Institut für Erziehungswissenschaft

Orientierungspraktikum

Studierende im Studiengang Bachelor of Education (Lehramt Gymnasium) sind verpflichtet, ein Orientierungspraktikum (OSP) abzuleisten. Es umfasst drei Schulwochen und ist neben der Vorlesung ‘Einführung in das Studium der Bildungswissenschaften’, die zum Orientierungspraktikum hinführt und in die praktikumsbezogenen wissenschaftlichen Arbeitsaufträge sowie in die Portfolioarbeit einführt, Teil von Modul 1 des Bildungswissenschaftlichen Studiums (BWS). Da das Orientierungspraktikum durch universitäre Lehrveranstaltungen im Modul 1 und 2 wissenschaftlich vor- und nachbereitet wird, kann es nur während des Bildungswissenschaftlichen Studiums und nicht bereits im Vorfeld des Studiums absolviert werden. Das Absolvieren des Orientierungspraktikums ist - neben dem erfolgreichen Bestehen der Vorlesung - Voraussetzung zur Belegung der Lehrveranstaltungen in Modul 2, die Bezug auf die Erfahrungen aus dem Orientierungspraktikum nehmen. Die Vorlesung bereitet inhaltlich auf das Orientierungspraktikum vor. Der Besuch der Vorlesung ist ab dem ersten Semester möglich. Das Orientierungspraktikum kann in der vorlesungsfreien Zeit des Wintersemesters (ab Mitte Februar) oder zum Ende des Sommersemesters (i. d. R. mit Beginn des neuen Schuljahres Mitte September bis zum Vorlesungsbeginn Mitte Oktober) absolviert werden.

Zielsetzung des Orientierungspraktikums

Das Orientierungspraktikum dient der Studien- und Berufsorientierung. Studierende sollen die wesentlichen Entscheidungskriterien für ihre Studienwahl in der Schule und mit schulischen Gesprächspartnern reflektieren.

Reflexions- und Beobachtungsaufgaben zum Orientierungspraktikum

Die folgenden Aufgaben verstehen sich als freiwillige Anregungen für Beobachtungen und Überlegungen während Ihres Orientierungspraktikums. Sie sollen Ihnen eine mögliche Orientierung bieten, wie Sie Situationen im schulischen Alltag systematischer wahrnehmen und darüber nachdenken können. Sie entscheiden selbst, ob Sie eine der Aufgaben aufgreifen oder andere Fragen verfolgen, die sich aus Ihren eigenen Beobachtungen im Praktikum ergeben.

Die Aufgaben dienen als mögliche ‘Portfolioaufgaben’. Gemeint sind damit keine standardisierten Portfolioaufgaben im Sinne einer formalen Abgabe oder Bewertung. Mit Portfolioaufgaben ist hier gemeint, dass Sie für sich Beobachtungen, Fragen und Überlegungen festhalten und ordnen können und zwar in der Form und in dem Umfang, der für Sie sinnvoll erscheint.

Die Aufgaben greifen Themen aus der vorbereitenden Vorlesung ‘Einführung in das Studium der Bildungswissenschaften’ auf. Die dort behandelten Materialien, Texte und Beobachtungsinstrumente, auf die sich einzelne Aufgaben beziehen, sind auf dieser Seite verlinkt und können bei Bedarf zur Orientierung genutzt werden.

Ihre Beobachtungen und Überlegungen können im Rahmen der das Orientierungspraktikum nachbereitenden „BuP-II-Seminare“ eingebracht werden. In diesen Seminaren werden zentrale Fragen aus dem Praktikum aufgegriffen und mit Blick auf wissenschaftliche Perspektiven vertieft diskutiert.

Aufgabe 1: Berufswahlmotivation, persönliche Eignung und Belastbarkeit im Lehrerberuf

[schließt u.a. an die Vorlesungsthemen ‚Lehrerberuf‘, ‚Professionalität‘ und ‚Lehrer:innengesundheit‘ an]

Wählen Sie eine konkrete Situation (Fall) aus Ihrem Orientierungspraktikum, die Sie persönlich beschäftigt oder herausgefordert hat. Dies kann z. B. eine Unterrichtssituation, eine Interaktion mit Schülerinnen und Schülern, eine Beobachtung im Kollegium oder eine Situation mit Zeit- bzw. Belastungsdruck sein.

Beschreiben Sie den Fall kurz (2-3 Sätze) und reflektieren Sie anschließend:

  • Berufswahlmotivation: Inwiefern bestätigt oder hinterfragt diese Situation Ihre Motivation, Lehrer*in zu werden?
  • Persönliche Eignung: Welche Ihrer persönlichen Stärken oder Unsicherheiten wurden in dieser Situation sichtbar?
  • Belastbarkeit: Was zeigt der Fall über Ihre Wahrnehmung der Anforderungen und Belastungen im Lehrerberuf? Wie schätzen Sie Ihre eigene Belastbarkeit in vergleichbaren Situationen ein?

