Uni-Tübingen

C4: Intermedialität als Ansatzpunkt ästhetischer Reflexion in der niederländischen Druckgraphik der Frühen Neuzeit

Im Kreis der sog. Haarlemer Akademie entstanden um 1600 Druckgraphiken, die als gemeinsamer Artikulationsraum der Künste Bilder und lateinische Epigramme in innovativer Weise kombi­nierten. Im Ineinandergreifen bildlicher und literarischer Ausdrucksformen manifestiert sich der ästhetische Anspruch der Haarlemer Humanisten, technische Bravour in den Dienst einer ambitionierten visuellen Rhetorik zu stellen. Werkimplizit wurden dabei etwa Dis­kur­se um die Gleichartigkeit der Küns­te und um ih­ren Wettstreit neu ge­fasst. Die Präsentation ge­mein­schaftlichen Kunstschaffens sig­na­li­siert einen Prozess kol­la­bo­ra­tiver äs­the­­tischer Reflexion, bei dem das spezifische Vermögen der Ein­zel­kün­ste in den Dienst des Ge­samt­werks gestellt wird.

Das Teilprojekt C4 untersucht das epistemische Potenzial dieser intermedialen Beziehungen aus disziplinär komplementären Per­spektiven. Dabei erschließt es erstmalig systematisch das konzeptuelle Zusammenwirken von bildungssprachlichem Epigramm und gestochenem Bild in der Druckgraphik. Das Teilprojekt zielt darauf, kollaborative Autorschaft und Intermedialität als Generatoren ästhetischer Reflexion in der Frühen Neuzeit zu verstehen. Durch beide Aspekte kann es zentrale Bestandteile einer ,anderen’ Ästhetik aufzeigen. Mit Hilfe des praxeologischen Modells untersucht es technische Voraussetzungen, ästhetische Konzeptualisierung und Rezeptionshorizonte der Haarlemer Druckgraphik in integrierender Perspektive.

Fünf zentrale Arbeitsfelder bestimmen die Struktur von C4:

  • Humanistische Netzwerke und intermediale Denk­­mo­delle in der Frühen Neuzeit
  • Lateinische Bildepigramme in der Druckgraphik
  • Visuelle Rhetorik in der Druckgraphik
  • Ästhetische Reflexionen in Wort und Bild
  • Intermedialität in der frühneu­zeitlichen Druckgraphik

Team

Projektleitung:

Prof. Dr. Anna Pawlak
Prof. Dr. Anja Wolkenhauer

Projektmitarbeiterinnen:

Katharina Ost
Katharina Hiery

Hilfskräfte:

Peter Sellnow
Charlotte Baumann

 

 

 


Aktivitäten

Veranstaltungen

2020

Vortrag: Hiery, K. / Ost, K.: Re-Produktion / Se-Produktion. Autorschaft und Intermedialität im Kupferstich Pygmalion und Galatea (1593), Internationale Tagung / International Conference (SFB Querschnittsbereichstagung): „Ästhetik(en) pluraler Autorschaft: Literatur – Kunst – Musik / (The) Aesthetics of Collaborative Authorship: Literature – Art – Music“, Universität Tübingen, Alte Aula, 12.–14.12.2020. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Flyer.

Präsentation: Ost, K: Die Kupferstichepigramme des Franco Estius im Kontext des Haarlemer Humanistenkreises, Projektvorstellung im Rahmen des SFB 1391 Andere Ästhetik, Universität Tübingen, 17.07.2020. (digital)

Präsentation: Hiery, K: Projektvorstellung, Treffen des Querschnittsbereiches „Materialität und Medialität“ (SFB 1391), Universität Tübingen, 22.06.2020. (digital)

Präsentation: Hiery, K: Maarten van Heemskerck und die Geschichte als Bild. Zur Bedeutung von Visualität und Historizität in der Frühneuzeit, Projektvorstellung im Rahmen des SFB 1391 Andere Ästhetik, Universität Tübingen, Neuphilologicum, 27.01.2020.

Tagung: Pawlak, A. / Hammami, Mariam / Rüth, Sophie: „(RE-)INVENTIO. Visuelle Strategien in Neuauflagen nordalpiner Druckgraphiken der Frühen Neuzeit“, Universität Tübingen, Alte Burse, 17.–18.01.2020.

Vortrag: Ost, K.: Post translatos fasces – die intermediale Neukonzeptualisierung von Goltzius‘ Römischen Helden, Tagung: „(RE-)INVENTIO. Visuelle Strategien in Neuauflagen nordalpiner Druckgraphiken der Frühen Neuzeit“, Universität Tübingen, Alte Burse, 17.–18.01.2020.

 

2019

Vortrag: Pawlak, A.: Das Feuerwerk der Linie. Claude Lorrains explosive Druckgraphik, Drittes Forum des Forschungsverbundes Frühe Neuzeit Südwest in Kooperation mit dem SFB 1391 Andere Ästhetik, Universität Tübingen, Evangelisches Stift, 06.12.2019. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.

Workshop: Estius übersetzen. Humanistische Bildepigramme im Kupferstich der frühen Neuzeit, Universität Tübingen, Philologisches Seminar, C4, 29.11.2019. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Flyer.

Vortrag: Ost, K.: Ein „artiges Lebewohl“? – Interpretationsräume in den Römischen Helden, Workshop: „Estius übersetzen. Humanistische Bildepigramme im Kupferstich der frühen Neuzeit“, Universität Tübingen, Philologisches Seminar, 29.11.2019. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Flyer.

