Buchvorstellung des Auftaktbands „Autobiografische Schriften 1, »Nie werde ich diese Nacht vergessen…« – Erinnerung und Zeugnis“ und Workshop zur neuen Reihe „Elie Wiesel Werke“ (EWW) am 02. Juli 2026
Am 02. Juli 2026 jährte sich der Todestag des Shoah-Überlebenden und Schriftstellers Elie Wiesel, dessen literarisches Werk und entschiedenes, weltweites Eintreten für Menschenrechte 1986 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, zum zehnten Mal. Diesen Tag des Erinnerns als Anlass nehmend, fand die Buchvorstellung des Auftaktbandes der neuen Reihe „Elie Wiesel Werke“ (EWW) statt. Als Teil der autobiografischen Schriften findet sich darin neben der Neuübersetzung von Wiesels bekanntestem Werk „Die Nacht“ auch erstmalig die von Marion Eichelsdörfer ins Deutsche übertragene vorausgehende jiddische Fassung seines Überlebensberichts „…un di velt hot geshvign“. Beide Texte legen als je eigenständige Perspektive sein Zeugnis über seine schrecklichen Erfahrungen in Auschwitz und Buchenwald ab. Darüber hinaus enthält die Publikation einen interdisziplinär erarbeiteten, editorischen Apparat, der Hinweise zum Werk Elie Wiesels, wissenschaftliche Anmerkungen und Kommentare, Bibliografie Wiesels wie auch weiterführende Literatur, ein Begriffsglossar, etc. umfasst. Der erste Band der gesamten Werkausgabe, 2026 im Herder Verlag erschienen, wird herausgegeben von Reinhold Boschki, Valesca Baert-Knoll, Marion Eichelsdörfer, Elisabeth Migge und Christin Zühlke. Hinter dem Projekt steht das Team der Forschungsstelle Elie Wiesel, namentlich vertreten durch die drei Professoren Reinhold Boschki (Tübingen), Jean Ehret (Luxemburg) und Daniel Krochmalnik (Potsdam).
Die vormittägliche digitale Buchvorstellung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen wurde von Reinhold Boschki mit Blick auf die wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Werks eingeleitet, von Daniel Krochmalnik um die jüdische sowie von Jean Ehret um die international-literarische Perspektive erweitert. Daran schloss sich Stephan Weber an, der die Wichtigkeit der Veröffentlichung aus verlegerischer Sicht hervorhob. Abschließend folgten inhaltliche Impulse von Marion Eichelsdörfer und Elisabeth Migge.
Der Nachmittag widmete sich im Rahmen eines präsentischen Workshops den einzelnen Werkteilen der EWW. Unter Teilnahme von Studierenden, Wissenschaftler*innen und Gäst*innen gab die Forschungsstelle Elie Wiesel in Form von Kurzvorträgen Einblicke in die laufende Arbeit der nach Genre eingeteilten Bände. Davon ausgehend wurde auch die Bedeutung Wiesels für aktuelle Fragen antisemitismuskritischer Bildung sowie die Gegenwartsrelevanz von Holocaustliteratur, im Besonderen der jiddischen Literatur, beleuchtet. Den Beginn bildete, von Marion Eichelsdörfer im jiddischen Original gelesen, Elie Wiesels Anfangspasse aus „…un di velt hot geshvign“:
»Am Anfang war der Glaube, der kindische Glaube; und das Vertrauen, das vergebliche Vertrauen; und die Illusion, die gefährliche Illusion. Wir glaubten an Gott, hatten Vertrauen in den Menschen und lebten in der Illusion, dass es in jedem einzelnen von uns einen heiligen Funken des Feuers der Shekhinah gibt, dass jeder einzelne von uns in seinen Augen und in seiner Seele das Ebenbild Gottes trägt. Und dies war die Quelle – wenn nicht gar die Ursache – unseres ganzen Unglücks.« (S. 13)
Zu den autobiografischen Schriften sprachen Reinhold Boschki, Marion Eichelsdörfer, Christin Zühlke und Elisabeth Migge; Jean Ehret zu den Romanen und Dramen; Daniel Krochmalnik zu den biblisch-talmudisch-chassidischen Schriften; Moritz Sacherer zu den esssayistischen Schriften.
Einen herzlichen Dank möchten wir gerne allen Referent*innen, den Mitarbeiter*innen und Helfer*innen des Lehrstuhls und der Forschungsstelle, die den Tag mitorganisiert haben, und vor allem auch den Gäst*innen aussprechen!
Autor: Julian Wilhelm