Osteuropäische Geschichte Russischer Revolutionszyklus, 1860er bis 1930er Jahre (Prof. Dr. Klaus Gestwa)
Veranstaltungsform:
Vorlesung
Dozent*in:
Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin:
2 std., Fr. 12-14 Uhr c.t.
Beginn:
23.10.2026
Ort:
Hörsaal Keplerstr. 001 (OSA-Keplerstraße)
Bemerkungen:
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Inhalte
Mit der Oktoberrevolution, die von den Bolschewiki um Lenin und Trotzki als Umsturz und Staatsstreich vollzog wurde, kam es zur erstmaligen Staatswerdung des Sozialismus. Die neuen Machthaber meinten, radikal mit dem Althergebrachten brechen zu müssen, um eine neue Gesellschaft zu schaffen. Der enorme Überschuss von Utopie und Gewalt prägte darum die Frühphase der Sowjetgeschichte und mündete nach 1928 in den Aufstieg des Stalinismus und den damit verbundenen Kollektivierungs- sowie Industrialisierungsfeldzügen.
Begonnen hatte der revolutionären Zyklus schon 1905 mit der ersten Russischen Revolution, als die soziale Zerrissenheit und die politischen Ordnungsdefizite das Zarenreich in eine Existenzkrise stürzten. Der Erste Weltkrieg deckte dann die zahlreichen Verwundbarkeiten des Russischen Imperiums in aller Schonungslosigkeit auf. Mit der Februarrevolution 1917 ging schließlich die Zarenmacht der Romanovs zu Ende. Den neuen Machthaber gelang es in den Wirren des Weltkriegs jedoch nicht, eine stabile demokratische Ordnung zu etablieren.
In der Vorlesung werden Entwicklungen vor und nach 1917 systematisch aufeinander bezogen, transnationale Verflechtungen thematisiert und neben den politischen Geschehnissen auch kulturellen Veränderungen in den Blick genommen. Es gilt, Struktur- und Erfahrungsgeschichte zusammenzubringen, um die ideologisch recht unterschiedlichen konnotierten großen Revolutionserzählungen zu dekonstruieren.
Literatur
Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes, Die Epoche der Russischen Revolution 1891 bis 1924, Berlin 1998; Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013; Martin Aust: Die Russische Revolution. Vom Zarenreich zum Sowjetimperium, München 2017; Helmut Altrichter: Rußland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst, Paderborn 2. Aufl. 2017; Heiko Haumann: Die Russische Revolution 1917, Köln 3. Auflage 2024.
Geschichte des Antisemitismus (mit einem Schwerpunkt auf dem östlichen Europa) (Dr. Jan Arend)
Veranstaltungsform:
Hauptseminar
Dozent*in:
Dr. Jan Arend
Termin:
2 std., Mi 10-12 Uhr c.t.
Beginn:
14.10.2026
Ort:
Übungsraum 111 (Universitätskasse u.a.)
Bemerkungen:
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Inhalt
Die Geschichte des Antisemitismus wird oft als Vorgeschichte der Shoah erzählt. Davon abweichend zielt der Kurs auf ein Verständnis unterschiedliche Erscheinungsformen der Judenfeindschaft aus ihrer jeweiligen Zeit heraus. Der geografische Schwerpunkt liegt auf Ost- und Ostmitteleuropa zwischen etwa 1850 und den 1990er Jahren, wobei Entwicklungen in anderen Regionen vergleichend und verflechtungsgeschichtlich einbezogen werden. Der Fokus auf das östliche Europa verändert zugleich die Fragen, die an die Geschichte des Antisemitismus gestellt werden. In den Mittelpunkt rückt, wie sich Judenfeindschaft in imperialen, multiethnischen und multikonfessionellen Gesellschaften entfaltete und wie sie durch Nationalisierung, Krieg und Staatszerfall geprägt und verändert wurde.
Wir fragen, wer oder was in unterschiedlichen Epochen als „jüdisch“ verstanden wurde und wie Antisemitismus als religiöses Glaubenskonstrukt, politische Ideologie, behördliche Diskriminierung und Form der Gewalt wirksam werden konnte. Zugleich behandelt der Kurs Juden nicht allein als Objekte von Ausgrenzung und Verfolgung. Jüdische Selbstverteidigung, politische Vergemeinschaft, Humor und Literatur bilden einen integralen Bestandteil dieser Geschichte.
