Orient- und Islamwissenschaft

Lehrstuhl Islamische Geschichte und Kultur

Prof. Dr. Regula Forster

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Bachelorprüfung am Lehrstuhl Islamische Geschichte und Kultur

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Aktuelles am Lehrstuhl

Schreibrohr, Tinte und Papier: Arabisch schreiben wie im Mittelalter

Eindrücke vom Kinder-Uni-Forschungstag, 1. Juli 2023

Illuminiert, katalogisiert, digitalisiert – Eindrücke von der Exkursion "Islamische Buchkultur" (WS 2022/3)

verfasst von Antonia Heger und Katarina Roberts

Abertausende arabische, persische und osmanische Handschriften liegen in Bibliotheken in der ganzen Welt. Sie sind Zeugen nicht nur ihrer Zeit, sondern auch der Menschen, die sie geschrieben, gelesen und vervielfältigt haben. Das Studium dieser Dokumente bedeutet, mit der Geschichte der islamischen Welt und ihren Akteur*innen direkt in Verbindung zu treten, und legt ein Fundament für historische Forschung.

Unter dem Titel „Islamische Buchkultur“ unternahm eine Gruppe von rund zwanzig Studierenden und Dozierenden der Abteilung für Orient- und Islamwissenschaft vom 16.–19. November 2022 eine Exkursion unter der Leitung von Prof. Dr. Regula Forster. Mit dem Ziel, die praktische Arbeit mit diesen historischen Dokumenten kennenzulernen, besuchten wir drei der wichtigsten Handschriftensammlungen der Islam- und Orientwissenschaft in Deutschland.

Erste Station der Exkursion war die Bayerische Staatsbibliothek München. Dort empfing uns Dr. Felix Wiedemann zu einer Präsentation über die Grundlagen der Kodikologie, der wissenschaftlichen Beschäftigung mit handgeschriebenen Texten. Am Nachmittag waren die Studierenden selbst gefragt: Anhand von Beispielen aus dem Bestand der BSB konnten sie verschiedene Handschriften untersuchen und erlernen, wie die wichtigsten Merkmale einer Handschrift identifiziert werden können.

Am folgenden Tag ging es weiter in die Forschungsbibliothek Gotha, die im Schloss Friedenstein in Gotha untergebracht ist. Nach einer Führung durch die historischen Räume der Bibliothek stellte uns Dr. Feras Krimsti eine Auswahl an Handschriften aus dem Forschungsbereich der Islamwissenschaft vor. Im Anschluss konnten die Studierenden erneut ihr frisch erlangtes Wissen zur praktischen Analyse arabischer Handschriften anwenden – in Kleingruppen beschäftigten sie sich mit verschiedenen Manuskripten und untersuchten unter anderem Schriftart, Kolophone, Besitzvermerke und weitere materielle und textuelle Besonderheiten der ausgewählten Stücke, aus denen Informationen über Text und Kontext einer Handschrift abgeleitet werden können.

Die Reise ging weiter nach Berlin, wo ein Besuch der Staatsbibliothek zu Berlin anstand. Dort stellte uns Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung, eine große Auswahl an arabischen Handschriften und die Besonderheiten des Bestands und seiner Geschichte vor. Er führte außerdem in die Arbeit mit der Plattform Qalamos ein, die im Rahmen des DFG-Projekts Orient-Digital entwickelt wird und der virtuellen Zusammenführung und Digitalisierung der Bestände orientalischer Handschriften in Deutschland dient. Im Anschluss nahmen sich die Studierenden noch unbearbeitete Handschriften vor und untersuchten sie nach wichtigen Informationen für eine zukünftige Katalogisierung.

Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch des Museums für Islamische Kunst in Berlin, geführt durch Mitglieder des Projekts „Multaka: Treffpunkt Museum“. Die Bauwerke und Gegenstände, die dort ausgestellt sind, zeigen die wichtige Funktion von Schriftlichkeit in der vielfältigen materiellen Kultur der islamischen Welt.

Die Exkursion bildete so eine wichtige Erweiterung des Studienalltags im Bereich Sprachen, Geschichte und Kulturen des Nahen Ostens. Besonders spannend war der praktische Bezug zur aktuellen Forschung und die Möglichkeit, mit Manuskripten als wichtigen Zeitzeugen einen neuen, vertrauten Umgang zu erlangen.