Elsbeth Strohm (1922-), als ältestes Kind von 8 Geschwistern in Fleinheim/ Württemberg geboren, kam 1953 nach Japan mit dem Auftrag, „Mitternachtsmission“ zu betreiben. „Die Jahre 1953-1956 waren für mich eine Katastrophe. Ich habe versucht, nach Hause zu schreiben, wie die Dinge hier aussehen. Die Antworten von zu Hause lauteten: ‚Kümmere dich nicht um die äußeren Umstände, du hast einen Auftrag - Berufung!, den/die führe aus!’ Ich war verzweifelt.“ 10 Jahre dauerte diese Periode bis sie aus eigener Initiative und nach langer Suche ihren Ort gefunden hat: Kamagasaki in Osaka.
„Sommer 1964
Wohnung. Ich suche in „meinem Viertel―- und dann habe ich noch etwas getan, was kein Mensch in Japan je getan hat oder tun würde: Ich bin alleine in dem Viertel von Institution zu Institution gegangen und habe mich vorgestellt: Stadt, Staat, eine Kyodan-Kirche war auch noch auf der Grenze zwischen „meinem Viertel―und dem „Buraku-Viertel―(Japans Kastenlose!), Polizei, so etwas wie „Arbeiterwohlfahrt“, Fürsorge, Kindergarten, Arzt, Sonderschule … Ich habe sie alle besucht. Wer sind Sie? Wo kommen Sie her? (Hier so alleine? Was soll das? Wer ist Ihr Bürge?) Was haben Sie gelernt? Beruf? Alter? Was wollen Sie hier tun? Was können Sie denn tun? Berechtigte, aber peinliche Fragen… Zur „Mitternachtsmission“ habe ich nicht mehr gehört. Zur Braunschweigischen Kirche noch nicht! So eine Hergelaufene!
Ich habe das wohl gespürt, aber ich war mir meiner Sache ziemlich sicher.“
So hat sie dann 20 Jahre in Kamagasaki gelebt, gearbeitet, gelitten, gekämpft. Sie hat nicht für die Menschen in Kamagasaki eine „Anlaufstelle“ sein wollen, sondern sie hat ihren Weg zusammen mit den Menschen vor Ort gesucht und gefunden. Sie hat darum auch kein Konzept (aus der alten Heimat oder aus der japanischen Kirche) in die Praxis umzusetzen versucht – einer der Gründe, weshalb sie und ihre Arbeit lange Zeit nicht anerkannt wurden.
Als sie 1983 nach Deutschland zurückkehrte, hinterließ sie eine Stiftung „Kibo no Ie“, die von der Jap. Luth. Kirche übernommen wurde, und drei weitere Arbeitszweige, die wiederum 30 Jahre später als selbständige Stiftungen in freier Trägerschaft, aber fest verwurzelt in Kamagasaki darstellen: eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche, das Sannoh Kodomo Center, den „Nozomi-Workshop“ im Strohm-Haus in Kamagasaki und die „Social Welfare Corporation Kamagasaki Strohm no Ie“.
Zusammen mit anderen Einrichtungen mit christlichem Hintergrund bilden diese die sog. „Kamagasaki Kirisutokyo Kyoyukai“, die ökumenische Basis für die Arbeit – nicht für, sondern mit den Menschen in Kamagasaki. Sie feierte im vergangene Jahr 2011 ihr 40jähriges Jubiläum.
Zum 90. Geburtstag von Elsbeth Strohm im Februar 2012 kamen 10 Vertreter dieser Einrichtungen nach Deutschland und bestätigten auf diese Weise, dass die Missionarin Elsbeth Strohm nicht vergeblich gearbeitet hat.