Zentrum für Islamische Theologie (ZITh)

Newsletter 1/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

seit mehr als fünfzehn Jahren steht das Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen (ZITh) für wissenschaftliche Forschung, akademische Lehre und gesellschaftliche Reflexion zu Fragen islamischer Theologie und muslimischen Lebens. In dieser Zeit hat sich das Zentrum zu einem wichtigen Ort entwickelt, an dem theologische Traditionen, gegenwärtige Herausforderungen und gesellschaftliche Debatten miteinander ins Gespräch gebracht werden.

Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres waren die Mitarbeitenden des Zentrums in zahlreichen Formaten aktiv. Die Beiträge, Veröffentlichungen und Bekanntmachungen in diesem Newsletter geben einen Einblick in die Vielfalt der laufenden Arbeiten. Sie zeigen, wie islamische Theologie Fragen von Religion, Ethik, Gesellschaft, Politik, Bildung, Zusammenhalt und Radikalisierungsforschung wissenschaftlich aufgreift und für gegenwärtige Debatten fruchtbar macht. Diese thematische Breite macht deutlich, dass islamische Theologie nicht auf innerreligiöse Fragestellungen beschränkt ist. Sie nimmt gesellschaftliche Herausforderungen auf und reflektiert sie aus theologischer, historischer, ethischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Dazu gehören etwa Fragen religiöser Orientierung in pluralen Gesellschaften, die Auseinandersetzung mit Radikalisierungsprozessen, ethische Herausforderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt sowie arbeitsrechtliche Fragen im Kontext religiöser Praxis und gesellschaftlicher Teilhabe.

Besonders deutlich wurde die öffentliche Bedeutung islamischer Theologie beim Ramadan-Empfang des Ministerpräsidenten a.D. Winfried Kretschmann im März im Neuen Schloss in Stuttgart. Prof. Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino und Dr. Mahmoud Abdallah nahmen als Vertreter der islamischen Theologie teil und diskutierten über deren Rolle in Baden-Württemberg. Diese Teilnahme steht exemplarisch für die Aufgabe des Zentrums, wissenschaftliche Expertise in gesellschaftliche Gespräche einzubringen.

Die interreligiöse Zusammenarbeit des Zentrums zeigte sich insbesondere in der Tagung „Religion und extreme Rechte. Forschungsimpulse aus den Tübinger Theologien“, die von unseren Mitarbeitenden Dr. Abdelghafar Salim und Herrn Monzer Haider mitorganisiert wurde. Die Tagung entstand in Kooperation mit der katholischen und evangelischen Theologie und machte deutlich, wie wichtig theologische Perspektiven für die Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen sind.

Auch in Studium und Lehre wurde der interreligiöse Diskurs weiter gestärkt. Im Scriptural-Reasoning-Seminar 2026 zu „On Pluralities. Christian and Muslim Perspectives“ förderte das Zentrum in Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Fakultät den Austausch zwischen christlichen und muslimischen Perspektiven.

In der Forschung waren die Mitarbeitenden des ZITh neben der Mitwirkung an zahlreichen Publikationsprojekten auch an Forschungsaufenthalten im Ausland beteiligt. Zu nennen sind hier die Forschungs- und Lehraktivitäten von Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri an der Trilateralen Graduiertenschule für Friedens- und Konfliktforschung der Europa-Universität Flensburg und an der Università del Salento (Lecce, Italien), von Prof. Dr. Mouez Khalfaoui an der Penn State University (USA) sowie von Dr. Serkan Ince an der Columbia University (New York) und an der University of Pennsylvania (Philadelphia).

Ein wichtiges Highlight unseres Newsletters stellt der erfolgreiche Abschluss der Habilitation von Dr. Mahmoud Abdallah an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Islamische Praktische Theologie im Werden. Theologische Grundlegung zwischen interdisziplinären Zugängen und dringenden Fragen der pluralen Gesellschaft“ dar. Wir gratulieren Herrn Dr. Abdallah sehr herzlich und wünschen ihm alles Gute!