Vortrag: Wolkenhauer, A.: Merkur, Minerva, Horapoll. Das antike Zeichenreservoir der frühneuzeitlichen Medienrevolution, Seminar für Altertumswissenschaften der Martin-Luther-Universität und Marienbibliothek, Halle, 09.05.2019.

Vortrag: Wolkenhauer, A., Wandel und Verschwinden. Zur Zeichenkonkurrenz auf Titelblättern der Frühen Neuzeit, Tagung: „Wissen auf den ersten Blick. Illustrierte Buch-Anfänge in der Frühen Neuzeit“ in der HAB Wolfenbüttel, 01.–03.04.2019.

Vortrag: Pawlak, A.: Romanismus revidiert. Stilpluralität, kulturelle Hybridität und der Kanon der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts, Tagung des SFB 1070 RessourcenKulturen: „Ästhetik versus Programmatik? Perspektiven der archäologischen Stilforschung“, Universität Tübingen, Schloss Hohentübingen, 14.–16.03.2019.

Vortrag: Pawlak, A.: Märtyrertod und Tyrannei. Der Bethlehemitische Kindermord in der niederländischen Kunst der Frühen Neuzeit, Interdisziplinäre Tagung der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen und des Fachbereichs Evangelische Theologie der Philipps Universität Marburg: „Reformanda sive transformanda. Transformation als Deutungsmodell der Reformation.“, Universität Tübingen, Theologicum, 22.–24.02.2019.

Publikationen

2020

Pawlak, A.: Haec Batava est Kennow quam armat sic mascula virtus. Kenau Simonsdr. Hasselaer in der niederländischen Bildpropaganda des Achtzigjährigen Krieges, in: Janne Lenhart / Daniel Fliege (Hgg.): Gender interkonfessionell gedacht – Konzeptionen von Geschlechtlichkeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2020, S. 33–58.

Pawlak, A. / Rüth, Sophie: Riese, Walfisch und das Jüngste Gericht. Die Antwerpener Festkultur der Frühen Neuzeit als soziokulturelles Dispositiv, in: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 50,3 (2020), S. 435–463.

Pawlak, A.: Leonidas als gezeichneter Held. Ästhetik der Selbst- und Fremdgewalt in Frank Millers 300, in: Nieser, Florian (Hg.): Die Dechiffrierung von Helden. Aspekte einer Semiotik des Heroischen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Bielefeld 2020, S. 191–208.

Pawlak, A.: Die Farbe der Hierophanie. Grisaille zwischen meditatio mortis und bildimpliziter Kunsttheorie in Pieter Bruegels d.Ä. Marientod, in: Annette Gerok-Reiter / Anne Mariss / Markus Thome (Hgg.): Aushandlungen religiösen Wissens – Negotiated Religious Knowledge. Verfahren, Synergien und produktive Konkurrenzen in der Vormoderne – Methods, Interactions and Productive Rivalries in Premodern Times, Tübingen 2020 (SMHR 115), S. 59–78.

Wolkenhauer, A.: Die Selbsterfindung des Buchdrucks. Heurematakataloge und Druckerzeichen als diskurshistorische Quellen zur Analyse eines humanistischen Projekts, in: Marie-Laure Freyburger-Galland / Henriette Harich-Schwarzbauer (Hgg.): Res novae. Bouleversements dans les sources humanistes du Rhin Supérieur / Umbrüche in den humanistischen Quellen des Oberrheins, Stuttgart 2020 (Collegium Beatus Rhenanus 8), S. 125–148.

Wolkenhauer, A.: Erfinderdenken, typologische Konzepte, Traditionalismus und invented traditions als Konzepte zur Bestimmung des Klassischen in der Vormoderne, in: Marc Föcking / Claudia Schindler (Hgg.): Klassik und Klassizismen in römischer Kaiserzeit und italienischer Renaissance, Stuttgart 2020 (Hamburger Studien zu Gesellschaften und Kulturen der Vormoderne 9), S. 23–41.

 

2019

Pawlak, A.: Leonardos submarine Körpermaschinen. Tauchen und die Kunst der Grenzüberschreitung, in: Ernst Seidl / Frank Dürr / Michael La Corte (Hgg.): Ex Machina. Leonardo da Vincis Maschinen zwischen Wissenschaft und Kunst, Tübingen 2019, S. 81–93.

Lehre

Seminare / Vorlesungen:

WiSe 2020/21

Pawlak, A.: Lux. Licht in der Kunst- und Kulturgeschichte der Vormoderne (Vorlesung, Mi 12:30–13:30).

SoSe 2020

Pawlak, A.: Les fêtes magnifiques. Performanz, Materialität und Visualität in der frühneuzeitlichen Festkultur (Hauptseminar, Di 16–18).

SoSe 2019

Pawlak, A.: Ars et scientia. Ästhetik und Wissen in der Frühen Neuzeit (Vorlesung, Mi 12–14).

WiSe 2018/2019

Wolkenhauer, A.: Horaz, Ars poetica (Hauptseminar, Mo 14–16).

(SoSe 2018)

Lipps, J. / Michels, Anette / Pawlak, A.: Antike zwischen Imagination und Empirie. Römische Kunst in der Druckgraphik der Frühen Neuzeit (II) (Hauptseminar, Di 14–16).

 

Abschlussarbeiten

Di Carlo, L.: Kulturtransfer und konzeptuelle Hybridität im Engelsturz von Frans Floris, Masterarbeit (Betreuung durch Sergiusz Michalski / A. Pawlak ,WiSe 2019/20).