Exzellenzstrategie

Forschungsprojekt: Ökologische Entwicklung des ehemaligen Gipsbruchs Ammerbuch/Breitenholz

Systematische Bestandsaufnahme im Hinblick auf Landnutzung, Biodiversität und Naturraumpotentiale auf dem Gelände des ehemaliges Gipsbruches am Schönbuchwesthang zwischen Entringen und Breitenholz. Dies beinhalt eine umfassende ökologische Aufnahme der verschiedenen Flächen (Biotoptypen/Landschaftselemente), Studien zu Vielfalt und Funktion von Faunen- und Florenbestand, Bestimmung von Bodeneigenschaften und Bodenaktivität, Wasserrückhaltung im Untergrund sowie weiterer geoökologischer Faktoren. Auf Basis einer ersten Bestandaufnahme sind weitere Forschungsarbeiten unter Einbeziehung von Partnerinstituten geplant. Dauerbeobachtungen sollen eine Rekonstruktion der Ökosystemdynamik ermöglichen. Neue Methoden und Lehrformate können am Standort getestet werden. 

Das Vorhaben wird gefördert durch die Gips-Schüle Stiftung, Stuttgart: Laufzeit ist - bei positiver jährlicher Evaluierung: 2025-2027. Projektleitungen: Nils Anthes, Alexander Beer, Martin Ebner, Rebecca Hahn, Carsten Leven, Mirco Rohman, Hermann Rügner.

Laufende Arbeiten: 

Bestandsaufnahme Vegetation, Boden und Bodenwasserchemie in den Biotoptypen des Gipsbruchgebiets

Masterarbeit Josia Reinhold: Characterisation of a former gypsum quarry on the edge of the Schönbuch Nature Conservation Area - a basis for multifunctional landscape management: Kartierung von Biotoptypen (Vegetation) auf repräsentativen Flächen (Landschaftselemente) nach dem Braun-Blanquet System; Bestimmung systemrelevanter Bodenparameter und Bodenwasserchemie; Erstellung von Diversitätsindices als Maß für die Pflanzenvielfalt. Ausweisung von Dauerbeobachtungsflächen für wiederkehrende Messungen. --> abgeschlossen August 2025 (Betreuung M. Ebner, C. Leven, H. Rügner).

Kurzzusammenfassung siehe --> Poster

Erfassung Dynamik Vogelbestand (Biodiversitäts-Monitoring) mittels „Acoustic Monitoring“ im Gipsbruchgebiet

Masterarbeit Nils Hinze: "Entwicklung einer Methode zur Erfassung der Vogelrevierdichte und -verteilung auf Basis eines „Passive-Acoustic-Monitoring-Ansatzes“: Durchführung von Tonaufnahmen mittels autonomer Aufnahmegeräte an 28 repräsentativen Stellen im Projektgebiet; Auswertung der Tonaufnahmen und Bestimmung der Vogelarten mittels KI-gestützer Software. Anschließende Ermittlung der Revierdichte mithilfe bioakustischer Indizes. Eine Verifizierung erfolgt über parallel durchgeführte klassische ornithologische Erfassungen. (Abgeschlossen März 2026; Betreuung Nils Anthes). 

Zusammensetzung von Tagfaltergemeinschaften (Biodiversitäts-Monitoring) im Gipsbruchgebiet

Studienarbeit Inka Hahn, Paulo von der Wense Goncalves, Nils Hinze: Zusammensetzung von Tagfaltergemeinschaften in den verschiedenen Biotopen im Gipsbruchgebiet: Ermittlung von Artenzahlen und Abundanzen adulter Tagfalter, Charakterisierung von Artgemeinschaften und Vergleich der Vielfalt und Artzusammensetzung mit angrenzenden Gebieten. Sichtbeobachtungen adulter Falter entlang von Transsekten in verschiedenen Biotoptypen (Streuobstwiese, offene Gipsflächen und Grünlandflächen) im Zeitraum April-September 2025 - angelehnt an das Tagfalter-Monitoring Deutschland. (Abgeschlossen Oktober 2025; Betreuung: Martin Ebner)

Kurzzusammenfassung siehe --> Poster

Gipsbruchgebiet als Modellstandort für geomorphologische Prozesse in löslichen Gesteinsformationen in Baden-Württemberg

Studienarbeiten zur Fragestellung, wie schnell der anstehende Gispkeuper an der Oberfläche verwittert, auslaugt bzw. erodiert wird. Auf Basis von lokalen Wetterdaten, Eluatproben, berechneten Stofffrachten in Gewässern, Oberflächenvermessungen zum Wasseraustritt (ULF-Befliegungen) und konzeptionellen Stoffaustragsbetrachtungen sollen entsprechende Abschätzungen für den Steinbruchbereich selbst und im Vergleich auch für benachbarte, weniger gestörte Hänge durchgeführt werden. Diese Daten fließen in die Parametrisierung von Landschaftsentwicklungsmodellen ein, die wiederum die lithologische Abfolge in Baden-Württemberg berücksichtigen. Damit soll geklärt werden, welche möglicherweise entscheidene Rolle die lösungsfähigen Gesteine bei der Oberflächendynamik des Südwestdeutschen Schichstufenlandes spielen. --> Studienarbeiten 2025 (Vorarbeiten), 2026 (Betreuung: A. Beer, C. Leven, H. Rügner).

