Forschung

Forschen heißt, Probleme lösen. Denn Wissenschaft hat die Aufgabe, die Wirklichkeit zu erforschen, alte, etablierte Erkenntnisse und deren Grundannahmen zu prüfen und bei Bedarf zu korrigieren, neue Erkenntnisse zu gewinnen und somit das Wissen über die Wirklichkeit zu mehren.

Dabei geht es aber nicht nur darum, den Wissensbestand auszubauen, sondern auch darum, Handlungsempfehlungen geben zu können, um die Wirklichkeit und damit das Leben der Menschen in dieser Wirklichkeit besser zu machen. Um wissenschaftlich akkurat und gesellschaftlich relevant sein zu können, muss Wissenschaft intersubjektiv sein. Die im wissenschaftlichen Prozess formulierten Aussagen und Erkenntnisse müssen unabhängig von den Personen nachvollziehbar und überprüfbar sein.

Am IRex werden der Rechtsextremismus, seine unterschiedlichen Ideologien, Erscheinungsformen, Praktiken und Folgen sowie deren gesellschaftliche Einbettungen erforscht.  Dies geschieht methodenpluralistisch und aus einer inter- und transdisziplinären Perspektive.

Rechtsextremismusforschung verstehen wir daher als politische Kulturforschung, um den Zusammenhang zwischen gesellschaftlich vorzufindenden Werte- und Normensystemen (Kultur) einerseits und institutionellen Bedingungen (Struktur) andererseits zu fassen. Dabei sind Deutungskultur und Symbolkultur relevant, also nicht nur individuelle und kollektive Einstellungsmuster, sondern auch symbolische Repräsentationen.

Die Forschung am IRex zielt auf die Erfassung der Vielschichtigkeit der Erscheinungsbilder des Rechtsextremismus. Untersucht wird die lebensweltliche Verankerung des Rechtsextremismus nicht nur in explizit rechtsextremen Milieus, sondern auch in der Breite der Gesellschaft, in Alltagskulturen und nicht zuletzt in Protestkulturen mit modernisierungs- und demokratiekritischen Positionen und rechtsextremem Gedankengut.

Research Note: “Researching far right extremism—a transdisciplinary, lifeworld, and political culture perspective”

Forschungsprojekte

Unbehagen an der Geschichte? Umgang mit Antisemitismus und Rechtsextremismus im Kontext von Gedenkstättenpädagogik

Laufzeit: 2026 – 2027. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (in Co-Leitung mit Marina Chernivsky, KOAS)

Das zweiteilige Forschungsprojekt „Unbehagen an der Geschichte?“ untersucht den Umgang mit Antisemitismus und Rechtsextremismus im Kontext von Gedenkstättenpädagogik. Ein erster Teil wurde von 2021 – 2022 am Forschungsbereich des Kompetenzzentrums für antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) durchgeführt. Der zweite Teil der Studie wird von 2026 – 2027 in einer Forschungskooperation zwischen dem IRex und dem KOAS durchgeführt, um die veränderten Anforderungen für die Gedenkstättenpädagogik nach dem 7. Oktober zu analysieren.

Auswirkungen des 7. Oktober auf jüdische und israelische Communities in Deutschland

Projektlaufzeit: 2024 – 2026. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (in Co-Leitung mit Marina Chernivsky, KOAS)

Die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) geförderte bundesweite Studie untersucht die Auswirkungen der Massaker und das Erleben der gesellschaftlichen Dynamiken nach dem 7. Oktober aus den Perspektiven von Jüdinnen_ Juden verschiedener Generationen und sozialer Hintergründe in Deutschland. Mit narrativ-biografischen Interviews, Gruppendiskussionen und der Dokumentation von Selbstbeobachtungen werden die Wahrnehmungen, Einordnungen und Auswirkungen aus jüdischen Perspektiven erhoben. Dabei werden Veränderungen der Verarbeitungsprozesse im zeitlichen Verlauf und im Zusammenhang mit früheren und aktuellen Ereignissen rekonstruiert.