Literatur
Werner Bergmann, Geschichte des Antisemitismus, 7., aktualisierte Aufl., München 2024; Shulamit Volkov, Antisemitismus als kultureller Code. Zehn Essays, München 2000; Laura Engelstein, The Resistible Rise of Antisemitism: Exemplary Cases from Russia, Ukraine, and Poland, Waltham, MA 2020; Steven T. Katz (Hg.), The Cambridge Companion to Antisemitism, Cambridge 2022.
Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Bemerkungen:
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Inhalt
Der Stalinismus stellte einen totalitären Führerstaat, eine menschenverachtende Modernisierungsdiktatur und ein mörderisches Terrorregime dar. Brutale Säuberungs- und Repressionswellen ermöglichten zugleich vielen den sozialen Aufstieg. Neben der enthemmten politischen Gewalt stützte sich Stalins Herrschaft auf einen Propagandaapparat, der den Traum vom „Neuen Menschen“ und den Anbruch des Kommunismus verhieß.
Themen des Seminars werden die Zwangskollektivierung und die dadurch ausgelösten Hungersnöte, die Brachialindustrialisierung mittels ambitionierter Großprojekte, der Personenkult mit seiner Glorifizierung Stalins als unfehlbarer Führer, die Schauprozesse und das Zwangsarbeitslagersystem (GULag) sein. Der Blick richtet sich zugleich auf Kultur, Kino und Sport. Der Zweite Weltkrieg, die Nachkriegszeit und der Export des Stalinismus nach Ostmitteleuropa werden genauso erörtert werden wie die Entstalinisierung nach 1953 und die aktuelle Erinnerungskultur sowie Geschichtspolitik in der Ukraine, den Baltischen Staaten und Russland.
Literatur
Orlando Figes: Die Flüsterer. Leben in Stalins Russland, Berlin 2008; Karl Schlögel:Terror und Traum. Moskau 1937, München 2008; Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013; Oleg Chlewnjuk: Stalin. Eine Biographie, München 2015; Mark Edele; Debates on Stalinism, Manchester 2020.
1989: Das Ende des Staatssozialismus in Europa. Übung zum wissenschaftlichen Lesen und Schreiben (Dr. Alexa von Winning)
Veranstaltungsform:
Übung
Dozent*in:
Dr. Alexa von Winning
Termin:
3 std., Mo. 14-17 Uhr c.t.
Beginn:
12.10.2026
Ort:
Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Bemerkungen:
Diese Veranstaltung ist speziell für die Studieneingangsphase konzipiert und sollte daher möglichst im ersten Fachsemester besucht werden. Die Übung ist zweistündig konzipiert, die dritte Stunde ist vorgesehen für Einzelbesprechungen von schriftlichen Arbeiten.
Kommentar
In Deutschland ist das Jahr 1989 eng mit dem Fall der Berliner Mauer verbunden. Das Ende der DDR war jedoch Teil einer weit größeren, längeren und komplexeren historischen Entwicklung, die Gesellschaft und Geschichtswissenschaft bis heute beschäftigt. In dieser Übung befassen wir uns mit den Ereignissen, Erfahrungen und Deutungen dieser historischen Transformation Europas. Ereignisgeschichtlich reichen die Perspektiven auf 1989 von revolutionären Dynamiken (wie in der DDR oder der Tschechoslowakei) bis hin zu reformgetriebenen Übergängen (etwa in Ungarn), die jeweils spezifische Akteurskonstellationen und Handlungsspielräume sichtbar machen. Zugleich eröffnen erfahrungsgeschichtliche Ansätze den Blick auf Unsicherheit, Hoffnungen und Ambivalenzen, die den Alltag der Zeitgenossen prägten und sich nicht in teleologischen Erzählungen auflösen lassen. Schließlich zeigen Deutungskonflikte – etwa zwischen „Freiheit“, „Transformation“ und „Verlust“ –, dass 1989 bis heute ein umkämpfter Bezugspunkt historischer Erinnerung und politischer Sinnstiftung ist.
