Das Methodenzentrum der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, gemeinsam mit den Instituten für Soziologie und für Erziehungswissenschaften, lädt Nachwuchswissenschaftler:innen aus Tübingen und anderen Universitäten herzlich zur Spring School Qualitativ Forschen am 9. und 10. April 2026 ein. Wer eine empirische Qualifikationsarbeit schreibt, steht je nach Phase im Forschungsprozess vor ganz unterschiedlichen Fragen der Verschriftlichung: Wie formuliere ich meine Forschungsidee gegenüber Forschungsförderern? Wie schreibe ich ‚im Feld‘? Welche Arten des Schreibens erfordert die Materialanalyse? Wie stelle ich die Ergebnisse in einem internationalen Kontext angemessen dar? Angeleitet durch Expert:innen für qualitative Sozialforschung erarbeiten und reflektieren die Teilnehmenden adäquate Verschriftlichungsformen für unterschiedliche Phasen ihres Forschungsprozesses. Im Rahmen der Spring School werden parallel fünf Workshops stattfinden, an denen Sie entweder aktiv oder passiv teilnehmen können.
Die Keynote zum Thema “'I knew that reading the texts wouldn't do me much good anyway' - Ethnographic Perspectives on Generative AI and Changing Practices of Reading in Academia" werden Prof. Dr. Christoph Bareither und Dr. Lukas Griessl (Universität Tübingen) halten.
Abstract zur Keynote: ”The rise of generative AI (GenAI) tools like OpenAI’s ChatGPT in various aspects of academic life has set in motion profound transformations of everyday academic practices. One domain particularly affected by GenAI is the way we explore knowledge and engage with academic literature, especially the practices of searching for, reading, and working with texts. Drawing on empirical data from the research project "Hybrid Epistemic Practices" the keynote provides ethnographic perspectives on the ongoing transformation of academic reading practices."
Im Anschluss werden am Donnerstag nachmittag und am Freitag folgende parallele Workshops angeboten:
1. Workshop: Exposées und Anträge schreiben für qualitative Forschung
Leitung: Prof. Dr. Almut Peukert (Universität Hamburg)
Das Exposé für die Promotion oder ein Antrag für ein qualitatives Projekt stellen besondere Herausforderungen an die forschende Person. Anhand dieser beider Textsorten setzen wir uns mit folgenden Fragen auseinander: Wie lässt sich eine Argumentation auf den Punkt bringen – was kann man weglassen und was ist unverzichtbar? Wie stelle ich Forschungsdesign und Arbeitsprogramm nachvollziehbar und überzeugend dar? Was ist ein geeigneter Schreibstil? Wie geht man mit dem „Forschungstand“ um und wie schließe ich an die Forschungslücken an, die das Projekt zu bearbeiten verspricht? Der Workshop ist als ein Forum konzipiert, in dem wir gemeinsam diese und weitere Fragen anhand von Work-in-Progress-Texten der Teilnehmenden diskutieren.
2. Workshop: Ethnografische Feldnotizen entwickeln: Schreiben im und über das Feld
Leitung: Prof. Dr. Tobias Boll (Universität Mainz)
Der Workshop widmet sich drei zentralen Momenten ethnografischer Datenproduktion: dem Schreiben im Feld, dem Ausarbeiten von Fieldnotes und dem Übergang zwischen beidem. Ethnografisches Schreiben beginnt im Feld: in schnellen Notizen, im beobachtenden Schreiben und im Versuch, Situationen festzuhalten, während man selbst Teil davon ist. Am Schreibtisch werden aus diesen „rohen“ Notizen ausgearbeitete Feldnotizen. Wir arbeiten daran, wie flüchtige Skizzen und Beobachtungsfragmente entstehen, und wie sie sich in Feldnotizen übersetzen lassen. Die Teilnehmenden bringen Notizen in unterschiedlichen Stadien mit, an denen wir gemeinsam erarbeiten, wie daraus ergiebiges ethnografisches Datenmaterial wird.