Kidem - Jüdische Kindertagesstätten und demokratische Teilhabe

Projektlaufzeit: 2026 – 2027. Projektleitung: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Dipl. Psych. Marina Chernivsky (KOAS)

Das Forschungsprojekt KIDEM untersucht die Erfahrungen, Deutungen und Bedarfe von verschiedenen Akteur:innen im institutionellen Kontext von Kindertagesstätten in Bezug auf die anhaltende antisemitische Bedrohung und Erfahrungen kollektiver Gewalt. Das Erkenntnisinteresse der Studie betrifft die Auswirkungen des 7. Oktober 2023 auf die jüdischen Kindertageseinrichtungen in Deutschland. Die Studie wird gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) umgesetzt. 

Verbundprojekt RE-ACT: Institutioneller Antisemitismus

Projektlaufzeit: 2026 – 2029. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai

Das Forschungsprojekt „Institutioneller Antisemitismus“ untersucht den Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen (Kita, Schule, Hochschule). Das Erkenntnisinteresse betrifft institutionenspezifische Routinen, Praktiken, Wissensbestände, Narrative und Dynamiken in der Aushandlung von Antisemitismus. Das vom BMFTR geförderte Verbundprojekt „REACT – Jüdische Re-Aktionen auf Antisemitismus in Bildungsinstitutionen wird gemeinsam durchgeführt mit Dipl. Psych. Marina Chernivsky (KOAS), Dr. Karen Körber (IGdJ) und Dr. Anna Körs (UHH).

Antisemitismus im Kontext Schule - Bundesländerstudienreihe

Projektlaufzeit: 2018–fortlaufend. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (in Co-Leitung mit Marina Chernivsky, KOAS)

Das Erkenntnisinteresse der Bundesländerstudienreihe betrifft die lebensgeschichtlichen Erzählungen, Deutungen und Verständnisse von Antisemitismus sowie die narrativen Praktiken zum Umgang mit Antisemitismus an Schulen. In der Studie werden die Perspektiven von jüdischen (ehemaligen) Schüler:innen, Lehrkräften, Schulsozialarbeiter:innen sowie Akteur:innen der Bildungspolitik analysiert und relationiert.

Rechtsextremismus-Monitoring

Projektlaufzeit: Juni 2023–fortlaufend. Projektleitung am IRex: PD Dr. Rolf Frankenberger.

Gemeinsam mit unseren Partner*innen haben wir eine Heuristik zur Erfassung von extrem rechten Ereignissen (weiter)entwickelt, um ein online verfügbares, raumbezogenes Ereignismonitoring zunächst für Baden-Württemberg umzusetzen und so auch einer interessierten Öffentlichkeit einen genaueren Überblick über extrem rechte Aktivitäten im Land zu bieten. Das Ereignismonitoring wird zukünftig über die Forschungsplattform Extreme Rechte ausgespielt werden. Weitere Informationen folgen.

Umfrageforschung

Projektlaufzeit: Januar 2025–fortlaufend. Projektleitung am IRex: PD Dr. Rolf Frankenberger.

Wie extrem rechte Einstellungen in Baden-Württemberg verbreitet sind, erforschen wir anhand von quantitativen Umfragen und qualitativen Fallstudien. Mit der ersten Welle der Befragung im Jahr 2025 angefangen werden wir unter Verwendung einschlägiger Instrumente der Einstellungs- und Rechtsextremismusforschung die politische Kultur Baden-Württembergs regelmäßig beforschen. Weitere Informationen folgen zeitnah.

Mapping far right violence against people with disabilities, resistance and professional approach (MAVIOPA) – Inter- und transdisziplinäres Verbundforschungsprojekt

Projektlaufzeit: Juni 2025–Juni 2028. Projektleitung am IRex: Prof.*in Dr.*in Heike Radvan.

„Extrem rechte Gewalt gegen Menschen mit (kognitiven) Behinderungen – Eine Studie und Transfer mit dem Ziel der Stärkung von Schutz, Empowerment und Politischer wie beruflicher Bildung“, Verbundprojekt von Prof.*in Dr.*in Heike Radvan mit Prof.*in Dr.*in Christiane Leidinger, Politik- und Sozialwissenschaftler*in, in Kooperation mit der Lebenshilfe Mönchengladbach als Praxispartner.

