Kunsthistorisches Institut

Abgeschlossene Projekte

Sonderforschungsbereich "Andere Ästhetik"

SFB 1391 - Teilprojekte der Ersten Förderphase

A6: Siebenarmige Kandelaber in Kirchen: Semantik – Kontexte – Praktiken

Teilprojekt A6 im SFB 1391 Andere Ästhetik - Erste Förderphase
Siebenarmige Kandelaber in Kirchen: Semantik – Kontexte – Praktiken 

Gegenstand des kunsthistorischen Teilprojekts A6 sind monumentale siebenarmige Leuchter aus Bronze oder Messing, die im Mittelalter in Aneignung der jüdischen Menora für die Aufstellung in christlichen Kirchen angefertigt wurden. Verbreitet waren sie zwischen dem 10. und 16. Jh. vor allem im nordwestlichen Mitteleuropa. Solche Kandelaber erreichen mitunter eine Höhe von sechs Metern; es handelt sich also um eindrucksvoll in den Raum hineinwirkende und diesen beherrschende Artefakte von hohem materiellen Anspruch und aufwändiger künstlerischer Faktur.

Die siebenarmigen Leuchter des Hoch- und Spätmittelalters werden im Projekt erstmals als ästhetische Reflexionsfiguren und Kristallisationsobjekte einer ‚anderen‘ Ästhetik verstanden. Dabei gilt es, die dynamischen Verschränkungen zwischen autologischen Qualitäten (Materialität, Formgebung und Ikonographie) und heterologischen Aspekten (räumliche, soziokulturelle und performative Kontexte) herauszuarbeiten. Es wird zu untersuchen sein, welche Wechselwirkungen zwischen den Leuchtern und anderen Objekten und Bildprogrammen im Kirchenraum hergestellt wurden bzw. sich ergaben, und in welche performativen, liturgischen und rituellen Handlungszusammenhänge die Leuchter eingebunden waren.

Durch die Anwendung des praxeologischen Modells des SFB lässt sich aufzeigen, wie den siebenarmigen Kandelabern durch das dynamische Zusammenwirken autologischer und heterologischer Faktoren ihre je spezifische ,andere‘ Ästhetik und Semantik eingeschrieben werden.

Projektleitung Prof. Dr. Andrea Worm
Laufzeit: 01/2021 bis 06/2023

B4: Handelnde Personifikationen als ästhetische Reflexionsfigur in der Literatur und Kunst des Mittelalters

Teilprojekt B4 im SFB 1391 “Andere Ästhetik” - Erste Förderphase
 Handelnde Personifikationen als ästhetische Reflexionsfigur in der Literatur und Kunst des Mittelalters 

Das interdisziplinäre Teilprojekt B4 untersucht die in der Literatur und den Bildkünsten des Mittelalters häufig begegnende Personifikation als Handlungsträgerin. Als ein Phänomen der Sprache und der Imagination besetzt die Personifikation eine intermediale Schnittstelle und öffnet sich aus dieser Position heraus zur Reflexion poetologischer und bildkünstlerischer Aspekte. Die These ist, dass gerade handelnde Personifikationen ein darstellerisches Potential entfalten, das oftmals einen spezifisch ästhetischen Sinnüberschuss erzeugt. Ziel ist es, die Personifikation auf ihre Leistungsfähigkeit als Reflexionsfigur im Rahmen einer vormodernen Ästhetik hin zu befragen.

Projektleitung Dr. Daniela Wagner mit apl. Prof. Dr. Sandra Linden

C2: Kreative Aneignung. ‚Andere‘ Ästhetik in der vormodernen Architektur und Kunst nördlich der Alpen

Teilprojekt C2 im SFB 1391 “Andere Ästhetik” - Erste Förderphase
Kreative Aneignung. ‚Andere‘ Ästhetik in der vormodernen Architektur und Kunst nördlich der Alpen 

Bei dem Teilprojekt C2 „Kreative Aneignung. ,Andere‘ Ästhetik in der vormodernen Architektur und Kunst nördlich der Alpen“ handelt es sich um ein archäologisch-kunsthistorisches Teilprojekt, das die Transferprozesse vormoderner Kunst untersuchen soll. Der interdisziplinäre Ansatz des Projekts soll es erlauben, Gemeinsamkeiten und Differenzen hinsichtlich der Funktion von Objekten innerhalb von Kulturtransferprozessen in diachroner Perspektive zu analysieren. 