Schließen Sie mit einem kurzen Fazit: Welche Erkenntnis nehmen Sie aus dieser Situation für Ihre weitere Entscheidung bzw. Entwicklung im Lehramtsstudium mit?

Aufgabe 2: Interesse für die wichtigsten Tätigkeiten des Lehrerberufs im gesamten Aufgabenfeld Schule (am Beispiel Unterrichtsqualität und Klassenführung)

[schließt u.a. an die Vorlesungsthemen ‚Unterrichtsqualität‘ und ‚Klassenführung‘ an]

Sie haben in der Vorlesung das Konzept der Unterrichtsqualität bzw. der Klassenführung/ des Classroom Managements als Teil davon kennen gelernt. Ebenso wurden Instrumente zur Erhebung und Reflexion der beiden Konzepte vorgestellt (Unterrichtsbogen Tiefenstrukturen, Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung). 

  • Wählen Sie eins der beiden Instrumente aus und beobachten Sie mit dessen Hilfe zwei Unterrichtstunden bei möglichst verschiedenen Lehrkräften oder in verschiedenen Klassen und halten ihre Ergebnisse fest.
  • Was ist mit Blick auf die Unterrichtsqualität bzw. die Klassenführung besonders gelungen und wo wurden Schwierigkeiten sichtbar?
  • Welche Schlussfolgerungen ziehen sie aus dem Vergleich der beiden Lehrkräfte bzw. Klassen mit Blick auf die Klassenführung oder Unterrichtsqualität?

Aufgabe 3: Umgang mit Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext

[schließt u.a. an die Themen ‚Bildung‘, ‚Erziehung‘ und ‚Didaktik‘]

Wählen Sie eine konkrete Situation (Fall) aus Ihrem Orientierungspraktikum, in der der Umgang zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern oder zwischen Ihnen und Schülerinnen und Schülern besonders deutlich wurde. Dies kann z. B. ein Beratungsgespräch, eine Reaktion auf eine Frage oder Schwierigkeit, der Umgang mit einem Konflikt oder eine Situation individueller Unterstützung sein.

Beschreiben Sie den Fall kurz (2–3 Sätze) und reflektieren Sie anschließend:

  • Interaktion und Beziehungsgestaltung:
    • Wie wurde in dieser Situation mit den Schülerinnen und Schülern kommuniziert und wie wurde das Handeln der Lehrkraft gegenüber den Schülerinnen und Schülern erklärt oder begründet?
    • Welche Haltung der Lehrkraft gegenüber den Lernenden wurde sichtbar?
  • Wahrnehmung der Lernenden:
    • Wie reagierten die Schülerinnen und Schüler auf die Erklärung oder Begründung der Lehrkraft?
    • Welche Bedürfnisse, Emotionen oder Perspektiven der Schülerinnen und Schüler wurden in der Situation erkennbar? Wie wurde darauf eingegangen?
  • Eigene professionelle Haltung: Welche Aspekte im Umgang mit Kindern und Jugendlichen erscheinen Ihnen in dieser Situation besonders wichtig? Wie würden Sie selbst in einer vergleichbaren Situation handeln?

Schließen Sie mit einem kurzen Fazit: Welche Erkenntnis über einen professionellen Umgang mit Kindern und Jugendlichen nehmen Sie aus dieser Situation für Ihre eigene Rolle als zukünftige Lehrkraft mit?

Aufgabe 4: Umgang mit Regelverstößen und Sanktionen

Wählen Sie eine konkrete Situation aus Ihrem Orientierungspraktikum, in der eine Lehrkraft auf einen Regelverstoß oder ein störendes Verhalten reagiert hat.

Beschreiben Sie den Ablauf der Situation kurz (2–3 Sätze).

Überlegen Sie anschließend:

1. Anlass der Sanktion
Was genau ist passiert? Welches Verhalten führte zur Reaktion der Lehrkraft?

2. Regeln und Erwartungen
War die zugrunde liegende Regel oder Erwartung vorher für die Schülerinnen und Schüler erkennbar oder bekannt? Oder wurde sie erst in der Situation deutlich? 

3. Rechtfertigung der Regel

  • Welche Gründe könnten die Regel oder Erwartung stützen, die in dieser Situation angewendet wurde?
  • Erscheinen diese Gründe so, dass sie für alle Beteiligten (Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler) nachvollziehbar sind oder wirken sie eher als persönliche Vorlieben oder situative Entscheidungen?

4. Begründung der Reaktion
Hat die Lehrkraft ihre Entscheidung gegenüber den Schülerinnen und Schülern erklärt oder begründet? Wenn ja: Welche Gründe wurden genannt?

5. Umgang mit den Beteiligten
Wie reagierten die Schülerinnen und Schüler auf die Entscheidung der Lehrkraft? Wie wurde auf ihre Perspektive oder mögliche Einwände eingegangen?