Am Beispiel der Geschichte der Transformation bietet die Übung eine Einführung in wissenschaftliches Lesen und Schreiben. Auf der Grundlage von Texten, die gemeinsam gelesen und analysiert werden, lernen Sie in dieser Übung grundlegende Verfahren wissenschaftlichen Argumentierens. Auch der informierte Umgang mit KI-Tools wird behandelt werden. Sie verfassen Essays, für die Sie inhaltliches und methodisches, aber auch sprachliches und stilistisches Feedback erhalten. Der abschließende Essay am Ende der Veranstaltung wird als Modulprüfung in Grundmodul 1 angerechnet.
Literatur
Rosamund Johnston et al. (eds), The Routledge Handbook of 1989 and the Great Transformation, London New York 2026.
Geschichte der DDR. Übung zum wissenschaftlichen Lesen und Schreiben (Dr. Alexa von Winning)
Veranstaltungsform:
Übung
Dozent*in:
Dr. Alexa von Winning
Termin:
2 std., Di. 8-10 Uhr c.t.
Beginn:
13.10.2026
Ort:
Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Bemerkungen:
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Kommentar
Im Mai 2024 feierte das politische Deutschland ein Jubiläum: „75 Jahre Grundgesetz – Ein Fest für die Demokratie.“ Das Motto der Festlichkeiten übersah, dass das Grundgesetz für den ostdeutschen Teil der Bevölkerung noch keine 75 Jahre alt war, sondern erst 35. Immer wieder sorgen beiläufige Gleichsetzungen von westdeutscher mit gesamtdeutscher Geschichte im Osten Deutschlands für Frustration. Gegen diese blinden Flecken hilft die Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte. In der Übung wollen wir genau das tun: Wir werden Politik, Wirtschaft, Kultur, Alltag, Ideologie und Propaganda des sozialistischen Staates kennenlernen und uns mit seinem Erbe beschäftigen.
Literatur
Klaus Schroeder, Der SED-Staat: Geschichte und Strukturen der DDR 1949-1990, Köln 2013.
Echoes of Sovereignty: Tracing Nationalism in Central Eastern European Heritage (Dr. Martin Pachá)
Veranstaltungsform:
Übung
Dozent*in:
Dr. Martin Pachá
Termin:
2 std., Do. 16-18 Uhr c.t.
Beginn:
15.10.2026
Ort:
Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Bemerkungen:
The language of communication will be English. All the primary sources and secondary literature for discussions will be either visual or in English or German.
Inhalt
The course explores the complex and multifaceted history of nationalism in Central Eastern Europe, a region characterized by diverse cultures, languages, and historical experiences. Tracing the origins of nationalism from the 19th century to the present day, the course examines how this powerful ideology shaped the political, social, and cultural landscape of the region. Based on a discussion format, students will delve into key events, ideologies, and movements that have defined the nationalist discourses in Czechia, Slovakia, Poland and Hungary.
The class will analyse the impact of nationalism on state formation, identity construction, and minority rights, shedding light on both the positive and detrimental consequences of nationalist movements. Special attention will be given to the interplay between nationalism and major historical events, including World War I, the interwar period, World War II, and the Cold War, as well as their lasting effects on the region's political dynamics.
Furthermore, the course will critically examine the role of nationalism in post-communist transitions, European integration, and contemporary political movements, providing students with a comprehensive understanding of the challenges and opportunities posed by nationalist sentiments in the 21st century.
The course does not require any specific prior knowledge of the region´s history. The language of communication will be English. All the primary sources and secondary literature for discussions will be either visual or in English or German.
Literatur
Anderson, Benedict. Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, 1983.
Baár, Monika. Historians and nationalism: East-Central Europe in the nineteenth century, 2010.
Delanty, Gerard; Kumar, Krishan (eds.) The Sage Handbook of Nations and Nationalism, 2006.
Ersoy, Ahmet – Górny Maciej – Kechriotis, Vangelis, eds. Modernism: Representations of National Culture, 2010.
Hroch, Miroslav. Das Europa der Nationen: die moderne Nationsbildung im europäischen Vergleich, 2005.
Ther, Philipp, Europe since 1989: A History, 2016.
Ther, Philipp. The dark side of nation states: ethnic cleansing in modern Europe, 2014.
Trencsényi, Balázs – Kopeček, Michal (eds.) National Romanticism: The Formation of National Movements: Discourses of Collective Identity in Central and Southeast Europe 1770-1945, 2006.