Institut für Erziehungswissenschaft

Laufende Qualifikationsarbeiten

 

Francesca Baker, M. A.

Die Volkshochschule Groß-Berlin
Eine Programm- und Dokumentenanalyse zur Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus

Die 1920 auf demokratischen Prinzipien gegründete Volkshochschule Groß-Berlin war eine der größten und richtungsweisenden Einrichtungen innerhalb der Volkshochschulbewegung in der Weimarer Republik. Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Leitung sowie jüdische und offen demokratisch orientierte Lehrkräfte entlassen. Obwohl die meisten der in der Weimarer Zeit gegründeten Volkshochschulen von den Nationalsozialisten geschlossen oder in Volksbildungsstätten des Deutschen Volksbildungswerks umwandelt wurden, bestand die ‚gesäuberte‘ Volkshochschule Groß-Berlin noch bis Kriegsende 1945. Zwar liegen einzelne Untersuchungen zu ihrer Bildungsarbeit in der Weimarer Zeit vor, es ist bislang aber wenig über den Fortbestand und die Ausrichtung der Volkshochschule Groß-Berlin im NS-Staat bekannt. Angesichts ihrer besonderen Stellung in der Volkshochschulbewegung eignet sie sich, um neue Erkenntnisse zu der in der Erwachsenenbildungsforschung wenig untersuchten Zeit des Nationalsozialismus zu gewinnen.

Dementsprechend geht das historiographische Promotionsvorhaben den folgenden Forschungsfragen nach: Wie  hat sich die Erwachsenenbildungsarbeit der Volkshochschule Groß-Berlin im Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus entwickelt? Inwiefern hat sich die Organisation zwischen 1933 und 1945 institutionell und programmatisch an das nationalsozialistische Regime angepasst, und welche Elemente der Kontinuität aus der Weimarer Zeit blieben bestehen? Welche Erkenntnisse über die historische Entwicklung der deutschen Erwachsenenbildung während der Zeit des Nationalsozialismus können aus der Geschichte dieser „Vorzeigeorganisation“ gewonnen werden?

Grundlage der Untersuchung bildet ein umfangreicher Quellenbestand zur Volkshochschule Groß-Berlin aus verschiedenen Berliner Archiven, zu dem jährliche Kursprogramme, Mitteilungsblätter, interne Korrespondenz und über 300 Personalbögen von Lehrkräften (aus den Jahren 1939-1944) gehören. Mit Rückgriff auf die Methoden der quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse zielt die Programm- und Dokumentenanalyse darauf ab, die historische Entwicklung der Volkshochschule Groß-Berlin zwischen 1933 und 1945 hinsichtlich ihrer strukturellen Organisation, ihres Kursangebots, ihres Personals, und ihrer politischen Positionierung nachzuzeichnen, insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen, die durch den Regimewechsel und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hervorgerufen wurden.

Das Dissertationsprojekt wird von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.
 

Nora Leben, M. A.

Digitale Plattformstrukturen in der wissenschaftlichen Weiterbildung aus governancetheoretischer Sicht

(Arbeitstitel)

Als gesamtgesellschaftliches Phänomen der Digitalisierung erhalten Plattformen verstärkt Einzug in die Lebenswelt, Arbeit und (Digital-)Wirtschaft. Hierbei werden Plattformen als digitale Infrastrukturen verstanden, die mit ihren Vermittlungsleistungen intermediäre Funktionen innerhalb unterschiedlichster gesellschaftlicher Teilsysteme erfüllen und dadurch neue Steuerungs- und Koordinationsformen von digitaler Organisation und Dienstleistungen hervorbringen. Dies gilt auch für die wissenschaftliche Weiterbildung, die in ihrer hybriden Positionierung Bezüge sowohl zum Hochschulsystem als auch zum Weiterbildungsmarkt aufweist: Anbieter bauen einzeln und im Verbund eigene Kollaborations-, Lern- und Marketingplattformen auf. Zudem agieren vermehrt privatwirtschaftliche Digitalunternehmen als Plattformbetreiber und Anbieter im Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung. Vor diesem Hintergrund deuten sich vielfältige Dynamiken in der Akteurskonstellation an.

