Orient- und Islamwissenschaft

⸙   AKTUELLE  PROJEKTE  (AN)  DER  FINT   ⸙

  •    SNAT Aleppo II

Bearbeitet von Dr. Alaa al-Din Al-Chomari entsteht aktuell der zehnte Band aus unserer renommierten Reihe Sylloge Numorum Arabicorum Tübingen. Er umfasst alle in der Sammlung vorhandenen Prägungen der bedeutenden syrischen Münzstätte Aleppo unter der Herrschaft der Mamlūken (13.–16. Jh.) und Osmanen (16.–19. Jh.) und wird im Juli 2021 erscheinen.


  •    NUMiD / Digitales Münzkabinett der FINT

Die FINT beteiligt sich am Forschungs- und Digitalisierungsverbund NUMiD („Netzwerk universitärer Münzsammlungen in Deutschland“), sodass mittlerweile ein ausgewählter Sammlungsteil in einem eigenen digitalen Kabinett erschlossen und (z. B. über eine Karte) online erkundbar ist. Die verwendete Datenbanklösung ist die des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin (IKMK, „Interaktiver Katalog des Münzkabinetts“), wo auch der im Verbundprojekt gemeinsam verwendete Normdaten-Pool verwaltet wird. Bislang war im NUMiD-Verbund noch keine Orient-Sammlung vertreten und das IKMK-System wurde auch nicht mit Blick auf die speziellen Anforderungen der islamischen Numismatik entwickelt. Dennoch dürfte es fürs Erste gelungen sein, unsere Grunddaten sowie weitere interessante Informationen so aufzubereiten und in einer Weise zu präsentieren, dass sich mit dem IKMK der FINT nun für viele die willkommene Möglichkeit bietet, zumindest einige Schätze aus der Tübinger Islam-Sammlung auch auf diesem Wege zu entdecken und in Recherchen einzubeziehen. Die zugrundeliegende Datenbank dient nicht nur der Forschung, sondern lässt sich auch für die Lehre und Online-Ausstellungen nutzen.

Bei dem ausgewählten Teilbestand handelt es sich um die Prägungen der Būyiden-Dynastie.

Der  IKMK der FINT  ging im März 2021 mit 322 būyidischen Münzen online; seitdem kommen regelmäßig weitere Stücke hinzu.

Im Projekt beschäftigte studentische Hilfskraft: Judith Bauer.


  •    sikka:būya  –  Online-Portal zur Münzprägung der Būyiden

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung sollen im ersten Online-Themenportal der islamischen Numismatik neben einem innovativen Typenkatalog vor allem neue digitale Anwendungen zur Analyse und aussagekräftigen Visualisierung jener einzigartigen Informationsfülle geboten werden, welche insbesondere in den umfangreichen Inschriften islamischer Münzen gespeichert ist. Ausgewählt wurden hierfür die Prägungen der Būyiden-Dynastie, welche im 10. und 11. Jh. über weite Teile Irans und des Iraks gebot (ca. 100 bekannte Prägeorte). Ihr Reich stellte einen komplexen Herrschaftsverband dar, in dem unter wechselnder Führung verschiedene, oft rivalisierende Būyiden-Linien regierten und auch diverse Vasallendynastien integriert waren. Die Münzen geben hierüber urkundenartig Auskunft, indem auf ihnen nicht nur Prägeort und -jahr genau angegeben sind, sondern auch all die Machthaber, welche es auf Grund ihrer Stellung in der hierarchischen Ordnung zu nennen galt. Zu den Zielen unseres interdisziplinären Projekts gehört es, diese detaillierten Informationen zu Machtverhältnissen, Herrschaftsstrukturen und Beziehungsgeflechten, aber auch weitere numismatische Merkmale, welche etwa Rückschlüsse auf die ökonomische Situation und kulturelle Entwicklung erlauben, systematisch zu erfassen, zu verknüpfen und so auswertbar zu machen. Hierzu soll in erster Linie eine interaktive Kartographie-Anwendung dienen, die etwa gezielte Abfragen in Form auswählbarer Kombinationen von Orten, Personen und Zeiten ermöglicht. Beispielsweise kann so in Hinblick auf die Entwicklung būyidischer Teilfürstentümer oder rivalisierende Kalifen ermittelt werden, wer wo und wann die Oberherrschaft einer bestimmten Person anerkannte/ablehnte, wobei die Abhängigkeiten, Hoheitsgebiete usw. über eine spezielle (Farb- und Form-)Symbolik deutlich werden. Wir wollen zeigen, dass gerade der numismatische Ansatz geeignet ist, um zu einer besseren Vorstellung von einem Reich wie dem der Būyiden zu gelangen, und vorführen, wie sich aus einzelnen Materialdaten ein Gesamtbild generieren lässt, das neue Einblicke in den Aufbau und die Funktionsweise so eines Reiches gewährt.