Als Untersuchungsgebiet dieser Prozesse dient der Raum nördlich der Alpen, in dem die römische Architektur und die Italienrezeption in der niederländischen Malerei (‚Romanismus‘) untersucht werden sollen. Dabei wird mit Konzepten des Kulturtransfers verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen, die je nach Fachtradition und Gegenstandsbereich mit den Begriffen der ‚Übersetzung‘, ‚Adaption‘, ‚Aneignung‘, ‚Hybridisierung‘ etc. operieren, gearbeitet. Im Fokus steht die ‚andere‘ Ästhetik nordalpiner Kunstdenkmäler, die sich durch kulturelle Hybridität auszeichnet und vor dem Hintergrund der sozialen Praxis der Zeit bestehende Vorstellungen, Wertungen und Normen kritisch hinterfragt. Die Ästhetik der Objekte wird nicht wie bisher als italischen Vergleichen gegenüber defizitär betrachtet, sondern als Ergebnis eigenständiger, dynamischer Aushandlungsprozesse künstlerischen Wissens und ästhetischer Praktiken in der Region.

Gerade in diesen programmatischen Auseinandersetzungen mit und Abweichungen von dem Kanon, so die Leitthese des Projekts, werden die ästhetische Eigenständigkeit und das Reflexionspotenzial der nordalpinen Architektur und bildenden Kunst manifest.

Projektleitung Prof. Dr. Anna Pawlak mit Prof. Dr. Johannes Lipps

C4: Intermedialität als Ansatzpunkt ästhetischer Reflexion in der niederländischen Druckgraphik der Frühen Neuzeit

Teilprojekt C4 im SFB 1391 “Andere Ästhetik” - Erste Förderphase
Intermedialität als Ansatzpunkt ästhetischer Reflexion in der niederländischen Druckgraphik der Frühen Neuzeit

Im Kreis der sog. Haarlemer Akademie entstanden um 1600 Druckgraphiken, die als gemeinsamer Artikulationsraum der Künste Bilder und lateinische Epigramme in innovativer Weise kombi­nierten. Im Ineinandergreifen bildlicher und literarischer Ausdrucksformen manifestiert sich der ästhetische Anspruch der Haarlemer Humanisten, technische Bravour in den Dienst einer ambitionierten visuellen Rhetorik zu stellen. Werkimplizit wurden dabei etwa Dis­kur­se um die Gleichartigkeit der Küns­te und um ih­ren Wettstreit neu ge­fasst. Die Präsentation ge­mein­schaftlichen Kunstschaffens sig­na­li­siert einen Prozess kol­la­bo­ra­tiver äs­the­­tischer Reflexion, bei dem das spezifische Vermögen der Ein­zel­kün­ste in den Dienst des Ge­samt­werks gestellt wird.

Das Teilprojekt C4 untersucht das epistemische Potenzial dieser intermedialen Beziehungen aus disziplinär komplementären Per­spektiven. Dabei erschließt es erstmalig systematisch das konzeptuelle Zusammenwirken von bildungssprachlichem Epigramm und gestochenem Bild in der Druckgraphik. Das Teilprojekt zielt darauf, kollaborative Autorschaft und Intermedialität als Generatoren ästhetischer Reflexion in der Frühen Neuzeit zu verstehen. Durch beide Aspekte kann es zentrale Bestandteile einer ,anderen’ Ästhetik aufzeigen. Mit Hilfe des praxeologischen Modells untersucht es technische Voraussetzungen, ästhetische Konzeptualisierung und Rezeptionshorizonte der Haarlemer Druckgraphik in integrierender Perspektive.

Projektleitung Prof. Dr. Anna Pawlak mit Prof. Dr. Anja Wolkenhauer


Geschichte als visuelles Konzept: Peter von Poitiers' "Compendium historiae"

Initialprojekt: „Petrus von Poitiers' "Compendium historiae""

Initialprojekt - Laufzeit: 01.01.2023 bis 31.12.2025
https://fit.uni-tuebingen.de/Project/Details?id=10031

