Exzellenzstrategie

Geförderte Workshops

Kosmopolitismus als Machtkritik? Ansätze für eine andere Globalität im krausismo

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Claus Dierksmeier

Kurzbeschreibung

Wie kann die Weltgemeinschaft Verantwortung für ihre Krisen und Risiken, für die Global Commons und die Lebenschancen aller Menschen organisieren? Wie sollte eine ökologisch, sozial und politisch verantwortliche Globalisierung aussehen? – Zur Beantwortung dieser Fragen richtet der Workshop den Blick auf die iberophone Tradition des krausismo.

Beim krausismo handelt es sich um eine Geistesbewegung, die seit Mitte des 19. Jh. von Spanien und Portugal aus ihren Weg nach Lateinamerika findet und dort Verfassungsrecht, Sozialpolitik, Völkerrechtsdenken sowie Bildungs- und Kulturpolitik beeinflusst. Inhaltlich geht der krausismo zurück auf die Philosophie des deutschen Philosophen K.C.F. Krause (1781-1832). Der krausismo verfolgt ein partizipatives Governance-Modell, bei dem die Idee der Freiheit nicht nur das Ziel, sondern vor allem auch die Methode politischer Transformationen darstellt. Krausisten verlangen so etwa, alle von ökonomischen Beziehungen, rechtlichen Regelungen oder politischen Planungen Betroffenen direkt oder repräsentativ zu Beteiligten bei deren Entstehung zu machen.

Encountering the Global? Early Modern Germany, 1450-1850

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Christina Brauner
Prof. Dr. Renate Dürr
Dr. Philip Hahn
Dr. Anne-Sophie Overkamp
Simon Siemianowski

Kurzbeschreibung

Dass global und lokal keine Gegensätze sind, ist nicht erst seit der Rede von der ‚Glokalisierung‘ bekannt: Globale Begegnungen finden stets vor Ort statt, globale Handlungsräume stehen aber nicht allen gleichermaßen offen. Eine historische Betrachtung erlaubt, nach Ver- und Entflechtungsprozessen, aber auch nach der Performativität von Globalisierungsnarrativen zu fragen und so nicht-lineare Beschreibungsmodelle für globale Prozesse weiterzuentwickeln. Während sich die Globalgeschichte der Frühen Neuzeit bislang mehrheitlich auf die seefahrenden Nationen Westeuropas und ihre weltumspannenden Imperien konzentriert, fokussiert der Workshop einen Raum, der in der globalgeschichtlichen Forschung eher am Rande steht: die deutschsprachigen Gebiete in Zentraleuropa. Mit dem Workshop soll das Potential auslotet werden, an der Universität Tübingen ein national wie international sichtbares Forschungszentrum ‚Mikrogeschichte des Globalen‘ zu entwickeln.

„Normativität – Religion – Mobilität“

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Bernhard Anuth
Prof. Dr. Michael Droege
Prof. Dr. Stephan Dusil

Kurzbeschreibung

Religion zeichnet sich durch eine gemeinsame Glaubensüberzeugung ihrer Anhänger aus, die einer gewissen Verbindlichkeit bedarf, um Gemeinschaft schaffen zu können. Die jeweiligen Glaubenssätze sind immer auch in der Auseinandersetzung mit anderen Konfessionen und/oder Religionen geprägt und geformt worden. Dieser Begegnung mit dem religiös Anderen geht das Projekt nach. Es analysiert anhand der drei Themenfelder der innerreligiösen Reaktionen, der normativen Handlungsstrategien gegenüber anderen Religionen sowie der staatlichen Reaktion auf neue Religionen, wie sich Normativität im religiösen Bereich durch Kontakte mit anderen Glaubensüberzeugungen verändert. Dabei kommen sowohl verschiedene Formen der Normativität, die Handlungsspielräume der Akteure sowie Inklusions- und Exklusionsstrategien zur Sprache. Angestrebt wird ein vertieftes Verständnis für Verschiebungen in der normativen Verbindlichkeit von Religion, das u. a. helfen kann, Handlungsstrategien von Religionen wie von Staaten zu reflektieren sowie Konfliktlinien zu erkennen und Strategien zur Konfliktlösungen zu entwickeln.

