Institut für Medienwissenschaft

Dr. Helena Atteneder

Helena Atteneder ist Akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl „Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung“

Universität Tübingen
Medienwissenschaft
Wilhelmstraße 50
72074 Tübingen
Raum 129a

 +49 7071 29-77312
helena.attenederspam prevention@uni-tuebingen.de 
 

Sprechstunde

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Aktuelles

Neuerscheinung: Geomediatisation

This chapter contributes to the further development of mediatisation theory by applying the relatively new concept of geomediatisation to close social relationships and providing a theoretical foundation for the analysis of geomediatised relationships with a focus on their dialectical aspects. Geomediatisation describes the increasingly perceived indispensability of geomedia technologies and their influence on almost all areas of life, such as finance and trade, mobility, sport and work, but also family life, love life and relationships. In addition to the increasing dependencies, processes of geomediatisation are said to cause people to adapt their actions and interactions accordingly. In this context, the question of how close social relations are lived and negotiated in this new era of geomediatisation and how they can be grasped in their dialectics is addressed.

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Big Tech und die Next Billion Users: Digitaler Kolonialismus?

Informationstechnologien wie das Internet haben unser Leben revolutioniert und völlig neue Möglichkeiten für globale Kommunikation und Vernetzung geschaffen. Eine sich zunehmend beschleunigende Digitalisierung, die von ständiger technischer Innovation geprägt ist, steht in starkem Kontrast zu mehr als der Hälfe der Weltbevölkerung, die keinen Internetzugang hat.

Während Konzerne wie Facebook und Google, aber auch chinesische Tech-Großkonzerne wie Huawei, hohe Summen an finanziellen Mitteln in die digitale Infrastruktur der strukturschwachen Regionen stecken, bleibt die Frage, wie eigennützig diese Investitionen wirklich sind. Werden die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung berücksichtigt oder steht die Ausweitung von Dominanz und Einflusssphäre der Unternehmen alleinig im Vordergrund?

Oftmals werben Big Tech-Konzerne mit Versprechen von Teilhabe, Fortschritt und Empowerment (Ermächtigung). Gleichzeitig wird den dominierenden Technologiekonzernen eine systematische Ausbeutung von Ressourcen (vor allem Daten) der lokalen Bevölkerung vorgeworfen, die mit dem Begriff „digitaler Kolonialismus“ beschrieben werden.
Mehr dazu in der kürzlich veröffentlichten Webdoku von Frederik Naegele, die als Abschlussprojekt von Helena Atteneder betreut wurde.

https://projektstudium.netlify.app/index.html

Neuerscheinung: Machtasymmetrien in geomediatisierten Welten.

Ansätze einer kritischen Neubewertung gesellschaftlicher (Kommunikations-)­Phänomene in Raum und Zeit werden jüngst in der semi-autonomen Brückendisziplin „Geomedia“ bzw. „Geomedia Studies“ vereint, die sich an der Schnittstelle zwischen Medien-, Kommunikationswissenschaft und Geographie etabliert hat. Daran anknüpfend wird Geomediatisierung als die zunehmende Durchdringung der Gesellschaft mit Geomedientechnologien und deren wahrgenommener Uner­läss­lichkeit in einer Vielzahl von Alltagszusammenhängen als dialektischer Prozess verstanden, dessen detaillierte Ausformung dem Kräfteverhältnis und den Aushandlungsprozessen mehr oder weniger einflussreicher (sozialer) Interessen­gruppen obliegt. Machtverhältnisse manifestieren sich dabei sowohl in den Potentialen bzw. Schranken für individuelle Nutzer*innen, in den Strukturen der Gesellschafts- und (kapitalistischen) Wirtschaftsordnung und letztlich in Prozessen der sozialen und räumlichen (Re-)Produktion.

In diesem Buch werden auf jeweils unterschiedlichen Abstraktions- und Analysestufen Geomedientechnologien als sozio-technologische Phänomene kritisch erschlossen und im Hinblick auf Manifestationen von Macht überprüft.

Link zum Buch.


Profil

Zu den Forschungsschwerpunkten von Helena Atteneder zählen Theorien zu Raum/Ort, Medien und Macht, sowie kritisch-dialektische Perspektiven auf Geomedien und Medientechnologien. Bezogen auf Phänomene der Al­go­rith­misierung und Datafizierung und im Speziellen der ubiquitären Geodatenerfassung, stehen in ihrer Forschung die damit verbundenen sowohl autonomie-, als auch über­wachungs­fördernden Tendenzen im Fokus, sowie Aspekte von Datenschutz und Privatsphäre („Geoprivacy“). 
Sie befasst sich zudem mit Ungleichheits- und Stereo­typenforschung aus medien- und kommunikations­wissens­chaftlicher Perspektive.

Curriculum Vitae

Helena Atteneder hat an der Universität Salzburg Kommunikationswissenschaft studiert und ihre Magisterarbeit, zum Thema Alter/Generation/Stereotype verfasst. Die Arbeit wurde mit dem GAM-Nachwuchspreis ausgezeichnet und im kopaed Verlag veröffentlicht. 

