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J. R. R. Tolkien – Professor, Philologe, Sprachkünstler

Wie ein Anglistik-Professor die Mediävistik prägte – und ganz nebenbei Mittelerde erfand

John Ronald Reuel Tolkien war vieles: Bestsellerautor, Erfinder von Elbensprachen, Vater der modernen Fantasy – doch vor allem war er ein hochangesehener Professor für Anglistik an der Universität Oxford. Sein wissenschaftliches Wirken, tief verwurzelt in der Philologie, beeinflusste nicht nur die Altenglisch-Forschung, sondern auch sein literarisches Werk auf entscheidende Weise.
Schon früh zeigte sich seine Leidenschaft für Sprachen: Als Kind lernte er Latein, Französisch und Deutsch, später kamen Altenglisch, Mittelenglisch, Gotisch, Finnisch und Walisisch hinzu. Seine Mutter, selbst eine kluge Lehrerin, erkannte sein Talent – und hatte damit gewissermaßen den Grundstein für Mittelerde gelegt. 
 

Die Arbeit an „Beowulf“ – Tolkiens akademisches Meisterstück

Seine wohl bedeutendste wissenschaftliche Leistung war sein revolutionärer Essay „Beowulf: The Monsters and the Critics“ (1936). In einer Zeit, in der Beowulf hauptsächlich als historische Quelle gelesen wurde, stellte Tolkien etwas scheinbar Provokantes fest:
Beowulf ist vor allem ein Kunstwerk.
Er zeigte, dass Grendel, dessen Mutter und der Drache nicht als primitive Fantasiegestalten abgetan werden dürfen, sondern die symbolische Struktur des Gedichts tragen. Sein Ansatz veränderte nachhaltig die Mediävistik und gilt bis heute als „Geburtsstunde der modernen Beowulf-Forschung“. Zudem fertigte er mehrere Beowulf-Übersetzungen an – eine davon 1926 –, die erst posthum veröffentlicht wurden.

Professor Tolkien – der etwas andere Dozent

Als Professor war Tolkien bekannt für seine mitreißenden Vorlesungen, in denen er Altenglisch und Altnordisch in einer Intensität lebendig machte, die Studierende begeisterte – oder zumindest verblüffte.
Einige Anekdoten aus seinem akademischen Alltag:

  • Vorträge in Altenglisch und Gotisch:
    Zu Debatten in der Schule hielt der junge Tolkien spontane Reden auf Griechisch, Gotisch oder Altenglisch – sehr zur Verwunderung seiner Mitschüler. Ein Lehrer soll gesagt haben, Tolkien behandle ausgestorbene Sprachen, als seien sie alte Freunde, die man zum Tee einlädt.
  • Der Viking-Club in Leeds:
    Während seiner Zeit als Dozent in Leeds gründete er mit Kollegen und Studierenden den „Viking Club“. Dort wurden bei Bier und altnordischen Trinkliedern Sprach- und Literaturwissenschaft gefeiert. Diese Zusammenkünfte waren legendär – wissenschaftlich ergiebig und fröhlich zugleich.
  • Die Entdeckung durch Übersetzung:
    Tolkien betrachtete Schreiben nicht als Erfinden, sondern als Entdecken. Einmal fragte ihn ein Freund, was der Hintergrund seines Gedichts über Earendel sei. Tolkien antwortete schlicht:
    „I don’t know. I’ll try to find out.“
    Diese Haltung prägte seine Forschung ebenso wie seine Literatur. 

Von der Altenglischen Welt nach Mittelerde

Tolkiens wissenschaftliche Expertise floss unmittelbar in seine Romane ein. So ist die Kultur Rohans tief in der angelsächsischen Kultur verankert. Ein weiteres Beispiel sind die Drachen Darstellungen: Sie basieren auf dem Beowulf-Drachen wie auch auf dem altnordischen Mythos des Drachen Fafnir, was besonders bei dem Drachen Smaug aus dem Hobbit sichtbar ist. Zudem haben die Namen und Motive vieler Figuren ihre Wurzeln in alt- und mittelenglischen Quellen. 
Seine akademische Welt und seine literarische Welt sind daher nicht getrennt, sondern zwei Seiten einer faszinierenden Entdeckungsreise.

Kurz-Zusammenfassung des Beowulf-Epos

Beowulf ist das bedeutendste erhaltene Werk der altenglischen Literatur und umfasst 3182 Verse. Es erzählt die Geschichte des Helden Beowulf, der dem dänischen König Hrothgar hilft, indem er das Ungeheuer Grendel und später dessen Mutter besiegt. Viele Jahre danach, als Beowulf selbst König ist, kämpft er gegen einen Drachen, der sein Land verwüstet. Er besiegt ihn, stirbt jedoch an seinen Wunden und wird in einem Grabhügel am Meer beigesetzt.

Quellen

  • J. R. R. Tolkien. 14. Mai 2002, de.wikipedia.org/wiki/J._R._R._Tolkien.
  • Wikipedia-Autoren. Beowulf. 22. Oktober 2003, de.wikipedia.org/wiki/Beowulf.

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