Mit diesem Newsletter möchten wir Ihnen einen Überblick über aktuelle Aktivitäten, Forschungsbeiträge und Entwicklungen am Zentrum geben. Wir laden Sie herzlich ein, die vielfältigen Arbeiten unserer Mitarbeitenden kennenzulernen, und wünschen Ihnen eine interessante und inspirierende Lektüre.

Mit herzlichen Grüßen,

Dr. Abdelghafar Salim, Monzer Haider, Tülay Güner und Thamer Mahfoudi
Das Team der Professur für Islamisches Recht

Nachrichten

Empfang beim Ministerpräsidenten a.D. Winfried Kretschmann

Prof. Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino und Dr. Mahmoud Abdallah nahmen am 18. März 2026 am Empfang des Ministerpräsidenten a. D. Winfried Kretschmann zum Ramadan im Neuen Schloss in Stuttgart teil. Der Empfang bot die willkommene Gelegenheit, sich mit zivilgesellschaftlichen und behördlichen Akteurinnen und Akteuren über Themen wie islamische Seelsorge und islamischen Religionsunterricht auszutauschen. 

Prof. Dr. Vimercati beteiligte sich zudem an der Podiumsdiskussion zum Thema „Islamische Theologie in Baden-Württemberg: Was wurde erreicht? Was bleibt noch zu tun?“. In seinem Beitrag betonte er den Erfolg der Islamischen Theologie in Tübingen sowie die Notwendigkeit politischer Rückendeckung in Anbetracht von Versuchen, das Fach für Kulturkämpfe zu instrumentalisieren. Er forderte mehr Vertrauen in die Wissenschaft und ihre Bewahrung als geschützten Raum für freies Denken und ergebnisoffenes Diskutieren, damit die Theologie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden kann – insbesondere in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung.


Erfolgreiche Habilitation von Dr. Mahmoud Abdallah

Dr. Mahmoud Abdallah, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Islamische Geschichte und Gegenwartskultur, hat seine Habilitation an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Islamische Praktische Theologie im Werden. Theologische Grundlegung zwischen interdisziplinären Zugängen und dringenden Fragen der pluralen Gesellschaft“ erfolgreich abgeschlossen. Das Habilitationsprojekt untersuchte die Islamische Seelsorge als neue Teildisziplin innerhalb der Islamischen (Praktischen) Theologie und widmete sich der Etablierung einer eigenständigen islamischen Seelsorgelehre. Mehr


Neues Interview mit der AIWG-Forschungsgruppe „Mit dem Propheten Muhammad ins Gespräch kommen“

Wie lässt sich über Hadithe ein Dialog mit dem Propheten Muhammad führen? Dieser Frage geht die AIWG-Forschungsgruppe an den Standorten Tübingen, Berlin und Gießen nach. Im Mittelpunkt steht dabei, wie sich Prophetenbilder im Laufe der Zeit gewandelt haben sowie welche Bedeutung Hadithen heute zukommt, auch für den islamischen Religionsunterricht und die Bildungsarbeit in Gemeinden. Mehr


ZDF-Reportage „10 Jahre danach - Hat sich der Islam in Deutschland verändert?“

Dr. Abdelghafar Salim beteiligte sich mit einem Interview in der ZDF-Reportage „10 Jahre danach – Hat sich der Islam in Deutschland verändert?“ vom „Forum am Freitag“. Den Link zur Reportage finden Sie hier.

Zudem hielt Dr. Abdelghafar am 18.09.2025 beim Deutschlandfunk ein Interview zum Thema „Kleine Moscheen und arabisch geprägt: Muslimisches Leben in Ostdeutschland“. Den Link zum Nachhören finden Sie hier.


