Ana Sofia Suárez Lerche
Das Landesgewerbemuseum Stuttgart. Materialität, soziale Erziehung und Politik als Sammlungsmotive
Zur regionalen Gewerbeförderung wurde 1848 die Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart eingerichtet. Aus deren Mustersammlung heraus entstand Mitte des 19. Jh. die Sammlung des Landesgewerbeamtes Stuttgart. Das im Jahr 1890 angelegte württembergische Landesgewerbemuseum diente als Schausammlung des Stuttgarter Landesgewerbeamtes. Die international zusammengetragenen Objekte wurden durch neueste Techniken und Materialien als Vorbild für die Industrie sowie das Kunsthandwerk ausgestellt. Im Zweiten Weltkrieg brannte in Folge von Bombardierungen das Museumsgebäude im heutigen Haus der Wirtschaft nieder. Die Sammlungsbestände sowie die noch nach 1945 erworbenen Objekte wurden unter anderem an die Landesmuseen verteilt.
Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung der Sammlung des Landesgewerbemuseums ab 1890 aufzuzeigen; dabei zu beleuchten, wie auch Industriespionage und Wirtschaftsförderung zum Sammlungswachstum beitrugen und was die Besonderheiten der Sammlungsstrategie der 1960er Jahre waren. Die Materialität der Sammlungsobjekte wird erstmals im unmittelbaren Kontext der Sammlungsentwicklung betrachtet. Dabei soll aufgezeigt werden, wie mit der Wahl der Materialien, Einfluss auf die sozialpolitische Erziehung der Bevölkerung geschaffen und damit der Sammlung eine gesellschaftliche Rolle übertragen wurde. Methodisch erfolgt die Untersuchung durch Archivstudien. Neben der bekanntesten Sammlung „Geschmacksverirrung“ werden weitere Sammlungsschwerpunkte gesucht, die sich beispielsweise durch politische Entscheidungen entwickelten.