Slavisches Seminar

Wie kommen Texte über die Grenze?

2. Tübinger Übersetzerwoche 22.–27. Juni 2010

Dienstag, 22. Juni

12.00 Uhr, Universität Tübingen, Brechtbau, Raum 037

Dmitri Golynko (Sankt Petersburg/Berlin)
Lyriklesung: Elementare Dinge

Dmitri Golynko liest aus Gedichten über die postsowjetischen Umbruchsjahre und aus seinem Zyklus Elementare Dinge, in denen er sich in konzentrierter Kargheit mit der Welt der Kriminalität, Marktunterwerfung und Massenkultur des heutigen Russland auseinandersetzt. Dmitri Golynko ist Kunsthistoriker und arbeitet am Russischen Institut für Kunstgeschichte in Sankt Petersburg. Derzeit ist er Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin.

Lesung in deutscher und russischer Sprache

In Kooperation mit dem Künstlerprogramm des DAAD

20.00 Uhr, Deutsch-Französisches Kulturinstitut

Hédi Kaddour (Paris)

Atelier und Lesung: Waltenberg

Hédi Kaddour präsentiert ein Übersetzungsatelier und liest aus Waltenberg, einem Epochenroman, der das Bild eines Europas im vergangenen Jahrhundert in der Spannung zwischen ideologischen Weltentwürfen und deren missglückten Ausführungen zeichnet. Hédi Kaddour wurde 1945 in Tunesien geboren und studierte an der École Normale Supérieure Literatur und Dramaturgie. Er arbeitet als Übersetzer aus dem Englischen, Deutschen und Arabischen.

20.00 Uhr, Landestheater Tübingen Hohenzollern

Theateraufführung: Sergej Medwedjew, Irina - eine Frisöse // Die Kröte

Ein Friseursalon in der russischen Provinz. Die Inhaberin Irina träumt von Moskau und ihrem Märchenprinzen: Jevgeni sitzt zwar gerade noch im Gefängnis, wird aber bald auf freien Fuß gesetzt. Irina hat ihn nie getroffen, aber der charmante Briefwechsel lässt ihn als Garant all ihrer Träume erscheinen. Doch als er endlich, endlich eintrifft, entwickelt sich die Beziehung alles andere als erwartet.

Im Anschluß Gespräch mit dem Autor Sergej Medwedjew

Mittwoch, 23. Juni

20.00 Uhr, Deutsch-Amerikanisches Institut Tübingen

Peter Wortsman (New York/Berlin)
Vortrag und Gespräch: Talking in Tongues

Moderation: Astrid Franke (Universität Tübingen, Abteilung für Amerikanistik)

„Seit Menschengedenken sind Sprachen verschieden, und seitdem versuchen Übersetzer, sie wieder zusammenzubringen", sagt Peter Wortsman, der Übersetzer von Musil, Kafka und Goethe ins Amerikanische. Wortsman stellt mit Beispielen und Episoden seine Tätigkeit als Moderator zwischen Sprachen vor. Er tritt auch als Autor in Erscheinung und hat unter anderem den Erzählband A modern way und zwei Theaterstücke verfasst. Derzeit ist Peter Wortsman Fellow an der American Academy in Berlin.

Vortrag in englischer Sprache, Gespräch in englischer und deutscher Sprache

In Kooperation mit der Kulturabteilung der US-Boschaft Berlin

Donnerstag, 24. Juni

20.00 Uhr, Schloss Hohentübingen

Podiumsdiskussion: Wie kommen Texte über die Grenze? Übersetzer als Entdecker und Agenten

Im Anschluss: Empfang

Teilnehmerinnen: Elena Polledri (Udine), Jasmina Urukalo (Stuttgart), Dorothea Trottenberg (Zürich), Olivia Spiridon (Tübingen)

Moderation: Jörg Plath (Berlin)