Prof. Dr. Maria Massi Dakake als New Horizons Fellow in Tübingen

Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass Prof. Dr. Maria Massi Dakake (George Mason University, USA) im Sommersemester 2026 als New Horizons Fellow an das College of Fellows der Universität Tübingen berufen wurde. Ihr Aufenthalt von Mitte April bis Mitte Juli 2026 wird durch eine interdisziplinäre Gruppe von 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des ZITh sowie der Evangelisch-Theologischen, Katholisch-Theologischen und Philosophischen Fakultät (Geschichtswissenschaft, Orient- und Islamwissenschaft, Institut für Religionswissenschaft) sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät unterstützt.
Prof. Dr. Dakake zählt international zu den führenden Stimmen der islamischen Theologie in den USA. Sie ist Associate Professor an der George Mason University und Mitherausgeberin des „The Study Quran“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Koranwissenschaften, schiitische und mystische Traditionen sowie interreligiöse Hermeneutik.
Prof. Dr. Dakake wird das akademische Leben in Tübingen durch verschiedene Formate bereichern. Mit dieser Berufung stärkt die Universität Tübingen ihre internationale Sichtbarkeit als zentraler Ort für interreligiöse Forschung und den theologischen Dialog auf höchstem Niveau.

Studium und Lehre

Scriptural Reasoning Seminar 2026 „On Pluralities. Christian and Muslim Perspectives“

Nach dem erfolgreichen 10-jährigen Jubiläum von Scriptural Reasoning in Tübingen im vergangenen Jahr setzt das Seminar seine Tradition auch im Sommersemester 2026 fort. Vom 4. bis 19. Mai widmete es sich dem aktuellen Thema „On Pluralities. Christian and Muslim Perspectives“. Erneut in bewährter Kooperation zwischen dem ZITh und der Katholisch-Theologischen Fakultät wurde das Seminar gemeinsam von Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri und Dr. Sebastian Pittl geleitet. Mehr

Forschung

Vorträge und Forschungsgespräche von Professorin Demiri in Flensburg und Lecce

Im März 2026 war Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri auf Einladung von Prof. Dr. Ralf K. Wüstenberg (Evangelische Theologie), als Gastwissenschaftlerin (Scholar in Residence) an der Trilateralen Graduiertenschule für Friedens- und Konfliktforschung der Europa-Universität Flensburg zu Gast. Während ihres Aufenthalts leitete sie einen zweitägigen Scriptural-Reasoning-Workshop zum Thema „Scriptural Reasoning on Reconciliation and Hope: Christian and Muslim Perspectives“ (30. – 31. März 2026) und hielt einen Vortrag mit dem Titel „Muslim Perceptions of the Religious 'Other'“ (31. März 2026).

Im April 2026 folgte Demiri einer Einladung von Prof. Dr. Samuela G. Pagani an die Università del Salento in Lecce (Italien). Dort hielt sie am 8. April 2026 im Rahmen eines interdisziplinären Workshops zwischen Geschichte und Kultur des Balkans und arabischer Sprache und Kultur einen Vortrag zum Thema „From Politics to Theology: Conversations between the Ottoman Elite and the Papacy“. Der Aufenthalt umfasste zudem gemeinsame Forschungsgespräche mit Pagani.


Forschungsaufenthalt an der Penn State University

Prof. Dr. Mouez Khalfaoui verbrachte im Januar 2026 einen Forschungsaufenthalt an der Penn State University (USA). Dort beteiligte er sich an Forschungs- und Lehraktivitäten des History Departments zur „Legal Education in Early Islam“. 

Überdies hielt Khalfaoui eine Reihe von Public Lectures und führte Meetings sowie Beratungen mit Studierenden und Mitarbeitenden der Penn State University durch.


Forschungsaufenthalt in New York und Philadelphia

Im März 2026 unternahm Dr. Serkan Ince einen Forschungsaufenthalt an der Columbia University (New York) sowie an der University of Pennsylvania (Philadelphia) im Rahmen seines Forschungsprojekts zum Thema „Nile Mission Press“. Der Aufenthalt wurde durch die Projektförderung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Universität Tübingen ermöglicht. Im Zentrum des Aufenthalts stand die Arbeit mit den Beständen der Burke Library an der Columbia University, insbesondere den Missionary Research Library Archives, sowie den Sammlungen der Penn Libraries.


