Forschung

Profil

Das Seminar befasst sich mit der Zeitgeschichte der vergangenen Jahrzehnte in einer langen historischen Perspektive, die einerseits bis in das späte 19. Jahrhundert zurückreicht und andererseits auch die unmittelbare, gegenwartsnahe Vergangenheit einschließt. Geographisch liegt ein besonderer Fokus auf der deutschen, der westeuropäischen und der nordamerikanischen Geschichte, wobei diese Räume in ihren regionalen, internationalen, transnationalen und globalen Interaktionen und Verknüpfungen betrachtet werden. Das thematische Spektrum umfasst zentrale Fragen der Politik-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte.

Das Seminar bildet den Kern der starken zeitgeschichtlichen Ausrichtung, die der Fachbereich Geschichte aufweist. Diese umfasst ferner die zeithistorischen Arbeitsschwerpunkte anderer Abteilungen, insbesondere des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, des Seminars für Neuere Geschichte (Zeitgeschichte des pazifischen Raums) und des Instituts für Geschichtsdidaktik und Public History. Die zeitgeschichtlich forschenden und lehrenden Abteilungen sind in einer engen Kooperation miteinander verbunden.

Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Zeitgeschichte

Die Arbeit des Lehrstuhls für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Zeitgeschichte (Prof. Dr. Jan Eckel) zielt darauf ab, die Vorgeschichte unserer Gegenwart thematisch breitgefächert und methodisch vielseitig zu erschließen. Die Zeitgeschichte wird dabei in einem weiten zeitlichen Horizont betrachtet, der zentrale Veränderungsprozesse seit dem späten 19. Jahrhundert umspannt. Dazu gehören der Durchbruch der hochmodernen Gesellschaft um die Jahrhundertwende und der Wandel des Staatensystems im Zeichen des Hochimperialismus; das Zeitalter der Weltkriege und die Formen extremer Gewalt in der ersten Jahrhunderthälfte; die Neuansätze der beiden Nachkriegszeiten, darunter die schwierigen Demokratieexperimente und die neuen Strukturen internationaler governance; und die gesellschaftlichen Aufbrüche der 1960er Jahre. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zeit seit den 1970er Jahren wie auch auf der jüngsten Zeitgeschichte seit den weltpolitischen Umbrüchen um 1990. Dabei geht es etwa um die Bedeutung neuer globaler Politikfelder wie Menschenrechte, Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen sowie um Zeitdeutungen und Gesellschaftsdiagnosen wie die Vorstellung einer allumfassenden »Globalisierung«.

In Forschung und Lehre werden prägende politische Problemkonstellationen und Lösungsansätze, Muster des gesellschaftlichen Wandels, kulturelle Praktiken und einflussreiche Denk- und Deutungsformen untersucht. Es geht darum, bis heute fortwirkende Prozesse und Strukturen auszumachen und zu situieren, aber auch Diskontinuitäten und abgebrochene Entwicklungspfade zu verstehen.
Der deutschen Geschichte kommt in den Forschungen und Veranstaltungen des Lehrstuhls eine große Bedeutung zu. Darin spiegelt sich der hohe Stellenwert, den sie nach wie vor für die gesellschaftliche Selbstvergewisserung besitzt. Gleichwohl wird sie in räumlichen Bezügen untersucht, die über den Rahmen des Nationalstaats hinausreichen: als Teil einer europäischen, transatlantischen und globalen Geschichte sowie in ihren internationalen und transnationalen Verflechtungen.

Laufende Forschungsprojekte widmen sich der Geschichte Deutschlands in der Welt, der Geschichte der internationalen Politik im „langen“ 20. Jahrhundert und der intellectual history im internationalen Kontext.

Professur für Nordamerikanische Geschichte

Die Professur für Nordamerikanische Geschichte (Prof. Dr. Georg Schild) bietet Lehrveranstaltungen zur Geschichte der Vereinigten Staaten und Kanadas vom 17. bis zum 19. Jahrhundert sowie zur Zeitgeschichte an. In allen Veranstaltungen wird Wert auf den Vergleich amerikanischer Ereignisse mit parallelen Entwicklungen in Europa gelegt. In der Forschung stehen die politischen Institutionen der USA sowie die Geschichte der Außen- und Sicherheitspolitik im Mittelpunkt. Studierende, die eine Abschlussarbeit anfertigen wollen, werden ermutigt, sich um ein Stipendium für einen Amerikaaufenthalt zu bewerben. Die Mitarbeiter der Professur für Nordamerikanische Geschichte werden dabei Hilfestellung leisten.

Juniorprofessur für Geschichte Westeuropas mit einem Schwerpunkt in der Zeitgeschichte

Die Juniorprofessur für Geschichte Westeuropas mit einem Schwerpunkt in der Zeitgeschichte (Prof. Dr. Johannes Großmann) befasst sich in Forschung und Lehre mit den großen Themenbereichen der transnationalen und vergleichenden Geschichte des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts, vom Hochimperialismus und der Epoche der Weltkriege über den Kalten Krieg und die Europäische Integration bis hin zur Entkolonialisierung. Der geographische Schwerpunkt liegt dabei auf (West-)Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der iberischen Halbinsel. Angestrebt wird ein methodenbewusster Zugriff auf transnationale und transregionale Zusammenhänge, der politik-, sozial-, ideen- und kulturgeschichtliche Ansätze in reflektierter Weise miteinander verbindet. Aktuelle Forschungsprojekte widmen sich der Globalgeschichte des Antikommunismus und der Wissenschaftsgeschichte der Kolonialzeit.

Danksagung

Die mediale Vermittlung unserer Forschungen in der Lehre wird ermöglicht durch die stete Unterstützung des Fördervereins Geschichte an der Universität Tübingen e. V.