Angesichts der Komplexität biblischer Geschichte – „considerans sacrae historiae prolixitatem“ – eine kurzgefasste Übersicht zu entwickeln, formulierte der Pariser Gelehrte Petrus von Poitiers im 12. Jahrhundert als Ziel seines Compendium historiae in genealogia Christi. Als graphischer Visualisierung der Heilsgeschichte in Form einer linearen Synopse mit kurzen textuellen Erläuterungen kommt diesem Werk bahnbrechende Bedeutung zu. Die Generationenfolge von Adam bis Christus bildet die chronologische Leitachse, mit der die Linien biblischer Herrschergeschlechter korreliert werden, so dass synchrone und diachrone Beziehungen von Personen und Ereignissen simultan ablesbar sind. Das Compendium historiae visualisiert darüber hinaus suggestiv die Grundannahme einer von Gott geordneten und dem menschlichen Verstand in ihrer Ordnung fassbaren, planmäßig und teleologisch verlaufenden Geschichte. Die von Petrus von Poitiers entwickelte Synopse verbreitete sich schnell im gesamten lateinischen Westen. Zwischen dem späten 12. und dem frühen 16. Jahrhundert sind mehrere hundert Abschriften überliefert. Ungeachtet seiner Relevanz und formativen Wirkung wurde das Compendium historiae bislang weder ediert noch in Hinsicht auf die Spezifik der multilinearen Graphik als Metastruktur untersucht. 
Das vorgeschlagene internationale Forschungsprojekt vereint die Disziplinen der Kunstgeschichte, lateinischen Philologie, mittelalterlichen Geschichte, Editionswissenschaft und digitalen Geisteswissenschaft. Die Ziele des Vorhabens sind (1) ein umfassender Überblick über Überlieferung des Compendium historiae, (2) eine Analyse der graphisch-synoptischen Metastruktur sowie der in diese einbetteten Texte, Diagramme und Bilder (mit einer Erfassung der Varianten), (3) eine auf ausgewählten Zeugen basierende wissenschaftlich-kritische Edition, und (4) eine Erforschung relevanter Kontexte. Erstellt werden deshalb im Rahmen des Projekts (1) eine kodikologische Datenbank, (2) eine navigierbare Visualisierung der graphischen Hyperstruktur (und ihrer Elemente), (3) eine kritische Edition des Texts, und (4) Einzel- und Fallstudien zur Tiefenerschließung wichtiger Überlieferungszeugen, soziokultureller Kontexte und anderer Teilaspekte. Die Veröffentlichung erfolgt digital, dauerhaft und frei zugänglich. 
Mit der Entwicklung der digitalen Edition wird methodisch Neuland betreten, wenn es um die adäquate Repräsentation diagrammatischer Strukturen durch einen formalisierten und navigierbaren knowledge graph geht, der die Varianten des Werks als individuelle Realisierungs- und Überlieferungsformen durch innovative Visualisierungstechnologien repräsentiert. Das Projekt wird einerseits eines der visuell innovativsten und einflussreichsten Werke des Mittelalters zugänglich machen und neues Licht auf die Geschichte der Visualisierung von Wissen werfen. Es wird andererseits ein Modell bereitstellen, mit dem Werke komplexer graphischer Struktur künftig ediert und zugänglich gemacht werden können.

Projektleitung: Prof. Dr. Andrea Worm
Compendium historiae

Zweite Phase ab 2026: https://fit.uni-tuebingen.de/Project/Details?id=13424


Forschungsprojekte Fluidität

Europa nach dem Krieg. Die Potenziale der Kunst in den späten 1940er und den 1950er Jahren

Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt „Europa nach dem Krieg – Die Potenziale der Kunst in den späten 1940er und den 1950er Jahren“ nimmt eine kunsthistorische Neuperspektivierung vor: Mit der Fokussierung auf die kunstspezifischen Ausdrucksmöglichkeiten wird die Frage nach der Rolle von Kunst bei der Formierung der europäischen Nachkriegsordnung gestellt. Statt den Mustern einer bis heute nachwirkenden Kunstgeschichte des Kalten Krieges zu folgen, erkennt die Untersuchung so Kunst als maßgebliche Verhandlungsinstanz an, die an den Dynamiken zur Gestaltung der neuen kulturellen Räume auf eine ihr eigene Weise aktiv beteiligt war. Um dies auch unter Berücksichtigung der zwei verschiedenen politischen Systeme, die sich in Europa nach dem Krieg etablierten, herausarbeiten zu können, bilden die drei ästhetischen Aspekte Material, Form und Medium den Rahmen der Analyse. Anhand von Debatten und Praktiken der Nachkriegszeit wird anhand dieser drei Themenfelder gezeigt, wie (noch) nicht Sagbares, Kontroverses oder gar Disparates durch die Kunst zur Anschauung gebracht und verhandelt wurde: Im Forschungsfeld "Material und Verfahren: Experiment + Tradition" werden anhand von Ton/Töpferei und Fäden/Weberei Konzepte von Universalismus vorgestellt, mit denen Künstlerinnen und Künstler wie Asger Jorn und Anni Albers anstrebten, Europa in die Zivilisationsgeschichte zu reintegrieren. Im Forschungsfeld "Form: Figuration und Abstraktion" werden zwei Konzepte in den Blick genommen, die auf unterschiedliche Weise Realität verbildlichen. Mit den bildhauerischen Werken von Betty Rea und Barbara Hepworth werden nicht die vieldiskutierten Differenzen dieser Modi erneut konstatiert, sondern stattdessen den verborgenen Gemeinsamkeiten nachgegangen, die mit ihren latenten Strukturen Spezifika von Europa beschreiben. Im Forschungsfeld "Medium: Dynamiken von Bedeutungen im Fotobuch" wird anhand einer auf der Schnittstelle zu den Massenmedien angesiedelten künstlerischen Publikationsform die Rolle von visuellen Traditionen diskutiert. Hierfür bilden das fotografische Werk sowie die Schriften von Martien Coppens den Ausgang.