3. Workshop: (Audio)-Visuelle Grounded Theory Methodologie. Analyse von (bewegten) Bildern und Anschlusskommunikationen
Leitung: Dr. Marc Dietrich (Universität Trier)
Bilder und bewegte Bilder bilden zentrale Kommunikatoren in digitalisierten und mediatisierten Gesellschaften. Es stellen sich Fragen danach, was die genannten Medien ausmacht, welchen Status sie in Kultur und Gesellschaft haben und was wie mit welchen Methoden an ihnen untersucht werden kann. Visuelle (z.B. Werbung, Magazincover, Instagrambilder uvm.) und audiovisuelle Daten (u.a. Nachrichtenclips, Spielfilme oder Musikvideos) können aus qualitativer Sicht aber immer auch nach medialen Eigengesetzmäßigkeiten befragt werden. Von solchen Analysen ausgehend können dann nicht nur jene Produkte und Kommunikationen rekonstruiert werden, die die visuellen Daten kontextualisieren, sondern auch solche, die sich in Form von (digitaler) Anschlusskommunikation (Social-Media-Kommentare etc.) anlagern. Im Workshop werden theoretische und methodische Zugänge zu Bildern und bewegten Bildern erarbeitet und anhand ausgewählter Projekte exemplarisch diskutiert.
4. Workshop: Kartieren und Schreiben: zur Forschungspraxis der Situationsanalyse
Leitung: Prof. Dr. Ursula Offenberger (Universität Tübingen)
Nach einem Überblick über die situationsanalytische Grounded Theory und aktuelle Debatten dazu widmen wir uns Fragen des Kartierens (Mappings) in ausgewählten Projekten: Situationsmaps, soziale Welten/ Arenen-Maps und Positionsmaps. Dadurch erhalten Teilnehmende einen Einblick in den Wert von Mapping in allen Forschungsstadien – von der Entwicklung einer Fragestellung über den Nutzen von Maps fürs theoretische Sampling und das Forschungsdesign hin zur Unterstützung des analytischen und des abduktiven Denkens. Besonderes Augenmerk gilt dem Verhältnis von Kartieren und (Memo-)Schreiben.
5. Workshop: Digitale Ethnografie
Leitung: Prof. Dr. Maria Schreiber (Universität Klagenfurt)
Digitale Ethnografie eignet sich besonders dazu, virtuelle Communities, digitale Kulturen und Phänomene zu untersuchen, die in erster Linie online und meist auf Social Media stattfinden. Im Fokus steht die Rekonstruktion von Praktiken, Dynamiken und Deutungsmustern, wobei die Daten, die erhoben werden, vielfältig sind und von Screenshots und multimodalen Social-Media-Posts über Plattformmetriken, Interviews, Beobachtungsprotokolle u.v.m reichen. Im Workshop werden wir typische Herausforderungen wie die Eingrenzung des Forschungsfelds, das Verhältnis unterschiedlicher Datentypen zueinander, die Relevanz von Plattformaffordanzen sowie forschungspraktische und -ethische Tools und Strategien diskutieren und erproben.
Aktiv Teilnehmende bringen eigenes Material aus ihrem Forschungsvorhaben ein. Die Auswahl findet unter Berücksichtigung der spezifischen Lernziele der einzelnen AGs statt. Alle anderen Teilnehmenden sind automatisch ‚passiv‘.
Für eine aktive Teilnahme an einem der Workshops reichen Sie bitte eine ca. 1seitige Projektskizze mit Angabe der Untersuchungsfrage, der Art des empirischen Zugangs und der Art der generierten Daten ein. Einreichfrist für Material ist der 15. Februar 2026. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen an: qualitativ@mz.uni-tuebingen.de. Erfahrungsgemäß bringt eine aktive Teilnahme aufgrund der Arbeit am eigenen Material wertvolle Denkanstöße und ergiebige Auswertungen. ‚Work in Progress‘ bietet sich für die aktive Teilnahme besonders an. Im Fall der Annahme werden Sie in Absprache mit den Dozierenden gebeten, exemplarische Auszüge Ihres Datenmaterials für die Gruppenarbeit bereit zu stellen. Wir werden Sie bis Mitte März 2026 informieren, ob Ihr Projekt in einem Workshop diskutiert werden kann.
Indem passiv Teilnehmende an fremdem Datenmaterial arbeiten, erhalten sie exemplarische Einblicke in spezifische Untersuchungsperspektiven, Schreib- und Analysestrategien und entwickeln Lösungsmöglichkeiten für die empirische Arbeit, die für das eigene Promotionsprojekt von Nutzen sind.
Passive Anmeldung: Bis 8. März 2026.
Bitte melden Sie sich über Eveeno an: https://eveeno.com/spring_school_2026
Teilnahmegebühr: 50,00€ inklusive Tagesverpflegung am 9. und 10.4.2026
Die Teilnahmegebühr kann nur bei einer Abmeldung bis zu vier Wochen vor der Veranstaltung erstattet werden.
Alle Informationen gebündelt inkl. Details zum Workshopablauf finden Sie hier.