Deutsches Seminar

Publikationen

Nachfolgend präsentieren wir – chronologisch nach Erscheinungsjahr geordnet – aktuelle Forschungspublikationen aus der Neueren deutschen Literaturwissenschaft.

Auführliche Publikationslisten finden sich auf den persönlichen Homepages.


David Friedrich Strauß, Friedrich Theodor Vischer u. Wilhelm Zimmermann: Das Blaubeurer Lagerbuch. Zeugnisse der Geniepromotion
Herausgegeben von: Helmuth Mojem | Göttingen: Wallstein 2025

Eine Art Abiturzeitung des 19. Jahrhunderts, von einem Schülerjahrgang verfasst, dem mit David Friedrich Strauß, Friedrich Theodor Vischer oder Wilhelm Zimmermann geistige Autoritäten ihrer Zeit angehörten. In den darin versammelten Texten wird der Schulalltag dieser »Geniepromotion« samt den oft als komisch wahrgenommenen Lehrern oder Mitschülern anschaulich, meist in satirischer Perspektive. Flankiert und erläutert werden die literarischen Beiträge des »Blaubeurer Lagerbuchs« von zeitgenössischen und rückblickenden Briefzeugnissen sowie durch einen ausführlichen Stellenkommentar und eine inhaltliche Einführung. 


Homo Contractualis. Regime und Romantik des Vertrags um 1800
Autorin: Sigrid G. Köhler | UP Konstanz 2025

Im 17. Jahrhundert beginnt der Aufstieg des modernen Vertrags als privatrechtliche Handlungsform. Vertragstypen des römischen Rechts werden nun in einen allgemeinen Vertragsbegriff überführt. Die Konjunktur des Vertrags zeigt sich interdiskursiv in Recht, Philosophie, Politik und Literatur und kulminiert um 1800 in einer umfassenden Präsenz auch in nichtjuridischen Bereichen: Kommunikation und Intersubjektivität werden kontraktual konzipiert, ästhetische, politische und historische Gesellschaften von Friedrich Schiller nach dem ›Muster des Bundes‹ entworfen und verliebte Romanfiguren träumen in Goethes Wahlverwandtschaften eher vom Kontrakt, als von einer Liebesnacht.


Narratives of Resilience / Narrative der Resilienz
Herausgegeben von Kate Rigby und Evi Zemanek | Metzler 2025

Resilienz hat sich in den Environmental Humanities und darüber hinaus als Schlüsselbegriff etabliert. Dieser Open Access-Band lotet aus, wie die Literatur- und Kulturwissenschaften die Resilienzforschung erweitern können und entwickelt Konzepte kultureller und literarischer Resilienz im Angesicht der planetaren Krisen. Die Beiträge untersuchen unterschiedliche »Narrative der Resilienz«, die das individuelle und kollektive Ringen um Widerstandskraft, Regeneration, Anpassung und Transformation schildern. Der Fokus auf narrative Praktiken gründet in der Annahme, dass insbesondere im Akt des Erzählens von überwundenen Erschütterungen und überlebten Katastrophen Resilienz entwickelt wird.


Wie zusammen leben? Idiorrhythmie als narratives Konzept in Literatur und Kultur
Herausgegeben von Sara Bangert und Quintus Immisch di Padua | de Gruyter 2025

Der Band sondiert Potentiale und Dimensionen des Konzepts der Idiorrhythmie, wie es Roland Barthes in seiner Vorlesung Comment vivre ensemble 1976/77 konturierte. Darin folgt Barthes der Frage: Wie zusammen leben? Anhand des fluiden Begriffs der Idiorrhythmie, der als ein »utopischer Sozialismus der Distanz« individuelle Lebensgestaltung mit Gemeinschaftsbildung versöhnen soll. Dieses bislang in den Literaturwissenschaften erstaunlich wenig beachtete Konzept hält vielfältige Potentiale zur Untersuchung ästhetischer Verfahren und narrativer Phänomene bereit und wirft zugleich kulturtheoretische Fragen von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Zusammenleben auf.


The Mystery of Twin Peaks. Signs – Worlds – References
Herausgegeben von Caroline Frank und Markus Schleich | Palgrave Macmillan 2025

The anthology brings together various approaches and contexts to Twin Peaks, addressing the show's unique production and reception aesthetics. The range of contributions covers diverse topics: genre mixing, transactuality, complex narrative structures, dream and dreamlike qualities, gender and identity concepts, extreme fan culture, visual aesthetics, acoustic dimensions, postmodern referential culture, and not least, the question of which other quality TV series became possible due to Twin Peaks.


Politische Ideen in der Literatur. Von der Romantik bis zur Gegenwart.
Herausgegeben von Max Roehl | wbg Academic/Herder 2024

Der Band »Politische Ideen in der Literatur« hat die vielfältigen Austauschbeziehungen zwischen der literarischen Tradition und der politischen Ideengeschichte zum Gegenstand. In exemplarischen Einzelanalysen untersuchen die Beiträge des Bandes, auf welche Weise die Literatur politische Ideen verhandelt, veranschaulicht und transformiert und wie das Politische wiederum literarische Schreibweisen mitbestimmt.