Veröffentlichung und Dissemination einer Monografie

Im Januar 2026 veröffentlichte Dr. Besnik Sinani seine Monografie „Sufism in Saudi Arabia Since 1979: The Politics of Orthodoxy in Contemporary Islam“ im Brill-Verlag als Teil der Reihe „Studies on Sufism“.

Die erste offizielle Buchvorstellung fand an der Universität Hamburg statt, veranstaltet vom Zentrum für Nahoststudien Hamburg. Weitere Präsentationen der Monografie sind im Laufe des Jahres sowohl im In- als auch im Ausland geplant.


Veranstaltungen

Vortrag und Buchvorstellung

Am 24. November 2025 hielt Dr. Sheridan Polinsky an der University of Cambridge einen Vortrag mit dem Titel „The Waking Vision of Prophet Muḥammad: History, Experience, and Theory“. Darin untersuchte er die Ursprünge dieser besonderen religiösen Erfahrung im frühen Islam und zeigte auf, wie sie in späteren Jahrhunderten zunehmend als Quelle spiritueller Autorität an Bedeutung gewann. Zudem beleuchtete er zentrale theoretische Fragestellungen, die von muslimischen Gelehrten und insbesondere von Sufis diskutiert wurden. 

Am selben Tag stellte Dr. Polinsky am Cambridge Muslim College sein neu erschienenes Buch „Sufism in Late Mamlūk Cairo: The Life and Thought of Ibn Mughayzil (895/1490)“ (Berlin: De Gruyter, 2025) vor. In dieser Studie widmet er sich dem Leben und Denken des ägyptischen schādhilitischen Sufis Ibn Mughayzil und ordnet dessen Wirken in den weiteren Kontext des spätmamlukischen Kairo ein.


Vortrag: „Female Script: Die Präsenz von Frauen in der Textüberlieferung des Korans“

Am 20. Januar 2026 fand am ZITh der Vortrag „Female Script: Die Präsenz von Frauen in der Textüberlieferung des Korans“ von Şeyma Nur Ünal, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Koranwissenschaften, statt. Die Veranstaltung wurde von der Gleichstellungskommission des ZITh organisiert und bildete den zweiten Vortrag der Reihe „Women in Thought and Art“. Mehr


Fortbildung: „Arabischunterricht in der Primar- und Sekundarstufe – Neue Methoden, neue Horizonte“

Im Rahmen seiner Forschung zum Arabischunterricht und dessen Didaktik nahm Thamer Mahfoudhi an der zweitägigen Fortbildung „Arabischunterricht in der Primar- und Sekundarstufe – Neue Methoden, neue Horizonte“ teil, die am 23. und 24. Januar 2026 vom Zentrum für Arabische Sprache (ZAS) der Universität Münster organisiert wurde.
Die Fortbildung widmete sich insbesondere innovativen didaktischen Ansätzen im Arabischunterricht. Ein Schwerpunkt lag auf der Integration arabischer Dialekte in den Unterricht sowie auf der Anwendung der Methode der „Sieben Siebe der Interkomprehension“, die ursprünglich in der romanischen Sprachdidaktik entwickelt wurde und inzwischen auch im Arabischunterricht erfolgreich erprobt wird. Diese Methode nutzt sprachliche Gemeinsamkeiten und Strukturen, um Lernenden den Zugang zu verschiedenen Varietäten des Arabischen zu erleichtern.
Die Veranstaltung bot Lehrenden und Forschenden die Möglichkeit, neue Perspektiven für den Arabischunterricht zu diskutieren, verschiedene Dialekte kennenzulernen und innovative Unterrichtsstrategien zu entwickeln.