Anknüpfend an die soziologische und betriebswirtschaftliche Plattformforschung untersucht das Dissertationsprojekt aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive digitale Plattformen in der pluralen wissenschaftlichen Weiterbildungslandschaft. Ziel der kumulativen Dissertation ist es, Erkenntnisse über Plattformstrukturen und ihre Organisations- und Steuerungsformen zu gewinnen, die Aufschluss über die Strukturentwicklung der wissenschaftlichen Weiterbildung geben und einen Beitrag für die Professionalisierung und das Weiterbildungsmanagement leisten. Um die plattformspezifischen Organisations- und Steuerungsformen zu untersuchen, orientiert sich das Vorhaben an einem analytischen Governanceverständnis, das sich von linear-staatszentrierten und normativen Steuerungsansätzen löst. Stattdessen werden multipolare Akteure und mehrdimensionale Formen der Steuerung und Handlungskoordination in der wissenschaftlichen Weiterbildung betrachtet.

Um Plattformen als vielfältige Phänomene mit verschiedenen Bezugsebenen in den Blick zu nehmen, gliedert sich die empirische Untersuchung dabei in drei Teilprojekte: Im ersten Teil wird das theoretisch bislang weit gefasste Konzept Plattform mittels eines Scoping Reviews systematisch erschlossen, theoretisch genauer konturiert und eine Standortbestimmung des Plattformsdiskurs vorgenommen. Im Anschluss werden in zwei weiteren Beiträgen über ein Mixed-Methods-Design (Durchführung von leitfadengestützten Interviews, Dokumentenanalysen und einer standardisierten Befragung) Wirkmechanismen und Akteurskonstellationen digitaler Plattformen empirisch untersucht sowie (neue) Handlungs- und Koordinationsanforderungen analysiert. Ein Schwerpunkt liegt auf den Auswirkungen von Plattformen auf die Governance des (digitalen) Weiterbildungsmarketings. 

Das Dissertationsprojekt ist in den vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg geförderten Forschungsprojekten GOMA@BW und SüdMaP verortet und wird von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.

 

Alex Niemann, M. A.

Arbeitsweltorientierte politische Erwachsenenbildung aus governancetheoretischer und konventionssoziologischer Perspektive 

(Arbeitstitel)

Politische Erwachsenenbildung ist geprägt durch unterschiedliche Akteurskonstellationen, Steuerungsansätze und -dynamiken, die die konkrete Ausgestaltung der Bildungspraxis beeinflussen. Während theoretische Diskussionen zu normativen Konzepten politischer Erwachsenenbildung mit Blick auf deren Ziele, Formen und Ansätze breit geführt werden, bleiben besagte Dynamiken bislang empirisch wenig berücksichtigt. Dieses Desiderat zeigt sich auch in der sich neu formierenden arbeitsweltorientierten politischen Bildung, welche explizit Berufstätige im Sozialraum ihrer Arbeitswelt adressiert. Trotz einzelfallbezogener projekt- sowie programmübergreifender Evaluationsberichte fehlt es bislang an einer systematischen Betrachtung, wie sich das neue Handlungsfeld in den unterschiedlichen Kontexten auf Grundlage welcher Begründungen ausgestaltet.

Das Dissertationsprojekt setzt an dieser Stelle an und untersucht die diskursive Formierung der arbeitsweltorientierten politischen Bildung aus einer governancetheoretischen und konventionensoziologischen Perspektive. Es fragt nach Akteurskonstellationen und sich wechselseitig beobachtenden und beeinflussenden Interdependenzbeziehungen innerhalb und zwischen den unterschiedlichen Kontexten arbeitsweltorientierter politischer Bildung sowie nach den Auslegungen und Begründungen politischer Bildung seitens der jeweiligen Akteure. Dabei werden kontrastierend Bildungsangebote und -projekte aus verschiedenen Kontexten in den Blick genommen, die einen Rahmen für die arbeitsweltorientierte politische Bildung bieten. Dazu zählen vordergründig politische Förderprogramme des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sowie von Förderungslogiken unabhängige zivilgesellschaftliche Interessensgemeinschaften, verbandliche Initiativen aus der freien Wirtschaft sowie marktorientierte Bildungsdienstleister.

Methodisch basiert die Studie auf einer wissenssoziologischen Diskursanalyse leitfadengestützter Interviews mit Bildungsanbietern, Fördermittelgebern sowie Unternehmen. Ergänzend werden relevante Dokumente ausgewertet, darunter interne Kommunikationen sowie Werbematerialien. Die Studie gibt Einblicke in akteurs- und kontextabhängige Sichtweisen auf das Handlungsfeld und trägt zum tieferen Verständnis von Begründungslogiken bei, die das Interaktions- und Governancegeschehen im Feld leiten und beeinflussen.

Das Dissertationsprojekt wird von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.

 

Simon Oehlers, M. A.