Die Untersuchung versteht sich als Beitrag zur Entwicklung einer horizontalen Kunstgeschichte, die Europa nicht als verbindlichen Maßstab begreift, jedoch die historische Relevanz dieser Region hinsichtlich Kunst anerkennt. Die Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen, die für die Kunstgeschichte Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas spezialisiert sind und ihre Kompetenzen einbringen, ist wichtiger Bestandteil dieses Projekts.

Laufzeit: 1.4.2017 – 31.3.2020

Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Lange

Kooperationspartner*innen: Prof. Dr. Arnold Bartetzky (Leibniz-Institut GWZO, Leipzig), Dr. Marina Dmitrieva (Leibniz-Institut GWZO, Leipzig) und Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann (Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig)

Forschungsstudentinnen: Elisabeth Weiß, Paul Ambros

Kontakt: postwar.europe[at]khi.uni-tuebingen.de

www.postwar-europe.de

PodBeuys

Hier können Sie das von Jonathan Peterseim geführte Interview mit Dr. Sebastian Neußer anhören, das im Rahmen der Vorlesung "Joseph Beuys" von Frau Professorin Lange geführt wurde.

Personifikationen. Begriffe, Ideen und ihre mittelalterlichen Verkörperungen

Eine digitale Ausstellung von Studierenden der Germanistik und der Kunstgeschichte

Seit dem 15. Oktober 2021, 18 Uhr ist die digitale Ausstellung „Personifikationen. Begriffe, Ideen und ihre mittelalterlichen Verkörperungen“ virtuell besuchbar. Sie entstand im Rahmen des Projektes B4 des SFB "Andere Ästhetik" gemeinsam mit Studierenden der Germanistik und der Kunstgeschichte. 

Die digitale Ausstellung widmet sich Personifikationen in der Literatur und Kunst des Mittelalters. 25 Exponate geben Einblick in die vielfältigen Darstellungsformen und Funktionen dieses (bild-)rhetorischen Stilmittels für die Zeit vom 11. bis zum frühen 16. Jahrhundert. Dabei wird es möglich, Personifikationen aus Text und Bild nebeneinander zu betrachten und die unterschiedlichen Vermittlungsstrategien für diese in beiden Medien zu erschließen. 

Sechs Sektionen führen durch die Ausstellung und zeigen thematische Schnittstellen zwischen den Exponaten an: Kunst und Wissenschaft, Innere Instanzen, Städte und Länder, Materielles Gut, Vergänglichkeit und Schicksal sowie Liebe.

Graduiertenkolleg "Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800-1800)"

Figura Mortis. Der Tod als visuelles Paradox in der Kunst der Frühen Neuzeit (gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung)

