Institut für Erziehungswissenschaft

Bachelor of Arts (B.A.): Soziale Arbeit und Weiterbildung

(ab Wintersemester 2026/27)

Wie lernen Menschen innerhalb und außerhalb von Bildungsinstitutionen? Welche Bedeutung haben Bildung, Erziehung und soziale Hilfe für eine Gesellschaft und welchen Beitrag leisten sie für mehr Gerechtigkeit und Teilhabe? Was brauchen Kinder und Jugendliche, um gut aufzuwachsen? Wie lassen sich Lern- und Bildungsprozesse über die gesamte Lebensspanne erfolgreich gestalten? Welchen Beitrag leisten  soziale Unterstützungsstrukturen, um  Einzelne, bestimmte soziale Gruppen und die Gesellschaft insgesamt zu stärken? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit und Weiterbildung" am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen.

Das Studium verbindet erziehungswissenschaftliche Grundlagen mit konkreten professionellen Handlungskompetenzen. Nach einem einführenden Semester wählen die Studierenden einen von zwei gleichwertigen Profilbereichen.

Der Profilbereich Sozialpädagogik/Soziale Arbeit richtet sich an alle, die Menschen in herausfordernden Lebenslagen unterstützen und begleiten möchten – sei es in der Kinder- und Jugendhilfe, der Schulsozialarbeit oder der Drogen- und Bewährungshilfe. Das Profil vermittelt Handlungskompetenzen für personenbezogene Unterstützungsarbeit ebenso wie rechtliches und organisationsbezogenes Grundlagenwissen. Nach erfolgreichem Abschluss sind die Studierenden berechtigt, die Berufsbezeichnung "staatlich anerkannte Sozialarbeiterin/staatlich anerkannte Sozialpädagogin“ bzw. „staatlich anerkannter Sozialarbeiter/staatlich anerkannter Sozialpädagoge“ zu führen.

Der Profilbereich Erwachsenenbildung/Weiterbildung ist für alle interessant, die Lernprozesse und Bildungsangebote für Erwachsene gestalten und planen wollen – in Volkshochschulen, betrieblichen Bildung und Personalentwicklung in Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen oder öffentlichen Institutionen. Das Profil qualifiziert für didaktische, organisatorische und managementbezogene Aufgaben im wachsenden Feld des lebenslangen Lernens und der Weiterbildung.

Beide Schwerpunkte qualifizieren für Berufsfelder, in denen gesellschaftliche Herausforderungen wie Diversität, Ungleichheit, Diskriminierung und Inklusion zu bearbeiten sind. Neben Theoriebildung und Forschung ist zudem ein umfangreiches Praktikum von 800 Stunden fester Bestandteil des Studiums. Studierende sammeln so frühzeitig praktische Erfahrungen in einem sie interessierenden Feld, begleitet und wissenschaftlich eingebettet. 

Der Studiengang schließt nach sechs Semestern mit dem Bachelor of Arts ab und eröffnet den Weg zur Berufspraxis sowie zu mehreren darauf aufbauenden Masterstudiengängen.

Zu allgemeinen und fachspezifischen Fragen Ihres Studiums berät Sie die Studienberatung des Instituts: studienberatung.baspam prevention@ife.uni-tuebingen.de 

Weitere Informationen und Antworten auf viele Fragen erhalten in unserem Studiums-FAQ

Studieninhalte

Das Studium gliedert sich in sechs inhaltliche Bereiche, die fachwissenschaftliche Grundlagen, Forschungskompetenzen und professionsbezogene Qualifikationen miteinander verbinden:

Einführung und Grundlagen (Module 1, 2, 3)

Der Studieneinstieg legt das wissenschaftliche und fachliche Fundament. Zunächst werden erkenntnistheoretische Grundlagen, Wissenschaftstheorie und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt (Modul 1). 