Governance in der Hochschulweiterbildung: Zielsetzungen, strukturelle Effekte und Steuerungsansätze von Förderprogrammen

Förderprogramme haben sich mittlerweile zu einer zentralen Steuerungsform der Weiterbildungspolitik entwickelt und nehmen insbesondere für den Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Weiterbildung eine herausgehobene Rolle ein. Ihnen wird zugeschrieben, Innovationsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen (z.B. Professionalisierung, Angebots- und Qualitätsentwicklung) anzustoßen, um dadurch strukturelle Entwicklungen zu ermöglichen, die unter regulären Finanzierungsbedingungen nur eingeschränkt realisierbar wären. Vor diesem Hintergrund untersucht das vorliegende Promotionsvorhaben auf empirischer Grundlage die politisch-strategischen Zielsetzungen und strukturellen Effekte von Förderprogrammen sowie die Wirkungsweisen ihrer Steuerungsansätze und Instrumente im Feld der Hochschulweiterbildung. Als Fallbeispiel dient das Land Baden-Württemberg, das sich seit mehr als zehn Jahren durch mehrere spezifische Landesprogramme und eine ausgeprägte ministerielle Förderpraxis in diesem Politikfeld von anderen Bundesländern unterscheidet.

Ziel des kumulativen Dissertationsprojekts ist es, die Eigenheiten von Förderprogrammen mit Blick auf Gegenstände der Förderung, strategische Ziele sowie damit einhergehende Formen der politischen Steuerung und den Umgang der Hochschulen mit den unterschiedlichen Förderprogrammen anhand empirischer Tiefenanalysen systematisch zu erschließen. Ein erster Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Beeinflussung der Personalstrukturen in hochschulischen Weiterbildungseinrichtungen. Anhand des von 2021 bis 2024 bestehenden Projektverbundes Hochschulweiterbildung@BW werden Aufgaben- und Qualifikationsprofile sowie die organisationale Verortung der über Projektmittel finanzierten sogenannten Regional- und Fachvernetzungsstellen analysiert. Betrachtet wird hierbei insbesondere, welchen Spezialisierungsgrad die neuen Projektstellen aufweisen, inwieweit sie zu Verschiebungen bzw. Intensivierungen der Arbeitsschwerpunkte in den Hochschulorganisationen beitragen und welche Perspektiven sich für die Verstetigung der Stellen an den Hochschulen über den Förderzeitraum hinaus ergeben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Förderprogrammen für die Entwicklung und langfristige Etablierung wissenschaftlicher Weiterbildungsangebote von Hochschulen. Da insbesondere weiterbildende Masterstudiengänge mit hohen Entwicklungs- und Anlaufkosten verbunden sind, eröffnen Förderprogramme hier temporäre Handlungsspielräume jenseits der unmittelbaren Vollkostendeckung. Im Fokus steht hier die Frage, unter welchen Bedingungen eine nachhaltige Angebotsentwicklung gelingt und welcher Einfluss damit von Förderprogrammen auf teilweise regional geprägte Weiterbildungsmärkte ausgeht, auf denen sowohl staatliche als auch private Hochschule agieren. 

Im Rahmen der einzelnen Studien kommen unterschiedliche Forschungsmethoden der qualitativen und quantitativen Sozialforschung (u.a. leitfadengestützte Interviews, teilstandardisierte Befragungen, Dokumentenanalysen, statistische Verfahren) zum Einsatz.

Das Dissertationsprojekt ist in den vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg geförderten Forschungsprojekten GOMA@BW und SüdMaP verortet und wird von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.

 

Julia Plechatsch, M. A.

Teilnehmendengewinnung in der Erwachsenen- und Weiterbildung –
inter- und intraorganisationale Akteursbeziehungen im Programmbereich Alphabetisierung und Grundbildung

Die Teilnahme an Weiterbildung ist ein komplexes Phänomen, das von verschiedenen Faktoren abhängt. In der Programmplanung auf der Organisationebene liegt ein wesentlicher einflussgebender Faktor für die Weiterbildungsteilnahme. Dabei besteht die Herausforderung darin mit den gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten und aktuelle Bildungsinteressen zu adressieren. Programmplanung hat somit die Aufgabe zwischen gesellschaftlichen Bedarfen, Adressat:innen und pädagogischem Auftrag zu vermitteln.

Für den Bereich Alphabetisierung und Grundbildung zeigen Studien, dass der diagnostizierte Bedarf an Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten weit über den realen Teilnahmequoten liegt. In der Diskussion um selektive Weiterbildungsteilnahme spielt die Gewinnung von Teilnehmenden in diesem Programmbereich somit eine besondere Rolle.

