Deutsches Seminar

Absolventenprofil Zehentner

JAKOB ZEHENTNER

Warum haben Sie sich für den MA Germ. Linguistik in Tübingen entschieden?
Mein Bachelorstudium in allgemeiner und diachroner Linguistik in Salzburg hat mich begeistert, also wollte ich auf jeden Fall weiter Linguistik studieren. Ich wollte mich aber auch etwas umorientieren und spezialisieren. Das Masterstudium in germanistischer Linguistik in Tübingen hat mich deshalb sehr interessiert, besonders das Profil Diachrone und Kontrastive Linguistik, das ich dann auch gewählt habe.

Was hat Ihnen besonders gut am MA Germ. Linguistik gefallen?
Der MA fällt unter die kleineren Studiengänge, daher herrscht eine familiäre Atmosphäre mit sehr guter Betreuung, insbesondere dank der Studiengangskoordinatorin Frau Dr. Averintseva-Klisch. Alle Dozierenden wecken Begeisterung für ihr jeweiliges Fachgebiet und bieten spannende Seminare zu forschungsnahen Themen an, aktuell zum Beispiel zu „Common Ground“. Außerdem wird hier, wie ich finde, genau im „Sweet Spot“ zwischen linguistischer Theorie und Empirie gelehrt und geforscht.

Was haben Sie so im MA Germ. Linguistik nicht erwartet?
In meinem Bachelorstudium haben mich vor allem Syntax und Sprachwandel fasziniert, aber während des MA bin ich auch unerwartet tief in die Semantik eingetaucht. Sprachliche Bedeutung wird hier primär als mentales Phänomen betrachtet; die Semantik öffnet dann ein Fenster in den menschlichen Geist und zeigt auf, wie wir die Welt konzipieren. Wen das interessiert, dem kann ich das Profil Bedeutung wärmstens empfehlen.

Worüber haben Sie Ihre Masterarbeit geschrieben?
In meiner Masterarbeit habe ich das unscheinbare, aber tatsächlich beeindruckend vielseitige Wörtchen kaum in einer diachronen Korpusstudie untersucht. Es hat sich gezeigt, dass kaum von einem – gegenwartssprachlich nicht mehr vorhandenen – Adverb der Art und Weise mit der Bedeutung ‘nur mit Mühe’ zu einem Approximativ mit der Bedeutung ‘fast nicht’ geworden ist. Approximative bilden eine sprachübergreifende Wortklasse mit einigen besonderen Eigenschaften. Eine Kostprobe: In sie hat kaum geschwitzt steuert kaum zur Satzbedeutung bei, dass die Referentin zwar ganz nah dran war, nicht zu schwitzen, aber eben doch geschwitzt hat. Im Satzgefüge kaum hatte sie das Haus verlassen, wurde es ihr schon zu heiß setzt kaum die beiden Teilsätze in eine Beziehung der Fast-Gleichzeitigkeit. Und in sie wird heute kaum noch rausgehen drückt kaum in etwa aus: ‘Sprecher/-in hält das Eintreffen des Sachverhalts für unwahrscheinlich.’ Diese und weitere Gebrauchsweisen von kaum haben sich diachron letztlich aus dem Adverb der Art und Weise entwickelt und lassen sich synchron als kontextuell bedingte Varianten des Approximativs analysieren.

Wie war es, in Tübingen zu studieren?
Schön, im ganz konkreten Sinn: Tübingen ist eine malerische Stadt mit (für „Dorfkinder“ wie mich) angenehm kleiner Größe, aber gleichzeitig bunt, international und jung, mit vielen Studierenden. Die Wohnungssuche gestaltet sich dementsprechend leider schwierig, aber darüber hilft eine sommerliche Stocherkahnfahrt auf dem Neckar fast wieder hinweg.

Was haben Sie nach Ihrem Abschluss gemacht?
In der Abschlussphase des MA habe ich eine Stelle als Doktorand im Tübinger SFB 1718 „Common Ground“ ergattert, wo ich aufbauend auf meiner Masterarbeit weiter zu Approximativen wie kaum forschen darf.