LLMath

Nutzung von LLMS beim Lernen von Mathematik

Unser Ziel

Dieses interdisziplinäre Projekt verbindet Expertise aus der Mathematikdidaktik, der Psychologie digitalen Lernens und Learning Analytics. Es untersucht offene Gesprächsdaten von Studierenden mit dem KI-gestützten Mathematiktutor Lytris und analysiert, wie diese Daten genutzt werden können, um Lernprozesse über die Zeit besser zu verstehen und zu unterstützen.
Ziel ist es, Interaktionsmuster und epistemische Netzwerkanalysen mit formalen Leistungsdaten zu kombinieren, um besser zu verstehen, wie Studierende mit dem Tutor interagieren, wie sie dessen Funktionen nutzen und inwiefern dies zu nachhaltigem und selbstständigem Lernfortschritt beiträgt. Unsere Annahme ist, dass offene Gesprächsdaten zusätzliche Informationen über Kompetenzstände, Schwierigkeiten und Lernbedarfe von Studierenden liefern können, die über klassische Leistungstests hinausgehen. Diese Informationen können anschließend genutzt werden, um das Verhalten des Tutors gezielter zu steuern und Lehrenden Rückmeldungen zu geben, mit denen sie Studierende besser verstehen und unterstützen können.

Die Herausforderung

Künstliche Intelligenz verändert zunehmend, wie Studierende in traditionellen universitären Lehrformaten lernen und arbeiten. Obwohl KI-Werkzeuge Studierenden immer häufiger zur Verfügung stehen, ist bislang nur begrenzt erforscht, wie solche Systeme in authentischen, längerfristigen Lernkontexten genutzt werden und wie sie Lernprozesse und Leistungen über die Zeit beeinflussen.

Häufig wird angenommen, dass das Formulieren hochwertiger Prompts ausreicht, um die Leistung und Genauigkeit solcher Werkzeuge zu maximieren. Deutlich weniger ist jedoch darüber bekannt, welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen, etwa spezifische Hilfesuchstrategien, Formen der Selbstregulation oder die Art und Weise, wie sich diese Strategien im Verlauf eines Semesters verändern.

Insbesondere ist bislang wenig darüber bekannt,

  • wie Studierende mit dem Lytris-Tutor Informationen suchen und dessen Nutzung regulieren, um Fortschritte beim Erwerb mathematischer Kompetenzen zu erzielen;
  • welche domänenspezifischen und domänenübergreifenden Lernstrategien sie dabei einsetzen und wie sich diese im Laufe eines Semesters entwickeln;
  • welche Merkmale der Interaktion zwischen Studierenden und KI langfristigen Lernfortschritt vorhersagen können.
     
Unser Vorgehen

Das Projekt folgt einem längsschnittlichen Forschungsdesign und erhebt lernbezogene Daten über mehrere Mathematikveranstaltungen hinweg im Verlauf eines Semesters.

Die Studierenden nutzen eine digitale Lernplattform, die verschiedene Formen KI-gestützter Interaktion bereitstellt, darunter:

  • offene Chat-Interaktionen mit einem tutorähnlichen KI-Assistenten,
  • kurze Multiple-Choice-Quizze zur Selbsteinschätzung und Wissensüberprüfung,
  • Unterstützung bei der Bearbeitung verpflichtender Übungsblätter, die die Vorlesungen begleiten.

Zur Analyse der entstehenden Gesprächsdaten kombinieren wir theoriegeleitete und datengetriebene Ansätze. Mithilfe KI-gestützter Verfahren und epistemischer Netzwerkanalysen untersuchen wir, wie Studierende zwischen unterschiedlichen Hilfesuchstrategien wechseln, beispielsweise von ergebnisorientierter Antwortsuche hin zu stärker verständnisorientierten Strategien. Zudem analysieren wir ihre Selbstregulation und Agency bei der Nutzung des Systems sowie ihre domänenspezifischen Aktivitäten auf Grundlage relevanter mathematikdidaktischer Rahmenmodelle.

Darüber hinaus untersuchen wir, wie unterschiedliche Scaffolding-Strategien des KI-Tutors diese Interaktionsmuster beeinflussen und wie diese Muster wiederum mit individuellen Lernverlaufsbahnen zusammenhängen. Die erhobenen Interaktions- und Lerndaten werden analysiert, um besser zu verstehen, wie Studierende KI-Werkzeuge in realen Lernsituationen nutzen, wie sich ihre Nutzungsmuster über die Zeit entwickeln und wie diese Muster mit Engagement und Studienerfolg zusammenhängen.
 


Hintergrund

Mathematiklernen in der Hochschulbildung ist in hohem Maße mit selbstregulierten und eigenständigen Lernprozessen verbunden. Studierende müssen sich kontinuierlich mit komplexen abstrakten Konzepten auseinandersetzen, außerhalb der Lehrveranstaltungen Übungsaufgaben bearbeiten und ihr Verständnis über das Semester hinweg selbstständig überwachen. Gleichzeitig bieten große Vorlesungsformate häufig nur begrenzte Möglichkeiten für individuelles Feedback und adaptive Unterstützung.

Aktuelle Entwicklungen im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten für personalisierte Lernunterstützung in der Hochschullehre. KI-basierte Systeme können unmittelbares Feedback, interaktive Erklärungen und adaptive Unterstützung während des Lernprozesses bereitstellen. Trotz der zunehmenden Verfügbarkeit solcher Technologien ist bislang nur begrenzt empirisch untersucht, wie Studierende KI-Werkzeuge über längere Zeiträume tatsächlich nutzen, insbesondere in mathematisch anspruchsvollen Lernumgebungen.

Dieses Projekt adressiert diese Forschungslücke, indem es authentische Interaktionen von Studierenden mit KI-gestützten Lernsystemen in realen universitären Mathematikveranstaltungen untersucht. Ziel ist es, langfristige Nutzungsmuster, Lernstrategien sowie mögliche Auswirkungen KI-gestützten Lernens auf Lernergebnisse und Engagement besser zu verstehen.
 

Zeitlicher Ablauf

April 2026
Projektstart
Jahr 1
Datenerhebung

mit Kooperationspartnern und Validierung der Datenanalyse-Pipeline (KIT und Lytris)

Jahr 2
Entwicklung

des erweiterten Feedbacksystems und Validierung
 


Projektbeteiligte

Teammitglieder:innen: 

Externe Projektpartner: 

  • Daniel Weiß (KIT)
  • Linity GmbH (Johannes Zimmer)