In nahezu allen Weltregionen beobachten wir, wie sich die Schere wirtschaftlicher Ungleichheit fortlaufend vergrößert: Vermögen konzentriert sich zunehmend bei wenigen, während große Teile der Bevölkerung mit stagnierenden Reallöhnen, prekären Arbeitsverhältnissen und steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert sind. Gleichzeitig verschärfen globale Herausforderungen wie die Klimakrise bestehende Ungleichheiten – zwischen globalem Norden und Süden, sowie innerhalb von Gesellschaften.
Diese Entwicklungen werfen grundlegende Fragen auf: Was treibt ökonomische Ungleichheit an? Ist sie struktureller Bestandteil eines kapitalistischen Wirtschaftssystems? Und wie lässt sich unsere Position als nicht-besitzende Mehrheit innerhalb dieses Systems verstehen?
Die von uns veranstaltete Ringvorlesung „Confronting Inequality – The Role of Governments, Markets and Ourselves“ setzt genau hier an. Ziel ist es, ökonomische Ungleichheit nicht isoliert, sondern als Ergebnis institutioneller, politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen zu analysieren und dabei einem klar interdisziplinären Ansatz zu folgen, der wirtschaftswissenschaftliche Perspektiven mit Beiträgen aus Politikwissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft und Umweltökonomie verbindet.
Zunächst nimmt die Ringvorlesung die Rolle von Konzernen und Märkten in den Blick: Wie beeinflussen Marktmacht, Lobbyarbeit und globale Unternehmensstrukturen die Verteilung von Vermögen und Macht? Darauf aufbauend wollen wir uns mit den Regulierungsmöglichkeiten und Grenzen staatlichen Handelns auseinandersetzen: Wo bleibt nationalstaatliche Regulierung unverzichtbar, und in welchen Bereichen verlangt eine global verflochtene Welt nach internationaler Abstimmung, gemeinsamen Standards und neuen Formen transnationaler Governance? Abschließend wollen wir den Blick auf uns selbst - die nicht-besitzende Mehrheit - richten. Wie können wir in einer kapitalorientierten Welt durch Klassenbewusstsein, bewusste Konsumentscheidungen und demokratische Beteiligung Einfluss nehmen? Was ist alleine und gemeinsam realisierbar und was übersteigt unsere Einflussmöglichkeiten?
Wir verstehen diese Vorlesungsreihe als Chance für einen bewussteren Diskurs bezüglich der dargestellten Fragestellungen. Sie soll Studierenden und Interessenten ermöglichen, aktuelle Forschung kennenzulernen, unterschiedliche theoretische Ansätze zu vergleichen und eigene Positionen kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig wollen wir den universitären Raum für einen pluralen Blick auf dieses Thema öffnen.