Internationale Tagung: „Kunst und interkultureller Dialog“

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der arabisch-islamischen Welt und der Bemühungen, das deutsche Modell der Islamischen (Praktischen) Theologie in die Islamische Welt zu integrieren, hat Dr. Mahmoud Abdallah an der Tagung „Kunst und interkultureller Dialog“ teilgenommen. Die Tagung fand vom 28. bis 30. Januar 2026 in Nuweiba (Ägypten) statt und wurde in Kooperation mit der „Arab Association of Civilization and Islamic Arts“ durchgeführt. 
In seinem Vortrag plädierte Abdallah für einen neuen, praxisorientierten, hermeneutischen Zugang zum Koran, der insbesondere die ästhetische Dimension der Heiligen Schrift stärker berücksichtigt. Anhand der Schöpfungsgeschichte in Sure 2 zeigte er auf, welchen Mehrwert dieser Ansatz für aktuelle Fragestellungen wie den Klimawandel und die Bewahrung der Schöpfung bieten kann. Dr. Abdallah wurde auf der Tagung für seinen Beitrag zum internationalen und interreligiösen Austausch mit der Medaille der „Arab Association of Civilization and Islamic Arts“ ausgezeichnet.


Veranstaltung zur Bedeutung des Fastens

Die Hans-Küng-Schule in Tübingen hat am 04. März 2026 zum Fastenbrechen eingeladen. Das vielfältige Programm wurde von dem ZITh-Alumnus Rafet Köksal, der in der Schule als Lehrkraft für Islamischen Religionsunterricht arbeitet, gestaltet und geleitet. Die Schülerinnen und Schüler trugen eine Koranrezitation vor, stellten Themen aus ihrem Religionsunterricht vor und präsentierten mit dem Musik-Lehrer eine musikalische Vorstellung. Herr Köksal hielt eine bemerkenswerte Rede über die Bedeutung des Fastens für Musliminnen und Muslime. Prof. Dr. Vimercati Sanseverino war eingeladen, eine kurze Ansprache über die Arbeit des ZITh zu halten und war von der positiven Resonanz der Veranstaltung sehr beeindruckt. Die Schulleitung hat die positiven Erfahrungen und den Mehrwert des Islamischen Religionsunterricht dargelegt und eindrücklich erläutert, warum es für ihre Schule wichtig ist, eine muslimische Lehrkraft zu haben.


Tagung: „Religion und extreme Rechte, Forschungsimpulse aus den Tübinger Theologien“

Am Tübinger Campus der Theologien wurden am 5. und 6. März 2026 im Rahmen der Tagung „Religion und extreme Rechte. Forschungsimpulse aus den Tübinger Theologien“ der gesellschaftliche Rechtsruck sowie seine theologischen Deutungen und Bearbeitungen aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven untersucht. Im Zentrum stand die Frage, auf welche Weise rechte Ideologien innerhalb religiöser Kontexte wirksam werden, aus diesen heraus gefördert werden und wie religiöse Ressourcen dazu beitragen können, rechte Positionen gesellschaftlich zu stabilisieren und hegemonial werden zu lassen. Mehr


Veranstaltung im Rahmen des Ethikforums des Universitätsklinikums Tübingen

Dr. Mahmoud Abdallah bot am 18. März 2026 im Rahmen des Ethikforums des Universitätsklinikums Tübingen eine Veranstaltung für Mitglieder des Klinischen Ethik-Komitees (KEK) und weitere Beschäftigte im Verbund der Unikliniken zum Thema „Lebenserhalt und Leidensbegrenzung.
Islamische Perspektiven auf den palliativen Behandlungsabbruch“ an. Dr. Abdallah zeigte, dass, anders als es gängige Vorurteile behaupten, dem Islam als religiöse Wertegemeinschaft nicht „die eine“ Position zur palliativen Therapiezieländerung zugeordnet werden kann. Vielmehr besteht die islamische Medizinethik aus einem Spektrum an Lehrmeinungen, die einen gewissen Spielraum bieten und unterschiedliche Handlungsoptionen ermöglichen. Die Veranstaltung fand in der Crona-Klinik statt.