Das Projekt analysiert frühneuzeitliche Todesfiguren und fragt im historischen Kontext nach differenzierten künstlerischen Konzepten der visuellen Repräsentation immaterieller Wirklichkeit. Die bildliche Konkretisierung des Abstraktums Tod war bis ins beginnende 17. Jahrhundert keinem fest etablierten Kanon verpflichtet, weshalb die Todesfigur mit ihrer proteischen Wandlungsfähigkeit als ein Experimentierfeld künstlerischer Praxis betrachtet werden kann. Gerade die Untersuchung der paradigmatischen Heterogenität der Todesgestalten im Hinblick auf deren beständiges Substituieren von Wesen und Rollen in unterschiedlichsten Handlungszusammenhängen, das die Wirkungskraft der Darstellungen erst begründete, stellt innerhalb der Kunstgeschichte deshalb ein Forschungsdesiderat dar, weil sich die bildliche Komplexität der mors den bisherigen, nach Genealogien und festgelegten Darstellungsmustern fragenden methodischen Zugängen konsequent entzog. In diesem Zusammenhang belegt bereits die in frühneuzeitlichen Quellen nachweisbare, explizite Verwendung des Gestaltbegriffes figura in Bezug auf die Schilderungen des Todes, dass die Figurationen des Abstraktums weniger als mimetische Wiedergabe eines festgelegten Formenregisters im Sinne des seit dem 18. Jahrhundert zunehmend verengten Begriffs der Personifikation verstanden wurden, sondern vielmehr einer Thematisierung des spannungsreichen und dynamischen Wechselverhältnisses zwischen dem Darzustellenden und der Darstellung dienten. Als formhafter Ausdruck für formlose Abstrakta sollte figura eine Präsenz erzeugen, die dem Betrachter Glaubensmysterien antizipieren ließ, ohne diese aufgrund ihrer Transzendenz abbilden zu können, wodurch die komplexe Ikonographie des anthropomorphen Todes als bildimpliziter Diskurs über die Möglichkeiten und Grenzen seiner visuellen Wiedergabe zu begreifen ist. Figurae mortis, so die Leitthese des Projekts, fungieren daher als epistemologische Figurationen des Unanschaulichen, die letztlich nicht nur beständig an die Inkommensurabilität des Todes erinnern, sondern auch stets den Akt seiner Sichtbarwerdung im Kunstwerk problematisieren. Um die Formen und inhaltlichen Schwerpunkte einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Tod in der Frühen Neuzeit zu fokussieren, wird in der Untersuchung als Alternative zu den wiederholt vorgelegten Kulturgeschichten des Todes sowie monographischen Studien zu einzelnen Motiven der Todesikonographie eine Phänomenologie vorgeschlagen, welche ausgehend von dem Verständnis der figura mortis als Schnittstelle theologischer, anthropologischer und ästhetischer Konzepte die ikonographisch-ikonologischen Analysen der Kunstwerke mit neueren Fragestellungen der historischen Bildwissenschaft und Positionen der aktuellen Debatte über Figur und Figuration verbindet. Das Projekt, das als Verschränkung einer grundlegenden Problemstellung mit detaillierten Fallstudien angelegt ist, plädiert damit für einen neuen methodischen Zugang zu einem Forschungsthema, dessen Untersuchung dank einer kunsthistorischen Perspektivverschiebung an gegenwärtigen Diskursen des Faches partizipieren kann, indem sie das metabildliche Reflexionspotenzial der frühneuzeitlichen Kunst an ihrem zentralen Konstrukt figura mortis erfasst und würdigt.

Projektleitung: Prof. Dr. Anna Pawlak
Projektmitarbeiter: Marius A. T. Wittke M.A.

St. Michael in Pforzheim

Hauptziele: eine Klärung der komplexen Baugeschichte und Datierung einzelner Abschnitte, die Aufarbeitung der Überlieferungsgeschichte (Restaurierungen und Wiederaufbau nach 1945) sowie eine Neubewertung der sich wandelnden ästhetischen Konzepte in einem breiteren historischen und künstlerischen Kontext. Mit Förderung des Landes Baden-Württemberg können im Sommersemester 2014 und Wintersemester 2014/15 als Auftakt zwei Praxisseminare durchgeführt werden.
Laufzeit: April 2014 - März 2015
Projektleitung: Prof. Dr. Markus Thome
Studentische/wissenschaftliche Hilfskraft:
Nadja-Sonja Lang, Oliver Wolf
Weitere Beteiligte/Kooperationen: Eva-Maria Hamm (Fotografin, Lichtbildstelle des Kunsthistorischen Instituts)

wissen & museum: Archiv - Exponat - Evidenz

Projekt in Tübingen und Marbach mit Laufzeit von Mai 2009 bis April 2012. Am Kunsthistorischen Institut war das Teilprojekt "Bilder der Literatur" angesiedelt.
Informationen zum Projekt finden Sie hier
Zur Projekthomepage gelangen Sie hier