Zeitgeschichte

Demokratie und Diktatur

'Raue' Nachkriegsdemokratien

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich Historiker:innen vermehrt mit dem facettenreichen Charakter europäischer Nachkriegsdemokratien (u.a. Conway 2020; Corduwener 2023). Beinahe einmütig betonten sie den „eingehegten“, „kontrollierten“ Charakter der ersten zwei Dekaden nach 1945 und erklärten diese fast zu einer Art golden age demokratischer Stabilität. Das Projekt geht davon aus, dass die Nachkriegsdemokratien in diesem Zeitraum nicht nur „kontrollierte“, sondern zugleich „raue“ Demokratien (vgl. zum Begriff auch Nolte 2024) waren, in denen physische Gewalt ein fortbestehender Bestandteil des demokratischen Konfliktaustrags blieb. Das Projekt wird von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert und ist in ihrem historisch ausgerichteten Teilbereich „Demokratie als Utopie, Erfahrung und Bedrohung“ angesiedelt. Federführend sind Petra Terhoeven (DHI Rom), Robert Kramm (Universität Tübingen) und Sonja Levsen (Universität Tübingen).

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Autorität und Demokratie

Das von der Volkswagen Stiftung geförderte Projekt (2011-2022) beleuchtete in komparativer Perspektive den Einfluss unterschiedlicher Vergangenheitsdeutungen und Demokratiekonzepte auf westdeutsche und französische Erziehungsdebatten nach 1945. Dem etablierten Narrativ vermeintlich spezifisch deutscher „autoritärer Traditionen“ setzte es neue Interpretationen des Verhältnisses von Demokratie und Erziehung nach 1945 entgegen. (Sonja Levsen)

Sehepunkte im Wandel

Die Geschichte der Bundesrepublik ist in Bewegung. Im März 2024 haben über 30 Historiker:innen in Tübingen darüber diskutiert, wie sich unser Verständnis grundlegender Wandlungsprozesse der Bundesrepublik verändert, welche Geschichten wir heute über sie erzählen (müssen) – und wie wir diese Geschichte(n) heute erzählen können. Ein Sammelband ist in Vorbereitung. (Sonja Levsen)

Who Cares? Negotiating Gender and Society at Spain’s Sickbeds 1930-1948

Die Studie untersucht am Beispiel der Krankenfürsorge aus geschlechterhistorischer Perspektive Spaniens gesellschaftlichen Übergang von der Restauration zu Zweiter Republik, Bürgerkrieg und Franquismus. Krankenfürsorge wird dabei als sozialer Raum verstanden, in dem konkurrierende Gesellschaftsentwürfe ausgehandelt und in gegenderten (Arbeits-)Alltag übersetzt wurden. (Katharina Seibert)