Identifikation und Klassifikation radikaler und extremistischer Akteure und Akteurinnen auf Telegram (IKreAT)

Projektlaufzeit: 2025–2027. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Annett Heft.

In IKreAT wird untersucht wie sich unterschiedliche Verfahren zur Identifikation und Klassifikation radikaler und extremistischer Akteure auf Telegram hinsichtlich Zuverlässigkeit und Validität unterscheiden und wie verschiedene Entscheidungen bei der Identifikation und Klassifikation die identifizierten Akteurs-konstellationen und Inhalte auf Telegram beeinflussen. Das DFG-geförderte Projekt wird gemeinsam von Prof. Dr. Annett Heft (Universität Tübingen) und Dr. Pablo Jost (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) geleitet.

Rechte Immersion und engagierte Öffentlichkeiten

Projektlaufzeit: März 2025–Dezember 2027. Projektleitung: Prof. Dr. Tanja Thomas. Kooperationspartner*innen am IRex: Prof. Dr. Léonie de Jonge, PD Dr. Rolf Frankenberger, Prof. Dr. Annett Heft, Prof.*in Dr.*in Heike Radvan

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, rechte Immersion zu konzeptualisieren und systematisch aufzuschlüsseln. Darunter verstehen wir den Prozess, in dem Subjekte mit rechten Weltanschauungen oder Lebenswelten involviert werden. Darauf aufbauend sollen Best-Practice-Projekte zur Förderung demokratischer Resilienz ausgewertet und ein ‚Response Framework‘ zur Resilienzförderung entwickelt werden.

Community Data Sprint: Dateneigner in die AVERA Community Datentreuhand einbeziehen (Com-DS)

Projektlaufzeit: 2025–2026. Projektleitung am IRex: Prof. Dr. Annett Heft.

Com-DS verfolgt das Ziel, die Community-Datentreuhand AVERA in der Forschungscommunity stärker zu verankern und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Das gemeinsame Teilprojekt der Universität Tübingen und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird kooperativ von den Principal Investigators Dr. Pablo Jost und Prof. Dr. Annett Heft geleitet.

Raumbezogene Wahlanalysen 2024 und 2025

Projektlaufzeit: November 2023–Februar 2025. Projektleitung am IRex: PD Dr. Rolf Frankenberger.

Wahlen sind zentraler Bestandteil repräsentativen Demokratien. Das IRex-Team analysiert Wahlergebnisse auf zwei Arten: 1. Kartografisch-räumliche Analyse: Wahlergebnisse insbesondere extrem rechter Parteien auf der Gemeindeebene werden kartografisch aufbereitet und so räumliche Muster sichtbar gemacht. 2. Strukturdatenanalyse: Strukturdaten wie etwa Einwohnerdichte, Arbeitslosigkeit, Männeranteil oder Anbindung an den ÖPNV werden in statistischen Analysen genutzt, um die Wahlergebnisse zu erklären. Entlang dieser Vorgehensweise haben wir die Bundestagswahlen 2021 und 2025 sowie die Europawahlen 2024 und die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2024 analysiert.

Extrem rechte Raumkonstruktionen

Projektlaufzeit: Juli 2023–Juli 2024. Projektleitung am IRex: PD Dr. Rolf Frankenberger.

Auf der Basis von Partei- und Wahlprogrammen extrem rechter Parteien in Deutschland untersucht ein interdisziplinäres Team mit Forscher*innen aus  Politikwissenschaft und Geographie, welche Vorstellungen von Raum, Heimat, Landschaft und Natur diese Parteien formulieren und wie diese mit extrem rechten Ideologien aufgeladen werden. Dazu erschienen ist das Buch „Raumkonstruktionen extrem rechter Parteien in Deutschland - Eine explorative Studie": Wie imaginieren extrem rechte Parteien Raum? Und wie werden diese Raumkonstruktionen in größere Narrative eingebettet?