Forschungsmethoden und Mathematische Psychologie

Bachelor- und Masterarbeiten

In der Abteilung für Forschungsmethoden und Mathematische Psychologie können sowohl Bachelor- als auch Masterarbeiten geschrieben werden. Wir arbeiten viel mit Experimenten und Simulationsstudien. Auf dieser Seite können Sie sich über mögliche Themenbereiche informieren. Sie können selbstverständlich auch gerne ein eigenes Thema vorschlagen. Fragestellungen, die mehrere Teilfragestellungen beinhalten, können auch in Gruppen bearbeitet werden. 

Untersuchung von kognitiven Prozessen mit dem Diffusionsmodell 

Das Diffusionsmodell (Ratcliff, 1978; für einen Überblicksartikel siehe Voss et al., 2013) erlaubt es nähere Informationen darüber zu gewinnen, welche Prozesse binären Entscheidungen zugrunde liegen. Eine binäre Entscheidungsaufgabe ist z. B. eine lexikalische Entscheidungsaufgabe, bei der die Versuchspersonen in jedem Trial entscheiden müssen, ob es sich bei einer dargebotenen Buchstabenkombination um ein Wort handelt. Mit Hilfe des Diffusionsmodells kann man z. B. herausfinden, ob sich Personen in der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung unterscheiden (Parameter: Driftrate), ob sie vorsichtiger oder eher unvorsichtig sind (Parameter: Schwellenabstand) oder einen Bias für eine Antwortoption haben (Parameter: Startpunkt oder Driftrate). Wir forschen außerdem zu ähnlichen Modellen, wie z. B. dem Lévy-Flight-Modell (Voss et al., 2019).

Mögliche Forschungshypothesen/-fragen:

  • Unterscheiden sich jüngere von älteren Personen in der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und wie hängt dies von der Aufgabenschwierigkeit ab (z. B. Theisen et al., 2020)?
  • Lässt sich mit Hilfe des Diffusionsmodells bzw. Lévy-Flight-Modells Intelligenz messen (z. B. Lerche et al., 2020)?
  • Wie wirkt sich Zeitdruck auf die Informationsverarbeitung aus (z. B. Rafiei & Rahnev, 2021)?
  • Wie viele Trials werden benötigt um die Parameter des LévyFlight-Modells gut schätzen zu können (z. B. Lerche et al., 2017)?
  • Wie kann der Parameter Alpha des Lévy-Flight-Modells interpretiert werden (z. B. Voss et al., 2019)?
  • Welche Prozesse liegen Stereotyp-Effekten zugrunde (z. B. Correll et al., 2015)?
  • Wie unterscheiden sich Personen in Abhängigkeit von ihrer Motivstruktur in der Informationsverarbeitung (z. B. Lerche et al., 2018, 2019)?
  • Welche kognitiven Mechanismen liegen der effizienten Erkennung emotionaler Gesichtsausdrücke zugrunde? Welche Aufgaben hierzu können mit dem Diffusionsmodell analysiert werden (z. B. Sawada et al., 2022)?
  • Moduliert die Ausprägung des Anschlussmotivs eine Aufmerksamkeitsverzerrung für emotionale Gesichter (z. B. Schultheiss & Hale, 2006)?

Replikationsstudien 

In der Forschung ist es auch wichtig, die Replizierbarkeit von Befunden zu untersuchen. Eine Studie gilt als repliziert, wenn eine erneute Durchführung der Studie gleiche oder zumindest ähnliche Ergebnisse hervorbringt. Dabei wird typischerweise zwischen zwei Arten von Replikationsstudien unterschieden (Erdfelder & Ulrich, 2018): (1) Bei „direkten“ Replikationen handelt es sich um möglichst originalgetreue Wiederholungen der Ausgangsstudie. Sie dienen dazu, die Replizierbarkeit eines Befundes unter unabhängigen Bedingungen zu prüfen und somit Aussagen über dessen Robustheit treffen zu können. (2) Bei „konzeptuellen“ Replikationen handelt es sich um Untersuchungen der ursprünglichen Fragestellung unter systematisch veränderten Bedingungen wie z. B. abgewandeltem Design. Sie dienen dazu, die Generalisierbarkeit auf andere Verhältnisse als die, die in der Ausgangsstudie vorlagen, zu prüfen.

Im Rahmen einer Abschlussarbeit kann eine Replikation durchgeführt und bei Interesse auch erweitert werden (siehe Bonett, 2012), um z. B. einen möglichen Moderator des zu untersuchenden Effekts unter die Lupe zu nehmen.

Mögliche Forschungshypothesen:

  • Unkelbach et al. (2009) fanden in einem Laborexperiment mit einer deutschen Stichprobe, dass „muslimisches Aussehen“ mit Waffen bzw. Gefahr assoziiert wird (auch „shooter bias“; Correll et al., 2002). Ist dieser Effekt auch in einer OnlineStudie zu finden?
  • Personen mit einer höheren Ausprägung des impliziten Leistungsmotivs reagieren auf negatives Feedback mit erhöhter Anstrengung (Brunstein & Hoyer, 2002): Replikation und Untersuchung möglicher zugrundeliegender Mechanismen mit dem Diffusionsmodell.
  • Personen mit einer höheren Ausprägung eines impliziten Motivs (z. B. des impliziten Leistungsmotivs) reagieren auf motivrelevante Erlebnisse im Hinblick auf das Wohlbefinden stärker (also leiden z. B. stärker unter negativem Leistungsfeedback) als Personen mit einer geringeren Motivausprägung (z. B. Schüler et al., 2010). Ist dies auch in einem experimentellen Setting replizierbar?