Macht 2.0? Transformationen von Macht im Zeitalter der Digitalisierung

Antragsteller*innen

Dr. Rolf Frankenberger
Prof. Dr. Oliver Schlumberger
Dr. Mirjam Edel
Prof. Michael Butter
Albrecht Raible
PD Dr. Annika Scholl
Prof. Dr. Kai Sassenberg
Prof. Dr. Sonja Utz
Prof. Dr. Ulrike von Luxburg

Kurzbeschreibung

Digitalisierung transformiert nicht nur Ökonomien, sondern ganze Gesellschaften und deren Machtbeziehungen. Während neue ökonomische und technische Möglichkeiten und Herausforderungen vergleichsweise gut beforscht werden, wird den tiefgreifenden individuellen und gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Veränderungen vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil. Das Projekt Macht 2.0 untersucht daher Grundlagen, Ursachen und Folgen des digitalen Wandels aus trans- und interdisziplinärer Perspektive. Im Fokus stehen dabei Transformationen der Macht auf der Mikro-, Meso- und Makroebene: in individuellen Verhaltens- und Einstellungsmustern, interindividuellen Beziehungen, sozialen Medien, Organisationsstrukturen, politischen Regimen und ganzen Gesellschaften. Dabei werden Fragen nach Art und Reichweite der Transformationen von Macht ebenso beleuchtet wie nach deren Folgen für Individuen, Kollektive und ganze Gesellschaften.

Wissenschaft und Universität zwischen kolonialer Vergangenheit, postkolonialer Gegenwart und dekolonialer Zukunft

Antragsteller*innen

Prof. Gabriele Alex
Prof. Bernd Grewe
Jun.‐Prof. Johannes Großmann
Dr. Antony Pattathu
Prof. Thomas Potthast
Prof. Thomas Thiemeyer

Kurzbeschreibung

Die Diskussion um die Dekolonisierung der Universitäten, Städte und Museen hat in den letzten Jahren zu einem Decolonial Turn in der Wissenschaft geführt. Die hier entwickelten Ansätze komplementieren Postkoloniale Zugänge und gehen über diese hinaus, indem sie den Standort der Forschenden selbstkritisch hinterfragen und die koloniale Vergangenheit in Bezug zu gegenwärtiger wissenschaftlicher Verantwortung setzen. Im Rahmen dieser Ausrichtungen soll eine Brücke zwischen wissenschaftlichem Anspruch und zivilgesellschaftlicher Verantwortung geschlagen werden, um  neue Wege zum Umgang mit der kolonialen Vergangenheit und der postkolonialen Gegenwart der Universität auszuloten. Der Workshop richtet darüber hinaus den Blick auf die Gegenwarts‐ und die Zukunftsdimension dekolonialer Wissensproduktion unterschiedlicher Disziplinen und ihrer Forschungs‐ und Lehrpraxis an der Universität. Insbesondere die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren soll für Konzepte einer dekolonialen Zukunft der Universität fruchtbar gemacht werden.

Un/doing gender, un/doing religion. Lokale Praktiken der Religion und des Geschlechts in der postsäkularen Weltgesellschaft

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Marion Müller
Prof. Dr. Ursula Offenberger
Dr. Jussra Schröer
Prof. Dr. Michael Schüßler
Prof. Fahima Ulfat
Prof. Dr. Birgit Weyel

Kurzbeschreibung

Die Genderkategorie markiert gegenwärtig eine entscheidende Bruchkante zwischen dem normativen Orientierungsanspruch religiöser Traditionen einerseits und der Vielfalt faktischer Lebensbewältigung andererseits. Trotz der weltweiten Etablierung von Gleichberechtigungsnormen haben sich Vorstellungen einer traditionellen Geschlechterordnung im Kontext (verschiedener) Religionen als erstaunlich hartnäckig erwiesen. Es entzünden sich auch in der (post-)säkularen Weltgesellschaft zahlreiche Konflikte rund um das Thema „Geschlecht und Religion“. Das gilt auf nationaler und lokaler Ebene sowie für verschiedene religiöse Kontexte: So wird in der Katholischen Kirche nach wie vor um den Zugang für Frauen zu geistlichen Ämtern und Leitungsfunktionen gerungen (Maria 2.0), in den Gliedkirchen der EKD streitet man darüber, ob gleichgeschlechtliche Paare getraut oder gesegnet werden dürfen, und es gibt nach wie vor Debatten unter traditionalistisch orientierten Muslim*innen, die von einer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ausgehen.