Vergleichende Analyse von Tagfaltergemeinschaften in ehemaligen Gips- und Muschelkalksteinbrüchen und angrenzenden Gebieten

Vergleichende Analyse der Tagfaltergemeinschaften in drei ehemligen Gipssteinbrüchen, zwei Muschelkalksteinbrüchen, sowie zwei weiteren Standorten im Gebiet zwischen Herrenberg und Tübingen. An den Standorten erfolgt eine Aufnahme auf je drei verschiedenen, vorab festgelegten Habitattypen (Vorauswahl auf Basis einer ersten Begehung). Im Fokus stehen i) Gebiete mit geringer Vegetation und offenen Steinflächen, (ii) Wiesen, und iii) Gebiete mit dichterer Vergatation wie Büsche, Baumbestand. (Masterarbeit Katja Weinheimer, Beginn April 2026; Betreuung: Nils Anthes) 

Vergleichende Habitatnutzung der Blauflügeligen Ödlandschrecke in einem aufgelassene Gipsbruch und einem Kalkmagerrasen-Habitat

Die Habitatqualität für die Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) soll in zwei strukturell unterschiedlichen Teilflächen in beiden Untersuchungsgebieten untersucht werden. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen kleinräumigen Habitateigenschaften und der Habitatnutzung der jeweiligen Populationen festzustellen. Daraus sollen konkrete Hinweise für ein angepasstes Habitatmanagement zum Schutz von Oedipoda caerulescens und der entsprechenden Habitate abgeleitet und die Bedeutung der Art als Struktur- und Sukzessionsindikator diskutiert werden. (Masterarbeit T. Czekay, Beginn Juni 2026; Betreuung: Nils Anthes) 

Rekonstruktion der Ökosystemgeschichte des Gipsbruchgebietes am Schönbuch Westhang über Pollenanalysen

Die Ökosystemgeschichte des erweiterten Gipsbruchgebietes am Schönbuch Westhang soll über Pollenanalysen rekonstruiert werden. Fragestellung sind hierbei u.a., wie sich die Vegetationsdecke am Schönbuch-Westhang im Holozän durch Klimaveränderungen und Landnutzung verändert hat und ob sich ein Einfluss einer früheren Besiedlungsgeschichte im Neolithikum zeigt (in < 1 km Entfernung befindet sich die archäologische Fundstelle „Tiefer Weg“ aus dem Neolithikum). Die im nahen Sumpfgebiet (Hungerbrunnen) vorkommenden > 1 m mächtige Weichsedimente haben sich in Vorarbeiten als geeignet für eine entsprechende Pollenanalyse erwiesen. Mittels Rammkernsondierungen sollen  Bohrkerne entnommen werden. Zur ökologischen Einordnung der Pollengesellschaften soll eine Transferfunktion zwischen aktuellen Vegetationstypen und Pollenspektren an der Bodenoberfläche erstellt werden. Die Auswahl der Standorte für die Erstellung der Transferfunktion soll sich an der Masterarbeit von Josia Reinhold orientieren (siehe oben). Zusätzlich werden Pollenregen und Luftpartikeldeposition in verschiedenen Habitattypen des Gipsbruches im Jahresverlauf gemessen.  --> Masterarbeit Herbst 2026.

Aufbau und Test einer Funk-basierten Datenfernübertragung für verteilte Messstationen (Meteo, Wasser, Boden)

Aufbau und Test einer Funk-basierten Datenfernübertragung für verteilte Messstationen im Gipsbruchgebiet. Nach und nach sollen so die Daten von Messstationen (bspw. Lufttemperatur, Luftfeuchte, Strahlung, Bodentemperatur, Bodenfeuchte, aber auch Wasserstände und On-line Parameter aus Grund- und Oberflächengewässern) an die Universität Tübingen übertragen werden. Der Aufbau des Funknetzes umfasst die Kopplung der Sensoren/Stationen an das Netz sowie die Installation von Sendern und Empfängern/Repeatern an geeigneten Positionen. (Studienarbeiten 2026; Betreuung: Mirco Rohman)

Integration des Vorhabens in die Akademische Lehre

05. Juni 2025: Studium Generale on Tour (N. Andries, Hochschule Esslingen): Geoökologie und Geologie Gipsbruchgebiet, Akustisches Vogelmonitoring (J. Reinhold, H. Rügner; N. Hinze, Universität Tübingen); Historie Gipsabbau (S. Hofmann, Gips-Schüle Stiftung Stuttgart); Natura 2000 & Flora-Fauna-Habitat (R. Wegerer, LRA Tübingen); Naturschutzmaßnahmen (P. Lemke, Landschaftsschutz Altingen). 

Fahrradexkursion am 24. Okt. 2025: Geologie (Aufschlüsse), Klima (Wetterstationen), Ökologie (Aufnahme einer Transferfunktion Vegetation & Blattstreu) und Entnahme eines Bohrkernes zur pollenanalytischen Untersuchung im Rahmen der Geländeübung Msc Kurs „Conservation Paleaoecology“. 

Info & Details zu den verschiedenen Vorhaben über: Dr. Hermann Rügner (h.ruegner@uni-tuebingen.de).