Die Seite befindet sich derzeit im Aufbau. Weitere Themenvorschläge folgen in Kürze.

Literatur

  • Bonett, D. G. (2012). Replication-Extension Studies. Current Directions in Psychological Science, 21(6), 409–412. doi.org/10.1177/0963721412459512
  • Brunstein, J. C., & Hoyer, S. (2002). Implizites und explizites Leistungsstreben: Befunde zur Unabhängigkeit zweier Motivationssysteme [Implicit versus explicit achievement strivings: Empirical evidence of the independence of two motivational systems]. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 16, 51–62.
  • Brunstein, J. C., & Maier, G. W. (2005). Implicit and Self-Attributed Motives to Achieve: Two Separate but Interacting Needs. Journal of Personality and Social Psychology, 89(2), Art. 2. doi.org/10.1037/0022-3514.89.2.205
  • Correll, J., Park, B., Judd, C. M., & Wittenbrink, B. (2002). The police officer’s dilemma: Using ethnicity to disambiguate potentially threatening individuals. Journal of Personality and Social Psychology, 83(6), 1314–1329. doi.org/10.1037/0022-3514.83.6.1314
  • Correll, J., Wittenbrink, B., Crawford, M. T., & Sadler, M. S. (2015). Stereotypic vision: How stereotypes disambiguate visual stimuli. Journal of Personality and Social Psychology, 108(2), 219–233. doi.org/10.1037/pspa0000015
  • Elliot, A. J., & Niesta, D. (2008). Romantic red: Red enhances men’s attraction to women. Journal of Personality and Social Psychology, 95(5), 1150–1164. doi.org/10.1037/0022-3514.95.5.1150
  • Erdfelder, E., & Ulrich, R. (2018). Zur Methodologie von Replikationsstudien. Psychologische Rundschau, 69(1), 3–21. doi.org/10.1026/0033-3042/a000387
  • Lerche, V., Bucher, A., & Voss, A. (2019). Processing emotional expressions under fear of rejection: Findings from diffusion model analyses. Emotion. doi.org/10.1037/emo0000691
  • Lerche, V., Neubauer, A. B., & Voss, A. (2018). Effects of implicit fear of failure on cognitive processing: A diffusion model analysis. Motivation and Emotion, 42(3), 386–402. doi.org/10.1007/s11031-018-9691-5
  • Lerche, V., von Krause, M., Voss, A., Frischkorn, G. T., Schubert, A.-L., & Hagemann, D. (2020). Diffusion Modeling and Intelligence: Drift rates show both domain-general and domain-specific relations with intelligence. Journal of Experimental Psychology: General. doi.org/10.1037/xge0000774
  • Lerche, V., Voss, A., & Nagler, M. (2017). How many trials are required for parameter estimation in diffusion modeling? A comparison of different optimization criteria. Behavior Research Methods, 49(2), 513–537. doi.org/10.3758/s13428-016-0740-2
  • Ratcliff, R. (1978). A theory of memory retrieval. Psychological Review, 85(2), 59–108. doi.org/10.1037/0033-295x.85.2.59
  • Sawada, R., Sato, W., Nakashima, R., & Kumada, T. (2022). How are emotional facial expressions detected rapidly and accurately? A diffusion model analysis. Cognition, 229, 105235. doi.org/10.1016/j.cognition.2022.105235
  • Schüler, J., Sheldon, K. M., & Fröhlich, S. M. (2010). Implicit need for achievement moderates the relationship between competence need satisfaction and subsequent motivation. Journal of Research in Personality, 44(1), 1–12. doi.org/10.1016/j.jrp.2009.09.002
  • Schultheiss, O. C., & Hale, J. A. (2006). Implicit motives modulate attentional orienting to facial expressions of emotion. Motivation and Emotion, 31(1), 13–24. doi.org/10.1007/s11031-006-9042-9
  • Theisen, M., Lerche, V., von Krause, M., & Voss, A. (2020). Age differences in diffusion model parameters: A meta-analysis. Psychological Research. doi.org/10.1007/s00426-020-01371-8
  • Unkelbach, C., Goldenberg, L., Müller, N., Sobbe, G., & Spannaus, N. (2009). A shooter bias in Germany against people wearing Muslims headgear. Revue Internationale de Psychologie Sociale, 22(3–4), 181–201.
  • Voss, A., Lerche, V., Mertens, U., & Voss, J. (2019). Sequential sampling models with variable boundaries and non-normal noise: A comparison of six models. Psychonomic Bulletin & Review, 26(3), 813–832. doi.org/10.3758/s13423-018-1560-4
  • Voss, A., Nagler, M., & Lerche, V. (2013). Diffusion models in experimental psychology: A practical introduction. Experimental Psychology, 60(6), 385–402. doi.org/10.1027/1618-3169/a000218