In fast allen Weltreligionen gehört die Verhüllung von heiligen Objekten oder Körpern zu den ältesten Traditionen: das verhüllte Kreuz in katholischen Kirchen in der Karwoche, der Vorhang im historischen jüdischen Tempel in Jerusalem, verhüllte Körper im Islam, im Christentum und im Buddhismus. Wie wird das Wechselspiel aus Verbergen und Offenbaren gedeutet? Was lässt sich an der Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem über das Verhältnis des Menschlichen zum Göttlichen lernen? Und zeigt die Verhüllung etwas, was im Offenbaren verborgen bliebe?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen aktuell im Seminar „Offenbar verhüllt – Theologie mit Christo & Jeanne-Claude“, das von Dr. Simon Linder (Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie) und Dr. Julian Tappen (Akad. Rat a. Z. am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie) geleitet wird. Angesetzt haben sie dafür bei Kunstwerken von Christo & Jeanne-Claude, welche die Faszination der Verhüllung in vielfacher Dimension zeigen: etwa beim Verhüllten Reichstag (1995) oder dem Verhüllten Arc de Triomphe (2021) – und das bereits im Prozess der Entstehung als Debatte um die Erlaubnis einer Verhüllung, aber auch im Werk selbst. Ergänzt wird die theoretische Auseinandersetzung durch einen Praxisworkshop in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Rottenburg.
Am 21. Juni ist die interessierte Öffentlichkeit zu einer wissenschaftskommunikativen Veranstaltung ins Diözesanmuseum Rottenburg rund um die dort aktuell ausgestellte „Wrapped Violin“ Christos und 25 Skizzen von ihm eingeladen: Ab 16 Uhr präsentieren und diskutieren die Studierenden und Dozierenden des Seminars eigene Werke und geben Einblicke in eine „Theologie mit Christo und Jeanne-Claude“. Ab 18 Uhr setzen sich Pascal Sangl, Elio Jaeger und Helmut Rumpf-Hufnagel in einer Performance aus Tanz, Figurenspiel und performativen Bildern mit dem Thema des Verbergens und Enthüllens auseinander.
Das Diözesanmuseum Rottenburg (Karmeliterstr. 9, 72108 Rottenburg am Neckar) ist ab Tübingen Hbf in ca. 15 min erreichbar. Es ist am 21. Juni bereits ab 11 Uhr geöffnet (Eintritt: 3,50 Euro; zur Performance ab 18 Uhr: 10 Euro). Die Intervention mit Christos „Wrapped Violin“ und seinen Skizzen ist noch bis zum 31. Juli zu sehen.
Beachten Sie bitte auch die Website zur Intervention des Diözesanmuseums Rottenburg sowie das Interview mit Simon Linder und Julian Tappen im Uni-Newsletter.