Interreligiöser Dialog und Wissenstransfer in die Gesellschaft

Im Wintersemester 2025/26 hat Dr. Mahmoud Abdallah unterschiedliche Veranstaltungen zum interreligiösen Dialog angeboten und das Gespräch mit der Gesellschaft gesucht. Als Gastdozent wirkt Abdallah an der Ausbildung von Imamen und Seelsorgerinnen und Seelsorger am Islamkolleg Deutschland IKD in Osnabrück mit und unterstützt dabei kontinuierlich die Imam-Ausbildung in Deutschland.


Gemeinsames Friedensdenken: Rückblick auf das „Scriptural Reasoning“ am Katholikentag am 14. Mai 2026

Beim diesjährigen Katholikentag verwandelte sich der Wappensaal im Rathaus Würzburg für drei Stunden in einen Raum der interreligiösen Begegnung. In der Veranstaltung „Scriptural Reasoning“ stand die Frage im Zentrum, wie Bibel und Koran Wege zum Frieden weisen und wie wir diese Texte heute gemeinsam lesen können.
Unter der wissenschaftlichen und dialogischen Leitung von Dr. Serkan Ince, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Islamische Glaubenslehre, und Alexandra Morath, Promovendin der Religionswissenschaft aus München, wurde die Methode des Scriptural Reasoning für die Teilnehmenden lebendig. Statt übereinander zu reden, wurde miteinander in den Texten gelesen.
Beim gemeinsamen Blick in die Quellentexte von Bibel und Koran zeigte sich in den intensiven Diskussionen der interreligiösen Gruppe, wie gerade das genaue, respektvolle Hinsehen auf die Nuancen der Schriften neue, überraschende Perspektiven auf das gemeinsame Friedensfundament eröffnen kann.
 


Studierende und Fachschaft

Bowlingabend

Das Wintersemester 2025/26 haben wir mit einem gemeinsamen Bowlingabend gestartet. In entspannter Atmosphäre konnten sich Studierende besser kennenlernen, gemeinsam lachen und den Uni-Alltag für einen Abend hinter sich lassen.


Spieleabend in Kooperation mit der MST

Ein weiterer Programmpunkt war ein Spieleabend in Kooperation mit der MST. In gemütlicher Runde wurden verschiedene Spiele ausprobiert, wodurch schnell Gespräche entstanden und neue Kontakte geknüpft werden konnten.


Quizabend mit FAKT und FETT

Gemeinsam mit den Fachschaften der evangelischen und katholischen Theologien (FAKT und FETT) organisierten wir einen Quizabend. In gemischten Teams wurde gerätselt, diskutiert und viel gelacht. Der Abend bot eine schöne Gelegenheit, sich fachübergreifend auszutauschen.


Vortrag zu Musik im Islam

Im Laufe des Wintersemesters 2025/26 hielt Leila Ben Abid einen Vortrag zu ihrem Bachelorarbeitsthema „Zwischen Verbot und Erlaubnis: Musik im Islam“. Dabei gab sie Einblicke in unterschiedliche Positionen und Diskussionslinien innerhalb der islamischen Tradition.

Im Anschluss bot sich Raum für Fragen und Austausch, wodurch das Thema gemeinsam weiter vertieft werden konnte.


„Wer wird Alim?“ – Quizabend

Auch unser traditioneller Quizabend „Wer wird Alim?“ fand im Wintersemester 2025/26 wieder statt. In lockerer Atmosphäre konnten die Teilnehmenden ihr Wissen unter Beweis stellen, gemeinsam rätseln und einen unterhaltsamen Abend verbringen.


EduKeyf – Gesprächsrunden mit Dozierenden

Über das Sommersemester 2025 verteilt fanden wieder EduKeyfs statt – Gesprächskreise, bei denen Studierende mit Dozierenden in einen offenen Austausch treten konnten. Themen reichten von Studienorganisation bis zu persönlichen Werdegängen.


Lasertag

Zum Abschluss der Vorlesungszeit 2025/26 ging es gemeinsam zum Lasertag. In mehreren Runden konnten sich die Teilnehmenden auspowern und den Studienalltag für einen Moment hinter sich lassen.