6. Fairness und Alternativen
Erscheint die Reaktion der Lehrkraft in dieser Situation nachvollziehbar, verhältnismäßig und fair? Hätte es aus Ihrer Sicht auch andere Möglichkeiten gegeben, mit der Situation umzugehen?

7. Überlegungen zum Umgang mit Regeln und Konflikten im Unterricht

Welche grundsätzlichen Fragen oder Probleme wirft diese Situation für Sie mit Blick auf den Umgang mit Regeln und Konflikten im Unterricht auf?

Aufgabe 5: Machtverhältnisse und Mitbestimmung im Unterricht

Wählen Sie eine konkrete Situation aus Ihrem Orientierungspraktikum, in der Macht, Einfluss, Autorität oder Beteiligung im Unterricht sichtbar wurde (z. B. durch Entscheidungen und Auftreten der Lehrkraft, Beteiligung von Schüler*innen etc.).

Beschreiben Sie den Ablauf der Situation kurz (2–3 Sätze).

Überlegen Sie anschließend:

1. Situation und Beteiligte

  • Wer war an der Situation beteiligt?
  • Welches Verhalten oder Entscheidung stand im Mittelpunkt?

2. Formen von Einfluss und Macht

  • Wer hatte in dieser Situation Einfluss auf das Unterrichtsgeschehen? Wem wurde Einfluss gewährt oder verwehrt?
  • Wie wurde dieser Einfluss ausgeübt?

3. Handlungsspielräume der Schüler:innen

  • Welche Möglichkeiten hatten die Schüler*innen, auf die Situation zu reagieren oder den Verlauf mitzugestalten?
  • Wurden diese Möglichkeiten genutzt?

4. Reflexion der Situation

Wie beurteilen Sie die Gestaltung der Situation im Hinblick auf Macht- und Ohnmachtspositionen sowie auf Möglichkeiten der Mitbestimmung im Unterricht?

Anmeldung zum Orientierungspraktikum (OSP)

Die Anmeldung für das Orientierungspraktikum erfolgt online über folgendes Portal: https://www.lehrer-online-bw.de/,Lde/Startseite/Schulpraktika/Informationen Die Anmeldung wird ca. vier Monate vor Beginn des Praktikumszeitraums freigeschaltet. Bitte beachten Sie, dass der abgeschlossene Besuch der Vorlesung die Voraussetzung für die Absolvierung des Orientierungspraktikums darstellt. Bitte beachten Sie, dass im Vorfeld oder während des Orientierungspraktikums eine Anmeldung über das ALMA-Portal notwendig ist. Weitere Informationen zum Orientierungspraktikum entnehmen Sie der Handreichung zum Orientierungspraktikum des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport vom 15.6.2015

Verhalten im Orientierungspraktikum

Verhalten Sie sich im Praktikum stets respektvoll, freundlich, verantwortungsbewusst und offen gegenüber Schüler*innen, Lehrkräften und dem schulischen Umfeld. Handeln Sie stets professionell im Sinne Ihrer Vorbildfunktion und ihrer Funktion als Repräsentant*in der Universität Tübingen. 

Jede Schule legt ihre Regeln selbst fest: Machen Sie sich daher unbedingt vor oder zu Beginn des Praktikums mit der jeweiligen Haus- oder Schulordnung bzw. dem Schulprogramm ihrer Praktikumsschule vertraut.

Bescheinigung der erfolgreichen Teilnahme am Orientierungspraktikum (OSP)

Ihre Schule bestätigt Ihnen die erfolgreiche Teilnahme am Orientierungspraktikum formlos oder über ein vorgefertigtes Formular. Dieses legen Sie bitte an der Universität dem zentralen Prüfungsamt  zur Verbuchung im Rahmen des Bildungswissenschaftlichen Studiums (BWS) vor. Zuständig für die Verbuchung beim Prüfungsamt ist Frau Daniela Junk (daniela.junk@uni-tuebingen.de). Die Bescheinigung für das Orientierungspraktikum muss nicht direkt in der Sprechstunde von Frau Junk eingereicht werden, wenngleich dies möglich ist. Das Dokument kann eingescannt per Mail eingereicht werden oder im Service-Büro des Prüfungsamts (Wilhelmstraße 19) abgegeben werden.

Anerkennung von Schulpraktika aus anderen Lehramststudiengängen und weitere Fragen zum Orientierungspraktikum

Sollten Sie bereits in einem anderen Lehramtsstudiengang ein Schulpraktikum absolviert haben, so können Sie prüfen lassen, ob Sie sich dieses als Orientierungspraktikum anerkennen lassen können. Bei Anerkennungsfragen zum Orientierungspraktikum wenden Sie sich bitte an PD Dr. Dr. Martin Harant (martin.harant@uni-tuebingen.de).