Danach war sie von 2013 bis 2015 am IFFB_Geoinformatik an der Universität Salzburg tätig, hatte anschließend eine Promotionsstelle am Fachbereich Kommunikationswissenschaft (Center for ICT&S) inne und dort ihr Doktorat mit der Arbeit: „Geomedia (re)thinking the dialectics of space/place and media. Veränderte Machtverhältnisse in geomediatized worlds.“ abgeschlossen. Ihre Dissertation leistet einen aktuellen Beitrag zur Verknüpfung sozialgeografischer und kommunikationswissenschaftlicher Theorie in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien und etabliert Geomedia Studies im deutschsprachigen Raum. Für ihre Forschungsprojekte war Helena Atteneder im April 2017 als Gastforscherin an der Fudan University in Shanghai und der Beijing Foreign Studies University tätig und für einen 6-wöchigen Forschungsaufenthalt im April/Mai 2019 in Karlstad (Schweden) am „Department of Geography, Media and Communication“. Dort konnte sie sich insbesondere mit der „Geomedia Research Group“ vernetzen und austauschen.

Zuletzt war Sie als Lektorin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft in Salzburg tätig und zudem wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen. Das BMBF-geförderte Projekt „DiGeo - Generalisierbarkeit und Transferierbarkeit digitaler Fachkonzepte am Beispiel mündiger digitaler Geomediennutzung in der Lehrkräftebildung“ hat die Entwicklung und anwendungsbezogene Beforschung eines digitalen Fachkonzeptes zum Kompetenzaufbau zur mündigen Nutzung digitaler Geomedien zum Ziel. Am Standort Duisburg-Essen war Helena Atteneder bis zuletzt für das Teilprojekt zu Reflexion/Reflexivität als Teil eines reflektiert-kritischen Umgangs mit Geomedien verantwortlich.

Die wichtigsten Publikationen

  • Atteneder, Helena (2022): Geomediatisation.A dialectical approach to close social relationship dependence, normalisation and adaptation. In: Kopecka-Piech, Katarzyna/Sobiech, Mateusz (Hrsg.): Mediatisation of Emotional Life. Abingdon: Routledge, S. 56-71.
  • Atteneder, Helena (2022): Machtasymmetrien in geomediatisierten Welten. Geomedien als Konzept zur Neubewertung der Dialektik von Raum/Ort und Medien. Wiesbaden: Springer
  • Abend, Pablo/Atteneder, Helena (2021): Geomediatisierung. In: Bork-Hoffer, Tabea/Füller, Henning/Straube, Till (Hrsg.): Handbuch Digitale Geographien: Welt – Wissen – Werkzeuge. Stuttgart: utb, S. 50-63.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard (2020): Under control: Audio/Video Conferencing Systems Feed “Surveillance Capitalism“ with Students’ Data. In: Proceedings of the 13th CMI Conference on Cybersecurity and Privacy (CMI) - Digital Transformation - Potentials and Challenges, S. 1-7. DOI: 10.1109/CMI51275.2020.9322736
  • Atteneder, Helena/Herdin, Thomas (2020): The role of geomedia in building intercultural competence - A qualitative case study within the context of a student exchange program between Austria, Germany and China. In: KOME − An International Journal of Pure Communication Inquiry 8 (2), S. 1–22. DOI: 10.17646/KOME.75672.54.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard/Jekel, Thomas (2019): „…ich habe ja nichts zu verbergen!“ Zwischen ubiquitärer Geodatenerfassung als Geschäftsmodell und individuell-kontextuellem Geoprivacymanagement. In: GW-Unterricht 154 (2), S. 21–34. DOI: 10.1553/gw-unterricht154s21.
  • Thiele, Martina/Atteneder, Helena (2019): Zu jung, um alt zu sein? „Best Ager“ in Journalismus und Werbung. In: Dimitriou, Minas (Hrsg.): Der Körper in der Postmoderne – zwischen Entkörperlichung und Körperwahn. Wiesbaden: Springer VS, S. 169–183.
  • Steinmaurer, Thomas/Atteneder, Helena (2019): Permanent Connectivity: From Modes of Restrictions to Strategies of Resistance. In: Eberwein, Tobias/Karmasin, Matthias/Krotz, Friedrich/Rath, Matthias (Hrsg.): Responsibility and Resistance: Ethics in Mediatized Worlds. Wiesbaden: Springer, S. 107–117.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard (2018): Geomedia and privacy in context. Paradoxical behaviour or the unwitting sharing of geodata with digital platforms? In: Mediatization Studies 2, S. 17–48. DOI: 10.17951/ms.2018.1.2.17-48. 
  • Atteneder, Helena (2018): Geomedia. Manifestations of Power as Mediatized Communication Practices – A Foucauldian Approach. In: GI_Forum - Journal for Geographic Information Science 2018 (2), S. 103–118. DOI: 10.1553/giscience2018_02_s103.
  • Atteneder, Helena (2017): Mediale Konstruktionen von Alter und Generation. Erkenntnisse einer transdisziplinären Stereotypenforschung. München, kopaed. http://www.kopaed.de/kopaedshop/?pid=1073
  • Atteneder, Helena/Peil, Corinna/Maier-Rabler, Ursula/Steinmaurer, Thomas (2017): Digitale Resilienz und soziale Verantwortung. Überlegungen zur Entwicklung eines Konzepts. In: Medien Journal 41 (1), S. 48–55. DOI: 10.24989/medienjournal.v41i1.349.

Vollständige Publikationsliste Stand Februar 2022