FAITH-Iftar

Ein besonderes Highlight im Wintersemester 2025/26 war unser gemeinsamer FAITH-Iftar. Eingeladen waren Studierende, Alumni, Dozierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZITh. In offener und herzlicher Atmosphäre kamen viele ins Gespräch, konnten sich austauschen und den Abend gemeinsam genießen.


Besuch an der Mathilde-Weber-Schule

In den Semesterferien waren Habibe Yildiz, Semiha Maraba, Yusuf Türker und Nurettin Fakili an der Mathilde-Weber-Schule in Tübingen zu Gast. Dort hielten sie einen kurzen Vortrag über den Ramadan und das Eid al-Fitr-Fest.

Im Anschluss gab es eine offene Fragerunde, in der die Schülerinnen und Schüler ihre Fragen stellen konnten. Der Austausch war sehr lebendig und bot die Möglichkeit, Einblicke zu geben und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Internationales

Erasmus+ Aufenthalt von Funda Eryurt und Şeyma Nur Ünal am CMCS Oxford

Im Rahmen ihres Erasmus+ Aufenthalts waren Funda Eryurt und Şeyma Nur Ünal vom 24. bis 30. März 2026 am Centre for Muslim-Christian Studies (CMCS) in Oxford zu Gast. Zu Beginn ihres Aufenthalts erhielten sie eine Einführung in die institutionellen Strukturen sowie in die wissenschaftliche Arbeit der Einrichtung. Darüber hinaus präsentierten sie ihr aktuelles Buchprojekt am Lehrstuhl für Koranwissenschaften. Dieses widmet sich dem Kapitel „Die Geschichte der Kinder Israels“ der Universalchronik des mongolischen Historikers Rašīd ad-Dīn (645/1247–718/1318) und untersucht deren Bedeutung im Kontext des interreligiösen Dialogs. Mehr

Ankündigungen

Jüdisch-muslimischer Dialog

Die Vortragsreihe „Zwischen Dialog, Konflikt und Geschwisterlichkeit: Jüdische und Muslimische Perspektiven auf den ‚Anderen’“, die von Dr. Mahmoud Abdallah und Rabbiner Dr.  Jehoschua Ahrens geleitet wird, geht weiter. Mit der neuen Reihe „Jüdische und muslimische Ethik in der Praxis“ wird die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fortgesetzt. Die aktuelle Reihe befasst sich mit zentralen, ethischen, lebensnahen und alltäglichen Themenbereichen aus jüdischer und muslimischer Perspektive – theologisch fundiert, dialogisch organisiert und praxisnah orientiert. Im Mittelpunkt stehen Fragen rund um Körper, Leben, Verantwortung, Selbstbestimmung, Seelsorge und Trauer. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ehemalige Mitarbeitende

Promotion abgeschlossen: Lea Schlenker besteht Rigorosum an der Evangelisch-Theologischen Fakultät

Am 06. Februar 2026 schloss Lea Schlenker mit dem Rigorosum ihre Promotion an der Evangelisch-Theologischen Fakultät ab. Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri und Prof. Dr. Gotlind Ulshöfer (Ev. Hochschule Hessen) hatten die Arbeit mit dem Titel „Theologie bei Tisch. Eine komparative Studie zum alltagstheologischen Verständnis von Essen in islamischen und christlichen Traditionen“ betreut. Lea Schlenker verfasste die Arbeit im Rahmen ihrer Mitarbeit im DFG-geförderten Projekt “Der Beweis aus der Schrift” (FOR 2828/TP 4).