Parallel dazu werden zentrale Begriffe, Theorien und Problemstellungen der Erziehungswissenschaft erarbeitet – von Geschichte und Grundfragen der Bildung bis hin zu Fragen pädagogischer Urteilskraft und dem Verhältnis von Theorie und Praxis (Modul 2). 

Ergänzend führt ein weiteres Modul in die fachwissenschaftlichen Grundlagen sowie Handlungsfelder und -formen beider Profilbereiche – Soziale Arbeit und Erwachsenenbildung/Weiterbildung – ein (Modul 3). Von Beginn an wird die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnis für professionelles Handeln herausgearbeitet.

Forschung und Methoden (Module 4, 5, 6)

Theoretische und empirische Forschungskompetenz ist verbindlicher Bestandteil des Studiums. Die drei Forschungsmodule umfassen:

  • Theoretische Forschung (Modul 4): Methoden der theoretischen Forschung, Analyse von Ideologien der Ungleichwertigkeit, Reflexion institutioneller und organisationaler Logiken in Bildungseinrichtungen
  • Qualitative Forschung (Modul 5): Methodologische Grundlagen, Erhebungs- und Analysemethoden (u. a. Interviews, Beobachtung, Dokumentenanalyse), eigenständige Planung eines qualitativen Forschungsprojekts, Forschungsethik sowie Einsatz digitaler und KI-gestützter Werkzeuge
  • Quantitative Forschung (Modul 6): Forschungsdesigns, standardisierte Erhebungsverfahren, deskriptive und inferenzstatistische Auswertung, Evaluations- und Wirkungsforschung, ebenfalls mit Blick auf digitale und KI-gestützte Auswertungswerkzeuge.

Profilbereiche (Module 7, 8, 9, 10)

Nach dem ersten Semester wählen die Studierenden einen der beiden Profilbereiche, den sie in vier Modulen sowie einem Fachpraktikum von 800 Stunden vertiefen.

Profil Sozialpädagogik/Soziale Arbeit

Der Profilbereich befähigt zur professionellen Arbeit mit Menschen in belasteten Lebenssituationen – über alle Altersgruppen und Handlungsfelder hinweg. Die Module behandeln:

  • Lebenslagen und Lebensphasen von Adressat:innen, Vulnerabilitäten, Fragen von Diskriminierung und Inklusion; Grundlagen des Sozial- und Familienrechts (Modul 7a)
  • Professionelle Interaktionsgestaltung, methodische Ansätze der Sozialen Arbeit (z. B. Beratung, Fallarbeit, Supervision), Selbstreflexion (Modul 8a)
  • Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen, Verfahrensrecht, Sozial- und Familienrecht, Organisationen der Sozialen Arbeit, komplexe Hilfeverläufe (Modul 9a)
  • Praktikum in Einrichtungen der Sozialen Arbeit (Modul 10a)
Profil Erwachsenenbildung/Weiterbildung

Der Profilbereich qualifiziert für Planung, Gestaltung und Management von Bildungsangeboten für Erwachsene in einem breiten institutionellen Spektrum. Die Module behandeln:

  • Adressat:innen und Zielgruppen in der Erwachsenenbildung/ Weiterbildung, Fragen von Lebenslagen, Bildungsanlässen, Motivations- und Einflussfaktoren auf Teilnahme bildungspolitische Förderstrategien- (Modul 7b)
  • Didaktische Ansätze, Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen, Beratung, professionelle Interaktion mit Teilnehmenden, Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns (Modul 8b)
  • Institutionelle Logiken verschiedener Weiterbildungsanbieter (öffentlich, betrieblich, kommerziell), Bildungsmanagement, Planung und Evaluation von Angeboten, rechtliche Grundlagen und Qualitätsentwicklung (Module 9b.1 und 9b.2)
  • Praktikum in einschlägigen Einrichtungen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung (Modul 10b)

Bezugsdisziplinen: Soziologie und Psychologie (Module 11, 12)