Übersetzer übersetzen nicht nur. Übersetzer beobachten auch den Buchmarkt ihrer Länder, sie halten Kontakt zu den ausländischen Autoren und Verlagen und beraten die Verlage. Zunehmend werben sie in der Öffentlichkeit für „ihre" Bücher. Was sie noch alles tun und welche Hürden zu überwinden sind beim Versuch, Literaturen und Kulturen miteinander bekannt zu machen, das verraten die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion. Elena Polledri ist Assistenzprofessorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Udine und hat u.a. Friedrich Hölderlin ins Italienische übersetzt. Jasmina Urukalo ist Redakteurin im Raabe Verlag Stuttgart und übersetzt aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen. Dorothea Trottenberg ist ebenfalls literarische Übersetzerin und hat u.a. Wladimir Sorokin übersetzt. Olivia Spiridon ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und arbeitet zur deutschsprachigen Literatur im Banat.

Freitag, 25. Juni

20.00 Uhr, Landestheater Tübingen

Eveline Passet und Raimund Petschner (Berlin)

Hörkino: Ein Dorf im neuen Russland. Jasnaja Poljana und das Erbe Tolstojs

Moderation: Schamma Schahadat (Universität Tübingen, Slavisches Seminar)

Jasnaja Poljana ist jenes Dorf und Gut in der russischen Region Tula, wo Lew Tolstoj geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Es existiert noch heute und ist ein Ort, an dem vieles probiert wird. Wie bewegt sich Jasnaja Poljana - oder: Wie wird es bewegt - zwischen Geist und Macht? Hat Kultur dort eine Chance, auf die Selbstreflexion und Selbsterziehung von Menschen unmittelbar Einfluss zu nehmen, wie es vermutlich im Sinne Tolstojs gewesen wäre? Das Hörfeature und das anschließende Gespräch versuchen darauf Antwort zu geben.

Raimund Petschner arbeitet als Journalist und freier Autor, Eveline Passet als Übersetzerin russischer und französischer Literatur sowie als Rundfunkautorin.

Ein Projekt aus dem Programm Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung

Samstag, 26. Juni

16.30 Uhr, Stadtmuseum

Werkstatt: Eine Übersetzung entsteht

Moderation: Claudia Dathe (Tübingen)

Wodka- oder Brandweinfass? Mailand oder Milano? Fesch, trendy oder attraktiv? Wie kommen Übersetzer zu ihren Lösungen? Teilnehmerinnen der Workshops zum literarischen Übersetzen an der Universität Tübingen geben Einblick in ihre Werkstattarbeit und laden zum Mitmachen ein.

20.00 Uhr, Landestheater Tübingen Hohenzollern

Szenische Lesung und Gespräch mit Ivana Sajko (Zagreb)

Moderation: Alida Bremer (Münster)

In einer szenischen Lesung werden Auszüge aus Ivana Sajkos Theaterstücken vorgestellt. Im Anschluss diskutieren Alida Bremer und Ivana Sajko über aktuelle literarische und gesellschaftliche Tendenzen in Kroatien.

Ivana Sajko ist eine der bekanntesten kroatischen Autorinnen und Dramatikerinnen. Ihre Theaterstücke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und auf internationalen Bühnen gespielt. Alida Bremer übersetzt aus dem Kroatischen, Bosnischen und Serbischen und ist als Organisatorin von Kulturfestivals und Bücherschauen eine prominente Mittlerin zwischen Deutschland und den balkanischen Ländern.

Sonntag, 27. Juni

11.00 Uhr, Hölderlinturm

Übersetzermatinée

Teilnehmerinnen: Christel Hildebrandt (Norwegisch), Gabriele Leupold (Russisch), Katharina Wolf-Grießhaber (Bosnisch/Serbisch/Kroatisch)

Moderation: Dagmar Leupold (Universität Tübingen, SLT)

Die literarischen Übersetzerinnen stellen Autoren vor, die sie ins Deutsche übersetzt haben, und diskutieren über die besonderen sprachlichen und kulturellen Probleme, die entstehen, wenn Gegenwartsliteratur übersetzt wird.

In Kooperation mit der Weltlesebühne