Während der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 wurden Menschen aus religiösen, rassistischen, politischen oder ideologischen Gründen verfolgt, entrechtet und ermordet. In diesem Zusammenhang verloren viele ihr Eigentum durch Zwangsverkäufe, Enteignungen oder Beschlagnahmungen. Kulturgüter, die ihnen unrechtmäßig entzogen wurden, werden als NS-Raubgut bezeichnet.
Nicht nur Archive und Museen, sondern auch Bibliotheken zählten zu den Institutionen, die von Enteignungen und Beschlagnahmungen profitierten. Beschlagnahmte oder geraubte Bücher wurden staatlich organisiert an Bibliotheken in Deutschland verteilt.
In unserem erweiterten „Objekt des Monats“ möchten wir im Juni und Juli einen Einblick in die Arbeit zum Thema NS-Raubgut geben und von persönlichen Schicksalen berichten, die sich hinter den Bücherlieferungen an die UB Tübingen verbergen. Besonders hervorzuheben sind hier der Jurist Max Fleischmann und der HNO-Arzt Cäsar Hirsch. Zur Aufarbeitung der Vorgänge in der Bibliothek sind die Akten des Universitätsarchivs Tübingen eine zentrale und wertvolle Quelle.
Die Menge an aktueller Literatur zur Provenienz- und Raubgutforschung unterstreicht die Bedeutsamkeit des Themas mehr denn je.