Die Besonderheiten der Zielgruppen stellen den Programmbereich vor die Herausforderung, spezifische Ansprachestrategien zu entwickeln und Strategien jenseits schriftlicher Ankündigungen zu erarbeiten, um Teilnehmende zu gewinnen. Vernetzung und die Kooperation mit verschiedenen Akteuren ergibt sich dabei als wesentliche Grundlage für die Teilnehmendengewinnung und gehört zu den Kernaufgaben der Programmplanenden.    
Das Dissertationsprojekt richtet den Blick darauf, wie Programmplanende in der Praxis vorgehen, um Lernangebote im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung zu entwickeln und Teilnehmende zu gewinnen. Dazu werden aus netzwerkanalytischer Perspektive die inter- und intraorganisationalen Akteursbeziehungen der Programmplanenden untersucht. Zentrale Fragen sind, welche Akteure innerhalb und außerhalb der Einrichtung eingebunden werden und welche Beziehung(sform)en sich dabei zeigen.

Das kumulative Dissertationsprojekt gliedert sich in drei Beiträge. Mit der Durchführung eines Scoping Reviews wird zunächst der internationale Diskussions- und Forschungsstand zum Thema Teilnehmendengewinnung in der Erwachsenen- und Weiterbildung systematisch aufgezeigt. Zur Untersuchung der Netzwerkbeziehungen von Programmplanenden im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung wird ein qualitatives Vorgehen mittels leitfadengestützter Interviews gewählt, die um den Einsatz von egozentrierten Netzwerkkarten erweitert werden. 

Das Dissertationsprojekt ist in der Nachwuchsgruppe von Dr.‘in Ewelina Mania am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) angesiedelt und wird in der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.

 

Laura Uhl, M. A.

Formierung und Wandel von Berufsbildern in der öffentlichen Erwachsenenbildung. Eine historische Analyse aus konventionensoziologischer Perspektive.

(Arbeitstitel)

Im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen gibt es in der Erwachsenenbildung kaum rechtliche Vorgaben zu Berufszugängen, Qualifikationen, Aufgaben und Kompetenzen des hauptberuflichen pädagogischen Personals. Die Rekrutierung und Stellenprofilierung liegt vielmehr in der Hand der Weiterbildungsorganisationen selbst. Jedoch wurden seit der Bildungsreformära der 1960er und 1970er Jahre Versuche unternommen, Berufsbilder für die Erwachsenenbildung zu etablieren, die von bildungspolitischen, verbandlichen und wissenschaftlichen Akteuren ausgingen. Bislang gibt es keine Forschungen dazu, welchen Einfluss diese Konzeptionen auf die kollektive Professionalisierung des Berufsfeldes hatten. Am Beispiel der Volkshochschulen untersucht das Dissertationsprojekt die historische Entwicklung und den Wandel von Berufsbildern in der öffentlichen Erwachsenenbildung.

Methodisch basiert die Studie auf einer qualitativ-quantitativen Inhaltsanalyse von historischen Dokumenten (idealtypische Berufskonzepte, bildungspolitische Planungsdokumente, Gesetzestexte, verbandliche Statistiken) und Stellenanzeigen von Volkshochschulen seit der Bildungsreformära bis heute, die in ihrem Zusammenhang analysiert werden. Mittels der Dokumentenanalyse wird untersucht, welche Akteure an der Entwicklung und Verbreitung von idealtypischen Berufsbildern beteiligt waren und welche Aufgaben, Qualifikationen und Kompetenzen jeweils betont wurden. Da davon ausgegangen wird, dass idealtypische Berufsbilder auf Bezugnahmen in den Einzelorganisationen angewiesen sind, um sich mittel- bis langfristig durchsetzen zu können, werden Stellenanzeigen von Volkshochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet analysiert (1952-2022; n=4418). Durch die historischen Stellenanzeigen wird deutlich, inwiefern die idealtypischen Berufsbilder von den Volkshochschulen aufgegriffen und welche eigenen Stellenprofilierungen von ihnen vorgenommen wurden, z. B. vor dem Hintergrund neuer Anforderungen wie der digitalen Transformation. Einzelorganisationen tragen so zu einer Versteigung und einem Wandel von bekannten und anerkannten Berufsbildern bei.