Vor dem Hintergrund dieser Debatten interessieren wir uns besonders für eine praxistheoretische Perspektive und die Frage, wie genau in alltäglichen sozialen Praktiken religiöse und geschlechtliche Zugehörigkeit überhaupt hergestellt werden, sich überlagern oder auch wechselseitig neutralisieren. Damit wird eine Fragestellung, die häufig Gegenstand normativer Diskurse ist, empirisch gewendet. Man könnte sagen: Normative, religiöse Konzepte werden dem Stresstest des gelebten Lebens ausgesetzt. Theologisch relevante und bislang in der sozialwissenschaftlichen Forschung kaum behandelte Fragen betreffen die Beobachtbarkeit religiöser Praktiken als soziale Zugehörigkeit: Was bedeutet doing religion und welche Formen von Ausprägungen von Religionszugehörigkeit sind hierbei denkbar bzw. lassen sich beobachten? Auf der Basis welcher Merkmale erfolgen religiöse Zuschreibungen und inwiefern sind hierbei z.B. auch ethnische Zugehörigkeiten relevant? Welche Glaubensressourcen werden auf welche Weise aktualisiert oder negiert bzw. irrelevant gemacht?

All diese Fragen werden wir mit internationalen Referent*innen aus Theologie und Soziologie diskutieren. Bereits zugesagt haben: Ulrike Auga (HU Berlin), Ali Ghandour (Universität Münster), Frank Hillebrandt (Fernuniversität Hagen), Leyla Jagiella (Religionswissenschaftlerin), Saskia Wendel (Universität Köln), Heidemarie Winkel (Universität Bielefeld), Monika Wohlrab-Sahr (Universität Leipzig).

Studying Diversity after the Reflexive Turn. Timescapes, Populations, Organizations, Collaborations.

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Christina Brauner
Dr. Anno Dederichs
Prof. Dr. Boris Nieswand

Kurzbeschreibung

Diversität ist ein Schlüsselkonzept unserer Zeit, das zwischen gesellschaftlicher Zustandsbeschreibung und -bewertung changiert. Es verspricht sowohl einen analytischen Rahmen für die Interpretation sozialen Wandels als auch ein organisatorisches Programm für dessen Management bereitzustellen. Ziel der Konferenz ist es, den reflexive turn in den Sozial- und Kulturwissenschaften aufzunehmen, um diesen für die aktuelle Diversitätsdiskussion fruchtbar zu machen. Inhaltlich konzentriert sich der internationale und interdisziplinäre Workshop auf (1) timescapes der Diversität, (2) Formen des Bevölkerungsmanagements, (3) die Rolle von Diversitätprogrammen für Organisationen sowie (4) Kollaborationen über soziale und ontologische Grenzen hinweg. Im Anschluss an den Workshop sollen Perspektiven für Forschungskooperationen erörtert und entwickelt werden.

Decolonizing Global Encounters: Religion – Politics – Culture

Antragsteller*innen

Dr. Floris Biskamp
Prof. Dr. Dorothee Kimmich
Theresa Mayer
Dr. Sebastian Pittl
Prof. Dr. Michael Schüßler
Jun.-Prof. Fahimah Ulfat
Prof. Dr. Birgit Weyel

Kurzbeschreibung

Global Encounters sind heute bestimmt von multidimensionalen Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Koloniale und neoimperiale Muster bleiben auch nach dem formalen Ende der Kolonialzeit wirksam und verbinden sich zu Strukturen der asymmetrischen Verteilung von Ressourcen, Lebenschancen und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Erforschung dieser komplexen Verflechtungen verlangt eine vertiefte transdisziplinäre Reflexion, in der sich die Analyse globaler Dynamiken mit der kritischen Untersuchung kontextspezifischer Konstellationen verbindet. Die anstehende Herausforderung lautet:  Decolonizing Global Encounters.

Forum 1 „Decolonizing Religion“ hinterfragt die Rolle von Religion in postkolonialen Konstellationen und das (de)kolonisierende Potential religiöser Diskurse und Praktiken. Forum 2 „Decolonizing Politics“ untersucht die Bedingungen und Möglichkeiten dekolonialer Politiken und Rechtsverständnisse, Menschenrechtsforderungen sowie die Vielschichtigkeit und Ambivalenz von Emanzipationsprozessen. In Forum 3 „Decolonizing Culture“ wird nach den Symbolstrukturen von Religion, Politik und Ökonomie sowie nach den Mechanismen und Voraussetzungen der Produktion von „Sinn“, „Bedeutung“ und „Identität“ in postkolonialen Kontexten gefragt.