Zwei Module vermitteln soziologische und psychologische Grundlagen, die für das Verstehen sozialer Zusammenhänge und professionellen Handelns unerlässlich sind. Im einführenden Modul zu den Bezugsfächern (Modul 11) werden Grundbegriffe und Fragestellungen beider Disziplinen vermittelt: Die Vorlesung Einführung in die Soziologie erschließt zentrale soziologische Kategorien wie soziales Handeln, Interaktion, Ungleichheit und Rolle; die Vorlesung Einführung in die Psychologie I vermittelt psychologische Basiskonzepte wie Wahrnehmung, Motivation, Lernen oder Verhalten. Beide Perspektiven werden auf Kontexte der Sozialen Arbeit und Erwachsenenbildung/Weiterbildung bezogen.

Im Modul 12 wird das soziologische Wissen durch die Vorlesung Einführung in die soziologische Theorie vertieft – mit Blick auf Theorietraditionen, soziale Ordnung, Interaktion, Organisationen und sozialen Wandel. Parallel dazu wählen die Studierenden eine von vier psychologischen Vertiefungsvorlesungen nach eigenen Interessen: Psychologie II (Denken, Lernen, Gedächtnis), Psychologie III (Emotion, Motivation, Stress, Sozialpsychologie), Psychologie IV (Entwicklung, Persönlichkeit, psychische Störungen) oder Pädagogische Psychologie (Lehr-Lern-Prozesse, Diagnostik, Leistungsbewertung). Die Verbindung beider Disziplinen schärft die Fähigkeit, komplexe soziale Situationen im Berufsalltag theoriegestützt zu verstehen und professionell zu gestalten.

Ergänzungsbereich (Module 14, 15, 16)

Der Ergänzungsbereich schafft Raum für individuelle Schwerpunktsetzung und ermöglicht es den Studierenden, ihre Interessen gezielt weiterzuverfolgen und das Profil ihres Studiums eigenständig mitzugestalten:

  • Erziehungswissenschaftliche Vertiefung (Modul 14): Vertiefende Seminare und Vorlesungen aus den vier Abteilungen des Instituts – Allgemeine Pädagogik, Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Schulpädagogik. Thematisch reicht das Angebot von Bildungstheorien und machtkritischen Analysen pädagogischer Praxis über Kinderschutz, Sozialraumorientierung und Anti-Diskriminierungsarbeit bis hin zu Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Das Modul stärkt die Fähigkeit, professionelles Handeln unter pädagogischen, ethischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten zu reflektieren und zu begründen.
  • Transdisziplinäre Perspektiven (Modul 15): Die Studierenden wählen ein Bezugsfach aus dem Angebot von Empirischer Kulturwissenschaft, Kriminologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Psychiatrie, Sportwissenschaft, Volkswirtschaftslehre oder Empirischer Bildungsforschung und erarbeiten sich dort vertiefte Kenntnisse. Das Modul zielt darauf, disziplinäre Grenzen zu überschreiten, unterschiedliche analytische Zugänge zusammenzuführen und komplexe soziale Problemlagen aus mehreren Perspektiven zu beleuchten – eine Kompetenz, die im multiprofessionellen Berufsalltag zunehmend gefragt ist.
  • Überfachliche Qualifikationen (Modul 16): Erwerb von Schlüsselkompetenzen in Bereichen wie Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösen und kritisches Denken, ergänzt durch Bildungsangebote aus weiteren wissenschaftlichen Feldern nach eigener Wahl.

Abschlussmodul: Bachelorarbeit (Modul 13)

Das Abschlussmodul begleitet die Studierenden über zwei Semester vom Exposé bis zur Finalisierung der  Bachelorarbeit. In Kolloquien und Seminaren werden Fragestellungen entwickelt, theoretische und methodische Zugänge diskutiert sowie Arbeitsstände und herausfordernde Situationen im Austausch mit anderen Studierenden reflektiert. Die Bachelorarbeit ermöglicht eine eigenständige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem selbst gewählten Thema aus dem Bereich Soziale Arbeit, Erwachsenenbildung/Weiterbildung oder Erziehungswissenschaft.