Den theoretischen und forschungsmethodologischen Rahmen des Forschungsprojektes bildet die Soziologie der Konventionen. Indem Berufsbilder als Forminvestitionen verstanden werden, wird zugleich analysiert, auf welche Qualitätskonventionen sich diese stützen und wie sich dies im historischen Verlauf möglicherweise gewandelt hat.

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Professionalisierungsgeschichte der Erwachsenenbildung sowie zu Debatten zur Veränderung und Entgrenzung von hauptberuflichen Tätigkeiten, z. B. im Kontext des neoliberalen Strukturwandels oder der gegenwärtigen Digitalisierung.

Das Dissertationsprojekt ist im DFG-Projekt „StellA“ verortet und wird von Prof. Dr. Matthias Alke betreut.

 

Anika Klein, M. A.

Die Bedeutung von Aneignungsprozessen im Biografieverlauf für die Ernährungsweise

Die Ernährung stellt ein täglich wiederkehrendes Handlungsmuster dar, das einerseits auf der physiologischen Notwendigkeit des grundsätzlichen Nährstoffbedarfs beruht. Auf der anderen Seite erfährt die Ernährung auch aufgrund unzureichender handlungsleitender Instinkte eine kulturelle Regulierung: Erst im Lebensverlauf wird erlernt, was als Nahrungsmittel gilt, wie dieses zuzubereiten ist, wie verschiedene Speisen zu verzehren sind und welche kulturellen Vorgaben dabei zu berücksichtigen sind. Dabei erfolgen diese lebenswichtigen Aneignungsprozesse zumeist beiläufig und außerhalb formaler Bildungskontexte.

Während aus verschiedenen Disziplinen Studien zu einzelnen Zusammenhängen zwischen der Herausbildung von Ernährungsweisen und verschiedenen Faktoren, wie sozioökonomische Rahmenbedingungen, biologische Veranlagungen oder individuelle (Sozialisation-)Erfahrungen vorliegen, sind nur wenige Kenntnisse zum Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren vorhanden.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Qualifikationsvorhaben mit der Bedeutung sich im Biografieverlauf vollziehender Aneignungsprozesse für die zu einem Zeitpunkt gegebene Ernährungsweise, um so ein tieferes Verständnis für das (zeitliche) Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu erlangen. Ein weiteres Ziel besteht in der Formulierung konkreter Handlungsempfehlungen, beispielsweise für die Entwicklung und Optimierung präventiver und intervenierender Maßnahmen im Rahmen der Ernährungsbildung.

Das methodische Vorgehen orientiert sich an der Grounded Theory nach Strauss und Corbin. Die zentrale Datengrundlage der Studie bilden biografische Interviews mit Eltern im jüngeren bis mittleren Erwachsenenalter. Der Einbezug weiterer Daten wird in Abhängigkeit vom Forschungsverlauf erwogen, z. B. zusätzliche Befragungen von Familienangehörigen, die Erstellung von Ernährungstagebüchern oder Fotodokumentationen.

 

Dipl.-Päd. Ilze Skuja

Weiterbildungspolitik und ihre Bedeutung für die Employability der älteren Arbeitnehmer. Eine vergleichende Studie zwischen Deutschland und Lettland

Im Spannungsfeld der aktualisierten Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit Europas und dem demographischen Wandel gewinnt die Employability der älteren Arbeitnehmer zunehmend an Bedeutung. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, wird berufliche Weiterbildung eine bedeutsame Rolle spielen. Je nach Wohlfahrtsstaatstypus verfolgen Deutschland und Lettland diesbezüglich unterschiedliche Politiken.

Die leitenden Fragen des Projektes sollen klären, in welchem Maße in der nationalen Weiterbildungs- und Employabiltiy-Politik ältere Arbeitnehmer zum Thema gemacht werden, wer die relevanten Akteure dabei sind und welche Programmatik sie verfolgen.

Im Sinne des Governance-Konzeptes und des akteurzentrierten Institutionalismus Ansatzes stehen die nationale Weiterbildungs- und Beschäftigungspolitik im Zentrum der Untersuchung. Eine systematische Sekundäranalyse vorhandener Dokumente und darauf aufbauende ExpertInneninterviews sollen dazu beitragen, die spezifischen Politiken und Politiktraditionen der beruflichen Weiterbildung zu rekonstruieren und darzustellen, welcher Programmatik sie folgen, um die Employability älterer Arbeitnehmer im demographischen Wandel zu fördern.

Das Promotionsvorhaben wird im Rahmen des von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Promotionskollegs zu „International-vergleichender Forschung zu Bildung und Bildungspolitik im Wohlfahrtsstaat“ an der Universität Tübingen durchgeführt.