Alle Verfahren lassen sich, explizit oder implizit, als Versuche der Institutionalisierung des jeweiligen Status religiösen Wissens verstehen, insofern sie auf dessen Normierung und soziale Stabilisierung zielen. Die Prozesse sozialer Gruppenbildung und ihrer perpetuierten Praxis sind die Voraussetzung dafür, dass den Generierungsverfahren eine zugleich nachhaltige sowie dynamische Wirkungsgeschichte beschieden ist. Denn die Versuche der Institutionalisierung tendieren, aufgrund ihrer Pluralität, ihrerseits wieder zur Agonalität.
Während in der ersten Phase des Kollegs vornehmlich danach gefragt wurde, wie religiöses Wissen in Institutionen und sozialen Gruppen produziert wurde, wird nun die Blickrichtung verschoben: Wie können Verfahrensweisen sich selbst institutionalisieren, so dass eben dadurch jene Gruppen, die für ein bestimmtes religiöses Wissen einstehen, Autorität und Deutungsmacht gewinnen und Handlungsorientierung produzieren?
Gefragt wird damit nicht allein, wie eine Institution Wissen handhabt, also: erarbeitet, umformt, didaktisch vermittelt. Sondern darüber hinaus wird gefragt, wie Wissensbestände prozessual so institutionalisiert werden können, dass man sie erfolgreich genau jenen Verfestigungsprozessen der Selbstpermanenz des Vollzugs zu unterwerfen vermag. Eben hier übernehmen die rituellen, kommentierenden, ästhetischen oder empirischen Verfahren eine entscheidende Funktion.
Institutionalisierung, verstanden als Selbstpermanenz des Vollzugs, wirkt dabei auf eine doppelte Art und Weise dynamisierend: Die gelingende Institutionalisierung hat sich beständig selbst zu beweisen. Um dies zu erreichen, ändert sie immer wieder ihre Verfahrensweisen, steigert gegebenenfalls deren Subtilität, erhöht die Umlaufgeschwindigkeit des Wissens und vergrößert die Gruppe ihrer Adressaten. In diesem Sinn kann die Institutionalisierung in eine ,Reform’ münden. Unterstützen die Verfahrensweisen jedoch die Selbstpermanenz des Vollzugs nicht, sondern überschreiten oder durchbrechen diese, kommt es zu herausfordernden Abweichungen, die die Normierung und Stabilisierung nun umgekehrt gefährden und als ,Häresie’ oder ,Schisma’, aber auch als ,Synkretismus’, ,Skeptizismus’, ,Säkularisierung’ konzeptualisiert werden – wiederum in enger Anlehnung an zeitgenössische Perzeptionen.