Forschung


Forschungsschwerpunkte von Dr. Sebastian Pittl

  • Politische Theologien
  • Befreiungstheologien und postkoloniale Theologien
  • Interkulturelle Theologie (mit Schwerpunkt auf lateinamerikanischen Theologien)
  • Geschichtstheologie
  • Theologie und Universität

Decolonizing Global Encounters: Religion - Politics - Culture

Global Encounters sind heute bestimmt von multidimensionalen Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Koloniale und neoimperiale Muster bleiben auch nach dem formalen Ende der Kolonialzeit wirksam und verbinden sich zu Strukturen der asymmetrischen Verteilung von Ressourcen, Lebenschancen und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Erforschung dieser komplexen Verflechtungen verlangt eine vertiefte transdisziplinäre Reflexion, in der sich die Analyse globaler Dynamiken mit der kritischen Untersuchung kontextspezifischer Konstellationen verbindet. Die anstehende Herausforderung lautet:  Decolonizing Global Encounters.  

Forum 1 „Decolonizing Religion“ hinterfragt die Rolle von Religion in postkolonialen Konstellationen und das (de)kolonisierende Potential religiöser Diskurse und Praktiken. Forum 2 „Decolonizing Politics“ untersucht die Bedingungen und Möglichkeiten dekolonialer Politiken und Rechtsverständnisse, Menschenrechtsforderungen sowie die Vielschichtigkeit und Ambivalenz von Emanzipationsprozessen. In Forum 3 „Decolonizing Culture“ wird nach den Symbolstrukturen von Religion, Politik und Ökonomie sowie nach den Mechanismen und Voraussetzungen der Produktion von „Sinn“, „Bedeutung“ und „Identität“ in postkolonialen Kontexten gefragt.

Das Projekt wird gefördert durch die Forschungsplattform 4 „Global Encounters“ der Universität Tübingen. Weitere Informationen finden Sie hier und in den Workshopbeschreibungen.

Der Workshop mit internationalen Referent:innnen fand am 29.-30. April 2021 statt.


Digitaler Workshop “Doing Climate Justice”:

 

Vom 22. bis 24. Oktober 2020 fand online der Liberation Theology Workshop - Doing Climate Justice am Centre for Liberation Theologies der KU Leuven statt. Die Abteilung Dogmatik war Mitveranstalterin und ludt zu dieser Veranstaltung außerdem im Rahmen des Hauptseminars "Schöpfungstheologie im Horizont der Klimakrise" ein.

Im Folgenden ein Bericht über die Veranstaltung, geschrieben von Stefan Silber:

Der 6. Workshop „Befreiende kontextuelle Theologien“, der vom 22.-25. Oktober in Leuven stattfinden sollte, wurde schon zu Beginn der Coronazeit in eine digitale Veranstaltung umgewandelt. Leicht verkürzt, vom 22.-24. Oktober fanden sich nun über sechzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt in einer Videokonferenz zusammen, um über die 14 Beiträge zu diskutieren, die vorab auf einer Lernplattform (als Text, Präsentation und/oder Video) zur Verfügung gestellt worden waren. In Kleingruppen wurden die Themen des Workshops weiter vertieft. Der ursprünglich zweisprachig ausgeschriebene Workshop fand dann aufgrund der veränderten Bedingungen fast ausschließlich auf Englisch statt.

„Klimagerechtigkeit tun“:

Eines der wichtigsten Themen des Workshops war die Frage, wie theologische Beiträge und ethische Maßstäbe zu einer politischen Praxis führen können, die zu einer Umsetzung von Klimagerechtigkeit führen. Ein als Video eingespieltes Eröffnungspanel führte die Teilnehmenden daher auch gleich zu Beginn an die Abbruchkante des Tagebaus Garzweiler und machte sie mit der Mitarbeit von ChristInnen (und TheologInnen) bei „Ende Gelände“ und anderen Protestaktionen vor Ort bekannt.

Eine andere zentrale Frage, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde, war eine grundlegende epistemologische Kritik an Anthropozentrismus, Kolonialismus und Sexismus, die kapitalistisches Denken und auch westliche Theologie prägen, und denen auch in der Theologie Widerstand geleistet werden muss, um zu einem ökologischen Denken (und Handeln) zu gelangen.

Auch die akademische Arbeit erweist sich so als politische Praxis im Sinn des „Doing Climate Justice“; allerdings stellte sich während des Workshops – wie bei jeder politischen Praxis – die wichtige selbstkritische Frage der Wirksamkeit.

Fazit:

Das digitale Format war weit mehr als eine Notlösung, sondern eröffnete sowohl methodisch als auch im Hinblick auf die Teilnahmemöglichkeiten neue Wege, die bei der Konzeption künftiger Veranstaltungen hilfreich sein können. Die vielfältigen Themen und Diskussionen beim Workshop verwiesen auf die Komplexität und zugleich Dringlichkeit einer transformierenden Praxis auf dem Weg zu Klimagerechtigkeit. Zugleich wurden im Workshop viele Konzepte diskutiert, bestätigt und weiterentwickelt. Die Beiträge sollen zeitnah veröffentlicht werden.

Ein ausführlicher Tagungsbericht von Christian Tauchner findet sich hier.

Stefan Silber