Zudem hat Lea Schlenker einen Beitrag mit dem Titel „‚Aller Augen warten auf dich, Herre‘: On the Use of Ps 145:15–16 for Saying Grace in Lutheran Traditions“ in dem von Matthias Bauer, E. H. Messamore, Jan Stievermann und Angelika Zirker 2025 herausgegebenen Sammelband „Reworking the Sacred through Music and Poetry: The De/Sacralisation of Texts“ veröffentlicht. Der Band versammelt Ergebnisse aus den vielfältigen Forschungsprojekten der DFG‑Forschungsgruppe „De/Sakralisierung von Texten“ (FOR 2828). Das ZITh war unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri mit dem Projekt „Der Beweis aus der Schrift“ (FOR 2828/TP 4) daran beteiligt. Lea Schlenkers Beitrag untersucht die Rezeptionsgeschichte von Psalm 145 in lutherischen Tischgebeten und verknüpft dies mit Überlegungen zum Paradigma der De/Sakralisierung.

Publikationen

Neue Publikationen

Abdallah, Mahmoud/ Bevier Marianne/ Lorberg-Fehring, Sönke/ Schmidt, Mathias/ Yavaş, Sümeyra (2026): Die interreligiöse Dimension pastoralpsychologischer Seelsorge. Ein Fachgespräch. In: Wege zum Menschen (WzM) 78, S. 38-51.

Abdallah, Mahmoud (2026): Institutionalisierung muslimischer Krankenhausseelsorge: Sachstand, Potenziale und Desiderate. In: Zeitschrift für medizinische Ethik 72 (2), S. 252–268.

Abdallah, Mahmoud (2026): Muslim Spiritual Care – Between Islamic Wisdom Tradition and Modern Medical Achievements. In: Daniel S. Schipani (Hg.): Wisdom Traditions in Spiritual Care. Integrative Explorations on Normativity, Eugene: Pickwick, S. 154-170.

El Maghraoui, Abdelaali: Soziales Engagement muslimischer Gemeinden – eine theologische Reflexion. In: Tobias Schuckert (Hg.): Stuttgarter Islamstudie. Baden-Baden: Nomos, S. 175-184.

Ince, Serkan (2026): Divine Will and Cosmic Order. Unraveling 'kun fa-yakūn' and its Implications. In: Philosophy, Theology and the Sciences (PTSc) 13 (1), 128-153.

Ince, Serkan (2026): Didactics of Kalām: An Argumentation-Theoretical Approach. In: Ulvi Karagedik et al. (Hg.): Islamic Theological and Pedagogical Approaches to Religious Education. Interdisciplinary Perspectives on Contemporary Challenges. Baden-Baden: Nomos, S. 191-217.

Khalfaoui, Mouez (2026): Teaching Islamic Law in a Modern Secular Context: The Didactical Challenge. In: Journal of Islamic Studies and Education Vol 4 No. 2, S. 51-66. online

Müller, Christian (2022): Recht und historische Entwicklung der Scharia im Islam. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 116, S. 410–414, rezensiert von Mouez Khalfaoui und Abdelghafar Salim (2026).

Sinani, Besnik (2026): Reinterpreting Worship (ʿIbāda): Ḥātim al-ʿAwnī’s Theological Challenge to the Wahhabi Canon. In: Mohammad Gharaibe/ Bacem Dziri/ Amir Dziri (Hg.): Canon and Censorship in Islamic Intellectual History. Berlin: De Gruyter, S. 139-163. 

Vimercati Sanseverino, Ruggero (2026): Prophetology as remedy for the Muslim community: Al-Qāḍī ʿIyāḍ’s (d. 544/1149) Shifā and the spiritual identity of Sunni Islam. In: Denis Gril/ Francesco Chiabotti (Hg.): Sainteté et héritage prophétique en Islam. Études sur Ibn al-ʿArabī et l’histoire de la sainteté dédiées à la mémoire de Michel Chodkiewicz. Berlin: De Gruyter, S. 523-548.

Impressum des ZITh-Newsletters

Herausgeber

Zentrumsvorstand: Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri, Prof. Dr. Erdal Toprakyaran, Pof. Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino

Kontakt

Eberhard Karls Universität Tübingen
Zentrum für Islamische Theologie
Liebermeisterstraße 18
72076 Tübingen

 

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