 


Recht als Kulturtechnik – Kulturtechniken des Rechts
Herausgegeben von Rupert Gaderer, Sigrid G. Köhler und Florian Schmidt | Brill | Fink 2024

In der Verknüpfung von Recht und Kulturtechnik verfolgt der vorliegende, interdisziplinäre Band eine doppelte Perspektive: Er fragt nach dem medialen und materiellen Umfeld, in dem Recht entsteht. Und er untersucht, wie ›Recht als Kulturtechnik‹ seine soziokulturelle Umwelt gestaltet. Als ein besonderes Arrangement, das materielle, mediale und intellektuelle Kulturtechniken verschaltet, erzeugt das Recht nicht nur rechtliche Normativität, sondern auch Subjekte, es stiftet Beziehungen und reguliert Gesellschaften, es formt sogar Affekthaushalte nicht nur in Prozessen oder vor Gericht, sondern auch in Literatur, Kultur und Film.

 


Freiheit der Kunst – Genealogie und Kritik der ästhetischen Autonomie.
Autor Jörg Robert | Band 7 der Reihe Andere Ästhetik – Studien | de Gruyter 2024

Ist die Kunst frei? Wo liegen die Grenzen dieser Freiheit? Was bedeuten Schlagworte wie ›ästhetische Autonomie‹ bzw. ›Autonomieästhetik‹, die derzeit etwa in den Debatten um die so genannte ›Cancel culture‹ diskutiert werden? Das Buch sucht Antworten auf solche Fragen, indem es Ursprung und Geschichte des Konzepts ›ästhetische Autonomie‹ untersucht. Gezeigt wird, wie sich um 1800 aus vormodernen Einzelmotiven ein locker zusammenhängender Diskurs ausbildet, der sowohl ›autologische‹ (Genie, Werk, Form) als auch ›heterologische‹ Aspekte (Funktionen der Kunst) umfasst.


Ozon: Natur- und Kulturgeschichte eines flüchtigen Stoffes.
Herausgegeben von Evi Zemanek, Reihe »Stoffgeschichten«, München: Oekom Verlag 2023.

Ein interdisziplinärer Beitrag zur Wissenschaftskommunikation mit Kapiteln von Stefan Böschen, Stefan Emeis, Sebastian Grevsmühl, Elke Hertig, Jens Soentgen und Evi Zemanek mit Annalena Erhardt.


Anticipatory Environmental (Hi)Stories from Antiquity to the Anthropocene.
Herausgegeben von Christopher Schliephake und Evi Zemanek | Rowman & Littlefield/Lexington Books 2023 | Reihe »Environment and Society«.


Entgrenzte Ähnlichkeit im Milieu des Surrealismus. Vorgeschichte, Konturen und Konjunktur eines ästhetischen Konzepts.
Autorin: Sara Bangert | Berlin: De Gruyter 2023 | publizierte Dissertation

Die Studie bietet einen Überblick über Ähnlichkeitsreflexionen seit der Antike und versteht sich als Teil der Forschungsbemühungen um eine Re-Evaluierung der Ähnlichkeit und ihrer Persistenz in der ästhetischen Moderne.


Martin Opitz: Gesammelte Werke. Der Argenis Anderer Theyl. 
Herausgegeben von Jörg Robert, unter Mitarbeit von Isabel Janßen und Gudrun Bamberger | Band 6. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart (BLVS), Band Nr. 358 | Stuttgart 2023

Band VI erschließt erstmals Opitz’ Roman-Übersetzung Der Argenis Anderer Theyl (1631), basierend auf einer französischen Vorlage von A. M. de Mouchemberg (1625). Der Liebes- und Abenteuerroman setzt John Barclays neulateinischen Staatsromans Argenis (1621) fort, den Opitz bereits 1626 übertragen hatte (Band 3 der Gesammelten Werke).


Frühe Neuzeit in Deutschland 1620–1720. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon. 
Herausgegeben von Stefanie Arend, Bernhard Jahn, Jörg Robert, Robert Seidel, Johann Anselm Steiger, Stefan Tilg u. Friedrich Vollhardt, Redaktion: J. Klaus Kipf, Reinhard Gruhl | Bd. 4. Berlin, Boston 2023

Bd. 4: Hellwig, Christoph von – Lebaldt von Lebenwaldt, Adam.
Mehr zum Verfasserlexikon


Belonging: Geschichten, Räume und Praktiken der Zugehörigkeit in namibischer, deutscher und französischer Literatur und Kultur 
Erschienen als Sonderteil der Acta Germanica. German Studies in Africa (2023) | herausgegeben von Sigrid G. Köhler, Julia Rebholz und Marianne Zappen-Thomson.

Die Beiträge dieses Sonderteils widmen sich unterschiedlichen thematischen Verhandlungen von Nicht-/Zugehörigkeiten in namibischer, deutscher und französischer Gegenwartsliteratur und -kultur. Ihnen ist gemeinsam, dass sie die gegenwärtigen Debatten um nationale Zugehörigkeit, Diskriminierung und Rassismus wie auch Kolonialgeschichte und Diversität des Erinnerns aufnehmen und deren Verarbeitung in der Gegenwartsliteratur und -musik verfolgen.