Laufzeit: 2021–2023 | Leitung: Sebastian Hanstein (Islamwissenschaft/Numismatik), Kevin Körner (Informatik) | wissenschaftl. Mitarbeiter: Alaa Al-Din Al-Chomari (Numismatik), Severin Opel (Informatik) | studentische Hilfskraft (Numismatik): Sonai Reber

Bild: Dinar des Būyiden-Königs Abū Kālīǧār, geprägt im Jahre 424 H. (1032/33 A.D.) im südwestiranischen Sūq al-Ahwāz (FINT 2016-1-27).


  •    Craveler + Copter

"Ideenwettbewerb - kleine Fächer vermitteln Weltwissen." So hatte es die VolkswagenStiftung in ihrer Ausschreibung formuliert und nun wird in Zusammenarbeit mit der antiken Numismatik am Institut für Klassische Archäologie und dem Fachbereich Informatik der Universität Tübingen sowie dem Institute for the History of Ancient Civilizations an der Northeast Normal University in Changchun eine kostenlose, mehrsprachige App inklusive einer Anwendung für die Microsoft HoloLens entwickelt, deren Zweck sogenanntes Game Based Learning für den Bereich der Münzkunde ist. Projektlaufzeit: 5 Jahre ab 2019. Studentische Hilfskraft (FINT): Judith Bauer.

This project aims at developing a free mobile app including an additional app for the Microsoft HoloLens that will provide game-based learning (GBL) about Ancient and Islamic Numismatics for an international audience.


  •    Referenzdatenbank für Fundmünzen

Gefördert von der Gerda-Henkel-Stiftung wurde an der FINT seit 2017 eine bebilderte Referenzdatenbank zur erleichterten Erfassung nord- wie südsyrischer Einzelfundmünzen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit entwickelt. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt des syrischen Gastwissenschaftlers Dr. Alaa al-Din Al-Chomari; als studentische Hilfskraft war 2018 Rojeh Bassal beschäftigt.

  •    Kompetenzentwicklung und Einrichtung eines Arbeitsbereichs am Museum Aleppo zur Aufnahme von Fundmünzen

Das neue Projekt Dr. al-Chomaris knüpft an die Entwicklung der Referenzdatenbank (s. o.) an und wird ebenfalls von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert. Ziel ist die Entwicklung tragfähiger Strukturen und Kompetenzen zur Erfassung sowohl von Schatzfunden als auch von Einzelfundmünzen in Syrien, wo ein Team aus syrischen Museums- und Universitätsmitarbeitern von Tübingen aus betreut wird. Insbesondere soll ein pädagogischer Ansatz verfolgt werden, indem die Beteiligten Schulen besuchen und bei Kindern – welche ja die meisten Zufallsmünzfunde machen – ein Verständnis für die Wichtigkeit archäologischer Arbeit und die Vorteilhaftigkeit einer Kooperation zwischen Bevölkerung und Behörden generieren. Hinsichtlich der Depotfunde soll die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Fundmeldung und -abgabe durch museale Präsentation und Pressearbeit gefördert werden. Damit die polizeilich eingezogenen Schatzfunde nicht länger unbearbeitet bleiben und die Erfassung der Münzen zukünftig von Syrern auch ohne Hilfe von außen geleistet werden kann, wird mit dem Projekt die gezielte Qualifikation von Bearbeitern verfolgt sowie die Schaffung einer Arbeitsstelle in Aleppo. Hierzu zählt auch der Aufbau einer Handbibliothek und einer Referenzsammlung; solange letztere nicht vorhanden ist, kann der Bestand an der FINT für Vergleiche herangezogen werden.