Kolonialität und Global Encounters in der Kultur/Geschichte der Romania

Antragsteller*innen

Dr. Romana Radlwimmer
Dr. Adrian Masters

Kurzbeschreibung

In der frühen Neuzeit entstanden ausgehend von der europäischen Romania globale Netzwerke. Romanische Staatsformen, ihre Literaturen und theologischen Traktate trafen auf lokale Wissenssysteme, Kunstformen und Gemeinwesen in Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien, was umfassende politische, philosophische, künstlerische und ethische Debatten sowie neue Formen literarischer und bildlicher Repräsentation generierte. Der interdisziplinäre Workshop soll die frühneuzeitliche Kultur/Geschichte der Romania von top-down-gesteuerten administrativen und religiösen Gesichtspunkten aus, sowie durch organischere bottom-up-Perspektiven erkunden, die Beteiligung und Opposition nicht-romanischer Menschen und deren Annullierung aus der Global Awareness der Zeit ausloten und ein oppositionelles Verständnis textueller und nicht-textueller Welten und Archivsysteme hinterfragen. Nicht zuletzt soll Kolonialität, i.e. die anhaltenden sozialen und kulturellen Auswirkungen der Kolonisierung, im Zentrum des Interesses stehen.

Rethinking Well-Being in the Global South: Politics, Imaginaries, and Subjectivities

Antragsteller*innen

Prof. Dr. Sebastian Thies
Dr. Nadja Lobensteiner

Kurzbeschreibung

Well-Being hat aktuell als Leitbegriff Hochkonjunktur in jenem Feld von Politiken, Imaginarien und Praktiken, in dem die grundsätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten von Zukunft im geopolitischen Machtgefüge zwischen Nord und Süd verhandelt werden. Im Workshop werden wir im Dialog mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Regionen des Globalen Südens das Konzept Well-Being diskutieren, welches im Globalen Süden häufig auf ganzheitlichen und kollektiven autochthonen Vorstellungen basiert. Wir werden interdisziplinär arbeiten und so eine systematische Herangehensweise an Well-Being mit Blick auf die Felder Gesundheit, Bildung, Arbeit, ökonomischer Prosperität, Teilhabe am Gemeinwesen, Kulturschaffen, Spiritualität, Ethik und Nachhaltigkeit ermöglichen. Es soll untersucht werden, wie in den lokalen, regionalen, nationalen und globalen Verflechtungszusammenhängen des Globalen Südens in den ausgewählten sozialen Feldern, das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Modellen von gutem Leben ausgehandelt wird und welche Auswirkungen die Durchsetzung oder Dominanz spezifischer Modelle des guten Lebens für die soziale, kulturelle und politische Praxis in den untersuchten Feldern hat. Ziel des Workshops ist es, divergierende Modelle von Well-Being zu untersuchen und so einen innovativen Beitrag zum Verständnis von der Gestaltbarkeit von Zukunft im Globalen Süden zu liefern.

The Emergence of a Shared Super-Value of Climate Protection: Analyzing Legal, Institutional and Societal Responses to a new Global Value Configuration

Antragsteller*innen

Prof. Thomas Diez
Prof. Reinhard Johler
Prof. Jochen von Bernstorff
Prof. Stefan Thomas

Kurzbeschreibung

tba

Shifting Orders: Belonging in transition / Zugehörigkeiten im Umbruch

Antragsteller*innen

Dr. Eveline Cioflec
Dr. Niels Weidtmann

Kurzbeschreibung

Tradierte und starre Formen der Zugehörigkeit werden in der zunehmend globalen Gesellschaft problematisch. Ihre Veränderung hält mit dem Wandel der Gesellschaft im Allgemeinen nicht Schritt. Die Frage ist allerdings, ob und wie vollständig sich die/der Einzelne oppressiven oder einengenden Zugehörigkeiten entziehen kann und ob sie/er dies nur dann kann, wenn sie/er zugleich neue Formen der Zugehörigkeit ausbildet. Lassen sich Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit überhaupt kategorial streng unterscheiden oder greifen sie nicht immer schon ineinander, so dass jeder Form von Zugehörigkeit ein Moment der Nicht-Zugehörigkeit einwohnt und es sich somit eher um zeitlich dynamische Strukturen handelt? Indem wir die Dichotomie von Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit kritisch in den Blick nehmen, suchen wir nach den Grenzen, an die diese Dichotomie im individuellen Leben und Handeln sowie in der Gesetzgebung und den Menschenrechten stößt. Anhand der zentralen Aspekte der (Nicht)-Identität, des Eigentums und der Normativität eruieren wir Möglichkeiten, Zugehörigkeiten im Übergang und in ihrer Ambivalenz zu fassen.