in einem evangelikal-charismatischen Netzwerke im deutschsprachigen Raum. In einem qualitativ-empirischen Design werden religiöse Praktiken, diskursive Formationen und soziale Interaktionen ethnografisch rekonstruiert und reflektiert. Analysiert werden dabei Differenzierungsphänomene wie die Identität eines charismatischen Wir-Kollektivs, dessen Bilder von Judentum und Israel sowie weitere Kategorisierungen (Geschlecht, Nationalität, Religionszugehörigkeit). Neben der Aneignung religiöser Praktiken aus dem Judentum stehen dabei insbesondere Geschichtsdeutungen in diesem Netzwerk im Fokus des Interesses.

Das Projekt greift Erkenntnisse aus dem Kontext der USA auf, zielt jedoch nicht auf einen bloßen Vergleich, sondern auf eine eigenständige praktisch-theologische Reflexion israelbezogener Identitätskonstruktionen in einem deutschsprachigen charismatischen Israel-Netzwerk. Einbezogen werden auch Formen politischer Mobilisierung und mögliche Allianzen mit der extremen Rechten, wie sie für die USA beschrieben wurden.

Methodisch werden Publikationen charismatisch-evangelikaler Gruppen sowie Veranstaltungen mit Israelbezug (Gottesdienste, christlich geprägte jüdische Feste, Israel-Kongresse, Demonstrationen gegen Antisemitismus) mithilfe praxistheoretischer Heuristiken ethnografisch untersucht. Ziel ist die Entwicklung einer empirisch fundierten Grounded Theory solcher Identitätskonstruktionen, die sowohl für die Praktische Theologie als auch die Religionsforschung relevante Einsichten liefert. Die Ergebnisse werden zudem mit sozial- und politikwissenschaftlicher Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung verknüpft und schließen damit eine Forschungslücke bei gleichzeitigem Wissenstransfer zwischen Disziplinen.


Promotionsprojekt


Beiträge und Publikationen

  • Beitrag von Tabea Fuchs und Hans-Ulrich Probst beim Workshop “Religion und extreme Rechte” (05. März 2026, Campus der Theologien)

  • Vortrag von Hans-Ulrich Probst: Zur Konvergenz von christlich-charismatischer Israelfaszination und extrem rechter Apokalyptik, Beitrag zur Tagung: Kein gutes Ende? Theologien der Zeit und Geschichte im Christentum und Islam (14./15. Februar 2026, Kath. Akademie Hohenheim) 

  • Poster-Präsentation von Tabea Fuchs und Hans-Ulrich Probst beim Arbeitskreis Empirische Religionsforschung (12. Dezember 2025, Bad Herrenalb)

  • Hans-Ulrich Probst, Israel im christlich-neocharismatischen Evangelikalismus, in: ZfBeg (Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung im Kontext) 2–3/2025, 195–202.

  • Hans-Ulrich Probst, Israel between Christian Zionism and far-right movements, in: International Journal of Practical Theology, im Erscheinen.

 


Tagung am 4./5. Juni 2027

Transnational perspectives and contexts of (messianic) Judaized Christianity (gemeinsam mit Jeanne Deysson, Strassburg/Heidelberg)


Gefördert durch Mittel der DFG.